Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Meine Kinder, die letzte Stunde ist da.
Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt,
und jetzt sind viele Antichriste aufgetreten.
Daran erkennen wir, dass die letzte Stunde da ist.
Sie sind aus unserer Mitte gekommen,
aber sie haben nicht zu uns gehört;
denn wenn sie zu uns gehörten,
wären sie bei uns geblieben.
Es sollte aber offenbar werden,
dass sie alle nicht zu uns gehören.
Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist,
und ihr alle wisst es.
Ich schreibe euch nicht,
weil ihr die Wahrheit nicht kennt,
sondern weil ihr sie kennt
und weil keine Lüge von der Wahrheit stammt.
Lesung aus dem Buch Ezechiel.
So spricht GOTT, der Herr:
Siehe, ich selbst bin es,
ich will nach meinen Schafen fragen
und mich um sie kümmern.
Wie ein Hirt sich um seine Herde kümmert
an dem Tag, an dem er inmitten seiner Schafe ist,
die sich verirrt haben,
so werde ich mich um meine Schafe kümmern
und ich werde sie retten aus all den Orten,
wohin sie sich am Tag des Gewölks
und des Wolkendunkels zerstreut haben.
Ich werde sie aus den Völkern herausführen,
ich werde sie aus den Ländern sammeln
und ich werde sie in ihr Land bringen.
Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide,
in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes.
Auf guter Weide werde ich sie weiden
und auf den hohen Bergen Israels wird ihr Weideplatz sein.
Dort werden sie auf gutem Weideplatz lagern,
auf den Bergen Israels werden sie auf fetter Weide weiden.
Ich, ich selber werde meine Schafe weiden
und ich, ich selber werde sie ruhen lassen
- Spruch GOTTES, des Herrn.
Das Verlorene werde ich suchen,
das Vertriebene werde ich zurückbringen,
das Verletzte werde ich verbinden,
das Kranke werde ich kräftigen.
Doch das Fette und Starke werde ich vertilgen.
Ich werde es weiden durch Rechtsentscheid.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Kommt mit Jubel vor das Antlitz des Herrn! - Kv
Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN,
jauchzen dem Fels unsres Heils!
Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen,
ihm jauchzen mit Liedern! - Kv
In seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
sein sind die Gipfel der Berge.
Sein ist das Meer, das er gemacht hat,
das trockene Land, das seine Hände gebildet. - Kv
Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, /
wir sind das Volk seiner Weide,
die Herde, von seiner Hand geführt. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolossä.
Schwestern und Brüder!
bekleidet euch also,
als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,
mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt einander und vergebt einander,
wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat!
Wie der Herr euch vergeben hat,
so vergebt auch ihr!
Vor allem bekleidet euch mit der Liebe,
die das Band der Vollkommenheit ist!
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander!
Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder
in Dankbarkeit in euren Herzen!
Alles, was ihr in Wort oder Werk tut,
geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja, Halleluja.
(So spricht Gott, der Herr:)
Über ihnen wird meine Wohnung sein.
Ich werde ihnen Gott sein
und sie, sie werden mir Volk sein
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legt Zeugnis für ihn ab
und ruft:
Dieser war es, über den ich gesagt habe:
Er, der nach mir kommt,
ist mir voraus, weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
Niemand hat Gott je gesehen.
Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Prolog, mit dem das Evangelium nach Johannes anfängt, kann als Schöpfungsgeschichte gelesen werden, im Hintergrund steht Gen 1 (also der Anfang der Bibel überhaupt).
Wie ein Adler (das Symbol des Evangelisten) umkreist Johannes den Anfang: der Logos (Wort) ist da, er ist bei Gott, ja, er ist Gott. Aus dem Wort kommt die Schöpfung, nichts, das nicht aus dem Wort käme.
Die erste Gabe des Wortes ist das Licht. Es leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis nicht weiß, was Licht ist. Der Evangelist formuliert: "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt". Hier wiegt jedes Wort: wahres Licht – jeden Menschen. Hier wird die alte Schöpfungsgeschichte, wie sie in Gen 1 zu finden ist, noch einmal erzählt. Jedoch aus einer besonderen Perspektive: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus wird vorgestellt als der, der Herrlichkeit und Wahrheit sichtbar macht - die Herrlichkeit und Wahrheit des Vaters.
Im Prolog wird, fein nuanciert und auch formuliert, was mit Jesus geschieht. Sein Kreuz zeichnet sich von Anfang an ab: die Finsternis hat das Licht nicht erfasst, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das Evangelium verspricht: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", richtet aber gleichzeitig den Blick auf den "Logos", das Wort. Dass es Fleisch wird, sprengt vertraute Denkformen und fromme Erwartungen. Fleisch ist vergänglich, hinfällig, bedroht. Nach Jes 40 (und vielen Psalmen) ist das Fleisch wie Gras.
So bezeugt der Prolog einerseits, dass Menschen Kinder Gottes werden, der Logos aber - Fleisch.
Das Johannesevangelium kennt nicht die Kindheitsgeschichte Jesu, wie Matthäus oder Lukas sie erzählen, sondern es beginnt mit einem Prolog, der nicht nur wie der Stammbaum bei Matthäus die Väter mithereinnimmt sondern zum Ausgangspunkt vor die Erschaffung der Welt zurückgeht. Johannes zeigt damit, daß er einen ganz anderen Ansatz hat: statt vom irdischen Leben und Handeln Jesu auszugehen und es auf Gott hin durchscheinend werden zu lassen, versucht er von Anfang an, den Blick des Lesers zu weiten und ihn ein Stück in die "Welt Gottes" mithineinzunehmen.
Im Vergleich zu den anderen Evangelien enthält das Johannesevangelium einige völlig neue Vorstellungen, die ihm dabei helfen sollen. Neben dem "Logos", dem personifizierten Wort Gottes, kennt Johannes zum Beispiel auch den "Paraklet", den von Gott gesandten Tröster und Beistand Gottes. Der Evangelist arbeitet auch sehr gern mit Dualismen, zum Beispiel Licht und Finsternis im ersten Kapitel.
In dieses Lied über den Logos hat der Autor selbst Hinweise auf den Täufer eingeflochten und so den Text des Prologs als eine Art Tür zum Evangelium gestaltet. Im Hymnus klingen schon wichtige theologische Begriffe und Gedanken an, die beiden Erzählstücke über Johannes den Täufer schlagen die Brücke zum Beginn der Erzählung in Joh 1:19. Neben den schon erwähnten Worten "Leben" und "Licht" gehören zu den wichtigen theologischen Begriffen noch "Zeugnis", "Wahrheit", "Fleisch", "Glauben", "Sohn", "Vater", "gesandt sein", "Welt".
Der allerwichtigste Begriff ist "das Wort" - "der logos". Im Johannesevangelium ist es das wirksame Wort Gottes selber, das die Menschen hineinführt in die Situation der Entscheidung für oder gegen Gott. Dieses Wort ist Jesus Christus selber, er spricht den Menschen an, er fordert ihn heraus zu antworten. "Das Wort" ist so Zusage der Liebe Gottes, des Heiles und des Lebens für die Menschen, das nicht nur geschrieben oder gesprochen bleibt, sondern wirksam wird, das heißt, Konsequenzen hat. In der Reaktion auf die Herausforderung des Wortes wird sichtbar, wofür sich der Mensch entscheidet: Glaube oder Unglaube, Heil oder Gericht, Leben oder Tod. Das ganze Evangelium steht in der Spannung der sich immer weiterzuspitzenden Entscheidungssituation, die das Kommen des Wortes ausgelöst hat.
Im Gegensatz zu Lukas und Matthäus, die mit Kindheitsgeschichten ihr Evangelium eröffnen, leitet Johannes sein Evangelium mit einem philosophisch-theologischen Diskurs über den "Logos", über das "Wort Gottes" ein, ehe er die Erzählung vom Leben Jesu mit dem Auftreten Johannes des Täufers eröffnet (vgl. Mk 1).
Es sind 3 Abschnitte zu unterscheiden:
* 1-5 (das präexistente Sein des Logos);
* 6-13 (das Kommen des Logos zu den Menschen);
* 14-16.18 (Inkarnation und Heilsbedeutung für die Gläubigen).
Der Prolog knüpft bewußt an Gen 1,1 an ("Im Anfang") - denn der Logos ist das Wort, mit dem Gott alles geschaffen hat (Vers 3); aber in Überhöhung: hier ist es ein personales, fleischgewordenes Wort - Jesus Christus. Dies ist der Zielpunkt des ganzen Hymnus: ein Preislied auf den Erlöser. Christus ist der Logos, die Weisheit - aber noch mehr: er ist Gott (Vers 1c).
Für die Menschen ist der Logos der Übermittler von Leben und Licht (Vers 4) - und zwar des wahren Lichtes (Vers 9):
Die Verse 6 bis 8 mit dem Bericht über Johannes den Täufer bringen den Logos in die konkrete Geschichte hinein - und ordnen Johannes klar unter den Logos ein.
Vers 10f formuliert die Ablehnung des Logos durch die Welt - und doch gab es auch solche, die ihn erkannten und aufnahmen (Vers 12f) - und zwar im Glauben.
Vers 14 bildet mit seiner Rückbindung auf Vers 1 den Höhepunkt: dieses Wort, von dem so Großes ausgesagt wird, wird Fleisch. (Fleisch meint hier nicht nur einfach "Mensch", sondern das Irdisch-Gebundene, das Vergängliche, das typisch Menschliche).
Die Verse 15-18 sind theologische Einzelaussagen, die einen Übergang zum Folgenden darstellen.
Einzuordnen ist dieser Hymnus in die "Wort-Gottes-Theologie" der Bibel: Wer Jesu Wort gläubig hört, hört Gottes Wort; Jesus ist aber das Wort selbst. Damit eröffnet er den Erlösungsweg der Menschen: Sie können sich ihm im Glauben anschließen und damit seinem Weg zurück empor zur Herrlichkeit anschließen.
Lesung aus dem Psalm 31:
2 HERR, bei dir habe ich mich geborgen. /
Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit;
rette mich in deiner Gerechtigkeit!
3 Neige dein Ohr mir zu,
erlöse mich eilends!
Sei mir ein schützender Fels, /
ein festes Haus, mich zu retten!
4 Denn du bist mein Fels und meine Festung;
um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.
7 Verhasst waren mir, die nichtige Götzen verehren,
ich setze auf den HERRN mein Vertrauen.
8 Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen;
denn du hast mein Elend angesehn, /
du kanntest die Ängste meiner Seele.
10 HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst;
vor Gram sind mir Auge, Seele und Leib zerfallen.
11 In Kummer schwand mein Leben dahin,
meine Jahre vor Seufzen.
Meine Kraft ist ermattet wegen meiner Sünde,
meine Glieder sind zerfallen.
15 Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut,
ich habe gesagt: Mein Gott bist du.
16 In deiner Hand steht meine Zeit;
entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
hilf mir in deiner Huld!
22 Gepriesen sei der HERR,
denn er hat seine Huld wunderbar an mir erwiesen /
in einer befestigten Stadt.
23 Ich aber sagte in meiner Angst:
Ich bin verstoßen aus deinen Augen.
Doch du hast mein lautes Flehen gehört,
als ich zu dir um Hilfe rief.
24 Liebt den HERRN, all seine Frommen!
Seine Getreuen behütet der HERR, /
doch reichlich vergilt er dem, der hochmütig handelt.
25 Euer Herz sei stark und unverzagt,
ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.
Lesung aus dem ersten Buch der Könige.
König Salomo trat vor die ganze Versammlung Israels,
segnete sie und rief mit lauter Stimme:
Gepriesen sei der HERR,
der seinem Volk Israel Ruhe geschenkt hat,
wie er es versprochen hat.
Von all den herrlichen Verheißungen,
die er durch seinen Knecht Mose verkündet hat,
ist nicht eine hinfällig geworden.
Der HERR, unser Gott, sei mit uns,
wie er mit unseren Vätern war.
Er verlasse uns nicht und verstoße uns nicht.
Er lenke unsere Herzen zu sich hin,
damit wir auf seinen Wegen gehen
und die Gebote, Gesetze und Rechtsentscheide bewahren,
die er unseren Vätern gegeben hat.
Mögen diese Worte,
die ich flehend vor dem HERRN, unserem Gott, gesprochen habe,
ihm Tag und Nacht gegenwärtig bleiben.
Möge er seinem Knecht und seinem Volk Israel Recht verschaffen,
wie es jeder Tag verlangt,
damit alle Völker der Erde erkennen,
dass niemand Gott ist als der HERR allein.
Euer Herz aber bleibe ungeteilt beim HERRN, unserem Gott,
sodass ihr seinen Gesetzen folgt
und auf seine Gebote achtet,
wie es heute geschieht.
Lesung aus dem Buch Kohelet.
Alles hat seine Stunde.
Für jedes Geschehen unter dem Himmel
gibt es eine bestimmte Zeit:
eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben,
eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen,
eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen,
eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen,
eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln,
eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren,
eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen,
eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen,
eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.
Wenn jemand etwas tut
- welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
Ich sah mir das Geschäft an,
für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit.
Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt,
doch ohne dass der Mensch das Tun,
das Gott getan hat,
von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.
Eindrucksvoll zählt Kohelet auf, was Zeit hat – und in der Zeit liegt. Zwölf Wortpaare stehen für das Ganze des Lebens mit den Gegensätzen, die auszuhalten sind. Eine moralische Wertung, eine Über- oder Unterordnung, gar eine Ausgrenzung findet sich bei Kohelet nicht. Auffällig ist, dass die Gegenüberstellungen zum Frieden führen, dem das letzte Wort in der Reihe zukommt. In der Weisheit – bei Kohelet ist es eine „Spätform“ weisheitlicher Tradition – spiegeln sich Zerrissenheit und Offenheit menschlichen Lebens.
Mit Blick auf Gott werden die Grenzen des Menschen klar. Nicht nur, dass die Arbeit plagt, das Werk, das Gott tut, kann der Mensch nicht ergründen. Weder Anfang noch Ende. Aber Kohelet weiß, dass Gott „alles schön gemacht hat“ zu seiner Zeit, er sieht auch, dass er „die Ewigkeit“ in das Herz der Menschen gelegt hat. Hier wird die Schöpfungsgeschichte auf den Punkt gebracht, der „Sündenfall“ ausgelegt und dem Menschen die Würde gegeben, an Gottes Leben teilzuhaben.
In der Zeit haben die Menschen ihren eigenen Weg. Die Gegensätze, die Kohelet beschreibt, sind als Freiheiten zu verstehen, die die Welt der Menschen unterscheidbar machen von der Welt Gottes. Eine vorschnelle Einheit, wie sie die frühe Weisheitsliteratur noch für möglich hielt, konnte Kohelet schon nicht mehr aussprechen.
Im Kanon der Heiligen Schrift ist Kohelet ein geradezu moderner Zeuge für die Gottheit Gottes und die Menschlichkeit des Menschen.
Kv: Der Herr ist mein Hirt,
nichts wird mir fehlen. – Kv
Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. /
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.
Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. - Kv
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. - Kv
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
übervoll ist mein Becher. - Kv
Ja, Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN
für lange Zeiten. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Wenn du mit deinem Mund bekennst:
Herr ist Jesus -
und in deinem Herzen glaubst:
Gott hat ihn von den Toten auferweckt,
so wirst du gerettet werden.
Denn mit dem Herzen glaubt man
und das führt zur Gerechtigkeit,
mit dem Mund bekennt man
und das führt zur Rettung.
Denn die Schrift sagt:
Jeder, der an ihn glaubt,
wird nicht zugrunde gehen.
Denn darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen.
Denn alle haben denselben Herrn;
aus seinem Reichtum beschenkt er alle,
die ihn anrufen.
Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft,
wird gerettet werden.
Wie sollen sie nun den anrufen,
an den sie nicht glauben?
Wie sollen sie an den glauben,
von dem sie nichts gehört haben?
Wie sollen sie hören,
wenn niemand verkündet?
Wie soll aber jemand verkünden,
wenn er nicht gesandt ist?
Wie geschrieben steht:
Wie willkommen sind die Füße der Freudenboten,
die Gutes verkünden!
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!
Ich danke meinem Gott jederzeit euretwegen
für die Gnade Gottes,
die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
dass ihr an allem reich geworden seid in ihm,
an aller Rede und aller Erkenntnis.
Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
sodass euch keine Gnadengabe fehlt,
während ihr auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus wartet.
Er wird euch auch festigen bis ans Ende,
sodass ihr schuldlos dasteht
am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid
zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus,
unserem Herrn.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater außer durch mich.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,
siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten;
dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage;
denn Herodes wird das Kind suchen,
um es zu töten.
Da stand Josef auf
und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter
nach Ägypten.
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.
Denn es sollte sich erfüllen,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sagte Jesus:
Wenn ihr betet,
sollt ihr nicht plappern wie die Heiden,
die meinen, sie werden nur erhört,
wenn sie viele Worte machen.
Macht es nicht wie sie;
denn euer Vater weiß, was ihr braucht,
noch ehe ihr ihn bittet.
So sollt ihr beten:
Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
Gib uns heute das Brot, das wir brauchen!
Und erlass uns unsere Schulden,
wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben!
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern rette uns vor dem Bösen!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.
Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.
Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines,
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab.
Sofort ging der Diener,
der die fünf Talente erhalten hatte hin,
wirtschaftete mit ihnen
und gewann noch fünf weitere dazu.
Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte,
noch zwei weitere dazu.
Der aber, der das eine Talent erhalten hatte,
ging und grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück
und hielt Abrechnung mit ihnen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
brachte fünf weitere und sagte:
Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte,
und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben;
sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Es kam aber auch der Diener,
der das eine Talent erhalten hatte, und sagte:
Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist;
du erntest, wo du nicht gesät hast,
und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
weil ich Angst hatte,
habe ich dein Geld in der Erde versteckt.
Sieh her, hier hast du das Deine.
Sein Herr antwortete und sprach zu ihm:
Du bist ein schlechter und fauler Diener!
Du hast gewusst,
dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen,
dann hätte ich es bei meiner Rückkehr
mit Zinsen zurückerhalten.
Nehmt ihm also das Talent weg
und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
Denn wer hat, dem wird gegeben werden
und er wird im Überfluss haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus
in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Gleichnis von den Talenten gehört zur Endzeitrede Jesu (Mt 24, 1 – 25, 46). Jesus spricht exklusiv zu seinen Jüngern. In diese Rede sind drei Gleichnisse eingebettet: Das Gleichnis vom treuen und vom bösen Knecht, das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen und das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Die große Bildrede vom Endgericht schließt die Rede ab.
Nach Ulrich Luz (EKK) handelt es sich bei diesem Gleichnis um matthäisches Sondergut. Bei der lukanischen Variante (Lk 19,12-27) handelt es sich um eine Fassung, die vermutlich selbständig überliefert worden ist. Von der Form her liegt bei diesem Gleichnis eine Parabel vor, d.h. in dieser Geschichte wird eine bestimmte Handlung geschildert, die den Zuhörer zur Stellungnahme herausfordert.
Was wollte Jesus mit dieser Parabel sagen? Die Vorschläge der Ausleger sind vielfältig. Einig sind sie sich darüber, dass sie sich auf das Verhältnis der Menschen zu Gott bezieht. Die konventionalisierten Metaphern "Herr" und "Sklave" lassen kaum eine andere Deutung zu. Fast alles andere wird dagegen unterschiedlich beurteilt. Die Grundfragen sind:
Handelt es sich bei der "Abrechnung" um eine feste Metapher für das letzte Gericht oder nur um einen erzählerischen Zug, der die Wichtigkeit des Anspruchs der Parabel einsichtig machen will? Im zweiten Fall neigen die Ausleger zu einer allgemein-menschlichen Deutung der Parabel, im ersten deuten sie sie als Gerichtsgleichnis.
Liegt das Gewicht allein auf dem dritten Sklaven, oder sind auch die beiden ersten Sklaven wichtig als positive Identifikationsmodelle? Je nach dem deutet man die Parabel eher polemisch oder paränetisch.
Liegt das Gewicht nur auf der Abrechnung am Schluss oder auch auf der Gabe des Geldes am Anfang? Je nach dem wird die Parabel als reines Gerichtsgleichnis oder als Parabel von der Wirksamkeit des Gottesreichs verstanden.
Und schließlich: Welches ist die Beziehung dieser Parabel zum Wirken Jesu?
Diese Parabel, die Matthäus in einer Überlieferung vorfand, wird von ihm nun in einen bestimmten Zusammenhang gestellt: Sie steht mit den beiden oben genannten Gleichnissen, bzw. Parabeln unmittelbar nach der Mahnung Mt 24, 44 "Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet."
Somit gibt Matthäus einen Interpretationszusammenhang vor, der auf Jesu Leben und Wirken verweist und die Gefahr eingrenzt, durch die isolierte Betrachtung der Parabel zu einem Gottesbild zu kommen, das missverständlich ist.
Es ist Jesus, auf den sich die Parabel bezieht. Im Lichte seiner Botschaft ist die Geschichte zu deuten. (christologische Dimension)
Außerdem wird durch den Zusammenhang die endzeitliche Bedeutung klargestellt. (eschatologische Dimension)
Schließlich geht es darum, die Gegenwart vor dem Hintergrund dieser endzeitlichen Perspektive zu gestalten. (paränetische Dimension)
Noch zwei interessante Einzelheiten:
In Mt 25, 26 übersetzen Luther und Einheitsübersetzung: "Du böser und fauler Knecht", bzw. "Du bist ein schlechter und fauler Diener". Das griechische Wort, das mit "faul" übersetzt wird, ist "oknhroV " (oknäros), das die Bedeutung von "zögernd, träge, bedenklich, ängstlich" hat. Die Übersetzung mit "faul" schließt an die westliche Auslegungstradition an, die von der Übersetzung des griechischen Wortes durch das lateinische "piger" (faul, verdrossen, langsam, träge) geprägt ist.
Das Vergraben von Geld wird in rabbinischen Quellen als sorgfältiger Umgang mit anvertrautem Geld bewertet (im Gegensatz zu der Aufbewahrung in einem Tuch).
Es gab bei anvertrautem Geld die Möglichkeit, die Summe als "geschlossenes" Depositum oder als "offenes" Depositum zu betrachten. Über ein "geschlossenes" Depositum kann der Verwahrer nicht verfügen. Wenn er es sachgerecht aufbewahrt, haftet er nicht für den Verlust. Über ein "offenes" Depositum kann der Verwahrer verfügen, er haftet aber auch bei Verlust.
Literatur:
Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, EKK I/3, Zürich und Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn 1997
Die letzte große Rede Jesu im Evangelium nach Matthäus besteht aus sieben Gleichnissen über die "Vollendung" der Welt und der Kirche durch die erneute Ankunft Christi (in der neutestamentlichen Bibelwissenschaft hat sich für die Kapitel Mt 24 und 25 die Bezeichnung "apokalyptische Rede" entwickelt).
Das historische Umfeld des heutigen Evangeliums kann wahrscheinlich im städtischen Milieu Israels angesiedelt werden. Sicherlich existierte ein "antiker Vorläufer" einer heutigen Bank und das wirtschaftliche Leben war derart ausgeprägt, dass es möglich war, mit seinem Geld zu "wirtschaften" – auch wenn wir alle Details heute nicht mehr rekonstruieren können. Reiche Gutsbesitzer handelten mit den damaligen Metropolen Rom oder Alexandria. Während der Auslandsreisen des Besitzers eines Unternehmens oder Gutes wurde ein treuer Mitarbeiter (gleichgültig ob Sklave oder Angestellter) mit der Fortführung und Betreuung des Eigentums des Besitzers betraut. Wollte man nicht mit dem anvertrauten Geld wirtschaften, so musste man es an einem geheimen Ort vergraben, denn die damaligen Lehmbauten boten gegen Einbrecher nur bedingten Schutz.
Ein Talent Silbergeld war damals viel Geld. Es entsprach etwa 5.000 Denaren. Ein Denar war in etwa der Tageslohn eines Arbeiters und reichte gerade für die Ernährung und die Bedürfnisse einer sechsköpfigen Familie an einem Tag.
Matthäus vergleicht in diesem Evangelium Jesus mit dem Mann, der auf Reisen ging. Beide vertrauen den ihren jeweils das gesamte Vermögen an. Für die Christen bedeutet dies, dass jeder von ihnen verschiedene Gaben und Aufgaben in der Kirche erhalten hat (vgl. hierzu auch die verschiedenen Charismen im Römerbrief des Paulus) und nun in individueller Verantwortung mit diesen "haushalten" oder "wirtschaften" muss. Jeder Erfolg der erzielt wird, geht letztlich auch wieder an Christus zurück. Sicherlich existiert auch die Gefahr, dass mancher stolz wird und auf seinen eigenen "Talenten" sitzen bleibt. Der dritte Knecht hat hingegen Angst, etwas falsch zu machen, und fängt daher erst gar nicht an, mit den ihm anvertrauten Gütern zu wirtschaften – er lebt offensichtlich nach dem Motto "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben".
Weiters fühlt sich dieser Knecht wahrscheinlich den anderen gegenüber benachteiligt und nicht ganz so ernst genommen. Weshalb hat ihm denn der Besitzer sonst nur so wenig anvertraut? Er übersieht jedoch die Tatsache, dass Gottes Liebe nicht mit der Anzahl von anvertrauten "Gegenständen" gleichgesetzt werden kann. Gott gibt jedem die seine und nicht jedem die gleiche Gabe. Gott wird – so Matthäus - den Menschen am Ende der Tage nicht danach fragen, wie er mit dem anvertrauten Gut des Anderen gehandelt hätte, sondern was er aus dem ihm anvertrauten Schatz gemacht hat.
Matthäus warnt in diesem Evangelium also vor der Gefahr, dass wir unser Eigenstes nicht schätzen, es vergraben, ungenützt lassen und uns so um die Chance eines mit den Gaben Gottes anvertrauten „wahrhaft gelebten Lebens“ bringen.
Das Gleichnis von den Talenten im Mathäusevangelium steht im Kontext der Rede Jesu über die Endzeit. Es geht um die Frage nach unserem Verhalten in diesem Leben und seinen Auswirkungen auf das Leben danach. Im Anschluß an unsere Stelle lesen wir bei Mathäus noch die Schilderung des Weltgerichtes. Diesen Zusammenhang müssen wir mitbedenken.
Zum Wert des anvertrauten Geldes ist zu sagen, daß ein Talent etwa 6000 Drachmen entsprach. Eine Drachme war der Tageslohn eines Arbeiters. Es handelte sich also um Summen, die bei Verlust nicht so ohne weiteres zu verdienen waren aber Jesus bezeichnet sie als "Kleinigkeit". Dies unterstreicht noch das Risiko des Auftrags und die Dringlichkeit, den Einsatz der Talente nicht auf die lange Bank zu schieben.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kam Jesus auch nach Nazaret,
wo er aufgewachsen war,
und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge.
Als er aufstand, um vorzulesen,
reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja.
Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht:
Der Geist des Herrn ruht auf mir;
denn er hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt,
damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloss er die Buchrolle,
gab sie dem Synagogendiener und setzte sich.
Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Da begann er, ihnen darzulegen:
Heute hat sich das Schriftwort,
das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Alle stimmten ihm zu;
sie staunten über die Worte der Gnade,
die aus seinem Mund hervorgingen,
und sagten: Ist das nicht Josefs Sohn?
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lukas erzählt, dass Jesus in Nazareth aufgewachsen ist. Hier gehört er zur Gemeinde, die sich in der Synagoge versammelt, die Thora und die Propheten liest. Heute wird Jesaja gelesen. Jes 61. Der Text ist an der Reihe. Jesus trägt ihn vor. Dann legt er ihn aus. Nichts Ungewöhnliches. So war es Brauch in der Synagoge.
Lukas stellt die Szene meisterhaft dar. Obwohl die Stelle aus dem Propheten Jesaja länger ist, zitiert er nur die ersten Verse ... die Rolle wird zurückgelegt, Jesus setzt sich, alle Augen sind auf ihn gerichtet … und dann nur ein Satz: "Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren." Kein Wort mehr.
Hier in Nazareth beginnt Jesu Weg als Christus. In der Synagoge hält er seine „Antrittspredigt“. Sein Predigttext ist die prophetische Überlieferung, wie sie bei Jesaja zu finden ist. Das Evangelium soll den Armen verkündet werden: den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen. Zusammengefasst: das Gnadenjahr Gottes soll verkündigt und angesagt werden.
Ohne die Fragen zu stellen, welche Jesaja-Version zitiert wird (hebräisch oder griechisch, vielleicht auch mit lukanischer Eingebung): Jesus sagt in Nazareth, dass mit ihm die Verheißung erfüllt ist. Sein Programm hat Konturen. Das ganze Evangelium erzählt, dass Menschen frei werden und den klaren Blick finden.
Das „Gnadenjahr“ erinnert an die gute Weisung Gottes, dass Felder, Weiden, Tiere – die ganze Schöpfung sich ausruhen soll. Selbst Schuldverhältnisse sollten ein Ende haben. Denn Gott ruhte am siebten Tag „von allen seinen Werken“.
Das „Gnadenjahr“ ist eine Verheißung, in die schöpferische Ruhe Gottes einzutreten, Frieden mit einander zu teilen und dann neu anzufangen.
Die Reaktion? Nach Lukas geben alle Zeugnis von ihm und wundern sich. Ist das nicht Josefs Sohn? In der Weihnachtsgeschichte waren es die Engel, die Frieden verkündeten und auf das Kind in der Krippe verwiesen – jetzt tritt Jesus in Nazareth auf. Viele Orte folgen. Gottes Gnadenjahr wird verkündigt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
sagte zu seinen Jüngern:
Deswegen sage ich euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Denn das Leben ist mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
Seht auf die Raben:
Sie säen nicht und ernten nicht,
sie haben keine Vorratskammer
und keine Scheune;
und Gott ernährt sie.
Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!
Wer von euch
kann mit all seiner Sorge sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt,
warum macht ihr euch dann Sorgen um das Übrige?
Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Und darum auch ihr:
Sucht nicht,
was ihr essen und was ihr trinken sollt,
und ängstigt euch nicht!
Denn nach all dem streben die Heiden in der Welt.
Euer Vater weiß, dass ihr das braucht.
Vielmehr sucht sein Reich;
dann wird euch das andere dazugegeben.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
Die Evangelienperikope ist ein Lehrgedicht in 3 Strophen über die Sorglosigkeit. Es stammt aus der sog. Redenquelle. Lukas hat es nach dem Gleichnis vom Mann, der sein Leben vergeblich durch Reichtum absichern will, eingeordnet.
Die 1. Strophe streicht die Nutzlosigkeit der Sorge um das Leben, den Leib und die Nahrung hervor. Nach Ansicht der damaligen Medizin kann niemand weder seine Lebensdauer noch seine Körpergröße verlängern. Das Leben liegt in Gottes Hand. Dies wird durch den Vergleich mit den Raben unterstrichen. Den Juden galten diese als unrein. Sie wurden obendrein als die verlassensten Tiere eingestuft, da sie von ihren eigenen Eltern vernachlässigt würden („Rabeneltern“). Und dennoch sorgt Gott für sie…
Die 2. Strophe zieht zum Vergleich die Lilien heran, mit deren Pracht sich nicht einmal der israelit-ische „Sonnenkönig“ Salomon messen kann. Wenn Gott sie so großartig kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen…
In der 3. Strophe fordert Jesus seine Jünger auf, für das Reich Gottes Sorge zu tragen. Das ist ihr erster Auftrag. Alles andere werden sie aus der Hand des Vaters empfangen.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
sagte Jesus zu der Volksmenge:
Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht,
sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so geschieht es.
Und wenn der Südwind weht,
sagt ihr: Es wird heiß. Und es geschieht.
Ihr Heuchler!
Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu deuten.
Warum könnt ihr dann diese Zeit der Entscheidung nicht deuten?
Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam Jesus zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin,
um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss,
um Wasser zu schöpfen!
Er sagte zu ihr:
Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!
Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann.
Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt:
Ich habe keinen Mann.
Denn fünf Männer hast du gehabt
und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Damit hast du die Wahrheit gesagt.
Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht.
Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen.
Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach,
doch keiner sagte: Was suchst du?
oder: Was redest du mit ihr?
Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen,
kehrte zurück in die Stadt
und sagte zu den Leuten:
Kommt her, seht, da ist ein Mensch,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe:
Ist er vielleicht der Christus?
Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
Er aber sagte zu ihnen:
Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.
Da sagten die Jünger zueinander:
Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
Jesus sprach zu ihnen:
Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun,
der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden.
Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte?
Sieh, ich sage euch:
Erhebt eure Augen und seht,
dass die Felder schon weiß sind zur Ernte!
Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn
und sammelt Frucht für das ewige Leben,
sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
Denn hier hat das Sprichwort recht:
Einer sät und ein anderer erntet.
Ich habe euch gesandt zu ernten,
wofür ihr euch nicht abgemüht habt;
andere haben sich abgemüht
und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus
auf das Wort der Frau hin,
die bezeugt hatte:
Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium ist dem 4. Kapitel des Johannes entnommen. Jesus zieht auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem durch Samarien. Dieses Gebiet war einst Kernland des israelischen Nordreiches. Im 8. Jh. v. Chr. wurde es assyrische Provinz. Da sich in dieser Zeit die Bevölkerung mit der neuen Oberschicht mischte, wurde es von den Juden als kultisch unrein betrachtet. Es entwickelte sich ein eigenständiger samaritischer Kult, der sich trotz mehrfacher Versuche nie gänzlich auslöschen lies. In den Büchern des Neuen Testamentes treten an mehreren Stellen die religiösen Spannungen zwischen Juden und Samaritern zutage. Diese bilden auch den Hintergrund der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen.
Die Frau gilt in einem mehrfachen Sinn als vom Heil abgeschnitten: Als Frau, durch ihren Lebenswandel, als Samariterin. Trotzdem nimmt Jesus Kontakt zu ihr auf; nicht nur aus einer persönlichen Notlage heraus. Es kommt zu einer Begegnung, in der die Frau (und später auch die Leute aus ihrem Dorf) zum Glauben an den Messias findet, während Jesus von den eigenen Volksangehörigen als solcher abgelehnt (im folgenden Kapitel 5) wird.
In der Erzählung haben Wasser und die Speisen, welche die Jünger besorgten, eine besondere symbolische Bedeutung. Man kann die Geschichte nicht lesen, ohne an die Wasser- und Speisungswunder des Alten Testamentes zu denken.
Betrachtet man die österliche Bußzeit als Vorbereitungszeit auf den Empfang des Taufsakramentes, so steht ab dem dritten Fastensonntag der konkrete Weg zu diesem Sakrament immer mehr im Mittelpunkt. In Sonntagsgottesdiensten und zusätzlichen Bußgottesdiensten soll die gemeinsame Vorbereitung geschehen. Dabei geht es nicht mehr um Glaubenswissen oder Glaubensbelehrung, sondern um die tiefere Erkenntnis Christi, um die Erkenntnis des eigenen Herzens oder die Befreiung vom "Negativen". Also um die intensive Vorbereitung auf die Osternacht und die Feier der Auferstehung.
Das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen zeigt, wie der Evangelist Johannes mit dem hintergründigen Sinn von Worten und Begriffen "spielt". Zunächst spricht Jesus von Wasser im wörtlichen Sinn. Mit seinem Angebot, "lebendiges Wasser" zu geben, kommt ein doppeldeutiger Begriff ins Spiel. Er kann, wörtlich verstanden, das fließende Wasser bezeichnen, im Unterschied zum Wasser aus der Zisterne. So fasst ihn die Frau zunächst auch auf. Zwar stellt sie erstmals die Frage nach der Würde Jesu ("Bist du etwa größer als unser Vater Jakob?"); doch ihr bleibt der tiefere Sinn des "lebendigen Wassers" selbst dann noch verborgen, als Jesus es auf das ewige Leben bezieht. Denn die Verheißung, das von Jesus gegebene Wasser werde nie mehr dürsten lassen, versteht sie als Erleichterung der täglichen Mühsal: Sie müsste nicht mehr zum Brunnen gehen, um Wasser zu schöpfen.
Jesus meint dagegen, dass das menschliche Streben nach Sinn und Erfüllung gestillt wird; er spricht von der Gabe einer neuen Existenz, die auch den Tod überdauert - vielleicht mit besonderer Beziehung zum Geist. Dass die Frau dies letztlich versteht, zeigt eine fast unscheinbare Bemerkung: Sie läßt ihr Schöpfgefäß stehen, ehe ihr Zeugnis die Einwohner der Stadt zu Jesus führt.
Das Evangelium erzählt eine Begegnung am Brunnen. Sein Ort ist weder zufällig noch unwichtig: Sychar in Samarien. Für Juden ist Samarien unrein, obwohl der Brunnen mit dem Namen Jakob, einem der Väter Israels, eng verbunden ist. Jesus spricht als Jude und Mann - gegen die gute Sitte - eine Samariterin an und erbittet von ihr Wasser. Dass die Frau keinen Namen hat, macht sie "typisch" - ihre Lebensgeschichte allerdings, die Jesus kennt, gibt ihr die Würde, einmalig zu sein.
Der Brunnen wird bei Johannes zu einem Ort der Offenbarung. Das Gespräch, das ohne Jünger geführt wird und Jesus mit der samaritanischen Frau allein zeigt, kreist um das Wasser: Jesus, der von der Frau das Wasser aus dem Brunnen erbittet, offenbart sich ihr als das "lebendige" Wasser, das ewiges Leben schenkt.
Zu dieser Offenbarung - Jesus spricht am Ende sogar davon, der Messias zu sein - gehört, dass die Heiligen Orte, der Berg Garizim für die Samariter, der Berg Zion für die Juden, nicht mehr die Orte der Gegenwart Gottes sind, auch nicht mehr Menschen und Gebete trennen: "Die Stunde kommt - und sie ist schon da (!) -, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden." Dass die Stunde schon da ist, kann nur Jesus sagen. Er selbst ist da. Der, der um Wasser bat, ist die Wahrheit: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Johannes hat die Geschichte kunstvoll aufgebaut. Er legt der samaritanischen Frau in den Mund, was zu einem Bekenntnis wird. Oder: was ihr aufgeht:
Erst ist Jesus ein Jude (V. 9), dann ein Prophet (V. 19b), am Ende formuliert sie die die Hoffnung, dass der Messias kommt (V. 25). Darauf hin offenbart sich ihr Jesus.
Die fast schon intime Begegnung am Brunnen mit vielen zärtlichen Zwischentönen wird von Johannes geöffnet: Viele Samariter kommen zum Glauben und bitten Jesus, bei ihnen zu bleiben. Zwei Tage bleibt er bei ihnen (am dritten ist seine Auferstehung).
Die Geschichte am Jakobsbrunnen endet mit der Begegnung der anderen Samariter mit der Frau. Sie legen vor ihr (!) das Bekenntnis ab: "Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt." Dieses Messiasbekenntnis ist gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Es kommt aus dem Mund der Samariter (nicht der Juden), ist aber von einer Frau mit Vergangenheit bezeugt und vor ihr sogar bekannt. Johannes nimmt in dieser Begegnungsgeschichte das Osterzeugnis der Maria von Magdala vorweg (Joh. 20,11-18).
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus:
Amen, amen, ich sage euch:
Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht,
sondern anderswo einsteigt,
der ist ein Dieb und ein Räuber.
Wer aber durch die Tür hineingeht,
ist der Hirt der Schafe.
Ihm öffnet der Türhüter
und die Schafe hören auf seine Stimme;
er ruft die Schafe,
die ihm gehören, einzeln beim Namen
und führt sie hinaus.
Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat,
geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm;
denn sie kennen seine Stimme.
Einem Fremden aber werden sie nicht folgen,
sondern sie werden vor ihm fliehen,
weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus;
aber sie verstanden nicht den Sinn dessen,
was er ihnen gesagt hatte.
Weiter sagte Jesus zu ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
Ich bin die Tür zu den Schafen.
Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber;
aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
Ich bin die Tür;
wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden;
er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
Der Dieb kommt nur,
um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten;
ich bin gekommen, damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium des heutigen Sonntags besteht aus zwei Einheiten: der Bildrede Jesu vom Hirten und dem Bildwort von der Tür.
Die Darstellung vom Hirten ist in sich einheitlich und störungsfrei. Das Bild ist klar gegliedert und eindeutig in der Beschreibung. Es stellt sich nun die Frage nach der Intention des Autors. Diese wird deutlich wenn man auf die Betonungen verschiedener Aspekte achtet, so etwa die Erwähnung des Diebes. Auch ist zu sagen, dass es zwar schön tönt, dass der Hirt alle Schafe bei ihrem Namen ruft, dass das aber eher unwahrscheinlich ist im Hirtenalltag. Diese Zuspitzung liegt wohl in der Übertragung der Rolle des guten Hirten auf den Gottessohn Jesus Christus begründet, der ein besonders guter Hirte seiner Herde ist.
Die Form des Rätselhaften, das sich auch dem Wissen der Jünger entzieht, ist wohl mit dem Adressatenkreis, vermutlich einem Kreis von Neugetauften, die noch weiter zur Erkenntnis zu bringen sind, begründet.
Der zweite Teil der Perikope unterscheidet sich grundlegend in der Form. Es handelt sich um ein Bildwort in Ich-Form, das dadurch einen Offenbarungscharakter annimmt. Das Wort von der Tür steht gegenläufig zum Schicksal der „Diebe und Räuber“, die die Tür vermeiden. So präsentiert sich der Gottessohn als Heilsbringer im Gegensatz zu anderen Unheilsbringern.
Die Hirtenrede Jesus steht im Zusammenhang mit der vorangehenden Blindenheilung und den nachfolgenden Auseinandersetzungen zum Tempelweihfest. Es geht in allen diesen Fällen um den Anspruch Jesu, der wahre Heilsbringer der Welt zu sein.
Im Gegensatz zum Fremden, der seine Schafe nicht kennt, kennt der Hirte seine Schafe. Damit soll der messianische Anspruch unterstrichen werden. Verstärkt wird dies noch mit dem Motiv der Tür. Jesus selbst wird die "Tür" genannt, das heißt, er ist der einzige zum Heil führende Weg.
Hinter diesen Bildern steht wohl die Auseinandersetzung Jesu mit den Juden um die Person Jesu. Es ist aber auch anzunehmen, daß zur Zeit der Entstehung des Johannes-Evangeliums Richtungskämpfe unter den Christen einen Hintergrund bilden.
Die Bildrede vom Hirten ist dem palästinensischen Volksleben entnommen. So kommt jeden Morgen der Hirt zur Tür des Hofes oder Pferches für die Schafe und führt sie auf die Weide.
Die Kirche der ersten Jahrhunderte hat Christus sehr oft und gern als den guten Hirten betrachtet und ihn so auch etwa in römischen Katakomben abgebildet. Überhaupt wurde durch alle Jahrhunderte hindurch das Bild vom guten Hirten in vielfältiger Weise künstlerisch als Motiv verwendet.
Für die Hörer der damaligen Zeit war das Bild vom Hirten und der Herde im Freien oder eingesperrt im Hof alltäglich.
Zunächst greift Jesus den Vergleich mit der Tür auf. Mit der Aussage: ich bin die Tür erhebt Jesus einen unwahrscheinlichen Anspruch. "Er allein schenkt Lebensmöglichkeit, ohne ihn ist sie dem Menschen verschlossen."*
Rätsel geben die erwähnten Diebe und Räuber auf. Wahrscheinlich handelt es sich um allgemeine Erlösergestalten und deren Heilsversprechen.
Nachdem die Rede Jesu keiner strengen Logik folgt, scheint sie auf ein aktuelles Gemeindeproblem einzugehen, die sich eher auf den Hirten beziehen, werden mit der Tür in Verbindung gebracht – die inhaltliche Exaktheit war nicht die Absicht des Verfassers, sondern die Beziehung, die Jesus zu den Seinen hat.
* Zitataus Felix Porsch, Johannes-Evangelium, Seite 109, Stuttgarter Kleiner Kommentar, Neues Testament 4
Am Jahresende schauen wir auf Gutes und Schweres im vergangenen Jahr zurück und sagen wir Danke. Im Vertrauen auf Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes blicken auf das Kommende voraus.
„Zum Vergangenen Danke, zum Kommenden JA“, ein Ausspruch von Dag Hammarskjöld (1905-1961, Generalsekretär der Vereinten Nationen). - Welches Satzzeichen würden Sie dahinter setzen? Fragezeichen?
Zum Vergangenen Danke? – Der letzte Tag dieses Jahres gibt Gelegenheit, sich Fragen zu stellen, was uns in diesem Jahr bewegt und erregt hat, sich aber auch den Fragen der kommenden Zeit zu stellen mit einem Rückblick auf Höhepunkte, Freudenfeste, Hochzeiten, Jubiläen, Taufen, Geburtstagen, aber auch mit schmerzhaften Ereignissen, Abschieden, Trennungen, Arbeitsplatzverlust, Beziehungsbrüchen, Krankheiten.
Zum Vergangenen Danke sagen. - Setzen Sie ein Fragezeichen, ein Rufzeichen, eine Emoji oder ein Zeichen für sonst eine Empfindung? Ein dankbarer Rückblick zeigt aber auch, was man im Leben tapfer ausgehalten und durchgestanden hat.
Zum Kommenden Ja sagen. Von manchen Fragen, Themenbereichen ist es angebracht, sich zu befreien. Am Beginn eines Gottesdienstes sagt der Gottesdienstleiter in der Sakristei „Procedamus“, wir brechen auf, schreiten wir voran… Wir bringen teilweise unnötige Belastungen jetzt hinter uns, wir machen uns frei und vertrauen uns Gott an.
Der Verfasser des Psalm 118 lehrt uns: „Es ist besser auf Gott zu vertrauen als auf Fürsten“ (Ps.118,29). Eine sehr aktuelle Weisheit, wenn wir am Jahresende auf das die Weltpolitik blicken. Es gibt nun diese Zeit - und wir brauchen sie auch - sich von manchen Traditionen und Gewohnheiten loszusagen und neue Wege zu finden. Das ist in der Politik notwendig, aber auch im ganz persönlichen Bereich.
In wenigen Stunden wird in Wien die Pummerin unter fürchterlichem Lärm ein neues Jahr einläuten. Wir setzen in das neue Jahr Hoffnung und Zuversicht, wahrscheinlich auch Ängste vor Neuem und vor Herausforderungen. Wenn wir ein vertrauensvolles Ja sagen, wie es auch die Gottesmutter getan hat, heißt das nicht, dass wir alles, was auf uns zukommt, unkritisch zur Kenntnis zu nehmen, sondern die Auferstehung, den Aufstand zum gesunden freudvollen Leben durchführen.
So findet sich in Dag Hammarskjölds Tagebuch eine Notiz aus dem Jahr 1954: „Vertrauen zum Leben - Das Unerhörte, in Gottes Hand zu sein.“
Vertrauen wir auf sein Wort: „Im Anfang war das Wort.“ (Joh 1,1). Wir Menschen sollten das Wort Gottes – also Jesus - freudig willkommen heißen. Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Das Böse will das Licht vernichten. Der urewige Kampf zwischen Gut und Böse ist ein großes Geheimnis, eine jährlich immer wiederkehrende Herausforderung. Sie endete für Jesus am Kreuz. Trotzdem ist dieses Evangelium eine Ermutigung, Gott zu vertrauen, auch wenn das Böse manchmal unbegreiflich mächtig ist, ist doch Gott allmächtig.
Wir werden in wenigen Tagen das „heilige Jahr“ abschließen. Ein Jahr, das uns das Heil nähergebracht hat, auch wenn wir davon vielleicht wenig spüren. Auch das kommende Jahr erinnert daran, dass jede Zeit heilig ist, denn in jeder Zeit steckt etwas von Gottes Heil. So wünsche ich Ihnen nicht nur ein gnadenvolles, segensreiches Jahr 2026, sondern auch ein Jahr der Lebensbejahung und Lebensfreude.
Der Jahreswechsel macht uns bewusst, wie unsere Lebenszeit verrinnt. Das ist nicht nur bedrängend, sondern auch eine Chance. Der Psalm 31 erinnert uns daran, dass meine Zeit in Gottes Hand steht.
Der Jahreswechsel lässt uns spüren, wie die Zeit vergeht. Ja, manche werden gerade heute denken: Die Zeit läuft davon. Wieder liegt ein Jahr hinter uns, Stunden, Tage, Wochen sind unwiederbringlich vorbei, kein Augenblick kehrt ein zweites Mal wieder.
Wir erinnern uns an besondere Ereignisse, können uns Erlebnisse in Erinnerung rufen, wenn wir uns Fotos anschauen oder Videos, vielleicht aus dem Urlaub oder von einem runden Geburtstag. Aber wir können nichts noch einmal wirklich leben.
Stärker als sonst wird uns bewusst: unsere Lebenszeit ist befristet. Der Pendel der Uhr schlägt unbeirrt, kürzt die Lebenszeit von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde.
Was bedeutet das für mein Leben als Christ? Der Glaube kann Zuversicht geben, denn verrinnende Zeit ist werdende Ewigkeit. Keine Stunde verweht und vergeht ins Nichts. An jedem neuen Tag bauen wir an unserer Ewigkeit. Jede vergehende Stunde wird ein Baustein der Unvergänglichkeit, die uns Gott zugesagt hat.
Der Jahreswechsel ist Gelegenheit, Bilanz zu ziehen: Habe ich die Ziele, die ich mir gesetzt habe für das zu Ende gehende Jahr, erreicht? Sind Träume und Hoffnungen Wirklichkeit geworden? Welche Enttäuschungen habe ich erlebt?
Und vor uns liegt das neue Jahr. Noch ist es wie ein Buch mit vielen leeren Seiten. Was wird am Ende drinstehen? Es liegt vor uns wie ein leerer Krug. Womit werden wir ihn füllen? Wird dieser Krug am Jahresende mit Nichtigkeiten gefüllt sein? Oder mit kostbarem Nass?
Eine große Möglichkeit liegt mit diesem neuen Jahr vor uns: Dass wir den Krug unseres Lebens auffüllen mit Schätzen, die im Angesicht Gottes nicht wie Stroh verbrennen, sondern Bestand haben.
Wir leben in einer Zeit der Unsicherheiten, Kriege in der Welt beunruhigen uns, wirtschaftliche Sorgen bedrücken viele Menschen, wir fragen uns, ob unsere Erde auch für die Generationen unserer Kinder und Enkel noch bewohnbar ist. Wir sollten diesen Jahreswechsel auch nutzen und uns erinnern, dass jeder von uns aufgefordert ist, seinen Beitrag, und sei er noch so klein, dazu zu leisten, dass die Welt ein klein wenig besser wird. Keiner von uns kann die Welt alleine retten, aber jeder auf seine Weise und mit seinen Möglichkeiten mitwirken. Und dann dürfen wir unsere Zeit in Gottes Hände legen.
In Psalm 31 heißt es: "Mein Gott bist du. In deiner Hand steht meine Zeit." (Verse 15-16)
Wenn ich so bete, wird damit nicht einfach alles gut, und doch ändert sich etwas: Ich bestimme, wer meine Zeit beherrschen soll: Gott. Seinen Händen kann ich vertrauen. Ich darf als Glaubender mein Leben seinen Händen anvertrauen. Er kann für mich die Insel sein im aufgewühlten Meer des Lebens. Er kann für mich die Ruhe im Sturm sein. Er ist der Anker, der mich hält.
Der Psalm, den unzählige Menschen gebetet haben, auch Jesus als gläubigem Juden war er vertraut, wurde von Peter Strauch zu einem Lied vertont, wo es heißt:
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein,
ruhig sein in dir.
So wollen wir mit Gottvertrauen dem neuen Jahr entgegengehen. Möge Gottes Segen uns dabei begleiten.
Der Jahreswechsel macht uns nachdenklich. Wir schauen zurück, überlegen, was wir im neuen Jahr besser machen sollten. Es wird uns bewusst, welche Fähigkeiten und Kompetenzen gesucht werden, und wünschen uns gegenseitig einen guten Anfang.
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh.1,14). Das ist der Inhalt des Weihnachtsfestes in kurzer Form, den wir heute wieder am 7. Tag der Weihnachtsoktav vernehmen. Gott hat sich bei uns eingezeltet, wäre die bessere Übersetzung als „einwohnen“. Gott mischt sich durch Jesus in diese Welt ein. Das ist bitter notwendig. Der Verfasser des 1. Johannesbriefes, auch aus der johanneischen Gemeinde, spricht von der „letzten Stunde.“ (1 Joh 2,18). Das ist nicht wörtlich zu nehmen. Damals erwarteten schon viele das Ende, also die Wiederkunft Christi. Wie wir wissen, kennt nicht einmal der Sohn genau die Stunde dieser Begegnung, vielmehr haben viele Irrlehrer das Sagen. Heute sind es Populisten und wissenschaftsferne Menschen, die anderen Angst einjagen, es sind diejenigen, die glauben, in einem »starken Mann« den Messias gefunden zu haben.
Wenn Sie heute über das zu Ende gehende Jahr nachdenken und reflektieren, was Sie bewegt, betroffen, erfreut gemacht hat, einzelne Erlebnisse, Begegnungen sich nochmals vor Augen halten, könnten Sie Ihren Lebensweg überdenken, welche Wege von Ihnen wenig oder überhaupt nicht begangen wurden und warum. Darin werden auch alle Ihre Entscheidungen zur Sprache kommen, die Sie getroffen oder auch nicht getroffen haben. Das Leben besteht aus vielen Beziehungen, die sie pflegen, abflauen lassen oder überhaupt stilllegen. Über manche Dinge wird Gras wachsen.
Versuchen wir das alles zunächst mit einer kurzen, eher trivialen Überlegung: „Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten“, sagen Gesundheitsexperten.
Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr nach einigen Kirchenbesuchen, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten durch Meditation, Stille, Bibellesen, Sakramentenempfang. Die Kirche war klein, als das römische Imperium unter Kaiser Augustus die Zeit der PAX ROMANA durchlebte, eine lange andauernde Friedenszeit, aufgebaut auf Militär, Gewalt, Angst, parallel dazu etablierte sich die PAX CHRISTIANA mit Gewaltlosigkeit, Liebe, ohne Militär und ohne Waffen.
2 000 Jahre später werden wir auf unsere Anfänge zurückverwiesen, können kirchliche Gebäude nur noch mühsam erhalten, einige werden sogar verschenkt oder profaniert. In manchen Ländern werden aus Kirchen Hotels, Konzertsäle etc. Kürzlich veröffentlichte Zahlen geben für Wien nur noch 31% Christen an. Da hilft kein Jammern mit der Bemerkung, dass „der Glaube immer mehr verdunstet“. Es braucht vielmehr Selbstverantwortung (durch religiöse Bildung, damit wir begründen können und „bereit sind, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von [uns] Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die [uns] erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig.“- 1 Petr 3,15.16). Es braucht Selbstverantwortung und nicht Schuldzuweisung.
Was wird im Jahr 2023 besonders gesucht werden? Es fehlen viele Facharbeiter, wird immer wieder beklagt. Einen Elektriker, um die Verbindung zwischen den Menschen wieder herzustellen, damit uns ein Licht aufgeht. Verbindungen, Kontakte sind durch die Pandemie sehr oft abgerissen oder überhaupt ganz weggebrochen, obwohl die digitalen Medien das Gegenteil bewirken möchten. Dort, wo es dunkel geworden ist, in den Familien, in den Freundschaften könnte wieder mehr Licht durch aufmunternde Begegnungen stattfinden. Gott sucht den Menschen, er will ihn besuchen, vor allem in seinen Dunkelheiten.
Gesucht werden Optiker, um die Sichtweisen zu verändern. Wie oft sind wir alle kurzsichtig in der Beurteilung anderer und treffen auch dadurch falsche Entscheidungen.
Gesucht wird ein Gärtner, der den Wildwuchs von Gedanken kultiviert, damit wir wieder gut geerdet sind, also Humus, Humanitas, gute Erde in Form von Zufriedenheit, Freude und Hoffnung bringen. „Mach es wie Gott, werde Mensch!“
Gesucht werden Künstler, die wieder das Lächeln auf die Gesichter bringen. Wir kennen ja den Ausspruch: »Da vergeht einem das Lachen«. Schreckstarre im Gesicht, viele sind deprimiert. Das schlägt auch in Aggression um.
Neues Jahr: Alles soll besser werden. Vorbeugend in die Kristallkugel zu schauen oder Propheten mit Wahrsagern gleichzusetzen, bringen nichts. Für heute das gute Segenswort zum Schluss: „Hals- und Beinbruch“, klingt zynisch, ist es auch, aber woher kommt dieser Ausdruck? Er kommt aus dem Hebräischen bzw. Jiddischen: hatseloche un broche! Das heißt: guter Anfang, verbunden mit reichem Segen! Das wünsche ich Ihnen für 2023.
Die Christen erlebten schon im 1. Jahrhundert tiefe Krisen. Es stärkte sie die Gewissheit, dass Gott bei ihnen und mit ihnen ist.
In vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist es üblich, am Jahresende Bilanz zu ziehen. Da tauchen jede Menge Statistiken auf, die dann verschiedenartig interpretiert werden. Das geschieht auch in vielen Pfarren so.
Unser Silvestertag ist benannt nach einem römischen Bischof des 4. Jahrhunderts. Er lebte in einer Zeit des Umbruchs. Die junge Kirche konnte sich zur Zeit des Kaisers Konstantin allmählich ausbreiten und sich in weiten Teilen des Römischen Reichs Anerkennung verschaffen und später im Westen beim Untergang des Weströmischen Reichs sich zu einer moralischen Größe entwickeln. Der Untergang des Römischen Reichs, der langsam, aber unaufhaltsam vor sich ging, hatte seine Ursachen in seiner unüberschaubaren Größe gefunden, in Korruption, Misswirtschaft, teilweise zusammenbrechender Infrastruktur etc.
Bereits im 1. Jahrhundert - so deutet es der 1. Johannesbrief an - macht sich der „Antichrist“ auch in der christlichen Gemeinde bemerkbar, dazu kommt eine gewisse Endzeitstimmung. Die angekündigte zweite Ankunft nach dem Tod Jesu findet nicht statt, somit herrscht Krisenstimmung, Streit in der Gemeinde, Spaltungstendenzen. Da ist eine „Unterscheidung der Geister“ nötig.
Wie sieht es gegenwärtig bei uns aus? Wir erleben teilweise eine Politik ohne Prinzipien, obwohl diese immer wieder lautstark und gebetsmühlenartig verkündet werden, Handel und Geschäfte kümmern sich wenig um Moral oder ethische Überlegungen, Religion befinden sich in der Komfortzone, da und dort regiert das Konsumieren, ein bringt schlussendlich alles durcheinander, spaltet die Gesellschaft.
Wir befinden uns in der Weihnachtszeit, Oktav von Weihnachten. So hörten wir das Johannesevangelium. Gott mischt sich durch die Menschwerdung Jesu in diese Welt ein, die im Johannesevangelium und auch in den Johannesbriefen einen schlechten Ruf genießt. Gott, der LOGOS, die Sprache, das Wort, kommt in der Person Jesu zu uns. Gott spricht zum Menschen: Wie geht es dir? Um es genau zu wissen und auch zu sehen, wie wir Menschen leben, nimmt auch er Menschengestalt an und verspricht uns: Ich bleibe da, ich werde einer von euch, ich werde wie du. Ich gehe mit dir bis in den Tod und durch den Tod zum neuen Leben.
Wenn wir diese Gedanken in den „Johannes-Prolog“, also das heutige Evangelium, einbeziehen, könnten wir merken, dass Gott am Menschen sehr interessiert ist. Inter-esse heißt „dazwischen sein“, dabei-sein, teilnehmen. Gott mischt sich in den Alltag ein, er will mit „dabei-sein“, Anteil nehmen an unserem Denken, unserem Tun und Handeln. Wir sollten das zulassen und nicht verhindern. „Prüft alles, das Gute behaltet!“ (1 Thess 5,21). Das ist ein guter Hinweis zur Unterscheidung der Geister. Und noch ein Trostwort, das wir am Ende des Kirchenjahres bei Lukas gehört haben: „Wenn das alles geschieht [Naturkatastrophen, Weltuntergangsstimmung, auch der persönliche Untergang ist miteinbezogen], dann erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28 - diese Stelle hörten wir am 1. Adventsonntag).
Der Spruch eines unbekannten Verfassers lautet. „Jeder Mensch sollte in seinem Leben in vier Richtungen blicken:
Nach vorne, um zu wissen, wohin man geht - aus christlicher Sicht: in der Spur Jesu bleiben, ihm nachfolgen.
Nach hinten, um sich daran zu erinnern, woher man kommt - eine religiöse Dimension mit den drei großen Menschheitsfragen: Woher komme ich? Wozu lebe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Wohin gehe ich?
Nach unten schauen, um niemanden niederzutrampeln. Das sind mitunter für den einzelnen die Gesetze der Welt: der Stärkere setzt sich durch, das kann auch in demokratischen Gesetzesmaschinerien passieren, etwa durch Lobbys, die ihre Interessen rücksichtslos durchdrücken.
Zur Seite, um zu sehen, wer einem auch in schweren Zeiten begleitet.- Das sind die Engel im Menschen, in der Vertretung Gottes.“- Amen! und Prosit 2022!
"Die letzte Stunde ist da" schreibt der Verfasse im ersten Johannesbrief. Die "letzte Stunde" kann die Stunde des Todes sein, aber auch eine Stunde des Lebens.
Der 31. Dezember ist eigentlich ein Tag wie jeder andere.
Aber dann doch nicht so ganz: Heute geht das Jahr 2020 zu Ende.
Wir fragen, was uns dieses Jahr alles beschert hat
(und tragen es kurz zusammen.
Hier ist der Platz für Eintragungen und Anmerkungen):
"Die letzte Stunde ist da…"
So heißt es in dem 1. Brief, den Johannes uns schreibt.
Für ihn hatte die letzte Stunde etwas Bedrohliches. Wir werden verführt, wir werden auseinandergerissen, wir werden getrennt. Johannes sieht Wahrheit und Lüge aufeinanderprallen. Und was ihn wohl am meisten bewegt: der Riss geht durch die Kirche. Wissen wir, wohin wir gehören? Was uns verbindet? Was uns zusammenführt?
"Die letzte Stunde ist da…"
Die letzte Stunde ist – eigentlich – die Stunde des Todes. Das „letzte Stündlein“, das uns schlägt. Wir denken jetzt an viele Menschen, die nicht mehr unter uns sind. In diesem Jahr gab es schreckliche Szenen, die den Tod noch grausamer machten als er ohnehin schon ist. Viele Menschen mussten ganz alleine bleiben. Auf ihrem letzten Weg, aber auch in ihrer Trauer. Es fällt schwer, nach der letzten Stunde noch einmal eine erste Stunde zu erwarten.
"Die letzte Stunde ist da…"
Die letzte Stunde ist die Stunde des Lebens. Ich darf alles abgeben, um das Neue in Empfang zu nehmen. Ich habe doch nur zwei Hände… Ich kann die Angst abgeben, um Vertrauen zu finden. Ich kann die Sorge abgeben, um das Lachen zu entdecken. Für Johannes ist die letzte Stunde die Stunde einer großen Befreiung. Er spricht sogar von einer Offenbarung. Es ist die Stunde, die Klarheit schenkt. Klarheit auch für Trennungen, Verbitterungen und Enttäuschungen. Klarheit für Hoffnungen, neue Gedanken und mutige Aufbrüche. Klarheit für einen Tag. Klarheit für ein Jahr. Was ist „zu Letzt“ dran? Was trägt „zu guter Letzt“?
"Die letzte Stunde ist da…"
Johannes weiß, dass wir die Salbung von dem haben, der „heilig“ ist – und er weiß, dass wir das auch wissen. Es ist nicht von einer „letzten Ölung“ die Rede – gesalbt werden Könige, Priester und – Täuflinge! Wir haben eine hoheitliche Aufgabe, eine Aufgabe, die von Gott kommt! Für Johannes ist es die Liebe ist, die in der letzten Stunde bleibt, um zu einer ersten Stunde zu werden.
So schlagen wir den Kalender neu auf. Aber unberührt ist er nicht. Die ersten Termine habe ich längst hineingeschrieben. Das Leben geht nicht nur weiter, es fängt auch noch einmal neu an.
Johannes schreibt:
„Ich schreibe euch nicht,
weil ihr die Wahrheit nicht kennt,
sondern weil ihr sie kennt…“
So viel Vertrauen tut gut. Für morgen. Für das neue Jahr.
Es ist ein Jahr des Herrn.
Das Jahresende lädt uns ein, Bilanz zu ziehen; nicht nur wirtschaftlich sondern auch persönlich. Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten kann uns dabei helfen. Mehr noch möchte es uns jedoch Mut machen, lähmende Ängste zu überwinden.
Eine ungewisse Zukunft weckt in uns Ängste. Jesus lehrt uns, die Gegenwart und das Wirken Gottes in den Zeichen der Zeit wahrzunehmen. Gott ist da, auch in schwierigen Phasen des Lebens. An der Schwelle zum neuen Jahr schauen wir dankbar auf die Vergangenheit und nehmen darin das Wirken Gottes wahr, dann können wir vertrauen, dass er auch in Zukunft bei uns sein wird.
Das Gespräch, das Jesus mit einer Samariterin am Jakobsbrunen führt, wird für sie zur Lebenswende. Durch dieses Gespräch findet sie zu einer neuen Lebensquelle. Neue Lebensquellen zu finden, ist auch ein Anliegen des Jahreswechsels.
Anmerkung:Der Jahreswechsel beschert uns ein seltsames Gefühl. Die Zeit, die uns zwischen den Fingern zer-rinnt ängstigt uns, konfrontiert uns mit der Vergänglichkeit. Mit der Geburt Christi ist Gott selbst in unsere Zeit hereingekommen und hat damit die Zeit geöffnet für die Ewigkeit. Das gibt Hoffnung und Gelassenheit.
Einmal mehr sind wir am Ende eines Jahres angelangt. Es liegt immer eine eigentümliche Atmosphäre über solch einem Jahreswechsel. Das hat wohl damit zu tun, dass wir uns intensiver als sonst bewusst werden, dass wiederum eine Spanne Zeit unwiderruflich vergangen ist und dass wir Wünsche und Erwartungen haben an die kommende Zeit. Was aber ist das überhaupt, die Zeit, die da kommt und geht, die wir leben und die uns zwischen den Fingern zerrinnt?
Damit rühren wir an einen heiklen Punkt. Unsere Gesellschaft verdrängt die Frage nach der Zeit weitgehend und das hat unmittelbar damit zu tun, dass unsere Gesellschaft auch den Glauben an Gott und an ein Jenseits immer mehr von sich wegschiebt. Der Philosoph Hans Georg Gadamer hat kurz vor seinem Tod auf diesen heiklen Punkt hingewiesen, indem er sagte: „Die Anerkennung der Transzendenz – die Anerkennung eines Jenseits - ist eine der wichtigsten Herausforderungen für den Menschen“. Aber wie hängen Diesseits und Jenseits, wie hängen Zeit und Ewigkeit zusammen? Das möchte ich jetzt ganz kurz mit Ihnen etwas bedenken.
Die Zeit gleicht einer Sanduhr. Stetig und unwiderruflich rinnt der Sand durch das Glas und wird dabei immer weniger. Stetig und unwiderruflich rinnt die Zeit dahin und wird ebenfalls immer weniger. Zwar erhoffen wir uns immer neue Zukunft. Aber in Wirklichkeit entschwindet sie uns mit jeder Sekunde, die wir leben. Von Sekunde zu Sekunde wird der Zeitvorrat knapper. Und am Ende steht der Tod. So gesehen ist die Zeit letztlich die Statthalterin des Todes.
Und das bestimmt das Leben unserer Jahre mehr als alles andere. Zwar versuchen wir mit allen Mitteln den Tod von uns fern zu halten, und so zu tun, als ob es ihn nicht gäbe. Und doch ist er überall gegenwärtig und macht er seinen Einfluss geltend. Zu Recht hatte der weise Buddha einst gesagt: „Mit der Geburt des Menschen beginnt sein Sterben“. Offensichtlich ist der Mensch das einzige Lebewesen, das weiß, dass er unweigerlich sterben muss. Damit weiß er, dass alles, was er in der Zeit lebt einmalig ist und dass einmal alles zu Ende gehen wird. Und dann? Ist mit dem Tod alles aus? Oder gibt es ein darüber hinaus?
Das ist nicht nur eine Frage nach dem Jenseits, sondern diese Frage entscheidet darüber, wie der Mensch hier im Diesseits lebt. Vor gut hundert Jahren betrug die Lebenserwartung in unserem Land so um die 45 Jahre. Aber in der damals noch vorwiegend christlich geprägten Gesellschaft glaubten die Menschen, dass nach dem Tod die Ewigkeit komme. Sie dachten also, ihr Leben würde in ca. 45 plus unendlich bestehen. Heute konnte die durchschnittliche Lebenserwartung an die 80 Jahre und darüber hinaus hochgeschraubt werden. Die heute vorwiegend säkularisierte und gottlose Gesellschaft in unserem Land denkt, sofern sie konsequent ist, dass nach dem Tod nichts mehr kommt. Sie denkt also, das Leben bestehe in mehr oder weniger 80 plus Null.
Damit wird aber die Zeit wirklich und unerbittlich zur Statthalterin des Todes und zu einer Art von Fluch. Wenn mit dem Tod alles aus ist, steht die Zeit unter dem Vorzeichen der Beraubung. Jede Sekunde beraubt den Menschen um ein Stück seines Lebens. Jeder gegenwärtige Augenblick, der Vergangenheit wird, ist unwiderruflich entschwunden und immer mehr schrumpft das zusammen, was wir Zukunft nennen. Je länger das Leben voranschreitet, desto weniger verheißt es. „Zu wenig“: damit kann ein Grundgefühl unserer Zeit und Gesellschaft benannt werden. Wo es nur die Zeit gibt von der Geburt bis zum Tod und dann nichts mehr, dort wird der Mensch dauernd von der Angst umgetrieben, er könne das Wichtigste und Beste verpassen, weil ja alles zerrinnt, weil alles weniger und immer weniger wird.
Die so davonlaufende Zeit muss dann durch Intensität und Leidenschaft und Tempo wettgemacht werden. Ich muss möglichst schnell möglichst alles haben, alles genießen, alles verbrauchen. So könnte ein weiteres Grundgefühl unserer Zeit benannt werden. Und deshalb muss alles schnell und schneller gehen. Wer aber möglichst schnell möglichst alles haben und verleben will, liefert sich nicht nur der Hetze und der Oberflächlichkeit aus. Er muss auch feststellen, dass er hinter etwas daherrennt, das er nie einholen kann. Es gäbe immer noch mehr zu erleben, noch mehr zu geniessen, noch mehr zu erwerben. Aber die Zeit läuft davon. Die Angst, immer „zu wenig“ zu haben, „zu wenig“ zu leben, ist nicht abzuschütteln. Der Mensch ist zum „zu wenig“ verurteilt, wenn es kein Jenseits gibt, wenn mit dem Tod alles aus ist.
Von diesem „zu wenig“ kann nur die Hoffnung befreien, mit dem Tod sei eben nicht alles aus, sondern es gebe ein Jenseits, es gebe über diese Welt und diese Zeit hinaus etwas Anderes, Neues, Erfüllendes. Nur diese Hoffnung, die im christlichen Glauben grundgelegt ist, kann von der Angst befreien, wir würden in allem, was wir in der Zeit leben, zu kurz kommen. Die Hoffnung des Glaubens ermöglicht einen gelassenen Umgang mit der Zeit und mit den Jahren des Lebens. Sie eröffnet die Perspektive, dass nicht entscheidend ist, wie lange, sondern wie gut und wie erfüllt ich lebe. Der Glaube gründet sich auf die Zuversicht, dass in allem, was geschieht, auch trotz allem, was ich verfehlt und versäumt habe, jemand da ist, der Ja zu mir sagt und das nicht nur für eine begrenzte Zeit, sondern für alle Ewigkeit – und dieser Jemand ist Gott.
Wir glauben, dass Gott die Zeit in seinen Händen hält und uns über alle Zeit hinaus wirklich Ewigkeit schenken will. Dieser Glaube ist nicht blind. Sondern er stützt sich auf das, was Gott uns in Jesus Christus gezeigt und geschenkt hat. Mit Jesus ist Gott selber, ist sozusagen die Kraft seiner Ewigkeit in die Zeit hinein gekommen. Mit Jesus hat Gott selber die Zeit angenommen in allem, was sie im Leben und im Tod mit sich bringt. Mit Jesus hat Gott die Zeit wirklich geöffnet auf Ewigkeit hin. Genau das haben wir an Weihnachten gefeiert.
Weil wir so darauf vertrauen dürfen, dass Gott die Zeit bestimmt und uns Menschen über die Zeit dieser Welt hinaus Leben in Fülle zusagt, darum müssen wir uns nicht ängstigen lassen vom Vergehen der Zeit, sondern wir dürfen voll Hoffnung und Zuversicht ins neue Jahr 2017 hineingehen, weil wir wissen: durch alle Jahre hindurch gehen wir dem entgegen, der Herr ist über alle Zeiten und der uns letztlich zu dem führen wird, was wir ewiges Leben nennen.
Wie kann der Übergang in ein neues Jahr gut gelingen? Wenn wir mit der Weisheit der Erfahrungen, die wir gemacht haben, unsere Zukunft gestalten. Dabei können uns die Erfahrungen biblischer Autoren ebenso nützlich sein wie unsere persönlichen Erfahrungen.
Herr, Jesus Christus,
du menschgewordenes Wort Gottes.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich in unsere Weltenzeit begeben,
damit alle Völker erkennen dürfen,
dass du der Gott aller bist.
Christus, erbarme dich.
Du bist gekommen,
Verlorene zu suchen,
Vertriebene heimzuführen,
Verletzte und Kranke zu heilen und zu kräftigen.
Herr, erbarme dich.
Ja, Herr, erbarme dich unserer Weltenzeit,
heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Allmächtiger, ewiger Gott,
in der Menschwerdung deines Sohnes
hat alles menschliche Streben nach dir seinen Ursprung
und kommt darin zur Vollendung.
Laß uns zu Christus gehören,
in dem das Heil aller Menschen begründet ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 7. Tag der Weihnachtsoktav
Gott, du bist da.
Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns
wie die Luft, die wir atmen,
ohne die wir nicht leben können.
Gib, daß wir dir ganz vertrauen
und leben ohne Angst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 5
Vater im Himmel,
unsere Zeit steht in deinen Händen.
Wir legen alles bei dir ab.
All unsere Jahre.
Nimm du alles in deine bergenden Hände.
Allem, was noch unerlöst und unversöhnt in uns ist,
schenke du deine Gnade und deinen Frieden.
Öffne uns, wie eine Schale, für das,
was die kommende Zeit für uns bereithält
und schenke uns Kraft und Mut,
damit wir alles Kommende annehmen können.
Das erbitten wir mit Jesus Christus,
der uns in seinem großen Vertrauen zu dir, ein Beispiel gab.
In Zuversicht aber auch im Bewusstsein der Unsicherheit der Zukunft sprechen wir heute einander Glück- und Segenswünsche zu. Letztlich ist es Gottes Kraft und Geist, die wir dabei füreinander erbeten.
Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria lasst uns ihn in unseren Anliegen anrufen:
Für alle Kinder, die in den nächsten Tagen als Sternsinger deinen Segen in die Häuser tragen und durch ihre Aktion weltweit der Armut und Ausbeutung unserer Mitmenschen entgegenwirken.
Für alle Mächtigen in der Welt um Einsicht und den entschlossenen Willen zum Frieden, sodass die Wunden der Feindschaft und sinnlosen Zerstörung wieder heilen können.
Für alle Kranken, Verzagten und Mutlosen um die Erfahrung, dass du, Immanuel, mit ihnen bist und sie nicht von dir mit ihren scheinbar unlösbaren Anforderungen allein gelassen sind.
Für uns selbst um Zeiten des Innehaltens und des Suchens im neuen Jahr, in denen wir deinen Willen für unser Leben entdecken und bei uns und unserer Berufung ankommen können.
Für alle Verstorbenen um dein Licht der Hoffnung und des ewigen Friedens.
Wir bitten dich um deinen Segen und deine Hilfe, dass wir zum Segen für andere werden und so deine Liebe für sie wenigstens ansatzweise durch uns sichtbar und erfahrbar wird. Dir sei Ruhm, Preis und Ehre jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
(für Wortgottesdienstfeiern)
Gott, unser Vater,
wir haben wahrhaft allen Grund, Dir Dank zu sagen:
Wir danken Dir für unser Leben,
für die Lebensfreude der Kinder und der Jugendlichen.
Wir danken Dir für das Geschenk des Glaubens,
für das Licht der Hoffnung
und die Fähigkeit zu lieben.
Wir danken Dir für das tägliche Brot,
für die Nahrung und Kleidung
und für die Menschen, die sich darum mühen.
Wir danken Dir für die vielfältigen Begabungen und Charismen,
mit denen Du uns ausgestattet hast.
Wir danken Dir für alle guten Beziehungen,
für die Ehepartner und für die Freunde,
die unser Leben reich machen.
Wir danken Dir für den Frieden in unserem Land
und für die vielen Menschen,
die sich um Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.
Wir danken Dir für alle Menschen,
die uns daheim, in Kirche und Schule
Gottes Wort verkünden,
und für alle, die in unseren Gemeinden
an der würdigen Feier der Sakramente mitwirken.
Wir danken Dir für alle Menschen, die bereit sind,
in Gesellschaft, Politik und Kirche Verantwortung zu übernehmen.
Für all das danken wir Dir
und stimmen ein in den Lobgesang
der ganzen Schöpfung und der Kirche:
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Gott, du allein weißt, was dieses Jahr wert war.
Vieles habe ich getan und Vieles versäumt.
Ich habe Vieles versucht und Vieles nicht vollendet.
Aus Unglauben habe ich oft gehandelt und entschieden,
auch meinen Mitmenschen bin ich Vieles schuldig geblieben.
An der Schwelle des Jahres möchte ich frei sein von aller Schuld,
allem Hass und allem Neid.
Ich möchte vergeben und Vergebung erhalten.
Ob dieses Jahr Frucht bringt, weiß ich nicht,
du allein siehst es, du kannst meine Mühe segnen.
Ich kann dir nichts geben, Herr, zum Dank für dieses Jahr,
nur, dass ich das Kommende aus deiner Hand annehme.
Gib mir ein neues Jahr und verlass mich nicht.
Gib das Licht deiner Liebe allen, die mir begegnen,
allen, die ich lieb haben darf,
und allen, deren Last ich tragen soll.
Begleite mich mit deinem Segen
jeden Tag, den du mir schenkst.
Meine Zeit steht in deinen Händen
Guter Gott, ein neues Jahr liegt vor uns
Geschenk des Lebens - Geschenk deiner Liebe
es ist nicht selbstverständlich dieses neue Jahr
Pläne und Hoffnungen
Angst und Mutlosigkeit
Termine und Begegnungen
Enttäuschungen und Zuversicht -
was wird dieses Jahr für uns sein?
Du rufst uns heraus aus dem Dunkel der Nacht
du schenkst Licht, du öffnest die Zeit
vertraust uns Tage, Stunden, Minuten an
hilf uns behutsam und liebevoll, sorgsam und behütend
mit dieser Zeit umgehen, keine Stunde kehrt zurück
lass uns die Zeit nützen - aber uns nicht von ihr gefangennehmen
lass uns die Zeit verschenken - aber nicht verschleudern
lass uns die Zeit genießen - aber uns nicht in ihr verlieren
gib unseren Tagen, unseren Stunden und Minuten dein Gesicht
hinterlasse deine Spuren, begleite uns jeden Tag
zeichne dich ein in unser Mühen und in unsere Freude
sprich dein gutes Wort über Angst und Vertrauen
sei du der Herr unserer Tage
unserer Stunden und Minuten
segne unser Tun und Lassen
segne du unser Jahr
Barmherziger Gott,
in jeder Not bist du unsere Hilfe.
(Du hast uns im vergangenen Jahr auf unseren Wegen geleitet.)
Bleibe bei uns mit deinem Schutz.
Gib uns,
was wir für dieses vergängliche Leben brauchen,
und führe uns zur ewigen Vollendung bei dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 7. Tag der Weihnachtsoktav
31. Dezember, 4. Januar, 7. Januar
Gott aller Zeiten,
am Ende des alten Jahres,
das uns viel abverlangt hat –
jedem einzelnen und der ganzen Welt –
durften wir uns noch einmal versammeln
und uns stärken lassen durch dein Wort
und durch die Mahlgemeinschaft
mit deinem Sohn, Jesus Christus.
Wir bitten dich,
begleite uns durch die vor uns liegende Zeitspanne
unseres Lebens mit deiner Kraft und deinem Segen. - Amen.
Der Herr nehme dir ab,
was du vom alten Jahr
in seine bergenden Hände zurücklegen möchtest
und gebe dir Frieden.
Der Herr mache dich offen und frei
für das, was im kommenden Jahr vor dir liegt
und schenke dir Kraft und Mut.
Der Herr schütze dich
an Körper und Seele und
lege seinen Segen auf dich.
So segne dich Gott,
der mit uns unterwegs ist
durch Raum und Zeit
und den wir zu fassen versuchen als:
Vater, Bruder und Heiligen Geist. – Amen.
Ein Dach, das dich schützt,
wenn du Herberge suchst,
eine sanfte Hand, die dich hält,
wenn du dich niedergeschlagen fühlst,
ein gutes Herz, an das du dich anlehnen
kannst, wenn du dich verlierst
im Trubel des Alltäglichen,
einen Menschen in der Nähe, der deine
Tränen auffängt wie eine kostbare Schale,
eine warme Hand,
die deine Augen schließt, auch dann,
wenn du Abschied nimmst und hinübergehst
in die Welt des Lichtes,
das wünsche ich dir
aus Gottes liebender Hand, die uns berührt:
Die sanfte Hand des Vaters und des Sohnes
Und des Heiligen Geistes.
(Quelle unbekannt)
(Gotteslob (Österreich) Nr 704)
Gott, allmächtiger Vater, du hast deinen Diener N. in der Nachfolge des heiligen Petrus erwählt, deine Herde zu weiden und zu Jesus Christus zu führen. Erfülle unseren Papst mit deinem Geist und gib, dass er seine Brüder und Schwestern im Glauben stärke. Steh ihm bei in seinem Bemühen, deinen Willen zu erfüllen und das Band der Einheit, der Liebe und des Friedens unter den Kirchen zu festigen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Gott, unser Vater, in Jesus Christus begleitest du die Kirche von N. Wir danken dir für unseren Bischof N. und bitten dich: Erfülle ihn mit deinem Geist und schenke ihm die Weisheit für seinen Hirtendienst. Lass ihn Worte und Wege finden, die uns im Glauben stärken, zur Liebe bewegen und uns im Frieden bewahren. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Hirten und Herrn, der in seiner Kirche lebt und wirkt, heute und in Ewigkeit. Amen.
Gott, unser Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, um uns deine Liebe zu bezeugen. Durch ihn berufst du Frauen und Männer zum Dienst in deiner Kirche. Schenke auch unserer Zeit Ordensleute, die durch ihr Leben nach den evangelischen Räten dich bezeugen, Priester, die den Gläubigen das Evangelium verkünden, sie mit dem Brot des Lebens nähren und die Gemeinden in der Kraft des Heiligen Geistes leiten, und Diakone, die deinem Volk dienen und für die Armen und Notleidenden sorgen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Gott, unser Vater, dein Sohn Jesus Christus ist für uns Mensch geworden. Mit ihm hat dein Reich in unserer Welt begonnen. Durch das Sakrament der Taufe hast du uns als deine Söhne und Töchter berufen, am Aufbau deines Reiches mitzuwirken. Wir danken dir für alle Frauen und Männer, die ihre Berufung wahrnehmen und Mitverantwortung in der Kirche tragen. Wir bitten dich: Dein Wort weise ihnen den Weg durch diese Zeit, dein Geist erfülle sie im Dienst zum Heil der Welt und deine Liebe präge ihr Dasein für die Menschen. Durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Herr Jesus Christus, du bist das Haupt deiner Kirche und die Mitte unserer Gemeinden. Du machst sie zu sichtbaren Zeichen deiner Gegenwart in der Welt. Erfülle sie mit der Kraft deiner Botschaft und dem Geist deiner Liebe. Segne das Zusammenwirken aller Gläubigen in deinem Dienst, damit die Menschen Hoffnung, Trost und Lebensfreude finden. Darum bitten wir dich, der du lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen.
(Gotteslob (Österreich) Nr 703)
V Herr, wir danken dir für unser Land, in dem wir leben,
die Berge, die Täler, die Felder, die Gärten,
die Wälder, die Flüsse und Seen:
A Keine Verblendung zerstöre das Werk deiner Hände.
V Herr, unsere Häuser, unsere Dörfer und unsere Städte
mögen Orte der Hoffnung und des Friedens sein:
A Keine Verhärtung verschließe unsere Türen vor Menschen in Not.
V Herr, die Stätten unserer Arbeit
mögen Orte der Zuversicht und des Gelingens,
der Freude und der Erfüllung sein:
A Keine Mutlosigkeit hindere uns,
mit Verantwortung die Zukunft zu gestalten.
V Herr, die Straßen unseres Landes mögen Wege sein,
die Menschen zueinanderführen:
A Keine Angst und kein Vorurteil trenne uns von Menschen
anderer Kulturen und anderen Glaubens.
V Herr, unsere Gespräche und Begegnungen
mögen Zeiten des Hörens und des Verstehens sein:
A Kein Wort komme über unsere Lippen,
das verletzt und zerstört.
V Herr, die Kirchen unseres Landes mögen offen sein für alle,
die auf dein Wort hören und deine Nähe suchen:
A Dein Name werde geheiligt,
dein Reich sei mitten unter uns.
Refrain:
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit. Du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz,
mach es fest in dir.
Da alle Lieder des Gotteslob urhebergeschützt sind, geben wir hier nur den Refrain wieder.
Gotteslob Österreich 907 und in den meisten Diözesen unter anderer Ordnungsnummer.
Da liegen sie
die „Blätter meines Lebens“
Tagebuch-Aufzeichnungen
und die vielen „Blätter“
der Erinnerungen -
gespeichert in dem
was wir wohl unser Herz oder
unsere Seele nennen
mit je eigener Schrift –
mal mit großen Schwüngen
als Ausdruck
von Freude und Lebenskraft
mal klein und gekritzelt
weil es uns schwer fällt
die Schwere in Worte zu fassen
mal stehen da nur große Fragezeichen
weil ich es nicht
fassen konnte
dieses
WARUM
weil ich es nicht
fassen konnte
dieses
WESHALB
hier und da stehen „Leerräume“
Ausdruck vielleicht
dass alles einfach ganz gut
„lief“
möchte ich die Zeiten
die dort „stehen“
noch mal erleben
gerne gehe ich noch mal
in Erinnerung
in die eine oder andere
ZEITSPANNE
hinein
aber
noch einmal erleben
das hieße auch
schwere Zeiten
noch mal
durch-leben
nein
das möchte ich nicht
alles hat seine Zeit
alles hat seine Stunde
und jetzt
jetzt liegt das Kommende
wie ein leeres Blatt
vor mir
wie wird es sich
beschreiben
wie viel
leichte Schwünge werde ich machen
wie viel
werde ich nur hin-kritzeln können
wo entstehen Leerzeichen
wo wieder nur große Fragezeichen
ein leeres Blatt
zu beschreiben
in Stunden
in Tagen
in Wochen
in Monaten -
VIELLEICHT
wird es das letzte Blatt sein
liegen noch viele Kapitel
vor mir
mit je neuem Blatt
ein leeres Blatt
mit der Aufforderung
es zu beschreiben
jetzt
heute
hier
in der Schriftart
die mir
gerade heute
entspricht
das ist dein Geschenk
an mich
Herr
für diesen Moment
geschenkt aus deiner Ewigkeit
dankend nehme ich es entgegen
und
schreibe
wie es kommt
Beatrix Senft (2021)
Keiner hat Zeit.
Wenigstens nicht für mich.
Überall suche ich ein Ohr.
Und finde doch nur einen Mund.
Einen der selber erzählen möchte und nicht zuhören.
Keiner hat Zeit.
Einer hat Ewigkeit.
Gott.
Der schaut nie auf die Uhr.
Ist nie mit seinen Gedanken woanders.
Hängt nie noch dem letzten Gespräch nach.
Hat nie ein »Der Nächste bitte« auf den Lippen.
Ist Tag und Nacht zu sprechen.
Von jedem Punkt des Universums aus.
Er ist da.
Ist jetzt da.
Ist jetzt für dich da.
Wo?
Da, wo du bist.
Sprich ihn an.
Gott ist immer nur ein Gebet weit von dir entfernt.
Jürgen Werth
Das Wort des Jahres 2011 lautet "Stresstest". Das teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) mit. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass der aus der Humanmedizin stammende Begriff 2011 auffällig oft gefallen sei.
Er habe sich aus sprachlicher Sicht als äußerst produktiv erwiesen und sei in den verschiedensten Bereichen anzutreffen gewesen.
"Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt 'Stuttgart 21', die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen", heißt es in der Begründung.
Auf Platz zwei setzten die Sprachwissenschaftler das Wort "hebeln", das für die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF steht. Auch "Arabellion", "Merkozy" und "Fukushima" schafften es unter die ersten zehn Plätze.
Der Schlichter von "Stuttgart 21", Heiner Geißler, lobte die Wahl des Begriffs. "Ein 'Stresstest' ist Teil der notwendigen Information, um zu mehr Bürgerbeteiligung bei großen Projekten zu kommen", sagte der frühere CDU-Generalsekretär der Nachrichtenagentur dpa. Geißler hatte sich am Ende seiner Schlichtung in Stuttgart für den geplanten Tiefbahnhof ausgesprochen.
http://www.tagesschau.de/
Wie mit allen Festtagen, so verbinden sich auch mit dem Jahreswechsel diverses Brauchtum und allerlei Aberglaube.
Das Abendessen zu Silvester sollte mit der Familie oder mit Freunden erfolgen, denn das Essen "im Kreise" seiner Nächsten symbolisiert den Schutz vor Dämonen, die diesen Kreis nicht zerstören können.
In der Nacht zum Jahreswechsel geht es schon seit Urzeiten um die Abwehr von bösen Geistern.
Geknalle, lärmende Umzüge mit vermummten Gestalten bei denen Trommeln, Schellen und Peitschenknallen für den nötigen Krach sorgten, sollten diese fernhalten.
In unserer Zeit wird dieses Brauchtum weltweit durch gigantische Feuerwerke ersetzt.
Dabei geht es heutzutage nicht mehr um die Vertreibung von Dämonen.
Das Silvesterfeuerwerk ist ein Ausdruck der Freude über das bevorstehende neue Jahr.
Alt und Jung erfreuen sich an dem bunten Himmelsspektakel.
Alleine in Deutschland werden Jahr für Jahr Knaller, Böller, Schwärmer und vor allem Raketen für mehr als 60 Millionen Euro in die Luft gejagt.
Für das neue Jahr wünsche ich Dir soviel, wie der Regen Tropfen hat, soviel Liebe, wie die Sonne Strahlen hat, und soviel Gutes, wie der Regenbogen Farben hat!
Ich bringe euch zum neuen Jahr die allerbesten Wünsche dar und hoffe, dass es bis zum Ende euch lauter gute Tage sende!
Ich wollte Dir zu Neujahr etwas einzigartiges, grandioses und liebevolles schicken. Aber ich passe einfach nicht auf Dein Handydisplay.
Prosit Neujahr und mögen deine guten Vorsätze deinen Kater überdauern.
Wir brauchen nicht so fortzuleben,
wie wir gestern gelebt haben.
Machen wir uns von dieser Anschauung los,
und tausend Möglichkeiten
laden uns zu neuem Leben ein.
Christian Morgenstern
Wir wollen glauben
an ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu, unberührt,
voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit,
voll Aufgabe, Anspruch,
Zumutung.
Wir wollen sehen,
daß wir's nehmen lernen,
ohne all zu
viel fallen zu lassen, von dem,
was es zu vergeben hat,
an die, die Notwendiges,
Ernstes und Großes
von ihm verlangen.
Rainer Maria Rilke

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