Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem zweiten Buch Samuel.
In jenen Tagen,
als König David in seinem Haus wohnte
und der HERR ihm Ruhe
vor allen seinen Feinden ringsum verschafft hatte,
sagte er zu dem Propheten Natan:
Ich wohne in einem Haus aus Zedernholz,
die Lade Gottes aber wohnt in einem Zelt.
Natan antwortete dem König:
Geh nur und tu alles, was du im Herzen hast;
denn der HERR ist mit dir.
Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan:
Geh zu meinem Knecht David
und sag zu ihm: So spricht der HERR:
Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt,
damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
und ich bin überall mit dir gewesen,
wohin du auch gegangen bist.
Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet
und ich werde dir einen großen Namen machen,
der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen
und es einpflanzen,
damit es an seinem Ort wohnen kann
und sich nicht mehr ängstigen muss
und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher
und auch von dem Tag an,
an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe.
Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden.
Nun verkündet dir der HERR,
dass der HERR dir ein Haus bauen wird.
Wenn deine Tage erfüllt sind
und du dich zu deinen Vätern legst,
werde ich deinen leiblichen Sohn
als deinen Nachfolger einsetzen
und seinem Königtum Bestand verleihen.
Ich werde für ihn Vater sein
und er wird für mich Sohn sein.
Dein Haus und dein Königtum
werden vor dir auf ewig bestehen bleiben;
dein Thron wird auf ewig Bestand haben.
Lesung aus dem zweiten Buch Samuel.
In jenen Tagen,
als König David in seinem Haus wohnte
und der HERR ihm Ruhe
vor allen seinen Feinden ringsum verschafft hatte,
sagte er zu dem Propheten Natan:
Ich wohne in einem Haus aus Zedernholz,
die Lade Gottes aber wohnt in einem Zelt.
Natan antwortete dem König:
Geh nur und tu alles, was du im Herzen hast;
denn der HERR ist mit dir.
Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan:
Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm:
So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen,
damit ich darin wohne?
Seit dem Tag,
als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe,
habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt,
sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen.
Habe ich in der Zeit,
als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog,
jemals zu einem der Stämme Israels,
die ich als Hirten über mein Volk Israel eingesetzt hatte,
ein Wort gesagt und sie gefragt:
Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz gebaut?
Sag also jetzt meinem Knecht David:
So spricht der HERR der Heerscharen:
Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt,
damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
und ich bin überall mit dir gewesen,
wohin du auch gegangen bist.
Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet
und ich werde dir einen großen Namen machen,
der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen
und es einpflanzen,
damit es an seinem Ort wohnen kann
und sich nicht mehr ängstigen muss
und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher
und auch von dem Tag an,
an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe.
Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden.
Nun verkündet dir der HERR,
dass der HERR dir ein Haus bauen wird.
Wenn deine Tage erfüllt sind
und du dich zu deinen Vätern legst,
werde ich deinen leiblichen Sohn
als deinen Nachfolger einsetzen
und seinem Königtum Bestand verleihen.
Er wird für meinen Namen ein Haus bauen
und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.
Ich werde für ihn Vater sein
und er wird für mich Sohn sein.
Wenn er sich verfehlt,
werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten
und mit Schlägen züchtigen.
Nie wird sich meine Huld von ihm entfernen,
wie ich sie von Saul entfernt habe,
den ich vor dir entfernt habe.
Dein Haus und dein Königtum
werden vor dir auf ewig bestehen bleiben;
dein Thron wird auf ewig Bestand haben.
Kv: Von der Huld des HERRN
will ich ewig singen. - Kv
Von der Huld des HERRN will ich ewig singen,*
von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, *
im Himmel deine Treue gefestigt. - Kv
Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: /
"Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten *
und David, meinem Knecht, geschworen:
Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand *
und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron. - Kv
Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, *
mein Gott, der Fels meiner Rettung.
Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, *
mein Bund mit ihm ist verlässlich. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Dem aber, der die Macht hat, euch Kraft zu geben
- gemäß meinem Evangelium
und der Botschaft von Jesus Christus,
gemäß der Offenbarung jenes Geheimnisses,
das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war,
jetzt aber nach dem Willen des ewigen Gottes offenbart
und durch prophetische Schriften kundgemacht wurde,
um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen - ,
ihm, dem einen, weisen Gott,
sei Ehre durch Jesus Christus in alle Ewigkeit! Amen.
Halleluja. Halleluja.
Maria sagte:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
zu einer Jungfrau gesandt.
Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
der aus dem Haus David stammte.
Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein
und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede
und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden
und einen Sohn wirst du gebären;
dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein
und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel:
Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr:
Heiliger Geist wird über dich kommen
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Deshalb wird auch das Kind heilig
und Sohn Gottes genannt werden.
Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,
hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
obwohl sie als unfruchtbar gilt,
ist sie schon im sechsten Monat.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du es gesagt hast.
Danach verließ sie der Engel.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium stammt aus der Kindheitsgeschichte des Lukas. Ein Text, der nicht zum ursprünglichen Anliegen des Lukasevangeliums gehört hat (siehe Lukas 1,1).
Die Kindheitsgeschichte ist später eingefügt worden und bringt die Anfänge der Geschichte Johannes des Täufers und der Geschichte Jesu zusammen.
Es finden sich in den anderer Kulturen vergleichbaren Texte zu unserem heutigen Abschnitt. Dies legt umso mehr den Schluss nahe, dass es sich um eine Angleichung an Gewohntes handelt, um dann das ganz andere der Botschaft von Jesus zu bringen.
Zentral sind hier zwei Dinge: Der Engel Gabriel wird von Gott gesandt – Gott selbst eröffnet die Kommunikation. Maria ist es, die antwortet – erst nach ihrem Ja kehrt der Engel zurück.
Die Bezeichnung Marias als "Jungfrau" (Vers 27) und die Formulierung von Vers 31 bezieht sich auf Jes 7,14 (vgl. 1. Lesung), und zwar auf die griechische Übersetzung dieser Stelle, die ausdrücklich "Jungfrau" meint statt des ursprünglichen Begriffs "junge Frau". Damit wird in Bezug auf Jesus betont, dass dieses Kind seine ganze Existenz dem Geist und der Kraft Gottes verdankt und dass er von Anfang seines Lebens an Gottes Sohn ist (Vers 35).
Im symbolischen Sinn bedeutet "jungfräulich sein": noch in Erwartung sein, offen und leer sein, bereit sein. Mit dieser Haltung wird Maria für Menschen heute zum hilfreichen Modell und trifft den Wunsch vieler nach mehr Gelassenheit. Gerade in Lebenssituationen, die ganz anders sind als erwartet und erwünscht, ist man herausgefordert, die eigenen festen Vorstellungen von der Zukunft loszulassen. Leer davon geworden, wird der Mensch offen und bereit für das Leben, wie es eben gerade jetzt auf ihn zukommt. Im Vertrauen auf das Wirken des Gottesgeistes (Vers 35a) in jedem Menschen kann man dann lernen Ja zu sagen zu Gottes Willen für unser Leben (Vers 38: "mir geschehe"). Dieser Prozess des Leerwerdens, sich Öffnens für Gottes Kraft und sich Einlassens auf seinen Willen lässt sich am Gespräch Marias mit dem Engel schrittweise aufzeigen und auf den Umgang mit konkreten Lebenssituationen heute übertragen. Der Hinweis auf die "Elisabeth, deine Verwandte" (Vers 36) öffnet darüber hinaus den Blick für Weggefährten auf den eigenen Lebenswegen, die sich in Krisenzeiten gegenseitig ermutigen können.
Die biblischen Erzählungen rund um die Geburt Jesu sind für viele Menschen eine Herausforderung. So auch die Erzählung von der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel. Geschichten transportieren mehr als nur Fakten. Es ist jedoch notwendig, dass wir lernen auch zwischen den Zeilen zu lesen.
Was wäre "Weihnachten ohne die zahllosen Weihnachtserzählungen wie z.B. von Waggerl, Rosegger, Charles Dickens... Vieles, was über das Menschsein und Menschlichsein zu sagen ist, lässt sich nicht in einer wissenschaftlichen oder gar technischen Sprache ausdrücken. Geschichten können das besser.
Um das, was über die Geburt Jesu von Nazareth zu sagen ist, haben auch die biblischen Autoren auf die Kunst des Erzählens zurückgegriffen. Wie berichtet man sonst über ein Geheimnis? Wie fasst man Göttliches ins Wort? Gut erzählte Geschichten können Wahrheiten zur Sprache bringen, die nur schwer in Worte zu fassen sind.
Heute am vierten Adventsonntag wird uns als Evangelium eine Geschichte präsentiert, mit der sich viele Menschen – auch tief gläubige – schwertun, die Erzählung von der Verkündigung. Der Engel Gabriel überbringt Maria die Botschaft, sie solle die Mutter des Messias werden. Wir sind gewohnt, solche Textzeugnisse kritisch auf ihre Historizität hin zu überprüfen und fragen uns: Was war damals wirklich? Weiters ist unser Denken naturwissenschaftlich geprägt. Wir fragen uns automatisch: Ist so etwas möglich? Wie ist das konkret vor sich gegangen? Schnell sind wir versucht, Geschichten, die wir mit herkömmlichem Denken nicht auflösen können, ins Reich der Märchen und Mythen zu verweisen und nicht ernst zu nehmen.
Was damals im historischen und naturwissenschaftlichen Sinn geschehen ist, werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden nicht mehr rekonstruieren können. Dennoch transportieren die Erzählungen rund um die Geburt Jesu Einsichten, die zum Ausdruck bringen, wer dieser Jesus in ihren Augen ist, welche Bedeutung er für sie hat und was es Besonderes über ihn zu sagen gibt. Je öfter wir sie lesen oder hören, desto mehr können sie uns über Zusammenhänge sagen, die für uns auch heute noch interessant sind.
So könnten wir endlos darüber diskutieren, ob eine jungfräuliche Geburt überhaupt möglich ist. Wahrscheinlich ist so etwas nach unserem allgemeinen Wissensstand nicht. Es bleibt aber immer noch das Argument: "Bei Gott ist nichts unmöglich". Das allein ist jedoch meines Erachtens nicht die entscheidende Aussage dieser Erzählung. Diese Geschichte bringt für mich zum Ausdruck, dass Gott in unser Leben eingreift, dass Gott in der Menschheitsgeschichte wirksam werden kann und auch wirksam wird, wie wir es normalerweise nicht für möglich halten.
Gott ist auf vielfältige Weise am Werk, sogar auf Wegen, die wir kaum für möglich halten. Dies anzunehmen war nicht nur für das Mädchen Maria damals eine gewaltige Herausforderung, sondern ist auch für uns die entscheidende Glaubensfrage: Trau ich Gott zu, dass er uns Menschen und dass er mich so ernst nimmt, dass er in unser Schicksal eingreift und zum Guten wendet?
Die zweite bedeutende Aussage dieser Erzählung ist mir ebenso wichtig: Maria empfängt das Kind nicht von einem Mann, sondern vom Heiligen Geist. Männer galten damals und gelten vielfach auch heute noch als die großen Macher der Geschichte - Putin, Biden, Xi Jinbing… Wir schauen auf zu Menschen, die "Geschichte schreiben" und wir sprechen über "historische Ereignisse". Unsere biblische Erzählung bringt einen anderen Gedanken ins Spiel: Der Geist Gottes lenkt und gestaltet die Welt. Er macht Geschichte. – Traue ich Gott zu, dass er auch heute am Werk ist, dass sein Geist nach wie vor lebendig ist und dass er unsere Welt zum Guten führt? Glaube ich an diese Frohe Botschaft und bin ich bereit, sie so unvoreingenommen wie Maria anzunehmen?
Weihnachtsgeschichten – auch profane – sind deshalb so beliebt, weil sie meist zu einem guten Ende führen. Deshalb erzählen wir sie gerne Kindern. In ihnen lebt die gute Frohe Botschaft weiter, die in den alten biblischen Texte grundgelegt sind.
Wie feiern Sie Weihnachten? – Ich wünsche Ihnen den Mut, in die alten Geschichten neu hineinzuhorchen.
Heute, am Ende des kürzesten Advents, feiern wir in wenigen Stunden das Gedenken an die Geburt des Herrn. Die Texte, die wir soeben gehört haben, legen drei Grundgedanken nahe: Gott wandert mit, dargestellt durch das Bild des Zeltes, das jederzeit auf- oder abgebaut werden kann, im Gegensatz zum (noblen) Haus aus Zedern, Gott wandert mit durch die Zeiten und Generationen. Der zweite Gedanke: Gott gibt Heimat. Wo ist unsere Heimat? Der dritte Gedanke: Gott mischt sich durch die Geburt seines Sohnes in die Welt ein.
Gott wandert mit im Zelt. Davon ist in der ersten Lesung die Rede. Er wandert mit dem unterdrückten Volk Israel. Die Gemeinschaft, die durch die Wüste zieht, braucht einen Anführer. Er heißt David, der als Hirtenknabe zum König erhöht wird. So entsteht das Haus David. Hirte und König, zwei Rollen, die schwer zu vereinen sind. Ein Hinweis auf Psalm 23 könnte dabei behilflich sein. „Der Herr ist mein Hirte…“ JHWH verspricht David zu einem großen Namen zu verhelfen. Das Ziel dieser Reise ist Heimat zu finden.
Damit sind wir beim zweiten Gedanken: Gott gibt Heimat. Das Volk Israel war nach dem Auszug aus Ägypten heimatlos. Da gab es viel Jammer, Proteste gegen die Verantwortlichen. Sehnsucht nach Heimat bestand damals und heute. Täglich hören wir von Flüchtlingen, von heimatlosen Menschen, die aus verschiedenen Gründen ihren angestammten Ort verlassen (Klima, Krieg, Politik, Wirtschaft). Es gibt aber auch bei vielen Menschen geistige Heimatlosigkeit, auch bei Menschen, denen es materiell gesehen gut geht. Diese Art der Heimatlosigkeit ist verbunden mit den drei großen Menschheitsfragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wozu lebe ich? Das Evangelium deutet schon an, woher aller Anfang kommt, aus dem Nichts: creatio ex nihilo - Gott schafft Neues aus dem Nichts. Das ist Geheimnis des Glaubens.
Wohin gehen wir? Was ist das Ziel unserer Reise? Unsere Heimat ist im Himmel. Heimat als beginnendes Reich Gottes sollte schon jetzt möglich sein. Es geht um unsere „Verortung“, wo wollen wir einmal leben. Heimat als gute Nachbarschaft, als Gemeinschaft, dort, wo man sich gerne aufhält, wo man sich angenommen fühlt, wo wir auch in der Persönlichkeit wachsen können. Heimat ist dort, wo es Vertrauen, Zuversicht, Liebe gibt. Wer all das nicht erfährt, ist heimatlos, kann sogar verrohen. Schließlich gibt auch der Glaube Heimat. Cor dare heißt frei übersetzt: Ich schenke dir mein Herz, ich vertraue dir. Wozu lebe ich, heißt: Wie sieht es mit meinem Tun und Handeln aus? Wieso gehe ich jetzt in die Kirche? Wieso feiere ich Weihnachten, geht es nur um Äußerlichkeiten dabei? Fragen, die immer einer neuen Antwort bedürfen. Glaube gibt Heimat.
Das führt zum dritten Gedanken: Gott mischt sich durch die Geburt seines Sohnes in diese Welt ein. Das Evangelium ist gleich wie am Marienfeiertag 8. Dezember. Ein Engel verkündet Maria die „Gute Nachricht“ und spricht davon, dass sie begnadet sei, das heißt: Gott wendet sich ihr liebevoll zu und bittet um Antwort. Es geht um eine Entscheidung mit gravierenden Folgen. Was also tun? Maria hört zu. Wir würden sagen: Sie ist ganz Ohr. Wer aufmerksam zuhört, überlegt, wird auch berührt. Sie können an den Augen eines Menschen sehen, ob er zuhört. Wenn diese wandern, vielleicht sich noch der Kopf in eine andere Richtung dreht, erkennen Sie sofort: Da wird nicht zugehört, da kommt es kaum zu einer Überlegung, zu keiner Reflexion. Wenn es doch zu einer Entscheidung kommt, kann diese halbherzig oder sogar falsch sein. Bei Maria war das nicht so. Der Engel als Bote Gottes hilft ihr bei der Entscheidung: „Fürchte dich nicht!“ Der Heilige Geist wird dir beistehen. Er ist es, der Beziehung zwischen Gott und Mensch schafft. Glaube schafft Beziehung und Gemeinschaft. Gott gibt den Menschen einen freien Willen. Maria hätte auch nein sagen können. Was dann? Vielleicht überlegen Sie selber die Folgewirkungen. Maria hat ja gesagt. So war es möglich, dass sich die Bedeutung des Kindes schrittweise ausgeweitet hat, nicht nur, was Heilszusage und Rettung betrifft, sondern auch kulturell in unserer Zeitrechnung, in der Feiertagskultur, die auch von Nichtchristen gerne wahrgenommen wird. Jesus verbindet mit seiner Geburt Himmel und Erde.
Drei Gedanken gebe ich Ihnen nochmals mit: Gott wandert mit durch unser Leben. Jeder Mensch sucht und braucht Heimat. Jesus war am Beginn seines Lebens obdachlos und trotzdem mischt sich Gott in diese Welt ein. Mögen Sie an diesem Sonntag, besonders am Abend von der Geburt Jesu berührt werden.
Wir bewundern das Ja Marias. Ihm gegenüber steht das Nein des Königs Herodes. Was gab Maria die Kraft zum Ja?
JA – ich komme! JA – ich besuche dich! JA – ich bin dabei! JA – … Wie oft sagen wir bewusst JA? Und wie oft leben wir unser JA unbewusst in verschiedenen Situationen, Begebenheiten, Einladungen, die wir annehmen, die wir so akzeptieren, wie sie sind, ohne laut JA zu sagen. Unser JA-Sagen – bewusst oder unbewusst – zieht Folgen nach sich, das ist so. Manche Folgen sind angenehm, manche sind von uns gewünscht, manche sind nicht gleich erkennbar. Manche Folgen erweisen sich plötzlich als problematisch oder bringen uns in Schwierigkeiten.
JA-Sagen beinhaltet immer ein gewisses Risiko oder sogar Risiken, es kann uns auch mehr erwarten, als wir im Augenblick unserer Zustimmung bedenken können! Die Frage „Welches Risiko gehen wir mit unserem JA ein?“ ist daher berechtigt und soll näher beleuchtet werden.
Im Evangelium wird dieses JA-Sagen von Maria vorsichtig mit dem Einwand „Wie soll das geschehen?“ eingeleitet. Es ist wie ein Vorspann, bei Lukas als Dialog, der mit einem Gruß beginnt und mit einem „berechtigten“ Einwand fortgesetzt wird.
Im Rückblick können wir dann das konkrete JA von Maria zu neuem Leben – als Frohbotschaft erkennen. So ein Rückblick ist wie in der heutigen Film-, Video- und Computerwelt im Nachspann zu lesen, wo Personen des Geschehens, Orte der Handlung noch einmal genannt werden. Auch an den oder die Urheber der Erzählung (bzw. des Filmes) wird namentlich erinnert. Noch ein wichtiges Element im Nachspann ist oft der Dank an alle Beteiligten! Aber so weit sind wir noch lange nicht bei unserem Geschehen, welches Lukas in seiner sprachlich einmaligen Bilderwelt (Ikonographie) erzählt. Dazu müssen wir das ganze Lukasevangelium lesen, um darin die Frohbotschaft der Geburt Jesu zu erfassen, zu begreifen.
Nun zurück zur Frage, zum Einwand: „Wie soll das geschehen …?“ Zweifel und Unsicherheit kommen bei Maria auf. Schon bei der Begrüßung hält Maria inne und fragt sich, was das wohl bedeuten soll: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Wir würden sagen: „Mir schwant (ich befürchte) Übles!“
Das JA-Sagen, die Hingabe Mariens, ist in Anbetracht dessen, was eine Schwangerschaft für eine Frau bedeutet, schon ein Wagnis. Dazu kommen noch die ungeklärte Situation und die Machthaber dieser Zeit. Welche Risiken geht da Maria ein? Ist sie sich dessen überhaupt
bewusst?
Fest steht: Maria geht das Wagnis einer Schwangerschaft ein, wohl im Vertrauen, dass sie damit nicht allein „fertig werden“ muss. Dann verlässt sie der Bote und sie bleibt zurück, nicht nur mit ihrem aktiven, bewussten JA-Sagen, sondern auch mit den Unsicherheiten, derer sie sich sicher bewusst war, aber auch mit den noch nicht abschätzbaren Folgen.
Eine dieser Folgen lösen die Aussagen des Boten Gottes über das Kind, welches Maria gebären soll, aus: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“
In der Weihnachtsgeschichte bei Matthäus heißt es: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war…“. Hier wird das neugeborene, schutzbedürftige Kind dem damals politisch Mächtigen voran gestellt. Dieser erschrickt bei der Frage der Sterndeuter: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Wir wissen um seine Angst vor dem Verlust seiner Macht. Schon zu oft hat Herodes andere verletzt, ja eigene Söhne ermorden lassen, um sich und seine Macht zu schützen. Sein JA gilt der Sicherung seiner Macht. Herodes weiß, der „neugeborene König der Juden“ ist der Messias. Wer Bescheid weiß, kann auch entscheiden: Den Messias verehren oder verfolgen.
Den Messias nicht zu verehren, entschied Herodes aus seinem Misstrauen heraus: jede Bedrohung seiner Machtposition galt es, mit Gewalt abzuwehren. Lieber andere verwunden oder sogar töten, als sich verwunden zu lassen. Sein Selbstschutz wurde zur Gefahr für andere, und bedrohte ihr Leben. Herodes machte diese Strategie, sich zu schützen, unfähig, jene Macht, das göttliche Sein, zu würdigen, welches in der Krippe zu Betlehem Mensch geworden ist. Dass Gott selbst in Jesus den Weg der Verwundbarkeit geht, ist für Herodes nicht einmal vorstellbar. So wurde für ihn das verwundbare und schutzbedürfte Kind in der Krippe zur Bedrohung. Das Kind zu suchen, zu besuchen, sich zur Krippe zu stellen, um am Glück dieser Geburt teilhaben zu können, NEIN, das ging nicht.
Sein Leben bestimmte wohl eine andere Weltenordnung als die Göttliche. Daher werden die Sterndeuter ausgehorcht und es wird versucht, sie in eine Falle zu locken: Kehrt nach Jerusalem zurück und berichtet von dem „neugeborenen König“! Gut, dass Gottes Wege andere sind, kann man da nur sagen – die Sterndeuter kehrten nicht nach Jerusalem zurück. Mit Gott hat Herodes nicht gerechnet! Maria aber schon!
Maria hört, hört etwas Unfassbares, etwas „nie Gehörtes“ und sie gibt Antwort:
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“
Ihr JA ist gewagt, denn das kommende, heranwachsende Leben in ihr ist verwundbar, verletzlich und es braucht Schutz. Neues Leben, ein Neugeborenes, nicht seiner Verletzlichkeit, seinem Ausgeliefertsein zu überlassen, bedarf der Hinwendung, der Hingabe, dem Offensein, sich aktiv um das Leben in seiner Verwundbarkeit zu sorgen, es zu behüten, zu schützen. „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Diese Verheißung macht Mut und schenkt Vertrauen, beides und mehr wird sie auf ihrem Weg noch brauchen.
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Der in Teilbereichen beobachtete Rückgang christlicher Formen der Gottesverehrung macht manche Menschen mutlos und lässt sie an der Präsenz Gottes in der Welt zweifeln. Die vorweihnachtlichen Bibeltexte erinnern daran, dass Gott seine Verheißungen erfüllt und mit uns ist.
Der Besuch des Engels bei Maira ist expemplarisch auf für unsere eigene Berufung. Unsere Unzulänglichkeiten sind für Gott kein Hindernis. Für ihn ist kein Ding unmöglich.
In unmittelbarer Nähe zum Weihnachtsfest erinnern wir uns an den Anfang, an dem Maria Gott ihr Ja gegeben hat. Die Antwort Marias ist ein Ja zum Leben, ein Ja zu Gott. Auf wir sind zu diesem Ja herausgefordert.
Nein, schon mancher stand schon vor meiner Tür, schneite unangemeldet einfach herein, ließ sich auch nicht wegschicken, aber ein - Engel? Ob ich mir das aber wünsche? Ich bewundere Maria. Ein junges Mädchen, vom Leben weder verwöhnt noch verwundet, wird einfach - heimgesucht.
Heimgesucht! Das Wort ist ebenso schön wie verräterisch. Da kommt das Heim vor, traut, vertraut, eben: ein, mein Zuhause. Aber auch das fast schon verstörende, überraschende, unheimliche einer Begegnung, die das gewöhnliche Leben unter den eigenen vier Wänden fremd werden lässt. Nachher ist nichts mehr wie vorher. Heimsuchungen werden eher gefürchtet als gewünscht, eher vermieden als gesucht. Maria aber sagt: Ja. Dabei weiß sie nicht einmal, was sie sagt - ihr Vertrauen ist grenzenlos, ihr Mut aber auch.
Heute heißt so manche Kirche "Maria Heimsuchung". Klöster sind nach ihrem Erlebnis benannt. Es gibt sogar einen Festtag, der so heißt.
Und Bilder! Fast alle großen - und auch kleinen - Künstler haben die Begegnung gemalt. Ein Bild habe ich vor Augen. Darf ich es Ihnen kurz mit Worten vor die Augen, vor die Ohren malen?
Es ist ein Altarbild, der linke Flügel des wunderschönen "Dreikönigsaltars" von Rogier van der Weyden. Um 1460 gemalt. Man schaut in ein Jungmädchenzimmer, das säuberlich abgedeckte Bett im Hintergrund. Rot. Als ob hier schon das Leiden seine Spuren andeuten würde. Maria kniet in ihrem tiefblauen Kleid auf einem Betschemel vor der rechten Wand, ein aufgeschlagenes Buch vor sich. Sie muss sehr vertieft gewesen sein, jetzt aber aufgeschreckt. Sie schaut hinter sich, halbrechts den Kopf gewendet. Noch ganz in sich gekehrt, aber schon mit großen Augen. Ein Engel steht hinter ihr. In glänzendem Weiß gekleidet. Fast mehr Licht als Figur. Seine rechte Hand scheint zu unterstreichen, was er sagt - fein bewegt. Die Worte aber - sie lassen sich nicht mit Pinselstrichen, nicht mit Farben, nicht mit Linien ins Bild bringen. Sie füllen aber den Raum, der spärlich von draußen erhellt wird. Auf den Lichtstrahlen aber sieht man - kaum bemerkbar, wie ein Schatten - eine Taube. Sie stellt den Heiligen Geist, den Geist Gottes, die Gegenwart Gottes dar. War nicht im Evangelium davon die Rede, dass er, der Heilige Geist über Maria käme? Hier sieht man ihn - kommen.
Rogier van der Weyden hat in wenigen Zügen eine sehr bewegende Szene festgehalten: den redenden Engel, die Lichtstrahlen von draußen, die Taube aus der anderen Welt. Aber Maria steht nicht auf. Sie bleibt in ihrer knieenden Haltung. Sie bleibt auch bei ihrem Buch. Im Vordergrund sieht man aber die Lilie, die in ihrer weißen Schönheit zurückhaltend in den Raum hinein wächst - sieht man genauer hin, sieht man, wie sie die Gewänder des Engels und der Maria verbindet. Die Lilie: das Bild einer großen Reinheit, einer Unschuld, einer Unberührtheit. Trotzdem auch das Bild einer großen Nähe. Wir sehen den Himmel in ein kleines Zimmer einbrechen. Wir werden überraschend zu Zeugen gemacht. Denn das Zimmer ist offen.
Rogier van der Weyden hat die Zuschauer, uns, an der "Heimsuchung" beteiligt. Wir stehen unerwartet in einem Zimmer, das nicht das unsere ist. Ich möchte mich wegstehlen, fühle mich wie ein Voyeur, wie ein Eindringling - aber ich komme nicht weg. Die Begegnung zieht mich förmlich an. Ich muss hier bleiben. Gucken, hören, glauben.
Wenn ich Ihnen das Bild jetzt zeigen könnte, wäre es ein Leichtes, den vielen Einzelheiten nachzugehen, die mal offen, mal versteckt in dieser mit ausdrucksstarken Farben gemalten Szene zu finden sind. So aber müssen wir uns bescheiden. Bleiben wir wenigstens bei dem aufgeschlagenen Buch. Es gehört zur Symbolik dieser Szene. Es steht für die alttestamentlichen Verheißungen, für die Zusagen der Propheten, aber auch für die noch nicht erfüllten Sehnsüchte und Träume der Menschen. In dem aufgeschlagenen Buch ist das verlorene Paradies ebenso zu finden wie das große endzeitliche Mahl, an dem die Völker endlich und ein für alle mal ihre Trennungen, Vorurteile und Ängste ablegen. In dem aufgeschlagenen Buch stehen die Klagelieder der unschuldig Verfolgten, der unheilbaren Kranken und der von allen guten Geistern Verlassenen, aber auch die Lieder der Liebenden, die Poesie der Mutigen und die großen Stücke der Hoffnung. In dem aufgeschlagenen Buch können wir sogar unsere Namen entdecken. Alles sehr klein geschrieben. Denn ein Buch fasst nicht einmal, was ich gerne aufgeschrieben und bewahrt hätte - geschweige denn die Geschichte, die unter dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen begonnen hat.
Aber vor Maria liegt das Buch. Ein kleines Format, fast schon zierlich. Gemacht für Mädchenhände. Aufgeschlagen. Maria war, als sie aufschaute, irgendwo mitten drin. Die Seiten, die jetzt noch durchgeblättert, gelesen und verstanden werden können, haben den Glanz, die Worte, die Zusagen der "Heimsuchung" schon mitbekommen.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Wo doch die Herrschaftsverhältnisse dieser Welt in Beton gegossen scheinen, Gewalt nur neue Gewalt gebiert, Hoffnungen zertreten werden: ER wird herrschen - und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Was alles in diesem Mädchenzimmer laut wird! Es ist nicht zu fassen: Gott hat sich ein junges Mädchen ausgeguckt, der Welt ein neues Gesicht zu geben - und Maria macht mit! Unschuldig, fast selbst noch ein Kind - ein unbeschriebenes Blatt. Die Gelehrten schütteln den Kopf, die Mächtigen reiben sich verwundert die Augen, aber die Leute, die so lange gewartet haben, sehen die Sonne aufgehen. Irgendwann werden auch die Gelehrten bescheiden und die Mächtigen kleinlaut. Gott schaut mit den Augen eines Kindes Menschen an und hat sich in sie verliebt - so weit reichte die Phantasie noch nie.
In dem aufgeschlagenen Buch konnte Maria lesen:
"Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben" (Jes. 7,14)
Empfangen ist ein schönes Wort. Ich bin auch einmal empfangen worden. Ein Geschenk. Jedem Kind geben wir als Geschenk mit, dass es angenommen wird - Gegenleistungen und Verrechnungen gibt es nicht. Nur Liebe. Nur Liebe empfängt. Nur Liebe gibt.
Das macht den Reiz der Geschichte aus, in die Maria unverhofft gerät. Morgens, als sie aus dem Bett krabbelt, weiß sie noch nichts. Aber es wird ihr Tag. Gott liebt die Menschen so sehr, dass er sich empfangen lässt - von einem Mädchen namens Maria.
Wisst ihr, was wir jetzt beiseite lassen? Die großen und schwer verständlichen Worte: Jungfräuliche Empfängnis, Jungfrauengeburt - wer lächeln will, darf das ruhig tun. Denn es ist eine freundliche, liebevolle, zärtliche Geschichte. Die Geschichte von einem Mädchen, das Gott empfängt. Maria. Jung, unerfahren, offen. Eine von uns. Geliebt und liebend. Von Gott geliebt, die Menschen liebend. Wir können die Geschichte gar nicht anders erzählen - als mit den Worten eines Engels. In die Kästchen, die mir die Lebenserfahrung zugeschnitten hat, passt viel zu wenig hinein, um Menschen glücklich zu sehen, um Menschen glücklich zu machen.
Ich möchte doch noch einmal mit meinen Augen durch das Altarbild von Rogier van der Weyden streifen: eine junge Frau - und ein Buch. Maria liest. Sie macht sich ein eigenes Bild von der Welt, von den Menschen, von Gott. Sie lässt sich nicht für dumm verkaufen. Sie prüft alles. Wort für Wort. Sie fragt auch, wie das alles gehen kann, was ihr zugemutet wird. Sie lässt nicht locker. Lange, bevor Frauen ihre Stärke entdeckten und ihren Platz in der Gesellschaft einforderten, ist Maria selbstbewusst, herausfordernd und kritisch zu vernehmen. Sie nimmt es mit Gott auf, weiß aber keinen anderen Rat als den, sich ihm zu öffnen. Indem sie ihn empfängt, macht sie sich und alle Geschlechter auf Erden glücklich.
Martin Luther hat 1535 ein Marienlied geschrieben. Im Hintergrund steht der große Kampf um das Kind, wie er in der Apokalypse beschrieben wird. Die ganze Welt hat sich gegen das Kind verschworen, böse Mächte trachten danach, es klein zu kriegen. Aber die Gewissheit, dass seine Herrschaft kein Ende haben wird, ist eine einzige und einzigartige Verführung zum Vertrauen:
Sie ist mir lieb, die werte Magd,
Und kann ihr nicht vergessen,
Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt,
Sie hat mein Herz besessen.
Ich bin ihr hold,
Und wenn ich sollt,
Groß Unglück han,
Da liegt nicht an.
Sie will mich des ergetzen
Mit ihrer Lieb und Treu an mir,
Die sie zu mir will setzen
Und tun all mein Begier.
Den Mut und das Vertrauen der Maria wünsche ich Ihnen am 4. Advent. Und sonst auch!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus, unserem Herrn.
Wir stehen unmittelbar vor dem Weihnachtsfest. Auch die Liturgie trifft die letzten Vorbereitungen für das große Fest. Sie stellt uns Maria vor, die bereit war, sich bedingungslos auf den Plan Gottes einzulassen. Sie war offen für das Wirken des Heiligen Geistes an ihr und durch sie.
Öffnen auch wir uns für sein kraftvolles Wirken.
Herr, Jesus Christus, du Sohn des Höchsten
wir erwarten deine Ankunft in unserer gegenwärtigen Welt.
Herr, erbarme dich.
Du bist der Heilige,
der die Welt mit dem Geist Gottes erfüllt.
Christus, erbarme dich.
Deine Herrschaft wird kein Ende haben.
Herr, erbarme dich.
Herr,
du weißt, wie oft wir unsere Herzen verschließen.
Wie oft wir nichts zu sagen wissen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du öffnest uns den Himmel.
Schuld vergibst du, die Angst überwindest du.
Christus, erbarme dich.
Herr,
alle Menschen sehnen sich nach Frieden.
Einer zerrissenen Welt schenkst du deine Verheißung.
Herr, erbarme dich.
Oder:
Kyrierufe GL 158: Tau aus Himmelshöhn
Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels
haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Adventsonntag
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Heiliger Gott.
Du bist unsagbar größer,
als wir Menschen begreifen,
du wohnst im unzugänglichen Licht,
und doch bist du uns nahe.
Gib, daß wir heute mit Ehrfurcht vor dir stehen
und froh werden in deiner Nähe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 4
Gott, du Herr der Welt,
du hast alle Dinge geschaffen und den Menschen geboten,
die Mühen der Arbeit auf sich zu nehmen.
Lass alles, was wir beginnen,
dem Wohl unserer Mitmenschen
und dem Wachstum des Reiches Jesu Christi dienen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Besondere Anliegen 25
Guter Gott und Vater, für dich ist nichts unmöglich.
Wir kommen mit unseren Bitten zu dir.
Wir bitten dich, bringe Frieden und Versöhnung allen Menschen im Nahen Osten.
Wir bitten dich um das Ende des Krieges in der Ukraine.
Wir bitten dich um Nahrung und Wasser für die hungernden Völker Afrikas.
Wir bitten dich um Einsicht in notwendige Maßnahmen gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen.
Wir bitten dich um Solidarität und gerechte Verteilung der Lebensgüter.
Wir bitten dich um Linderung der Not aller körperlich und seelischen Leidenden.
Wir bitten dich um ewiges Leben für alle unsere Verstorbenen.
Vater im Himmel, wir warten auf das Kommen deines Sohnes in unsere krisengeplagte Welt. Wir vertrauen darauf, dass er sie in eine gute Zukunft führt. – Amen.
Maria, sagt Ja zu dem, was sie vernommen hat: ein Kind, neues Leben in ihr aufzunehmen. Noch ahnt sie nicht, was alles auf sie zukommen wird. Ihr Vertrauen auf Gottes Gegenwart stärkt und begleitet sie.
Diesem Gott vertrauen auch wir, ihm wollen wir unsere Anliegen „an’s Herz“ legen.
Mit dem Blick auf Maria denken wir heute an Regierende, die mit Gewalt Schutz für ihre Staaten aufbauen. Mögen immer mehr politisch Verantwortliche die Strategie der Gewalt überdenken und Lösungen, die Leben nicht zerstören, anstreben.
Für die Politiker*innen bitten wir Gott.
Mit dem Blick auf Maria denken wir an die Verantwortlichen in der Kirche. Sie wissen um Ungerechtigkeiten und gefährdetem Leben. Mögen sie immer mehr dort hingehen, wo sie durch ihr Handeln Leben schützen können.
Für die die Verantwortlichen in unserer Kirche bitten wir Gott.
Mit dem Blick auf Maria denken wir heute an Frauen, die oft vielfacher Gewalt ausgesetzt sind, und beten: mögen sie Wege aus ihrem gewaltbeherrschenden Alltag und hilfreiche Menschen finden.
Für diese Frauen bitten wir Gott.
Mit dem Blick auf Maria denken wir heute an Kinder, deren fragiles, zerbrechliches Leben viel Schutz benötigt. Sie brauchen Menschen, die nicht wegschauen, sondern sich einsetzen für bedrohtes Leben.
Für diese Kinder bitten wir Gott.
Mit dem Blick auf Maria denken wir an unsere Verstorbenen. Maria schaut bereits Gottes Licht, so mögen auch unsere Verstorbenen dieses Licht schauen und in Gottes Reich geborgen sein.
Für unsere Verstorbenen bitten wir Gott.
Wo Gott und die Menschen, die ganz auf ihn vertrauen, der Verwundbarkeit von Leben in Hingabe begegnen, kann Leben in Fülle erblühen.
Das erhoffen wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Maria hat gesungen:
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!
Herr,
wir befehlen dir die Menschen, die verstummt sind,
denen kein Lied über die Lippen kommt,
die sich klein und niedergemacht fühlen.
Stecke sie mit einer Freude an,
die ein Lächeln übers Gesicht huschen lässt.
Wir rufen zu dir: Denk an dein Erbarmen.
Wir befehlen dir die Menschen,
die in ihren Herzen voll Hochmut sind,
Macht missbrauchen und über Leichen gehen.
Stecke ihnen heilsame Grenzen und Menschen,
die sich nicht einschüchtern lassen.
Wir rufen zu dir: Denk an dein Erbarmen.
Wir befehlen dir die Menschen, die fest im Sattel sitzen,
Verantwortung übernommen haben
und sich an Erfolgen messen lassen.
Stecke ihnen hohe Ziele, Menschen eine Zukunft zu geben.
Wir rufen zu dir: Denk an dein Erbarmen.
Wir befehlen dir die Menschen, die hungern,
die nicht genug zu essen haben für sich und ihre Kinder -
die sich nach Liebe sehnen,
nach einem guten Wort, einer Anerkennung.
Stecke in unsere Herzen die Setzlinge deiner Güte und Großzügigkeit.
Wir rufen zu dir: Denk an dein Erbarmen.
Wir befehlen dir die Menschen, die mit dem Tod kämpfen,
die mit ihm allein gelassen sind,
die ohne Gruß gehen mussten.
Stecke ihnen die Krone auf, die sie erhöht.
Wir rufen zu dir: Denk an dein Erbarmen.
Maria singt:
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern und Müttern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Herr, unser Gott,
dein eingeborener Sohn komme uns zu Hilfe
in seiner großen Liebe zu uns.
Seine Geburt hat die Jungfräulichkeit der Mutter
nicht gemindert, sondern geheiligt.
Durch seine Menschwerdung heilige auch uns:
Nimm von uns alle Schuld
und mache dir unsere Gabe wohlgefällig.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen 1
Kehrvers:
Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.
Guter und treuer Gott,
wir bringen Dir unseren Lobpreis dar.
Wir haben allen Grund, Dir zu danken.
Denn Du hast Deinem Volk ein Zeichen gegeben,
dass Du der treue Gott bist, der die Seinen nicht vergisst.
Kehrvers
An der Jungfrau Maria hast du deinen Willen gezeigt,
das Heil zu wirken, wo Menschen dies für unmöglich halten.
Du hast sie erwählt, die Mutter Deines Sohnes zu werden.
Kehrvers
Vom Heiligen Geist hat sie den empfangen,
der die ganze Menschheit gerettet und erlöst hat
und dessen Herrschaft kein Ende hat.
Maria hat dir vertraut und zu deinem Willen ja gesagt.
Kehrvers
Darum preisen wir Dich mit allen Engeln.
und mit allen, die sich durch die Annahme deiner Frohen Botschaft
haben heiligen lassen.
Mit ihnen und der ganzen Schöpfung singen wir Dir unser Lob:
Danklied, z. B. Den Herren will ich loben… (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken
und dich am Fest (Gedenktag)
der seligen Jungfrau Maria zu preisen.
(In Votivmessen:
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken,
weil du Großes getan hast
an der seligen Jungfrau Maria.)
Vom Heiligen Geist überschattet,
hat sie deinen eingeborenen Sohn empfangen
und im Glanz unversehrter Jungfräulichkeit
der Welt das ewige Licht geboren,
unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben die Engel deine Herrlichkeit,
beten dich an die Mächte, erbeben die Gewalten.
Die Himmel und die himmlischen Kräfte
und die seligen Serafim feiern dich jubelnd im Chore.
Mit ihrem Lobgesang
laß auch unsere Stimmen sich vereinen
und voll Ehrfurcht rufen:
Heilig ...
MB Maria 1
Gott hat uns eine tiefe Sehnsucht ins Herz gelegt. Eine Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach gelingenden, glückenden Beziehungen. Es ist die Sehnsucht nach Seinem Reich.
Dass dieses Reich Gottes komme, darum beten wir mit den Worten Jesu:
Zum Friedensgebet:
In seinem Sohn, den die Propheten verheißen haben, schenkt Gott der Welt seinen Frieden; einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann.
Deshalb bitten wir:
oder:
Weihnachten, das Fest des Friedens und der Versöhnung steht unmittelbar vor der Tür.
So wollen auch wir um Versöhnung bitten und dem Frieden die Tür öffnen,
indem wir bitten:
warten
worauf
auf wen?
warten und sich öffnen
für das Unerwartete
das nicht Vorstellbare
das unbegreiflich Große
Gott will kommen
zu den Menschen
zu uns
Er schickt seinen Engel
auch heute
um uns
zu sagen:
euer Warten hat bald ein Ende
öffnet euch
sagt ja
und
fürchtet euch nicht
Allmächtiger Gott,
du hast uns in diesem Mahl das Heil zugesagt
und uns schon jetzt Anteil daran gegeben.
Lass uns das Kommen deines Sohnes in Freude erwarten
und mache uns umso eifriger in deinem Dienst,
je näher das Fest seiner Geburt heranrückt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Adventsonntag
Der Koran weiß vieles über Maria und Jesus zu sagen. Katrin Visse und Aydın Süer werfen ausgehend von einem neuen Song des Künstlers Yusuf (Cat Stevens) „Son of Mary“ einen Blick auf die koranische Überlieferung.
Der britische Sänger und Komponist Yusuf wurde seit den 1960er Jahren unter dem Namen Cat Stevens weltweit bekannt. 1977 konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Yusuf an. Auf seinem neuen Album „King of Land“ gibt es einen bemerkenswerten Song: Son of Mary. Darin zitiert er teilweise wörtlich die koranische Überlieferung zu den Figuren Jesus und Maria. Für alle, die immer schon wissen wollten, wie Musliminnen und Muslime Maria und Jesus glauben: Hier findet sich – in musikalischer Form – koranische Mariologie und Christologie „in a nutshell“. Schon der Titel greift auf, wer Jesus im Koran ist: Mariens Sohn – ein Mensch.
Ganzer Beitrag:
https://www.feinschwarz.net/son-of-mary-muslimisch-christlich-gehoert/
Katrin Visse auf feinscharz.net am 11. Dezember 2023.
«Wir sind in Geschichten verstrickt» – so erklären Philosophen wie Paul Ricœur oder Wilhelm Schapp Menschsein, menschliche Identität und die Prozesse der Sinnbildung. Wir leben in und aus Geschichten, und zwar in Form von wirklich erzählten und gehörten Geschichten, aber auch durch die narrative Tiefenstruktur von Alltag und Praxis selbst. Aufnehmend und empfangend, reagierend, Empfangenes verarbeitend und weitergehend – so bildet sich heraus, wie wir uns selbst sehen und verstehen, was wir tun und denken und wie wir diese Welt gestalten können.
Solche grundständige Narrativität ist immer leibhaft-körperlich. Manche sprechen von der «Geschichtenkonfiguration des Leibkörpers». Gemeint ist: Nur weil wir Leib sind, können wir überhaupt Teil und Mitwebende des narrativen Textes sein, der die Wirklichkeit ausmacht. Der Leib und seine Sinne verbinden uns mit denen vor uns (Erinnerung und Gedächtnis), denen mit uns (Sprache und Kommunikation) und denen nach uns (als «fehlende» Körper, die Spuren hinterlassen). Spracherwerb, kommunikative Praxis und Narrativität sind per se auf Gemeinschaft angewiesen: Das Miteinandersein und der Austausch mit anderen sind der Modus, in dem überhaupt Sinn und (auch moralisch-ethische) Identität wachsen können. In Geschichten verstrickt zu sein bedeutet: sich der anderen nicht entledigen zu können, mit ihnen zu sein, auf sie verwiesen zu sein. Die anderen «sind» Geschichte, indem wir mit ihnen sind. Und zugleich setzen wir uns Geschichten aus, die uns prägen. Wir können mitentscheiden, welche Geschichten das sind.
Ganzer Beitrag:
Daniel Bogner auf feinscharz.net am 6. Dezember 2023
https://www.feinschwarz.net/in-geschichten-verstrickt-kirche-als-thema-der-theologie/
in der Sicherheit des Elternhauses
bei sich –
wahrscheinlich ohne große Erwartung
die Hände
einfach mal
in den Schoß legen
einfach da sein
ganz still
BEI-SICH-SEIN
Maria
noch wohl behütet
fast wie ein unberührtes Land
Maria
so bei sich
dass sie
den Engel
erahnen kann
noch ehe sie ihn
im Licht sieht
nicht Maria macht den Anfang
Gott tritt -
in der Gestalt des Engels -
zu ihr
Gott möchte sie gerne in
AN-SPRUCH nehmen
möchte sie begeistern -
begeistern für die Idee
dass ER Mensch werden kann
dass ER Mensch werden will
und sie
sie ist ganz auf Empfang
da stört kein Handy
kein Lauf des Fernsehers
kein Gedudel aus dem Radio
kein Computer
da ist dieses Mädchen
ganz „inne“
auf Empfang
mit allen Sinnen empfänglich
sie wird
ganz Ohr
fast könnte man sagen
so wird sie
hell-sichtig
ja -
durch den Engel
kommt die Klarheit Gottes
zu ihr
„sei gegrüßt du Begnadete –
der Herr ist mit dir“
hallo
da kann man doch nur erschrecken
Begnadete –
das heißt
in besonderer Gnade Stehende -
sie?
das kleine Mädchen aus Nazareth
das kleine Mädchen vom Land
doch sie
sie bleibt auch in der Furcht
auf Empfang
hört den Zuspruch
dass sie sich nicht fürchten muss
meldet ihre Zweifel an
darf Gott anfragen
darf fragen
wie das denn wohl geschehen soll
und antwortet dann
klar und deutlich
„siehe
ich bin die Magd des Herrn -
mir geschehe -
so wie Gott es will -
wie du es gesagt hast“ –
damit sendet sie -
das Entgegenkommen Gottes annehmend -
zurück
gibt ihr Einverständnis
in das
was doch eigentlich
unbegreiflich ist
sie lässt Gott nicht im Regen stehen
sondern
sie stellt sich der Herausforderung
dass Gott
Mensch werden will
Erahnt wohl
WARUM
Gott
Mensch werden will
damit wir endlich
ganz Mensch
werden
und so nimmt
sie -
das unscheinbare Mädchen aus Nazareth -
den von Gott
bestimmten Weg
an
lässt
Gottes Wort
in Jesus
Mensch werden
geht den ihr bestimmten Weg mit
durch Freude und Schmerz
bis unter das Kreuz
und erfährt
dass in Gott
sich alles erlöst
alles auf-ersteht
alles immer wieder
eine neue
Hoffnung hat
Beatrix Senft 2023.
Es wird ein Engel zu dir gesandt,
um dich durchs Leben zu begleiten.
Er nimmt dich liebend an der Hand
und bleibt bei dir zu allen Zeiten.
Er kennt den Weg, den du zu gehen hast,
und trägt mit dir der Erde Leid und Last.
Es wird ein Engel dir gesandt,
dem sollst du dich anvertrauen.
Auf ihn sollst du stets und unverwandt
das Auge deiner Seele schauen.
Er trägt zu deinem Schutz das Schwert des Herrn
und ist dir nie mit seiner Hilfe fern.
Es wird ein Engel dir gesandt,
dem sollst du niemals widerstreben,
und hast du ihn vielleicht verkannt,
so zwing ihn nicht, dich aufzugeben,
denn bautest du auf deine Kraft allein,
es würde nur zu deinem Unglück sein.
Aus: Ein kleiner Gruß vom Himmel. Humorvolle Engelgeschichten. Bennoverlag, Leipzig 2012.
zu den Ereignissen,
die deine Pläne durchkreuzen;
die deine ursprünglichen Träume
wie Seifenblasen zerplatzen lassen;
die deinem Lebensweg
eine ungeahnte Richtung geben.
Vielleicht sind diese
überraschenden Wendungen
nicht so zufällig, wie du denkst.
Vielleicht ist da einer,
der mit dir etwas vorhat,
was du dir vorher nicht hättest vorstellen können.
Wage das Neue,
sei experimentierfreudig,
lass dich auf das Wagnis ein
und gestehe Gott die Freiheit zu,
dein Leben zu durchkreuzen.
Er meint es gut mit dir!
Aus: Bruno Griemens, online to he@ven. Jugendgebete. Verlag Haus Altenberg / Butzon & Bercker, Kevelaer 2012 (2009).
Ein Anruf für Sie, sagt
die Kollegin fassungslos
zu mir herüber: Wenn ich
recht verstanden habe,
aus dem Paradies. -
Hörst du mich, so tönt es
leise aus der Muschel,
hast du mich noch lieb?
Und ob, sage ich, sehr,
gib Acht auf deine Flügel!
Die Kollegin schaut entgeistert.
Es war mein Engel, sage ich.
Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag 2006.
Einer wird kommen,
der die Knoten deines Lebens
auflöst,
der den roten Faden findet,
der aus dem Labyrinth
hinaus führt,
der deine schmerzenden Glieder
berührt,
der deine Verletzungen
heilt.
Und du wirst staunen -
ER kommt nicht als Held.
Als kleines Kind
wird ER kommen,
mit einem Lächeln
voll Wärme,
das alles in dir
zerfließen lässt,
mit einem Strahlen,
das Glanz in dein Leben bringt,
mit einem Lachen,
das dich vergessen lässt,
was einmal war.
Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. Gedichte und Gebete. Edition Club d' Art. Hrsg. Präsid. Olga Elisabeth Jagoutz, Sonnengasse 16, Klagenfurt, Österreich.
Ein winziges Rädchen sein
im Laufrad der Geschichte.
Auf dem Platz ausharren,
wo Gott dich hingestellt hat,
deinen Dienst tun,
unermüdlich in Treue und Liebe,
bei den Menschen bleiben,
für die du verantwortlich bist.
Dich anpassen,
stolz und demütig zugleich,
Lebens Spenderin sein
für Alt und Jung.
Gottes Willen erfüllen,
Seine Pläne erahnen,
die ER -
in weiser Voraussicht -
vor ewigen Zeiten
für dich vorgesehen hat.
Aus: Ilse Pauls, Geschenkte Stunden. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag (2007), A-8852 Stolzalpe 70.
1. Mein Seel, o Herr, muß loben dich,
du bist mein Heil, des freu ich mich,
daß du nicht fragst nach weltlich Pracht
und hast mich Arme nicht veracht'
2. und angesehn mein Niedrigkeit.
Des wird von nun an weit und breit
mich selig preisen jedermann,
weil du groß Ding an mir getan.
3. Du bist auch mächtig, lieber Herr,
dein große Macht stirbt nimmermehr;
dein Nam ist alles Rühmens wert,
drum man dich willig preist und ehrt.
4. Du bist barmherzig insgemein
dem, der dich herzlich fürcht' allein,
und hilfst dem Armen immerdar,
wenn er muß leiden groß Gefahr.
5. Der Menschen Hoffart muß vergehn,
mag nicht vor deiner Hand bestehn;
wer sich verläßt auf seine Pracht,
dem hast du bald ein End gemacht.
6. Du machst zunicht der Menschen Rat,
das sind, Herr, deine Wundertat';
was sie gedenken wider dich,
das geht doch allzeit hinter sich.
7. Wer niedrig ist und klein geacht',
an dem übst du dein göttlich Macht
und machst ihn einem Fürsten gleich,
die Reichen arm, die Armen reich.
8. Das tust du, Herr, zu dieser Zeit,
gedenkest der Barmherzigkeit;
Israel willst du Hilfe tun
durch deinen auserwählten Sohn.
9. Wir haben's nicht verdient um dich,
daß du mit uns fährst gnädiglich;
zu unsern Vätern ist geschehn
ein Wort, das hast du angesehn.
10. Auch Abraham hast du geschworn,
daß wir nicht sollten sein verlorn,
uns zugesagt das Himmelreich
und unsern Kindern ewiglich.
11. Gott Vater und dem ein'gen Sohn,
dem Heilgen Geist in einem Thron
sei Ehr und Preis von uns bereit'
von nun an bis in Ewigkeit.
Erasmus Alber (um 1500-1553), in: EG 309.
[HTML] 1. Hoch hebt den Herrn mein Herz und meine Seele,
den großen Gott, dem ich mein Heil befehle.
Daß er mein Heiland ist, frohlockt mein Geist,
der seinen Gott, den Herrn und Retter, preist.
2. Er hat auf meine Niedrigkeit gesehen,
und große Dinge sind an mir geschehen.
Barmherzig ist er jeglichem Geschlecht,
wo Furcht des Herrn bewahrt sein heilig Recht.
3. Gewaltige stößt er von ihren Thronen;
wer niedrig stand, darf hoch in Ehren wohnen.
Die Reichen läßt er leer im Überfluß,
macht Arme reich, macht satt, wer darben muß.
4. Er denkt wohl der Barmherzigkeit und Güte,
daß er die Seinen väterlich behüte.
Wie er verhieß: sein Volk, sein Eigentum
bleibt ewiglich zu seines Namens Ruhm.
Fritz Enderlin 1952, in: EG 309.
[HTML] Sie kam den Hang herauf, schon schwer, fast ohne
an Trost zu glauben, Hoffnung oder Rat;
doch da die hohe tragende Matrone
ihr ernst und stolz entgegentrat
und alles wußte ohne ihr Vertrauen,
da war sie plötzlich an ihr ausgeruht;
vorsichtig hielten sich die vollen Frauen,
bis dass die junge sprach: mir ist zumut,
als wär ich, Liebe, von nun an für immer.
Gott schüttet in der Reichen Eitelkeit
fast ohne hinzusehen ihren Schimmer;
doch sorgsam sucht er sich ein Frauenzimmer
und füllt sie an mit seiner fernsten Zeit.
Dass er mich fand. Bedenk nur; und Befehle
um meinetwillen gab von Stern zu Stern - .
Verherrliche und hebe, meine Seele,
so hoch du kannst: den HERRN.
Rainer Maria Rilke, Magnificat (1908), in: ders., Die Gedichte, itb 2246, Frankfurt: Insel 1998.
Im Rhein, im schönen Strome,
Da spiegelt sich in den Welln,
Mit seinem große Dome,
Das Große, heilige Köln.
Im Dom da steht ein Bildnis,
Auf goldenem Leder gemalt;
In meines Lebens Wildnis
Hats freundlich hineingestrahlt.
Es schweben Blumen und Englein
Um unsere liebe Frau;
Die Augen, die Lippen, die Wänglein,
Die gleichen der Liebsten genau.
Heinrich Heine, Aus der Sammlung "Tragödien, nebst einem lyrischen Intermezzo" (1823) in: Ders., Sämtliche Gedichte, hrsg. Klaus Briegleb, Frankfurt: Insel 2005.
später viel später
blickte maria
ratlos von den altären
auf die sie
gestellt worden war
und sie glaubte
an eine verwechslung
als sie
- die vielfache mutter -
zur jungfrau
hochgelobt wurde
und sie bangte
um ihren verstand
als immer mehr leute
auf die knie fielen
vor ihr
und angst
zerpresste ihr herz
je inniger sie
- eine machtlose frau -
angefleht wurde
um hilfe und wunder
am tiefsten
verstörte sie aber
der blasphemische kniefall
von potentaten und schergen
gegen die sie doch einst
gesungen hatte voll hoffnung
Kurt Marti, ohne Quellenangabe.
1. Das Volk, das noch im Finstern wandelt -
bald sieht es Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel dein Gesicht
und steh und lausche, weil Gott handelt.
2. Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen,
wo Tod den schwarzen Schatten wirft:
Schon hört ihr Gottes Schritt, ihr dürft
euch jetzt nicht mehr verlassen wähnen.
3. Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen,
nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit,
weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.
4. Die Liebe geht nicht mehr verloren.
Das Unrecht stürzt in vollem Lauf.
Der Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf
und ruft: »Uns ist ein Kind geboren!«
5. Man singt: »Ein Sohn ist uns gegeben,
Sohn Gottes, der das Zepter hält,
der gute Hirt, das Licht der Welt,
der Weg, die Wahrheit und das Leben.«
6. Noch andre Namen wird er führen:
Er heißt Gottheld und Wunderrat
und Vater aller Ewigkeit.
Der Friedefürst wird uns regieren!
7. Dann wird die arme Erde allen
ein Land voll Milch und Honig sein.
Das Kind zieht als ein König ein,
und Davids Thron wird niemals fallen.
8. Dann stehen Mensch und Mensch zusammen
vor eines Herren Angesicht,
und alle, alle schaun ins Licht,
und er kennt jedermann mit Namen.
Jürgen Henkys (1981) nach dem niederländischen "Het volk dat wandelt in het duister" van Jan Willem Schulte Nordholt 1959, in: EG 20.
Wach auf,
wach auf
und höre mich
ich bin in Dir mein Gott
wach auf
und hör mich an
ich bin allein mit Dir
verbrannt zu Asche längst
und tot im Stein
der mir kein Feuer schlägt
wach auf
und hör mich an mein Gott
ich bin vor Frost schon müd
und traurig
weil mein Tag verblüht
und nicht mehr wieder kommt
was war
o Herr
mich friert
mein Schmerz ist ohne End
mein Tod kommt bald
zu mir
Thomas Bernhard, Gesammelte Gedichte, stb 2262, Frankfurt: Suhrkamp 1993.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Die Verfasser der beiden Samuelbücher waren Jerusalemer Hofbeamte und Priester, die Jerusalem als den von Gott für das Königtum erwälten Platz angesehen haben. Der Beginn der Abfassung der Samuelbücher liegt wahrscheinlich zu Ende der Königszeit. In ihrer heutigen Gestalt stammen die Texte aus der exilisch-nachexilischen Zeit.
Nach dem Verlust des Königtums setzte man die Erwartungen auf einen von Gott verheißenen Heilskönig. Dieser sollte aus dem Hause David stammen und seine Dynastie unvergänglich sein (vgl. 2 Sam 7). Diese Idee eines davidischen Königtums wird besonders von den messianischen Strömungen des Judentums weitergetragen (vgl. dazu beispielsweise folgende Texte: Jes 7,10-16; 8,23-9:6; 11,1-5; Mi 5,1-5; Ps 2; 89; 110; 130), in hasmonäischer Zeit wieder realisiert und später auch im Neuen Testament aufgegriffen.
Das 2. Samuelbuch bildet zusammen mit 1 Sam eine Einheit. Dieses 2. Buch hat insbesondere das Königtum Davids zum Thema. Ihre Fortsetzung finden diese beiden Bücher über die Geschichte Israels in den Königsbüchern.