Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Numeri:
In jenen Tagen
brachen die Israeliten vom Berg Hor auf
und schlugen die Richtung zum Roten Meer ein,
um Edom zu umgehen.
Das Volk aber verlor auf dem Weg die Geduld,
es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf
und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt?
Etwa damit wir in der Wüste sterben?
Es gibt weder Brot noch Wasser
und es ekelt uns vor dieser elenden Nahrung.
Da schickte der Herr Feuerschlangen unter das Volk.
Sie bissen das Volk
und viel Volk aus Israel starb.
Da kam das Volk zu Mose
und sagte: Wir haben gesündigt,
denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt.
Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit!
Da betete Mose für das Volk.
Der Herr sprach zu Mose:
Mach dir eine Feuerschlange
und häng sie an einer Stange auf!
Jeder, der gebissen wird,
wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.
Mose machte also eine Schlange aus Kupfer
und hängte sie an einer Stange auf.
Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde
und zu der Kupferschlange aufblickte,
blieb er am Leben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Vergesst die Taten Gottes nicht! – Kv
Oder GL 623,6
Lausche, mein Volk, meiner Weisung! *
Neigt euer Ohr den Worten meines Mundes!
Ich öffne meinen Mund zu einem Spruch; *
ich will Geheimnisse der Vorzeit verkünden. – (Kv)
Wenn Gott dreinschlug, fragten sie nach ihm, *
kehrten um und suchten ihn.
Sie dachten daran, dass Gott ihr Fels ist *
und Gott, der Höchste, ihr Erlöser. – (Kv)
Doch sie täuschten ihn mit ihrem Mund *
und belogen ihn mit ihrer Zunge.
Ihr Herz hielt nicht fest zu ihm, *
sie hielten seinem Bund nicht die Treue. – (Kv)
Doch er ist barmherzig, *
vergab die Schuld und vernichtete nicht.
Denn er dachte daran, dass sie Fleisch sind, *
nur ein Hauch, der vergeht und nicht wiederkehrt. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
„Jesus Christus ist der Herr“ –
zur Ehre Gottes, des Vaters.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Paulus zitiert einen Hymnus, der in der frühen Kirche unbefangen das Geheimnis Christi mit dem – alten und in der Mythologie verbreiteten – Schema Abstieg / Aufstieg besingt. Der Entäußerung, die bis in den Tod reicht, wird der "verliehene Name" gegenübergestellt, der im Christus-Bekenntnis "Herr ist Jesus" mündet. Wir begegnen hier dem ursprünglichen Glaubensbekenntnis, das noch ohne streitbehaftete (und auslegungsbedürftige) Sätze zusammenfasst, was christliches Leben ausmacht: dass er das letzte Wort hat, über alles – und für alle.
Paulus, ein Meister, der das Evangelium in Briefen zu den Menschen bringt, entwindet den Hymnus mythologischen Denkmustern und verbindet das Leben Jesu mit dem seiner Jüngerinnen und Jünger: Seid untereinander auch so gesinnt… In einem Leben, das dem "Leben in Christus Jesus entspricht", erweist sich das Bekenntnis zu ihm als tragfähig und wirklich. Bedenken, zumal die vielen Bedenken, die von Gottesdienst zu Gottesdienst heute variiert werden, werden von Paulus nicht geteilt. Er hat das Zutrauen, das ein Leben gelingt, in dem Jesus als der "Kyrios" bekannt und angerufen wird. Dass der Ort Philippi keine Insel der Seligen ist, weiß Paulus, hindert ihn aber nicht, den Lebenslauf Christi als Verheißung und Vorbild hinzustellen.
Als Paulus den Hymnus aufgreift und ihn zitiert, gibt es die schriftlich ausformulierten Evangelien noch nicht. Heute gelesen, mutet er wie eine Kurzfassung des Evangeliums an, das vierfach überliefert wird und auch die Briefe im NT prägt. Nicht zuletzt geht es darum, Jesu Namen zu tragen (Taufe), sich mit ihm zu schmücken und zu segnen. Im übrigen: der Christus-Hymnus, aus alter Zeit von Paulus gerettet, steht auch dafür, dass, wie der Theologe Edmund Schlink sagte, das Dogma Lobpreis und Lebenshilfe ist (und nicht das Gerüst, um Wahrheiten festzulegen).
Der Philipperhymnus, wie dieser Teil des Philipperbriefes in der Liturgie genannt wird, stellt rein formell ein Fremdkörper im Brief dar. Auf einmal wird ein Lied dazwischengeschoben – etwas für Paulus Neues bricht an.
Dieser Christushymnus ist Zeugnis der Kenosis Christi. In knapper Sprache und sorgfältiger Wortwahl wird das Christusgeheimnis versucht zu entfalten: Er war ganz Gott und ganz Mensch. Als dieser Mensch ist er Knecht/Sklave. Der Abstieg von Gott zum Knecht ist ein gewaltiger Schritt nach unten, der sein Ende am Kreuz findet. Jenes Kreuz ist gleichsam der Wendepunkt in diesem Hymnus (Vers 8). Mit dem Kreuz wird Jesus Christus zugleich wieder erhöht (Verse 9-11). Mit dem Namen, den Gott ihm verleiht, ist das Wesentliche dieses Menschen ausgedrückt, die Wichtigkeit der Person deutlich gemacht. Der Verfasser des Philipperhymnus bedient sich dabei eines Zitates aus dem Buch des Propheten Jesaja, wenn der Name jenes erhöhten Christus von jedem Munde gepriesen wird. Kyrios – Herr – ist Jesus Christus und mit ihm wird auch zugleich der Vater verherrlicht.
Aufgrund des großartigen Aufbaues des Philipperhymnus geht man davon aus, dass Paulus diesen Hymnus aus der Liturgie der jungen Christengemeinde übernommen hat oder dieser später eingefügt worden ist. Der Philipperhymnus ist ein glänzendes Beispiel für das feiernde Nachdenken der Urgemeinde über die Erlösungstat Gottes.
Die zweite Lesung am heutigen Sonntag führt uns den Christushymnus aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi zu Ohren und Herzen. Dieser Hymnus ist eine der komplexesten und ältesten (Abfassungszeit des Philipperbriefes zwischen 50 und 60 n. Chr.) paulinischen “Kurzformeln des Glaubens” (Rahner). Anders als die anderen vergleichbaren Textbeispiele ist der Christushymnus nahezu ein vollständiges Christusbekenntnis und umfasst das ganze christologische Heilsmysterium: der Hinweis auf Jesu menschliche und göttliche Natur, die Annahme des Leidens als göttlicher Solidarakt mit der Menschheit und schließlich die Befreiung aus allem Unheil und die Erhöhung zu Gott.
Dieses Christusbekenntnis des Paulus spiegelt auch seine aktuelle Spiritualität. Philippi war zu Beginn seiner Mission ein großer Erfolg des Paulus. Später dann erfuhr er gerade aus Philippi antichristliche Ressentiments und Verfolgung.
Halleluja. Halleluja.
Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich;
denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodémus:
Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen
außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist:
der Menschensohn.
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
so muss der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der glaubt,
in ihm ewiges Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Wie einst das wandernde Volk Israel in der erhöhten Schlange Heilung von Schlangenbissen erfuhr, erfährt jeder, der zum erhöhten Gottessohn aufblickt, Heil und Heilung. Anders als beim Blick auf die Schlange, in deren Schau den Israeliten irdisches Heil gewirkt wird, ist eines in der Schau des Erhöhten wesentlich anders und daher besonders wichtig: der Himmel überm Kreuz. Bewirkt die Schau der Schlange nur irdisches Heil, bedeutet der Blick in den Himmel die Ewigkeit. Es ist der Ort, wo “die Welt durch ihn gerettet wird”.
Jesus erklärt das in seiner Katechese dem Nikodemus, einem - gemäß der johanneischen Darstellung - Jesus wohlgesonnenen Pharisäer. Nikodemus steht an dieser Stelle als Beispiel für die ganze jüdische Gelehrtenschaft. Es ist allerdings nicht ganz klar, ob der Jesu wohlgesonnene Nikodemus tatsächlich als Beispiel aus einer Schar von gleichgesinnten Pharisäern herausgenommen ist oder ob er eher eine Erfahrung des Evangelisten selbst ist. In letzterem Fall taugt Nikodemus dann nicht, wie gerne angenommen wird, als ein Beispiel dafür, dass Jesus unter den Pharisäern und Schriftgelehrten auch Anhänger hatte.
Der Text sagt zunächst aus, dass keiner in den Himmel aufgestiegen ist außer dem vom Himmel Herabgestiegenen. Das Ziel der eschatologischen Belehrung ist die Vermittlung des Heils, das im Zugang zur Welt Gottes, dem himmlischen Reich des Lebens besteht. Der Gedankengang vom Aufstieg des einzigen wirklich aus dem Himmel Stammenden steht im Vordergrund und so soll die Heilsabsicht Gottes bei der Sendung des Sohnes über jeden Zweifel erhoben werden.
Wenn es dennoch zu einem Gericht kommt, so resultiert dies aus dem Unglauben, da sich der, der an den Gottessohn nicht glaubt, damit selbst sein Urteil spricht. Zuvor stehen die grundlegenden Sätze über den Aufstieg des Menschensohnes in die himmlische Welt, die über die Erhöhung am Kreuz geführt hat, um allen an ihn Glaubenden in ihm das Leben zu schenken. Der Menschensohn hat seinen Weg des Abstiegs in die Welt und des Aufstiegs in den Himmel nicht für sich selbst unternommen, sondern um Gottes universale Heilsabsicht zu verwirklichen.
Das Fest der Kreuzerhöhung ist eine uralte Tradition der christlichen Kirchen in Ost und West. Das Aufschauen zum Kreuz stärkt in uns die Hoffnung, dass Leid und Todesnot überwunden werden.
Gestern war es also 1690 Jahre her, dass unter der Verantwortung des damaligen Kaisers Konstantin in Jerusalem die heutige Grabeskirche eingeweiht wurde; fünfzehn Jahre nach der legendären Auffindung des Kreuzes an dieser Stelle durch Konstantins Mutter Helena. Der für diese Kirche verantwortliche Bischof war damals der Patriarch von Jerusalem, Makarios I. Am Tage nach der Einweihung der Grabeskirche initiiert Makarios einen interessanten Ritus: In großer Feier wird das aufgefundene Kreuz auf einer Anhöhe Jerusalems den Gläubigen präsentiert - vor ihnen “erhöht”. Damit war eine Tradition geschaffen, die bis heute in der lateinischen Kirche und noch viel mehr in den Kirchen des Ostens gefeiert wird; aber durchaus auch mit großen Unterbrechungen.
Denn drei Jahrhunderte nach der Einweihung der Grabeskirche erobern die Perser Jerusalem. Das Kreuz wird verschleppt, kann erst Jahre später durch den dann herrschenden Kaiser von Konstantinopel in großem Triumph wieder an seinen alten Platz zurückgebracht werden. Die gute Zeit aber währt nicht lange. Neu entstandene arabische Mächte erobern den syrisch-palästinensischen Raum, es fallen zunächst Damaskus, dann Jerusalem. Die Kreuzreliquie wird nach Konstantinopel, ins heutige türkische Istanbul, in Sicherheit gebracht und von dort schließlich an verschiedene Ort in Europa verteilt, wo sie heute noch verehrt werden.
Damit ist die Kreuzreliquie wohl aus dem Sichtfeld der weltweiten Kirche verschwunden, nicht aber die Bedeutung der Feier von Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung. Bis zur Liturgiereform im Jahr 1960 wurden beide Feste getrennt gefeiert: Kreuzauffindung am 3. Mai und Kreuzerhöhung am 14. September. Papst Johannes XXIII. hat beide Feste dann auf einen Tag vereint. In vielen Traditionen ist die Vorbereitung auf dieses Fest mit einer kürzeren oder längeren Fastenzeit verbunden – gleich wie vor dem Osterfest und dem Weihnachtsfest auch. Diese Form der Einstimmung macht einmal mehr die tradierte Wichtigkeit des Festes deutlich. Wie Weihnachten und Ostern und andere Feiern steht Kreuzerhöhung im Range eines Herrenfestes: Fällt es auf einen Sonntag - wie 2025 - verdrängt es die Feier des Sonntags und wir hören stattdessen die Verkündigung aus der Heiligen Schrift zum Fest und nicht zum Sonntag.
Das eigentliche 'Erlebnis' der Kreuzerhöhung, wie es Patriarch Makarios im 4. Jahrhundert installiert hat, erleben wir an diesem Festtag so explizit kaum mehr; zumindest nicht in der lateinischen Kirche. Es ist uns erhalten geblieben zu einer anderen Gelegenheit: bei der Kreuzesdarstellung, -enthüllung und -verehrung in der Liturgie des österlichen Triduums am Karfreitag. Hier schauen wir in österlicher Erwartung aufwärts - nicht zuerst zum Kreuz, sondern zum Gekreuzigten; zu dem, der sich in allem Leid mit uns solidarisch erweist.
Denn das ist ja letztendlich der geistliche Anlass des Ereignisses der Kreuzauffindung und der Kreuzerhöhung: Inmitten der Kriegserlebnisse des vierten und siebten Jahrhunderts und aller Zeiten danach, aber auch in den Tragödien des individuellen Lebens erweist sich dieser Gott als einer, zu dem aufzublicken Leben verheißt.
Nehmen wir dieses Aufschauen noch einmal in den Blick, mit dem Makarios, der einstige Patriarch von Jerusalem, das heutige Fest begründet hat. In der ersten Lesung hörten wir schon von einem Akt des Blickrichtungswechsels. Als Gott sein Volk durch die Wüste ziehen ließ, orientierten sich die Israeliten an der erhöhten Schlange und fanden darin das Leben, das ihnen sonst durch die Schlangen am Boden genommen worden wäre. In seiner Katechese an Nikodemus, so hörten wir es im Evangelium, stellt Jesus nun einen Bezug zwischen diesem Heilsereignis in der Wüste und jenem am Kreuz her. Aber er geht jenen Schritt weiter, den Paulus im Brief an die Philipper im Christushymnus so beschreibt: "Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht": Der Erhöhung des Gekreuzigten geht die Erniedrigung voraus und damit der Tatbeweis des Gottessohnes, solidarisch mit der Schöpfung leiden zu wollen.
Der Erhöhte provoziert den Blick nach oben. Nun wissen wir aber auch: Wer nicht vor sich schaut, lebt gefährlich, droht zu verunfallen, weil er nicht mehr sieht, wo es langgeht. Wer hochschaut, sieht auch nicht mehr, was links und rechts abgeht. Und doch ist diese riskante Orientierung am Erhöhten für einmal segensreich. Mit dem Blick auf ihn erlauben wir uns eine Alternative, machen wir für einmal Pause vom gewohnten Sehen in die immer selbe Richtung. Schauen wir in den Himmel und damit zur Ewigkeit.
So wie die junge Kirche des 4. Jahrhunderts im Erhöhten mehr erkennen konnte als nur die Leiden und Repressalien der Christenverfolgungen der ersten Zeit der Kirche, sind auch wir eingeladen, mit Blick auf den Erhöhten den Himmel offen zu sehen und in allen Schwierigkeiten und Bedrängnissen des Lebens neue Perspektiven zu entdecken. Das tut so gut, weil wir uns aus einem endlosen Drehen um uns selbst und unsere eigenen Themen befreien, weil wir uns von den Belastungen des täglichen Lebens für einen Moment entlasten, und weil wir dann neue Möglichkeiten für nächste Schritte im Leben entdecken können, die bis anhin vielleicht verstellt waren.
Das Fest Kreuzerhöhung ist eines der ältesten Feste des christlichen Festkalenders - es ist fast zeitgleich festgelegt worden wie das Weihnachtsfest am 25. Dezember. Aber unser Festtag ist nicht nur eine uralte Tradition. Er erzählt auch von unserer Hoffnung auf ein Mehr an Leben und er lässt uns einmal mehr wissen: Ohne das Kreuz am Karfreitag kein Licht am Ostermorgen - ohne Sterben und Untergang kein Auferstehen.
Das Kreuz ist zum Symbol der Hingabe Jesu geworden. Wer zum Kreuz aufblickt, erfährt Heil und Rettung. Der Kreuzestod Jesu ist jedoch in dem weit größeren Zusammenhang der Liebe Gottes zu uns Menschen zu sehen. Gott gab uns seinen Sohn, damit er unser Leben in allen Facetten bis hin zum schmachvollen Tod mit uns teilte, diesen jedoch in der Auferstehung besiegte und uns den Zugang zum ewigen Leben eröffnete.
„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“, haben wir eben im Evangelium gehört. Das griechische Wort, das hier mit "hingab" übersetzt wird, kann aber auch als „gab“ verstanden werden. Es geht nicht nur um die Lebenshingabe Jesu am Kreuz, das Geschenk, um das es hier geht, ist seine Menschwerdung in Jesus. Sie ist Ausdruck seiner Liebe zu uns Menschen. Gott hat uns in Jesus auch den irdischen-menschlichen Jesus geschenkt, den Jesus, der 30 Jahre Menschsein mit uns geteilt hat, um uns die größtmögliche Nähe zu uns Menschen zu geben.
Gottes übergroße Liebe zu uns Menschen ist die Grundbotschaft des heutigen Evangeliums. Von einer Menschenfrau geboren, lebte er viele Jahre völlig unauffällig als Zimmermannssohn ihn Nazareth. Erst als Johannes der Täufer als Wanderprediger umherzieht, Buße und Umkehr predigt und die Menschen im Jordan taufte, schlug auch der Lebensweg Jesu eine neue Richtung ein. Er schließt sich der Gruppe um Johannes an und lässt sich von ihm im Jordan taufen. In der Taufe erfährt er durch die Stimme seines himmlischen Vaters seine Beauftragung zur Verkündigung. Der Geist Gottes treibt ihn an, in die Fußstapfen des Johannes und der Propheten davor zu treten. Viele Menschen sind von seinen Worten und seinen Wundertaten tief berührt und ändern nach der Begegnung mit ihm ihr Leben von Grund auf. Jeden Tag schließen sich mehr Menschen seiner Gefolgschaft an und ziehen mit ihm durchs Land.
Während die einen von der befreienden Auslegung des Väterglaubens begeistert sind, wächst aber auch die Zahl derer, die ihn grundlegend ablehnen.
Als ganzer Mensch erlebt er alle Facetten des Menschseins. Da gibt es tiefgründigen Austausch mit Glaubensgeschwistern und berührende zwischenmenschliche Begegnungen ebenso wie sämtliche Grausamkeiten, die Menschen einander antun können, inklusive der schmerzhaften Ohnmacht, dem Bösen wehrlos ausgeliefert zu sein. So erlebt er sowohl Freude und Glück, als auch Spott, Häme, Intrige, Hass, Gewalt, Denunziation und Übergriffigkeiten bis hin zu seiner Verurteilung als Aufwiegler zum Tod am Kreuz.
Alle diese Verwerfungen in seinem menschlichen Leben erduldet er, indem er sie im Gebet vertrauensvoll in die Hände seines himmlischen Vaters legt. Er vertraut auf den Vater bis in seine Todesstunde. Mit den Worten „in deine Hände lege ich meinen Geist“ verschied er.
Sein Tod am Kreuz kennzeichnet das Ende seiner menschlichen Existenz, aber nicht das Ende seines Lebens. Die Begrenztheit menschlicher Existenz wird verwandelt in die Unbegrenztheit göttlicher Existenz. Er wechselt in eine andere Dimension von Leben. Wie er dem Schächer an seiner Seite versprochen hat, kehren sie beide noch an diesem Tag ins Paradies ein.
Das Kreuz als niedrigster Ort menschlicher Existenz wird zur Startrampe ins Paradies; nicht nur für Jesus, sondern für alle, die seinem Weg folgen. Das Kreuz wird durch ihn zum Heilszeichen für alle, die an Gott glauben. Der erhöhte Christus öffnet uns allen die Tür zum ewigen Leben.
Es ist schwierig dieses Geheimnis unseres Glaubens in Worte zu fassen. Unsere Sprache stößt hier an ihre Grenzen. Deshalb ist es gut, dass es auch künstlerische Formen des Ausdrucks dafür gibt.
Vor einigen Jahren lernte ich auf einem Bibelseminar in Bad Traunstein Werke von Josef Elter kennen. Er war von 1957 bis zu seinem Tod 1997 Pfarrer in dieser Waldviertler Gemeinde. Als Künstler schuf er eine ansehnliche Zahl Holz- und Steinskulpturen, die man in den Räumen neben der Kirche betrachten kann. Unter anderem eine Darstellung des Gekreuzigten, bzw. des Auferstehenden, die nach meinem Dafürhalten besser als jedes Wort ausdrückt, was wir heute feiern. Christus ist da nicht hängend am Kreuz dargestellt, sondern zum Himmel emporschwebend.
Wohl ist der Tod am Kreuz ein Faktum, aber gleichzeitig führt er in ein neues Leben. Dies glaubend zu erhoffen wünsche ich allen, die zu einem Kreuz aufschauen.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18917137
Den historische Hintergrund des Festes Kreuzerhöhung bildet die bewegte Geschichte der Verehrung des Kreuzes Jesu und das Ringen der Theologie, den Skandal der Kreuzigung Jesu und das Motiv der Rettung und Überwindung des Bösen durch seinen Tod und seine Auferstehung im Symbol des Kreuzes zusammenzufassen.
Heute steht ein sehr altes Fest im Mittelpunkt unserer sonntäglichen Betrachtungen. Die rote Messfarbe löst deshalb auch das hoffnungsvolle Grün der vorangehenden und auch der kommenden Sonntage ab. Es kommt nur alle paar Jahre vor, dass dieses Fest an einem Sonntag gefeiert wird.
Deshalb ein kurzer geschichtlicher Überblick, der uns auch zu den Schriftlesungen führt: Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin des Großen, ließ um 325 im Heiligen Land nach Gegenständen suchen, die mit dem Leiden und Sterben Christi in direktem Zusammenhang stehen. Hinter geschichtlichen Fakten verbergen sich allerdings auch viele Legenden. In verschiedenen Versionen wird von der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch den Rabbiner Judas Cyriacus bzw. durch Helena selbst erzählt. Dabei sollen auch die heiligen Nägel und das Heilige Grab gefunden worden sein.
An der Auffindungsstelle entstand die Grabeskirche in Jerusalem. Ein Teil des Kreuzes wurde in die Palastkapelle Helenas namens »Santa Croce in Gerusalemme« nach Rom gebracht, ein anderer Teil zu ihrem Sohn nach Konstantinopel, ein weiterer Teil blieb in Jerusalem. Davon berichtet auch die Pilgerin Egeria im Jahre 383.
Dann erlebte das Kreuz durch Eroberungskriege eine sehr wechselvolle Geschichte durch Jahrhunderte, in der die Jerusalemer Kreuzesreliquie auch außerhalb der Stadt gebracht wurde und später wieder in Jerusalem ankam. Das bekannteste Kreuzreliquiar befindet sich im Petersdom. Auch in der Kirche »Santa Croce in Gerusalemme« in Rom werden weitere Kreuzesteile als Reliquien aufbewahrt. Dazu kamen im Lauf der Zeit Jesusreliquien mit sehr merkwürdigen Schilderungen in Legendenform. Seit dem 4. Jahrhundert gibt es eine weltweite Verbreitung dieser Kreuzesreliquien. Auch im Stift Heiligenkreuz im Wienerwald befindet sich eine solche in der Heiligenkreuzkapelle.
Die alttestamentlichen Lesung (Num 21,4- 9) erzählte von einer Kupferschlange, die Mose während einer Schlangenplage anfertigen ließ und auf einer Stange befestigt war. Der Aufblick zu ihr bringt Rettung, beseitigt das Böse.
In der kirchlichen Tradition wird diese Erzählung mit dem Kreuz Jesu und mit der Erhöhung Christi in seiner Himmelfahrt vierzig Tage nach Ostern in Verbindung gebracht. An Christi Himmelfahrt feiern wir die Rückkehr des Sohnes zum Vater im Himmel. In der Karfreitagsfeier findet ein intensiv ausgestalteter Wortgottesdienst mit Lesung der Passionsgeschichte und der großen Fürbitten statt, die Kreuzverehrung schließt die Karfreitagsliturgie als Höhepunkt ab.
In diesen liturgischen Feiern wird das Sterben Jesu als Erlösungssieg gefeiert. Durch die Auferstehung Jesu ist dem Tod die Macht genommen. Gäbe es keine Auferstehung wäre alles Leid sinnlos und das Kreuz, wie es Paulus im ersten Korintherbrief betont, eine Torheit, ein echter Skandal.
Die zweite Lesung fasst in Gestalt eines Hymnus die ganze Christusgeschichte theologisch zusammen: „Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.“ (Phil 2,6-7). Das Wort „gleich“ löste eine große theologische Debatte an vier christologischen Konzilien im 4. Jahrhundert aus. Man einigte sich in der „Zwei Naturen-Lehre“: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch.
Das Johannesevangelium bringt einen Ausschnitt aus einem Nachtgespräch Jesu mit Nikodemus, Mitglied des Hohen Rates, ein angesehener Pharisäer, der Jesus als Lehrer sehr schätzt und der mehr über ihn wissen will. Nikodemus, ein Gottsucher, kommt in der Nacht zu Jesus zu einem vertraulichen Gespräch. Jesus spricht hier den entscheidenden Satz: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh 3,17).
Den Glauben und das Vertrauen auf die Rettung und Erlösung durch Jesus Christus stellt das Kreuz dar. Thomas von Kempten fasst dies im 15. Jahrhundert mit dem Ruf „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“ zusammen.
Heute feiern wir einen außergewöhnlicher Sonntag, der das Kreuz nicht als Skandal, als Marterwerkzeug, sondern als Symbol der Rettung und Erlösung in die Mitte stellt.
Was wäre das Osterfest ohne Karfreitag? Was wäre die aufgehende Sonne des Ostersonntags ohne Kreuz? Das Osterfest würde verkommen zu einem schönen Frühlingsfest oder zu einem Fest des Osterhasen. Stattdessen möchte das Osterfest unser Leben verwandeln, doch dazu müssen wir auch das Leben mit allen Schmerzen und Klagen, mit allen Kreuzerfahrungen, im Blick behalten.
Zu den interessanten Seiten des Priesterberufs gehört für mich, dass man in allen Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens hautnah am Geschehen dabei ist. Vom Liebensglück des Hochzeitspaares und der Freude über die Geburt eines Kindes bis zum Krankenbett eines Sterbenden: Man ist immer am Puls des Lebens.
Ich gestehe aber, dass ich mir mit den sogenannten „schönen Feiern“, wie Taufe, Hochzeit, usw., stets schwerer getan habe, als mit den leidvollen und tragischen Erfahrungen des Lebens. Vielleicht, weil die tröstende Hand eines Begleiters in den Dunkelheiten des Lebens wichtiger ist, als salbungsvolle Worte bei einem ohnedies schönen Fest. Vielleicht auch, weil mich das Gefühl beschleicht, dass wenn man nur über die Schönheit der Liebe redet, aber die damit verbundenen Sorgen und Ängste ausblendet, an der Realität des Lebens vorbeiläuft.
Nun bin ich mir bewusst, dass es zum Wesen des Festes gehört, der Freude freien Lauf zu lassen und alle „aber…s“ vorübergehend einmal beiseite zu lassen, um gerade so, neue Kraft und Lebensfreude zu tanken. Trotzdem fehlt für mich etwas, wenn man in den Momenten des Erfolges nicht auch den Schweiß und die Mühen im Blick hat, die diesen Erfolg ermöglicht haben, wenn man die Dankbarkeit vergisst, für alle Menschen, die einem auf diesen Weg geholfen haben und nicht zuletzt es als einen großes Geschenk Gottes sieht, dass alles letztlich ein gutes Ende gefunden hat.
Was wäre das Osterfest ohne Karfreitag? Was wäre die aufgehende Sonne des Ostersonntags ohne Kreuz? Das Osterfest würde verkommen zu einem schönen Frühlingsfest oder zu einem Fest des Osterhasen. Und bei vielen Menschen passiert dies tatsächlich. Stattdessen möchte das Osterfest unser Leben verwandeln, doch dazu müssen wir auch das Leben mit allen Schmerzen und Klagen im Blick haben.
Deshalb halte ich das Kreuz in unseren Kirchenräumen für unverzichtbar. Die meisten von uns, die von Kindesbeinen an die Kirche besuchen, haben sich an das Kreuz gewöhnt und sehen darin nur noch ein traditionelles Symbol des Christentums und des christlichen Brauchtums. Tatsächlich erinnert es aber an die grausame Hinrichtung Jesu. Mitunter sind es Menschen aus anderen Kulturkreisen, die uns darauf aufmerksam machen, wiesehr diese Kreuze die Ästhetik von so manchen prunkvollen Kirchenraumen stören. Gerade darin liegt jedoch die Kraft des Kreuzes: es möchte provozieren. Es ist „der Stachel im Fleisch“ (2 Kor 12,7) der uns Christen nicht zur Ruhe kommen lässt. Das Kreuz passt weder zu salbungsvollen, weihrauchgeschwängerten Liturgien noch zu oberflächlichen „Hipphopp-Gottesdiensten“. Immer, wenn wir zu himmlischen Freuden entschweben wollen, holt uns das Kreuz gnadenlos wieder auf den Boden der Realität zurück.
Natürlich haben wir eine „Frohe Botschaft“ zu verkünden. Natürlich leben wir in der Freude der Erlösung. Wir brauchen aber auch den Anker des Kreuzes, damit wir die Bodenhaftung nicht verlieren und damit unsere Freude des Glaubens nicht zum „Opium für das Volk“ (Karl Marx) wird.
Nur diese geerdete Freude kann unsere (irdische) Welt erneuern und erlösen.
© Pfarrvikar Wolfgang Unterberger, Wien. Wolfgang.Unterberger@katholischekirche.at
Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an die Auffindung des Kreuzes Christi und dessen Präsentation durch Kaiserin Helena im Jahre 335. Es ist uns aber auch ein Zeichen der Hoffnung geworden, dass Christus durch das Kreuz dem sinnlosen Leiden und Töten, wie wir dies im gegenwärtigen Krieg erleben, die letzte Schärfe genommen hat.
Wer den Soldatenfriedhof von Verdun leibhaftig oder auf Fotos gesehen hat, dem stockt der Atem. So weit das Auge reicht, sieht man unzählige weiße Kreuze. Das ist das traurige „Ergebnis“ einer der brutalsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Der Soldatenfriedhof dient uns als Mahnmal. Wenn ich die vielen weißen Kreuze sehe, frage ich mich, ob jene, die sie errichtet haben, eine bestimmte Intention hatten? Oder ob das Kreuz aus Tradition gewählt wurde, weil das Kreuz auf das Grab des Menschen hingehört, weil es zum sog. Christlichen Abendland gehört?
Am 13. September 335 wurde die Konstantinische Basilika in Jerusalem über dem Heiligen Grab eingeweiht. Sie erinnert daran, dass Kaiserin Helena 15 Jahren zuvor das Kreuz in Jerusalem wieder gefunden hatte. Am 14. September 335 wurde das wiedergefundene Kreuz dem Volk zum ersten Mal gezeigt („erhöht“) und zur Verehrung empfohlen.
Die beiden historischen Momente legen unterschiedliche Bedeutungen des Kreuzes frei und sie gehören doch zusammen.
Es ist Krieg vor den Toren Europas. Wieder einmal müssen Menschen sterben und unter der Zerstörung Ihrer Häuser, ihrer Städte und ihres Landes leiden. Durch den ungerechten Angriff Russlands auf die Ukraine leiden die UkrainerInnen am meisten, ebenso aber auch der Rest der Welt. Immer wieder durchziehen dunkle Phasen des Krieges die Geschichte, und immer größer werden die Möglichkeiten und Gefahren, dass der Mensch sich und die Schöpfung vernichtet. Wieder wird das Kreuz zum Zeichen des Gedenkens an die toten Soldaten und Zivilisten, vor allem der Kinder. Das Kreuz macht auf die Sinnlosigkeit menschlichen Tuns aufmerksam.
Das Kreuz verweist auf Jesus, der am Kreuz gestorben ist. Jesus kennt sich in vielfältiger Weise mit der sinnlosen Gewalt und dem Leiden und Sterben der Menschen aus. Er selbst ist in den Schützengräben zugegen, um die Soldaten von ihrem Tun abzuhalten. Er ist in den Machtzentren der Welt und versucht die Mächtigen zum Frieden zu bewegen, und er ist natürlich bei jedem Verwundeten und allen Leidenden, um unser Schicksal ganz und gar zu teilen, um sich mit uns zu solidarisieren.
Die Suche der Heiligen Helena nach dem Kreuz Christi war hoffentlich nicht eine Suche nach Äußerlichkeiten. Gehen wir davon aus, dass ihr das Kreuz als Halt und Sinn und Ziel fehlte. Dann musste das Kreuz für sie noch eine weitere und tiefere Bedeutung haben als nur Erinnerung an Tod, Sinnlosigkeit und unermessliches Leid. Die heilige Helena sah im Kreuz nicht nur den Tod, sondern auch das Leben.
Jesus ist am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden. Seitdem ist das Kreuz das Symbol dafür, dass Leid und Tod überwunden sind. Alle Grausamkeit hat der Herr auf sich genommen und in seiner Liebe verwandelt und geheilt und verklärt. In der Grabeskirche wurde das Kreuz erhöht, damit alle die große Heilstatt Gottes sehen konnten, welche ihnen zuteil wurde bis zum heutigen Tag.
Neben dieser "praktischen" Funktion der Kreuzerhöhung kommt ihr auch eine theologische hinzu. Im Johannesevangelium ist die Erhöhung des Kreuzes der Verweis auf das Osterereignis und die Teilhabe an der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Darin eröffnet sich die Verheißung an uns, dass der Herr uns mitnimmt in die Dynamik des Heils, dass wir am Ende nicht verloren sind, sondern heimgeführt werden in den Himmel.
Gerade in der heutigen Zeit der Krisen sollten wir hin und wieder auf das Kreuz schauen und dem Herrn die Ratlosigkeit und die Depression anvertrauen, um neue Hoffnung und Stärke zu empfangen. Die fast unendlichen Kreuze auf dem Soldatenfriedhof in Verdun erschlagen einen fast, sie wirken übermächtig bedrückend. Sie sind nicht schwarz, sondern weiß. Ich weiß nicht warum, aber weiß symbolisiert das Licht, weiß ist die liturgische „Farbe“ zum höchsten Fest der Christen, Ostern. So dürfen wir in den Kreuzen von Verdun auch Osterkreuze sehen, die uns von Liebe, Leben, Frieden, Auferstehung und Ewigkeit künden.
© Michael Lehmler, Priester im Ruhestand in Köln.
Das Fest Kreuzerhöhung erinnert an das Auffinden des Kreuzes Christi in Jerusalem und an seine öffentliche Präsentation. Das Kreuz ist auch heute noch ein Zeichen und Symbol, dem wir in vielen Gestalten begegnen. Was löst es im Betrachter aus?
Olympia ist noch nicht allzu lange her. Es galt dort in den Berichten das übliche Motto von „schneller – höher – weiter“. Einen solchen Wettstreit um die Größe kann man manchmal auch bei Kreuzen festzustellen. Wer hat das größte Kreuz geschaffen? Manche sagen: Es ist gut, dass es diese großen Kreuze gibt. Wir sehen sie schon von weitem. Bei einer Wanderung geben sie die Richtung vor. Bei einem Erinnerungskreuz zeigt es an, wie uns das Thema beschäftigt hat.
Auf der einen Seite die Initiatoren und die Sponsoren. Es gibt auch eine andere Seite: Wie viele Versuche gab es schon, Gipfelkreuze zu zerstören oder zu sprengen?
Das Kreuz, von dem am heutigen Fest die Rede ist, sollte demonstrativ sein. Als Abschreckung für andere fanden Hinrichtungen oft öffentlich statt. Als Mahnung nach einer großen Verfehlung muss ein Zeichen auffallen. Jesus sprach selbst davon im Gespräch mit Nikodemus. Die Schlange in der Wüste war eine Antwort des Mose auf eine Schlangenplage. Schlangen bissen die Menschen. Sie mussten schuldig geworden sein. Das Buch Numeri nennt diese Schuld: Ihr habt ein Goldenes Kalb geschaffen und geglaubt, das schützt euch mehr als Gott. Nun schaut euch die Schlange an und kehrt zurück zu Gott.
Jesus kam zu uns und rief zur Umkehr auf. „Nehmt den Vater und sein Gesetz ernst. Glaubt an die Zukunft, die er euch geben will.“ In letzter Konsequenz hat Jesus den Tod am Kreuz auf sich genommen. Danach verstanden einige seine Worte und glaubten. Sie erzählten im Verborgenen davon, bis sie es ohne Gefahr auch öffentlich tun durften. Sie durften einladen: „Seht das Kreuz!“
Kunstexperten können bei den verschiedenen Kreuzesdarstellungen die Entstehungszeit erkennen. Nach der jeweiligen theologischen und spirituellen Meinung sahen die Kreuzesdarstellungen anders aus. Jedes hat seine Zeit und seinen Erfahrungshintergrund: Dies tut gut. Wer in ein einschlägiges Geschäft geht oder im Internet einen entsprechenden Shop anklickt, sieht die verschiedenen Kreuzesdarstellungen in vielen Größen und Materialien: Holz, Gips, Keramik, Bronze… Jeder Kunde soll das Kreuz finden, das er wünscht. Je nach Alter oder persönlicher Geschichte kann das anders sein.
Wie sehen die Kreuze aus, die wir daheim in der Wohnung oder im Haus haben? Ist es ein altes Familienstück, das eine besondere Bedeutung für uns hat? Ist es eine Erinnerung an einen Urlaub oder eine Wallfahrt oder erinnert es mich an eine bestimmte Zeit und Erfahrung?
Nicht nur die Formen sind andere – auch die Farben und Materialien wechseln. Als Halskette sind es eher kleine Kreuze in Silber oder Gold. Das franziskanische Tau ist aus Holz oft braun. Emailliert können wir es in vielen Farben sehen. Auch Darstellungen in den Regenbogenfarben habe ich schon gesehen: „Seht das Kreuz!“
Es gibt den Spruch: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!“ Daran sollten wir auch an diesem Tag denken: Stell dir vor, du zeigst den Menschen das Kreuz und es interessiert sie nicht. Das wäre eine Pleite für die Organisatoren.
Diese Situation fand damals am Ursprung des Festes Kreuzerhöhung so nicht statt. Die Menschen wollten das Kreuz sehen. Es soll ja das tatsächliche Kreuz Jesu gewesen sein. Die Menschen damals empfanden ihren Glauben als Hilfe im Alltag. Es war etwas Besonderes, Erlöste*r zu sein. Es tat gut, auf dieses Kreuz zu schauen: Was hat sich geändert in meinem Leben? Wo stehe ich jetzt?
Seht das Kreuz! Das heutige Fest lädt uns ein, auf das Kreuz zu schauen.
Es ist ein Schaden, wenn das Kreuz aus der Öffentlichkeit verbannt wird. Das Kreuz ist ein Zeichen der Liebe Gottes, die stärker ist als der Hass und Vernichtungswille von Menschen. Darum stieg Jesus nicht vom Kreuz. Der Blick auf das Kreuz kann trösten und aufrichten.
„Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz“, dieser Seufzer kann nicht nur von denen kommen, die unter ständigen Rückenbeschwerden leiden, auch die Ärzte sehen sich von dieser zunehmenden Volkskrankheit herausgefordert. Viele haben es „im Kreuz“, so sagen sie; aber viele haben es nicht mehr „mit dem Kreuz“ als religiösem Zeichen unseres christlichen Glaubens. Das Kreuz verschwindet aus dem Bewusstsein und aus der Öffentlichkeit. Es passt vielen nicht mehr in die Landschaft und noch weniger in Schulen und öffentliche Gebäude.
Wenn sich der glaubenswillige kranke Mensch nicht mehr Kraft und Trost holen darf im Krankenhaus mit dem Blick auf den erhöhten Herrn am Kreuz, geht etwas verloren, wird eine Kraftquelle verschlossen. Wenn unsere Werte verfallen, kann uns die Kreuzerhöhung Christi vielleicht wieder aufrichten.
Schon oft ging mir der Satz aus der Leidensgeschichte (vgl. Mt 27,40-42) nach: „Wenn du der Sohn Gottes bist, steige vom Kreuz herab, dann werden wir alle an dich glauben“. Und Jesus ist nicht herabgestiegen. Wieso nicht? Das wäre doch eine Chance gewesen, die größte Chance seines öffentlichen Wirkens! Und das Blatt hätte sich gewendet!
Warum steigt Jesus nicht vom Kreuz herab? Warum lässt er es überhaupt so weit kommen? Er hätte doch bei der Gefangennahme das sich anbahnende Unrecht stoppen können, so wie der Evangelist Johannes schreibt. „Als Jesus sagte: Ich bin es, wichen die Soldaten zurück und stürzten zu Boden.“ Johannes will damit sagen: Christus, der Macht über den Tod bewies, hätte spielend Macht über bewaffnete Soldaten gehabt. Trotzdem lässt sich Jesus gefangen nehmen und abführen.
Christus beugt sich unter das Kreuz, weil es für ihn der Wille Gottes ist. Es ist die Art der vollkommenen Liebe. Ihre Qualität ist es, Begriffsstutzigkeit, Hartherzigkeit, Machtgier und Hass nicht ewig weiterhin mit den Waffen der Gewalt einzuschüchtern, sondern das Verkehrte, Irregeleitete und Kranke im Menschen mit Bejahung und durchgehaltener Hilfe zu heilen.
Jesus ahnt, dass verhärteten und feindseligen Menschen gegenüber sein Auftrag blutig schwer werden kann; dass radikalen Zweiflern und erstarrten Herzen gegenüber nur noch die äußerste Liebe etwas klarzustellen und auszurichten vermag.
Jesus ist dem Tod entgegengegangen, weil er uns bis in die letzte Konsequenz hinein entgegenkommen wollte. Er macht keinen Fluchtversuch. Er nimmt keine Drogen. Er hat den Auftrag, bei den Seinen zu bleiben, erfüllt und sich auch den äußersten dramatischen Konsequenzen gestellt, die sich daraus ergaben. Dies ist vergleichbar mit einer großen Aktion, wo nach einiger Zeit sich die Umstände drastisch verschlechtern und nur höchste Anstrengung weiterführt.
Jesus hielt fest am Auftrag seines Vaters, den Menschen unter allen Bedingungen Gott als den barmherzigen und liebenden Vater nahe zu bringen. Dieser Sendung ist er auch im Leiden nachgekommen. Jesus erfüllt seinen Auftrag auch jenen Menschen gegenüber, die ihm fremd sind, die es ihm schwer machen und ihn ablehnen. Selbst am Kreuz kann Jesus noch für seine Mörder beten: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."
Er lässt selbst jene nicht fallen, die ihn fallen gelassen haben. Er bleibt ihnen zugewandt durch alle Tiefen hindurch. Als restlos Liebender beseitigt er von sich aus alles Trennende zwischen ihm und den Menschen. Jesus konnte sich nicht einfach distanzieren und immunisieren gegen das Böse, das rings um ihn geschah; und erst recht nicht gegen das Böse, das man ihm selbst antat. Wir gehen schnell auf Abwehr und wissen uns zu schützen, wenn jemand feindlich gegen uns ist. Wenn man uns einen Schmerz zufügt, dann gehen wir unwillkürlich auf Abstand, oder wir werden selber aggressiv.
Jesus sieht in seiner totalen Liebe selbst hinter den Gesichtern seiner Mörder zugleich ihre arme Vergangenheit, ihre Kindheit, die Umgebung, in der sie groß geworden sind. Jesus weiß: Es ist besser, alles Böse tobt sich gegen ihn aus als gegen irgendeinen anderen, der dadurch auch wieder böse und so noch böser wird. Darum ist es besser, das Böse trifft ihn und verschont die anderen.
Jesus hat auch noch in seinem Martertod an uns schuldigen Menschen und am guten Gott, seinem Vater festgehalten. Seitdem wissen wir, dass es für einen jeden Menschen, der es will, eine Brücke zu Gott gibt.
Das Fest KREUZERHÖHUNG weist uns auf etwas äußerst Trostvolles. Unser Blick bleibt nicht hängen bei den Todesqualen Christi. Wir erkennen vielmehr die göttliche Liebe, die sich auch nicht durch schlimmstes Leid von ihrem Gutsein abbringen lässt.
Vom heiligen Bruder Konrad aus Altötting kenne ich die Darstellung, wo er das Kreuz mit beiden Händen vor sich hält und betrachtet. Bekannt ist seine Aussage: „Das Kreuz ist mein Buch.“ Er las im Kreuz wie andere in einem Buch. Täglich richtete er - wer weiß wie lange - seinen Blick auf das Kreuz und schöpfte daraus Trost um Trost.
Der leidgeprüfte Musiker Beethoven sagte einmal: „Die Kreuze im Leben des Menschen sind wie die Kreuze in der Musik: Sie erhöhen.“
Möge die Kreuzerhöhung Christi auch uns in Kreuz und Leid aufrichten und erhöhen.
Die Juden haben sich vom Messias erwartet, dass er Leid und Kreuz abschaffen wird. Die Erde soll durch ihn wieder ein Paradies werden. Da kommt es zu einer Überraschung: Jesus nimmt selbst das Kreuz auf sich. Dadurch bekommt das Kreuz eine andere Bedeutung, es wird verwandelt, bekommt die erlösende Kraft schlechthin. Denn die Liebe Gottes machte aus dem Holz des Kreuzes den Baum des Lebens. Das ist das Geheimnis der Liebe: Sie wurde arm, um uns reich zu machen.
In einer Legende las ich Folgendes: Ein großes Weizenkorn versteckte sich in der Kornkammer, damit es nicht auf den Acker gestreut werden kann. Die Folge war, dass es zu schimmeln anfing und langsam verfaulte. Wäre aber das Weizenkorn bereit gewesen unter die Erde zu gehen, hätte es reiche Frucht getragen.
Genauso ist es mit unserem Leben. Wenn unser Leben nur uns und nicht Gott und dem Nächsten dient, bringt es keine Frucht. Denn „wer sein Leben (zu sehr) liebt, verliert es“ (Joh 12,24). Karl Marx soll einmal gesagt haben: „Die Revolutionen können viel bewirken, aber sie verändern nicht den Menschen“. Verliebte wissen, dass nur die Liebe das Herz des Menschen verändern kann. Das ist das Geheimnis der Liebe. Sie wird nicht ärmer, wenn sie sich verströmt. Das will uns das heutige Fest der Kreuzerhöhung sagen.
Das Fest der Kreuzerhöhung lehrt uns aber auch, dass Gott gerecht und barmherzig zugleich ist. Als ich noch ein Schulkind war, musste ich die 6 Grundwahrheiten des Glaubens auswendig lernen. Die 2. Grundwahrheit lautet: „Gott ist ein gerechter Richter, der das Gute belohnt und das Böse bestraft“. Erzbischof Kothgasser sagte einmal zu mir: „Bei diesem Satz fällt auf, dass die Barmherzigkeit fehlt“. Das war auch der Grund, dass in meiner Schulzeit Barmherzigkeit nicht geübt wurde. Man sagte „Strafe muss sein“ und schickte eine Reihe von Menschen ohne Erbarmen in die Hölle. Auf einem Sterbebildchen, das mir voriges Jahr bei einem Begräbnis in die Hand gedrückt wurde, stand der Satz: „Auf Wiedersehen in der Hölle“. Der Verstorbene wollte gleichsam auch seine Bestrafer mit in die Hölle nehmen. Es kann nicht von einer Gerechtigkeit die Rede sein, wenn nicht auch die Barmherzigkeit in Betracht gezogen wird.
Das Kreuz Jesu offenbart aber nicht nur die Gerechtigkeit, sondern auch die Barmherzigkeit Gottes. Der Karfreitag zeigt in höchstem Maße die Liebe des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist das Feuer der Liebe, der die Menschheit nicht untergehen lässt. Von Gottvater heißt es in der Heiligen Schrift: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet (Joh 3,16-18)“. Denn Jesus hat alle Schuld für uns freiwillig bezahlt. Der rechte Schächer wurde nach seiner Reue noch am Todestag in den Himmel aufgenommen.
Der Gekreuzigte ist daher die Barmherzigkeit in Person. Gott wollte in Jesus sein Herz für uns öffnen. Ein Ozean von Gnade strömt auf uns zu. Es blutet das Herz Jesu vor verströmender Liebe. Der Strom des Blutes Christi reinigt uns von den Sünden, rettet die ganze Welt. Das will auch das Bild Jesu, das nach den Aussagen von Sr. Faustine gemalt wurde, zum Ausdruck bringen. So ist Jesus Christus für uns Priester und Opfer zugleich. Seine Barmherzigkeit überwindet alle Grenzen.
Papst Franziskus sagt: „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit. Jesus verkörpert als Mensch die Liebe und Barmherzigkeit des Vaters“. Je öfters wir barmherzig sind, desto öfters werden Wunder der Liebe erleben.
Paulus deutet die Urgründe der Liebe Gottes an, wenn er im Römerbrief (Röm 5,4) schreibt: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“. So zeigt sich, dass Gottes Liebe größer ist als unsere Schuld. Gott hat das größte Verlangen nach dem Heil seiner Geschöpfe. Aus diesem Grund hat Jesus für uns seinen Leib hingegeben.
Papst Benedikt XVI. sagte einmal: „Gott ist deshalb ein Leidender, weil er ein Liebender ist“. Christus hat das Feuer der Liebe auf die Erde gebracht. Wer sich ihm nähert, fängt Feuer. Daher heißt es in einem Lied: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart, ich geb mich hin der göttlichen Liebe ... Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken...“
Daher bete ich an jedem Morgen:„Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde“. Denn die Länge, Breite, Höhe und Tiefe der Liebe Gottes gehen ins Unendliche.
Das Fest Kreuzerhöhung hat vermutlich einen liturgischen Ursprung: Man erhob das Kreuz, um es zur Verehrung zu präsentieren. Es ist jedoch wichtig, den genuinen Wert des Textes aus dem Buch Numeri (1. Lesung) nicht aus dem Text des Johannesevangeliums (Gespräch mit Nikodemus) heraus zu deuten. Letztlich geht es um die Frage, wie kann der Glaube helfen, menschliches Leid zu bewältigen.

Reliefausschnitt aus den romanischen Portaltüren vom Dom zu Gurk. Zu sehen sind folgende biblische Szenen:
Reihe oben: Samson trägt die Tore von Gaza - Auferstehung Jesu - Errettung von Jona.Reihe unten: Opferung von Isaak - Kreuzigung Jesu - Aufrichtung der Ehernen Schlange.
Diese Begebenheiten aus dem Ersten und Zweiten Testament sind auf den Portaltüren in Form der Typologie dargestellt. Durch diese Art, biblische Szenen in der Kunst zu deuten, wird eine Überhöhung des Zweiten Testaments gegenüber dem Ersten Testament dargestellt. Dies führt zur Herabsetzung des Eigenwertes und der religiösen Bedeutung der hebräischen Bibel. Gerade am Fest der Kreuzerhöhung sollte diese Form der Darstellung kritisch gesehen werden.
Schon die Textauswahl der Lesungen birgt die Gefahr dieser Überhöhung. Auch wenn im Johannesevangelium die Typologie (Präfiguration) als literarisches Stilmittel angewendet wird als Abgrenzung zum Judentum oder zu einer konkreten jüdischen Gemeinde vor Ort, so sollten wir uns doch der Problematik einer solchen Deutungsweise bewusst sein.
Einige Gedanken aus dem Buch „Erlösung vom Stiergott“ Christliche Gotteserfahrungen im Dialog mit Mythen und Religionen von Georg Baudler könnten den Horizont des Festes der Kreuzerhöhung zeitgemäß erweitern. Eigentlich müsste es aufgrund der Geschichte – eines Kirchweihfestes?- Kreuzerhebung heißen, denn das Kreuz wurde – und wird noch immer in der orthodoxen Kirche - erhoben und gezeigt.
So schreibt Baudler zu einem Vortrag von Viktor Frankl über verschiedene „Kategorien von Leid“. Es gibt Leid, wie Hunger, wie Krieg, das zu bekämpfen ist. Es gibt aber auch Leid, das nach anderen Kriterien anzunehmen und zu akzeptieren ist. Dies zu unterscheiden ist heute sicherlich eine große Herausforderung der Menschheit. Religion kann da Hilfe sein, wenn sie „dem Menschen Symbole vor Augen und Herz stellt, in denen er betroffen sich selbst und seine existentielle Lebenserfahrung wiedererkennt“.
Diese Gedanken von Georg Baudler sind eine Möglichkeit den religiösen Erfahrungen des Ersten Testaments aus dem Buch Numeri als auch des Zweiten Testaments aus dem Johannesevangelium ihren eigenen Platz und Raum in der Auslegung zu geben.
"Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, sondern entäußerte sich, um im Gehorsam den Kreuzestod auf sich zu nehmen", schreibt Paulus in seinem Brief an die Philipper. Paulus, das sei erwähnt, der hier verherrlichende Worte für das Sterben am Kreuz findet, traute sich zunächst selbst nicht, bei den Menschen über das Kreuz zu sprechen. Als er auf seinen Missionsreisen zu predigen begann, beschränkte er sich darauf, von Jesus als einem außerordentlichen Menschen zu berichten, der viel Wunderbares und Gutes tat. Paulus unterließ es, von der Kreuzigung zu sprechen. In Athen, einem Ort höchster weltlicher Kultur, äußerte er sich angepasst weise und philosophisch, ohne je das Kreuz zu nennen. Doch seine Rede war ein Misserfolg. Der Apostel verließ Athen und ging mit erbittertem und enttäuschtem Herzen nach Korinth. Er fragte sich: Wieso ist das passiert? Wie war das möglich? Dann erahnte er, dass es ein Missgriff war, nicht auch über das Kreuz zu sprechen. Und als er den ersten Brief an die Korinther schrieb, war dieser ein Lobpreis auf die Weisheit des Kreuzes.
Was geschah eigentlich durch die Kreuzigung Jesu, die er im Gehorsam gegenüber Gott hinnahm, außer seiner persönlichen Hinrichtung noch?
Jesus bringt mit seinem von der Liebe bestimmten Leben und durch seine Lehre von der "Liebe und Barmherzigkeit Gottes für alle Menschen" das vorhandene Gottesbild der Juden ins Wanken. Vor allem für die Ältesten, Schriftgelehrten und Pharisäer, darf nicht wahr sein, was Jesus lehrt und wie er sich manchen Menschen, Sündern und Ausgestoßenen, gegenüber verhält. Sie sind erbost über den Zimmermannssohn aus Nazareth, werfen ihm Arroganz vor. Außerdem untergräbt er ihre Autorität. Die Menschen, besonders die Verfemten, Ausgestoßenen, Abgeschriebenen, lieben Jesus: Sein Handeln und ebenso seine Lehre. In ihrem Ärger über Jesus schaukeln sich die Pharisäer und Schriftgelehrten gegenseitig in ihrem Zorn hoch. Es findet sich niemand unter ihnen, der zur Besonnenheit rät, wie es später der Pharisäer Gamaliel tat.
Als die Apostel vor den Hohen Rat gezerrt wurden, um verurteilt zu werden, heißt es in der Apostelgeschichte: Da erhob sich Gamaliel, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausführen. Dann sagte er: Überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt. Es traten schon viele Männer auf, die behaupteten, sie seien etwas Besonderes. Sie alle kamen um und ihre Anhänger wurden zerstreut. Darum lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei. Denn wenn ihr Werk von Menschenhand stammt, wird es sich auflösen; stammt es aber von Gott, so könnt ihr es nicht vernichten.
Jesus hat nicht das Glück, dass sich jemand für ihn einsetzt und die Gemüter beruhigt. Nicht nur seinen Tod wünschen sich die Schriftgelehrten und Pharisäer; ans Kreuz, ja ans Kreuz soll er, um als Verbrecher zu sterben. Mit Jesus steht auch sein Gottesbild, das an einer unbegrenzten Liebe des Vaters zu allen Menschen festhält, vor Gericht und der Hinrichtung. Jesus ist nicht bereit, sich durch Schikane, Folter und Kreuzigung von seinem Weg und Bekenntnis abbringen zu lassen. Er bleibt standhaft. Und nun kommt das Entscheidende: Gott lässt Jesus nicht für die Liebe und seine Botschaft von der Liebe Gottes sterben und damit hat es sich. Jesus ist nicht in erster Linie ein Märtyrer treu gelebter Liebe - das auch -, aber zuerst ist er ein Märtyrer des Glaubens an einen barmherzig liebenden Gott für alle. Am dritten Tag führt Gott ihn in die Auferstehung zu neuem Leben. Tod und Auferstehung Jesu bezeugen, dass Jesu Weg, sein Leben, vor allem aber sein Glaube richtig sind und ganz und gar dem Willen Gottes entsprechen. Kreuz und Auferstehung bezeugen, dass die Liebe Gottes zwar hingerichtet, aber nicht getötet werden kann.
Kreuzerhöhung ist somit ein Fest, wo wir die unbezwingbare Liebe Gottes zu uns feiern - und zwar zu allen, wirklich allen Menschen. Wir glorifizieren nicht das Leid, nicht das Kreuz, sondern bedanken uns voller Glück für das Heil, das uns aus der Liebe Gottes erwächst.
Leid und Kreuz zu glorifizieren, dafür findet sich bei Jesus keinerlei Hinweis. "Nehmt euer Kreuz auf euch und folgt mir nach" ist keine Aufforderung Jesu, Leid und Kreuz anzustreben, sondern von der Liebe nicht zu lassen oder Abstriche von ihr zu machen, sobald es schwer wird, sie zu leben und zu verwirklichen. Es ist nicht nur berechtigt, es ist richtig, sich gegen Leid und Kreuz zu stemmen und zu wehren, wo immer wir dies können.
Jesus hat nicht nur gelitten. Er feierte das Leben, wo sich Gelegenheit dazu bot. Mit Armen und Reichen, Pharisäern und Zöllner saß er zu Tisch, ließ sich zur Hochzeit einladen, wo so sehr gefeiert wurde, dass der Wein ausging. Bei Maria und Marta kehrte er ein. Von der Schwiegermutter des Petrus ließ er sich bedienen, von Frauen in seinem Gefolge unterstützen, von der Dirne im Hause des Pharisäers Simon salben und die Füße küssen. Mit Maria Magdalene verband ihn eine innige Freundschaft. Die Menschen versetzte er in Staunen und genoss seine Beliebtheit. Erst als man ihn gegen seinen Willen zum König machen wollte, lehnte er ab und verbarg sich. Aber unter Jubel zog er dann später in Jerusalem ein. Es machte ihm Freude, seine Liebe zu verschenken, Menschen zu beglücken, Leidenden zu helfen und dafür Dank zu ernten.
All das sollte uns ermutigen, die Freuden des Lebens, die sich uns bieten, auszukosten und zu genießen. Ich bin überzeugt: Gott will nicht, dass wir Leid und Kreuz in den Himmel heben, es gar unnötig ertragen. Leid bleibt Leid und Kreuz ein Kreuz. Wir handeln im Sinne Jesu, wenn wir uns gegenseitig beistehen, Fröhlichkeit miteinander teilen, Leid und Kreuz in gegenseitiger Hilfe mindern, wo wir dies vermögen. Es kommt darauf an, dass wir der Liebe die Treue halten, auch wenn uns Unrecht, Bedrückung, Gemeinheit seitens der Menschen trifft und Leid zufügt. Wut, Zorn, Rache, Wiedervergeltung nicht ausleben, um sich darin eine Art Genugtuung zu verschaffen, darauf kommt es an. Dann leben wir Nachfolge des Gekreuzigten und Auferstandenen. Jesus will uns Kraft geben für das Durchhalten in der Liebe. Er sagt den Aposteln und Jüngern beim Abschied: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Das ist seine Verheißung, die er einlöst.
Dies gilt auch für Leid und Kreuz, das uns in unserem Leben entgegenkommt. Kreuz und Leid wird nicht von uns hinweggenommen; aber damit allein gelassen werden wir nicht. Gott wird auch in den Dunkelheiten unseres Lebens mit seiner Liebe, Kraft und Stärke bei uns sein. Durchgehaltene und gelebte Liebe ist ein aufgerichtetes Zeichen, das auf Gott hinweist, und auf den Weg, auf dem Heil, Hilfe, Glück zu den Menschen gelangt. Daran soll uns Kreuzerhöhung erinnern.
Vor wenigen Tagen erzählte mir eine Frau, dass ihr Sohn - er ist im Kindergartenalter - ein beängstigendes Interesse für Darstellungen Jesu am Kreuz entwickelt habe. Wann immer er ein Kreuz sieht, will er wissen, wer das sei und warum man das mit ihm gemacht habe usw. Ihr als Mutter stellten sich von da her viele Fragen: Wie kann sie damit umgehen? Wie kann sie ihrem Kind ausreichend antworten? Sollte man solche Darstellungen in der Öffentlichkeit nicht verbieten, wenn sie so nachhaltige Wirkung auf Kinder haben?
Religiöse Symbole in der Öffentlichkeit verbieten ist meines Erachtens auf Dauer kein gangbarer Weg. Man würde gleichzeitig alle anderen Symbole einschließlich der politischen aus der Welt schaffen müssen. Unsere Welt ist voller Symbole. Alles und jedes kann zum Symbol werden. Die Frage ist, was wir damit verbinden und was ein Menschen, der bewusst ein Symbol setzt, damit zum Ausdruck bringen will.
Das Kreuz als Symbol hat am Anfang des Christentums kaum eine Rolle gespielt. Die früheste Kreuzesdarstellung ist ein Graffito aus dem zweiten Jahrhundert. Es zeigt einen Mann, der einen anderen Mann mit Eselskopf am Kreuz anbetet. Darunter steht "Alexamenos betet seinen Gott an".
Durch viele Jahrhunderte wurde das Kreuz ohne den Körper Christi dargestellt, oft mit Edelsteinen besetzt. Das älteste erhaltene monumentale Kruzifix, so nennt man Kreuzesdarstellungen mit dem Körper Jesu, stammt aus dem 10. Jahrhundert.
Das Kreuz als Symbol, mit oder ohne den Körper Jesu, kann sehr unterschiedlich verstanden werden. Immer erhebt sich die Frage, was Menschen, die es aufstellen, aufhängen oder als Schmuck am Körper tragen, damit ausdrücken wollen, bzw. was Menschen, die es zu Gesicht bekommen, darin sehen.
Ein Mitbruder, der als Krankenseelsorger tätig ist, lädt des Öfteren, wenn er über das Thema Leid zu predigen hat, seine Zuhörer zu einer Kreuzesmeditation ein. Er bittet sie aufzustehen, die Arme in Kreuzesform auszustrecken und so die Spannung wahrzunehmen, die sich im eigenen Leib aufbaut. Die Spannungen zwischen oben und unten, zwischen Erdverbundenheit und Offenheit für das Himmlische, zwischen den Ansprüchen und Interessen der Mitmenschen und der Welt, die uns umgibt, kreuzen sich in jedem von uns und wir können sie nur für eine kurze Zeit ertragen.
Diese Erfahrung kann uns mit allem Gegensätzlichen konfrontieren, das auf uns einwirkt und das wir nicht auflösen können: Unser Wunsch zu leben und die Grenzen, die uns durch Krankheit und Tod gesetzt sind; unsere Sehnsucht nach Harmonie und Frieden und deren Bedrohung durch die Interessen anderer. Wie können wir mit den Aggressionen, Gewaltanwendungen, und Übergriffen leben, die uns andere Menschen zufügen? Wie können wir mit Unrecht leben, das uns angetan wird oder droht? Wie können wir mit den Grenzen unseres Lebens wie Krankheit, Tod, Schicksalsschlägen oder Katastrophen leben? Auch wenn wir alles tun, um möglichst viel von dem abzuwenden, es bleibt ein Rest, dem wir ausgesetzt sind.
Der italienische Filmregisseur Roberto Benigni schuf vor einigen Jahren den Film "Das Leben ist schön". Darin beschreibt er, wie der jüdische Italiener Guido sein Leben auf humorvolle Weise meistert, seine angebetete Dora zur Frau gewinnt und wie sie gemeinsam mit ihrem Sohn Giosuè in einer italienischen Kleinstadt glücklich leben. Im zweiten Teil der Geschichte werden Guido und Giosuè in ein nationalsozialistisches Konzentrationslager verbracht. Um den Kontakt nicht zu verlieren, folgt ihnen Dora freiwillig ins Lager. Um seinen Sohn nicht mir der grauenvollen Realität zu konfrontieren, erzählt ihm der Vater, das Ganze sei ein kompliziertes Spiel und macht ihm Hoffnung, dass alles gut ausgehen werde. Bei Kriegsende kommt der Vater im allgemeinen Aufruhr der Befreiung um. Als das Lager von amerikanischen Soldaten befreit wird, finden sich Mutter und Sohn. Der Film endet mit den Worten Giosuès: "Dies ist meine Geschichte, dies ist das Opfer, welches mein Vater erbracht hat, dies war sein Geschenk an mich. Wir haben das Spiel gewonnen."
Dass das Leben schön ist, gehört zu unseren innigsten Sehnsüchten und Hoffnungen. Eltern versuchen dies ihren Kindern zu vermitteln und als Botschaft mit ins Leben zu geben. Doch irgendwann wird jeder Mensch mit der dunklen Seite des Lebens konfrontiert. Diese lässt sich nicht auf Dauer von ihnen fernhalten.
Das Kreuz ist für mich ein Symbol für die Bedrohungen, denen ich gegenüberstehe, die abzuwenden ich nicht in der Hand habe; ein Symbol für alle Grausamkeit, die Menschen einander antun können und gegenwärtig antun in der Ukraine, im Irak, in Syrien, in Afrika - oft unter Missbrauch des Namens Gottes.
Ich blicke zum Bild des Gekreuzigten auf und möchte trotz allem Leid, dem ich ohnmächtig gegenüberstehe, wie Jesus von meinem Vertrauen in den Schöpfer nicht ablassen. Von ihm erbitte ich die Kraft, auf Hass nicht mit Hass zu antworten oder bildhaft gesprochen zum Schwert greifen zu müssen. Ihm überlasse ich das Gericht über alle Gewalttäter, die menschliches Gericht nicht erreicht. Von ihm erhoffe ich mir neues Leben, wo das Leben in der uns bekannten Form am Ende ist.
In diesem Sinne tut es mir gut, wenn ich dem Zeichen des Kreuzes begegne: im religiösen Leben, in der Kunst, im öffentlichen Raum. Allen, die daran Anstoß nehmen, wünsche ich, dass sie Menschen begegnen, die ihnen erzählen können, was es ihnen bedeutet und welche Hoffnung sie damit verbinden.
In der polnischen Hauptstadt Warschau steht ein Kreuz, über das heftig gestritten wird. Pfadfinder haben es aufgestellt, nachdem im April dieses Jahres 96 Polen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Einer der Toten ist der damalige Präsident Kacynski.
Zum Gedenken an ihn steht es vor dem Präsidentenpalast und ist zum Streitobjekt geworden. Das Kreuz ist für manche nicht mehr das Zeichen des Glaubens. Sie sehen es als ein politisches Mittel an, gegen das sie sich wehren. Sie haben nichts gegen das Kreuz zur Erinnerung an die Opfer des Flugzeugabsturzes - aber an einem anderen Ort. Für sie ist es keine Geste der Ehrfurcht, sondern der Provokation.
Wie anders war es vor 1675 Jahren. Da wurde eine Kreuzreliquie gezeigt und die Menschen waren froh. Es war die Reliquie eines Kreuzes, das ihnen wertvoll und heilig war. Es war aus dem Kreuz Christi. Aufgehoben von seinen Jüngern wurde es versteckt und wiedergefunden. Da sich die Umstände gewandelt hatten, konnte die damalige Kaiserin Helena zu Ehren des Kreuzes eine Kirche bauen lassen. Hier konnten die Gläubigen einkehren und beten. Einmal im Jahr zeigten die Priester den Gläubigen dieses Kreuz. Darauf geht das heutige Fest der Kreuzerhöhung zurück.
Manche Angehörigen der Opfer in Polen mögen zunächst über das Kreuz froh gewesen sein. Es gab ihrer Trauer ein Zeichen. Es sprach von ihrem Schmerz. Ein Opfer war ein Militärbischof. Bei ihm kann man annehmen, dass er dieses Zeichen begrüßen würde. Einigen Angehörigen ging es vielleicht wie den Menschen, die froh um die Gedenktafel sind, die in Duisburg an die Opfer der Panik bei der Love - Parade erinnert. Die Platte erzählt von dem Leid der Opfer. Durch ihre Namen sind sie über ihren Tod hinaus präsent. Sie in Duisburg und das Kreuz in Warschau erzählen von dem Tod der Menschen und von dem, was anderen in der Trauer hilft.
Das Kreuz ist für die Glaubenden ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung. Jesus war nicht der erste Gekreuzigte. Aber er hat dieses Schicksal erlebt, um seine Liebe zu zeigen. Er hat das Kreuz nicht überlebt, aber hat dann Auferstehung erfahren. Das ist die Besonderheit, die sich für Glaubende mit dem Kreuz Jesu verbindet. Deshalb war es so wertvoll und deshalb zeigte man einen Teil dieses Kreuzes den Glaubenden. All jene, denen es gezeigt wurde, wollten es sehen. Sie kamen bewusst an diesen Ort. Für sie war es kein zufälliges Erleben, sondern bewusstes Schauen.
Wenn wir heute das Fest Kreuzerhöhung feiern, dann stehen wir nicht in Jerusalem. Es wird uns kein Partikel vom Kreuz Jesu gezeigt. Aber wir feiern dieses Fest aus der Verbundenheit mit den damaligen Menschen. Sie sahen das Kreuz und freuten sich. Andere wurden getröstet. Wieder andere werden sich an die Texte des Evangeliums erinnert haben, die ihnen besonders wichtig sind. All das können wir auch. Das Evangelium kann uns so lebendig sein wie den Menschen damals. Die Ahnung der Liebe kann bei uns auch sein. Die Hoffnung auf Kraft können wir teilen und schöpfen. Wir können unseren Glauben so leben und spüren, dass er trägt.
Wer sich so mit den Menschen von damals in Jerusalem verbindet, kann sich auch mit den Menschen in Duisburg oder Warschau verbinden. Was damals trug und uns heute trägt, kann dort vielleicht auch helfen.
Lieder:
GL 270: Kreuz, auf das ich schaue
GL 287: Christus war für uns gehorsam bis zum Tod
GL 289: O Haupt voll Blut und Wunden
GL 291: Holz auf Jesu Schulter
GL 294: O du, hochheilig Kreuze
GL 297: Wir danken dir, Herr Jesu Christ
GL 299: Der König siegt, sein Banner glänzt
GL 329: Das ist der Tag, den Gott gemacht
GL 369: O Herz des Königs aller Welt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott lebt diese Welt
GL 560: Christus Sieger, Christus König - Christusrufe
GL Ö820: Herr Jesus Christ, wir suchen dich
GL Ö823 (Ö820): Heil'ges Kreuz, sei hoch verehret
Kehrverse und Psalmen:
GL 60 (685): Der Herr hat uns befreit; auf ewig besteht sein Bund. - Mit Psalm 111 - VI.
GL 307,2: Der Herr hat uns mit seinem Blut erkauft. Kommt wir beten ihn an! - Mit Psalm 95 (GL 53,2)
GL 307,7: Responsorium: Christus, du Sohn des lebendigen Gottes
GL 623,6-7: Im Kreuz Jesu Christi finden wir Heil - Mit Benediktus - I.
GL 623,6-7: Im Kreuz Jesu Christi finden wir Heil - Mit Psalm 2 (GL 32,2) oder mit Psalm 90 (GL 50,2) - I.
GL 629,5+6 : Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit - Mit Philipperhymnus - VI.
GL 652: Du hast uns erlöst mit deinem Blut (Responsorium)
Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung! - Wir beginnen mitten im Kirchenjahr unseren Gottesdienstes mit diesen österlichen Worten des Mystikers Thomas von Kempen und werden so hineingetragen in das Geheimnis des heutigen Festtages. Die Kirche feiert heute das Herrenfest "Kreuzerhöhung", das, wenn es auf einen Sonntag fällt, dessen Verkündigung verdrängt, und uns wie nie sonst in das Festgeheimnis mit hineinnimmt.
Wir kennen es aus dem Sport: Wenn ein Team eine Meisterschaft oder einen Pokal gewonnen hat, präsentieren sie die Trophäe dem Publikum. Der Pokal oder eine Kopie davon wird in einer Vitrine ausgestellt.
Das heutige Fest der Kreuzerhöhung entspricht dem. Zu Ehren des Kreuzes Jesu wurde im Jahr 335 eine Kirche in Jerusalem gebaut und geweiht. Am Tag danach wurde dieses Kreuz den Menschen zur Verehrung gezeigt.
In der Liturgie des Karfreitags machen wir es noch heute. Ein mit einem Tuch verhülltes Kreuz wird hereingetragen und mit den Worten enthüllt: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. Kommt, lasset uns anbeten!“ Danach sind die Gläubigen eingeladen, das Kreuz zu berühren und zu verehren.
Jesus Christus, der keinen weiten Bogen um das Schwere und Leidvolle gemacht hat, er sei mit Euch!
Wir sind zusammen gekommen, um das Fest Kreuzerhöhung zu feiern. Unser erster Gedanke beim Wort Kreuz weist nicht nach oben, sondern nach unten: Das Kreuz drückt und zieht zu Boden. Doch Christus als Erhöhter am Kreuz machte daraus das Gegenteil. Er gibt uns Hoffnung, dass ein Kreuz im Leben uns nicht von Gott entfernt, sondern dass seine Liebe, die ihn ans Kreuz geführt hat, uns auch in schweren Zeiten nahe bleibt. Nichts kann uns vom Gekreuzigten und Auferstandenen trennen, solange wir auf ihn vertrauen.
In jeder hl. Messe will diese Totalhingabe Christi für uns wirksam werden. Machen wir dafür unser Herz bereit.
Im Kreuz ist Heil! - Jesus Christus,
in deinem Leiden und Sterben schenkst du uns Trost in unserem eigenen Leid.
Herr, erbarme dich.
Im Kreuz ist Leben! - Jesus Christus,
in deinem Tod und in deiner Auferstehung öffnest du alle Gräber der Vorzeit zu ewigem Leben.
Christus, erbarme dich.
Im Kreuz ist Hoffnung! - Jesus Christus,
in Auferstehung und Auffahrt zum Vater machst du unsere Horizonte weit.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus,
du hast dein Kreuz genommen und getragen.
Kyrie, eleison.
Du hast am Kreuz Worte gesprochen,
die anderen Halt gaben.
Christe, eleison.
Du hast am Kreuz zu Ende gebracht,
was du an heilenden Zeichen getan hast.
Kyrie, eleison.
Zu Jesus Christus, der mit seiner Kreuzesliebe gegenwärtig ist, rufen wir:
Herr Jesus Christus,
du bist am Kreuz erhöht, damit alle Suchenden dich finden.
Herr, erbarme dich.
Du hast aus dem Schandpfahl ein Hoffnungszeichen gemacht.
Christus, erbarme dich.
Deine Erhöhung am Kreuz will auch unsere Kreuze erhöhen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat dein Sohn
den Tod am Kreuz auf sich genommen,
um alle Menschen zu erlösen.
Gib, dass wir in der Torheit des Kreuzes
deine Macht und Weisheit erkennen
und in Ewigkeit teilhaben
an der Frucht der Erlösung.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen!
MB Kreuzerhöhung
Allmächtiger, ewiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat unser Erlöser Fleisch angenommen,
er hat sich selbst erniedrigt
und sich unter die Schmach des Kreuz es gebeugt.
Hilf uns,
daß wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen
und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Palmsonntag
Guter Gott,
wenn wir zu deinem erhöhten Sohn aufschauen,
erfahren wir Sinn und Richtung unseres Lebens.
Am Kreuz hat Jesus die Leiden
der Welt auf sich genommen
und Solidarität bis zum Äußersten gezeigt.
Ermutige und stärke uns im Blick auf ihn,
der in der Einheit mit dir und dem Heiligen Geist lebt und liebt in Ewigkeit. – Amen.
Gott und Vater,
auch in unserer Kirche hängt ein Kreuz,
das uns an das Kreuz deines Sohnes erinnert
und an alles, was daraus an Segen geworden ist.
Lass uns darüber dankbar sein,
dass schon seit langer Zeit
diese Freude die Menschen bewegt und trägt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, der für uns diesen Weg gegangen ist. – Amen.
Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben!
Mit dieser Hoffnung kommen wir, o Gott, zu dir und bitten dich voll Vertrauen:
Für die Christenheit im Heiligen Land:
Lass sie inmitten der interreligiösen Vielfalt ihre Rolle erkennen und verantwortungsbewusst leben.
Für die muslimischen Familien, die den Schlüssel zur Grabeskirche in Jerusalem hüten:
Schenke ihnen Geduld und Weitsicht, wenn sie in den Konflikten zwischen den christlichen Konfessionsvertretern in der Kirche vermitteln müssen.
Für alle, die mit dem Kreuz und der Bibel in der Hand Unrecht tun, Kriege anzetteln und Nöte provozieren:
Bekehre ihre Herzen und lass sie erkennen, was ihre Verantwortung ist.
Für alle, die sich allein gelassen fühlen in ihrem persönlichen Schicksal oder am Weltgeschehen zu verzweifeln drohen:
Lass sie zu dir aufblicken, Trost und Hoffnung finden und dann mutig ihre Lebenswege wieder unter die Füße nehmen können.
Für unsere Verstorbenen, die nach allen Kreuzen ihres Lebens nun das Licht der Auferstehung sehen dürfen:
Schenke ihnen einen Platz in deinem Reich.
Guter Gott,
wir stehen vor dem Kreuz deines Sohnes und schauen zu ihm auf. Wir wissen uns von dir getragen und geborgen.
Dafür danken wir dir durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn.
Zu unserem Herrn Jesus Christus,
der auf die Fragen des Nikodemus eingegangen ist,
rufen wir in den Anliegen der Menschen unserer Tage:
V./A.: Sei du ihnen Antwort
Wir denken an die Leidenden in den Gefängnissen,
die ohne Prozess inhaftiert sind.
Wir denken an die Leidenden ohne Perspektive für ihr Leben.
Wir denken an die Leidenden
in den Pflegeheimen und Krankenhäusern.
Wir denken an die Leidenden,
die an Fehlern ihres Lebens zerbrochen sind.
Wir denken an die Leidenden,
denen eine Entscheidung abverlangt wird.
Wir denken an die Leidenden,
für die der Alltag zum Kreuzweg geworden ist.
Herr, Jesus Christus, bleibe nicht nur Weg, Wahrheit und Leben,
sondern tragende Antwort. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du bist uns den Weg zum Vater im Himmel vorausgegangen. Du bist unseretwegen dem Leiden und Sterben nicht ausgewichen.
Voll Vertrauen bitten wir dich:
Herr Jesus, du wolltest keine Vorrechte beanspruchen, sondern auch die harten Bedingungen unseres Lebens annehmen.
Steh allen bei, die mit den Belastungen des Lebens nicht zurechtkommen.
Herr Jesus, dein Gehorsam war ausgerichtet auf unser Heil. Deine Liebe zu uns ist dir oberstes Gebot.
Lass auch uns die Fähigkeiten so einsetzen, dass sie den Mitmenschen weiterhelfen.
Herr Jesus, du selber warst nicht auf eigene Vorteile aus, sondern warst gehorsam bis zum Tod.
Stehe allen Menschen bei, ihre Eigeninteressen zugunsten des Allgemeinwohls zurückzustellen.
Herr Jesus, als Auferstandener bist du wieder neu auf deine Jünger zugegangen.
Hilf uns, immer wieder neu auf andere zuzugehen und so den Weg zu dir zu vollenden.
Jesus Christus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Lass uns auf unserem Lebensweg immer fester mit dir verbunden werden, damit wir einmal teilhaben dürfen an deiner ewigen Herrlichkeit. – Amen.
Herr, unser Gott,
dieses heilige Opfer hat auf dem Altar des Kreuzes
die Sünde der ganzen Welt hinweggenommen.
Es mache auch uns rein von aller Schuld.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Kreuzerhöhung
Gott, unser Vater,
nimm unsere Opfergaben gnädig an
und gib, dass wir mit gläubigem Herzen
das Leidensgeheimnis deines Sohnes feiern,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 32. Sonntag im Jahreskreis
MB Mittwoch in der Karwoche
Barmherziger Gott,
hier auf dem Tisch des Herrn
haben wir unsere Gaben dargebracht.
Sie erinnern uns an das Opfer Christi am Kreuz
und lassen ihn unter uns gegenwärtig werden.
Dafür danken wir dir durch ihn Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Wir haben Brot und Wein gerichtet
und erinnern uns an das große Mahl
deines Sohnes mit deinen Jüngern,
bevor er den Kreuzweg ging.
Lass uns durch deinen Segen über diese Gaben
diesem Geheimnis näher kommen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe (GL 444)
Oder:
Laudate omnes gentes, laudate Dominum! (GL 386)
Wir kommen zur,
um dir Dank zu sagen und unseren Lobpreis darzubringen,
guter Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der über die Erde erhöht alle an sich zieht.
Denn er hat nicht daran festgehalten, wie Gott zu sein,
sondern hat sich entäußert
und das Leben mit uns geteilt
bis hin zum Tod am Kreuz.
Kehrvers
Du aber hast ihn erhöht
und ihm einen Namen verliehen,
vor dem alle Mächte des Himmels und der Erde ihre Knie beugen.
Von ihm bekennen wir, dass er Herr unseres Lebens ist.
Zu ihm, dem erhöhten Menschensohn, schauen wir auf,
damit auch wir in ihm das ewige Leben haben.
Kehrvers
An ihm erkennen wir,
wie sehr du uns geliebt hast,
als du deinen einzigen Sohn hingegeben hast,
damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.
In seinem Namen rufen wir dich an
und bringen wir dir unsere Bitten und Gebete dar.
In seinem Namen rühmen und preisen wir dich
und singen wir dir mit der ganzen Schöpfung Lob und Dank.
Danklied, z.B. "Laudate omnes gentes..." (GL 386)
oder: "Nun lobet Gott im hohen Thron..." (GL 393)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr. heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn du hast das Heil der Welt
auf das Holz des Kreuzes gegründet.
Vom Baum des Paradieses kam der Tod,
vom Baum des Kreuzes erstand das Leben.
Der Feind, der am Holz gesiegt hat,
wurde auch am Holze besiegt
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben die Engel deine Herrlichkeit,
beten dich an die Mächte,
erbeben die Gewalten.
Die Himmel und die himmlischen Kräfte
und die seligen Serafim feiern dich jubelnd im Chore.
Mit ihrem Lobgesang lass auch unsere Stimmen sich vereinen
und voll Ehrfurcht rufen:
Heilig...
MB Kreuzerhöhung
Auf den Bildern des sogenannten Gnadenstuhls
wird Jesus am Kreuz gehalten von den Händen des Vaters.
In der Kunst zeigt sich das Vertrauen bis zum Schluss.
Zu diesem Vater rufen wir nun:
Vater Unser…
Vom Kreuz her, hast du, Jesus, Menschen noch Frieden schenken geschenkt.
Diese Menschen haben ihn angenommen.
Auch wir haben deinen Frieden nötig und bitten dich:
Herr Jesus, der du selbst am Kreuz noch Frieden gedacht und gelebt hast,
schaue nicht auf unsere Sünden…
Herr Jesus Christus,
du hast am Holz des Kreuzes
der Welt das ewige Leben erworben.
Führe uns durch diese Feier,
in der wir deinen geopferten Leib empfangen haben,
zur Herrlichkeit und Auferstehung.
Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit.
MB Kreuzerhöhung
MB Allerheiligen
Gütiger Gott,
bewahre dem Volk der Erlösten deine Liebe und Treue.
Das Leiden deines Sohnes hat uns gerettet;
sein Geist, der von dir ausgeht, führe uns den rechten Weg.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingstmontag
MB Freitag in der Osterwoche
Herr, unser Gott,
wir haben das Gedächtnis des Leidens Christi gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Was uns dein Sohn in unergründlicher Liebe geschenkt hat,
das werde uns nicht zum Gericht,
sondern bringe uns das ewige Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott,
im Sakrament des Altares haben wir Tod und Auferstehung deines Sohnes gefeiert.
Lass uns im Brot des Lebens
und im Wort vom Heil
Heilung und Stärkung erfahren.
Dafür danken wir dir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Herr Jesus Christus,
wir haben dein Kreuz gesehen
und seine Bedeutung für uns gespürt.
Wir haben deinen Leib empfangen,
und gehen mit dieser Kraft in den Alltag.
So bleibe bei uns mit deiner Liebe
und deiner Treue.
Denn so bleibst du bei uns in alle Ewigkeit. - Amen.
Gott segne euch,
denn er begleitet seine Schöpfung zum Guten. - Amen!
Gott segne euch,
denn die Liebe am Kreuz endet nicht. - Amen!
Gott segne euch,
denn er erinnert uns in seinen Zeichen an den Willen Gottes,
dass es uns gut geht. - Amen!
Und der Segen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
helfe uns, in seiner Liebe zu leben. – Amen.
Jemand hat einmal gesagt:
„Wenn du
großen Kummer hast,
dann stelle dich
unter einen alten Baum,
er wird dir Kraft geben.“
Und jetzt
weine ich
in die Furchen
deiner Rinde,
stütze mich
an deinen Stamm,
horche
auf das Rauschen
deiner Äste. –
Und ich bitte dich:
Lass mich glauben
an das Ewige
über uns,
Gib mir Kraft,
dass ich mich
verströmen kann
an alle Menschen,
die mich brauchen.
Michael Lehmler 2022
zur schau gestellt
die erbärmlichkeit
des menschen
bloßgestellt
der sohn gottes
mit seinen wunden
zurückgegeben
hat er sich
dem himmel
auferstanden
aus liebe zu uns
und zum vater
das kreuz erhöht
alle sollen das heil
schauen
Michael Lehmler 2022
die augen kreisen
geht das herz irre
unruhig ist die seele
zögerlich der wille
ich hole alles nah
und krümme mich
ich spüre sanftmut
und heilende blicke
du richtest mich auf
du erhebst mein ich
deine liebe geht nicht
fehl und bleibt immer
Michael Lehmler 2022
das kreuz
ist aufstand
und auferstehung
oder
ist es gewalt
und tod
oder
ist es frieden
und leben
du
entscheidest
wähle die liebe
Michael Lehmler 2022
Am 14.September feiert die katholische und die christlichen orthodoxen Kirchen alljährlich das Fest „Kreuzerhöhung“. Es erinnert an die Auffindung des „wahren Kreuzes Christi“ durch die Kaiserin Helena am 13.September im Jahre 326 n. Chr. - Neun Jahre später, am 13. September 335, wurde die im Auftrag von Kaiser Konstantin erbaute Auferstehungskirche - heute Grabeskirche genannt - in Jerusalem geweiht: Am folgenden Tag, dem 14. September, wurde dem Volk zum ersten Mal durch Bischof Makarius I. in der neuen Kirche das Kreuzesholz gezeigt - „erhöht“ und zur Verehrung dargereicht.
Edgar Rohmert in: Sonntagsgruss 96, hrsg. vom Konvent der Kamillianer. Jahrgang 2021, Nr. 37 Freiburg 2021.
O Thron des Königs, roh Gebälk,
am Weg aufgebaut.
O König, der hier todeswelk
auf seine Völker schaut.
Noch keiner war uns je so nah,
wie du es immer bist.
Und such ich dich, du bist auch da,
wenn’s Nacht geworden ist.
Audienz gibst du der ganzen Welt,
die voll von Leid und Schuld.
Dein Haupt nur immer tiefer fällt,
von unfassbarer Huld.
Du hüllst dich ganz in Schweigen ein,
sprichst nur durch Schmerz und Blut,
wie sind wir arm an Spezerei’n
und du, o Herr, wie gut.
Franz J. Weinrich in: Aus der Stille leben. Ermutigende Impulse von Ordensleuten zum Kirchenjahr. St. Benno Verlag Leipzig.
Das Kreuz ist ein Zeichen des Segens. Mit dem Kreuz segnet man Menschen und Gegenstände. Das Kreuz zeigt uns, dass unsere Welt und dass wir selbst unter dem Segen Gottes stehen, dass Gott seine segnende und Leben spendende Hand über uns hält.
Anselm Grün in: Ludger Hohn-Morisch (Hrsg); Für jeden Tag ein gutes Wort. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 2005.
Im Dastehen mit ausgebreiteten Armen, in Kreuzform im Zimmer, im Garten, im Wald, verinnerliche ich, dass das Kreuz – das ist das Schwere, das Leid, das Dunkle – zum Leben gehört. Ich verschließe mich ihm nicht – mit ausgebreiteten Armen öffne ich mich. Das Kreuz zu umarmen, lässt mich den mitschreienden Gott erahnen, der uns einem neuen Morgen entgegenführt.
Aus: Pierre Stutz, 50 Rituale für die Seele. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 2001.
Du
nimmst das Leiden nicht aus unserem Leben
weil es scheinbar keine Liebe ohne Leiden gibt
du gehst mit uns hindurch
verheißt uns die Kraft
Leere auszuhalten
Verunsicherung auszuhalten
Krise als Chance zu sehen
Im Nachhinein kann ich sehen
wie du mich begleitet hast
wie sich dein Wohlwollen
wie ein roter Faden durch mein Leben zieht
Staunenswert ist dein Tun an den Menschen
Aus: Pierre Stutz, 50 Rituale für die Seele. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 2001.
Manche Menschen leiden unheimlich an ihren schmerzvollen Erinnerungen. Sie kommen von den inneren Verletzungen nicht los. Immer wieder steigt Bedrückendes in ihrem Inneren auf und vergiftet ihre Lebenseinstellung. Ihr Blick ist fixiert auf Enttäuschungen und sie werden nicht mehr frei für das Helfende, das jeder neue Tag, das Gott ihnen anbietet. Wer in seinem Leid allein bleibt, wer sich abkapselt und wer sich festkrallt am Bitteren, für den wird das Leben hart und äußerst schwer.
Der Glaube rät mir, mein Leid zu öffnen auf Gott hin. Ich bringe mein Leid in Verbindung mit all dem, was ich von Christus weiß. Ich darf vor Gott klagen und ringen. Ich darf alle meine Fragen vor ihn bringen. Ich darf aussprechen, herausschreien, was mich schmerzt. Ich soll es nicht hinunterschlucken und mir Magengeschwüre verursachen. Manches Bittere verliert seine Übermacht, wenn ich es bewusst und wiederholt unter den heilenden Einfluss Gottes stelle.
Nicht nur Ärzte stellen fest, dass zufriedene, dankbare, optimistische und frohe Menschen am wenigsten den Arzt brauchen. Das seelische Gleichgewicht ist eine starke Abwehrkraft.
Pater Ludwig Götz
Jesus,
Dein Kreuz sicherte uns endgültigen Frieden.
Es bedurfte dieses Dramas, dieser Qual deiner Hinopferung in Unschuld,
um der Welt den Frieden zu bringen.
Du musstest aus Hass und Verschlagenheit Schläge und Verleumdungen,
Verfolgung und Unduldsamkeit erleiden, um all das zu heilen.
Du musstest bitter leiden, um den Menschen den Frieden zu bringen,
um ihnen die Liebe zu schenken, die mächtiger ist als alle Streiterei.
Durch die Teilnahme an deinem Kreuz kämpfen wir mit gegen alle Spaltung und zahlen als Preis für Einheit und Frieden die inneren Leiden.
Mach uns bereit, Herr, zu allen Opfern, in denen Milde und Geduld siegen und alle Empfindungen, die aufrichtigen Frieden aufbauen können.
Jean Galot SJ.
Durch die Leugnung Gottes wird ja das Leidensproblem nicht gelöst und aufgehoben. Auch humanistisch und sozial engagierte Atheisten stehen vor der Frage, ob es angesichts des Bösen und des Leidens in der Welt sinnvoll ist, an das Gute zu glauben; ob es sinnvoll und sogar verpflichtend sein kann, sich für Gerechtigkeit, Menschenwürde und Versöhnung einzusetzen (was ja oft hohe Opfer fordert).
Ohne den Glauben an Gott kann sich die Neigung verstärken, dem Leiden gegenüber zu resignieren und apathisch zu werden. Man muss das Unheilvolle in der Welt, das ja durch keine menschliche Aktivität ganz zu bannen ist, als ein endgültiges und sinnloses Schicksal betrachten, als Element eines blinden Weltprozesses, wo es dann auch sinnlos wird, sich darüber zu empören. Aufregen könnte man sich höchstens über das von Menschen verantwortlich verursachte Leid, aber das betrifft nur einen Teil des Leidproblems, und es ist zu bezweifeln, dass die Menschen durch verurteilende Schuldzuweisungen, durch bloße moralische Forderungen oder durch Gewalt zum Besseren geändert werden können. Wer Gott leugnet, kann wohl nur versuchen, sich mit den Gegebenheiten abzufinden, die absurd erscheinen. Es wird jedenfalls schwieriger, die Forderung (als strenge Verpflichtung gemeint) zu begründen, Leiden zu lindern bzw. die Ursachen von Leiden zu beheben.
Aus: Augustin Schmied, Schlüsselworte der christlichen Botschaft. Grundthemen des Glaubens (Spiritualität und Seelsorge 6), Tyrolia Verlag Innsbruck, 2013.
Ich will dich betrachten, o Herr,
wie du fast entseelt am Holz des Kreuzes hängst.
Mit meinem Mund
will ich jeden Tropfen deines kostbaren Blutes auffangen.
Mit den Augen meiner Seele betrachte ich dich, o mein Erlöser,
wie du mit Nägeln ans Kreuz geheftet bist.
Ich betrachte dich,
durchbohrt mit den noch blutenden Wunden.
Durch dieses große Geheimnis deines Leidens und Sterbens bitte ich dich,
durch das Geheimnis unserer Erlösung beschwöre ich dich:
verstoße mich nicht aus der Gemeinschaft deiner Auserwählten,
wie ich es verdient hätte,
sondern rufe mich zusammen mit dem reumütigen Schächer
in die Herrlichkeit des Himmels.
Präge meiner Seele, o Herr,
die Zeichen deines heiligen Kreuzes ein,
damit ich mit diesem Siegel bezeichnet erfunden werde,
wenn du wiederkommst zum Gericht,
wenn das Siegeszeichen deiner göttlichen Macht
am Himmel erstrahlen wird.
Hl. Petrus Damiani ,1007-1072.
Viele denken: Das Leid ist ein Zeichen des Abwesenheit Gottes. Gott hat mich verlassen. Nein, er lässt mich nicht allein, auch nicht im ungelöstesten und unlösbarsten aller menschlichen Probleme, im Leiden. Er hat keine Theorie darüber entworfen, er leidet mit. Am christlichen Glauben überzeugt mich vor allem dies: Der Gott, an den wir glauben, geht an den offenen Wunden nicht vorbei, er trägt sie selbst, und er hat die Kraft, sie zu verwandeln. Das Zeichen des Glaubens ist nicht der strahlende Held mit dem Lorbeerkranz, sondern der gekreuzigte Gottessohn mit der Dornenkrone. Seine Wunden und der schreckliche Tod werden nicht verleugnet, sondern öffentlich vorgezeigt als Sinnbild seiner schöpferischen Lebenshingabe.
Das Kreuz steht dort, wo Menschen über Leichen gehen und andere kaputt machen oder erledigen, wo unsere Lebenspläne durchkreuzt werden, wo das Bild vom guten Vater im Himmel verdunkelt wird und wir fragen: Warum, Gott? Warum ich, warum er, warum sie, warum jetzt? Warum, o Gott, warum? Da, wo es einem das Herz zerreißt, wo es zum Heulen ist, dort steht das Kreuz, mitten in der Lebensrealität. Nicht als ein frommer Gebrauchsartikel, sondern als ein Stück unseres Lebens. Wo immer ich ein Kruzifix sehe, höre ich diesen Schrei nach Gott, und ich spüre, dass Christus Gottes Nähe in die Abgründe der Gottverlassenheit gebracht hat.
Oft wird das Leben halbiert. Wir sind gefangen von der Sonnenseite, und vor der Schattenseite machen wir die Augen zu. Die christliche Hoffnung ist auf das ganze menschliche Leben ausgerichtet. Hier wird nichts verdeckt oder verdrängt, sondern das Leben wird angenommen, wie es ist: Freude und Leid, Geglücktes und Misslungenes, Erfolg und Scheitern, Leben und Sterben. Das Christentum zeichnet sich dadurch aus, dass es den Tod nicht verdrängt, sondern sich mutig damit auseinandersetzt. Christen setzen ihr Vertrauen auf jenen Sohn Gottes, der durch seinen Tod die Welt erlöst hat. Und auch das ist zu sagen: Unser Gott steht auf der Seite der Opfer, der Zu-kurz-Gekommenen, der Schwachen und Armen.
Das Kreuz sagt mir: Gott ist mir auch im Leiden nahe, und er ist den Leidenden nahe. Hoffnung, die trägt. Der Kreuzträger ist unser Hoffnungsträger auch in den schwierigen Situationen der Kirche.
Aus: Franz Kamphaus, Wenn Gott in die Quere kommt. 60 Predigten und Ansprachen für ein Christsein mit Profil, Freiburg/Basel/Wien: Verlag Herder 2000.
Immer wieder wird
die Liebe gekreuzigt,
immer wieder werden
Opferlämmer gesucht,
die bluten
für fremde Schuld.
Immer wieder wird
Die Liebe gekreuzigt,
immer wieder hält
sie die Spannung aus
zwischen Schuld und
Vergebung,
immer wieder ermöglicht
sie unser Leben.
Katharina Kappes in: Anneliese Knippenkötter (Hg) "sonnenstrahlengleich". Klens Verlag, Düsseldorf.
Immer wieder wird
die Liebe gekreuzigt,
immer wieder werden
Opferlämmer gesucht,
die bluten
für fremde Schuld.
Immer wieder wird
Die Liebe gekreuzigt,
immer wieder hält
sie die Spannung aus
zwischen Schuld und
Vergebung,
immer wieder ermöglicht
sie unser Leben.
Katharina Kappes
Aus: Anneliese Knippenkötter (Hg) "sonnenstrahlengleich" , Seite 92 Klens Verlag, Düsseldorf.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Das Buch Numeri oder "Bamidbar" ("durch die Wüste") beschreibt in erster Linie den Zug des Volkes ins Gelobte Land. Immer wieder hört man dabei das Volk klagen mit der Feststellung, dass die Knechtschaft weniger schlimm gewesen sei als die aktuelle Situation. Woraufhin Gott straft und sofort auch wieder rettet. In der heutigen Situation sendet Gott Giftschlangen und rettet dann vor dem sicheren Tod, indem sich die Glaubenden auf das Zeichen seiner Gegenwart - die erhöhte Bronzeschlange - fokussieren. So wird die Schlange gleichzeitig zur Erfahrung von Unheil und zum Zeichen des Heils. Sie ist ein bekanntes Symbol für das Böse: Bereits im Buch Genesis bringt sie die Sünde zum Menschen, in der Wüste jetzt sogar den Tod. Gott hingegen wendet das Böse zum Guten, den Tod zum Leben in dem Symbol, das er selbst setzt. Das setzt sich fort: Später dann wandelt er das Kreuz vom Symbol für Marter und Tod zum Moment des Durchgangs zur Auferstehung.
Den Israeliten galt die Wüste als ein Ort der Schlangen und Skorpione (vgl. Dtn 8:15; Jes 14:29 und 30:6). Es erstaunt daher nicht, dass in die Erzählungen des Wüstenzuges auch eine Schlangenplage Eingang gefunden hat.
Der Text Num 21:4-9 interpretiert diese "Schlangeninvasion" als Strafe für die Auflehnung der Israeliten Gott und Mose gegenüber. Doch aufgrund des Schuldbekenntnisses der Israeliten und der Fürsprache des Mose gewährt Gott die Rettung: Eine an einer langen - und damit weithin sichtbaren - Stange montierte kupferne Schlange wird angefertigt. Dank des Anblicks der Schlange, als Zeichen des Glaubens an die Heilkraft Gottes, blieben die Israeliten trotz aller Schlangenbisse am Leben.
In den Kupferminen von Timna (etwa 20km nördlich von Eilat) wurde bei Ausgrabungen eine 12 cm lange Kupferschlange mit goldenem Kopf gefunden. Wahrscheinlich diente sie als Kultgegenstand eines midianitischen Heiligtums in dieser Gegend. Jedenfalls beweist sie, dass um etwa 1200 v. Chr. in dieser Gegend solche Kupferschlangen nicht unbekannt gewesen sind. Im Vorderen Orient galten Schlangen zudem als Symbole des Lebens (vgl. die Äskulapnatter als noch heute bestehendes Symbol von Ärzten und Apothekern) und als Symbol von heilbringenden Gottheiten.
Der Text in Num 21 weist aber nicht der Schlange als solcher Heilkraft zu, vielmehr verweist hier die Schlange auf den eigentlichen Retter. Wahrscheinlich hat Israel so einen bereits bekannten Brauch aus der Umwelt in die eigene Glaubenswelt übernommen, ihn aber theologisch neu geformt, bzw. uminterpretiert. Diese These wird durch Weish 16:7 gestützt, wo es heißt: "Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller."
Die christliche Tradition interpretierte den Text von Num 21 im Anschluß an Joh 3:14 als eine mögliche Urform der rettenden Kraft, die vom Kreuze Jesu ausgeht: Jeder durch die Sünde Verwundete soll voll Vertrauen an den erhöhten Erlöser glauben.
Die Verankerung dieser Erzählung zwischen einer erfolgreichen kriegerischen Inbesitznahme von Arad (eine ätiologische Geschichte) und dem Aufbruch weiter nach Moab zeigt auf, dass Israel sich auf seiner Wanderung in einem alten Kulturland bewegt.
Die Komposition von „Murrgeschichten“ bzw. Rettungsgeschichten im Buch Numeri, erfährt in dieser Erzählung durch die priesterschriftliche Geschichtsschreibung eine „ausführlichere“ Schilderung als sonst. Durch das Einfügen örtlicher Begebenheiten, werden Einblicke in das damalige religiöse und historische Umfeld Israels möglich.
Religiöse Kulthandlungen in diesen Gebieten waren für Israel Herausforderungen sich zu „outen“, zu seinen eigenen Erfahrungen mit JHWH zu stehen. Sie führten jedoch auch immer wieder zu einer Inkulturation, so wie diese Erzählung es aufzeigt.
Das uralte Abbaugebiet von Kupfererz in der Wüste Zin und der dort bei Ausgrabungen aufgefundene ägyptische Hathortempel (Harthor war die ägyptische Göttin des Bergbaus) geben den geschichtlichen und religiösen Background für dieses Ereignis. Die Rettungsgeschichte mit der kupfernen Schlange, welche auf einer gut sichtbaren Standarte befestigt wurde (Vers 8), ist daraus zu verstehen (Schlangen waren Teil der Lebenswelt Ägyptens, ihre Verehrung sollte die Macht des tödlichen Bisses abwehren).
In Vers 5 wird Mose wieder einmal als „Hauptverantwortlicher“ der lebensbedrohenden Situation der Israeliten in diesem „wüsten“ Gebiet dargestellt. Er soll „möglichst“ mit JHWH diese Situation bereinigen (Vers 7b, Fürbittgebet des Mose).
Neu im Vers 7 ist, dass es zu einem Erkennen des Volkes Israel kommt: Nicht Mose allein trägt Verantwortung, ganz Israel wird sich seiner Verantwortung bei der Abkehr von JHWH bewusst (Vers 7a). Diese Erkenntnis eröffnet neue Zukunftsperspektiven für Israel, lässt den Aufbruch mit JHWHs Hilfe, der unter ihnen, in ihrer Mitte sein „Zelt“ aufschlägt, aufs Neue wagen.
Die erfahrene Geschichte (Vergangenheit) zeigt hier im Buch Numeri auf, dass lebensbedrohliche Situationen kein Grund sind, an der Treue JHWH, der zu seinem Volk und seinen Verheißungen steht, zu zweifeln.
(c) Hannelore Jäggle, Wien
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive