Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Sucht den Herrn, er lässt sich finden,
ruft ihn an, er ist nah!
Der Frevler soll seinen Weg verlassen,
der Übeltäter seine Pläne.
Er kehre um zum Herrn,
damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott;
denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen. – Kv
GL 76,1
Herr, jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig.
Groß ist der Herr und hoch zu loben, *
unerforschlich ist seine Größe. – (Kv)
Der Herr ist gnädig und barmherzig, *
langmütig und reich an Huld.
Der Herr ist gut zu allen, *
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. – (Kv)
Gerecht ist der Herr auf all seinen Wegen *
und getreu in all seinen Werken.
Nahe ist der Herr allen, die ihn rufen, *
allen, die ihn aufrichtig rufen. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philíppi.
Schwestern und Brüder!
Ich erwarte und hoffe,
dass Christus verherrlicht werden wird in meinem Leibe,
ob ich lebe oder sterbe.
Denn für mich ist Christus das Leben
und Sterben Gewinn.
Wenn ich aber weiterleben soll,
bedeutet das für mich fruchtbares Wirken.
Was soll ich wählen?
Ich weiß es nicht.
Bedrängt werde ich von beiden Seiten:
Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein –
um wie viel besser wäre das!
Aber euretwegen
ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.
Vor allem:
Lebt als Gemeinde so,
wie es dem Evangelium Christi entspricht!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Gemeinde von Philippi ist in dreifacher Hinsicht etwas Besonderes: Sie ist die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden – nämlich in Mazedonien. Bemerkenswert sind auch ihre "Gründungsmitglieder": Laut Apostelgeschichte 16 begann die Geschichte der Gemeinde in Philippi mit der Bekehrung der Purpurhändlerin Lydia. Sie stand bereits dem Judentum nahe und ließ sich nach der Predigt des Paulus mit ihrem ganzen Haus – allen, die mit und von ihr lebten – taufen. Man könnte also sagen, daß das Christentum in Europa auf die Lebenswende dieser reichen und unabhängigen Frau zurückgeht! Und schließlich scheinen die Philipper wohlhabender gewesen zu sein als die übrigen Paulusgemeinden: Nur von ihnen ließ sich Paulus finanziell unterstützen. Der Dank für eine Geldspende ist übrigens – neben anderem – auch ein Grund dieses Schreibens.
Als Paulus um ca. 55 n. Chr. an die Gemeinde in Philippi schrieb, war er im Gefängnis und spürt die "die Last seiner Ketten" (1,17). Die meisten Bibelwissenschaftler nehmen eine Gefangenschaft in Ephesus an, die in der Apostelgeschichte zwar nicht erzählt wird, auf die aber Paulus vor allem im 2. Korintherbrief mehrfach anspielt.
Durch die Zeilen des Philipperbriefs weht Gefängnisluft: Worte wie "sehnen", "hoffen", "warten" kehren häufig wieder, wenn Paulus von sich selber schreibt. Die Gegenwart ist bedrückend, seine Zukunft gänzlich ungewiß. Es ist durchaus möglich, daß er das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen wird.
Aus unserer sicheren, warmen und unbedrohten Lebenswelt könnten wir diese Perikope leicht als eine Verherrlichung des Jenseits und eine Abwertung des Diesseits lesen. Das gegenwärtige Leben des Paulus ist aber ein gequältes, eingeschränktes – ein Gefängnis um 55 n.Chr. ist kein Wellnes-Urlaub. Paulus muß sich mit der sehr realen Möglichkeit eines nahen Todes auseinandersetzen. Angesichts dieser Bedrohung ist keine Zeit für Smalltalk – in diesen Zeilen spürt Paulus der Essenz seines Lebens nach, was es ist, das ihn zuinnerst leben läßt. Hier findet er den Lebenssatz "Für mich ist Christus das Leben". Damit hat er den Dreh- und Angelpunkt gefunden, von dem aus er seinem Leben und Sterben neu und gelassener gegenüberstehen kann.
Die Gemeinde von Philippi hat Paulus auf seiner sog. zweiten Missionsreise gegründet. Mit ihr war er in einer sehr guten Beziehung, sodass er sich von ihr auch unterstützen ließ, was eine große Ausnahme war. Paulus hat den Philipperbrief aus einer Gefangenschaft geschrieben.
Die Gemeinde steht unter der Verfolgung, zu der es nach apokalyptischem Verständnis in der Endzeit kommen muß???
Paulus möchte zwar lieber die Gemeinschaft mit Christus im Tod, ist aber bereit, um der Philipper willen noch weiterzuleben, damit diese sich einzig am Evangelium Christi orientiere und Einheit und Liebe lebe.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philíppi.
Schwestern und Brüder!
Ich erwarte und hoffe,
dass Christus verherrlicht werden wird in meinem Leibe,
ob ich lebe oder sterbe.
Denn für mich ist Christus das Leben
und Sterben Gewinn.
Wenn ich aber weiterleben soll,
bedeutet das für mich fruchtbares Wirken.
Was soll ich wählen?
Ich weiß es nicht.
Bedrängt werde ich von beiden Seiten:
Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein –
um wie viel besser wäre das!
Aber euretwegen
ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.
Im Vertrauen darauf weiß ich,
dass ich bleiben und bei euch allen verbleiben werde,
um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen,
damit ihr euch in Christus Jesus umso mehr meiner rühmen könnt,
wenn ich wieder zu euch komme.
Vor allem:
Lebt als Gemeinde so,
wie es dem Evangelium Christi entspricht!
Halleluja. Halleluja.
Herr, öffne uns das Herz,
dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
der früh am Morgen hinausging,
um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag
und schickte sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus
und sah andere auf dem Markt stehen,
die keine Arbeit hatten.
Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Ich werde euch geben, was recht ist.
Und sie gingen.
Um die sechste und um die neunte Stunde
ging der Gutsherr wieder hinaus
und machte es ebenso.
Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging,
traf er wieder einige, die dort standen.
Er sagte zu ihnen:
Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?
Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.
Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war,
sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:
Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus,
angefangen bei den Letzten,
bis hin zu den Ersten!
Da kamen die Männer,
die er um die elfte Stunde angeworben hatte,
und jeder erhielt einen Denár.
Als dann die Ersten kamen,
glaubten sie, mehr zu bekommen.
Aber auch sie erhielten einen Denár.
Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn
und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet
und du hast sie uns gleichgestellt.
Wir aber
haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.
Da erwiderte er einem von ihnen:
Freund, dir geschieht kein Unrecht.
Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart?
Nimm dein Geld und geh!
Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.
Darf ich mit dem, was mir gehört,
nicht tun, was ich will?
Oder ist dein Auge böse,
weil ich gut bin?
So werden die Letzten Erste sein
und die Ersten Letzte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Perikope von den Arbeitern im Weinberg bzw. besser vom guten Weinbergbesitzer ist Sondergut des Evangelisten Matthäus. Sie spielt im Rahmen des Evangeliums eine bedeutsame Rolle.
Das Gleichnis erzählt von einem Gutsherrn, der zur Erntezeit zu verschiedenen Stunden des Tages Arbeiter für seinen Weinberg sucht, aber nur mit den ersten den Tageslohn vereinbart: 1 Denar (reicht als Nahrung für 12 Personen).
Der gute Herr gibt den zuletzt angeworbenen Arbeitern denselben Lohn wie jenen von der ersten Stunde und verhilft ihnen so zur gleichen Lebensmöglichkeit.
Die Hörer sollen verstehen: So handelt Gott. Wahrscheinlich hat Jesus damit erklärt, warum er sich gerade um die Schwachen und die Sünder kümmert. Er will in seiner Botschaft und in seinem Verhalten den Menschen die unendliche Güte Gottes nahebringen gegenüber allen selbstgerechten Frommen, die sein Verhalten missbilligen.
Das Gleichnis vermittelt uns ein großartiges Gottesbild. Im Kern geht es hier nicht um Lohn - der Kontext des Spruches von den Ersten und Letzen muss bedacht werden, damit das Wesentliche der Botschaft zum Tragen kommt - sondern um die unerwartete Güte Gottes, der jedem Menschen eine Chance gibt, eben auch jenen mit schlechteren Startbedingungen.
Zusammenhang im Matthäusevangelium: Verkehrte Welt
Das Gleichnis in Mt 20 von den Arbeitern am Weinberg kommt in den Evangelien nur bei Matthäus vor. Solche "Extrazuckerln" enthalten oft ein Kernanliegen des Evangeliums. Es gibt noch einen weiteren Hinweis darauf, wie wichtig Matthäus die Botschaft des Gleichnisses ist: Der Schlusssatz – die "Moral von der Geschicht" – kommt fast wortwörtlich schon einmal im Evangelium vor, und zwar unmittelbar vor unserer Perikope in Mt 19,30: "Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein." Wem gehört das Himmelreich, das neue Leben nach Jesu Art? Dieses Thema wird auf dem Weg Jesu nach Jerusalem hinauf, in dessen Zusammenhang das Gleichnis vorkommt, mehrfach variiert. Die Antworten und Beispiele Jesu, die wir um unser Gleichnis herum finden (Mt 19,13-20,28), stellen alle bisherigen Auffassungen auf den Kopf: Anteil an dieser gesegneten Gemeinschaft mit Gott und den Menschen haben auf jeden Fall die Kinder (die im alten Orient gar nichts galten) nur selten die Reichen (die – nicht nur im alten Orient – sehr viel gelten), nicht einmal die, die alle Gebote halten die, die um Jesu willen alles und alle verlassen haben aber auch unter ihnen sollen die Rangordnungen der Welt völlig auf den Kopf gestellt werden: "Wer bei euch der erste sein will, soll euer Sklave sein" (Mt 20,27), weil auch Jesus nicht anders gehandelt hat.
Warum Jesus Gleichnisse erzählt
In diese "verkehrte Welt" passt unser Gleichnis gut hinein. Denn gerade das ist die besondere Wirkung der Gleichnisse Jesu: Er lädt uns ein, sichere und "vernünftige" Verhaltensweisen beiseite zu lassen (die uns bisher nicht glücklich gemacht haben) und es einmal mit der "Unvernunft Jesu" zu versuchen: Mit Jesu Art, sich Gott gegenüber nicht "abzusichern", sondern einfach Vertrauen zu wagen.
Z.B.: Jesu Gleichnis vom Senfkorn holt uns aus einer "vernünftigen", aber verzagten und mutlosen Einstellung heraus. Er sagt uns damit: Natürlich kenne ich das Gefühl "von Nix kommt Nix" oder "von so etwas Kleinem erwarte ich mir lieber nicht zuviel". Schlechte Erfahrungen haben dich diese Vorsicht gelehrt. Aber mit dem Reich Gottes ist es ganz anders! Das hält sich nicht an die menschliche Vernunft. Denk an das Senfkorn: Da entsteht aus etwas Winzigkleinem etwas Riesiges. Versuch es doch mal mit Vertrauen! Wenn du dich darauf einlässt, dann erlebst du am eigenen Leib schon ein bisschen "Reich Gottes": Befreiung von deinem Misstrauen und deiner übertriebenen Vorsicht.
Es gibt wohl kein Gleichnis, das unserem Alltag, unserer buchhalterischen Vernunft, unserer Weltklugheit mehr zuwiderläuft, als unser Vorliegendes in Mt 20 von den Arbeitern im Weinberg. Darum ist es so "anstößig" im besten Sinne des Wortes: Es bringt unseren Alltagstrott zum Stolpern und schubst uns in eine neue Richtung – ein sehr heilsames Gleichnis.
Gott rechnet anders als wir. Nicht Leistung, Erfolg oder die Frage, wer zuerst da war, entscheiden über seine Liebe. Auch die Späten, die Übersehenen und die, die einen neuen Anfang brauchen, bekommen seine ganze Zuwendung. Das Gleichnis lädt deshalb ein, weniger zu vergleichen und mehr zu gönnen. Denn wir alle leben letztlich von Gottes Großzügigkeit.
Jesus erzählt heute ein Gleichnis, bei dem wahrscheinlich jeder Betriebsrat Schnappatmung bekäme. Da arbeiten Menschen den ganzen Tag im Weinberg. Zwölf Stunden. In der Hitze. Andere kommen erst kurz vor Feierabend. Vielleicht haben sie gerade noch eine Traube gesehen – und schon ist Schluss. Dann wird ausgezahlt. Und alle bekommen gleich viel. Da möchte man doch rufen: Jesus, das kannst du nicht ernst meinen! Das ist ungerecht! Wer mehr arbeitet, muss auch mehr bekommen. Leistung muss sich lohnen! - Stimmt. Aber Jesus hält heute keine Vorlesung über Arbeitsrecht. Er erzählt vom Himmelreich. Und da gelten andere Maßstäbe.
Schauen wir einmal auf die Menschen, die erst am Abend eingestellt werden. Der Weinbergbesitzer fragt sie: „Warum steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?“ Und sie antworten nicht, "weil wir keine Lust hatten; weil wir lieber ausschlafen wollten; weil Arbeit grundsätzlich nicht unser Ding ist..." Sie sagen: „Niemand hat uns angeworben.“ Da steckt eine ganze Lebensgeschichte in diesem einen Satz: Niemand wollte uns; niemand brauchte uns; niemand traute uns etwas zu; für die anderen waren wir nicht gut genug… Vielleicht waren sie zu alt, zu schwach, zu langsam. Vielleicht sahen sie nicht besonders belastbar aus. Die Tüchtigen und Kräftigen waren längst vermittelt. Übrig blieben diejenigen, die niemand haben wollte. Doch dieser Weinbergbesitzer geht noch einmal los. Kurz vor Feierabend. Eigentlich lohnt sich das überhaupt nicht mehr. Aber bei Gott lohnt sich jeder Mensch. Auch der, den andere längst abgeschrieben haben. Auch der, dessen Lebenslauf nicht glänzt. Auch der, der zu spät kommt. Auch der, der Chancen verpasst und Umwege gemacht hat. Gott sagt nicht: „Mit dir kann ich nichts mehr anfangen.“ Er sagt: „Komm! Für dich ist noch Platz.“
Am Abend bekommen alle einen Denar. Das war damals nicht irgendein großzügiger Bonus. Ein Denar war ungefähr das, was eine Familie für einen Tag zum Leben brauchte. Hätte der Besitzer den Letzten nur ein paar Münzen gegeben, hätten ihre Familien am Abend gehungert. Der Besitzer zahlt also nicht nach Leistung. Er schaut darauf, was der Mensch zum Leben braucht. Das ist keine mathematische Gerechtigkeit. Es ist die Gerechtigkeit des Herzens. Gott fragt nicht zuerst: Was hast du geleistet? Er fragt: Was brauchst du zum Leben? Und genau das ärgert die Arbeiter der ersten Stunde. Nicht, weil sie zu wenig bekommen. Sie erhalten exakt den vereinbarten Lohn. Ihr Problem ist: Die anderen bekommen genauso viel.
Das kennen wir doch. Eigentlich geht es uns gut. Aber dann schauen wir nach rechts und links: Warum hat der mehr? Warum wird die gelobt? Warum bekommt der noch eine Chance? Warum wird ihr so schnell vergeben? Warum steht der plötzlich im Mittelpunkt, obwohl ich mich seit Jahren abrackere?
Solange wir auf das schauen, was wir haben, können wir dankbar sein. Sobald wir anfangen zu vergleichen, wird selbst das Gute bitter. Der Weinbergbesitzer fragt deshalb: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Was für eine Frage! Kann es sein, dass uns Gottes Güte ärgert? Nicht, wenn sie uns gilt – natürlich nicht! Aber wenn Gott zu Menschen gut ist, bei denen wir finden: Die haben das nicht verdient. Da sind wir plötzlich sehr korrekt. Für uns selbst wünschen wir Barmherzigkeit. Bei den anderen bestehen wir auf Gerechtigkeit. Gott aber führt keine Bonuskarte für besonders fromme Menschen. Zehn Gottesdienste – und beim elften gibt es einen Extrasegen. So funktioniert das nicht. Wir können uns Gottes Liebe nicht erarbeiten. Wir können sie nur annehmen.
Das gilt auch für unsere Kirche. Manchmal verhalten wir uns, als gehöre die Kirche vor allem denen, die schon immer da waren. Denen, die alle Gebete kennen, genau wissen, wann man aufsteht, und auch noch erzählen können, wie der Pfarrer vor vierzig Jahren hieß. Aber das Reich Gottes kennt keine Stammkunden. Da kommt einer nach zwanzig Jahren wieder in die Kirche – und Gott freut sich. Da beginnt eine Frau spät im Leben wieder zu beten – und Gott sagt nicht: „Das fällt dir aber früh ein.“ Da wagt jemand trotz vieler Fehler einen Neuanfang – und Gott hält ihm nicht erst seine Vergangenheit unter die Nase. Da steht vielleicht einer kurz vor seinem Lebensende und flüstert zum ersten Mal seit Jahrzehnten: „Gott, wenn es dich gibt, dann lass mich jetzt nicht allein.“ Und Gott ist da. Volle Liebe. Keine Kürzung. Kein Rabattsegen. Keine halbe Portion Himmel. Ist das ungerecht? Nein. Das ist Gnade.
Wir halten uns gerne für die Arbeiter der ersten Stunde. Schließlich sind wir da. Wir haben uns eingesetzt. Wir haben ausgehalten, mitgetragen und manches geschluckt. Aber vielleicht täuschen wir uns. Vor Gott sind wir alle Menschen der letzten Stunde. Keiner von uns kann sagen: Ich habe mir den Himmel verdient. Keiner kann Gott am Ende eine Rechnung vorlegen. Wir alle leben von seiner Großzügigkeit. Der Prophet Jesaja sagt: Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und seine Wege sind nicht unsere Wege. Gott rechnet nicht kleinlich. Gott rechnet mit uns. Mit jedem von uns.
Das ist die Botschaft dieses Sonntags: Gönn doch mal! Gönn dem anderen die zweite Chance. Gönn ihm Gottes Nähe. Gönn ihr den Neuanfang. Gönn dem Nachzügler denselben Himmel. Denn die Güte Gottes wird nicht weniger, wenn er sie mit anderen teilt. Im Gegenteil: Das ist doch der Himmel – dass am Ende niemand draußen bleiben muss, nur weil er zu spät gekommen ist. Gott geht bis zur letzten Stunde auf den Marktplatz. Er wird nicht müde, Menschen zu suchen. Und solange Gott noch unterwegs ist, ist kein Leben verloren. Nicht deins. Nicht meins. Und auch nicht das Leben des Menschen, dem wir Gottes Güte vielleicht gerade nicht gönnen wollen. Gott ist unverschämt großzügig. Gott sei Dank!
Jesus erklärt seinen Zuhörern mit einem Vergleich aus der harten Realität der Tagelöhner den für viele schwer verständlichen Begriff Gnade. Nicht nur der Begriff ist schwer verständlich, auch sein Inhalt ist für viele nur schwer annehmbar.
Mit achtzehn hab ich im Sommer bei der Post am alten Wiener Südbahnhof Packerln geschupft. Mit den dortigen Arbeitern habe ich Sendungen nach Zustelladressen auf Rollwägen sortiert und sie Zöllnern zur Bewertung vorgelegt. Vieles davon läuft inzwischen automatisiert in modernen Logistikzentren.
Das Bild vom menschlichen Einsatz – gemeinsamen Anpacken und dem Sich-Einsetzen für andere – begegnet uns in der Bibel. Zusammen mit dem verlorenen Sohn und dem barmherzigen Samariter zählen die Arbeiter im Weinberg zu den bekanntesten Gleichnissen Jesu. Sie alle sind „Stories with intent“ – Geschichten, die mit der Absicht geteilt werden, dass wir uns in ihnen wiederfinden und etwas aus ihnen für unser Leben mitnehmen. Sie handeln von Großzügigkeit, von Gnade, von Barmherzigkeit – von einer Haltung, die bereit ist, „mehr“ zu geben.
Jesus griff immer wieder Situationen und Bilder aus dem damaligen Alltag auf, um den Menschen ewige Wahrheiten näherzubringen und sie in die Nachfolge aufzurufen. Wenn er von den Arbeitern im Weinberg erzählte, dann sprach er von Jüngerschaft. Auch wir sind dazu aufgerufen, mitzuarbeiten, dranzubleiben und uns dafür einzusetzen, dass das Reich Gottes wächst.
Vielleicht verstehen wir dieses Gleichnis in einem Sommer wie dem vergangenen noch einmal anders. In Zeiten des Klimawandels fühlen wir uns ermattet, erleben Dürre bei immer mehr Hitzetagen und Tropennächten. Ein Weingarten in der sengenden Sommerhitze ist auch nicht unbedingt ein romantischer Ort. Die Hackler (österreichisch für Schwerarbeiter A.d.R.) im Weinberg hatten keinen Schreibtisch im klimatisierten Büro. Sie standen in der Hitze und warteten darauf, angeheuert zu werden. Manche waren schon frühmorgens im Arbeitseinsatz, andere kamen erst im Laufe des Tages dazu. Und doch endet die Geschichte nicht mit einer peniblen, aliquoten Abrechnung menschlicher Leistung, sondern mit der Einsicht: Gottes Maßstäbe sind größer als unsere. Das letzte Wort hat seine Gnade.
Seinerzeit am Südbahnhof mussten wir einmal die Arbeit aufgrund eines Bombenalarms niederlegen und das Gelände verlassen. Das Lokal gegenüber hat den Umsatz seines Lebens gemacht, bis die Entwarnung kam und wir weiter werken konnten. Trotz der längeren Zwangspause bekamen wir den vollen Lohn ausbezahlt. Irgendwie erinnert mich das an die Arbeiter im Weinberg: Die einen arbeiten den ganzen Tag, die anderen können erst in der letzten Stunde dazukommen – und trotzdem gibt ihnen der Weinbergbesitzer dasselbe dafür.
Das ruft Neider auf den Plan; Menschen, die anderen keinen Achtungserfolg gönnen. Sie können es nicht ertragen, dass sie mal selbst nicht im Rampenlicht stehen und dass sie nicht mehr haben als ihre Nächsten.
Das Glück und das Können anderer neidlos anzuerkennen, ist ein Zeichen von Reife, hab ich mal gelesen (vgl. Waller, A Thousand Country Roads).
Ein weiteres Zeichen ist die Fähigkeit, über all das Absurde zu lachen, das wir tun und das uns täglich passiert. Wenn wir über uns selbst lachen, verlieren wir jene Schwere, die aus dem ständigen Vergleichen entsteht.
Einige Arbeiter im Weinberg ärgern sich, weil jene, die kürzer gearbeitet haben, gleichviel dafür bekommen. – Eine Art Kurzarbeit bei vollem Lohnausgleich. Nicht das Erhalten ihres eigenen vereinbarten Lohns macht jene Menschen unglücklich, sondern das konkurrierende In‑Relation‑Setzen mit dem, was andere kriegen. Es ist wie bei einem schönen Auto, das an Wert verliert, wenn der Nachbar ein neueres hat.
Damals im Paketverteilzentrum am Südbahnhof waren immer einige Postsäcke dabei mit Paketen, die den Vermerk „Missent to Melbourne“ trugen. Die Packerln haben einen ganz schönen Umweg gemacht – von Amerika über Australien nach Austria.
In unserem Leben nehmen wir auch immer wieder den „langen Weg“ statt den direkten. Oft lernen wir daraus, versuchen, dieselben Fehler nicht zweimal zu machen.
Und Hand aufs Herz: waren wir nicht zwischendurch auch mal auf Kurzarbeit, als es ging, sich für Gottes Sache einzusetzen? So hoffen und vertrauen wir darauf, dass es am Ende gut sein wird, wenn wir unseren Lohn erhalten wie die Arbeiter im Weinberg.
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg stellt unser gewohnte Denken und unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit in Frage. Die Logik Gottes ist anders als die die Menschen. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind die Wege Gottes über die Wege der Menschen.
Wenn wir unser Leben reflektieren - daran kommen wir nicht vorbei, denn in verschiedenen Lebensabschnitten gibt es immer wieder entscheidende Situationen für jeden von uns, in denen sich die Sinnfragen stellt: Wozu das Ganze? Wieviel an Lebenszeit werde ich noch haben? Auch die Gottesfrage werden Sie dabei nicht ausklammern können. Da nützen all die Versuche nichts, „neutral“ oder „wertfrei“ zu bleiben, und alles, was mit Religion oder Gott zu tun hat, auszuklammern. Es ist die Gretchenfrage der Menschen: Wie hältst Du's mit der Religion? (J. W. Goethe, Faust I). Der Mensch ist ein fragendes Wesen.
Das lehrt bereits die erste Lesung mit ganz nüchternen Feststellungen: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt“ und „Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken“. Bei Jesaja ist das sehr auffällig. Wo tut das Leben besonders weh? Wenn Gottes Wege nicht so verlaufen, wie wir uns das vorstellen, da gibt es viel Enttäuschung, Resignation. Ist Gott wirklich so mächtig, wie das immer wieder geschildert wird? Die Spannung von Distanz und Nähe ist kaum auszuhalten. Das zeigt der Prophet an den Begriffen „Himmel“ und „Erde“. Gott ist so groß, dass er menschliche Logik sprengt.
Noch deutlicher zeigt sich das im Bild des „brennenden Dornbusches“ (Ex 3,1- 6). Mose ist neugierig. Es wird eine Neugier nach Gott. Der Mensch fragt nach und forscht. Das darf man wohl tun, aber ohne hybrid zu werden, deshalb heißt es auch: „Tritt nicht näher!“ Manche Beobachtung ist so geheimnisvoll, dass man nicht dahinterkommt. Das ist auch das Wesen eines Geheimnisses. Ein Rätsel wird eher zu lösen sein. Gott gibt uns aber die Zusage: Ich bin immer für dich da! Gott ist nicht der Wunscherfüller auf Knopfdruck.
Im Vaterunser beten wir: „Dein Wille geschehe“ und haben dabei nicht selten im Hinterkopf: Mein Wille geschehe! So lehrt uns die erste Lesung, das Heilige nicht zu ignorieren, denn Gott lässt sich immer wieder auf andere Weise finden. Die Evangelien zeigen, dass Jesus ständig auf der Suche nach Fernstehenden ist. Damals waren es Zöllner, Aussätzige, aber auch scheinbar Fromme, die mit ihrer Art Jesus auf Distanz zu anderen halten wollten durch Formalismus, um zu zeigen, was Gerechtigkeit und Vollkommenheit ist.
Das Evangelium mit seiner „himmlischen Mathematik“ wird in dieser Gottesbegegnung noch konkreter, ist sogar sehr provokant, was die Lohnauszahlung betrifft. Jedem Gewerkschafter oder Arbeitsrechtler stünden die Haare zu Berge. Welchen Sinn haben dann Lohnvereinbarungen, wenn gleicher Lohn für ungleiche Arbeitszeit herauskommt? Die Demütigung erfolgt bei der Auszahlung auch durch Verletzung der Leistungsgerechtigkeit, denn menschliches Empfinden sagt doch: Mehr Arbeit bedeutet mehr Lohn.
Das Gleichnis zeigt aber auch die Souveränität des Gutsherrn. Hier wird nicht verhandelt. Der Gutsherr weist die Kritik an ihm zurück: Gönnst du mir nicht, dass ich gütig bin? „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“ (Mt 20,15). Auch heute spielt der Neid eine große Rolle bei Lohnempfängern. Zu wenig oder überhaupt nicht wird bedacht das Lebenslabyrinth vieler Menschen mit Um- und Irrwegen, mit Sackgassen in der Biografie, die das Lebensglück mit ganz persönlichen Zielvorstellungen fast verfehlen. Sie erreichen ihr Ziel erst in der letzten Stunde.
Biblisch gesprochen ist die Zielvorstellung das Himmelreich mit der frei schenkenden Liebe Gottes. Menschen irren oft lange umher, bis sie Gott finden, weil es immer wieder Hindernisse und fragwürdige Glücksvorstellungen gibt. Vielleicht ist Ihnen das Hobellied aus Ferdinand Raimunds „Der Verschwender" bekannt: „Da streiten sich die Leut' herum oft um den Wert des Glücks. Der eine heißt den andern dumm, am End' weiß keiner nix.“ (1834 veröffentlicht). Die Literaturwissenschaft nennt es ein Besserungsstück.
Das Gleichnis des Evangeliums und den Text der ersten Lesung könnte man auch als Umkehr- und Besserungstext beschreiben. Gottes Logik gegen Menschenlogik. Jesus will uns eine großartige Zukunft vermitteln: „Leben in Fülle“ (Joh 10,10), im „ewigen Jetzt“ als grenzen- und zeitloses Glück ohne irdische Beschwerden.
Jesus hebt mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg die immer wiederkehrende Diskussion um die gerechte Verteilung der Lebensgüter auf eine höhere Ebene. Wenn wir beginnen umzudenken und die Diskussion unter der Perspektive des Himmelreiches angehen, könnte bereits jetzt ein Stück Himmel auf Erden anbrechen.
In diesen Tagen beginnen in unserem Land die Lohnverhandlungen der einzelnen Branchen. Es wird spannende und spannungsreiche Verhandlungsrunden geben. Die Arbeitnehmervertreter fordern verständlicherweise einen Ausgleich für die hohe Inflation, die Arbeitgeber stöhnen aber ebenso unter dem Einbruch der Wirtschaft infolge der Inflation usw. usw… Unter diesen Bedingungen Gerechtigkeit zu schaffen, ist eine große Herausforderung für die Sozialpartner, eine sprichwörtliche Quadratur des Kreises. Zur gleichen Zeit verhandeln Vertreter des Bundes, der Bundeländer und der Gemeinden um einen Schlüssel zur gerechten Aufteilung des Stuerkuchens…
Unter Fachleuten wird schon seit Jahren diskutiert, ob man diesem immer wiederkehrenden Tauziehen und Neuverhandeln nicht durch neue Modelle des sozialen Ausgleichs begegnen könnte, z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dieser Weg wäre so neu, dass niemand die Folgen abschätzen kann und sich kein Staat über eine solche Lösung drübertraut.
Im Evangelium haben wir ein gewagtes Gleichnis Jesu gehört. Ein Weingutbesitzer zahlt allen Arbeitern den gleichen Lohn, gleich ob sie den ganzen Tag oder nur 1 Stunde gearbeitet haben. Alle bekommen den üblichen Lohn für einen ganzen Tag Arbeit. Verständlich, dass sich die, die sich den ganzen Tag abgerackert haben, über diese Ungerechtigkeit aufregen.
Ich bin überzeugt, dass Jesus dieses Gleichnis nicht erzählt hat, um damit einen neuen Lösungsvorschlag für den Arbeitsmarkt vorzustellen. Vielmehr stellt er mit diesem Gleichnis das Verdienst- und Lohndenken viel grundsätzlicher in Frage. Damals wie heute wird die Höhe des Lohnes nach Angebot und Nachfrage geregelt. Es gelten die Regeln der Marktwirtschaft. Dem modernen Staat kommt es zu, dass er für Bereiche wie Bildung, Wissenschaft, Pflege der Kranken und Erwerbsbehinderten und für den Lebensunterhalt der Älteren einen Ausgleich schafft. Die Frage nach dem gerechten und leistbaren Lohn sowie nach angemessenen Sozialleistungen und sonstigen Staatsausgaben muss damit immer neu diskutiert werden.
Jesus bedient sich eines rhetorischen Tricks, um die Diskussion um gerechten Lohn auf eine ganz andere Ebene zu heben. Er kleidet seinen Diskussionsbeitrag in ein Gleichnis, das er ins Himmelreich verlegt. Im Himmelreich wird mit der Frage der gerechten Verteilung der Lebensgüter ganz anders umgegangen werden. Da werden alle genug für ihren Lebensunterhalt zur Verfügung haben. Alle werden aber auch freiwillig das Ihre zum Lebensunterhalt beitragen, was sie beitragen können. Dieses Verteilungsmodell funktioniert, weil für alle genug da ist, alle ihren Beitrag leisten und alle Beteiligten nicht ständig besorgt sein müssen, genug zu bekommen.
Noch leben wir auf der Erde. Alle Ideologien, die uns den Himmel auf Erden verheißen haben, sind bis jetzt gescheitert. Gescheitert sind auch jene, die dies mit einen religiösen Gottesstaat versucht haben. Gescheitert sind aber auch jene, die versucht haben, die Menschen auf ein besseres Jenseits zu vertrösten und sie damit betrogen haben.
Was bringt dann ein solches Gleichnis?
Es lädt uns ein, über unsere Lebensbedingungen und unsere Einstellung zu Besitz und Einkommen nachzudenken und einige für unumstößlich gehaltene Voraussetzungen in Frage zu stellen.
Das Gleichnis geht davon aus, dass für alle genug da ist. - Gilt das nicht schon für das Leben hier und jetzt auf dieser Erde?
Wenn wir verantwortungsvoll und nicht verschwenderisch mit unseren Ressourcen umgingen…
Wenn wir nicht durch Kriege, Besitzgier und Egoismen so viel davon vernichteten… Wir erleben das gegenwärtig durch einen Krieg, der uns alle mitbetrifft.
Wenn wir uns gemeinsam anstrengten, bessere Lösungen, z.B. für die Energiegewinnung, aber auch für die medizinische Versorgung und in vielen weiteren Bereichen zu entwickeln…
Stattdessen stecken wir unvorstellbare Summen in die Entwicklung neuer Waffensysteme…
Bleibt uns wirklich nur das Warten auf einen Himmel nach diesem Erdenleben? Jesus hat gepredigt: "Das Himmelreich ist nahe." (Mt 3,2 und Mt 4,17). Ich glaube nicht, dass er dabei nur an eine besseres Jenseits gedacht hat und die Leute ein wenig trösten wollte. Das Himmelreich ist vielmehr näher, als wir uns das zutrauen.
Ein Stück Himmel kann schon hier und jetzt beginnen, wenn wir unsere Lebenseinstellungen ändern, unsere Angst zu kurz zu kommen ablegen, uns nicht von Gier nach immer mehr treiben lassen, den Menschen, die mit uns auf dieser Erde leben, mehr Beachtung schenken, uns neue Ziele für die Zukunft setzen…
Um das Tauziehen um gerechte Löhne, Sozialausgaben und wirtschaftliche Entwicklung werden wir auch in Zukunft nicht herumkommen. Die Frage ist jedoch, mit welchen Einstellungen wir an diese Aufgaben herangehen. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg lädt uns ein, über unsere Lebenseinstellungen nachzudenken und sie an der Botschaft vom nahen Himmelreich auszurichten.
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg will nicht in unsere sozialen und arbeitsrechtlichen Strukturen eingreifen. Vielmehr verweist es auf das Reich Gottes. Dort gelten andere Wertigkeiten. Gott will gutes Leben für jeden Menschen. Er lädt uns ein, in seinem Weinberg, im Reich Gottes mitzuarbeiten und so die Fülle des Lebens zu gewinnen.
Ein Arbeitgeber, der für eine Stunde Arbeit gleich viel Lohn bezahlt wie für die Arbeit eines ganzen Tages, würde in unserer Welt weder von den Berufskammern noch von der Gesellschaft und schon gar nicht von den Gewerkschaften akzeptiert werden. Er würde unser mühsam aufgebautes System völlig durcheinanderbringen.
Das heutige Evangelium hat aber auch nicht die Absicht unsere sozialen und arbeitsrechtlichen Strukturen einzugreifen. Es will uns durch die Darstellung Gottes als Weinbergbesitzer auf der Suche nach Arbeitern, die seinen Weinberg bestellen mit seiner speziellen Art von Belohnung bekannt machen.
Jesus ist wichtig, den Unterschied zwischen göttlicher und menschlicher Dimension aufzuzeigen. Denn wie der Prophet sagt: seine Wege sind nicht unsere Wege.
Während menschlicher Lohn immer nach mathematischer Ausgewogenheit strebt, soll Gottes Entlohnung jedem, der für ihn gearbeitet hat, ein gutes Leben ermöglichen. Sein Lohn ist immer Geschenk und Gnade, nicht Verhältnis und Vergleich.
Der vereinbarte Lohn der ersten Arbeiter wurde in voller Einigkeit beschlossen und von den Arbeitern akzeptiert. Das heißt, es muss sich um einen Betrag gehandelt haben, der einem Menschen ein gutes Leben ermöglicht hat. Den ersten Arbeitern wurde alles gegeben was versprochen war. Sie erlitten kein Unrecht. Jedem Arbeiter, dem der Gutsherr auf Grund kürzerer Arbeitszeit weniger bezahlt hätte, wäre es nicht möglich gewesen, für seine Familie anständig zu sorgen. Vielleicht hätte das Geld für das Überleben gereicht, aber sicher nicht für ein gutes Leben. Gottes Ziel ist ein gutes Leben für jeden Menschen. Deshalb gleichen Lohn für alle. Warum ist das so wichtig?
Immer wieder hat Jesus das Thema Armut in den Mittelpunkt seiner Botschaft gestellt und die Menschen aufgefordert dafür zu sorgen, dass niemand so wenig hat, dass ihn die beständige Sorge „Wie kann ich es bewerkstelligen, dass meine Familie überleben kann“ plagt. Gründe dafür sind: Erstens können Armut und Not zum direkten Wegweiser in Kriminalität und Verbrechen werden, zweitens führt die Sorge ums nackte Überleben oft von der wichtigen Aufgabe, am Aufbau des Gottesreiches mitzuarbeiten, weg. Die Sorge um den Lebensunterhalt ist so vereinnahmend, dass sie alle für Reich Gottes nötigen Ideen und Anstrengungen blockiert.
Aber laut Paulus im heutigen Brief an die Philipper ist unsere biologische Existenz erst dann als Leben zu bezeichnen, wenn wir eine Verbindung zu Gott aufgebaut haben. Dass wir uns anheuern lassen, um im Weinberg Gottes mitzuarbeiten. Das meint nichts Geringeres, als am Aufbau seines Reiches in dieser Welt mitzuwirken.
Wie das konkret aussieht, hat Jesus uns vorgelebt und zur Nachahmung empfohlen. Jede Mitarbeit am großen Auftrag Gottes: in der Welt seine Herrschaft anzuerkennen und auf seine Liebe und Gerechtigkeit zu bauen, hat auch für uns äußerst positive Auswirkungen. Sie verhilft uns zu einem kritischen Umgang mit allen Pseudoerlösern die sich auf dieser Welt herumtreiben. Sie bewahrt uns davor, in bedrohlichen individuellen und gesellschaftlichen Lebenssituationen auf verführerische Einfachlösungen zu setzen und so in Abhängigkeiten zu schlittern. Daraus resultiert ein Gefühl von Freiheit und gleichzeitiger Geborgenheit, die durch nichts anderes bewirkt werden kann.
Gott schenkt uns Freiheit, Fülle und ewiges Leben, ganz unabhängig von der Zeit, die wir in seinem Weinberg arbeiten. Wichtig ist ihm nur, dass wir anheuern. Alle bekommen den gleichen Lohn, das ewige Leben in seinem Reich. Fatal wäre nur, wenn wir den Zeitpunkt versäumen, an dem ein Anheuern noch möglich ist.
Auf den ersten Blick erscheint das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ungerecht. Es verhandelt nicht so sehr die Frage nach Gerechtigkeit. Es zeigt beispielhaft die Großzügigkeit Gottes. Er gibt den Menschen nicht auf. Jeder ist ihm gleichviel lieb und wert.
In verschiedenen Altersstufen durchleben wir auch verschiedene Entwicklungsstufen des Glaubens, hat der deutsche Theologe Bernardin Schellenberger u.a. anhand des Gleichnisses von den „Arbeitern im Weinberg“ (Mt 20,1–16) ausgeführt.
Dass alle Arbeiter, egal zu welcher Stunde sie angeworben wurden, am Ende dasselbe erhalten, sorgt bei vielen für Kopfschütteln. Ist das gerecht? „Gott geht auf die Menschen zu“, meinte eine Fünfzigjährige, „so, wie der Mann immer auf den Marktplatz gegangen ist“ (vgl. Schellenberger, Aufstieg in die Weite, Kevelaer 2015, S. 81ff).
Gott gibt die Menschen nicht auf. Er ruft sie auf verschiedenste Weise dazu auf, in seinem Sinne aktiv zu werden. Der Weinbergbesitzer ruft noch zur elften Stunde Arbeiter zu sich, als das Tagwerk fast getan ist (Mt 20,6). Bei einem 12-Stunden-Arbeitstag zur Zeit der Weinlese, von 6 bis 18 Uhr, wäre das erst gegen 17 Uhr!
Am Schluss wird keiner mit weniger Lohn abgespeist. Der Gutsbesitzer schließt die Einkommensschere und ermöglicht jedem Arbeiter dasselbe Grundeinkommen. Einen Denar hat damals eine Kleinfamilie, die keine großen Ansprüche hatte, an einem Tag zum Leben gebraucht. Gut, ein Porsche war nicht drinnen, aber der war damals eh noch nicht erfunden.
Was es damals jedoch schon gab, war das neidvolle Hinüberschielen (Mt 20,15), um zu schauen, ob ein anderer nur ja nicht mehr vom Kuchen bekommen hat. Das ist bis heute so: Nichts lässt den Wert eines Autos schneller sinken, als wenn sich der Nachbar ein neues kauft. Im Gleichnis beruhigte der Weingartenbesitzer die murrenden Arbeiter: „Bleibt’s cool. Ihr habt’s doch alle den ausgemachten Lohn erhalten!“ (frei nach Mt 20,13).
Wie Gott andere in seiner Güte entlohnt, das ist seine Entscheidung. Er nimmt uns auch dann noch an, wenn wir sehr spät im Leben zu ihm finden. Sobald ich mit klopfendem Herzen bei ihm anklopfe, öffnet er mir und lässt mich eben nicht im Regen stehen. Jeder ist ihm gleichviel lieb und wert.
Am Ende des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg steht: „Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten“ (Mt 20,16). Unsere menschliche Auffassung von Wertigkeit wird im Reich Gottes zuweilen geradezu auf den Kopf gestellt. Es ist ein wenig wie beim Wandern oder Wallfahrten. Wenn wir uns auf den Weg machen, gehen einige schnellen Schritts voran und andere kommen kaum nach. Wenn sich aber herausstellt, dass wir falsch abgebogen sind, und zurückgehen müssen, befinden sich jene, die bislang mit Mühe hinterhergehechelt sind, plötzlich in der Pole Position. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ hat Jesus gleich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens gerufen (Mk 1,15). Denn in der zukünftigen Welt gibt es eine kräftige Umkehr bestehender Verhältnisse. Zugleich durchbricht Gottes Gnade jegliche schicksalsbestimmende Tat. Gott ist kein Erbsenzähler, sondern er lässt Gnade vor Recht ergehen.
Die Erzählung von den Arbeitern im Weinberg, die am Ende alle den gleichen Lohn bekommen, lässt sich nach unseren Vorstellungen von gerechtem Lohn nicht auflösen. Jesus entwirft eine Vision vom Himmelreich, in dem andere Regeln herrschen.
Früh am Morgen gehen die Ersten in den Weinberg. 6 Uhr in der Früh. Es wird ein harter, langer Tag. Mittagshitze eingeschlossen. Am Abend sind die Gaumen trocken, die Hände tun weh. Dann das! Gleicher Lohn für alle! Es lässt sich nicht verheimlichen: Sozusagen im Dreistundentakt trudeln die Neuen ein. Um 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr – und tatsächlich auch noch um 17 Uhr. Eine Stunde, bevor der Tag zu Ende geht. Lakonisch heißt es nur:
Als es nun Abend geworden war,
sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:
Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus,
angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!
Wie fühlen sie sich jetzt? Sie kennen die Geschichte? Und lieben Sie sie? Sollen wir mal Arbeitgeber und Gewerkschafter fragen? Die Zeitung auf die Spur bringen? „Dicke Luft im Weinberg“ darüber schreiben?
Das Thema ist virulent. Die Stichworte verlaufen wie Farben auf dem Papier: gerechter Lohn, Mindestlohn, Abstand zwischen Lohn und Sozialhilfe, Schere zwischen Arm und Reich und und und… Als hätte es die Zeitung in dieser Woche geahnt, gut platziert mit der Schlagzeile:
„Lohnunterschiede: Was heißt hier gerecht?“ Und das Bild dazu, plakativ: „Ich bin mehr wert.“ (FAZ 14.09.2020). Auch wenn wir jetzt nicht diskutieren können: die Geschichte, die in einem Weinberg spielt, bringt uns auf neue Gedanken. Verträgt Gerechtigkeit Barmherzigkeit? Kann Barmherzigkeit gerecht sein?
Mit großen Worten können wir Menschen nicht gut leben. Aber mit Geschichten! Die Geschichte heute spielt auf einem Markt, auf einem Arbeitsmarkt. Hier gibt es ein Angebot – und hier gibt es eine Nachfrage. Hier versammeln sich schon in der Früh Menschen, um angeheuert zu werden. Wer Glück hat, findet sofort einen Job – wer Pech, geht leer aus. Jeden Tag das gleiche Spiel. Jeden Tag die Unsicherheit. Jeden Tag die Sorge um das tägliche Brot. Die Menschen, von denen Jesus erzählt, stehen den ganzen Tag bereit. Gespannt und voller Hoffnung. Neugierig und geduldig. Trotzig und unbeirrt. Jetzt, jetzt muss es doch Arbeit für mich geben! Die Männer denken an ihre Frauen und Kinder. Wie lange reicht ein Tageslohn? Bis morgen, übermorgen, überübermorgen? Was ist, wenn ältere oder nicht mehr so gesunde Menschen überhaupt keine Chance bekommen? Sie bieten sich auf dem Markt an, als wären sie eine Ware - aber der Markt kennt weder Gerechtigkeit noch Barmherzigkeit. Hier hausen die Sehnsucht, die Hoffnung, aber auch die Sorge, die Angst, die Enttäuschung. So viel Zeit zum Nachdenken, zum Fluchen und zur Lethargie! Die Mittagshitze ist schrecklich.
Einzelschicksale, Namen und Familiengeschichten kennen wir nicht – oder doch? Wenn vielleicht auch anders, moderner? Dann die Offenbarung am Abend: Die, die noch vor Toresschluss in den Weinberg kamen, bekommen einen vollen Lohn. Sogar als Erste! Jetzt gibt es nur noch große Augen. Neid und Wut blinzeln auf. Auflösen lassen sich die vielen Geschichten am Abend nicht. Gibt’s ein Geheimnis, das wir nicht kennen? Aber kennen sollten?
Im Vorspann zu dieser abenteuerlichen Geschichte ist von einem Gleichnis die Rede, von einem Gleichnis für das Himmelreich, für das Reich Gottes, für die neue Welt Gottes. Aber: das Gleichnis spielt in einem Weinberg! Wer die alten Geschichten kennt, weiß, dass der Weinberg als eine wunderschöne Pflanzung Gottes gilt. Liebevoll legt er ihn an – mit Brunnen, Mauern und Wegen. Es gibt dazu sogar ein Lied – das Weinberglied. Wollen Sie es nachlesen? Jesaja 5!
Die Geschichte, die Jesus erzählt, um die Welt Gottes auch als Maßstab vorzustellen, als Bild einer Zukunft für alle Menschen, leuchtet in einer Frage auf: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Wie verliert ihr euer Leben? Wie vertut ihr euer Leben?
Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.
Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
In der 11. Stunde – so heißt es im Evangelium – finden Menschen noch ihren Weg, gehen Hoffnungen in Erfüllung, ist das Warten nicht umsonst. Sie werden aufgenommen. Sie werden gebraucht. Warum der Weinbergbesitzer sie nicht gleich in Arbeit und Brot gesteckt hat? Das ist sein Geheimnis – um alle unsere Werte noch einmal neu zu besehen und abzuwägen? Mitten in der Frage nach Gerechtigkeit leuchtet die nach Barmherzigkeit auf. Dass Jesus in einem Gleichnis vom Himmelreich zählt und rechnet, war von Anfang an nicht zu erwarten. Und das ist befreiend – ein Lichtblick. Ein Lichtblick in einer Welt, die mit Gerechtigkeit kämpft und ständig neue Ungerechtigkeiten schafft.
Es ist ganz schön beschwerlich, die vielen Aspekte unter einen Hut zu bekommen. Ich ertappe mich dabei, mich auf die Seite der Gerechtigkeit zu schlagen – auch im Blick auf Menschen, die nicht gerecht behandelt werden. Die Frage nach gerechten Löhnen, überhaupt nach gerechten Arbeitsbedingungen, ist unübersichtlich, heftig umstritten, ständig in Zerreißproben. Die Kirche hängt da mitten drin. Ich sehe das Bild aus der Zeitung vor mir: „Ich bin mehr wert.“
Für viele Menschen wacht am Morgen die Sorge mit ihnen auf. Schon wieder ist sie da. Am Abend geht sie mit ihnen schlafen. Jesus erzählt in seinem Gleichnis zwar eine Geschichte, die uns fremdartig, vielleicht sogar befremdlich, erscheint, aber sie bringt die Barmherzigkeit ins Spiel und öffnet der Gerechtigkeit neue Seiten. Ich sehe wieder das Bild aus der Zeitung: „Ich bin mehr wert.“
Die Barmherzigkeit wächst im Dreistundentakt: um 6, um 9, um 12, um 15, um 17 Uhr. Sie wächst über den ganzen Tag und offenbart sich am Abend.
Gelesen haben wir das auch:
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Das überrascht mich heute schon!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Auf den ersten Blick geht es in dem Beispiel Jesu um Gerechtigkeit. Genauer besehen geht es um die Wege Gottes, die weit über dem stehen, was wir verstehen können.
Wer dieses Gleichnis liest ohne genauere Bibelkenntnis, aber sehr fest verankert auf dem Boden der Realität steht, wird möglicherweise feststellen: Ein Fall für Sozialpartner wie Gewerkschaft und Arbeiterkammer. Bekanntlich sind in unserer Leistungsgesellschaft Kollektivverträge genau einzuhalten.
Ist dieses Gleichnis überhaupt für unser Glaubensleben tauglich, wenn behauptet wird, Gleichnisse seien das „Urgestein unseres Glaubens“? Diese Textstelle finden wir nur bei Matthäus, wie die Wissenschaft sagt als Sondergut.
Wahrscheinlich spielt es um die Zeit der Traubenernte, wo die reifen Trauben möglichst rasch abgeschnitten und verarbeitet werden sollen. Bereits der erste Satz lässt aufhorchen: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.“ (Mt 20,1). Gleichnisse sollen veranschaulichen, indem sie bildhaft den Glauben weitergeben. Dabei werden wir zunächst in eine sehr harte, anstrengende Arbeitswelt eingeführt. Genauso herausfordernd ist sehr oft auch das (Glaubens)leben. Da werden Ungerechtigkeiten bis in die Entlohnung hinein sichtbar.
Der Weinberg als das unvollendete Reich Gottes, Arbeitsfeld Gottes und der Menschen, es soll hin zum Himmelreich, der unendlichen Liebe des Glücks führen. Die Sehnsucht nach dem Ganzen, nach der heilen Welt ist wohl das Himmelreich, wo alles vollendet wird, was hier unvollständig bleibt. Wie soll das aber vor sich gehen, wenn die Menschen unterschiedlich lange arbeiten? Wie ist es erklärbar für ganz kurze, aber auch lange Arbeitszeit denselben Lohn zu erhalten?
Vielleicht können die Zeitangaben der 3., 6., 9. und 11. Stunde hilfreich sein, ansatzweise zu erklären, wie diese irdischen Ungerechtigkeiten bis hin zur Bezahlung des Lohnes ausgeglichen werden. Gott ist der große Chefplaner unseres Lebens, aber er will nichts tun ohne das Ja des Menschen. Dazu gehören auch Glaube und Vertrauen als aktives Mittun des Menschen, weil er ja unter der Freiheit und Liebe Gottes steht. Manche schlendern aber gleichgültig an Gott vorbei, oberflächlich und brauchen sehr lange bis sie den richtigen Weg finden. Auffallend in diesem Gleichnis: der Gutsherr kommt immer wieder um die dritte, sechste, neunte und elfte Stunde, um nachzuschauen und Mitarbeiter zu gewinnen. Das heißt doch: Gott als der Gutsherr wird immer wieder sichtbar im Labyrinth unseres Lebens. Er macht sich bemerkbar, wenn er sich durch einschneidende Lebensereignisse zeigt, wenn wir an manchen unserer Pläne nicht festhalten können, wenn er sich durch leise Anregungen bemerkbar macht, etwa durch eine gute Idee, die aufzuleuchten beginnt.
Manche der Arbeiter kommen schon früher dahinter, worum es geht, manche etwas später und andere sogar sehr spät.
Das Gleichnis lehrt aber auch, dass Umwege keine verlorene Zeit sind, das Ziel zu erreichen, ja dass die Liebe Gottes als Geschenk auch in der letzten Lebensphase zugänglich ist und angenommen werden kann.
„Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“ (Mt 20,15). Wir vergleichen sehr gerne Lebensschicksale, Gesundheitszustand, Ausbildungsmöglichkeit, Lebensstandard untereinander, was da und dort auch Wut, zynische Bemerkungen auslöst. „Da streiten sich die Leut' herum oft um den Wert des Glücks“ (Hobellied aus Ferdinand Raimunds „Der Verschwender“). Glück ist zu verstehen als Ordnung in der Seele, als Zufriedenheit, innere Ausgeglichenheit.
„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege- Spruch des HERRN“ (Jes.55,8). Manchmal kann man nur „Gott sei Dank!“ sagen, dass Gott anders denkt. Wer sich von Jesus in den Dienst nehmen lässt, erhält seine Liebe und auch seinen Lohn, der bei Weitem einen Denar Entlohnung übersteigt.
Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
"SchöpfungsZeit 2020 - 25. Sonntag im Lesejahr A in der Liturgie der Römisch-katholischen Kirche" - als PDF herunterladen
Mehr Information zur SchöpfungsZeit und zum Verein oeku Kirche und Umwelt finden Sie unter folgendem Link:
https://www.oeku.ch/de/schoepfungszeit.php
Jesu Gleichnis von den Taglöhnern im Weinberg endet mit dem Satz: Die Letzten werden die Ersten sein. Dieses Gleichnis stellt unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit auf den Kopf und in Frage. Es ist ein "ökonomisches Manifest"
Heute wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. An Laternenpfählen, Bäumen und auf Plakaten werden die tollkühnsten, langweiligsten und nichtssagendsten Parolen ausgehängt, mal mit, mal ohne den dazu gehörenden Gesichtern. Ich mag das nicht alles aufzählen. Fürchte auch, nicht gerecht zu sein.
Aber stellt euch vor: Ein Slogan, ein wenig versteckt, taucht auf: „Die Letzten werden die Ersten sein“. Und darunter: Jesus-Partei. Gewöhnungsbedürftig? Fremdartig? Unmöglich? Aber beim Wort genommen, ist das schon eine umwerfende Aussage. Meinetwegen aber auch die alte. Wir sehen, dass Gott eine eigene Sicht auf seine Schöpfung hat. Wir können dazu Bilder, Geschichten, Parolen finden – ein (Ideen)Wettbewerb, sozusagen. Wir nehmen alles noch einmal in die Hand, was wir kennen, verdrängen oder glorifizieren, wir wägen ab, was sich bei uns einnistet oder einschmeichelt, wir zeichnen neu aus, was wir abschreiben oder längst verloren gegeben haben. Seien es Erfahrungen, seien es Menschen.
Jesus-Partei – das gefällt mir. Der Name drückt aus, dass Jesus Partei ergreift. Im besten Sinn des Wortes - parteiisch. Und dass wir Partei ergreifen. Auch im besten Sinn - parteiisch. Parteigänger, eben. Jesus hat sich entschieden. Für uns. Für die Menschen. Für die Welt. Es gilt, sich zu ihm zu bekennen!
Nehmen wir das Evangelium! So provokant und herausfordernd ist uns schon lange kein Evangelium über den Weg gelaufen! Stellt euch vor: die, die zuletzt in den Weinberg gehen, bekommen denselben Lohn wie die, die vom frühen Morgen an sogar in der Mittagshitze geschuftet haben. Körperlich. Einen ganzen Tag. Dass im Laufe des Tages immer wieder neue Tagelöhner dazu kommen, erhöht die Spannung nur. Am Ende schreit – in den Augen der Leute – die Ungerechtigkeit. Selbst den „Letzten“ wird mulmig zu Mute gewesen sein. Ich sehe das schlechte Gewissen schon auf ihren Gesichtern. Doch in der Geschichte Jesu kommen, merkwürdig genug, nur die – Ersten vor. Von ihnen heißt es: „Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.“ Originalton. Hier die Ersten – dort die Letzten. Wie hört sich Murren eigentlich an?
Keine gute Geschichte für Gewerkschafter, Arbeitsmarktforscher und Wirtschaftspolitiker. Von uns käme keiner auf die Idee, eine solche Geschichte zu erzählen – oder wenn, dann als Karikatur, als Persiflage, als Kabarett. Auch nach der kath. Soziallehre, nach den ökumenischen Stellungnahmen zu einer gerechten Wirtschaft, nach Predigten von Papst Franziskus ist gerechte Entlohnung ein so großes Thema, dass die vielen Ungerechtigkeiten, die es nach wie vor weltweit gibt, immer wieder neu ausgeleuchtet werden. Ist Jesus noch bei Verstand? Oder verstehen wir ihn nur nicht? Dass die Letzten die Ersten sein werden, wollen wir nicht glauben. Können wir nicht glauben. Vielleicht auch, weil wir – gefühlt, berechnend oder mit Statussymbolen unterstrichen – natürlich die Ersten sind? Und zu bleiben gedenken? Nicht unwichtig: Jesus erzählt eine Geschichte von Ersten. Für Erste.
Selbst wenn ich mich nicht dazu rechne - ratlos bin ich trotzdem. Was mache ich jetzt?
Schauen wir auf den Anfang, wird uns eine Geschichte angekündigt, die auf einem Markt spielen wird. Einen Arbeitsmarkt. Tatsächlich. Damals tummelten sich da die Menschen, genauer, die Männer, die für den Tag Arbeit und Brot für ihre Familien suchten. Feste Anstellungen mit Tarifvertrag, betrieblicher Altersversorgung und Rechtsschutz waren noch nicht erfunden, auch noch nicht erkämpft. Selbst die Generation Praktikum war noch nicht gesichtet. Das Modell hier heißt: Tagelöhner. Die einen werden genommen, die anderen nicht. Die einen hatten einen ganzen Tag zu tun, die anderen kamen nur auf ein, zwei Stunden. Zu Hause warten Frauen und Kinder. Man lebte von einem Tag zum anderen. Perspektive für die Zukunft? Ungewiss. Am besten, du denkst nicht groß nach. Das Spiel wird jeden Tag gespielt. Jeden Tag Hoffnung, jeden Tag Enttäuschung. Heute Lohn, morgen nichts. Ich sehe sie auf dem Markt, die Tagelöhner. Wer warten muss, wer nicht gleich dran kommt, lungert notfalls den ganzen Tag herum, muss aber präsent sein. Dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Und warten. Wer geht, hat keine Chance. Verfluchtes Leben.
Ich muss jetzt nicht erzählen, dass es bis heute Tagelöhner gibt, die eine Wegwerfgesellschaft im Kleinen sind. Die auf Baustellen und in Erntezeiten missbraucht werden. Die für einen Apfel und Ei arbeiten. Die nicht wohnen, die nur hausen. Möglichst versteckt. Den Reibach machen andere. Die fahren mit Stern vor den Augen. Vielleicht schaffen sie es sogar, als Unternehmer einen Preis zu bekommen. Schlimmstenfalls haben sie mit einem Verfahren zu rechnen. Gute Anwälte sind dann ihr Geld wert. Es ist klar, wer Erste sind und wer Letzte. Entschuldigung. Das Letzte.
Und Jesus erzählt eine Geschichte davon. Mit Protagonisten, die wir eigentlich kennen. Ein Markt ist immer ergiebig für Geschichten. Die Menschen erzählen viel. Sie klagen. Sie spielen. Sie schlagen die Zeit tot. Sie sind müde. Selbst, wenn sie den ganzen Tag nichts machen konnten. Eine bleierne Stimmung liegt über dem Markt. Wer ist hier Gewinner? Wer Verlierer?- In der Geschichte Jesu werden die Letzten Gewinner – und die Ersten!! Wirklich, beide! Die Letzten, weil sie für diesen Tag ein volles, gelungenes Leben haben. Die Ersten, weil auch sie ein volles, gelungenes Leben haben. Weil sie alle satt werden. Auch die, die nicht jeden Tag satt werden. An einem Tag – mehr muss es jetzt nicht sein – haben alle, was ihnen ein Tag gewähren kann. Der Tag wird zu einer Chiffre des gelungenen und satten Lebens. Haben die Ersten, die murren, nicht die Hoffnung, dass ihnen morgen auch der volle Lohn gezahlt wird, wenn sie die Letzten wären? Warum murren sie heute? Am Abend eines Tages? Ein Tag lässt sich nicht abrechnen, die Woche nicht, das Leben nicht. Jesus lehrt uns beten: Unser tägliches Brot gib uns heute. Was in der Geschichte so ärgerlich und unbequem ist, wird zu einer Begegnung in einer neuen Welt. Bei Lichte betrachtet: Klüger kann eine Geschichte nicht sein, die Tagelöhnern ein erfülltes Leben verspricht. Und weitsichtiger kann eine Geschichte nicht sein, die von einem Tag erzählt, der für alle Tage steht. Darum erzählt Jesus ein Gleichnis. Ein Gleichnis vom Himmelreich. Mit dem Reich Gottes ist es so … Mit dem Reich Gottes verhält es sich so … Mit dem Reich Gottes wirst du …
Je länger ich mich in dieser Geschichte tummle, umso schöner wird sie mir. Natürlich erzählt sie von der Güte und Weitsicht Gottes. Ich kann sie auch erbaulich und fromm nacherzählen. In höchsten Tönen. Aber sie erzählt dann doch auch davon, dass nach Gottes Willen jeder Mensch jeden Tag gut leben kann. Was mehr ist, als nur über die Runden zu kommen. Der Tag steht für erfülltes Leben. Für Glück.
Über die Schere von arm und reich zu reden, heben uns für ein andermal auf, aber dass Menschen, bewusst in Kauf genommen, abgehängt werden und abgehängt bleiben, Füllmasse und Abfallprodukte in einer durchaus reichen Welt, wird uns in diesem Evangelium offengelegt. Vor die Füße gelegt. Offenbart.
Wir sehen Menschen, die in der Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform „Flüchtlinge“ genannt werden und auf unseren Arbeitsmärkten oft auch keinen besseren Status haben als die Tagelöhner einst. Sie möchten sich einbringen (sprich: integrieren), dürfen aber nicht. Paragraph sowieso.
Wir sehen Menschen, die auf den Arbeitsmärkten nicht mehr vermittelbar sind, weil sie psychisch labil oder nicht belastbar sind - und auch nicht mehr an sich glauben.
Wir sehen auch Menschen, die nie gelernt haben, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, die Zeit und Leben verplempern.
Viele Geschichten, die im Evangelium einen Platz finden.
Die Güte und Weitsicht Gotteswird uns anvertraut und zum Maß gemacht. Genau genommen ist die Geschichte, die Jesus erzählt, ein ökonomisches Manifest. Es geht um Lebensbedingungen – und um Gerechtigkeit. Um Gerechtigkeit auch für die, die keine Chance haben, Erste zu werden. Oder Erste zu bleiben. Es gibt die Letzten. Es gibt auch die letzten Plätze. Die letzten Gelegenheiten. Was gerecht ist? Gerechter Lohn? Mir geht heute auf: was ich als gerecht ansehe, kann in hohem Maße ungerecht sein. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Jeder Mensch braucht auch seine Gerechtigkeit. Seinen Fürsprecher. Seinen Tag! Am Abend soll nicht der Hunger stehen. Oder das misslungene Leben. Oder die Bitterkeit, wieder versagt zu haben. Dass Jesus den Tagelöhnern ein Denkmal setzt, ist auch im Evangelium einmalig – liegt aber ganz auf seiner Linie. In seiner Bergpredigt sagt Jesus: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“ (Mt. 6,34).
Lassen wir die letzten Sätze der beiden Lesungen und des Evangeliums noch einmal Revue passieren: Der Prophet Jesaja: „So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ Paulus in seinem Brief nach Philippi: „Vor allem: lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.“
Und dann Jesus: „So werden die Letzten die Ersten sein.“
Letzte Sätze klingen nach Vermächtnis. Wie letzter Wille. Oder einfach: so ist es. Das ergibt an diesem Sonntag ein illustres Bild. Ganz nach Gottes Art. Wie er sich die Welt vorstellt, die er geschaffen hat und immer neu schafft. Ein Slogan, ein wenig versteckt, taucht auf: „Die Letzten werden die Ersten sein“. Und darunter: Jesus-Partei. Zu ihr gehöre ich doch, sage ich mir. Und es ist ein toller Gedanke. Es muss doch nicht alles so bleiben, wie es ist – oder?
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Hinter Frage nach dem gerechten Lohn verbirgt sich häufig das Phänomen Neid. Der Neid richtet auf jene, die gleich viel bekommen. Jesus argumentiert mit der Logik des Himmelreiches. Mit dieser Logik können auch wir ein wenig Himmel auf Erden verwirklichen.
Immer wieder mal stößt man auf Stellen in der Bibel, die es einem/einer schwer machen, das so einfach zu schlucken. Gut so, möchte man sagen - eine Chance sich daran zu reiben, sich daran abzuarbeiten, in der Hoffnung auf ein Stück Erkenntnisgewinn; so auch an diesem Sonntag mit diesem Evangelium.
Hand aufs Herz: Wen von uns irritiert das denn nicht: Da arbeitet einer den ganzen Tag in der Hitze im Weinberg und am Ende des Tages bekommt er gleich viel raus wie der andere, der eine Stunde am späten Nachmittag engagiert war. Das stößt doch auf - wird da doch gefühlt extrem ungerecht vorgegangen. Das wurmt einen doch, wenn man diese Geschichte hört...
Also eine harte Nuss für uns. Nebenbei: Wenn wir so fühlen und denken, identifizieren wir uns unwillkürlich mit denen, die bereits am frühen Morgen ans Werk gegangen sind. Wir stehen auf Seite derer, die viel gearbeitet haben. Würden wir uns in die Fußstapfen derer stellen, die erst am Nachmittag gearbeitet haben, wäre es für uns vielleicht weniger schwierig. Wir wären dann eventuell überrascht, würden uns freuen über dieses unvermutete Ende. Der Besitzer hat uns das gegeben, was in seinen Augen recht ist.
Was ist recht für die Arbeit? Nun, ein Denar - diese römische Münze - das hat damals gereicht, um einer Kleinfamilie die Existenz für einen Tag zu sichern. Mit einem Denar hat es gerade gereicht, um Frau und Kinder für einen Tag zu versorgen. Morgen aber, da muss man aufs Neue sein Glück versuchen, an der Straße stehen und warten, dass hoffentlich einer kommt der Arbeit gibt. In unzähligen Ländern der Welt ist das heute noch so: keine geregelte Festanstellung, kein sicheres Einkommen, sondern Tag für Tag aufs Neue warten und hoffen, dass es am Ende des Tages reicht.
Nun, man könnte meinen, der Gutsbesitzer denkt da sehr sozial - er schaut auf die Bedürftigkeit der eingestellten Leute. Und wie auch im Text erwähnt: „Niemand hat uns angeworben“, sagen die, die um die 11. Stunde engagiert werden. Es lag nicht an ihnen, dass sie nicht früher angeworben wurden - sie haben sich auf dem Arbeits-Markt angeboten.
Was es schwer macht für die zuerst Eingestellten, das ist der Neid. Sie neiden den später Gekommenen das Existenzminimum für den Tag. Wohlgemerkt: Würde der Gutsbesitzer denen z.B. nur einen Vierteldenar geben, dann hätten sie wohl kein Problem. Ihr Denar als Lohn bliebe ja gleich - so wurde es vereinbart mit dem Gutsbesitzer. Aber dass die anderen auch so viel kriegen - das wurmt, das verleidet einem das Eigene. Der Neid, er wirkt...
Der Sozialexperte Martin Schenk weist darauf hin, was der Neid tut: er spaltet - er macht aus einem Wir ein Ich gegen Dich. In Österreich ist aus den letzten Monaten wohl die Debatte erinnerlich, dass man anerkannten Flüchtlingen die Sozialleistungen kürzen muss. Ihnen stünde nicht so viel zu, wie den Einheimischen. Und in einigen Bundesländern wurde das ja auch schon umgesetzt. Es stand nicht die Frage im Vordergrund: was braucht wer zum Überleben, was braucht wer in seiner Bedürftigkeit?
Nein, der Neid stand im Vordergrund. Und damit hat die Politik gespaltet. Es wurde nicht diskutiert: wie geht es den BezieherInnen von Mindestsicherung allgemein - was wäre hier zu verbessern? Nein, es wurde gesagt: Wieviel könnten wir „denen“ kürzen? Und klammheimlich hat man zugleich auch gekürzt bei kinderreichen Familien, bei Alleinerziehenden, bei pflegenden Angehörigen. Und zwar ungeachtet der Herkunft! Neid spaltet, Neid ist ein Freund der Mächtigen, die ihre eigene Agenda verwirklichen wollen.
Neid ist ein Gefühl, das sich auf die Menschen in meiner Nähe, in meinem Umfeld bezieht. Auch damals gab es Einkommen von mehreren Hundert Denaren im Jahr bei hochrangigen Funktionären des Systems. Aber den Neid, den haben die Arbeiter auf die Ihresgleichen. So auch heute: Der Neid trifft z.B. die Geflüchteten, denen man ihre kärgliche Versorgung neidet. Nicht aber neidet man dem Multimillionär mit seinem in Steueroasen geparkten Vermögen - das ist bestenfalls ein flüchtiges Gefühl. Aber der Geflüchtete neben mir mit seiner Mindestsicherung - das kann mich zur Weißglut treiben. Siehe dazu auch die diversen Vorwürfe in den Untiefen des Internets. Daraus lässt sich vortrefflich politisches Kleingeld machen.
Und es geht weniger darum, dass ich dann mehr habe - nein, Hauptsache der andere hat weniger - erst dann geht es mir besser. So argumentieren ja auch viele politische VertreterInnen: Mit dem Hinweis auf die Kürzung der Mindestsicherung wird gleichzeitig verkündet, dass nun wieder mehr „Leistungsgerechtigkeit“ herrsche. Eigentlich verrückt: Man hat in einem Bereich gezielt verschlechtert, ansonsten hat sich nichts geändert. Aber „gefühlt“ ist es nun eine Verbesserung, von der aber kein Mensch in Wirklichkeit etwas hat.
So hätten es sich vielleicht auch die Arbeiter im Gleichnis gewünscht: Hauptsache die anderen müssen mit weniger auskommen; dann, ja dann erst kann ich meins genießen. Ansonsten ist es mir vergällt.
Nun, Jesus zielt mit diesem Gleichnis wohl keine sozialpolitische Diskussion an - wiewohl der Gedanke, dass alle zumindest das für den Tag Notwendige bekommen sollten, weiterhin gültig ist (und die ArbeiterInnen im Gleichnis wollen ja auch was tun!). Aber Jesus weiß doch sehr gut, wie wir ticken. Wie wir uns unwillkürlich selber das Leben schwer machen, indem wir auf das schauen, was der/die andere neben uns hat, statt uns zu fragen ob das Eigene für uns nicht reicht. Wir könnten ja auch genießen, was uns gegeben wurde und uns daran freuen, anstatt in die Neidspirale zu kommen.
Mit dem Himmelreich ist DAS endlich vorbei: das Starren auf Mein und Dein, das ständige Beurteilen, Vergleichen und Aburteilen. Das Fixiert sein auf die eigene Leistung. Gott sei Dank zählt im Himmel keine Liste mit den geleisteten Arbeitsstunden - nicht wer hat mehr getan im Weinberg. Nein, himmlisch (und damit ganz anders als unser Maßstab) wirkt die Güte Gottes und sein Geschenk an uns: unsere Bedürftigkeit entscheidet darüber, was wir bekommen. Kein Fleißkärtchen, kein Punktesystem, keine Leistungsträgerlogik zählt. Das ist erleichternd und gibt uns auch frei.
Wenn wir schon in Zeiten des wachsenden Neides leben (und zwar des Neides auf die Kleinen, die Schwachen im System, und nicht auf die großen Mächtigen), dann ist das Evangelium heute ein Gegengift. Dann kann uns das Gleichnis aus dem emotionalen Wirbel befreien, in den sich viele immer mehr reinziehen lassen.
Gegen Neid, so Martin Schenk, hilft das Genießen können. Wenn ich genießen kann, dann werde ich genießbarer und gönne auch den anderen ihren Teil. Gegen die Kränkung, die bei so vielen Leuten mit Neidgefühlen wohl im Hintergrund steht, hilft die Anerkennung: wieder gesehen zu werden, gefragt zu werden. Und gegen die Ohnmacht, die sich bei vielen so artikuliert, dass nach oben gebuckelt und nach unten getreten wird, hilft die Erfahrung, selber wieder etwas bewirken zu können.
Das wäre also unser Auftrag als „Bodenpersonal“, ein Stück „Himmel auf Erden zu verwirklichen“, Gelegenheiten zu eröffnen, in welchen Menschen aussteigen können aus dieser unguten Spirale, bei der letztendlich alle verlieren. Räume schaffen, wo man genießen kann, wo man Ansehen erfährt, wo man lernt, wieder etwas bewirken zu können.
Wir als Christinnen und Christen haben allen Grund dazu, diese „himmlische Logik „sich in uns entfalten zu lassen. Gegen alle verinnerlichte Leistungsträgerlogik die innere Weite zu bekommen, auszusteigen aus diesem Teufelskreislauf. Und heilsam zu wirken: gegen den Neid-Wurm, der in uns und in vielen nagt...
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, Leiter RegionalCaritas Linz
In unserem alltäglichen Denken kreist unser Denken um Leitung und Gerechtigkeit. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen... Im Denken Jesu geht es um den Sinn der Arbeit.
In den Gleichnissen arbeitet Jesus bei seinen Reden mit Bildern. Auch die moderne Hirnforschung lehrt uns, dass wir uns neue Inhalte in unserem Gedächtnis besser und leichter merken können, wenn wir sie mit Bildern verknüpfen. Im heutigen Gleichnis sind die Bilder der Weinberg und der Gutsbesitzer. Der „Weinberg des Herrn“ ist ein Symbol für den Herrschaftsbereich Gottes. Dorthin lädt er ein – immer wieder, 5x an diesem Tag.
Dabei ist keine Rede von der zu verrichtenden Arbeit. Auch ein allfälliger Lohn wird nur mit der ersten Gruppe besprochen: 1 Denar am Tag, das ist ca. so viel, dass eine Familie einen Tag davon versorgt ist. So weit ist alles ok. Ärgerlich wird es erst bei der Entlohnung am Ende des Tages. Die Optik von der Bezahlung derer, die am Beginn des Tages angeworben wurden und derer, die später bzw. erst ganz zum Schluss kamen, erscheint uns schräg. Wenn wir es vom Aspekt der Leistung – nach der physikalischen Formel der Arbeit in der Zeiteinheit – betrachten, ist der Gutsbesitzer ungerecht. In Zeiten wie diesen, wo wir für Frauen und Männer um gleichen Lohn für gleiche Arbeit kämpfen, erscheint uns diese Art der Bezahlung als ein No-go.
Aber darum geht es hier nicht. Wenn wir von der Deutung des Weinbergs als Herrschaftsbereich Gottes ausgehen, dann geht es einzig und allein darum, bei Gott zu sein. Und da haben doch die Ersten einen größeren Gewinn als die Letzten, die erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit in das Reich des Vaters gekommen sind.
Diese Gleichnis lenkt unseren Blick von der „Warum-Frage“ in unserem Leben auf die „Wozu-Frage“. Warum trifft uns dieses oder jenes Unheil? Warum geht es dem Nachbarn so viel besser? Warum habe ich den guten Job nicht bekommen? usw. Wenn wir um das Warum bei den Arbeitern im Weinberg fragen, dann fragen wir nach dem Zweck und es steht die ungleiche Bezahlung im Vordergrund. Wenn wir aber das Wozu betrachten, welchen Sinn ihre Stunden im Weinberg haben, dann ist es das Sein im Weinberg des Herrn, das Sein mit und bei ihm. Das schenkt Sinn: denen, die seit der Morgenfrühe bei ihm sind, aber auch denen, die erst kurz vor Tagesende von ihm angeworben wurden.
So ist es auch im Alltag unseres Lebens. Wenn wir es schaffen, in den vielen Ungereimtheiten unseres Lebens an einen Sinn des Ganzen zu glauben, dann können wir Ja zum Leben sagen und so manche schwierige Lebenssituation leichter meistern. Der Glaube an einen gütigen Gott – der „gut ist“ – kann uns dabei eine Hilfe sein.
Es liegt an uns, an unserer Entscheidung, wie wir eine bestimmte Lebenssituation meistern. Es liegt auch an den Arbeitern im Gleichnis, ob sich die zuerst angeworbenen, ihr Leben vergiften, indem sie sich der vermeintlichen Ungerechtigkeit ergeben und ihren Lebenshorizont einengen, oder, ob sie versuchen, dem Sinn der Einladung des Gutsherrn nachzuspüren und den Wert für ihr persönliches Leben darin zu entdecken vermögen.
Denn im Endeffekt sind wir Menschen alle so auf die Sinnfrage in unserem Leben ausgerichtet, dass wir unsere Lebensumstände, unser ganzes Sein, nur bejahen können, wenn wir dabei für uns einen Sinn sehen. Ihn zu entdecken, tiefer zu schauen, dem Sinn alles vorerst auch noch so widersinnig Erscheinenden nachzugehen, macht unser Leben reich, macht uns weit und lässt uns letztlich erst im Vollsinn leben.
Wir kommen mit ganz unterschiedlichen Wochen hierher zum Gottesdienst: mit Gelungenem und Misslungenem, mit Dankbarkeit, Müdigkeit, Fragen und Hoffnungen. Vor Gott müssen wir nichts vorweisen. Wir dürfen einfach da sein. Und vielleicht entdecken wir heute neu: Gott schaut manchmal ganz anders auf unser Leben, als wir selbst es tun.
Öffnen wir uns für seine Nähe und feiern wir miteinander diesen Gottesdienst.
Jesus hat sich aus tagespolitischen Auseinandersetzungen herausgehalten und trotzdem immer wieder auf seine Weise Gerechtigkeit und Barmherzigkeit eingefordert. Er predigte eine Vision von einem Reich Gottes, einem Himmelreich, in dem alles anders sein werde.
Wir fragen uns immer neu: Gibt es dieses Himmelreich erst später im Jenseits und müssen wir einfach nur darauf warten, oder können wir hier und jetzt schon etwas dazu tun? Im Evangelium dieses Sonntags erzählt uns Jesus dazu ein ungewöhnliches Gleichnis.
Am Beginn unserer Feier treten wir vor ihn hin und rufen wir ihn als unseren Herrn und Erlöser an:
Ein richtig heißes Eisen ist das Thema „Gerechtigkeit“! Wetten, dass Sie das Ergebnis auch schon kennen? „Alles ungerecht!“ Ob es dann wenigstens noch Barmherzigkeit gibt? Jesus erzählt dazu eine Geschichte, in die wir uns vielleicht nicht auf dem ersten Blick verlieben werden – auf dem zweiten aber ganz bestimmt!
Heute singen wir auch den Psalm:
Herr, jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig.
Groß ist der Herr und hoch zu loben, *
unerforschlich ist seine Größe.
Ihn rufen wir an:
Herr Jesus Christus,
du siehst den Menschen und nicht nur seine Leistung.
Herr, erbarme dich.
Du gehst denen nach, die übersehen und vergessen werden.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst immer wieder die Chance zu einem neuen Anfang.
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser.
Er nehme von uns, was uns voneinander und von ihm trennt,
und führe uns zum Leben in Fülle. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du bist von Stadt zu Stadt und von Ort zu Ort gezogen
und hast verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
Herr, erbarme dich.
Du hast aufgefordert umzudenken
und das Leben nach den Vorstellungen Gottes auszurichten.
Christus, erbarme dich.
Du hast von Gott erzählt, bei dem nicht die Leistung zählt,
sondern der Letzte zu Ersten macht und Erste zu Letzten.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
gesandt aus der Liebe und Barmherzigkeit des Vaters.
Herr, erbarme dich.
Deine Zugewandtheit galt allen Menschen gleichermaßen, ohne Ansehen und Person.
Christus, erbarme dich.
Dem, was du vom Vater erkannt hast, bist du treu geblieben – auch in den Anfechtungen des Lebens.
Herr, erbarme dich.
Ein richtig heißes Eisen ist das Thema „Gerechtigkeit“! Wetten, dass Sie das Ergebnis auch schon kennen? „Alles ungerecht!“ Ob es dann wenigstens noch Barmherzigkeit gibt? Jesus erzählt dazu eine Geschichte, in die wir uns vielleicht nicht auf dem ersten Blick verlieben werden – auf dem zweiten aber ganz bestimmt!
Heute singen wir auch den Psalm:
Herr, jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig.
Groß ist der Herr und hoch zu loben, *
unerforschlich ist seine Größe.
Ihn rufen wir an:
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du gibst uns in deiner Güte mehr,
als wir verdienen,
und Größeres, als wir erbitten.
Nimm weg, was unser Gewissen belastet,
und schenke uns jenen Frieden,
den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
du liebst die Menschen
und schenkst ihnen Gaben nach deinem Maß.
Lass uns deine Wege erkennen
und ihnen folgen,
damit wir auf ewig bei Christus sind,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und herrscht in Ewigkeit.
WB 25. Sonntag im Jahreskreis A
Unser Vater,
auch heute ließen wir uns durch deinen Sohn wieder zusammenrufen.
Vieles haben wir in der letzten Woche geleistet.
Nicht alles ist uns gelungen,
nicht alles wurde so anerkannt, wie wir es erhofft haben.
Wir bitten dich,
lass uns im Wort deines Sohnes heute erkennen,
was die wahren Werte des Lebens ausmacht
und stärke uns für unseren Dienst.
Das erbitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott, von Anfang an bist du Liebe!
Wir danken dir,
in deiner Barmherzigkeit Kraft und Mut,
Ausdauer und Freude zu haben.
Am schönsten ist es für uns,
wenn uns jeder Tag gelingt.
Was wir vergeblich tun, was uns entgleitet,
schenkst du uns als Lehrstück zurück.
Hilf uns, barmherzig zu werden,
wenn wir gerecht sein wollen.
Für das Evangelium danken wir dir,
für die vielen Geschichten,
in denen wir den Weg in die herrliche Freiheit deiner Kinder finden.
In Jesus heute, in seinem Geist alle Zeit,
in ihm vom Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gott ist großzügig und menschenfreundlich. Er sieht, was Menschen brauchen, und gibt keinen verloren.
Darum kommen wir mit unseren Bitten zu ihm:
Für die Kirche.
Dass sie nicht nur für die da ist, die schon lange dazugehören, sondern offen bleibt für Suchende, Zweifelnde,
Wiederkehrende und Menschen, die neu anfangen möchten.
Wir bitten dich, erhöre uns!
Für die Menschen, die sich übersehen fühlen. Für alle, die keine Arbeit finden, deren Fähigkeiten niemand wahrnimmt oder die das Gefühl haben, nicht gebraucht zu werden.
Schenke ihnen Menschen, die ihnen etwas zutrauen und neue Türen öffnen.
Für unsere Gesellschaft.
Dass wir Menschen nicht nur nach Leistung, Erfolg und Nutzen beurteilen, sondern auch die Schwachen schützen und denen Chancen geben, die Unterstützung brauchen.
Für Menschen, die einen neuen Anfang brauchen.
Für alle, die Fehler gemacht haben, deren Lebensweg nicht gerade verlaufen ist oder die nach langer Zeit wieder nach Gott fragen.
Lass sie erfahren, dass es bei dir niemals zu spät ist.
Für uns selbst.
Bewahre uns davor, ständig zu vergleichen, neidisch auf andere zu schauen oder ihnen das Gute nicht zu gönnen.
Schenke uns ein weites Herz, das sich über das Glück und die Chancen anderer freuen kann.
Für unsere Verstorbenen.
Nimm sie auf in deine Gemeinschaft und schenke ihnen das Leben in Fülle, das du allen verheißen hast.
Guter Gott,
du hörst unser Beten und kennst auch das, was wir nicht in Worte fassen können.
Wir vertrauen darauf, dass deine Güte größer ist als unsere Maßstäbe und deine Liebe weiter reicht als unsere Gedanken.
Darum danken wir dir und loben dich durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Guter Gott,
unsere Welt leidet an Katastrophen, an kriegerischer Gewalt, an Ungerechtigkeit und Herzlosigkeit.
Wir bitten dich:
Für die Menschen in der Ukraine, in Syrien, Uganda und Armenien.
Lass sie zu einem friedlichen und gerechten Miteinander finden.
Für alle Menschen, denen durch Kriege und wirtschaftliche Verwerfungen die Lebensgrundlagen entzogen worden sind.
Lass ihnen ausreichend Nahrung zukommen.
Für die vielen Kinder, die hungern, verwahrlosen und um ihr Überleben kämpfen müssen.
Lass sie beherzten Helfern begegnen, die ihnen ein Leben in Würde ermöglichen.
Für alle Menschen, die vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Lass sie Zusammenhalt erleben und führe sie zu guten Leben.
Für die christlichen Kirchen.
Gib ihnen den Mut, die Frohe Botschaft vom Himmelreich und vom Wirken Gottes in unserer Welt zu verkünden.
Für unsere Toten.
Lass sie die Fülle des neuen Lebens in deiner Gegenwart erfahren.
Jesus Christus, dein Sohn und unser Bruder hat uns Mut gemacht, an deinem Reich bereits hier und jetzt mitzuwirken. Steh uns bei und lass uns freudig an diese Aufgabe herangehen.
Das erbitten wir durch ihn, der mit dir in der Einheit mit dem Heiligen Geist lebt und wirkt. - Amen.
Unsere eigenen Vorstellungen versperren uns oft die Sicht auf die objektive Wirklichkeit. So ist es auch in unserer Beziehung zu Gott.
Ihn, der für uns immer unbegreiflich bleibt, bitten wir:
Hilf allen, deinem Ruf zu folgen, egal ob innerhalb oder außerhalb der Kirche, seit der Kindheit oder erst am Sterbebett, in der theologischen Auseinandersetzung oder beim Erleben deiner Schöpfung.
Hilf den Verantwortlichen in der Politik und den Einsatzorganisationen den im Mittelmeerraum Betroffenen die Hilfe zukommen zu lassen, derer sie aufgrund ihrer schweren existenziellen und seelischen Probleme nach den erlittenen Schicksalsschlägen bedürfen.
Hilf uns, einander mit deinen Augen zu sehen unabhängig von Leistung, Fähigkeiten, Herkunft und anderen Gerechtigkeitsvorstellungen, durch die wir oft keine Gnade kennen.
Hilf uns, im Glauben zu reifen, uns von dir überraschen und verändern zu lassen.
Hilf allen in ihrer Sterbestunde, wenn du sie in deine ewige Nähe rufst.
Denn du bist immer größer, höher und tiefer als wir dich denken können.
Dich beten wir an, danken dir und preisen dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Wenn Jesus Geschichten erzählt, nimmt er uns in die Ereignisse hinein.
Wir warten mit den Männern auf dem Arbeitsmarkt,
wir schuften mit den Männern im Weinberg,
wir sind entsetzt am Abend. Die Welt ist nicht in Ordnung.
Heute bitten wir:
Ein Unternehmen schließt seine große und erfolgreiche Zweigniederlassung. Anderswo sind die Arbeitskräfte billiger zu haben. In der Zeitung steht in großen Lettern die Frage: Wer senkt den Daumen über 1800 Jobs?
Für die Menschen, die bangen, die sich um den Lohn ihrer Arbeit gebracht fühlen, die von heute von morgen neue Perspektiven suchen müssen, bitten wir:
Herr, erbarme dich!
Flüchtlinge suchen auf unseren Arbeitsmärkten Stellen. Auch, um für sich und ihre Familien eine bessere Zukunft erarbeiten zu können. Sie sind hochmotiviert, stoßen aber auf Regelwerke und Beschränkungen. Sie verstehen auch die Abwehrhaltung nicht, die ihnen oft entgegenschlägt.
Für die Menschen, die mit großen Augen in die westliche Welt kommen, die Freundlichkeit
erhoffen und gute Nachbarn werden möchten, bitten wir:
Herr, erbarme dich.
Ausländer werden für viele Arbeiten gebraucht, aber nicht gleichberechtigt behandelt. Sie arbeiten in der Pflege, in Fleischfabriken und in der Landwirtschaft. Oft sind es unmenschliche Bedingungen, die ihnen auferlegt werden.
Für die Menschen, die von weit her kommen, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern, die hart arbeiten, damit manches Produkt billiger zu haben ist, die unter uns isoliert leben, bitten wir:
Herr, erbarme dich.
Falsche Nachrichten werden als Waffen eingesetzt. Kluge Leute setzen ihren Verstand ein, um Hass im Netz zu verbreiten. Was wahr ist und was nicht, wird Interessen geopfert. Menschen werden schlecht- und totgeredet.
Für die Menschen, die Nachrichten sorgfältig recherchieren, die dem Hass Paroli bieten, die
sich der verfolgten und bedrohten Menschen annehmen, bitten wir:
Herr, erbarme dich.
Unter Corona leiden viele Unternehmen. Tourismus, Gastgewerbe und Ausstellungsmacher geraten an die finanziellen Grenzen. Menschen fürchten, noch einmal neu anfangen zu müssen.
Für die Menschen, die gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, die innovative Möglichkeiten erarbeiten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, bitten wir:
Herr, erbarme dich.
Du, Herr, öffnest uns die Augen für Barmherzigkeit.
Schenke uns ein helles Licht und warme Herzen, um gerecht sein zu können.
Kurz vor Torsschluss entdecken wir Hoffnungen, Lebensgeschichten und Aufbrüche.
Das ist die frohe Botschaft in Christus, unserem Herrn.
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben deines Volkes an
und gib, dass wir im Geheimnis
der heiligen Eucharistie empfangen,
was wir im Glauben bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Herr und Gott,
nimm die Gebete und Opfergaben
deiner Gläubigen an.
Lass uns diese heilige Feier
mit ganzer Hingabe begehen,
damit wir einst das Leben
in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Du, Herr, gibst uns das Leben,
das Brot und den Wein,
die Barmherzigkeit,
am Ende dein Reich.
Wir bringen dir, Herr,
unsere Fragen,
die Lebensfreude,
die Arbeit,
Brot und Wein.
Du sprichst das Wort,
das dich zu uns bringt,
deine Liebe in unseren Mund legt,
deinen Leib, dein Blut.
Wir danken dir,
ein Teil von dir zu sein,
geliebt vor aller Zeit.
Komm, unser Herr!
Was wir dir, Herr, bringen können,
haben wir nicht verdient.
Es kommt von dir.
Brot und Wein.
Was du uns schenkst, Herr,
ist mehr als wir erwarten.
Du schenkst dich uns.
Brot und Wein.
Was wir miteinander teilen, Herr,
ist uns von dir anvertraut.
Unsere Arbeit, unser Geld
und unsere Hoffnung.
Brot und Wein.
In Christus, unserem Herrn
Altargebet bei einer Wort-Gottes-Feier
Guter und menschenfreundlicher Gott,
wir danken dir,
denn du bist ein Gott des Lebens.
Du rufst Menschen zu dir –
am Morgen und am Abend,
am Anfang ihres Weges
und manchmal erst ganz spät.
Du misst unser Leben nicht nach Erfolg und Leistung.
Du kennst unsere Stärke
und unsere Müdigkeit,
unsere Treue
und unsere Umwege.
Keinen Menschen gibst du verloren.
Keinen schreibst du ab.
Immer wieder öffnest du Türen
und schenkst einen neuen Anfang.
Wir danken dir für Jesus Christus.
In ihm hast du uns gezeigt,
wie groß deine Liebe ist.
Er suchte die Nähe der Menschen,
besonders der Armen und Ausgegrenzten.
Er richtete die Gebeugten auf,
schenkte Vergebung
und öffnete neue Wege.
Durch seinen Tod und seine Auferstehung
hast du uns Hoffnung geschenkt,
die stärker ist als Schuld und Tod.
(Darum loben wir dich
mit allen, die auf dich vertrauen,
mit den Heiligen
und mit der ganzen Schöpfung
und singen:
Heilig, heilig, heilig …)
Guter Gott,
dein Geist verbinde uns
mit Jesus Christus und untereinander.
Wenn wir nun das Brot empfangen,
das uns aus der Feier der Eucharistie geschenkt ist,
lass uns erfahren,
dass Christus mitten unter uns ist.
Stärke uns durch seine Nähe.
Mach unser Herz weit,
damit wir nicht kleinlich rechnen,
sondern großzügig werden,
nicht vorschnell urteilen,
sondern Menschen eine Chance geben,
nicht nur auf uns selbst schauen,
sondern füreinander da sind.
Schenke deiner Kirche ein offenes Herz
für alle Menschen.
Lass uns zu einer Gemeinschaft werden,
in der niemand sagen muss:
Für mich ist kein Platz.
Führe unsere Verstorbenen
in dein ewiges Licht
und vollende auch unser Leben einmal bei dir.
Denn du bist der Gott,
der uns sucht,
der uns ruft
und der keinen Menschen verloren gibt.
Dir sei Lob und Ehre
durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn,
heute und alle Tage
bis in Ewigkeit. - Amen.
Kehrvers:
Preiset den Herrn, denn er ist gut.
Danket dem Herrn, denn er ist gut. (GL Ö971)
Oder:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue. (GL 401)
Guter und barmherziger Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken und dich zu loben.
Weil du uns liebst, hast du die Welt geschaffen
und uns das Leben geschenkt.
Kehrvers
Zu hoch und erhaben sind deine Wege und Gedanken,
als dass wir deine Liebe und Barmherzigkeit begreifen könnten.
Du erfüllst die ganze Schöpfung mit deinem Segen.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist in die Welt gekommen,
um allen, die deiner Güte vertrauen,
das ewige Leben zu erschließen..
Kehrvers
Du hast uns zu deinen Kindern berufen,
nicht weil wir es verdient hätten,
sondern weil du ein Herz hast,
das sich auch der Kleinen und Schwachen erbarmt.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich.
Wir stimmen ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen dir zur Ehre:
Danklied, z.B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Geburt
hat er den Menschen erneuert,
durch sein Leiden unsere Sünden getilgt,
in seiner Auferstehung den Weg zum Leben
erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir
das Tor des Himmels geöffnet.
Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 4
Jesus Christus ruft uns, Gott in die Mitte unseres Lebens zu stellen und ihm ganz zu vertrauen.
Als Schwestern und Brüder verbunden beten wir mit den Worten, die er selbst uns geschenkt hat:
Vater unser im Himmel...
Herr Jesus Christus,
du schenkst uns deinen Frieden,
nicht weil wir ihn verdient hätten,
sondern weil du uns liebst.
Nimm aus unseren Herzen Neid, Härte und das ständige Vergleichen.
Hilf uns, einander das Gute zu gönnen,
Versöhnung zu wagen
und Menschen nicht gegeneinander auszuspielen.
Schenke deiner Kirche
und unserer Welt deinen Frieden.
Denn du bist unsere Hoffnung
heute und in Ewigkeit. - Amen.
Geben wir einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung.
Gott ist barmherzig
gütig und gerecht
Seine Barmherzigkeit
schließt keinen Menschen aus
niemand ist zu gering
zu wenig wertvoll
zu unbedeutend
Gottes Güte
übersteigt menschliche Vorstellung
beugt sich ganz tief hinab
um allen die Hand zu reichen
und aufzuhelfen
die gefallen sind
Gottes Gerechtigkeit
urteilt nicht vorschnell
kennt keinen Neid
und keine vorgegebene Rangordnung
rückt zurecht
und setzt ganz neue Maßstäbe
Gott ist barmherzig
gütig und gerecht
und voll Liebe
Und wir?
Wie ist unsere Gerechtigkeit und Güte?
Wie ist unsere Liebe?
Allmächtiger Gott,
du erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre uns deine Hilfe
und mache das Werk der Erlösung,
das wir gefeiert haben,
auch in unserem Leben wirksam.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Herr,
du hast uns im Sakrament
an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben.
Wir danken dir,
daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt
an dem, was droben ist.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Herr, Jesus Christus,
durch dein Wort durften wir erneut hören,
dass die Liebe des Vaters mit anderen Maßstäben handelt,
als wir es in unserem Kleindenken tun.
Die Forderung an uns ist,
nicht darauf zu bauen, dass alles im gleichen Maß vergütet werden soll und muss,
sondern, dass wir barmherzig handeln,
wie auch dein Vater an uns großzügig und barmherzig handelt.
Wir bitten dich, schenke uns, mit dem Vater und dem Hl. Geist, Kraft und Segen für alles Tun. – Amen.
Am Ende eines Gottesdienstes, Herr,
steht uns wieder ein neuer Anfang vor Augen.
Manche müssen heute wieder arbeiten.
Andere können den Sonntag noch genießen.
Morgen ist wieder Alltag.
In Schulen, Fabriken, Büros und Geschäften.
Bewahre uns davor, missmutig, unfreundlich und ängstlich zu sein,
schenke uns vielmehr ein fröhliches Herz,
leuchtende Augen und aufmerksame Ohren.
Und wenn wir neidisch werden könnten,
zeige uns die Schönheit unseres Lebens.
Es ist die Barmherzigkeit, die die Welt verwandelt
in Christus, unserem Weggefährten.
Heute schon von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Die Herbstlohnrunde, die am 25. September mit den Kollektivvertragsverhandlungen der Maschinen- und Metallbauindustrie startet, wirft ihre Schatten voraus. Die seit Monaten sehr hohe Inflation lässt schwierige Verhandlungen erwarten. Arbeitgeber würden gerne für länger als ein Jahr abschließen, davon halten allerdings die Gewerkschaften wenig. Uneinigkeit herrscht auch darüber, ob hohe Lohnabschlüsse die allgemeine Teuerungsrate weiter befeuern.
Ganzer Beitrag:
https://www.derstandard.at/story/3000000184820/
Luise Ungerboeck in Der Standard am 29. August 2023
Die Wirtschaft steht vor schwierigen Zeiten. Eine Rezession ist möglich, gleichzeitig sorgt die Inflation für hohe Lohnforderungen. Man müsse daher die Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten, sagt WKO-Präsident Mahrer.
Ganzer Beitrag:
https://www.diepresse.com/15519280/
Jakob Zirm in Die Presse am 11.09.2023
In der österreichischen Bevölkerung steigt der Wunsch nach finanzieller Absicherung, Politik und Wirtschaft sehen ein bedingungsloses Grundeinkommen jedoch nicht umsetzbar. Jetzt kommt aus der Technologiebranche Unterstützung.
Ganzer Beitrag:
https://www.wienerzeitung.at/a/oekonowie-grundeinkommen
Jakob Zirm in Die Presse am 11.09.2023
sich revanchieren
sich erkenntlich zeigen
Dank zollen
ersetzen
belohnen
vergüten
gibst du mir
gebe ich dir
mit gleicher Münze
mit gleichem Wert
das Maß Gottes
es ist anders
Ich erkenne deinen Dienst an
so wie er ist
so wie du kannst
und schenke dir
bedingungslos
meine Liebe
mit der „Münze“ meiner Barmherzigkeit
Beatrix Senft 2023.
Gottes Gerechtigkeit ist anders
als menschliche Gerechtigkeit.
Er überrascht uns immer wieder;
zahlt Löhne aus,
die manche nicht erwarten;
feiert Feste mit Sündern;
umarmt den Sohn,
der alles veruntreut hat;
lobt die Klugheit des ungerechten Verwalters,
spricht mit einer Samariterin am Brunnen;
begnadigt die Ehebrecherin;
schaut den Menschen tief ins Herz.
Seine Gerechtigkeit
heißt Barmherzigkeit.
Ilse Pauls
Der Mindestlohn hat das Lohngefüge vor allem im Osten von unten stabilisiert. Man mag das im Ergebnis begrüßen – ein Grund zu großem Jubel ist es aber nicht.
Ganzer Beitrag:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/kommentar-zu-lohnunterschieden-was-heisst-hier-gerecht-16953323.html
Ein Kommentar von Dietrich Creutzburg in der FAZ, aktualisiert am 14.09.2020
Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun
und Werk in deinem Willen ruhn,
von dir kommt Glück und Segen;
was du regierst, das geht und steht
auf rechten, guten Wegen.
Es steht in keines Menschen Macht,
daß sein Rat werd ins Werk gebracht
und seines Gangs sich freue;
des Höchsten Rat der macht´s allein,
daß Menschenrat gedeihe.
Verleihe mir das edle Licht,
das sich von deinem Angesicht
in fromme Seelen strecket
und da der rechten Weisheit
Kraft durch deine Kraft erwecket.
Was dir gefällt, das laß auch mir,
o meiner Seele Sonn und Zier,
gefallen und belieben;
was dir zuwider, laß mich nicht
in Werk und tat verüben!
Tritt zu mir zu und mache leicht,
was mir sonst fast unmöglich deucht,
und bring zum guten Ende,
was du selbst angefangen hast
durch Weisheit deiner Hände.
Du bist mein Vater, ich dein Kind;
was ich bei mir nicht hab und find,
hast du zu aller Gnüge.
So hilf nur, daß ich meinen Stand
wohl halt und herrlich siege.
Dein soll sein aller Ruhm und Ehr,
ich will dein Tun je mehr und mehr
aus hocherfreuter Seelen
vor deinem Volk und aller Welt,
so lang ich leb, erzählen.
Paul Gerhardt, EG 497.
Das so verstandene Gleichnis lässt sich in die Verkündigung Jesu gut einordnen. Jesus sieht sich dem Einspruch gegen seine Botschaft vom zuvorkommend gütigen Gott gegenüber, der den Sündern vorbehaltlos vergeben will. Der Einspruch besagt, dass ein derart handelnder Gott nicht mehr gerecht wäre, da er Sünder und Gerechte gleich behandelt. Welche Bedeutung soll dann noch die Bemühung um Einhaltung der Tora haben, die Bemühung darum, gerecht zu sein?
Man wird diese Kritik an der Botschaft Jesu wohl am ehesten in pharisäischen Kreisen vermuten können. Sie sollen durch das Gleichnis zur Erkenntnis kommen, dass der von Jesus verkündigte gütige Gott nicht gegen die Gerechtigkeit verstößt. Dies geschieht erzählerisch geschickt dadurch, dass dem Einspruch der Adressaten in der Erzählung Raum gegeben wird, ja er erscheint in gewisser Weise sogar als naheliegend. So in die Geschichte verstrickt, sollen sie aber erkennen, dass das gütige Handeln Gottes niemanden um seinen »gerechten Lohn« bringt.
Zwar wirbt das Gleichnis um Verständnis für die Güte, es greift aber die Vorstellung des gerechten Lohnes nicht an. Die Arbeiter der ersten Stunde erhalten ihren Lohn wie ausgehandelt. Keine Spur der Kritik wird an der Erwartung dieses Lohnes für harte Arbeit auch nur angedeutet. Die Antwort des Weinbergbesitzers basiert vielmehr darauf, dass die Lohnvereinbarung angemessen ist. Dann kann der Einspruch gegen versklavendes Lohndenken nicht das Thema des Gleichnisses sein.
Die Auslegung macht deutlich, das V.16 nicht die Sinnspitze des Gleichnisses trifft und also eine sekundäre Anwendung sein muss. Die Umkehrung von Ersten und Letzten ist ein Nebenzug im Gleichnis – erzählerisch notwendig, damit die Arbeiter der ersten Stunde überhaupt erfahren, welchen Lohn die Arbeiter der letzten Stunde erhalten.
Wenn wir also nach dem gerechten Lohn für Arbeit fragen, wenn wir überhaupt nach Arbeit fragen, nach neuen Arbeitsplätzen, ja: wenn wir überhaupt fragen, wie wir die Wirtschaft (und Gesellschaft) im Lichte des Evangeliums zu betrachten haben, dann kommt es allein auf eine nüchterne Beantwortung der Frage an: Was ist dem Menschen, den Menschen und ihrem Zusammenleben dienlich, ihren Beziehungen zu einander – auch, aber nicht nur sub species aeternitatis? Allein diese Fokussierung kann die offenen und kontroversen Diskussionen zwischen Interessenten aller Art legitimieren, niemals nur die einseitige Besitzstandswahrung. Die Regel ist einfach zu formulieren – ihre Anwendung führt freilich in tausend Komplexitäten, selbst die schlichte utilitaristische Regel vom größten Glück der großen Zahl führt spätestens im zweiten Argument in aporetische Untiefen.
Wir wissen, wie komplex die Gerechtigkeitsdispute geworden sind. Am Anfang stand im Hebräischen die Gerechtigkeit Gottes und der Gottesfriede, die sedaqua und der shalom, in denen beiden die Fülle des gesegneten Lebens angekündigt waren. Schon im Griechischen kann die dikaiosyne die Fülle der sedaqua, nicht mehr fassen, so dass die Barmherzigkeit semantisch hinzutreten muss; zuvor hatte schon Aristoteles die Paradoxie formuliert, dass die Gerechtigkeit zwar durch die Billigkeit gewissermaßen abgerundet werden müsse, sich dann aber die Frage stelle, was, wenn erst die Billigkeit Gerechtigkeit schaffe, aus der Gerechtigkeit werde, was hingegen die Billigkeit sei, wenn die Gerechtigkeit wirklich gerecht ist. Im römischen Recht wurde die iustitia dann weiter rationalisiert, bis sie dann schließlich im Preußischen Kammergericht angekommen ist – und man nun darauf hoffen muss, dass wenigstens mitunter Gnade zwar nicht vor Recht geht, aber dich auf das Recht folgt. Dies alles ist nicht gesagt, um den modernen Rechts- und Instanzenstaat zu desavouieren. Wir sollten froh sein und Gott dafür danken, dass wenigstens wir seine Vorzüge genießen können.
Aber ich hoffe doch, dass in uns allen ein starker Funke der Hoffnung leuchtet, dass diese uns Menschen mögliche Gerechtigkeit am Ende nicht alles bleibt, dass da noch jemand anderes im Gericht sitzt, von dem es in Psalm 146 heißt:
LUT Psalm 146:7 der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der HERR macht die Gefangenen frei. 8 Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Die Einladung von Jes 55:1-3 ("Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser!") wird weitergeführt. Es handelt sich um einen feierlichen Aufruf, dem sich eine Verheißung anschließt: Jetzt lässt sich Gott finden, jetzt ist er nahe!
„Meine Wege und Gedanken“ drückt in menschlichen Begriffen und Vorstellungen aus, was Gott vorhat und wie es durchführt. Gott geht seine Wege, wie Menschen ihre Wege gehen.
Der Prophet, den wir nicht kennen und Deuterojesaja (d. h. "zweiter Jesaja") nennen, gibt Israel in einer Stunde der Verzweiflung und der Resignation Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes, die sie angesichts der gegenwärtigen inneren Lage, in die hinein der Prophet zu predigen berufen wird, nicht mehr zu sehen vermögen: Das Auslöschen der Existenz des Volkes im Exil scheint unaufhaltbar, vgl. auch die Psalmen 39; 49; 90: „... wir sind ein vergehendes Volk, genau wie die vielen, unzähligen vernichteten Völker vor uns ...“.
Der Prophet beschließt seine Botschaft mit der Versicherung, dass diese Geschichte weitergeht.
Jes 40-55 ist ein eigenes Buch im Buch Jesaja. Es stammt nicht von Jesaja selber, sondern von einem unbekannten Autor, der ca. 200 Jahre nach dem Tod des Propheten Jesaja in dessen Namen schreibt. Wie der erste Jesaja liest und deutet dieser die Zeichen der Zeit für sein Volk Israel. Aber inzwischen hat sich die Lebenssituation der Israeliten völlig verändert: Der Tempel ist zerstört, die Stadt Jerusalem in Brand gesteckt, der König aus dem Hause Davids abgesetzt und zusammen mit Oberschicht und "allem, was lesen und schreiben kann" ins Feindesland nach Babylon verschleppt. Israel, so scheint es dem kläglichen Rest des Volkes, ist am Ende. Alle alten Verheißungen scheinen wertlos geworden zu sein: das "Land, in dem Milch und Honig fließen", unwiderbringlich verloren, der Tempel, das "Haus Jahwes" verunreinigt und unbewohnbar gemacht. Auf was kann man sich noch verlassen? In diese Endzeitstimmung hinein klingt nun die neue Gottesbotschaft des "zweiten Jesaja", und ihr Beginn in Jes 40,1 ist Programm: "Tröstet, tröstet mein Volk" – es sind ganz neue Töne, die dieser große Dichter der Hoffnung und des Gottvertrauens anschlägt.
Eine Etappe auf dem Weg aus der Glaubenskrise in eine neue Hoffnung ist die Verwandlung des bisherigen Gottesbildes. Jes 55,6-9 ist dem Schlußwort des zweiten Jesajas entnommen. In ihm faßt er das heilende Gottesbild in Worte, daß hinter seiner tröstenden Botschaft steht:
Gott ist ganz anders, als es sich der Mensch ausrechnen kann. Er ist unbegreifbar, seine Wege sind nicht vorhersehbar. Genau das ist war ja der Auslöser der Glaubenskrise der Israeliten im babylonischen Exil: Ihr Gott war auf einmal nicht mehr berechenbar, hielt sich nicht an die Bilder, die man sich jahrhundertelang von ihm gemacht hatte, handelte anders, als man es von ihm erwartete.
Trotzdem und gerade deswegen lädt Jesaja ein, sich diesem unberechenbaren Gott anzuvertrauen. Er läßt sich nicht manipulieren und nicht in ein Schema pressen, er kann nicht auf einen Nenner gebracht werden, und ganz sicher garantiert er keine leidfreie Zukunft. Aber er läßt sich vom Menschen finden, er ist schnell im Verzeihen, er ist nahe. Der unendlich unbegreifliche Gott hört nie auf, der "Ich-bin-da" zu sein: Ich kann seine Gedanken nicht erraten, aber er ist immer ganz nahe und einladend.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive