Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Ezechiel.
So spricht der Herr:
Ihr sagt: Der Weg des Herrn ist nicht richtig.
Hört doch, ihr vom Haus Israel:
Mein Weg soll nicht richtig sein?
Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind?
Wenn ein Gerechter
sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut,
muss er dafür sterben.
Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
Wenn ein Schuldiger
von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat,
und nach Recht und Gerechtigkeit handelt,
wird er sein Leben bewahren.
Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat,
einsieht und umkehrt,
wird er bestimmt am Leben bleiben.
Er wird nicht sterben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Gedenke deines Erbarmens, o Herr,
und der Taten deiner Gnade! – Kv
(GL 623, 2)
Zeige mir, Herr, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heiles. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag. – (Kv)
Gedenke deines Erbarmens, Herr, /
und der Taten deiner Gnade; *
denn sie bestehen seit Ewigkeit!
Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! *
Nach deiner Huld gedenke meiner, Herr, denn du bist gütig! – (Kv)
Der Herr ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
Die Armen leitet er nach seinem Recht, *
die Armen lehrt er seinen Weg. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Schwestern und Brüder!
Wenn es eine Ermahnung in Christus gibt,
einen Zuspruch aus Liebe,
eine Gemeinschaft des Geistes,
ein Erbarmen und Mitgefühl,
dann macht meine Freude vollkommen,
dass ihr eines Sinnes seid,
einander in Liebe verbunden,
einmütig, einträchtig,
dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut.
Sondern in Demut
schätze einer den andern höher ein als sich selbst.
Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl,
sondern auch auf das der anderen.
Seid untereinander so gesinnt,
wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
Jesus Christus ist der Herr
zur Ehre Gottes, des Vaters.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Paulus überliefert einen der größten und schönsten Hymnen aus der Frühzeit der Kirche: den „Christushymnus“.
Der, der Gott gleich war, wurden den Menschen gleich. Er erniedrigte sich, war gehorsam, gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Darum wurde er von Gott erhöht und bekam von ihm den Namen, der über alle Namen ist. Damit alle – Himmel und Erde werden hier zusammengerufen – sich ihm unterwerfen und ihn als den Herrn bekennen, griechisch: Kyrios. Herr ist Jesus.
Der Hymnus bezieht alles auf die Ehre Gottes, des Vaters. Auch den Weg der Christen. „Seid untereinander so gesinnt“ – so wird der Hymnus von Paulus eingeleitet.
Auf den Hymnus läuft hinaus, was Paulus über das Leben der Christen sagt – und vom Hymnus fällt das Licht auf Menschen, die die Gesinnung Jesu für sich übernehmen. Wenn Ermahnung, Zuspruch, Gemeinschaft und Herzlichkeit, dann ein Sinn, in Liebe miteinander verbunden, einmütig und einträchtig. Ziel ist Demut: einer schätze den andern höher ein als sich selbst. Der Hymnus begründet dies – in dem Herrn Jesus.
Von der Kurzfassung sollte Abstand genommen werden. Der Hymnus gehört unbedingt dazu, ja trägt die Beschreibung des christlichen Lebens – und führt in den Lobpreis Gottes.
Paulus schreibt in seiner Gefangenschaft einen Brief an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden, an Philippi. Mit ihr weiß er sich sehr verbunden, ist besorgt um sie. Von daher sind auch die Grundanliegen des Briefes zu verstehen, die sich auch in dieser Lesung widerspiegeln: Inmitten eines heidnischen Umfeldes bedarf die junge Christengemeinde der Festigung und Belehrung im Glauben. Die paulinische Paraklese meint darin mehr als Ermahnung "Dies und jenes sollt ihr tun", sondern vielmehr ein Besorgtsein, ein Sichkümmern, ein Inverantwortunggenommensein über die Distanz hinweg. Paulus wird von Unstimmigkeiten, von Streitereien und Prahlerei gehört haben, worauf er nun reagiert. Die Ermahnung hat dort ihren Platz, wo die Gemeinschaft im Geist und das Wohlwollen des Herzens wohnen. Grund und Motivation für diese geschwisterliche Zurechtweisung, die auch Eingang in unsere katholische Tradition gefunden hat, ist das Gemeinwohl vor allem Eigenwohl.
In Phil 2,6-11 schiebt Paulus einen Christus-Hymnus ein. Die feierliche, gehobene Sprache der Mahnrede in den Versen 1-4 deutet bereits an, dass dieser Teil in einem engen Zusammenhang steht mit dem Christuslied, das schon vor Paulus in den Gemeinden gesungen wurde. Vers 5 leitet über: Als getaufte Christen sollen sich die Glieder der Gemeinde in einem neuen, besonderen Verhältnis zu Jesus Christus begreifen: Nicht nur nach dem Vorbild Jesu Christi zu leben, sondern das ganze Dasein als In-Christus-Sein zu verstehen.
Durch die feierliche „Ermahnung in Christus“ wird der darauffolgende Hymnus einerseits vorbereitet, andererseits wird die Mahnung des Apostels durch das Lied christologisch begründet. Wenn die Gemeinde eines Sinnes ist, in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dann deutet schon etwas auf von der großen Freude, die Gott am Ende der Zeiten schenkt ( ... macht meine Freude dadurch vollkommen, ...).
Das Christuslied selbst läßt zwei Teile erkennen: Die Erniedrigungsaussagen (Verse 6-8), in denen Christus der Handelnde ist, und die Erhöhungsaussagen (Verse 9-11); hier ist Gott der Handelnde. Der ganze Hymnus ist geprägt vom Stilmittel des Parallelismus. Die Verse 6 und 7 stehen einander gegenüber als These und Antithese: Er, der sich in der Daseinsweise Gottes befand, nahm Sklavendasein an; der nicht mit aller Macht daran festhielt, Gott gleich zu sein, entäußerte sich. Das gleiche gilt für die Verse 8 und 9: Er, der sich selbst erniedrigt hat, wird von Gott erhöht – und die Verse 7cd und 10: Der den Menschen völlig gleich gewordene wird vom ganzen Kosmos geehrt.
Der Hymnus endet mit der Proklamation: Jesus Christus ist der Herr! Der Name Jesus, der noch einmal an sein Menschsein erinnert, ist zugleich der Hoheitstitel. Aus dem ganzen Abschnitt wird klar: Kultische Verehrung, Bekenntnis des Glaubens und Leben aus seiner Gesinnung gehören zusammen. Durch alle Lebensvollzüge der Gemeinde wird Christus bekannt und geehrt, und durch ihn Gott der Vater.
De Hymnus ist geprägt von der Dynamik der Kenosis, der Entäußerung Christi. Gott geht für uns bis ins Letzte hinunter. Am Kreuz aber ist der Wendepunkt - der Aufstieg Jesu Christi nimmt dort seinen Anfang bis zum Lobpreis und dem Bekenntnis aller Geschöpflichkeit.
Der Adressat des Apostels - die Gemeinde von Philippi - weiß, daß der Brief aus dem Gefängnis geschrieben worden ist; schon dadurch erhalten er und die darin enthaltenen Forderungen einen besonderen Nachdruck.
Die "Ermahnungen Christi" sind zugleich Trost und Zuspruch. Sie sind getragen von der Liebe zu Gott und von der Gemeinschaft im Heiligen Geist.
Der eigentlich Mahnende ist Christus, nicht der Apostel. Die Gemeinde soll eines Sinnes sein (vgl. auch: Röm 12,16; 2Kor 13,1). Voraussetzung dafür ist die Liebe. Die Gemeinde soll immer wieder auf Christus blicken und aus der Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn ihr Leben gestalten (Vs. 5).
Den Hymnus (Vers 6 - 11; ein vermutlich beliebtes frühchristliches Tauflied) fand Paulus wohl schon vor. Er stellt Christus, der durch sein Kommen die Welt veränderte, vor Augen. Ein Aufruf zur Besinnung und Umsetzung im Alltag.
Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Schwestern und Brüder!
Wenn es eine Ermahnung in Christus gibt,
einen Zuspruch aus Liebe,
eine Gemeinschaft des Geistes,
ein Erbarmen und Mitgefühl,
dann macht meine Freude vollkommen,
dass ihr eines Sinnes seid,
einander in Liebe verbunden,
einmütig, einträchtig,
dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut.
Sondern in Demut
schätze einer den andern höher ein als sich selbst.
Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl,
sondern auch auf das der anderen.
Seid untereinander so gesinnt,
wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie und sie folgen mir.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes:
Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Er ging zum ersten
und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
Er antwortete: Ich will nicht.
Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
Da wandte er sich an den zweiten
und sagte zu ihm dasselbe.
Dieser antwortete: Ja, Herr –
und ging nicht hin.
Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Amen, ich sage euch:
Die Zöllner und die Dirnen
gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
Denn Johannes ist zu euch gekommen
auf dem Weg der Gerechtigkeit
und ihr habt ihm nicht geglaubt;
aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen
und doch habt ihr nicht bereut
und ihm nicht geglaubt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Perikope steht zwischen der Frage Jesu nach seiner Vollmacht (Vv. 23-27) und dem Gleichnis von den sog. Bösen Weingärtnern (Verse 33-46).
Mt. 21 selbst beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem. Jesus wird als „Prophet aus Nazareth in Galiläa“ gefeiert, aber die nachfolgenden Szenen zeigen, dass er nicht gehört oder verstanden, ja, sogar verworfen wird.
Die Brüder, von denen Jesus erzählt, nehmen die Aufforderung des Vaters unterschiedlich auf. Der eine sagt „nein“, geht dann aber doch, der andere stimmt zu, verweigert sich aber. Eine durchaus alltägliche Begebenheit, die ihren Widerhall in eigenen Erfahrungen hat – als Sohn und als Vater.
Das Gleichnis arbeitet heraus, dass es auf das Tun ankommt, unabhängig davon, was vorher gesagt wurde. Der Evangelist lenkt den Blick – wie an vielen anderen Stellen auch – auf den Willen des Vaters. Überraschend und befremdlich ist der - liebevolle - Blick auf Zöllner und Dirnen, die dem Volk Gottes vorgestellt werden als die, die zwar nein sagten, denen es dann aber „reute“. Szenen aus der Begegnung Jesu mit diesen Menschen werden hier zusammengefasst und noch einmal verdichtet.
Schlüsselwort des ganzen Gleichnisses ist das griechische Verb metamelomai, übersetzt mit „es reute ihn“ (V 30 und V. 32).
Zur Auslegungsgeschichte gehören die antijüdischen Ausfälle, die sich auf die „Ja“-sager in diesem Gleichnis beziehen, aber die Verbindlichkeit der Worte Jesu mit historischen Schuldzuweisungen einfach aufheben. Das Evangelium aber konfrontiert Menschen damit, dass verbale Zustimmung, das korrekte Bekenntnis oder dogmatische Fein- und Korrektheiten weder Leben noch Zukunft gewähren.
Der Blick auf Zöllner und Dirnen bleibt eine pro-vokatio.
Das Evangelium schließt mit einer Erinnerung an Johannes, den Täufer. Er hat den Weg der Gerechtigkeit gezeigt, aber gefolgt sind ihm – Zöllner und Dirnen. Am Schluss erweist sich die Erinnerung als Gerichtsrede: „Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.“
Mit „ihr“ ist das Volk Gottes gemeint.
Betrachtet man den Zusammenhang, in dem das Evangelium hineingestellt ist, so folgen der Frage nach der Vollmacht Jesu (21,23-37) drei Gleichnisse (von den ungleichen Söhnen, von den bösen Winzern, vom königlichen Hochzeitsmahl). Unser Evangelium ist das erste Gleichnis. Matthäus hat mit großer Wahrscheinlichkeit ein ihm bereits vorliegende Gleichnis von den ungleichen Söhnen (Verse 28-31a) mit seiner Erklärung weitergeführt. Es ist kurz und prägnant formuliert. Dem Leser ist es einleuchtend, was der Evangelist sagen will.
Im ersten Teil wird das Gleichnis erzählt (V 28 - 30). Dann wird die Frage gestellt, die schon in V 28 angedeutet wird: Wer erfüllt den Willen des Vaters? Oder anders ausgedrückt: Wer ist gerecht, wer ist auf Gott ausgerichtet? Die Jünger geben die Antwort: Derjenige, der die Möglichkeit ernst- und wahrnimmt, umzukehren.
Das Gleichnis spricht die historische Situation der Auseinandersetzung Jesu mit seinen jüdischen Gegnern an. Der Gedanke vom „Tun des Willens Gottes“ ist im Ersten Testament tief verwurzelt und hat Parallelen in der rabbinischen Spruchweisheit. Das Ziel des Gleichnisses ist es, die sich von der rabbinischen Auffassung klar unterscheidende Interpretation der Wissens Gottes herauszustellen, die Jesus vertritt.
Es war die gängige Auffassung der Pharisäer und auch anderer Schulen, dass der Wille Gottes klar in der Tora niedergelegt ist. Der „Willen Gottes tun“ heißt für sie „die Tora tun“. Das erfordert aber ein ständiges Suchen und Suchen und Forschen in den Schriften, so dass die Schriftgelehrsamkeit zur Voraussetzung für die Erfüllung des Willens Gottes wird. Wer dem nicht nachkommen kann, wird zum „Neinsager“, der unwillig den Gehorsam (zunächst) verweigert und in der Sicht der frommen Führenden Israels keine Chance hat: das Heil kann den Sünder nicht erreichen.
Jesus verkündet nun, dass das anfängliche Nein des Sünders durch die Umkehr wieder wett gemacht werden kann und Gottes Wille doch noch erfüllt wird. Die Jasager aber werden in ihrer Selbstgerechtigkeit schließlich zu Versteigerern dieser Umkehr, und somit zu denen, die den Willen Gottes nicht erfüllen.
Durch die Aufforderung Jesu, über die beiden Söhne zu urteilen, werden seine Gegner in der Gleichnis einbezogen. Ihre Entscheidung für den Neinsager deckt ihr eigenes Versagen auf. Sie lehnen Gottes Vergebungsbereitschaft ab und damit Jesus selber. Denn in seiner Liebe zu den Sündern ist sein Handeln ident mit dem Willen des Vaters.
Im Vers 32 wird die Parabel von den ungleichen Söhnen zu einem Gerichtsgleichnis. Am Beispiel der Täufers Johannes, der „auf dem Weg der Gerechtigkeit“ gekommen ist, wird aufgezeigt, dass die Gegner Jesu den Willen Gottes verfehlen. Sie hatten gesehen, wie „Zöllner und Dirnen“ umkehrten, und haben doch nicht geglaubt.
Für den Leser und Zuhörer heute ist dieses Gleichnis zuerst die Aufforderung, zu dem Willen Gottes ja zu sagen, der in der Person und in der Verkündigung Jesu sichtbar und hörbar geworden ist, dann auch die Mahnung, dem Reden immer auch das Tun folgen zu lassen.
Das Gleichnis (V 28 - 39a) gehört in die Reihe der Lehr- und Streitgespräche, die Jesus wohl nach seinem Einzug in Jerusalem mit den Schriftgelehrten und Pharisäern geführt hat.
Durch das klare und knappe Bild, das auf so manche Ausschmückung verzichtet, soll eine schnelle Selbsterkenntnis der Betroffenen erreicht werden.
Zöllner und Dirnen (also Menschen und Berufsgruppen, die als öffentliche Sünder gebrandmarkt waren) waren offener für die Botschaft Jesus als Vertreter der religiösen Oberschicht Israels. Mit ihrer Antwort im Vers 31 geben sich die "Ältesten und Führer" des Volkes - mit ihrer Selbstgerechtigkeit - selbst ein Urteil.
Die Gleichniserzählung bei Matthäus mit den beiden Söhnen nimmt einen anderen Verlauf und besitzt eine andere Pointe, als etwa die Gleichnisse bei Lukas vom "verlorenen Sohn" (Lk 15, 11ff) oder "von den Arbeitern im Weinberg" (Mt 21,1ff).
Aus der heutigen Perikope wurde im Laufe der Geschichte viel Trost und Zuversicht gewonnen. Der Text kündet eine neue Ordnung Gottes, die menschlichem Verstehen widerspricht und dahinter steht. Das Kommen Gottes in der Welt, das sich in Christus ereignet, ist das Gericht der Welt.
Vgl. Joachim Gnilka, Das Matthäusevangelium, 2. Teil, Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Freiburg-Basel-Wien 1992, 223f.
Der Blick von außen deckt sich nicht immer mit dem Blick von innen. Über die beiden Söhne ist das endgültige Urteil noch nicht gesprochen. Jesus ermahnt seine Zuhörer mit einem eindringlichen Vergleich. Paulus ermahnt seine Adressaten mit einem "Zuspruch aus Liebe". Der Ruf zur Umkehr gilt auch uns.
„Du kannst dem Menschen nur vor die Stirn schauen, weiter nicht!“. Dieses Sprichwort kommt mir immer wieder in den Sinn. Menschen fragen mich nach einem Rat oder nach meiner Meinung. Manchmal kann ich etwas sagen. Aber hilft mein Wort oder mein Vorschlag?
„Du kannst deinen Söhnen nur vor die Stirn schauen“ hätte man am Tag danach dem Vater sagen können. Der erste Sohn gibt zunächst die patzige Antwort: „Ich will nicht!“ Am Ende hat er es doch getan. Der zweite Sohn macht erst auf „Lieb Kind“, aber geht tatsächlich nicht. Den Vater könnten wir fragen: „Hättest du das gedacht?“
Aber wie wäre seine Antwort? Vielleicht würde er sagen: Ich kenne meine Jungs doch. Es ist nicht das erste Mal bei uns, dass sie anders handeln als sie sagen. Dann kommt es darauf an, wie ich mich ihnen gegenüber verhalte. Ich habe ja gesehen, dass er Ältere die Arbeit erledigt hat. Ich habe meine Freude zum Ausdruck gebracht. Mein Sohn weiß, dass ich anerkennen kann. Mein Jüngerer weiß aber auch, wie mich sein Verhalten enttäuscht hat. Er wird daraus lernen. Und weißt du, sie sind nicht immer gleich. Mal ist der Jüngere auch der, auf den ich mich mehr verlassen kann. Am Ende bin ich froh über beide…
„Du kannst nur vor die Stirn schauen!" – Aber anderen fällt manchmal mehr auf! Wenn es Freunde der Familie gibt, die sich ab und zu sehen, wird das deutlich. Dann kommt die Frage: „Hast du ab- oder zugenommen?“ Eine solche Frage stellt jemand, dem ich nicht egal bin. Und dieser Mensch sieht mich nach zeitlichem Abstand wieder. Oder mit Blick auf die Kinder wird manchmal festgestellt: „Dein Kind hat aber eine ganz große Entwicklung gemacht!“ Das bezieht sich nicht nur auf die Körpergröße. Da stellen die Freunde fest, wie das Kind anders auftritt und jemand merkt, dass vom Kind andere Gedanken kommen. Der Blick der Freunde ist manchmal frischer als der eigene in der Familie.
Welcher Spruch könnte zur Lesung aus dem Propheten Ezechiel passen? Vielleicht: „Schau auf die Zukunft!“ Du, Mensch, sollst sie haben. Der Gott des Bundes gönnt sie dir. Er schaut auf Gutes und Schlechtes. Tu du es auch. Wir nennen es Gewissenserforschung. Von welcher inneren Haltung können wir uns trennen? Welchen Fehler erkennen wir? Kann es eine Versöhnung mit den Menschen geben? An dieser Stelle braucht es keinen Menschen, der uns die Leviten liest. Diese blocken wir ohnehin ab. Wir selbst müssen uns und unserer Vergangenheit die Frage stellen: „Welches Gute hast du den Menschen gebracht? Gibt es da ein menschliches Guthaben?“
Neben die Mahnung stellt Jesus auch uns eine Aussicht. Wer hat denn nach dem Blick nach innen und der Tat nach außen Chancen auf das Reich Gottes? Die Antwort lautet: Viele!
Nachdenken – dazu hatte Paulus im Gefängnis viel Zeit. Er wird seine eigenen Schlüsse gezogen haben. Er hat in seinen Predigten ermutigt und ermahnt. Für ihn ist Ermahnung ein Akt der Liebe. Er ermahnt, dass die Menschen die Zukunft nicht verpassen. Das sollen sie annehmen.
Die weiteren Leitplanken benennt er auch: Demut, Eintracht, Erbarmen, Mitgefühl, das Wohl des Anderen. Das sind Worte, die wir kennen. Nichts Besonderes. Zugleich sind es Worte einer inneren Reife, die wir erst einmal erreichen müssen. Wer versucht, in diesem Sinne zu leben, weiß auch, wie schwer das manchmal ist. Wenn uns solches Leben gelingt, können wir auch ein wenig stolz auf uns sein.
© Pater Norbert Riebartsch, Kamillianer September 2026.
Im Gleichnis der beiden Söhne, die der Vater zum Arbeiten in seinem Weinberg schickt, hält Jesus den Priestern und Ältesten den Spiegel vor und ermahnt sie, ihren Einsatz für das Reich Gottes zu überprüfen. Diese Aufforderung gilt auch uns, zweitausend Jahre später.
Das heutige Evangelium erzählte von der Bitte eines Vaters und den unterschiedlichen Reaktionen seiner beiden Söhne. Dieses Beispiel aus dem familiären Alltag bildet eine Allegorie für die Frage unseres Verhältnisses zu Gott unserem Vater.
Unmissverständlich macht Jesus klar, dass jedes Menschenkind, das sich zunächst für den falschen Weg entscheidet, dann aber auf seine innere Stimme hört und daraufhin den Willen des Vaters erfüllt, in seinem Sinne handelt. Es ist ihm wichtig, dass die Entscheidung in seinem Weinberg mitzuarbeiten eine bewusste, freiwillige und überlegte Entscheidung ist. Das spontane Nein zur Bitte des Vaters lässt Raum und Zeit zur Entwicklung einer freien Entscheidung.
Damit wird aus dem Weg zum Weinberg nicht nur die Erfüllung des Vaterwillens, sondern die Einsicht einer Mitverantwortung für das Gedeihen des Weinbergs; auch im Hinblick auf die Nachfolge als zukünftiger Weinbergbesitzer.
Erst unser Tun auf Basis dieser Motivation macht uns zu brauchbaren Mitarbeitern im Weinberg Gottes. Umgelegt auf heute werden wir erst so zu Mitarbeitern der Umsetzung der Botschaft Jesu vom Reich Gottes auf Erden.
Er erzählt diese Botschaft den Priestern und Schriftgelehrten. Also denen, die überzeugt sind, dass sie ein eindeutiges Ja zu Gott sagen. Dieses Beispiel zeigt ihnen aber, dass sie trotz ihrer täglichen Beschäftigung mit den Heiligen Texten und dem akribischen Einhalten der Vorschriften der Thora übersehen haben, seinen Bitten in ihren konkreten Handlungen nachzukommen. Das gilt vor allem für den zwischenmenschlichen Bereich.
Wagen wir den Sprung in unser heutiges Christenleben: Es ist verführerisch, ein unserer Zeit entsprechenden engagiertes christliches Leben als Verwirklichung jesuanischer Gerechtigkeit entsprechend anzunehmen. Meist beginnt es mit dem Ja zu Gott, das unsere Paten und Eltern bei unserer Taufe sprechen. Es wird bestätigt durch das Ja, das wir selbstverantwortet beim Sakrament der Firmung sprechen. Zugegeben, damit belassen es viele und übernehmen die im Evangelium beschriebenen Rolle des 2. Sohnes. Ihr Ja bleibt ohne Auswirkung. Manche aber brauchen Zeit, gehen einen Umweg und finden aus einem vorrübergehenden Nein wieder zurück zu einer frei entschiedenen Mitarbeit am Reich Gottes.
Aber auch jenen, die ihren weiteren Lebensweg ohne einen temporären Umweg als gläubige engagierte Christen und Christinnen gehen, will diese Geschichte ein Anstoß sein, die Motivation für ihr Tun als Christen immer wieder zu hinterfragen. Allzu leicht können ritualisierte religiöse Handlungen wie regelmäßige liturgische Feiern oder wiederholte Formelgebete uns in der Sicherheit wiegen, unseren Beitrag zur Arbeit im Weinberg bereits geleistet zu haben. Solche ritualisierte Gewohnheiten sind aber nur Vorbereitung oder Hintergrund für den tatsächlich nötigen Einsatz.
Auch in unserer heutigen Welt stecken die wahren Herausforderungen für uns Christen im zwischenmenschlichen Bereich. In der Formel von der Gottesliebe, der Eigenliebe und der Nächstenliebe hat Jesus zusammengefasst, worum es bei der Arbeit im seinem Weinberg geht. Unser Christsein misst sich an der Begegnung mit anderen Menschen. Diese sollten nach dem Beispiel Jesu ablaufen. Das ist eine große Herausforderung, weil wir als Einzelne allein mit der Vielfalt der anderen Menschen und den damit unterschiedlichen Begegnungsmöglichkeiten überfordert sind.
Jesus weiß, was er da von uns verlangt, und gibt Hilfestellungen: Er lässt uns nicht allein in den Weinberg gehen. Er ist immer auch da. Er begleitet uns in jedem Beziehungsgeschehen. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein, macht stark. Wenn sich trotzdem Fehler einschleichen und die Effizienz bedroht ist, können wir uns an ihn wenden, denn er ist barmherzig. Mit ihm können wir jedes Misslingen in Erfahrung und Entwicklung verwandeln und jede Arbeit, jede Bemühung immer wieder neu beginnen.
Bei unseren Entscheidungen spielen häufig Vorurteile mit. Sie hindern uns, genauer hinzuschauen und unsere Sichtweise zu korrigieren. Vorurteile verhindern oft auch, dass wir durch eine eingehende Beschäftigung mit einer Frage wachsen uns weiterentwickeln.
Zwischen Absichten und Vorhaben liegt die Realisierung der Pläne. Die Vorsätze sind die Grundlagen für die Ausführungen. Das ist der große Rahmen dieser Texte. Dazwischen liegen aber noch eine Reihe gedanklicher weiterer Überlegungen. Es geht auch immer um Entscheidungen im Leben, die sich aus kleinen Schritten zusammensetzen. Aufschieben von Entscheidungen durch Nichtstun oder weiter überlegen und nachdenken, Wort halten zu den Vorhaben und diese auch tatsächlich durchführen oder Ausflüchte suchen. Auch Jesus war als Mensch ein Lernender, vielleicht ist es ihm genauso ergangen, wie jedem von uns.
Das deutet auch die Lesung aus dem Philipperbrief an. Sie ist wesentliche Grundlage für unser Christentum, weil Gott sich durch seinen menschgewordenen Sohn „erniedrigt und entäußert hat und uns Menschen gleich wurde.“ Das löste durch Jahrhunderte hindurch heftige Diskussionen aus, Streitereien, Trennungen und hat bis heute hin und wieder Erklärungsbedarf.
Christus ist hinabgestiegen bis zu einem ehrlosen Tod, hat alle Höhen und Tiefen menschlichen Daseins mitgemacht, vom Säuglingsdasein angefangen und ist durch menschliche Entwicklung zu Erkenntnis und Einsicht gekommen, sodass sein menschlicher Wille im Laufe seines Lebens mit dem göttlichen Willen seines Vaters im Einklang stand. (Vgl. W. Bruners: Wie Jesus glauben lernte, Verlag Herder 2012). Schließlich ist er „erhöht“ worden, also auferstanden als Erster von den Toten. Das feiern wir zu Ostern und auch an jedem Sonntag. Jesus musste somit im Laufe seines Lebens Entscheidungen treffen bis es zum Ja, zur Zustimmung zum Willen seines Vaters gekommen ist.
Entscheidungen treffen, das ist auch Thema des Evangeliums. Wie diese aussehen, zeigt das Evangelium an ganz unterschiedlichen Menschentypen. Der eine ein Ja-Sager, Kopfnicker, der keine Position einnimmt, oft auch keine feste Meinung hat oder sich diese nicht zu sagen traut, also sich überall vorbeischwindelt, ein Adabei, „Schnittlauch auf allen Suppen“, wie eine Redewendung sagt. Wenn Arbeiten zu erledigen sind, Bereitwilligkeit vortäuscht und dann geschieht wenig bis nichts. Es gibt eine große Bandbreite von Ja-Sagern, sie sind alle sehr oberflächlich in ihren Einstellungen. Wir kennen diese Haltung auch aus der Politik mit der häufig gebrauchten Redewendung: „Dieses Problem müssen wir sehr ernstnehmen“, also ein Ja und dann werden Überschriften angekündigt mit magerem oder gar keinem Inhalt und dann geschieht wenig oder nichts, alles wird aufgeschoben, schubladiert. Vielleicht haben Sie ähnliche Situationen auch in Ihrem Umfeld erlebt, wo Zusagen nicht eingehalten oder elends lange hinausgeschoben werden.
Die andere Person geht wie der zweite Sohn von vornherein in Opposition, kommt aber durch Erkenntnisse, Einsichten und Überlegungen aus diesem Nein zu einem Ja. Eine Meinungsänderung. Wenn wir so etwas erleben, wie beurteilen wir das? Wendehals? Chamäleon in der Meinungsbildung? Das kann schon sein.
Aber Vorsicht! Eine solche Einordnung kann auch zu einem Vorurteil führen oder zu Selbstgerechtigkeit. Darauf weist auch das Evangelium hin. Zöllner und Dirnen, die damals ganz unten in der Gesellschaft standen, also „erniedrigt“ sind, gehen eher in das Himmelreich ein, weil sie Umkehr zeigen. Das ist durchaus vorstellbar, weil sie für das Wort Gottes in ihrem schwierigen Leben leichter empfänglich sind als oberflächliche Ja-Sager, denen es an Empathie und Herzensbildung fehlt.
Das Evangelium enthält auch eine Standpauke für die Hohepriester und die Ältesten. Diese gilt heute auch für die "moralischen Großinquisitoren", für Fundamentalistenklubs mit ihren eigenen Wahrheiten. Wer sich so verhält, wird es schwer haben, in das Himmelreich zu kommen, denn diese Menschen übersehen ihre eigenen Unzulänglichkeiten.
Dieser Evangelienabschnitt neigt zu Schwarz-weiß-Malerei. Die Buntheit des Alltags kommt nicht zur Sprache. Gestehen wir uns ein, wir haben beide Menschentypen in uns mit großer Buntheit und Vielfältigkeit. Im Alltag können wir diese Vielfalt erleben. Vielleicht behalten Sie diese Texte zumindest ansatzweise in Erinnerung.
Beim Evangelium könnte man meinen, in einer Kinderstube zu sein. Kinder müssen lernen, dem Willen der Eltern aber auch Sachzwängen zu gehorchen. Die so kurzen Wörter "ja" und "nein" können aber viel mehr beinhalten. Zum rechten Zeitpunkt "nein" sagen zu können, ist auch eine Lebenskunst. Paulus sagt von Jesus, "er war gehorsam bis zum Tod" – und daraus ist uns Heil erwachsen.
Beim Evangelium könnte man das Gefühl bekommen, in einer Kinderstube zu sein – oder ähnlichem: Ja, Papa – nichts geschieht. Einmal, Zweimal. Wie lange soll ich das jetzt mitmachen? Einfach sagen: Du machst! Und dann Basta? Mütter und Väter wissen viele Geschichten zu erzählen. Von Wegen, die nicht gegangen, Spülmaschinen, die nicht ausgeräumt, Aufgaben, die nicht erledigt werden. Und dann die Überraschung, unerwartet (oder vielleicht doch?): Fräulein Tochter, Herr Sohn bewegen sich doch. Sie wollen sich nur nichts sagen lassen. Und Herren oder Damen ihres Zeitmanagements sein.
Mit dem „Nein“ hat es dann noch eine besondere Bewandtnis. Viele Menschen können nicht „nein“ sagen. Sie machen alles, was man von ihnen, ausgesprochen oder eben auch nicht, erwartet – oder, was sie dafür halten. Therapeuten wissen, wie schwierig es sein kann, „nein“ sagen zu lernen. Es hat etwas davon, sich gegen den Strich zu bürsten – oder bürsten zu lassen. In so manchem Gespräch kommt heraus, wieviel Überforderung darin steckt, immer nur „ja“ zu sagen. Menschen erzählen dann von der Not, abends vor dem Schlafengehen in eine tiefe Trauer zu geraten: Ich mach alles – aber wofür? Für wen? In dem „Ja“ ist ein Loch versteckt – und eine große Sehnsucht. Die Sehnsucht, anerkannt zu werden, nein, sich Anerkennung verdienen zu müssen.
Zu den Ja-Sagern gehören übrigens auch die Leute, die sich keine Mühe mehr machen, Dinge und Erfahrungen zu hinterfragen. Sie sagen immer, sie sagen zu allem „ja“ und, weil das noch nicht reicht, auch „Amen“. Die Redewendung „Ja und Amen“ ist sprichwörtlich geworden. Dann ist alles klar – selbst wenn es ins Unheil führt.
Jesus können wir heute richtig dankbar sein! Es erzählt von „ja“ und von „nein“ – und bringt uns dazu, über diese beiden kleinen Worte, die so große Welten beinhalten, unsere Geschichten zu erzählen. Dabei ist für Jesus die Richtung klar: Der Wille des Vaters ist so gut, so schön, so wichtig – dass ihm gehorcht werden kann, gehorcht werden muss.
Aber dieses „Ja“ befreit zu einem Leben, in dem die Liebe wächst, Räume ausgefüllt werden, immer neue Hoffnungsgeschichten sprudeln. Es ist ein Ja zum Leben, zum Glück, zur Liebe. Der Wille des Vaters ist, seine Schöpfung, uns auch, in die herrliche Freiheit seiner Kinder zu führen. So hat das der Apostel Paulus einmal ausgedrückt. Eine gelungene Formulierung voller Anmut und Zukunft.
Der Wille des Vaters? Gemeint ist Gott. Wir dürfen heute auch sagen, dass er - Mutter ist. Unsere Bilder von ihm sind zu eng, zu klein. Gott ist barmherzig. Wer diesem Wort auf die Schliche kommen möchte, wird auf den Mutterschoß stoßen. Geborgenheit und Liebe vor allem Anfang. Vor dem ersten Atemzug. Vor dem ersten Schrei. Wir können uns nicht daran erinnern, werden aber ein ganzes Leben davon getragen.
Es wird so sein: Ich kann „ja“ sagen – und nichts tun, ich kann „nein“ sagen – und dann alles.
Wie weit reicht meine Kraft? Was kann ich machen – was nicht?
Was wächst mir über den Kopf – was verleiht mir Flügel?
Gott hat eine gnädige Weisung für mein Leben.
Ich kann (erst) „ja“ sagen – und mir Zeit lassen. Ich kann (erst) „nein“ sagen – und dann doch alles tun, was der Liebe dient.
Doch wandern wir jetzt aus dem Kinderzimmer – oder dem Behandlungszimmer des Therapeuten - oder dem Gespräch an der Tür ein Stückchen weiter. Paulus hat in seinem Brief an die Gemeinde zu Philippi – in Kleinasien – wohl das erste und große Kirchenlied überliefert. Genauer: einen Hymnus. Nur die Noten kennen wir nicht.
Im Vorspann zum Lied formuliert Paulus:
Seid untereinander so gesinnt,
wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht …
und dann kommt das Lied:
Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Sagen wir: es ist die erste Strophe. Auffällig, dass hier das Wort „gehorsam bis zum Tod“ eine so große Rolle spielt. War Jesus – gehorsam? Wem gehorchte er?
In einem anderen Brief der Zeit heißt es sogar, Jesus habe „Gehorsam“ gelernt – oder lernen müssen. Wie ein Kind, wie ein Mensch.
Jesus, Gott gleich, wird nicht nur Mensch, er wird Sklave. Als Sklave hat er zu gehorchen. Ihm gehört nicht einmal das eigene Leben. Seine Geschichte kennen wir: aus Liebe stirbt er am Kreuz. Für uns. Ein Wörtchen öffnet diese Geschichte: Jesus „entäußert“ sich. Er legt ab, was göttlich ist – er nimmt an, was menschlich ist. Kluge Leute haben lange darüber nachgedacht, dicke Bücher geschrieben – und können das Geheimnis doch nicht erklären. Das Geheimnis der Liebe. Es kann nur bestaunt, es kann nur besungen werden. Wie in diesem Hymnus.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel,
auf der Erde und unter der Erde
ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
Jesus Christus ist der Herr
zur Ehre Gottes, des Vaters.
Wenn Jesus doch Gottes Willen bejahte, ihm gehorsam wurde – dann ist es eine Verheißung, ein Glücksfall, von seiner Liebe angesteckt „ja“ zu sagen. Ein „Ja“ für die Liebe, ein „Nein“ zum Hass – ein „Ja“ für Gottes Reich, ein „Nein“ zu allem Bösen – ein „Ja“ für die Hoffnung, ein „Nein“ zur Resignation.
Beim Evangelium könnte man das Gefühl bekommen, in einer Kinderstube zu sein – oder ähnlichem.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Christlichkeit entscheidet sich im persönlichen wie im politischen Leben nicht in frommen Reden oder in wohlklingenden Programmen sondern im konkreten Tun. Was Jesus den religiösen Eliten seiner Zeit vorhält, ist für uns heute eine Aufforderung an uns als Einzelne, als kirchliche Gemeinden, als christliche Politiker, in allen Agenden nach dem Willen Gottes zu fragen.
Am Wahltag entscheidet sich, was das Wahlvolk von den Versprechungen der Politiker hält. Es genügt nicht, dass diese gut klingende Programme und Versprechungen vorlegen. An der Wahlurne tritt zutage, was an Taten die Bevölkerung ihnen zutraut. Politiker, die von dem, was sie versprochen haben, nichts umsetzen konnten, bekommen dann die Rechnung präsentiert.
In der Katholischen Kirche gibt es zwar alle paar Jahre Pfarrgemeinderatswahlen. Für diese gilt diese Regel nur eingeschränkt, da Pfarrgemeinderäte nur eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten haben. Die Letztverantwortung ist ja den Klerikern vorbehalten. Im kirchlichen Umfeld stimmen die Leute eher mit den Füßen ab. Es ist besorgniserregend, dass immer mehr Menschen wegbleiben oder gar aus der Kirche austreten. Diese Entwicklung allein als "Glaubensverdunstung" zu erklären, ist meines Erachtens zu einfach. Auch wir Christen werden an unseren Taten gemessen. Ein gutes Programm allein genügt nicht weder für den einzelnen Christen noch für die Pfarren, die Diözesen oder die Gesamtkirche.
Im Evangelium haben wir eine Beispielerzählung von einem Weinbergbesitzer und seinen zwei Söhnen gehört, die Jesus erzählt hat. Mit ihr übte er Kritik an den Frommen seiner Zeit. Diese gaben sich damit zufrieden, dass das religiöse Leben nach außen hin einigermaßen gut lief. Wer nicht nach ihren Vorstellungen mitmachte, wurde als Zöllner oder Sünder abgestempelt. Unter der korrekten Oberfläche hat es aber gebrodelt. Es gab politische Gruppierungen und religiöse Bewegungen, die Kritik an den bestehenden Verhältnissen übten. Eine davon sammelte sich um Johannes den Täufer. Der religiösen Führung in Jerusalem war es ganz recht, wenn die politisch Mächtigen wie König Herodes oder der römische Statthalter Pontius Pilatus diese Reformer niedergehalten haben.
Jesus mahnte ein, was bereits viele Propheten vor ihm gefordert haben: Recht und Gerechtigkeit nicht nur im Sinne von Rechtschaffenheit als spirituelles Programm, wie es die Pharisäer pflegten, sondern als konkretes Tun, als persönliche Ausrichtung auf den Willen Gottes, des Vaters.
In der politischen Diskussion taucht immer wieder die Frage auf: Was bedeutet des »C« in den Bezeichnungen der Parteien? Was bedeutet es, wenn sich eine Partei als »christlich sozial« bezeichnet? Welche Interessen vertreten Politiker, wenn sie sich für die Verteidigung des christlichen Abendlandes stark machen, mit einer Bibel oder einem Kreuz in der Hand vor die Kamera treten? Bilder bewirken in den Medien mehr als Worte, entscheidend ist aber, was sie von der Haltung Jesu konkret umsetzen.
Wie christlich ist Europa (der Osten mit eingeschlossen), das sich nicht einig wird, wie wir mit Flüchtlingen umgehen sollen? Wie christlich ist ein Europa, das zwar um die Erhaltung des eigenen Wohlstandes besorgt ist, sich aber nur halbherzig in der Entwicklungspolitik engagiert? Ganz zu schweigen von Waffenproduktion und Waffenhandel.
Es wäre aber zu einfach, nur die Politiker in die Pflicht nehmen zu wollen. Jeder einzelne von uns ist gefordert mit dem konkreten eigenen Verhalten. Die Unterstützung der sozial Schwachen, die Akzeptanz und Integration von Immigranten kann nicht allein vom Staat, den Ländern und den Communen erledigt werden. Es braucht die Zustimmung aller und die Unterstützung durch ehrenamtliches Engagement vieler einzelner.
Die gegenwärtige Diskussion um Corona-Schutzmaßnahmen finde ich streckenweise irrwitzig. Wichtiger als die Wortklauberei um einzelne Formulierungen ist, dass jeder einzelne bereit ist, seinen Teil zum Schutz aller beizutragen. Der Lockdown im vergangenen Frühjahr hat gezeigt, dass viel mehr Menschen als zunächst gedacht bereit sind solidarisch zu handeln, zu helfen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Allerdings hat es sich auch gezeigt, dass es nicht so einfach ist, diese Bereitschaft durchzuhalten und durchzutragen. Dazu braucht es langen Atem, den Verzicht auf Annehmlichkeiten, wenn dies zu Schutz beiträgt, und die Einsicht in die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns.
"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust", heißt es in Goethes Faust. Die zwei Brüder, von denen wir im Evangelium gehört haben, wohnen auch in einem jeden von uns. Nicht selten reagieren wir wie der erste spontan auf eine Anforderung und sagen: "Ich will nicht." Von ihm heißt es weiter: "Später aber reute es ihn und er ging hinaus." Von wem lasse ich mich wozu bewegen?
Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
"SchöpfungsZeit 2020 - 26. Sonntag im Lesejahr A in der Liturgie der Römisch-katholischen Kirche" - als PDF herunterladen
Mehr Information zur SchöpfungsZeit und zum Verein oeku Kirche und Umwelt finden Sie unter folgendem Link:
https://www.oeku.ch/de/schoepfungszeit.php
Das Gleichnis von den beiden Brüdern im Evangelium hält uns einen Spiegel vor. Statt eines klaren Ja oder Nein sagen wir oft »naja« und meinen nein. Es gibt auch die Möglichkeit, die Meinung zu ändern, umzukehren. In der Umkehr begegnen wir der Gnade Gottes.
Die beiden Brüder im Gleichnis Jesu stellen uns Menschen vor, die einerseits nicht Wort halten, andererseits bereit sind umzukehren. Durch das Gleichnis spricht Jesus Menschen an, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit so überzeugt sind, dass sie meinen, keiner Umkehr zu bedürfen, traut er den Zöllnern und Sündern die Fähigkeit zur Umkehr zu.
Vom Thema „Umkehr“ als schwierige Verhaltensweise hörten wir schon an den letzten Sonntagen im Zusammenhang mit Schuld, Sünde, Vergebung. Es geht somit um Fehlverhalten, ausgelöst durch Ungerechtigkeit im menschlichen Bereich. Die Lesung aus dem Buch Ezechiel thematisiert die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit Gottes wird vom Menschen, vom Haus Israel, in Frage gestellt und erntet von Jahwe Widerspruch. Gott ist gerecht, weil er vergibt und barmherzig ist, weil er immer wieder neue Chance gibt, umzukehren. Auch heute wird die Gerechtigkeit Gottes angezweifelt vor allem dann, wenn wir Leid ertragen müssen und keinen Sinn darin erkennen, wenn wir Zurücksetzung erfahren, wo andere bevorzugt werden, wo es an Wertschätzung gegenüber dem Mitmenschen fehlt.
Gerechtigkeit setzt Wahrheit voraus. Wir Menschen als begrenzte Wesen, vergessen offensichtlich, dass wir nicht im Besitz der vollen Wahrheit sind und damit auch unser Verständnis von Gerechtigkeit bruchstückhaft ist. Gottes Gerechtigkeit ist treffsicher, indem sie jedem genug zumisst. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist grausam, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit führt in die Beliebigkeit und ins Chaos (nach Thomas v. Aquin). Diese Unordnung führt in die Sünde, in die Absonderung von Gott, die sich auch im Mangel an Selbst-, Nächsten- und Feindesliebe zeigt, denn Gottes- und Menschenliebe sind untrennbar miteinander verbunden.
Das Evangelium stellt in diesem Gleichnis ganz unterschiedliche Menschen in ihren Verhaltensweisen dar. Die beiden Brüder, der eine ein Ja-Sager. Wenn es darauf ankommt, geschieht nichts, leere Worte, alles ist oberflächlich. Wir kennen solche Versprechungen, vor allem aus der Politik, aber auch beim Zusammenleben im kleineren Kreis gibt es immer wieder Zusagen, die dann nicht eingehalten werden. Wenn man will, findet man Wege, wenn man nicht will, findet man Gründe; man könnte auch sagen mehr oder weniger gute Ausreden.
Der andere sagt nein, arbeitet aber dann doch im Weinberg. Ist er ein Umfaller, der wie ein Schilfrohr agiert, das sich in die „richtige“ Richtung des meanstreams, der gerade aktuellen Meinung, bewegt? Könnte Angst dafür ausschlaggebend sein, berufliche oder private Nachteile zu erleiden?
Ist es geschicktes Taktieren oder ein Hinterfragen der persönlichen Situation, die zur Umkehr drängt? Jesus beantwortet diese Frage nicht, vielmehr lässt er die Adressaten, die Hohenpriester und Ältesten, nach einer Antwort suchen. Es ist jene Personengruppe, die zur Gesetzesgerechtigkeit neigt und bei Irrtum und Fehlverhalten sich gerne auf Gesetze zurückzieht. Barmherzigkeit, Chance zur Umkehr rücken bei diesen Menschen stark in den Hintergrund. Formalismus wird großgeschrieben, der Mensch in seiner Not darf nicht auf Hilfe hoffen. Niemals aber werden Gesetze alles regeln können.
Jesus will mit dieser Taktik nicht nur die Hohenpriester und die Ältesten zur Mündigkeit erziehen, sondern auch uns heute lebende Menschen. Ich überlasse Ihnen darüber nachzudenken, was mit jenen Menschen geschieht, die bei ihrem Nein bleiben. Sind sie authentisch und fallen sie aus der Liebe Gottes heraus? Wird ihnen Barmherzigkeit zuteil?
Das Evangelium spricht aber noch von anderen Personen: Johannes der Täufer. Wir kennen ihn als rauen Gesellen, kein Diplomat, er sagt es gerade heraus und kommt aufgrund seiner Ehrlichkeit dabei zu Tode. Wie geht es heute grundehrlichen Menschen? Sie werden höchstwahrscheinlich nicht gleich umgebracht, müssen aber mitunter erhebliche Nachteile in ihrer Lebensgestaltung in Kauf nehmen.
Dann hören wir noch von Zöllnern, die betrügen und von Dirnen, die ihren Körper verkaufen: Jesus spricht ihnen die Fähigkeit zu, umzukehren, sich zu ändern und Glauben zu haben. Jesus kritisiert damit die Prominenz seiner Zeit, die meint, keine Bekehrung nötig zu haben. Vielmehr haben sie ein Gewaltpotential in sich, das auch Jesus tötet. Worauf es ankommt: Wort und Tat sollen übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, sind Umkehr und Reue besonders wichtig.
Das heutige Evangelium ist kurz, aber sehr inhaltsreich und fordernd und schließt mit einer Mahnung: „Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm (Johannes) nicht geglaubt.“ Das Evangelium stellt bei genauem Zuhören oder Durchlesen viele Fragen, lädt ein zum Weiterdenken. Diese Fragen und diese Einladung darf ich an Sie, liebe Gemeinde, weitergeben. Mahatma Gandhi (1869-1948, Hindu, Führer der Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Herrschaft) meint schon: "Die beste Art das Evangelium zu predigen, ist, es zu leben."
Bei manchen Anforderungen an uns sehen wir den Sinn gleich ein. Da füllt uns die Umsetzung leichter. Bitten oder Aufträge, der Sinn uns nicht einleuchtet, fallen uns schwerer. Schieben wir sie dann auf die lange Bank? Vergessen wir sie einfach und hoffen, dass uns niemand erinnert?
Wie ist es, wenn die Erfüllung der Bitte uns zum Guten verändert? Gut für den Bittenden und gut für uns?
Heute werden uns im Evangelium kleine Szenen aus dem Alltag vorgeführt: Da sagt jemand „ja“, als er etwas tun soll – und tut es nicht. Jemand sagt „nein“ – und macht es dann doch. Bedenkzeit zu bekommen, ist ein Glück.
Jesus sagt „ja“ zu uns und ist seinem Wort treu. Sagen wir „nein“, wartet er auf uns.
Ihn rufen wir an:
Wieviel ein Versprechen wert ist, sieht man erst, wenn es auch eingelöst worden ist. Die Werbung verspricht oft viel mehr, als die angebotenen Produkte dann auch halten. Manche Politiker handeln ähnlich. Nicht immer ist es aber böse Absicht oder bewusste Täuschung. Oft stellt sich erst im Laufe der Zeit heraus, dass jemand nicht in der Lage ist, sein Versprechen zu halten. Zum Glück gibt es manchmal auch eine späte Bekehrung zum Besseren.
Wenn Menschen eine gegebene Zusage nicht einhalten, sind wir von ihnen enttäuscht. Wenn sich jemand nach anfänglicher Ablehnung trotzdem für eine gute Sache engagiert, freuen wir uns über seine Umkehr. Wer seine Meinung ändert, gerät in den Verdacht, ein Wendehals zu sein. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir bereit sein dazuzulernen und wenn nötig umzukehren.
Wir beginnen jeden Gottesdiesnt mit der Hinwendung zu Gott. Wir zeigen ihm, dass wir bereit sind, seine Wege zu gehen, und, wo es nötig ist, umzukehren.
Bekennen wir, dass wir seiner Vergebung und seiner Zuwendung bedürfen:
Ich bekennne...
Bitten wir Gott um Vergebung für unser Unvermögen, unseren Wankelmut und unsere Halbherzigkeiten.
Herr, vergib uns, dass wir oft den bequemeren Weg gehen
und nicht nach deinen Willen fragen.
Herr, erbarme dich unser.
Herr vergib uns, dass wir oft nur widerwillig tun,
was für das Wohl aller notwendig ist.
Christus, erbarme dich unser.
Herr, vergib uns, dass wir oft nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht sind.
Herr, erbarme dich unser.
Herr, Jesus Christus,
manche deiner Gleichnisse öffneten ein weites Feld.
Kyrie, eleison.
Für die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes wurden die Gleichnisse zur Herausforderung.
Christe, eleison.
Wir heute können deine Bilder verstehen, umsetzen und beantworten.
Kyrie, eleison.
Herr,
oft sagen wir „ja“, ohne abzuwägen, wohin das führt.
Wir laufen einfach mit.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du setzt uns kein „nein“ entgegen, wenn wir zaudern und resignieren.
Du gesellst dich zu uns.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir bitten um die Kraft „nein“ zu sagen, wenn Hetze und Hass Angst machen.
Du sagst zu allen Menschen „ja“.
Herr, erbarme dich.
Zeige mir, Herr, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Der Herr ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
(Ps. 25)
Herr, Jesus Christus,
du hast die Willen des Vaters den Menschen kundgemacht
und uns in deine Nachfolge gerufen.
Herr, erbarme dich.
Deine Worte über die Barmherzigkeit des Vaters wollen auch uns aufrütteln.
Christus, erbarme dich.
Du hast dich in diesem Verständnis verschenkt bis ins Äußerste.
Herr, erbarme dich.
Großer Gott, du offenbarst deine Macht
vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger, ewiger Gott,
lenke unser Tun nach deinem Willen
und gib,
daß wir im Namen deines geliebten Sohnes
reich werden an guten Werken.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 3. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
gib uns die Gnade,
daß wir stets auf das Rechte bedacht sind
und es auch entschlossen tun.
Da wir ohne dich nicht bestehen können,
hilf uns, nach deinem Willen zu leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Donnerstag in der 1. Woche der Fastenzeit
Allmächtiger Gott,
du bist unser Herr und Gebieter.
Mach unseren Willen bereit,
deinen Weisungen zu folgen,
und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
auch wenn wir schuldig geworden sind,
lässt du uns nicht fallen.
Gib uns die Kraft zur Umkehr
und den Mut, deinem Willen zu folgen.
So bitten wir im Heiligen Geist
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir lebt in alle Ewigkeit.
WB 26. Sonntag im Jahreskreis A
Herr, Jesus Christus,
die Pharisäer und die Ältesten hast du durch deine Gleichnisse herausgefordert.
Zugleich hast du Menschen in diesen Gleichnissen gezeigt,
dass sie Hoffnung auf Gottes Reich haben können.
Stärke in uns den Glauben, dass du uns helfen kannst,
unser Leben in dir zu vollenden.
Darum bitten wir dich,
der du in der Einheit mit dem Vater und dem Geist unser Leben begleitest. - Amen.
In deiner Liebe, hast du, Gott,
ja gesagt zu deiner Schöpfung.
Wenn uns die Dinge entgleiten,
wenn uns der Mut ausgeht,
wenn uns alles egal ist,
trägst du uns mit deinem „Ja“.
Wir danken dir.
Schenke uns die Kraft,
„nein“ zu sagen,
wenn Parolen Unheil stiften,
und „ja“ zu sagen,
wenn gute Worte Zukunft schenken.
Du vertraust uns dein Ja an,
das alle Welt erhält und trägt
in Christus, unserem Herrn,
der einer von uns wurde.
Vater im Himmel,
durch Jesus Christus hast du uns einen Neuanfang geschenkt.
Auf sein Leben schauend und auf seine Zusagen hoffend
dürfen wir jede Woche – ja, jeden Tag - neu beginnen.
Lass uns in dieser Feier seinen Zuspruch ganz erreichen
und schenke uns die Kraft,
ihm immer besser zu folgen
und mit ihm unterwegs zu bleiben,
damit so deine heilbringende Liebe in dieser Welt sichtbar wird.
Herr, Jesus Christus,
wenn wir als Gemeinde zu dir beten, ist das wie ein lautes Nachdenken.
Wir bitten dich, begleite unser Nachdenken.
Von manchen Menschen kennen wir ihre Zerrissenheit,
aber wir wissen nicht, wie wir ihnen helfen können.
Wir bitten dich, begleite unser Nachdenken!
Von manchen Menschen kennen wir ihre Traurigkeit,
aber wir wissen nicht, wie wir sie trösten können.
Von manchen Menschen kennen wir ihre Begeisterungsfähigkeit,
aber wir wissen nicht, wie wir sie teilen können.
Von manchen Menschen kennen wir ihre Verletztheit
aber wir wissen nicht, wie wir heilend helfen können.
Von manchen Menschen kennen wir ihren Druck,
aber wir wissen nicht, wie wir ihn mildern können.
Von manchen Menschen kennen wir ihre Zukunftsangst,
aber wir wissen nicht, wie wir sie ermutigen können.
Du, Herr, hast manchmal durch ein Gleichnis geholfen.
Lass uns unsere Möglichkeiten finden für die Menschen, zu denen du uns führst. - Amen.
Im Evangelium sagt ein Mensch „ja“ – und tut nicht, was er will. Ein anderer sagt „nein“ – und übernimmt die Aufgabe dann doch.
Wir beten heute für Menschen, die „ja“ und „nein“ sagen.
Herr,
Ja-Sager tummeln sich an Stammtischen, in virtuellen Räumen, in öffentlichen Medien. Sie reden einander nach dem Mund, vereinfachen alles und folgen ihren Idolen.
Hilf ihnen, eine kritische Distanz zu finden und sich und andere nicht in die Irre zu führen.
Herr, führe uns auf den Weg der Gerechtigkeit.
Viele Menschen erleben, wie „nein“ zu ihnen gesagt wird, schweigsam oder auch ganz offen. Sie werden nicht beachtet, mit Vorwürfen überzogen oder als Flüchtlinge einfach nur abgelehnt.
Hilf uns, unsere Blicke zu prüfen und die Ohren zu spitzen.
Herr, führe uns auf den Weg der Gerechtigkeit.
Wenn Menschen sich lieben und ihre Wege zusammenlegen, sagen sie „ja“ zueinander.
Auf dem Standesamt, in der Kirche oder einfach zu einander.
Hilf ihnen, ihr „Ja“ auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten und Durststrecken zu bestehen.
Herr, führe uns auf den Weg der Gerechtigkeit
In vielen Fällen ist es nicht einfach, rechtzeitig „nein“ zu sagen, wenn sich die Erwartungen jagen. Krisen führen zu einem Tunnelblick, Vertrauen wird auf die Probe gestellt und Ängste lähmen.
Hilf uns, einen liebevollen Blick auf die Welt zu gewinnen.
Herr, führe uns auf den Weg der Gerechtigkeit
In vielen Gremien, auch in unserer Gemeinde, werden Tagesordnungspunkte abgestimmt. Mit „ja“ und „nein“ - oder auch mit Enthaltung. Wir wissen vieles nicht einzuschätzen, Sachzwänge schleichen sich in Tagesordnungen und Unwichtiges führt zu Zerwürfnissen.
Hilf allen, die „ja“ und „nein“ sagen, weise und menschlich zu entscheiden.
Herr, führe uns auf den Weg der Gerechtigkeit.
Du, Herr, hast „ja“ zu uns gesagt, zu der Welt, die du von Anfang geliebt hast.
Segne und behüte, was wir tun und lassen. Unser „Ja“ und unser „Nein“.
In Christus, der gehorsam war bis zum Tode am Kreuz.
Reden und Tun sind zweierlei. Diese Diskrepanz zwischen Wort und Tat macht unglaubwürdig. Jesus will aber entschiedene Nachfolger. Lasst uns ihn bitten, dass wir seine Botschaft nicht nur mit unseren Worten sondern auch mit unseren Taten verkünden:
Dein Geist sei mit allen Synodalen, die in den kommenden Wochen in ihren Beratungen nach Antworten auf die Herausforderungen der Zeit für deine Kirche suchen.
Dein Geist sei mit allen politisch Verantwortlichen in den verschiedenen Regierungen und Parteien, von denen wir erwarten, dass ihren Worten auch Taten folgen.
Dein Geist sei mit allen, deren existenzielle Nöte durch die Klimaveränderungen uns veranlassen, unseren bisherigen Lebensstil zu überdenken.
Dein Geist schenke uns den Mut, uns selbst immer wieder zu hinterfragen, Fehler einzusehen und entschlossen einen Neuanfang zu wagen.
Wir beten für unsere Verstorbenen. Du hast durch deine Erlösungstat die Macht des Todes gebrochen und ihnen eine Vollendung in dir verheißen.
Herr Jesus Christus,
selbst am Kreuz hast du dein Vertrauen in den Vater behalten und uns vorgelebt.
Dafür danken wir dir jetzt uns allezeit. - Amen.
Treuer Gott,
du kennst unseren guten Willen, aber auch unser Unvermögen.
Wir bringen dir unsere Bitten für die Nöte unserer Zeit vor.
Wir beten für alle Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind,
jedoch an der Hartherzigkeit unserer Gesellschaft scheitern.
Wir beten für alle Menschen, die politische Ämter anstreben.
Gib ihnen die Kraft, dass sie Verantwortung für das Wohl der Menschen übernehmen:
Wir beten für die Kirche.
Stelle ihr Ansehen und ihre Glaubwürdigkeit wieder her.
Wir beten für alle, die an hohen Idealen und an hohen Erwartungen ihrer Mitmenschen gescheitert sind.
Lass sie daran nicht zerbrechen und lass sie Vergebung finden.
Wir beten für unsere Verstorbenen.
Schenke ihnen Frieden und Heimat bei dir.
Du, Herr, kennst unsere Schwächen
und erweist dich trotzdem als barmherziger Vater.
Dir vertrauen wir uns an. – Amen.
Barmherziger Gott,
nimm unsere Gaben an
und öffne uns in dieser Feier
die Quelle, aus der aller Segen strömt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
da wir das Mahl unseres Herrn bereiten,
laß uns begreifen, was die Speise seines Lebens war:
deinen Willen zu tun.
Gib uns den Mut, in sein Opfer einzugehen,
auf daß auch uns aus der Hingabe an dich
die Kraft zum Leben komme.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswah 3
Gütiger Gott,
du selber hast uns die Gaben geschenkt,
die wir auf den Altar legen.
Nimm sie an als Zeichen unserer Hingabe
und gib uns die Kraft
zu einem Leben nach deinem Willen,
damit wir einst den ewigen Lohn empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 8. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
wir bringen dir unsere Gaben in den Gestalten von Brot und Wein.
Wir bringen dir unsere Gaben von dem, was durch uns in dieser Woche geschehen ist.
Wir bringen dir unsere Gaben in der Bereitschaft, anderen im Wachstum zu helfen.
Segne alle Gaben derer, die auf dich vertrauen. - Amen.
Du, Herr, lädst uns ein,
an deinem Tisch Platz zu nehmen
und mit allen, die vor uns gelebt
und gehofft,
gezweifelt und getrauert haben,
dein Mahl zu feiern.
Mit Brot und Wein.
Wir werden satt,
wir feiern das Leben.
Nimm in deine Hand, was wir dir bringen
und gib den Dingen einen neuen Sinn:
Brot und Wein
schenkst du uns als Leib und Blut Jesu.
Sprich du das Wort,
das alles verwandelt.
In deiner Liebe,
in der Gemeinschaft der Heiligen,
in unseren Herzen...
Du bist der Herr, in Ewigkeit.
Kehrvers:
Singt dem Herrn, alle Länder der Erde.
(GL 54,1)
Gott und Herr, wir bringen dir unseren Lobpreis dar.
Denn du bist ein Gott, der nicht den Tod des Sünders will,
sondern dass er umkehrt und lebt.
Kehrvers
In Freiheit lässt du jeden Menschen seine eigenen Wege gehen.
Du rufst den zur Umkehr,
der das rechtschaffene Leben aufgibt und Unrecht tut.
Kehrvers
Dein Sohn hat sich erniedrigt
und ist den Menschen gleich geworden
um sie aus ihrer Todesnot herauszuholen
und ihre Herzen wieder dir zuzuwenden.
Kehrvers
Er hat uns gelehrt,
wie der eine den anderen höher schätze als sich selbst,
und wie wir zum wahren Leben kommen,
wenn wir auch auf das Wohl der anderen achten.
Kehrvers
Dafür danken und preisen wir dich.
Wir singen mit der ganzen Schöpfung dein Lob:
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott… (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Wir danken dir, gütiger Vater,
denn durch die frohe Botschaft,
die dein Sohn verkündet,
hast du Menschen aus allen Völkern und Sprachen
zur Gemeinschaft der Kirche vereint.
Sie lebt aus der Kraft deines Geistes
und sammelt die Menschen zur Einheit.
Sie bezeugt deine Liebe
und öffnet allen das Tor der Hoffnung.
So wird die Kirche zum Zeichen deiner Treue,
die du uns für immer versprochen hast.
Darum preisen dich Himmel und Erde,
und mit der ganzen Kirche bekennen wir
zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 4
Jesus hat den Menschen damals gezeigt, für wen der Himmel offen ist und wo sich die Hoffnungen des Reiches Gottes erfüllen.
Um dieses Reich beten wir:
Vater Unser…
Herr, Jesus Christus,
Paulus spricht von der Hoffnung, dass wir eines Sinnes sind.
Wo dein Friede lebendig ist, kann sich diese Hoffnung erfüllen.
Darum bitten wir dich:
Herr Jesus Christus, schaue nicht auf unsere Sünden…
Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.
(vgl Lk 11,28)
Oder:
Christus spricht:
Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!,
wird in das Himmelreich kommen,
sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
(Mt 7,21)
Du rufst uns immer wieder
unser Gott
und lädst uns ein
das Unsere zu tun
nicht abseits zu stehen und zuzusehen
sondern anzupacken
dort wo wir gebraucht werden
Du gibst uns nicht auf
wenn wir uns abgewandt haben
und unsere Wege gehen
in deiner Barmherzigkeit
suchst du uns neu
und hilfst uns
zu dir zurück zu finden
Gott, wir sind hier
wir wollen uns von dir rufen lassen
wir wollen deiner Einladung folgen
wir wollen deine Wege gehen
hilf uns dabei und behüte uns
und begleite uns mit deinem Segen
Allmächtiger Gott,
in der Feier der Eucharistie
haben wir den Tod des Herrn verkündet.
Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele
und mache uns bereit mit Christus zu leiden,
damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Unser Gott und Vater, wir danken dir.
Du hast uns genährt mit der Speise,
die uns stärkt, nur deinem Willen zu folgen.
Ist unser Glaube auch schwach
und unsere Liebe gering,
nimm sie barmherzig an um deines Sohnes willen,
der uns zugelassen hat an seinen Tisch,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 7
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, Jesus Christus,
Paulus spricht von der Hoffnung, dass wir eines Sinnes sind.
Wo dein Friede lebendig ist, kann sich diese Hoffnung erfüllen.
Darum bitten wir dich:
Herr Jesus Christus, schaue nicht auf unsere Sünden…
Menschen haben sich auf den Weg gemacht.
In ein unbekanntes Land,
eine unbekannte Zeit,
unbekannte Möglichkeiten.
Dann warst du, Gott, der alle Wege kennt,
oft unerkannt dabei.
Begleite auch die Wege, die wir gehen.
Lass uns so gesinnt sein,
wie es der Gemeinschaft mit dir entspricht.
Mit einer Hoffnung, die sich nicht kleinreden lässt,
einem Vertrauen, das Abgründe überwindet
und einer Liebe, die aus dem Himmel kommt.
Lass uns einander an die Hand nehmen.
Dann finden die Zögernden einen neuen Schritt
und die Übermütigen das rechte Maß.
Bis du vollendest, was wir nicht vollenden können.
In Christus, der uns in das Leben führt.
Vater im Himmel,
dein Sohn Jesus Christus war dir gleich,
hielt aber nicht daran fest,
sondern stellte sich mit uns auf eine Stufe,
um mitten unter uns zu sein.
Wir danken dir für die Sendung deines Sohnes und sein Vorbild
und bitten dich:
Hilf uns darauf zu achten,
dass auch wir nicht nur auf unser Wohl schauen,
sondern auf ein gutes Miteinander und auf Gerechtigkeit für alle.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Der dreifaltige Gott segne euch,
denn in ihm sind viele Hilfen möglich. - Amen.
Der dreieine Gott segne euch,
denn in ihm ist gemeinsames Handeln gute Erfahrung. - Amen.
So segne euch der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Der allmächtige Gott gewähre uns Segen und Heil;
er offenbare uns die Wege seiner Wahrheit. - Amen.
Er stärke unseren Glauben durch sein Wort
und schenke uns die Gnade, nach seinen Geboten zu leben,
damit in allem sein Wille geschehe. - Amen.
Er lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens;
er mache uns beharrlich im Guten und vollende uns in der Liebe. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
MB Feierlicher Segen im Jahreskreis 3
Ein Mann hatte eine Hose gekauft, die Beine waren aber etwas zu lang und mussten um 2 cm gekürzt werden. Er brachte sie mit zum gemeinsamen Abendbrot mit Frau und Tochter und bat darum, dass eine es tut.
Seine Frau sagte: „Ich kann nicht. Wir haben heute das Treffen der Frauengemeinschaft!“ Seine Tochter sagte: „Ich kann nicht. Ich treffe mich mit meinen Freundinnen!“
Der Mann war verärgert, ließ die Hose an der Garderobe hängen und verabschiedete sich ins Wirtshaus. Als seine Frau zurückkam, nahm sie die Hose, kürzte die Beine und hängte sie wieder an die Garderobe. Ähnlich machte es seine Tochter, als sie nach Hause kam.
Wie wird der Mann sich freuen, wenn er heimkommt!
Aus der Erinnerung zitiert aus dem Vorlesebuch zum „Grünen Katechismus“ von 1955.
Die Oma kam zu Besuch und hatte als Geschenk für den Enkel eine Wasserpistole. Die wurde gleich gefüllt und unter großem Hallo ausgiebig eingesetzt.
Im Lauf des Abends sprach die Tochter ihre Mutter an: „Hast du vergessen, wie vehement du mir eine solche verweigert hast, als ich eine haben wollte?“
Die Antwort der Mutter: „Nein, ich habe es nicht vergessen. Darum habe ich ihm eine geschenkt!“
Aus: Witzecke des Konradsblatt (Kirchenzeitung des Erzbistums Freiburg)
Die Arbeit, die Probleme, die Nachrichten, die Werbung, der Verkehr, die Termine – alles dies und noch viel mehr verlangt täglich unsere Aufmerksamkeit. Wir wenden uns mehr den Dingen und den Umständen zu und weniger den Menschen. Dabei sehnt sich jeder nach einem kleinen Lob, einer unausgesprochenen Hilfe, einer kleinen Aufmerksamkeit. Um zu spüren, dass er beachtet und anerkannt wird. Und wer sich so beschenkt weiß, macht auch anderen das Leben leichter.
Aus: Ruth Martin, Mit herzlichem Dank. Verlag Herder Freiburg – Basel – Wien 2006.
Nur weil du Liebe hast, kannst du Liebe schenken. Aus deiner Liebe zum Leben wächst deine Hinwendung zum Nächsten. Weil du achtsam bist auf dein Leben, bist du aufmerksam auf das Leben anderer. Durch Zuwendung blüht der Mensch auf. So ist die Hinwendung zum anderen eine Quelle reiner Lebensenergie. Und schon durch Zuhören, eine gemeinsame Tasse Tee, ein aufmunterndes Wort leicht zu erreichen.
Aus: Ruth Martin, Mit herzlichem Dank. Verlag Herder Freiburg – Basel – Wien 2006.
Herr,
gib mir den Mut,
Freiheit zu schenken,
wo es um die Zukunft meines Kindes geht.
Gewähre mir die Unterscheidungsfähigkeit,
das Vertrauen und die Gelassenheit,
Freiheit nicht mit Gleichgültigkeit
oder Ablehnung zu verwechseln.
Stärke mein Kind
zur eigenen Lebensentscheidung.
Aus: Thomas Schwartz, Segen voller Leben. Gute Worte für alle Tage. Freiburg – Basel - Wien Herderverlag 2017.
Es gab eine Zeit:
Sie übernimmt die Hausaufgabenbetreuung
der ausländischen Kinder – umsonst
Für dich
Er engagiert sich für eine gerechtere
Verteilung der Güter
Für dich
Sie bezieht Stellung, steht zu ihrem Wort,
tritt ein
Für dich
Er bekennt Farbe, hält sich nicht raus,
schwimmt gegen den Strom
Für dich
Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg), Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. ohne Verlagsangabe, ohne Jahresangabe.
Zum heutigen Evangelium fällt mir eine Geschichte von Anne de Vries aus einem Vorlesebuch meiner ersten Schuljahre ein:
Unter dem Titel: Mutters große Hilfe wird vom Jan und seiner Mutter erzählt.
Dreimal am Tag bittet die Mutter um Hilfe und jedes Mal fragt Jan: „Ich, Mutter?“, und verspricht die Aufgabe zu übernehmen. Und jedes Mal vergisst er sie über das Spielen. Enttäuscht übernimmt die Mutter die Aufgaben selbst. Doch es geschieht noch etwas Merkwürdiges. Abends hat Jan Hunger und bittet um Abendbrot. Und jedes Mal verspricht die Mutter das Butterbrot. Aber sie näht weiter. Und Jan wartet und wartet. Es wird still um ihn und Stimmen flüstern ihm zu: „Mutter hat dich vergessen, vergessen…“
Schließlich hält er es nicht mehr aus, er schleicht nach unten und schaut durchs Schlüsselloch. Und da sitzt Mutter am reich gedeckten Tisch und wartet auf ihn. Und er fragt sie: „Mutter, hast du mich denn ganz vergessen?“ Und sie nimmt ihn liebevoll zu sich und erklärt ihm, dass er etwas lernen sollte. Und als alles geklärt ist und sie endlich essen können, hat ihm ein Butterbrot noch nie so gut geschmeckt.
Zurück auf das Evangelium schauend, muss ich mich immer selbstkritisch fragen, wann wurde ich gerufen etwas zu übernehmen? Wie oft habe ich mir vorgenommen es auch zu tun und habe es nicht getan? Dabei ist es natürlich auch erheblich, ob ich es vorsätzlich tue oder nicht. Und wie oft habe ich eine Aufgabe abgewimmelt und mein schlechtes Gewissen hat mich dann doch dazu gerufen, mich nicht vor dieser Aufgabe zu drücken?
Beide Situationen kennen wir sicherlich in unserem Leben. Sie gehören zu den alltäglichen Herausforderungen. Es gehört auch zum Eigenschutz, dass wir sortieren dürfen – ja sogar müssen. Aber das ist hier nicht wirklich gemeint. Hier geht es um den Blickwinkel. Um unsere Verlässlichkeit und die Bereitschaft hinzuschauen.
In den Ablenkungen unserer Zeit, mögen auch wir die Rufe Gottes überhören und machen weiter und weiter und merken dabei zu spät, dass wir uns vom „Rufer“ entfernt, ja vielleicht sogar entfremdet, haben. Und dann empfinden wir vielleicht auch wie Jan: „Vater/Mutter-Gott hat mich vergessen, vergessen.“
Und wie froh können wir sein, wenn wir durch Gott immer wieder eingeladen werden an seinen reich gedeckten Tisch seiner Liebe und Gnade und des Miteinanders. Und wie köstlich „schmeckt“ dann die Gemeinschaft mit IHM und untereinander.
Die Geschichte ist von Anne de Vries und findet sich im Vorlesebuch Religion. Verlag Kaufmann/Vanderhoeck/Benziger/TVZ.
Beatrix Senft 2023.
Zwei Klimaaktivisten bleiben einem Gerichtstermin fern, um nach Bali zu fliegen. "Als Privatleute, nicht als Klimaschützer", erklärt die Organisation Letzte Generation.
Ganzer Beitrag:
https://www.sn.at/politik/weltpolitik/klima-kleber-auf-bali-duerfen-klimaaktivisten-nach-bali-fliegen-133469554
Salzburger Nachrichten am 2. Februar 2023.
Um die europäische Einigung zu ermöglichen, mussten ihre Architekten das alttestamentarische Konzept der Gerechtigkeit überwinden, das die Erbfeindschaft zwischen Frankreich und Deutschland angefeuert hatte.
Ganzer Beitrag:
https://www.diepresse.com/5868543/gerechtigkeit-und-solidaritat-in-europa-win-win-statt-zahn-um-zahn
Michael Laczynski am 18.09.2020 auf diepresse.com

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die Lesung spiegelt eine Auseinandersetzung wider: Das „Haus Israel“ – gemeint ist das Volk Gottes – beansprucht mehr Spiel- und Ermessensräume, Jahwe aber erwartet ein Verhalten, das seiner Treue entspricht.
Wer das rechtschaffene Leben aufgibt und Unrecht tut, muss die Folgen tragen: den Tod. Es gibt so keine Zukunft, kein Leben. Aber wer umkehrt und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird sein Leben bewahren. Gottes Wort lässt sich auch in Ausnahmesituationen oder in Einzelfällen nicht aussetzen oder Zweckmäßigkeiten anpassen.
Ezechiel, der die Geschichte der Menschen und seines Volkes gut kennt, sieht Leben und Zukunft nur da, wo Gottes Wort ernst genommen wird. Aktueller Anlass für die Auseinandersetzung, die mit allen Mitteln geführt wird, ist die Erfahrung der Niederlage, der Verbannung und der Machtlosigkeit. Das Volk Gottes sieht sich im babylonischen Exil aufgerieben und verlassen.
Der erste Satz offenbart, dass die Menschen Gott die Schuld geben, modern: ihm Unverhältnismäßigkeit der Mittel vorwerfen.
„Ihr sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig.“
Die Lesung lenkt den Blick auf das rechte Verhalten – und auf das, was Zukunft und Leben verspricht.
Betrachtet man das Buch des Propheten Ezechiel als Ganzes, so kann man eine Dreiteilung festmachen, wie wir sie auch im Protojesaja, im griechischen Jeremia und bei Zefanja finden:
A) Gericht über Israel.
B) Gericht über andere Völker.
C) Zusicherung von Heil für Israel.
Unsere Lesung befindet sich im ersten Teil, wobei die Verkündigung des Gerichts einhergeht mit dem Heil für die Opfer von Übeltätern und die Gerechten.
Die Wegführung nach Babylon (598 v. Chr.) schien die düstere Prognose der Gerichtspropheten zu bestätigen: Jahwe straft die Sünden des Volkes durch die Zerschlagung der Nation. Für die Exilanten wird diese Deutung der Verbannung als Strafe für die auf Israel lastende Sündenschuld zu einem religiösen Problem: die unschuldigen Söhne büßen der Frevel der schuldigen Väter. Aus dem Spottvers aus Ez 18,1 ("Die Väter essen saure Trauben und den Söhnen werden die Zähne stumpf“) wird in Vers 25 zur anklagenden Behauptung: Der Weg Jahwes ist nicht richtig!
Der Prophet bringt nun eine belehrend Zurechtweisung, um die durch vielfaches Leid verhärteten Menschen aufzurütteln. Er stellt klar, daß es weder einer Übertragung der Schuld noch eine Vererbung der Gerechtigkeit von einer Generation auf die andere gibt. Jahwe befragt jeden einzelnen Menschen auf sein Tun hin.
Konkret betrachtet heisst dies: Der Mensch ist hineingestellt, aufgrund des gegenwärtigen Gerichtes seine eigene Schuld zu bedenken. Im Vorspann unserer Lesung finden wir exakte Beispiele von einem gerechten und auch von einem ungerechten Leben. Die nächste Generation ist dabei nicht in die Schuld ihrer Vorfahren verstrickt: was zählt, ist das Tun von Recht und das Unterlassen von Unrecht. Jeder einzelne hat sein Tun selber zu verantworten.
Unsere Sonntagsperikope ist ein Ausschnitt aus der Zurechtweisung des Ezechiel. Auf dem Hintergrund des Gnadenangebots Gottes, der aus die Bekehrung des Sünders wartet, sichert Jahwe dem Umkehrwilligen das Leben zu. Leben, das ist mehr als nur die Sicherung und Erhaltung der nackten Existenz, sondere die Wiederaufrichtung der durch das Gericht gebeugten, die neue Hineinnahme in die Lebensgemeinschaft mit Jahwe.
Der, der Schuld auf sich geladen hat, hat die Möglichkeit, aus seiner Schuldhaftigkeit herauszukommen, hat die Möglichkeit der Umkehr. Wer aber das Leben in Gerechtigkeit aufs Spiel setzt und es verliert, der hat für immer verloren. Mit dieser Radikalität fordert dies JHWH ein, um sein Volk in die Verantwortung zu rufen: sein Volk, dass seine Schuld auf seinen Gott abzuschieben scheint: "Mein Verhalten soll nicht richtig sein?" (V25 und V29). Der Abschnitt endet mit dem dringenden Appell, mit dem Spruch des Herrn, der die letztliche Absicht Gottes aufzeigt: "Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt."
Hintergrund des heutigen Abschnittes aus dem Alten Testament ist die Erfahrung des Volkes Israel im babylonischen Exil (6. Jht. v. Chr.). Es waren Jahre der Krise des Gottesglaubens. Was ist das für ein mächtiger Gott, der die Söhne für die Schuld der Ahnen sterben läßt? Ist ein solcher Gott nicht ungerecht? Aber ein ungerechter Gott ist doch kein Gott.
Der Prophet stellt eindeutig richtig: Gott kennt keine Kollektivschuld. Jahwe ist kein Rachegott. Gott hat nur die persönliche Schuld eines jeden Menschen im Auge. Die Folge daraus: Der Prophet fordert zur persönlichen Buße auf. Umkehr führt zur Befreiung und zu einem neuen Leben. Für Ezechiel steht fest: Gott will, daß der Mensch lebe! Und er gibt damit einem innerlich erneuerten Volk eine große Zukunftschance.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive