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Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen.
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt
und der Garten seine Saat sprießen lässt,
so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen
und Ruhm vor allen Nationen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen
und den Gefesselten Befreiung,
um ein Gnadenjahr des HERRN auszurufen,
einen Tag der Vergeltung für unseren Gott,
um alle Trauernden zu trösten,
den Trauernden Zions Schmuck zu geben
anstelle von Asche,
Freudenöl statt Trauer,
ein Gewand des Ruhms
statt eines verzagten Geistes.
Man wird sie Eichen der Gerechtigkeit nennen,
Pflanzung des HERRN zum herrlichen Glanz.
Dann bauen sie die uralten Trümmerstätten wieder auf
und richten die Ruinen der Vorfahren wieder her.
Die verödeten Städte erbauen sie neu,
die Ruinen vergangener Generationen.
Fremde stehen bereit und weiden eure Herden,
Ausländer sind eure Bauern und Winzer.
Ihr aber werdet Priester des HERRN genannt,
Diener unseres Gottes sagt man zu euch.
Den Reichtum der Nationen werdet ihr genießen
und euch mit ihrer Herrlichkeit brüsten.
Anstelle ihrer doppelten Schande
und des Frohlockens über die ihnen zuteilgewordene Schmach
werden sie in ihrem Land das Doppelte besitzen,
ewige Freude wird ihnen zuteil.
Denn ich, der HERR, liebe das Recht,
ich hasse Raub und Unrecht.
Ich zahle ihnen den Lohn in Treue aus
und schließe einen ewigen Bund mit ihnen.
Ihre Nachkommen werden unter den Nationen bekannt sein
und ihre Sprösslinge inmitten der Völker.
Jeder, der sie sieht, wird sie erkennen:
Das sind die Nachkommen, die der HERR gesegnet hat.
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt
und der Garten seine Saat sprießen lässt,
so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen
und Ruhm vor allen Nationen.
Kv: Meine Seele soll jubeln über Gott, meinen Retter. – Kv
Meine Seele preist die Größe des Herrn *
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. *
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. – Kv
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan *
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *
über alle, die ihn fürchten. – Kv
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *
und denkt an sein Erbarmen. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder!
Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlass!
Dankt für alles;
denn das ist der Wille Gottes für euch
in Christus Jesus.
Löscht den Geist nicht aus!
Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
und bewahre euren Geist,
eure Seele und euren Leib unversehrt,
damit ihr ohne Tadel seid
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der euch beruft, ist treu;
er wird es tun.
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Und dies ist das Zeugnis des Johannes,
als die Juden
von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten
mit der Frage: Wer bist du?
Er bekannte und leugnete nicht;
er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Sie fragten ihn: Was dann?
Bist du Elija?
Und er sagte: Ich bin es nicht.
Bist du der Prophet?
Er antwortete: Nein.
Da sagten sie zu ihm: Wer bist du?
Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.
Was sagst du über dich selbst?
Er sagte:
Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.
Sie fragten Johannes und sagten zu ihm:
Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist,
nicht Elija und nicht der Prophet?
Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser.
Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt,
der nach mir kommt;
ich bin nicht würdig,
ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Dies geschah in Betanien,
jenseits des Jordan,
wo Johannes taufte.
Unser Text vereinigt zwei nicht unmittelbar zusammenhängende Stellen aus dem ersten Kapitel des Johannesevangeliums (Joh 1,6-8 und Joh 1,19-28). Es geht uns zunächst einmal um die zweite Stelle, in der in szenischer Schilderung vom Zeugnis Johannes des Täufers über Jesus gegenüber der Jerusalemer Obrigkeit erzählt wird. Die innere Dynamik dieser Verse besteht in einem sukzessiven Aufmerksammachen auf Jesus durch Johannes unter beständiger Zurücknahme seiner eigenen Persönlichkeit: Ist am Beginn noch die Identität des Täufers von Interesse, so geht es am Ende um die Identität des angekündigten Herrn. Er ist der geheimnisvoll Anwesende, nicht Erkannte, der Kommende.
Dennoch: Die Rolle Johannes' ist eine unverzichtbare. Er ist der charismatische Zeuge und damit Urbild jeder christlichen Verkündigung. "Zeugnis" ist ein Leitwort im Johannesevangelium. Es bezweckt immer den Glauben der Angesprochenen. Später wird Jesus selber Zeugnis ablegen, schließlich auch der Geist, bzw. von ihm geleitet, die Jünger.
Das Wort "Zeugnis" bildet auch die Klammer zur vorangehenden Stelle, die aus dem kunstvollen Prolog des Johannesevangeliums entnommen ist. Es soll gewissermaßen durch einen Vorspann deutlich gemacht werden, daß es um sich offenbarende göttliche Wirklichkeit ("Licht") geht und deshalb Gott auch zum Zeugnis beruft.
Johannes der Täufer ist gleichsam das Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament und steht an der Schwelle zum Neuen Bund. Er ist sowohl letzter Prophet des Alten Testaments, als auch direkter Wegbereiter, bzw. "Ankündiger" Jesu.
Für sich selbst lehnt er den Anspruch, der Messias, Elias oder ein Prophet zu sein, ab. An sich selbst liegt ihm scheinbar nichts. Er versteht sich vielmehr als den fast sprichwörtlichen "Rufer in der Wüste", der auf einen Anderen, einen noch Kommenden hinweist. Dieser ist bereits unter uns, und er wird nicht mit Wasser, sondern mit Geist taufen.
Indem der Autor des Evangeliums zu Beginn der heutigen Evangelienstelle den Prolog seines Evangeliums zitiert, ist es eindeutig, dass mit dem "nach Johannes Kommenden" Jesus Christus gemeint ist.
Die Aufforderung "gaudete" am 3. Adventsonntag weist uns auf das kommende Weihnachtsfest hin. Es beinhaltet jedoch mehr als etwas Vorfreude. Die Freude, die Paulus den Christen in Thessaloniki wünscht, ist Grundstimmung gläubiger Menschen.
Weihnachtsfreude hat viele Quellen: Die Freude über die Geburt des Göttlichen Kindes steht natürlich im Mittelpunkt. Aber es gibt immer weniger Leute, die daran glauben. Eine weit über gläubige Menschen hinaus verbreitete Quelle der Weihnachtsfreude sind die Geschenke und die damit verbundene Anerkennung. Eltern freuen sich, wenn zu Weihnachten oder in den darauffolgenden Tagen die Kinder mit ihren Familien und Partnern nach Hause kommen. Ein starker Motor der Weihnachtsfreude sind auch das Weihnachtsgeschäft und klingende Kassen. Betriebe laden ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu Weihnachtsfeiern und danken für deren Mitarbeit und Firmentreue. Nicht zu vergessen sind die Weihnachtsferien und die freien Tage, die man gut für einen Winterurlaub nützen kann.
Die Lesungen des dritten Adventsonntags stehen ganz unter dem Thema "Freude". Von da her hat dieser Sonntag den lateinischen Namen Gaudete, "Freut euch!" bekommen. Sieht man die Texte genauer an, haben sie gar nicht direkt mit dem Weihnachtsfest zu tun. Nur Johannes der Täufer weist auf den erwarteten Messias hin. Dem Evangelisten geht es in diesem Text vor allem um die Frage, wer ist dieser Prediger, zu dem Scharen von Leuten an den Jordan pilgern. Wie versteht er sich selbst? Im Anklang an den Propheten Jesaja bezeichnet er sich als Stimme eines Rufers in der Wüste, der die Menschen zur Umkehr auffordert. Alle anderen Zuschreibungen weist er von sich und verweist auf einen, der nach ihm kommt und der größer ist als er.
Die freudige Grundstimmung, die in der ersten Lesung herrscht, ist schon viel älter als die Evangelien. Der Prophet Jesaja kündigt eine neue Zeit und das Ende der Vertreibung des Volkes Israel aus Palästina und einen Neuanfang an. Diese Freude erwächst aus dem Vertrauen auf Gott, der sein Volk nicht im Stich lässt. Sie weckt in gläubigen Menschen eine positive freudige Grundstimmung. Ein mittelalterliches Gedicht bringt dies in ähnlicher Weise zum Ausdruck:
Ich bin und weiß nicht wer.
Ich komm' und weiß nicht woher.
Ich geh', ich weiß nicht wohin.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!
Der deutsche Schriftsteller, Kabarettist, Liedermacher und Schauspieler Hanns Dieter Hüsch (1925-2005) hat eine Nachdichtung des Psalms 126 verfasst, die von ebendiesem Gottvertrauen getragen ist:
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
im meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Die Christen des ersten Jahrhunderts hatten wenig zu lachen. Paulus fordert dennoch die Gemeinde in Thessaloniki auf, sich jederzeit zu freuen. Mit jederzeit meint er wohl angenehme wie auch schwere Zeiten. Wenn sie den Geist nicht auslöschen und sich um ein aufrichtiges christliches Leben bemühen, wird diese gläubige Grundstimmung sie tragen.
Das ist auch für uns heute ein gutes Programm. Es führt uns zu echter, tiefer Weihnachtsfreude hin, bereitet uns auf das Fest vor und reicht weit über die vielen Weihnachtsfreuden hinaus. Das tut gut in unserer krisengeschüttelten Zeit.
Die Liturgie des dritten Adventsonntags wird eröffnet mit der Aufforderung: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!" Doch wie kommt echte Weihnachtsfreude auf? Der Prophet Jesaja kündigt eine neue Zeit an, die Gott anbrechen lässt. Johannes der Täufer knüpft mit seiner Predigt an diese Verheißung an.
Heute hören wir wirklich „Frohe Botschaft“, das ist mehr als nur „Gute Nachricht“. Gaudete, unser wienerischer Ausdruck „Gaudi“ steckt dahinter, klingt oberflächlich und ist es auch. Der griechische Begriff für Freude ist Χαρά. Das ist ein Grund, warum wir eucharistikon, also Danksagung feiern. Diese Freude der Verkündigung muss im Heiligen Geist geschehen. Der Heilige Geist spielt daher eine wesentliche Rolle, und Jesus selbst ist dieser Verkünder der „Frohen Botschaft.“ Das feiern wir zu Weihnachten mit der Feststellung aus dem Johannesevangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. Deshalb dürfen wir auch singen: „Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr, schon ist nahe der Herr.“
Unser Jahresbegleiter ist der Evangelist Markus, das kürzeste der vier Evangelien, entstanden um das Jahr 70, dem Jahr der Tempelzerstörung. Es hat keine Kindheitsgeschichte, so wie wir sie bei Lukas und Matthäus vorfinden.
Markus beginnt sein Evangelium mit der Taufe Jesu, denn erst durch die Taufe wird der Mensch neu geboren. Am Ende des Weihnachtsfestkreises kommt Markus mit der Taufe Jesu zu Wort, das ist am Beginn von Jesu Lehrtätigkeit. In der Biographie Jesu, wie sie uns die bekannten vier Evangelisten aufgeschrieben haben, gibt es große Lücken, die die sogenannten Apokryphen ("verborgene Schriften") zu füllen suchen, mit teilweise sehr wunderlichen Geschichten. In neuerer Zeit, besonders in den letzten siebzig Jahren, wird eine intensive Leben-Jesu-Forschung betrieben, um doch noch neue Quellen zu entdecken.
Im Johannesevangelium heute lässt Johannes der Täufer aufhorchen. Wir hörten schon letzten Sonntag von ihm. „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt.“ (Joh 1,26-27). Er bereitet das Kommen Jesu vor. Diese Aussage trifft auch die heutige gesellschaftliche Situation. Wie schwer fällt heute getauften Christen, über ihren Glauben Auskunft zu geben, auszudrücken, was sie gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten hoffen lässt und was sie mit Freude erfüllt. (siehe 1 Petr.3,15: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“).
Weil wir das vielerorts nicht können, wird sich auch die Freude abschwächen, und wir feiern dann eher die Umrahmung dieses Festes, die wir sicher nicht missen wollen: den geschmückten Christbaum, die Geschenke, das gute Essen, wenn möglich auch ein bisschen Schneeromantik und ein Baby, das so lieb ist, von dem wir schemenhaft wissen, welche große schwierige Aufgabe es in dieser Welt zu erfüllen hat.
Deswegen mahnt auch Johannes zur Umkehr, zum Überdenken der bisherigen Lebensführung. Die eigentliche Heilszusage lautet: „Der Geist Gottes, des HERRN, ruht auf mir […] er hat mich gesandt, um den Armen frohe Botschaft zu bringen, um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, um den Gefangenen Freilassung auszurufen und den Gefesselten Befreiung, um ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen“ (Jes 61,1).
Gnade als liebende Zuwendung Gottes durch seinen Sohn, der mit Hilfe des Heiligen Geistes Beziehung schafft zu uns selbst, zum Mitmenschen. Menschlicher Geist und göttlicher Geist sollen einander ergänzen. Der göttliche Geist möge in uns wirksam werden, deshalb sollen wir alles prüfen und das Gute behalten, und den Geist Gottes nicht auslöschen (vgl. 1 Thess 5,16. 21), dann dürft ihr euch zu jederzeit freuen. (1 Thess 5,17).
Freude ist etwas Göttliches, lässt sich nicht befehlen, nicht machen. „Freude will geboren werden, das Herz will sie freiwillig ergreifen, also muss man das Herz auch gewähren lassen.“ (Adolf Kolping 1813-1865).
Johannes der Täufer ruft uns auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Die Zeit des Wartens hat ein Ende. Wir erahnen das erhoffte und erwartete Licht.
Den Ort kennen wir schon einmal: jenseits des Jordan. Aber so richtig kennen wir den Ort dann doch nicht. Wo ist jenseits des Jordan? Wie mag das Nest wohl heißen? Sind es womöglich mehrere? Doch: das wissen wir jetzt: an diesem Ort wird Großes vorbereitet – und auch gebührend bekannt gemacht. Dabei sind es nur Worte, die hier gesagt, gehört, geglaubt werden. Mehr nicht. Nur Worte. Aber die haben es in sich: Sie versprechen etwas. Was? Dass jetzt einer kommt und schon unterwegs ist! Das Licht! Schon die Ankündigung nimmt dem Dunkel Macht und Schrecken. Wird auch Zeit!
Unschwer für uns zu erraten – damals schon um einiges schwieriger. Jesus kommt. Jesus ist schon unterwegs. Johannes, von Gott gesandt, spielt sozusagen die Vorhut, den Boten – vielleicht auch das Empfangskomitee. Mit uns zusammen? Es muss auch nicht immer oder nur jenseits des Jordan sein. Jenseits des Jordan sind wir auch – irgendwie. Klar ist: Johannes ist nicht das Licht. Wir auch nicht. Es soll auch kein falscher Gedanke aufkommen: Wenn Licht – dann ER. Jesus. Aber schon der Gedanke daran macht die Gedanken hell, den Kopf frei, die Seele leicht. Jetzt verliert sogar die Wüste ihren Schrecken. Geröll und Sand. Die Einöde. Das unwegsame Gelände. Die Ruinen.
Ebnet den Weg für den Herrn! Johannes sagt das mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass die Welt stillstehen kann. Die alltäglichen Routinen, die kunstvollen Läufe in den Hamsterrädern, das müde Hetzen – alles wird aufgehellt. Ein Licht kommt!
Und wir kommen als Zeugen, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit – so heißt es im Evangelium - alle durch uns zum Glauben kommen. Das ist eine Perspektive! Das Licht kommt durch das Ohr!
Ich sehe viele Ohren. Sie werden von dem Lärm eingeholt. Von schlechten Nachrichten. Von verletzenden Worten. Von schrillen Tönen. Ob Ohren – Licht empfangen? Empfangen können? Wie doch Worte hell machen! Mal ein wenig stiller als sonst. Dann ein wenig schweigend. Nur zuhören. Schließlich geduldig und aufmerksam: Ich muss dir etwas sagen. Dann kann die Hoffnung den Weg in die Seele finden. Ein gutes Wort Tote aufwecken. Eine Stimme den Himmel öffnen. Jenseits des Jordan. Das Licht kommt durch das Ohr.
Jürgen Henkys hat 1981 ein niederländisches Lied ins Deutsche übersetzt. Es ist 1959 entstanden.
Das Volk, das noch im Finstern wandelt –
bald sieht es Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel dein Gesicht
und steh und lausche, weil Gott handelt.
Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen,
wo Tod den schwarzen Schatten wirft:
Schon hört ihr Gottes Schritt,
ihr dürft euch nicht mehr verlassen wähnen.
Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen,
nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit,
weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.
Jürgen Henkys hat an das Evangelium gedacht, das uns heute jenseits des Jordan führt. Und dann doch mitten unser Leben trifft.
Die biblischen Überlieferungen und Geschichten wissen von schwierigen Zeiten zu erzählen.
Da sind wir in guter Gesellschaft. Aber hören wir doch noch einmal in die Predigt des Propheten Jesaja hinein:
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir.
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen.
Unbefangen, fast schon ein wenig verwegen, stellt sich Jesaja hin – um eine frohe Botschaft zu bringen, gebrochene Herzen zu heilen und den Gefangenen die Freiheit anzusagen. Die Autorität, in der er spricht, benennt er auch: Der Geist Gottes ruht auf ihm. Jesaja ist sich sicher: Das Evangelium geschieht! Gebrochene Herzen werden heil! Gefangene werden frei! Mit jedem Wort geschieht ein Wunder. Was die Menschen dann später erzählen? Sie erzählen von der Hoffnungslosigkeit, von der Verzagtheit, von ausweglosen und verworrenen Situationen, aber sie erzählen auch von der Hoffnung, die Flügel verliehen hat.
Klagen verleihen keine Flügel. Klagen fressen sich fest. Klagen sind wie zerrissene Klamotten. Jesaja wusste das. Wir wissen es auch. Wenn Menschen in der Liebe, in der Treue Gottes geborgen sind, müssen die dunklen Schatten weichen und der Freude Platz machen. Und – kaum zu glauben: das ist das Wunder der Predigt. Im Reigen der Worte wird das Wunder, wird das Licht sichtbar:
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Hier ist sie wieder: die Freude, der Jubel. Schauen wir dann genauer hin, gibt es wohl etwas zu feiern – sagen wir, eine Hochzeit. Wir brauchen etwas Neues zum Anziehen! Was ziehen wir uns an? Gewänder des Heils und den Mantel der Gerechtigkeit. Apropos Gewänder des Heils und Mantel der Gerechtigkeit: Diese edle Gewandung macht sich nicht nur vor dem Spiegel gut – sie verzaubert andere Menschen. In einem Lied heißt es, dass wir in ihnen „prangen“. Was wir hoffen, was wir glauben, was wir lieben – wir tragen es nach außen und, ganz nebenbei, fühlen wir uns so richtig gut in diesem Outfit!
Jesaja wartet noch mit einer Überraschung auf. Er lässt uns tatsächlich Gäste einer Hochzeit sein. Es ist ein betörendes Bild: Gott selbst erscheint als Bräutigam – und wir als Braut. Jesaja spricht von einem Geschmeide, das wir anlegen – Sie dürfen sich jetzt den schönsten und teuersten Schmuck vorstellen.
Das Bild von der Hochzeit ist ein ganz altes Bild für Kirche und für das Reich Gottes. Manche Gedanken haben sich da eingeschlichen, die nicht immer gut waren. Gott hat sich auf eine nicht standesgemäße Hochzeit eingelassen! Wenn ein Bild passt, dann das von der Magd. Oder von Aschenputtel. Eine faszinierende Begegnung: Gott hat uns seine Liebe erklärt. Es ist eine Liebesgeschichte. Unsere Liebesgeschichte mit Gott.
Ich stehe vor dem Kleiderschrank. Eigentlich passt nichts zu diesem Anlass. Meine Mittel reichen auch nicht. Da kommt er! Er bringt aus seinem schier unerschöpflichen Fundus Gewänder des Heils mit – und als Obergewand hüllt er uns in den Mantel der Gerechtigkeit. So habe ich mich noch nie gesehen – jetzt werde ich so gesehen. Von Gott und von den Menschen.
Gehen wir doch noch mal zum Schluss an den Jordan. Johannes muss sich gerade erklären. Wer bist du? Haben die Priester und Leviten gefragt. Ich höre Johannes sagen:
"Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesaja gesagt hat."
Ich bin zwar nicht Johannes – heißt jemand von Ihnen so? -, aber das will ich gerne machen:
Einfach einen Weg ebnen. Dann kann die Hoffnung den Weg in die Seele finden. Ein gutes Wort Tote aufwecken. Eine Stimme den Himmel öffnen. Jenseits des Jordan. Das Licht kommt durch das Ohr.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Stimmer des Rufers in der Wüste möchte uns im Advent erreichen. Die Wüste ist ein Ort, „gefüllt“ mit Erfahrungen des Glaubens. Johannes wird gefragt, wer er sei. Johannes fordert uns auf, uns selbst zu fragen, wer wir sind.
Der Sonntag Gaudete weckt Erwartungen im Hinblick auf das Kommen des Messias, den Johannes der Täufer ankündigt. Er bringt Bilder des Trostes und des Heilwerdens.
Zwei Drittel des Advent sind heuer schon vorbei. Eine kurze Adventszeit. Diesen Sonntag zünden wir die hellere Kerze, die rosa Kerze an, auch die liturgische Kleidung ist angepasst. Die Vorfreude strahlt auf das kommende Ereignis der Geburt Jesu aus. Christus hat sich als „Licht der Welt“ offenbart. Das sollten auch wir sein als einzelne Person, noch viel mehr als Pfarre, als kirchliche Gemeinschaft.
Freude, gute Nachricht, wird uns verkündet. Haben wir aber wirklich Grund zur Freude? Diese Tage und auch das gesellschaftspolitische Umfeld würden eher zumindest zum Stirnrunzeln neigen, gar nicht zu denken an plötzliche Schicksalsschläge, die zu Weihnachten noch schmerzhafter sind als sonst. Entsteht da nicht ein krasser Widerspruch, wenn wir im Thessalonicherbrief hören: „Der Gott des Friedens … bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt.“? »Unversehrt bewahren«, wenn wir im wahrsten Sinn des Wortes vom Schicksalsschlag getroffen werden! „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt, worauf sie all ihr Hoffen stellt?“, singen wir in einem Kirchenlied.
Die Texte bedürfen somit einer genaueren Untersuchung. Der Thessalonicherbrief enthält bemerkenswerte Stichworte: „Freut euch!“ Die Freude zeigt sich im Gespräch. Wollen Sie es anders hören? Im Dialog mit Gott, im Hinhören, was Gott uns sagt, im Gebet als unsere Antwort. Die Freude zeigt sich hoffentlich auch im Dank. Eucharistie, das griechische Wort, ist der feierliche Dank an Gott, dass er uns Heil zusagt aus aller Not. „Löscht den Geist nicht aus!“ Prüfen wir, ob diese Gute Nachricht, das Versprechen glaub-würdig ist. Ist es wert zu glauben, was uns mitgeteilt wird? Wir werden aufgefordert, unseren Verstand einzuschalten. Wir haben keine Beweise für diese Frohe Botschaft, wohl aber Heilsgewissheit. Ich weiß, diese Botschaft ist glaub- würdig.
Wer vermittelt uns diese Gute Nachricht, die Heilsgewissheit? In diesen Tagen des Advents begleitet uns Johannes der Täufer. Wir kommen nicht an ihm vorbei, denn alle vier Evangelisten sprechen von seinem Wirken. Er ist kein Diplomat, der tausendmal überlegt, wie er auch Unangenehmes auf sanfte Tour verbreitet, sondern ein authentischer Zeuge für die Wahrheit, die ihm auch das Leben kostet. Durch die ganze Menschheitsgeschichte löst diese Heilszusage Jesu immer wieder Konflikte und Unverständnis aus. Die Taufe des Johannes ist eine Umkehrtaufe, die Taufe nachher ist Geisttaufe, Taufe der Unsterblichkeit, der Wiedergeburt; nicht als Ratte, Mistkäfer, Prinz oder Prinzessin, sondern auf ewiges Leben bei Gott, dort wo es keinen Tod, keine Krankheit, kein Leid, keine Angst mehr gibt. Gott sagt uns zu, dass er vollendet, was er in der Taufe begonnen hat. Er schickt uns also nicht im Kreis herum, das wäre unbarmherzig. Getauft wird im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Nach dem authentischen Zeugen Johannes kommt Jesus selber. „Im Anfang war das Wort“ (Joh.1,1), also die Person Jesu, die eine neue Ethik bringt, die auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, auf Menschenwürde und Gewaltlosigkeit aufbaut. Wenn wir heute ein Stück aus dem Evangelium des Alten Testaments, aus Jesaja hören, dann berichtet auch der Evangelist Lukas (Lk 4,18-20), dass Jesus in der Synagoge diese Stelle verkündet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Mit der Geburt Jesu hat das Reich Gottes schon begonnen. „Der Geist des Herrn ruht auf mir“, heißt auch für uns: Auskunft geben, Rechenschaft über unseren Glauben ablegen, den Verstand zu gebrauchen, frei werden von der Enge des Denkens und der Kleinkariertheit, sich loslösen und befreien lassen, sich nicht mehr gefangen und gefesselt fühlen von Ängstlichkeit und Hoffnungslosigkeit. Das ist Anliegen dieser Frohen Botschaft und des Freudensonntags „Gaudete“.
Freilich bringen gar nicht selten Wahrheit und Ehrlichkeit Nachteile in Beziehungen und beruflichem Fortkommen. Johannes büßt das sogar mit dem Leben. Gewiss, ein unlösbares Problem. Die sonntäglichen Texte sprechen aber Mut und Freude zu. Das wird mit weiteren Bildern aus der 1. Lesung untermauert: die Hochzeit mit dem Bild von Braut und Bräutigam, ein Glückszustand; die Saat wächst, Zeichen für werdendes Leben mit Zukunft; der Garten als Symbol für blühendes Leben. Bezeichnend auch, dass in der Bibel am Anfang ein Garten steht, nämlich das Paradies und am Ende der Bibel der Garten der Auferstehung.
Mein Adventwunsch an Sie: Tragen Sie diese Bilder hinein in die Tage des Advents. Es sind Bilder der Freude, der Zuversicht, prüfen Sie, wo Irrlichter, das eigentliche „Licht der Welt, Jesus Christus“ als Orientierungshilfe verdrängen. „Prüfet alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess.5,21).
Der 3. Advent steht ganz im Zeichen großer Freude. Der schöne lateinische Name heißt. „Gaudete“ – „Freut euch“. Eine eigene Farbe hat dieser Tag auch: Rosa.
Rosa ist die Mischung aus Weiß und Violett. Weiß sind die Herrenfeste. Wie Weihnachten und Ostern. Violett sind die Bußtage. Wie die Advents- und Fastenzeit. Rosa ist die Farbe durchbrochener Zeit. Rosa ist die Farbe gemischten Lebens. Gaudete! Freut euch! Es wird hell!
Am Anfang des Gottesdienstes steht die Bitte um Erbarmen. Und doch ist diese Bitte auch ein Huldigungsruf. Wenn der Herr kommt, bringt er uns sein Erbarmen mit.
Herr Jesus Christus,
du bist Mensch geworden für uns.
Herr, erbarme dich.
du hast den Beginn des Reiches Gottes ausgerufen.
Christus erbarme dich.
du lädst uns ein, mitzubauen an deinem Reich.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
prophezeites Licht für die Welt.
Herr, erbarme dich.
Immer wieder gebierst du dich in unsere Menschlichkeit.
Christus, erbarme dich.
Du bist der Christus, der Überwinder all dessen, was tödlich ist.
Herr, erbarme dich.
Wir freuen uns, dass du kommst.
Herr, erbarme dich.
Im Dunkel sehen wir das Licht.
Christus, erbarme dich.
in der Angst suchen wir Frieden.
Herr, erbarme dich.
Nun jauchzet, all ihr Frommen,
in dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen,
der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht,
doch mächtig zu verheeren
und gänzlich zu zerstören
des Teufels Reich und Macht.
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Gott, unser Vater.
Du hast uns für die Freude erschaffen.
Dennoch begleiten Enttäuschung und Leid unser Leben.
Hilf, dass wir dir glauben und auch in Stunden der Not dir vertrauen.
Mach uns durch die Schmerzen reifer
und hellhörig für die Not der anderen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. - Amen.
MB Auswahl 28
Allmächtiger, barmherziger Gott,
es ist deine Gabe und dein Werk,
wenn das gläubige Volk dir würdig und aufrichtig dient.
Nimm alles von uns,
was uns auf dem Weg zu dir aufhält,
damit wir ungehindert der Freude entgegeneilen,
die du uns verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Vater im Himmel,
du hast durch Seher und Propheten das Kommen deines Sohnes angekündigt.
Auch Johannes ist gläubig für ihn als Wegbereiter eingetreten - als Rufer in der Wüste.
In Jesus Christus hast du dein Wort als Mensch zu uns gesandt,
als Botschaft über alle Hoffnungslosigkeit hinaus.
Schenke uns in dieser Zeit, die uns viel abverlangt, Offenheit für seine Botschaft,
damit wir auch hier und heute, trotz aller Widrigkeiten, unsere Hoffnung nicht verlieren
und Jesus nachfolgen können.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an
und ich schaue mich vorsichtig um.
Wo denn die Freude sei, frage ich.
Doch du nimmst mir die Zeitung aus der Hand.
Ich könne sie auch nachher noch lesen.
Du legst mein Handy zur Seite.
Ich wäre lange genug online.
Du nimmst meine Gedanken in die Hand.
Das Gold, das ich so lange vermisse, hältst du mir vor die Nase.
Du machst mir eine Liebeserklärung.
Auf alles war ich vorbereitet – darauf nicht.
Ich möchte ganz aus dem Häuschen sein –
Ich danke dir für alles,
was untrennbar mit meinen Namen,
mit meiner Geschichte verknüpft ist.
Ich schaue mich vorsichtig um.
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an.
Allen, die Leid erfahren, wird Ermutigung, Geborgenheit, Trost und Zuversicht verheißen.
Um diese tiefe, innere Freude, die aus dem Vertrauen auf die stete Nähe Gottes kommt, lasst uns den Vater bitten:
Um deinen Geist, in dem deine Kirche neue Wege beschreiten und die guten Traditionen bewahren kann.
Um einen Neuanfang in den vielen verfahrenen Beziehungen zwischen den kriegführenden Nationen und Völkern, der den davon Betroffenen ein Leben in Frieden ermöglicht.
Um die Kraft der Stille, die für alle zum Segen werden kann, die sich in dunklen Stunden nach deinem Licht sehnen.
Um deinen Geist, der uns in der Flut von Eindrücken und Botschaften erkennen hilft, wer oder was wirklich gut, wahr und echt ist.
Um deine spürbare Nähe für alle Sterbenden und die Erfüllung ihrer Hoffnung auf deine Verheißung für alle Verstorbenen.
In Freude und Dankbarkeit, die aus dem Glauben an deine Gegenwart und Heilsverheißung für deine ganze Schöpfung kommt, rühmen und preisen wir dich jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott, du bist mitten unter uns.
Wir bitten dich:
Oft gehen wir achtlos an den Bedürftigen unserer Zeit vorbei, weil wir zuviel mit uns selbst beschäftigt sind.
Hilf uns zu erkennen, dass du uns in ihnen begegnen willst.
Die äußeren geschäftigen Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest verdrängen oft in der Hektik des Alltags das, worum es wirklich geht: um die Menschwerdung deines Sohnes.
Hilf uns zu erkennen, dass du uns begegnen willst.
In der Welt herrschen Kriege und Terror, Verfolgung und Ungerechtigkeiten. Das ist auch für uns Alltag geworden und wir wenden uns vermeintlich wichtigeren Dingen zu, ohne zu sehen, dass auch unsere Hilfe gefragt ist.
Hilf uns zu erkennen, dass du uns begegnen willst in denen, die unserer Hilfe bedürfen.
Überall auf der Welt sind Menschen auf der Flucht vor Elend und Tod. Das christliche Europa schottet sich ab und meint, mit sich selbst genug zu tun zu haben.
Lass uns nicht müde werden, an die Verantwortlichen appellieren, den Menschen zu helfen, anstatt sie ins Elend zurückzuschicken,
Viele Menschen haben den Glauben an einen gerechten Gott verloren.
Lass sie erkennen, dass du sie gerade dann trägst, wenn es ihnen am schlechtesten geht, durch Menschen, die ihnen zur Seite stehen.
Führe unsere Verstorbenen in dein Reich.
"Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt", hat Johannes zu den Abgesandten der Pharisäer gesprochen. Wir glauben, dass du tatsächlich da bist, mitten unter uns, überall, wo dein Beistand nottut.
Dafür danken wir dir durch Jesus Christus unseren Bruder und Herrn. - Amen.
(Diese Fürbitten sind ohne Akklamationen gedacht, aber mit mehreren „Schweigeminuten“)
Wenn wir ins Gebet nehmen, was wir sehen, was wir wissen, was uns verborgen bleibt, legen wir alles in Gottes Hand.
Ihn bitten wir:
Heute, am 3. Advent, denken wir an die Kinder. Sie lernen eine Welt kennen, die wir ihnen und uns am liebsten ersparen würden. Aber ihr Lachen ist so ansteckend, dass die Schatten, die über unseren Tagen lauern, fliehen. – Stille.
Heute denken wir an die alten Menschen in den Heimen. Sie müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. Manchmal machen sogar Besuche Angst. Eine große Unsicherheit macht sich breit. Aber wenn sie lächeln, sind auch die Pflegerinnen und Pfleger glücklich. – Stille.
Heute denken wir an die Menschen, die auf Intensivstationen arbeiten. Sie kämpfen für andere mit dem Tod. Sie leiden besonders darunter, wenn sie nicht mehr helfen können. Ihre Freundlichkeit müssen sie hinter Masken verstecken. – Stille.
Heute denken wir an die Politiker. Auf ihnen ruhen viele Erwartungen. Nicht alle können sie erfüllen. Von allen Seiten hagelt es auch Kritik. Sie dürfen keine Fehler machen. Dabei müssen sie immer freundlich bleiben. – Stille.
Heute denken wir an die Geschäftsleute und Wirte. Der Lockdown macht ihnen und ihren Mitarbeitern zu schaffen. Viele haben Angst, es nicht zu schaffen. So manches Lebenswerk ist in Gefahr. Trotzdem machen sie anderen sogar noch Mut. – Stille.
Heute, am 3. Advent, befehlen wir dir alle Menschen, ihre Geschichten, Sorgen und Schmerzen. Und unser Leben befehlen wir dir auch, unsere Familien, Freunde, Kollegen und Nachbarn. Lass das Licht unter uns wachsen. Wie das Licht auf unseren Adventskränzen. Schenke uns die Freude, die wir teilen können.
In Christus, unserem Herrn.
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Gütiger Gott,
nimm die Gaben an,
die wir von deiner Güte empfangen haben.
Laß deine Kraft in ihnen wirken,
damit sie uns in diesem Leben heiligen
und zu den ewigen Freuden führen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Du, Herr,
machst uns mit Brot und Wein eine große Freude.
Es sind nur kleine Gaben,
aber sie machen uns satt und fröhlich.
Wenn wir sie in die Hand nehmen, sind wir reich,
wenn wir sie teilen, wächst das Glück.
Sprich du das Wort, das Brot und Wein verwandelt.
Du gibst dich dann in unsere Hände,
deinen Leib, dein Blut – dich.
Und wir schmecken deine Liebe
wie die Engel,
die immer schon bei dir sind.
Du, Herr, machst uns mit dir eine große Freude,
die reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Herr und Gott,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen und deine Größe zu preisen,
denn wir haben Grund, uns von Herzen über dich zu freuen.
Wie die Erde die Saat wachsen lässt,
bringst du, Gott und Herr, Gerechtigkeit hervor.
Kehrvers
Du hast uns den Messias gesandt,
damit er den Armen die Frohe Botschaft bringe
und alle heile, deren Herz zerbrochen ist.
Den Gefangenen ließest du Befreiung verkünden
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.
Kehrvers
Johannes der Täufer ist ihm vorausgegangen
und hat Zeugnis abgelegt für das Licht.
Er hat auf den hingewiesen, der nach ihm kommt.
Als Stimme des Rufers in der Wüste hat er aufgefordert,
den Weg für den Herrn zu ebnen.
Kehrvers
Der Geist des Herrn leitet auch uns an,
dem Messias den Weg zu bereiten,
für Gerechtigkeit zu sorgen und Frieden zu stiften
Mit der ganzen Schöpfung singen wir dir zum Lob:
Danklied, z.B. "Singt dem Herrn ein neues Lied" (GL 409)
oder "Nun saget Dank und lobt den Herren" (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Wenn ich im Dunkeln bin
und niemandem dafür
die Schuld zuweise
Wenn ich das Dunkel zulasse -
und nicht davor fliehe
Wenn ich das Dunkel aushalte
und dabei die Hoffnung nicht verliere
Wenn ich das Dunkel ertrage
und trotzdem die Liebe leben lasse
Wenn ich das Dunkel achte
weil ich selbst ein Teil des Dunkels bin
Wenn ich vor dem Dunkel
nicht zurückschrecke
aus Mut zum Leben
Dann leuchtet
mitten im Dunkel
ein Licht auf
das den Weg weist
mir und dir
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Laß uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
im heiligen Mahl haben wir den Leib
und das Blut deines Sohnes empfangen.
Der Glaube an ihn lässt uns das volle Leben erhoffen.
Lass uns in der Freude dieser Hoffnung
die nötigen Schritte tun, dieses Ziel zu erreichen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Fest des Heiligsten Erlösers
Vater im Himmel,
du weißt um uns. Du kennst uns durch und durch.
Zu allen Zeiten hast du die Menschen zurückgerufen zu dir,
damit wir alle deine heilbringende Kraft erfahren dürfen.
In Jesus Christus hast du uns ein besonderes Beispiel deiner Liebe zu uns Menschen geschenkt –
durch IHN, dein menschgewordenes Wort.
Lass uns gestärkt durch sein Mahl
und in der Zuversicht seines gelebten Glaubens an dich,
die kommende Woche bestehen
und mache uns zu adventlichen Menschen –
zu Menschen, die dein Kommen auch in ihr persönliches Leben erhoffen.
Sei du uns nah in IHM und mit der Kraft des Hl. Geistes. – Amen.
Noch ein paar Tage, Herr,
dann ist Weihnachten.
Du hast schon oft gehört, dass wir sagten,
in diesem Jahr sei alles anders.
Es fällt uns schwer,
gerade in diesen Tagen,
Vertrautes und Gewünschtes
zu finden.
Wenn sich eine dunkle Stimmung auf uns legt,
die Zweifel überwiegen,
das Lächeln schwer fällt,
schenkst du uns das Vertrauen,
einen guten Weg zu finden -
schenkst du uns die Freude,
dass du zu uns kommst!
Segne alles, was wir tun –
auch die Geschenke, die wir gerade suchen.
In deiner Nähe wird es hell.
Unter uns.
In Jesus Christus,
deinem Gesicht
für uns.
Der barmherzige Gott
hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt;
er segne und heilige uns durch das Licht seiner Gnade. - Amen.
Er mache uns stark im Glauben, froh in der Hoffnung
und eifrig in Werken der Liebe. - Amen.
Die erste Ankunft des Erlösers sei uns ein Pfand der ewigen Herrlichkeit,
die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt auf den Wolken des Himmels. - Amen.
Das gewähre uns der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
MB Segen Advent
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Hans Dieter Hüsch nach Ps. 126.
Ich bin und weiß nicht wer.
Ich komm' und weiß nicht woher.
Ich geh', ich weiß nicht wohin.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!
Magister Martinus von Biberach († angeblich 1498 in Biberach) wird ein vierzeiliger Spruch auf einem Deckel eines handschriftlichen Buches zugeschrieben („haec magister Martinus in Bibrach. 1498“), der aber weitaus älter als die beigegebene Jahreszahl ist. Über das Leben des Magisters Martinus ist nichts bekannt. Was später irrig als dessen „Grabschrift“ gedeutet wurde,[2] ist ein Priamel, das in der christlichen Frömmigkeit populär wurde und auch in der Literatur bis heute (vgl. Bertolt Brecht: Der Radwechsel) seinen Niederschlag findet:
Herkunft ungeklärt
https://de.wikipedia.org/wiki/Martinus_von_Biberach
1 Als der HERR das Geschick Zions wendete,
da waren wir wie Träumende.
2 Da füllte sich unser Mund mit Lachen
und unsere Zunge mit Jubel.
Da sagte man unter den Völkern:
Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!
3 Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt.
Da waren wir voll Freude.
4 Wende doch, HERR, unser Geschick
wie die Bäche im Südland!
5 Die mit Tränen säen,
werden mit Jubel ernten.
6 Sie gehen, ja gehen und weinen
und tragen zur Aussaat den Samen.
Sie kommen, ja kommen mit Jubel
und bringen ihre Garben.
© Einheitsübersetzung 2016
Visionen haben
vom Heil-vollen
vom Er-lösenden
vom Rettenden
wie Johannes
meine ICH-Bezogenheit
hinten anstellen
Kante bekennen
wissen wer ich bin
und
was ich nicht bin
der Vision treu bleiben
zu ihr stehen
und
Zeugnis ablegen für alles Licht-volle
nichts verleugnen
auch am „Stammtisch“ nicht
eintreten für das
was meine Hoffnung -
meinen Glauben
ausmacht
eine Bekennerin/ein Bekenner
sein
wie Johannes
und
das Heilvolle
in die Welt tragen
auf dass
Friede werde
Heil komme
in diese zerrissene Welt
Beatrix Senft 2023.
„Freut Euch zu jeder Zeit“, heißt es in der Lesung aus dem Thessalonicherbrief, und „löscht den Geist nicht aus“.
Für viele Menschen war über Jahrhunderte hinweg und ist auch teilweise heute noch das Evangelium eine Drohbotschaft. Die Übersetzung des griechischen Wortes εὐαγγέλιον (euangelion) lautet „gute Nachricht“. Das ist weit von Drohungen entfernt.
Das Wirken Jesu fängt mit einem fröhlichen Wunder an: der Verwandlung von Wasser in Wein, auf einer Hochzeit. Und so geht es weiter: alles, was Jesus tut, verwandelt die Welt in eine bessere. Und das ist sein Auftrag an uns. Das ist die Frohe Botschaft, das ist die Freude, der Geist der Botschaft Jesu: die Welt zum Besseren zu verändern. Wichtig ist, was wir daraus machen.
Mir kommt ein Lied aus meiner Jugendzeit in den Sinn: „An die Türe klopft es leicht, doch sie bleibt versperrt. Müde wendet sich der Greis, er bleibt ungehört. Mitten unter euch steht er, mitten unter euch geht er, den ihr nicht kennt…“ (Pater Perne).
Und das sagt Johannes zu den Abgesandten der Pharisäer: er ist schon da, der Messias. Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt. Ja, er ist schon da. Und er ist es bis heute. Oft erkennen wir ihn nicht. Schauen wir hin, dann finden wir ihn: unter den Geringsten dieser Welt, bei denen, die unserer Hilfe bedürfen. In jedem von ihnen finden wir Jesus Christus. Wir kennen ihn nicht, wir erkennen ihn nicht, wenn wir nicht jeden Menschen darauf anschauen, dass er oder sie Gottes Ebenbild sind. Die frohe Botschaft: wenn wir wachsam sind, werden wir ihn erkennen. Und wir werden dazu beitragen, das Reich Gottes zu verbreiten.
Das ist die Freude des Evangeliums, das ist die Freude, die heute, am Sonntag Gaudete, in den Texten und Liedern zum Ausdruck gebracht wird.
Edith Furtmann 2023.
In dunkler Nacht,
in Todesangst,
in Enttäuschungen,
in Einsamkeit –
trotzdem versuchen wir uns zu freuen. -
Ein heller Schein am Horizont
kündet das Ende der Nacht
die Ankunft des Retters,
die Geburt des Heilands.
Das Licht aus Bethlehem
wird uns Freude bringen.
Ilse Pauls
der sagt ich bin
sagt uns ihr seid
der sagt ihr seid
sagt uns ich bin
das licht der welt
Aus: kurt marti, geduld und revolte. Die gedichte am rand. Im radius-verlag, Stattgart 1995.
Es ist gut, dass es Weihnachten gibt. Allerdings müssen wir aufpassen, wie wir es verstehen und feiern. Der Glanz der Friedensbotschaft von Weihnachten darf nicht zum Flitter werden. Kerzenlicht darf uns nicht die Welt verstellen, so wie sie ist.
Manchmal habe ich den Eindruck, ein solcher Hinweis sei in unserer Welt wichtiger als früher. Man flüchtet sich aus der Realität des täglichen Lebens, dem Stress der Vorbereitung und der Hast unseres Lebens in ein Weihnachten, bei dem man endlich alles sonst selig vergessen kann; viele schlagen die Tür hinter sich zu und fahren in die Ferne. Nehmen wir so Weihnachten ernst? Ist es nicht bloß ein schöner Kindertraum, aber am Ende doch nichts für die Erwachsenen? Haben das Lametta und mancher Kitsch etwas mit unserer Welt zu tun?
[…]
Aber genau in diese Welt kommt Gott selbst. Er kommt in unsere zerrissene, schäbige und oft banale Welt, in der z. B. das Recht des Stärkeren immer zu siegen scheint. Es ist die Welt, wo uns so viel Ungerechtigkeit, Bosheit und Egoismus die Luft und fast jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse nehmen. Das ist gerade das Wunder der Weihnacht, dass uns nicht ein edles Paradies vorgegaukelt wird, sondern dass Gott seinen einzigen, vielgeliebten Sohn in diese Zeit schickt. Die Verheißungen von Gottes Frieden auf dieser Erde gelten uns. Es ist eine Hoffnung, die der Not ins Gesicht schaut und ihren Fragen nicht ausweicht. Darum ist es auch gut, wenn wir an Weihnachten all jene nicht vergessen, die nicht auf der Sonnenseite dieser Erde wohnen können: die Armen, die Kranken, die Straßenkinder, die Obdachlosen, die trotz vieler Anstrengungen immer wieder von Ungerechtigkeit und Elend bedrängten Menschen der Dritten Welt. Es ist gut, dass es gerade heute und in diesen Tagen die Sammlungen für Adveniat und Brot für die Welt gibt.
Weihnachten ist ein Fest der Ermutigung und dabei ganz bodennah. Deswegen dürfen wir auch unseren eigenen Sorgen und Nöten nicht ausweichen. Ganz in unserer Nähe. Gerade die vielen einfachen und kleinen Leute, die uns in der Weihnachtsgeschichte begegnen, angefangen bei einem ohnmächtigen Kind, rufen uns an diesem Fest auf, die Spuren der Hoffnung auch bei uns selbst zu suchen. Wir werden sie, wenn wir uns etwas mühen, auch leicht finden.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
kommt alle her, die ihr müde & beladen seid,
die ihr euch plagt & euch fragt, warum ihr ziehende Nomaden seid.
weit, weit, weit seid ihr hierher gekommen:
ihr jungen & fremden, bekannten & frommen.
egal welcher Farbe, egal welcher Haut,
die ihr eingeladen seid, miteinander vertraut
ohne danach zu fragen, woher & wohin,
wir sind Brüder & Schwestern auf der Suche nach Sinn.
wir sind Pilger im Leben, wo überall wir uns bewegen,
auf der Suche nach uns selbst, auf der Suche nacheinander -
zum Lichte, zur Dichte von Leben & Fülle,
Liebe ist der Kern und Freude die Hülle.
die Sehnsucht nach Geborgenheit & Verständnis
bündelt unsere Vielheit zu einem Bekenntnis:
wir leben, wir atmen nur durch seinen Geist
wir leben, wir atmen... ihr wisst, was das heißt:
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
also öffnet euch: öffnet euer Herz, öffnet eure Seelen,
so wie Fenster, werft die Gespenster
fehlender Gelassenheit, quälender Enthaltsamkeit,
werft eure Sorgen über Bord, eure Nöte weit, weit fort.
werdet Ruhe, werdet Stille, stoppt das Reden,
werdet Hörer, hört zu, lauscht dem Leben,
fragt nicht woher, fragt nicht wohin,
denn ihr geht euern Weg vor Gott im Land der Lebenden.
ihr seid Beschenkte mit den Gaben seines Geistes,
also schenkt selbst, gebt euch ganz, denn das heißt es.
ihr seid berufen alle Stufen so zu überspringen,
wir sind hier, um Dank darzubringen,
um zu weinen, zu lachen, zu tanzen, zu singen.
tun wir alles gemeinsam, wird es gelingen.
singen wir Lieder um besser zu sehen.
ihr seid die Glieder, ihr werdet verstehen ...
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
Text: Thomas Gerlach
Wer von Ihnen einmal in Muße die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu Ende gehört hat, dem werden diese Verse bekannt vorkommen. Der fast taube Beethoven greift in seinem letzten Satz zur Überraschung seiner damaligen Zuhörer, die ganz auf ein Instrumentalstück eingestellt waren, auf Friedrich Schillers "Ode an die Freude" zurück und lässt Chor und Solisten daraus zitieren.
"Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!"
Fr. Franziskus Knoll OP, Köln, Predigt über Jes. 35, 1-6a.10.
19 Betrachten wir nun ein wenig die Person Jesu im Verlauf seines irdischen Lebens. Er hat in seiner Menschheit unsere Freuden erfahren. Er hat offenbar eine breite Skala menschlicher Freuden kennengelernt, geschätzt und geteilt, einfache tägliche Freuden, wie sie jedem zugänglich sind. Die Tiefe seines Innenlebens hat keineswegs seinen Blick für das Konkrete abgestumpft, nicht seine Empfindungsfähigkeit beeinträchtigt. Er bewundert die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes. In ihm wiederholt sich auf unmittelbare Weise der Blick Gottes auf die Schöpfung am Morgenrot der Geschichte. Gern hebt er die Freude des Sämanns und des Schnitters hervor, die Freude des Mannes, der einen verborgenen Schatz findet, die des Hirten, der sein Schaf, oder die der Frau, die ihr verlorenes Geldstück wiederfindet, die Freude der zum Fest geladenen Gäste, die Freude bei einer Hochzeit, die Freude des Vaters, der seinen Sohn, von einem Leben der Verschwendung endlich heimgekehrt, aufnimmt, und die der Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Diese menschlichen Freuden sind für Jesus von solch hoher Bedeutung, da sie für ihn die Zeichen der geistlichen Freuden des Reiches Gottes sind: Freude jener Menschen, die in dieses Reich eintreten, dorthin zurückkehren oder dort arbeiten; Freude des Vaters, der sie empfängt. Auch Jesus selbst zeigt seinerseits Zärtlichkeit, als er Kindern begegnet, die zu ihm kommen wollen, als er einen reichen Jüngling trifft, der gewissenhaft und bestrebt ist, noch mehr zu tun; als er zu Freunden kommt, die ihm ihr Haus öffnen wie Marta, Maria und Lazarus. Eine Freude ist es für ihn vor allem, wenn er erlebt, dass man das Wort aufnimmt, seine Reichtümer opfert, dass eine Sünderin oder ein Zöllner wie Zachäus sich bekehrt, dass eine Witwe sich trotz ihrer Not zum Geben entschließt. Er jubelt vor Freude, als er feststellt, dass den Kleinen und Demütigen die Botschaft vom Reich geoffenbart wird, während sie den Weisen und Klugen verborgen bleibt (20).
20 Ja, weil Christus "wie wir als Mensch gelebt hat, in allem uns gleich, außer der Sünde" (21), so hat er auch die gefühlsmäßigen und geistlichen Freuden als Gabe Gottes erfahren und angenommen. Er verkündete rastlos "den Armen die Botschaft vom Heil, den Trauernden Freude" (22). Das Lukasevangelium bezeugt in besonderer Weise diesen Anlass zur Freude. Alle Wunder Jesu und seine Verzeihung schenkenden Worte sind ebenso viele Zeichen für die Güte Gottes: das ganze Volk aber freute sich über all die herrlichen Taten, die durch ihn geschahen (23), und gab Gott die Ehre. Für den Christen geht es wie für Jesus darum, die menschlichen Freuden, die der Schöpfer ihm gewährt, zu leben, in Danksagung vor dem Vater.
Papst Paul VI., Über die christliche Freude, Apostolisches Schreiben "Gaudete in Domino" (9.5.1975)
http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gaudete_in_domino_%28Wortlaut%29 - (09.12.2014)
I. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich in sie hineinschlüpfen, einmal in die Arbeitszeit, dann in die Freizeit, in die Mußestunden, in die Sommerzeit, oder in den Urlaub. Ich würde sie tragen wie einen Arbeitsanzug, wie ein Partykleid, wie eine Küchenschürze oder einen Smoking. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich auch leicht wieder aus ihr heraus. Wie herrlich wäre das! Aus der Schulzeit, aus der Wartezeit, aus der Ölbergstunde, aus der Leidenszeit, aus dieser mir manchmal so schrecklichen heutigen Zeit, aus der Todesstunde.
II. Aber Zeit ist mir näher als ein Kleid, näher sogar als meine Haut, als meine Hand, als mein Fleisch, als mein Blut, als mein Herz. Sie ist kein Ding, keine Sache, kein Besitz, den ich haben kann, kaufen kann, erwerben kann. Ich habe nicht Zeit: Ich bin zeitlich! Ich bin in der Zeit, seit dem Tag, da ich lebe. Ich bin von gestern auf heute, von heute auf morgen. Ich werde, ich wachse, ich bin unterwegs, ich verändere mich, ich entwickle mich, ich reife, ich altere, ich bin zum Tode. Ich werde nicht mehr sein, wenn die Zeit für mich abgelaufen ist. Ich bin als Mensch zeitlich, das ist meine Definition, meine Bestimmung, meine Begrenzung, meine Voraussetzung (...)
V. Ich kenne einen, der in seinem Sterben sagte: Es ist vollbracht. Dabei war er - menschlich gesehen - gescheitert, seine Liebe brachte ihm Hass, seine Rede brachte ihm Verurteilung, seine Wahrheit brachte ihm den Tod. Dennoch sagte er: Es ist vollbracht. Ich schaue auf ihn und erkenne, dass seine Geschichte ein deutliches Woher und Wohin hatte, eine Herkunft und eine Zukunft: Gott als Vater. Mit diesem Gott lebte er, liebte er, sprach er, handelte er, litt er, starb er und konnte sagen: Es ist vollbracht. Und der gleiche Gott hat diese kurze, 33 Jahre währende, begrenzte Geschichte in der Auferweckung bestätigt und gerechtfertigt, als wollte er sagen: Dies gilt vor mir, so gilt einer bei mir, das ist das Leben eines Menschen, wie es mir gefällt.
VI. Ich möchte einmal sagen können: Es ist vollbracht! Und ich darf hoffen, dass mir dies hinter Jesus her gelingt, dass meine Geschichte zu einer Heilsgeschichte wird. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er mit geteiltem Brot, mit geschwisterlicher Umarmung, mit gestiftetem Frieden, mit geschenkter Vergebung, mit erwiesener Gerechtigkeit, mit erwirkter Freiheit, mit gehaltener Treue, mit redlicher Wahrhaftigkeit, mit Liebe zu denen, die mich brauchen. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er unter der Last der Konflikte, in der Zwickmühle von Spannungen, unter der Bürde von Verantwortung, in den Zwängen der Probleme, unter dem Druck der Leistung, in den Stunden der Leiden, unter dem Kreuz, dem ich nicht ausweichen kann. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er im aufmerksamen Bewusstsein, im ständigen Hören, im immer wieder aufgenommenen Gebet, im liebenden Gehorsam zu Gott, der allein mein Leben richten und ins Recht setzen kann ...
Alois Albrecht, in: das Thema 23 (1981).

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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In der alttestamentlichen Lesung sind der Beginn und das Ende aus dem 61. Kapitel des Prophetenbuches Jesaja zusammengefügt, die mittleren sieben Verse fehlen - vermutlich aus praktischen Gründen (Länge!). Um den inneren Gehalt der Lesung wirklich zu erfassen, ist es jedoch ratsam, sich das gesamte Kapitel anzusehen (vgl. 1. Lesung Langfassung).
Unser Text enthält eine Heilsverheißung Jahwes an sein Volk in der noch instabilen Zeit nach der Heimkehr aus dem Babylonischen Exil. Dabei wird besonders den "Armen" die Zuwendung Gottes zugesagt, womit nicht nur die materiell Bedürftigen gemeint sind, sondern alle, die in irgendeiner Not leben. Ein eindrucksvolles Bild für ihren Zustand ist das Wort vom "gebrochenen Herzen". Das Herz bedeutet in der hebräischen Anthropologie soviel wie die Personmitte, den Sitz der menschlichen Identität. Gottes Zuwendung gilt den Gebrochenen und Gebeugten. Unser Text hat dabei Zustände harter Realität im Blick. Mit den "Gefangenen" sind etwa jene Menschen gemeint, die in Schuldsklaverei gefallen sind, und denen nun im angekündigten "Gnadenjahr" (vgl. die Rechtsinstitution des Jubeljahres Lev 25:39-41) eine Aufhebung ihrer erniedrigenden Arbeitsverhältnisse verheißen wird.
Gott bedient sich, um seine Heilsverheißung an die Menschen zu bringen, eines Sprechers. Seine besonderen Merkmale ("Geist Gottes", "Salbung") sind weniger Auszeichnungen für ihn, sondern Merkmale des besonderen Ranges der Verheißung. Im zweiten Teil (Vers 10-11) ist er deshalb mehr ein repräsentatives Mitglied der von ihm angesprochenen Gemeinde, wenn sie psalmenartig Gott preist.
Die ersten Verse (1-3) sind wie eine Proklamation der Heilsbotschaft (Kap. 60-62) eines Mannes, der sich von Gott gesandt und ausgerüstet weiß, die Heilsbotschaft zu verkünden (mehrere Sätze und Begriffe in diesem Abschnitt gehen auf die Gottesknechtlieder (42,1-4. 49,1-6) zurück).
Das angesprochene "Gnadenjahr des Herrn" greift die Tradition des Erlaßjahres (Ex 23,10-12) sowie des Jubeljahres (Lev 25) auf. Diese Zeiten sollen gerade den Verschuldeten, den Armen und den Versklavten einen neuen Anfang geben. Verarmung und Schuldsklaverei widersprechen dem Willen Gottes.
Die Worte am Anfang der Lesung hat Jesus bei seinem ersten öffentlichen Auftreten auf sich selbst bezogen (Lk 4,18-19). Er ist der Gesalbte Gottes, der "Christus".
Der vorliegende Text wurde zu einem Kerntext der Befreiungstheologie Lateinamerikas. Es soll auf die umfassende Befreiung hingewiesen werden (d.h. auch die Befreiung von ökonomischen Fesseln und Ungerechtigkeiten, usw.).
Im Jahre 1999 wurde in vielen Ländern Europas - unter Mitwirkung der Kirchen - eine Kampagne unter dem Titel: Schuldenerlaß 2000 gestartet. Ein Kernsatz daraus stammt aus der heutigen Lesung.
Formal handelt es sich in den ersten Versen um eine so genannte Heilsproklamation oder Heilsverheißung. Es wird von einem Mann gesprochen, der von Gott gesandt wurde und sich in der Lage sieht, die Gottes Heilsbotschaft zu verkünden.
Wichtig ist es, bei dieser Lesung zu beachten, dass hier einerseits die tatsächliche materielle Sorge der damaligen Menschen angesprochen wird. Dass andererseits aber darüber hinaus mit dem Bild vom "gebrochenen Herz" noch tiefer Liegendes mitgemeint wird: In der alttestamentlichen Sicht des Menschen gilt das Herz als Synonym für die menschliche Identität. Somit wird klar, dass die Zuwendung Gottes mehr als materiellen Wohlstand bewirken wird.
Mit den "Gefangenen" sind jene Menschen gemeint, die in die Schuldsklaverei gedrängt wurden. Im angekündigten Gnadenjahr werden sie dann aus dieser befreit. Hier werden inhaltlich das Erlassjahr aus Ex 23,10ff. und das Jubeljahr aus Lev 25,39ff. aufgegriffen und thematisiert.
Ist derjenige, der die Botschaft Gottes verkündet, im ersten Teil der Lesung gleichsam in der Funktion eines Sprechers zu sehen, dessen sich Gott bedient, so ist er im zweiten Teil der Lesung wohl als Mitglied der von ihm adressierten Gemeinde zu verstehen, die Gott mit psalmenähnlichen Texten preist.