Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus der Apostelgeschichte
In jenen Tagen
tat Stephanus aber,
voll Gnade und Kraft,
Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner
und Kyrenäer und Alexandriner
und Leute aus Kilikien und der Provinz Asien
erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;
aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach,
nicht widerstehen.
Als sie seine Rede hörten,
waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört
und knirschten mit den Zähnen gegen ihn.
Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist,
blickte zum Himmel empor,
sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
und rief:
Siehe, ich sehe den Himmel offen
und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
Da erhoben sie ein lautes Geschrei,
hielten sich die Ohren zu,
stürmten einmütig auf ihn los,
trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.
Die Zeugen legten ihre Kleider
zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
So steinigten sie Stephanus;
er aber betete
und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
Dann sank er in die Knie und schrie laut:
Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!
Nach diesen Worten starb er.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Herr, in deine Hände lege ich meinen Geist. – Kv
(oder GL 308,1)
Sei mir ein schützender Fels,
ein festes Haus, mich zu retten!
Denn du bist mein Fels und meine Festung;
um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. - Kv
In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.
Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen;
denn du hast mein Elend angesehn.
du kanntest die Ängste meiner Seele. - Kv
In deiner Hand steht meine Zeit;
entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
hilf mir in deiner Huld! - Kv
Halleluja. Halleluja.
Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn.
Gott, der Herr, erleuchte uns.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach jesus zu seinen Jüngern:
Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht!
Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern
und in ihren Synagogen auspeitschen.
Ihr werdet um meinetwillen
vor Statthalter und Könige geführt werden,
ihnen und den Heiden zum Zeugnis.
Wenn sie euch aber ausliefern,
macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt;
denn es wird euch in jener Stunde eingegeben,
was ihr sagen sollt.
Nicht ihr werdet dann reden,
sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern
und der Vater das Kind
und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen
und sie in den Tod schicken.
Und ihr werdet um meines Namens willen
von allen gehasst werden;
wer aber bis zum Ende standhaft bleibt,
der wird gerettet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Text des Evangeliums stammt aus der so genannten "Aussendungsrede" (Mt 9,35 - 11,1). Matthäus komponierte hierbei aus überlieferten Worten Jesu eine eigene Rede zusammen. Adressaten dieser Rede sind nicht allein die Jünger Jesu sondern gleichsam alle Christinnen und Christen. Dass es sich dabei um keine authentische Rede Jesu handeln kann, wird beispielsweise an der Formulierung "... und in ihren Synagogen auspeitschen..." deutlich, denn Jesus selbst hätte nie von "ihren" Synagogen gesprochen. Vielmehr hat der Autor hier bereits die Zeit der ersten Verfolgungen und Anfeindungen vor Augen.
Das Kennzeichen für das Leben der Jünger ist nach dem Evangeliumstext die Verfolgung. Die Verfolgung droht den Jüngern dabei von verschiedenen Seiten: Mitmenschen, Familie, Repräsentanten des jeweils herrschenden Systems etc..
Immer wieder hat Jesus seine Jünger darauf hingewiesen, was sie von den Menschen zu erwarten haben, aber auch, was sie - wenn sie treu sind - von Gott zu erwarten haben. Die "Welt" wird ihr Tun und Wirken nicht anerkennen, doch Gott sie "entschädigen" und ihnen Ewiges Leben schenken. In der Stunde der Entscheidung, dann „wenn es darauf ankommt", wird der Hl. Geist selbst, ihre Worte formen und ihnen die "Sprache abnehmen". Im Zusammenhang mit dem Gedächtnis des hl. Stephanus sind die Worte mehr als prophetisch: Die eigenen Angehörigen werden einen verleugnen, aber Gott, der Herr, bleibt treu und sendet seinen Beistand, den Heiligen Geist.
Die heutige Perikope ist aus der Aussendungsrede (9,35 - 11,1) genommen. Mattäus stellt aus Worten Jesu, die bei verschiedenen Gelegenheiten gesprochen wurden, eine Aussendungsrede zusammen. Sie ist nicht allein an die zwölf Apostel gerichtet, manches gilt für alle ChristenInnen ("JüngerInnen").
Der heutige Evangeliumsabschnitt befasst sich mit dem Los der Jünger, wobei nur der 1. Teil (10,17-22 von 10,16–39) gelesen wird. Das Jüngerlos ist die Verfolgung. Die Jünger werden ohne irdische Macht in eine Welt der Feinde geschickt, die Ausrüstung sind das "Ich" Jesu und die kluge Zurückhaltung. Die Verfolgung droht gleich von mehreren Seiten: durch jüdische und heidnische Obrigkeiten, aber auch von eigenen Familien.
Die Jünger Christi können aber nicht ausgerottet werden. Sie sollen um die Geborgenheit im Geist Vaters wissen und das ist ihre Rettung.
Gießen wir Öl ins Feuer, wenn wir zu Märtyrern aufschauen und sie als Heilige verehren? Befeuern wir damit nicht die vielen Konflikte zwischen Völkern, gesellschaftlichen Gruppen und Religionen? Ist es ein legitimer Ausweg, Religion zur Privatsache zu erklären, die in der Öffentlichkeit nicht mehr vorkommen soll?.
2025 begehen wir in Österreich auch ein trauriges Jubiläum. Vor 50 Jahren wurde kurz vor Weihnachten auf die OPEC-Ministerkonferenz in Wien ein Terroranschlag verübt. Dieser Anschlag markiert den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Gewalt. Seither gehören Terrorakte beinahe schon zum politischen Alltag. Nicht wenige dieser Akte haben einen religiös-politischen Hintergrund.
In vielen Ländern findet der Ruf nach einem starken Mann Gehör und es kommen politische Hardliner an die Macht. Populisten nützen diese Situation für ihre eigenen Interessen. Gefährlich finde ich die indirekte heimliche Bewunderung derer, die für ihren Glauben etwas tun, ja sogar ihr Leben dafür einsetzen.
Wie kommt es, dass wir nach so langer Zeit noch immer nicht fähig sind, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen?
Der amerikanische Bürgerrechtsaktivist Martin Luther King (1929-1968), der seine Anhänger zu gewaltlosem Widerstand aufrief und schließlich selbst einem Attentat zum Opfer fiel, betonte in seinen berühmten Reden immer wieder: "Gewalt verstärkt nur den Hass. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Hass kann den Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe."
In der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir von der Steinigung des Diakons Stephanus gehört. Begonnen hat die Auseinandersetzung mit einem theologischen Streitgespräch, in dem Stephanus seine Sichtweise der Heilsgeschichte angefangen bei Abraham bis zu Jesus Christus darlegte. Mit seiner glänzenden Rede provozierte er seine Gegner so sehr, dass es schließlich zu seiner Ermordung kam.
Wie ihm erging und ergeht es auch heute noch vielen, die das religiöse System ihrer Zeit kritisieren. Die Ermordung Johannes des Täufers und schließlich auch Jesu ereignete sich nur wenige Jahre vor der Steinigung des Stephanus.
Trotz ihrer Ermordung hat sich jedoch der Geist dessen, was sie predigten, auf lange Sicht durchgesetzt. Heute können wir mit Recht drauf stolz sein, was das Christentum im Laufe der Jahrhunderte Gutes geschaffen hat.
Immer wieder gab es Versuche, religiöse Entwicklungen mit Gewalt aufzuhalten und auch Perioden, in denen man meinte, der guten Sache mit Macht und Gewalt nachhelfen zu müssen. Im Rückblick haben diese der guten Sache mehr geschadet als vorangebracht. "Hass kann den Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe" und: "Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht."
Viele Christen sind heute versucht, sich aus notwendigen Auseinandersetzungen und Konflikten herauszuhalten. Dieser Weg erscheint mir genauso gefährlich. Er führt zu Gleichgültigkeit, die nichts weiterbringt oder sich gar mit Missständen abfindet. Es geht nicht ohne geistige Auseinandersetzung mit den religiösen Alternativen, den unterschiedlichen Religionen und auch Gruppierungen innerhalb der religiösen Gemeinschaften. Es geht nicht ohne Dialog auf allen Ebenen: wissenschaftlich-theologisch, gesellschaftlich und politisch.
Der hl. Stephanus zeigt, wie notwendig es ist, sich nicht mundtot machen zu lassen und sich mutig in einen Dialog einzubringen. Wenn wir die Auseinandersetzung nicht im Dialog und mit Argumenten führen, findet sie auf anderen Ebenen und mit Gewaltanwendung statt. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wenn andere meinen, mit Gewalt den Entwicklungsprozess stoppen oder abkürzen zu können. Der Geist Gottes gibt uns ein, was wir zu sagen haben. Der Geist Gottes wirkt mit seinem langen Atem und führt uns den Weg, den Jesus vorgezeichnet hat.
Auf den stimmungsvollen Heiligen Abend und den Christtag folgen Fest- und Gedenktage, die auf den ersten Blick nicht zum Weihnachtsfest passen und die unsere Weihnachtsstimmung stören. Das Schicksal des Stephanus macht uns bewusst, dass der Frieden auf Erden und ein neues Miteinander der Menschheit eine Aufgabe ist, zu der wir immer neu motiviert werden müssen. Weihnachten ist nur der Anfang.
Was gehört zu einem schönen Weihnachtsfest? Weihnachtliche Musik, Weihnachtslieder, Weihnachtsdekoration, ein Weihnachtsbaum, eventuell eine Weihnachtskrippe, Weihnachtsgebäck, Weihnachtsessen, eine friedliche Stimmung am Familientisch wenigstens am Heiligen Abend u.a.m. Je nach persönlichem Geschmack kann man die Liste noch verlängern und sich bemühen, dass für jeden etwas dabei ist. Ein zweiter Feiertag ist da sehr willkommen, damit man das Viele auch verdauen kann. Manche nutzen diesen jedoch schon, um das, was sie rund ums Fest aufgebaut haben, wieder wegzuräumen und zu entsorgen.
Die Kirche tanzt da ein wenig aus der Reihe. Sie feiert Weihnachten gleich eine ganze Woche lang, wo viele schon weihnachtsmüde sind. Auf den gefühlsbeladenen Weihnachtsabend und Christtag lässt sie als zweiten Feiertag das Fest ihres ersten Märtyrers Stephanus folgen. Ein Wechselbad der Gefühle! Am 27. Dezember gibt es dann wieder eine positivere Stimmung mit dem Fest des Evangelisten Johannes. Dieser wurde nicht müde, uns einen liebenden Gott zu predigen. Das passt wieder gut zum Weihnachtsfest. Am nächsten Tag wird es aber schon wieder blutig. Da wird der Unschuldigen Kinder von Bethlehem gedacht. Am darauffolgenden Sonntag wird's mit dem Fest der Heiligen Familie wieder lieblich.
Was soll dieses Wechselbad der Gefühle?! Wir lassen uns nicht gerne die gute Stimmung von diesen dunklen Unterbrechungen verderben! Was möchte die Kirche mit diesem Festtagsmix erreichen?
Allzu leicht sind wir versucht, für kurze Zeit in eine Wolke positiver Emotionen abzuheben und unserer Sehnsucht nach einer besseren und friedlicheren Welt nachzuhängen. Die Wirklichkeit, in der wir leben, ist jedoch anders. Die Kriege in der Ukraine, in Palästina und in anderen Krisenzonen werden weitergeführt, und welche Kräfte sich in Syrien durchsetzen werden, ist noch nicht abzusehen. Spätestens nach den Feiertagen kehren die alten Sorgen und Ängste zurück.
Wozu dann Weihnachten feiern? Wir feiern Weihnachten, weil wir glauben, dass mit der Geburt Jesu im Lauf der Geschichte eine Wende eingesetzt hat. Von gestern haben wir noch die Friedensankündigungen der Engel im Ohr, die Verheißung, dass in diesem Kind ein neuer Weltenherrscher geboren worden ist, dass in ihm die Liebe und das Wohlwollen Gottes Fleisch geworden seien. Sind das leere Verheißungen, die uns lediglich vertrösten wollen?
Der Weg zum Frieden erfordert ein dauerhaftes Umdenken aller Menschen und muss immer wieder neu begangen werden. Nicht alle wollen das. Seit jeher gibt es Kriegsgewinner, die Frieden verhindern wollen und sich mit aller Kraft gegen das von Jesus angesagte Reich Gottes stemmen. Nicht alle sind vom Friedenspfad, den uns Jesus vorgezeichnet hat und vorangegangen ist, überzeugt. Stephanus musste als Erster diese Erfahrung machen und wurde von religiösen Fanatikern zu Tode gebracht.
Hier haben wir Christen noch ein großes Aufgabenfeld und einen weiten Weg vor uns. Die Menschen müssen immer wieder neu für diese Erneuerung des Denkens und für eine Umgestaltung der Welt gewonnen werden. Die Geburt Jesu war der Anfang. Jahr für Jahr feiern wir Weihnachten, damit die Sehnsucht nach dieser erneuerten Welt und die Lust, daran mitzubauen, in uns neu belebt werden.
Durch die „gewaltigen, erschreckenden“ Worte, die Matthäus Jesus im Evangelium seinen Schülern und Schülerinnen auf dem Weg mitgibt, könnte man meinen, dass Gottes gerechte Welt, anscheinend „weit weg“ ist, wäre da nicht die Erinnerung an den „Geist des Vaters“, der aus der Katastrophe herausführt.
Die Freude der Weihnachtsbotschaft möchte ich zusammenfassen mit den Worten: „Seht doch die Menschen, sie kommen, und der Himmel ist offen!“ Es ist wunderbar, wenn die Welt durch das Zeugnis der Menschen vom Reich Gottes beseelt wird. Allerdings sind die Sätze, mit denen das Evangelium des Festes des hl. Stephanus beginnen, dazu ein harter Kontrast, wenn es da heißt: „Nehmt euch vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern…“ (Mt 10,17).
In diesem Matthäustext werden wir mit den historischen Ereignissen, die sich nach dem Jahr 70 unserer Zeitrechnung in den verschiedenen jüdischen Gemeinden abgespielt haben, konfrontiert.
Das römische Heer erobert im Jahre 70 n. Chr. nach langer Belagerung Jerusalem und zerstört den Tempel in Jerusalem. Der Tempel war für das jüdische Volk die Mitte, das Heiligste, das rituelle Zentrum! Dieses Zentrum gab es nun nicht mehr. Die Folgen waren katastrophal:
Zerstreuung der jüdischen Bevölkerung, Streit unter den verschiedenen „Synagogen“ (diese werden in Mehrzahl genannt, die Synagoge gab es nicht) und den jeweiligen jüdischen Gemeinden. Allzu viel wurde durcheinandergebracht, die Mitte, die bisher das jüdische Volk zusammenhielt, sie ist weg, Chaos breitet sich aus.
Das alles klingt im Text des Matthäus nach, dessen Verkündigung auch Jahre nach der Zerstörung des Tempels davon geprägt war. Dieses epochale Ereignis im Judentum, diese historische Wirklichkeit, muss „mitgelesen“ werden, um zu verstehen, was Matthäus hier seiner Gemeinde sagen möchte. Matthäus fügt mit Blick zurück in die Vergangenheit Statthalter und Könige ein. Diese gab es schon zur Zeit Jesu nicht mehr, und schon gar nicht in der nachjesuanischen Zeit. Die Zeit, in der Matthäus seiner Gemeinde von Jesus erzählt, ist von Verfolgung und Zerstörung geprägt. In dieser Atmosphäre lässt Matthäus in dieser Perikope auch Jesus auftreten.
Vor diesem Hintergrund sind die einleitenden Worte der Perikope „Nehmt euch vor den Menschen in Acht!“ zu deuten, zu lesen. Die wesentliche und bestimmende Botschaft Jesu, dass Gottes gerechte Welt schon unter uns ist, gerät unter diesen gewaltigen, machtvollen, erschreckenden Worten fast ins Abseits, wäre da nicht die Erinnerung an den „Geist des Vaters“, der hinausführt aus der Katastrophe. "Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden."
In diesem Zusammenhang tut es gut, sich an die Schöpfungserzählung aus dem Buch Genesis zu erinnern. Am Anfang herrschte das Urchaos: „Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut“ (Gen 1,2a). Doch: "…und Gottes Geist schwebte über dem Wasser". Hier hören wir von dem Geist des Vaters, der durch euch „reden“ wird.
Dies gibt Jesus seinen Jünger/Jüngerinnen als Vertrauensbasis, als Hoffnungsbild mit auf den Weg. In diesem Hoffnungsbild werden auch die Erfahrungen von Leid und Elend in der Schöpfung nicht ausgeklammert. Das Göttliche ist da hinein verwoben, Himmel und Erde sind erfüllt davon. Er, der Geist Gottes, ist in dieser Welt zu gegen. Jesu Botschaft gibt Zeugnis davon, vom Geist des Vaters, der beständiger Begleiter ist. Das wird den Jüngern und Jüngerinnen in der sogenannten Aussendungsrede zugesagt: „Gottes Geist wird durch euch reden!“ Er stärkt euch in eurem Bemühen! Also geht, damit Gottes gerechte Welt, Gottes Reich, die Menschen aufrichtet, in ihnen die Hoffnung auf ein gewaltfreies Zusammenleben nährt, wieder Mut macht. Diese Botschaft soll Platz haben in der Verkündigung vom Reich Gottes. Dafür tragen wir Verantwortung.
Wer in Mitverantwortung, in Solidarität mit dieser Welt lebt, wird sich einsetzen für ein Leben in Gerechtigkeit. Das heißt, sich für ein gewaltfreies Zusammenleben der Menschen einzusetzen, es im Geiste Gottes, im Geiste des Reiches Gottes, in Wort und im Tun zu gestalten.
Der zweite Weihnachtstag mit dem Mord an Stephanus steht in hartem Kontrast zur weihnachtlichen Idylle des Heiligen Abends. Die Geburt des Messias ist der hoffnunggebende Anfang. Zur Erlösung gehören auch Tod und Auferstehung. Weihnachten wird damit für uns auch ein Auftrag, Weihnachten in die Welt zu tragen.
Weihnachten, das Fest der Freude und des Friedens. Die Weihnachtsfreude hat in großartiger Weise Johann Sebastian Bach in seinem „Jauchzet frohlocket“ zum Ausdruck gebracht. Wenn ich diesen Anfang des Weihnachtsoratoriums gehört habe, dann weiß ich, jetzt ist Weihnachten und dieses Weihnachten ist unumkehrbar. Gott ist Mensch geworden und er liebt mich mit ewiger Liebe. Im fünften Teil des Weihnachtsoratoriums heißt es in einem wunderbaren Terzett: „Sopran: Ach, wann wird die Zeit erscheinen? Tenor: Ach, wann kommt der Trost der Seinen?“
Ich habe mich immer gewundert, warum nach der der zu überbietenden Weihnachtsfreude die eher meditativ resignierenden Fragen auftauchen: „Ach, wann wird die Zeit erscheinen? Ach, wann kommt der Trost der Seinen?“ Als ich mir den Handlungsverlauf näher ansah, war mir klar, warum plötzlich diese Fragen auftauchen. Mit dem fünften Teil tauchen Herodes und die Weisen aus dem Morgenland auf und damit die Gefahr, dass der Neuanfang im Keim erstickt würde.
Auch heute gibt es so vieles, was die Weihnacht übertönt und zu ersticken droht. Der Krieg den Putin unrechtmäßig gegen die Ukraine führt, Corona, die Zerstörung der Erde und die unzähligen privaten Schwierigkeiten und Katastrophen kommen hinzu. Gerade als Gläubige müssen wir fragen: „Ach, wann wird die Zeit erscheinen? Ach, wann kommt der Trost der Seinen?“
Vor Jahren stand in einer Boulevardzeitung am Zweiten Weihnachtstag in großen Lettern „Der Weihnachtsmord“. Typisch, dachte ich, selbst an Weihnachten müssen solche schrecklichen Nachrichten als Aufmacher dienen, um die Auflage zu steigern. Doch noch während ich zur Messe ging, kam mir der Gedanke, dass Gott uns in der Feier des zweiten Weihnachtstages genau dieses Grauen, den Mord an Stephanus zumutet. Gott will uns nicht in der Rührseligkeit eines Weihnachtsidylls belassen, sondern er will daraus herausreißen in die brutale und herzlose Realität der Welt. Gibt es hier nicht eine Entsprechung zum Auftreten des Herodes in der Weihnachtsgeschichte. Fast habe ich den Eindruck, neben dem Heil des Universums ist auch das Böse allgegenwärtig und es schlägt grausam zu, der Mord an den unschuldigen Kindern, der Mord an Stephanus. Wenn wir uns den Tod des Stephanus anschauen, dann entdecken wir Parallelen zum Tod Jesu. Wie Jesus vergibt Stephanus den Feinden und übergibt seinen Geist der ewigen Liebe Gottes.
Die Kirche mutet uns diesen harten Schritt zu, weil es der Wirklichkeit entspricht. Stephanus erinnert uns an den Tod Jesu und der Tod Jesu verweist uns zur Geburt Jesu und darüber hinaus bis zum Anfang der Schöpfung. Krippe und Tod gehören zusammen. In diesem Zusammenfallen von Leben und Tod und Auferstehung gehört das „schon“ und das „noch nicht“. Das ist die Grundspannung, die uns zerreißt und erlöst. Wir sind schon erlöst, durch das Heilshandeln Gottes und zugleich noch nicht, weil die Wiederkunft Christi noch aussteht.
Weihnachten ist ein Skandal. Weihnachten fordert uns heraus, das Kind zu beherbergen in unserer Wohnung und in unserem Herzen. Das Kind sind alle Notleidenden nah und fern. „Ausländer raus“ oder „Wir helfen nur Deutschen“ usw. passen nicht zu Weihnachten. Wenn wir durch Wort und Tat die Liebe nicht verteidigen und zur Geltung bringen, dann erlischt das Licht der Weihnacht. Politikaktivisten haben einmal das C der CDU abmontiert und es überall dorthin gebracht, wo das C, die christliche Gesinnung notwendig ist. Wäre das nicht auch eine Anregung für uns Christen? Wir tragen das Kind zu allen, die es nötig haben, zu den Flüchtlingen, in die Ukraine, nach China, zu den Arbeits- und Heimatlosen. Ich wünsche uns zu dieser Lebensaufgabe alle Kraft und allen Mut.
Vom hl. Diakon Stephanus erzählt nur die Apostelgeschichte. Auf drei Abschnitte aus der Apostelgeschichte werde ich jeweils meine Gedanken zum Leben des hl. Stephanus vorlegen.
Wir hören einen ersten Abschnitt über den unfairen Prozess gegen Stephanus:
Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten; aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
Da stifteten sie Männer zu der Aussage an: Wir haben gehört, wie er gegen Mose und Gott lästerte. Sie hetzten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, drangen auf ihn ein, packten ihn und schleppten ihn vor den Hohen Rat. Und sie brachten falsche Zeugen bei. (Apg 6,8-13a).
Was wir hier über Stephanus gehört haben, reißt uns aus der Weihnachtsstimmung heraus und versetzt uns in die Karwoche. Die Sätze über Stephanus weisen mehrere Parallelen zum Leben Jesu auf. Das beginnt bei den Streitgesprächen und endet mit dem gleichen einzigartigen Verzeihen: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“
Wir dürfen davon ausgehen, dass Stephanus als Diakon nicht nur Almosen verteilte, sondern auch Partei ergriff für die Ärmsten und für mehr Gerechtigkeit eintrat. Dabei standen ihm Zeichen und Wunder zur Seite.
Wie seinen Herrn und Meister ziehen die Gegner den Stephanus mit falschen Vorwürfen vor Gericht. Selbst die Anklage, Stephanus würde nicht dem Gesetz des Mose folgen und den Tempel ablehnen, klingt wie gegen Jesus.
Stephanus wird beschuldigt, das Gesetz des Mose und seine Bräuche ändern und den Tempel zerstören zu wollen. Nichts davon stimmt. Vielmehr nimmt Stephanus die Thora, die hl. Schrift der Juden, sehr ernst und bezieht sie ausführlich in seine Rede vor dem Hohen Rat ein. Stephanus bleibt genauso wie Christus nicht beim Altgewohnten stehen, sondern baut darauf auf und führt weiter.
Wir hören den zweiten Teil der Lesung aus der Apostelgeschichte mit Auszügen aus der Rede des heiligen Stephanus:
Stephanus begann seine Rede: Brüder und Väter, hört mich an! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham und sagte zu ihm: Zieh weg aus deinem Land in ein Gebiet, das ich dir zeigen werde. Und Gott verhieß ihm viele Nachkommen.
Dann geht Stephanus kurz ein auf die 400 Jahre Knechtschaft Israels in Ägypten. Für Zeiten des Ungehorsams und Glaubensabfall musste Israel büßen und auch die Unterdrücker in Ägypten wurden mit Plagen bestraft.
Stephanus schildert, wie Mose das Volk Israel aus Ägypten führte. Verehrung des goldenen Kalbes und Murren auf der Wüstenwanderung kennzeichnen das wankelmütige Volk.
Die Worte des Stephanus münden in den Vorwurf: Eure Väter haben sich dem Heiligen Geist widersetzt und auch ihr bleibt halsstarrig und seid um keinen Deut besser. (Apg 7,1-53)
Der Vorwurf des Stephanus wirkt deswegen besonders schwer, weil seine Gegner die Thora kennen sollten. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid. Letztlich wirft Stephanus ihnen vor, sich wider besseres Wissen gegen das Gesetz des Mose gestellt zu haben.
Es ist zu wenig, sich im Besitz des Wortes Gottes zu wissen. Viel wichtiger ist es, aus dem Geist der hl. Schrift zu leben. Diakon Stephanus kannte die biblischen Aussagen sehr gut. Er hatte Mut bewiesen, den gekreuzigten und auferstandenen Christus als den wahren Messias zu verkünden, auch wenn die führenden Juden nicht an Christus glaubten. Stephanus hat die Vorwürfe seiner Gegner geschickt entkräftet. Als sie im fairen Streiten dem Stephanus nicht beikommen konnten, hielten sie sich die Ohren zu, wurden laut und gingen auf ihn los.
Harte Wahrheiten anhören zu können, sich von ihnen herausfordern zu lassen, zeugt von einem reifen Charakter. Letztlich ist dies eine unumgängliche Voraussetzung sich zu bekehren und Fortschritte zu machen.
Wir hören nun den dritten Teil der Lesung über die Steinigung des heiligen Stephanus:
Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. Stephanus aber betete: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. (Apg 7,54 - 8,1a).
Auf die Rede des Stephanus findet die Menge keine andere Antwort als Zähneknirschen, Tumult und Gewalt. Wo Argumente und Einsicht über Bord geworfen werden, ist die Gewalt nicht mehr weit.
Als Stephanus Jesus bei Gott erhöht sieht, wird die Wut noch größer. Er schaut Gott im Himmel und nicht im Tempel, was die Gegner als weitere Provokation empfinden. Stephanus sieht Jesus zur Rechten Gottes stehen. Vor ihm, dem endzeitlichen Richter, bezeugt der Gekreuzigte und Auferstandene die Worte des Stephanus. Das treibt die Wut der Gegner auf die Spitze und drängt sie zur Steinigung.
Leider entdecken wir solche Schritte bis hin zur Gewalt in sehr vielen vor allem politischen Karrieren. Diese Blutspur zieht sich bis in unsere Gegenwart. Schreiendes Unrecht wächst, wo Wahrheiten verdreht werden, wo man Konkurrenten mit falschen Anschuldigungen klein macht. Hitler hatte bereits bei seinen ersten Auftritten Anfang der 20ger Jahre einen Sicherheitsdienst, der jeden, der zu widersprechen wagte, aus dem Saal entfernte.
Der Wille, Macht auszuüben steckt mehr oder weniger in uns allen, ob gegenüber dem Partner oder der Partnerin, gegenüber den Kindern; ob im Beruf, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Fake News, Mopping, Verdächtigungen, Zurückhalten von Informationen und schrittweise Isolierung sind auch heute noch wirksame Mittel, die eigene Macht auf Kosten anderer zu stärken.
Der Stephanustag ist vor einigen Jahren zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen erklärt worden. Es gab noch nie so viele Christen, die wegen ihres Glaubens in Gefängnissen schmachten oder getötet werden, wie heute.
Bitten wir den heiligen Stephanus um tiefere Verwurzelung in Christus, damit auch wir uns mutig zu Christus bekennen. Mit Christus können wir am meisten zu Freiheit und Friede beitragen nicht nur in der Weihnachtszeit.
Stephanus sieht bei seiner Steinigung den Himmel offen…Sein Fest wurde schon früher als Weihnachten gefeiert. Verfolgte Christen haben zu ihm aufgeblickt, weil er auf Christus verweist, der uns den Himmel geöffnet hat.
Wenn Sie in Fernsehzeitschriften blättern, fallen Berichte über Sternstunden der Menschheit auf. Häufig sind das Filme der Wissenschaftsredaktionen. Sie beschreiben die Entwicklung von Tieren oder Landschaften. Immer wieder kommt auch ein Part: „So fing es wahrscheinlich an.“
Sternstunden gibt es auch in der Sparte der Unterhaltungsfilme. Im richtigen Moment trifft der Held des Films auf Menschen in Not. Diesen Menschen wird übel mitgespielt. Diese Menschen werden verfolgt. Aber der Held ist da – und es läuft meist auf ein Happy End hinaus. Der Ausklang des Films lässt ahnen: Diese Menschen werden für die Zukunft ihrer Familie ein Segen sein.
Für Stephanus war es anders. Seine Sternstunde war seine letzte Stunde. Sein Tod war beschlossene Sache. Die Art der Tötung war allen bekannt. Ein Zurück hätte es nur geben können durch einen Widerruf. Das aber war nicht möglich. Die Diskussionen mit den Vertretern der Synagoge hatten ja gezeigt: „Dieser Mann redet aus Gott.“
In dieser Situation kommt es zu seiner Vision. Die gibt ihm Sicherheit und Antwort. Er kann spüren: Ich habe auf das Richtige gehofft. Gut, dass ich dabei bleiben kann.
Sein Zeugnis war eine Sternstunde für Christengemeinden, die Menschen zu sich eingeladen haben. Sie mussten bekennen und gleichzeitig befürchten, verfolgt zu werden. Wie konnten sie mit ihrem Wunsch zum Bekenntnis und ihrer Angst umgehen? Wie konnten sie sich schützen und doch dem Reich Gottes mehr Raum geben? Die Geschichte des Stephanus zeigte ihnen: „Gott steht uns bei. Er verlässt uns nicht. Das gibt uns Mut.“
Im Evangelium der Heiligen Nacht wurde den Hirten und uns gesagt: „Fürchtet Euch nicht. Der Heiland ist geboren!“ Diese verängstigten Menschen, die sich keinen Reim auf all das machen konnten, schauten und glaubten.“ Das Geschehen rund um Stephanus ist eigentlich gleich.
Die weihnachtliche Freude soll nicht gestört werden durch das Fest des Märtyrers Stephanus. Vielmehr sollte suchenden Menschen gesagt werden: Die Märtyrer stehen für einen Menschen ein, den Gott gesandt hat, damit wir mit ihm und durch ihn wachsen.
Weihnachten ist das Fest der Liebe Gottes, die uns Menschen und die Welt verändern will. An Stephanus sehen wir, wozu begeisterte Liebe fähig macht. Wir schauen auf Stephanus, damit diese Liebe in unserem Leben fortwirkt.
Am zweiten Weihnachtstag wird uns von der Liturgie her das Martyrium des Diakons Stephanus vor Augen gestellt. Auf den ersten Blick erscheint dies nicht sehr feinfühlig. Mitten in den Jubel über die Geburt Jesu und in die Weihnachtsfreude hinein werden wir mit negativer Lebensrealität konfrontiert: Verurteilung und Hinrichtung wegen des Glaubens. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Liturgen, die die Texte für das Kirchenjahr zusammengestellt haben, uns nicht die Freude am Weihnachtsfest verderben wollten, sondern eine pastorale Absicht verfolgt haben.
Wenn wir nicht wachsam sind, geraten wir leicht in die Gefahr, das Anliegen von Weihnachten mit der Zeit mehr und mehr abklingen zu lassen. In der Menschwerdung Jesu hat Gott das ungeheure Ausmaß seiner Liebe zu uns Menschen sichtbar werden lassen. Und von dieser Liebe weicht Jesus ein Leben lang keinen Zentimeter ab, obwohl sie ihm ein hohes Maß an menschlichem Leid einbrachte. Machen wir uns bewusst: Es gibt keine ärmlichere Geburt eines Menschen auf dieser Erde als die Geburt Jesu: Es gibt keinen schmachvolleren Tod zur Zeit Jesu als die Kreuzigung. Sie war den Schwerstverbrechern vorbehalten als Ausdruck der Schande. Jesus durchlebt also ein Höchstmaß an Armut und Schmähung. Dennoch wich er von der Liebe nicht ab. Dieses Verhalten Jesu sollen wir Weihnachten us vor Augen halten und in Freude darüber aufjubeln. Denn nur wenn wir uns in Staunen und Freude vom Leben Jesu begeistern lassen, wird in uns die Sehnsucht wachsen, an der Liebe selbst dann festzuhalten, selbst wenn uns Unrecht und Leid angetan wird.
In welches Ausmaß an Liebe Begeisterung führen kann, zeigt uns Stephanus. In seinem Herzen gibt es keinen anhaltenden Groll auf seine Gegner, Zorn oder Rachegedanken. Das zeugt nicht von Schwäche. Stephanus lässt sich von niemanden einschüchtern. Vor den Ältesten des jüdischen Gerichts hält er eine flammende Rede, in der er begeistert von Christus spricht und Zeugnis für ihn ablegt. Diese Begeisterung des Stephanus sollen wir uns vor Augen halten. Denn lebendiger Glaube benötigt Begeisterung und Festhalten an der Liebe. Nicht Traurigkeit über die Steinigung des Stephanus soll uns heute erfassen, sondern Hochachtung und Bewunderung darüber, welch enorme Kraft die Einstimmung auf die Liebe Gottes dem Stephanus brachte.
Schon in der Urkirche galt Stephanus als ein Musterbeispiel für gelebte Liebe und gelebte Nachfolge Jesu. Was wir von Stephanus, seinem Leben und Wirken wissen, ist uns in einer Form überliefert, die ihn als Abbild Christi zeichnet:
Fast parallel und spiegelgleich verläuft das Leben des Stephanus mit dem Leben Jesu. Und nicht von ungefähr gipfelt das Ende des Märtyrers im Gebet Jesu am Kreuz: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an. Dieser Satz enthält das Leitmotiv, unter das Stephanus sein gesamtes Leben stellte: Jene Liebe, die selbst den ärgsten Feind nicht ausklammert. Die Liebe prägte sein Denken, formte sein Wesen und bestimmte sein Handeln.
Stephanus ein Abbild Jesu, ein Vorbild für alle, die den Namen Christi tragen. Dieses Bild sollen wir vor Augen haben. Mit diesem Bild sollen wir in den Tagen nach Weihnachten aufbrechen in unseren Alltag und in das neue Jahr hinein.
Keiner, der sich nun im Stillen sagt „Das schaffe ich doch nie, ich bin kein Stephanus!“, soll resignieren oder aufgeben. Vielmehr möge er neu in die Krippe schauen auf den, von dem ja auch Stephanus seine Kraft bezog. Auch wenn wir keine großen Heiligen aus uns machen und uns nicht in allen Lebenslagen bewähren, so ist dennoch jedes kleine Werk unserer Liebe wertvoll und wichtig. Lassen wir uns durch weihnachtliche Besinnung auf Jesus, Stephanus und deren Leben immer neu bewegen zu einer Begeisterung, die über Weihnachten hinaus anhält und die im Laufe unseres Lebens immer stärker wird.
Das Fest des hl. Stephanus passt auf den ersten Blick nicht zu Weihnachten. Es erinnert eher an die Konflikte von Menschen, die religiöses Leben sehr ernst nehmen. Stephanus und Weihnachten zeigen uns, wie wir von unserem Glauben an die menschgewordene Liebe Gottes Zeugnis geben können.
Der zweite Weihnachtsfeiertag ist dem hl. Stephanus gewidmet. Er tritt mutig für Christus und dessen neuen Weg ein. An ihm wird sichtbar, wie die Botschaft von Jesus Christus die Welt verändert.
Weihnachten ist nur ein Fest der Gefühle. Liebe kann sehr ernst werden, zeigt sich im Leben und im Sterben des hl. Stephanus.
Obwohl das Fest des hl. Stephanus eine ganz andere Stimmung wachruft, ist der zweite Weihnachtsfeiertag ein echter Weihnachtstag.
Viele dem hl. Stephanus geweihte Kirchen im Donauraum erinnern an die Anfänge des Christentums hier. Stephanus ist eine wichtige Persönlichkeit am Anfang des Christentums in Jerusalem. Er ist entschlossen, in der Spur Jesu zu bleiben und sich den Konflikten zu stellen, die sich im konkreten Glaubensleben daraus ergeben.
Es mag verwundern, dass unmittelbar nach Weihnachten das Fest eines Märtyrers, eines Zeugen für Christus, begangen wird. Aber gerade dadurch wird uns vor Augen geführt, dass in keinem anderen Heil zu finden ist als im menschgewordenen Gottessohn. Das Christuskind in der Krippe ist mehr als Stimmung und Idylle. Stephanus war einer der sieben Diakone der christlichen Urgemeinde in Jerusalem. In Streitgesprächen vertrat er das Evangelium Jesu Christi. Auch vor dem Hohen Rat zu Jerusalem hatte er den Mut, sich zu Christus, dem Auferstandenen, zu bekennen. Deshalb stieß er auf Widerstand und wurde gesteinigt.
Wenn wir unser Leben neben Christus und Stephanus stellen, erkennen wir, wie weit wir hinter ihnen zurückbleiben. Im Kyrie öffnen wir uns dem Erbarmen Gottes:
Viele fragen sich: „Warum muss denn auf die Freude und den Glanz von Weihnachten gleich ein Märtyrerfest gelegt werden?“ Die schlichte Antwort darauf lautet: „Das Fest des Stephanus war eher!“
Die frühen Christen feierten schon Stephanus und andere Märtyrer als Zeugen ihres Glaubens. Erst viel später hatten sie die Möglichkeit, das Jahr nach christlicher Sicht zu gestalten. Sie sahen Christus als das Licht für die Welt und wählten als Geburtsfest einen Tag in der Nähe der Wintersonnenwende.
Christus erlebten sie als Licht für die Menschen. Sein Tun machte Mut, seine Worte fanden Antwort – damals wie hoffentlich auch heute.
Ihn bitten wir:
Heute begehen wir den Gedenktag des Hl. Stephanus. Nicht so sehr sein Martyrium als vielmehr sein Leben der Liebe und Begeisterung von Christus wird uns in der Apostelgeschichte vor Augen geführt. Wahrscheinlich kann keiner von uns so eindeutig die Liebe zu Christus leben wie dieser Martyrer. Aber resignieren müssen wir deshalb nicht. Bitten wir ihn vielmehr in diesem Gottesdienst, dass er uns beistehe und durch seine Fürbitte Kraft zur Liebe verleihe.
Herr Jesus Christus,
du hast den hl. Stephanus mit Gnade und Glaubenskraft erfüllt.
Herr, erbarme dich.
Du hast ihn die Herrlichkeit Gottes schauen lassen.
Christus, erbarme dich.
Du hast ihm die Fähigkeit gegeben,
für dich in den Tod zu gehen und für seine Peiniger zu beten.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus,
Licht im Dunkel unserer Zeit.
Kyrie, eleison.
In deiner Nachfolge wandte sich Stephanus den Armen seiner Zeit zu.
Christe, eleison.
In deiner Liebe fand ein Saulus zur Berufung seines Lebens.
Kyrie, eleison.
Der Gott, der zu uns gekommen ist, lasse uns unsere Schuld nach und führe uns zu unserem Platz in seiner Liebe und seinem Licht. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du rufst uns Menschen auf, dir mit Hingabe und Kraft nachzufolgen.
Herr, erbarme dich.
Du willst, dass wir uns nicht bekämpfen,
sondern versöhnt und im Frieden miteinander leben.
Christus, erbarme dich.
Im Hl. Stephanus hast du uns ein Vorbild und einen Fürsprecher gegeben.
Herr, erbarme dich.
Es erbarme sich unser der gütige und barmherzige Herr.
Er stärke auch uns zu einem Leben der Liebe und Versöhnung. – Amen.
Herr Jesus Christus,
mit deiner Ankunft haben Engel Frieden für eine friedlose Welt verkündet.
Herr, erbarme dich.
Du aber lässt die Menschen wissen:
"Ich bin gekommen um Feuer auf die Erde zu werfen".
Christus, erbarme dich.
Du lädst uns ein,
vor der Wirklichkeit menschlicher Schwächen nicht zu erstarren,
sondern kraftvoll die Welt zu gestalten
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser,
er befreie uns von Schuld und Sünde
und führe uns in seinen ewigen Frieden.
Allmächtiger Gott,
wir ehren am heutigen Fest
den ersten Märtyrer deiner Kirche.
Gib, dass auch wir unsere Feinde lieben
und so das Beispiel
des heiligen Stephanus nachahmen,
der sterbend für seine Verfolger gebetet hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Hl. Stephanus
Gott und Vater,
das Leben deines Sohnes
hatte Momente von Freude und von Schmerz,
von Einsamkeit und Gemeinschaft.
Lass uns deine Gemeinschaft spüren
und rühre uns an in unserer Einsamkeit,
damit wir den Menschen sagen können:
Gott ist mit uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…
Das Holz einer Krippe steht am Beginn der Berichte über Jesu Leben. Über das Holz des Kreuzes, sein Leiden und seinen Tod führt uns der Glaube zu seiner Auferstehung.
In diesem Glauben sprechen wir unsere Bitten aus:
Für alle in der Kirche, die ehrenamtlich oder in den Organisationen von Caritas und Diakonie die christliche Botschaft durch ihre praktische Hilfe den Menschen verkünden.
Für alle Verfolgten weltweit, die aufgrund ihres Glaubens Qualen, Gefängnis, Terror oder Tod erleiden.
Für alle, die mutig und zielstrebig schwierige Aufgaben übernehmen und dabei auf dich im Vollbringen vertrauen.
Für uns selbst in den vielen kleinen Entscheidungen unseres Alltags, bei denen wir oft gar nicht erkennen können, wo die wirklichen Gefahren lauern.
Für alle Verstorbenen und jene, die sie zurückgelassen haben, um die Einsicht, dass nicht der Tod sondern die Liebe das letzte Wort hat.
Bruchstückhaft öffnet sich dein Himmel auch jetzt bereits unter uns, wenn wir uns um die Wahrheit, den Frieden und die Freiheit bemühen. Dazu erbitten wir deine Hilfe. - Amen.
Jesus, das Kind in der Krippe, weist uns den Weg zum Vater und erschließt uns den Sinn, als Christinnen und Christen zu leben.
Durch Jesus lasst uns den Vater bitten:
Für alle jene Menschen, die zum Diakonenamt in der Kirche berufen sind und ihr Leben in den Dienst an der Kirche stellen.
Für die vielen Menschen weltweit, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden und dabei besonders des Beistands deines Geistes bedürfen.
Für alle, die sich hier bei uns oder in den verschiedenen Krisengebieten in caritativen Projekten engagieren und so das Überleben vieler ermöglichen oder erleichtern.
Für uns selbst um den Mut, den Weg zu gehen, auf dem wir zu dir, dem Ziel unseres Lebens, finden.
Für unsere Verstorbenen, mit denen und für die wir erhoffen, dass der Himmel für sie offensteht.
Denn dir Gott, unser Vater, glauben wir, dass du uns als deine Kinder liebst.
Dir danken wir dafür heute und alle Tage unseres Lebens. - Amen.
Herr und Bruder Jesus Christus, damit die Freude und der Friede der Weihnacht nachklingen,
vertrauen wir Dir unsere Fürbitten an.
Herr und Bruder, in den Tagen nach Weihnachten, gedenken wir deiner engsten Gefährten, wie des Heiligen Stephanus.
Wir bitten für alle, die um Ihres Glaubens willen verfolgt werden.
Christus, höre uns! - Christus, erhöre uns!
Herr und Bruder, mit großer Brutalität führt Russland einen ungerechten Krieg gegen die Ukraine.
Wir bitten für alle Notleidenden und um Frieden dort und allüberall.
Herr und Bruder, in vielen Ländern der Welt herrschen Ungerechtigkeit und Willkür. Wir bitten Dich für die unterdrückten Frauen im Iran und für alle, die wegen ihres es für die Freiheit mit dem Leben bedroht werden.
Herr und Bruder, die Schöpfung seufzt und stöhnt, weil sie durch uns so zerstört ist.
Wir bitten für alle Umweltaktivisten und für alle, die sich für die Bewahrung Schöpfung einsetzen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist…
Den offenen Himmel interpretieren wir als Zuwendung Gottes. Er ist ein Zeichen dafür, was uns an ungeahnten Möglichkeiten offensteht.
In unseren Bitten vertrauen wir uns Gottes Segen an:
Für eine Kirche als Gemeinschaft, die sich mutig und vertrauensvoll deinem Geist und deiner Weisheit öffnet.
Für eine Gesellschaft, die es wagt, überkommene Vorstellungen über Bord zu werfen und nach zeitgemäßen Formen des Mit- und Füreinander sucht.
Für die vielen Menschen unserer Tage, die gewaltsam getötet werden, weil sie gegen Fanatismus in Religionen und politischen Systemen auftreten.
Für alle jene, die durch ihre Tätigkeit in der Krankenpflege, in Einrichtungen für Obdachlose und den diversen Beratungsstellen anderen Wege aus ihrer Not weisen und ihnen Hoffnung schenken.
Für alle Sterbenden um die Hoffnung auf einen offenen Himmel und die Aufnehme in die Schar deiner Heiligen.
Mit dem hl. Stephanus und allen Glaubenszeugen der vergangenen Jahrhunderte rühmen wir dich und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Lasset uns zu Gott beten, der uns in Jesus Christus entgegenkommt mit seiner ganzen Liebe, der uns aber auch zum Zeugnis herausfordert:
Befähige alle Christen, denen die Glaubensfreiheit eingeschränkt wird, auf deinen Beistand zu vertrauen und dich zu bekennen.
Gib uns Mut und Entschlossenheit, in deinem Geiste zu handeln, wenn in unserer Umgebung Unrecht und Gewalt übermächtig zu werden drohen.
Lass uns für dich werben; mehr durch ein vorbildliches Leben als durch Worte.
Lass die Glaubenden wachsen in der Beziehung zu dir, dass sie für ihre Mitmenschen wertvoller werden können.
Hilf den Sterbenden, dass sie ihren letzten Weg in der Hoffnung auf dich gut bewältigen.
Herr und Gott, erfülle uns mit deinem Geist.
Lass uns wie Stephanus deine Zeugen sein an dem Platz, an dem wir stehen.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr Jesus,
dich sah Stephanus, als er litt.
Wir hoffen darauf auch für die Leidenden unserer Tage und bitten:
V/A: Zeige deine Gegenwart
Der Frieden der Heiligen Nacht ist in manchen Gegenden sehr brüchig.
Für die dort Lebenden bitten wir:
Menschen werden verfolgt, weil sie ihren Glauben an dich bezeugen.
Für sie bitten wir:
Getötete Menschen hinterlassen Angehörige, die an dir zweifeln können.
Für ihre Familien bitten wir:
Das Weihnachtsfest in diesem Jahr müssen manche Menschen einsam verbringen.
Für sie bitten wir:
Stephanus wird als Heiliger verehrt, viele Glaubenszeugen bleiben namenlos. Du kennst ihre Namen und ihre Lebensgeschichte.
Sie sind bei dir und für sie bitten wir:
Wir hoffen, dass auch wir einmal in deiner Liebe für immer verbleiben. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du bist das Licht, das uns den Weg weist,
du bist die Kraft, in der wir über uns hinauswachsen können.
Auf Fürsprache des hl. Stephanus bitten wir dich:
Stehe allen bei, die wegen ihres Bekenntnisses zu Gott oder wegen der Ausübung ihrer Religion verfolgt, verspottet oder benachteiligt werden.
Christus, höre uns…
Ermutige alle Christen, zu ihrem Glauben zu stehen und ihn zu bekennen, auch wenn ihnen dadurch Nachteile entstehen.
Hilf allen Menschen, sich vor Fehlurteilen und schnellen Verurteilungen anderer zu hüten.
Lass uns in unserer weihnachtlichen Stimmung nicht vergessen, dass die Botschaft von der Menschwerdung und Liebe Gottes uns prägen und verändern soll.
Nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir und allen Heiligen.
Herr Jesus Christus,
es war die von dir geschenkte Gnade, aus der sich Stephanus bewähren konnte.
Wir danken dir für alle Kräfte, die du in uns hineingelegt hast und die du uns schenkst.
Wirke du in uns, heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Herr, unser Gott, schau gütig auf dein Volk,
das mit Freude und Hingabe
den Festtag des heiligen Stephanus feiert,
und nimm unsere Gaben an.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Hl. Stephanus
Kehrvers:
Die Freude an Gott ist unsere Kraft, Halleluja. Halleluja..
(ÖGL 980)
Großer und menschenfreundlicher Gott,
es ist recht, dass wir dir danken und dich preisen
für den neuen Weg, den uns Jesus gewiesen hat,
und durch den er das Angesicht der Erde erneuert hat.
Kehrvers
Wir danken dir für die Wahrheit,
die du durch Jesus aufs neue geoffenbart hast;
Durch sie hast du gezeigt, wie sehr du deine Geschöpfe liebst.
Kehrvers
Wir danken dir und preisen dich für das neue Leben,
das du der Menschheit in Jesus von Nazareth geschenkt hast.
Kehrvers
Wir danken dir für alle Menschen,
die mit Geist und Leidenschaft
für dich und deinen Sohn Zeugnis abgelegt haben.
Kehrvers
Wir danken dir für alle Menschen,
die unsere oft verfahrene Welt durch ihr mutiges Beispiel
aus Irrwegen und Sackgassen herausgeführt haben.
Kehrvers
Wir danken dir, dass dein Geist auch heute
Menschen zu glaubwürdigen Zeugen deiner schöpferischen Liebe
und deiner Menschenfreundlichkeit macht.
Wir danken dir für die Menschen, die ihr Leben einsetzen,
um deine Frohe Botschaft allen Menschen bekannt zu machen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen stimmen wir ein
in das Lob der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Stephanus sah den Himmel offen und darin Gottes Herrlichkeit.
Wir rufen zu Gott mit den Worten Jesu:
Vater Unser…
Herr Jesus,
Stephanus hat wie du noch im Tod an Vergebung und Frieden gedacht.
Frieden war auch das erste Wort der Engel an Weihnachten.
Wir bitten dich, der du die Fülle des Friedens bist:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Eben erst
sind wir bei der Krippe angekommen.
Eben erst
haben wir staunend das Wunder gesehen.
Eben erst
haben wir voll Freude gejubelt.
Und nun, Herr,
sollen wir gehen dich zu bezeugen.
Nun sollen wir den Menschen sagen:
Gott ist mit uns!
Nun sollen wir standhaft sein und mutig,
sollen uns nicht mundtot machen lassen
von denen, die dir nicht glauben.
Gott ist mit uns
Er erfüllt uns, wie Stephanus,
mit Glauben und Heiligem Geist.
Er schenkt Kraft und Mut,
er ist Weg und Ziel.
Ihm dürfen wir vertrauen.
Gott ist mit uns -
seit Weihnachten
wissen wir das neu.
Herr, unser Gott,
wir danken dir
für die Gnade dieser festlichen Tage.
In der Geburt deines Sohnes
schenkst du uns das Heil;
im Sterben des heiligen Stephanus
zeigst du uns das Beispiel
eines unerschrockenen Glaubenszeugen.
Wir bitten dich:
Stärke unsere Bereitschaft,
deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus,
standhaft zu bekennen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Hl. Stephanus
Gott und Vater,
du hast uns an Weihnachten deinen Sohn geschenkt,
um uns den Himmel wieder zu öffnen.
Du hast Stephanus den offenen Himmel gezeigt
und ihm darin Platz gegeben.
In dieser Feier hast du uns heute ahnen lassen,
wie uns das Mahl deines Sohnes beschenkt.
Für all das danken wir dir
durch ihn unseren Herrn. - Amen.
Stephanus schaute Gott in seinem Sterben.
Gott schenke euch seine Nähe und seinen Segen. - Amen.
Christus wurde das Geschenk für die Menschen in allen Zeiten seines Lebens.
Er beschenke euch mit seiner Kraft und seinem Segen. - Amen.
Gottes Geist gibt den Verfolgten die Worte ein, die sie brauchen.
Er beschenke durch euer Wort unsere Welt und gebe euch seinen Segen. - Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
erfülle euch an diesem Tag. - Amen.
Der festlich geschmückte Christbaum, besinnliche Weihnachtslieder, das gemeinsame Familienessen und dazu Kekse, Kerzen und Kirche – die Feiertage sind aufgeladen mit Traditionen und Ritualen. Im Interview mit ORF.at spricht die Soziologin Valeria Bordone darüber, was passiert, wenn verschiedene Generationen an einem Tisch zusammenkommen, welche Rolle Konflikte dabei spielen und wieso auch Weihnachten zunehmend zu einem Fest der Vielfalt wird.
Ganzer Beitrag auf orf.at
orf.at am 24.12.2024.
Unsere Domkirche hat heute Namenstag. Sie übernimmt den Namen von der wesentlich älteren Domkirche St. Stephan in Passau, weil wir ursprünglich ein Teil der Diözese Passau waren. So wie wir alle oder die meisten von uns Namenstag feiern, begehen wir auch die Geburtstage festlich. Für die Erzdiözese Wien ist das der 23. April 1147. Die Pfarre St. Stephan ist nochmals um zehn Jahre älter mit ihrem Pfarrer Eberhard, der auch in Wiener Sagen namentlich genannt wird.
Stephanus war einer der sieben Diakone, hellenistischer Herkunft. Seit dem Jahr 560 befinden sich seine Reliquien in Rom in der Kirche Sankt Laurentius vor den Mauern. Als Diakon wirkte er in Jerusalem für die Armen. Er war der erste Märtyrer, ein Mann „voll Weisheit und Heiligem Geist“, der Verleumdungen ausgesetzt war und einer Lynchjustiz zum Opfer fiel, also keinem gerichtlichen Verfahren.
Was erregte die Menschen so, dass er zu Tode kam? Er kritisierte den Tempelkult wegen großer Abweichungen durch heidnische Einflüsse, worauf ihm seine Gegner Gotteslästerung vorwarfen und ihn durch Steinigung töteten. Seine Verteidigungsrede nützte nichts.
Einen Tag nach dem Geburtsfest Jesu erinnern wir uns an sein Martyrium. Leben und Tod liegen oft eng nebeneinander. Hier zeigt aber das Blut noch eine besondere Symbolik. Blut als göttliches Lebenselement und Träger der Geistigkeit. „Blut ist ein besonderer Saft“, lässt Mephisto zu Faust sagen, als dieser den Vertrag des Teufels mit seinem Blut unterschreiben soll. Die Texte dieses Festtags sprechen die Thematik der Verleumdung und Niedertracht an, die bis zum Tod führen können, und mahnen auch uns, vorsichtig mit Vorurteilen umzugehen. Stephanus bietet ein beinahe übermenschliches Beispiel dafür, Vergebung auszusprechen, wo man eher zu Rachegelüsten neigt.
Heute erneuern im Stephansdom die Diakone der Erzdiözese Wien ihr Weiheversprechen. Diese Fragen, die der Bischof dabei an die Diakone stellt, zeigen die Wesensmerkmale dieser Weihe. Die Diakone antworten darauf jedes Mal: „Ich bin bereit“. Der Bischof fragt die anwesenden Diakone: Seid ihr bereit, den Schatz des Glaubens treu zu hüten und diesen Glauben gemäß dem Evangelium und der Überlieferung der Kirche in Wort und Tat zu verkünden? Seid ihr bereit, den Armen und Kranken beizustehen und den Heimatlosen und Notleidenden zu helfen?
Seit dem II. Vatikanum (1962-1965) wurde das ständige Diakonat gleichsam „wiederbelebt“ und nach langen Überlegungen der Bischöfe und des Papstes zur eigenen Weihestufe erklärt. Bis dato wurde die Diakonenweihe lediglich als Durchgangsstufe zur Priesterweihe erteilt. Seit dieser Neuerung ist das ständige Diakonat auch verheirateten Männern zugänglich. Papst Franziskus lässt nun überprüfen, ob dieser Weiheschritt auch für Frauen möglich wäre. Zu wünschen wäre es! In der Erzdiözese Wien hat erstmals Kardinal König am 26. Dezember1970 verheiratete Männer zu Diakonen geweiht. Kardinal Schönborn erinnert sich gerne daran, dass am 27. Dezember 1970 er in der Dominikanerkirche zum Priester geweiht wurde.
Beten wir heute besonders für unsere Diakone, dass sie ihren Dienst weiterhin mit Freude tun und wie ihr großes Vorbild, der hl. Stephanus, mit Eifer die Frohe Botschaft verkünden.
Max Angermann 2023-
Am 26. Dezember begeht die katholische Kirche das Fest des hl. Stephanus: Er gilt als der erste Märtyrer des Christentums. Die Tradition reicht bis in das 4. Jahrhundert zurück. Bezugsgröße ist in der Bibel die Apostelgeschichte: Apg 6,8-10, Apg 7,54-60.
Am Stephanustag begeht die katholische Kirche in Deutschland in Erinnerung an den ersten Märtyrer den „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“. In den Gottesdiensten am zweiten Weihnachtstag soll insbesondere der Glaubensgeschwister gedacht werden, die vielerorts in der Welt Opfer von Ausgrenzung und Unterdrückung sind. Mit dem Gebetstag bringt die Kirche zugleich das Bekenntnis zur Religionsfreiheit aller Menschen zum Ausdruck. Er ist Teil der von der Deutschen Bischofskonferenz 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, mit der die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen wollen.
www.dbk.de
Überall auf der Welt bekennen sich Menschen zu Gott, der in Jesus Christus selbst Mensch geworden ist. Doch in vielen Ländern werden Christen in ihrem Glauben behindert, um Jesu willen benachteiligt oder verfolgt.
Daher bitten wir:
Wir bitten für die Brüder und Schwestern,
die wegen ihres Glaubens benachteiligt und verfolgt werden:
Gib ihnen Kraft,
damit sie in ihrer Bedrängnis die Hoffnung nicht verlieren.
Wir bitten auch für die Verfolger:
Öffne ihr Herz für das Leid, das sie anderen antun.
Lass sie dich in den Opfern ihres Handelns erkennen.
Wir bitten für alle, die aus religiösen, politischen
oder rassistischen Gründen verfolgt werden:
Sieh auf das Unrecht, das ihnen widerfährt,
und schenke ihnen deine Nähe.
Wir bitten auch für uns und unsere Gemeinden:
Stärke unseren Glauben durch das Zeugnis
unserer bedrängten Brüder und Schwestern.
Mach uns empfindsam für die Not aller Unterdrückten
und entschieden im Einsatz gegen jedes Unrecht.
Wir bitten für alle, die mit dem Opfer ihres Lebens
Zeugnis für dich abgelegt haben:
Lass sie deine Herrlichkeit schauen.
Gott unser Vater,
im Gebet tragen wir das Leiden der Verfolgten vor dich
und die Klage derer, denen die Sprache genommen wurde.
Wir vertrauen auf dein Erbarmen und preisen deine Güte
durch Christus unseren Herrn und Gott.
Eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz www.dbk.de.
s teine
t od -
e s
p rasselt der
h ass - du
a ber gehst
n icht
u nter - du
s iehst die sonne
Michael Lehmler
noch strahlen licht und glanz
da hagelt es schon hass und tod
das kind hat uns kaum erblickt
da spürt es das entfesselte nein
ohnmächtig liebt gott uns ganz
die wut der menschen ist maßlos
die steine zerfetzen alle gnade
du liegst blutüberströmt danieder
der himmel öffnet sich für uns
stephanus zeigt uns den weg
gott krönt unseren lebenslauf
mit seiner unbesiegbaren liebe
Michael Lehmler
An einem Karfreitag wurde der alte Husarengeneral von Ziethen zur Tafel Friedrichs des Großen geladen. Der General aber ging an diesem Tag zum Abendmahl. Er ließ sich deshalb beim König entschuldigen. Nicht lange danach lud ihn der König wieder ein:
»Nun, Ziethen, wie ist Ihm das Abendmahl am Karfreitag bekommen? Hat Er den Leib und das Blut Christi auch ordentlich verdaut?« Alles lachte. Ziethen aber stand auf, trat vor den König und sprach mit fester Stimme:
»Eure königliche Majestät wissen, dass ich im Krieg keine Gefahr gescheut habe. Wenn's nütze ist und mein König befiehlt, so lege ich mein graues Haupt zu seinen Füßen. Aber es gibt einen über uns, der ist mehr als Eure königliche Majestät. Das ist der Heiland der Welt. Den Heiligen lasse ich nicht antasten und verhöhnen; denn auf ihm beruht mein Glaube, mein Trost und meine Hoffnung im Leben und im Sterben.«
Allgemeine Bestürzung im Saal.
Der König aber stand auf und sagte bewegt: »Glücklicher Ziethen! Ich habe allen Respekt vor deinem Glauben. Es soll nicht wieder vorkommen.«
Aus: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag. Verlag Aussaat 2001.
Das Gesicht des alten Mannes ist von einem über 80jährigen bewegten Leben gezeichnet. Der Bischof einer Diözese in China gehört zu den eindrucksvollsten heutigen Zeugen für die Kraft des Evangeliums. Menschen wie ihm verdankt es die Kirche, dass sich - fast 25 Jahre nach der Kulturrevolution - wieder viele junge Menschen in China zu Christus bekennen. Damals war eine entsetzliche Welle der Gewalt gegen alle vermeintlichen Feinde und Gegner des radikalen Kommunismus durch das Land gefegt. Auch alle Religionen sollten zerstört werden. Bibeln und christliche Bücher wurden verbrannt. Viele Christen verloren wegen ihres Glaubens das Leben, andere wurden jahre-, jahrzehntelang eingesperrt, zur Zwangsarbeit in Lager geschickt.
Auch die Kathedrale dieses alten Bischofs wurde gestürmt, verwüstet und entweiht. Als Höhepunkt des barbarischen Schauspiels ließen sich die Roten Garden etwas Besonderes einfallen. Auf der Treppe, die zur Kathedrale führte, zwangen sie dem Bischof einen schweren Schlagstock in die Hand. Sie befahlen ihm, eigenhändig die Madonnenfigur der verwüsteten Kirche zu zertrümmern. Der tiefgläubige Bischof schleuderte den Stock weg mit den Worten: „Ihr könnt alles zerschlagen und vernichten, auch mich. Aber meinen Glauben könnt ihr nicht zerstören.“ Der Mut dieses Christen brachte ihn ins Gefängnis. Er überlebte. Heute wird der schwerkranke Mann von vielen Menschen in China verehrt und bewundert. Sie lieben ihn wie einen Vater. Die Marienstatue steht wieder auf ihrem gewohnten Platz in der neu restaurierten Kirche.
Bernd Kaut, Missio Aachen.
Von 1934 an verschärfen die Nationalsozialisten den Kampf gegen die Kirche. Unter den Predigthörern von Pater Rupert Mayer sitzen Spitzel und berichten jedes verdächtige Wort weiter.
Gegen die Verleumdungen setzt sich Pater R. Mayer entschieden zur Wehr. Man drohte ihm mit Gefängnis. Doch P. Mayer predigte mutig weiter. Daraufhin wurde er eingesperrt. Man bot ihm die Freiheit wieder an unter der Bedingung, dass er nicht mehr predige. Darauf antwortete Pater Mayer: "Das kommt gar nicht in Frage."
Als Gefangener verfasst er folgende Erklärung:
"Ich erkläre, dass ich im Falle meiner Freilassung - trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes - nach wie vor, sowohl in den Kirchen Münchens, als auch im übrigen Bayern, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus predigen werde. Ich erkläre insbesondere, dass ich auch in Zukunft von der Kanzel herab in der bisherigen Form die Kirche gegen Angriffe mit aller Entschiedenheit, Offenheit und Schärfe, aber ohne persönlichen Angriff verteidigen werde... "
Aus: Christian Feldmann: Die Wahrheit muss gesagt werden. Rupert Mayer, Leben im Widerstand. Verlag Herder Freiburg Basel Wien 1987.
Menschen, die mir freundlich begegnen, nenne ich nicht gleich meine Freunde.
(…)
Und doch können wir immer wieder diese gute Erfahrung machen: Bei diesem Zusammensein fand wirklich Begegnung statt.
Inneres Berührtwerden, weil es gelungen ist, aus Worthülsen auszusteigen, den Small-Talk zu durchbrechen und stattdessen sich etwas für unterwegs mitzugeben:
Ein interessanter neuer Gedanke, ein Fenster zu einem Leben, das nicht meins ist.
Aus: Claudia Filker; Freunde sind so kostbar Johannis Verlag Lahr 2001.
Ja, ich lade dich ein, mein Freund,
in meinem Leben Platz zu nehmen.
Ich gebe zu, der Platz ist begrenzt.
Nicht jeden lasse ich so weit vor.
Sei bei mir zu Haus mit deinen
Gedanken und Gefühlen.
Entscheide, was du mit mir teilen möchtest.
Aus: Claudia Filker; Freunde sind so kostbar Johannis Verlag Lahr 2001.
Der Dichter Ernst Wiechert schrieb 1939 über seine Erfahrungen im KZ Buchenwald: „Ich habe nur am Tor gestanden und auf die dunkle Bühne geblickt… Aber die Speichen des schrecklichen Rades begannen sich schon zu drehen, und Blut und Grauen tropften aus ihrem blitzenden Kreis.“
Speichen des schrecklichen Rades – das waren alle, wenn einmal vom SS-Apparat erfasst. Speichen am Rad der Zeit.
Aus: Adalbert Ludwig Balling, Reinhard Abeln; Speichen am Rad der Zeit. Priester in Dachau. Herderverlag Freiburg – Basel – Wien 1985.
Seh ich Bilder
Von Geschlagenen, Geschundenen,
muss ich an die Männer
im gestreiften Sträflingskitteln
denken.
Der Aufseher brachte sie an Weihnachten
in mein Elternhaus.
Der Betrieb war geschlossen.
Dort sollten sie arbeiten.
Jetzt saßen sie an unserem Tisch.
(…)
Sie froren, waren hungrig, gedemütigt.
Wir teilten mit ihnen das wenige Brot
den Kaffee, die Milch
Das Verbotene machte uns
tagelang Angst.
Aus: Theresia Hauser; Du hast mich geführt. Sich betend erinnern Herderverlag Freiburg – Basel – Wien 1991.
Du legst in unsre Dunkelheit,
Christus, deine Herrlichkeit.
Mit Schöpfermacht trägst du das All
und schenkst dich uns als Kind im Stall.
Ehre sei Gott!
Auf deinem Weg, der so begann,
geht uns Stephanus voran,
der Erste, der durch Leid und Tod
der Welt das Christuszeichen bot.
Ehre sei Gott!
Er diente deinen Armen treu.
Er gab Zeugnis ohne Scheu.
Er machte deinen Namen groß,
und sehend teilte er dein Los.
Ehre sei Gott!
Geheimnis, Ziel und Maß der Zeit,
sei uns nah im Erdenstreit!
Wie Stephanus den Kranz gewann,
nimm uns und unsre Gaben an.
Ehre sei Gott!
Peter Gerloff auf: http://glauben-singen.de/Stephanus_.htm
Jede ernsthafte Beziehung lebt von einem starken Gegenüber. Sie reift in dem Maße, wie Achtung und Respekt voreinander wachsen. Das gilt erst recht für die Gottesbeziehung. Gott ist nicht jemand von nebenan. Er ist der Schöpfer, und wir sind seine Geschöpfe. Gott ist Gott und Menschen sind Menschen, nicht Herrgötter. Wer es mit Gott zu tun bekommt, der kann sich auf Einiges gefasst machen. Es ist jedenfalls nicht das reine Vergnügen mit einem himmlischen Spaßmacher. Viele denken sich das so. Die Vorstellung vom Richter mit dem Schwert in der Hand ist oft genug in eine Religion des lieben Gottes umgeschlagen. Der segnet nur ab, was kommt. Da ist nichts von Herausforderung, von Widerstand oder Zorn gegen das, was ist und was ich gerade zu sein beliebe. Der so erträumte oberste Gutmütige trägt schließlich dazu bei, die Feigheit vor dem Leben, die Scheu vor harten Bewährungen zu verewigen. »Ein Gott ohne Zorn brachte Menschen ohne Sünde in ein Reich ohne Gericht durch den Dienst eines Christus ohne Kreuz« (R. Niebuhr). Entsprechend folgenlos, langweilig und realitätsfremd ist die Glaubenspraxis. Unser »Gott« ist weder zu fürchten noch zum Verlieben. »Mein Problem ist nicht, ob Gott existiert oder nicht, das meine beginnt damit, dass Er existiert« (F. Stier). Und dass die Verhältnisse in dieser Welt so sind, wie sie sind. Ist es nicht das Leben selbst, das uns die Abgründe Gottes ahnen lässt? Das Leben in dieser Welt ist nicht nur hinreißend schön, es kann auch ganz schrecklich sein und kaum mehr erträglich. Ein reifer Glaube kann das Leid der Welt nicht einfach wegschminken, er muss ihm standhalten. Den Gott, der umstandslos zu unseren Wünschen passt, gibt es im Christentum nicht.
In die Knie gehen Jesus hat uns einen anderen Gott nahegebracht, nicht einen, den man sich unter den verlieblichenden Schalmeientönen einer esoterischen Kuschelreligion nach eigenen Bedürfnissen zurechtträumen kann. Er passt nicht in unseren Kram, steht quer zu Vielem in der Welt, ist auch erschreckend fremd, unbequem und widerständig. Menschen, die ihm begegnen, gehen in die Knie. Kennen wir das noch? Vor wem gehen wir in die Knie? »Fürchte dich nicht«, heißt es oft, wenn Gott auf den Plan tritt. Also ist doch Grund zur Furcht. Gottesbegegnungen sind Erfahrungen an der Grenze unseres Daseins. Sie gehen durch Mark und Bein. Mit dem »Fürchte dich nicht« sagt Gott dem Menschen, dass er ihm in dieser Situation vertrauen kann: »Ich bin bei dir.« Gottesfurcht ist nicht lähmende Angst, sie ist befreiend. Wer Gott fürchtet, braucht vor keinem Menschen Angst zu haben. Umgekehrt: Wer die Gottesfurcht preisgibt, der wird von der Heidenangst überrollt. Die Gottesfurcht ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Gott bleibt der ganz Andere, der Unbegreifliche, der Heilige. Aber Jesu Botschaft lässt uns erahnen, dass die Andersartigkeit Gottes aus seiner abgründigen Liebe kommt. Dafür steht der Heilige Geist. Er lässt uns im Lichte Gottes erkennen - in Glück und Dank und im Erschrecken über die Welt und über uns selbst -, wie wir sein könnten und sein sollten, im Format Jesu.
Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
»Gott ist kein Hampelmann (auch keine Hampelfrau), sondern das unendliche Geheimnis in und jenseits menschlicher kosmischer Existenz. Mit Gott kann man nicht 'Hoppe Reiter' spielen, denn er ist unserem Zugriff und unserer Verfügbarkeit entzogen. Wo allenthalben die Banalisierung Gottes ausgerufen wird, ist umso schärfer dagegen zu halten, gegen eine Verkleinerung, gegen eine fugen-lose Verkleisterung in die menschlichen Bedürfnisse und Sehnsüchte hinein, gegen seine lückenlose Vermarktung in die Nachfrage hinein, gegen die Trivialisierung des Mysteriums in die Mystery-Angebote der Unterhaltung, gegen die Verstopfung der Transzendenzsehnsüchte der Menschen durch vorschnelle religiösmagische Erfüllungsangebote, vom Horoskop bis zu den Heilwässerchen. [...] Nicht die Gottesbeziehung ist beherrschend, sondern das Haben und Bekommen, und wenn dies nicht erlebt wird, sucht man sich andere Beziehungen. Die Erlebnisqualität diktiert und qualifiziert die Beziehung zu dem, was man Religion, Esoterik oder gar Gott nennt. Hauptsache, man kann die Transzendenz diesseitig verhackstücken und in den Griff bekommen, sei es im Tarotspiel oder in Meditationstechniken«
Otmar Fuchs in: Ludger Schulte, Gott suchen - Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Berühre du, o Gott,
die Gipfel meiner
Gedanken, damit in
den Tälern und Tiefen
meiner Seele deine
Saat wachse und reife.
Belebe du, o Gott,
die Kräfte meines
Herzens, damit darin
all das bewahrt bleibe,
womit du mich so reich
beschenkst.
Verwandle du, o Gott,
das Dickicht meiner
Trübsal, damit ich dein
heilsames Licht ausstrahle,
dort, wo ich
stehe.
Besiege du, o Gott, die
bösen Geister und
Gedanken in mir,
damit ich freimütig und
aufrichtig dir und den
Menschen diene.
Beflügle du, o Gott,
die Schwingen meiner
Fantasie, damit ich
nicht müde werde,
über dein Wirken zu
staunen.
Bestärke du, o Gott,
das Schwache in mir,
damit ich behutsam
und tatkräftig mich
einsetze für die Bewahrung
des Lebens.
Paul Weismantel in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.
gott
du nichts
du alles
du in allem der rest
du lücke
du bruchstelle in einer perfekten weit
du in meiner letzten wüste verdunstet
gott
du irrsinn
du wahnsinn
du sinn
gott
du irrsinn
du wahnsinn
du sinn
gott
du irrsinn
du wahnsinn
du sinn
du jenseits unserer sinne
ich habe
die angst verloren
nicht plötzlich gestern
im supermarkt
ich habe
die angst verloren
nicht stehen lassen
wie meinen schirm
in der straßenbahn
ich habe
die angst verloren
nicht hängen lassen
wie meinen hut
beim friseur -
ich habe
die angst verloren
nicht verlegt
wie meine brille
ich habe
die angst verloren
nicht wie mein geld
bei der inflation
ich habe
meine angst verloren
mit der zeit
meine angst vor dem tod
meine angst vor dem leben
meine angst vor den menschen
meine angst vor meinem gott
gott hat angst
vor so viel macht
und übermacht
die macht ist nicht mehr
göttlich
die macht ist
zum teufel gegangen
jetzt sitzt sie zur rechten
des teufels
ich habe
meine angst verloren
als ich menschen fand
Wilhelm Willms in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

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Das griechische Wort stéphanos bezeichnet den aus Zweigen (oftmals aus Palmzweigen) geflochtenen "Kranz des Siegers", der bei den antiken Wettkämpfen dem Sieger überreicht und aufgesetzt wurde. Im Hintergrund dieser Ehrung steht wahrscheinlich der strahlende Leuchtkranz der Sonne, die so genannte corona. Verschiedentlich wurde der Kranz auch als Zeichen der Priester- oder Beamtenwürde getragen. Manchmal bekam der so Ausgezeichnete den Namen stephanos, der in späterer Zeit allgemein zu einem Vornamen geworden ist.
Stephanus begegnet uns erstmals im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte als führender Mann der Hellenisten innerhalb der Urgemeinde. Bei ihnen wird es sich um Juden gehandelt haben, die in der weltweiten Diaspora geboren worden und aufgewachsen waren, aber später - aus welchen Gründen auch immer - in das "Land der Väter" gezogen sind. Ihre Muttersprache war das Griechische, der aramäischen Umgangssprache in Palästina waren sie nur begrenzt mächtig. Apg 6,1-8 zeigt uns, dass es Zwistigkeiten zwischen den Hellenisten und den aus Palästina stammenden Juden, den so genannten Hebräern, gegeben hat.
Stephanus wird als jüdischer Hellenist wohl ebenfalls aus der Diaspora nach Palästina gekommen sein. Es kann angenommen werden, dass seine Heimat das ägyptische Alexandrien gewesen ist - manche Aspekte der Stephanusrede (Apg 7,2-53) sprechen nach Meinung der Exegeten dafür. Neben seiner Tätigkeit als Armenpfleger in der Urgemeinde fand er Gelegenheit, diesen seinen Bekannten das Evangelium zu verkünden.
Stephanus wurde durch seine hellenistischen Widersacher denunziert und ebenso wie bei der Passion Christi treten gegen ihn falsche Zeugen auf, welche ihm Aussagen gegen Moses, Gott, den Tempel und das Gesetz nachsagen. Von der Menge wird er vor den Hohen Rat gebracht und muss sich vor diesem verteidigen. Die Einzelheiten dieses Prozesses, bzw. dieses Geschehens, liegen für uns völlig im Dunkeln. Der lukanische Bericht schwankt zwischen der Schilderung eines ordentlichen Verfahrens und Lynchjustiz hin und her. Jedenfalls wird der Angeklagte in seiner Verteidigungsrede unterbrochen, vor die Stadt gebracht und dort gesteinigt. Interessant ist das "kleine Detail am Rande": hier taucht, historisch gesehen, Paulus erstmals im Neuen Testament auf.
Stephanus stirbt betend und mit einer Vision des erhöhten Herrn vor Augen. Selbst im Tode wollte er Jesus ähnlich sein und betet daher für seine Mörder. Die Tatsache, dass auch "angesehene" Bürger Jerusalems bei seinem Begräbnis anwesend waren, könnte dafür sprechen, dass er doch nicht rechtmäßig verurteilt worden ist.
In seiner Verteidigungsrede, die einer damaligen Synagogenpredigt nicht unähnlich ist, geht Stephanus ausführlich auf die Geschichte Israels im Blick auf sein Gottesverhältnis und auf Gottes Treue zu seinem Volk trotz vielfacher Untreue Israels ein. Er hebt hervor, dass Gottes Heil seit jeher nicht an den Tempel gebunden war. Diese distanzierte Haltung zum Tempelkult findet sich schon bei den alttestamentlichen Propheten, aber auch bei Jesus und im zeitgenössischen Judentum der Diaspora, das wegen seiner großen geographischen Entfernung zu Jerusalem andere Formen der "Frömmigkeitsausübung" finden musste, die den Opferkult im Tempel ersetzen konnten.
In Alexandria, der vermutlichen Heimat des Stephanus, hatte man längst die hermeneutischen Methoden der Spiritualisierung und der Allegorese entwickelt. Der alexandrinische Philosoph Philo, ein Zeitgenosse des Stephanus, hat sie in seinen Kommentaren zu alttestamentlichen Texten zur Blüte gebracht. Bei Stephanus kommen noch die heilsgeschichtliche Sicht der Gottesgeschichte mit Israel und eine recht urtümliche Christologie dazu. Vor allem mit seiner Vision des erhöhten Jesus in unmittelbarer Nähe Gottes dürfte Stephanus absolut nicht in das religiöse Weltbild der jüdischen Theologen gepasst haben und so wird es annäherungsweise erklärlich, weshalb er auf schärfste Kritik stieß und letztlich hingerichtet wurde.
Der heutigen Lesung geht die Wahl der ersten 7 Diakone voraus (6,1-7) und damit wird ein neues, dem Kreis der Zwölf untergeordnetes Gemeindeamt geschaffen. Diakonie war aber, wie an Stephanus (Apg 6,8 - 7,53) zu sehen ist, von Anfang an auch Teilnahme an der Verkündigungsaufgabe der Apostel.
Der Stephanusprozess erinnert an den Prozess Jesu, in dem gleichfalls von falschen Zeugen die Anklage erhoben wurde, Jesus stellte den Tempel als den einzigen Ort der Gottesbegegnung in Frage. Der Vorwurf, das alttestamentliche Gesetz als überholt abzutun, verbindet Stephanus mit seinem "Nachfolger" Paulus (Apg 21,28).
Die Rede des Stephanus (Apg 7,1-53) wird in der heutigen Lesung übersprungen (vgl. "ungekürzte Fassung"). Stephanus reagiert mit einer langen Rede auf die Vorwürfe. Er greift auf die Geschichte Israels zurück um zu zeigen, dass das Volk Israel nie bereit war, den Heilswillen Gottes anzuerkennen. Israel hat immer das abgelehnt, was Gottes Wille war. Die Kreuzigung des Gerechten (d. h. des Messias) ist daher – wie auch die Hinrichtung des Stephanus - nur eine Folge der immerzu widersätzlichen Haltung Israels gegen die Heilstaten Gottes.
Stephanus hat seine Richter der Empörung gegen Gott, der Übertretung des Gesetzes und des Messiasmordes angeklagt (51-53). Die Umkehrung der Gerichtssituation wird durch das Bekenntnis, Jesus stehe als der Menschensohn zur Rechten Gottes, ins Unerträgliche gesteigert.
Stephanus, einer der sieben urkirchlichen "Diakone", die zum Dienst am Tisch der Armen eingesetzt waren, wird als Mann voll Kraft und Hl. Geist geschildert. Das öffentliche Wirken des Heiligen wird mit Wundern berichtet. Doch seine Worte, seine Predigt, wird ihm zum Verhängnis. Vor dem Hohen Rat wird er unter dem Zeugnis falscher Zeugen wegen drei Punkten angeklagt:
- Er stelle die Gültigkeit des jüdischen Gesetzes in Frage.
- Er wende sich gegen den Tempel.
- Er lästere Gott.
Stephanus selbst verteidigt sich in der längsten Rede der Apostelgeschichte (7:1- 53), aber seine Worte verwandeln sich zur Anklage seiner Ankläger und Richter.
Im Zentrum steht ein Überblick über die Geschichte des Volkes Israel. Die in einer Vision gegebene Bestätigung der Richtigkeit dessen, was Stephanus gesagt hatte, empört die Zuhörer. Diese Rede reizt die Zuhörer aufs höchste, so dass sie ihn gleich richten, wie die in seiner Verteidigung angeführten Gottesmänner.
In einem Akt der Lynchjustiz wird Stephanus zum ersten Märtyrer.
Lukas, der als Verfasser der Apostelgeschichte gilt, schildert die Hinrichtung des Diakons mit vielen Parallelen zur Kreuzigung Jesu. Außerhalb der Stadtmauern wird an ihm die jüdische Art der Hinrichtung (Steinigung) vollzogen. Die Worte des sterbenden Stephanus erinnern an die letzten Worte Jesu am Kreuz.
Das Martyrium des Heiligen markierte eine Wende in der Geschichte des jungen Christentums und war das Signal zur ersten größeren Christenverfolgung. Die Gemeinde von Jerusalem zersplitterte sich, was dazu beitrug, dass sich die Botschaft Jesu über die Grenzen der Stadt hinaus verbreitete.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz