Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
wird er erhört.
Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Selig die Menschen, die Gottes Wege gehn. – Kv
Oder (GL 71,1)
Selig jeder, der den HERRN fürchtet,
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen;
selig bist du - es wird dir gut ergehn. - Kv
Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock
im Innern deines Hauses.
Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder
rings um deinen Tisch herum. - Kv
Siehe, so wird der Mann gesegnet,
der den HERRN fürchtet.
Es segne dich der HERR vom Zion her.
Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. - Kv
Lesung aus dem Buch Genesis.
In jenen Tagen
erging das Wort des HERRN in einer Vision an Abram:
Fürchte dich nicht, Abram,
ich selbst bin dir ein Schild;
dein Lohn wird sehr groß sein.
Abram antwortete: Herr und GOTT,
was kannst du mir geben?
Ich gehe kinderlos dahin
und Erbe meines Hauses ist Eliëser aus Damaskus.
Und Abram sagte:
Siehe, du hast mir keine Nachkommen gegeben;
so wird mich mein Haussklave beerben.
Aber siehe, das Wort des HERRN erging an ihn:
Nicht er wird dich beerben,
sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein.
Er führte ihn hinaus
und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf
und zähl die Sterne,
wenn du sie zählen kannst!
Und er sprach zu ihm:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Und er glaubte dem HERRN
und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.
Der HERR nahm sich Saras an,
wie er gesagt hatte,
und er tat Sara so, wie er versprochen hatte.
Sara wurde schwanger
und gebar dem Abraham noch in seinem Alter einen Sohn
zu der Zeit, die Gott angegeben hatte.
Abraham gab seinem Sohn, den ihm Sara gebar,
den Namen Isaak.
Kv: Der Herr ist unser Gott;
auf ewig gedenkt er seines Bundes. - Kv
Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen aus! *
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt!
Singt ihm und spielt ihm, *
sinnt nach über all seine Wunder! - Kv
Rühmt euch seines heiligen Namens! *
Die den HERRN suchen, sollen sich von Herzen freuen.
Fragt nach dem HERRN und seiner Macht, *
sucht sein Angesicht allezeit! - Kv
Gedenkt der Wunder, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Beschlüsse seines Munds!
Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, *
ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat. - Kv
Auf ewig gedachte er seines Bundes, *
des Wortes, das er gebot für tausend Geschlechter,
des Bundes, den er mit Abraham geschlossen, *
seines Eides, den er Isaak geschworen hat. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Bekleidet euch
als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,
mit innigem Erbarmen,
Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt einander
und vergebt einander,
wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat!
Wie der Herr euch vergeben hat,
so vergebt auch ihr!
Vor allem bekleidet euch mit der Liebe,
die das Band der Vollkommenheit ist!
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander!
Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder
in Dankbarkeit in euren Herzen!
Alles, was ihr in Wort oder Werk tut,
geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
Ihr Frauen,
ordnet euch den Männern unter,
wie es sich im Herrn geziemt!
Ihr Männer,
liebt die Frauen
und seid nicht erbittert gegen sie!
Ihr Kinder,
gehorcht euren Eltern in allem,
denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
Ihr Väter,
schüchtert eure Kinder nicht ein,
damit sie nicht mutlos werden!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Kolosserbrief hat seinen Namen nach der Gemeinde von Kolossä, 200 km vom Meer entfernt, an der Handelsstrasse zwischen Milet und Ephesus, ursprünglich ein wichtiges Zentrum der Wollindustrie. Er wird dem Paulus zugeschrieben und wurde um 150 n. Chr. von Markion bereits in seinen Kanon aufgenommen.
Der erste Abschnitt unserer Lesung (Verse 12-17) ist die Fortsetzung des vorderen negativen Abschnittes ab Vers 5. Wurde darin vielseitig zum Ablegen aller Untugenden und zusammenfassend des Alten Menschen aufgefordert, werden in unserem Abschnitt positive Gegenimperative gesetzt, zusammenfassend und vorangesetzt die Aufforderung, die Tugenden anzuziehen, zugleich mit der Begründung: Ihr seid die Erwählten Gottes! Daraus resultieren die guten Worte und Werke – immer in Verbindung mit dem einen Herrn Jesus Christus.
Eine weitere Konkretion dessen erfolgt mit der Haustafel (eigentlich Kol 3,18-4,1), einer Zusammenstellung von kurzen Ermahnungen an die verschiedenen „Stände" einer damaligen Hausgemeinschaft. Auch diese schliessen mit dem Hinweis auf den einen Herrn (im Himmel) ab und geben so noch einmal die Begründung für das geforderte Verhalten.
Im zweiten, eher praktischen Teil des Kolosserbriefes (Kapitel 3-4; Der theologische Teil umfaßt Kapitel 1-2) begegnen konkrete Aussagen für das christliche Leben, Handeln und Glauben.
Die Tugend- und Lasterkataloge (3,5-17) entsprechen einem aus der iranischen Religion stammenden Schema, dem die Vorstellung zugrunde liegt, das der Mensch aus Tugenden und Lastern zusammen gesetzt ist, wie die Glieder des Körpers zusammengefügt sind. Die Existenz des Menschen baut sich nach diesem Verständnis aus seinen Taten auf.
Die heutige Lesung beginnt nach dem Lasterkatalog mit der Einführung des Tugendkatalogs: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen" (Kol 12 a). Ähnlich wie beim Aufbau des ganzes Briefes ist die Theologie der Ethik voran gestellt: Vor dem Tun des Menschen steht das Handeln Gottes. Erst die liebende Zuwendung Gottes ermöglicht dem Menschen, "gut" zu handeln. Ethische Weisungen sind Hilfen, wie die Menschen in ihrer Zeit und in ihrer konkreten Situation ein christliches Leben führen können. Solche Vorschriften enthalten daher notwendigerweise Zeitbedingtes und nicht für alle Fälle Anwendbares.
Auch die Haustafel (Kol 3,18-4,1), von der ein Teil noch zu Tageslesung gehört, ist von der Zeitsituation geprägt. Die in dieser Tafel enthaltenen Normen sind nicht spezifisch christlich, sondern stammen wie die christliche Ethik überhaupt aus der Umwelt, vor allem aus der Ethik der Popularphilosophie. Der grundlegende Unterschied zwischen einem ethisch verantwortet handelnden Christen und einem Philosophen ist die Motivation aus dem Glauben. Äußerlich ist eine sittlich gute Tat nicht zu unterscheiden oder zu werten, aber für einen Christen müssen der Friede Christi (Kol 3,15) und die Gnade Gottes (Kol 3,16) die Orientierungspunkte sein, nicht einzelne Normen und Gesetze. Das Besondere an der christlichen Haltung ist daher die Fähigkeit, über die buchstäbliche Erfüllung der Gesetze hinauszuwachsen und auch die Normen hinterfragen und verändern zu können. Mit der Weisung zur Unterordnung der Frau, auf die immer noch manchmal zurückgegriffen wird, ist das z.B. passiert, auch mit der Einstellung gegen über der Sklaverei (Kol 3,22 f).
Die Haustafel kann eine Anregung sein, jene Regeln anzuschauen, die heute für unser Zusammenleben gelten, und wie der Kolosserbrief darin das christlich Lebbare zu aufzuzeigen.
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf,
wegzuziehen in ein Land,
das er zum Erbe erhalten sollte;
und er zog weg,
ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens
empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft,
trotz ihres Alters noch Mutter zu werden;
denn sie hielt den für treu,
der die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen,
dessen Kraft bereits erstorben war,
viele ab:
zahlreich wie die Sterne am Himmel
und der Sand am Meeresstrand,
den man nicht zählen kann.
Aufgrund des Glaubens
hat Abraham den Isaak hingegeben,
als er auf die Probe gestellt wurde;
er gab den einzigen Sohn dahin,
er, der die Verheißungen empfangen hatte
und zu dem gesagt worden war:
Durch Isaak wirst du Nachkommen haben.
Er war überzeugt,
dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken;
darum erhielt er Isaak auch zurück.
Das ist ein Sinnbild.
Der Hebräerbrief nennt keinen Verfasser. Er ist das erste Beispiel für eine christliche Lehrschrift, die sich nicht durch Nennung eines Verfassers aus der apostolischen Zeit besondere Autorität verschaffen möchte. Es ist auch kein Adressat genannt, ein Briefkopf fehlt. Lediglich die Verse am Schluss weisen auf einen Brief hin. Die Überschrift "An die Hebräer" ist ein späterer Zusatz. Der Brief wurde vermutlich zwischen 80 und 100 n. Chr. von einem hellenistischen Judenchristen geschrieben.
Das Kapitel 11 beschreibt die "Wolke der Zeugen" (Hebr 12,1). Vorbilder im Glauben werden genannt, um den Lesern und Hörern Mut zu machen, selber den Glauben zu leben und zu bezeugen. Es handelt sich um einen Paradigmenkatalog, der zur ethischen Unterweisung dienen sollte. Damit nimmt er die Stiltradition weisheitlicher Paradigmenreihen auf.
Sprachlich wird die Aufzählung durch sich wiederholende gleiche Versanfänge deutlich gemacht. "Durch den Glauben" (griech. "pistin") kommt sieben mal vor. Der Einschub Vers 13-16 ist durch einen veränderten Versanfang "voll Glauben" (griech. "kata pistin") gekennzeichnet.
Der Anfang spricht das Thema "Glaube" an. Die Definition von Glauben, die hier gegeben wird, betont eine objektive Haltung gegenüber den Glaubensfundamenten: feststehen in dem, was man erhofft. Das Subjektive, z.B. ein persönliches Überzeugtsein, wird weniger betont. Die Definition ist ganz allgemein gehalten. Ein persönliches Verhältnis zu Jesus spielt hier keine Rolle.
Die Verse 8-22 haben Abraham zum Thema. Damit nimmt er als Einzelgestalt den größten Raum in diesem Kapitel ein. Das entspricht der Bedeutung, die Abraham als Vater des Glaubens von Anfang an gehabt hat und auch heute noch hat.
Hallula, Halleluja
Der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
Als sich für die Eltern Jesu
die Tage der vom Gesetz des Mose
vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten,
brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf,
um es dem Herrn darzustellen,
wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist:
Jede männliche Erstgeburt
soll dem Herrn heilig genannt werden.
Auch wollten sie ihr Opfer darbringen,
wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt:
ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Símeon.
Dieser Mann war gerecht und fromm
und wartete auf den Trost Israels
und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
er werde den Tod nicht schauen,
ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
Er wurde vom Geist in den Tempel geführt;
und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten,
um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Símeon das Kind in seine Arme
und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr,
deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter
staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
Und Símeon segnete sie
und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
Siehe, dieser ist dazu bestimmt,
dass in Israel viele zu Fall kommen
und aufgerichtet werden,
und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, –
und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.
Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin,
eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher.
Sie war schon hochbetagt.
Als junges Mädchen hatte sie geheiratet
und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren.
Sie hielt sich ständig im Tempel auf
und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
Zu derselben Stunde trat sie hinzu,
pries Gott
und sprach über das Kind
zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Als seine Eltern alles getan hatten,
was das Gesetz des Herrn vorschreibt,
kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
Das Kind wuchs heran und wurde stark,
erfüllt mit Weisheit,
und Gottes Gnade ruhte auf ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Mit dem Kind Jesu wird nach den Bestimmungen des mosaischen Gesetzes verfahren (Ex 13:12-15 u. Gal 4:4). Vierzig Tage nach der Geburt Jesu gehen Maria und Josef in den Tempel, um ihr Kind Gott zu weihen. Es empfängt bei der Beschneidung den Namen Jesus, d.h. "Gott rettet". Reinigung fasst zusammen, was mit der Mutter und dem Kind, weil es der erstgeborene Knabe war, nach dem Gesetz zu geschehen hatte.
Diese alte jüdische Tradition weißt darauf hin, dass das Kind nicht den Eltern gehört, sondern Gott. In der Zeugung, der Schwangerschaft und der Geburt ist Gott selbst am Werk. Jedes neugeborene Kind ist eine neue Schöpfung Gottes.
Im Tempel zu Jerusalem offenbart Gott durch seinen Propheten und eine Prophetin, wer dieses Kind ist und was es für Juden und Heiden bedeutet: Heilbringer, Entscheidungsgestalt und Erlösung Jerusalems. Simeon spürt, er kann jetzt sterben, denn er hat "das Heil gesehen", auf das er zeitlebens gewartet hat.
Jesus aber kommt nicht in eine heile Welt, aber er ist das Heil der Welt. Das Kind ist das große Geschenk Gottes – umso mehr, wenn dieses Kind der Retter Israels ist. An ihm werden sich die Geister scheiden. Die einen werden ihr Leben an Jesus binden, die anderen werden es ablehnen, ja, ihn bekämpfen.
Doch alle die kommenden Konflikte können das Band der Liebe zwischen Gott und Menschen, das mit seiner Menschwerdung konkret geworden ist, nicht mehr unterbinden.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
Als sich für die Eltern Jesu
die Tage der vom Gesetz des Mose
vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten,
brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf,
um es dem Herrn darzustellen,
wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist:
Jede männliche Erstgeburt
soll dem Herrn heilig genannt werden.
Auch wollten sie ihr Opfer darbringen.
Als seine Eltern alles getan hatten,
was das Gesetz des Herrn vorschreibt,
kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
Das Kind wuchs heran und wurde stark,
erfüllt mit Weisheit,
und Gottes Gnade ruhte auf ihm.
Jesus, Maria und Josef, sowie ihr himmlischer Vater werden normalerweise als die Heilige Familie bezeichnet. Die Engführung auf die Kleinfamilie und deren Idealisierung werden jedoch den biblischen Texten nicht gerecht. Jesus hat seine Familie geöffnet für alle, die den Willen Gottes tun. Berührende Beispiele dafür sind der greise Simeon und die Prophetin Hanna, die sehnsüchtig das Kommen Jesu erwartet haben.
Am vergangenen Weihnachtsfest haben Sie – so nehme ich an – Familie erlebt, wie sie leibt und lebt. Das konkrete eigene Familienerleben steht nicht selten dem Familienbild, wie es uns mit der Heiligen Familie vor Augen geführt wird, im Kontrast gegenüber. Die harmonischen Momente sind da oft nur von kurzer Dauer. Beziehungen können zerbrochen sein. Das schmerzt, hat Wunden hinterlassen. Oder man erlebt an nahestehenden Personen, dass ihnen Beziehung nicht gelingt, oder es gibt Kinder, Enkel, Geschwister, die sich in gängige Familienvorstellungen nicht einordnen lassen und ihre eigenen Wege gehen.
Dem steht die idealisierte Heilige Familie gegenüber: Maria und Josef halten in der Not zusammen, sie werden von ihren neuen Nachbarn, den Hirten, unterstützt, den Rest besorgen Engel, Könige kommen auf Besuch und entheben sie der finanziellen Sorgen…
All das kommt in den biblischen Erzählungen zwar vor, hat dort aber vor allem eine theologische Bedeutung. Diese wird uns in den Predigten der Weihnachtszeit ausgedeutet und erklärt. Über das konkrete Leben der Heiligen Familie sagen die biblischen Texte praktisch gar nichts außer ihr Ja zum Plan Gottes.
Neben den anerkannten Evangelien hat sich eine bunte Literatur entwickelt, die mit blühender Fantasie beschreibt, was man über diese Familie Jesu wissen wollte. Meist sind diese Texte nur in Fragmenten erhalten. Die sog. Apokryphen Schriften stellen die Regenbogenpresse von damals dar und wurden nicht in die Liste der biblischen Bücher aufgenommen. Sie wissen von der Großfamilie Jesu zu berichten, stellen die Großeltern Jesu, Joachim und Anna, vor, erzählen von Halbgeschwistern Jesu, die Josef in die Ehe mit Maria mitgebracht haben soll. Sie erzählen erstaunliche Geschichten vom kleinen Jesusknaben. Für die einen war er ein aufgeweckter "Fratz", wie eben Kinder manchmal sind, für die anderen hat er bereits als Kind Wunder gewirkt. All das ist amüsant, aber wenig glaubhaft und von einer zweifelhaften Theologie begleitet.
Mehr Aufmerksamkeit verdient da, was uns die anerkannten biblischen Schriften über die Familie Jesu erzählen. Matthäus und Lukas zählen z.B. lange Namenslisten von Vorfahren auf. Und dann die geheimnisvolle Schwangerschaft Mariens, die Gott selbst, bzw. den Heiligen Geist als Vater Jesu ausweist. Matthäus weiß uns viel von Josef zu erzählen, wie er sich als Ziehvater und Beschützer liebevoll um das Kind und Maria kümmert. Heute würde man diese Familienkonstellation als Patchworkfamilie bezeichnen. Lukas erzählt uns von Elisabeth, Zacharias und deren Sohn Johannes, dem späteren Täufer, als Verwandten Marias.
Mich lässt aufhorchen, was uns heute im Evangelium vorgetragen worden ist. Im Tempel begegnen Maria, Josef und das Jesuskind zwei ungewöhnlich altersweisen Persönlichkeiten, Simeon und Hanna. Beide leben im Umfeld des Tempels und gehen dort ein und aus. Sie erkennen im Jesuskind das von ihnen so sehnlichst erhoffte "Licht, das die Heiden erleuchtet", und sprechen zu allen, "die auf die Erlösung Jerusalems warteten".
Mich erinnern diese beiden an manche fromme alte Leute in der Gegenwart, die der Kirche sehr verbunden sind, eine verlässliche Basis der Gottesdienstgemeinde bilden und oft auch das gemeinsame Gebetsleben der Pfarre lebendig halten.
Das führt mich zu einem speziellen Aspekt der Heiligen Familie: Der erwachsene Jesu zeigte sich ziemlich familienkritisch. Er stieß seine Verwandten vor den Kopf, als diese ihn für verrückt hielten und heimholen wollten (Mk3,20). Wenige Verse weiter, als man ihm mitteilte, dass seine Mutter und Brüder ihn aus dem Haus, in dem er predigte, herausrufen wollten, erklärt er seine Sichtweise der Familie: "Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter." (Mk 3,33-35).
Jesus propagierte eine neue Familie: Alle, die den Willen Gottes tun, gehören dazu. Lukas gibt Einblick, wer da konkret mit Jesus unterwegs war. "Die Zwölf begleiteten ihn und auch einige Frauen, die von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie unterstützten Jesus und die Jünger mit ihrem Vermögen." (Lk 8,1b-3).
Wenn wir von der Heiligen Familie sprechen, dürfen wir diese einerseits familienkritische Sicht Jesu nicht außer Acht lassen und müssen wir andererseits die Öffnung seiner Familie für alle, die den Willen Gottes tun, nicht übergehen. Die Idealisierung der Kleinfamilie wird dem nicht gerecht. Sie nimmt sein neues Familienbild nicht ernst.
Das ist entlastend für alle jene, die nicht in ein idealisiertes Familienbild passen. Sie dürfen sich der neuen Familie Jesu zugehörig wissen. Z.B. die vielen Singles, die am Familienideal Gescheiterten, Menschen, die mit Personen gleichen Geschlechts eine Lebensgemeinschaft eingegangen sind. Alle eben, die bestrebt sind, nach dem Willen Gottes ihr Leben zu gestalten. Sie alle gehören zur Familie Jesu, die durch ihn geheiligt werden.
Das Fest der Heiligen Familie lenkt unseren Blick auf Jesus, den Sohn Gottes, seine Mutter Maria und Josef. In vieler Hinsicht eine Familie wie andere auch. Sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Familien unserer Zeit bei allem Wandel des Familienideals.
Der Begriff „Familie“ ist besonders in unserer raschlebigen Zeit einer großen inhaltlichen Veränderung unterworfen. Dieses wechselreiche Verständnis hat es früher auch schon gegeben. Im übertragenen Sinn verstanden sich schon Israeliten als „Familie Gottes“, weiters im Evangelium: „Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Siehe, meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (Mt 12,48-50). In der Antike entstand der Begriff „pater familias“, also nach außen hin männlich geprägt, was sich aber in den Häusern wirklich abspielte, kann man meist nur ahnen. Diesbezüglich ist kaum etwas überliefert.
Zur Zeit des Habsburgerreiches wurde der Ausdruck „casa d' Austria“ geprägt, „Haus Österreich“ - dazu gehörten die großen Ländereien, unzählige Gebäude, und die Menschen, die in diesem Territorium lebten, bezeichnete man als große Familie. Heute gibt es wieder familienpolitische Transformationsprozesse, sicher auch dadurch herbeigerufen, dass uns Medizin, Epigenetik, Anthropologie und Psychologie ständig neue Erkenntnisse vom Menschen bringen. Ob diese alle wirklich in den vielen Problemlagen, die sich heute auftun, weiterhelfen, ist schwer festzustellen, auch schon wegen der Komplexität und auch Widersprüchlichkeit mancher Thesen.
Selbstverständlich tauchen auch ideologische Probleme auf. Nichteheliche oder pseudoeheliche Beziehungen werden zu „Verantwortungsgemeinschaften“ erklärt. Warum es immer weniger Großfamilien gibt, hat auch seine Gründe. Durch verschiedene Lebensschicksale entstehen heutzutage wieder Großfamilien neuerer Art, sogenannte Patchworkfamilien.
Am Bild der „Heiligen Familie“ – in gewissem Sinn auch eine Patchworkfamilie - im Stall von Bethlehem hängen die Erwartungen, was Harmonie und Friede betrifft, sehr hoch. Auch das Biedermeierideal der friedlichen Familie, vor allem der Adelsfamilien, täuscht. Historische Berichte aus Adelskreisen sind diesbezüglich sehr ernüchternd.
Das „Fest der Heiligen Familie“ ist trotz allem, auch ein Fest der heilenden Familie in einer unheilvollen Welt. Wir brauchen Ideale, Visionen, sonst ist das Leben sinnlos, kann zur Hölle auf Erden werden. Wie alt der heilige Josef bei seiner Hochzeit war, wissen wir nicht. Jedenfalls war er tatkräftig, schweigsam. Wir brauchen solche Leute in einer Zeit, die voller Konflikte, Kampf und Gewalt sind. Dabei geht es nicht um vorgetäuschte Harmonie oder um Umfaller bei jedem anspruchsvolleren Problem, sondern um Mut und Klugheit. Die Eltern Jesu, so wie ihr Menschensohn, sind Lernende, indem ihnen allmählich klar wird, dass das Leben mit seinen Ansprüchen nicht nur „honeymoon“ ist. Auch bei ihnen war die Familie nicht immer heil, wie manche vielleicht annehmen. Scheitern und auch Neuanfang gehören zum Normalprogramm des Familienlebens und darüber hinaus.
Es geht um ein gelingendes Zusammenleben, das seinen Beginn bereits in der Familie haben soll. Die erste Lesung und das Evangelium geben gute Hinweise: "Ehre Vater und Mutter" will heißen: Gib ihnen Bedeutung, nimm sie ernst, nicht nur nach außen, weil es sich so gehört. Diese Haltung soll aus dem Inneren kommen, auch durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Beziehung schafft. Das gilt auch umgekehrt. Die Eltern sollen ihre Kinder ehren.
In der ersten Lesung finden wir noch etwas Aktuelles: Wenn bei Eltern der Verstand nachlässt, kümmere dich, so gut du es kannst, um sie. Das Problem von Alzheimer und Demenz wird immer herausfordernder und dringender, wie überhaupt das gesamte Pflegeproblem mit all den ethischen Fragen, die dazu gehören. Den Spott und auch die Witze, die man früher darüber gemacht hat, scheinen weniger zu werden. Es steigt das Bewusstsein, dass auch diese Menschen eine Würde haben, die bereits am Anfang des Lebens beginnt und erhalten bleiben muss. Die Herausforderungen diesbezüglich sind sehr oft anstrengend und nervenaufreibend.
Der kurze Abschnitt der Kindheitsgeschichte zeigt einen Ablösungsprozess. Jesus löst sich immer mehr von der Familie ab und wächst in den Willen seines Vaters hinein. Das geschieht im gegenseitigen Erfahrungsaustausch. So sollte es auch bei uns im Zusammenleben der Generationen sein. Auch für Eltern wichtig: Loslassenkönnen, wenn Kinder selbstständig werden und ihre eigenen Wege gehen.
Das Fest der Heiligen Familie weist auf Respekt und Ehrfurcht der Generationen untereinander hin. Das beginnt bereits in der Familie. Möge die Familie ein Ort der Liebe und Geborgenheit sein. Wie auch immer die Lebensform der Familie aussieht und wie wir sie sonst noch benennen, sie sind und bleiben Keimzellen unserer Gesellschaft. Sie werden reichlich Frucht bringen, wenn sie sich am Willen Gottes orientieren wollen.
Bei der Darbringung des Erstgeborenen im Tempel in Jerusalem begegnen Simeon und Hanna dem neugeborenen Retter der Welt, auf den sie sehnsüchtig gewartet haben. Sie sehen ihre Sehnsucht erfüllt und verkünden diese Frohe Botschaft.
Er sah nur das Kind, “als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war“. Simeon wartete schon lange auf diesen Augenblick, wie immer dieser Augenblick wirklich sich ereignet hatte, aber es muss eine Erleuchtung, eine Erkenntnis, eine Eingebung, ein Licht gewesen sein. Etwas, was einem Menschen die Erfüllung in seinem Sein schenkt. Dieses Etwas ist nicht in Dingen, wie Geschenken, Festivitäten zu finden, es ist einfach anderer Natur. – es ist das Göttliche, das einem Menschen innewohnt.
Soll ich Simeon beneiden, dass er das Heil der Welt in den Händen halten durfte, konnte, dass er in diesem Augenblick am richtigen Ort, zur richtigen Zeit gewesen ist? Ich weiß nicht? Dazu müsste ich ein „weihnachtlicher Mensch sein“, ein Mensch der geduldig warten kann, der umkehren kann, der um die Verwundbarkeit des Menschen weiß und Verantwortung auf sich nimmt für die Bedürftigen, für die Schutzsuchenden, für die am Rande der Gesellschaft Stehenden, für die, die auf soziale Gerechtigkeit hoffen. Auch müsste ich bereit sein, das gehörte Wort der Frohbotschaft auch durch Taten zu verkünden.
In Simeon sehen wir meist einen alten Mann. Davon ist im Schrifttext keine Rede:
„In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon“, sein Leben war von Gerechtigkeit, Gottesfurcht prägt. In seinem Umfeld erlebte er jedoch das Gegenteil. Sein Volk wurde ausgebeutet von zwei Herrschern zugleich: von König Herodes und der röm. Besatzungsmacht. Aber auch die Mächtigen aus dem eigenen Volk, wie Schriftgelehrte und Hohepriester, die ohne Erbarmen sich von der Bevölkerung „erhalten“ ließen, wie Lukas in der Erzählung „Das Opfer der Witwe“ anklingen lässt.
Simeon war auf Gott ausgerichtet, sein Gottvertrauen führte dazu, dass er als „gerechter“ bezeichnet wird: „Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.“ Simeon, der ein hoffender, ein zuversichtlicher, vom Geist Gottes erfüllter Mensch war, wird in seinem Leben zum „Träger der Hoffnung, der Verheißung“.
In der Sprache von Lukas heißt das so: „… nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast …“ Buchstäblich „hält er in den Armen“ den Trost, die Hoffnung, die Gerechtigkeit Gottes. Er der in einer ungerechten Welt „ausgeharrt“ hat, wurde vom Frieden „heimgesucht“, konnte seine Ruhe finden. Er hielt den göttlichen Trost, die Inkarnation Gottes, in seinen Händen.
Gottes Option sind die Schwachen, die Ausgegrenzten, die Gedemütigten, die Hungernden, denen wird nun ihr Recht zugesprochen. Ihnen gilt das Wort der Verheißung; Gnade und Gerechtigkeit wurde den Armen zuteil und richtete sie auf.
Da klingen die Worte aus dem Buch Jesaja in unseren Ohren „Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Siehe, da ist euer Gott.“
Eine Witwe verkündet die Frohbotschaft
„Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt.“ Ihr wurde im hohen Alter, ein innerer Friede, die Erfüllung einer Sehnsucht zuteil. Nach Jahrzehnten schweren Lebens als Witwe im damaligen Israel, hat sie in Hingabe ihr Leben auf Gott ausgerichtet: „Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.“ Und nun durfte sie die Verkünderin der Frohbotschaft der Geburt des Messias sein: Sie „pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.“
Wie spannend das Leben noch im hohen Alter sein kann, wie erfüllend und trostreich, zeigt die Witwe Hanna auf.
Für Momente der Erfüllung, die wir als Geschenk erfahren dürfen, müssen wir nicht unbedingt „hochbetagt“ sein. Für all jene Menschen, die offen sind für Veränderungen, die das Risiko der eigenen Verwundbarkeit wagen, die für eine Kultur des Wartens in ihrem Leben Platz haben, die bedrohtes, verwundbares Leben aufnehmen, beschützen, behutsam in ihren Händen tragen, wie einst Simeon Jesus, wird Weihnachten wahr werden. Sie haben ihr Warten, ihr Hoffen auf eine gerechtere Welt nicht begraben, sondern sie teilen, was sie haben: ihr verwundbares Leben, das „gezeichnet“ ist von Liebe, Respekt, Wertschätzung und Hingabe gegenüber anderen.
Gotisches Tafelbild des Meisters von Mondsee - Oberösterreichisches Landesmuseum
Darbringung im Tempel, um 1492, Meister von Mondsee, OÖ Landesmuseum
Dieses gotische Tafelbild war ursprünglich der linke Flügel von einem gotischen Flügelaltar. Abt Benedikt Eck hat einst diesen Flügelaltar für die Marienkapelle des Klosters Mondsee gestiftet.
Zum gotischen Bildprogramm von der „Geburt Jesu“ gehören vier große Tafeln:
- Die Beschneidung Jesu
- Epiphanie
- Darstellung im Tempel
- Der 12jährige Jesus im Tempel
Zwei kleinere Predellen-Bildern zeigen die Verkündigung und die Flucht nach Ägypten.
Auf den Altarstufen steht Simeon mit dem Kind in seinen Händen. Er ist in der Amtstracht eines Hohepriesters dargestellt. Die Personengruppe rechts vom Baldachin wird von Josef mit Trippen (Trippen sind ein typisches Holzuntergestell, in mittelalterlichen Städten wichtig) angeführt. Maria, die das große weiße Tuch „mitträgt“, sich so mit dem Kind und seiner Passion verbindet und eine Magd mit 3 (!) Tauben in einem Körbchen stehen neben Josef.
Wir schauen in eine Kirchenapsis mit Statuen, evtl. Propheten, diese „könnten“ symbolisch für den Alten Bund dargestellt sein. Die Säulen vom Baldachin sind „lichtdurchlässig“ gemalt. Auf einer Säule beim Altar, steht ein goldenes Götzenbild, so wird dieses Standbild gedeutet.
Das Kind Jesus liegt wie auf einem großen weißen Tuch, Symbol für die Passion, für den Tod. Diese Verbindung „Darstellung und Tod Jesu“ holt das Leid mit in das Geschehen hinein! Dessen sollte man sich bei der Betrachtung der Szene bewusst sein.
Und der Meister von Mondsee bringt eine größere Personengruppe ins Bild.
Was einmalig in der damaligen gotischen Bildkunst ist: es gibt auf diesen Tafeln keine ikonografischen Symbole von antisemitischen Stereotypen wie einem „Judenhut“, oder gelbe Kleidung/Flecken oder die „typischen“ Gesichtszüge, die man im Mittelalter jüdischen Männern „angedichtet“ hat. Nicht nur dieses Tafelbild, sondern alle Tafeln, die der Meister von Mondsee gemalt hat, sind „judenfreundlich“!
Alle Menschen sind Schwestern und Brüder. Es gilt das Glück, nach dem sich alle sehnen auch miteinander zu teilen, die Lasten für das Wohl der Gesellschaft, der Familie und auch der Kirche gemeinsam zu tragen.
„Selig bist du - es wird dir gut ergehen. Du sollst schauen das Glück, Jerusalem, alle Tage deines Lebens.“ Schöne und erhebende Worte, die uns im Psalm 128 begegnen. Vielleicht denken wir jedoch sogleich an die derzeitigen Umstände, die unserem versprochenen Glück im Wege stehen: die Angst um unsere Gesundheit und die unserer Liebsten, wenig physische Kontakte zu anderen Menschen und eine diffuse gesellschaftliche Stimmung der Ungewissheit. Jedoch gibt uns dieser Psalm Hoffnung, die Hoffnung auf ein Glück, das ich nicht aufgrund äußerer Umstände habe, das ich mir auch nicht verdienen muss, sondern, das mir zukommt, aufgrund einer Entscheidung und einem Vertrauen in Gott und in ein Glück, das mich alle Tages meines Lebens begleiten soll.
Die wesentliche, gesellschaftspolitische Frage lautet nun: Wem wird dieses Glück zuteil und wem wird es verwehrt? Denn Glück besteht zwar aus einer Entscheidung und einer frohen Hoffnungsstimmung, doch genauso wichtig sind äußere Gegebenheiten, die grundlegende Bedürfnisse abdecken, um das Streben nach Glück überhaupt zu ermöglichen. Sollten wir nicht dafür streiten, dass dieses „Du“ und dieses „Ich“ zum jede/r wird - zu allen wird. Allen soll es gut ergehen, nicht nur den Strenggläubigen, nur jenen die fasten oder jenen die das meiste Geld angehäuft haben. Dafür hat Jesus gestritten und er war in der Tat ein Zeichen, dem widersprochen wurde, so wie es bereits kurz nach seiner Geburt im Tempel prophezeit wurde.
Auch wir können ein solches Zeichen sein und Zeichen setzen. Diesen Segen und dieses Glück, das uns als Kindern Gottes zusteht, ungeachtet unserer Herkunft, unseres Geschlechts und unseres Kontostandes, gilt es für alle zu beanspruchen, für alle einzufordern. Dort wo jenen Menschen Hoffnung genommen wird, wo Menschen essentielle Elemente ihres Glücks genommen werden - Familie, ein warmes Zuhause, ein sicheres Einkommen, ein friedliches Umfeld oder der Zugang zu Bildung - dort sind wir als Christen und Christinnen gefragt, als Zeichen Gottes aufzutreten und die Hoffnung auf ein Glück für alle aufrechtzuerhalten.
Glück für alle bedeutet ein gutes Leben für alle, bedeutet Wohnraum für alle, Einkommen für alle und menschliche Nähe und Wärme für alle Menschen. Glück bedeutet, die Chance auf das Streben nach Glück - und dafür wollen wir ein Zeichen sein, dem auch gerne widersprochen werden kann, das jedoch hell leuchten soll, für alle Menschen.
„Gottes Liebe ist für jeden Menschen gleich“ schreibt Papst Franziskus in seiner neuen Sozialenzyklika „Fratelli tutti“. Ich denke, dass auch Gottes Wunsch, dass wir glücklich sein sollen, für alle Menschen gilt. Derzeit haben, auch in Österreich, nicht alle Menschen die Möglichkeit ein Leben in Würde und Glück zu führen. Eltern, vor allem Mütter, die extrem belastet sind, Menschen im Gesundheitswesen, die täglich an ihre Belastungsgrenzen kommen, Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, mit Existenzängsten und großen Sorgen - für sie ist dieses Glück, das Gott uns versprochen hat, gerade nicht greifbar, es gehört nicht zu ihrer Realität. Die Hoffnung scheint weit entfernt. Hinzu kommt eine politische Rhetorik die spaltet anstatt zu einen, die bestimmte Menschen als weniger würdig, als weniger wert ansieht und anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen, die Schuld anderen Menschen anlastet, die faktisch gesehen keine Schuld trifft. Diesem Tenor der gegenseitigen Schuldzuweisung etwas entgegen zu setzen - auch das ist tätige Liebe und dient der Förderung des Glücks aller. Und ist unsere Aufgabe als Christen und Christinnen.
„Die aufrichtige und demütige Verehrung Gottes endet nicht etwa in Diskriminierung, Hass und Gewalt, sondern in der Achtung vor der Unverletzlichkeit des Lebens, in der Achtung vor der Würde und Freiheit anderer und im liebevollen Einsatz für das Wohl aller.“ (Fratelli tutti, Papst Franziskus) Denn darin liegt auch unser größtes Glück und unser gesellschaftlicher und persönlicher Frieden verborgen.
© Katrin Pointner, BA, Referentin der Abtlg. Gesellschaft & Theologie, Pastoralamt Linz
Das Fest der Heiligen Familie ist in einer Zeit, die herkömmliche Familienformen in Frage stellt, eine besondere Herausforderung. In dieser Situation gilt es, über den Wert der Familie nachzudenken. Als kirchlich Engagierte sollten wir darüber hinaus den Mut aufbringen, die Theologie der Ehe und Familie weiterzuentwickeln.
Jesus ist in einer Familie aufgewachsen und hat dort von Klein an das religiöse Leben der Familie und der Gemeinschaft der Gläubigen mitbekommen. Das Vorbild der Heiligen Familie ist uns Ansporn, dass auch in unseren Familien und Gemeinden die jungen Menschen das religiöse Leben als Kraftquelle kennenlernen.
Wir stehen im Ablauf der Festtage ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Weihnachtsfest und dem Beginn des Neuen Jahres am 1. Jänner. Im Evangelium schildert uns der Evangelist Lukas heute die Darbringung Jesu im Tempel. Dabei kommt es zu einer Begegnung zwischen den Eltern mit ihrem Kind und zwei Menschen, von denen beiden gesagt wird, dass sie vom Heiligen Geist geführt sind. Hanna wird uns als hochbetagte Prophetin dargestellt und von Simeon steht zwar nicht ausdrücklich im Text, dass er ein alter Mann war, aber aus seinen ersten Worten, wo er sagt, »...nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden« können wir annehmen. Und beiden Personen wird der Heilige Geist zugesprochen. Bei Simeon steht das ausdrücklich im Text und Hanna wird uns als Prophetin vorgestellt.
Die wahren Propheten sind in der Bibel nicht Menschen, die die Zukunft voraussagen - wie wir es in unserem Sprachgebrauch heute vielfach verstehen - sondern Propheten in der Bibel sind Menschen, die die Wahrheit Gottes verkünden. Und diese Wahrheit ist meist entgegen der allgemeinen Meinung oder, wie wir heute sagen würden, entgegen dem "mainstream". Daher sind wahre Propheten meist unbeliebt und müssen, ob dem Unverständnis der Menschen für die von ihnen zu verkündigende Wahrheit oft leiden. Ihr Schicksal ist nicht begehrenswert. Es ist immer leichter den anderen wie man so sagt »nach dem Maul« zu reden als unangenehme Wahrheiten beim Wort zu nennen.
Der Evangelist schildert uns in diesem Text die Begegnung zwischen einem Säugling und zwei alten Menschen, zwischen dem Kind in der Krippe, dessen Geburt wir vor wenigen Tagen gefeiert haben und zwei Menschen, die ihr irdisches Leben mehr oder weniger schon vollendet haben.
Auch bei unseren Feiern der letzten Tage standen wohl die Kinder im Mittelpunkt. Einerseits sind es die Kinder oder Enkeln, Urenkeln, Nichten und Neffen, die das »Christkind« am sehnlichsten erwartet haben und von ihm die Erfüllung ihrer geheimen Wünsche erhofft haben. Andererseits sind es aber auch unsere eigenen Kindheitserinnerungen, die unser eigenes Erleben des Festes ganz wesentlich beeinflussen und prägen. In jedem Neugeborenen, in jedem Kind, erleben wir ein Stück Hoffnung. Wir wünschen, dass es in eine bessere Welt hineingeboren ist, als wir sie erlebt haben. Und genauso geht es uns selbst auch am Jahreswechsel. Wir lassen das alte Jahr hinter uns und hoffen auf ein gutes Neues Jahr.
Der heutige Text der Frohbotschaft ist so ein Text des Übergangs. Die Kirche und mit ihr die Priester und auch Laien, die voll bewusst mit der Kirche das Brevier oder Stundengebet beten, beten diesen Text täglich als Abendgebet. Sie beten ihn am Ende des Tages, wenn sie ihren Tag Revue passieren lassen und sich der Ruhe der Nacht übereignen. Und jedes sich dem Schlaf überlassen, ist ja wie ein kleiner Tod. Deshalb haben die Menschen im Mittelalter aus Angst, unvorbereitet zu sterben, oft im Sitzen geschlafen. Im Schlaf ist unser Bewusstsein eingeschränkt und wir sind nicht mehr Herr all dessen, was da passiert.
Der Text schließt mit der Verkündigung des Heils an die Verkündigung der Engel bei der Geburt Jesu an und führt uns in eine Situation der Entscheidung, die wir täglich auf uns nehmen müssen. Denn der Evangelist Lukas begleitet seine Gemeinde, also die ersten Christen bzw. eben die Judenchristen, die sie zur Zeit der Abfassung des Evangeliums noch waren, in ihre Glaubensentscheidung hinein. Sie müssen sich entscheiden, ob sie glauben, dass in Jesus wirklich Gott Mensch geworden ist, ob sie glauben, dass dieser Mensch durch seinen Tod und seine Auferstehung uns mit Gott versöhnt hat und so unser Retter geworden ist, ob von Gott alle Rettung kommt.
Damit sind wir aber schon in der harten Realität der Weihnachtsbotschaft. Denn auch uns stellt der Evangelist diese Frage. Auch wir müssen uns tagtäglich neu entscheiden, ob wir auf unser eigenes Können vertrauen oder im Lauf eines mehr oder weniger langen Lebens gelernt haben, dass unsere einzige, wahrhafte und wirkliche Zuversicht und Hoffnung auf einen guten Ausgang unseres menschlichen Tuns, ja unseres ganzen Lebens nur in Gott liegt.
Wenn wir auch unseren Kindern noch so wünschen, dass das Christkind ihnen alle Wünsche im Leben erfüllt, so wissen wir auch, dass wir es nicht für sie im Leben »machen« können, und dass sie selbst vieles in ihrem Leben nicht »machen« können. Es muss ihnen geschenkt werden. Und schenken kann es letztlich nur einer, eben der, der uns das Christkind, Jesus Christus, Jesus, den Gesalbten, unseren Retter und Erlöser geschenkt hat. Für ihn müssen uns immer wieder jeden Tag neu entscheiden.
Der erzählerische an Maria gerichtet Einschub in diesem Text, nämlich "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen", ist ein Hinweis auf die Entscheidung, unter der Maria und unter der wir jeden Tag neu stehen. Manche Exegeten sehen nämlich nicht so sehr in dieser Aussage die Voraussage der Schmerzen Mariens - wie wir sie aus der Darstellung der Mater dolorosa, der Schmerzensmutter, mit den sieben Schwertern, die ihr Herz durchdringen, kennen - sondern sie sehen in dem Schwert, das Schwert der Entscheidung. Es ist wie die Krise bei einer Erkrankung. Die Krise kann der Patient überleben oder daran sterben. Beides ist in diesem Zustand prinzipiell möglich. Es ist nicht nur die ärztliche Kunst, die den Kranken heilt. Der Arzt kann probate Mittel empfehlen, aber gesund werden muss der Patient selbst, sein Lebenswille trägt viel dazu bei.
Und so ist es auch bei den vielen einzelnen Entscheidungen, die uns jeden Tag abverlangt werden. Wir haben die Freiheit geschenkt bekommen, uns so oder anders zu entscheiden. Es liegt an uns, Gott und die von ihm uns geschenkten Gnaden wie die Gottesmutter anzunehmen oder die Annahme zu verweigern und eigene Wege zu gehen. Und es wird auch so sein, dass es immer wieder Situationen in unserem Leben gibt, wo wir abends beim Überdenken des Tages uns dann eingestehen müssen, das oder jenes ist nicht gut gelaufen, das oder jenes war wohl nicht der Wille Gottes für meine Lebenssituation, da bin ich etwas schuldig geblieben. Dann tut es gut zu wissen, dass uns Gott in seinem Sohn den Retter gesandt hat, das Kind in der Krippe, »das Heil«, das Simeon gesehen und verkündet hat, das Gott allen Völkern bereitet hat und so auch uns.
Nach diesem Lobpreis des Simeon betet die Kirche in ihrem Abendgebet voll Vertrauen auf den Schutz und das Heil, das sie allein von Gott zu erwarten hat: "Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in seinem Frieden."
Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Heilige Familie
In Jesus, dem kleinen Kind, kommt der Retter der Welt auch in unsere Zeit.
In der festen Hoffnung, dass sich Gottes Heilsplan unter uns erfüllt, lasst uns ihn bitten:
Um einen tragfähigen Glauben und Vertrauen auf deine Zusagen für deine Kirche im Umfeld der äußeren Umstände und Veränderungen der gegenwärtigen Zeit.
Um die Möglichkeit angstfreier Ausübung religiöser Traditionen in unserer Gesellschaft und das Bewusstsein der engen Verbindung zwischen Juden- und Christentum.
Um Unterstützung für die unterschiedlichsten Familien, um Begleitung alleinstehender Jugendlicher auf der Flucht und die Wertschätzung der Arbeit all jener Beratungsstellen, die sich all derer annehmen.
Um ein Leben miteinander und füreinander der verschiedenen Generationen in Familie, Kirche und Gesellschaft.
Um Erfüllung unserer Hoffnung aus dem Glauben an die Auferstehung für unsere Verstorbenen.
Von dir in deine Kirche gerufen verbinden wir uns mit der großen Familie aller Gläubigen, um dir zu danken und dich zu preisen jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Die Hoffnung, das Heil der Welt schauen zu können,
ist für Simeon und Hanna in Erfüllung gegangen.
Dafür haben sie Gott gedankt, gepriesen!
Im Gebet wollen auch wir Gott preisen, danken und bitten.
Für all das Gute in unserem Leben,
welches wir auch in schweren Zeiten erfahren, erleben durften, wollen wir danken.
Gott, wir danken dir.
Für jene Menschen in unserer Stadt, in unserem Land,
die sich für das Recht und den Schutz anderer einsetzen.
Für sie wollen wir danken.
Gott, wir danken dir.
Für ein Miteinander in unserer Gesellschaft,
das getragen ist von Verantwortung, Solidarität
und Raum schafft für die Entfaltung des Einzelnen,
wollen wir bitten.
Gott, wir bitten dich.
Für unsere Pfarrgemeinde wollen wir bitten,
dass ihr gemeinsamer Glaube sie stärkt
und sie weiterhin ermutigt, ein Licht für ihre Mitmenschen zu sein.
Gott, wir bitten dich.
Für uns wollen wir am Ende des Jahres bitten,
dass Zuversicht, Hoffnung und Vertrauen uns in das kommende Jahr begleiten.
Gott, wir bitten dich.
In Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn, ist das Licht erschienen, durch das Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit aufleuchtet.
Ihm gilt unser Lob und Preis in alle Ewigkeit. – Amen.
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie
bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter
und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade
und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
(für Wortgottesfeiern)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
denn du hast uns durch Jesus, deinen Sohn,
der das Leben mit uns geteilt hat, geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er ist Mensch geworden und hat Höhen und Tiefen
menschlichen Lebens erfahren.
Durch sein Leben in einer menschlichen Familie
hat er die Familie geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch sein heiliges Leben hast du auch uns zur Heiligkeit berufen.
Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Seinetwegen hast du uns als deine Töchter und Söhne angenommen.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er hat uns vorgelebt, wie auch wir heilig und untadelig vor dir leben können,
wie wir einander in Liebe begegnen, einander verzeihen
und miteinander in deiner Gnade leben können.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch ihn gabst du uns jetzt schon Anteil am Frieden deines Reiches
und an der Fülle des Lebens, das du für deine Kinder bereit hältst.
Daher stimmen wir ein in den Lobgesang aller,
die in ihrer Heiligkeit bereits vollendet sind:
Danklied: z. B. GL 247: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Ich wünsche dir Augen
mit denen du einem Menschen
ins Herz schauen kannst
und die nicht blind werden
sondern aufmerksam das sehen
was dieser Mensch braucht
Ich wünsche dir Ohren
mit denen du auch Zwischentöne
wahrnehmen kannst
und die nicht taub werden
beim Horchen auf das
was das Glück und die Not
der Menschen ist
Ich wünsche dir einen Mund
der jedes Unrecht beim Namen nennt
und der nicht verlegen ist
um ein Wort des Trostes und der Liebe
zur rechten Zeit
Ich wünsche dir Hände
mit denen du zärtlich liebkosen
und Versöhnung bekräftigen kannst
und die nicht festhalten
was du teilen sollst
Ich wünsche dir Füße
die dich auf den Weg bringen
zu dem was wichtig ist
und die nicht stehen bleiben
vor entscheidenden Schritten
Ich wünsche dir einen geraden Rücken
damit du aufrichtig
und gerade leben kannst
Ich wünsche dir ein weites Herz
in dem viele Menschen
zu Hause sein können
Ich wünsche dir einen Stern
der dir leuchtet und der dich leitet
auf dem Weg zu den Menschen
und zu Gott
Gott, unser Vater,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade,
damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen
und nach der Mühsal dieses Lebens
in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen,
das du deinen Kindern bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest der Heiligen Familie
Guter Gott,
nicht nur in Gottesdiensten sind wir Christinnen und Christen,
sondern im alltäglichen Leben, im alltäglichen Miteinander,
im Verzeihen,
wenn wir zueinander JA sagen,
wenn wir gemeinsam Schweres durchstehen,
wenn wir treu sind.
Segne uns dazu. - Amen.
Sie ist die wohl berühmteste Familie der Welt: Jesus, Maria und Josef stehen im Zentrum der Weihnachtsgeschichte. Über sie und die „heilige Sippe“ kursierten jahrhundertelang viele Legenden. So wurde die Frage erörtert, wie Marias Eltern hießen, wer Jesus’ Geschwister waren – und ob er ein anstrengendes Kind war.
Zahlreiche Gemälde und Geschichten legen nahe: Im Umfeld des kleinen Jesus gab es nicht nur Mutter und (Zieh-)Vater, sondern auch Großeltern, Geschwister und andere Verwandte. Streng historisch gesehen muss man sagen: Über eine solche Familie weiß man fast nichts. „Über Jesus wissen wir aus historischen Quellen, dass er geboren und gestorben ist. Laut den Evangelien wurde er von Josef und Maria in Nazareth großgezogen“, sagt der Theologe Simone Paganini im Weihnachtsgespräch mit religion.ORF.at.
So weit, so unbefriedigend. Neben den biblischen Quellen stehen uns die apokryphen Schriften, in etwa gleichzeitig entstandene, nicht kanonisierte Texte, zur Verfügung. „Bis ins fünfte Jahrhundert gab es keinen Kanon“, erklärt Paganini. Aus diesen Texten, die von antiken und frühmittelalterlichen christlichen Gemeinden ebenso verwendet wurden wie die Evangelien, entstanden Bilder und Legenden rund um Jesus und Familie, in der Kunstgeschichte auch „heilige Sippe“ genannt.
Zweck der Bibel sei es, von der Heilsbringung durch Christus zu künden, so der Theologe – nicht aber, interessante Details über sein Leben zu erzählen. Doch die Menschen wollten sich etwas zu Jesus und seinem Umfeld vorstellen können: Sie wollten Geschichten. Eine gute Quelle hierfür waren die Kindheitserzählungen nach Thomas und das Protoevangelium des Jakobus, beide stammen vermutlich aus dem zweiten Jahrhundert, nahezu aus derselben Zeit wie das Johannes-Evangelium.
Ganzer Beitrag:
https://religion.orf.at/stories/3222748/
religion.orf.at am 25.12.2023.
Die vatikanische Glaubensbehörde veröffentlichte am Montag eine Grundsatzerklärung, wonach katholische Geistliche unverheiratete und homosexuelle Paare segnen dürfen.
In dem Text mit dem Titel „Fiducia supplicans“ (deutsch: Das flehende Vertrauen) wird betont, dass dabei eine Verwechslung mit einer Eheschließung ausgeschlossen werden muss. Auch darf ein Geistlicher den Segen nicht im Rahmen eines Gottesdienstes erteilen. Die Erklärung der Glaubensbehörde wurde am Montag im Vatikan in mehreren Sprachen veröffentlicht, darunter auch auf Deutsch. Sie trägt die Unterschrift des Präfekten der Glaubensbehörde, Kardinal Victor Fernandez, und wurde von Papst Franziskus ausdrücklich genehmigt.
Wörtlich hält das Schreiben fest, dass „die Möglichkeit der Segnung von Paaren in irregulären Situationen und von gleichgeschlechtlichen Paaren“ in ihrer Form „von den kirchlichen Autoritäten nicht rituell festgelegt werden darf, um keine Verwechslung mit dem dem Ehesakrament eigenen Segen hervorzurufen“.
In dem Text der Behörde betont Fernandez, dass die Kirche ihr Verständnis von dem, was ein Segen ist, im Licht der seelsorgerischen Ideale von Papst Franziskus „erweitert und angereichert“ habe.
Mit diesem weiterentwickelten Verständnis des Segens sei es möglich, „Paare in irregulären Situationen und gleichgeschlechtliche Paare segnen zu können, ohne deren Status offiziell zu konvalidieren (konvalidieren = Gültigmachen einer nach katholischem Kirchenrecht ungültigen Ehe; Anm.) oder die beständige Lehre der Kirche über die Ehe in irgendeiner Weise zu verändern“.
religion.orf.at am 18.12.2023.
https://religion.orf.at/stories/3222711/
weder Geschenke noch Baum
kein Festmahl, keine Mette
er sieht nur das Kind und hat genug
ach wäre ich wie Simeon
Aus Georg Schwikart, Ein Klaps, ein Schrei und eine neue Zeit beginnt. Weihnachtliches. Neue Stadt Verlag GmbH 2020.
Zum Hochfest der Familie und mitten in einer Krise sollte wieder bewusst werden, wie unersetzlich Familien sind.
Weihnachten findet auch heuer statt, bewusster und authentischer als sonst. Es ist diesmal nicht einfach, einander zu treffen, beisammen zu sein. Die Sehnsucht nach Nähe ist dafür umso größer. Manche, die sonst familiäre Zusammenkünfte scheuen, sehen das vielleicht heuer anders. Weihnachten ist ein Fest der Familie, auch für jene, denen der religiöse Inhalt nicht wichtig ist.
Gerade in diesem Jahr, einem Jahr der Krise, hat sich die Bedeutung und die Unersetzlichkeit der Familie deutlich gezeigt. Wenn von einem Tag auf den anderen ein Land zugesperrt wird und mit ihm viele staatliche Institutionen, bleiben als Auffangnetz die Familien. Es sind die Eltern, vor allem die Mütter, die dann von einem Tag auf den anderen zusätzlich zu ihrer beruflichen Herausforderung auch noch die Kinder betreuen und unterrichten müssen. Es ist die Familie, die sich um die Alten sorgt, die alten Eltern betreut. Schon in Normalzeiten wird der Großteil der Pflege von Angehörigen bewältigt, nun kommt die Krise dazu. Sie sind es, die einspringen (müssen), bis zur totalen Erschöpfung.
Doch mit der langen Dauer der Krise nimmt der Druck auf die Familien immer mehr zu. Finanzielle Sorgen, Enge, Überlastung, Stress – durch all das steigt auch die Verzweiflung und die Gewalt. Daher brauchen Familien Unterstützung, Verständnis, Hilfen, um all ihre Aufgaben zu bewältigen. Speziell Alleinerzieherinnen stehen oft am Abgrund. In Ansätzen hat die Politik das auch verstanden, auch wenn es noch viel Luft nach oben gibt. Die Regierung hat etwa Betreuungseinrichtungen offen gelassen und einen Notfallfonds für Familien eingerichtet.
Es gibt jedoch Ideologien, die trotz der offensichtlichen Überforderung des Staates die unersetzliche Funktion der Familie negieren. Sie fördern nicht das Funktionieren dieser wichtigen Keimzelle der Gesellschaft, sondern ihre Auflösung. So wird in dem 212 Seiten umfassenden Koalitionsvertrag zwischen Wiener SPÖ und Neos die Familie nur im Zusammenhang mit Gewalt und Krise erwähnt. Statt ihr soll es mehr Staat, Ganztagsschulen, ganztägige Betreuung in Krippen und Kindergärten geben. Man will sich dem „konservativen Backlash“ der Bundesregierung entgegenstellen, heißt es. Jedoch: Ein Kind, das noch nicht einmal laufen kann, braucht Bindung, nicht Bildung! Und zu „Generationen und Miteinander“ fiel den Parteien nicht mehr ein als ein Programm zur „Bekämpfung der Einsamkeit“ durch Seniorenbüros und Pensionistenwohnhäuser.
Seit Jahrzehnten zieht der Staat immer mehr Aufgaben an sich. In totalitären Systemen konnte und kann man das in reinster Ausformung beobachten. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass der Staat nicht alles kann und auch nicht soll. Kleine soziale Einheiten wie die Familie oder eine andere Form einer konstanten sozialen Gemeinschaft sind unersetzbar. Hier lernt der Mensch Geborgenheit, Liebe, Verständnis, dauerhafte Beziehungen, Empathie. Sie leisten damit Wertvolles für die Gesellschaft.
Natürlich stimmt das Idealbild oft nicht. Familien sind auch zerbrechlich. Und leider sind sie auch Orte von Gewalt, Streit und Leid. Hier braucht es Solidarität und Hilfe: Für Alleinerzieherinnen, Scheidungskinder und Opfer von Gewalt. Doch das ändert nichts daran, dass wir am Konzept festhalten sollten und Familie nicht nur als Problemzone sehen dürfen.
Sonst passiert, was wir am Koalitionsabkommen in Wien ablesen können: Es wird nur noch gefördert, was Familien am Familienleben, an ihren Aufgaben hindert. Das erhöht die Gefahr, dass Familie nicht gelingt. Familien brauchen Rahmenbedingungen für ihr Gelingen. Sie brauchen Zeit für Beziehung, Entlastung und Raum zur Entfaltung. Dann stehen die Chancen gut, dass sie eigene und gesellschaftliche Krisen gut meistern können. Der Staat allein kann das nämlich nicht. Das hat er hinlänglich bewiesen.
20.12.2020 - Gundula Walterskirchen
https://www.diepresse.com/5914102/
Jesu Ziehvater wird im Josefsjahr Vorbild für westliche Väter. Bei den Schriftstellern ist er interessanter.
Stell dir vor, es ist Josefsjahr und keiner bemerkt es: Zumindest auf viele europäische Gläubige dürfte das zutreffen. Ausgerufen hat der Papst das Jahr jedenfalls, am 8. Dezember hat es begonnen, der Anlass ist ein Jubiläum: Vor 150 Jahren wurde Josef zum Universalpatron der Kirche erklärt.
Österreich sollte dieses Josefsjahr allein schon aus historischen Gründen nicht spurlos an sich vorüberziehen lassen. Immerhin waren die Habsburger Vorreiter in der Verehrung des Ziehvaters Jesu.
Im 17. Jahrhundert wurde Josef zum Schutzherrn über das Heilige Römische Reich erklärt und dann auch noch zum Hausheiligen des Kaiserhauses. So kam auch der ungewöhnliche Name Joseph (mit dem Sohn Kaiser Leopolds I.) in die Dynastie und wurde später einer der beliebtesten Vornamen.
In der Bibel wird Josef von Nazareth kaum greifbar, so wenig erfährt man darin über ihn. Das hat immerhin einen Vorteil: Schriftsteller können umso ungehemmter ihre Fantasie spielen lassen. Dazu zwei literarische Tipps: Der deutsche, zeitweise in Kalifornien lebende Autor Patrick Roth hat einen bildgewaltigen, stilistisch ganz unzeitgemäßen 500-Seiten-Roman in sechs Abschnitten und 112 Kapiteln dieser Figur gewidmet. „Sunrise. Das Buch Joseph“ schaffte es 2012 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Roth schildert mit existenziellem Tiefgang dessen fiktives Leben. Sprache und Stil sind inspiriert vom Altgriechischen, gleichzeitig hat das wuchernd Abenteuerliche dieses Romans etwas Hollywoodeskes. Dieser Joseph ist ein getriebener, von Schuldgefühlen zerfressener Vater; er hatte schon einmal einen Sohn namens Jesus, der ertrunken ist, nun weigert er sich, Gott auch noch seinen zweiten zu opfern.
Josefs Träume spielen eine große Rolle im Buch. Das tun sie auch im kirchenkritischen Jesus-Roman des portugiesischen Autors José Samarago. Eng und liebevoll ist in „Das Evangelium nach Jesus Christus“ Jesu Beziehung zu seinem Ziehvater geschildert. Als Josef von geplanten Kindermorden erfährt, versteckt er seine eigene Familie, leidet aber später unter Schuldgefühlen; jede Nacht kehrt derselbe Albtraum wieder. Er büßt, indem er sich als Rebell hinrichten lässt, und der traumatisierte Sohn erbt seine Schuldgefühle.
Heute empfiehlt Franziskus Josef als Vorbild des bescheidenen, verantwortungsvollen Vaters. Ein Mann, der sich kümmert und ansonsten im Hintergrund hält – das passt immerhin als Rollenvorbild für heutige westliche Väter. Der Josef der Schriftsteller ist spannender.
18.12.2020 - Anne-Catherine Simon in Die Presse.
https://www.diepresse.com/5912974/
Seltsame Verbindung
zwischen Mutter und Kind,
unsichtbare Nabelschnur,
die niemals zerreißt,
ein Leben lang.
Mitfreuen, mitleiden, mitfühlen
über Kontinente hinweg,
loslassen,
aber doch nicht vergessen,
zuschauen,
aber doch nicht eingreifen,
gebraucht werden,
aber nur für kurze Zeit,
warten,
aber doch nichts erwarten,
lieben,
auch wenn es weh tut.
Ilse Pauls.
Jeder braucht jederzeit irgendwo Geborgenheit
und die finden wir bei uns daheim,
unser Haus ist nicht groß, aber immer ist was los,
denn wir sind ein fröhlicher Verein.
Wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Auf dem Land in der Stadt glücklich ist wer Freunde hat,
denn das Leben ist nicht immer leicht
und es kommt der Moment, wenn dem Nachbar Haus mal brennt,
dass man sich die Hand zu Hilfe reicht.
Wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Ja, wir sind auf der Welt, keiner fragt ob's uns gefällt,
jeder macht für sich das Beste draus,
irgendwann wird es sein,
da seh'n alle Menschen ein, ohne Liebe kommt die Welt nicht aus.
Ja wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Songtext von Peter Alexander - Wir Sind Eine große Familie.
Gott und Vater,
du hast den Frieden in unserer Familie gewahrt
oder uns immer wieder neu geschenkt.
Wir danken dir.
Behüte uns und hilf, uns gegenseitig in Liebe
zu tragen und zu ertragen.
Gib uns den guten Willen zur Versöhnung
nach jedem Streit
und die Kraft zu einer ehrlichen Aussprache
bei Zwistigkeiten.
Schenke uns Verständnis füreinander.
Schütze auch unsere Lieben,
die nicht gesund sind,
denen wir im Geist und bei allzu seltenen
Begegnungen verbunden sind.
Gib unserer Familie auch die Kraft,
sich nicht denen zu verschließen,
die unsere Nähe und unsere Hilfe brauchen.
Du liebst alle Menschen,
dich wollen wir lieben in unseren Nächsten.
Bleibe bei uns. Amen.
Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag Leipzig 2004.
Und eine Frau, die einen Säugling an ihre Brust drückte, sagte: Sprich zu uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus euch.
Und sind sie auch bei euch, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körpern dürft ihr eine Wohnstatt bereiten,
doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, und das bleibt euch verschlossen, selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu werden,
doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück, noch verweilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht die Zielscheibe auf dem Pfad des Unendlichen, und Er beugt euch mit Macht, damit Seine Pfeile umso geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, die euch die Hand des Bogenschützen aufzwingt,
denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt, liebt er auch den verharrenden Bogen.
Aus: Khalil Gibran, Der Prophet, München, 2007 (8).
Gott, du weißt, warum er mir das angetan hat.
Warum hat er mich so behandelt?
Warum hat er mich so tiefst verletzt?
Er weiß doch genau, wie ich mich jetzt fühle.
Ich kann an gar nichts anderes mehr denken.
Ich bin zutiefst traurig und enttäuscht.
Und ich dachte immer,
wir wären durch so etwas wie
Freundschaft verbunden.
Das schlimmste ist, dass sich meine
Trauer und Enttäuschung
auch auf meine Mitmenschen auswirkt.
Gott, du bist ein Gott der Liebe und des Friedens.
Hilf uns beide, dass wir wieder
aufeinander zugehen und miteinander reden,
dass wir wieder in Frieden und
Freundschaft miteinander umgehen können.
Zeige uns den Weg zu einem neuen Miteinander.
Du weißt, es liegt mir wirklich sehr viel daran.
Margarita Gröting (*1966) in: Gotteslob Nr. 16, 2
Eine amerikanische Studie zeigt auf, wie sehr der Druck, täglich frisch und gesund zu kochen, Müttern zusetzt. Und will zu Diskussionen über neue Wege anregen.
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http://diepresse.com/home/leben/mode/4618762 - abgerufen am 20.12.2014
Deutschland sieht alt aus. Was die Kinder angeht, gehören wir nach einer Statistik der Weltbank zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Das bleibt nicht ohne Folgen. Denken Sie nur an die ins Mark gehende Krise der sozialen Sicherungssysteme. Die Politik hat jahrzehntelang Familien mit Kindern benachteiligt. Sie hat nicht einmal solche Ungerechtigkeiten beseitigt, die höchstrichterlich als verfassungswidrig erklärt worden sind. Dieser Skandal wirkt sich aus. Kinder sind zu einem alarmierenden Armutsrisiko geworden.
Die Schuld an dieser Entwicklung trifft nicht nur die Politik. Unsere Gesellschaft ist von kinderfeindlichen Tendenzen durchsetzt. Eltern, die in der Stadt eine Wohnung suchen, erfahren sehr schnell, dass Kinder unerwünscht sind. Geeigneter Wohnraum ist zur kaum erschwinglichen Mangelware geworden. Frauen und Männer, die ihre Arbeitsverhältnisse den Erfordernissen einer Familie mit Kindern anpassen wollen, finden nur selten Arbeitgeber, die ihnen entgegenkommen. Besonders alleinerziehende Mütter vermissen Betreuungsmöglichkeiten, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können. Die Entscheidung für Kinder bringt schwerwiegende Nachteile mit sich. Mit einem Kind geht es oft noch. Je mehr es werden, desto schwieriger wird es.
Die Würde der Kinder verbietet es, sie als Mittel zum Zweck zu missbrauchen. Sie sind um ihrer selbst willen wichtig, nicht nur als künftige Erwerbstätige, Pflegende, Steuer- und Beitragszahler. Mit ihren Fragen und immer neuen Einfällen locken und reizen sie vor allem ihre Eltern und vermitteln gerade so Freude am Leben. Aus Liebe zum Leben sagen viele Paare Ja zu Kindern, auch wenn sie dafür Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Kinder bereichern nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihr soziales Umfeld, unsere Gesellschaft. Ohne sie ist die Gefahr groß, dass wir in der grauen Zweidimensionalität von Erwerb und Konsum versinken. Menschen, die Kinder bekommen und großziehen, tragen dazu bei, dass die "Polyphonie des Lebens” (Dietrich Bonhoeffer) nicht verstummt.
Bei der Familienpolitik geht es um eine Gestaltung jener Rahmenbedingungen, die das Glück mit Kindern und das Glück von Kindern beeinflussen. Kinder sind kein verrechenbares Verhandlungsobjekt, sie sind Subjekte und dürfen darum nicht instrumentalisiert werden. Gleichwohl sind die Erfordernisse und Folgen zu bedenken, die sich aus den vorhandenen oder nicht vorhandenen Kindern ergeben. Beides hat sein Recht. Wenn wir über Gerechtigkeit in der Familienpolitik sprechen, dann steht die Zuteilung von materiellen Gütern sowie von Lasten der Arbeit und der Finanzierung im Vordergrund.
Aus: Franz Kamphaus, Die Welt zusammenhalten. Reden gegen den Strom. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.
Die Zahl derer, die mehrere Ehen oder eheähnliche Verhältnisse leben, wächst und der Zeitgeist sagt uns: Eine Liebe reicht einfach nicht fürs Leben! Die lebenslängliche Ehe wird als ein Gefängnis angesehen, in dem alle Liebe stirbt, in dem Zuneigung, Hoffnung und Trost erstickt werden. Flexibilität ist eine ökonomische, wichtige neue Tugend, alles ist doch im Fluss, und Langfristigkeit, Dauer und Bindung werden als sinnlose, destruktive Überich-Forderungen angesehen, Schnee von vor-gestern!
Mein Interesse ist nicht, das alte Gebot "Du sollst nicht ehebrechen” (2. Mose 20, 14) fundamentalistisch festzuhalten, wohl aber möchte ich eine Stimme hören, die mich an eine andere Vision von den Grundgesetzen der Liebe erinnert. Da tauchen so altmodische Wörter auf wie "Treue”, "in guten und in bösen Tagen”, "rain or shine”, "jetzt und immerdar” oder gar "bis der Tod uns scheidet”. Der positive Sinn des Gebotes ist für die christliche Tradition einfach zu benennen - und schwer zu leben: Du sollst an die Liebe glauben, du sollst sie für möglich halten, sie ist - wie alle Gnade - ein Geschenk und zugleich eine Aufgabe, beides lebenslänglich. Ob homo- oder heterosexuell, das interessiert Gott nicht so sehr wie einige seiner Verwaltungsbeamten.
Ich höre aus dieser Tradition der Liebe zwei Grundsätze, die im Widerspruch zum Zeitgeist stehen. Der erste ist am schönsten bei Goethe formuliert, er heißt: "Freiwillige Abhängigkeit, der schönste Zustand, und wie wäre er möglich ohne Liebe?” Der Zeitgeist vergötzt die Unabhängigkeit des Individuums, behauptet uns selber als autark, sich selbst genügend. Aber ist das genug zum Glück? Die wirklichen Beziehungen zwischen Menschen sind immer ein Angewiesensein, ein Einander-Brauchen, eine co-dependency, die sich selbst freiwillig abhängig macht. Wir sind einfach kleiner, dümmer, hässlicher ohne die Liebe, und je tiefer unsere Beziehung zum anderen ist, desto mehr wissen wir, wie es im Volkslied einmal heißt: "Ohne dich kann ich nicht leben, ohne dich kann ich nicht sein.” Ich kann zwar vielleicht essen oder "genießen” oder mich amüsieren, aber ich kann nicht "sein”. Ich muss nicht meine eigene Kraftspenderin oder mein Tröster sein, ich muss nicht nur ich selber sein, diese Grundannahme des abgelösten Individualismus zerstört, wir wissen es alle, die Erde und die anderen Lebewesen. Das feministische Denken hat zu diesem Verständnis von Gegenseitigkeit, von "freiwilliger Abhängigkeit” Wesentliches beigetragen, und es gehört mitten in dieses neue Verständnis von Liebe hinein, das wir brauchen und das in dem uralten Gebot versteckt ist.
Das zweite, was die Tradition lehren kann, ist, dass die Liebe kein Privatding ist, sie will mehr als das, sie braucht und will Öffentlichkeit, und gerade das ist in dem alten Begriff "Ehe” mitgedacht. Ich erinnere mich an eine lesbische Theologiestudentin, die im Gespräch mit einem Bischof sagte: "Warum wollen Sie meine Liebe nicht segnen, Herr Bischof? Warum darf ich mich nicht öffentlich zeigen?” Sie verstand besser als andere, dass die Liebe nicht etwas ist, was niemanden außer den beiden Beteiligten etwas angeht. Die Liebe braucht ein Haus, in das viele andere hineingehen, sie braucht das zusammen Essen und Reden, das Lachen und Weinen, sie braucht Kinder, nicht notwendig die eigenen, und vielleicht gar alte Tanten, sie braucht eine Einbettung in Gemeinsamkeiten. Es ist ein zerbrechliches Haus, wer könnte das bestreiten, aber zeitweilig Spaß zu haben ist keine Alternative zum Hausbauen! Das wirkliche Miteinander braucht mehr als das, was zwei Menschen sich geben können. Es braucht den Segen.
Aus: Dorothee Sölle, Mut. Kämpfe und liebe das Leben. Herder Verlag, Freiburg Basel Wein 2008.

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Das Buch Jesus Sirach gehört zur Weisheitsliteratur. Man vermutet eine Abfassung um 200 vor Christus. In der Weisheitsliteratur werden die guten Erfahrungen des Alltags und der Geschichte gesammelt. Alle diese Erfahrungen gelten als das große Geschenk Gottes an sein Volk.
Der Verfasser des Buches Jesus Sirach betont die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen der elterlichen Fürsorge für die Kinder auf der einen Seite und der späteren Sorge um das Wohlergehen der Eltern von Seiten der erwachsenen Kinder. Ehrfurcht und Achtung sollen das Miteinander prägen.
Das Buch Jesus Sirach ist eine im Verhältnis zum übrigen AT spät entstandene Schrift. Als Abfassungszeit kommen die Jahre um 180 v. Chr. in Betracht. Es ist das einzige Buch, das zwar nicht zum jüdischen Kanon der Bibel gehört, aber trotzdem zeitweise wie ein kanonisches Buch behandelt wurde. Für die christlichen Kirchen gehörten die meist griechischen Spätschriften, die die jüdische Tradition nicht zur Bibel zählt, schon relativ früh zum Kanon der biblischen Bücher.
Zu den griechischen Überlieferungen des Textes von Jesus Sirach sind seit 1896 ungefähr zwei Drittel des hebräischen Textes wiederentdeckt worden. Die Schwierigkeit in der Arbeit mit diesem Text liegt zum Teil in der bewegten Überlieferungsgeschichte, zum Teil auch darin, daß es eine kürzere und eine erweiterte Textfassung gibt, Verse vertauscht wurden und auch alte Übersetzungen, wie zum Beispiel die syrische und die altlateinische Fassung für das Verständnis unumgänglich sind.
Das Buch erweckt den Eindruck einer lockeren Sammlung von Sprüchen, Lehrvorschriften, Gebeten und Hymnen. Die Inhalte betreffen die alltägliche Lebenswelt, die Beziehung zu den Mitmenschen genauso wie die Beziehung zu Gott.
Eine zentrale Idee des Buches Jesus Sirach ist die Weisheit, die sogar als Person auftreten kann. Sie wurzelt in der "Gottesfurcht", der umfassenden Haltung der Offenheit und Bereitschaft des Menschen Gott gegenüber. Konkret zeigt sich diese Grundhaltung in der Anerkennung der Würde auch des Geringsten (Sir 10,19-24) und ermöglicht die Freiheit von Furcht vor allem, was geringer ist als Gott (Sir 34,16).
Die soziale und existentielle Bedeutung der Familie
Die Aussagen über die Weisheit und die Gottesfurcht sind der Horizont, in den die konkreten Ratschläge und Unterweisungen für die verschiedenen Bereiche des Verhaltens im persönlichen und öffentlichen Leben hineingestellt sind. Vielfach wird dabei so wie in diesem Lesungstext mit der Familie begonnen.
Die Weisungen die den Kindern in Sir 3,1-16 gegeben werden, sind dabei weniger als ethische, sondern als soziale Grundregeln zu sehen. Sie wenden sich an die Erwachsenen und garantieren eine Art soziales Netz oder "Pensionsversicherung" für die älteren Menschen.
Die Auswahl der Verse für die Lesung ist hier irreführend, weil sie sofort mit dem göttlichen Gebot beginnt und den konkreten Hintergrund der Vater- und Mutterschaft, der in Sir 3,1 der eigentliche Ausgangspunkt ist, streicht.
Die Generation, die jetzt für die Leben der Gesellschaft arbeitet und die Verantwortung trägt, ist auch dafür verantwortlich, daß die Älteren ein lebenswertes Leben führen können, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst dafür zu arbeiten. Die alten Menschen werden so zum Schatz (3,3) und zum Segen (3,8), nicht nur im Blick auf das eigene Altwerden sondern auch durch den Reichtum der Erfahrung und des Wissens, die die Wurzel des Lebens festigen (3,9) und so Zukunft auch für kommende Generationen ermöglichen.
Jesus Sirach ist voll von Texten verschiedener weisheitlicher Gattungen. Von Sprüchen über Hymnen bis zu Gebeten ist in dieser Sammlung vieles an Weisheit enthalten. Es lohnt sich, in diesem Buch einmal zu schmökern. Es befassen sich viele Abschnitte mit der Weisheit selbst. Dazwischen sind konkrete Anweisungen für die Gestaltung des Lebens eingelagert, die alle Lebensbereiche umfassen, angefangen vom persönlichen Lebenslauf bis hin zum öffentlichen Leben.
Unsere Lesung ist Teil dieser Anweisungen und befasst sich mit dem Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt. Letztliche Motivation für eine Ethik des Handelns und des Denkens ist aber die Gottesfurcht, die Anfang und Ziel jeglicher Weisheit ist (vgl. Sir 19,20).
Vgl. Marböck, Johannes, Das Buch Jesus Sirach, in: Zenger, Erich (u.a.), Einleitung in das Alte Testament, Kohlhammer 1995, 285 ff
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive