Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Siehe, der HERR hat es bekannt gemacht bis ans Ende der Erde.
Sagt der Tochter Zion:
Siehe, deine Rettung kommt.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag
geht vor ihm her!
Dann wird man sie nennen "Heiliges Volk",
"Erlöste des HERRN."
Und du wirst genannt werden:
"Begehrte, nicht mehr verlassene Stadt."
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Ein Licht strahlt heute über uns auf:
geboren ist Christus, der Herr. – Kv
(oder GL 635,4)
Der HERR ist König. Es juble die Erde!
Freuen sollen sich die vielen Inseln.
Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel,
seine Herrlichkeit schauen alle Völker. - Kv
Licht wird ausgesät für den Gerechten,
Freude für die, die geraden Herzens sind.
Freut euch am HERRN, ihr Gerechten,
dankt seinem heiligen Namen! - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an Titus.
Als aber die Güte
und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien,
hat er uns gerettet
- nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit,
die wir vollbracht haben,
sondern nach seinem Erbarmen -
durch das Bad der Wiedergeburt
und die Erneuerung im Heiligen Geist.
Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen
durch Jesus Christus, unseren Retter,
damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden
und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die ausgewählten Verse aus dem Titusbrief möchten die Lebensordnungen, die in diesem Brief mitgeteilt werden, theologisch begründen. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist und durch die wir gerettet sind, ist Richtschnur des menschlichen Verhaltens. Wie wir die Rettung nicht durch Verdienste erworben haben, sollen wir gütig und menschenfreundlich zu allen Menschen sein.
Halleluja. Halleluja.
Ehre sei Gott in der Höhe,
und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Als die Engel von den Hirten
in den Himmel zurückgekehrt waren,
sagten die Hirten zueinander:
Lasst uns nach Betlehem gehen,
um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat!
So eilten sie hin
und fanden Maria und Josef
und das Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen,
erzählten sie von dem Wort,
das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten,
staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.
Maria aber
bewahrte alle diese Worte
und erwog sie in ihrem Herzen.
Die Hirten kehrten zurück,
rühmten Gott
und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten,
so wie es ihnen gesagt worden war.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Abschnitt der lukanischen Kindheitsgeschichten stellt vor, wie Menschen Zugang zum Mysterium der Geburt Jesu finden können: Die Hirten hören und erzählen weiter und kommen so zum Glauben. Dieser findet Ausdruck im Lobpreis Gottes - wie in der Christengemeinde, in der diese Erzählung überliefert wird. Maria bewahrt und bewegt, was an ihr geschehen ist, was sie selbst erlebt, gehört und gesehen hat, in ihrem Herzen und erkennt darin das Wirken und Erscheinen Gottes.
Die Hirten finden die Offenbarung Gottes im angegebenen Zeichen bestätigt. Sie verkünden Maria und Josef und den Menschen, was ihnen selber verkündet worden ist. Die Frucht dieser Verkündigung ist Verwunderung. Wer die Offenbarung des Göttlichen erlebt, wundert sich, sei es, dass er gläubig und ehrfurchtsvoll staunt, sei es, dass er ahnungsvoll bewundert oder auch kritisch und verständnislos ablehnt. Wer staunt, hat den Anstoß zum Glauben erhalten; der Glaube selbst bleibt eine persönliche Entscheidung. Maria staunt nicht nur, sondern sie "bewahrte... alles in ihrem Herzen". Sie wird immer wieder Neues über ihr Kind hören und es glaubend zusammenfügen. So wird sie zum Urbild aller Glaubenden und dadurch zum Urbild der Kirche.
Die Hirten aber "rühmten Gott und priesen ihn", als sie zurückkehrten. Diese Verherrlichung Gottes zieht sich wie ein Faden durch das ganze Evangelium des Lukas. Die Hirten sind die ersten Augenzeugen und Verkünder der Frohbotschaft.
Jesus wurde durch seine Geburt in die Ordnung des Alten Bundes hineingeboren und in die Verpflichtung des damit einhergehenden Gesetzes. Daher auch die Beschneidung am achten Tag, die als ein Zeichen des Bundes und ein Kennzeichen des Gottesvolkes ist. Mit der Beschneidung ist die Namensgebung verbunden. Dieser Name, von Gott selbst bestimmt und Maria und Josef durch den Engel mitgeteilt, ist Jesus und deutet inhaltlich an, was er sein wird: Gott ist der Retter, der in Jesus das Heil bringt.
Im Gegensatz zur Beschneidung und Namensgebung Johannes des Täufers (Lk 1,59ff.) wird die Beschneidung bei Jesus nur "nebenbei" erwähnt. Viel wichtiger erscheint dem Evangelisten die Namensgebung, denn Gott selbst hat dem Kind seinen Namen, Sendung und Auftrag gegeben - nicht Josef oder Maria bestimmen seinen Lebensweg!
"Jesus" ist die griechische Schreibform des hebräischen Jeschuah (Spätform von Jehoschua, was "JHWH ist Hilfe" bedeutet). Im Prinzip ist der Name Jesus ein zu damaliger Zeit recht gebräuchlicher jüdischer Name und Gott wird somit bei seiner Menschwerdung den Menschen auch in diesem gleich.
Die Beschneidung ist ein Zeichen des Bundes, der Zugehörigkeit zu JHWH (vgl. hierzu: Gen 17,23ff.; Ex 4,25), der Zugehörigkeit zu Israel (Ex 12,48; Röm 4,11), ist Erinnerungszeichen an die Verpflichtung des Bundes (Dtn 30,6; Jer 4,4; Ez 44,7; Gal 5,3) und Zeichen der Unterscheidung von anderen Völkern (Ri 14,3; 1 Sam 14,6; 2 Sam 1,20).
Die Beschneidung wurde vom Gesetz her auf den achten Tag nach der Geburt festgelegt und zumeist vom Vater vollzogen. In neutestamentlicher Zeit wurde damit auch die Namensgebung verbunden.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Als Christus geboren wurde,
lagerten in dieser Gegend Hirten auf freiem Feld
und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen
und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie
und sie fürchteten sich sehr.
Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht,
denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude,
die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Christus, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen:
Ihr werdet ein Kind finden,
das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer,
das Gott lobte
und sprach:
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
den Menschen seines Wohlgefallens.
Und es geschah,
als die Engel von ihnen
in den Himmel zurückgekehrt waren,
sagten die Hirten zueinander:
Lasst uns nach Betlehem gehen,
um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat!
So eilten sie hin
und fanden Maria und Josef
und das Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen,
erzählten sie von dem Wort,
das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten,
staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.
Maria aber
bewahrte alle diese Worte
und erwog sie in ihrem Herzen.
Die Hirten kehrten zurück,
rühmten Gott
und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten,
so wie es ihnen gesagt worden war.
Die Erzählung des Evangelisten Lukas von der Geburt Jesu enthält so viel Außergewöhnliches, dass wir uns fragen müssen, was will er uns damit sagen. Wenn wir uns wie die Hirten, wie Maria und Josef uns vom Wunder des Lebens berühren lassen, kann dies auch uns zur tieferen Einsicht dessen führen, was sich damals ereignet hat.
Es gibt Momente im Leben, da haben wir den Eindruck, dass für einen Augenblick die ganze Welt den Atmen anhält. Eine Frau erzählte einmal in einem kleinen vertrauen Gesprächskreis von einem solchen Erlebnis, als sie bei der Geburt ihres ersten Kindes zutiefst innerlich berührt war und ihr bewusst wurde, wie tief sie in diesem Moment mit dem Geheimnis des Lebens und dem Wunder der Schöpfung in Berührung gekommen war.
Für die betroffene Mutter und eventuell auch einen Vater kann ich mir eine so intensive Erfahrung gut vorstellen. Für Außenstehende hält die Welt jedoch nicht den Atem an, sie dreht sich weiter… Statistisch betrachtet werden weltweit jede Minute 150 Menschenkinder geboren.
Im Evangelium haben wir heute den Bericht des Evangelisten Lukas von der Geburt Jesu in Betlehem gehört. Uns allen ist diese Erzählung vertraut und vielen Menschen ans Herz gewachsen. Jedoch fragen wir uns: Hat damals wirklich die Welt den Atem angehalten? Haben wirklich Engel das "Gloria" gesungen und den Hirten die freudige Nachricht von der Geburt des Retters der Welt, des verheißenen Messias überbracht? Was ist davon zu halten? Was der Evangelist über die Fakten der Geburt berichtet, ist eher nüchtern und sachlich mit ein paar Worten formuliert: "Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war." (Lk 2,7).
Für mich ist jedoch schlüssig, dass für Christen, die Jesus als außergewöhnlichen Menschen erlebt haben und in ihm den langersehnten Messias und Sohn Gottes erkannt haben, beim Gedanken an seine Geburt "die Welt stehen geblieben und den Atmen angehalten hat". Aus dem Nachsinnen über die alten heiligen Schriften und die dort enthaltenen Verheißungen, die im Volk erzählt wurden, haben sie erkannt, was sich in diesem Geschehen wirklich ereignet hat. Dass sich die Welt jedoch wie bei jeder anderen Geburt weitergedreht hat, ist für diese ihre Erkenntnis kein Hindernis.
Die Schilderung des Evangelisten lässt es aber damit nicht bewenden. Er erzählt von Hirten, wie sie hineilten und Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag, fanden.
Hirten damals waren Menschen, die mit den Vorgängen des Lebens, mit Geburt, Heranwachsen, Freuden und Leiden, Krankheiten und Tod bei Menschen und Tieren vertraut waren. Manche von ihnen werden in all diesen Lebensvorgängen auch das Wirken Gottes gesucht und erkannt haben. Und nun stehen sie staunend vor diesem neugeborenen Kind und dessen Eltern und sind innerlich berührt von diesem Geheimnis des Lebens und erkennen darin das Wirken Gottes, das Kind als Geschenk Gottes.
Die Hirten, aber auch Maria und Josef zeigen uns, wie auch wir uns vom Geheimnis des Lebens und dem darin verborgenen Wirken Gottes berühren lassen können, wenn wir im Geiste vor das Kind in der Krippe hintreten und staunend darüber nachsinnen, was sich da über eine menschliche Geburt hinaus ereignet hat. Auf diese Weise können auch wir zur Einsicht gelangen: In diesem gewöhnlichen und zugleich außergewöhnlichen Menschen Jesus ist uns die "Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschienen" (Tit 3,4) bzw. "Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten" (Tit 2,11), wie es der Brief Apostels Paulus an Titus formuliert.
Viele von uns Heutigen haben verlernt oder nie gelernt, hinter Fakten zu schauen. In unserer modernen Welt zählt nur das Faktische. Und wir haben einen gewissen Eifer entwickelt, möglichst viele Fakten zu sammeln. Welche tieferen Wahrheiten und Geheimnis sich in den Fakten und hinter den Fakten verbergen, können all jene entdecken, die versuchen, dahinter zu schauen, um die darin verborgenen tieferen Bedeutungen zu erkennen und zu begreifen.
Weihnachten und die Tage davor und danach sind für viele eine Art Auszeit, in der sie Dinge tun, für die in der Tretmühle des Alltags wenig Platz ist. Diese Auszeit zu nützen, sich von Begegnungen mit Menschen und mit religiösen Riten innerlich berühren zu lassen und die darin enthaltenen Botschaften des Glaubens in unserem Herzen zu erwägen, wie es uns von Maria berichtet wird, ist das Weihnachtsgeschenk unserer christlichen Überlieferung.
Viele Menschen feiern Weihnachten - auch religiös Ungebundene. Der kleinste gemeinsame Nenner des allgemeinen Feierns ist wohl Weihnachten als Fest der Liebe. Wie auch immer Menschen damit umgehen, es ist darin schon der Kern des Weihnachtsgeheimnisses enthalten: In den kleinsten Spuren der Liebe können wir die fleischgewordene Liebe Gottes entdecken.
Wenn ich in den zugesandten Werbeprospekten und auch Rezeptheften blättere: Weihnachten ist das Fest der Liebe. Dieser Inhalt bleibt und wird allenthalben vermittelt, auch wenn von der Geburt des Christkindes überhaupt keine Rede mehr ist.
Liebe – darauf können wir uns offenbar noch alle einigen, egal welcher, egal ob überhaupt einer Religion zugehörig. Liebe – wünschen wir uns, dass sie spürbar ist in den Feierstunden zu Hause, in der Zeit, die wir füreinander erübrigen, in den Telefonaten und Grußkarten, in den Geschenken, die wir für einander aussuchen.
Liebe: etwas, das einen heiligen Kern hat, das uns untereinander verbindet, das wir uns so füreinander wünschen, das auch im Streit manchmal noch durchblitzt. Liebe: etwas, das hoffentlich am Beginn menschlichen Lebens stand, und das ein wesentliches Lebenselixier ist.
Und doch will ich für uns alle – für diese weihnachtliche Feiergemeinschaft – die Liebe, diese immense Kraft, mit der Botschaft des Christuskindes verbinden.
Wenn ich es mir einfach mache, sage ich „Gott ist die Liebe“. Oder ich sage „die Liebe ist göttlich“. So erfahren wir es in den biblischen Schriften, in den beschriebenen Personen, in dem was Jesus – als ganz mit Gott verbundener – sagt und tut. Dass in Momenten der Liebe, Hingabe und Zuwendung Gott – oder etwas, das uns selber übersteigt – spürbar ist, diese Erfahrungen können wir machen. Abgesehen von solchen Erfahrungen ist es doch auch eine philosophische Erkenntnis.
Wenn ich genauer auf diese Weihnachtsgeschichte hinschaue, dann überrascht mich, wie sich denn diese Liebe in nicht ganz erwartbaren Details äußert:
Liebe als Solidarität in mühsamen Umständen: Hochschwanger mit dem Mann zu Fuß in eine fremde Stadt reisen (selbst ein Ritt auf einem Esel muss anstrengend gewesen sein), und dort keine passende Unterkunft finden zur Geburt. Josef und Maria stehen das gemeinsam durch.
Liebe als Bevorzugung von Menschen am Rand der Gesellschaft: die Hirten – Menschen, die im Freien bei Tieren schlafen, die umherziehen und einen schlechten Ruf haben, erhalten als erste die Botschaft, dass der Retter geboren ist. Sie sind es, die – nach den Engeln – selber diese Botschaft weitertragen und Erstaunen auslösen.
Liebe, die Anerkennung bringt.
Liebe als Aufmerksamkeit für das Kleine, Unscheinbare, Vernachlässigte. Es ist der Blick auf die Gewöhnlichkeit im Leben, auf das Schadhafte und Mangelhafte, das doch die Basis des Lebens ist, das bei genauem Blick Wunder in sich trägt. Eine Spiegelung im Wasser, Raureif der verzaubert, ein rostiges Dekorationsstück im Garten. Es ist eine Liebe, die sich ganz hinunterbeugt, in die sprichwörtlichen Niederungen des Lebens und der Existenz.
Liebe ist nicht immer groß, nicht immer eine perfekte Hochzeit, eine strahlende Familie, das tolle Geschenk, das rundum gelungene Weihnachtsfest.
Liebe kommt auch unscheinbar daher, manchmal versteckt: in der Unterstützung füreinander, in einem zubereiteten Mittagessen, in einer WhatsApp-Nachricht, in einer leisen Entschuldigung…
Die Geburt Jesu war auch nur für manche Menschen ein bedeutungsschwerer Tag – aber dieser Jesus wuchs heran, wurde erwachsen und eine markante Persönlichkeit für die Menschen in seinem Land. Die Liebe Gottes kam in Jesus nicht mit Zuckerguss und Weichzeichner, nicht mit Wellness und "Wolke Sieben" daher.
Die Liebe Gottes hat mit Jesu Geburt Hand und Fuß, ein prägnantes Gesicht bekommen. Wenn wir diese Liebe Gottes in unseren Alltäglichkeiten und kleinen Angelegenheiten des Lebens entdecken und leben, dann machen wir selber Weihnachten wahr.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels – St. Franziskus
Der Gottesdienst am Morgen des Weihnachtsfestes stellt die Hirten in die Mitte. Sie sind die Ersten, denen Gott die Frohe Botschaft mittteilen lässt. Sie sind bereit zu hören, sie verstehen und geben die Frohe Botschaft weiter. Sie bereiten so dem Guten Hirten Jesus den Weg. Wir sind gerufen, ihrem Beispiel zu folgen.
An diesem Weihnachtsmorgen, wenden wir uns einer ganz besonderen Personengruppe der Weihnachtsgeschichte zu: den Hirten. Wir hören im Lukasevangelium, dass die Engel den Hirten auf dem Feld die frohe Botschaft von der Geburt des Erlösers überbrachten. Diese einfache, aber tiefgehende Szene zeigt uns nicht nur, wie Gott in die Welt kommt, sondern auch, welche Rolle die Hirten in Gottes Plan spielen und was wir von ihnen lernen können.
Nicht die mächtigen Könige oder die gelehrten Priester waren es, die als Erste vom Kommen des Messias erfahren haben. Nein, es waren die Hirten auf den Feldern bei Bethlehem, die in jener Nacht die Botschaft der Engel vernahmen. „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird: Heute ist euch der Heiland geboren.“ Die Hirten waren einfache Menschen aus dem Volk mit einem bescheidenen und oft schwerem Leben. Dennoch wurden sie von Gott ausgewählt, um die frohe Botschaft zu empfangen. Diese Wahl spricht zu uns: Gott offenbart sich nicht nur den Reichen und Mächtigen, sondern zuerst den Armen und Unterdrückten. Er sucht keinen Stolz oder Glanz, sondern ein offenes Herz, das bereit ist, sich auf die Begegnung mit ihm einzulassen. Die Hirten können uns ein Vorbild werden, was es heißt, sich von Gott ansprechen zu lassen in der einfachen Bereitschaft, nach Gottes Ruf zu handeln.
Nachdem die Engel ihnen die Botschaft verkündeten, machen sich die Hirten sofort auf den Weg nach Bethlehem. Sie laufen nicht nur aus Neugier oder Pflicht, sondern aus innerer Überzeugung, dass das, was sie gehört haben, wahr ist. Sie möchten den neugeborenen König sehen, der ihnen verheißen wurde. Sie ließen alles stehen und liegen, um der Einladung der Engel zu folgen. Auch wir sind eingeladen, diesem Beispiel der Hirten zu folgen. Die Hirten ließen sich nicht von Zweifeln oder Bedenken aufhalten, sondern sie gingen im Vertrauen und in der Erwartung, dass das, was ihnen gesagt wurde, wahr ist. In unserem Leben können auch wir Hirten sein, die die Botschaft von Weihnachten weitertragen. Die Hirten haben die Botschaft nicht für sich behalten, sondern sie verbreiteten das, was sie gesehen und gehört hatten, an alle, die es hören wollten. „Und sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.“ Ihre Freude und ihr Staunen über das, was ihnen begegnet war, machen sie zu lebendigen Zeugen der frohen Botschaft.
Was bedeutet es aber heute, „Hirte“ zu sein? Wir sind heute die, die die Botschaft von Weihnachten nicht nur hören, sondern auch leben und weitergeben. Wir sind aufgerufen, wie die Hirten, auf die Stimme Gottes zu hören, uns auf den Weg zu machen und den anderen die Freude und den Frieden zu bringen, den Christus uns schenkt. Das Hirte-sein fordert uns heraus, treue und mitfühlende Begleiter für andere zu sein, besonders für die, die in Not sind, für die, die am Rand der Gesellschaft stehen, für die, die keine Stimme haben.
In einer Welt, die oft von Hektik, Egoismus und Zerstreuung geprägt ist, dürfen wir wie die Hirten eine Botschaft der Hoffnung, des Friedens und der Liebe in die Welt tragen. Gerade an Weihnachten, dem Fest des Friedens, dürfen wir uns bewusst machen, dass der Frieden, den Christus bringt, nicht nur ein inneres Gefühl, sondern eine Aufgabe für unser Leben ist. Wir sind berufen, Hirten zu sein und den anderen zu begegnen – in Liebe und Achtung füreinander.
Es ist wichtig, dass wir nicht nur an die Hirten auf dem Feld denken, sondern auch an den wahren Hirten, das Kind in der Krippe, Jesus Christus selbst. An zahlreichen Stellen im Evangelium wird Jesus als der „gute Hirte“ bezeichnet. Er ist der, der uns führt, der uns begleitet und der unser Leben mit seiner Liebe und Barmherzigkeit erfüllt. Der gute Hirte kennt seine Schafe, er gibt sein Leben hin für sie, und er lässt keinen von uns verloren gehen.
An Weihnachten feiern wir den Beginn dieses wunderbaren Hirte-seins Jesu, das nicht mit seiner Geburt Jesu endet, sondern sich in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung vollendet. Christus ist der gute Hirte, der uns immer wieder zum Leben führen kann, der uns an der Hand nimmt, wenn wir uns verirren, und der uns Trost spendet in den dunklen Stunden unseres Lebens.
So kann Weihnachten für uns ein Moment werden, in welchem der Himmel die Erde berührt und Gott zu uns, in unser Herz kommt. Die Hirten zeigen uns, wie wir auf diesen Ruf hören und ihm in Glauben und Vertrauen folgen können. Möge das Beispiel der Hirten uns auch heute ermutigen, als Zeugen des Evangeliums zu leben und in der Liebe und dem Frieden Jesu Christi zu wachsen. Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest, das uns im Geiste des Hirte-seins zu einer lebendigen Begegnung mit dem guten Hirten führt.
Wir feiern Weihnachten, obwohl uns Kriege, Katastrophen und existenzielle Not umgeben. Wir sind eingeladen, wie die Hirten uns vom Geheimnis des Lebens berühren und uns mit der Gewissheit, Gott ist mit uns, beschenken zu lassen.
Unser Weihnachtsfest ist wie eine Oase des Friedens mitten in einer von Kriegen, Katastrophen und existenzbedrohenden Nöten vieler Menschen erschütterten Welt. Auch wenn die Maschinerie der Nachrichten für einige Tage Berichte aus dem Nahen Osten, der Ukraine und anderen Krisenregionen an die zweite Stelle verschiebt und für wenige Stunden wenigstens unsere Welt heil sein lässt, bekommen wir die unheilvollen Vorgänge rund um die Welt nicht aus unseren Köpfen.
In gewisser Weise geht es uns bei unserem Weihnachtenfeiern wie den Hirten von Bethlehem. Sie bekamen nicht viel mit von den politischen Spannungen in der Region, nichts von den Sorgen die Religionsführer in Jerusalem, nichts von den Machenschaften der Mächtigen und der reichen Grundbesitzer.
Meines Erachtens ist es legitim und heilsam, für einige Stunden all die Not, die uns gegenwärtig bedrängt, auszublenden und uns vom Ereignis in Bethlehem in den Bann ziehen zulassen.
Das Weihnachtsevangelium erzählt uns, dass in dem auf Hilfe angewiesenen neugeborenen Kind Gott selbst als Retter zur Welt gekommen ist. Dieses Bild und diese Botschaft laden uns ein vor dem Kind in der Krippe innezuhalten und durchzuatmen. Wie die Hirten sollten wir uns vom Geheimnis des Lebens, das sich im Anschauen des Neugeborenen offenbart, berühren lassen. Dieses Geheimnis des Lebens durchatmet auch uns, auch wenn manche es nur mit Mühe spüren, da sie vielleicht schon durch ihre Lebenserfahrungen abgehärtet und fühllos geworden sind.
Wenn wir diese Begegnung mit dem Geheimnis des Lebens zulassen, kann in einem weiteren Schritt in uns auch die Ahnung erwachen, dass wir Gott nicht nur unser Leben verdanken, sondern dass er in uns auch gegenwärtig ist. Einer der Gottesnamen ist "Immanuel", "Gott ist mit uns".
Wenn aber Gott mit uns ist, haben wir trotz aller Nöte, Katastrophen und allen beängstigenden Entwicklungen Hoffnung auf Heil, Hoffnung, dass er die Zukunft der ganzen Schöpfung ins Gute wendet.
Eine Gruppe von Klimaaktivisten bezeichnet sich als "Letzte Generation". Sie möchten uns wachrütteln und darauf hinweisen, wie notwendig es ist, dass wir unsere Lebensgewohnheiten ändern, damit nicht die ganze Welt in einer Klimakatastrophe untergeht. So wichtig und wertvoll ihre Mission ist: wenn Gott mit uns ist, werden wir nicht die letzte Generation sein. Er wird uns durch diese Krise hindurchführen, wie er einst das Volk Israel durch das Rote Meer geführt und vor den Verfolgern gerettet hat. Diese Gewissheit soll uns nicht einlullen und zum Nichtstun verführen. Weil Gott mit uns ist, haben wir die Kraft und die Chance aufzubrechen, uns auf den Weg zu machen und unsere Lebensbedingungen ins Positive zu verändern.
Ähnliches gilt auf für den Frieden. Weil Gott mit uns ist, halten wir fest an der Hoffnung, dass es Frieden und Versöhnung geben kann. Weil Gott mit uns ist, können wir den Ausstieg aus der Gewaltspirale wagen und mit friedlichen Absichten auf einander zugehen.
Das Evangelium berichtet nicht, in welcher Weise sich das Leben der Hirten durch die Begegnung mit dem göttlichen Kind verändert hat. Es heißt lediglich, dass sie zurückkehrten, Gott rühmten und priesen für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Von Maria weiß das Evangelium zu erzählen, dass sie alles, was über das Kind gesagt worden ist, in ihren Herzen bewahrte.
Weihnachten wird an unserer gegenwärtigen Situation nach außen hin noch nichts verändern. Es bietet uns jedoch die Gelegenheit, uns des Geheimnisses "Leben" tiefer bewusst zu werden und unseren Glauben, dass Gott trotz allem mit uns im Leben unterwegs ist, zu stärken.
Diese Gewissheit, dass Gott mit uns ist und mit uns alle Krisen durchsteht, wünsche ich Ihnen zum Weihnachtsfest von Herzen.
Jede der drei Weihnachtsmessen hat einen anderen Charakter. Traditionell werden sie als "Engelamt", "Hirtenamt" und "Menschenamt" bezeichnet. In jeder dieser Feiern werden unterschiedliche spirituelle und theologische Ebenen angesprochen. In der "Messe am Morgen" stehen das Erleben und die Perspektive der Hirten im Mittelpunkt.
Heute kommen die Hirten zur Messe. Die Aufregung ist riesig! In heller Aufregung die Küster – was, Schafe in der Kirche? In noch größerer Aufregung die Geistlichkeit im festlich weihnachtlichen Weiß – wie kommen die denn hier her? Die, das sind Hirten. Fahrendes Volk und überbeleumdet auch. Hirten sind, Entschuldigung – das Aller-Letzte!
Kämen sie zur Messe, würden sich die Kinder freuen! Die Engel würden singen. Und weil sie singen, müssten auch die Organisten, mit feinen Registern gezogen, spielen.
„Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun,
kommt das liebliche Kindlein zu schaun,
Christus, der Herr ist heute geboren,
den Gott zum Heiland euch hat erkoren.
Fürchtet euch nicht.“
Die Schafe blöken im Mittelgang, die Hirten lassen sich auf der Altarinsel nieder – und die Hunde bellen vor Aufregung vor dem Allerheiligsten. Ratlos der Priester, ratlos der Bischof, ratlos die Gemeinde. Der feierliche Einzug – hinter den Schafen her? Irgendwo dazwischen das Vortragekreuz? Heute ist alles anders.
Heute kommen die Hirten zur Messe!
Diese Szene würde ich am liebsten noch weiter ausmalen und in die schönsten Farben tauchen. Heute müssen sie zu uns kommen. Die Hirten, die Schafe. Als Zeugen sozusagen, die erzählen, was sie gehört haben, was sie gesehen haben. Wir haben doch sonst alles nur aus dritter, vierter, fünfter Hand. Daran kann nicht einmal der Papst etwas ändern.
Stehen die Hirten nicht auch für die Menschen, die von der großen Geschichte vergessen, verdrängt, beschwiegen werden? Stehen sie nicht für die Menschen, die eine große Liebe, eine große Sehnsucht in ihrem Leben entdeckt haben? Stehen sie nicht für die Menschen, die etwas ganz Wichtiges zu sagen haben? Mir fallen jetzt ganz viele Menschen ein…
Die Botschaft der Engel öffnet den Himmel für sie – sie sind die Ersten, die hören, was geschehen ist! „Ich verkündige euch eine große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren.“ Euch! Heute! Mitten in der Nacht ist es hell geworden. Was sage ich? Die Herrlichkeit Gottes hat sich über den Weiden und Feldern ausgebreitet! Die Sterne müssen blinzeln. Verschreckt versteckt sich der Mond.
Der Kaiser in Rom, Augustus der Große - der König in Jerusalem, Herodes der Große – alles Große - sie sind Statisten auf einer Bühne, auf der andere die Hauptrollen spielen. Hirten, Schafe – und die Engel. Eine feine Gesellschaft. Hier riecht alles nach Erde, nach Gras, nach ungewaschenen Fellen und Klamotten. Nach Nacht. Der Evangelist erzählt nicht, dass Gott sich seine Nase zugehalten hat. Nein, er ist hier glücklich.
Als die heruntergekommene Gesellschaft nach Bethlehem eilt – es ist keine Zeit zu verlieren - , kommt sie in einen Stall. In einen Stall! Eigentlich vertrautes Gelände! Doch in der Futterkrippe liegt das Kind. Ohne Heiligenschein. Ohne Weltkugel in der Hand. Kein Wunder, dass Ochs und Esel da auch sind. Arbeitstiere. Morgen müssen sie wieder ran. Sie gehören hier hin. Doch der Prophet – Jesaja - wusste vor langer Zeit schon, dass Ochs und Esel wenigstens wissen, wo sie zu Hause sind – Menschen wissen es nicht.
Noch steht kein Stern über dem Stall – das wird eine andere Geschichte werden. Die Geschichte mit den Weisen aus dem Morgenland. In dieser Nacht aber ist Bethlehem dunkel. Wie in jeder Nacht. Doch der Himmel hat viele helle Punkte, die wie ein Netz die Finsternis zusammenhalten. Von weit her strahlen Sterne. Hingetupft auf dem Firmament. Das war schon, als die Welt geschaffen wurde – alles liebevoll geordnet. Nur das große Licht, draußen über den Schafweiden, hat es bis hierin nicht geschafft. Wenn nicht, wenn nicht die Hirten es mitgebracht hätten!
Der Evangelist haucht in einem Satz hin, was in dieser Nacht geschieht.
"Als die Hirten das Kind sahen,
erzählten sie von dem Wort,
das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten,
staunten über das,
was ihnen von den Hirten erzählt wurde."
Hirten haben eigentlich nichts zu sagen! Zeugenaussagen vor Gericht – wertlos. Nicht zugelassen. Suchten sie ihr Recht – wertlos. Nicht vorgesehen. Wortgewand waren sie auch nicht. Mit der Zeit sind sie wortkarg geworden. Schweigsam wie ihre Schafe. Könige, Gelehrte, Kaufleute – die hatten was zu sagen. Die hatten auch gut reden.
Heute aber gehört den Hirten das große Wort. Heute hungert die Welt nach ihrem Wort! Was sie gehört und gesehen haben, ist der Anfang einer neuen Welt. Die Welt Gottes.
„Heute, heute ist euch der Heiland geboren!“
Die, die keine Schule besucht haben, die nicht lesen und schreiben können - sie werden zu Evangelisten und Aposteln. Einfach, weil sie erzählen können, was Gottes Liebe mit den Menschen, mit der ganzen Welt macht. Weil sie einem Kind zutrauen, die ganze Welt zu halten. Weil sie mutig geworden sind, es mit Königen und Kaisern, mit Mächtigen und Großen aufzunehmen.
„Heute, heute ist euch der Heiland geboren!“
Gott fängt neu an. Dafür können auch die Worte klein sein – die großen Worte verrauschen, bauschen sich auf, verlieben sich in sich selbst. Die großen Worte müssten wir eigentlich – verbannen. Sie schaffen Unheil, und wenn es dann sichtbar wird, verbrämen sie alles gekonnt und wollen nichts gesagt, nichts gewusst haben. Die großen Worte gehören den Lackaffen. Zu ihnen wollen die Hirten nicht.
Lukas erzählt, dass alle, die die Hirten hören, staunen. Nicht, dass die Hirten auf einmal so fein und gekonnt auftreten könnten, aber der Glanz, der ihnen begegnet ist, ist in ihren Gesichtern zu sehen. Der Glanz legt sich sogar auf die Gesichter der anderen. Ihre Worte sind unverbraucht. Ihre Hoffnungen sind unverbraucht. Staunen ist so viel mehr, als etwas zur Kenntnis zu nehmen, so viel mehr, als etwas abzuhaken, so viel mehr, als gelangweilt zu schweigen. Mit Staunen beginnt der Glaube.
In einer kleinen Szene erzählt Lukas, dass Maria alle diese Worte in ihrem Herzen bewahrt. Was sie noch nicht wusste – das hat sie von den Hirten gehört! Sie hat von den Engeln, von dem Licht, von dem Lobgesang gehört. Und dass das Kind auf die ganze Welt wartet Und die ganze Welt auf das Kind.
„Heute, heute ist euch der Heiland geboren!“.
Übrigens: Wenn diese Geschichte erzählt wird, ist heute. Heute ist – nicht gestern gewesen.
Heute kommen die Hirten zur Messe. Sie werden an der Tür freundlich begrüßt! Die Küster freuen sich über die ungewohnten Besucher, die Geistlichkeit im festlich weihnachtlichen Weiß hält die Türen auf. Alle singen das Gloria, das Gloria der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.
Lauscht mal. Ich glaube, die Engel singen gerade. Wie schön doch die Orgel klingt!
„Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun…
Nun soll es werden Friede auf Erden,
den Menschen allen ein Wohlgefallen.
Ehre sei Gott!“
Die Schafe sind ganz still, die Hirten dürfen sich auf der Altarinsel niederlassen – und die Hunde laufen durch die Reihen. Was soll denn jetzt der Priester machen? Was der Bischof? Sie sind glücklich, in dieser Gesellschaft zu sein. Waren die Hirten nicht vor ihnen da? Haben die nicht etwas gesehen, von dem sie nur hören konnten? In dicken Büchern lesen? Irgendwo dazwischen ist das Vortragekreuz. Weihnachten darf alles aus dem Takt geraten. Wo ist das Kind?
Heute kommen die Hirten zur Messe!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Wenn ein Kind geboren wird, kommen Verwandte, Nachbarn, Freunde, um es zu sehen. So auch die Hirten nahe Betlehem. Sie sehen das Jesuskind mit den Augen des Herzens, sie staunen. In diesem Kind werden die Erwartungen der Menschheit erfüllt. Die Besucher werden reich beschenkt. Am Weihnachtsmorgen besuchen wir gleichsam das göttliche Kind. Und auch wir können beschenkt weggehen.
Ein Kind wird geboren - in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, in der Familie. Wer die Eltern kennt, freut sich mit ihnen. Einige Zeit später wird man die Eltern und auch das neugeborene Kind besuchen. Wie sieht es aus? Ganz Papa, ganz Mama? Was wird aus ihm einmal werden? Das könnte eine Frage sein. Man nennt bei uns diesen Besuch eines neugeborenen Kindes "Kindpinkeln".
Wir hörten heute Morgen etwas, das diesem Brauch ähnlich ist. Hirten, den einfachsten und oft auch ärmsten Menschen ihrer Zeit, diejenigen, die am wenigsten Anerkennung hatten wegen ihrer Arbeit, erschienen Engel. "Ein Kind ist euch geboren, ein Sohn ist euch geschenkt! Friede auf Erden!" war ihnen gesagt worden. Jetzt machen sie sich auf den Weg. Sie wollen das Kind sehen. Was sie sehen, war genau das, was ihnen die Engel verkündet hatten.
Zuerst sehen sie bitterarme Eltern. Sie sehen ein kleines Kind, das auf Stroh liegt. Doch sie sehen in diesem Kind eben mehr. Die Hirten sehen mit einem anderen Augen. Es sind die Augen ihres Herzens. Sie hatten ein einfaches und gläubiges Herz, ein Herz, das staunen konnte und auch alle, welche die Hirten über das Kind sprechen hörten, zum Staunen brachte.
Was ist das Kind? für die Hirten, für Sie, für uns? Wenn wir Weihnachten feiern, wenn wir den Weg in den Gottesdienst finden, dann gehen auch wir wie die Hirten zu Jesus. Es hat uns doch was hierher hingezogen. Die meisten wünschen sich einen festlichen Gottesdienst. Dieser soll zu Herzen gehen. Doch es geht um viel mehr. Wir feiern das, was die Hirten erlebt haben. Wir feiern Jesus. In ihm ist die "Güte und die Menschenliebe Gottes, unseres Retters erschienen." (2. Lesung). Gerade in Jesus zeigt sich doch, dass Gott seine Schöpfung, seine Welt nicht aufgegeben hat und niemals aufgeben wird. Gott steht zu seiner Schöpfung, zu uns Menschen.
Mehr noch: Dieser Gott kommt zu uns, einzig und allein aus Liebe. In Jesus schenkt Gott uns den wahren Sinn unseres Lebens. Jesus will durch das, was er sagt, das Leben und die Welt erneuern. Er will Gottes Liebe bringen. Durch Wort und Tat zeigt er in seinem Leben Gottes Liebe zu uns und zu allen Menschen. Papst Franziskus plädiert in seiner neuesten Enzyklika dafür, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt.
Seine Liebe wird Menschen, die bei anderen abgeschrieben waren, einen neuen Anfang schenken. Es wird Sündern zeigen, dass sie angenommen sind, auch wenn sie viel falsch gemacht haben. Davon spricht die Lesung aus dem Buch Jesaja. Gott hat sein Volk aus der Gefangenschaft Babylons gerettet, neu angenommen. Gott schafft sich überdies ein neues Volk. Jerusalem darf sich wieder angenommen fühlen. Es wird "die begehrte, nicht mehr verlassene Stadt genannt." (1. Lesung)
Was schenkt Jesus noch? Er wird armen Menschen zeigen, wie wertvoll sie vor Gott sind. Jesus wird Kranke heilen. Durch Jesus, das Kind in der Krippe wird klar und deutlich: Gott ist bei uns in unseren Schwierigkeiten, indem, was diese Welt bewegt, nahe in den Sorgen und Nöten unseres Lebens. Denn Jesus selbst kennt Armut, kennt Heimatlosigkeit. Die Hirten werden beschenkt. Wir werden durch dieses Kind beschenkt. Wir sind berufen, das, was dieses Kind schenkt, weiter zu geben. Dazu hat Jesus seinen Heiligen Geist gesendet. Wir sollen in seinem Geist diese Welt gestalten. Gott möchte uns einen neuen und anderen Sinn zeigen. Wir haben eben mehr als dieses Leben. Wir haben noch das ewige Leben. In Jesus macht sich Gott eins mit uns Menschen, teilt unser ganzes Leben. Dieses Kind wird uns in seinem Leben einmal zeigen, was der echte und auch der letzte Sinn im Leben ist.
Sie sind heute zu Jesus gekommen. Doch es ist mehr als ein "Kindpinkeln", mehr als ein Besuch, bei dem wir einen neuen Erdenbürger begrüßen. Mit welchen Augen schauen wir hier? Sehen wir mit den Augen unseres Herzens, unseres Glaubens? Wenn wir Weihnachten mit den Augen des Herzens feiern, wenn wir die Offenheit der Hirten haben, dann kann dieses Fest der Geburt Jesu unser Leben verändern. Denn Jesus will uns mit seinem Kommen beschenken.
Jesus will unserem Leben Mut machen. In ihm können wir Gott hautnah erleben, gerade in denen, die seine Worte in die Tat umsetzen. Gottes Wirken haben Menschen immer schon in wichtigen Situationen ihres Lebens erfahren. Sicher ist diese Zeit von Corona eine sehr schwere Zeit. Corona hat für uns die Chance, dass wir alle uns auf das Wesentliche besinnen. Viele Menschen leben in Existenzsorgen, viele Menschen sind schwer krank geworden. Manch einer fragt: Warum hat Gott das zugelassen. Dennoch: Gott ist uns nahe in dieser Zeit. Jesus begegnet uns in den geringsten, in kleinen und gerade in leidenden Mitmenschen.
Was Jesus uns schenken will, ist Frieden. "Friede auf Erden." Diese Worte kamen von den Engeln. Jesus schenkt mehr als einen Frieden, der nur Abwesenheit von Krieg bedeutet. Jesus schenkt vor allem einen inneren Frieden. Er ist arm geboren. Wir dürfen uns annehmen, wo wir uns schwach und arm fühlen. Wir dürfen zu uns stehen, weil Gott in Jesus armselig geboren wurde. Jesus wurde Kind einfacher Eltern. Sein Weg ist ein anderer als der Weg der Macht, der Gewalt, des materiellen Reichtums. Wann ist ein Leben erfüllt, wann ist es gelungen? Es ist dort gelungen, wo ich Liebe geschenkt habe, in meinem Lebensbereich. Es wirkt auf unser Leben.
Wenn wir zu Jesus gehen, dann sind immer wir es, die beschenkt sind. Wo wir spüren, wie gut Gott an uns handelt, wie wertvoll Jesus ist, dann können wir wie die Hirten Gott loben und preisen. Das Kind will uns beschenken, ja es hat uns schon mehr beschenkt, als wir sehen.
Von Maria wird gesagt, sie habe alles in ihrem Herzen bewahrt. Die Eindrücke müssen erst verarbeitet werden, die Bedeutung der Ereignisse müssen erst begriffen werden. Auch wir müssen das uns Berichtete zu Herzen nehmen, wenn wir verfassen wollen, was die Geburt Jesu füruns bedeutet.
„Tochter Zion, freue Dich!“ Dieses Lied gehört zur Weihnachtszeit. Es geht um die Hoffnung auf Rettung. Diese Rettung ist jetzt da. Das ist das wichtige Wort jeder Weihnacht. Es wurde uns heute auch noch einmal in der Lesung aus dem Propheten Jesaja in Erinnerung gerufen.
In dem Lied wird dann auch gleich der große Ausblick gewagt: „Gründe nun dein ewig Reich“ bitten wir singend. Und wir sagen unsere Hoffnung an: „Ewig steht dein Friedensthron“. Reich eines Kindes und Frieden durch einen kleinen Menschen, der im Moment noch mehr auf den Frieden angewiesen ist.
Neben diesen großen Worten hat der Tag aber auch leise Töne. Ich möchte Sie heute auf einen Satz besonders hinweisen. Es ist der Vers Lukas 2,19: „Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach!“
Zugleich wünsche ich mir, dass dieser Vers in unserem Kopf erweitert wird um die Hirten. Ich stelle mir vor, dass auch sie die Dinge im Herzen bewahrt haben. Ein guter Hirt kennt die Weideplätze und ihre Auslastung. Er weiß, wo er gerade erst mit der Herde war. Dort ist noch nicht wieder genug Futter gewachsen. Er weiß, welche Plätze von seiner Herde gewünscht oder gemieden werden. Dafür gibt es kein Buch und keinen offiziellen Weideplan. Dafür gibt es nur die Erfahrung der Jahre und der aktuellen Herde.
Was haben sich Maria und die Hirten ins Herz nehmen können? - Mit dem Neugeborenen ist es etwas ganz Besonderes. Es ist nicht nur ein Neugeborenes wie viele andere derselben Nacht. Es ist das Neugeborene, das den Hirten angekündigt wird. „Den müsst ihr sehen!“ sagt ihnen der Engel. „Er ist der Messias, der Herr!“ ruft er ihnen zu.
Er ist der Neugeborene, der in Maria die Szene der Verkündigung wieder aufklingen lässt: „Gott tut etwas für die Welt. Gott tut es mit dir. Er wird ein Großer sein, der die Welt verändert!“ „Die Hirten erzählten, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war (Lk 2,17)“ heißt es im Evangelium. In ihren Erzählungen kam der Engel vor – und wieder darf Maria sich erinnern: „Der Engel hat heute die Hirten überrascht und damals mich.“ Ob sie dann auch den Hirten von ihrer Engelsbegegnung erzählt hat? Denn dann kann sich auch für sie der Kreis schließen. Dann gilt nämlich: „Das war kein Zufall. Das sollte so sein!“
Die Pädagogik beschreibt, dass Kinder in den ersten Jahren Eindrücke nicht sortieren und gewichten können. Für sie sind alle Dinge neu, wichtig und schön. Und all das ist auch sehr anstrengend. Erst in späteren Jahren wird sortiert.
Maria und die Hirten könnten Menschen gewesen sein, in deren Leben wenig passiert ist. Der Alltag hatte seinen gewohnten Gang. Dann wird plötzlich so viel anders in ihrem Leben. Das hat keinen Platz. Es muss verstanden werden. Die Bedeutung dieses Geschehens wird sich erst zeigen. Und erst dann haben die Worte des Engels oder der Hirten ihre ganze Größe erreicht.
Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern hier die Messe am Morgen. Als Sie kamen, waren die Straßen noch relativ leer. Wenn Sie nach dem Gottesdienst wieder nach Hause gehen, ist es auch noch so. Die frühe Zeit ist auch eine ruhige Zeit. Da können sich Dinge setzen, bevor vielleicht der Besuch kommt. Ich ermutige Sie: Lassen Sie auch heute Ihr Herz berühren. Nehmen Sie etwas mit nach Hause, was Sie durch die Zeit begleitet. Nehmen Sie etwas mit, dass Ihnen zeigt: Christus wurde für mich geboren!
Die Geburt eines Kindes macht die Menschen in der Umgebung neugierig. So auch damals die Hirten. Einfache Menschen treffen auf einfache Menschen und begegnen so dem großen und unbegreifbaren Gott. Sie lernen seine Wege kennen. Weihnachten lädt uns ein, die Wege Gottes nachzugehen.
Die Erzählung von den Hirten, denen die Engel die Geburt des Messias verkündet haben, ist eine Geschichte des Suchens und Findes. Das Suchen und Finden zieht sich durch die ganze Erzählung: Die Engel finden die Hirten, die Hirten Maria und Josef und das Kind, Und das Kind findet sie alle.
Die Rede vom Geruch der Schafe, die Papst Franziskus losgelassen hat, trifft die Mitte des Evangeliums. Der menschgewordene Gott offenbart sich zuerst den Hirten. Sie verkörpern die Armen am Rande der Gesellschaft. Die Kirche und mit ihr unsere ganze westliche Gesellschaft wird gut tun, sich der Armen zu erinnern und sich ihnen zuzuwenden und sich so ihrer Wurzeln zu erinnern.
Heute Morgen haben wir uns versammelt, um das größte Geschenk zu feiern, das der Menschheit je gemacht wurde: die Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Der Sohn Gottes kam in die Welt, nicht in Macht und Pracht, sondern als kleines Kind in einer Krippe – hilflos und demütig.
Mit jedem Jahr, das wir Weihnachten feiern, dürfen wir uns daran erinnern, dass Gott sich uns auf ganz besondere Weise nähert. In diesem Kind zeigt sich die Liebe Gottes in einer Form, die wir kaum begreifen können: zart, verletzlich, aber im Innersten stark und unerschütterlich in der Kraft der Liebe.
Möge dieser Weihnachtsmorgen für uns alle ein Moment der Besinnung und des Dankes sein, für das große Geschenk der Liebe, das wir in Christus empfangen haben. Ihn, den neugeborenen Christus, begrüßen wir nun in unserer Mitte:
Ich verkünde Euch eine große Freude: Heute ist uns in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist Christus, der Herr, sein Name ist Immanuel.
In einem Stall bei Bethlehem kam er zur Welt, Hirten wurde als Ersten diese Frohe Botschaft verkündet. Sie eilten nach Bethlehem und fanden das göttliche Kind in der Krippe.
Wie die Hirten sind auch wir eingeladen, in diesem Kind die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes zu entdecken und uns vom Geheimnis der Liebe Gottes berühren zu lassen.
Wie die Hirten lasst uns vor den Herrn und Erlöser hintreten, ihn loben und ihm huldigen.
Lachende Schafe habe ich noch nicht gesehen. Lachende Hirten – in der Mehrzahl – kann ich mir gut vorstellen. Dass es etwas zum Lachen gibt, feiern wir an diesem Weihnachtsmorgen. Sie sind noch ein wenig müde? Vom Feiern? Von der Arbeit? Wir wollen diesen Tag fröhlich feiern! Die Hirten kommen in die Messe!
Was uns auf der Seele liegt, Kopfschmerzen bereitet und die Schritte lähmt, legen wir bei ihm ab. Dem Kind in der Krippe. Dem Erlöser der Menschen. Dem Licht der Welt.
Weihnachten – das ist das Fest der Freude. Der Grund, warum wir uns freuen, ist die Botschaft von der Liebe Gottes. Es ist die Nachricht, dass Gott uns herausführen will aus dem, was uns bedrückt. Wir hören, dass er uns sein Erbarmen schenkt. Das alles schenkt er uns in Jesus, dem Kind in der Krippe. Jesus, dessen Geburt wir feiern, ist die Mitte dieser Feier, die Mitte des Festes. Er ist die Mitte unseres Lebens.
Bitten wir um sein Erbarmen.
Mit Weihnachtsgottesdiensten verbinden viele Menschen die Heilige Nacht mit der Geburtsgeschichte Jesu oder die Messe am Tag mit dem Johannesprolog. Darüber hinaus aber gibt es die "Messe am Morgen", oft auch "Hirtenmesse" genannt.
Es lohnt sich, auch diese scheinbaren Randfiguren in den Blick zu nehmen. Sie sind uns mit ihrem Alltag viel näher. Und bei ihnen können wir sagen: Sie kennen das Leben wie wir.
Gott schickt sie durch seinen Engel zum Stall von Bethlehem, damit sie Jesus begegnen, dem Licht der Welt. Ihn bitten wir:
Herr Jesus Christus,
du kamst zu uns als das Licht der Welt, das die Dunkelheit hell gemacht hat.
Herr erbarme dich.
Wie die Hirten, lädst du uns ein zu deiner Krippe
und offenbarst uns deine unendliche Liebe.
Christus erbarme dich.
Wie die Engel den Frieden verkündeten,
so wollen auch wir den Frieden von Bethlehem in die Welt tragen.
Herr erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
in deiner Geburt ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen.
Herr, erbarme dich.
Du bist der Retter der Welt.
Christus, erbarme dich.
Durch deine Gnade werden wir gerecht gemacht
und erben wir das ewige Leben.
Christus, erbarme dich.
In der Nacht ist es ganz hell geworden.
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch eine große Freude.“
Herr, erbarme dich.
In der Nacht sind die Hirten aufgebrochen.
„Ihr werdet das Kind finden, in Windeln gewickelt
und in einer Krippe liegen“
Christus, erbarme dich.
Am Morgen haben die Hirten das Kind gefunden.
„Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus.“
Herr, erbarme dich.
"Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen,
die lobten Gott und sprachen:"
Ehre sei Gott in der Höhe …
Herr Jesus Christus,
in dir ist die Rettung gekommen von dem, was uns unfrei, was uns hoffnungslos macht.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
in dir ist uns Erbarmen, unverdiente Liebe, geschenkt.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
alle staunen über das, was über dich gesagt wird.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus,
dein Licht hat das Leben der Menschen verändert.
Kyrie, eleison.
Die Erfahrung mit deinem Licht kann durch manche Dunkelheit hindurchtragen.
Christe, eleison.
Dein Licht kann sich verbreiten in unsere Zeit und unsere Umwelt.
Kyrie, eleison.
GL 159: Licht, das uns erschien
oder GLÖ: 722,2
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist als die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschienen.
Herr, erbarme dich.
Engel haben den Hirten diese große Freude verkündet.
Christus, erbarme dich.
Hirten haben die Größe Gottes erkannt
und ihn gepriesen für das, was sie gehört und gesehen hatten.
Herr, erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist in die Welt gekommen, um alle Finsternis zu vertreiben.
Kyrie eleison.
Du schenkst uns das Licht des Glaubens.
Christe eleison.
Du hast uns berufen, als Kinder des Lichtes zu leben.
Kyrie eleison.
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,
um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.
Gib, daß in unseren Werken widerstrahlt,
was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Weihnachten am Morgen
Gott unser Vater,
du hast in dieser Nacht die Herzen der Menschen erleuchtet.
Durch die Geburt deines Sohnes zeigst du uns,
worauf es im Leben ankommt.
Erfülle uns Herz mit deinem Geist der Liebe und des Friedens,
damit wir die Botschaft deiner Ankunft in die ganze Welt tragen.
Darum bitten wir durch deinen über alles geliebten Sohn Jesus Christus,
der uns liebt in alle Ewigkeit. – Amen.
Gott, mit den Augen eines Säuglings schaust du uns an.
Wir danken dir für das Vertrauen, das du in uns hast.
Mit den ersten Lauten sprichst du uns an.
Wir danken dir für die Liebe, die in uns wächst.
An diesem Morgen ist die Anspannung von Heilig Abend gewichen.
Wir haben Geschenke geteilt und Geschichten erzählt,
Erinnerungen sind hochgekommen und so manche Unverträglichkeit.
Viele waren auch ganz allein.
Hilf uns, dass uns dein Segen nicht schief hängt.
Lass uns mit den Hirten nach Bethlehem eilen,
das Staunen lernen und dein Reich entdecken..
In dem Kind, das alle Welt trägt und erhält.
In Christus, Licht, Wahrheit und Leben.
Jesus,
du bist zu uns gekommen,
du bist Mensch geworden,
ein Kind hilflos und arm.
Die Hirten kamen zu dir,
weil die Engel ihnen sagten,
dass der Retter geboren ist.
Wir kommen zu dir,
um deine Geburt zu feiern.
Wir kommen zu dir,
deine Worte zu hören.
Wir kommen zu dir,
dich zu empfangen.
Wir kommen zu dir,
dich anzubeten.
Erfülle unser Herz,
dass wir dich loben und preisen,
wie es die Hirten taten. Amen.
Gott und Vater,
du hast nicht nur deinen Sohn zu uns gesandt.
Du hast auch durch deine Engel
die Hirten auf seine Geburt aufmerksam gemacht.
Hilf auch uns,
deinen Sohn in unserem Alltag zu finden
und so – wie die Hirten –
gestärkt zu sein für einen Alltag
in der Kraft deines Sohnes,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und Leben spendet. - Amen.
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes,
wir schauen auf ein verletzliches und kleines Kind in der Krippe. Dennoch wissen wir von deiner Allmacht und Größe.
Vertrauend darauf bitten wir dich:
Für alle Randgruppen in unserer Gesellschaft, die Ablehnung und Hass erfahren.
Stelle ihnen Menschen an die Seite, die sie aufrichten und neuen Lebensgeist verleihen.
Du Kind der Krippe! – Wir bitten dich erhöre uns.
Für die Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
Schenke ihnen den Geist der Weihnacht, woraus sie neue Orientierung schöpfen können.
Für alle Hirten: Unseren Papst Franziskus, unseren Bischof N. und für alle Frauen und Männer, die in unserer Kirche Verantwortung tragen.
Lass sie die Zeichen der Zeit erkennen, damit sie für uns zu Vorbildern im Glauben werden.
Für das Heilige Land und für alle Regionen der Erde, die sich im Konflikt miteinander befinden.
Erleuchte sie mit deinem Licht des Friedens.
Für unsere verstorbenen Angehörige und alle Toten.
Nimm sie auf in deine Herrlichkeit und lass sie das ewige Leben schauen.
Guter Gott,
wie die Hirten dich gesehen und gehuldigt haben, preisen auch wir deine Größe.
Lass die Ankunft deines Sohnes zu einem Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht werden, die überdauert in Zeit und Ewigkeit. – Amen.
Mit seinem Kommen in die Welt setzt Gott mit dem Menschen einen Neuanfang.
Vertrauensvoll bitten wir ihn:
Um eine persönliche Vertiefung ihres Glaubens für alle Rom-Pilger im eben begonnenen Heiligen Jahr.
Um einen respektvollen Umgang mit deiner Schöpfung, die nach deinem Wort begonnen hat und allen Menschen zur Bewahrung anvertraut ist.
Um Beachtung der Würde und Rechte aller Menschen, in deren Sein sich immer auch ein Teil deiner Göttlichkeit widerspiegelt.
Um unsere eigene Bereitschaft hinter den Traditionen des Weihnachtsfestes dein Wort anzunehmen und unser Leben täglich neu danach auszurichten.
Um deinen Frieden für alle Verstorbenen, einen Frieden, dem die Welt nicht geben kann, den wir aber alle ersehnen.
Denn das Kind, das uns geschenkt ist, bringt der Welt Friede, Rettung und Heil.
Dir danken wir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du bist als der ersehnte Retter der Welt in unsere von Nöten und Krisen erschütterte Welt gekommen.
Dich bitten wir:
Für die Menschen in Palästina.
Befreie sie aus den Schrecken des Krieges und des Terrors.
Für die Menschen im ganzen Nahen Osten.
Bringe ihnen Frieden, Sicherheit und wechselseitige Anerkennung.
Für die Menschen in der Ukraine und in Russland.
Zeige ihnen Auswege aus ihren Kämpfen und führe sie zu einem friedlichen Miteinander.
Für die Kinder, die durch Kriege und Terror verletzt worden sind oder die Eltern verloren haben.
Heile ihre Wunden und lass sie Menschen finden, die für sie sorgen.
Für die Menschen, die unter der Klimakrise zu leiden haben.
Lass sie internationale Solidarität und Hilfe erfahren.
Für alle Menschen, die nicht mehr an deine Gegenwart in dieser Welt glauben können.
Lass sie vom Geheimnis der Liebe Gottes berührt werden.
Für die vielen Opfer der Kriege und für unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde.
Schenke ihnen ewiges Leben.
Du, Herr, bist unsere Hoffnung.
Geh mit uns und führe uns in eine gute Zukunft. – Amen.
Gemeinsamer Ruf nach Jes. 62,11
Heute kommen Hirten zu uns. Sie nehmen uns mit nach Bethlehem. Wir sehen, was ihnen zugesagt war. Sie breiten das Wort unter uns aus.
„Euch ist heute der Heiland geboren“
Die, die sonst nie gehört wurden, fangen zu reden an,
die, die schweigsam geworden waren, finden Worte, die die Welt verändern.
Wir beten:
Für alle Menschen, die nichts zu sagen haben, die zum Schweigen verdonnert werden, die auch für Wahrheit und Recht nicht eintreten dürfen.
Sagt der Tochter Zion: Deine Rettung kommt!
Für die Menschen, die immer viel sagen müssen, die an ihren Worten gemessen werden,
die sich um Kopf und Kragen reden.
Sagt der Tochter Zion…
Für die Menschen, die eine Sprache neu lernen müssen, die eine neue Heimat suchen,
die sich nicht verständlich machen können.
Sagt der Tochter Zion…
Für die Menschen, die das Evangelium verkündigen, die unter Vertrauensverlust leiden, die angesichts Fremdheit und Vorurteilen nur die Macht des Wortes haben.
Sagt der Tochter Zion…
Für die Menschen, die keinen haben, um über Ängste und Sorgen zu reden, die alleine sind mit Todesgedanken, die auch keinen Mut mehr haben, über sich zu reden.
Sagt der Tochter Zion…
Den Hirten sind Engel erschienen. Die Herrlichkeit Gottes ist zu ihnen gekommen.
Wir bitten dich: Mache uns zu Engeln, verleihe unseren Worten Flügeln und lass uns Lichter sein,
die die Nacht in einen Sternenhimmel verwandeln. – Amen.
Herr Jesus Christus,
zu dir kamen die Hirten, um dich zu sehen und dir zu begegnen. Du bist Retter und Erlöser.
Wir bitten dich:
Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Lass sie eine neue Heimat finden in Mitmenschen, die ihnen ihre Herzen und Arme öffnen.
Vielen Kindern wird die Zukunft geraubt,
Stelle ihnen liebevolle Eltern, Erzieher und Lehrer an die Seite, die ihnen Liebe und Geborgenheit schenken.
Die ganze Welt hofft auf ein Ende der Pandemie,
Schenke allen Menschen ausreichend Geduld und lass sie nicht verzweifeln.
Männer und Frauen mühen sich redlich, an ihrem Platz Zeugen zu sein:
Hilf ihnen durch ihr Reden und Tun deine Güte weiter zu geben.
Der Glaube an dich und deine Menschenliebe wird bei vielen schwächer.
Gib, dass die Menschen dich suchen und dich als erlösende Wahrheit entdecken.
In diesen Tagen geraten viele Menschen in Streit,
in diesen Tagen spüren Menschen ihre Einsamkeit.
Stifte Frieden und führe sie heraus aus ihren Schwierigkeiten.
Dich loben und preisen wir, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Vater im Himmel,
dein Sohn kam zur Welt und wandte sich den Menschen in ihrer Not zu,
Wir bitten dich:
Sei bei allen Menschen, die heute für andere Not wenden.
Sei bei den Eltern der heute geborenen Kinder, die nicht wissen, welche Zukunft sie ihnen bieten können.
Bewahre uns ein ehrfürchtiges Staunen vor dem Wunder des Lebens.
Zaubere auf die Gesichter der Menschen das Lächeln, das Mut macht.
Schenke Frieden dem Land, in dem dein Sohn aufgewachsen ist.
Umgib jene mit deinem Frieden, die heute sterben.
Denn du willst Heil für alle sein, die du ins Leben gerufen hast. - Amen.
Himmlischer Vater,
erfülle die Gaben dieser Erde mit deinem Segen,
damit sie das Geheimnis dieses Tages darstellen:
Wie Christus
als neugeborener Mensch und als wahrer Gott
vor uns aufleuchtet,
so laß uns durch diese irdische Speise
das göttliche Leben empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Morgen
Gott, die Hirten sind mit leeren Händen gekommen.
Sie sind einfach aufgebrochen. So, wie sie waren.
Beschenkt hast du sie.
Mit deinem Licht, mit himmlischem Lobgesang,
mit dem Kind in der Krippe.
Führe uns dorthin.
Beschenke uns mit deinen Gaben.
Was wie Brot schmeckt, ist dein Leib,
was wie Wein schmeckt, ist dein Blut.
Wenn du das Wort sagst,
das deine Liebe in unser Leben legt.
Mit leeren Händen kommen wir zu dir
und werden doch reich beschenkt.
In Christus, der unter uns neu anfängt.
Jesus,
wir bringen dir Brot und Wein,
wir bringen dir unsere Liebe, unsere Hoffnungen,
unsere Wünsche in diesen Gaben.
Jesus, du schickst uns nicht fort,
ohne uns zu beschenken,
mit deiner Liebe.
Erfülle unser ganzes Leben mit deiner Liebe,
deine Liebe werde in uns und durch uns sichtbar.
Wandle immer unsere Herzen,
so kannst du auch heute noch
durch uns in der Welt geboren werden. Amen.
Gott und Vater,
in deinem Sohn wurde Gott Mensch auf unserer Erde.
Durch deinen Sohn wurde später im Abendmahlssaal
Brot zum Leib Christi
und Wein zum Blut Christi.
Segne diese Gaben,
damit auch wir durch sie spüren,
dass er bei uns ist,
dein Sohn, den du gesandt hast. - Amen.
Du brichst mit uns das Brot,
du teilst mit uns den Kelch.
Herr, du schenkst dich uns.
Was von Anfang an im Himmel war,
finden wir auf deinem Tisch
mitten unter uns.
Dir danken wir.
Mit Brot und Wein.
Ewiger Gott und Vater,
wir feiern, dass du die Welt durch die Geburt deines Sohnes erlöst hast.
So wie der Engel uns die frohe Botschaft von Frieden und Freude verkündet hat,
so legen wir unsere Gaben auf deinen Altar.
Öffne unsere Herzen für das Geschenk deiner Gegenwart,
damit wir in der Freude und dem Licht Christi leben,
heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Großer, unbegreifbarer Gott,
wir wollen dir unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen,
denn in Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat mitten unter uns gewohnt.
Kehrvers
Er ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.
in ihm kam das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt.
Kehrvers
Allen die ihn aufnahmen, gabst du die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Kehrvers
Alle Enden der Erde sehen nun das Heil unseres Gottes.
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
und stimmt mit den Engeln und Heiligen ein in den Lobpreis der Schöpfung:
Danklied: z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Bei Kindern warten wir, wann sie zum ersten Mal Mama oder Papa sagen. Für Jesus war dieses Wort noch reicher gefüllt. Er dachte an seinen Vater im Himmel, zu dem auch wir nun rufen:
Vater unser...
Die Hirten des Feldes und die Heilige Familie kannten sich nicht. In der Begegnung zwischen ihnen war Frieden zu ahnen.
Gleich wirst du, Herr, uns in der Eucharistie begegnen. Und wir bitten dich, von dem Frieden ausgeht:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Heute ist uns der Retter geboren
Er kommt
um mit uns
Erstarrtes
Verkrustetes
Verhärtetes
Verschlossenes
Versteinertes
AUF zu BRECHEN
Er lädt uns ein
los zu gehen
zurück zu lassen
uns in Bewegung zu setzen
den sicheren Platz zu verlassen
Neues zu wagen
AUF zu BRECHEN
zur Krippe hin
UM IHM
DEM GOTTESKIND
ZU BEGEGNEN
Am Anfang
war dein Wort
mir zugesagt
und Mensch geworden
durch mich
und in mir
zum Leben gerufen
weil du mich liebst
du gehst mir nach
umwirbst mich
schenkst mir Vertrauen
willst mich
umarmst mich
und sendest mich
dein Wort
mein ganzes Sein
deine Liebe
mein Leben
das Wort ist Mensch geworden
und gibt mir Macht
Gotteskind zu werden
Herr, unser Gott,
die Menschwerdung deines Sohnes
erfülle uns mit Freude und Dank.
Laß uns dieses unergründliche Geheimnis
im Glauben erfassen und in tätiger Liebe bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Morgen
Wir danken dir, Gott,
für diesen schönen Weihnachstag,
für den Morgen, der uns erquickt.
Hirten sind zu uns gekommen,
sie haben uns das Licht und die Lobgesänge mitgebracht.
Mit ihnen stehen wir an der Krippe.
Von ihnen lernen wir das Staunen.
Bei ihnen geht uns dein Wort auf.
Es fällt uns schwer zu glauben,
dass du deine Allmacht in Kindheit verwandelst,
deine Ewigkeit in Nachtstunden,
deine Liebe in Stallgeruch.
Wir werden ein altes Jahr abgeben.
Es ist voller Entsetzen, Enttäuschungen und Trauer.
Nimm du in deine Hand, was wir nicht verhindern,
aber auch nicht verändern können.
Und lege in unsere Hände einen großen Mut,
für Wahrheit, Gerechtigkeit und Recht einzustehen.
Schenke uns deinen Geist,
schenke uns die große Freude von Weihnachten.
Als deine Kinder hast du uns angenommen.
Vater nennen wir dich
in Christus, unserem Herrn.
Jesus, wie die Hirten,
so gehen wir zurück,
in unsere Familien,
in unsere Betriebe,
zu unseren Freunden.
Du sendest uns aus, dich zu bezeugen.
Du sendest uns aus, deine Menschenfreundlichkeit
weiter zu tragen.
Jesus,
durch unser Leben wollen wir dich loben
und preisen.
So können die Herzen der Menschen
geöffnet werden für dich.
Segne uns dazu. Amen.
Gott und Vater,
Maria und die Hirten
bewahrten im Herzen,
was sie erlebt haben,
als sie deinem Sohn begegnet sind.
Lass auch uns bewahren,
was unsere Herzen heute erfüllt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Liebender Gott,
durch die Ankunft und den Lobpreis der Hirten hast du uns gezeigt, wie groß deine Allmacht ist.
Wenn wir jetzt wieder nach Hause gehen, so lass den Geist dieses Opfers in uns weiterwirken, damit durch die Geburt deines Sohnes alles Dunkel vertrieben wird.
Darum preisen wir dich mit den Engeln und den Hirten in Zeit und Ewigkeit. – Amen.
Der barmherzige Gott hat durch die Geburt seines Sohnes die Finsternis vertrieben
und (diese Nacht) diesen Tag erleuchtet mit dem Glanz seines Lichtes;
er mache eure herzen hell mit dem Licht seiner Gnade. - Amen.
Den Hirten ließ er durch den Engel die große Freude verkünden;
mit dieser Freude erfülle er euer ganzes Leben. - Amen.
In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden;
durch ihn schenke er allen Menschen guten Willens seinen Frieden,
durch ihn vereine er euch mit der Kirche des Himmels. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohne und der Heilige Geist. - Amen.
MB Weihnachten
Der Vater erfülle euch mit seinem Segen,
denn er hat seinen Sohn zu euch gesandt. - Amen!
Christus erfülle euch mit seinem Segen,
die ihr wie die Hirten glaubt: Der Messias ist gekommen. - Amen!
Der Heilige Geist erfülle euch mit seinem Segen
und helfe euch, die wichtigen Dinge zu bewahren. - Amen!
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
erfülle euer Leben. – Amen.
Am Ende unseres Gottesdienstes gehen unsere Wege wieder auseinander.
Jeder von uns hat einen eigenen Weg.
Hört die Segensworte des Propheten Jesaja:
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,
der Frieden ankündigt,
der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt,
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme,
sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen,
wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Gott, der euch liebt,
strahle euch mit dem Lächeln eines Kindes an.
Gott, der ein gutes Wort für euch hat,
mache eure Herzen leicht.
Gott, der eure Wege begleitet,
schenke euch Frieden.
Im Namen …
Amen.
Maria und Josef sind auf ihrem Weg nach Betlehem
am Ende ihrer Kräfte und Möglichkeiten.
Erschöpft kehren sie im Stall ein.
Alle Kraft fließt in das Leben-Geben
für das Gottes-Kind.
Sie stellen ihr Leben für seines zur Verfügung.
Indem ihr Ruhe gegönnt wird,
wird die Er-Schöpfung
zur Teilhabe an der Neu-Schöpfung
durch den Schöpfer-Gott.
Zu Weihnachten können wir
die eigenen Er-Schöpfungen
dem Schöpfer anvertrauen.
Und hoffen, dass daraus
Neu-Schöpfung werden möge.
Johann Pock, Weihnachten 2025.
Die gewaltsamen Konflikte nehmen immer mehr zu, werden intensiver und dauern länger. Entsprechend steigt die Opferzahl.
Wirklich gute Jahre hat die Menschheit wohl noch nie erlebt, höchstens weniger schlechte. Aber dieses zu Ende gehende Jahr 2023 empfinden die meisten Erdenbewohner als ein wirklich schlechtes: Naturkatastrophen, Flüchtlingsströme, wirtschaftliche Stagnation, Teuerung, sozialer Abstieg, gesellschaftliche Polarisierung und Konflikte, Konflikte, Konflikte – innere, äußere, in der Mehrzahl blutige. Fast scheint es, als sei die Fähigkeit der Menschen, Konflikte auf friedliche Weise und durch Kompromisse zu lösen, verkümmert.
Peter Kufner auf diepresse.com
https://www.diepresse.com/17924287
Als Pax Romana („Römischer Frieden“) oder Pax Augusta (lateinisch für „Frieden des Augustus“) wird eine etwa 200–250 Jahre lange Periode des Römischen Reichs bezeichnet, die trotz einzelner Aufstände und kurzer Bürgerkriege insgesamt von innerem Frieden und Stabilität geprägt war. Als Garanten des inneren Friedens fungierten die Kaiser (Augusti). Diese Phase begann 27 v. Chr. mit dem Ende der römischen Bürgerkriege und der res publica libera unter dem ersten römischen Kaiser Augustus, der eine faktische Alleinherrschaft (Prinzipat) begründete, und endete entweder 192 n. Chr. mit dem Tod des Kaisers Commodus oder 235 n. Chr. mit dem Ende der severischen Dynastie (siehe auch Optimum der Römerzeit). Das Schlagwort Pax Romana oder, häufiger, Pax Augusta, meinte dabei stets vor allem inneren Frieden, also die Abwesenheit von Bürgerkrieg.
Wikipedia.
Er wanderte durch die weihnachtlichen Straßen. Schnee lag keiner. Dafür war es regnerisch und grau. Die Straßen und Fenster waren mit einer wahren Lichterpracht geschmückt. Hell schien es ihm entgegen. Doch in ihm war alles so finster, so drückend. In seiner Wohnung hielt er es nicht aus. Wenn er dort war, dann kamen sie gleich noch verstärkt wieder, die dunklen Gedanken und Gefühle, die wie dunkle Wolken in seinem Gehirn waberten. Er hoffte immer, dass sie ihn unterwegs wenigstens eine kurze Zeit in Ruhe lassen würden. Doch das gelang ihm nur für kleine Momente.
So zog er weiter durch die Straßen. Was er hier wollte, wusste er nicht. Mit einem Mal stand er vor St. Nikolaus, der Kirche mitten in der Stadt. Menschen kamen aus der Kirche. Gerade war die musikalische Krippenandacht zu Ende. Sie eilten schnellen Schrittes von hier fort, um dem Regen zu entgehen. Aus den riesigen Fenstern leuchtet es bunt in den Abend. Er wusste selber nicht warum. Langsam betrat er die Kirche. Sie war von verhaltenem Licht beleuchtet. Langsam durchschritt er das Kirchenschiff. Vorbei an Heiligen und Ständern mit Gedenkkerzen. Immer mehr auf den Altarraum zu. Sein Blick wandte sich nach links. Da stand sie, die prunkvolle Krippe, mit Maria und Josef und dem Jesuskind in der Krippe. Und nah bei ihnen Ochs und Esel. Dazu fünf Hirten und ganz viele Schafe. So viele Schafe.
Und er kam nicht umhin sie zu zählen. Eins, zwei, drei …. 12 Schafe. Viel zu viele. Sie machten sich ganz breit in seinem Kopf. Erinnerten ihn an die wabernden Wolken in seinem Hirn. Und auch sie hielten sich dort – wie gefangen. Und ohne, dass er es merkte, sprach er vor sich hin: „Viel zu viele Schafe.“ Und nochmal, fast ärgerlich und auch nicht gerade leise: „Viel zu viele Schafe.“
Da kam eine ältere, leicht gebeugte Frau auf ihn zu. „Ist sie nicht wunderschön, unsere Krippe. Sie ist schon mehr als 150 Jahre alt. Wie viele leuchtende Kinderaugen wohl schon hier vor ihr gestanden haben?“ - „Sie hat viel zu viele Schafe“, meinte der Mann. Die Frau sah in fragend an. „Blöde, blökende, dumme Schafe.“ Dann verstummte er. Die Frau wartete ab, ob eine Erklärung käme. Sie ließ dem Mann Zeit.
Und dann hielt er sein Schweigen selber nicht mehr aus und es platzte aus ihm heraus. „Sie sehen aus wie die grauen Wolken in meinem Kopf. Die stehen auch fest und wollen sich nicht verziehen. Wolken aus unschönen Gedanken und Gefühlen. Ich werde sie nicht los.“ Wieder wartete die Frau ab, ob er weitererzählen würde. Nach ein paar Momenten fragte sie vorsichtig: „Mögen sie erzählen?“ Und der Mann erzählte, was ihm in den letzten Jahren alles widerfahren war. Wie sehr alles verletzt hat und vor allem, wie einsam er sich fühle. Das alles nicht in einer unendlich langen Geschichte, sondern eher mit gestammelten, kurzen Sätzen.
Und wieder wartete die Frau einige Zeit und erzählte dann, dass sie ihn verstehen könnte. Vor ein paar Jahren hätte sie auch einen ziemlichen Lebenseinbruch gehabt. Der Mann drehte sich nun mehr zu ihr hin und fragte: „Und, was hat ihnen geholfen?“ „Ich habe vor drei Jahren hier als Kirchenwächterin begonnen und dann auch beim Krippenaufbau mitzuarbeiten. Es war mir geraten worden, mir eine Tätigkeit zu suchen. Und als wir vor drei Jahren die Krippe fast fertig aufgebaut hatten, da gab mir unser Küster die Figur des Jesuskindes in die Hände und bat mich, sie in die Krippe zu legen. Dann ging er in die Sakristei. Und dann stand ich da, mit dem Jesuskind in den Händen. Zupfte noch am Gewand. Sah sein Gesicht und seine ausgestreckten Arme.“ - Sie hielt inne, weil eine tiefe Rührung in ihr aufstiegt.
Als der Mann das spürte, fragte er fast ungeduldig: „Und dann?“ „Da blieb mir nichts anderes und ich habe das Jesuskind ganz nah an mich herangezogen – man könnte sagen, an mein Herz gezogen. Und dann stand ich da. Und ich wusste selbst nie, wie und wodurch, aber mit einem Mal wurde es heller in meinem Herzen. Alles, was sich gestaut hatte, lief in erlösenden Tränen aus mir heraus. Wir hielten uns beide, der schutzbedürftige neugeborene Jesus und ich sehnsüchtige alte Frau. So standen wir lange, bis ich das Jesuskind in die Krippe legen konnte.“
Eine Weile hielt sie inne. Dann sagte sie: „Diese erlösende Innigkeit gab es nur vor drei Jahren. Für mich war es wie ein kleines Wunder. Und in den nächsten beiden Jahren habe ich das Jesuskind immer jemand anderem in die Hände gegeben und bin dann gegangen, damit derjenige sein eigenes Geschehen erleben durfte. – Ich habe aber nie nachgefragt, ob es da etwas gab.“
So standen die beiden eine Zeit vor der Krippe. Dann legte die Frau ganz vorsichtig eine Hand auf die Schulter des Mannes und sagte: „Versuchen sie es einmal. Lassen sie sich Zeit. Ich schließe die Türen schon mal, aber die kleine Pforte dort rechts lasse ich ihnen offen. Auf Wiedersehen.“ Sie sah ihn mit freundlichen Augen und einem Lächeln an. „Trauen sie sich.“ Und der Mann lächelte zurück. „Auf Wiedersehen.“
Lange stand er da, mit sich hadernd. Dann nahm er das Kind aus der Krippe und hielt es lange an seine Brust gezogen.
Als er die Kirche verließ, nahm er sich fest vor, die Krippe, die so lange schon im Keller verstaubte, noch heute hochzuholen, auch, wenn Weihnachten schon so gut wie vorbei war. Und morgen würde er losgehen und noch ein paar Schafe kaufen. Und für die drei Könige endlich ein Kamel für das viele Gepäck, dass sie mit sich führen, damit sie, wie er, den langen Weg zur Krippe und dem erlösenden Kind darin, auch bewältigen können.
© Beatrix Senft 2023.
Was versteht man unter den drei weihnachtlichen Messen, woher kommen die Namen und wann werden sie gefeiert?
https://www.vivat.de/magazin/jahreskreis/weihnachten/engelamt-hirtenamt-menschenamt/
vivat.de
Vivat! ist eine geschützte Marke der Leipziger St. Benno Buch und Zeitschriften Verlagsgesellschaft mbH
Die Ärmsten der Armen,
draußen am Feld,
unbehaust, einsam,
ins Freie verbannt,
die Kälte der Nacht ertragend.
Waren es die Funken des Feuers?
War es ein Traumgebild?
Die Engel im Glanz zu sehen –
zitternd vor Angst.
In eilenden Schritten loszugehen,
um als Erste
an der Krippe zu stehen.
Selig, die arm sind –
sie werden das Himmelreich sehen.
Ilse Pauls
Text: Heiko Kuschel, Musik: Reinhard Burchhardt
Text: Hildegard Wohlgemuth, Musik: Reinhard Burchhardt
Nun sei es kräftig besungen:
Geschöpf hat den Schöpfer bezwungen,
Der Mensch ist in Gott eingedrungen.
Ich kneife mich froh in Arm und Bein:
Dies Adamsfleisch wuchs mitten hinein
Zwischen Vater und Geist ins dreieinige Sein.
Es wird sich menschlich mühen,
von tödlichen Wunden erglühen,
Doch göttlich in Ewigkeit blühen.
So ängstige, Sünder, dich ferner nicht:
Hält einst ein Mensch das Menschengericht,
Erkennst du dies mildeste Kindesgesicht.
Ein Mensch gebietet den Weiten
Der göttlichen Herrlichkeiten,
Ein ewiges Fest zu bereiten.
Ich Bettler – ach, was kein Bettler mehr!
Zu Bethlehem, da ward ich wer:
Mein Bruder ist Gott und liebt mich sehr.
Heinrich Suso Waldeck
(1873 – 1943)
Manchmal in Träumen
manchmal durch Menschen
manchmal in einem Wort
ER hat mit Moses verhandelt
mit Jakob gekämpft
durch Propheten gesprochen
Und heute?
Seine Stimme ist leise
im Lärm erstickt
unhörbar im Wind …
Aber noch immer
spürbar im Herzen.
Ilse Pauls
Seltsame Verbindung
zwischen Mutter und Kind,
unsichtbare Nabelschnur,
die niemals zerreißt,
ein Leben lang.
Mitfreuen, mitleiden, mitfühlen
über Kontinente hinweg,
loslassen,
aber doch nicht vergessen,
zuschauen,
aber doch nicht eingreifen,
gebraucht werden,
aber nur für kurze Zeit,
warten,
aber doch nichts erwarten,
lieben,
auch wenn es weh tut.
Ilse Pauls.
1. Die Hirten besuchen das Jesuskind,
und wen besuchst du?
Der Ochs und der Esel in der Krippe singt,
für wen singst du?
Das Stroh hält das Jesuskindlein warm,
und wen wärmst du?
Maria hält ihr Kind im Arm,
und wen hältst du?
Refrain:
So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
2. Ein Stern leuchtet den Weisen den Weg,
für wen leuchtest du?
ein Engel spricht, dass es jeder versteht,
mit wem sprichst du?
Könige beschenken den Retter der Welt,
und wen beschenkst du?
Josef lacht, weil s ihm gefällt,
mit wem lachst du?
Refrain: So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
Lied: So könnt es Weihnachten werden, Text und Musik: Kurt Mikula
https://www.youtube.com/watch?v=U3fg3KCWNm4
Ein Wort bleibt hart und unbeweglich,
wenn ich es nur mit dem Verstand erfasse;
es kann mich höchstens "informieren".
Erst, wenn ich das Wort "ver-nehme",
es mit dem Herzen höre,
fängt es an zu sprechen.
Damit mich das Wort an-sprechen kann,
muss ich "aufhören",
aufhören mit meinem Reden;
ich muss ent-sagen.
Solange ich geplagt bin von mir selbst,
von meinen oft habgierigen Absichten,
Zielen und Zwecken,
bleibe ich verschlossen
und im Innersten starr und unbeweglich.
Menschen, die sich aus sich selbst bewegen,
gelangen höchstens zur Betriebsamkeit,
die früher oder später mit der Todesstarre endet.
Um in die Bewegung des Lebens zu gelangen,
muss ich mich bewegen lassen
vom Leben selbst, - vom Wort.
Wort ist geronnenes Erleben.
Wenn ich mich dem Wort aus-setze,
es einlasse und bewege
mit den Kräften meines Herzens
(wenn ich es "meditiere"),
fängt das Wort an zu sprechen.
Es taut auf,
und das ganze Leben und Erleben
wird lebendig -
die ganze "Wirk-lichkeit" des Wortes,
die in ihm verborgen ist.
Jedes Wort ist ein Schatz,
ein "Wort-Schatz".
ich bin so arm,
nicht weil mir die Worte fehlen,
sondern weil ich sie nicht "schätze".
Ich missbrauche sie
in meinem "Eigen-Sinn"
und dadurch töte ich
den eigenen Sinn der Worte.
Wenn ich das Wort bewege,
wird es "wahr";
ich "be-wahre" es
und werde es "ge-wahr";
es schenkt mir seine Wahrheit
und macht mich selber wahr.
Das Wort fängt an,
mich zu ergreifen und mich zu bewegen:
Ich "komme zu Wort",
ich kann mich jetzt "zur Sprache bringen"
und im Wort aus mir herausgehen,
mich aus-sprechen
mich mit-teilen.
Das Wort "wird Fleisch",
es gestaltet mich
und nimmt von mir Gestalt an.
Wort ist Gott - Gott ist Wort.
Im Wort kommt Gott zu mir,
seine Gegenwart in mir
bestätigt er durch sein Wort.
Aus: Elmar Gruber, Maria - Weg des Glaubens, Meditationen, München 1998.
... Dieser Jesus verkörpert das unterscheidend Christliche. Alle Weltreligionen kennen einen Gott oder mehrere Götter, die im Himmel oder anderen Sphären wohnen und deshalb unerreichbar sind. Für das Christentum thront Gott nicht unerreichbar im Himmel, er hat vielmehr Interesse an seiner Welt und ist dort gegenwärtig, wo wir Menschen sind. Noch mehr: Er wird Mensch, um unser Leben zu teilen, bis zum Tod am Kreuz, jenem letzten erschütternden Erweis seiner Hingabe und Liebe. Dadurch befreit er uns von der alten religiösen Angst, vor Gott nicht zu genügen und uns deshalb bei ihm beliebt machen zu müssen. Diese Befreiung von der allen anderen Religionen innewohnenden Angst nennen wir - Erlösung. Jesus Christus ist die menschgewordene Liebe des Vaters, er macht leibhaft erfahrbar, wer Gott ist. Durch ihn ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ein für allemal offenbar geworden. Gott ist nicht unnahbar fern, sondern menschlich nah.
Aus: Stefan Jürgens, Ausgeheuchelt. So geht es aufwärts mit der Kirche, Freiburg 2019.
Was du erfahren
in vielen Jahren
sollst du bewahren
als deinen Schatz.
Er kann dir nützen
und dich beschützen
ein Leben lang.
Wolfgang Lörzer (*1950), VHS-Dozent und Autor, auf: Aphorismen.de
Momente
in denen ich Dich ersehne
Sekunden
die ich nie missen möchte
Sonnenstrahlen
auf meiner inneren Haut
ich möchte das
immer wieder spür'n
und jeden einzelnen Augenblick
in Bernstein gießen
um ihn für immer zu bewahren
Wolfgang Lörzer (*1950), VHS-Dozent und Autor, auf: Aphorismen.de
Weihnachten – Gott ist sichtbar geworden auf Erden in jeder Freundlichkeit und Liebe unter den Menschen.
Gott lässt sich erkennen: Die Einfachen, Kleinen, Armen können ihm begegnen, alle, die von ihrem hohen Ross heruntersteigen und die Maske des Hochmuts absetzen wollen.
Darum, lieber Mensch, lege allen Ballast der Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit ab. Öffne dein Herz und deine Arme, mögen die auch hart sein wie die Krippe – wenn sie nur offen sind – und tritt ein in das Geheimnis der Liebe von Weihnachten.
Phil Bosmans in:: Ludger Hohn–Morisch (Hrsg); Für jeden Tag ein gutes Wort. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 2005
Um in diesen Weihnachtstagen glücklich zu sein, brauchst du Licht und Wärme, kein kaltes Neonflimmern und keine Wärme, die eine Heizung liefert. Du brauchst Licht im Herzen, um den Sinn des Lebens zu sehen, und die Wärme lieber Menschen, die dich gern haben.
In Armut und Kälte ist einer in die Welt zu allen Menschen gekommen, der mit seinem ganzen Leben Licht und Wärme sein wollte. Wenn du offen bist für das Geheimnis des Menschen, offen wie ein Kind, wirst du Licht empfangen und Wärme fühlen.
Phil Bosmans in:: Ludger Hohn–Morisch (Hrsg); Für jeden Tag ein gutes Wort. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 2005.
1.
Die Hirten besuchen das Jesukind.
Und wen besuchst du?
Der Ochs und der Esel in der Krippe singt.
Für wen singst du?
Das Stroh hält das Jesuskindlein warm.
Und wen wärmst du?
Maria hält ihr Kind im Arm.
Und wen hältst du?
Refrain:
So könnte es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden
Keiner müsste mehr einsam sein
keiner wär allein.
So könnte es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden
Keiner müsste mehr einsam sein
keiner wär allein.
2.
Ein Stern leuchtet den Weisen den Weg.
Für wen leuchtest du?
Ein Engel spricht, dass es jeder versteht.
Mit wem sprichst du?
Könige beschenken den Retter der Welt.
Und wen beschenkst du?
Josef lacht, weil's ihm gefällt.
Mit wem lachst du?
Text & Musik. Kurt Mikula.
Hirten hüten ihre Herde und wenden Böses von ihr ab.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die Mitarbeiterinnen unseres Kindergartens,
die Lehrer in der Schule,
die Katecheten der Erstkommunionkinder
Hirten pflegen ihre kranken Tiere und helfen, ihre Wunden heilen.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die Ärzte, Schwestern und Pfleger,
die Mitarbeiter der Sozialstation,
die Mitarbeiter des Roten Kreuzes
Hirten erzählen von ihren Träumen, von ihren Erfahrungen mit der Stille
und ihrem Gott.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Gemeinde,
die Mitglieder des Pfarrgemeinderates,
die Religionslehrer der Kinder
Hirten lieben die Natur, schließen Freundschaft mit Blumen,
nennen Bäume ihre Freunde und sprechen mit Tieren.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die Bauern und Förster,
die Schützer der Natur und
die Verfechter einer sauberen Umwelt.
Hirten führen ihre Schafe zusammen und gehen dem verlorenen nach.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Eheleute, die um den Partner ringen,
Freunde, die einander nicht verlieren wollen
Menschen, die Frieden stiften und Kompromisse suchen.
Aus: Herbert Jung, Mensch geworden für die Menschen, Freiburg 2001.
Unter den Hirten auf dem Feld in Bethlehem war auch ein Einfältiger. Er wurde von den anderen nur Tölpel genannt.
Als eines Nachts der Engel des Herrn erschien, um ihnen die Geburt Christi anzukündigen, begriff der Tölpel seine Worte nicht. Aber überwältigt vom Glanz, der von dem Engel ausging, fiel auch er, im Innersten erschrocken, auf die Knie.
Und als die anderen, wie der Engel es ihnen gesagt hatte, sich aufmachten, das Kind zu finden, wollte auch er mit ihnen gehen. Aber die Hirten schämten sich seiner, denn sein Gewand war zerrissen, sein Bart struppig und der Ausdruck seines Gesichtes blöd.
Bleib du hier bei den Schafen und beim Feuer, sagten sie. Das Kind, das wir suchen, ist kein gewöhnliches. Einen Tölpel, wie du einer bist, kann es nicht brauchen.
Doch der Tölpel ließ sich von ihren Worten nicht einschüchtern. Er lief ihnen nach, auch wenn er Mühe hatte zu folgen. Was willst du ihm denn schenken, spotteten sie.
Da sah der Tölpel erst, dass sie alle beladen waren mit Milch und Honig, mit Wolle von Schafen, mit Käse und Brot.
Daran hatte er nicht gedacht. Er wurde sehr betrübt. Aber auf einmal heiterte sich seine Miene auf, und rief er voller Stolz: Ich könnte die Fliegen von seinem Gesicht verscheuchen.
Was glaubst du eigentlich!, riefen die andern zurück. Dazu sind Engel da!
Der Tölpel wurde sehr traurig. Aber auf einmal heiterte sich seine Miene auf, und rief voller Stolz: Ich könnte seine Füße reiben, um es zu wärmen.
Was glaubst du eigentlich!; riefen die andern zurück. Dazu sind Engel da!
Der Tölpel fing an zu weinen. Aber auf einmal heiterte sich seine Miene zum dritten Mal auf, und er rief voller Stolz: Ich könnte ihm ein Lied singen, damit es Schlaf findet!
Was glaubst du eigentlich!, riefen die andern zurück. Dazu sind Engel da!
Der Tölpel war nun sehr betrübt und weinte vor Hilflosigkeit. Aber er gab nicht auf. Er wollte den König und die Engel, die von seinem Gesicht die Fliegen verscheuchten, die seine Füße rieben und ihm ein Lied sangen, wenigstens von weitem sehen.
Endlich standen die Hirten vor dem Stall, und sie fanden das Kind in einer Krippe liegen, arm und bloß.
Maria und Josef hatten mit den vielen Gästen alle Hände voll zu tun, denn nicht nur die Hirten, sondern auch die Könige hatten den Weg zur Krippe gefunden.
Ach, seufzte Maria, wenn ich nur jemanden hätte, der dem Kind die Fliegen verscheucht, der ihm die Füße reibt und ihm ein Schlaflied singt!
Da trat der Tölpel näher. Und als er weit und breit keine Engel sah, da wischte er seine Tränen ab, lachte vor Freude und kniete vor der Krippe nieder. ER verscheuchte die Fliegen. Er rieb dem Kind die Füße, um es zu wärmen, und sang ihm ein Lied, bis es einschlief.
Maria und Josef und die drei Könige staunten: Die Hirten aber schämten sich und nahmen ihn beim Heimweg in ihre Mitte.
Max Bolliger in: Ulrich Sander (Hrsg.) Unterwegs zum Licht, Weihnachtliche Worte und Weisen, Freiburg 2010.
Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen, mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.
Sage, wo ist Bethlehem?
Komm doch mit, ich zeig es dir!
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jetzt und hier.
Sage, wo ist Bethlehem?
Liegt es tausend Jahre weit?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jederzeit.
Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.
Rudolf Otto Wiemer in: Dietrich Steinwede (Hg.), Jetzt ist die Zeit der Freude. Weihnachtliche Texte. Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2011.
https://youtu.be/_XMLsNmTLjY?si=ac5HCkIQqETcnNBN
plötzlich
unverhofft
mitten im kalten winter
in der nacht
in einem milieu
wo man es nicht vermutete
in einer gegend ...
die ...
ja die gegend
betlehems felder
wissen sie wo das ist
da ganz am rand der welt
da hat der himmel
die erde geküsst
maria
und da
ist ein ros entsprungen
aus einer wurzel zart
mitten im kalten winter
wohl zu der halben nacht
Wir danken dir, verborgener Gott
wir danken dir
verborgener gott
daß du uns deine stimme
hast hören lassen
deine stimme
im geburtsschrei
eines kindes
im geburtsschrei
einer neuen welt
Wir danken dir, weiser Gott
wir danken dir
weiser gott
für das kind
auf stroh
das uns menschen
einfacher
weiser
menschlicher
und göttlicher
macht
Wilhelm Willms in: Dietrich Steinwede (Hg.), Jetzt ist die Zeit der Freude. Weihnachtliche Texte. Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2011.
Die Geburt Jesu wird seit dem 4. Jahrhundert am Jahresende, in der Zeit der Wintersonnenwende, gefeiert. Seit 400 Jahren prägen zwei ganz unterschiedliche Zeichen dieses Fest: Christbaum und Krippe. Der Christbaum ist zuerst im Elsaß nachgewiesen, in Bürgerhäusern in Schlettstadt und Straßburg, die Krippe in Jesuitenkirchen von Coimbra, Prag und Altötting.
Die ersten Christbäume waren mit Äpfeln, Hostien und Kerzen geschmückt. Sie wurden am 24. Dezember aufgestellt, nach dem alten kirchlichen Kalender der Gedenktag von Adam und Eva. Das Grün erinnerte an das Paradies, die Äpfel an den Sündenfall, die Hostien an die Erlösung, die Kerzen an Christus, „das wahre Licht, das in die Finsternis kam" (Joh 1,4-9). Der ganze Baum war Licht in der Finsternis der längsten Winternacht und Zeichen der Erlösung. Der Brauch, ihn im Wohnraum aufzustellen, wurde später durch die Hugenotten vom Elsaß aus nach Frankreich, in die Pfalz, nach Baden und andere evangelisch gewordene Landschaften verbreitet. In Bayern führte ihn Karoline von Baden, die erste Königin von Bayern, zum Weihnachtsfest 1800 ein.
In der Biedermeierzeit wurde der Christbaum zum Inbegriff der „Deutschen Weihnacht". [Unser Bild zeigt eine Darstellung zum Märchen vom Tannenbaum von Hans Christian Andersen.] Als die Nationalsozialisten ihn zum Zeichen eines heidnisch-germanischen Julfestes machen wollten, wurde er als Antwort darauf auch in katholische Kirchen übernommen. Seither umrahmen symmetrische Fichtenwälder viele Altarräume in der Weihnachtszeit. Aber der ursprüngliche Sinn, der sich im Grün, im Apfel, der Hostie und dem Licht konkretisiert, wird kaum irgendwo gesucht. Außerhalb der Kirchen wurden Christbäume, überreich beladen, zum Symbol des Konsums.
Wenn wir seine christliche Botschaft wieder entdecken wollen, sollten wir in der Kirche nur einen Baum aufstellen, ihn mit Äpfeln, Hostien und Wachs(!)kerzen schmücken und die Texte vom Paradies, vom Licht, vom Abendmahl lesen.
Das Figurentheater der Weihnachtskrippe haben die Jesuiten vielleicht nicht erfunden. Aber als Medium der Verkündigung haben sie es überall auf der Welt verbreitet, in Portugal, Böhmen und Bayern, in ihren Missionsgebieten in Amerika und Asien. Die Figuren aus Holz, Wachs oder Terrakotta wurden so aufgestellt und beleuchtet, daß sie zu sprechen und zu handeln scheinen. Das Geschehen wurde sowohl als Erzählung aus alter Zeit und einem fernen Land historisiert, als auch im Hier und Heute vergegenwärtigt. Das neue Bildmedium wurde zu einem Welterfolg. Bald wurden Weihnachtskrippen auch an Fürstenhöfen, in Bischofs- und Klosterkirchen nachgebaut, im 19. Jahrhundert dann auch in Privathäusern.
Mit den Krippen wurden zunächst das Weihnachtsevangelium des Lukas und die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland nach Matthäus illustriert. Bald aber überlagerten andere weihnachtliche Legenden, Privatoffenbarungen und Dichtungen die knappen Berichte der Evangelisten. Um 1900 bemühte man sich darum, in den Figuren und Landschaften Palästina realistisch darzustellen. Seit 1930 setzten sich Heimatkrippen mit blonden Frauen und Kindern in Trachtenkleidung durch.
Heute sollte sich eine Kirchenkrippe neu mit den Texten des Evangeliums auseinandersetzen. Sie sollte fremde Motive aus Privatoffenbarungen, Apokryphen und Weihnachtsmärchen reduzieren und sich entweder um Authentizität bemühen oder um Modernität. Entweder man entscheidet sich, Palästina zur Zeit Jesu nachzustellen, also Jesus und seine Mutter als orientalische Juden zu entdecken, oder man überträgt das Geschehen in unsere Gegenwart: Wo würde heute eine überall abgewiesene junge Schwangere ihr Kind bekommen können? In einer Tankstelle? Einem Gewerbepark? Und wen würden die Engel in der Nähe wach finden? Obdachlose, Polizisten, Müllmänner?
Die Geburt Jesu mit Figuren und Kulissen in eine angeblich „gute, alte Zeit", beispielsweise ein Bergdorf des 18. Jahrhunderts, zu versetzen, ist verlogen. Krippen sollten nicht gemütlich sein, sondern aufregend wie die Geburt und das Leben Jesu.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Nach 2000 Jahren christlicher Sozialisation geht uns der Satz „Gott ist Mensch geworden" leicht von den Lippen. Schwieriger wird es, wenn wir die heute üblichen Worte für Neugeborene benützen: „Gott ist Baby geworden" oder „Gott ist Säugling geworden". Für das Lukasevangelium war die Geburt Jesu ein natürlicher Vorgang: „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln" (2, 7). So aber sehen die Weihnachtsbilder in unseren Kirchen und Museen und auf den Weihnachtspostkarten nicht aus. Da liegt ein nacktes Kind mit Goldstrahlen auf dem Boden und wird von einer Frau mit langem offenem Haar kniend angebetet.
Es war eine Frau, die sechs Kinder geboren hatte, und die wußte was für eine harte und schmutzige Arbeit Gebären ist: die heilige Birgitta von Schweden, die seit 1370 alle bei uns verbreiteten Bilder von der Anbetung des neugeborenen Jesus angeregt hat. Zuvor, und in der Ostkirche bis heute, wurde Maria dargestellt, wie sie erschöpft von der Geburt auf einem Lager liegt und sich ihrem gewickelten Kind liebevoll zuwendet.
Distanzierte Anbetung statt tätiger Zuwendung - dieser Wandel in der Bildvorstellung hat mit Reinheitsvorstellungen zu tun. Birgitta wollte sich die Jungfrau Maria nicht mit Blut befleckt vorstellen, das göttliche Kind nicht an einer Nabelschnur hängend. Darum beschrieb sie eine Vision, wie Maria allein mit aufgelöstem Haar im Stall von Betlehem betete und plötzlich das Kind vor ihr lag, ganz rein und leuchtend wie die Sonne. In den entsprechenden Bildern wurde Jesus zum Sternenkind, nicht zum Menschensohn.
Darstellungen einer Geburt gibt es in der europäischen Kunst nicht. Sie sind möglich, wie Beispiele der afrikanischen und altamerikanischen Kunst zeigen, aber nicht in einer Bildwelt, die auf die Griechen zurückgeht. Hier war nur die Sorge um das neugeborene Kind und das Nähren an der Brust bildfähig. Die stillende Gottesmutter war ein beliebtes Andachtsbild der frühen niederländischen Kunst. An diese Tradition knüpfte Rembrandt 1635 an. Er zeigt eine Frau in einer einfachen Tracht, die ein dicht eingewickeltes Kind an ihre Brust hält. Das Kind ist satt und schläft ein; sein Mund und die Brust sind von Milch und Spucke verschmiert. Aber das Kind darf noch nicht schlafen, es kann noch nicht in das Korbbett gelegt werden. Es muß erst aufstoßen, sonst wird es die Milch erbrechen. Alle Eltern und Kinderpfleger wissen das. Nach dem Stillen ist ein schwieriger Moment, das Kind will satt einschlafen, soll schlafen, aber erst muß man es noch ein wenig aufrecht halten, den Schlaf verzögern, bis zum befreienden Aufstoßen. In diesem Moment des gespannten Wartens muß es still sein. Darum hat der Mann im Bild, Josef, sein Werkzeug - Bohrer, Sägen, Beil - beiseite gelegt und beugt sich ganz sanft und aufmerksam über das Kind.
Jeder, der mit kleinen Kindern zu tun hatte, kennt diese Situation und erkennt sie im Bild Rembrandts wieder. [Eine alltägliche, menschliche Situation, die in der nebenstehenden Radierung nochmals - anders - dargestellt ist.]
Nichts weist auf die göttliche Natur des Kindes hin: Gott ist Säugling geworden. Er, der allen Vögeln ihre Nahrung gibt, begnügt sich mit ein paar Tropfen Milch, wie der Dichter Sedulius im 5. Jahrhundert schrieb.
Rembrandt hat die Menschwerdung Gottes ernst genommen, wörtlich verstanden. Katholische Weihnachtsbilder sind „göttlicher". Strahlen, Goldglanz und Engel möblieren unsere Krippen zu Vorsälen des Himmels, so als ob Jesus von Nazareth gar nicht wirklich auf der Erde gelebt hätte. Peter Paul Rubens ist in seiner Hirtenanbetung für Neuburg an der Donau 1620 Rembrandt vorausgegangen in seinem Verzicht auf übernatürliche Lichterscheinungen. Sein weiß gewickeltes Kind liegt auf gelbem Stroh, das von einer Laterne so beleuchtet wird, daß es zu glänzen beginnt. Rembrandt zeigt nicht den Stall von Betlehem sondern die Werkstatt in Nazareth, kein Weihnachtsfest, sondern den Alltag einer jungen Arbeiterfamilie mit unendlicher Zärtlichkeit und Geduld.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Von einem hellgelben Strohhaufen heben sich ein blauer Esel und ein roter Ochse ab, daneben ganz in blauem Umriss eine Frau mit einem nackten Kleinkind, am Rand der Futtertrog, die Krippe, als notdürftiger Kinderbettersatz. Die Szene ist in eine rechteckige Form eingepasst, die Andeutung eines Stalls. Ihm fehlt die Vorderwand, er ist offen wie ein Puppenhaus. Giotto di Bondone hat um 1300 die biblische Geschichte in solchen Puppenhäusern ausgemalt. Über dem Stalldach befindet sich auf unserem Bild ein nachtblauer Flimmel mit einem Gestirn. Von rechts schreitet ein nackter roter Mann vor blauem Grund auf das Licht des Stalls zu, von links eine Frau mit einem grünen Tuch um die Hüften, begleitet von einem Reh.
Das Gemälde steht in einem Geflecht von Traditionen: Die Geburt im Stall nach der Erzählung des Lukasevangeliums wird seit 320 mit einer Krippe und Tieren dargestellt. Ausgehend von dem Vergleich Adam und Christus bei Paulus (1 Kor), entwickelten die Kirchenväter seit dem 4. Jahrhundert das Gegensatzpaar Eva und Maria, das bald zu einem Thema von Dichtung, Malerei und Skulptur wurde. Eine künstlerische Tradition wurde bereits genannt, die kirchliche Monumental-Malerei der Toskana um 1300. In Florenz und Siena wurden damals die Grundlagen der europäischen Malerei erarbeitet.
Aber der Maler unseres Bildes, Karl Caspar (1879-1956), wählte andere Farben. Weder nackte Männer noch Ochsen sind rot, Esel sind nicht blau. Seine Farben bilden nicht mehr ab. Damit steht er in der Tradition der Malerei des „Blauen Reiter". Die kleine Münchner Künstlergruppe wollte 1912 damit aufhören, einfach Sichtbares wiederzugeben. Statt dessen wollte sie „sichtbar machen", wie es Paul Klee formulierte.
Dieser Ausstieg aus dem überlieferten Aufgabenkreis der Kunst, nämlich Natur nachzuahmen, wie es seit Aristoteles als selbstverständlich galt, ist das einzige Ereignis von welthistorischer Bedeutung, das je in München stattgefunden hat. Der Aufbruch der modernen Kunst über die Grenzen des Materialismus zum Geistigen - so sagte das Wassilij Kandinski - fiel in die Zeit, als die katholische Kirche den Antimodernisteneid für ihre Priester einführte, um sich auf Dauer in einer defensiven Kräftekonzentration von der modernen Welt abzusetzen. Künstler, die sich der Kirche verpflichtet fühlten, gerieten dadurch in ein Dilemma. Entweder sie verrieten ihre Kunst, um den kirchlichen Auftraggebern zu gefallen, oder sie trennten sich von der Kirche.
Karl Caspar hat sein Leben lang an der Bibel als Quelle seiner Kunst festgehalten. Aber sein Werk entstand seit 1912 außerhalb der Kirchen, verteidigt von mutigen Katholiken wie Konrad Weiß und Carl Muth, aber ohne Chance gegen eine kirchliche Ablehnungsfront. Carl Muth hatte 1898 mit seiner Schrift „Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?” den Inferioritätsstreit ausgelöst, den Streit darüber, ob Katholiken ihrer Umwelt kulturell unterlegen seien. Karl Caspar, der zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes gehörte, wollte eine Kunst auf der Höhe ihrer Zeit. Die Kirche konnte ihm bis lange nach seinem Tod nicht folgen, mit Ausnahme des Weihbischofs Senger von Bamberg, der ein Casparfresko für die Ostapsis des dortigen Doms durchsetzte, das 1928 großen Streit auslöste. Im Münchner Dom wurde noch 1953 ein Entwurf Caspars als zu modern abgelehnt und erst 1976 für die Unterkirche das Passionstriptychon von 1917 erworben.
Sollten sechzig Jahre, zwei Generationen, der Abstand bleiben, mit dem die Kirche den Entwicklungen der modernen Welt hinterherhinkt?
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Ein kleines Mädchen wurde einmal von seiner Großmutter gefragt, ob es ihr ein Bild von Gott malen könnte. Die Kleine sagte: "Malen kann ich dir den lieben Gott nicht, aber ich kann dir sagen, wie er aussieht". "So", meinte die Großmutter, "wie sieht er denn aus?" "Er ist sehr groß - und sehr klein", antwortete das Mädchen. "Am Morgen reckt er sich ganz hoch auf, damit er alles gut sehen kann. Aber für die, die sich eh schon vor ihm fürchten, da macht er sich ganz klein - so klein wie ich. Nur für die frechen Leut', da ist er immer sehr groß". Das Kind hat etwas Richtiges erfasst. Gott ist groß und klein; ja gerade seine Größe, seine Souveränität, besteht darin, dass er auch "klein" sein kann; dass er eine gewisse Schwäche in Kauf nehmen kann. Er muss sich nicht ständig aufs Podest stellen. Er kann es sich leisten, arm und bedürftig zu erscheinen, in seiner Liebe. "Die Liebe fürchtet sich nicht vor ihrer eigenen Ohnmacht; darin ist sie allmächtig", so hat einmal jemand formuliert (Eberhard Jüngel). Wahre Liebe ist bereit, auf eine Stärke zu verzichten, die Zwang ausüben würde; denn sie will nicht überwältigen, sondern sucht die freie Zuwendung des anderen. Aber gerade so erweist sich ihre wahre Macht.
Den Hirten wird in der Heiligen Nacht gesagt: "Das soll euch zum Zeichen sein: ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe liegt" (Lk 2,12). Es käme darauf an, die Sprache zu hören, in der Gott in diesem Zeichen zu uns spricht. Es ist eine Sprache, die sich fortgesetzt hat im gesamten Leben und Wirken Jesu. Es ist die Sprache des Respekts vor unserer Freiheit, die Sprache einer gewaltlosen Liebe, die Sprache des uns geschenkten Vertrauens. Wenn wir diese Sprache verstehen, kann auch für uns die Zusage wahr werden: "Heute ist euch der Retter geboren, der Heiland, Jesus, der Bruder und Herr!" (Lk 2,11).
Augustin Schmied CSsR, Lichter die uns begleiten 2012.
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Sie selbst wäre als Kandidatin für ihre Kuppelsendung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" gänzlich ungeeignet. Nicht nur, dass Elizabeth T. Spira glücklich verheiratet ist, sie würde sich vor der Kamera auch nicht öffnen: "Meine Gefühle erzähle ich meinem Mann. Ich bin nicht jemand, der seine Gefühle zeigt, der alles herauskotzt. Da bin ich altmodisch erzogen", sagt die 69-Jährige.
Wenn in ORF 2 eine Staffel des Quotenhits startet, schaut nicht nur fast eine Million Österreicher zu, man wird Spira wieder vorwerfen, sie sei eine Voyeurin, die einsame Seelen einfängt. Kritik, die ihr schon lange gleichgültig ist: "Es ist mir wurscht, was geschrieben wird. Man darf mich auch total angreifen - aber g'scheit und nicht nur das Gleiche immer wiederkauen. Außerdem ist ein Journalist, der kein Voyeur ist, schlecht."
Neugierig war die Mutter einer Tochter schon immer, nur die Politiker interessierten sie für ihren Beruf als promovierte Publizistin und Journalistin bei "profil", "teleobjektiv" und dem "Inlandsreport" zu wenig: "Am Abend haben wir lieber gepokert, als Konzepte geschrieben", erinnert sich Spira. Also wandte sie sich der Unterhaltung zu und entwickelte mit Historiker Michael Mitterauer 1985 die "Alltagsgeschichten". Für sie "sicher keine klassische Sozialreportage. Bei mir kamen ganz normale Leute vor, eher das untere Drittel, das nicht so begünstigt worden ist". Aus dem Format entwickelten sich auch die "Liebesg'schichten", da man bei den Recherchen "so viele einsame Menschen" getroffen hat.
Das T in ihrem Namen verdankt sie übrigens Vater Leopold, dessen Deckname Toni war. Als jüdischer Kommunist von den Nationalsozialisten gleich doppelt gefährdet, floh er nach Glasgow, wo Spira am 24. Dezember 1942 zur Welt kam. Am Heiligen Abend rannte sie oft weinend auf die Straße: "Weil das Geld immer knapp war, war meinen Eltern jede Ausrede recht Geschenke zu sparen. Also gab es etwa einen Schi zum Geburtstag und einen zu Weihnachten."
Heuer feiert sie ihren 70er - ohne Tränen, ohne Pläne, denn "Pläne verstopfen die Zukunft, also lebe ich planlos."
Christoph Steiner in der Kleinen Zeitung 2012.
Die Gestalterin der ORF-Sendereihen "Alltagsgeschichte" und "Liebesg'schichten und Heiratssachen" wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow als Kind jüdischer Emigranten geboren. 1946 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Wien und absolvierte nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule in Wien das Studium der Publizistik an der Universität Wien. Nebenbei sammelte die promovierte Publizistin bei diversen Tageszeitungen und Zeitschriften journalistische Erfahrung. Unter anderem war sie 1972 als Redakteurin bei der Wochenzeitschrift "profil" tätig.
Seit 1973 gestaltet sie für den ORF zahlreiche Magazinbeiträge und Dokumentationen, so zeichnete sie unter anderem für die Sendung "teleobjektiv" verantwortlich.
In der ORF-Kultur ist Elizabeth T. Spira seit 1989 beschäftigt. Seit 1985 gestaltet sie die Dokumentarfilm-Reihe "Alltagsgeschichte", seit 1997 "Liebesg'schichten und Heiratssachen".
Zahlreiche Auszeichnungen...
orf.at 2012.
Und es begibt sich auch heute noch,
dass Menschen zur Krippe kommen,
weil sie das neugeborene Kind lieben.
Und es ereignet sich auch heute noch,
dass Menschen dem Stern von Bethlehem folgen,
um sein Licht weiterzutragen.
Und es geschieht immer wieder,
dass Menschen einen Augenblick lang innehalten,
um in der Begegnung miteinander und mit Gott
neue Kraft, neuen Mut, neue Freude zu gewinnen:
Es ist auch heute möglich, glaubend - hoffend - liebend zu leben.
Hildegard Kremer auf: http://www.kloster-ingenbohl.ch 2009.
Wenn du dich satt gesehen hast
an dem schönen Kind in der Krippe,
geh noch nicht fort!
Mache seine Augen zu deinen Augen,
seine Ohren zu deinen Ohren
und seinen Mund zu deinem Mund!
Mach seine Hände zu deinen Händen,
sein Lächeln zu deinem Lächeln
und seinen Gruß zu deinem Gruß!
Dann erkennst du in jedem Menschen
deine Schwester, deinen Bruder.
Wenn du ihre Tränen trocknest
und ihre Freuden teilst,
dann ist Gottes Sohn wahrhaftig geboren
und du darfst dich freuen
Marina Roost auf: http://www.kloster-ingenbohl.ch 2009.
Er ist einfach da -
das ist alles,
was er tut und kann.
Aber indem er da ist,
ohnmächtig und strahlend,
ist eben Gott selber da.
Gott ist das für uns.
Und was sagt dieses Dasein Gottes
im Kind von Bethlehem?
Es sagt mir,
es sagt dir,
es sagt jedem Menschen:
Gut, dass du da bist.
Aus: Hemmerle, Klaus: Gottes Zeit – unsere Zeit, Gedanken für jeden Tag. München: Verlag Neue Stadt, 1994.
Ruhe war eingekehrt im Stall von Bethlehem. Das Jesuskind hatte sich müde geschrien, und auch Maria und Josef waren nach all den Strapazen auf dem Stroh eingenickt.
Der Stern strahlte hell an dem dunklen Himmel und verkündete mit seinem Leuchten, daß etwas Wunder-bares geschehen war in dieser dunklen Nacht.
Nur Ochs und Esel waren noch wach. »Iah!« sagte der Esel. Das sagte er immer, wenn ihm nichts Besseres einfiel.
»Sei doch still«, brummte der Ochse, »du weckst mit deinem ewigen >Iah!< ja noch das Kind auf.«
»Ich bin hungrig«, sagte der Esel. »Was ist denn das für eine neue Mode, daß die Menschen jetzt schon ihre neugeborenen Kinder in unsere Futterkrippe legen. An uns Tiere denken sie überhaupt nicht mehr, Iah!« wieherte er.
»Das ist doch nicht irgendein Kind, das da liegt«, erwiderte der Ochse, »das ist Gottes Sohn, der da in Windeln gewickelt in unserer Krippe liegt.«
»Was du wieder redest«, antwortete der Esel und schüttelte sich. Ihm war kalt, denn das beste Stroh diente Maria und Josef als Ruhestatt. »Woher willst du das denn wissen?« fragte er dann aber doch neugierig. »Das haben die Engel doch vorhin gesungen, als sie auf dem Feld den Hirten erschienen sind.«
»Was sind denn das für Tiere, fressen die auch Heu?« Der Esel war mit einem Mal wieder hell wach.
»Du bist aber wirklich ein Esel«, der Ochse war sichtlich ungehalten. »Engel erscheinen immer dann, wenn Gott den Menschen eine neue Hoffnung für ihr Leben schenkt.«
»Woher weißt du das denn?« fragte der Esel ungeduldig.
»Das weiß doch jedes Rindvieh«, erwiderte der Ochse verächtlich. »Du bist und bleibst eben ein Esel.« Daß er einige Jahre im Joch des Rabbiners Ibrahim gelegen und da einiges von den Gesprächen zwischen Pharisäern und Schriftgelehrten aufgeschnappt hatte, verriet er nicht. »Und was haben diese Enkel da vorhin gesungen?« wollte der Esel wissen.
»Engel heißt das, nicht Enkel«, berichtigte der Ochse. »Was die gesungen haben? Hast du denn nicht zu-gehört? Deine Ohren sind doch eigentlich groß genug zum Lauschen. Sonst schnappst du damit doch immer gerade das auf, was du eigentlich gar nicht hören sollst.«
»Jetzt hör doch mal endlich mit deinem blasierten Gerede auf und sag schon, was diese Egel ...«
»Engel, kannst du dir denn das noch immer nicht merken?«
»Also gut, was diese Bengel da den Hirten erzählt haben, daß die hier gleich alle angelaufen kamen und unser schönes weiches Stroh niedertrampeln mußten?« »Also gut«, sagte der Ochse, denn er hatte eigentlich einen gutmütigen Charakter, »ich will es für dich alten Esel noch einmal wiederholen. Ich habe es mir nämlich Wort für Wort gemerkt.« Ganz konnte er es nie lassen, seine Überlegenheit seinem Stallgefährten gegenüber auszuspielen. »Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen. Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.«
»So einen langen Satz kannst du dir merken?« Der Esel war sichtlich beeindruckt.
»Später, als noch mehr Engel dazugekommen waren, ging es sogar noch weiter.« Es gefiel dem Ochsen, wenn der Esel ihn bewunderte. »Dann haben sie noch gesungen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.«
»Klingt gut, Iah!« gab der Esel von sich. Vor lauter Aufregung über all die spannenden Neuigkeiten war ihm inzwischen warm geworden. »Und dieses Kind Gottes liegt jetzt in unserer Krippe?« So ganz konnte er noch gar nicht begreifen, was da geschehen war.
Eine Weile war es still im Stall. Der Ochse war kurz vor dem Einschlafen, als der Esel noch einmal anfing: »Wieso wird denn nur den Menschen Frieden verkündet, und daß sie sich freuen sollen?« wollte er jetzt wissen. »Zumal wir Tiere hier im Stall die Leidtragenden sind«, setzte er unter erneutem Hinweis auf seinen leeren Magen hinzu. »Wenn Gott schon alle seine Sängerknaben« - er vermied absichtlich das Wort Engel, weil er immer noch nicht wußte, wie es richtig ausgesprochen wurde - »also diese Bürschlein mit dem Licht über dem Kopf, bei der Kälte nachts auf das Feld schickt und der Welt, wie du vorhin gesagt hast, eine neue Hoffnung für ihr Leben verkündet wird, warum gilt die dann nur den Menschen und nicht zugleich uns Tieren?« fragte er nachdenklich.
Der Ochse fühlte sich sichtlich geschmeichelt, daß der Esel etwas von dem behalten hatte, was er ihm erzählt hatte, stellte sich aber schlafend, weil er auf diese Frage auch keine Antwort wußte. Das war schlimm, aber noch schlimmer war, daß der Esel im Grunde genommen Recht hatte. Das war noch nie der Fall gewesen. Warum hatten die Engel nicht gesungen: Frieden für Mensch und Tier?
»He, du, sag schon, du tust doch sonst immer so, als ob du alles weißt«, wieherte der Esel und stapfte ungeduldig von einem Bein auf das andere, »ich weiß, daß du noch nicht schläfst, denn du hast noch gar nicht geschnarcht«, setzte er spitz hinzu.
»Ach, weißt du«, antwortete der Ochse, der die kurze Gesprächspause zum Nachdenken genutzt hatte, »das ist doch ganz einfach. Wenn die Menschen sich wirklich von Herzen freuen und glücklich und zufrieden sind mit dem, was sie sind und was sie haben, und mit-einander in Frieden leben, dann werden sie auch zu uns Tieren gut sein. Das ist doch logisch, oder?« Er war stolz darauf, daß ihm so eine plausible Erklärung ein-gefallen war. Ja, so mußte es sein.
»Dann brauche ich nie wieder den elenden langen, steinigen Weg den Berg hinaufzulaufen, beladen mit Säcken, die so schwer sind wie die Steine an der Zisterne, bist du ganz sicher?« frohlockte der Esel.
»Nein, nie wieder«, antwortete der Ochse unsicher. »Und nie wieder wird ein Peitschenhieb auf meiner Eselshaut niedergehen?«
»Nie wieder«, antwortete der Ochse erneut.
Dicke Freudentränen kullerten aus den großen grauen Augen des Esels. »Dafür gebe ich gern heute Nacht meine Krippe und mein Stroh her.« Er schüttelte sich, jetzt nicht mehr vor Kälte, sondern vor Glück. »Unsere Krippe und unser Stroh«, berichtigte ihn der Ochse. »Und ich müßte nie mehr die schweren Karren ziehen und mich nicht mehr fürchten, daß meine Kin-der oder ich im Suppentopf landen«, träumte er halblaut vor sich hin.
»Was für eine wunderbare Nacht ist das heute«, flüsterte der Esel ergriffen, »wie so ein paar Engel«, er brachte das schwierige Wort jetzt sogar richtig über die Lippen, »das ganze Leben eines alten Esels mit einem Schlage verändern können.«
Aus: Christa Spilling-Nöker, Von einem Engel zart berührt. Geschichten, Gedichte, und Meditationen zur Weihnachtszeit. Quell Verlag, Stuttgart 1998.
Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Wie willkommen sind auf den Bergen
die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt,
der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt,
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme,
sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen,
wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus,
jauchzt zusammen,
ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der HERR hat sein Volk getröstet,
er hat Jerusalem erlöst.
Der HERR hat seinen heiligen Arm
vor den Augen aller Nationen entblößt
und alle Enden der Erde
werden das Heil unseres Gottes sehen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Als "Deutero-Jesaja" wird der zweite Teil des Jesajabuches bezeichnet (Kapitel 40-55). Er ist ungefähr gegen 550 entstanden, also zur Zeit des Babylonischen Exils. Der Prophet schreibt an die Verbannten in Babylon und erinnert sie an die Zuwendung Gottes in der Heilsgeschichte. Grundlegend ist für ihn die Befreiung Israels aus Ägypten, aber auch der Bund Gottes mit Abraham, Noah und den Vätern. Davon ausgehend entwirft er das Bild eines erlösenden Auszugs aus der Verbannung in Babylon.
Das ganze Buch ist als Rede formuliert. In Kapitel 52 redet Gott zu der Stadt Jerusalem, zu Zion und verheißt ihr Frieden, Freude und Rettung. Die frohe Botschaft, die Jesaja dem Volk Israel sagen will, verspricht, daß Gott der "König" Israels ist und er nach Zion zurückkehrt. Im Gegensatz zu den menschlichen Königen, die das Volk in Krieg und Unterdrückung geführt haben, führt Gott in den Frieden und in die Freiheit. Der Hintergrund dafür, daß die Israeliten ihren Gott jetzt auch als "König" bezeichnen können, ist, daß sich der Eingottglaube inzwischen soweit gefestigt hat, daß andere Kulte, wie zum Beispiel die Kinderopfer für den Gott"könig" Moloch keine Konkurrenz für Jahwe mehr darstellen.
Jahwe ist im Glaubensbewußtsein des Volkes nicht mehr nur der Stammesgott der Israeliten sondern König der ganzen Erde: alle Völker bis an die Enden der Erde sehen auf ihn. Gerade in dieses neue Bewußtsein hinein sagt der Propheten den Israeliten zu, daß Jahwe trotz allem "sein Volk" nicht im Stich läßt sondern nach Jerusalem zurückkehrt. Der Trost für die Verbannten in Babylon ist weniger, daß sie einmal nach Jerusalem zurückkehren dürfen, als daß Gott Jerusalem die Treue hält und er ihr König ist, obwohl das Volk es nicht verdient hat.
Die historische Situation ist schnell beschrieben: Israel, seit mehr als einem Menschenalter in der babylonischen Gefangenschaft, sieht die Möglichkeit, in das "gelobte Land" zurückkehren zu können. Aber der Prophet – es ist der "3. Jesaja" – beschreibt die Hoffnung als ein Sichtbarwerden von Jahwes Heil: Er kehrt nach Zion zurück, er tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem. Ein sehr eindrückliches Bild: Er macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen der Völker. Ja, die ganze Erde wird zum Zeugen bestellt.
In dieser Lesung wird deutlich, was "Evangelium" ist, lange, bevor "Evangelium" eine literarische Gattung wurde, die wir im Neuen Testament finden. Der Evangelist, hier als „Freudenbote“ vorgestellt, kündigt Frieden (hebr. Schalom) an, bringt eine frohe Botschaft und verheißt Rettung. Was er zu sagen hat, ist in dem Satz zusammengefasst: Dein Gott ist König. Mit dieser Aussage werden die politischen Mächte zu Statisten – Hoffnungen aber auch davon befreit, sich an Menschen und ihre Programme zu binden.
Jes 52 lässt nicht nur den Freudenboten (Singular!) auftreten, sondern auch die Wächter. Was sie sehen, verbreitet sich in Windeseile: Jahwe kehrt zurück. Mit ihm – in dieser Reihenfolge – kann Israel die Geschichte seiner Rückkehr erzählen.
Kv - Alle Enden der Erde sehen das Heil unsres Gottes. – Kv
(oder GL 55,1)
Singt dem HERRN ein neues Lied,
denn er hat wunderbare Taten vollbracht!
Geholfen hat ihm seine Rechte
und sein heiliger Arm. - Kv
Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er gedachte seiner Huld
und seiner Treue zum Haus Israel. - Kv
Alle Enden der Erde
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem HERRN, alle Lande,
freut euch, jubelt und singt! - Kv
Spielt dem HERRN auf der Leier,
auf der Leier zu lautem Gesang!
Mit Trompeten und lautem Widderhorn
jauchzt vor dem HERRN, dem König! - Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Vielfältig und auf vielerlei Weise
hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
am Ende dieser Tage
hat er zu uns gesprochen durch den Sohn,
den er zum Erben von allem eingesetzt,
durch den er auch die Welt erschaffen hat;
er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit
und das Abbild seines Wesens;
er trägt das All durch sein machtvolles Wort,
hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
er ist umso viel erhabener geworden als die Engel,
wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt:
Mein Sohn bist du,
ich habe dich heute gezeugt,
und weiter:
Ich will für ihn Vater sein
und er wird für mich Sohn sein?
Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt,
sagt er:
Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief ist eine geschriebene Predigt oder fast ein theologischer Traktat und beginnt deshalb auch nicht wie die anderen Briefe mit einer Briefeinleitung, sondern stellt seinen theologischen Grundgedanken an den Anfang: Gottes Offenbarung in seinem Sohn ist einzigartig und nicht vergleichbar mit früheren Offenbarungen.
So wie diese zentrale christologische Aussage am Anfang steht und die Leser bzw. Hörer in die Gegenwart des Heilshandeln Gottes holt und sie in einem weiteren Schritt zum Mit-handeln einlädt, versucht der Hebräerbrief auch mit Hilfe traditioneller Formen jüdischer Schriftauslegung Hilfen auf dem Weg des neuen Gottesvolkes zu geben. Auf die christologischen Abschnitte folgen jeweils aufmunternde, ermahnende Abschnitte, die die Leser und Hörer auf ihrer Wanderschaft zum eschatologischen, endzeitlichen Ziel, der himmlischen Stadt begleiten und stärken sollen.
In sorgfältig ausgearbeitetem Griechisch versucht der Autor die unbegreifliche Größe des Handelns Gottes zu beschreiben: Gott spricht zu den Menschen, nicht durch Engel oder Menschen, sondern "durch den Sohn", der ihm selbst an Macht und Herrlichkeit gleich ist. Das Bild für die Befreiungstat Gottes, das der Hebräerbrief hier verwendet ist die Katharsis, die Reinigung.
Der ganze Brief ist geprägt von einer Sprache, die dem christlichen Verständnis relativ fremd ist: Er versucht das Heilsgeschehen in der jüdischen Kult- und Opfersprache auszudrücken und damit zu zeigen, daß in Jesus Christus Gott alles, was er bisher getan hat, in den Schatten stellt. Daß es sehr mißverständlich ist, diesen Brief ohne das notwendige Wissen über die kultischen Riten und die liturgische Sprache der Juden zu lesen, zeigen die Ansichten über eine Opfer- und Bluttheologie, Reinigungsriten, kultische Vorschriften, die das christliche Gottesdienstfeiern hartnäckig vereinnahmen wollen.
Der Hebräerbrief – ein Brief? – umreißt am Anfang ohne Umschweife die Weite des Christuszeugnisses, das dann allerdings sehr spezifisch entfaltet wird. Auf dichtem Raum stehen drei Gegenüberstellungen: Den Vorzeiten werden diese "letzten Tage" gegenübergestellt, der propehtischen Rede "vielfach und auf vielerlei Weise" die eine Rede durch den Sohn - und den Engeln der "so viel höher" Gewordene.
Der Name Jesus wird nicht genannt – und der Hebräerbrief setzt voraus, dass alle wissen, von wem die Rede ist. Der Sohn wird als "Abglanz" der Herrlichkeit Gottes, als "Abbild" seines Wesen vorgestellt. Was das heisst, wird in einem Satz zusammengebunden: er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort, der hat die Reinigung von den Sünden vollbracht und er hat sich zur Rechten Gottes gesetzt. Verbindender Gedanke ist, dass er von Gott zum Erben "über alles" gesetzt wurde und einen Namen ererbt hat, der höher ist als der Name eines Engels.
Als der Hebräerbrief geschrieben wurde, gab es noch kein Weihnachtsfest, keine Weihnachtsstimmungen und keine Weihnachtsbräuche. Dass Hebr 1,1-6 heute aber zu Weihnachten gehört, ist gleichwohl eine glückliche Erfahrung. Sehr nüchtern wird in wenigen Strichen nachgezeichnet, was Weihnachten bedeutet. Dabei fällt auf, dass das Schema "einst" und "jetzt" unsere eigene Gegenwart einholt und bestimmt. Sind wir auch auf der – Höhe?
Klaus Hemmerle hat diese Höhe so zu beschreiben versucht:
Der zur Weihnacht geboren wurde,
hat nicht auf Probe mit uns gelebt,
ist nicht auf Probe für uns gestorben,
hat nicht auf Probe geliebt.
Er ist das Ja und sagt das Ja,
ein ganz unwiderrufliches göttliches Ja
zu uns, zur Menschheit, zur Welt.
Dieses Ja kann uns tragen,
kann uns heraus reißen aus Vorläufigkeiten,
Unsicherheiten, Halbheiten, Vergeblichkeiten.
Er will uns begleiten und so befähigen,
selber Ja zu sein,
nicht auf Probe, nicht nur zur Hälfte,
nicht nur "ja aber".
Mögen wir sein Ja erfahren
in uns, über uns, um uns,
uns mögen andere es erfahren
durch uns.
Halleluja. Halleluja.
Aufgeleuchtet ist uns aufs Neue der Tag der Erlösung:
Ein großes Licht ist heute auf Erden erschienen.
Kommt, ihr Völker, und betet an den Herrn, unseren Gott!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legt Zeugnis für ihn ab
und ruft:
Dieser war es, über den ich gesagt habe:
Er, der nach mir kommt,
ist mir voraus, weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
Niemand hat Gott je gesehen.
Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Prolog, mit dem das Evangelium nach Johannes anfängt, kann als Schöpfungsgeschichte gelesen werden, im Hintergrund steht Gen 1 (also der Anfang der Bibel überhaupt).
Wie ein Adler (das Symbol des Evangelisten) umkreist Johannes den Anfang: der Logos (Wort) ist da, er ist bei Gott, ja, er ist Gott. Aus dem Wort kommt die Schöpfung, nichts, das nicht aus dem Wort käme.
Die erste Gabe des Wortes ist das Licht. Es leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis nicht weiß, was Licht ist. Der Evangelist formuliert: "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt". Hier wiegt jedes Wort: wahres Licht – jeden Menschen. Hier wird die alte Schöpfungsgeschichte, wie sie in Gen 1 zu finden ist, noch einmal erzählt. Jedoch aus einer besonderen Perspektive: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus wird vorgestellt als der, der Herrlichkeit und Wahrheit sichtbar macht - die Herrlichkeit und Wahrheit des Vaters.
Im Prolog wird, fein nuanciert und auch formuliert, was mit Jesus geschieht. Sein Kreuz zeichnet sich von Anfang an ab: die Finsternis hat das Licht nicht erfasst, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das Evangelium verspricht: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", richtet aber gleichzeitig den Blick auf den "Logos", das Wort. Dass es Fleisch wird, sprengt vertraute Denkformen und fromme Erwartungen. Fleisch ist vergänglich, hinfällig, bedroht. Nach Jes 40 (und vielen Psalmen) ist das Fleisch wie Gras.
So bezeugt der Prolog einerseits, dass Menschen Kinder Gottes werden, der Logos aber - Fleisch.
Das Johannesevangelium kennt nicht die Kindheitsgeschichte Jesu, wie Matthäus oder Lukas sie erzählen, sondern es beginnt mit einem Prolog, der nicht nur wie der Stammbaum bei Matthäus die Väter mithereinnimmt sondern zum Ausgangspunkt vor die Erschaffung der Welt zurückgeht. Johannes zeigt damit, daß er einen ganz anderen Ansatz hat: statt vom irdischen Leben und Handeln Jesu auszugehen und es auf Gott hin durchscheinend werden zu lassen, versucht er von Anfang an, den Blick des Lesers zu weiten und ihn ein Stück in die "Welt Gottes" mithineinzunehmen.
Im Vergleich zu den anderen Evangelien enthält das Johannesevangelium einige völlig neue Vorstellungen, die ihm dabei helfen sollen. Neben dem "Logos", dem personifizierten Wort Gottes, kennt Johannes zum Beispiel auch den "Paraklet", den von Gott gesandten Tröster und Beistand Gottes. Der Evangelist arbeitet auch sehr gern mit Dualismen, zum Beispiel Licht und Finsternis im ersten Kapitel.
In dieses Lied über den Logos hat der Autor selbst Hinweise auf den Täufer eingeflochten und so den Text des Prologs als eine Art Tür zum Evangelium gestaltet. Im Hymnus klingen schon wichtige theologische Begriffe und Gedanken an, die beiden Erzählstücke über Johannes den Täufer schlagen die Brücke zum Beginn der Erzählung in Joh 1:19. Neben den schon erwähnten Worten "Leben" und "Licht" gehören zu den wichtigen theologischen Begriffen noch "Zeugnis", "Wahrheit", "Fleisch", "Glauben", "Sohn", "Vater", "gesandt sein", "Welt".
Der allerwichtigste Begriff ist "das Wort" - "der logos". Im Johannesevangelium ist es das wirksame Wort Gottes selber, das die Menschen hineinführt in die Situation der Entscheidung für oder gegen Gott. Dieses Wort ist Jesus Christus selber, er spricht den Menschen an, er fordert ihn heraus zu antworten. "Das Wort" ist so Zusage der Liebe Gottes, des Heiles und des Lebens für die Menschen, das nicht nur geschrieben oder gesprochen bleibt, sondern wirksam wird, das heißt, Konsequenzen hat. In der Reaktion auf die Herausforderung des Wortes wird sichtbar, wofür sich der Mensch entscheidet: Glaube oder Unglaube, Heil oder Gericht, Leben oder Tod. Das ganze Evangelium steht in der Spannung der sich immer weiterzuspitzenden Entscheidungssituation, die das Kommen des Wortes ausgelöst hat.
Im Gegensatz zu Lukas und Matthäus, die mit Kindheitsgeschichten ihr Evangelium eröffnen, leitet Johannes sein Evangelium mit einem philosophisch-theologischen Diskurs über den "Logos", über das "Wort Gottes" ein, ehe er die Erzählung vom Leben Jesu mit dem Auftreten Johannes des Täufers eröffnet (vgl. Mk 1).
Es sind 3 Abschnitte zu unterscheiden:
* 1-5 (das präexistente Sein des Logos);
* 6-13 (das Kommen des Logos zu den Menschen);
* 14-16.18 (Inkarnation und Heilsbedeutung für die Gläubigen).
Der Prolog knüpft bewußt an Gen 1,1 an ("Im Anfang") - denn der Logos ist das Wort, mit dem Gott alles geschaffen hat (Vers 3); aber in Überhöhung: hier ist es ein personales, fleischgewordenes Wort - Jesus Christus. Dies ist der Zielpunkt des ganzen Hymnus: ein Preislied auf den Erlöser. Christus ist der Logos, die Weisheit - aber noch mehr: er ist Gott (Vers 1c).
Für die Menschen ist der Logos der Übermittler von Leben und Licht (Vers 4) - und zwar des wahren Lichtes (Vers 9):
Die Verse 6 bis 8 mit dem Bericht über Johannes den Täufer bringen den Logos in die konkrete Geschichte hinein - und ordnen Johannes klar unter den Logos ein.
Vers 10f formuliert die Ablehnung des Logos durch die Welt - und doch gab es auch solche, die ihn erkannten und aufnahmen (Vers 12f) - und zwar im Glauben.
Vers 14 bildet mit seiner Rückbindung auf Vers 1 den Höhepunkt: dieses Wort, von dem so Großes ausgesagt wird, wird Fleisch. (Fleisch meint hier nicht nur einfach "Mensch", sondern das Irdisch-Gebundene, das Vergängliche, das typisch Menschliche).
Die Verse 15-18 sind theologische Einzelaussagen, die einen Übergang zum Folgenden darstellen.
Einzuordnen ist dieser Hymnus in die "Wort-Gottes-Theologie" der Bibel: Wer Jesu Wort gläubig hört, hört Gottes Wort; Jesus ist aber das Wort selbst. Damit eröffnet er den Erlösungsweg der Menschen: Sie können sich ihm im Glauben anschließen und damit seinem Weg zurück empor zur Herrlichkeit anschließen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Prolog, mit dem das Evangelium nach Johannes anfängt, kann als Schöpfungsgeschichte gelesen werden, im Hintergrund steht Gen 1 (also der Anfang der Bibel überhaupt).
Wie ein Adler (das Symbol des Evangelisten) umkreist Johannes den Anfang: der Logos (Wort) ist da, er ist bei Gott, ja, er ist Gott. Aus dem Wort kommt die Schöpfung, nichts, das nicht aus dem Wort käme.
Die erste Gabe des Wortes ist das Licht. Es leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis nicht weiß, was Licht ist. Der Evangelist formuliert: "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt". Hier wiegt jedes Wort: wahres Licht – jeden Menschen. Hier wird die alte Schöpfungsgeschichte, wie sie in Gen 1 zu finden ist, noch einmal erzählt. Jedoch aus einer besonderen Perspektive: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus wird vorgestellt als der, der Herrlichkeit und Wahrheit sichtbar macht - die Herrlichkeit und Wahrheit des Vaters.
Im Prolog wird, fein nuanciert und auch formuliert, was mit Jesus geschieht. Sein Kreuz zeichnet sich von Anfang an ab: die Finsternis hat das Licht nicht erfasst, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das Evangelium verspricht: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", richtet aber gleichzeitig den Blick auf den "Logos", das Wort. Dass es Fleisch wird, sprengt vertraute Denkformen und fromme Erwartungen. Fleisch ist vergänglich, hinfällig, bedroht. Nach Jes 40 (und vielen Psalmen) ist das Fleisch wie Gras.
So bezeugt der Prolog einerseits, dass Menschen Kinder Gottes werden, der Logos aber - Fleisch.
Das Johannesevangelium kennt nicht die Kindheitsgeschichte Jesu, wie Matthäus oder Lukas sie erzählen, sondern es beginnt mit einem Prolog, der nicht nur wie der Stammbaum bei Matthäus die Väter mithereinnimmt sondern zum Ausgangspunkt vor die Erschaffung der Welt zurückgeht. Johannes zeigt damit, daß er einen ganz anderen Ansatz hat: statt vom irdischen Leben und Handeln Jesu auszugehen und es auf Gott hin durchscheinend werden zu lassen, versucht er von Anfang an, den Blick des Lesers zu weiten und ihn ein Stück in die "Welt Gottes" mithineinzunehmen.
Im Vergleich zu den anderen Evangelien enthält das Johannesevangelium einige völlig neue Vorstellungen, die ihm dabei helfen sollen. Neben dem "Logos", dem personifizierten Wort Gottes, kennt Johannes zum Beispiel auch den "Paraklet", den von Gott gesandten Tröster und Beistand Gottes. Der Evangelist arbeitet auch sehr gern mit Dualismen, zum Beispiel Licht und Finsternis im ersten Kapitel.
In dieses Lied über den Logos hat der Autor selbst Hinweise auf den Täufer eingeflochten und so den Text des Prologs als eine Art Tür zum Evangelium gestaltet. Im Hymnus klingen schon wichtige theologische Begriffe und Gedanken an, die beiden Erzählstücke über Johannes den Täufer schlagen die Brücke zum Beginn der Erzählung in Joh 1:19. Neben den schon erwähnten Worten "Leben" und "Licht" gehören zu den wichtigen theologischen Begriffen noch "Zeugnis", "Wahrheit", "Fleisch", "Glauben", "Sohn", "Vater", "gesandt sein", "Welt".
Der allerwichtigste Begriff ist "das Wort" - "der logos". Im Johannesevangelium ist es das wirksame Wort Gottes selber, das die Menschen hineinführt in die Situation der Entscheidung für oder gegen Gott. Dieses Wort ist Jesus Christus selber, er spricht den Menschen an, er fordert ihn heraus zu antworten. "Das Wort" ist so Zusage der Liebe Gottes, des Heiles und des Lebens für die Menschen, das nicht nur geschrieben oder gesprochen bleibt, sondern wirksam wird, das heißt, Konsequenzen hat. In der Reaktion auf die Herausforderung des Wortes wird sichtbar, wofür sich der Mensch entscheidet: Glaube oder Unglaube, Heil oder Gericht, Leben oder Tod. Das ganze Evangelium steht in der Spannung der sich immer weiterzuspitzenden Entscheidungssituation, die das Kommen des Wortes ausgelöst hat.
Im Gegensatz zu Lukas und Matthäus, die mit Kindheitsgeschichten ihr Evangelium eröffnen, leitet Johannes sein Evangelium mit einem philosophisch-theologischen Diskurs über den "Logos", über das "Wort Gottes" ein, ehe er die Erzählung vom Leben Jesu mit dem Auftreten Johannes des Täufers eröffnet (vgl. Mk 1).
Es sind 3 Abschnitte zu unterscheiden:
* 1-5 (das präexistente Sein des Logos);
* 6-13 (das Kommen des Logos zu den Menschen);
* 14-16.18 (Inkarnation und Heilsbedeutung für die Gläubigen).
Der Prolog knüpft bewußt an Gen 1,1 an ("Im Anfang") - denn der Logos ist das Wort, mit dem Gott alles geschaffen hat (Vers 3); aber in Überhöhung: hier ist es ein personales, fleischgewordenes Wort - Jesus Christus. Dies ist der Zielpunkt des ganzen Hymnus: ein Preislied auf den Erlöser. Christus ist der Logos, die Weisheit - aber noch mehr: er ist Gott (Vers 1c).
Für die Menschen ist der Logos der Übermittler von Leben und Licht (Vers 4) - und zwar des wahren Lichtes (Vers 9):
Die Verse 6 bis 8 mit dem Bericht über Johannes den Täufer bringen den Logos in die konkrete Geschichte hinein - und ordnen Johannes klar unter den Logos ein.
Vers 10f formuliert die Ablehnung des Logos durch die Welt - und doch gab es auch solche, die ihn erkannten und aufnahmen (Vers 12f) - und zwar im Glauben.
Vers 14 bildet mit seiner Rückbindung auf Vers 1 den Höhepunkt: dieses Wort, von dem so Großes ausgesagt wird, wird Fleisch. (Fleisch meint hier nicht nur einfach "Mensch", sondern das Irdisch-Gebundene, das Vergängliche, das typisch Menschliche).
Die Verse 15-18 sind theologische Einzelaussagen, die einen Übergang zum Folgenden darstellen.
Einzuordnen ist dieser Hymnus in die "Wort-Gottes-Theologie" der Bibel: Wer Jesu Wort gläubig hört, hört Gottes Wort; Jesus ist aber das Wort selbst. Damit eröffnet er den Erlösungsweg der Menschen: Sie können sich ihm im Glauben anschließen und damit seinem Weg zurück empor zur Herrlichkeit anschließen.
Der Evangelist Johannes geht von einer ganz anderen Seite an die Weihnachtsbotschaft heran. Er erzählt nicht nur wie Lukas oder Matthäus, sondern stellt dar, was die Menschwerdung Jesu für uns bedeutet, wie sie Licht in unser Leben bringt, das auch den dunkelsten Nächten standhält.
„Jetzt schlaf nochmal eine Nacht drüber, und morgen schaut die Welt wieder ganz anders aus.“ - Kennen Sie diesen Satz? Unsere Eltern haben ihn uns früher oft vor dem Einschlafen gesagt, wenn wir uns geärgert haben, wenn etwas wehgetan hat, wenn wir enttäuscht waren. Und oft war etwas Wahres dran: Nach einer Nacht Schlaf, nach ein bisschen Abstand und Ruhe, wirkt vieles leichter, überschaubarer, heller.
Und doch gibt es Momente im Leben, da hilft dieser Satz nicht mehr. Da ändert eine Nacht Schlaf gar nichts. Da bleibt die Sorge, die Angst, die Trauer genauso da wie vorher. Und genau in diese Welt, in solche Nächte, hinein spricht das heutige Evangelium einen sehr großen, kraftvollen Satz und will uns damit ermutigen.
Es ist wahrlich eine Frohe Botschaft. Der Evangelist Johannes schreibt: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Johannes erzählt den Beginn seines Evangeliums nicht mit einer Weihnacht in einer Krippe. Bei ihm gibt es auch keine Hirten, die wegen eines Sterns zu einem Stall kommen mit Tieren und Engeln dabei. Johannes weicht davon ab und erzählt Weihnachten in großen Worten mit den Themen: Licht – Leben – Wort – Fleisch – Herrlichkeit.
Warum? - Johannes weiß: Wir brauchen neben der Geschichte des Lukas mit der Krippe und der Beschreibung der Geburt nicht wieder nur schöne und warme Bilder, sondern wir brauchen Hoffnung, die auch schweren Nächten standhält.
Johannes führt uns ganz zurück an den Anfang – vor die Schöpfung. Alles, was ist, hat seinen Ursprung in Gott. Und dieses „Wort“ – im Griechischen „Logos“ - ist mehr als Sprache. Es ist und gibt Sinn, Halt und Orientierung. Wer von uns sucht das nicht? Sinn, der trägt. Ein Wort, das uns wirklich trifft. Eine Wahrheit, die wir glauben können.
Weihnachten sagt: Gott bleibt nicht fern und unnahbar, denn das Wort ist Fleisch geworden. Das heißt: Gott spricht nicht nur über das Leben – er lebt es selbst. Gott erklärt nicht die Welt – er kommt in die Welt. Gott bleibt nicht im Himmel – er wird Mensch, wie wir, verletzlich, schwach, aber nahbar.
Was für ein Satz! Nicht: Es hat einmal geleuchtet. Nicht: Wenn ihr brav seid, leuchtet es vielleicht. Sondern: Es leuchtet – jetzt.
Vielleicht kennen Sie Nächte, in denen Sorgen unser Leben schwer machen: Nächte nach einer Diagnose, Nächte voller Konflikte oder Einsamkeit, Nächte, in denen die Zukunft dunkel erscheint. Gerade in diese Dunkelheiten leuchtet das Licht Christi hinein. Kein grelles Scheinwerferlicht, das blendet, sondern ein Licht, das behutsam Wege zeigt. Ein Licht, das nicht aufgibt, selbst wenn wir es kaum noch wahrnehmen. Ein Licht, das stärker ist als jede Finsternis.
Dieser Satz trifft uns: Gott kommt – und nicht alle nehmen ihn auf. Auch heute nicht. Wir übersehen ihn, weil wir suchen, was spektakulär ist. Wir verpassen ihn, weil wir meinen, er müsse lauter, offensichtlicher, eindeutiger sein. Dabei kommt Gott oft in den kleinen Dingen: in einem guten Wort, in einem Menschen, der zuhört, in einem Lächeln, das Hoffnung schenkt, in einer Entscheidung, die gut tut. Gott kommt uns so entgegen, dass wir es manchmal erst im Nachhinein merken.
Das ist für mich der schönste Satz des Evangeliums. Weihnachten heißt: Du bist kein Zufall. Du bist nicht allein. Du bist nicht verloren in dieser großen Welt. Du bist Kind Gottes – gewollt, geliebt, gehalten. Und das gilt nicht nur an Weihnachten, wenn es hell und festlich ist. Es gilt auch morgen – und an jedem Tag danach.
„Schlaf noch eine Nacht drüber – morgen schaut die Welt ganz anders aus.“ Manchmal stimmt das. Aber der Glaube sagt: Die Welt ist schon jetzt anders. Weil Gott in ihr ist. Weil das Licht leuchtet. Weil das Wort Fleisch geworden ist. Und: Weil wir geliebte Kinder Gottes sind. Möge diese Botschaft unsere Nächte erhellen und unsere Tage verwandeln. Möge das Licht, das in der Heiligen Nacht aufgestrahlt ist, auch dann in uns brennen, wenn dunkle Stunden kommen. Und möge der menschgewordene Gott uns den Mut schenken, selbst zu Boten seines Lichtes zu werden: in unseren Familien, an unseren Arbeitsplätzen und überall dort, wo Menschen Hoffnung brauchen und wir unser Licht mit ihnen teilen können. Dann werden wir erkennen: Wir sind nicht allein, denn der Heiland ist uns geboren und ist mitten unter uns. Heute – und alle Tage unseres Lebens.
Der Evangelist Johannes beschreibt das Kommen des Erlösers in diese Welt als Lichtereignis. Was bedeutet dies für uns heute? – Jesus ist als Licht in die Welt gekommen und er hat uns, seine Jünger, aufgefordert: Ihr seid das Licht der Welt. Lasst uns den als Licht in die Welt gekommenen Gottessohn, dass die Welt durch alle, die ihn aufnehmen, heller wird.
Im Prolog des Johannesevangeliums schreibt der Evangelist: „In Ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“. Und: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“.
Damals vor 2000 Jahren haben viele Menschen in Israel sehnsüchtig auf den Messias, den Erlöser gewartet. Als Er dann kam, haben sie ihn nicht erkannt oder abgelehnt.
Und heute 2000 Jahre später? - Von den 8 Milliarden Menschen auf der Erde bekennen sich etwa 2,4 Milliarden Menschen zum Christentum (ca. 30% der Weltbevölkerung). In Deutschland sind wir Christen mittlerweile weniger als 50%, mit sinkender Tendenz. Wir Christen sind eine Minderheit.
Wie wäre es, wenn Jesus heute in unserer Zeit erneut als Mensch geboren würde? Würden ihn die Seinen freudig aufnehmen? Eine hypothetische Frage, gewiss.
Wie sieht es denn aktuell bei uns Christen aus? - Jesus sagt in Johannes 8 Vers 12: „Ich bin das Licht der Welt.“ Im Matthäus Evangelium (Mt 5, 14-16) sagt Jesus aber auch zu uns: „Ihr seid das Licht der Welt…“
Wir Christen haben also von Jesus einen ganz klaren Auftrag. Und dieser Auftrag richtet sich nicht nur an die Hauptamtlichen Mitarbeiter, sondern an jeden von uns. Jeder und jede von uns soll Licht sein in dieser oft so dunklen Welt und so Zeugnis ablegen vom wahren Licht der Welt, Jesus Christus. Gott sei Dank gibt es viele Christen, die durch ihr beispielhaftes Tun Licht in ihr Leben aber auch in das Leben anderer Menschen bringen.
Aber es gibt auch viel Ängstlichkeit und mangelnden Mut für dringend notwendige Reformen in unserer katholischen Kirche. Ich denke da an die Mega-Seelsorgeeinheiten, welche gerade in vielen Diözesen in Deutschland und in Österreich entstehen. Da wird in ländlichen Gemeinden die Eucharistiefeier am Sonntag eher zur Ausnahme als zur Regel. Persönliche Seelsorge ist unter diesen Umständen meines Erachtens kaum mehr möglich. Viel Liebgewonnenes geht dabei verloren. Dies sind schmerzliche Erfahrungen, insbesondere, wenn auch in nächster Zukunft Kirchen geschlossen werden.
Da braucht es dann Kirchengemeinden mit Menschen, die nicht resignieren, nicht aufgeben, sondern nach neuen Wegen suchen. Dies gelingt nur gemeinsam in der Zusammenarbeit der Hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und der vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen, die wir Gott sei Dank in unseren Kirchengemeinden haben.
Angesteckt von dem Licht und dem Geist Gottes liegt es an uns Christen, dass wir Licht bringen in die Dunkelheit dieser Welt und auch unserer katholische Kirche.
An Weihnachten feiern wir Christen „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“.
Ich wünsche mir zu Weihnachten: dass die Welt durch uns Christen etwas heller wird und die Menschen so erkennen: Jesus ist das Licht der Welt. ER ist wahrhaft Gottes Sohn und hat uns mit Gott versöhnt.
© Wilhelm Kraft, Stuttgart. wilhelm-kraft@web.de
Weihnachten hat im Laufe der viele Zuschreibungen erhalten: Fest des Friedens, der Familie, der Geborgenheit, der Kinder, der Geschenke und noch anderes mehr. Was verbinden wir Christen mit diesem Fest? Warum feiern wir es und wie feiern wir es? Gibt es einen Mehrwert christlichen Feierns, außer dass wir zum Feiern auch in die Kirchen gehen?
Kinder feiern mit großem Eifer und mit Begeisterung Geburtstage. Vermutlich, weil sie da ganz im Mittelpunkt stehen und spüren, wie sehr sie geschätzt und geliebt werden. Die meisten Eltern legen sich auch ganz schön ins Zeug, dass sie an diesem Tag ihre Kinder glücklich sehen.
Im späteren Leben ist das nicht mehr immer so. Viele möchten nicht daran erinnert werden, dass sie schon wieder ein Jahr älter geworden sind und dass ihre Lebenszeit unweigerlich verrinnt. Erst im höheren Alter werden Geburtstagsfeiern wieder interessant, wenn man auf ein reiches erfülltes Leben zurückschauen kann, und sich Kinder, Enkelkinder oder gar auch Urenkel zum Gratulieren einstellen und man sehen kann, all die Mühen im Laufe des Lebens waren nicht umsonst.
Wenn dann gar Gratulanten aus dem öffentlichen Leben anrücken und ihren Dank für den Einsatz im Verein, in der Politik oder im Wirtschaftsleben zum Ausdruck bringen…
Wenn prominente Persönlichkeiten Geburtstag feiern, ist das für die Medien Anlass, ihre Bedeutsamkeit noch zu Lebzeiten ins rechte Licht zu rücken. Da werden Dokumentationen zusammengestellt, Auszeichnungen vergeben und Geburtstagreden gehalten. In Ländern, die Könige als Staatsoberhäupter haben, feiert das ganze Land, um zu zeigen, dass die Bevölkerung hinter ihren Regenten steht.
Kein Wunder, dass auch unter den Christen der Wunsch aufkam, Jesu Geburtstag zu feiern und so aller Welt zu zeigen, was er ihnen bedeutet und wie dankbar sie sind, dass es ihn gegeben hat, bzw. immer noch gibt. Auch für sie suchten ein Zeichen des Dankes für alles, was er in ihrem Leben bewirkt hat und immer noch bewirkt.
Da gab es allerdings ein Problem: Man wusste viel von Jesus zu erzählen, was er getan und gesagt hat, wie er gelebt hat… Zweifellos hat es ihn gegeben. Doch wann er genau geboren wurde, ließ sich bei aller Anstrengung nicht mehr eruieren. Aufmerksam wurde man auf ihn ja erst, als er öffentlich zu predigen und zu heilen begann. Das Interesse, alles festzuhalten und weiterzuerzählen, wie alles angefangen hat, wurde immer größer, vor allem als nach und nach die Zeitzeugen wegstarben. Man trug alles zusammen, was man von ihm wusste, und erzählte alles so, dass damit seine Bedeutung für die Menschheit zum Ausdruck kam und durch symbolische Elemente unterstrichen wurde.
Der Evangelist Johannes ging dabei einen eigenen Weg. Er stellte seinem Evangelium von Jesus Christus, von dessen Leben und Wirken, von seinem Tod und seiner Auferstehung einen Prolog voraus, in dem er die Bedeutung dieses Jesus Christus für die ganze Menschheit in einem mystisch dichten Hymnus zusammenfasste. Man kann diesen Text als eine Art Geburtstagsrede verstehen für einen, dessen genauen Geburtstag man nicht kannte.
Der Evangelist charakterisiert Jesus als den, der nicht nur Licht ins Leben der Menschheit brachte, sondern selbst das Licht war. Er war bereits vor allem Anfang allen Daseins an da als das Wort, durch das alles geschaffen wurde und alles seinen Sinn bekommen hat. Er knüpft dabei an das große Schöpfungsgedicht an, welches das erste Buch der Bibel eröffnet. Das erste Wort aus dem Mund des Schöpfers lautete: "Es werde Licht!" Dieses Wort ist zugleich göttliche Sinngebung des Schöpfungswerkes. "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt", es wurde jedoch nicht von allen als Licht angenommen sondern von vielen abgelehnt. Schließlich hat dieses Wort menschliche Gestalt angenommen. "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen." Und weiter: "Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade."
Mit der Entstehung der neuen Heiligen Schriften hatte man alles, was man für eine Geburtstagsfeier brauchte, inclusive einer großartigen Geburtstagsrede, aber keinen konkreten Termin, an dem man dieses Ereignis gebühren feiern konnte.
In der Kultur der römischen Antike feierte man in den Tagen nach der Wintersonnenwende das Fest des "Jupiter sol invictus", ein Fest für den höchsten römischen Gott Jupiter. Er galt als die unbesiegte Sonne. Christen war dieses Fest ein Dorn im Auge, denn sie waren überzeugt, dass Jesus Christus als Licht alles überstrahlt. An welchem Tag auch immer Jesus geboren sein mochte, man begann seinen Geburtstag zu feiern als den Tag, an dem das wahre Licht in das Leben der Menschen und in die Geschichte der ganzen Menschheit trat. Nach und nach überstrahlte und verdrängte das Fest der Christen das alte heidnische Jupiterfest.
Was feiern wir, wenn wir heute den Geburtstag Jesu feiern? Unser Weihnachtsfeiern bringt unseren Dank für das, was dieser Jesus von Nazareth uns gebracht hat, zum Ausdruck: Licht für unser Leben, Sinn, Bedeutung. Durch ihn sind wir mit unserem kleinen Leben eingebunden in das große Weltgeschehen vom Anfang der Schöpfung an und durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch. Dank Jesus sind wir wie er Kinder Gottes aus Fleisch und Blut, beseelt mit dem Heiligen Geist Gottes. Als Kinder Gottes werden wir nicht verloren gehen, ganz gleich wohin sich die Menschheit und die ganze Welt sich entwickelt. Unzählige Weihnachtslieder besingen dieses große Geschenk.
Es ist gut und richtig, dass wir Weihnachten mit allem feiern, was uns zum Feiern zur Verfügung steht und worüber wir uns freuen: mit Geschenken, mit Menschen, die uns nahestehen, mit bestem Essen und Trinken – denn wir sind aus Fleisch und Blut mit Leib und Seele. Vergessen wir dabei aber nicht den Anlass unseres Feierns und den, dem wir alles verdanken: den menschgewordenen Gott.
Im dritten Gottesdienst des Weihnachtsfestes sind die Theologen dran, das Weihnachtsgeheimnis ins Wort zu bringen. Gott hat zu uns gesprochen durch seinen Sohn. Er ist das Wort Gottes an uns und für uns.
Gestern Abend, in der Nacht, hatten wir das Gefühl, zur Ruhe zu kommen. Nach hektischen und lauten Wochen. Ob alles glatt gelaufen ist? Alle zufrieden waren? Weihnachten ist ein gefährliches Fest. Eingeklemmt zwischen Erinnerungen und Erwartungen, ist so manche Eisdecke dünn, so manche Enttäuschung vorprogrammiert, so manche Sehnsucht ungestillt. Dafür brauchen wir nicht einmal einen Winter. Selbst im kleinen Lebensalltag ist Frieden brüchig. Umso größer sind die Worte und die Wortfetzen am Heiligen Abend. Kein Engel trägt sie weg. Kein Stern nimmt sie auf.
Der Prophet Jesaja, genau genommen, ist es sogar der zweie Jesaja, sieht Friedensboten kommen. Über die Berge kommen sie. Wir sehen sie Schritt für Schritt näher kommen. Zu uns. Wir sollen mit eigenen Augen sehen können, wie schnell ein Wunder geschehen kann. Das Wunder, wie aus Worten, wie in Worten, wie mit Worten eine erstarrte, festgefahrene, verängstige Welt wieder aufleben kann. Gott selbst, so Jesaja, entblößt vor den Augen aller Nationen seinen Arm. Er krempelt die Ärmel auf. Er packt an. Die ganze Erde soll das Heil unseres Gottes sehen.
Ich stolpere immer darüber, was „vor den Augen aller Nationen“ geschieht und was „alle Enden der Erde“ zu sehen bekommen. Grauen überall – wo soll ich anfangen? Wo aufhören? Viele Augen sind stumpf geworden. Selbst Kinderaugen leuchten nicht mehr. Dabei ist Jesaja selbst auch nur ein Gefangener unter Gefangenen, ein Fremder unter Fremden, einer unter vielen. Seine frommen und so schönen Worte stecken nicht nur voller Trost, sie stecken voller Trotz! Sie trotzen einer Welt, die sich selbst auffrisst.
Haben Worte eine solche Kraft, dass die ganze Welt in Licht getaucht wird, aus Dunkelheiten heraustritt und noch einmal neu anfängt? Ich schimpfe mich einen Narren – und wüsste doch nichts Besseres, als ein Mensch zu sein, der sich von den vielen schrecklichen Dingen, die in der Welt geschehen, nicht kleinkriegen lässt.
Wenn Sie jetzt vielleicht wissen wollen, wo Jesaja auftritt, kann ich Ihnen keinen Dom nennen. Es singt auch kein Chor. Es läuten keine Glocken. Nirgendwo hängt ein Plakat. Die Monitore bleiben dunkel. Irgendwo in Babylon, einem riesigen Reich mit einer glänzenden übermächtigen Hauptstadt und noch größeren Götterbildern, tröstet Jesaja Gottes Volk. Die Menschen schauen jetzt schon lange auf eine Elendsgeschichte zurück. Der Tempel in Jerusalem - eine Brandruine. Die alten Geschichten der Vorfahren – schon lange nicht mehr wahr. Die Gegenwart in der Deportation – aussichtslos. Die Despoten – übermächtig. Und Gott – weit weg.
Ich bewundere Jesaja. Er stellt sich einfach hin und lässt vor unseren Augen die Freudenboten kommen. Kein Berg kann sie hindern.
„Brecht in Jubel aus,
jauchzt zusammen,
ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der HERR hat sein Volk getröstet,
er hat Jerusalem erlöst.“
Er hat! Er tut es!
Ob ich auch ein Friedensbote, eine Freudenbotin sein kann?
Ich möchte den Berg überschreiten.
Ein Glücksfall ist das heute. Am Weihnachtstag. Machen wir einen Sprung! Wir schauen einem Briefschreiber über die Schulter. Er schreibt einen Brief an die Hebräer. Wer er ist, woher er kommt? Kein Mensch weiß es. Jüdischen Christen, Christen, die Juden waren, will er eine Brücke bauen von den Propheten zu Jesus, vom alten zum neuen Testament, von einer alten Geschichte in eine neue. Auf Jesaja schauen wir jetzt auch zurück.
Die erste Zeile im Brief lautet, ohne Vorspann, ohne Anrede, ohne drum und dran:
„Vielfältig und auf vielerlei Weise
hat Gott einst zu den Vätern gesprochen
durch die Propheten;
am Ende dieser Tage
hat er zu uns gesprochen durch den Sohn.“
Jesaja hat zwar das Bild von dem entblößten Arm, sprich von den aufgekrempelten Ärmeln Gottes, gebraucht, aber das ist wirklich nur ein Bild für Schaffenskraft, Stärke und Ausdauer. Aber auch ein Bild dafür, dass er die feinen Sachen „auszieht“, die Herren sonst anhaben. Gott packt an, immer nur durch sein Wort an. Als Redner gestaltet, als Redner schafft er – das Licht, das Leben, die Zukunft.
Dass Menschen sich ihn nutz- und handhabbar gemacht haben, glaubten, in seinen Namen auch Hass ausüben, in seinem Namen auch zu Hass aufrufen zu können, verletzt Gott und - uns. Gott missbraucht die Menschen nicht, die er von Anfang an liebt. Der Evangelist Johannes, als letzter im Reigen der Evangelisten, wird Gott selbst nur „Wort“, „das Wort“ nennen. Wort, das die Welt erhält. Wort, das die Welt beseelt. Wort, das die Welt verwandelt.
Im Hebräerbrief können wir es nachlesen:
„Jesus ist der Abglanz seiner – Gottes - Herrlichkeit
und das Abbild seines Wesens;
er trägt das All durch sein machtvolles Wort.“
Das erste und das letzte Wort ist: Liebe. Der, der einst zu den Vätern und Müttern geredet hat, hat uns Jesus geschenkt als DAS WORT, DAS EINE WORT. In diesem WORT ist er ganz bei sich – und ganz bei uns.
Habe ich jetzt eigentlich über Weihnachten geredet? Heute, am Weihnachtstag? 25. Dezember?
Gestern Abend haben wir die Geschichte gehört, die Lukas in seinem Evangelium erzählt: von Maria und Josef, dem Gebot des römisches Kaisers Augustus, der Geburt Jesu in Bethlehem – dann kamen erst die Engel, dann die Hirten. Himmel und Erde, sozusagen. Ehre sei Gott in der Höhe – und Frieden auf Erden den Menschen! Den Menschen seines Wohlgefallens. Nicht gerade ein modernes Wort, aber anmutig, wie kaum ein anders. Wohlgefallen! Gott hat Gefallen an uns gefunden. Er hat sich in uns verliebt. Er geht unsere Wege mit, durch dick und dünn, treu, manchmal auch doof. Bei uns riskiert er sogar, sich um seine Reputation zu bringen, sein Wort aufs Spiel zu setzen, verraten zu werden.
DAS WORT
Alles ist durch das Wort geworden.
Alles.
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
Ich auch nicht.
DAS WORT
In ihm war Leben
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Die Hoffnung blutet.
DAS WORT
Es ist ein Stern… Eine Sonne… Unser Glück…
Ein Kind, dem wir folgen.
Ein Kind, das uns trägt.
Ein Kind, das uns groß macht.
In der Liebe.
DAS WORT
Sogar noch vor dem Anfang war es.
Und klein. Wie ein Kind.
Und groß. Wie die Ewigkeit.
Krone von allem.
DAS WORT
Das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
DAS WORT.
Gestern Abend, in der Nacht, hatten wir das Gefühl, zur Ruhe zu kommen. Nach hektischen und lauten Wochen. Ob alles glatt gelaufen ist? Alle zufrieden waren? Weihnachten ist ein schönes Fest. Herausgeputzt zwischen Erinnerungen und Erwartungen, ist so manche Hoffnung nach oben gekrochen, so manches Wort gefunden, so manche Sehnsucht vor dem Erfrieren gerettet worden.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Freudige Nachrichten tun uns gut, richten auf. Leider sehen und erleben wir rund um uns viel Unerfreuliches. Weihnachten ist trotz allem ein Fest der guten Nachrichten. Es lädt uns ein und fordert uns auf zu Freudenboten zu werden.
Ich habe eine freudige Nachricht für Sie. Sie haben die Stelle… Sie haben beste Aussichten auf Gesundung… Sie erwarten ein Kind… Millionen Menschen würden gerne hören: Der Krieg in der Ukraine ist zu Ende. Wir alle würden gerne hören: Corona ist besiegt. Wir können wieder normal leben.
Wir alle haben in unserem Leben guten Nachrichten gehört. Wir haben auch schon trauriges mitgeteilt bekommen. Leider hören wir oft das Gegenteil: Der Krieg in der Ukraine tobt immer noch in blutiger Weise weiter. Die jungen Menschen im Iran werden weiter brutal unterdrückt. Es sind sogar schon zwei Todesurteile vollstreckt worden. Es gäbe noch vieles aufzuzählen. Wie können wir da noch glücklich Weihnachten feiern?
Trotz alledem, wenn ich die Lesungen und das Evangelium ernstnehme, dann ist Weihnachten das Fest der guten Nachricht: Evangelium – Frohe Botschaft. Gott kommt in unsere Welt hinein. Er kommt, um uns in Jesus zu zeigen, dass er uns unendlich liebt. Wir hören es feierlich ausgesprochen im Evangelium: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Jesus, der Sohn Gottes wurde Mensch und hat unser Leben von der Geburt bis hin zum Sterben begleitet. Karl Rahner hat einmal gesagt: „In Jesus hat Gott sein wichtigstes Wort gesprochen: Dieses Wort heißt: ich liebe dich, o Mensch.“
Was will Gott anderes, als dass unser Leben glücklich wird. Was will Gott anderes, als dass unser Leben bestimmt wird von Freude, von Hoffnung auf sein Wirken in dieser Welt, von Hoffnung, einmal in seiner Nähe endgültig glücklich zu sein. Was will Gott anderes, als dass wir n gelungenen Beziehungen und Freundschaften leben. Wenn ein Mensch dem anderen sagt: „Ich liebe dich!“, dann heißt das: Ich suche nach dem, was dir wohltut, was dir für dein Wachsen hilft, vor allem als Mensch.
Reichtum und Wohlergehen wird an manchen Stellen in der Bibel auch als Zeichen dafür angesehen, dass ein Mensch von Gott gesegnet ist. Dennoch: Gott liebt die Armen. Denn in Jesus ist Gott arm in die Welt gekommen. Er wurde in einer Krippe geboren. Wenn wir vor den schönen Krippen stehen und uns an ihnen freuen, wenn wir die Menschen bewundern, die diese Krippen aufgebaut haben, dann dürfen wir immer daran denken: Es war tiefste Armut. Jesus ist solidarisch mit all den Menschen, die in Not und Elend geboren sind. Es ist ein Zeichen für das, was Johannes sagt: „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Denn einmal wird das irdische Leben von Jesus am Kreuz enden. Gerade die Frommen und die religiösen Führer seiner Zeit sind schuld daran. Doch am Ende werden wir feiern, dass Jesus auferstanden ist. Diese Botschaft ist im Grunde auch uns gesagt. Auch uns wird in Jesus das neue Leben geschenkt.
Wenn auch unser Leben viel Traurigkeit und Dunkel kennt – Weihnachten ist das Fest der guten Nachricht. Der Prophet Jesaja bringt heute seinen Hörern und Hörerinnen eine gute Nachricht. Das Leben des Volkes Israel war von Gefangenschaft bestimmt. Krieg und Zerstörung waren wichtige Erfahrungen im Laufe der Geschichte von Israel. Doch immer wieder wendete sich auch das Blatt. Durch politische Entscheidungen erlebte das Volk Erlösung. Friedensboten verkündeten den neuen Anfang. Die Wächter sehen: Gott zieht neu in Jerusalem ein. Wir können es so verstehen: Gott nimmt zu uns eine neue Beziehung auf. Menschen, deren Leben zerstört war, eingeschränkt war, die Trümmer Jerusalems spürten, sind durch Gottes Handeln aufgerichtet worden und haben neues Leben geschenkt bekommen.
Wir können fragen: Warum wendet sich bei uns nicht in vielem, was uns belastet, das Blatt? Wo sehen wir das Handeln von Gott? Was hilft es, wenn wir Weihnachten das Fest der Geburt Jesu, unseres Gottes feiern, wenn die Welt genauso schlecht und ungerecht ist wie vor 2000 Jahren. Für viele war auch in diesem Jahr Weihnachten mit mehr Arbeit verbunden. Gerade an Weihnachten, so hörte ich es vor ein paar Tagen im Wort zum Sonntag, spüren einsame Menschen ihre Einsamkeit sehr stark. Kein Krieg geht zu Ende, weil wir Weihnachten feiern.
Wenn auch die Welt und das Zusammenleben genauso aussieht wie eh und je, so gibt es sie doch: die Freudenboten. Es gibt sie die Menschen, die durch ihr Leben Licht bringen, die durch Wort und auch durch Tat zeigen: „Dein Gott ist König.“ Gott wird einst endgültig wiederkehren in unser Leben hinein. Wir haben es sicher auch schon hier und da erlebt: Situationen wendeten sich zum Besseren. Ein Schicksalsschlag konnte angenommen werden, ja er erwies sich sogar als gut für uns. Wir haben es vielleicht auch gespürt, wie sehr der Glaube an Gott hilft, wie sehr seine Worte eine Hoffnung machen. Im Advent wurde dazu das Licht als Zeichen benutzt: Das Licht ist stärker als die Dunkelheit. Ebenso besiegt das Gute das Böse. Wer versucht das Böse mit dem Bösen zu vergelten, steigert nur noch den Streit und den Hass.
Die Friedensboten, das können wir sein, die wir Weihnachten feiern. Gott ist uns Menschen nahe. Gott wurde Mensch, um zu uns eine Freundschaft aufzubauen. Wir können auch heute zu Gott eine Beziehung aufbauen, die von Liebe bestimmt ist. In jedem Menschen kann und will Gott uns nahe sein. Wir brauchen die Augen unseres Herzens, damit wir in all dem, was uns belastet und bedrückt sehen und spüren, dass Gott bei uns ist. Gott ist bei uns in jedem guten Wort, das wir hören oder auch selber sprechen. Gott ist bei uns in allem Guten, das wir erleben und das wir selber tun. Lassen wir diese Freude, diesen Jubel in uns wirken. Als Friedensboten tragen wir durch Wort und Tat weiter, was Gott uns an Weihnachten schenkt.
Frohe Weihnachten – heißt doch: Freue dich, dass in Jesus Gott Mensch wurde, dass Gott unser Leben teilt. Freue dich, dass er dir nahe ist, dir zur Seite steht, dich trägt, wenn du arm bist, wenn du leidest. Teile diese Freude weiter, sei Freudenbote, sei ein Zeuge dafür, dass in Jesus das Wort Fleisch wurde, dass in Jesus das Licht in diese Welt gekommen ist und dass Gott unsere Hoffnung ist.
Der Evangelist Johannes erzählt uns nichts über die Geburt Jesu. Er stellt vielmehr das Erscheinen des Messias und Gottessohnes Jesus in den großen Rahmen seiner Sicht des Kosmos und der Schöpfung. In Jesus geht uns die Wahrheit Gottes auf. In der konkreten historischen Gestalt wird Gott in seiner Menschenfreundlichkeit sichtbar, greifbar und hautnah erfahrbar. Wir sind eingeladen, ihn aufzunehmen, selbst Kinder Gottes zu werden und wie er die Menschenfreundlichkeit Gottes in dieser Welt erfahrbar zu machen.
Die Begriffe »Wahrheit« und »Freiheit« wurden die längste Zeit vor allem von Philosophen diskutiert. Für die harten Fakten waren die Naturwissenschaften zuständig. In den letzten Monaten hat sich die Diskussion um Freiheit, Wahrheit und die Interpretation von Fakten in die sozialen Medien und auf die Straße verlagert. Fakten werden angezweifelt, diverse Medien der Lüge bezichtigt und Regierungen werden der Diktatur verdächtigt. Immer mehr Menschen fragen sich: Was ist nun wirklich wahr?
Das derzeitige Misstrauen gegenüber Medien, Politikern und Wissenschaftlern ist jedoch nicht allein auf die Pandemie zurückzuführen. Das Denken vieler Menschen wurde in den letzten Jahrzehnten immer mehr von der allgegenwärtigen Werbung bestimmt. Sie hat unsere moderne Welt auf Hochglanz poliert. Design und Image sind wichtiger als Inhalte. Dies betrifft nicht nur die Waren, sondern immer mehr auch die Personen, Organisationen, Firmen wie auch politische Parteien. Hatte seinerzeit die Frage des Pilatus "Was ist Wahrheit?" noch philosophischen und rhetorischen Charakter, ist die Frage nach der Wahrheit heute auch in praktischer Hinsicht bedeutsam geworden.
Das Dilemma mit der Wahrheit kommt nicht zuletzt von einem naiven Umgang mit der Wahrheit, wie er lange Zeit gang und gäbe war. Wenn etwas als »wissenschaftlich« behauptet wurde, »schwarz auf weiß« in der Zeitung oder gar in Büchern gedruckt war, erübrigte sich jede weitere Diskussion um den Wahrheitsgehalt. In den letzten Jahrzehnten hat sich das alles massiv verändert. Vielen ist erst in der Not der Pandemie bewusst geworden, wie sehr auch Wissenschaftler ihre Ergebnisse diskutieren und um die Wahrheit ringen müssen.
Der Umgang der Religionen mit der Wahrheit war und ist teilweise immer noch nicht minder problematisch. Die wissenschaftliche Diskussion um theologische Erkenntnisse wurde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Kritische Theologen wurden von den kirchlichen Autoritäten rasch zurückgepfiffen. In der Verkündigung achtete man mehr auf gefällige Präsentation als auf kritische Auseinandersetzung. Hinzu kommt, dass religiöse Inhalte nicht mit denselben Begriffen beschrieben werden können wie naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Sie verlangen eine eigene Sprache, die geeignet ist, die mystische Dimension der Wirklichkeit auszudrücken.
Im Evangelium des Weihnachtstages hörten wir den Prolog, mit dem der Evangelist Johannes seinen Bericht über Leben und Sterben Jesu von Nazareth eingeleitet hat. Er ist eine großartige dichte Zusammenfassung seiner Sicht der Bedeutung Jesu. Für Johannes ist Jesus der Inbegriff der Weisheit Gottes, Sinn der ganzen Schöpfung, die Wahrheit über Gott schlechthin.
Kritische Medien unterziehen behauptete Wahrheiten einem »Faktencheck«. Halten diese den überprüfbaren Fakten stand? Als Faktencheck bietet der Evangelist das Leben Jesu an: "Und das Wort ist Fleisch geworden". Im Leben und Sterben Jesu ist das Wesen Gottes sichtbar, greifbar und hörbar geworden. Johannes beschreibt Jesus als einen, der in seinem Reden sich mit der Weisheit Gottes vertraut zeigt. Für ihn zählt aber nicht nur das Wissen und das Reden von Gott, sondern sein konkretes Handeln, seine herzliche Liebe zu den Menschen, sein barmherziger Umgang mit den Verwundeten und Leidenden. Mehrmals wird Jesus von den jüdischen Autoritäten gefragt, mit welchem Recht er so reden und handeln könne. Jesus verweist auf seine Taten als Fakten, die seine Autorität belegen.
Wenn wir Weihnachten feiern, konfrontieren wir uns mit der Wahrheit Gottes, die in Jesus anschaulich geworden ist. Wie stehen wir zu dieser Wahrheit Gottes? "Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden" (Joh 1,12). Alle, die diese Wahrheit Gottes annehmen, können selbst Kinder Gottes werden, d.h.: werden wie Jesus. Wir sind eingeladen, in unserem Leben die Weisheit Gottes Fleisch werden zu lassen, menschenfreundlich zu werden wie Gott, wie Jesus.
Traditionellerweise zeigen wir unsere Menschenfreundlichkeit rund um Weihnachten besonders gegenüber den Kindern, hilfsbedürftigen und alten Menschen. Wenn wir die Wahrheit Gottes, die in Jesus konkret sichtbar geworden ist, ernst nehmen, dürfen wir unsere Augen nicht vor denen verschließen, die heute in besonderer Weise des Wohlwollens bedürfen. Eine vom Christentum geprägt Gesellschaft darf sich nicht abkapseln und nur auf das eigene Wohlergehen schauen. Bei all ihrem Reden und Tun wird sie mitbedenken, was wir beitragen können, dass alle Menschen menschenwürdig leben können.
So wünsche ihch Ihnen zu diesem hohen Fest, dass Sie im Kreis Ihrer Lieben die Menschenfreundlichkeit Gottes am eigenen Leib spüren und erfahren. Und ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen auch gelingt, etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes an jene weiterzuschenken, die sie gegenwärtig besonders brauchen.
„Ich habe mir ein tolles künstlerisches Geschenkpapier gekauft! Traumhaftes Design, handgeschöpft, mit Naturfarben bedruckt! Es schaut so zauberhaft aus, dass vielleicht einige das Papier behalten und die Geschenke wegwerfen werden!“ Diesen inneren Monolog habe ich vor kurzem auf Facebook gesehen (danke an die Kirchenzeitung der Diözese Linz!). Das hat mich auf die Spur des heutigen Evangeliums und des heutigen Festes gebracht: Auf den Inhalt kommt es an, nicht auf die Verpackung.
In dem kleinen Kind in der Krippe schenkt Gott sich selbst. Hier ist natürlich die „Verpackung“ oder die Form auch gut gewählt – wessen Herz wird nicht vom Anblick eines Babys berührt? Ein hilfloses, kleines Wesen, das abhängig ist von den Menschen in seiner Umgebung. So sehr liebt Gott die Menschen, dass er sich uns aussetzt, dass er sich ganz auf uns und die Welt einlässt.
Der Beginn des Johannesevangeliums bildet eine ganz besondere Form der Erzählung, ganz anders als die Geburtsgeschichte im Lukasevangelium, die wir in der Heiligen Nacht hören. „Nach dem christlichen Verständnis der Wirklichkeit geht die Bestimmung der gesamten Schöpfung über das Christusmysterium, das vom Anfang aller Dinge an gegenwärtig ist: „Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen“ (Kol 1,16). Der Prolog des Johannesevangeliums (1,1-18) zeigt das schöpferische Handeln Christi als des göttlichen Wortes (Lógos). Doch dieser Prolog überrascht durch seine Behauptung, dass dieses Wort „Fleisch geworden“ ist (Joh 1,14). Eine Person der Trinität hat sich in den geschaffenen Kosmos eingefügt und ihr Geschick mit ihm durchlaufen bis zum Kreuz. Vom Anbeginn der Welt, in besonderer Weise jedoch seit der Inkarnation, wirkt das Christusmysterium geheimnisvoll in der Gesamtheit der natürlichen Wirklichkeit, ohne deswegen dessen Autonomie zu beeinträchtigen.“ (LS 99)
Dichtung vermischt mit Prosa wird uns da geboten, mit vielen Anklängen an das Erste Testament.
Einen davon finden wir im Vers 14, wo es auch heißt: „und hat unter uns gewohnt“. Das können wir auch übersetzen mit „er hat unter uns gezeltet“. Ich gestehe, dass ich noch nie zelten war, aber ich stelle mir das sehr unmittelbar und auch sehr intim vor, wenn man auf einen Campingplatz Zeltwand an Zeltwand wohnt. Genauso will Gott wirklich mitten unter uns wohnen, ohne Berührungsängste und indem er immer wieder Grenzen überschreitet. Er spricht sein Wort, das Wort, das ER selbst ist und das noch vor dem „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ war. Wenn Gott in der Bibel spricht, entwickelt das eine eigene Dynamik. Vielleicht kennen Sie das auch, wenn Sie von etwas im Innersten überzeugt sind und es aussprechen – dann wird es Wirklichkeit. Für uns ein Geschenk, für Gott ist es eine Art und Weise der Selbstoffenbarung. So feiern wir heute, dass dieses erste Wort Gottes Mensch geworden ist. Gott findet sich mitten in der Welt wieder, er geht über sich hinaus. Er möchte uns begegnen in der Welt, in der wir heute leben, einer Welt, die nicht heil ist. Er lässt sich auf diese Welt ein, die manchmal gottlos erscheint.
Ich lade Sie ein: Denken Sie nach, wo und wann Sie in letzter Zeit nach einem Zeichen Gottes in Ihrer Welt gesucht haben!
– STILLE –
Manchmal sind meine Erwartungen so wie das Geschenkspapier – sie verdecken den Inhalt. Doch wenn wir mit wachem Auge und aufmerksamem Herzen durch unser Leben gehen, bin ich sicher, dass wir Gott immer wieder begegnen: Im Lächeln eines fremden Menschen, in einem aufrichtigen „DANKE“, wo mir geholfen wurde oder ich jemandem helfen konnte, in einem Moment der Stille mitten im hektischen Alltag. Er begegnet mir auch in der Verpackung eines Flüchtlings, eines sogenannten „gescheiterten“ Menschen, in der Pflegehelferin im Altenheim und im demenzkranken Mann, den ich bisher ganz anders kannte. Ich bin überzeugt: Gott versteckt sich nicht, aber er hält sich verborgen, bis ich bereit bin, ihn in meinem Leben und in meiner Umgebung zu entdecken. In dir und in mir. Welch ein Geschenk!
Weihnachten ist ein Fest der Nähe Gottes. Wie können wir einander diese Nähe spüren lassen, wenn wir einander nicht nahekommen dürfen? Die Coronabeschränkungen haben viele neue Wege und Ausdrucksformen finden lassen. Auch im Bereich des Glaubens gilt es Neues zu probieren, um unsere Freude über das Nahesein Gottes zu zeigen und einander spüren zu lassen.
Wir feiern in diesem Jahr Weihnachten, wie wir es noch nie gefeiert haben. Zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus müssen wir eine Reihe von Regeln einhalten, die unsere Feierstimmung beeinträchtigen. Die Gesichtsmasken passten eher in den Fasching, es fehlt nur noch die bunte Bemalung. Wir sind angehalten, zu allen Personen, mit denen wir nicht im selben Haushalt leben, einen Babyelefanten weit Distanz zu wahren. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, keine körperliche Nähe, kein gemeinsames Singen, auch auf den Chor müssen wir verzichten.
Warum ist uns körperliche Nähe so wichtig? Weil wir aus Fleisch und Blut sind! Menschen aus Fleisch und Blut wollen jene, die sie liebhaben, umarmen, manche auch liebkosen, ihre körperliche Nähe spüren. Dies tut uns gut und ist wichtig für unser emotionales Wohlbefinden.
Im Weihnachtsevangelium des Evangelisten Johannes haben wir den großartigen Hymnus von der Fleischwerdung Gottes gehört. Niemand weiß, wie Gott ist. Es fehlen uns die Worte ihn treffend zu beschreiben. Wir können nur erahnen, dass er der Inbegriff der Weisheit und der Liebe sein muss, aus dem die ganze Schöpfung hervorgegangen ist. Johannes fasst das Wesen Gottes mit dem griechischen Wort Logos zusammen. In unserer Sprache brauchen wir mehrere Wörter, um dieses Wort ausreichend zu übersetzen: Logos bedeutet Weisheit, Wort, Geist, Sinn und beinhaltet alle positiven geistigen Kräfte. In Jesus von Nazareth, so die Botschaft des Evangelisten, hat diese geballte Kraft Gottes menschliche Gestalt angenommen: "Und das Wort, der Logos, ist Fleisch geworden" lautet seine Zusammenfassung des Weihnachtsgeheimnisses.
Am Menschen Jesus von Nazareth sehen wir, wie Gott ist, wie wir uns Gott vorstellen können. In ihm ist Gott den Menschen nahegekommen, ist Gott sichtbar, berührbar und angreifbar geworden. Jesus hat sich berühren und umarmen lassen. Er hat Menschen berührt und umarmt. Diese Erfahrung haben Menschen, die mit Jesus in Berührung gekommen sind, als ein von Gott Berührtwerden erlebt. Diese Erfahrung hat sie geheilt, versöhnt, wieder ganz werden lassen, sie zu Menschen werden lassen, ihnen die verlorene Menschenwürde zurückgegeben.
Es fällt uns schwer, an diesem Weihnachtsfest auf viele Ausdrucksformen der Nähe und des Wohlwollens zu verzichten. Wenn wir vorübergehend unser diesbezügliches Repertoire einschränken müssen, ist es umso wichtiger, einander unser gegenseitiges Wohlwollen auf andere Weisen zu zeigen und spüren zu lassen: wenn wir z.B. Kindern zulächeln und ihnen signalisieren, dass sie in dieser Welt willkommen sind; wenn wir uns von der Not von Menschen, die es aus irgendeinem Grund schwer haben, berühren lassen; wenn wir alten Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken…
Dieses Wohlwollen gilt es auch in unserem politischen Engagement für eine gerechtere Welt zu zeigen, für gesunde Lebensbedingungen aller Menschen, auch wenn dieses Umdenken uns Einschränkungen und Verzicht abverlangt.
Das Krisenjahr 2020 hat uns viel Verzicht abverlangt und uns viele Einschränkungen auferlegt. Vieles ist und war zum Jammern. Manches Mal hatte ich den Eindruck, dass in den Medien verschiedene Interessensgruppen um die Wette gejammert haben. Es wurde aber nicht nur gejammert. Es ist auch viel Neues entstanden. Es wurden viele positive Kräfte geweckt: Solidaritätsbekundungen, Zuversicht im Sinne "gemeinsam schaffen wir das!", aber auch Humor. Noch nie hat in den sozialen Medien der Witz und Schmäh so geblüht wie in den vergangenen Monaten.
Auch als Gläubige konnten und können wir viele gewohnte Ausdrucksformen unseres Glaubens nicht vollziehen. Die Not hat aber im religiösen Bereich viele Menschen neue Wege finden lassen, wie wir das Geheimnis des Glaubens, wie wir die Liebe und das Wohlwollen Gottes in unserer Welt aufs Neue sichtbar und spürbar machen können.
Ein jeder von uns ist gefordert, die Frohe Weihnachtsbotschaft von der Nähe und dem Wohlwollen Gottes in seine Welt hineinzutragen. Wünschen wir einander nicht nur mit Worten sondern auch mit Blicken und anderen Zeichen des Wohlwollens ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Wenn wir so unsere Zuversicht miteinander teilen, schenken wir Weihnachtsfreude und können wir so ein wenig vom Geheimnis der fleischgewordenen Liebe Gottes einander spüren lassen.
Im 3. Weihnachtsgottesdienst – Weihnachten, am Tag – wird das große Geheimnis, das in der Geburt Jesu Wirklichkeit geworden ist, reflektiert. Die biblischen Dichter überbieten sich mit Sprachbildern, um das Große zum Ausdruck zu bringen, das geschehen ist, als der große Gott als kleines Kind in die Welt gekommen ist.
Ich traue mich kaum, Sie zu fragen, wie Weihnachten beginnt – wo doch heute schon der 1. Feiertag ist und langsam der Abgesang beginnt. Aber es lohnt sich tatsächlich, noch einmal zurückzugehen, nein, ganz weit zurückzugehen.
Wir sehen Turmwächter. Sie schauen in die Ebene. Mit geübtem Blick. Aufmerksam. Eigentlich ist ihre Aufgabe, schon in der Ferne Feinde auszumachen. Dann müssen sie die Hörner blasen. Dann schrecken die Bewohner auf. Dann sammelt sich alles, was den Ort verteidigen kann. Groß und Klein. Aber heute trauen sie ihren Augen nicht. Es kommen – Friedensboten! Sie bringen eine frohe Botschaft mit. Jetzt können die verrammelten Tore schnell geöffnet werden. Es droht keine Gefahr, nein, das Glück kehrt ein. Man muss sie hereinlassen.
Der Prophet Jesaja schließt uns die Szene auf. Ziemlich überraschend, was er sagt:
Horch, deine Wächter erheben die Stimme,
sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen,
wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Freudenboten, Friedensboten. Und was sie sagen, wirft eine ganze Geschichte um, Lebensgeschichten gleich mit: Gott selbst kehrt heim.
Nun ja, die Erfahrung, dass Gott ausgezogen war, hatten die Menschen schon gemacht. Auf einmal war er nicht mehr da. Alle machten, was sie wollten. Alle mussten Götter spielen. Alle setzten alles aufs Spiel. Dann schlugen die Wellen über sie. Aus Übermut wurde Kleinmut, aus Machtgelüsten Ohnmacht, aus Träumen Albträume. Nicht nur Gott war auf einmal nicht mehr da. Ein ganzes Volk ist untergegangen. Weggeführt. Verbannt. An den Wassern Babels saßen wir und weinten – so sangen die Menschen in der Fremde.
Das war gestern. Sagt Jesaja. Jetzt sehen die Turmwächter, von weitem schon, die Freudenboten, die Friedensboten. Gott selbst kehrt heim.
Was das mit Weihnachten zu tun hat? Ganz viel: Gott kann von uns Menschen nicht lassen. Er hat uns den Lebensatem gegeben, mehr: sein Gesicht. Und sich selbst preisgeben, kann Gott nicht. Sein erstes Urteil war, dass alles gut ist. Vollendet. Perfekt. Unser Gesicht!
Es ist, als ob jetzt ein Stab weitergegeben wird. Wie bei einem langen Lauf. Davon weiß ein Mensch zu erzählen, dessen Namen wir nicht einmal kennen. Er hat einen Brief geschrieben. An die Hebräer. Es ist doch immer schön, in einem fremden Brief zu lesen – ohne dabei Voyeur zu werden.
Am Ende dieser Tage
hat Gott zu uns gesprochen durch den Sohn,
den er zum Erben von allem eingesetzt,
durch den er auch die Welt erschaffen hat;
er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit
und das Abbild seines Wesens.
Am Ende dieser Tage! Welche Tage sind zu Ende gegangen? Wenn Tage zu Ende gehen – gehen sie in der Nacht unter? Verschwinden sie gar? Und schon sind wir auf einer falschen Spur. Mit Weltuntergangsstimmung. Mit Horror. Sozusagen im täglichen Fernsehprogramm. Gemeint ist aber, dass Gott zuletzt lacht. Auf der Höhe aller Tage. Und uns seinen Sohn schenkt. Er ist der Erbe. Gott, der sich um seine Zukunft keine Sorgen machen muss, hat sein Herz für uns frei.
Das Gefühl, die Welt ginge unter, sei also am Ende, geistert heute durch viele Köpfe – ein wenig kopflos, einfallslos, überstürzt sowieso. Die Schuld, die Menschen sich aufladen, indem sie vieles vor die Hunde gehen lassen, ist allerdings allgegenwärtig und schon lange nicht mehr zu übersehen. Dabei macht sich große Ratlosigkeit breit. Riesige Konferenzen kriegen kaum ein paar vernünftige Worte zusammen. Wie war das schon einmal? Alle machten, was sie wollten. Alle mussten Götter spielen. Alle setzten alles aufs Spiel.
Dass Gott sozusagen jetzt kommt, überrascht uns. Dass er uns seinen Sohn schenkt, ist unfassbar. Bei dem Chaos, das wir täglich anrichten! Mit ihm tritt er in unsere kleinen und großen Geschichten ein, in die verkorksten und verfahrenen Situationen, in unsere Mühen und Sorgen. Auf Jesus liegt der Abglanz göttlicher Herrlichkeit. Sehen wir ihn, sehen wir den Vater der Welt. Schöpferisch in seiner Liebe. Dabei schauen wir nur ein Gesicht. Freundlich, offen. Es sind die Augen, die eine ganze Welt erstrahlen lassen – und eine ganze Welt in sich aufnehmen. Wer Gott einmal sehen möchte, darf sich an Jesus erfreuen. Wohl wahr: ein Kind. Hilf- und wehrlos wie viele Kinder, wie viele Menschen. Hineingeworfen ins Dasein, deklamierten die Existentialisten – aber hingeworfen ist hier nichts. Weggeworfen schon gar nicht. Die ganze Schöpfung hat hier ihren Anfang. In der Liebe. Kindlich. Himmlisch.
Am Ende dieser Tage! Ein Neuanfang! Ein Neuanfang? Eigentlich bleibt Gott sich treu. Er bleibt uns treu. Zuletzt spricht er. Und wir sehen eine neue Welt entstehen. Einfach, in dem er spricht! Wir ersehnen einen Platz in dieser Welt!
Ob wir die Menge der himmlischen Heerscharen sein können, von denen in der Weihnachtsgeschichte so viel Glanz ausgeht?
In einer fulminanten Vorrede zu seinem Evangelium hält Johannes fest:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Gott selbst erscheint hier als Wort. Nicht als Geist. Weder überirdisch noch außerirdisch. Alle unsere Vorstellungen schwinden dahin, wenn wir hören, dass Gott unter uns gezeltet, unter uns gewohnt hat. Wie ein Nachbar. Wie ein Mieter. War er nicht ausgezogen? Schon vor langer Zeit? Die Fenster blind und ungeputzt? Jetzt wirkt auch die Krippe auf einmal ganz anders. Gott haust unter uns! Wir haben nur sein Wort. Wir hören sein Wort. Eigentlich ist er selbst – Wort. Ganz Wort. Ungeheuerlich ist dabei, dass er Fleisch geworden ist. Fleisch steht für Vergänglichkeit, Hinfälligkeit, Verletzlichkeit. Gott als Wort, so charakterisiert, hat alles aufgegeben, was Menschen von ihm erwarten, worauf sie ihn festlegen, womit sie ihn anklagen: Fleisch ist nicht allmächtig. Nicht allwissend. Dass gerade darin Gottes Herrlichkeit leuchtet, das bekommen wir zu sehen. Seine Herzlichkeit! Ein Bündel in der Krippe. Dann ein Mensch am Kreuz. Gnade und Wahrheit. Aber die großen Worte müssen selbst lächeln. Sie mussten schon für so vieles herhalten und so vieles loslassen. Gott ist ein kleines Wort: Liebe.
Ich traue mich kaum, Sie zu fragen, wie Weihnachten beginnt – wo doch heute schon der 1. Feiertag ist und langsam der Abgesang beginnt. Aber es lohnt sich tatsächlich, noch einmal zurückzugehen, nein, ganz weit zurückzugehen.
Da kommen die Freuden-, die Friedensboten!
Da kommt Gott!
Das Wort, das Fleisch wird.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Zu Weihnachten stellen wir auch die Benachteiligten und Schwachen für eine gewisse Zeit in die Mitte unserer Aufmerksamkeit. Unsere Prioritäten von den Schwächeren her bestimmen zu lassen, kann die Welt verändern. Gott hat es uns vorgemacht.
Die Geburt eines Kindes stellt das Leben in der betroffenen Familie fürs Erste auf den Kopf. Wer auch immer sonst den Ton angibt und das gemeinsame Leben bestimmt, jetzt dreht sich alles um das Neugeborene. Für eine Zeitlang ist es der neue Mittelpunkt. Die Verwandten und Freunde rücken an, um den neuen Erdenbürger zu begutachten, Eltern und Geschwister sind darauf konzentriert, dass es dem Säugling gut geht und ihm nichts fehlt. Es tut der ganzen Familie gut, die eigenen Bedürfnisse für eine gewisse Zeit hintan zu stellen und darauf zu achten, was der oder die Kleine braucht.
Vergleichbares geschieht auch, wenn wir Weihnachten feiern. Da stehen auch die Kleinen im Mittelpunkt. In der Familie sind alle darum bemüht, ihnen eine Freude zu machen und von ihnen alles fernzuhalten, was das Fest trüben könnte. Zu Weihnachten rücken auch in der öffentlichen Aufmerksamkeit Menschen in die Mitte, die sonst eher am Rand stehen: Menschen mit Behinderungen, Obdachlose, alte und kranke Menschen... Zahllose Organisationen machen sich rund um Weihnachten für sie stark, sammeln Geld, besuchen sie, machen auf Nöte aufmerksam. In gewissem Sinn wird das sonst übliche Leben, in dem jeder vor allem auf das eigene Wohl schaut, auf den Kopf gestellt.
Normalerweise richten wir unseren Blick gern auf die Großen in der Welt, auf starke Politiker, die über Krieg und Frieden entscheiden, auf die Bosse, die das Wirtschaftsleben bestimmen, auf die findigsten Köpfe, die mit ihren Erfindungen die technische Entwicklung vorantreiben, auf erfolgreiche Sportler, die Medaillen und Auszeichnungen gewinnen. Die Starken und Tüchtigen genießen unsere Aufmerksamkeit. Von ihnen erwarten wir, dass sie die Welt gestalten.
Zu Weihnachten richten wir unseren Blick auf Gott, der auf die Kleinen schaut und sich selbst klein macht. In der Geburt Jesu offenbart sich die Logik Gottes, die anders tickt als unsere menschliche Logik. Weil er wirklich groß ist, vergibt er sich nichts, wenn er sich ganz klein macht und den Kleinen auf Augenhöhe begegnet. Damit macht er sie groß und macht ihre Würde sichtbar, die sie vom Anfang an als seine geliebten Kinder haben.
Der Evangelist Johannes beschreibt das Weihnachtsgeheimnis mit dem Satz "Und das Wort ist Fleisch geworden". Das griechische Wort "Logos" kann man mit "Wort" oder auch mit "Weisheit", "Sinn" oder "Geist" übersetzen. Es geht um die Weisheit Gottes, die in Jesus konkrete menschliche Gestalt angenommen hat. Dieser Geist Gottes, der hier am Werk ist, verändert die Welt mehr als jene Großen, von denen wir meinen, dass sie die Welt gestalten.
Weihnachten möchte aber nicht nur unser Mitgefühl für die Schwachen und Hilfsbedürftigen wecken. Die Weisheit Gottes, die in der Gestalt eines Menschen zu uns gekommen ist, möchte unser Denken und Verhalten verändern und die Welt verwandeln.
Wo auch wir uns wie der menschgewordene Gott den in der Gesellschaft Benachteiligten zuwenden, sie wertschätzen und ihre Würde hochhalten, verändern wir die Welt.
Wo wir diese Weisheit Gottes in unserem Leben wirken lassen, finden wir Wege, Hass und Feindschaften zu überwinden, der Gerechtigkeit Raum zu geben und alle Menschen am Reichtum der Schöpfung teilhaben zu lassen.
"Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben", haben wir im Weihnachtsevangelium gehört. Wir sind aufgefordert, den Geist und die Weisheit Gottes in uns aufzunehmen und nach der Art Gottes in unserem Leben wirken zu lassen. Wenn wir wie er die Kleinen und Schwachen in die Mitte stellen, lernen auf ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und ihnen den nötigen Lebensraum zugestehen, dann wird unser Weihnachten-Feiern nicht vergeblich sein, sondern Früchte tragen und nachhaltig wirksam sein.
Weihnachten ist nicht umzubringen. Es gibt uns Antwort auf unsere tiefe Sehnsucht nach Sinn und Geborgenheit: Jesus Christus ist als Licht in die Welt gekommen, das unser Leben hell macht.
Nicht wenige Menschen scheuen es, den Geburtstag zu feiern, sobald sie älter werden. Dieser Tag erinnert sie daran, dass die Lebensuhr immer lauter tickt. Mir ist es aber wichtig, zumindest die runden Geburtstage mir lieber Menschen gebührend zu feiern. Wie sonst hätte ich Gelegenheit, meine Dankbarkeit, dass es diesen Menschen gibt, zu zeigen und spüren zu lassen.
Gerne erinnere ich mich an meinen 50. Geburtstag. Da bin ich um 5 Uhr aufgestanden, weil auf meiner Geburtsurkunde vermerkt ist, dass ich um 5 Uhr auf die Welt gekommen sei. Diesen Moment wollt ich ganz bewusst erleben. Als es so weit war, wurde ich von einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit überwältigt; Dankbarkeit, dass ich leben darf, Dankbarkeit für meine Familie, Dankbarkeit für alles, was ich bis dahin erleben durfte.
Am 25. Dezember feiern wir den Geburtstag Jesu. Obwohl wir nicht wissen, an welchem Tag und in welchem Jahr Jesus von Nazareth geboren worden ist, ist sein Geburtsfest zu einem der größten Feiertage des Jahreskreislaufs geworden. Ich halte es für wichtig, dass wir diesen Tag ausgiebig feiern. Wann sonst hätten wir Gelegenheit, unsere Dankbarkeit für diesen großartigen Menschen auszudrücken! Jesus von Nazareth hat die Menschheitsgeschichte wie kein anderer positiv mitgestaltet. Und das gehört gefeiert.
Für gläubige Christen bedeutet Jesus von Nazareth aber noch weit mehr, als dass er großartiger Mensch war. Am 25. Dezember wurde im antiken Rom das Fest des Jupiter sol invictus gefeiert; ein Sonnwendfest: Jupiter, die höchste römische Gottheit ist die unbesiegte Sonne. Christen haben sich bald gesagt: Für uns ist Jesus Christus das Licht, das stärker ist als jede Finsternis. Es leuchtet heller als die Sonne. Nicht einmal die grausamste Art der Hinrichtung konnte ihn auslöschen. Weihnachten ist der Tag, an dem wir in die ganze Welt hineinrufen: "In ihm ist das Leben und das Leben ist das Licht der Menschen." (vgl. Joh 1,4). Dieses Licht leuchtet auch heute in der Finsternis und keine Finsternis kann dieses Licht überwältigen.
In den Medien ist es üblich geworden, von Politikern aufgestellte Behauptungen einem Faktencheck zu unterziehen. Kann man das wirklich behaupten, dass Christus das Licht ist?
Die letzten Wochen waren durchflutet von weihnachtlichem Licht. Viele Häuser waren geschmückt mit Weihnachtsbäumen und Lichterketten und die Einkaufsstraßen glitzerten in ihrer besonderen Beleuchtung. Für mich symbolisieren diese Lichter den Wohlstand, dass es uns trotz vieler Probleme im Großen und Ganzen gut geht. Es geht uns sogar so gut, dass wir auch an jene denken und ihnen helfen, denen es aus irgendeinem Grund nicht gut genug geht. Gibt es darüber hinaus noch etwas, das unser Leben heller machen kann als das, was die Menschheit in unserer Zeit erreicht hat? Braucht es da noch das Licht, von dem das Evangelium spricht? Braucht es in dieser Welt noch Christus als Licht?
Zu Weihnachten zelebrieren wir die schönen Seiten des Lebens. Das ist gut und richtig. Zugleich dürfen wir uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Errungenschaften auch ständig bedroht sind. Denken wir an die Kriege, die derzeit geführt werden, und die Gefahr, dass sie sich zu einem Weltenbrand ausweiten. Und es gibt viele Ecken und Enden der Erde, in denen das Licht der Menschenwürde und sozialer Gerechtigkeit noch nicht angekommen ist. Demokratie, Freiheit und soziale Sicherheit sind sogar mitten in Europa in Gefahr, ausgehöhlt und untergraben zu werden.
Das alljährliche Weihnachtenfeiern führt uns auch im persönlichen Umfeld vor Augen, wie zerbrechlich unsere Lebensfreude letztendlich ist. Viele strengen sich an, dass es ein schönes, harmonisches Fest wird: Friede, Begegnung, Zeit für einander... Trotz der vielen Geschenke bleiben viele Wünsche unerfüllt. Wir stoßen an unsere eigenen Grenzen, wenn wir selbst uns gegenseitig Licht sein wollen. Woher nehmen wir ausreichend Energie für dieses Licht?
Das Evangelium führt uns an den Anfang der Schöpfung. In der biblischen Schöpfungserzählung heißt es: "Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht." (Gen 1,3). Sie will damit sagen: Licht und Leben kommen von Gott her. Die Lebensenergie, die in diesem wirkmächtigen Wort Gottes zum Ausdruck kommt, ist die treibende Kraft des ganzen Kosmos. In Jesus Christus hat die Weisheit und Kraft Gottes menschliche Gestalt angenommen, ist Fleisch geworden. An seinem Lebensbeispiel sehen wir, wie auch wir für einander zum Licht werden können.
Weihnachten ist nicht umzubringen. Davon bin ich fest überzeugt. Denn in diesem Fest geht es nicht nur um den Geburtstag eines großartigen Menschen. In diesem Fest feiern wir unsere Freude am Leben und an der ganzen Schöpfung. Dieses Fest lässt uns den tieferen Sinn unserer eigenen Existenz erahnen. Und dieser Sinn ist stärker als alle Unsinnigkeiten, die unser Leben bedrohen und oft genug verfinstern.
An diesem Tag möchte ich Gott danken für den großartigen Menschen Jesus von Nazareth und für Jesus Christus, das Licht, das in ihm menschliche Gestalt angenommen und die Welt hell gemacht hat.
Die Stimmung des eigentlichen Weihnachtsfeiertages ist ganz anders als die der Zeit davor. Im Gottesdienst des 25. Dezember wird meditiert, was durch die Menschwerdung Jesu neu geworden ist. Johannes beschreibt dies im Prolog seines Evangeliums mit den Begriffen Wort (logos), Licht und Fleisch.
Wäre da nicht der große Christbaum und die Weihnachtskrippe, könnten beim einen oder anderen Zweifel aufkommen, ob das jetzt ein Weihnachtsgottesdienst ist. Die Lesungen aus der Heiligen Schrift, die wir eben gehört haben, enthalten nichts von der weihnachtlichen Romantik, die uns seit Wochen begleitet hat. Am 25. Dezember ist Ruhe eingekehrt nach den lauten Wochen vor dem Fest.
Für die Geschäftswelt beginnt Weihnachten schon Mitte November und endet schlagartig am 24. Dezember um Mittag. Die Firmen und Vereine halten in den Dezembertagen vor dem 24. Ihre Weihnachtsfeiern. Der Heilige Abend am 24. Dezember gehört den Familien. Und die katholische Liturgie sieht gleich vier Weihnachtsgottesdienste vor: »am Vorabend«, oft als Kindergottesdienst gefeiert, damit das Christkind inzwischen die Wohnung herrichten kann, »in der Nacht« als Christmette, »am Morgen« das »Hirtenamt« für die Frühaufsteher und schließlich der Festgottesdienst »am Tag«. Der Höhepunkt ist traditionellerweise um Mitternacht, denn "die Mitte des Tages ist der Beginn eines neuen Tages". Das Weihnachtsevangelium von der ergebnislosen Herbergsuche, der Geburt im Stall mit der Krippe und den Hirten, wie es alle von Kindheit an kennen, wird nur beim Gottesdienst »in der Nacht« vorgetragen.
Was bleibt da noch zu feiern am Weihnachtstag selbst, den wir heute am 25. Dezember begehen? Als Evangelium haben wir den Prolog des Johannesevangeliums gehört. Dieser klingt zwar feierlich, entbehrt aber jede Romantik. Die Ereignisse, die Matthäus und Lukas in symbolgeladenen und bedeutungsschwangeren Erzählungen schildern, bringt Johannes in einem feierlichen hymnusartigen Text zum Ausdruck. Bei genauem Hinhören entdecken wir Weihnachten in einem ganz anderen Ton. Er fasst zusammen, was wir in den Tagen und Wochen zuvor in verschiedenen Facetten ausgekostet haben. Johannes lädt ein zum Meditieren und Weiterdenken, wie die Menschwerdung Jesu unsere Welt und unser Leben verändert hat; so grundlegend verändert hat, dass die Christen von da an eine neue Zeitrechnung begonnen haben.
Was ist mit der Geburt Jesu anders geworden? – Drei Begriffe dominieren diesen Text: Wort (griechisch »logos«), Licht und Fleisch.
Der Begriff »logos« schillert in allen Farben. Er kann mit Wort, Geist oder auch Sinn übersetzt werden. Jede dieser Übersetzungen trifft nur einen Teil des in »logos« Enthaltenen. Es geht um den Sinngehalt des gesamten Kosmos, der ganzen Schöpfung, und ist untrennbar mit dem verbunden, was wir mit dem Wort »Gott« verbinden.
Mit der Geburt Jesu offenbart Gott den tieferen Sinn der Schöpfung, des gesamten Daseins. Mit der Geburt Jesu ist der vom Schöpfer hineingelegte Sinn erkennbar und sichtbar geworden.
Ein zweiter zentraler Begriff ist »Licht«. In der Schöpfungserzählung erschafft Gott das Licht mit den Worten "Es werde Licht". Das Licht überwindet die Finsternis, die über der noch zu erschaffenden Welt lag.
Mit Jesus kommt das Licht in menschlicher Gestalt in die Welt. Dieses Licht erhellt das Leben aller, die ihn aufnehmen und bereit sind, Kinder Gottes zu werden.
Schließlich betont der Evangelist, dass dieser unfassbare und unbegreifbare Logos »Fleisch« wird, sichtbar, erfahrbar, anfassbar, angreifbar. "Und das Wort ist Fleisch geworden"...
"Liebe geht durch den Magen", sagen wir. Liebe muss körperlich spürbar, erfahrbar werden, sie muss auch die leibhafte Seite des Lebens einschließen. Der Logos, der Sinn, der Geist, nimmt Fleisch an, wird leibhaft sichtbar, spürbar, Gott wird greifbar.
Wir feiern Weihnachten als rauschendes Fest, viele Wochen hindurch, mit vielen Facetten. "Am Tag danach" werden wir uns bewusst, von welch großem Ereignis wir uns haben mitreißen lassen. Danken wir Gott für alle Nuancen und Dimensionen, die dieses Fest uns bietet. Und vergessen wir nicht, Gott für den Sinn und den Geist, den unser Leben durch die Menschwerdung Jesu bekommen hat, zu danken.
Oft fragen wir, "wer bin ich eigentlich?" oder "was ist der Mensch?" In Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes und damit sehen wir den Menschen von Gott wertgeschätzt.
Was ist der Mensch? Wer sind wir selber? Man mag versucht sein, spontan zu denken: was soll so eine Frage? Nichts ist doch klarer als das. Der Mensch ist, was wir selber sind; das, was jede und jeden von uns zu etwas ganz Persönlichem und Einmaligem macht. Nichts ist uns vertrauter und bekannter als wir uns selbst.
Und dennoch fragen wir immer wieder: wer bin ich eigentlich? Wie weit bin ich so, wie ich es selber gerne sein möchte? Warum ist mein Leben gerade so verlaufen und nicht ganz anders? Warum gibt es in meinem Leben so viele Ungewissheiten und gerate ich in Situationen, die ich unbedingt hätte vermeiden wollen? Wie kann es geschehen, dass ich manchmal sogar vor mir selber erschrecke? Wir sind uns selber immer auch ein ganzes Stück weit fremd und ein Rätsel.
Ähnlich ergeht es uns mit den Mitmenschen. Da gibt es welche, von denen wir meinen: die kenne ich durch und durch; die können mir nichts mehr vormachen. Und dennoch geschieht es immer wieder, dass wir gerade von einem solchen Menschen sagen müssen: der hat mich jetzt total überrascht. Alles hätte ich von dem erwartet; nur nicht das. Gegenseitige Vertrautheit und Übereinstimmung sind nie garantiert. Deshalb geschieht es immer wieder, dass gerade auch Menschen auseinander gehen, die einander sehr nahe gestanden sind und sich bis ins Intimste hinein gekannt hatten.
Umgekehrt kann es geschehen, dass Menschen, die auf Distanz zueinander gegangen sind, vielleicht sogar nichts mehr voneinander wissen wollten, doch plötzlich wieder Zeichen von Verbundenheit austauschen. Es kann geschehen, dass Menschen, die einander abgeschrieben hatten, doch wieder zueinander finden und sich versöhnen.
Was ist der Mensch? Wer sind wir selber? Offenbar ist es nicht so einfach, eine griffige Antwort zu finden. Der Mensch ist sich selber gleichzeitig vertraut und unvertraut; er steht in Übereinstimmung mit sich selbst und ist sich doch ein Stück weit fremd. Wir sind uns gegenseitig zugleich nahe und entfernt, einander zugetan und abgewandt; wir leben innigste Gemeinschaft und erleben ebenfalls lähmende Einsamkeit.
Diese seltsamen Spannungen führen oft zu einem Gefühl von Ungewissheit. Sie vermitteln den Eindruck, wir Menschen seien unentwegt auf der Suche nach etwas, das wir nie ganz einholen können. Sie vermitteln den Eindruck, unser Leben sei und verbleibe in der Schwebe zwischen Gelingen und Misslingen und nie würden wir ganz verwirklichen können, was für uns das Wichtigste ist: wir möchten ganz Mensch, wir möchten ganz uns selber werden. Aber genau das können wir offensichtlich allein aus uns heraus nicht.
Wir können es. Wir können es ganz und gar trotz aller Spannungen und Ängste und offenen Fragen. Genau dafür steht das Fest, das wir heute feiern. Es ist ja das Fest der Menschwerdung. Weihnachten verkündet in seinem christlichen Kern nur eines: In Jesus ist Gott selber ganz Mensch geworden, damit unser Menschsein ganz gelingen kann. Das geschieht allerdings auf eine Weise, die unsere menschlichen Horizonte aufsprengt.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er sei das Wort, das von Anfang an bei Gott war und durch das alles erschaffen wurde. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der Ursprung und Fundament ist von allem.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er sei das Licht, das in jede Finsternis hinein leuchtet. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der all das überwindet, was dunkel, böse und verfehlt ist in unserem Leben.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er gebe allen, die ihn aufnehmen, Macht, Kinder Gottes zu werden. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der uns Menschen als seinesgleichen annehmen und zu einer Vollendung führen will, die alles übersteigt, was wir uns vorstellen können.
Wenn es so ist, dann muss doch Gott selber vom Menschen unendlich groß denken. Der Mensch muss dann für Gott so kostbar sein, dass eben er selber Mensch wird, dass er selber sich zu dem macht, was wir Menschen sind und immer mehr und besser sein möchten.
Wenn es so ist, dann dürfen wir unser Leben voll Vertrauen in die Hand dieses Gottes legen. Wenn Gott selber Mensch wird, dann laufen wir mit unseren Erwartungen und offenen Fragen nicht ins Leere. Wenn Gott selber Mensch wird, dann bleiben die Ungereimtheiten und Spannungen unseres Lebens nicht in der Schwebe dauernder Ungewissheit. Wenn Gott selber Mensch wird, dann ist alles, was unser menschliches Leben mit sich bringt, gerade auch das, was wir nie ganz zusammenbringen, von ihm angenommen und bejaht und deshalb auf einem Weg, der zu Gelingen und Glück führen kann. Gottes Menschwerdung ermöglicht es uns, dass wir selber ganz Mensch werden können, dass wir ja sagen können zu uns selbst und unserem ganzen Leben trotz allem, was es an Begrenzungen, an Brüchen und Abgründen geben mag.
An Weihnachten dürfen wir darum dankbar aus dem Glauben heraus das bekennen, womit das heutige Evangelium schließt: „Wir haben Gottes Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“.
Können wir angesichts so vieler unverschuldeter Not und so vielen Elends an einen Gott glauben, dem das Schicksal der Menschen nicht gleichgültig ist? Gott ist in Jesus Mensch geworden und hat sich wehrlos mitten in eine Welt hineinbegeben, in der unschuldige Menschen getötet werden. Das Licht von Bethlehem – unscheinbar und verletzlich – leuchtet uns.
Ich erinnere mich gut an ein Gespräch mit einem Patienten in der zweiten Adventswoche. Ich hatte zuvor einen anderen Patienten besucht und ihn dann begrüßt. Er hat einiges erzählt und den Besuch und das Gespräch hat er gerne angenommen. Dann nahm das Gespräch jedoch eine überraschende Wendung. Sehr freundlich sagte der Mann zu mir: Wissen Sie, zur Kirche komme ich nicht mehr und glauben, glauben kann ich auch nicht mehr.
Ich fragte zunächst was den passiert sei, dass es so gekommen sei, ob er sich über die Kirche oder auch über einzelne Mitarbeiter geärgert habe. Veränderte Strukturen, abgelehnte Gottesdienste oder auch andere Vorkommnisse bilden immer wieder ein Ärgernis, nach dem Menschen sich abwenden. Sie lehnen dann häufig die Kirche, aber nicht Gott selber ab.
Aber darum ging es nicht!
Sehr klar sagte der Patient, er könne und möchte nicht mehr an einen Gott glauben, wenn er all die Not und all das Elend in der Welt sieht. Die Kinder und alten Leute, die in den Kriegen in Syrien, in der Stadt Allepo sterben, die Opfer von Terroranschlägen, die Kinder die Weltweit verhungern. Hinzu kommen dann noch die Opfer der Naturkatastrophen. Wenn er all das sehe und erlebe könne er nicht mehr an Gott glauben, schon gar nicht daran, dass es einen guten Gott geben solle.
Meine erste Frage, oder auch mein erster Einwand waren, dass doch vieles von dem was auf dieser Welt geschieht von Menschen gemacht ist, dass doch wir es sind, die vieles verursachen. Der Mensch ist es der tötet, der Bomben wirft und die Erde zerstört. Können wir dann so einfach hingehen und Gott die Verantwortung in die Schuhe schieben?
Er ließ meinen Einwand so nicht gelten, auch wenn er zustimmte, dass viel Leid von Menschen verursacht ist. Aber, so erklärte er weiter, es sterben Kinder und mit den Kindern auch viele Menschen, die nichts für all diese Missstände können, die nichts davon entschieden haben, sondern einfach all den Dingen ausgeliefert sind, sich nicht wehren können und sterben.
An dieser Stelle wurde ich langsam einsilbiger in unserem Gespräch, habe noch etwas von der Freiheit des Menschen erzählt, die Gott achtet und die wir alle wollen, die aber eben auch Böses hervorbringen kann.
Aber war das wirklich eine Antwort auf sein Erleben und seine Enttäuschung. Er hat dabei ja noch nicht einmal etwas über seine persönliche Situation und seine Krankheit erzählt oder darüber geklagt. Es ging ihm also nicht um ihn selber, sondern um den anderen, um den leidenden Menschen heute, hier und weltweit.
Und hat er nicht auch Recht! Denke ich nicht auch oft: Sieht er denn nicht was passiert, sieht er nicht wie viele Menschen auch guten Willens an diesen grausamen Situationen nichts verändern können? Sieht er nicht die Not, aber eben auch den guten Willen vieler Menschen? Warum greift er nicht sichtbar und spürbar ein? Ist Gott so wenig mitfühlend oder ist er so ohnmächtig? - Oder?
Wir feiern Weihnachten. Wenn nicht alles mit Geschenken und gutem Essen überlagert, wird feiern wir, dass Gott Mensch wurde. Mensch mit allen Konsequenzen. Geboren als kleines Kind, ausgeliefert den Mächten seiner Zeit und schon als Kind nur knapp einem Anschlag entgangen. Schon damals starben Menschen unschuldig. Als Kind wehrlos und als Erwachsener weigerte er sich vor Pilatus, sich Legionen von Engeln schicken zu lassen, die einmal richtig aufräumen sollten.
Er bleibt Mensch, und seine Göttlichkeit nimmt nichts davon von ihm weg. Er leidet bis zur absoluten Verzweiflung. Er zerbricht auch an Gott, weil er sich im Stich gelassen fühlt. Er nimmt die schwersten und dunkelsten Seiten unseres Lebens in sich auf. Das hat er sich nicht ausgesucht, das hat das Leben mit ihm zugemutet.
Hier vorne brennt ein kleines Licht. Es ist verletzlich, ein leiser Windstoß, eine Unachtsamtkeit und es brennt nicht mehr. Es kommt aus einer der gefährlichsten Krisenregionen der Erde hier zu uns in unsere Kapelle, weil Menschen dieses kleine Licht aus Bethlehem bis hierher bringen wollten.
Dem Patienten konnte ich nur sagen, es gibt keine gute Antwort auf das viele sinnlose Leid in der Welt. Wir können nur darauf vertrauen, dass Gott es mit den Menschen trägt und dass es bei allem Bösen in dieser Welt immer auch Menschen guten Willens gibt, die als Christen, die als Gutmenschen eher eine Kerze entzünden, als alles so zu lassen wie es ist.
Mehr nicht – und doch so viel.
Weihnachten ist ein Fest der Freude, weil Gott uns liebt. Er hat Fleisch angenommen, um uns berühren zu können.
"Gnädig und barmherzig ist der Herr, reich an Huld und Gnade." Dieses Psalmwort erfüllt sich heute. Heute, feiern wir den barmherzigen Gott im Kind von Bethlehem. „Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren!“
Wie geschieht das? So wie es Menschen tun, wenn sie miteinander in Beziehung kommen wollen, macht es Jesus der menschgewordene Gott. Wenn wir jemand lieben, gehen wir auf die Person zu und blicken sie an.
Jesus geht auf uns zu und blickt uns an. Warum er die Liebesgemeinschaft der Dreifaltigkeit verlässt, um bei uns zu sein, bleibt ein Geheimnis. Der Hl. Alfons meint: „Gott kann von niemand beherrscht werden, die Liebe aber hat ihn überwältigt. Sie hat ihn besiegt, so dass er unser Bruder geworden ist!“ Oder ging es Jesus so, wie es uns geht, wenn wir eine Person sympathisch finden: dann fühlen wir uns angezogen, sind fasziniert von der Ausstrahlung und Schönheit des anderen. Das lässt das Negative vergessen, wir nehmen es nicht wahr. Wir dürfen wohl sagen: Jesus fand an uns Menschen so viel Attraktives, soviel Schönes und Ausstrahlendes und Liebenswertes, dass es ihn wie magnetisierte, dass er sich anziehen ließ von uns trotz unserer Fehler und Sünden. Ja, mit dieser Liebe blickt Jesus uns in die Augen. Heute gesteht er uns: „Du Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! In der Schwäche des Kindes komme ich wehrlos schwach - und will so alles für Dich sein!“
Das menschgewordene Gotteskind kann heute nicht sprechen. Es ist hilflos, klein, der Sprache nicht mächtig. Doch das Kind in seiner Schwäche spricht wortlos eine gewaltige Sprache, ein lautes Wort der Hoffnung und des Lebens. Ein kleines Kind ist immer Frohbotschaft und dieses Christkind ist die Gute Nachricht. Es ist das schönste und letzte Wort, das Gott zu uns Menschen spricht: „Du Mensch, ich liebe Dich! Verlass Dich auf meine Barmherzigkeit!“ Anstelle des Gotteskindes spricht es heute der Engel: „Seht, ich künde euch eine große Freude, heute ist Euch in der Davidstadt der Retter geboren, Christus, der Herr!“
Als ich mich in einer Familie verabschiedete, wollte der vierjährige auf den Arm genommen werden und mich drücken. Auch wir Erwachsene umarmen uns, und es tut gut. Die heilige Hildegard von Bingen sagt: Die Menschwerdung Gottes ist die mütterliche Umarmung Gottes für uns! Maria, Josef und die Hirten berührten dieses Kind. Im Glauben erschlossen sie sich dem tieferen, unbegreiflichen Geheimnis: in dieser Kinderhand berühren wir Gottes Hand. In diesen schwachen Kinderarmen ist Gott zum Greifen nahe, Gott zum Anfassen; es berührt uns, umarmt uns als der zärtlich-barmherzige, Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, „Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich heute. Jeder, der einsam ist, vom Leben gebeutelt, den die Sorgen drücken: Er darf wissen, er hat einen Freund, einen guten, treuen, zärtlichen und vor allem barmherzigen Vaters. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn, berührt uns heute in der heiligen Kommunion; er lässt das Herz höher schlagen, er verwandelt uns und stiftet Gemeinschaft zwischen sich und Dir und zwischen Dir und den Schwestern und Brüdern.
Liebe Schwestern und Brüder, Und das Wort der Barmherzigkeit des Vater ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Christ der Retter ist da!
Krippenfiguren repräsentieren nicht nur die Geschichte von der Geburt Jesu. Sie repräsentieren Menschen in besonderen Lebenssituationen. Das Kind in der Krippe repräsentiert die Familie, die bald aufbrechen und flüchten wird, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Es repräsentiert aber auch die Absurdität Gottes, der Mensch wird, weil er uns liebt.
Zu den Traditionen meiner Familie gehört, dass jeder Familienzweig eine eigene Familienkrippe hat. Auch meine Eltern haben mit meiner Geburt begonnen, sich eine Familienkrippe aufzubauen. Jedes Jahr kamen neue Figuren dazu. Im Prinzip sieht so die Krippe im Wohnzimmer seit Jahren gleich aus. Erst später habe ich begriffen, dass die verschiedenen Figurengruppen nicht nur eine Nacherzählung biblischer Ereignisse sind, sondern bis heute reale Lebenssituationen von Menschen widerspiegeln.
Zu dieser Figurengruppe gehören die 3 Weisen aus dem Morgenland. Sterndeuter, die die Hl. Schriften anderer Völker studiert und die Sterne am Himmel beobachtet haben. Diese Studien haben sie zum Schluss gebracht: ein neuer König wird geboren. Aber dieser König ist etwas so Besonderes, dass seine Geburt sogar von den Sternen des Himmels angekündigt wird. Sie werden neugierig und machen sich auf den Weg, um dieses Kind zu suchen. Unterwegs erkundigen sie sich bei Herodes, wo dieser neue König geboren wird.
Damit lösen sie eine Kette von schrecklichen und nicht mehr zu kontrollierenden Ereignissen aus. Aus Angst vor einem Konkurrenten befiehlt König Herodes einen barbarischen staatlich gelenkten Terrorakt: jede männliche Erstgeburt bis zum Alter von zwei Jahren muss getötet werden. Wie viele Eltern mit ihren Kindern daraufhin die Flucht ergriffen, wissen wir nicht. Auf jeden Fall macht sich die Hl. Familie mit dem Jesuskind auf die Flucht nach Ägypten. Dort bleiben sie, bis sich die politischen Verhältnisse (modern gesprochen: die Fluchtursachen) geändert haben. Dann kehren sie in ihre Heimat zu ihren Familien, Freunden und ihrer Arbeit zurück.
Mein Blick wandert dann zum Jesuskind in der Mitte. Links und rechts stehen Maria und Josef. Mein Glaube sagt mir: in diesem Kind im Stall ist Gott selbst Mensch geworden. Opfer von Macht und Terror zu werden, flüchten zu müssen, Angst um sein Leben zu haben ist nicht nur das Schicksal von Millionen Menschen unserer Tage. Es ist ein Schicksal, das Gott selbst durchlitten hat, als er auf Erden lebte. Wenn ich in die Augen des Jesuskindes blicke, dann blicke ich auch in die Augen der Flüchtenden unserer Zeit. Das hilft mir, den gegenwärtigen Flüchtlingsstrom mit anderen Augen zu sehen. Es sind in diesem Jahr nicht nur Hirten und Sterndeuter, die ich im Stall in Bethlehem sehe. Es sind auch die vielen Flüchtlinge, die zu einem Kind kommen, das ihr Schicksal geteilt hat.
Beim Blick in die Krippe sehe ich aber nicht nur die globalen Probleme unserer Zeit. Gott ist auch für mich ganz persönlich Mensch geworden. Seit ich Pfarrer bin und damit einen eigenen Pfarrhaushalt führe, lebe ich mit Hunden zusammen. Ich mag diese Tiere einfach und freue mich über ihre Gesellschaft und ihre hohe soziale Kompetenz. Obwohl ich meine Hunde wirklich gerne mag, bin ich noch nie auf die Idee gekommen: wie wäre es, wenn Du selbst einmal ein Hund wärest? Du könntest auf derselben Ebene wie sie stehen. Du könnest verstehen, wie sie denken und was sie sagen wollen. Du könntest ihnen auch viel besser beibringen, was du eigentlich von ihnen willst. Es ist eine absurde Vorstellung: so gerne ich meine Hunde habe, ich würde niemals meinen Habitus als Mensch aufgeben, um in einer niederen Lebensform - z.B. als Hund - zu leben.
Heute feiern wir diese Absurdität. Gott liebt mich so sehr, dass er nicht daran festhielt Gott zu bleiben, sondern sich entäußerte und Mensch wurde. (Phil 2). Das ist für mich das größte Wunder meines Glaubens, auch wenn ich als Theologe natürlich weiß: Das Licht in der Krippe ist die Sonne des Ostermorgens. Ich feiere deshalb Weihnachten, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Gott hält an der Überlegenheit seines Gott-Seins nicht fest, sondern wird Mensch wie Du und ich. Weil er mich liebt. Weil er mir nahe sein will. Weil er mich verstehen möchte. Weil er mir das, was er von mir möchte so sagen will, dass ich es verstehen kann.
Diese tiefe Liebe Gottes zu mir berührt mich jedes Jahr aufs Neue. Gott ist nicht der ferne Gott, weit weg von meinem Leben, uninteressiert am persönlichen Schicksal des Einzelnen. Im Gegenteil: gerade das persönliche Lebensgeschick interessiert ihn. Er ist deshalb Mensch geworden, um daran Anteil zu nehmen. Er will sich mit mir freuen, an meinem Leid Anteil nehmen und mich dann tragen, wenn ich allein zu schwach bin, aufrecht durchs Leben zu gehen. Bis hin zu jenem Augenblick meines Lebens, in dem mich die Nacht des Todes umschließen wird: dann wird er mich auffangen und in die Herrlichkeit des Paradieses tragen.
Die Krippe ist nicht nur niedliches Beiwerk zum Fest, nicht nur eine Familientradition. In ihr spiegelt sich das Menschheitsdrama damals und heute wider. Sie ist aber auch ein Bild voller Zuversicht und Hoffnung: Gott wird Mensch, weil er mich liebt, damit mein Leben gelingt und selbst der Tod mich nicht vernichtet, sondern der Übergang zu einem neuen Leben ist. Deshalb singe ich gerne an diesem Weihnachtsfest: Christ, der Retter, ist da!
„Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich in der Geburt Jesu. Das Wort der Barmherzigkeit des Vaters ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
"Gnädig und barmherzig ist der Herr, reich an Huld und Gnade." Dieses Psalmwort erfüllt sich heute. Heute, im Jubiläumsjahr. feiern wir den barmherzigen Gott für uns im Kind von Bethlehem. „Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren!“ Der barmherzige Gott, wie wir ihn jetzt im Jubiläumsjahr entdecken, begegnet uns im Christkind ganz und gar menschlich. So wie es wir Menschen machen, tut es Jesus. Wenn wir Menschen jemand lieben, gehen wir auf die Person zu und blicken sie an.
Jesus will mit uns in Beziehung kommen, er geht auf uns zu und blickt uns an; Warum er die Liebesgemeinschaft der Dreifaltigkeit verlässt, um bei uns zu sein, bleibt uns ein Geheimnis. Der Hl. Alfons meint: „Gott kann von niemand beherrscht werden, die Liebe aber hat ihn überwältigt. Sie hat ihn besiegt, so dass er unser Bruder geworden ist!“ Oder ging es Jesus so, wie es uns geht, wenn wir eine Person sympathisch finden: dann fühlen wir uns angezogen, sind fasziniert von der Ausstrahlung und Schönheit des anderen. Das lässt das Negative vergessen, wir nehmen es nicht wahr. Wir dürfen wohl sagen: Jesus fand an uns Menschen so viel Attraktives, soviel Schönes und Ausstrahlendes und Liebenswertes, dass es ihn wie magnetisierte, dass er sich anziehen ließ von uns trotz unserer Fehler und Sünden. Mit dieser Liebe blickt Jesus uns in die Augen. Heute gesteht er uns: „Du Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! Ich habe eine Schwäche für Dich, ja in der Schwäche des Kindes komme ich wehrlos schwach - und will so alles für Dich sein!“ Wer liebt, spricht Worte der Zuneigung Das menschgewordene Gotteskind kann heute nicht sprechen. Es ist hilflos, klein, der Sprache nicht mächtig. Doch das Kind in seiner Schwäche - wortlos spricht es eine gewaltige Sprache, ein lautes Wort der Hoffnung und des Lebens. Ein kleines Kind ist immer Frohbotschaft und dieses Christkind ist die Gute Nachricht. Es ist das schönste und letzte Wort, das Gott zu uns Menschen spricht: „Du Mensch, Du, ich liebe Dich! Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! Verlass Dich auf meine Barmherzigkeit!“ Anstelle des Gotteskindes spricht es heute der Engel: „Seht, ich künde euch eine große Freude, heute ist Euch in der Davidstadt der Retter geboren, Christus, der Herr!“
Als ich mich von einer Familie verabschiedete, wollte der Vierjährige auf den Arm genommen werden und mich drücken. Auch wir Erwachsene umarmen uns - und es tut gut. Die heilige Hildegard von Bingen sagt: Die Menschwerdung Gottes ist die mütterliche Umarmung Gottes für uns! Maria, Josef und die Hirten berührten dieses Kind. Im Glauben erschlossen sie sich dem tieferen, unbegreiflichen Geheimnis: in dieser Kinderhand berühren wir Gottes Hand. In diesen schwachen Kinderarmen ist Gott zum Greifen nahe, Gott zum Anfassen; es berührt uns, umarmt uns als der zärtlich-barmherzige, Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, „Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich heute. Jeder, der einsam ist, vom Leben gebeutelt, den die Sorgen drücken: Er darf wissen, er hat einen Freund, einen guten, treuen, zärtlichen und vor allem barmherzigen Vaters. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn, berührt uns heute in der heiligen Kommunion - er lässt Dein Herz höher schlagen, er verwandelt uns und stiftet Gemeinschaft zwischen sich und Dir und zwischen Dir und den Schwestern und Brüdern.
Und das Wort der Barmherzigkeit des Vaters ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Preisen wir Gott dafür!
Weihnachten ist ein Fest voller Spannungen. Nach den intensiven und oft anstrengenden Vorbereitungen liegen nicht selten die Nerven vieler blank. Irgendwie erhoffen und erwünschen sich die meisten Menschen ein harmonisches Fest der Begegnung, der Freude und der Geborgenheit. Dabei haben wir meist Erfahrungen vor Augen, wie es früher einmal war oder wie wir es als Kinder erlebt haben. Und dann die Erfahrung: Es ist nichts mehr wie früher. Wir sind älter geworden, anspruchsvoller, sensibler, und die Rollenaufteilung "wer tut was" muss neu überlegt werden. Das Fest der Liebe wird so für manche zur Enttäuschung. Ent-täuschungen tun weh, auch wenn sie ihre guten Seiten haben. Gott sei Dank haben die meisten gelernt, Enttäuschungen wegzustecken, für eine Zeitlang wenigstens.
Dass zu Weihnachten Spannungen in der Luft liegen, hat nicht nur psychologische Gründe. Sie sind in diesem überdimensionalen Fest auch theologisch grundgelegt. Dies spiegelt sich in den biblischen Texten wider, die wir in den Weihnachtsgottesdiensten vorlesen. Da werden Dinge zusammengebracht, die weit auseinander liegen und auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Der Größte wird ganz klein, der allmächtige Gott wird ein hilfloses Kind, Engel kommen zu Hirten, unbeschreibliches Licht ist mitten in der Nacht zusehen, Himmel und Erde verbinden sich, Gott wird Mensch, oder wie der Evangelist Johannes es ausdrückt: Der ewige Gott, der alle unsere Vorstellungen von Raum und Zeit übersteigt, wird »Fleisch« am Rande der Welt... "Im Anfang war das Wort..." bis "und das Wort ist Fleisch geworden".
Die Menschwerdung Gottes ist ein so unbegreifliches und unfassbares Ereignis, dass alle Generationen von Christen Versuche unternommen haben, es in Worte zu fassen, die letztlich doch nicht plausibel sind. Menschen, die - wie es der Philosoph Jürgen Habermas von sich behauptet hat - »religiös unmusikalisch« sind, belächeln uns dafür bisweilen.
Mit dem Weihnachtsfest behaupten wir Christen aber, dass sich all diese Gegensätze in Jesus Christus haben vereinigen lassen. Wir sehen darin einen Liebesakt Gottes, der das Hervorbringen des Kosmos noch übertrifft.
Dies ist wohl auch der Grund, warum wir so viele Erfahrungen von Liebe aber auch Hoffnungen und Wünsche aufgrund unerfüllter Liebeserfahrungen hineinprojizieren und uns damit überfordern.
Trotzdem ist es gut, dass wir es nicht billiger geben und uns diesen Spannungen stellen. In der Person Jesu von Nazareth sehen wir, dass Unmögliches möglich ist: "Denn für Gott ist nichts unmöglich" (Lk 1,37).
Weihnachten feiern gibt uns die Kraft, dass wir uns als Menschen nicht nur mit kleinen Stücken zufrieden geben. Wie schnell genügt uns »ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude, ein bisschen Wärme, ein bisschen Liebe«. Es ist zwar gut, klein anzufangen, wir sollen aber den Mut haben trotzdem Großes anzustreben. Gott hat in Jesus auch klein angefangen. Dieser Jesus war aber bereit, die ganze Spannung, die in der ganz großen Liebe drinnen liegt, anzunehmen und darin bis zum Äußersten zu gehen. Wir sehen es dargestellt im Kreuz. Er hat uns gezeigt, dass die ganz große Liebe möglich ist und dass solche Liebe sogar den Tod überwindet.
Weihnachten 2014 ist überschattet vom Elend, das religiöse Fanatiker und andere politische Hasardeure in unsere Gegenwart gebracht haben. Einigermaßen hilflos stehen wir den damit zusammenhängenden humanitären Problemen gegenüber. Wenn wir könnten, würden wir uns aus all dem heraushalten und das Glück unseres Wohlstandes genießen. Am liebsten würden wir unsere Augen vor den zahllosen Flüchtlingen verschließen.
Kopfzerbrechen bereiten uns auch die wirtschaftspolitischen Grenzen, an die wir gestoßen sind. Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit vieler gefährden den weltpolitischen wie auch den sozialen Frieden im eigenen Land. - Hat Weihnachten uns dazu etwas zu sagen?
Mir sagt Weihnachten: wir sollen in unseren Lösungsbemühungen nicht zu klein ansetzen. Menschlich sein und mitmenschlich Handeln ist möglich. Die Hoffnungen, die in uns die Frohe Botschaft vom Reich Gottes, dem Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Barmherzigkeit weckt, sollten wir nicht als Utopie, als unerfüllbare Phantasie beiseite legen. Die Weihnachtsbotschaft macht uns Mut, groß zu denken und uns nicht mit halbherzigen Lösungen zufrieden geben. Die Richtung weist uns die Menschenfreundlichkeit Gottes und die Kraft gibt uns der Glaube an die Liebe Gottes, die uns befähigt, die Grenzen, die wir uns selbst setzen, zu überwinden.
Zugleich warnt uns die Weihnachtsbotschaft vor der Versuchung, dieses Reich Gottes aus eigener Kraft selbst bauen und machen zu wollen. Jesus ist gekommen, um das Reich Gottes anzukündigen. Er hat uns auf die Spuren des Wirkens Gottes in unserer Welt hingewiesen. Das Reich Gottes wächst, wo wir dem Geist Gottes Raum geben und in uns aufnehmen: "Allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht Kinder Gottes zu werden", als Kinder Gottes zu denken, zu handeln und die Welt umzugestalten. Jeder Versuch, das Reich Gottes mit Gewalt herbeizuführen, muss scheitern. Die Liebe lässt sich nicht verordnen. Wir können sie lediglich erlernen. Weihnachten kann uns dazu hinführen.
Wenn wir uns den großen Spannungen, die in der Weihnachtsbotschaft liegen, stellen, wenn wir uns das große Versprechen der Liebe, das Gott uns in Jesus gegeben hat, annehmen, können wir daran wachsen, ja sogar über die kleinen Vorstellungen von dem, was uns möglich ist, hinauswachsen und die großen Herausforderungen der Menschlichkeit und Liebe bestehen. Nichts weniger wünsche ich Ihnen und mir zum Weihnachtsfest.
Es ist nicht leicht zu verstehen, warum das Weihnachtsevangelium Gott gerade als Wort bezeichnet. "Im Anfang war das Wort, das Wort war Gott und das Wort ist Fleisch geworden", sagt es uns. Was ist damit gemeint? Etwas unerhört Großes und Frohmachendes.
Um dem auf die Spur zu kommen, möchte ich sie zu einem kurzen Gedankenexperiment einladen. Stellen sie sich einmal vor, wir alle wären stumm. Kein Wort zwischen uns wäre möglich. Niemand könnte dem anderen etwas sagen; niemand könnte den anderen verstehen. Dann wäre uns doch das weggenommen, was uns erst ganz zu Menschen macht.
Das Wort ist für uns unentbehrlich. Weil wir des Wortes mächtig sind, tragen wir Menschen Namen und benennen wir unsere Mitmenschen mit Namen: Anna und Rosa, Jakob und Hans. Diese Namen sagen aus, dass wir nicht irgendetwas, sondern dass wir jemand sind. Das Wort macht uns zu einmaligen, unverwechselbaren Personen.
Und das Wort ist es, mit dem wir uns gegenseitig in Beziehung setzen und Gemeinschaft aufbauen. Denken Sie an das kleine Wörtlein »Ja«. Was kann da an Zusage drinstecken, bis hin zur Tatsache, dass Menschen sich mit einem einfachen Ja gegenseitig als Mann und als Frau annehmen. Worte binden und verbinden, Worte bringen Sinn und Glück.
Worte können auch trennen und verletzen. Wie viele Ehen und Gemeinschaften, wie viel Sinn und Glück ist schon zerstört worden durch das kleine Wörtlein »Nein«. Worte bringen das Größte und das Gemeinste zum Ausdruck, wozu wir Menschen fähig sind. Das Wort ist uns Instrument zur Wahrheit, aber auch zur Lüge.
Wenn wir so bedenken, was das Wort uns Menschen bedeutet, können wir bereits erahnen, was das Weihnachtsevangelium meint, wenn es uns sagt: "Im Anfang war das Wort und das Wort war Gott". Der Anfang, das, woraus alles geschaffen ist und was alles zusammenhält, dieser Ursprung ist nicht irgendetwas, ist nicht blinder Zufall, sondern ist jemand, ist Gott. Und weil alles durch dieses göttliche Wort geworden ist, ist auch alles auf Sinn und auf Beziehung angelegt.
Gott ist der Erste, der solche Beziehung schafft und stiftet. Wenn von Gott gesagt wird, er sei Wort, dann heißt das doch: dieser Gott ist nicht stumm. Nein, er spricht. "Viele Male und auf vielerlei Weise" hat Gott gesprochen, sagt die Lesung. Immer wieder hat Gott sich mit den Menschen in Beziehung gesetzt und diese Beziehungen neu zu knüpfen versucht, auch dann, wenn der Mensch sie mit seinem »Nein« abgebrochen hatte.
Weil Gott Wort und somit aus sich selbst heraus Beziehung ist, tut Gott alles, um die Beziehung mit den Menschen zu retten und auf ein solides Fundament zu stellen. Er spricht sein letztes und endgültiges Wort und das tut er auf eine Weise, die einfach überwältigend ist. "Und das Wort ist Fleisch geworden", sagt das Weihnachtsevangelium. Damit erweist sich Gott als das Wort, das uns Menschen auf Augenhöhe anspricht und das für uns Menschen ganz und gar und ausschließlich Ja ist. Kurz und prägnant hat das der Apostel Paulus zum Ausdruck gebracht, wenn er im zweiten Korintherbrief schreibt: "Gottes Sohn Jesus Christus ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht" (2 Kor 1,19).
Dieses Ja hat Jesus eingelöst, als er in seinem Leben und Sterben sich auch das zu Eigen gemacht hat, was die dunklen Seiten des Menschseins sind: unsere Begrenztheit und Not, unsere Ängste und unser Leiden. Am Kreuz hat er selbst die Schuld der ganzen Menschheit auf sich genommen und die Bitternis des Todes durchlitten, um sogar das schlimmste Nein und die gottwidrigste Finsternis mit seinem Ja zu umfangen. Denn alles, was er angenommen und durchlitten hat, das hat er auch geheilt.
Deshalb sagt das Weihnachtsevangelium, dass das fleischgewordene Wort für uns Menschen das Licht ist, das in der Finsternis leuchtet. Weil es reines Ja ist, leuchtet dieses Licht allen. Es leuchtet auch denen, die Beziehungen abgebrochen haben, die scheinbar ausweglose Schuld mit sich herumtragen, deren Lebenssinn ausgetrocknet ist, die keine Hoffnung und Zukunft mehr kennen und vielleicht sogar das Leben wegwerfen wollen. Darin besteht das eigentliche Wunder von Weihnachten: weil Gott durch seine Menschwerdung ein Ja zu uns Menschen gesprochen hat, das grenzenlos ist und auch noch die letzten Abgründe des Menschseins ausleuchtet, darum gilt dieses Ja wirklich allen: den Lachenden wie den Weinenden, den Zuversichtlichen wie den Verzweifelten, den Gesunden wie den Kranken.
"Allen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben", sagt das Weihnachtsevangelium. Damit lässt es so richtig frisch und unverbraucht die Freude und den Reichtum unseres Glaubens aufleuchten. Was gibt es Schöneres und Größeres, als sich dem Ja, das Gott an Weihnachten zu uns spricht, aufs Neue anzuvertrauen und darauf das eigene Leben zu bauen? Wir tun es, wenn auch wir unser eigenes Leben aus dem Ja heraus gestalten, wenn wir Menschen sind, die trotz allem, was es an Enttäuschungen geben mag, Ja sagen zu den Mitmenschen und zur Welt. Wir tun es, wenn wir aufs neue Ja sagen zu Gott und immer wieder aus der lebendigen Beziehung mit ihm die Kraft schöpfen, das Leben zu gestalten auf Sinn und auf Beziehung hin. Diesem Gott können wir am heutigen Festtag nur Dank sagen und ihn preisen mit den Worten, mit denen das Weihnachtsevangelium schließt: "Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit".
Schon fast wieder vergessen, von anderen Schlagzeilen eingeholt und überrannt und doch in seinen Auswirkungen für die Menschen wahrscheinlich noch genau so tragisch und verheerend wie während des Geschehens selber. Der Taifun auf den Phillipinen. Unvorstellbar die Macht der Zerstörung und des Elends, vor dem Menschen einfach machtlos standen und stehen. Wir alle haben die Nachrichten und Sondersendungen gesehen und auch schon fast wieder vergessen. Aber mitten in diese Nachrichten hinein, gab es eine ganz ungewöhnliche Nachricht. Mitten im Taifun hatte eine junge Mutter ein Kind bekommen. Mitten in allem Elend, all der Naturgewalt und der Zerstörung wird ein Kind geboren und als Hoffnungszeichen gepriesen.
Meine erste Reaktion auf diese Nachricht war: Mein Gott jetzt auch noch das. Ich dachte dies als Vater und Mensch, der es gewohnt ist durchgeplant und abgesichert zu leben. Da reden sich doch Reporter nur für eine gute Schlagzeile etwas schön. Aber es kamen auch Zweifel, vielleicht liege ich ja mit meiner ersten Reaktion falsch. War dieses Kind, ich glaube es war ein kleines Mädchen, doch für die Menschen in all der Gewalt und dem Chaos, in all der Angst und der Aussichtslosigkeit, in all der Verzweiflung und Wut ein Hoffnungszeichen, das ihnen gezeigt hat, wir sind nicht am Ende, sondern auch jetzt beginnt wieder etwas Neues?
Ein kleines Leben beginnt und es trägt die ganze Sehnsucht des Lebens in sich. Es will leben. Es will lachen. Es will weinen. Es will die Sonne sehen. Es will sein Leben gestalten. All das, wird es für sich wollen und all das wird es nicht alleine tun. Dazu gehören Menschen, die sich von dem Wunsch zu leben anstecken lassen, die ebenfalls schlicht und einfach leben wollen.
Ein Projekt eines Journalisten in einer der am schlimmsten zerstörten Städte macht diesen Lebenswunsch noch auf eine andere Art und Weise deutlich. Er hat 100 Einwegfotoapparate an Kinder und Jugendliche verteilt mit dem Auftrag Bilder aus ihrer Sicht zu fotografieren. Sie haben in ihren Bildern sehr genau die Zerstörung und das Elend wahrgenommen und sie haben gleichzeitig wieder angefangen die kleinen und großen Hoffnungszeichen zu fotografieren: Das Haus, das wieder aufgebaut wird, die Spielsachen die aus den Trümmern geborgen und wieder gereinigt wurden und sie fingen wieder an, sich über ihre Zukunft und ihre Wünsche Gedanken zu machen. Ein Mädchen wollte schlicht und ergreifend »Miss-World« werden.
Auch das noch, war meine erste Reaktion, der ich nur ein paar Bilder sehe und ansonsten gut und ruhig Weihnachten feiern kann. Eine echte Hoffnung, Mut wieder anzufangen, neues Vertrauen gewinnen, Träume haben und gemeinsam anpacken, die Reaktion von Menschen auf den Philippinen, die alles verloren haben.
Nach vielen Jahren als Seelsorger fällt es mir manchmal nicht ganz leicht noch über Weihnachten zu predigen. Das meiste ist gesagt. Aber als ich über dieses neugeborne Mädchen auf den Philippinen nachdachte, kamen mir Josef, Maria und Jesus in den Sinn. Auch hier eher widrige Umstände und schlechte Startbedingungen, bedroht und ohne feste Bleibe. Wer würde mit diesem Kind tauschen wollen? Wer mit den Eltern? Freiwillig wahrscheinlich nur die, denen es noch schlechter geht.
Und doch ist es gerade dieses Kind, das durch seine Botschaft vom Reich Gottes, durch seine Art mit den Menschen umzugehen die Welt bis heute verändert. Dies geschieht durch Menschen, die sich in den großen Kirchen beheimatet fühlen und es geschieht durch Menschen, die lange der Kirche jedoch nicht ihrem Glauben den Rücken gekehrt haben oder nie bewusst zu ihr gehört haben. Sie alle fühlen sich dieser Botschaft verpflichtet, auch wenn so manche Ereignisse dieses Jahres auch für viele Christinnen und Christen schwierig waren. Aber es gibt immer wieder auch die andere Seite, die das kleine Mädchen auf den Philippinen, seine Eltern und die Menschen zeigen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben.
Es gibt diesen schönen Satz den man auf so manchen Geburtsanzeigen findet: „Jedes Kind, das geboren wird, bringt von Gott die Botschaft mit, dass er noch nicht an der Menschheit verzweifelt“. Dieser Satz stimmt aber auch anders: Jedes Kind, das geboren wird bringt Gott die Botschaft, dass wir an ihm noch nicht verzweifelt sind und das Leben wagen!
So gehen Gott und Mensch weiter aufeinander zu.
Die Kirche ist festlich geschmückt. Der Kirchenchor hat eine neue Messe einstudiert. Die Ministranten haben eifrig mit dem Weihrauchfass und den Leuchtern geübt. Es soll ein besonderer Gottesdienst werden. Heute am Weihnachtstag. Gestern Abend schon haben wir im Kreise unserer Lieben mit dem Feiern begonnen. Die Kerzen am Christbaum entzündet, Geschenke ausgepackt. Sich ein gutes abendliches Mahl gegönnt. So haben wir es gerne. So sind wir es uns auch gewöhnt. Das sind so die Standards für das Weihnachtsfest. Eine Psychologin hat unlängst gemeint: Wer bei diesem Spiel mitspielen will, der soll das tun. Wer nicht, soll das früh genug den anderen mitteilen.
Ich kenne solche Menschen, die da nicht mittun, die für sich entschieden haben mit dem Weihnachten feiern aufzuhören. Alleinstehende Verkäufer beispielsweise, die nach dem Stress der Adventwochen froh sind, dass der ganze Verkaufsrummel vorbei ist und sie endlich nichts mehr tun müssen, und sich schon gar keine Weihnachtslieder mehr anhören müssen. Die schlicht und einfach ihre Ruhe haben und sich ausruhen wollen.
Es gibt auch andere: Wer das ganze Jahr über kaum oder keine sozialen und familiären Beziehungen pflegt, wird dies auch nicht an den Weihnachtstagen tun. Da ist es schon viel, ein, zwei Weihnachtskarten zu schreiben. Wenn möglich, ist schon alles vorgedruckt und man muss nur noch unterschreiben. Jene Menschen sind an Weihnachten nicht mehr oder weniger ärmer dran als sonst.
Schließlich gibt es auch jene, die Weihnachten nicht feiern, weil sie einen anderen Glauben oder eine andere Weltanschauung haben. Geht ja auch, oder?
Es gibt auch noch jene andere nicht zu unterschätzende Gruppe, welche zwar offiziell sich als christlich deklariert, aber eher zu den praktizierenden Atheisten zu zählen wäre: Weihnachten als Fest der Liebe und als Fest der Familie, wäre wohl hier eine passende Definition.
Ich möchte ihnen nun nicht die Festtagsfreude nehmen. Im Gegenteil. Ich möchte aufzeigen, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass wir heute und hier miteinander in dieser Kirche das Fest der Geburt Christi so feierlich begehen dürfen. Es ist ein Geschenk.
Wie feiern die Geburt Christi, aber wir gratulieren Jesus nicht zu seinem Geburtstag. Wir zünden auch keine Kerzen auf einer Geburtstagstorte an und bringen ihm keine Geschenke mit. Das tun wir, wenn jemand von uns Geburtstag hat, als Zeichen der Zuneigung und Wertschätzung. Und als Zeichen der Dankbarkeit: Ich bin so froh, dass es dich gibt in meinem Leben.
Wir dürfen heute vielmehr feiern, dass Gott uns das größte Geschenk gemacht hat. Seinen Sohn. Wir sind die Beschenkten. Über alle Massen hinaus. Jede menschliche Vorstellung übersteigend.
Das Wort des Jahres 2012 lautet "Rettungsroutine". Es bezeichnet einen im alten Jahr nahezu selbstverständlich gewordenen Umgang mit hoch verschuldeten Ländern. Man hat sich gewöhnt, Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, damit angekündigtes Unheil verhindert werden kann. Worunter die Bevölkerung in den betroffenen Staaten zu leiden hat, ist schon genug.
"Rettungsroutine" hat wohl auch Gott im Laufe der langen Heilsgeschichte bekommen. "Rettungsroutine Gottes" meint, dass Gott nicht mit seinem Volk abgeschlossen hat, dass er es nicht einfach so seinem Schicksal überlassen kann, bei aller Freiheit, die er ihm immer wieder auch lässt.
Die Heilige Schrift weiß viel darüber zu erzählen, wie Gott hilfreich in das Geschick seines Volkes und einzelner eingreift. Immer wieder. Doch mit Jesus Christus, seinem Sohn, hat er ein für alle Mal der Welt und den Menschen Heil und Erlösung geschenkt. Jesus Christus ist der Retter, der Messias. So bekennen wir es in unserem Glauben.
"Nach christlicher Überzeugung hat Gott sich in Jesus auf unüberbietbare Weise offenbart und den Menschen einen Weg gezeigt, der zu einem geglückten Dasein führt. Das und nichts anderes ist mit Erlösung gemeint. Diesen Weg aber hat Jesus nicht nur gewiesen, sondern ist ihn auch selber gegangen." (Imbach, Josef, Hört der Engel helle Lieder. Brauchtum und Betrachtungen zur Advents- und Weihnachtszeit, S 93)
Jesus weist uns den Weg zu einem geglückten Dasein. Und er macht es uns vor, wie das geht.
Glücklich sein, das eigene Leben als sinn- und wertvoll erfahren, das ist die Triebfeder, die Motivation für unser Leben. Jesus selbst ist das Wort, das uns dazu den Weg in die richtige Richtung weist. "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." haben wir im Evangelium gehört. Dieses Wort, nämlich Jesus selbst, Wohnung geben, auf dieses Wort sich einzulassen, daran Maßstab zu nehmen, das persönliche Leben immer wieder neu daraufhin auszurichten, das bleibt die konkrete Aufgabe jedes einzelnen Christen.
Herr Jesus, was willst du, dass ich tue?
Herr Jesus, hilf' mir in dieser Entscheidung?
Herr Jesus, was würdest du sagen?
Dann bleibt er nicht fern von mir, irgendwo, abseits jeglicher Realität, sondern dann ist er, der Erlöser und Retter, mitten unter uns und mitten in meinem Leben. Ja, vielleicht sogar auch Mitte meines Lebens?
Große Theologen haben versucht, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit vielen Worten und langen Sätzen zu beschreiben und zu begreifen. Karl Rahner, der große Konzilstheologe, hat es - so meine ich - mit erstaunlich wenig und schlichten Worten auf den Punkt gebracht:
"Gott hat sein letztes, tiefstes, schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort
in unsere Welt hineingesagt.
Und dieses Wort heißt:
Ich liebe dich, du Welt, du Mensch.
Ich bin da.
Ich bin bei dir.
Ich bin dein Leben.
Ich bin deine Zeit.
Ich weine deine Tränen.
Ich bin deine Freude." (Karl Rahner)
So einfach und doch zugleich wunderbar kann die Weihnachtsbotschaft sein. Wenn sie doch auch nur jene erreichen könnte, die Weihnachten nicht oder nicht mehr feiern können.
Dass wir Weihnachten feiern können, ist ein Geschenk, das wir sorgsam auspacken und behüten sollten. Damit es nicht verkommt, sondern im Gegenteil: unser Leben hell macht und erfüllt. Christ, der Retter, ist da! , mögen wir nicht allein in der Heiligen Nacht aus vollem Herzen singen können.
Für mich ist heute noch Advent. Warum? Ich kann Gott noch nicht von Angesicht zu Angesicht sehen. Aber Weihnachten sagt mir: Gott kommt mir in dieser Welt als Mensch entgegen. Welch eine Ehre! Welch eine Auszeichnung! Gottes Sohn steigt herab, um mich mit dem Lift in den höchsten Himmel zu führen.
Da frage ich mich, wer bin ich eigentlich, dass Gott so Großes an mir tut? Da frage ich mich aber auch, warum ziehe ich den Nächsten in den Dreck, warum spreche ich oft nur von seinen schlechten Seiten? Warum sprechen wir Christen nicht von dem, was Gott Großes an uns tut? Wenn ich einen Menschen auf dem Sterbebett sehe, denke ich mir: der Mensch ist aus sich nichts, Ohnmacht pur.
Aber in der weihnachtlichen Gegenwart des Herrn darf jeder Mensch aufblühen. Gott hat sich inkarniert, hat sich eingefleischt. Er teilt mit uns Freud und Leid, aber auch den Tod. Er lässt uns teilhaben an seinem Leben, damit auch wir auferstehen. Er nennt uns nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Mit der Menschwerdung Gottes ist Christus unser Bruder geworden. Höher geht es nicht mehr. Daher sind wir nur ein wenig unter Gott gestellt (vgl. Ps 8). Weihnachten ist daher für mich ein größeres Wunder als die Erschaffung der Welt. Mit diesem Fest setzt Gott einen radikalen Neuanfang.
O, mögen doch alle Menschen vor diesem Gott niederfallen und ihn anbeten. Dieser Gott lässt unsere Sorgen vergessen, weil er uns berührt. Die deutsche Schriftstellerin Nelly Sachs (1891-1970) fragt den Höchsten: "Fing nicht deine Menschwerdung mit der Sehnsucht nach dem Menschen an?" Mit Weihnachten macht das Leben Sinn, macht uns Gott zu seinen Söhnen und Töchtern. Weihnachten führt uns ins Licht. Denn Gott traut sich uns auf ewig an. Er lässt seine Liebe und seine Herrlichkeit über uns aufgehen.
Professor Jozef Niewiadomski schrieb im "Tiroler Sonntag" (vom 20./27. Dez. 2012, S. 28), dass Gottes Sohn in meinen und der Menschen Saustall kommt, um ihn sauber zu machen. Er nimmt unsere Schande hinweg, gibt uns wie dem verlorenen Sohn einen Ring und ein hochzeitliches Gewand. Damit wir Menschen nicht ins Gericht kommen, heftet er unseren Schuldschein an sein Kreuz. Ich brauche mich vor Gott nicht mehr fürchten. Denn der erste, der den Weg zum Himmel fand, war ein Verbrecher, der rechte Schächer. Gottes Sohn ist die menschgewordene Liebe, damit wir uns in seinem Lichtkegel ändern können. Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung, der Vergebung, der Zuversicht. Höre und staune: Durch die Menschwerdung Christi soll die ganze Welt verwandelt werden und ihr die Vergänglichkeit genommen werden.
"Die ganze Schöpfung soll das Kleid Christi anziehen", sagt der Diakon Ephräm, der Syrer, der im 4. Jahrhundert gelebt hat. Damit bekommt Weihnachten einen ganz tiefen Sinn: Das Unfertige in der Welt wird durch Christus vollendet, aber nicht auf Knopfdruck. Gott will sich mitteilen, sich verströmen, weil er die Liebe ist. Wir dürfen die Unvollkommenheiten der Welt und unsere Begrenztheiten annehmen, weil Gott die ganze Schöpfung mit seiner Herrlichkeit erfüllen wird. Ich brauche nicht alles tun, nicht perfekt sein, weil Christus alles gut macht: Die Kranken werden gesund, Blinde sehend und Aussätzige rein. Gott ist Mensch geworden, um alle unsere Tränen abzuwischen (Offb 21,4). Er will mit uns den Weg der Gnade, der Freundschaft und der Liebe gehen.
Weihnachten ist das größte Wunder. Es hört nie auf. Es setzt sich durch alle Jahrhunderte fort. Die Liturgie ist nichts anderes als ständige Weihnacht. Der Anfangstext des Liedes "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" ist daher nicht richtig.
Gott wird Mensch in jeder Eucharistiefeier. Christus steht vor unserer Tür und bittet um Einlass. Wir nehmen ihn auf und geben ihm Herberge. Daher betonen die Mystiker, dass es auf die Geburt Gottes in uns ankommt. Für C. G. Jung ist die Gottesgeburt im Menschen das Ziel der menschlichen Selbstwerdung. Wenn Gott im Menschen geboren wird, dann kommt er von dem kleinen Ich weg zu seinem eigentlichen Wesen, zum Selbst. Das Menschliche ist immer auf das Göttliche hingeordnet. Die Gottesgeburt in uns verwandelt den ganzen Menschen.
Die selige Elisabeth von der Dreifaltigkeit sagt: "Der Himmel ist in dir. Und suche ich ihn woanders, finde ich ihn nicht". Welch ein Wunder: Bethlehem ist in mir. Lasst uns Gott preisen und danken. Lasst uns anbeten den Herrn, der so Großes an uns tut.
Es ist an diesem Heiligen Abend spät geworden - oder früh. Es ist Nacht. Draußen. In unserer Kirche aber haben wir Kerzen angezündet. Sie verbreiten einen hellen Schein. Ihr Licht ist warm. Es ist schön, in der Nacht das Licht zu sehen. Aber um uns herum sehen wir das Dunkle. Im Dunkeln verschwindet so mancher Umriss. Auch so manches Gesicht. Wir singen Weihnachtslieder. Wir besingen die stille Nacht. Aber so ganz still ist es nicht einmal in uns. Manche Gedanken lassen sich nicht abstellen. Sie sind da. Vielleicht sogar drohend, verletzend, ohne Punkt und Komma. Es ist an diesem Heiligen Abend spät geworden - oder früh. Wir erwarten einen neuen Tag. Weihnachtstag.
In unseren Weihnachtsliedern wird immer wieder und mit vielen Wendungen das Licht besungen, das aufgeht. Ein neuer Tag beginnt, ein neuer Zeitabschnitt, ein neues Leben. Wir rechnen sogar die Jahrhunderte und unser eigenes Leben "nach Christi Geburt". Anno Domini: Jahr des Herren.
So singen wir heute Nacht von einem aufgehenden Licht, von Morgenglanz - und davon, dass es tagt. Wir können nachher sogar sehen, dass der Morgen graut. Am Horizont macht sich der Tag breit. Langsam. Unaufhaltsam. Wir können zuschauen. Den Mantel hochgezogen.
Jochen Klepper schreibt 1937 in einer für ihn sehr schweren Zeit - er hatte eine Jüdin geheiratet, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte - ein "Weihnachtslied". So der schlichte Titel. Das Lied drückt ein großes Vertrauen aus. "Die Nacht ist vorgedrungen". Und:
"Und wer zur Nacht geweinet, der stimmet froh mit ein: der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein".
Angst und Pein. Vielleicht auch morgen. Ja. Aber es ist ein Übergang zu sehen. Altes wird zurückgelassen, Neues beginnt. Wir hören die Engel mit ihrer Botschaft, die alles hell macht, wir sehen die Hirten noch in der Nacht aufbrechen, wir sehen gar die Weisen aus dem Morgenland ziehen: Sie bringen die große Welt mit, Wissenschaft und Klugheit dazu.
So ist in dieser Nacht alles in Bewegung. Sogar der Himmel, sonst verschlossen und undurchdringlich, scheint die Lichtfülle nicht mehr bändigen zu können. Die Worte nicht,
auch die Hoffnungen nicht. Nein, in dieser Nacht können wir nicht in der Nacht bleiben.
1880 schreibt Emil Quandt:
Mit den Hirten will ich gehen,
meinen Heiland zu besehen,
meinen lieben heilgen Christ,
der für mich geboren ist.
Der Liederdichter, von Beruf Textilfabrikant, spricht von "meinem Heiland", "meinen lieben heilgen Christ" - und macht sich mit den Hirten auf den Weg. Nicht eine vergangene Geschichte wird erzählt oder besungen - es ist meine Geschichte. Mein Weg. Meine Aussicht: "der für mich geboren ist".
Das Zauberwort von Weihnachten ist: gehen. Ich will gehen. Zunächst eine ungewohnte Perspektive, sitzen wir Weihnachten doch über längere, womöglich lange Zeit, an reich gedeckten Tischen. Die Klage, zu viel gegessen, zu viel getrunken, zu viel gesessen zu haben, gleicht einem weihnachtlichen Ritual. Zumindest in den meisten unserer Kreise.
Gehen kommt dann geradezu einer Befreiung gleich.
In der zweiten Strophe lässt sich der Liederdichter Quandt von den Engeln anfeuern:
Mit den Engeln will ich singen,
Gott zur Ehre soll es klingen,
von dem Frieden, den er gibt,
jedem Herzen, das ihn liebt.
Es sind einfache Worte. In ihnen klingen die Worte der Engel, andererseits darf ich meine eigene Stimme, meine eigene Melodie finden. Mit meinem Herzen, das ihn liebt. Das ist dann mehr als ein Ritual, entzieht sich auch vorgegebener Formen. Mit den Engeln will ich singen! Ich!
Interessant ist das schon: Während im Weihnachtsevangelium zuerst die Engel singen und dann die Hirten gehen, hat der Liederdichter die Geschichte umgedreht. Zuerst kommt der Aufbruch, dann der Gesang. So sehr hier eine moderne Lebensauffassung sichtbar wird, so sehr wird auch betont, dass wir Zeugen eines Wunders sind.
In dem Weihnachtslied von Quandt heißt es:
Mit Maria will ich sinnen
Ganz verschwiegen und tief innen
über dem Geheimnis zart:
Gott im Fleisch geoffenbart.
Jetzt kommen wir als Menschen zur Ruhe. Haben wir nicht auch im Evangelium gehört, dass Maria "alle diese Worte in ihrem Herzen bewegte"? Alles, was sie gehört hat: von den Engel und von den Hirten. Jetzt darf ich mit Maria sinnen - oder: dem Geheimnis Gottes nachspüren, dass er sich als Mensch offenbart. Mein Fleisch, mein Blut. Der Dichter weiß, dass er mit menschlichen Worten an seine Grenzen kommt - er kann nur, "ganz verschwiegen und tief innen" Gott nahe kommen.
Und wieder einmal mehr: Mit Maria. Sie wird zu einer lieben Gefährtin. Zu meiner Gefährtin. Ich bin mit ihr zusammen. Darf, soll ich das als Weihnachtsgeschenk bezeichnen? Ein größeres wüsste ich jetzt nicht.
Überhaupt: Immer wieder heißt es in diesem Lied: mit. Mit den Hirten gehen. Mit den Engeln singen. Mit Maria sinnen. Es sind Worte, die auf vielfältige Weise Bewegungen nachzeichnen - meine Bewegung. Auch meine Bewegtheit. Ich bin bewegt. Ich werde bewegt. In dieser Nacht können wir nicht in der - Nacht bleiben. Nicht allein. Nicht jeder für sich. Mit den Hirten, mit den Engeln, mit Maria - miteinander gehen, singen und sinnen. Alles ist in Bewegung. So eine Nacht gibt es kein zweites Mal!
Es ist spät geworden. Oder früh. Manch einer schaut schon auf die Uhr. Hört er nicht bald auf? Ja, meine Predigt soll jetzt ein Ende haben. Das Geheimnis von Weihnachten feiern wir gleich in der Eucharistie. Eine große Danksagung! In dieser Nacht gedenken wir der Menschwerdung Gottes. Wir feiern seine Menschlichkeit. Wir freuen uns, dass er einer von uns geworden ist, unser "Gesell". Alle, die uns im Glauben vorausgegangen sind, feiern mit. Nicht nur Hirten und Engel.
Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier;
komm, ach komm ins Herz hinein,
laß es deine Krippe sein.
Frohe und gesegnete Weihnachten!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus
unserem Herrn.
Was ist der Mensch? Wer sind wir selber? Man mag versucht sein, spontan zu denken: was soll so eine Frage? Nichts ist doch klarer als das. Der Mensch ist, was wir selber sind; das, was jede und jeden von uns zu etwas ganz Persönlichem und Einmaligem macht. Nichts ist uns vertrauter und bekannter als wir uns selbst.
Und dennoch fragen wir uns immer wieder: wer bin ich eigentlich? Wie weit bin ich so, wie ich selber gerne sein möchte? Warum ist mein Leben gerade so verlaufen und nicht ganz anders? Warum gibt es in meinem Leben so viele Ungewissheiten und gerate ich in Situationen, die ich unbedingt hätte vermeiden wollen? Wie kann es geschehen, dass ich manchmal sogar vor mir selber erschrecke? Wir sind uns selber immer auch ein ganzes Stück weit fremd und ein Rätsel.
Ähnlich ergeht es uns mit den Mitmenschen. Da gibt es welche, von denen wir meinen: die kenne ich durch und durch; die können mir nichts mehr vormachen. Und dennoch geschieht es immer wieder, dass wir gerade von einem solchen Menschen sagen müssen: der hat mich jetzt total überrascht. Alles hätte ich von dem erwartet; nur nicht das. Gegenseitige Vertrautheit und Übereinstimmung sind nie garantiert. Deshalb geschieht es auch immer wieder, dass gerade auch Menschen auseinander gehen, die einander sehr nahe gestanden sind und sich bis ins Intimste hinein gekannt hatten.
Umgekehrt kann es geschehen, dass Menschen, die auf Distanz gegangen sind, vielleicht sogar nichts mehr voneinander wissen wollten, doch plötzlich wieder Zeichen von Verbundenheit austauschen; es kann geschehen, dass Menschen, die einander abgeschrieben hatten, doch wieder zueinander finden und sich versöhnen.
Was ist der Mensch? Wer sind wir selber? Offenbar ist es nicht so einfach, eine griffige Antwort zu finden. Der Mensch ist sich selber gleichzeitig vertraut und unvertraut; er steht in Übereinstimmung mit sich selbst und ist sich doch ein Stück weit fremd. Wir sind uns gegenseitig zugleich nahe und entfernt, einander zugetan und abgewandt; wir leben innigste Gemeinschaft und erleben ebenfalls lähmende Einsamkeit.
Diese seltsamen Spannungen führen oft zu einem Gefühl von Ungewissheit; sie vermitteln den Eindruck, wir Menschen seien unentwegt auf der Suche nach etwas, das wir nie ganz einholen können; sie vermitteln den Eindruck, unser Leben sei und verbleibe in der Schwebe zwischen Gelingen und Misslingen und nie würden wir ganz verwirklichen können, was uns das Wichtigste ist: wir möchten ganz Mensch, wir möchten ganz uns selber werden. Aber genau das können wir offensichtlich aus uns heraus nicht.
Wir können es. Wir können es ganz und gar trotz aller Spannungen und Ängste und offenen Fragen. Genau dafür steht das Fest, das wir heute feiern. Es ist ja das Fest der Menschwerdung. Weihnachten verkündet in seinem christlichen Kern nur eines: In Jesus ist Gott selber ganz Mensch geworden, damit unser Menschsein ganz gelingen kann. Das geschieht allerdings auf eine Weise, die unsere menschlichen Horizonte total sprengt.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er sei das Wort, das von Anfang an bei Gott war und durch das alles erschaffen wurde. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der Ursprung und Fundament ist von allem.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er sei das Licht, das in jede Finsternis hinein leuchtet. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der all das überwindet, was dunkel, böse und verfehlt ist in unserem Leben.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er gebe allen, die ihn aufnehmen, Macht, Kinder Gottes zu werden. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der uns Menschen als seinesgleichen annehmen und zu einer Vollendung führen will, die alles übersteigt, was wir uns vorstellen und erträumen können.
Wenn es so ist, dann muss doch Gott selber vom Menschen unendlich groß denken. Der Mensch muss dann für Gott so kostbar sein, dass eben er selber Mensch wird, dass Gott selber sich zu dem macht, was wir Menschen sind und immer mehr und besser sein möchten.
Wenn es so ist, dann dürfen wir unser Leben voll Vertrauen in die Hand dieses Gottes legen. Wenn nämlich Gott selber Mensch wird, dann laufen wir mit unseren Erwartungen und offenen Fragen nichts ins Leere; wenn Gott selber Mensch wird, dann bleiben die Ungereimtheiten und Spannungen unseres Lebens nicht in der Schwebe dauernder Ungewissheit; wenn Gott selber Mensch wird, dann ist alles, was unser menschliches Leben mit sich bringt, gerade auch das, was wir nie ganz zusammenbringen, von ihm angenommen und bejaht und deshalb auf einem Weg, der zu Gelingen und Glück führen kann. Gottes Menschwerdung ermöglicht es uns, dass wir selber ganz Mensch werden können, dass wir ja sagen können zu uns selbst und unserem ganzen Leben trotz allem, was es an Begrenzungen, an Brüchen und Abgründen geben mag.
An Weihnachten dürfen wir darum dankbar aus dem Glauben heraus das bekennen, womit das heutige Evangelium schließt: "Wir haben Gottes Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit".
Darf ich Sie zu einem Festmahl einladen? Drei Gänge! Sie sind noch satt von gestern? Sie würden sich aber etwas entgehen lassen. Also: zur Vorspeise gibt es zur Vorfreude einen Happen Hoffnung, zum Hauptgericht ein Engels-Menü und dann als Dessert das leuchtende Wort. Etwas kann ich Ihnen auch versprechen: Dieses köstliche Gericht wurde bisher noch in keiner Fernsehsendung angerichtet, ist aber auch nicht schwer. Das Rezept ist ganz einfach. Die Zutaten sollen nur ganz frisch sein.
Das Rezept für die Vorspeise ist von Jesaja . Lange ausprobiert hat er es auch. Dann hat er sie fein angerichtet Menschen serviert, denen der Appetit, gar die Lebensfreude schon lange vergangen war. Wenn ein Mensch am Ende ist, wenn es keinen Lichtschimmer in der Ferne gibt - dann schmeckt das Essen nicht mehr. Die Bissen bleiben im Hals stecken. Die Zunge ist trocken. Was macht Jesaja? Er weckt erst einmal den Hunger. Die Lust auf einen neuen Anfang. Den Mut zur Hoffnung:
"Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.
Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker.
Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes."
Vorspeisen sind klein. Sie sollen auch noch nicht satt machen. Sie schmeicheln aber der Zunge. Sie sind wie ein Versprechen: Gleich kommt mehr. Eine große Freude kündigt sich an. Gott selbst wird kommen! Er wird sich der Menschen annehmen, die das Lachen verlernt haben, für die das Leben zu einer Ruine geworden ist, die von einer großen Traurigkeit heimgesucht werden. Ein schönes Bild: Gott krempelt seine Ärmel auf - vor den Augen der ganzen Welt. Und dann sieht man ihn Zupacken. Aus Ruinen macht er Paläste. Aus verzagten Existenzen glückliche Menschen. Aus verkorksten Geschichten bezaubernde Träume. So gut schmeckt die Vorspeise. Jetzt hat Jesaja sie mir hingestellt. Ich bin jetzt dran!
Dann kommt das Hauptmenü. Das Rezept kommt von einem unbekannten Meister. Nicht einmal seinen Namen kennen wir. Nur, dass er "Hebräer" heißt. Auf seiner Karte steht: Engels-Menü. Erst bin ich irritiert: Ein Rezept von Engeln? Ein Rezept für Engel? Aber dann verstehe ich:
"...er - Jesus - ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines - Gottes-Wesens;
er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt."
Gewiss, Gott hat sich auf vielerlei Weise geäußert und offenbart, mal ganz laut, meistens aber ganz leise, viele Menschen sind ihm begegnet. Aber dann, als es nicht mehr anders ging und die Zeit reif war, ist Gott den Menschen so nahe gekommen, dass sie ihn als einen der ihren ansehen konnten. Wir sehen ein menschliches Gesicht, auf ihm aber die Herrlichkeit, die Größe, die Schönheit Gottes! Jetzt liegt auf jedem menschlichen Gesicht ein besonderer Glanz. Auch auf gezeichneten, gefurchten und verzerrten Gesichtern. Auf Gesichtern, die Geschichten erzählen und verbergen. Auf Gesichtern, die lachen und leuchten.
Aber ein Gesicht fällt heute auf: Es ist Gottes Gesicht für uns. Wir sehen es in der Krippe liegen. Das Gesicht eines Kindes. Zerbrechlich. Aber die ganze Welt wird von ihm angelacht - und die Sterne, der Mond, die Sonne - eben das All - geben sein Leuchten zurück. In seinem Glanz lösen sich Schuldverstrickungen, werden Sünden vergeben, treten Menschen aus dem Schatten heraus: dann können wir neu anfangen. Dann wird die ganze Welt neu! Gott fängt mit uns seine Geschichte neu an. Mit mir! Ich bin weder vorbereitet noch besonders gut für diesen Job. Aber der, der so viel erhabener geworden ist als die Engel, vertraut mir die Worte der Engel an: Siehe, ich verkündige euch eine große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren ... Und wir hören die vielen Engel: Ehre sei Gott in der Höhe - und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.
Hauptgerichte brauchen ihre Zeit. Zu Weihnachten besonders. Wir erzählen. Von früher. Von morgen. So manche Sorge kommt hoch, so manche Angst ringt um Worte - und so manche Enttäuschung birgt Konfliktpotential - aber bei einem guten Essen können die alten Geschichten eine wundersame Wendung bekommen. Engels-Menü! Ein Rezept von Engeln? Für Engel?
Krönender Abschluss ist eine besondere Kreation - sozusagen den Höhepunkt des festlichen Schmausens. Das Rezept ist von Johannes. Sein Dessert kommt wie ein leuchtendes Wort!
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen."
Worte faszinieren mich. Es gibt so schöne Worte. Sie fallen wie Licht in mein Leben. Sie machen mich schön. Sie machen mich reich. Sie machen mich groß. Schöner, reicher und größer als die vielen Dinge, auf denen ich mein Vertrauen setze - oder die mich auch gefangen nehmen. Wie das klingt! Ich habe dich lieb! Ich stehe zu dir! Ich glaube an dich!
Sein - Gottes - erstes Wort ist: es werde Licht. Sein zweites: Werde du Licht. Sein drittes: Ich bin bei dir. Ich gehe mit. Was Johannes so kunstvoll und schön in kleine Sätze gepackt hat, gleicht einem Gedicht: "Alles ist durch das Wort geworden" - ich auch.
Schöpferisch, liebevoll, aber auch aufmüpfig und herausfordernd kommt Gott zu Wort - und zur Welt. Aber wenn er redet, wird die Welt neu. Wir entdecken: Neue Gedanken. Neue Köpfe. Neue Herzen. Kaum zu glauben, wie mächtig das Wort ist! Es verwandelt meine Welt, stiftet Frieden, schenkt Versöhnung. Von ihm heißt es: "in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen".
Heute ist Weihnachten. Ein großes Fest. Wir sind eingeladen, uns an einen gedeckten Tisch zu setzen. Nach köstlichen Rezepten - von Jesaja, dem "Hebräer" und Johannes - wird ein Dreigänge-Menü ausgerichtet. Damit unsere Sehnsucht einen Ort bekommt. Damit die Sehnsucht vieler Menschen ernstgenommen wird. Damit die Gewissheit wächst, dass Gott "zuletzt" geredet hat, also das letzte Wort hat. Wir haben Zukunft vor uns:
"Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben."
Ich glaube, jetzt sind wir doch wieder bei den Engeln...
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Vor einigen Tagen wurde im Rundfunk eine Straßenbefragung ausgestrahlt. Der Interviewer fragte zwei Passanten, ob sie denn wüssten, wie das in einer Krippe geborene Kind von Josef und Maria hieße. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und lautete zu meiner Verwunderung: "Josef II. oder Lukas!" Mag sein, dass diese Antwort Resultat starker Nervosität und nicht eklatanten Unwissens ist. Ich kann mich dennoch des Eindrucks nicht erwehren, dass immer weniger Menschen wissen, warum überhaupt Weihnachten gefeiert wird. Der Festcharakter von Weihnachten hat sich gewandelt, wenn nicht gar mancher Orts verflüchtigt, und ist facettenreicher geworden. Die Palette erstreckt sich vom mehr oder weniger harmonischen Familienfest, zum Fest des maßlosen Konsumierens, bis hin zum Fest der zermürbenden Einsamkeit.
Weshalb es zu einem solchen Wandel gekommen ist, hat bestimmt unterschiedliche Ursachen. Bei genauerer Betrachtung dieses Facettenreichtums meine ich jedoch einen wandlungsresistenten Faktor ausmachen zu können. Es ist die Ursehnsucht des Menschen nach bleibendem Glück und nie versiegender Freude. Warum haben viele zu Weihnachten den Wunsch nach einem glücklich machenden Familienfest oder nach ein paar Stunden der Wellness und des Genießens bei wohligen Temperaturen in der Karibik? Diese Ursehnsucht nach "Glückseligkeit" ist uns immanent. Wer aber vermag diese Sehnsucht zu stillen? Genügen allein innerweltliche Gegebenheiten, um diese Sehnsucht zu stillen, oder muss erst etwas Himmlisches, ja Göttliches in unsere Welt einbrechen?
Die in den vergangenen Wochen vorgetragenen Lesungen thematisierten diese Ursehnsucht. Sie richteten unsere Augen zum Himmel. Von dort kommt die Erfüllung! Und der Prophet Jesaja ruft uns zu "Brecht in Jubel aus, jauchst alle zusammen!" und bezieht sich dabei auf das von Gott kommende Heil, das diese Ursehnsucht stillt. Was die Propheten erhofft haben, hat sich in Jesus Christus erfüllt. Mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes, brach Himmlisches in unser irdisches Dasein ein. Himmel und Erde haben einander berührt.
Der Evangelist Johannes drückt das so aus: "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!" Diese zentrale Aussage findet sich auch im großen Glaubensbekenntnis und meint, Gott ist wirklich einer von uns geworden. Früher war es üblich, sich beim Aussprechen dieser Worte nieder zu knien. Durch diese kleine Zeichenhandlung wird das mündliche Bekenntnis unterstrichen. Der Gläubige vollzieht durch das Kniebeugen den Prozess der Menschwerdung Gottes körperlich nach und nimmt dann, so zu sagen als Resultat dieses Vollzugs, eine Haltung des Staunens, der Ehrfurcht und der Anbetung ein. Er tut es den Hirten und Königen an der Krippe gleich, die in ihrer knienden Haltung nicht anderes ausdrücken als die persönliche Betroffenheit angesichts des Mysteriums der Geburt Christi.
Dass Gott Mensch geworden ist, übersteigt unser Denken. Schon in den ersten christlich geprägten Jahrhunderten gab es Strömungen, die die Sohnschaft Jesu vehement bestritten und leugneten. So lehrte der Arianismus, Jesus sei nicht Gottes Sohn gewesen, sondern nur ein Geschöpf Gottes oder der Doketismus meinte, Jesus habe bloß einen Scheinkörper gehabt, keinesfalls aber einen wirklich physischen Körper.
Diese beiden Auffassungen zeigen, wie schwer wir uns tun, die immer ein Geheimnis bleibende Botschaft von Weihnachten in ihrer Radikalität und, aus rein menschlicher Sicht betrachtet, in ihrer Unvernünftigkeit anzuerkennen und anzunehmen. In der Geburt Jesu findet die Ursehnsucht des Menschen nach Glück ihre Erfüllung. Gott macht uns seinen Sohn zum Geschenk. An uns liegt es, dieses Geschenk anzunehmen und uns von ihm ergreifen zu lassen. Wer die Faszination dieses Geschenkes entdeckt, wird mehr und mehr die Erfahrung machen, dass es seine Ursehnsucht nach Glückseligkeit zu stillen vermag; denn diese Glückseligkeit wird dort gestillt, wo Erde und Himmel einander begegnen oder anders ausgedrückt, wo Gott Mensch wird und des Menschen Herz berühren darf.
Zum Fest der Geburt Jesu wünsche ich Ihnen die innere Haltung des gläubigen Stauens, der wohltuenden Ehrfurcht und der beglückenden Anbetung. Lassen Sie das Geheimnis der Menschwerdung Gottes auf sich wirken und ihr Herz mit dem Himmlischen in Berührung kommen.
So kann auch nur Johannes ins Haus fallen:Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Die Worte überschlagen sich fast, verknoten sich in einander. Ich verstehe, warum Johannes von den Menschen früher als Adler vorgestellt wurde - weiter Blick, scharfes Auge - und dann: Sturz in die Tiefe. Der ist dann auch gelungen. Nur ich stehe ratlos, fassungslos da. Mir fehlen die Worte.
Heute ist Weihnachten. Aber erzählt Johannes eine Weihnachtsgeschichte? Es tauchen keine Engel am nächtlichen Himmel auf, Hirten lagern nicht auf den Feldern - nicht einmal ein Stall ist zu finden. Weder in Bethlehem noch sonstwo. Wer den Stern sucht, sucht ihn auch vergebens. Es macht sich auch keiner auf, die Geschichte zu sehen, die da geschehen ist - wie Lukas so fein und schön beschreibt.
Johannes holt dafür weit aus. Sein Blick richtet sich auf den Anfang. Auf den Anfang von allem. Wo wir, meistens gedankenlos, von einem Urknall träumen, lässt er uns Liebe sehen, die Liebe Gottes: eine schöne Schöpfung, ganz in Licht getaucht - und Lebensmöglichkeiten, Wege, Perspektiven. Nein, Johannes ist zu klug, um den Anfang in der Vergangenheit zu suchen. Was wissen wir denn, wenn wir den Anfang mit Milliarden Jahren zudecken?
Paul Gerhardt, ein Liederdichter, der die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges gesehen hat, fand eigene Worte für den Anfang:
Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.
Ich sehe meine eigene Lebensgeschichte lange vor meiner Geburt beginnen. Wort für Wort erschließt sich mir ein Geheimnis: "mir geboren", "mir zu eigen gar", dann gesteigert: " wie du mein wolltest werden". Weihnachten: mein Geburtstag, mein Anfang, mein Leben.
Es ist tatsächlich so: Wer das Licht der Welt erblickt, dem wird die Schöpfung ganz neu geschenkt. Für ihn gibt es den ersten Tag, das Licht - ihm wird aber auch der siebte Tag geschenkt, die Ruhe, der Schabbat. Hier noch gekrönt mit einem Wort aus der himmlischen Liebeslyrik: "wie du mein wolltest werden". Nur Verliebte wagen so zu sprechen.
Johannes schenkt uns sozusagen eine Begegnung mit dem Schöpfer, der mit seiner Liebe einen neuen Anfang macht. Mit Menschen, die Leben verlieren, Zukunft verspielen, schuldig werden, Angst haben und Angst machen.
Paul Gerhardt dichtet:
Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht,
wie schön sind deine Strahlen.
Ich sehe das Licht, ich spüre die Wärme. Das Wort, von dem Johannes so viel zu sagen weiß, geht mir als Sonne auf. Ein wunderschöner Klang: Licht, Leben, Freud und Wonne. Fast ein wenig versteckt, aber dann geradezu übermächtig: mir zugebracht.
Weihnachten wird so auch zu einer Gelegenheit, einmal hinter den Stall zu gehen. Ob die Schritte gut tun? Hinter jedem Stall ist die Welt groß, alltäglich, nicht geschmückt - mal braun wie die Erde, mal grün wie die Weide - mal vom Regen aufgeweicht, mal einer Blumenwiese gleich. Wenn die Sonne aufgeht, wacht auch im Stall das Leben auf, geht sie unter, beginnt in ihm die Nacht.
Johannes hat ein großes Gedicht über die Kraft des Wortes geschrieben, über die Schöpfung - und über jeden neuen Anfang. Gott hat seine großen Seiten in ein Wort gelegt, ihm eine Stimme gegeben, ein Gesicht, ein Lächeln. Jesus. Wie schön sind seine Strahlen!
Heute ruhen die Tagesordnungen. Kein Gremium tagt. Wir spielen Weihnachtsfrieden.
Aber wenn wir die letzten Wochen und Monate noch einmal überfliegen, kommen uns große Reden und leere Worte unter. Nachrichten, die alles ertragen mussten, sogar das Schweigen. Träume, die platzten wie Seifenblasen.
Es gibt einen neuen Armutsbericht - mit verheerenden und verstörenden Blicken auf Kinder, wir hören von Terror, Verfolgung und Angst,
wir hören auch von Rettungsaktionen, in denen sich die Milliarden nur so überschlagen.
Auf einmal ist Geld da. Aber Licht, Leben, Freud und Wonne?
Wer einen Ein-Euro-Job hat, von Hartz IV lebt oder gerade auf Kurzarbeit geschickt wird, wenn nicht gar in die Arbeitslosigkeit, traut den großen Worten nicht über den Weg. Wir haben sogar das Unfassliche vernommen, dass den Banken das Vertrauen zueinander abhanden gekommen ist.
Offen ist sowieso, wer die Zeche zahlt, gewiss nur, dass es die falschen sein werden: unsere Kinder, die Menschen in Entwicklungsländern, die Leute, die sich nicht wehren können. Geredet wird viel. Aber es wird nicht hell.
Eine Idylle war die Weihnachtsgeschichte noch nie,
Wer den Heiligen Abend nicht aushält, stellt die Schnapsflasche auf den Tisch.
Wer seine Erinnerungen nicht erträgt, sucht Streit.
Wem die Worte fehlen, dem geht auch kein Licht auf.
Ich kenne viele Geschichten, die in Tränen enden.
Geredet wird dann gar nicht. Aber es wird immer dunkler.
Johannes weiß von den unzähligen Anfängen im Leben eines Menschen, von der Dunkelheit, die unsere Schritte umgibt, aber auch von dem Licht, das sogar die Blindgeborenen zu sehen bekommen.
Johannes bringt sozusagen das ganze Evangelium auf den Punkt:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Die großen Gelehrten und Dichter sind dem Geheimnis des Wortes nachgegangen. Worte können einen Menschen aufleben lassen, Worte können ihn vernichten - Worte können die Welt aufschließen, Worte können sie zuschütten. Aber dass das Wort Fleisch wird - das sprengt selbst das Wort.
Das Wort, das Licht schafft, geht in die Dunkelheit ein.
Das Wort, das ewig ist, lässt sich gefangen nehmen.
Das Wort, das Leben verheißt, nimmt den Tod an.
Den Anfang feiern wir zu Weihnachten. Gott liefert sich der Welt aus, teilt ihre Abgründe, teilt ihr Schönheiten. Er fängt sogar so an, wie jeder Mensch: als ein Kind. Dass ein Kind die ganze Welt mit seinem Wort hält - gibt der Welt Hoffnung und Glanz.
So kann auch nur Johannes ins Haus fallen:
Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Die Worte überschlagen sich fast, verknoten sich in einander. Aber ich verbinde mein Leben mit ihnen. Ich verstehe, warum Johannes von den Menschen früher als Adler vorgestellt wurde - weiter Blick, scharfes Auge - und dann: Sturz in die Tiefe.
Der ist dann auch gelungen.
Das Wort kommt zu mir.
Frohe Weihnachten!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In einem Gedicht, das die Überschrift "Geburt Christi” trägt, fragt Rainer Maria Rilke den Leser "Hast du ihn dir größer vorgestellt?" Es bedarf, wie Rilke weiter sagt, der "Einfalt", um das zu begreifen, was in dieser Nacht geschehen ist. Das ist ja wohl die immer neue Herausforderung unseres Glaubens, zu sehen, dass Großes so klein werden kann. Und weiter sagt Rilke in diesem Gedicht "Gott macht sich mild". Vor dem Geheimnis der Weihnacht stehen wir immer wieder staunend und bemühen uns zu begreifen, wie denn das sein kann, dass der große Gott ganz klein werden kann. Das Wort Gottes, der Sohn Gottes, ist, wie es im Johannesevangelium heißt, Fleisch geworden, das heißt, dass er Mensch wurde mit aller Gebrechlichkeit und Verletzbarkeit, die neuem Leben anhaften, mit der Hilflosigkeit eines Neugeborenen, das ohne Hilfe anderer Menschen gar nicht überleben könnte.
"Hast du ihn dir größer vorgestellt?" - Diese Frage ist wohl an jeden von uns gerichtet. Es ist die Unscheinbarkeit Gottes, die Tatsache, dass er sich so "mild" macht und daher leicht übersehen werden kann, die uns in die Augen springt. Gottes Kommen in diese Welt ist nicht in gleißendes Licht getaucht, es ist vielmehr ein kleines "behutsames" Licht, das da gekommen ist. "Behutsam", das hat eine mehrfache Bedeutung. Zum einen wohl, dass dieses Licht selber alle, für die es leuchtet, behütet, ihnen leuchtet und sie wärmt. In diesem Licht erscheint uns die liebende Sorgfalt Gottes im Umgang mit den Menschen, eine Liebe, die bis zum Tod dessen geht, der da als Licht erschienen ist. Zum anderen heißt behutsam aber auch, dass dieses Licht selber eine aufmerksame Zuwendung verlangt, dass man auf dieses Licht zugehen, darauf eingehen muss, weil es sonst nicht bemerkt wird. Auch das Licht, dem die drei Weisen (Magier, Sterndeuter, Könige) gefolgt sind, war nicht so, dass es alle anderen Sterne am Himmel an Helligkeit übertroffen hätte. Es bedurfte eines sorgfältigen Nachforschens, einer demütigen Gläubigkeit, um dieses Licht von anderen zu unterscheiden.
Die Unscheinbarkeit Gottes, die anscheinend zu Tage tretende Bedeutungslosigkeit dieses Kindes im Stall von Bethlehem war und ist manchen ein Rätsel, nicht wenigen ein Ärgernis, eine Torheit, die sich noch steigert, wenn man den weiteren Lebensweg dieses Kindes betrachtet, insbesondere seinen gewaltsamen Tod. "Hast du ihn dir größer vorgestellt?" Viele werden sagen, ja, ich habe mir einen anderen Gott erwartet, einen, der überzeugender wirkt, der überwältigender in Erscheinung tritt. Diesem ohnmächtig wirkenden Gott kann es leicht widerfahren, dass er abgewiesen wird, dass er als Herbergesuchender kein Obdach findet, weil sein Zuhause nicht im Palast eines Königs ist, sondern auf freiem Feld, in einem Stall für Tiere.
Aber dennoch lässt er sich finden. Zunächst von - sagen wir - seinesgleichen, nämlich von mittellosen Hirten, denen eine wundersame Botschaft zuteil wird. "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren worden." Und dann kommen die Gottsucher (Magier, Weise, Sterndeuter, die Könige), wer immer sie sein mögen und wie immer sie heißen, aus der ganzen Welt, die suchen, finden und anbetend niederfallen. Und dann alle, die die Demut aufbringen, selbst klein zu werden, um an die Größe Gottes in seiner Unscheinbarkeit zu glauben.
Beim Eintritt in die Geburtsgrotte von Bethlehem muss man sich bücken, um zu dem in den Boden eingelassenen Stern zu gelangen, der den Ort der Geburt Jesu kennzeichnet. Symbol für die Haltung, die vom Menschen gefordert wird, wenn er an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes herantritt.
Wenn wir Weihnachten feiern, dann geht es - wie immer in der Geschichte, die Gott mit dem Menschen schreibt - nicht nur um Erinnerung an ein wenn auch noch so großes historisches Ereignis, sondern es geht auch, ja sogar in erster Linie, um die Gegenwart. Wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bliebst doch ewiglich verloren, so hat Angelus Silesius schon vor Jahrhunderten gedichtet. Um die Herberge Gottes im Menschenherzen geht es also, ob Gott, der sich "mild macht", auch das eigene Herz erfasst. Ob das "behutsame Licht" dich selbst behutsam, gütig, menschenfreundlich macht, ob der Mensch gewordene Gott dir selbst zur eigenen Menschwerdung verhilft, das liegt an dir.
Weihnachten berührt uns jedes Jahr aufs Neue. Trotz aller Gewohnheit liegt in diesem Fest etwas, das unser Herz erreicht: die Sehnsucht nach Frieden, nach Nähe, nach einem Licht, das stärker ist als alles Dunkel. Inmitten von vorweihnachtlicher Hektik, Erwartungen und manchmal auch schmerzlichen Erfahrungen stellt uns Weihnachten die einfache, aber tiefste Botschaft vor Augen: Gott kommt zu uns. Er wird einer von uns, klein und verletzlich – und gerade darin unendlich nah.
Die Liturgie des Weihnachtstages führt uns hinein in das besondere Weihnachtsevangelium des Johannes: kein Stall, keine Hirten, keine Krippe – sondern lediglich Worte über Licht und Finsternis, über Anfang und Vollendung. Johannes zeigt, was hinter allen Bildern der Heiligen Nacht und der Krippe wirklich steht: Gott wird Mensch, damit unser Leben Sinn und Richtung bekommt. Er macht damit deutlich, dass gerade dort, wo wir Dunkelheit erleben und nach Orientierung suchen, er als kleines Kind Fleisch annimmt und Licht in die Welt bringt.
"Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft." Mit diesen Worten des Propheten Jesaja heiße ich Sie zum Festgottesdienst am Höhepunkt des Weihnachtstages herzlich willkommen.
Ich freue mich, dass Sie nach all den anstrengenden Vorbereitungen, den Adventveranstaltungen, den weihnachtlichen Vorfeiern im Betrieb, in den Vereinen usw. und nach der Weihnachtsfeier im Kreis der Familie und Ihrer Liebsten heute am eigentlichen Weihnachtstag sich Zeit nehmen für den Weihnachtsgottesdienst.
Bei den vielen Feiern und Veranstaltungen rund um dieses Fest gerät der eigentliche Anlass leicht aus dem Blick, denn Weihnachten feiern auch Menschen, die mit dem Christentum nichts anzufangen wissen. Für sie ist es das Fest des Friedens, der Familie, der Kinder u.a.m. Als Christ frage ich mich: Genügt mir das? Ist das alles? Was feiern wir als Christen? Worin hat dieses Fest seinen Ursprung?
Salopp ausgedrückt ist Weihnachten ein Geburtstagsfest für Jesu. Und Einladungen zu einer Geburtstagsfeier kann man ohne schwerwiegenden Grund kaum ausschlagen. Durch unsere Teilnahme zeigen wir, was uns der oder die Gefeierte bedeutet. Das ist eine große Herausforderung, wenn der Gefeierte so prominent ist wie Jesus von Nazareth.
Zu Weihnachten singen wir:
„Vom Himmel hoch, da komm ich her,
ich bring euch gute neue Mär“.
Es ist ein altes Lied. Einem Engel in den Mund gelegt. Die gute neue Mär – das ist das Evangelium.
„Euch ist ein Kindlein heut geborn,
von einer Jungfrau auserkorn“.
Wir singen dieses Lied einander zu. Einer wird dem anderen, der anderen - zum Engel. Wir schauen einander an. Mit großen leuchtenden Augen.
„Es ist der Herr Christ, unser Gott,
der will euch führn aus aller Not.“
Not, Hoffnungslosigkeit, Angst und Misstrauen begegnen uns auch heute.
An der Krippe Jesu legen wir alles ab.
„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft.“ Mit diesen Worten machte der Prophet Jesaja seinen Hörern und Hörerinnen Hoffnung und Mut. Wir feiern in diesem Gottesdienst, dass Jesus geboren ist. Jesus ist in unsere Welt, gekommen. Jesus will unser Leben teilen. Seine Herrschaft. bringt uns Hoffnung und Freude.
Grüßen wir IHN in unserer Mitte und bitten wir ihn um sein Erbarmen:
Die modernen Medien machen vieles möglich, wofür wir gerade an diesem Weihnachtsfest dankbar sind: Den Weihnachtsgottesdienst der eigenen Pfarrgemeinde per Livestream mitfeiern, oder als Zoom-Konferenz, oder einfach im Fernsehen… Wir sind froh um diese Möglichkeiten.
Trotzdem: Es geht nichts über das leibhafte Mitfeiern. ("live is life", bzw. "live bleibt live"). Wir hoffen, dass dies bald wieder für alle möglich sein wird. Das leibhafte Feiern hat mit Weihnachten zu tun, denn wir feiern das Glaubensgeheimnis, dass der unfassbare Gott ein Mensch aus Fleisch und Blut geworden ist, einer von uns. Er freut sich mit uns, auch ganz leibhaft, und er leidet mit uns an den Einschränkungen der Lebens- und Feiermöglichkeiten dieses Jahres.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor ihn hin und huldigen wir dem fleischgewordenen Wort Gottes:
Fröhliche Weihnachten, liebe Gemeinde!
Heute kommen Freudenboten zu uns, die Frieden ankündigen.
Heute werden wir zu Freudenboten, die Frieden verkündigen!
Heute werden wir auf die Höhe der Zeit geführt!
Gott redet mit uns durch seinen Sohn.
Er trägt seine Herrlichkeit auf seinem Gesicht.
Heute staunen wir darüber, dass Gott ganz und gar, mit Leib und Seele einer von uns geworden ist.
Verletzlich wie ein Kind, glücklich wie ein Kind, die Welt verzaubernd wie ein Kind.
Das Wort ist Fleisch geworden.
Weihnachten muss gefeiert werden!
Sind wir bereit? Schon wach? Voller Erwartung?
Herr Jesus Christus,
du hast unsere menschliche Natur angenommen
und teilst unser Leben in Freude und Leid.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist das wahre Licht, das in die finstere Welt gekommen ist
und die Nacht erhellt hat.
Auch heute noch wohnst du mitten unter uns.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du kommst zu allen, die dich brauchen
und erfüllst ihre Herzen mit deiner Hoffnung.
Du berufst uns, dein Licht in die Welt zu tragen.
Herr, erbarme dich.
Wir eröffnen diese Geburtstagsfeier mit dem uralten Huldigungsruf "Kyrie eleison" und stimmen dann ein in das "Ehre sei Gott in der Höhe".
Weihnachtsliche Kyrierufe GL 159 oder GL 160.
Herr,
in Bethlehem fällt das Weihnachtsfest in diesem Jahr aus.
Nicht einmal der Baum wird aufgestellt.
Spannungen liegen in der Luft.
Herr, erbarme dich.
Herr,
in Bethlehem wurdest du geboren.
In einem Stall kamst du zur Welt.
Lass uns dem Lobgesang der Engel folgen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
das kleine Bethlehem sollte zum Nabel der Welt werden.
Mit der Botschaft von Frieden und Sicherheit für alle Menschen..
Bewahre uns davor, abzustumpfen und uns abzufinden.
Herr, erbarme dich.
Engel verkünden uns:
"Fürchtet euch nicht,
denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude,
die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Christus, der Herr."
GL 237,6. und 7. Strophe: Des lasst uns alle fröhlich sein...
Herr Jesus Christus,
du Wort Gottes, das uns die Liebe verkündigte.
Herr Jesus Christus,
du Wort Gottes, du wahres Licht, das in die Welt kam.
Herr Jesus Christus,
du Wort Gottes, das unter uns gewohnt hat und auch jetzt unter uns ist.
Herr, Jesus Christus,
du bist das fleischgewordene Wort Gottes,
durch dich und auf dich hin wurde die ganze Schöpfung ins Dasein gerufen.
Herr, erbarme dich.
In dir ist das Leben
und du bist das Leben und das Licht der Menschen.
Christus, erbarme dich.
Du kamst als das wahre Licht, das die Menschen erleuchtet, in die Welt
und du gibst allen, die dich aufnehmen, die Macht Kinder Gottes zu werden.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, du menschgeborenes Wort Gottes.
Herr, erbarme dich.
Du Verkünder der befreienden und aufrichtenden Liebe des Vaters.
Christus, erbarme dich.
Du Überwinder aller Dunkelheit – auch des Todes.
Herr, erbarme dich.
Herr,
Weihnachten geht vielen Menschen auf die Nerven.
Sie kommen nicht damit zurecht, dass die heile Welt nur gespielt wird und so schnell umkippt.
Herr, erbarme dich.
Christus,
unsere Konflikte sind dir nicht unbekannt.
Du lässt dich in unsere Geschichten und Tragödien hineinziehen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
lass uns als Freuden-, als Friedensboten unterwegs sein!
Dann öffnen sich Türen und Fenster und die Herzen auch.
Herr, erbarme dich.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt..
Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
Ehre sei Gott in der Höhe…
Dies ist die Nacht, da mir erschienen
des großen Gottes Freundlichkeit;
das Kind, dem alle Engel dienen,
bringt Licht in meine Dunkelheit,
und dieses Welt- und Himmelslicht
weicht hunderttausend Sonnen nicht.
Herr, erbarme dich.
Lass dich erleuchten, meine Seele,
versäume nicht den Gnadenschein;
der Glanz in dieser kleinen Höhle
streckt sich in alle Welt hinein;
er treibet weg der Höllen Macht,
der Sünden und des Kreuzes Nacht.
Christus, erbarme dich.
Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne,
bestrahle mich mit deiner Gunst;
dein Licht sei meine Weihnachtswonne
und lehre mich die Weihnachtskunst,
wie ich im Lichte wandeln soll
und sei des Weihnachtsglanzes voll.
Herr, erbarme dich.
Lied von Kaspar Friedrich Nachtenhöfer (1624 – 1685)
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist das Wort, durch das alles geworden ist.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist das Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du gabst uns Macht, Kinder Gottes zu werden.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer wiederhergestellt.
Laß uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes,
der unsere Menschennatur angenommen hat.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten - Am Tag
Gütiger Gott,
in deinem Sohn Jesus Christus hast du uns das größte Licht geschenkt.
Gib, dass wir deinen Sohn als unseren Retter und Heiland in unser Herz hereinlassen, damit wir ihm voll Zuversicht entgegengehen und das Licht der Wahrheit in die Welt hinaustragen können.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unserem Heiland und Erlöser, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. – Amen.
Wir hören den Lobgesang der Engel,
wir sehen den Aufbruch der Hirten,
wir staunen über das Kind in der Krippe.
Dir, Gott, danken wir für dein Weihnachtsgeschenk für uns.
Du hast den Himmel geöffnet,
ihm die schönsten Stimmen gegeben,
du hast es hell werden lassen
mitten in der Nacht.
Schenke uns die Freude,
aufzubrechen,
uns verwandeln zu lassen,
Zeugen und Boten deiner Hoffnung
zu werden.
Du nimmst uns in den Chor der Engel auf.
in Jesus, dem du dein Gesicht gegeben hast
und dein Wort
voller Gnade und Wahrheit. - Amen.
Vater im Himmel,
in die Schrecken unserer Weltenzeit hinein
hast du dein Wort Menschen werden lassen,
in deinem Sohn Jesus Christus.
Heute dürfen wir ihm als Kind in der Krippe begegnen.
Selbst noch hilflos, wird er zum Retter der Welt.
Durch IHN gilt deine Zusage,
dass wir uns nicht fürchten sollen.
Lass uns darauf vertrauen,
wo das Dunkel unserer Zeit uns noch gefangen hält
und lass uns auch in unserem Leben sein Licht aufgehen.
Das erbitten wir mit ihm, der uns Bruder ist - für alle Zeit. - Amen.
Gott, du machst uns ein so großes Geschenk,
dass alles, was wir aufbieten, dabei verblasst.
Du schenkst uns Jesus, deinen Sohn.
Wir danken dir, dass wir Weihnachten feiern können!
Den Tag seiner Geburt.
Die Anspannungen der letzten Tage und Wochen sind von uns abgefallen.
Eine große Ruhe breitet sich aus.
Wenn Familien, Nachbarschaften und Kolleginnen und Kollegen
mit Spannungen leben,
wenn sich Bitterkeit und Verzagtheit,
Einsamkeit und Enttäuschung,
unter uns breit machen,
dann lass uns Freudenboten sein,
die Frieden bringen,
die wissen, wo du wohnst,
die deinem Wort alles zutrauen.
Sogar eine neue Welt
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Herr, unser Gott,
du hast dich uns in Jesus, deinem Sohn, geschenkt.
Im Angesicht seiner Geburt schauen wir aber auch voller Sorge auf unsere Welt und tragen dir unsere Bitten vor:
Schenke dein Licht der Liebe allen, die in deiner Kirche wirken und sich engagieren;
allen, die sich mit ihren vielfältigen Talenten in unsere Gesellschaft einbringen;
aber auch denen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben erkennen können.
Du Heiland der Völker. - Wir bitten dich, erhöre uns!
Schenke dein Licht der Liebe allen, denen es am Lebensnotwendigen mangelt;
allen, die beeinträchtigt oder eingeschränkt leben müssen;
aber auch jenen, die im Überfluss leben und dessen Wert oft nicht mehr zu schätzen wissen.
Schenke dein Licht der Liebe allen, die in tragenden Beziehungen leben und Geborgenheit erfahren;
aber ebenso allen, die unter Einsamkeit leiden, sowie Kindern und Jugendlichen, die verunsichert sind.
Schenke dein Licht der Liebe allen Sterbenden
und unseren lieben Verstorbenen, von denen wir schon Abschied nehmen mussten;
aber auch all jenen, an die niemand mehr denkt und deren Gräber nicht mehr besucht werden.
Schenke dein Licht der Liebe auch uns selbst, wenn wir nun in einem Moment der Stille unsere persönlichen Anliegen dem Kind in der Krippe anvertrauen.
Dann kann unsere Welt jeden Tag ein wenig heller werden, und wir können einstimmen in den himmlischen Lobgesang aller Engel und Heiligen – heute und allezeit. – Amen.
Herr, Jesus Christus,
in dieser Feier steht zwar der Dank dafür, was du uns bedeutest, im Vordergrund. Angesichts die vielfältigen Nöte der Menschheit tragen wir dir aber auch unsere Bitten vor:
Du bist Mensch geworden, um der Welt Frieden zu bringen.
Gib uns den Frieden, den die Welt nicht geben kann, und wecke in allen Menschen die Bereitschaft zur Versöhnung, auf Rache zu verzichten und die Lebensgüter gerecht miteinander zu teilen.
Deine Frohe Botschaft hat Licht und Freude in unser Leben gebracht.
Schenke allen Menschen, die ein schweres Schicksal zu verkraften haben, Hoffnung, Kraft und hilfreiche Begleiter.
Du hast uns das Wohlwollen Gottes geoffenbart.
Lass alle Menschen die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erkennen und die Freude darüber an ihre Mitmenschen weiterschenken.
Du hast uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden und am der unendlichen Lebensfülle des Himmelreiches teilzuhaben.
Schenke allen Lebenden Lebenskraft und Lebensfreude und unseren Verstorbenen das verheißene ewige Leben.
Du, Herr, bist in die Welt gekommen, um uns zu retten und uns aus allen Nöten zu erlösen. Auf dich setzen wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen. - Amen.
Mit seinem Kommen in die Welt setzt Gott mit dem Menschen einen Neuanfang.
Vertrauensvoll bitten wir ihn:
Um eine persönliche Vertiefung ihres Glaubens für alle Rom-Pilger im eben begonnenen Heiligen Jahr.
Um einen respektvollen Umgang mit deiner Schöpfung, die nach deinem Wort begonnen hat und allen Menschen zur Bewahrung anvertraut ist.
Um Beachtung der Würde und Rechte aller Menschen, in deren Sein sich immer auch ein Teil deiner Göttlichkeit widerspiegelt.
Um unsere eigene Bereitschaft hinter den Traditionen des Weihnachtsfestes dein Wort anzunehmen und unser Leben täglich neu danach auszurichten.
Um deinen Frieden für alle Verstorbenen, einen Frieden, dem die Welt nicht geben kann, den wir aber alle ersehnen.
Denn das Kind, das uns geschenkt ist, bringt der Welt Friede, Rettung und Heil.
Dir danken wir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt.
Wir beten um Freudenboten und für Boten des Friedens.
GL 219: Mache dich auf und werde licht…
Herr,
Hassgeschichten werden immer neu erzählt. Mal von der einen Seite, dann von der anderen.
Dass Menschen miteinander reden, erbitten wir.
GL 219: Mache dich auf und werde licht…
Israelis und Palästinenser leben auf einem Stück Erde gemeinsam. Alte Wunden werden immer neu aufgerissen.
Dass Völker zu einander finden, erbitten wir.
GL 219: Mache dich auf und werde licht…
Ungeregelte Migration soll in Europa eingedämmt werden. Viele Menschen sind auf der Flucht.
Dass Polarisierungen überwunden werden, erbitten wir.
GL 219: Mache dich auf und werde licht…
Völker bilden Blöcke, um die Welt neu aufteilen. Die Vereinten Nationen hebeln sich selbst aus.
Dass der Frieden gefunden wird, erbitten wir.
GL 219: Mache dich auf und werde licht…
Kinder und Jugendliche sind auf der Suche nach ihren Wegen. Alte Menschen kommen mit vielen Entwicklungen nicht mehr mit.
Dass die Generationen Brücken zueinander finden, erbitten wir.
GL 219: Mache dich auf und werde licht…
Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
Lass dein Licht leuchten in der Finsternis. – Amen.
Im Kind in der Krippe ist das wahre Licht in diese Welt gekommen und hat endgültig die Macht der Finsternis gebrochen.
In dankbarer Freude kommen wir mit unseren Bitten zu ihm:
Viele kleine Lichter erleuchten die Dunkelheit.
Wir bitten für alle in der Gemeinschaft der Kirche, die durch ihre Mitmenschlichkeit und Zuversicht spürbar machen, dass du auch heute unter uns bist.
In dir hat das göttliche Erbarmen für uns Menschen erfahrbar Gestalt angenommen.
Wir bitten für eine Gesellschaft, in der oft eigene politische und religiöse Überzeugungen als absolut gelten und anderen ihre Daseinsberechtigung abgesprochen wird.
In dir wird sichtbar, dass es aus jeder Not einen Ausweg gibt.
Wir bitten dich für alle jungen Menschen, tröste und stärke sie, wenn sie von Zukunftsängsten, Gleichgültigkeit oder Pessimismus erdrückt werden.
In dir erfüllt sich Gottes Heilszusage für seine ganze Schöpfung.
Wir bitten dich für alle jene Anliegen, die wir ganz persönlich still im Herzen tragen.
Mit dir kam das wahre Leben in die Welt. Du begleitest uns über das Ende unseres irdischen Lebens in deine Ewigkeit hinein.
Wir bitten dich für alle Verstorbenen.
Die Frohe Botschaft des göttlichen Erbarmens wird für uns durch dich sichtbar.
Mit der ganzen Schöpfung rühmen und preisen wir deine Herrlichkeit jetzt und allezeit. - Amen.
Zu unserem Herrn Jesus Christus, der Mensch wurde und das wahre Licht ist, beten wir:
Schenke das Licht deines Friedens allen Menschen, deren Leben von Krieg und Terror bestimmt ist.
Schenke das Licht des Glaubens zu allen, die ihr Leben als sinnlos betrachten.
Schenke das Licht der Liebe und der Versöhnung allen die zerstritten sind.
Schenke das Licht der Freude allen, die sich einsam fühlen und deren Leben traurig ist.
Schenke das Licht des Rates allen, die in Kirche und Gesellschaft Verantwortung tragen.
Schenke das Licht deiner Lebendigkeit allen, die bereits verstorben sind.
Dir sei Lob und Preis,
jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Durch seine Menschwerdung hat Gott die Welt unvorstellbar verändert.
Die Freude darüber wollen wir miteinander teilen und ihm unsere Bitten anvertrauen:
Dass wir dein Wort in Freude annehmen und immer wieder neu über deine Menschenfreundlichkeit staunen können.
Dass wir sorgsam mit deiner Schöpfung, die du uns anvertraut hast, umgehen und die Erkenntnisse der Wissenschaft uneigennützig und nachhaltig einsetzen.
Dass der Friede und das Heil, das uns durch deine Menschwerdung zuteilwurde, in uns selbst, in unseren Familien, in der Gesellschaft, unter den Staaten und Völkern zumindest stückweise Wirklichkeit wird.
Dass wir, vom weihnachtlichen Geschehen beschenkt, durch unsere Worte und unser Leben für andere zum Zeichen der Hoffnung und Zuversicht werden.
Dass unsere Verstorbenen deine Verheißungen schauen dürfen und bei dir in ihrer ewigen Heimat angekommen sind.
Vater,
in Jesus Christus ist uns dein göttliches Wort erschienen und nahegekommen.
Dir danken wir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Christus, der Retter, ist uns geboren! Das ist nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit sondern gilt ebenso im Heute unserer Tage. In ihm schenkt sich Gott allen Menschen und eröffnet allen die Chance, ihn aufzunehmen und durch ihn zum Heil zu finden.
Ihn lasst uns bitten:
Für deine Kirche, um immer neue Spannkraft und Eifer in der Suche nach dir und im Dienst an den Mitmenschen.
Für deine Schöpfung, die uns durch deine in sie gelegte Logik fasziniert aber auch von uns ein hohes Maß an Achtung und Respekt abverlangt.
Für alle, die in ihrem eigenen engen Denkmuster gefangen sind und sich noch nicht für eine Neuorientierung freimachen können.
Für uns selbst, um Zuversicht und Geduld in den schon fast zwei Jahre andauernden Mühen der Pandemie.
Für alle Verstorbenen, die dir ihre Erlösung und den Zugang zum Vater verdanken.
Denn wer sein Leben an dir und deiner Botschaft orientiert, wird nicht verloren sein und am Sinn des Lebens vorbeigehen. Du bist das Geschenk, das für alle bereitsteht und darauf wartet, von uns angenommen zu werden.
Dir gilt unser Dank und Lobpreis heute und bis in Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott,
du hast in Jesus von Nazareth menschliches Fleisch angenommen.
In Ihm und durch ihn leidest du mit uns an allem, was in unserer Welt unheil ist.
Dich bitten wir:
Für alle, die in diesen Tagen krank daniederliegen und Ängste und Schmerzen aushalten müssen.
Zeige dich ihnen als Gott des Lebens, der über unser gegenwärtiges Leben hinaus Leben schenkt.
Für alle Menschen weltweit, die durch die Pandemie Angehörige verloren haben.
Lass sie über ihren Verlust nicht verzweifeln.
Für alle, die im Kampf gegen die Pandemie und in der Pflege der Kranken ihre eigene Gesundheit riskieren und ihr Können und ihre Lebenskraft für andere einsetzen.
Vergilt ihren Einsatz mit Freude am Leben und Anerkennung ihrer Leistung.
Für alle Gläubigen, die durch die Schutzmaßnahmen dieses Weihnachtsfest auf neue Weise feiern müssen.
Schenke ihnen Phantasie und zeige ihnen Wege, wie sie ihre Weihnachtsfreude ausdrücken und weitergeben können.
Für unsere verstorbenen Angehörigen, Freunde und Gemeindemitglieder.
Lass sie die Herrlichkeit des Himmels genießen,
die uns durch die Menschwerdung deines Sohnes eröffnet worden ist.
Aus deiner Fülle, großer Gott, empfangen wir alle Gnade um Gnade.
Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. – Amen.
Wir sehen ein Kind. Neugeboren. Aber ohne Herberge. Eltern auf der Flucht.
So nimmt Gott seine Wohnung unter uns.
An diesem Weihnachtstag bitten wir ihn um den Glanz seiner Liebe.
Herr,
Weihnachten ist ein gefährliches Fest. Es wird mit Erwartungen überfrachtet.
Es zerbricht an Erinnerungen. Es lässt viele Menschen kalt und leer zurück.
Schenke uns die Geborgenheit, die nichts kostet und nichts verliert.
Wir rufen zu dir: Und das Licht leuchtet in der Finsternis
Auch an Weihnachten müssen viele Menschen arbeiten.
In der Gastronomie, in Krankenhäusern, Polizeistationen und Versorgungseinrichtungen.
Schenke uns die Dankbarkeit, mit der wir Menschen achten und ehren.
In Flüchtlingslagern und Elendsquartieren wächst auch an Weihnachten keine Hoffnung.
Die große Geschichte geht über Menschen hinweg und hört keine Klagen.
Schenke uns die Aufmerksamkeit, ihre Interessen zu vertreten.
An vielen Stellen der Welt setzen sich Menschen zur Wehr gegen Willkür, Machtmissbrauch und Korruption.
Der gesellschaftliche Frieden ist gefährdet, es gibt Spaltungen, Worte haben keine Kraft.
Schenke uns die Neugier, über unsere eigenen Tellerränder hinauszuschauen.
Auch heute kämpfen Menschen mit ihrer Krankheit, mit ihrem Alter.
Für viele ist der Verlust der Selbständigkeit schwer zu ertragen.
Auch heute sterben Menschen. Oft alleine und alleine gelassen.
Schenke uns die Bereitschaft, Wege von Menschen mitzugehen.
Du lässt uns Friedensboten sehen, die die Freude bringen.
Du lässt uns hören, was allen Tagen Glanz gibt.
Du lässt dein Wort unter uns wohnen.
Christus, der unser Leben teilt, der unseren Tod stirbt.
Das wissen wir in Ewigkeit. – Amen.
Gott wurde Mensch, um unser Leben zu teilen. In Jesus hat Gott auf uns verständliche Weise sein Wort zu uns gesprochen.
Durch ihn, das Kind in der Krippe, bitten wir den Vater:
Um eine Kirche mit offenen Ohren und einem wachen Geist für das Wesentliche deiner Botschaft.
Um effektive Anstrengungen und ein gemeinsames Bemühen aller für den Frieden im Großen wie im Kleinen.
Um die Bewahrung der Würde eines jeden Menschen bei der Erforschung und Anwendung der modernen Erkenntnisse der Gentechnik.
Um einen sorgsamen Umgang mit unserem gesprochenen Wort, durch das andere berührt aber auch verletzt werden können.
Um das Licht, das die Finsternis des Todes durchbricht.
Vater! In der Menschwerdung Jesu hast du uns einmal mehr bewusstgemacht, wie viel dir deine Schöpfung wert ist. Wie die Hirten wollen auch wir dich suchen und anbeten;
jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gott, unser Vater,
in diesen Gaben
willst du uns Versöhnung schenken
und uns wieder mit dir verbinden.
Nimm sie an
und gib durch sie unserem heiligen Dienst
die höchste Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Tag
Gott, unser Vater,
du hast uns in dieser hochheiligen Nacht deinen Sohn geschenkt, der uns Licht und Frieden bringt.
Nimm die Gaben an, die wir dir darbringen, und mache sie zum Zeichen deiner Liebe.
Wie das Brot geteilt und der Kelch gereicht wird, so lass auch unser Leben zum Geschenk für andere werden.
Darum bitten wir durch Christus, deinen Sohn unseren Herrn und Gott, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. – Amen.
Das Stroh in der Krippe hast du,
Gott, der du alles geschaffen hast,
schön gemacht für Jesus.
Er hat das Licht der Welt in einer Krippe erblickt.
Was vertrocknet ist,
bringen wir dir,
was hart geworden ist,
nimmst du in deine Hand.
Sprich du das Wort,
das Brot und Wein verwandelt
und unser Leben,
unsere Bitterkeit und
unsere Hoffnung.
Mit dem Lächeln eines Kindes
verzauberst du die Welt.
Dein Sohn ist unser Bruder. – Amen.
Wir lassen uns gerne beschenken, Herr.
Und wir schenken gerne.
Doch es sind nur schöne Gaben.
Sie kommen auch nicht immer gut an.
Aber du schenkst uns deine Liebe
Mit Brot und Wein.
Du verschenkst dich ganz.
Wort, das Fleisch wird.
In Brot und Wein.
Unsere Vergänglichkeit,
Zerbrechlichkeit
und Schwachheit nimmst du an
und verwandelst alles in Herrlichkeit.
Wir danken dir für deine Gaben.
Sie schaffen Leben In Ewigkeit. – Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Großer, unbegreifbarer Gott,
wir wollen dir unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen,
denn in Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat mitten unter uns gewohnt.
Kehrvers
Er ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.
in ihm kam das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt.
Kehrvers
Allen die ihn aufnahmen, gabst du die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Kehrvers
Alle Enden der Erde sehen nun das Heil unseres Gottes.
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
und stimmt mit den Engeln und Heiligen ein in den Lobpreis der Schöpfung:
Danklied: z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Meistens wird Gott ganz leise Mensch.
Die Engel singen nicht,
die Könige gehen vorbei,
die Hirten bleiben bei ihren Herden.
Meistens wird Gott ganz leise Mensch.
Von der Öffentlichkeit unbemerkt,
von den Menschen nicht zur Kenntnis genommen.
In einer kleinen Zweizimmerwohnung,
in einem Asylantenheim,
in einem Krankenzimmer,
in nächtlicher Verzweiflung,
in der Stunde der Einsamkeit,
in der Freude am Geliebten.
Meistens wird Gott ganz leise Mensch,
wenn Menschen zu Menschen werden.
(Nach Andrea Schwarz)
Du Wort aus Gottes Mund
gesprochen in diese Zeit
für uns
eindeutig und unmissverständlich
durchsichtig und klar
für alle Zeit gültig - endgültig -
Wort aus deinem Mund
Wort aus deinem Herzen
ein Herzenswort Gottes
seht - mein geliebter Sohn
Gott für mich
du sagtest einst
es werde - und es ward
und es ward gut
doch der Mensch
störte deinen Plan vom Paradies
und brachte Dunkel in die Welt
Da sandtest du dein Wort zur Erde
deinen Sohn
als Kind, gelegt in eine Krippe
Da ging ein Licht auf
ein Kind ist uns geboren
ein Sohn ist uns geschenkt
Das ist ein Wort
dein Wort, Gott, das mich berührt
und meinem Leben
Frieden gibt und Heil
Dein Wort
das in mir wachsen will
und groß werden und Frucht bringen
Dein Wort
das mich durchs Leben trägt
und durch den Tod
bis hinein
ins ewige Licht
Am Anfang
war dein Wort
mir zugesagt
und Mensch geworden
durch mich
und in mir
zum Leben gerufen
weil du mich liebst
du gehst mir nach
umwirbst mich
schenkst mir Vertrauen
willst mich
umarmst mich
und sendest mich
dein Wort
mein ganzes Sein
deine Liebe
mein Leben
das Wort ist Mensch geworden
und gibt mir Macht
Gotteskind zu werden
Heute ist uns der Retter geboren
Er kommt
um mit uns
Erstarrtes
Verkrustetes
Verhärtetes
Verschlossenes
Versteinertes
AUF zu BRECHEN
Er lädt uns ein
los zu gehen
zurück zu lassen
uns in Bewegung zu setzen
den sicheren Platz zu verlassen
Neues zu wagen
AUF zu BRECHEN
zur Krippe hin
UM IHM
DEM GOTTESKIND
ZU BEGEGNEN
Kind in der Krippe
Sei du die Botschaft
die uns beglückt
Sei du die Freude
die uns erfüllt
Sei du die Kraft
die uns antreibt
Sei du die Ruhe
die uns erfrischt
Sei du der Mut
der uns beflügelt
Sei du die Hoffnung
die uns belebt
Sei du das Vertrauen
das uns erfüllt
Sei du die Liebe
die uns begeistert
Sei du der Segen
der uns begleitet
Weihnachten heißt:
Es hat sich erfüllt!
Die Verheißung ist wahr geworden:
Gott ist Mensch -
sein Wort hat unsere Welt hell gemacht,
unsere Nacht der Hoffnungslosigkeit durchbrochen,
unsere Finsternis erhellt,
alle Angst besiegt,
alle Zweifel weggewischt.
Ja, Gott hat sein Wort
in diese Welt hineingesprochen.
Er hat sich unser erbarmt.
Sein Wort ist lebendig geworden,
dieses Wort heißt:
Ich liebe dich
du Welt, du Mensch,
ich will dir nahe sein!
Das Wort ist Fleisch geworden.
Kommt lasst uns anbeten!
Barmherziger Gott,
in dieser heiligen Feier
hast du uns deinen Sohn geschenkt,
der heute als Heiland der Welt geboren wurde.
Durch ihn sind wir wiedergeboren
zum göttlichen Leben,
führe uns auch zur ewigen Herrlichkeit durch ihn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten am Tag
Menschenfreundlicher Gott,
du hast uns mit deinem heiligen Mahl gestärkt und uns die Liebe geschenkt, die durch deinen Sohn in der Nacht von Betlehem in die Welt gekommen ist.
Lass dieses Mahl in uns nachwirken, damit wir Jesu Licht und Liebe in unseren Alltag tragen und selbst zu Zeichen deiner Güte werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Retter und Heiland. – Amen.
Du gibst dich mit einer Krippe in einem Stall zufrieden,
Gott, der du doch die ganze Welt umschließt.
Wir danken dir,
dass ein Freudenbote kommt,
der Frieden verkündet,
dass du uns dein Wort gegeben hast,
immer bei uns zu bleiben,
dass du selbst das Wort bist,
das Mensch wird.
Du weißt, wie viele Worte wir machen,
wie viele Worte uns jagen,
wie viele Worte uns Kopf und Kragen kosten.
Führe uns zur Krippe.
Lass uns dort bei dem Kind
Menschlichkeit erfahren,
Frieden mit vollen Händen verschenken
und Gemeinschaft teilen.
Es ist schön, mit den Hirten zu gehen
und mit den Engeln zu singen.
Von deiner Schönheit und Größe
und von dem Frieden,
der unsere Welt in deinen Glanz taucht.
In Christus.
Angesteckt von deinem Geist.
Für die Ewigkeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
die Gnade deiner Geburt ist uns heute neu geschenkt worden.
Du willst auch unsere Dunkelheiten erhellen.
Lass uns den Zuspruch der Engel empfinden:
Fürchtet euch nicht, wir verkünden euch eine große Freude.
Mache uns bereit, uns von dieser Freude anstecken zu lassen
und deine frohmachende Botschaft in die Welt zu tragen.
Dir sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist aller Lobgesang in Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott,
du teilst die Freude, Mensch zu sein, mit uns.
Es ist ein Wunder.
Wir verstehen es nicht einmal zur Hälfte.
Schicke uns als Freudenboten, die Frieden bringen,
in unseren Alltag zurück.
Wenn Menschen verzagt sind,
schenke uns offene Ohren für ihre Geschichten,
wenn sie wütend sind auf alles und jeden,
das richtige Wort.
Den weihnachtlichen Glanz bewahre uns lange.
In der Liebe, die die Welt reich und uns glücklich macht.
In Christus, dein Wort von Anfang an. – Amen.
Der barmherzige Gott hat durch die Geburt seines Sohnes die Finsternis vertrieben
und (diese Nacht) diesen Tag erleuchtet mit dem Glanz seines Lichtes;
er mache eure herzen hell mit dem Licht seiner Gnade. - Amen.
Den Hirten ließ er durch den Engel die große Freude verkünden;
mit dieser Freude erfülle er euer ganzes Leben. - Amen.
In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden;
durch ihn schenke er allen Menschen guten Willens seinen Frieden,
durch ihn vereine er euch mit der Kirche des Himmels. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohne und der Heilige Geist. - Amen.
MB Weihnachten
Maria und Josef sind auf ihrem Weg nach Betlehem
am Ende ihrer Kräfte und Möglichkeiten.
Erschöpft kehren sie im Stall ein.
Alle Kraft fließt in das Leben-Geben
für das Gottes-Kind.
Sie stellen ihr Leben für seines zur Verfügung.
Indem ihr Ruhe gegönnt wird,
wird die Er-Schöpfung
zur Teilhabe an der Neu-Schöpfung
durch den Schöpfer-Gott.
Zu Weihnachten können wir
die eigenen Er-Schöpfungen
dem Schöpfer anvertrauen.
Und hoffen, dass daraus
Neu-Schöpfung werden möge.
Johann Pock, Weihnachten 2025.
Wenn Paulus schreibt, dass Jesus das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, bedeutet das doch, dass Jesus genauso ist wie Gott. Jesus ist Gott, und Gott ist Jesus. Der unsichtbare Gott hat in Jesus ein Gesicht bekommen. Mit Ebenbild meint Paulus: Gott hat Jesus auf diese Welt geschickt, damit wir ihn mal live und in Farbe sehen und erleben können.
Wenn du also wissen willst, wie Gott ist, dann musst du dir Jesus anschauen! Wenn du fragst, wie Gott drauf ist, dann schau dir an, wie Jesus drauf war. Wenn du wissen willst, ob dein Bild von Gott richtig ist, dann musst du es mit dem Bild abgleichen, das du von Jesus in der Bibel findest.
Aus: Martin Dreyer, Jesus rockt, München 2011.
Wohnen können
Ein Haus haben,
eine Wohnung haben,
Heimat haben,
wissen, wo man hingehört,
geborgen sein,
Gewohnheit und Gewöhnung haben…
all das ist „wohnen“.
Doch macht die Wohnung nicht das Wohnen:
Ich muss bei mir selbst zu Hause sein,
damit kann ich wohnen,
selbst wenn ich keine Wohnung hätte.
Gott erscheint als das „Wort“,
als der, der alle Menschen anspricht,
und der, der auf alle Menschen anspricht,
und der ansprechbar ist für jeden.
Wenn Menschen sich zur Sprache bringen,
wenn Menschen zu Wort kommen,
ist Gott, das ewige Wort,
das dies bewirkt.
Das ewige Wort bewirkt,
dass wir uns verstehen.
Es ist der Ursprung aller Beziehungen,
die für uns Heimat sind,
und in denen wir uns zu Hause fühlen.
Jetzt ist die Verkörperung des ewigen Wortes;
Er wohnt unter uns,
damit wir bei ihm wohnen.
Er will in uns wohnen,
damit wir in ihm jetzt schon
Heimat und Wohnung finden,
aus der wir
nie mehr vertrieben werden.
Herr, Gott,
du bist Mensch geworden,
damit wir heimfinden können.
Lass mich bei dir wohnen
und jetzt schon
meine ewige Heimat finden.
Aus: Elmar Gruber, Sonntagsgedanken, Betrachtungen und Gebete für alle Sonn und Feiertage, München 1998.
…Im Blick auf das persönliche Leben des Werkes können wir sicher Folgendes stichpunktartig festhalten:
Das Leben aus dem Wort hat bei vielen eine innere Bekehrung bewirkt:
Es hat uns neues Leben gegeben, uns freigemacht von uns selbst, von menschlichen Bedingtheiten und äußeren Umständen; es hat uns Klarheit geschenkt; Freude, Frieden, Sicherheit, die auch auf unsere Umgebung ausstrahlen; es hat uns die Einheit mit Gott erfahren lassen;
Wir haben erfahren, dass „der, der bittet, erhält“, und gesehen wie dadurch neue Werke erstanden;
Es hat eine Gemeinschaft ins Leben gerufen: „Menschen, die sich vorher nicht kannten, wurden zu einer Familie. Christen, die einander gleichgültig gewesen waren, wurden eins.
Ein neues Volk ist entstanden, das sich überall ausgebreitet hat und dort als lebendige Kirche im Kleinen lebt;
Er hat uns ein neues Verständnis von Kirche hinsichtlich ihres institutionellen und ihres charismatischen Aspektes; sie erschien uns wie „das fleischgewordene Evangelium“, wie ein durch die Jahrhunderte hindurch entfalteter Christus“, „ein prachtvoller Garten“ voller bunter Blumen;
Wir haben in vielen unserer Brüder und Schwestern, die das Ziel bereits erreicht haben, entdeckt, wie in ihnen das Wort Gottes über ihnen vollendet erschien;
Das Leben aus dem Wort hat den Dialog nicht nur unter Katholiken erleichtert, sondern auf allen Ebenen.
Aus: Maria Voce, Im Licht der Liebe, München 2020.
Unsere Gottesliebe wird sich erneuern, und wir werden ein neues inneres Brennen feststellen, wenn wir aus den Erfahrungen der Schechina leben. Sie ist Inbegriff der Unmittelbarkeit und der realen Gottesgegenwart.
Der Begriff Schechina hat sich im Judentum seit zwei Jahrtausenden entwickelt. Das Substantiv kommt in der Bibel nicht vor, häufig aber begegnet uns die sprachliche Wurzel im Verb schachan.
Es bedeutet „wohnen“ oder noch treffender – „zelten“. Die Gegenwart des Ewigen erwies sich darin, dass er mitten unter dem Volk in der Stiftshütte „zeltete“ – in jenem hebräischen Zeltheiligtum aus goldüberzogenen Akazienholz und aus feiner Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach“. Dort ließ sich die Herrlichkeit Gottes (Kehod Adonai) nieder, wie es bei Mose heißt: „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich unter ihnen wohne!“
Der Talmud kommentiert diese Thorastelle mit den Worten: Das Mischkan, die Stiftshütte, ist errichtet worden, damit die Schechina bei den Unteren weilt.“ Darin ist die sprachliche Nähe zwischen schachan (zelten) und Schechina (Wohnen Gottes) begründet.
Auch ist bedeutsam, dass der Prolog des Johannesevangeliums, der die innerste Bedeutung Christi beschreibt, unter den unterschiedlichen Begriffen für „zelten“ verwendet wird: „Er wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit“ – wörtlich: „Er schlug sein Zelt auf unter uns…“
Die Schechina lässt uns immer wieder erfahren, dass die Herrlichkeit Gottes sich auf uns „niederlassen“ kann und Situationen sich dadurch vollkommen verändern. Ohne die Schechina wäre Gott für uns nur ein wahrer Gedanke, den wir denken können. Durch die Schechina aber erfahren wir die Wahrheit in einer Unmittelbarkeit, denn sie hat die Ausstrahlung Gottes: eine Heiligkeit, eine Sanftheit und Ruhe, ein tiefes Daseinsglück, einen ungeahnten Frieden. Die Schechina ist nicht etwa ein intellektueller Gedanke oder ein religiöses Konzept, sondern sie ist eine sinnliche Erfahrung, sie ist Ausstrahlung des Heiligen, eine Mitteilung des Transzendenten, sie befreit den Glauben davon, nur eine Idee zu sein; durch sie schenkt sich Gott.
Die Schechina ist immer Gott selbst, der in einer bestimmten Situation, einem Vorgang, einem Ort anwesend ist. „Fürwahr, der Ewige ist gegenwärtig and diesem Ort und ich wusste es nicht. Furcht bekam Jakob und er sagte: Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Dieser Ort ist nichts anderes denn ein Gotteshaus und das Tor des Himmels.“
Jeder Augenblick kann ein Ort Gottes sein. Die Seele reagiert auf diese Zuneigung Gottes durch ihre innerste Sehnsucht und es geschieht etwas Ehrfurcht Gebietendes. „Möge doch die Schechina des Ewigen unter uns wandeln.“ Wie durch die Freude, die wir an einem Menschen haben, dieser in uns wohnt, ist es auch mit der Schechina, die uns die Freude Gottes schenkt. Es ist die Erfahrung, dass sich das Herz neu in Gott verlieben kann. Dass der Mensch – wie es im Talmud heißt – der Schechina folgen kann, ist nur möglich, da die Seele durch die Berührung in die Gottesliebe hinein verwandelt wird. So heißt es im Talmud: „Wandle in den Wegen Gottes und du gehst der Schechina nach, wie Gott barmherzig ist, so auch du.“
Aus: Martin Schleske, Herztöne, Lauschen auf den Klang des Lebens, München 2016.
Text: Heiko Kuschel, Musik: Reinhard Burchhardt
Text: Ingo Bartz, Musik: Reinhard Burchhardt.
Text: Hildegard Wohlgemuth, Musik: Reinhard Burchhardt
Am 3. Dezember 2019 wurde der damalige Kärntner Caritas‑Direktor Josef Marketz zum 66. Bischof von Gurk‑Klagenfurt ernannt. Seit seiner Weihe am 2. Februar 2020 steht der 65‑jährige Kärntner Slowene der südlichsten Diözese Österreichs vor. Nach eineinhalb Jahren Sedisvakanz, die von schweren Konflikten um Leitungsstil und Wirtschaftsgebarung seines Vorgängers Alois Schwarz überschattet war, gab es in Kärnten wieder einen Bischof – noch dazu einen Landsmann, der die Diözese bestens kennt: Marketz war in der Pfarrseelsorge ebenso tätig wie in Leitungsfunktionen – etwa in der slowenischen Abteilung des Seelsorgeamtes oder als Leiter des Seelsorgeamtes. Von 2014 an hatte er die Kärntner Caritas geleitet – nicht zuletzt sein bischöflicher Wahlspruch „Deus caritas est – Gott ist die Liebe“ erinnert an dieses berufliche Erbe.
DIE FURCHE: In Ihrem Adventhirtenbrief schreiben Sie, dass menschliche Nähe die Seele wärmt. Der Advent 2020 ist aber eine Zeit, in der die physische Nähe gerade vermieden werden soll. Wie soll menschliche Nähe da möglich bleiben?
Bischof Josef Marketz: Es ist zunächst wichtig, über Nähe und Distanz überhaupt einmal nachzudenken. Wir leben in einer Zeit, die unglaublich schnell ist, die von uns viel Leistung fordert, die sehr laut ist und die sehr ermüdet. Was bedeutet da wirklich menschliche Nähe? Eine bewusst geübte Achtsamkeit und ein Versuch, wirklich den anderen anzuschauen, nachzufragen, wie es ihm geht, Rücksicht zu nehmen: Das erst schafft überhaupt die Voraussetzung zur Nähe. Und Nähe ist nicht nur körperliche Nähe. Der Papst spricht da oft von Zärtlichkeit. Was meint er damit? Ich denke, es geht ihm um diese Achtsam‑ keit, diese Achtung vor dem anderen. Da ist auch eine Art von Nähe, die uns jetzt sogar guttut.
DIE FURCHE: Gleichzeitig können Menschen, die unserer physischen Nähe bedürfen, diese nicht bekommen – Leute, die krank im Spital liegen, die allein sind …
Marketz: Das stimmt, aber zumindest reden wir jetzt davon. Die Menschen in Alters‑ und Pflegeheimen haben es wirklich sehr schwer. Ich kenne aus meiner Arbeit in der Caritas viele Menschen, die da total herausgefordert sind. Es wird diese Pandemie hoffentlich nicht ewig dauern. Und wir werden hoffentlich nicht zur alten Normalität zurückkehren, wo man darüber gar nicht nachgedacht hat. Man hat das selbst‑ verständlich angenommen – und trotzdem war keine Nähe da. Man sieht das auch an den Krankenhausseelsorgern bei uns: Im ersten Lockdown wurden einige ausgesperrt. Im Sommer haben wir darüber nachgedacht und auch an die politisch Verantwortlichen geschrieben. Spannenderweise erzählen mir dieselben, die sich im Frühling darüber beschwert haben, wie sie jetzt in die Krankenhäuser hineingebeten werden, weil sie sich die Zeit nehmen kön‑ nen, gerade bei Coronakranken, um ihnen zuzuhören und eine Stütze zu sein. Wir lernen auch aus dieser Situation.
DIE FURCHE: Wie beurteilen Sie die Performance der Kirche in der Pandemie?
Marketz: Auch da gibt es eine Entwicklung: Nach dem ersten Lockdown sind wir mit sehr viel Kritik konfrontiert worden. Ich denke, dass wir diese ernst genommen haben. Ich staune jetzt, wozu Kirche – nicht die Bischöfe oder Kirchenleitungen –, wo‑ zu die Menschen in den Pfarren, darunter auch manche Priester, aber vor allem Laien fähig sind. Wie schnell sie sich um‑ gestellt haben und nach Möglichkeiten gesucht haben, Seelsorge zu betreiben, und wie schnell sie auch ohne Sitzungen auf Diözesanebene die Möglichkeiten der digitalen Medien erfasst haben. Ohne irgendwelche Beschlüsse ist da ganz viel gelaufen. Diese Krise hat uns durchaus ein Stück weitergebracht, was das Evangelium betrifft. Ob die Kirche als solche stärker geworden ist, war diesmal nicht so sehr das Thema, das Thema war der Mensch: Wo können wir für die Menschen da sein? Das ist Urchristentum.
DIE FURCHE: Bleibt die Frage der Gottesdienste, die zumindest in Bezug auf die Sakramente, wo ja physische Anwesenheit notwendig ist, nicht stattfinden konnten – auch im zweiten Lockdown.
Marketz: Das ist ein wunder Punkt. Spannend vor allem, dass wir uns im ersten Lockdown ganz stark damit beschäftigt haben, wo die Prioritäten von den kirchlichen Strukturen her sind, wo Laienmitarbeiter schon gefragt haben: Wo kommen wir noch vor, wenn alles auf eine Übertragung von Messen konzentriert wird? Diese Fragen sind berechtigt. Es ist uns auch bewusst geworden, dass nur mehr zehn Prozent am Sonntag in die Kirche gehen, und es ist nicht schlecht, dass wir auch die andere Gruppe, die das nicht mehr selbstverständlich tut, langsam in den Blick genommen haben. Es war eine Minderheit von Konservativen mit einer großen eucharistischen Frömmigkeit, die das Aussetzen öffentlicher Gottesdienste kritisiert hat, ich nehme diese Menschen durchaus ernst! Aber die meisten waren zufrieden, dass sie über Fernsehen oder Livestream die Gottesdienste mitsehen konnten. Auf diese Weise ist eine neue Art von kirchlichem Leben präsent geworden, die wir uns vorher gar nicht richtig vorstellen konnten. Etwa dass in Kärnten die Osterspeisesegnung, die man hier scherzhaft „das achte Sakrament“ nennt, funktioniert hat, indem Menschen mir einfach im Radio zugehört haben, wie ich die Speisen gesegnet und ihnen mitgegeben habe, sie sollen einfach auch dasselbe machen: Das hat funktioniert! Menschen, die noch einen Sensus für das Sakrale haben, sind da selber tätig geworden. Das ist doch eine schöne Entwicklung!
Ganzer Artikel: >>>
Otto Friedrich interviewt Bischof Josef Marketz, Bischof von Gurk-Klagenfurt.
https://www.furche.at/religion/josef-marketz-ich-staune-wozu-kirche-faehig-ist-4330030
Wieviel kostet ein
Lächeln
für ein Kind?
Nur die Zeitspanne
eines Augenblicks,
eine Sekunde
eines Atemzuges. –
Und das Kind spürt:
ich bin erwünscht,
ich habe Freunde,
ich bin geliebt,
das Leben
ist schön...
Ilse Pauls
Von virtuellen Festen, weihnachtlicher Wehmut und der Entscheidung, ob man Angehörige trifft: Wie eine Familie, eine Studentin und ein älteres Ehepaar in diesem Jahr feiern wollen.
Das Weihnachtsfest von Herbert und Elfi Becker findet heuer auf ihrem kleinen Wohnzimmertisch im Altenheim statt. Vorbereitet ist schon alles: Der Heimdirektor hat auf ihrem Laptop Skype installiert und ihnen das Programm genau erklärt.
Lang haben sie hin und her überlegt, nun steht der Plan für den 24. Dezember: Am Nachmittag wird die Tochter den traditionellen Truthahn vorbeibringen, den die Beckers am Abend mit der Familie vor den Bildschirmen verspeisen. Und danach: Geschenke auspacken und gemeinsam per Videotelefonie Weihnachtslieder singen. „Also eigentlich fast alles wie immer“, sagt Herbert Becker.
Besonders freut er sich auf die Gesichter der drei kleinen Enkel, wenn sie die Pakete öffnen, die sie ihnen geschickt haben. Den Gottesdienst wird die ganze Familie dann per Livestream verfolgen. „Was heutzutage alles möglich ist“, wundert sich der 75-Jährige.
Zeit für Wehmut, weil er die Familie nur auf dem Bildschirm sieht, bleibt keine. „Wir sind nicht traurig, wir sind ja sowieso verbunden“, sagt er. „Es ist einfach eine moderne Art zu feiern.“ Und Becker sieht auch einen Vorteil bei der virtuellen Feier: „Wir können den ganzen Abend ohne Masken verbringen.“
Wer in Erinnerungen an ein Weihnachtsfest vor Corona schwelgt, wird schnell feststellen: Was im Vorjahr noch selbstverständlich war, klingt heuer nach Himmelfahrtskommando.
Sich in einen der überfüllten Züge setzen und nach Hause fahren. Die ganze Familie an einem Tisch versammeln und endlich wieder Zeit haben, auch die Eltern und Großeltern ausgiebig zu sehen. Gemeinsam singen, das Essen teilen und Geschenke austauschen. Sich mit alten Freunden auf einen Punsch auf dem Christkindlmarkt treffen und mit den Kollegen bei der Weihnachtsfeier eine Nacht lang durchtanzen. Das alles ist aus virologischer Sicht eine Katastrophe.
Das ganze Konzept des Fests steht im Widerspruch zu den Coronaregeln: Geht es doch gerade um das Zusammensein mit Familie und Freunden, meistens auf engstem Raum in den warmen und ungelüfteten Wohnzimmern. Die Frage, wie sehr sich die Bevölkerung an das Social Distancing zu den Feiertagen halten wird, sorgt deshalb für einen bitteren Beigeschmack in der Vorweihnachtszeit: Wird das Weihnachtsfest zu einer landesweiten Coronaparty?
Eine Angst, die berechtigt zu sein scheint, wenn man einen Blick auf aktuelle Umfragen wirft: Für 18 Prozent der Menschen in Österreich kommt ein Weihnachten ohne großes Familientreffen nicht infrage – das ergab eine kürzlich veröffentlichte Befragung des Marktforschungsinstituts Marketagent.com. Masken wollen nur die wenigsten bei den Feiern tragen. 20 Prozent gaben hingegen an, heuer auf Verwandtenansammlungen zu verzichten.
Weihnachten ist für viele Familien heilig, sagt Soziologin Pfadenhauer.
Dass Weihnachten nach Monaten des Social Distancing an der Disziplin der Österreicher rütteln wird, war vorhersehbar. Aber dass man in der Pandemie gerade durch den Wunsch, der Familie nahe zu sein, genau seine Liebsten gefährdet, scheint überraschenderweise nicht überall ernst genommen zu werden.
Das liegt wohl auch an der gesellschaftlichen Bedeutung von Weihnachten. „Aus soziologischer Sicht könnte man im Familienalltag auf alle anderen Feste verzichten – aber Weihnachten ist für die meisten heilig“, sagt die Soziologin Michaela Pfadenhauer. Es ist eine Zeit der Ausgelassenheit, ein Fest, bei dem man den Tisch üppig deckt und sich etwas gönnen möchte. Bei dem man mit Besuchen und Geschenken zeigt, dass man sich gegenseitig wertschätzt.
Weihnachten hat außerdem eine strukturierende Rolle: Es unterteilt das Jahr klar und sorgt für einen Fixpunkt, auf den man sich eigentlich stets verlassen kann. Viele Bräuche zur Weihnachtszeit werden seit Jahrhunderten tradiert und weitergelebt.
„Weihnachten überspannt die dunkle Jahreszeit, es ist wie ein Lichtblick“, sagt Pfadenhauer. „Dieses Jahr können wir zumindest von der Erinnerung zehren. Jede Familie, die eine feste Tradition hat, wird sich erzählen, wie schön es wäre, wenn man feiern könnte. Man schwelgt gemeinsam in Erinnerungen.“ Auch das kann verbinden.
Die kollektive Erinnerung an ein Weihnachten 2020 werde, ähnlich wie bei einem Weihnachtsfest zu Kriegszeiten, im Rückblick eine außergewöhnliche Rolle einnehmen. „Man wird später sagen: ,Weiß du noch, das Weihnachten, an dem wir uns nicht gesehen haben?‘“, sagt Pfadenhauer.
Bei allem Übel: Ausfallen muss Weihnachten auch heuer nicht. Doch Kreativität und Flexibilität sind gefragt. Neben Strategien wie der Selbstisolation, inklusive Schnelltests vor dem Fest, weichen viele in das Internet aus. So auch Familie Koren-Steindl. Für die Familie aus Kärnten könnte es das erste Fest zu viert werden. „Unsere zwei Kinder haben selbst vorgeschlagen, dass wir per Videotelefonie mit dem Rest der Familie gemeinsam essen sollen“, erzählt Vera Koren-Steindl.
Ihre Kinder scheinen das Social Distancing schon verinnerlicht zu haben, denn für die achtjährige Tochter und den fünfjährige Sohn ist das Coronavirus mehr als nur eine abstrakte Krankheit. „Das Virus war auch bei uns schon zu Besuch“, sagt Koren-Steindl, die mit ihrem Ehemann, Roman, auf dem Blog „Haus No.6“ regelmäßig aus ihrem Familienalltag erzählt.
Auch die Großeltern der Kinder infizierten sich bereits mit dem Virus. Kann deshalb doch gemeinsam gefeiert werden? „Wir entscheiden das spontan, wir feiern ohnehin immer nur im engsten Kreis. Vielleicht gehen wir dieses Mal auch einfach alle gemeinsam spazieren.“
Es sind gerade Familien mit Kindern, die vor einer großen Herausforderung stehen: Kindern eine Pandemie zu erklären, die selbst Erwachsene überfordert, ist schwierig. Ihnen klarzumachen, warum man zu Weihnachten nicht wie jedes Jahr zu den Großeltern fährt, ebenso. „Wir haben versucht, den Kindern zu erklären, dass man nicht immer alles im Leben planen kann. Aber wir können uns aussuchen, wie wir damit umgehen“, sagt Koren-Steindl. „So werden wir es auch mit Weihnachten handhaben: das Beste daraus machen. Und das verstehen unsere Kinder eigentlich auch.“
Die kleinen Kinder der Familie Koren-Steindl schlugen vor, per Videotelefonie zu feiern.
Die eine oder andere lieb gewonnene Tradition wird heuer wegen der Krise ausfallen müssen. Das Krippenspiel in der Kirche etwa. Und das gemeinsame Sternspritzen am Grab der Uroma. „Ich bin aber gespannt, ob wir dafür etwas finden, was auch in den nächsten Jahren zu einer neuen Tradition werden kann“, so die Kärntnerin.
Die Vorweihnachtszeit biete nun eine Chance: zu überlegen, was Weihnachten für einen selbst eigentlich bedeutet. „Natürlich wird es für viele das Treffen mit der Familie sein. Aber für manche ist es vielleicht auch ein spezielles Essen oder das Funkeln des Christbaums.“ So könne trotz des Social Distancing Weihnachtsstimmung aufkommen. Und manchen Traditionen kann auch die Pandemie nichts anhaben: Die Briefe an das Christkind sind bei Familie Koren-Steindl jedenfalls schon verschickt.
Und: Nicht alles, was heuer ausfallen wird, bedauert Koren-Steindl. „Was vor allem wegfällt, ist das Getriebene“, sagt sie. Und meint die vielen Ausflüge und Besorgungen rund um die Weihnachtszeit. „Die Kinder haben bis jetzt noch nicht gesagt, dass ihnen etwas fehlt. Das zeigt die Zeit nämlich auch: Dass Kinder dann, wenn man glaubt, es wird ihnen langweilig, einfach selbst neue spannende Dinge entdecken. Ich denke, daraus können wir alle viel lernen.“
Während die Kinder der Familie Koren-Steindl mit dem reduzierten Fest kein Problem zu haben scheinen, sehen das die Großeltern der Studentin Lina anders. Die 27-jährige Schweizerin studiert in Wien Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Seit sieben Jahren lebt sie in Österreich, zweimal im Jahr fährt sie üblicherweise nach Hause nach Bern: im Sommer, um zu arbeiten, und zu Weihnachten, um ein großes Familienfest zu feiern.
Heuer wird Lina in Wien bleiben. „Es ist seltsam, das erste Mal nach 27 Jahren nicht mit der Familie zu feiern“, sagt sie. „Ich denke, das wird mich dann am 24. Dezember schon ein bisschen wehmütig stimmen.“
Die Entscheidung, nicht in die Schweiz zu fahren, sorgte in Linas Familie teilweise für Unverständnis. Ihre Großeltern würden es „total doof“ finden, dass sie nicht kommt, erzählt Lina. „Meine Oma ist sehr direkt. Sie hat mir gesagt, dass sie doch nicht wisse, ob sie das nächste Weihnachtsfest noch erleben wird“, sagt Lina. „Das ist hart zu hören. Im ersten Moment dachte ich nur: Mist, wie soll ich mich verhalten?“ Denn sie verstehe ihre Großmutter. „Aber ich habe mich trotzdem dagegen entschieden, auch weil ich nicht schuld sein will, wenn ich dann jemanden anstecken würde.“ Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die das Corona-Weihnachten den Menschen abverlangt.
Soll man ohne die Großeltern feiern, wenn es doch ihr letztes Fest werden könnte?
Eine Entscheidung nimmt es dafür einigen Paaren ab: Wer zuvor überlegen musste, ob mit der Familie oder dem Partner gefeiert wird, der erspart sich dies in diesem Jahr in vielen Fällen. Zwei Drittel werden mit dem Partner vor dem Christbaum stehen, ergab die Studie von Marketagent. Darunter werden zum ersten Mal auch Lina und ihr Freund sein. „Sonst bin ich immer in die Schweiz gefahren, und er ist bei seiner Familie in Wien geblieben“, erzählt sie. Ihr Freund wird heuer ebenso ohne die Familie feiern, weil einige zur Risikogruppe gehören. „Das heißt, nach acht Jahren Beziehung feiern wir endlich gemeinsam Weihnachten. So hat es ja auch etwas Schönes“, sagt Lina.
Sie und ihr Freund werden den Abend aber nicht allein verbringen, sondern mit fünfzehn Freunden aus der Schweiz. Allerdings nur via Videotelefonie. „Wir werden am 24. Dezember eine Zoom-Nacht veranstalten. Alle kochen sogar das Gleiche: Berner Platte, ein traditionelles Schweizer Gericht.“ Weihnachten 2020 findet für Lina also vor dem Bildschirm statt. „Das wird sicher eine seltsame Situation“, sagt die Studentin. „Aber ganz ehrlich: Das sind wir in diesem Jahr schon gewöhnt.“ ⫻
18.12.2020 - Eva Walisch in Die Presse.
https://www.diepresse.com/5910762/
1. Die Hirten besuchen das Jesuskind,
und wen besuchst du?
Der Ochs und der Esel in der Krippe singt,
für wen singst du?
Das Stroh hält das Jesuskindlein warm,
und wen wärmst du?
Maria hält ihr Kind im Arm,
und wen hältst du?
Refrain:
So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
2. Ein Stern leuchtet den Weisen den Weg,
für wen leuchtest du?
ein Engel spricht, dass es jeder versteht,
mit wem sprichst du?
Könige beschenken den Retter der Welt,
und wen beschenkst du?
Josef lacht, weil s ihm gefällt,
mit wem lachst du?
Refrain: So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
So könnt es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden.
Keiner müsste mehr einsam sein,
keiner wär allein.
Lied: So könnt es Weihnachten werden, Text und Musik: Kurt Mikula
https://www.youtube.com/watch?v=U3fg3KCWNm4
... Dieser Jesus verkörpert das unterscheidend Christliche. Alle Weltreligionen kennen einen Gott oder mehrere Götter, die im Himmel oder anderen Sphären wohnen und deshalb unerreichbar sind. Für das Christentum thront Gott nicht unerreichbar im Himmel, er hat vielmehr Interesse an seiner Welt und ist dort gegenwärtig, wo wir Menschen sind. Noch mehr: Er wird Mensch, um unser Leben zu teilen, bis zum Tod am Kreuz, jenem letzten erschütternden Erweis seiner Hingabe und Liebe. Dadurch befreit er uns von der alten religiösen Angst, vor Gott nicht zu genügen und uns deshalb bei ihm beliebt machen zu müssen. Diese Befreiung von der allen anderen Religionen innewohnenden Angst nennen wir - Erlösung. Jesus Christus ist die menschgewordene Liebe des Vaters, er macht leibhaft erfahrbar, wer Gott ist. Durch ihn ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ein für allemal offenbar geworden. Gott ist nicht unnahbar fern, sondern menschlich nah.
Aus: Stefan Jürgens, Ausgeheuchelt. So geht es aufwärts mit der Kirche, Freiburg 2019.
Manchmal in Träumen
manchmal durch Menschen
manchmal in einem Wort
ER hat mit Moses verhandelt
mit Jakob gekämpft
durch Propheten gesprochen
Und heute?
Seine Stimme ist leise
im Lärm erstickt
unhörbar im Wind …
Aber noch immer
spürbar im Herzen.
Ilse Pauls
Herr, sprich dein ewiges Wort in mir,
und lass es mich hören!
Herr, leuchte mit deinem Licht in meine Seele
und lass es mich schauen!
Herr, drücke dein Bild in mich ein
und lass es mich ewig bewahren!
Herr, wirke dein Werk in mir
und lass mich dafür empfänglich sein!
Aus: Jörg Zink; Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages. Bilder und Gedanken zu den Grenzen unseres Lebens Kreuz Verlag Stuttgart 1968.
WORT
WORT Wurzel
QUELLE des Wortes
Woher kommt es, mein Wort?
wo liegt sein Ursprungsort?
im Bauch
im Kopf
im Herzen
Wenn Gedanke und Gefühl im Herzen
sich verbünden
wird das Wort werden
was es sein will
lebensdienlich
Schnellschüsse
können originell sein oder verletzen
das Herz, der Ort
in dem sich das Wort formt,
ehe es respektvoll den Mund verlässt.
Habe ich so viel Zeit ...
Schwanger mit dem
was geboren werden will
Und das Wort ist Fleisch geworden
das WORT
das Gottes Herz verlässt
und sich im Herzen des Menschen
wiederfindet
Das WORT
das SINN macht
und Leben gebiert.
DAS Wort
das zu Liebe befähigt
einzigartig!
WEIHNACHTEN
ZEIT-RAUM
für das WORT
1.
Die Hirten besuchen das Jesukind.
Und wen besuchst du?
Der Ochs und der Esel in der Krippe singt.
Für wen singst du?
Das Stroh hält das Jesuskindlein warm.
Und wen wärmst du?
Maria hält ihr Kind im Arm.
Und wen hältst du?
Refrain:
So könnte es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden
Keiner müsste mehr einsam sein
keiner wär allein.
So könnte es Weihnachten werden,
Weihnachten auf Erden
Keiner müsste mehr einsam sein
keiner wär allein.
2.
Ein Stern leuchtet den Weisen den Weg.
Für wen leuchtest du?
Ein Engel spricht, dass es jeder versteht.
Mit wem sprichst du?
Könige beschenken den Retter der Welt.
Und wen beschenkst du?
Josef lacht, weil's ihm gefällt.
Mit wem lachst du?
Text & Musik. Kurt Mikula.
Hirten hüten ihre Herde und wenden Böses von ihr ab.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die Mitarbeiterinnen unseres Kindergartens,
die Lehrer in der Schule,
die Katecheten der Erstkommunionkinder
Hirten pflegen ihre kranken Tiere und helfen, ihre Wunden heilen.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die Ärzte, Schwestern und Pfleger,
die Mitarbeiter der Sozialstation,
die Mitarbeiter des Roten Kreuzes
Hirten erzählen von ihren Träumen, von ihren Erfahrungen mit der Stille
und ihrem Gott.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Gemeinde,
die Mitglieder des Pfarrgemeinderates,
die Religionslehrer der Kinder
Hirten lieben die Natur, schließen Freundschaft mit Blumen,
nennen Bäume ihre Freunde und sprechen mit Tieren.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Die Bauern und Förster,
die Schützer der Natur und
die Verfechter einer sauberen Umwelt.
Hirten führen ihre Schafe zusammen und gehen dem verlorenen nach.
Wir denken an Menschen, die bei uns Hirte sind:
Eheleute, die um den Partner ringen,
Freunde, die einander nicht verlieren wollen
Menschen, die Frieden stiften und Kompromisse suchen.
Aus: Herbert Jung, Mensch geworden für die Menschen, Freiburg 2001.
Gott sagt uns in der Menschwerdung seines Sohnes nicht nur, wer er ist; er sagt uns auch, wer wir Menschen sind. Auch das ist heute nötig. Denn viele haben die Orientierung verloren. Sie wissen nicht mehr, warum und wozu sie da sind. Sie kommen sich wertlos vor. Im vergangenen Jahrhundert sind Wert und Würde des Menschen oft auf der Strecke geblieben. Mord und Totschlag hat es zwar von Anfang an, seit Kain und Abel, gegeben. Aber hat es jemals zwei so schreckliche Weltkriege, so schlimme Massenvernichtungswaffen, so brutalen, Menschen verachtenden Terrorismus gegeben?
Wie banal wir oft über den Menschen denken zeigt sich daran, dass wir von Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit, Treulosigkeit, Eitelkeit, Lüge und vielem anderen oft einfach sagen: »Das ist menschlich.« Müssten wir nicht umgekehrt sagen: Treue, Anstand, Fairness, Gerechtigkeit und Erbarmen sind die wahre Größe des Menschen und Zeichen einer wahrhaft menschlichen Kultur?
Gott hat durch die Menschwerdung eine eindeutige und endgültige Antwort auf die Frage gegeben: Was ist der Mensch? Die Antwort lautet: Der Mensch, jeder Mensch, ist ein erbarmungswürdiges und zugleich ein liebenswürdiges Wesen. Wir sind erbarmenswürdig, weil wir uns nicht aus eigener Kraft aus unserer Not und unserem Elend befreien können. Wir sind in unserem Elend auf Gottes Erbarmen angewiesen. Unsere Größe ist, dass wir - und zwar jeder Einzelne von uns - für Gott liebenswürdige Wesen sind, so liebenswürdig, dass Gott selbst Mensch geworden ist. Er wollte uns ganz nahe sein. So hat jeder Mensch einen unendlichen Wert, ganz unabhängig davon, ob er Einheimischer oder Fremder, gesund oder krank, alt, behindert ist, unabhängig davon, ob er reich oder arm ist. Jeder ist für Gott liebenswert; jeder ist unendlich wertvoll. Gott wollte Mensch werden, damit wir an seinem göttlichen Leben Anteil haben.
Sind wir uns dieser Würde immer bewusst? Sind wir nach dem Vorbild Gottes barmherzige Menschen, die Erbarmen haben mit den anderen, oder sind wir gleichgültig gegenüber dem Leid anderer? Ist es bei uns im zwischenmenschlichen Bereich nicht recht kalt geworden? Droht die Humantemperatur unserer Welt nicht oft unter den Gefrierpunkt zu fallen? Weihnachten eröffnet uns eine neue Kultur wahrer Menschlichkeit und menschlicher Solidarität.
Gott teilt unser schwaches Menschsein, um uns sein göttliches Leben mitteilen zu können. Wer schon einmal in Betlehem war und dort die Geburtskirche besucht hat, der weiß, dass man sie nur durch ein sehr niedriges Tor betreten kann; man muss sich also bücken, um hineinzukommen. Das scheint mir symbolisch zu sein. Gott selbst hat sich klein gemacht, als er in diese Welt kam. Da dürfen auch wir uns nicht groß machen. Wir müssen uns klein machen, wenn wir zum Kind in der Krippe kommen wollen, und wir müssen uns herunterbücken zu unseren Mitmenschen. Wenn wir niederknien und beten, dann sind wir am größten.
Aus: Walter Kardinal Kasper, Bedenke dein Geheimnis. Meditationen zu Advent und Weihnachten. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015.
Nach 2000 Jahren christlicher Sozialisation geht uns der Satz „Gott ist Mensch geworden" leicht von den Lippen. Schwieriger wird es, wenn wir die heute üblichen Worte für Neugeborene benützen: „Gott ist Baby geworden" oder „Gott ist Säugling geworden". Für das Lukasevangelium war die Geburt Jesu ein natürlicher Vorgang: „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln" (2, 7). So aber sehen die Weihnachtsbilder in unseren Kirchen und Museen und auf den Weihnachtspostkarten nicht aus. Da liegt ein nacktes Kind mit Goldstrahlen auf dem Boden und wird von einer Frau mit langem offenem Haar kniend angebetet.
Es war eine Frau, die sechs Kinder geboren hatte, und die wußte was für eine harte und schmutzige Arbeit Gebären ist: die heilige Birgitta von Schweden, die seit 1370 alle bei uns verbreiteten Bilder von der Anbetung des neugeborenen Jesus angeregt hat. Zuvor, und in der Ostkirche bis heute, wurde Maria dargestellt, wie sie erschöpft von der Geburt auf einem Lager liegt und sich ihrem gewickelten Kind liebevoll zuwendet.
Distanzierte Anbetung statt tätiger Zuwendung - dieser Wandel in der Bildvorstellung hat mit Reinheitsvorstellungen zu tun. Birgitta wollte sich die Jungfrau Maria nicht mit Blut befleckt vorstellen, das göttliche Kind nicht an einer Nabelschnur hängend. Darum beschrieb sie eine Vision, wie Maria allein mit aufgelöstem Haar im Stall von Betlehem betete und plötzlich das Kind vor ihr lag, ganz rein und leuchtend wie die Sonne. In den entsprechenden Bildern wurde Jesus zum Sternenkind, nicht zum Menschensohn.
Darstellungen einer Geburt gibt es in der europäischen Kunst nicht. Sie sind möglich, wie Beispiele der afrikanischen und altamerikanischen Kunst zeigen, aber nicht in einer Bildwelt, die auf die Griechen zurückgeht. Hier war nur die Sorge um das neugeborene Kind und das Nähren an der Brust bildfähig. Die stillende Gottesmutter war ein beliebtes Andachtsbild der frühen niederländischen Kunst. An diese Tradition knüpfte Rembrandt 1635 an. Er zeigt eine Frau in einer einfachen Tracht, die ein dicht eingewickeltes Kind an ihre Brust hält. Das Kind ist satt und schläft ein; sein Mund und die Brust sind von Milch und Spucke verschmiert. Aber das Kind darf noch nicht schlafen, es kann noch nicht in das Korbbett gelegt werden. Es muß erst aufstoßen, sonst wird es die Milch erbrechen. Alle Eltern und Kinderpfleger wissen das. Nach dem Stillen ist ein schwieriger Moment, das Kind will satt einschlafen, soll schlafen, aber erst muß man es noch ein wenig aufrecht halten, den Schlaf verzögern, bis zum befreienden Aufstoßen. In diesem Moment des gespannten Wartens muß es still sein. Darum hat der Mann im Bild, Josef, sein Werkzeug - Bohrer, Sägen, Beil - beiseite gelegt und beugt sich ganz sanft und aufmerksam über das Kind.
Jeder, der mit kleinen Kindern zu tun hatte, kennt diese Situation und erkennt sie im Bild Rembrandts wieder. [Eine alltägliche, menschliche Situation, die in der nebenstehenden Radierung nochmals - anders - dargestellt ist.]
Nichts weist auf die göttliche Natur des Kindes hin: Gott ist Säugling geworden. Er, der allen Vögeln ihre Nahrung gibt, begnügt sich mit ein paar Tropfen Milch, wie der Dichter Sedulius im 5. Jahrhundert schrieb.
Rembrandt hat die Menschwerdung Gottes ernst genommen, wörtlich verstanden. Katholische Weihnachtsbilder sind „göttlicher". Strahlen, Goldglanz und Engel möblieren unsere Krippen zu Vorsälen des Himmels, so als ob Jesus von Nazareth gar nicht wirklich auf der Erde gelebt hätte. Peter Paul Rubens ist in seiner Hirtenanbetung für Neuburg an der Donau 1620 Rembrandt vorausgegangen in seinem Verzicht auf übernatürliche Lichterscheinungen. Sein weiß gewickeltes Kind liegt auf gelbem Stroh, das von einer Laterne so beleuchtet wird, daß es zu glänzen beginnt. Rembrandt zeigt nicht den Stall von Betlehem sondern die Werkstatt in Nazareth, kein Weihnachtsfest, sondern den Alltag einer jungen Arbeiterfamilie mit unendlicher Zärtlichkeit und Geduld.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Von einem hellgelben Strohhaufen heben sich ein blauer Esel und ein roter Ochse ab, daneben ganz in blauem Umriss eine Frau mit einem nackten Kleinkind, am Rand der Futtertrog, die Krippe, als notdürftiger Kinderbettersatz. Die Szene ist in eine rechteckige Form eingepasst, die Andeutung eines Stalls. Ihm fehlt die Vorderwand, er ist offen wie ein Puppenhaus. Giotto di Bondone hat um 1300 die biblische Geschichte in solchen Puppenhäusern ausgemalt. Über dem Stalldach befindet sich auf unserem Bild ein nachtblauer Flimmel mit einem Gestirn. Von rechts schreitet ein nackter roter Mann vor blauem Grund auf das Licht des Stalls zu, von links eine Frau mit einem grünen Tuch um die Hüften, begleitet von einem Reh.
Das Gemälde steht in einem Geflecht von Traditionen: Die Geburt im Stall nach der Erzählung des Lukasevangeliums wird seit 320 mit einer Krippe und Tieren dargestellt. Ausgehend von dem Vergleich Adam und Christus bei Paulus (1 Kor), entwickelten die Kirchenväter seit dem 4. Jahrhundert das Gegensatzpaar Eva und Maria, das bald zu einem Thema von Dichtung, Malerei und Skulptur wurde. Eine künstlerische Tradition wurde bereits genannt, die kirchliche Monumental-Malerei der Toskana um 1300. In Florenz und Siena wurden damals die Grundlagen der europäischen Malerei erarbeitet.
Aber der Maler unseres Bildes, Karl Caspar (1879-1956), wählte andere Farben. Weder nackte Männer noch Ochsen sind rot, Esel sind nicht blau. Seine Farben bilden nicht mehr ab. Damit steht er in der Tradition der Malerei des „Blauen Reiter". Die kleine Münchner Künstlergruppe wollte 1912 damit aufhören, einfach Sichtbares wiederzugeben. Statt dessen wollte sie „sichtbar machen", wie es Paul Klee formulierte.
Dieser Ausstieg aus dem überlieferten Aufgabenkreis der Kunst, nämlich Natur nachzuahmen, wie es seit Aristoteles als selbstverständlich galt, ist das einzige Ereignis von welthistorischer Bedeutung, das je in München stattgefunden hat. Der Aufbruch der modernen Kunst über die Grenzen des Materialismus zum Geistigen - so sagte das Wassilij Kandinski - fiel in die Zeit, als die katholische Kirche den Antimodernisteneid für ihre Priester einführte, um sich auf Dauer in einer defensiven Kräftekonzentration von der modernen Welt abzusetzen. Künstler, die sich der Kirche verpflichtet fühlten, gerieten dadurch in ein Dilemma. Entweder sie verrieten ihre Kunst, um den kirchlichen Auftraggebern zu gefallen, oder sie trennten sich von der Kirche.
Karl Caspar hat sein Leben lang an der Bibel als Quelle seiner Kunst festgehalten. Aber sein Werk entstand seit 1912 außerhalb der Kirchen, verteidigt von mutigen Katholiken wie Konrad Weiß und Carl Muth, aber ohne Chance gegen eine kirchliche Ablehnungsfront. Carl Muth hatte 1898 mit seiner Schrift „Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?” den Inferioritätsstreit ausgelöst, den Streit darüber, ob Katholiken ihrer Umwelt kulturell unterlegen seien. Karl Caspar, der zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes gehörte, wollte eine Kunst auf der Höhe ihrer Zeit. Die Kirche konnte ihm bis lange nach seinem Tod nicht folgen, mit Ausnahme des Weihbischofs Senger von Bamberg, der ein Casparfresko für die Ostapsis des dortigen Doms durchsetzte, das 1928 großen Streit auslöste. Im Münchner Dom wurde noch 1953 ein Entwurf Caspars als zu modern abgelehnt und erst 1976 für die Unterkirche das Passionstriptychon von 1917 erworben.
Sollten sechzig Jahre, zwei Generationen, der Abstand bleiben, mit dem die Kirche den Entwicklungen der modernen Welt hinterherhinkt?
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Gemeingüter sind verlässlich. Das unterscheidet sie von den (Finanz-) Märkten. So wichtig und richtig Forderungen nach staatlicher Regulierung prinzipiell sind – es geht nicht nur um Staat oder Markt. In der gegenwärtigen Neujustierung der Kräfteverhältnisse zwischen den Akteuren muss ein grundsätzlich neues Gleichgewicht zwischen einer lebendigen Bürgergesellschaft, dem Markt und dem Staat erstritten werden. Diese demokratische Dimension wird allzu häufig in den aktuellen Diskussionen vergessen. Ob in den Kämpfen um Wasser, um freie Kultur oder um den Schutz der Atmosphäre – es besteht die Gefahr, dass die Allgemeinheit die Verfügungsrechte über die gesellschaftlichen Reichtümer preisgibt. Das ist der wichtigste Augenöffner des vorliegenden Sammelbandes.
Gemeingüter sind allgegenwärtig. Sie machen einen Gutteil unseres Reichtums aus – auch wenn wir dazu neigen, sie nicht wahrzunehmen. Wo dies nicht passiert, da wächst ermutigend Neues. Menschen kämpfen in ganz unterschiedlichen (Selbst-) Organisationsformen lokal und global für faire Zugangsrechte zu sauberem Trinkwasser, für den Erhalt der Saatgutvielfalt, für freie Software und freien Austausch von wissenschaftlichem Wissen oder für vitale öffentliche Räume.
Das Konzept der Gemeingüter verbindet all diese Auseinandersetzungen, und es bringt die Prinzipien von Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Transparenz und Demokratie mit Innovationsfreundlichkeit zusammen. Die Gemeingüterdebatte transportiert die Idee der ökosozialen Marktwirtschaft in die globalisierte Informations- und Wissensgesellschaft. Sie fragt somit nach erfolgreichen Prinzipien, Organisationsformen und Institutionen des Wirtschaftens – auch jenseits von Markt und Staat. Das ist alltagsrelevant und aufregend.
Barbara Unmüßig in: Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. Netzausgabe.
Wie eine Blume am Winter beginnt
so wie ein Feuer im eisigen Wind,
wie eine Puppe, die keiner mehr mag,
fühl ich mich am manchem Tag.
Dann seh ich die Wolken, die über uns sind,
und höre die Schreie der Vögel im Wind.
Ich singe als Antwort im Dunkel mein Lied
und hoffe, dass nichts geschieht.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch' ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .
Ich weiss, meine Lieder, die ändern nich viel.
Ich bin nur ein Mädchen, das sagt, was es fühlt.
Allein bin ich hilflos, ein Vogel im Wind,
der spürt, dass der Storm beginnt.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menchen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .
Sing mit mir ein kleines Lied,
dass die Welt im Frieden lebt.
http://www.songtexte.com/songtext/nicole/ein-bisschen-frieden-4bf2cb46.html
[HTML] Jesus: "Das Wort". Mit dieser Ausdrucksweise ist zunächst einmal festgehalten, dass bei Jesus sein Wort, sein Reden ein zentrales und charakteristisches Element gewesen ist.
Jesus hat gesprochen, und sein Sprechen war ein Ereignis. Zuhörer haben ihre Betroffenheit einmal so ausgedrückt: "Noch nie hat ein Mensch so gesprochen wie er" (Joh 7,46). Ein anderes Mal sagen die Leute: "Er lehrt, spricht wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten" (Mk 1,22). Das Wort Jesu hatte eine beeindruckende Originalität, und es hatte eine innere Autorität und Kraft.
Dabei ist nicht nur an seine Predigt zu denken an Gruppen von Leuten. Genauso wichtig und mächtig waren die Worte, die Jesus zu Einzelnen persönlich sprach. Dazu gehören z.B. die Nachfolge-Worte. Das waren wirkmächtige Anrufe, die dem Leben der Apostel eine völlig neue Richtung gaben. Oder die heilenden und befreienden Worte. "Öffne dich!", sagt Jesus zu dem Taubstummen, und das Evangelium vermerkt: "da öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge wurde gelöst" (Mk 7,34f).
Solche Ereignisse und Erfahrungen waren mit ein Grund, dass man von Jesus sagen konnte: "Er ist das Wort". Was er sagte, das hat gewirkt. Es hat herausgefordert -man musste Stellung beziehen - und es hat befreit, ermutigt, geheilt.
Deshalb war eines der frühesten schriftlichen Dokumente im Urchristentum eine Sammlung von Jesus-Worten, die sogenannte Spruch- oder Redenquelle.
Einheit von Wort und Leben
Jesus ist das Wort. In dieser Formulierung ist weiterhin zum Ausdruck gebracht, dass bei Jesus Reden und Tun, Reden und Sein eine Einheit bildeten. Darin war seine Autorität letztlich begründet.
Wort und Existenz sind bei ihm nicht auseinandergeklafft. Jesus war selbst drin in dem, was er sagte: Er, mit seiner Überzeugung, mit seiner Hoffnung, seiner Liebe, auch mit der Bereitschaft, sein Wort wahrzumachen durch den Einsatz seines Lebens. Was er z.B. gesagt hat, gepredigt hat über das Erbarmen und die grenzenlose Liebe Gottes, das hat er gesagt im Wissen darum, dass ihm diese Botschaft das Leben kosten kann.
Bei Charles Peguy, einem französischen christlich orientierten Schriftsteller (1873-1914), findet sich der Satz: "Das Wort: der eine zieht es aus der Manteltasche, der andere reißt es aus seinem Fleisch". Das heißt: Der eine sagt etwas, ohne dass es ihn selbst tiefer berührt; bei dem anderen gibt es diesen Abstand nicht. Jesus ist mit seinem Wort eins geworden. Er hat es "aus seinem Fleisch gerissen". Er ist das Wort, das er spricht. Sein Wort ist "Fleisch geworden": in seinem Tun, seinem Leben und Leiden.
Gott zur Sprache gebracht
Jesus: Das WORT. Damit ist schließlich und vor allem gemeint, dass durch Jesus und in Jesus Gott zu Worte gekommen ist: der letzte Ursprung und Grund der Welt und unseres Lebens.
Was Gott seit je den Menschen sagen und mitteilen wollte, das ist in Jesus endgültig hörbar und sichtbar, hat in ihm Gestalt bekommen, ist "Fleisch geworden". Er ist das leibhaftige Wort Gottes, DIE Offenbarung des Vaters (vgl. Hebr 1,1f).
Wenn die Hl. Schrift vom "Worte Gottes" redet, dann ist damit auch gemeint, dass Gott sich uns zuwendet. Verbindung mit uns aufnimmt, Gemeinschaft zwischen sich und uns begründet, einen Bund stiftet. Jesus, das Wort Gottes in Person, das heißt dann: Er ist es, in dem Gott sich in letzter Konsequenz mit uns verbunden hat. Jesus selbst verkörpert die unauflösliche Verbindung zwischen Gott und den Menschen, den Neuen, ewigen Bund.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
Für den Vorabendgottesdienst ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Er zeigt die Verwurzelung Jesu in der ihm vorausgehenden Geschichte (Mt 1,1-25).
In Kirchen aus dem Mittelalter sieht man den Stammbaum Jesu oft bildlich dargestellt: den Baum aus der Wurzel Jesse. Unten, die Wurzel: Jesse oder Isai, der Vater Davids, und dann geht es hinauf in die Äste und Zweige, bis hin zu Maria mit dem Kinde Jesus.
Es gibt Leute, die viel Zeit und Geld investieren in Ahnenforschung. Auch wenn man selbst nicht so weit geht: es ist schon interessant zu sehen, woher man kommt; wer die Vorfahren waren, die uns ihr Erbe hinterlassen haben. Wir kennen sie kaum noch, wenn es über die Großeltern oder die Urgroßeltern hinausgeht. Und doch haben sie alle etwas an uns weitergegeben: nicht nur biologisches Leben; ihr Leben als Ganzes, ihre Person, haben Wirkungen hinterlassen.
Kommen wir zurück zum Stammbaum Jesu! Es ist ein ziemlich trockener, eintöniger Text: ständig Namen, die fremd klingen. Diese kargen Angaben bekämen Farbe und Leben, wenn man die dazu gehörigen Geschichten aus dem Alten Testament läse. Es hat jedenfalls viel zu bedeuten, dass Jesus in eine menschliche Herkunftslinie hineingestellt wird.
Leben mit positiven und negativen Vorgaben
Jesus, der wie kein anderer Mensch, von Gott her zu uns gekommen ist, ist gleichzeitig tief verwurzelt in der vorausgehenden Geschichte Israels und der ganzen Menschheit. Im Lukasevangelium wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt (Lk 3,23-38).
Christus ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen, quer zu allen Verbindungslinien und Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Er steht im Zusammenhang einer langen Vorgeschichte. Es war bei Jesus wie bei uns allen. Wir sind Nachkommen und Erben. Und das prägt uns: helfend und gefährdend.
Jesus konnte auf guten Grundlagen aufbauen. Er konnte in die Spur einer großen religiösen Tradition eintreten. Er konnte anknüpfen an lang erprobte und bewährte Formen der Frömmigkeit und der ethischen Lebensführung. Sein Beten war vorbereitet und getragen durch die Gebetserfahrung und -sprache seines jüdischen Volkes. Man denke an die Psalmen! Bedeutende religiöse Persönlichkeiten konnten ihm Anreger und Vorbild sein: Abraham, Mose, die Propheten.
Diese positiven Vorgaben wurden Jesus näherhin und zunächst durch seine Familie vermittelt: durch Maria und Josef. Durch diese Beiden ist dem menschlichen Bewusstsein Jesu auch sein himmlischer Vater in den Blick gekommen.
Jesus musste aber auch mit negativen Einflüssen fertig werden, mit Hypotheken, die sich unter seinen Vorfahren angesammelt hatten; die ihm zur Versuchung werden konnten.
In der Geschichte Israels gab es auch Abwege und Irrwege, Spuren ins Unheil. Von manchen der Männer, die im Stammbaum genannt werden, berichten die Bücher des Alten Testaments, dass sie gegen die Bundesordnung Gottes handelten und das Volk in eine falsche Richtung mitrissen. Das wird öfter von Königen Israels gesagt. Es gab Ungerechtigkeiten und Verbrechen; falsche Vorstellungen von dem, was zum Heile dient; Verehrung von "Götzen".
Mit solchen negativen Einflüssen musste sich Jesus auseinandersetzen, um seinen Weg zu gehen und dem Auftrag des Vaters zu entsprechen.
Ähnliches gilt auch von uns. Unsere Vorgeschichte wird positive Impulse enthalten; Hilfen, Ermutigung; zum Guten lockende Gestalten. Aber es gibt wahrscheinlich auch erschwerende oder gefährliche Elemente, zumindest, wenn man auch an die Geschichte des Volkes denkt, zu dem wir gehören. Es kommt darauf an, der Lichtspur in unserer Geschichte zu folgen.
Grenzen, die kein Unheil sind
Der Stammbaum Jesu zeigt, dass zum menschlichen Leben Jesu konstitutive Begrenzungen gehörten; Grenzen, die trotzdem seinen Raum und Zeit umspannenden Einfluss nicht gemindert haben.
Jesus wurde in eine ganz bestimmte Menschheitslinie hineingeboren, in ein ganz bestimmtes Volk. Er war Jude; die Christen haben das oft vergessen. Er hat nicht alle Sprachen gesprochen und verstanden. Er ist in vielen Punkten "Kind seiner Zeit" gewesen.
In den Grenzen seines Lebens hat Jesus aber eine universale Ausstrahlung entfaltet. Er hat als Person und mit seiner Botschaft Menschen aller Völker ansprechen können. Die neutestamentliche Bibel, die seine Geschichte und seine Worte weitergibt, ist in alle Sprachen übersetzt; sie ist wohl das am meisten verbreitete Buch überhaupt geworden. Jesus hat die menschlichen Grunderfahrungen miterlebt - den Weg vom Kindsein bis zum Tode; er war mit den elementaren Situationen der Menschen vertraut. Deshalb kann er allen nahe kommen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Interview, das der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer (1904-1991) gegeben hat. Er sprach davon, dass öfter junge Leute, Studenten, zu ihm kommen und fragen, wie sie es machen sollten, um es zu einem guten Schriftsteller zu bringen. Singer meinte, er sage ihnen, dass sie sich nicht mit Gewalt und nicht zu weit weg von ihrem menschlichen Wurzelboden entfernen sollten. Möglichst Kontakt halten zu den eigenen Ursprüngen ("stay with it" -"bleib dran"!). Singer selbst hat den Nobelpreis in Literatur 1978 für Werke erhalten, die er zunächst in seiner Muttersprache, in Jiddisch, verfasst hatte, in einem (leider) nur noch von Wenigen gesprochenen Dialekt des Ostjudentums. Aber in dieser an sich begrenzten Ausdrucksform war er er selbst, konnte er Originelles und weltweit Bedeutendes schaffen.
Stammbaum Jesu Christi: Jesus eingesenkt in das Wurzelgeflecht der Menschheit! So ist er der Erlöser geworden. Aus dem Inneren der Menschheitsgeschichte her hat er uns einen Weg gebahnt: den Weg zu Gott, dem Vater, und den Weg zu den Mitmenschen. Auf diesen Weg können wir uns mitnehmen lassen.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
In die biblischen Texte, die über das Weihnachtsmysterium sprechen, sind große Worte wie Freude und Friede eingewoben. Sie bezeichnen etwas, was jeder Mensch und jede menschliche Gemeinschaft dringend braucht, gleichviel ob sie es wissen und wollen oder nicht.
"Frieden - du großes Augenlid - das alle Unruhe verschließt - mit deinem himmlischen Wimpernkranz - Du leiseste aller Geburten". Mit diesen Zeilen endet ein Gedicht von Nelly Sachs, einer der größten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, der auch der Nobelpreis für Literatur verliehen worden ist. Dieses Gedicht, ich halte es für das schönste, das Nelly Sachs verfasst hat, hat viel mit Weihnachten zu tun. Es beginnt mit den Worten "Einer wird den Ball aus der Hand der furchtbar Spielenden nehmen." Dieser Eine ist offenbar eine Messiasgestalt. Die Schriften des Alten Testaments reden mit vielen einander ergänzenden Worten und Bildern vom Messias, den das Volk des Alten Bundes erwartet hat und heute noch erwartet. Er wird vor allem als Friedenskönig vorgestellt und Isaias redet auf bewegende Weise von seiner Geburt als Aufgang eines großen Lichtes:
Das Volk, das in Finsternis wandelt, erschaut ein gewaltiges Licht. Über den Bewohnern eines finsteren Landes strahlt ein Lichtglanz hell auf.
Reichen Jubel schenkst du, schaffst große Freude. Man freut sich vor dir, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt beim Teilen der Beute.
Denn das Joch seiner Last, den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Zwingherren zerbrichst du wie am Tage von Midian.
Ja, jeder Soldatenstiefel, der polternd einherstampft, jeder Mantel, im Blute geschleift, wird verbrannt und im Feuer verzehrt!
Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wird uns geschenkt, auf dessen Schulter die Herrschaft ruht. Man nennt ihn: Wunderrat, Gottheld, Ewigvater, Friedensfürst.
Groß ist die Herrschaft, und der Friede ist endlos auf Davids Thron und in seinem Reich; er errichtet und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies vollbringen!
Dieser Isaiastext ist eine von den großen Friedensbotschaften der Bibel. Sie wird fortgesetzt durch die Weihnachtsevangelien des Neuen Testaments.
Diese biblische Botschaft vom Frieden ist jederzeit zugleich schwach und stark. Sie wird auch am diesjährigen Weihnachtsfest in eine Welt hineingesprochen, die geprägt ist durch große Konflikte, in Gestalt von Terror und Krieg, durch Elend in großen Teilen Afrikas und Lateinamerikas und durch friedensgefährdende weil auf Unrecht basierende Politik. Zu diesem Unfrieden in der großen Welt kommt der Unfriede in vielen kleineren Gemeinschaften und im Herzen vieler Menschen, die unversöhnt sind mit anderen und mit sich selbst, und in all dem und über all das hinaus unversöhnt mit Gott.
"Einer wird kommen und den Ball aus der Hand der furchtbar Spielenden nehmen", sagt das scheinbar wehrlose Gedicht von Nelly Sachs angesichts dieser vielgestaltigen Friedlosigkeit. Der Ball, von dem hier gesprochen wird, ist unsere Erde, unsere Menschenwelt. Die sehr Mächtigen können mit ihr spielen und sie haben es im 20. Jahrhundert oft getan. Das Kind von Bethlehem hat als Mann von Nazareth und als gekreuzigter und auferstandener Christus diese gefährlich Spielenden nicht entwaffnet. Sie spielen immer noch und werden weiterspielen. Das Kind von Bethlehem hat aber als Mann von Nazareth die Herz und Mund öffnende Bergpredigt verkündet, eine Friedensbotschaft, die zugleich schwach und stark ist, wie ein Kind. Jedes Kind ist schwach, weil wehrlos. Und zugleich ist ein solches Kind stark durch seine Liebenswürdigkeit, durch seinen Charme. Wie ein Sauerteig wirkt daher der Friede Christi inmitten der Menschheit und ihrer Geschichte; sanft und meistens leise, aber nicht wirkungslos. Und manchmal stehen Friedensboten im Namen Christi auch auf und reden mit prophetischer Schelte laut, dröhnend gegen das vielgestaltige Unrecht, das Böse. Öfter gilt freilich das Isaiaswort über den Frieden stiftenden Knecht Gottes als einen, dessen Stimme man auf den Gassen und heute in vielen Massenmedien nicht hören kann. Aber seine Stimme ist da, sie ist da im Gewissen vieler, freilich im Ganzen viel zu weniger Menschen. Und sie führt auch zur Tat. Sie weist Wege, sie heilt und sie baut Brücken von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Gott.
Das Evangelium der dritten Weihnachtsmesse, das wir vorhin gehört haben, redet von Christus als dem im Kind von Bethlehem in Welt und Geschichte eingetretenen ewigen Wort und Sohn Gottes, als Licht der Welt. Viele verweigern sich auch heute diesem Licht. Viele führen Krieg gegen dieses Licht. Aber, sagt das Evangelium- der Johannesprolog-, das Licht war schließlich stärker. Der Saldo der Weltgeschichte wird ein positiver sein.
Dieses Licht, liebe hier versammelte Christen, Brüder und Schwestern will auch in uns und durch uns und leuchten. Wo dies geschieht, da mehren sich der Friede und die Freude. Beides wünschen wir einander für heute und für alle Tage des kommenden Jahres.
Egon Kapellari auf: www.dekanat.at
Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind; unsere tiefste Angst ist, daß wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: "Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?" Wer bist du denn, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewußt anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.
Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994.
Ein Wort, ein Satz -: aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen,
und alles ballt sich zu ihm hin.
Ein Wort - ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich -
und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.
Gottfried Benn, Ein Wort.
Komm, du Heiland aller Welt;
Sohn der Jungfrau, macht dich kund.
Darob staune, was da lebt:
Also will Gott werden Mensch.
Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.
Wie die Sonne sich erhebt
Und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt,
wesenhaft ganz Gott und Mensch.
Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.
Gott dem Vater Ehr und Preis
Und dem Sohne Jesus Christ;
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
Jetzt und ewig. Amen.
(Der Hymnus "Veni redemptor gentium” wurde im 4. Jh. vom Kirchenvater Ambrosius in Mailand gedichtet. Die hier vorgelegte Übersetzung ins Deut sche stammt von Markus Jenny 1971.) Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.
Er ist einfach da -
das ist alles,
was er tut und kann.
Aber indem er da ist,
ohnmächtig und strahlend,
ist eben Gott selber da.
Gott ist da für uns.
Und was sagt dieses Dasein Gottes
im Kind von Bethlehem?
Es sagt mir,
es sagt dir,
es sagt jedem Menschen:
Gut, dass du da bist.
Hemmerle, Klaus; Gottes Zeit - unsere Zeit, Gedanken für jeden Tag In dieser Zeit Gebet; München, Neue Stadt, 1994.
Der Himmel hat sich aufgetan,
vom Sternenzelt herab steigt Gottes Sohn.
Der Glanz der Ewigkeit
fällt ins Erdendunkel,
legt sich in Menschenarme.
Das Licht kommt in die Finsternis,
erhellt die Menscheneltern,
will geborgen werden und bewahrt sein,
damit es allen leuchte,
die in diese Welt kommen.
Die Sterne tanzen vor Freude.
Nun gibt es keine Distanz mehr.
Nicht mehr oben, in den Lichtern des Himmels,
werden die Menschen
Licht und Erlösung suchen müssen,
nicht mehr nach oben schauen,
weil unter ihnen das Heil erschienen ist:
JESUS CHRISTUS.
Gott schaut uns an
durch die Augen eines Kindes.
Auch heute willst du
neu geboren werden in unsere Herzen,
damit dein Glanz uns hell und heil macht;
damit wir etwas von deinem Licht
zu den Menschen bringen können,
zu denen, die sich selbst
nur eigene Lichter aufsetzen,
die verlöschen werden.
Doch mit dir
ist die Sonne unseres Heiles aufgegangen,
und diese Sonne
kennt keinen Untergang.
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (P. Karlheinz May, Redemptoristenkloster Kölnstraße 415, D-53117 Bonn).
und plötzlich, GOTT,
bist du wieder da...
seit langem habe ich ihn nicht mehr gehört,
den »soundtrack« meiner Geschichte mit
DIR -
unser Lied!
Philippa Kalkbrenner in : Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.
Surfe mit mir
durch die
unendlichen Weiten
meines Lebens.
Hilf mir,
meinen Joystick
so zu halten,
dass mein Lebensspiel
gelingt.
Peter Schott in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.
Gott erträgt das Elend der Menschen nicht, er ist ganz persönlich betroffen, leidet am Leiden der Menschen und - steigt in es hinein, um Freiheit und Leben zu schaffen. Er nimmt dafür Mose in seinen Dienst; Mose wird zum Werkzeug, in dem Gott selbst handelt und wirkt; er soll ganz und gar durchlässig werden, damit Gott seine befreiende Gegenwart zur Geltung bringen kann; Mose spürt in sich eine neue, vorher nie gekannte Mächtigkeit, göttliche Kraft, die ihn drängt und leitet, das Volk Israel einer besseren Zukunft entgegenzuführen.
Besonders betont sei hier das Motiv des Herabsteigens. Gott verlässt seinen Thron, entäußert sich in die Geschichte hinein, ist ein demütiger Gott, der sich mit dem Elend und der Erniedrigung der Menschen verbindet - und zwar so sehr, dass Gott zur revolutionären, geschichtsverändernden Kraft wird.
Besonders dieses Motiv des Herabsteigens Gottes wird nun in der Geschichte vom Kind in der Krippe noch deutlicher.
Tatsächlich ist Weihnachten alles andere als eine Idylle. Der Stall, Ochs und Esel, die Verweigerung der Herberge in der Stadt, HERODES und der Kindermord und vieles noch sind sprachliche Signale für Elend und Not, in die hinein das Kind von Betlehem geboren ist bzw. in die hinein Gott heruntersteigt, »heruntergekommen ist«, ähnlich wie man auch von einem angesehenen reichen Mann, wenn er alles verliert, sagt, er sei heruntergekommen. Der arme, ohnmächtige Gott!
Aus: Anton Rotzetter, Wo auf Erden der Himmel beginnt. Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.
Wir schauen zunächst auf den Herrn, wie er der Zeit untertan wird. Welch ein Unterfangen, sich mit dem göttlichen Leben in eine bestimmte Zeit und in eine bestimmte Familie hineinzuwagen: Erscheinung Gottes im Fleisch!
Wir leiden oft unter unserer Situation, die durch die vorhergehende Geschichte und ihre Faktoren bestimmt ist. Oft sind wir ein Spielball der Politik, bekommen sie und ihre Folgen zu spüren, schauen mit Furcht in die Zukunft, fragen, wie unter solchen Bedingungen unser Leben, so wie wir es von uns aus planen, möglich sein soll. Geängstigt und mißtrauisch gegen das Leben und sein Daseinsfeld fragen wir uns immer wieder, ob uns die Wirklichkeit das Material bietet, das wir zur Gestaltung unseres Lebens brauchen. In diese verstellte Wirklichkeit hat sich der Logos Gottes hineingewagt, um ein lästiger Vertriebener, Angehöriger einer herabgekommenen Familie, Eingeborener eines versklavten Landes zu werden. Er wird in Armut geboren, im Stall, weil Maria und Josef in der Herberge nicht aufgenommen werden, so daß Paulus von seiner Ekstase der Armut sagen kann: "Um euretwillen ist er arm geworden, da er doch reich war. . .” (2 Kor 8, 9). Aber auch diese Armut ist nichts Außergewöhnliches, sie fällt gar nicht auf. Was Maria und Josef in Bethlehem erleben mußten, war für sie wahrscheinlich gar nicht erschütternd. Sie haben es eher als das selbstverständliche Los kleiner Leute angenommen. Immerhin scheint eine Geburt in so armseligen und durchschnittlichen Verhältnissen, wenigstens nach unserem Geschmack, kaum geeignet als Anfang eines großartigen Lebens. Die ganze Umgebung, in die Jesus hineingeboren wird, mutet eng an, ist sehr gewöhnlich, erstickend alltäglich, weder radikal arm noch so, daß damit ein großzügiges Leben entworfen werden könnte. Es ist auch eine Geburt in die Unbekanntheit: sie passiert irgendwo nebenher, die Menschen von damals haben sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ein paar klägliche Hirten finden sie als ziemlich verklärtes Ereignis; die Weltgeschichte nimmt keine Notiz von ihr.
Aber auch das Geborenwerden an sich besagt schon Enge. Geborenwerden heißt, ungefragt ins Dasein gesetzt zu werden. Das Grundwissen vom ungefragten Gerufensein, die wissend zu sich selbst kommende Kontingenz gehören zum Dasein des endlich Geistigen. Der Anfangspunkt unseres Lebens, der dieses eine Leben in eine Ewigkeit bestimmt, so daß wir nie ganz davon wegkommen können, ist unweigerlich von einem anderen verfügt. Die Annahme dieses ersten Uneinholbaren gehört zu den Grundvollzügen des menschlichen und erst recht des christlichen Daseins.
Das menschliche Dasein des Logos konnte auch kein anderes Los als das aller Geschöpflichkeit haben: es steht ganz und restlos in der Verfügung des Schöpfer-Gottes. Auch Jesus mußte anfangen. Wir können uns die Herrlichkeit dieses uns geschenkten Kindes noch so großartig vorstellen - seine Geburt selbst mußte jedenfalls schon Abstieg in die Enge bedeuten. Da hat er wahrhaft und echt unsere Geschichte angenommen. Wie wir das mit Vorzügen, die ihm die Theologie mit Recht zuschreibt, vereinigen können und müssen, ist eine andere Frage. Hier sollen wir merken, daß er gleich wie wir alle in die Welt gekommen ist, um mit uneinholbar Vorgegebenem, im Grunde mit dem Sterben zu beginnen. Nach Ignatius von Loyola [Exerzitien, Nr. 116] soll der Exerzitant [in den vierzigtägigen Exerzitien] "schauen und erwägen, was (Maria und Josef und andere) tun.. . dazu hin, dass der Herr... geboren werde und am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, von Schmähungen und Anwürfen am Kreuze sterbe, und das alles für mich”, Nach Ignatius soll man das Leben des Herrn ohne Pseudoverklärung an-sehen, ohne romantische Phrasen und ohne verharmlosenden Humanismus. Man soll bei der Betrachtung seiner Geburt betroffen feststellen: da, wo er geboren wird, beginnt der menschgewordene Logos mit seinem Todesgang, und alle die Dinge, die durch die Geschichte seiner Geburt hervorgehoben werden, künden schon das Ende in der restlosen Armut und Ohnmacht im Tode an.
Karl Rahner in: Karl Rahner Lesebuch, hrsg. Von Karl Kardinal Lehmann und Alaber Raffelt. Herder Freiburg Basel Wien 1982/2004.
Du -
keine der Antworten,
die wir uns selbst geben könnten,
Du
keine der Erfindungen,
auf die wir noch kommen müssten.
Du -
keiner der Wege,
in die der Fortschritt mündet.
Du -
keine der Befreiungen,
die wir uns eigenhändig verschaffen könnten.
Du Kind,
das der Vater uns erfunden hat
als Antwort, als Weg,
als Befreiung.
Bernhard Meuser in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.

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Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die Lesungsperikope ist dem dritten Teil des Jesajabuches entnommen. Dieser ist unmittelbar nach der babylonischen Gefangenschaft etwa um das Jahr 520 entstanden und versucht, die neu errungene Freiheit und Eigenständigkeit theologisch zu deuten: Gott hat sich seinem Volk wieder zugewandt.
Die Aufbruchstimmung ist eng mit dem Wiederaufbau des Tempels und Jerusalems verknüpft. Die Heimkehr des Volkes wird wie die Rückkehr eines siegreichen Heeres gefeiert, das durch die Führung Gottes einen Sieg errungen hat. Alt und vom ersten und zweiten Teil des Jesajabuches her bekannt ist das Motiv des bedingungslosen Vertrauens in den Beistand Jahwes. Hinzu kommt eine universalistische Denkweise, die das Heil aller Völker in den Blick nimmt, während es in früheren Epochen ausschließlich um das Heil des auserwählten Volkes ging.
Die Namen des Gottesvolkes sind das Programm, das es nun zu erfüllen gilt: "das heilige Volk", "die Erlösten des Herrn" und "die begehrte, die nicht mehr verlassene Stadt" bezeichnen ein Naheverhältnis zu Gott, das einerseits sichtbar und spürbar geworden ist, andererseits im Leben des Volkes verwirklicht werden soll.
In prophetischen Schriften werden häufig Städte als Frauen angesprochen. "Die Stadt" ist auch im westsemitischen Kulturkreis grammatikalisch weiblich. Dahinter steht eine alte Vorstellung von Stadtgöttinnen: Städte bieten Schutz und Geborgenheit, sie ernähren ihre Bewohner, darum wurden ihnen weibliche Gottheiten zugeordnet, Israel übernimmt zwar die Metapher, aber nicht die dahinterstehende Göttinnenvorstellung. Sowohl fremde Städte als auch Zion, Jerusalem, werden als Töchter bezeichnet.
Schon in Kapitel 1 ist die Tochter Zion die Verlassene, weil sie Gott untreu geworden und von ihm abgefallen ist. In Kapitel 2 wird sie als Dirne bezeichnet, weil ihr Fürsten eine Bande von Dieben ist und keine Gerechtigkeit mehr herrscht, trotzdem wird auch hier schon gesagt, daß Gott Zion retten wird, daß er sie nicht in diesem Zustand des Unrechts läßt.
Jerusalem wird dargestellt als kinderlose, unfruchtbare, verlassene und verstoßene Frau ( 49,21; 54,1-6) Gott selbst wird wieder gutmachen, was sich die Stadt durch ihr Verhalten zugezogen hat. Die "Kinder" der Stadt werden zurückgebracht, die Ehre und Versorgung einer israelitischen Frau. Im Orient hatte der Mann das Recht, seine Frau zu verstoßen und sie kinderlos und unversorgt zu verlassen. Zion hatte sich die Verstoßung durch ihre Untreue verdient.
Die Kapitel 49 und 62 zeigen Gott als den einsichtigen Ehemann, der das volle Ausmaß der Not und der Hilflosigkeit der verlassenen und unversorgten Frau erkennt und sie wieder zu seiner Braut macht.
Zion ist für Gott keine ebenbürtige Partnerin, sie ist keine Stadtgöttin, sondern sie ist das, was Gott ihr schenkt. Ihr Heil kommt von Gott, alle Ehrentitel, die ihr gegeben werden, kommen ihr nicht aus eigenem zu, sondern durch das Handeln Gottes.
Im Bild des Bräutigams/Ehemanns legt der Prophet wert auf die verständnisvollen, barmherzigen Züge Gottes. Neben den vielen anderen Bildern, die er für Gott verwendet, kann dieser unkonventionelle Mann gut stehen bleiben.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive