Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Die Erde war wüst und wirr
und Finsternis lag über der Urflut
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach:
Es werde Licht.
Und es wurde Licht.
Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag
und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
erster Tag.
Dann sprach Gott:
Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser
und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte das Gewölbe
und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
zweiter Tag.
Dann sprach Gott:
Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort
und das Trockene werde sichtbar.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Trockene Land
und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Die Erde lasse junges Grün sprießen,
Gewächs, das Samen bildet,
Fruchtbäume,
die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde.
Und so geschah es.
Die Erde brachte junges Grün hervor,
Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet,
und Bäume,
die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
dritter Tag.
Dann sprach Gott:
Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen als Zeichen
für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
um über die Erde hin zu leuchten.
Und so geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das große zur Herrschaft über den Tag,
das kleine zur Herrschaft über die Nacht,
und die Sterne.
Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,
damit sie über die Erde leuchten,
über Tag und Nacht herrschen
und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
vierter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen
und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen.
Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen,
die sich fortbewegen nach ihrer Art,
von denen das Wasser wimmelt,
und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Gott segnete sie
und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch!
Füllt das Wasser im Meer
und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
fünfter Tag.
Dann sprach Gott:
Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor,
von Vieh,
von Kriechtieren
und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art.
Und so geschah es.
Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art,
das Vieh nach seiner Art
und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
Am siebten Tag
vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Sende aus deinen Geist,
Und das Angesucht der Erde wird neu - Kv
(oder GL 312,2)
Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv
Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet,
in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.
Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid,
die Wasser standen über den Bergen. - Kv
Du lässt Quellen sprudeln in Bäche,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Darüber wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. - Kv
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, - Kv
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus große bist du! - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Von deiner Huld, o HERR, ist die Erde erfüllt. - Kv
Oder: GL 51,1
Das Wort des HERRN ist redlich,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde. - Kv
Durch das Wort des HERRN wurden die Himmel geschaffen,
ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.
Er sammelt das Wasser des Meeres und dämmt es ein,
legt die Fluten in Kammern. - Kv
Selig die Nation, deren Gott der HERR ist,
das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.
Der HERR blickt herab vom Himmel,
er sieht alle Menschen. - Kv
Unsre Seele hofft auf den HERRN;
er ist unsere Hilfe und unser Schild.
Lass deine Huld über uns walten, HERR,
wie wir auf dich hofften! - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
In Jenen Tagen
stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar!
Frühmorgens stand Abraham auf,
sattelte seinen Esel,
nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak,
spaltete Holz zum Brandopfer
und machte sich auf den Weg
zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob,
sah er den Ort von Weitem.
Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten:
Bleibt mit dem Esel hier!
Ich aber und der Knabe,
wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen;
dann wollen wir zu euch zurückkehren.
Abraham nahm das Holz für das Brandopfer
und lud es seinem Sohn Isaak auf.
Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand.
So gingen beide miteinander.
Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham.
Er sagte: Mein Vater!
Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn!
Dann sagte Isaak:
Hier ist Feuer und Holz.
Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
Abraham sagte:
Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen,
mein Sohn.
Und beide gingen miteinander weiter.
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf,
band seinen Sohn Isaak
und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Abraham gab jenem Ort den Namen:
"Der HERR sieht",
wie man noch heute sagt:
Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen.
Der Engel des HERRN
rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
Ich habe bei mir geschworen - Spruch des HERRN:
Weil du das getan hast
und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
In Jenen Tagen
stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar!
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf,
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Der Engel des HERRN
rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
Ich habe bei mir geschworen - Spruch des HERRN:
Weil du das getan hast
und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Behüte mich, Gott,
denn ich vertraue auf dich. – Kv
(Oder GL 312,3)
Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher,
du bist es, der mein Los hält.
Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt,
weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. - Kv
Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre,
auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit.
Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt;
du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. - Kv
Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du,
mein ganzes Glück bist du allein.
Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. /
Freude in Fülle vor deinem Angesicht,
Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen,
als die Israeliten sahen, dass die Ägypter ihnen nachrückten,
erschraken sie sehr.
und schrien zum Herrn.
Da sprach der HERR zu Mose: Was schreist du zu mir?
Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen.
Und du heb deinen Stab hoch,
streck deine Hand über das Meer und spalte es,
damit die Israeliten
auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können!
Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten,
damit sie hinter ihnen hineinziehen.
So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht,
an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen.
Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern
meine Herrlichkeit erweise.
Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf
und ging nach hinten
und die Wolkensäule brach auf
und stellte sich hinter sie.
Sie kam zwischen das Lager der Ägypter
und das Lager der Israeliten.
Die Wolke war da und Finsternis
und Blitze erhellten die Nacht.
So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher.
Mose streckte seine Hand über das Meer aus
und der HERR trieb die ganze Nacht
das Meer durch einen starken Ostwind fort.
Er ließ das Meer austrocknen
und das Wasser spaltete sich.
Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein,
während rechts und links von ihnen
das Wasser wie eine Mauer stand.
Die Ägypter setzten ihnen nach;
alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter
zogen hinter ihnen ins Meer hinein.
Um die Zeit der Morgenwache
blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule
auf das Lager der Ägypter
und brachte es in Verwirrung.
Er hemmte die Räder an ihren Wagen
und ließ sie nur schwer vorankommen.
Da sagte der Ägypter:
Ich muss vor Israel fliehen;
denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten.
Darauf sprach der HERR zu Mose:
Streck deine Hand über das Meer,
damit das Wasser zurückflutet
und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt!
Mose streckte seine Hand über das Meer
und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück,
während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen.
So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer.
Das Wasser kehrte zurück
und bedeckte Wagen und Reiter,
die ganze Streitmacht des Pharao,
die den Israeliten ins Meer nachgezogen war.
Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig.
Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden
mitten durch das Meer gezogen,
während rechts und links von ihnen
das Wasser wie eine Mauer stand.
So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter.
Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen.
Als Israel sah,
dass der HERR
mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte,
fürchtete das Volk den HERRN.
Sie glaubten an den HERRN
und an Mose, seinen Knecht.
Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied;
sie sagten:
Ich singe dem HERRN ein Lied,
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Buch "Exodus" erzählt den Anfang der Geschichte der zu einem Volk gewordenen Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs von der Unterdrückung in Ägypten über die Befreiung, die wunderbare Rettung am Schilfmeer, den Weg durch die Wüste, den Bundesschluß am Sinai, den Bundesbruch, die Erneuerung des Bundes und die anschließende Errichtung des Zeltheiligtums als Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk.
Ein Ereignis, das den Glauben und das Gottesverständnis des israelitischen Volkes zutiefst prägt, ist der Auszug aus Ägypten und die Rettung am Schilfmeer. Diese "Großtat" Jahwes steht paradigmatisch für die Zuwendung Gottes zu den Schwachen und Gebeugten, nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten. Die Erfahrung der Mosegruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Arbeitssklaven des Pharaos Ramses II. (ca. 1290-1230 v. Chr.) gehörte, wird zum fundamentalen Ereignis der Heilsgeschichte, weil sie das Befreiungswalten Gottes und den Vorausblick auf sein endzeitliches Heilsschaffen bezeugt. Von den Propheten und den Psalmisten und auch im Neuen Testament wird immer wieder auf diese Urerfahrung der Befreiung zurückgegriffen.
Die Erzählung läßt verschiedene Stränge erkennen, wo nachträglich verschiedene Berichte mit einander verwoben wurden. Sehr deutlich erkennbar etwa bei der Schilderung des Durchzugs, wo zuerst von der Austrocknung des Meeres durch einen starken Wind, dann aber vom "Wasser, das links und rechts von den Israeliten wie eine Mauer stand" die Rede ist.
Den verschiedenen Schreibern ging es darum, den Auszug aus Ägypten nicht als Zugeständnis des Pharaos sondern als Befreiungstat Jahwes herauszustellen. Die Verwendung der Stilmittel des sogenannten "Jahwekrieges", z.B. der Gottesschrecken der die Ägypter befällt, die mirakelhafte Schilderung der Wolken- und Feuersäule und die Passivität und Hilflosigkeit des Volkes unterstreichen, daß einzig und allein Gott der Handelnde ist. Die beherrschende Gestalt dieses "Spiels der Befreiung" ist Gott. Die anderen Beteiligten, Mose, die Israeliten, die Ägypter und der Pharao, die Naturphänomene können nur auf das Tun Jahwes reagieren.
Kv - Dem HERRN will ich singen,
Machtvoll hat er sich kundgetan. - Kv
(Oder GL 312,4)
Ich singe dem HERRN ein Lied, /
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR,
er ist mir zur Rettung geworden. - Kv
Er ist mein Gott, ihn will ich preisen;
den Gott meines Vaters will ich rühmen.
Der HERR ist ein Krieger,
HERR ist sein Name. - Kv
Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer.
Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer.
Fluten deckten sie zu,
sie sanken in die Tiefe wie Steine. - Kv
Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke;
deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind.
Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast,
du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. - Kv
Du wirst sie hinbringen und einpflanzen auf den Berg deines Erbes,
den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen,
zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet.
Der HERR ist König für immer und ewig. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jerusalem, dein Schöpfer ist dein Gemahl,
HERR der Heerscharen ist sein Name.
Der Heilige Israels ist dein Erlöser,
"Gott der ganzen Erde" wird er genannt.
Ja, der HERR hat dich gerufen
als verlassene, bekümmerte Frau.
Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?,
spricht dein Gott.
Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen,
doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln.
Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht
in aufwallendem Zorn;
aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt,
spricht dein Erlöser, der HERR.
Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein:
So wie ich damals schwor,
dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird,
so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen
und dich nie mehr zu schelten.
Mögen auch die Berge weichen
und die Hügel wanken -
meine Huld wird nicht von dir weichen
und der Bund meines Friedens nicht wanken,
spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist:
Siehe,
ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit
und Grundmauern aus Saphir.
Aus Rubinen mache ich deine Zinnen,
aus Beryll deine Tore
und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen.
Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN
und groß ist der Friede deiner Kinder.
Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein.
Du bist fern von Bedrängnis,
denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten
und bist fern von Schrecken;
er kommt an dich nicht heran.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die vierte Lesung der Osternacht ist Teil des Deuterojesaja, des "Evangelisten des ersten Testamentes", bei dem auch die vier Gottesknechtslieder zu finden sind. Nach dem letzten (Jes 52:13-53,12) hat die Redaktion eine Fülle von göttlichen Verheißungen angefügt: Vorgängiger Grund für das Heil Gottes ist das Leiden des Gottesknechtes, zumindest scheint das das Anliegen der Redaktion zu sein. Adressaten der Verheißungen sind Jerusalem und seine Bewohner. In Vv. 5-6 der Lesung wird Jerusalem direkt angesprochen. Dann ist es Gott selbst, der bis zum Ende der Lesung und darüber hinaus zu Wort kommt. Der Verfasser dieses Textes macht die Leser auf die Herkunft der Verheißungen aufmerksam: Drei Mal werden wir in der Lesung – im gesamten Abschnitt 54:1-17 fünf Mal - daran erinnert, aus wessen Mund diese Worte kommen: V. 6 "dein Gott." V. 8 "dein Erlöser, der Herr." Und V. 10 "der Herr, der Erbarmen hat mir dir." Damit wird Wesentliches von der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ausgesagt: Es ist ein Gott für ein bestimmtes Volk, in diesem Abschnitt nicht primär ein Gott aller Völker. Es ist ein Gott, der seinem Volk Gutes will, nämlich erlösen: "ga’al" (loskaufen) ist zunächst ein juridischer Begriff und meint die Pflicht eines Verwandten (des Lösers). Auch mit Gott steht das Volk Israel in einem solchen Verwandtschaftsverhältnis, durch das es Gott als seinen Löser ("go’el") ansieht. Jahwe ist nicht nur der Löser, er ist zudem auch barmherzig, eine Grundeigenschaft Gottes, die im Alten Testament fast ausschließlich Gott zugeschrieben wird.
Kv - Herr, du zogst mich herauf aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. – Kv
(Oder GL 312,5)
Ich will dich erheben, HERR, /
denn du zogst mich herauf
und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.
HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt,
hast mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. - Kv
Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen,
dankt im Gedenken seiner Heiligkeit!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick,
doch seine Güte ein Leben lang. - Kv
Wenn man am Abend auch weint,
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt,
kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich,
dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben!
Ich schließe mit euch einen ewigen Bund:
Die Erweise der Huld für David sind beständig.
Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht,
zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen
und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir,
um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen,
weil er dich herrlich gemacht hat.
Sucht den HERRN, er lässt sich finden,
ruft ihn an, er ist nah!
Der Frevler soll seinen Weg verlassen,
der Übeltäter seine Pläne.
Er kehre um zum HERRN,
damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott;
denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
ohne die Erde zu tränken
und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen,
dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
ohne zu bewirken, was ich will,
und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Text gehört noch zum zweiten Teil des Jesajabuches und ist im babylonischen Exil entstanden. Der Prophet spricht dem Volk das Heil Gottes zu.
In einem ersten Abschnitt ahmt der Prophet in seiner Heilszusage einen Händler auf dem Basar nach, der seine Ware anpreist: Wasser, Getreide, Wein, Milch ... alles ohne Geld.
Im zweiten Abschnitt wirbt Gott um das Volk und bietet ihm einen Bund an, der den Bund mit David übertrifft. Während die Könige sich ihre Völker mit Waffengewalt unterwerfen müssen, kommen nun alle Völker freiwillig zu ihrem Herrn.
Der dritte Abschnitt fordert auf, den Herrn zu suchen. Dies geschieht in der Umkehr zum Herrn. Dieser bietet sein Verzeihen an.
Der letzte Abschnitt beschreibt die Zuverlässigkeit und die Wirksamkeit des Wortes Gottes in Vergleichen mit dem Regen und Schnee und dem Wachsen des Samens.
Kv - Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils. – Kv
(Oder GL 312,6)
Siehe, Gott ist mein Heil;
ich vertraue und erschrecke nicht.
Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR.
Er wurde mir zum Heil. - Kv
Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! /
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt,
verkündet: Sein Name ist erhaben! - Kv
Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht;
bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions;
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Baruch.
Höre, Israel, die Gebote des Lebens;
merkt auf, um Einsicht zu erlangen!
Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde,
wirst alt in einem fremden Land,
bist unrein geworden, den Toten gleich,
wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen?
Du hast den Quell der Weisheit verlassen.
Wärest du auf Gottes Weg gegangen,
du wohntest in Frieden für immer.
Nun lerne, wo die Einsicht ist,
wo Kraft und wo Klugheit,
dann erkennst du zugleich,
wo langes Leben und Lebensglück,
wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind!
Wer hat je ihren Ort gefunden?
Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?
Doch der Allwissende kennt sie;
er hat sie in seiner Einsicht entdeckt.
Er hat ja die Erde für immer gegründet,
er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert.
Er entsendet das Licht und es eilt dahin;
er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm.
Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten.
Ruft er sie,
so antworten sie: Hier sind wir.
Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer.
Das ist unser Gott;
kein anderer gilt neben ihm.
Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet
und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen,
Israel, seinem Liebling.
Dann erschien sie auf der Erde
und lebte mit den Menschen.
Sie ist das Buch der Gebote Gottes,
das Gesetz, das ewig besteht.
Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben;
doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod.
Kehr um, Jakob, ergreif sie!
Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht!
Überlass deinen Ruhm keinem andern
und deinen Vorzug keinem fremden Volk!
Glücklich sind wir, das Volk Israel;
denn wir wissen, was Gott gefällt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die ältesten Textzeugen für das Buch Baruch sind griechisch. Nach eigener Angabe soll das Buch vom Sekretär des Propheten Jeremia während der Exilszeit verfaßt worden sein. Es wird zuerst den in Babel lebenden Israeliten vorgelesen und soll dann nach Jerusalem geschickt werden, um auch dort vorgetragen zu werden. Die heutige Gestalt dürfte der Text im ersten vorchristlichen Jahrhundert erhalten haben.
Grundsätzlich neue Ideen bringt das Buch Baruch nicht, seine Leistung ist eine Zusammenschau von geschichtlichen, weisheitlichen und prophetischen Texten des Alten Testaments. In der Hoffnung auf die Bestrafung der fremden Herren unterstreicht es die loyale Haltung zum Tempel und den mosaischen Gesetzen und das Vertrauen auf die Verheißungen Gottes.
Der Lesungsabschnitt greift einen Teil aus der Mahnrede von Baruch heraus. In diesem Text spricht der Autor aus, worauf es ihm ankommt und was er mit seiner Schrift erreichen will: Israel soll lernen, die Dinge "weise" anzupacken, sich richtig zu verhalten und das Leben gut zu gestalten. Dabei geht es nicht um eine abstrakte, philosophische Weisheit, sondern um anzuwendende Weisheit, Verstehen, Erkenntnis und Einsicht. Um die Situation des Volkes zu verbessern, ist es notwendig, die Gesetze Gottes zu befolgen und die Größe Gottes anzuerkennen. Dann sind es die Gesetze, die zum Leben führen, die Weisheit, die Rat und Hilfe gibt.
Der Grund für den Zustand, in dem sich das Volk befindet, das Exil, ist, daß Israel seinen Gott verlassen hat. Es hat keinen Sinn, bei Menschen auch nicht bei anderen Völkern nach der Weisheit zu fragen, denn nur Gott kennt den Weg der Weisheit. Er ist der Gott Israels, der Schöpfer und damit der einzige Gott. Er wählt nicht das Mächtige, Große und Berühmte um es mit Weisheit auszustatten, vielmehr hat Gott die Weisheit seinem Volk gegeben. Die Gebote Gottes sollen das Volk zu Leben und Glück führen. Sich nicht an die Gebote, an die Weisheit Gottes zu halten führt zu Unheil und Tod: Umkehr ist notwendig, der falsche Weg muß verlassen werden. Kein anderes Volk soll sich rühmen können, die Weisheit zu besitzen, was eintreten könnte, wenn das Volk Israel nicht der göttlichen Weisung folgt und so ins Unglück gerät.
Kv - Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. - Kv
(Oder Gl 312,7)
Die Weisung des HERRN ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - Kv
Die Befehle des HERRN sind gerade,
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des HERRN ist rein,
es erleuchtet die Augen. - Kv
Die Furcht des HERRN ist lauter,
sie besteht für immer.
Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig,
gerecht sind sie alle. - Kv
Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
reichen Lohn hat, wer sie beachtet. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Ezechiel.
Das Wort des HERRN erging an mich:
Menschensohn,
als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten,
machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein.
Da goss ich meinen Zorn über sie aus,
weil sie Blut vergossen im Land
und es mit ihren Götzen befleckten.
Ich zerstreute sie unter die Nationen;
in die Länder wurden sie vertrieben.
Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet.
Als sie aber zu den Nationen kamen,
entweihten sie überall, wohin sie kamen,
meinen heiligen Namen;
denn man sagte von ihnen:
Das ist das Volk des HERRN
und doch mussten sie sein Land verlassen.
Da tat mir mein heiliger Name leid,
den das Haus Israel bei den Nationen entweihte,
wohin es auch kam.
Darum sag zum Haus Israel:
So spricht GOTT, der Herr:
Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel,
sondern um meines heiligen Namens willen,
den ihr bei den Nationen entweiht habt,
wohin ihr auch gekommen seid.
Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen,
den ihr mitten unter ihnen entweiht habt,
werde ich wieder heiligen.
Und die Nationen
- Spruch GOTTES, des Herrn -
werden erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise.
Ich nehme euch heraus aus den Nationen,
ich sammle euch aus allen Ländern
und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.
Ich gieße reines Wasser über euch aus,
dann werdet ihr rein.
Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
Ich gebe euch ein neues Herz
und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres.
Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch
und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich gebe meinen Geist in euer Inneres
und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt
und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen,
das ich euren Vätern gegeben habe.
Ihr werdet mir Volk sein und ich,
ich werde euch Gott sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Gedeutete Geschichte: Israels Zerstreuung unter den Völkern wird von dem Propheten Ezechiel verstanden als Strafe. Durch sein Verhalten hat Israel das ihm anvertraute Land „unrein“ gemacht. Angesprochen werden der Götzendienst und das Blutvergießen. Obwohl nicht näher spezifiziert, setzt der Prophet voraus, dass die Menschen eine Verbindung zu ihrer Geschichte herstellen – und ihr Geschick verstehen. Ezechiel wendet dann den Blick: Selbst in der Fremde entweihen sie „überall, wohin sie kamen“ den heiligen Namen Gottes. Der Prophet deutet auch an, wie das geschieht: Das Volk Jahwes habe sein Land verlassen müssen, sei also in Ungnade gefallen – sagt „man“. Was die Leute sagen, nimmt sich Gott zu Herzen. Auf ihn fällt die Erfahrung Israels zurück – und wird von ihm angenommen. Ezechiel kündet einen neuen Anfang an: Gott wird seinen Namen wieder heiligen – indem er vor den Augen der Völker Israel herausholt, sammelt und in sein Land bringt. Betont: „Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen.“
In drei Sätzen legt der Prophet die Verheißung eines neuen Anfangs aus: „Ich gieße reines Wasser über euch aus …“ Ich schenke euch ein neues Herz … Ich lege meinen Geist in euch … Es ist eine Steigerung, die allerdings auch weit über das hinausgeht, was geschichtlich erfahrbar sein kann. Dass Israel wieder in dem Land wohnt, „das ich euren Vätern gab“, belegt zwar, dass – wie in der alten Bundesformel – Israel „mein Volk“ und „ich euer Gott“ bin, aber das reine Wasser, das neue Herz, Gottes Geist sind Gaben, auf die kein Rückblick möglich ist, wohl aber Bitte und Hoffnung. Es gehört zum Geheimnis des heiligen Namens, dass Menschen zu keiner Zeit sagen können, sie könnten ihre Geschichte mit Gott abschließen.
Zu Pfingsten tritt die Kirche in eine Hoffnungsgeschichte ein, die lange vor ihr von Gott um seines Namen willen angefangen hat.
Kv - Wie der Hirsch verlangt nach frischem Wasser,
so verlangt meine Seele, Gott, nach dir. – Kv
(Oder GL 312,8)
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann darf ich kommen
und erscheinen vor Gottes Angesicht? - Kv
Ich will in einer Schar einherziehn.
Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten,
im Schall von Jubel und Dank
in festlich wogender Menge. - Kv
Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten;
sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.
So will ich kommen zu Gottes Altar, /
zum Gott meiner Freude und meines Jubels.
Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden,
sind auf seinen Tod getauft worden.
Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod,
damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
von den Toten auferweckt wurde,
in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.
Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden,
dann werden wir es auch
mit der seiner Auferstehung sein.
Wir wissen doch:
Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt,
damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde,
sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.
Denn wer gestorben ist,
der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben,
so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen,
dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben
ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
sein Leben aber lebt er für Gott.
So begreift auch ihr euch als Menschen,
die für die Sünde tot sind,
aber für Gott leben in Christus Jesus.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Verse 6,1-4:
Im Text Röm 6,1-11 zeigt Paulus auf, daß in der Taufe eine neue Lebensgemeinschaft mit Christus begründet wird. Wenn Paulus in Röm 5 meint, daß einer großen Sünde eine immer noch größere Gnade gegenüberstehe, so stellt er in Röm 6,1 die rhetorische Frage, ob wir etwa in der Sünde bleiben sollen, damit die Gnade weiter zunehme.
Das soll jedoch keineswegs geschehen, denn durch die Taufe haben wir eine neue Existenzweise; wir sind für die Sünde gestorben, und können folglich nicht mehr in der Sünde leben. Die Formulierung "auf Jesus getauft sein" ist für Paulus bereits ein terminus technicus für einen Ritus. Im Unterschied zu Johannes dem Täufer wird jetzt auf Christus getauft. Bei der Taufe zieht der Täufling gleichsam Christus an und gehört nun Gott an. Das "mit Christus sterben" wird gedeutet als "mit Christus begraben werden", damit auch wir, wie er, von den Toten auferweckt werden. Die Taufe ist somit Beginn eines neuen Lebens, welches erst im Tod zur Vollendung gelangt.
Verse 6,5-7:
Die Taufe ist nicht nur ein äußerliches Zeichen, sondern bewirkt auch das Zusammenwachsen mit Christus; sogar mit seinem Tod. In den Versen 6 und 7 wird die Aussage von V. 5 näher interpretiert: Der alte Mensch ist der Mensch vor der Taufe, der in Sünde lebt. Unser alter Mensch wird in Christus mitgekreuzigt, damit der Leib der Sünde vernichtet werde und wir als neue Menschen auferstehen.
Verse 8-11:
Wenn wir mit Christus gestorben sind, so sind wir auch mit ihm auferstanden. Aufgrund des Zeugnisses der Überlieferung wissen wir, daß Christus nicht mehr stirbt und der Tod keine Macht mehr über ihn hat.
Vers 11:
In der Taufe vollzieht sich ein Herrschaftswechsel. Wir gehören nicht mehr der Macht des Bösen, sondern Christus an.
Kv - Halleuja, Halleluja, Halleluja - Kv
Oder: GL 312,9
Dankt dem HERRN, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. - Kv
Die Rechte des HERRN, sie erhöht,
die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des HERRN zu verkünden. - Kv
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt,
ein Wunder in unseren Augen. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Nach dem Sabbat,
beim Anbruch des ersten Tages der Woche,
kamen Maria aus Magdala und die andere Maria,
um nach dem Grab zu sehen.
Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben;
denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab,
trat an das Grab,
wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
Sein Aussehen war wie ein Blitz
und sein Gewand weiß wie Schnee.
Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter
und waren wie tot.
Der Engel aber sagte zu den Frauen:
Fürchtet euch nicht!
Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier;
denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag!
Dann geht schnell zu seinen Jüngern
und sagt ihnen:
Er ist von den Toten auferstanden
und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa,
dort werdet ihr ihn sehen.
Siehe, ich habe es euch gesagt.
Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude
und sie eilten zu seinen Jüngern,
um ihnen die Botschaft zu verkünden.
Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen
und sagte: Seid gegrüßt!
Sie gingen auf ihn zu,
warfen sich vor ihm nieder
und umfassten seine Füße.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Fürchtet euch nicht!
Geht und sagt meinen Brüdern,
sie sollen nach Galiläa gehen
und dort werden sie mich sehen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Was Matthäus erzählt, sind eigentlich drei Geschichten in einer: Die Geschichte der beiden Marias, die zum Grab gehen und dort eine Botschaft hören, die sie den Jüngern überbringen sollen – die Geschichte der Wächter, die ausgeschaltet werden und als Zeugen nicht in Frage kommen – und die Geschichte der ersten Begegnung der Frauen mit dem auferstandenen Jesus.
Matthäus setzt in diesem Dreiklang eigene Akzente. Ein Beben begleitet die Erscheinung des Engels, der den Stein wegwälzt und sich auf ihn setzt. Die Szene erzählt von einem Machtwechsel, in dem der Tod hergeben muss, was er sich genommen hat – oder was ihm von Menschenhand anvertraut wurde. Die Wächter, sonst hartgesotten, zittern vor Angst und fallen „wie tot“ zu Boden.
Aber die eigentliche Auferstehung erzählt auch Matthäus nicht – er gibt nur die Botschaft des Engels weiter, der als Bote Gottes mit seinem Wort die Geschichte deutet. Die Frage, ob das Grab „leer“ war, wird auch von den Frauen nicht geprüft – „sogleich“ verlassen sie nach der Botschaft das Grab, um ihren Auftrag auszuführen: „schnell“ zu den Jüngern zu gehen und ihnen die Auferstehung zu verkünden. Hier ist alles auf die Zusage abgestellt, dass es so geschieht, „wie er gesagt hat“. Dies duldet keinen Aufschub und keinen Verzug.
Besonders wichtig ist für die Osterbotschaft, die alle Evangelien verkünden, das dies am „ersten Tag“ geschieht – am ersten Tag hat Gott Licht und Finsternis geschieden und damit erst die Voraussetzungen für die Schöpfung, die er „gut“ nennt, geschaffen. Die Ostergeschichte ist eine Schöpfungsgeschichte. In der Osternacht wird darum als erste Lesung auch Gen 1 gelesen: Es wird Licht!
Herausragend ist auch, dass Frauen zu Zeugen berufen werden. Das gehört einstimmig zur Überlieferung des Osterevangeliums. Das Entsetzen, von dem der erste Evangelist, Markus (Kap. 16), erzählt, wird auch von Matthäus bewahrt, aber von einer großen Freude ergänzt.
In Galiläa wird die Geschichte, die dort mit der Jüngerberufung einmal angefangen hat, fortgeführt.
Dem Evangelisten liegt daran, die nachösterliche Zeit mit der vorösterlichen verbunden zu sehen: Die Osterbotschaft legt das Evangelium aus, das von Jesus längst verkündet wurde (vgl. den Neuansatz in Mt. 5, der Bergpredigt). Dieses Evangelium ist der Todfeind des Todes – ein Abgesang auf seine Macht. Um ihn ist es jetzt schon geschehen.
In der Osternacht (und auf Wunsch auch am Ostertag) wird die Erzählung von der Auffindung des leeren Grabes in der Version des Evangelisten Matthäus als Evangelium vorgetragen. Diese Erzählung steht im letzten Kapitel des Matthäusevangeliums und bildet den Höhepunkt und Abschluß seiner Geschichte vom Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu.
Matthäus faßt darin die Eckpunkte seiner Osterbotschaft zusammen, die zugleich auch die Eckpunkte des Glaubens der Christen der ersten Generation waren:
- Das leere Grab als (un)umstrittenes Faktum. Das leere Grab galt den Anhängern Jesu als unbestreitbares Faktum, an das sie sich festhielten. Dass dies von ihren Gegnern in Zweifel gezogen wurde, geht gerade aus dem Matthäustext hervor. Er weiß ausführlicher als die anderen Evangelisten vom Mißtrauen der Hohenpriester und Pharisäer und von der Bewachung des Grabes Jesu (Mt. 27, 62-66) zu berichten.
- Die Erscheinung Jesu vor den Frauen. Nach Matthäus erschien Jesus Maria von Magdala und "der anderen Maria", noch bevor er sich den Jüngern zeigte.
Matthäus setzt aber auch deutliche theologische Akzente der Osterbotschaft:
- Die Auferstehung Jesu ist ein eschatologisches Ereignis, ein Ereignis der Endzeit. Das Erbeben der Erde, die Erscheinung der Engel und das Öffnen der Gräber zeigen den Beginn der Endzeit an.
- Die Nachricht von der Auferstehung Jesu ist eine "Botschaft von oben", ist übernatürlich und lässt sich mit allein innerweltlicher Erkenntnis nicht begreifen. Sie fordert den Glauben derer, die Jesus suchen.
- Die Auferstehung Jesu wird von Ereignissen begleitet, die sie als eine Offenbarung Gottes ausweisen. Das Erscheinen Gottes wird von Erdbeben begleitet.
- Die Auferstehungserfahrung ist mit einer Sendung verbunden: Die Frauen werden sowohl vom Engel als auch vom Auferstandenen mit dem Auftrag bedacht, die Frohe Botschaft weiterzusagen.
Die Osternacht beginnt im Dunkel - und genau dort setzt Gottes neues Leben an. Wo Menschen nur noch Grab, Ende und Hoffnungslosigkeit sehen, lässt Christus sein Licht aufleuchten. Seine Auferstehung verdrängt das Leid nicht, aber sie nimmt dem Tod die letzte Macht. Ostern ist darum die große Zusage: Die Liebe Gottes bleibt nicht im Grab - sie steht auf und eröffnet Zukunft.
Die Feier dieser Nacht begann im Dunkeln. Nicht zufällig, Nicht als schöner Effekt, sondern weil Ostern genau dort anfängt, wo Menschen nichts mehr sehen: Im Dunkeln, in der Angst, in der Grabesruhe. in der Erfahrung: Es ist vorbei.
Karfreitag liegt hinter uns. Der Stein ist vor das Grab gerollt. Die Hoffnungen sind begraben. Und wenn wir ehrlich sind: Genau das kennen Menschen. Es gibt nicht nur Gräber auf Friedhöfen. Es gibt auch Gräber mitten im Leben. Begrabene Träume, begrabene Beziehungen, begrabene Zuversicht, begrabene Freude, begrabene Gebete. Manchmal lebt man noch - und etwas ist in einem längst zugeschüttet.
Darum ist die Osternacht kein fernes Fest für religiöse Spezialisten. Sie ist die Nacht für alle, die schon einmal dachten: Das wird nichts mehr. Und genau in diese Nacht hinein haben wir ein Feuer entzündet. Ein kleines Licht zuerst. Fast unscheinbar. Keine Explosion. Kein greller Triumph. Kein Spektakel. Nur Licht. So handelt Gott oft. Nicht immer mit Donner. Nicht immer mit Machtgesten. Sondern mit einem Licht, das klein beginnt und doch stärker ist als die Finsternis.
Die Osterkerze wurde hereingetragen, und dreimal hörten wir den Ruf: Lumen Christi - Licht Christi. Das ist nicht bloß Liturgie. Das ist eine Ansage gegen alles Dunkel. Nicht der Tod hat das letzte Wort. Nicht die Angst. Nicht die Schuld. Nicht das Grab. Nicht das, was aussichtslos wirkt. Christus lebt.
Und dieser Satz ist entweder zu groß, um wahr zu sein - oder er ist das Entscheidende überhaupt. Denn wenn Christus lebt, dann ist der Tod nicht mehr Endstation. Dann ist Schuld nicht mehr Gefängnis auf Lebenszeit. Dann ist Versagen nicht mehr das letzte Kapitel. Dann kann selbst nach der längsten Nacht etwas neu beginnen. Ostern ist nicht: Alles war halb so schlimm. Nein. Es war schlimm. Das Kreuz war real. Die Wunden waren real. Der Tod war real. Aber gerade deshalb ist Ostern so gewaltig: Weil Gott nicht eine Scheinwelt rettet, sondern die wirkliche. Den Gekreuzigten lässt er auferstehen. Nicht irgendeinen Unverletzten. Nicht irgendeine schöne Idee. Den Gekreuzigten. Das heißt: Die Wunden verschwinden nicht einfach, aber sie bekommen nicht mehr die Herrschaft.
Auch Menschen bleiben gezeichnet. Was jemand gelitten hat, wird nicht ungeschehen. Wer trauert, lacht nicht einfach alles weg. Wer schuldig geworden ist, radiert die Geschichte nicht aus. Aber Ostern sagt: Gezeichnet ist nicht gleich verloren. Verwundet ist nicht gleich vernichtet. Gebrochen ist nicht gleich vorbei.
Die Auferstehung ist Gottes großes Trotzdem. Trotz Grab - Leben. Trotz Schuld - Vergebung. Trotz Tränen - Hoffnung. Trotz Ende - Zukunft.
Und dann kommen die Frauen zum Grab. Nicht mit Siegesliedern. Nicht mit fertigem Osterglauben. Sondern mit Sorge, mit Trauer, mit offenen Händen. Auch das ist tröstlich. Die ersten Osterzeugen sind keine Übermenschen. Sie kommen mit ihrem Schmerz. Und genau ihnen öffnet sich die neue Wirklichkeit. Vielleicht ist das bis heute so: Wer nichts mehr erwartet, wird von Gott manchmal am tiefsten überrascht. Wer mit leeren Händen kommt, kann empfangen. Wer weint, kann sehen, was den Selbstsicheren verborgen bleibt. Ostern ist das Ende der Hoffnungslosigkeit. Nicht weil plötzlich alles leicht wird, sondern weil Christus lebt.
Und wenn Christus lebt, dann darf auch Kirche aufstehen. Dann darf Glauben aufstehen. Dann dürfen Menschen aufstehen. Aufstehen aus Resignation. Aufstehen aus Bitterkeit. Aufstehen aus dem alten Satz: Es hat doch alles keinen Sinn. Ostern ist eine Zumutung - im besten Sinn. Denn Ostern erlaubt nicht, im Grab sitzen zu bleiben, wenn der Stein längst weggerollt ist.
Liebe Schwestern und Brüder, viele Menschen fragen heute nicht mehr zuerst: Ist das dogmatisch richtig? Sie fragen: Trägt das? Hält das? Verändert das etwas? Ostern antwortet: Ja. Denn der Auferstandene bringt nicht nur Trost für später. Er bringt Leben für jetzt. Er stellt Menschen auf die Füße. Er weckt Hoffnung, wo Zynismus regierte. Er macht Mut, wo Angst lähmte. Er öffnet Wege, wo alles verriegelt schien. Und vielleicht ist das die Osterfrage an uns: Wo müsste in meinem Leben etwas aufstehen? Vertrauen? Gebet? Mut? Freude? Versöhnung? Ein neuer Anfang? Denn Ostern ist nicht nur eine Nachricht über Jesus.
Ostern ist ein Ruf an uns. Steh auf. Nicht aus eigener Heldentat, sondern weil Christus lebt, weil sein Licht stärker ist, weil die Liebe geblieben ist - durch die Nacht hindurch. Gründonnerstag hat gezeigt: Liebe kniet nieder. Karfreitag hat gezeigt: Liebe hält aus. Die Osternacht verkündet: Liebe steht auf. Und diese Liebe trägt die Welt. Mehr als wir ahnen. Amen, Halleluja.
Zwei Frauen entdeckten als erste das leere Grab und vernahmen als erste die Nachricht von der Auferstehung Jesu. Dass damit eine neue Zeit angebrochen ist und nicht nur das Bisherige weitergeht, wird den Jüngerinnen und Jüngern erst nach und nach bewusst.
Im Matthäus Evangelium hören wir: beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, wälzte den Stein weg und sagte zu den Frauen: "Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag!“
Das ist wirklich eine Zeitenwende. Noch nie ist ein Mensch von den Toten auferstanden. Aber Jesus ist Menschensohn und Gottes Sohn zugleich. In der Auferstehung Jesu überschreitet zum ersten Mal ein Mensch die natürliche Grenze der Welt, den Tod.
Jesus ist auferstanden aber nicht in seiner Körperlichkeit, nicht materiell, sondern immateriell. Im Reich Gottes - ein geistiges Reich - gibt es nichts Materielles. Die irdische Existenz von Jesus ist gewissermaßen transformiert, das heißt umgewandelt oder verwandelt. Der Apostel Paulus spricht von einem verklärten Leib, von einem geistigen Leib (1 Kor 15,44). Man kann Jesus nicht mehr dingfest machen und so ist es auch kein Wunder, dass er nach seiner Auferstehung durch verschlossene Türen hindurchgehen kann.
In derselben Seinsweise ist Jesus auch heute unter uns gegenwärtig. Wenn wir von einem verklärten Leib reden, dann meinen wir damit, dass er lebt, nicht zu irdischen Bedingungen, sondern zu überirdischen.
Alle, die an Jesus Christus und seine Auferstehung glauben, dürfen hoffen, dass auch sie durch die Erlösung durch Jesus Christus und dank der Barmherzigkeit Gottes nach dem Ende des irdischen Lebens völlig verwandelt in dieses neue ewige Leben bei Gott auferstehen werden.
Es waren also zwei Frauen, die als erstes zum Grab kamen und nicht die Jünger Jesu. Dies bestätigt, dass zum Jüngerkreis Jesu nicht nur Männer, die Apostel, sondern auch Frauen gehört haben.
Vor diesem Hintergrund ist es für viele und auch für mich unverständlich, dass es in unserer katholischen Kirche eine vehemente Diskussion gibt, ob Frauen zur Weihe als Diakoninnen zugelassen werden sollen. Gerade für das Amt des Diakons, wo es hauptsächlich um den Dienst am Nächsten geht, halte ich Frauen für mindestens so geeignet, wie Männer. Ich hoffe sehr, dass nicht zuletzt unter dem Eindruck dieser österlichen Fakten dies in absehbarer Zeit möglich sein wird.
Die frohe Botschaft von Ostern besagt: Jesus Christus hat den Tod besiegt und ist in die Herrlichkeit Gottes zurückgekehrt. Aber er hat uns nicht als Waisen zurückgelassen. Er hat uns im Sakrament der heiligen Eucharistie sein Vermächtnis hinterlassen, durch das er uns immer neu Anteil an seinem Leiden und Sterben, aber auch an seiner Auferstehung schenkt. So dürfen wir hoffen, dass auch wir nach unserem Tod, völlig verwandelt in ein neues ewiges Leben bei Gott auferstehen werden.
© Wilhelm Kraft, Sindelfingen
Die Erzählung von der Auffindung des leeren Grabes hat der Evangelist Matthäus besonders dramatisch ausgestaltet. Sie enthält darüber hinaus jedoch einen wichtigen Hinweis, wie wir heute dem Auferstandenen begegnen können.
Der Evangelist Matthäus schildert die Auferstehung Jesu dramatisch wie in einem Actionfilm. Fast möchte man meinen, er sei selbst dabei gewesen. Er stimmt jedoch mit den anderen Evangelisten darin überein, dass nur die Frauen aus dem Freundeskreis Jesu in der Morgenfrühe des ersten Tages der Woche zum Grab gegangen seien.
Matthäus schreibt seinen Bericht von der Auffindung des leeren Grabes zu einer Zeit, in der man die ursprüngliche Überlieferung schon eifrig ausgeschmückt hatte und vor allem die Bedeutung der Auferstehung Jesu schon ausführlich diskutiert hat. Die gewaltigen Zeichen Erdbeben und leuchtend weißer Blitz können als geistige Wirkung der Auferstehung Jesu in der damaligen Welt verstanden werden. Schließlich hat der Glaube an die Auferstehung das Weltbild vieler Menschen auf eine neue Basis gestellt.
Bei so viel Dramatik geht ein in meinen Augen viel wichtigerer Hinweis beinahe unter. Sowohl der Engel wie auch der Auferstandene selbst tragen den Frauen auf, den Jüngern auszurichten, sie sollen nach Galiläa gehen, dort würden sie ihn sehen.
Galiläa ist die Gegend aus der sie hergekommen sind, aus der sie ursprünglich aufgebrochen sind, um Jesus nachzufolgen. Galiläa ist der Landstrich, in dem Jesus nach der Ermordung des Johannes des Täufers sein öffentliches Wirken begonnen hat. Predigend und durch Wunderzeichen bestätigt hat er dort den Anbruch des Reiches Gottes verkündet. Von dort aus hat sein Wirken immer weitere Kreise gezogen. Mit anderen Worten: Jesus hat die Jünger in ihre ursprüngliche Lebenswelt zurückgeschickt. Dort werden sie das Reich Gottes entdecken und dort wird ihnen aufgehen, dass Jesus nicht tot ist, sondern dass er lebt.
Was heißt das für uns: Wenn wir dem Auferstandenen begegnen wollen, müssen wir ihn in unserem Alltag suchen. Wo der Same des Wortes Gottes aufgeht, wo das Reich Gottes wächst und sich ausbreitet, dort werden wir dem Auferstandenen begegnen.
Vor mehr als dreißig Jahren besuchte ich mit einer Gruppe von Jugendlichen das Heilige Land. Am letzten Tag unserer zweiwöchigen Pilgerreise brachte uns ein Bus von Jerusalem zum Flughafen. An diesem Tag erfasste mich eine gewisse Schwermut. Mir wurde bewusst, dass ich insgeheim davon geträumt habe, in diesen zwei Wochen irgendwo in geistiger Weise diesem Jesus Christus zu begegnen, der vor zweitausend Jahren in diesem Land gelebt und gewirkt hat. Auf dem Weg zum Flughafen besuchten wir noch einen Ort, der beansprucht, das biblische Emmaus zu sein. Als ich dort in dem Kirchlein vom Heiligen Land Abschied nahm, wurde mir bewusst: Er ist nicht hier. Ich kann ihm aber dort begegnen, wo ich versuche, meine Umgebung und mein Leben in seinem Geist zu gestalten und am Reich Gottes mitzuwirken.
Wenn wir Christen Ostern feiern, schauen wir nicht allein auf dramatische Erzählungen, wie wir sie heute im Evangelium gehört haben. Im Osternachtgottesdienst haben wir in die Geschichte der Menschheit zurückgeschaut und uns bewusst gemacht, wie Gott vom Anfang der Welt bis in die Zeit Jesu sich immer wieder als Gott gezeigt hat, der die Menschen nicht verlassen hat, die auf ihn vertraut haben. Er hat sein Volk nicht vergessen und im Stich gelassen, als es unter Fremdherrschaft geraten war. Immer wieder hat er sich als "Gott mit uns" erwiesen. In besonderer Weise hat er uns das an Jesus vor Augen geführt, als er Jesus von den Toten auferweckt hat.
Diese Treue Gottes ist das Fundament unseres Glaubens und unserer Hoffnung über den Tod hinaus. Diese Treue und Verlässlichkeit Gottes können wir auch in unserem Leben entdecken. Wo Gott ist, ist das Reich Gottes. Dort können wir dem Auferstandenen auch heute noch begegnen.
2020 feiern wir Ostern notgedrungen ganz anders. Die uralten biblischen Texte erzählen von den Ängsten, die Menschen durchlebt haben und wie Gott sie gerettet hat. Sie stärken in uns das Vertrauen, dass er auch in der gegenwärtigen Krise mit uns geht und uns aus unserer Not errettet.
Wenn wir jetzt die Osternacht feiern könnten! So richtig und – natürlich – aus dem Vollen geschöpft! Zugegeben: es sind viele Texte! Ob wir sie wirklich alle lesen wollten? Sie reihen sich aneinander. Unterbrochen von Psalmen. Nein, sie wachsen dem Evangelium zu. Der frohen Botschaft, dass Jesus von den Toten auferweckt wurde. Gehen wir vom Evangelium dann wieder gedanklich zurück, entdecken wir, wie die Botschaft vom Leben, von dem überwundenen Tod, von der neuen Freiheit in den vielen Geschichten und Verheißungen schon ausgesprochen ist. Gott ist doch von Anfang an ein Gott des Lebens, der Verbündete der Hoffnung, er ist Liebe ganz und gar.
Nun können wir in diesem Jahr die Osternacht nur sehr verhalten feiern. Zu Hause. Im kleinen Kreis. Aber wir können eine Kerze anzünden und dabei sagen: Christus, Alpha und Omega, Anfang und Ende. Sein ist die Zeit. Sein ist die Ewigkeit. Dann können wir einander zurufen. Vielleicht sogar anrufen. Oder im Internet uns anschauen: Er ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden.
Aus der Vielzahl der Lesungen greifen wir uns heute Abend eine heraus. Die dritte Lesung. Den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Die Lesung steht im Buch Exodus (Ex 14,15 - 15,1)
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen,
als die Israeliten sahen, dass die Ägypter ihnen nachrückten,
erschraken sie sehr.
und schrien zum Herrn.
Da sprach der HERR zu Mose: Was schreist du zu mir?
Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen.
Und du heb deinen Stab hoch,
streck deine Hand über das Meer und spalte es,
damit die Israeliten
auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können!
Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten,
damit sie hinter ihnen hineinziehen.
So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht,
an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen.
Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern
meine Herrlichkeit erweise.
Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf
und ging nach hinten
und die Wolkensäule brach auf
und stellte sich hinter sie.
Sie kam zwischen das Lager der Ägypter
und das Lager der Israeliten.
Die Wolke war da und Finsternis
und Blitze erhellten die Nacht.
So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher.
Mose streckte seine Hand über das Meer aus
und der HERR trieb die ganze Nacht
das Meer durch einen starken Ostwind fort.
Er ließ das Meer austrocknen
und das Wasser spaltete sich.
Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein,
während rechts und links von ihnen
das Wasser wie eine Mauer stand.
Die Ägypter setzten ihnen nach;
alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter
zogen hinter ihnen ins Meer hinein.
Um die Zeit der Morgenwache
blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule
auf das Lager der Ägypter
und brachte es in Verwirrung.
Er hemmte die Räder an ihren Wagen
und ließ sie nur schwer vorankommen.
Da sagte der Ägypter:
Ich muss vor Israel fliehen;
denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten.
Darauf sprach der HERR zu Mose:
Streck deine Hand über das Meer,
damit das Wasser zurückflutet
und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt!
Mose streckte seine Hand über das Meer
und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück,
während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen.
So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer.
Das Wasser kehrte zurück
und bedeckte Wagen und Reiter,
die ganze Streitmacht des Pharao,
die den Israeliten ins Meer nachgezogen war.
Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig.
Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden
mitten durch das Meer gezogen,
während rechts und links von ihnen
das Wasser wie eine Mauer stand.
So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter.
Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen.
Als Israel sah,
dass der HERR
mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte,
fürchtete das Volk den HERRN.
Sie glaubten an den HERRN
und an Mose, seinen Knecht.
Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied;
sie sagten:
Ich singe dem HERRN ein Lied,
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
Auf einmal ist da das Meer. Unüberwindlich. Der Weg geht nicht mehr weiter. Angst breitet sich aus. Zurück – geht nicht. Geradeaus – geht nicht. Stehen bleiben – geht nicht. Nichts geht. Eine vertrackte verfluchte Situation!
Israel, so erzählt die alte Geschichte, soll aus Ägypten fliehen. Aus dem Sklavenhaus. Jetzt haben sich die Menschen aufgemacht. Schon das war ein schwerer Akt. Aber da ist das Meer! Auf einmal ist es da.
Dürfen wir hier einmal stehenbleiben?
Wir schauen über das vor uns liegende Wasser. Wie tief, unergründlich es ist! Soweit das Auge reicht: Wasser. Am Tag sehe ich die feinen Wellenbewegungen, in der Nacht spiegelt sich der Mond. Wieviel Zeit habe ich? Wie lange kann ich aushalten? Ich muss da durch! Ich muss! Aber nirgendwo ist ein Boot. Ob ich schwimmen kann? So weit? Und meine Lieben? Verlieren wir uns? Ich bekomme Angst. Sie schleicht langsam an mir hoch. Ich bin alleine. Mit mir.
In diesen Tagen haben wir viele menschliche Schicksale vor Augen, die sich hinter unendlichen Zahlenkolonnen und in bunten Statistiken verbergen. Viele alte Menschen können nicht einmal mehr besucht werden. Einsam und verlassen sterben Menschen. Ihre Angehörigen können sich nicht verabschieden.
Dabei drängen so viele Fragen nach. Wie lange halten wir den Stillstand wirtschaftlich aus? Wie finden wir zur Normalität zurück? Wann können die vertrauten und verfassungsmäßigen Grund- und Freiheitsrechte wieder uneingeschränkt gelten?
Wir bekommen das Murren mit. Schon jetzt zeichnet sich ab, wie unterschiedlich Menschen mit Krisen umgehen. Werden junge und alte Menschen sich auseinander dividieren lassen? Werden die europäischen Länder wieder gemeinsame Wege öffnen und gehen können? Wird vielleicht sogar ein neuer Anfang im Zusammenleben der Menschen möglich?
Wir stehen vor einem Meer. Auf einmal ist es da.
Das Volk Israel hat die Geschichte vom Auszug aus Ägypten vielfältig weiter erzählt. Wenn Sie einmal genauer hinschauen, sehen sie der Geschichte an, wie sie geformt wurde. Und das ist spannend genug! In der ersten, alten Version ist Gott die treibende Kraft – er allein. Ein Wind – und das Meer wird flach. In der späteren, jüngeren Version streckt Mose einen Stab aus – und das Meer teilt sich. Wir sehen die Wände aus Wasser und dazwischen den Weg in die Freiheit. Um den geht es! Man spürt die Freude in Wortwendungen und Formulierungsversuchen. Es ist, als ob die Geschichte selbst leben muss. Und was zuerst erzählt wurde und was später, ist in dieser Geschichte fein versteckt.
Israel hat von dem Wunder erzählt, von Gott selbst erlöst und befreit worden zu sein. Das ist das Urbekenntnis Israels: Gott ist unser Befreier!
Übrigens: In diesem Jahr feiern Christen und Juden zeitgleich Ostern und Pessach!
Im Lied Moses und der Kinder Israels heißt es:
Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke;
deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind.
Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast,
du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung.
Du wirst sie hinbringen
und einpflanzen auf den Berg deines Erbes,
den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast,
um dich niederzulassen,
zu einem Heiligtum, HERR,
von deinen Händen gegründet.
Der HERR ist König für immer und ewig.
In der Liturgie der Osternacht ist diese Geschichte zu Hause. Sie hat sogar eine tragende Bedeutung. Im Reigen der Lesungen darf sie nicht fehlen. Schon früh in ihrer sehr langen Geschichte haben Christen in dem Auszug aus Ägypten die Rettung aus dem Tod und den Aufbruch in ein neues Leben gesehen. Dabei knüpfen wir bis heute daran an, dass Gott Menschen erlöst und sie auf ihrem Weg sogar begleitet.
Bei dem „geteilten“ Meer möchte ich noch ein wenig verweilen. Das Bild ist grandios. Wie Schutzmauern stellt sich das Meer auf! Es gibt einen Weg, der durch das Unheil führt – und in die Freiheit. Gott selbst ist Tag und Nacht dabei. Er hat sich mit dem Schicksal, dem Geschick seines Volkes unzertrennlich verbunden. Durch dick und dünn geht er mit. Was zurückbleibt, ist – nein, nicht nur Ägypten – es ist der Tod, die Versklavung, die Unfreiheit. In diesem Meer wird eine ganz neue Geschichte geschrieben! Sie geht über den Tag hinaus.
In dieser Nacht lassen wir uns von der Gewissheit, von dem Vertrauen anstecken, dass Gott selbst unter uns ist. Seine Zusage wird auch unsere Ängste und Sorgen, Unsicherheiten und Widersprüche verwandeln.
In dem Lied „Gott liebt diese Welt“ hat Walter Schulz 1962 auch diese Erfahrung in Worte gefasst, einem Bekenntnis gleich:
„Gott liebt diese Welt.
Feuerschein und Wolke
und das heilge Zelt
sagen seinem Volke:
Gott ist in der Welt!“
Feuerschein und Wolke sind Zeichen dieses Auszuges. Ob tagsüber oder in der Nacht: wir sind nicht alleine unterwegs – und auch nicht alleine gelassen. In späteren Geschichten kommt noch das Zelt dazu, das „heilige“. Ein schönes Bild dafür, dass Gott unter uns zeltet. Sein Zelt steht unter unseren. Wir sind gemeinsam unterwegs.
In der bedrängenden Situation möchte ich Menschen auf ihrem Weg schützen. Ich möchte einen Korridor suchen, einen Weg, der aus der Angst herausführt. Vieles kann ich nicht, manches wohl. Ich kann das abwägen und dann einfach tun. Da gefällt es mir doch, dass Mose ins Spiel kommt! Gelegentlich muss ein Mensch, stellvertretend, vor dem Meer stehen und ihm gebieten! Lass uns durch! Wie viele Menschen machen das nicht tatsächlich Tag für Tag? Nicht alle Menschen können mit den alten Hoffnungsgeschichten etwas anfangen, aber das Bild hat Wucht: Rechts und links baut sich das Wasser, unergründlich wie es ist, zu Schutzmauern auf und der Weg ist frei. Menschen gehen einfach hindurch.
Wenn Sie wissen möchten, wo sich diese Geschichte abspielte – ich muss Sie enttäuschen. Von einem Schilfmeer ist die Rede, später vom Roten Meer, aber sämtliche Spuren sind schon in alter Zeit verschwunden. Die Ortsnamen sind trügerisch. Aber immerhin: Die Geschichte ist nicht außerirdisch. Auch wenn sie sich nicht mehr lokalisieren lässt – wir müssen nur wissen, wo Ägypten ist. Ob es überhaupt darauf ankommt, wo das Meer war?
Meeresgeschichten haben Untiefen. Betroffen und entsetzt sehen wir, wie sich das Wasser über die Ägypter ausbreitet und ihnen den Tod bringt. Damals schien es wohl nicht anders erzählbar gewesen zu sein, als dass die Feinde umkommen müssen. Aber die Gewalt verletzt – nicht nur Gefühle.
Das Böse müsse ausgerottet werden, wird immer noch gesagt. Zu oft. Feindbilder dienen dann dazu, Hass lebendig zu halten. Kürzlich war gar zu lesen, dass der Antisemitismus zunähme – weil Juden das Coronavirus in Umlauf gebracht hätten. Verschwörungstheorien aller Art breiten sich im Schutz anonymer Netzwerke ungehindert aus. Menschen suchen Schuldige. Es ist, als ob ihnen das in unübersichtlichen und beängstigenden Situationen Entlastung verschafft. Sie sind dann wenigstens Herr über Informationen! Dass sie Handlanger böser Geschichten werden, sehen sie nicht. Sie sind Verführer? Verführte? Herren sind sie nicht.
Der Evangelist Matthäus erzählt, dass Jesus fliehen musste. Mit seinen Eltern. „Nimm das Kind und seine Mutter“ hört Josef im Traum. Wohin fliehen sie? Sie fliehen nach Ägypten. Jetzt ist Ägypten ein Zufluchtsort! Eine Heimat auf Zeit!
In alten Taufpredigten, einst in der Osternacht gehalten, ist der Auszug aus Ägypten eine Taufgeschichte. Wir lassen eine alte Welt zurück und gehen in eine neue. Wir verlassen die Sünde und gehen dem Reich Gottes entgegen. Wir sterben mit Christus und stehen mit ihm auf.
Anders als heute, gingen die Täuflinge in das Taufbecken. Sie waren mit weißen Kleidern angetan.
Der Schritt bedeutete, eine Vergangenheit zurückzulassen und, als sie das Becken verließen, Anteil zu haben an der Zukunft Gottes. Das Wasser markierte einen Übergang. Aber auch da war das Bild von der Furt vertrauenerweckend und ansprechend: Wir gehen in ein verheißenes Land. Hier herrscht nicht die Angst, nicht der Hass, nicht der Zweifel.
In dieser Nacht erinnere ich mich an die Taufe. Ich bin getauft! Es ist eine Liebeserklärung Gottes. Für mich. Und es ist eine Liebenserklärung. Für ihn!
So spricht der Herr: „Fürchte dich nicht! Denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei meinem Namen gerufen! Du bist mein.“
In einem Tauflied von Johann Jakob Rambach, 1735, heißt es:
Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.
Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein.
Wenn eine Geschichte zur Osternacht passt, dann diese! Die Geschichte vom Durchzug durch das Meer! Ängstlich beginnt die Geschichte – verwegen endet sie. Es ist die Geschichte eines Aufbruchs! Eines Auszuges! Wir bleiben nicht ängstlich vor dem Meer stehen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus
unserem Herrn.
Die Osternachtfeier beginnt mit dem Entzünden des Lichts. Die 1. Lesung erzählt vom 1. Tag der Schöpfung und der Erschaffung des Lichts. Am 1. Tag der Woche ersteht der Herr vom Tod. Alles wird hell. Die Wächter der Finsternis fallen wie tot zu Boden. Ein neuer Tag, eine neue Zeit begint.
In dieser Nacht tanzen die Texte, die Bilder, die Sehnsüchte – und die Verheißungen! Ein Tanz des Lebens, der Freude – ganz ausgelassen. Und unbeschwert. Wie am ersten Tag! Als alles anfing.
Am 1. Tag der Schöpfung wird das Licht geschaffen. Alles wird hell. Sogar das Tohuwabohu, das Chaos. In diesem Licht grünt und wächst die Schöpfung. Mit jeder Pflanze, jedem Tier, jedem Menschen. Abgeschlossen ist nicht, was Gott angefangen hat. Mit unserer, mit seiner Welt.
Dann hören wir heute von der Prüfung Abrahams. Jetzt ist alles ganz dunkel. Entsetzen pur. Seinen Sohn soll Abraham opfern – mehr: den Träger der Verheißung Gottes. Abraham macht sich tapfer auf den Weg. Isaak stapft neben ihm. Fragend. Wo ist denn das Opfertier? Abraham ist in einer Zwickmühle. Egal, was er macht – es ist verkehrt. Gibt es da einen Ausweg? Einen Weg ins Freie? Wie komme ich mit den vielen Zweifeln zurecht, die mich gelegentlich überfallen wie ein Dämon in der Nacht? Dass Gott selbst die Situation wendet, feiern wir in dieser Nacht.
Und dann ein drittes Beispiel aus dem Reigen der Lesungen in dieser Nacht:
Gott führt sein Volk aus der Gefangenschaft in die Freiheit. Zukunft ist ein anderes Wort für Liebe. Liebe eröffnet, Liebe schenkt Zukunft. Weil Liebe auf uns – zukommt. In seiner Treue begleitet Gott Menschen in ein neues Leben. Phantastisch in den alten Bildern: in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Ich habe den Geschmack auf der Zunge. Leben. Gefülltes Leben. Es gibt keinen Hunger mehr, keinen Mangel – und niemanden, der schlägt. Der knechtet. Der Gewalt ausübt. In diesem Land gibt es auch keine Tränen mehr – sie werden vorher abgewischt. Im letzten Buch der Bibel lesen wir von dem himmlischen Aufstand gegen die kleinen und großen Potentaten dieser Welt, die nicht nur die Welt unter sich aufteilen, die auch jede Hoffnung zunichte machen wollen. Aus Kalkül, aus Rachsucht, aus Gier. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Am 1. Tag der Schöpfung wird das Licht geschaffen. Alles wird hell.
Am 1. Tag wird Jesus von den Toten auferweckt.
Wir gehen in den ersten Tag!
Im Evangelium lesen wir, dass in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria das Grab Jesu aufsuchen. Ob sie Zeugen des Erdbebens sind? Ob sie den Engel des Herrn auf dem weggewälzten Stein sehen? Leuchtend, hell, einem Blitz gleich?
Ostern hat mit Leuchten, mit Aufleuchten zu tun. Die Nacht wird zerrissen. Buchstäblich. Sie hängt in Fetzen herunter. Schlaff, kraftlos, ohne jede Schönheit. Ich weiß: das Bild ist brüchig. Manchmal liebe ich die Nacht, weil sie so still ist, so unheimlich weit und im Mondlicht glänzend. Aber die andere Seite der Nacht sind Einsamkeit, Sorge und Klage. Menschen wälzen sich in ihrem Bett, finden keine Ruhe, fürchten den Morgen. Selbst wenn die Sonne dann aufgegangen ist, geht die Nacht weiter. Sie frisst sich in das Leben, nistet sich ein. Wie vielen Menschen mag das so gehen? Auch in dieser Nacht.
In der Nacht tanzt auch der Tod. Mit seinen vielen Schergen, Helfershelfern und Dummköpfen.
Mit Alpträumen und Trauer.
Schauen wir uns die Wächter an. Sie wurden von Amts wegen bestellt. So klar ist nicht, was sie bewachen sollten. Einen Toten? Ich nehme die Angst der Mächtigen wahr, die auch noch nach dem Tode Jesu – das Leben, sein Leben fürchten. Die das Leben so fürchten, dass sie Wächter bestellen – und bezahlen. Hat Jesus nicht von Auferstehung geredet? Nicht auszudenken, wenn das tatsächlich wahr sein sollte.
Reden wir von den Wächtern, die wir uns heute bestellen – oder bestellen lassen.
Da sollen Kontrollgremien über den Waffenhandel befinden. Aber die Lobbys sind wie Mühlmäuse. Auf edlem Papier wachsen die Aktienkurse. Mit dem Tod lassen sich tolle Geschäfte machen. Wir setzen Statisten in Amt und Würde. Sie sind wie Wächter am Grab, Wächter an einem der vielen Gräber, in denen Menschen namenlos verschwinden. Oder als Flüchtlinge stranden.
In unseren Gesellschaften nehmen wir Hassparolen und Hassreden wahr. Sie schmeicheln sich als vernünftig ein, säen aber Misstrauen und Angst. In der Anonymität der Netze gehen die einen unter, die anderen treten mit Füßen nach anderen. Worte werden zu Totschlägern. Die Netze bergen nicht mehr, sie fangen nicht auf – sie nehmen gefangen. In ihnen tauchen auch viele Wächter auf. Wächter diskutieren nicht. Wächter haben immer Recht. Der Tod braucht viele Wächter.
Wir diskutieren über die Schere zwischen arm und reich. Sie wird wohl immer größer. Statistiken bieten ein reichhaltiges Material. Aber viele Menschen verschwinden in den Zahlen, verlieren ihr Gesicht, verlieren ihre Würde. Am Ende kann keiner dafür. Es ist die Macht des Faktischen, die längst die Herrschaft angetreten hat. Verklausuliert – und gelegentlich überraschend offen. In den Medien, in den Köpfen, wohl auch in den Herzen. Viele Wächter werden bestellt und königlich entlohnt, die Dinge nicht beim Namen zu nennen. Wächter lieben den Schatten ihrer Herren. Sie bauen sich groß auf, um ihrer Erbärmlichkeit zu entkommen. Stimmt es eigentlich, dass immer die Kohle stimmen muss?
Im Evangelium lesen wir, dass die Wächter wie tot zu Boden fallen. Sie konnten weder ihrer Rolle gerecht werden noch das Leben hindern. Deshalb muss es ein Erdbeben geben! Deshalb muss der Stein weg! Deshalb muss der Engel wie ein Blitz leuchten! Wörtlich ist das zu nehmen! Der Tod scheitert. Seine Sicherungssysteme – liegen wie tot am Boden. Jetzt reden wir von Hoffnung! Jetzt hat die Liebe das letzte Wort! Jetzt beugen wir uns nicht mehr!
Künstler haben diese Szene vielfältig, aber immer genial und grandios zu malen verstanden. Die Wächter des Todes schlafen – und Jesus erstrahlt in himmlischem Licht. Es wird hell. Am ersten Tag!
An diesem Morgen tanzen die Texte, die Bilder, die Sehnsüchte – und die Verheißungen. Der Prophet Jesaja tritt zu mir, schaut mich an – und sagt: Komm doch mit in den Reigen! Jetzt höre ich, was er sagt. Hoffnungsvoll, aber bestimmt. Verträumt, aber realistisch:
"Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe."
Frohe Ostern!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus, unserem Herrn.
Die Frauen, die Jesus suchten erlebten Furcht und Schrecken, aber auch Freude, als sie Jesus begegneten. Durch die Taufe sind wir Schwestern und Brüder Jesu und Mit-Auferstandene.
Die Frauen suchen den Toten schon in der Morgendämmerung. Ihr liebendes Herz will den Toten beweinen und das grausame Geschehen miteinander verarbeiten. Sie sind hilflos und ohnmächtig.
„Und, siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben, denn ein Engel kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.“ Die Frauen geraten in eine fürchterliche Angst. Das haben sie nicht erwartet. Gewalt und Macht tut sich auf. Was hat das zu bedeuten? Sie wissen nicht, was die Ereignisse ankündigen.
„Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“ Die Wächter lagen wie tot am Boden. Sie, die einen Toten bewachen sollen, sind wie tot – und der Tote lebt! Welch ein Widerspruch!
Die Frauen sind voll Furcht und großer Freude, sagt die Schrift. Die Ereignisse voller unerwarteter Macht verunsichern sie. Sie fürchten sich, weil alles so anders ist und in einer noch nie erfahrenen Gewalt geschieht. Trotzdem verbreitet der Bote Gottes auch Freude. Vielleicht erinnern sich jetzt die Frauen: Hatte es Jesus nicht vorausgesagt? Sie eilen zu den Jüngern. Und plötzlich kommt Jesus selber: “Seid gegrüßt!“ Sie gingen auf ihn zu und umfassten seine Füße. Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht! Geht zu meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen!“ Jesus nimmt den Frauen die Angst. Er macht Mut. Seine vertraute Stimme erklingt. Er nennt zum ersten Mal die Jünger seine Brüder. „Geht zu meinen Brüdern!“ Wir dürfen sinngemäß sagen „und zu meinen Schwestern“: Durch sein Erlöserleiden hat er uns, seine Schüler, zu den Seinigen gemacht. Wir sind nicht mehr die ungelehrigen Jünger. Wir sind seine Geschwister aus Gnade. Der Vater hat uns in Seine Familie aufgenommen.
Diese unsere Aufnahme in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist im Auferstandenen Jesus ist uns geschenkt in der Taufe. Paulus erklärt das im Römerbrief: Er greift das Bild vom Untertauchen im Wasser auf. Untergetaucht und wie begraben ist unserer sündiger und gottloser Mensch. Aufgetaucht und lebendig gemacht ist unser neuer erlöster Mensch. Wir sind durch unsere Taufe österliche Menschen. Wir sind jetzt innerlich erstanden, ein „neuer Christus“. Paulus sagt: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir!“. Er hat mich zum neuen Leben geboren. Wir sollen „für die Sünde tot sein, für Gott in Christus leben!“ Wir sind eine Neuschöpfung. Das erfahren wir, wenn wir lieben, wie Jesus geliebt hat. Diese Liebe entspringt dem österlichen Geist und macht uns jetzt schon zu Mit-Auferstandenen. Singen wir heute dazu unser Oster-Halleluja!
Von einem Mitbruder wird erzählt, dass er sich beim Predigen krampfhaft am Rednerpult, bzw. an der Kanzel festhielt und nie auch nur eine kleine Geste wagte. Ein Kollege wollte ihn ermutigen, seine Rede sowohl im Tonfall wie auch körpersprachlich etwas lebendiger werden zu lassen. Bei der Osterpredigt sei es ihm gelungen, ab und zu den linken oder den rechten Daumen zu bewegen und beim Satz "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!" habe er sogar beide Mittelfinger hochgehalten...
Nicht jeder liebt es theatralisch. - Ganz anders der Evangelist Matthäus. Er schildert die Auferstehung Jesu, wie sie vielleicht ein Hollywood-Regisseur inszeniert hätte. Die übrigen drei Evangelisten erzählen jedenfalls nicht vom Erdbeben, nichts von den Wächtern und auch die Engel verhalten sich bei ihnen viel dezenter.
Ein wenig kann ich die Not des biblischen Schriftstellers nachfühlen. Man kann doch nicht ein so großes Ereignis, das unsere Lebenswirklichkeit schlagartig so grundlegend verändert, sang- und klanglos über die Bühne gehen lassen. Die Stilelemente, die der Evangelist einsetzt, sind nicht an den Haaren herbeigezogen. Von alters her sind sie das Beiwerk einer Gotteserscheinung. Wenn Gott selbst eingreift, wenn Gott selbst tätig wird, dann erschüttert das nach diesen Vorstellungen die ganze Erde. Sie bebt, Blitz und Donner u. a. m. lassen den Menschen erzittern.
Dem Evangelisten Matthäus geht es dabei weniger um einen historischen Tatsachenbericht, wie wir es von einer modernen Nachrichtenagentur gewohnt sind. Er will mit Nachdruck darauf aufmerksam machen, was da Unvorstellbares geschehen ist.
Der Glaube, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, und die Hoffnung, dass er auch uns nicht im Tod verkommen lässt, stellt wahrlich das ganze Leben unter ein neues Vorzeichen.
Der Tod bleibt zwar Tod, Krankheit bleibt Krankheit, Hass bleibt Hass und Unrecht bleibt Unrecht. Das Leiden daran bleibt auch Leiden, es fühlt sich aber anders an. Wer so auf Gott vertraut wie Jesus und wer so wie Jesus glauben kann, dass Gott auch ihn nicht dem Untergang überlässt, für den haben all diese Negativa den letzten Schrecken verloren. "Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?" (1 Kor 15,55), bringt dies der Apostel Paulus auf eine bündige Formuierung.
In diesem Sinne es gut, dass der Evangelist uns auf diese dramatische Wende aufmerksam macht, auch wenn Erdbeben, Blitz und Donner nicht mehr die Mittel unserer Wahl sind. Der Weg zum Glauben an die Auferstehung verläuft aber viel weniger spektakulär. Matthäus versäumt nicht, uns diesen Weg auch zu zeigen. Der auferstandene Christus schickt seine Jünger zurück in das Leben, aus dem heraus sie aufgebrochen und ihm nachgefolgt sind. Er lässt ihnen durch die beiden Frauen ausrichten, sie sollten zurück nach Galiläa gehen, dort würden sie ihm begegnen.
Wo Menschen nach den Worten und nach dem Beispiel des Jesus von Nazareth zu leben beginnen, dort begegnen sie dem liebenden und treuen Gott, der Jesus aus dem Tod gerettet hat. Das Leben in der Geborgenheit eines liebenden und väterlichen Gottes war für Jesus Alltagsrealität. Dieses begann für ihn nicht erst nach seinem Tod. Die Macht und die Größe Gottes begegnete ihm in seinem Alltag. Weil er in einer so ungewöhnlichen Gottesbeziehung lebte, sind um ihn herum die Menschen heil und ganz geworden. Lahme sind aufgestanden und gesund heimgegangen, Blinden sind die Augen aufgegangen, Menschen haben sich miteinander, mit Gott und mit sich selbst versöhnt und so ein neues Leben begonnen.
An die Auferstehung glauben heißt, mit dem Wissen um die Geborgenheit des liebenden Gottes durchs Leben zu gehen. Er ist die Basis unseres Auferstehungsglaubens. Dank Jesus leben wir in dieser neuen Realität. Das ewige Leben, nach dem wir uns im Innersten sehnen, hat bereits begonnen.
Ostern erinnert uns an die Taufe. In der Taufe hat für uns die neue Wirklichkeit des ewigen Lebens begonnen. Auch das Leben in diesem neuen Bewusstsein ist nicht spektakulär. Es zeigt sich vor allem in einer positiven Grundstimmung unseres Lebens.
Wichtig scheint mir, dass diese positive Grundstimmung tief genug in uns verwurzelt ist. Es genügt nicht, dass wir sie einmal im Jahr mit Pauken und Trompeten inszenieren und feierlich zu Schau tragen. Entscheidend ist, dass wir uns von diesem Wissen verwandeln und in unseren Handlungen und Gedanken diese neue Wirklichkeit durchscheinen lassen.
Wir werden Christen in Japan in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie würden Menschen in Lybien, wenn Sie denn Christen wären, in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie würden Menschen in Afghanistan, wenn Sie den Christen wären, in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie können Menschen in Japan, ganz besonders um das Atomkraftwerk Fukushima herum überhaupt noch leben angesichts der Zerstörung und der täglichen Bedrohung, dessen Ende nach menschlichem Ermessen unabsehbar ist?
Wie können Menschen in Lybien angesichts des Krieges im eigenen Land noch leben, wo ihre Nachbarn, Freunde und Familien täglich um Leib und Leben bangen müssen?
Wie wollen Menschen in Afghanistan, angesichts einer so langen Zeit, in der sie mit der täglichen Bedrohung und der täglichen Sorge um genügend Essen leben müssen, überhaupt noch wieder eine Perspektive für ein friedliches Zusammenleben entwickeln?
Was Jahre lang eine Nachricht aus fernen Ländern war, so spüre ich es zumindest, wird auf einmal etwas, was mich angeht, was mich nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen lässt. Und ich spreche hier nur von einigen großen Nachrichten, viele bleiben ungenannt, ebenso wie unsere persönlichen Bedrohungen.
Wie feiern wir als Menschen und Christen hier in Rheine in diesem Jahr Ostern wenn wir all das wahrnehmen und an uns heranlassen.
Können wir Ostern feiern angesichts des Leids der Menschen in Japan, in Lybien und Afghanistan und an vielen anderen großen und kleinen Orten unserer Welt?
Ist Ostern nicht das Versprechen Gottes, das das Leben den Tod besiegt hat? Gilt das hier uns jetzt, für uns und für die Menschen in Japan und anderswo?
Mir geht es angesichts des Leids und der Not in der Welt, aber auch der eigenen Sorge um die Zukunft so, dass ich eine große Angst und Dunkelheit spüre. Kann das alles noch gut ausgehen? Hier möchte ich meine und die Verantwortung von Menschen insgesamt sehen. Ich könnte mehr tun für eine bessere und gerechtere Welt und doch bleibt auch der Teil, den wir nicht beeinflussen können. Ein Erdbeben ist nicht von Menschen gemacht, wohl aber das Atomkraftwerk, das ein einer solchen Stelle steht.
Wie können wir Ostern feiern? Das Licht der Osterkerze brennt nicht. Kann sie, darf sie brennen heute, hier und jetzt für uns und zum Zeichen des Lebens?
Ein chinesisches Sprichwort lautet: Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen. Oder vielleicht auch eine einfachere deutsche Variante: Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Christus, gestern und heute (senkrechter Balken)
Anfang und Ende (Querbalken)
Alpha (über dem Kreuz)
Omega (unter dem Kreuz)
Sein ist die Zeit (1. Ziffer)
und die Ewigkeit (2. Ziffer)
Sein ist die Macht und Herrlichkeit (3. Ziffer)
in alle Ewigkeit Amen. (4. Ziffer)
Durch seine heiligen Wunden,
die leuchten in Herrlichkeit,
behüte uns und bewahre uns
Christus, der Herr. Amen
Lasset uns beten.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast durch Christus allen,
die an dich glauben,
dass Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne diese Osterkerze
und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir,
dem unvergänglichen Licht,
damit wir mit reinem Herzen
zum ewigen Osterfest gelangen.
Darum bitten wir durch Christus,
unserem Bruder und Freund. Amen.
In dem dieses kleine, teilweise unscheinbare, auch verletzliche Licht hier brennt, sind wir damit in allem, was uns angeht, mit unseren Dunkelheiten und unserer Sehnsucht nach Licht mit hineingenommen in die Verletzlichkeit und Dunkelheit unserer Welt, aber ihr nicht aussichtslos ausgeliefert.
Der Keim der Hoffnung, der nicht ganz erstickt, die kleine Flamme, die dennoch brennt, den nächsten Schritt, den wir trotz allem wagen, ist vielleicht in unserer Welt, ganz sicher aber für uns selber von größerer Bedeutung als so manche gewaltige Aktion.
Als Menschen und als Christen bleiben wir verletzlich, angestoßen und ausgeliefert, aber wir können Ostern feiern in Japan, in Lybien und hier, weil Jesus all unsere Erfahrung mit in seine Gottheit aufgenommen hat und zu einer wirklichen Vollendung führt.
Lied: Gl. 928 1-3 Alleluja Lasst uns singen
Es waren schon einmal bessere Zeiten. Für die Botschaft von Ostern. Oder besser gesagt, für die Kirche, die diese Botschaft mit allem Freimut und aller Treue verkünden soll. Wir wissen um die gegenwärtige Not vor Ort, wo Seelsorger fehlen, wo Gemeinden zusammengelegt werden müssen, wo Kinder und Jugendliche aus dem Alltag der Kirche immer mehr verschwinden,... wo viele Christen die Kirche mit ihrem "Austritt" verlassen, ... oder aber wo eine "Gottvergessenheit" - vielleicht weniger eine "Religionsvergessenheit" - Einzug in den Alltag hält...
Wir wissen auch um Vorwürfe gegen einzelne Seelsorger und Seelsorgerinnen... Es waren schon einmal bessere, aber wohl auch schlechtere Zeiten - für die Botschaft von Ostern. Denken wir nur an die Verfolgungszeiten der ersten Jahrhunderte, oder an blutige Christenhetzte bis in unser Jahrhundert. Wie oft war und ist es gefährlich Ostern zu feiern...
Das derzeitige Image der Kirche, die schlechten Meldungen, dies alles betrifft viele von uns hier, die wir feiern wollen, die wir uns vom Auferstandenen "treffen" lassen wollen, die wir in unserem Zeugnis bestärkt werden wollen: Laien, Frauen und Männer in der caritativen oder pastoralen Mitarbeit, Seelsorger und Seelsorgerinnen. Viele von uns leiden an diesem Zustand, auch in diesen Tagen von Ostern.
Zugleich begegnen uns gerade in diesen Tagen von Ostern viele Menschen in unseren Gottesdiensten, die nur von Zeit zu Zeit, vielleicht an den hohen "Festtagen", unter uns sind. Es ist schön, dass Sie heute hier und unter uns sind. Auch Sie gehören wesentlich zu uns!
Wenn wir heute diese Liturgie der Osternacht feiern, so dürfen wir uns alle hier zuerst ganz einfach "erfassen" lassen von den Texten, den Liedern, den Zeichen (Licht, Wasser...) und vor allem vom frohen Halleluja! Es ist nicht bloß ein Gedächtnis eines Ereignisses vor langer Zeit, das wir heute begehen. Es betrifft uns Menschen heute, ganz gleich wo wir leben, wie weit wir im Glauben feststehen, wie alt oder jung wird sind.
Papst Benedikt XVI. hat in seinem neuesten Jesusbuch auch Bezug genommen zum Glauben von Ostern, dem Glauben an die Auferstehung von Jesus von Nazareth. Er stellt dabei einmal mehr fest: "Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Wenn das nicht so wäre, hätte das Christentum wohl einige Ideen, von bemerkenswerten Vorstellungen über das Sein und das Sollen formuliert, wäre also eine religiöse Weltanschauung und Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die uns vielleicht zum Nachdenken einladen könnte". Aber: es wäre alles dies kein Maßstab für die Fragen nach dem 'woher' und 'wohin' und 'wozu'.
"Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert", so der Papst. "Nur wenn Christus auferstanden ist, haben wir einen Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt". Das ist auch der zentrale Punkt unseres heutigen Festes. Wir feiern und bekennen die Auferstehung von Jesus Christus, der damit die Welt- und Menschheitsgeschichte verändert hat.
Manchmal denke ich mir, es ist wohl mehr als ein Wunder, dass die Kirche, die Kirchen, durch all die Jahrhunderte dieses Geheimnis weiterzutragen vermochten, trotz und neben all dem oft viel zu mangelhaften "Bodenpersonal".
Heute feiern wir Ostern - die Auferstehung von Jesus Christus. Auferstanden in eine neue Dimension, welches wir in seinem großen Geheimnis nur erahnen können. Dieser Auferstandene ist der von Gott endgültig selig "Aufgenommene", dessen "Geschichte nicht verwest ist in der leeren Nichtigkeit der Vergangenheit, sondern ihr Ende in der Vollendung hat" (Karl Rahner). Auferstehung ist dann auch ein Zeichen und Hinweis auf unser mögliches Ziel als Einzelne und als Volk Gottes.
Heute dürfen wir uns als Beschenkte fühlen. Wir dürfen dafür danken, dass wir in diese große Gemeinschaft der Christen gestellt sind. Wir dürfen dafür danken, dass wir in einer großen Weltgemeinschaft von Milliarden Getaufter - in seiner Kirche - unterwegs sind. Wir dürfen dafür danken und erahnen, dass die Botschaft von Jesus Christus auch mich ganz persönlich meint und betrifft: mein Leben, meine Hoffnungen, meine Zweifel, meine Sorgen und meine Ängste - die bis in das Sterben hinein gehen.
Nehmen wir heute ganz bewusst ein Zeichen dieses Festes mit nach Hause. In Form einer Kerze, in einem anderen Zeichen, in Eiern, Osterschinken, Osterbrot (in Speisen, welche an diesem Abend gesegnet werden) oder einfach als inneres Licht! Es waren schon einmal bessere Zeiten, aber auch schon viel schlimmere.
Ostern und die Botschaft der Auferstehung soll uns - trotz und neben allem - ermutigen und mit Freude erfüllen. Wenn der Herr mit uns ist, wer kann uns letztlich wirklich bezwingen? Wenn der Herr mit uns ist, wird er auch seine Kirche immer wieder erneuern; wer könnte dies je verhindern?
Auch wenn immer auch Fragen offen bleiben, so dürfen wir heute in aller Freude und mit Freimut sagen: Der Herr ist auferstanden. Er ist wirklich auferstanden!
Die Liturgie, besonders in der Heiligen Woche, der Karwoche, weist eine Symbolik auf, die uns alle berührt und uns in großer Dichte die Existenz unseres Lebens und unserer Lebenswege vor Augen führt und auch durch viele Schriftlesungen zu Gehör bringt.
In der Segnung des Feuers und der Osterkerze werden Wesensmerkmale unserer Existenz angesprochen: Licht, Dunkelheit, Zeit, aber auch die Wundmale bzw. Verwundungen und Niederlagen, die niemand wegleugnen kann.
In dieser Nacht der vielen Erzählungen, der Dunkelheit und des Lichts, der vielen Wege, die auch Umwege, vielleicht gar nicht so selten auch Irrwege sein können, erfahren wir einen gemeinsamen Durchzug durch die Geschichte Israels und damit auch den schwierigen Weg unseres Christseins. Aber nicht genug damit! Die vielen Stationen können auch eine Widerspiegelung unseres Lebens sein. Manche davon sind vielleicht nicht unsere persönlichen, aber doch die von vielen Frauen und Männern. Durch diese biblischen Erfahrungstexte zieht sich wie ein roter Faden Gottes Sehnsucht, dass wir Menschen ihn unter uns wohnen lassen und unser Leben nach seiner Sehnsucht gestalten.
Der Exodus-Text zeigt, dass Gott punktgenau führt. Wir erkennen allerdings viel erst davon im Nachhinein, im Rückblick. Gott hat die Israeliten vor dem Tod errettet. Aber wie geschieht das? Die einen durften leben auf Kosten anderer. In diesem Fall sind es die Ägypter, die mit Ross und Wagen ertranken. Das wirft manche schwerwiegende unbeantwortbare Frage auf: nach dem Gottesbild, nach der Vernichtung unschuldigen Menschenlebens. Für uns alles unverständlich! Sogar am höchsten Fest des Lebens kommt der Tod herein. Der liturgische Festkreis, ja auch der Alltag selbst, lehren, dass Tod und Leben sehr nahe beieinander sind.
Der Glaubensformel des Zweiten (=Neuen Testaments) "Gott, der Jesus von den Toten erweckt hat" steht der Satz des Ersten (=Alten Testaments) gegenüber "Gott, der dich aus Ägypten geführt hat." - Heute ist auch dort Ägypten, wo es Ausbeutung der Arbeitskraft gibt, wo Profite nicht hoch genug sein können und viele ihre Arbeitsplätze verlieren. Ägypten ist dort, wo Menschen Schmach und Beleidigungen ausgesetzt sind, wo ihre Menschenwürde nicht ernst genommen wird, wo sie sich in ihren Beziehungen, in ihrer Arbeitswelt eingeengt fühlen, wo sie unmündig gemacht werden, das heißt, all ihren Schmerz, ihre Trauer nicht artikulieren können und dürfen, wo die Sklaverei auch heute in neuer Form das Sagen hat. Es bleibt uns aber auch nicht erspart, die sicheren Fleischtöpfe zu verlassen und wegzuziehen, eine neue Existenz aufzubauen. Das war damals nicht leicht und ist heute genauso schwierig im Zeitalter der Flexibilität und Dynamik, wo der Mensch nicht zur Ruhe kommt und auch nur schwer Geborgenheit und Sicherheit findet.
Unsere Verwundungen und Wundmale, die wir dabei hinzunehmen haben, die wir aber auch anderen bewusst oder unbewusst schlagen, sind auch die Wundmale des Herrn, die in der Osterkerze in kreuzförmiger Gestalt dargestellt sind. In der Osterkerze ist auch die Jahreszahl eingeprägt, aber nicht alles findet hier auf Zeit Heilung oder Linderung der Schmerzen, der Angst, aber vielleicht wird einiges, was uns plagt, leichter erträglich. Jesus lädt uns ein, der Macht des Bösen, der Macht des Todes Hoffnung entgegenzusetzen.
Es ist jene Hoffnung, die durch die Errettung aus Ägypten und durch die Auferstehung Jesu zur Realität geworden ist.
Christus sagt von sich, dass er Weg, Wahrheit, Licht und Leben ist. In der Taufe erhält der Getaufte seine Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird als Zeichen dafür, dass Christen Lichtträger sind, die durch die Geheimnisse der Osternacht auch Wärme geben können.
Christen sind eingeladen, sich zu "verbrennen", indem sie Licht und Wärme für sich selbst und andere sind. Weil wir aber diesen Anforderungen kaum gerecht werden, sendet er uns seinen Geist: "Ich …lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch." (Ez. 36,26). Auch die pfingstlichen Gnadengaben dürfen wir schon jetzt in der Osternacht empfangen.
Ostern 2008. - Ich wünsche uns allen, dass sich der österlich-pfingstliche Geist in unseren Familien, Gemeinden, Dörfern und Städten, besonders auch in den Kirchen sichtbar macht, dass wir alle Mut haben, aufzustehen - also den Aufstand zu wagen gegen alles Einengende, Ängstliche und Krankmachende.
Diese Nacht ist anders. Sie beginnt nicht mit fertigen Antworten. Sie beginnt im Dunkel. Im kalten, tastenden, ehrlichen Dunkel. Denn genau da fängt Ostern an: nicht im vollen Licht, nicht im sicheren Wissen, nicht im bequemen Glauben, sondern mitten in der Nacht.
Wir bringen in diese Nacht alles mit: die Last der letzten Monate, das, was uns bedrückt, die Fragen, die offen geblieben sind, die Namen der Vermissten, die Sorgen um diese Welt, die Müdigkeit des Herzens, die Wunden der Kirche, die Unsicherheit vieler Menschen, und auch die ganz persönliche Sehnsucht: Bitte, Gott, mach doch neu, was müde, verwundet und fast tot ist.
Und genau hinein spricht Ostern: Das Grab ist nicht das Letzte. Die Nacht ist nicht das Letzte. Die Angst ist nicht das Letzte. Die Liebe steht auf. Heute wird kein billiger Optimismus gefeiert. Heute feiern wir das Wunder, dass Gott Leben schafft, wo niemand mehr damit rechnet. Dass Hoffnung wächst, wo alles danach aussieht, als sei Schluss. Dass Christus lebt. Und dass seine Liebe stärker ist als Stein, Grab und Tod.
Darum haben wir das Osterfeuer entzündet. Darum tragen wir das Licht in die Kirche. Darum hören wir diese Nacht wie eine einzige große Zusage: Die Liebe steht auf.
Lasset uns beten.
Gott, du bist kein Gott der Finsternis, sondern des Lebens.
Segne dieses Feuer, das die Nacht erhellt.
Segne dieses Licht, das unsere Hoffnung weckt.
Segne diese Feier, in der wir neu hören, dass Christus lebt.
Lass in uns aufstehen, was niedergedrückt ist:
die Freude, das Vertrauen, der Mut, die Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, das Licht der Welt. - Amen.
Zur Osterkerze:
Christus gestern und heute,
Anfang und Ende,
Alpha und Omega,
Sein ist die Zeit
und die Ewigkeit.
Sein ist die Macht und die Herrlichkeit
in alle Ewigkeit. - Amen.
Christus, das Licht. - Dank sei Gott.
Sehen Sie sich um! Vor wenigen Minuten war alles dunkel, jetzt wird das Licht weitergereicht. Eine Kerze zündet die nächste an. Und plötzlich ist da Helligkeit.
So beginnt Ostern. Nicht mit Lärm. Sondern mit einem Licht, das weitergegeben wird.
So arbeitet Gott: still, beharrlich, Leben weckend.
Ein Licht genügt, um der Nacht zu widersprechen.
Ein Mensch genügt, um Hoffnung weiterzutragen.
Ein auferstandener Christus genügt, um die Geschichte der Welt zu verändern.
Es können drei bis fünf Lesungen gewählt werden, damit die Feier nicht zu lang und dennoch dicht bleibt. Empfohlene Auswahl:
Genesis 1,1-2,2 - Gott schafft Leben
Exodus 14,15-15,1 - Gott führt in die Freiheit
Ezechiel 36,16-17a.18-28 - Gott schenkt ein neues Herz
Römer 6,3-11 - Mit Christus zum neuen Leben
In dieser Nacht hören wir nicht einfach alte Texte. Wir hören unsere eigene Geschichte.
Die Geschichte vom Chaos und von der Schöpfung.
Die Geschichte von Knechtschaft und Befreiung.
Die Geschichte von versteinerten Herzen und neuem Geist.
Die Geschichte von Tod und Leben.
Ostern fällt nicht vom Himmel wie ein nettes Frühlingsgefühl. Ostern wächst durch die Geschichte Gottes mit den Menschen:
Durch Nacht,
durch Wasser,
durch Wüste,
durch Tränen,
durch Hoffnung
und am Ende durch ein leeres Grab.
Ostern ist nicht etwas, das wir nur anschauen. Ostern will in uns hinein. Darum erinnern wir uns jetzt an unsere Taufe, an das Wasser, an das neue Leben, an die Zusage Gottes: Du gehörst zum Leben, nicht zum Tod. Du gehörst zur Hoffnung, nicht zur Verzweiflung. Du gehörst zu Christus.
Lasset uns beten.
Gott,
du Quelle des Lebens,
seit Anbeginn schwebte dein Geist über den Wassern.
Du hast dein Volk durch das Meer in die Freiheit geführt.
Im Jordan wurde Jesus getauft.
Und aus seiner geöffneten Seite flossen Blut und Wasser
als Zeichen neuen Lebens.
Segne dieses Wasser.
Es erinnere uns an unsere Taufe.
Es stärke in uns, was müde geworden ist.
Es reinige,
es erfrische,
es erneuere.
Lass in dieser Osternacht neu aufstehen, was du in uns begonnen hast.
Darum bitten wir durch Christus, den Auferstandenen. - Amen.
Wir haben die Osternachtfeier mit der Segnung des Feuers und der Osterkerze, mit dem Einzug der Osterkerze und dem feierlichen Exsultet eröffnet. Von alters her haben die Christen diese heilige Nacht singend und betend durchwacht.
Dabei riefen sie in Erinnerung, wie Gott der Herr sich in der Geschichte seines Volkes als Gott des Lebens erwiesen hat. Immer wieder hat er sich der Not seines Volkes erbarmt und ihm neue Lebensmöglichkeiten eröffnet.
In den nun folgenden Lesungen hören wir von der Erschaffung der Welt, (1. Lesung);
[vom Gehorsam des Abraham, der bereit ist, seinen Sohn zu opfern, (2. Lesung);]
von der wunderbaren Errettung des Volkes Israel aus der Hand der Ägypter, (3. Lesung);
und von den Verheißungen, die Gott seinem Volk durch die Propheten zusichert.
Viele dieser Worte erhalten durch den Tod und durch die Auferstehung Jesu eine neue Sinntiefe. Durch die Taufe sind auch wir mit dem Leib Christi verbunden, haben wir teil am neuen Bund Gottes mit seinem Volk und an den Hoffnungen der Christen, die sich daran knüpfen. Davon hören wir in den neutestamentlichen Lesungen.
In der Osternacht empfangen von alters her die Taufbewerber das Sakrament der Taufe. Durch die Taufe erhalten sie Anteil an der Fülle des ewigen Lebens, das Christus uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erschlossen hat.
Für alle Getauften ist die Anlass, für das Geschenk der Gotteskindschaft zu danken und das Taufversprechen zu erneuern.
Die nun folgende Tauffeier beginnt mit der Anrufung aller Heiligen. Durch die Taufe sind wir von Gott geheiligt und in die Schar der Heiligen berufen worden.
Als letzter Abschnitt der Osternachtliturgie folgt nun die Eucharistiefeier. Dankbar gedenken wir des Todes und der Auferstehung Jesu. Im heiligen Mahl erhalten wir Anteil an seinem Leib und dem Blut, das er für uns vergossen hat. Christus nimmt uns mit hinein in seine innige Verbundenheit mit dem Vater und in sein ewiges Leben.
Von der Dunkelheit des Lebens und des Sterbens sind wir noch umfangen und erwarten doch auch das Licht der Welt. Es ist die Nacht, in der das Kreuz, der Tod, das Leiden überwunden ist, in der das neue und ewige Leben von Gott in unserer Welt Einzug hält: Der Stein ist weg. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast durch Christus allen, die an dich glauben,
das Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne dieses neue Feuer,
das die Nacht erhellt
und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir,
dem unvergänglichen Licht,
damit wir mit reinem Herzen zum ewigen Osterfest gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
(aus dem MB)
Jesus Christus ist für uns Wärme, Licht und Leben.
Zeichen dafür ist die Osterkerze, die wir nun entzünden:
Guter Gott,
Gott der Liebe, Gott des Lebens.
Voll Vertrauen auf Dein unvergängliches Licht
zünden wir diese Kerze an.
Das Licht sei uns ein Zeichen des Vertrauens,
der Liebe und der Hoffnung,
in Stunden der Freude und in Stunden des Leides.
Wir zünden diese Kerze an, weil wir wissen:
Dein Sohn Jesus Christus ist bei uns
und bleibt bei uns alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus.
Lass sein Licht über uns und alle Menschen leuchten.
Das Licht Christi aber gehe in unseren Herzen auf
und erstrahle in der ganzen Welt. Amen.
Diese österliche Freude lasst uns weiterreichen von Hand zu Hand,
von Licht zu Licht.
Wir wollen uns alle erfassen lassen von diesem einen Licht
und uns vereinen im Licht des österlichen Lebens,
das in dieser Nacht den ganzen Erdkreis umspannt.
Nach der Lichtfeier hören wir in den Lesungen des ersten und zweiten Testamentes den Grund unserer Osterfreude, die Heilsgeschichte vom Anfang der Welt bis hin zur Auferstehung Jesu Christi: Gott erweist sich als der, der Leben schafft und Leben will, der den Menschen immer wieder von allem Schweren befreit. Wir hören, wie die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen seine Fortsetzung findet und in dieser Nacht auch in unseren Herzen weitergeschrieben werden will.
Der dritte Teil der Osternachtliturgie ist die Tauffeier, in der wir unsere Gotteskindschaft durch die Taufe erneuern. Am Anfang der Weihe des Wassers wird die Allerheiligenlitanei gesungen: Die heiligen Männer und Frauen sind Zeichen dafür, dass für uns alle das Ziel des ewigen Lebens erreichbar ist. So sind sie uns Vorbilder, wie wir unser Leben auf dieses Ziel hin gestalten sollen.
Allerheiligenlitanei
Gebet nach der 1. Lesung (Gen 1,1 - 2,2):
Allmächtiger Gott,
du bist wunderbar in allem, was du tust.
Lass deine Erlösten erkennen,
dass deine Schöpfung groß ist,
doch größer noch das Werk der Erlösung,
die du uns in der Fülle der Zeit geschenkt hast
durch den Tod des Osterlammes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder (wenn die Kurzfassung gelesen wurde):
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer erlöst.
Hilf uns, den Verlockungen der Sünde
durch die Kraft des Geistes zu widerstehen,
damit wir zu den ewigen Freuden gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 2. Lesung (Gen 22, 1-18):
Gott, du Vater aller Gläubigen,
durch deine Gnade
mehrst du auf dem ganzen Erdenrund
die Kinder deiner Verheißung.
Durch das österliche Sakrament der Taufe
erfüllst du den Eid,
den du Abraham geschworen hast,
und machst ihn zum Vater aller Völker.
Gib allen, die du zu deinem Volk berufen hast,
die Gnade, diesem Ruf zu folgen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 3. Lesung (Ex 14,15 - 15,1):
Gott,
deine uralten Wunder
leuchten noch in unseren Tagen.
Was einst dein mächtiger Arm
an einem Volk getan hat,
das tust du jetzt an allen Völkern:
Einst hast du Israel
aus der Knechtschaft des Pharao befreit
und durch die Fluten des Roten Meeres geführt;
nun aber führst du alle Völker
durch das Wasser der Taufe zur Freiheit.
Gib, dass alle Menschen Kinder Abrahams werden
und zur Würde des auserwählten Volkes gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder:
Herr, unser Gott,
du hast uns durch das Licht des Neuen Bundes
den Sinn der Wunder erschlossen,
die du im Alten Bund gewirkt hast:
Das Rote Meer ist ein Bild für das Wasser der Taufe;
das befreite Volk Israel deutet hin
auf das heilige Volk des Neuen Bundes.
Gib, dass alle Menschen durch den Glauben
an der Würde Israels teilhaben
und im Heiligen Geist
die Gnade der Wiedergeburt empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 4. Lesung (Jes 54,5-14):
Allmächtiger, ewiger Gott,
verherrliche deinen Namen.
Gewähre, was du den Vätern
um ihres Glaubens willen versprochen hast,
und mehre durch die Taufe die Zahl deiner Kinder.
Lass deine Kirche erfahren, dass sich erfüllt,
was die Heiligen des Alten Bundes gläubig erhofft haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 5. Lesung (Jes 55,1-11):
Allmächtiger, ewiger Gott,
du einzige Hoffnung der Welt,
durch die Propheten hast du die Heilsereignisse angekündigt,
die sich in unseren Tagen erfüllen.
Erwecke du selbst in uns das Verlangen,
dir immer treuer zu dienen;
denn niemand macht Fortschritte im Guten,
wenn ihn nicht deine Gnade führt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 6. Lesung (Bar 3,9-15.32 - 4,4):
Gott, unser Vater,
du mehrst die Zahl deiner Kinder
und rufst aus allen Völkern
Menschen in deine Kirche.
Beschütze gütig die Täuflinge,
damit sie den Quell der Weisheit niemals verlassen
und auf deinen Wegen gehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 7. Lesung (Ez 36,16-17a.18-28):
Gott,
du unwandelbare Kraft, du ewiges Licht,
schau gütig auf deine Kirche
und wirke durch sie das Heil der Menschen.
So erfahre die Welt,
was du von Ewigkeit her bestimmt hast:
Was alt ist, wird neu,
was dunkel ist, wird licht,
was tot war, steht auf zum Leben,
und alles wird wieder heil in dem,
der der Ursprung von allem ist,
in unserem Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder:
Herr, unser Gott,
durch die Schriften des Alten und des Neuen Bundes
führst du uns ein
in das Geheimnis dieser heiligen Nacht.
Öffne unsere Augen für das Werk deines Erbarmens
und schenk uns durch die Gnade dieser Osternacht
die feste Zuversicht, dass auch unser Leben
in deiner Herrlichkeit vollendet wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder (wenn eine Taufe folgt):
Sei uns nahe, allmächtiger Gott,
und wirke in den Sakramenten,
die uns deine Liebe schenkt:
Sende den Geist aus,
der uns zu deinen Kindern macht,
den Geist, durch den dir aus dem Wasser der Taufe
ein neues Volk geboren wird.
Was wir unter heiligen Zeichen vollziehen,
das vollende du mit deiner Kraft.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Nach dem Gebet zur letzten Lesung aus dem Alten Testament:
Lasset uns beten.
Gott, du hast diese Nacht hell gemacht
durch den Glanz der Auferstehung unseres Herrn.
Erwecke in deiner Kirche den Geist der Kindschaft,
den du uns durch die Taufe geschenkt hast,
damit wir neu werden an Leib und Seele
und dir mit aufrichtigem Herzen dienen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Osternacht
Gott des Lebens,
in dieser heiligen Nacht hast du das Dunkel durchbrochen
und in der Auferstehung deines Sohnes der Welt neues Leben geschenkt.
Nimm von uns, was schwer und dunkel ist.
Richte auf, was am Boden liegt.
Erwecke in uns die Freude des Glaubens
und die Kraft der Liebe.
Lass diese Nacht Spuren hinterlassen
in unseren Herzen,
in unserer Gemeinde,
in deiner Kirche
und in dieser verwundeten Welt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
den Auferstandenen, der mit dir lebt und wirkt in Ewigkeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du bist auferstanden und hast der Welt neues Leben geschenkt.
Darum bringen wir in dieser heiligen Nacht unsere Bitten vor dich:
Für die Kirche:
Dass sie aus der Auferstehung lebt und nicht aus Angst, dass sie glaubwürdig wird durch Liebe, Wahrheit und Hoffnung, und dass sie den Menschen dient, statt sich um sich selbst zu drehen.
Christus, höre uns! - Christus, erhöre uns!
Für die Menschen in Kriegsgebieten:
Für die Menschen in der Ukraine, im Heiligen Land, im Sudan und überall dort, wo Gewalt das Leben zerstört.
Lass Frieden wachsen, wo Hass regiert, und Zukunft, wo alles verbrannt scheint.
Für alle, die Verantwortung tragen:
Für Politikerinnen und Politiker, für Verantwortliche in Gesellschaft, Bildung und Wirtschaft.
Schenke ihnen Mut zur Gerechtigkeit, einen klaren Blick für die Würde des Menschen und ein waches Gewissen.
Für alle, die an einem Grab stehen:
Für Trauernde, für Menschen mit zerbrochenem Herzen, für alle, die einen lieben Menschen vermissen.
Lass dein österliches Licht in ihre Dunkelheit hineinleuchten.
Für die Jugendlichen und Kinder:
Für alle jungen Menschen, die Orientierung suchen, die sich nach echter Hoffnung sehnen und ihren Platz im Leben finden wollen.
Zeige ihnen Wege des Lebens und schenke Menschen, die sie stärken.
Für alle, die innerlich erschöpft sind:
Für Menschen, die nicht mehr können, die unter Druck stehen, die von Sorgen, Krankheit oder Einsamkeit niedergedrückt sind.
Richte sie auf und lass sie neue Kraft finden.
Für unsere Gemeinde:
Dass Ostern mehr wird als ein schönes Fest, dass in uns wirklich etwas neu beginnt, dass wir Menschen der Hoffnung werden, der Versöhnung, der Freundlichkeit und der Liebe.
Für unsere Verstorbenen:
Für alle, die mit der Hoffnung auf dich gestorben sind.
Schenke ihnen Anteil an deinem österlichen Leben in Fülle.
Herr Jesus Christus,
du bist der Lebendige, du gehst mit uns in die Zukunft.
Dir sei Lob und Dank heute und in Ewigkeit. - Amen.
Jesus, der Gekreuzigte, ist auferstanden, wie er vorhergesagt hat. Durch seine Auferstehung hat Gott die Übermacht des Todes überwunden. Zu ihm, der mächtiger ist als alle zerstörerischen Kräfte, die uns bedrohen, beten wir:
Für die Menschen, die sich in Israel und in Palästina gegenüberstehen und gegenseitig bekämpfen.
Zeige ihnen, dass Gewalt nicht Frieden schaffen kann und nur Versöhnung in eine gute gemeinsame Zukunft führt.
Für die Menschen, die in der Ukraine ihre Freiheit und Eigenständigkeit mit Einsatz ihres Lebens verteidigen, und für alle, die sich gegenseitig immer weiter in diesen Krieg hineintreiben.
Lass sie Auswege aus der Spirale des Mordens und der Gewaltanwendung suchen und Möglichkeiten eines friedlichen Miteinanders finden.
Für alle Frauen, Kinder und Jugendlichen, denen das Recht auf Bildung und freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit verwehrt wird.
Befreie sie aus ungerechten politischen und religiösen Zwängen.
Für alle Menschen in der Türkei und in Syrien, die durch die Erdbeben Angehörige sowie Hab und Gut verloren haben.
Tröste sie in ihrer Verzweiflung und gib ihnen Kraft zum Neubeginn und Wiederaufbau.
Für alle Menschen, die sich durch Kriege, Naturkatastrophen oder Krankheit dem Tod beugen mussten.
Erwecke sie zu neuem und ewigem Leben.
Du, Herr, bist uns vorausgegangen in das neue Leben, das Gott uns zugedacht hat.
Auf dich setzen wir unsere Hoffnung und dir vertrauen wir. – Amen.
In dieser Nacht feiern wir die Verwandlung vom Tod zum Leben. Gott steht zu seiner Verheißung.
In diesem Vertrauen bitten wir ihn:
Vom Ostergeschehen bestärkt hilf uns mutig und vertrauensvoll mit Veränderungen im kirchlichen Leben umzugehen.
Im Licht, das von der Osterkerze in die Welt ausstrahlt, hilf uns in den schmerzhaften Krisen dieser Zeit Orientierung zu finden.
Der Glaube an das neue Leben aus der Taufe präge unseren Lebensweg besonders dann, wenn die Zukunft ungewiss und angstvoll erscheint.
In einem Moment der Stille bringen wir unsere persönlichen Anliegen zu dir.
In der Auferstehung besiegt das Leben den Tod. Wir beten für unsere Verstorbenen und alle, die um sie trauern.
Unser menschliches Leben ist von der Geburt bis zum Tod Verwandlungen unterworfen, die auch immer wieder einen Neubeginn bedeuten. Du begleitest uns und schenkst uns dabei Halt und Lebensfülle.
Dafür danken wir dir und stimmen in den österlichen Lobpreis ein. - Amen, Halleluja.
Herr, unser Gott,
nimm die Gebete und Gaben deines Volkes an
und gib, dass diese österliche Feier,
die im Opfer des wahren Osterlammes ihren Ursprung hat,
uns zum ewigen Heil führt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Osternacht
Wir bringen das Brot,
Zeichen für alles, was die Erde hervorbringt;
wovon die Menschen leben,
wonach wir Menschen hungern,
warum wir uns abmühen,
Brot, das alle Menschen der Erde ernähren soll.
Wir bringen den Wein,
Zeichen für das, was die Erde uns schenkt und bietet.
Zeichen für das Leben selbst.
Denn wir dürsten nach Leben,
nach Lebenserfüllung, nach Lebensfreude;
Freude, die allen Menschen verheißen ist.
Wir bringen uns selber.
Nimm uns, wie wir sind,
wie wir sein möchten.
Bediene dich unserer Anstrengungen.
Mache Brot und Wein, -
mach uns, deine Gemeinde -
zum Zeichen deiner Gegenwart in unserer Welt.
darum bitten wir durch Christus,
den Auferstandenen Herrn und Bruder.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
In Christus, dem Auferstandenen, haben wir den Weg zum Vater.
Daher lasst uns mit all dem, was wir in diese Nacht mitgebracht haben,
an Freude und Hoffnung, an Sorgen und Leid, als Gebet vor Gott bringen:
Vater unser im Himmel ...
Einladung zum Friedensgebet:
Die Botschaft von der Auferstehung ist eine wahrhaft große Botschaft des Friedens und des Heils...
Ostern bleibt nicht Theorie, Ostern will schmeckbar werden. Im Brot. Im geteilten Leben. In der Gemeinschaft mit Christus.
Darum bringen wir jetzt zum Altar, was unser Leben ausmacht: Freude und Dank, Brüche und Hoffnung, Wunden und Sehnsucht. Und wir bitten: Verwandle uns durch deine Gegenwart.
Heilig, heilig, heilig ...
Ja, heilig bist du, Gott, und heilig ist diese Nacht.
Heilig ist das Leben, das du neu schenkst.
Heilig ist die Liebe, die durch den Tod hindurchgeht
und stärker bleibt als das Grab.
Heilige diese Zeichen dieser Nacht.
Heilige unsere Gemeinschaft.
Heilige unsere Erinnerung.
Heilige unser Vertrauen.
Heilige das, was in uns klein geworden ist.
Lass dieses Brot für uns
zum Brot des Lebens werden.
Lass uns in diesen heiligen Zeichen
Christus begegnen, dem Auferstandenen,
der mitten unter den Seinen lebt.
Wenn wir von diesem Brot essen
dann lass nicht nur unsere Lippen berührt werden,
sondern unser Herz, unsere Gedanken, unsere Entscheidungen, unsere Art zu leben.
Erneuere uns durch die Kraft dieser österlichen Feier.
Mach uns zu Menschen, die aufstehen gegen Gleichgültigkeit,
zu Menschen, die Licht tragen;
zu Menschen, die nicht beim Grab sitzen bleiben;
zu Menschen, die Hoffnung weitersagen;
zu Menschen, die lieben, wenn andere hart werden;
zu Menschen, die an Versöhnung glauben, wenn längst alle auf Abgrenzung setzen.
Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde. Erneuere sie durch den Geist des Evangeliums.
Befreie sie von Angst, von Erstarrung, von Machtdenken, von innerer Müdigkeit. Mach sie zu einer Kirche, die österlich lebt: wach, dienend, glaubwürdig, barmherzig, mutig.
Gedenke aller, die heute Nacht kein Osterlicht sehen. Der Menschen in Kriegsgebieten.
Der Flüchtenden. Der Hungernden. Der Kranken. Der Trauernden. Der Einsamen. Der Enttäuschten.
Derer, die nicht mehr glauben können.
Derer, die nach einem Zeichen suchen.
Derer, die kaum noch Kraft haben, weiterzugehen.
Lass dein österliches Leben ihre Dunkelheit berühren.
Gedenke auch unserer Verstorbenen.
Nimm sie hinein in das Licht deiner Gegenwart.
Lass sie schauen, was wir heute feiern:
dass das Leben stärker ist als der Tod
und deine Liebe kein Ende kennt.
In Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gedenken wir deiner Heiligen,
wir gedenken Maria, der Mutter des Herrn,
der Apostel, der Frauen am Grab, der Heiligen aller Zeiten
und aller Menschen, die mit ihrem Leben Spuren von Hoffnung hinterlassen haben.
Mit ihnen und mit der ganzen Schöpfung, die auf Erlösung wartet,
loben wir dich durch Christus, mit Christus und in Christus,
im Heiligen Geist, heute in dieser Osternacht und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit.
Alle: Amen.
Weil Christus lebt, dürfen wir Kinder Gottes heißen. Darum beten wir voll Vertrauen:
Vater unser …
Der Friede des Auferstandenen ist kein oberflächliches Wohlgefühl.
Er ist ein tiefer Friede, der durch Wunden hindurchgewachsen ist.
Darum bitten wir:
Herr Jesus Christus, schenke uns deinen Frieden.
Und gib, dass wir einander Zeichen dieser Hoffnung werden.
Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch!
In dieser Nacht
bereitet sich ein neuer Tag
ein Tag, der niemals endet
ein Tag des Jubels
und der Freude
dieser Tag
kann all unsere Nächte erhellen
und uns neue Hoffnung geben
die Nacht ist bezwungen
alle Finsternis ist besiegt
der Tod hat nicht mehr das letzte Wort
Jesus Christus ist auferstanden
damit wir leben
Feuer
Entsteht aus einem kleinen Funken. -
Aber nur, wenn es etwas gibt,
das sich anstecken lässt.
Dann wir der Funkten zu einem Licht,
das wärmt
das durch seine Hitze
etwas verändert.
Gott,
lass deinen Funken auf mich überspringen,
damit ich deinen Funken
weitertragen kann,
damit ich die Welt ein bisschen
verändern kann,
damit ich die Menschen ein bisschen
verändern kann,
damit ein großes Feuer entsteht,
das uns Menschen von der
klebrigen Schlacke, die uns umhüllt, befreit.
Aus: Werkmappe, Kath. Jungschar, Innsbruck 1996.
Herr, unser Gott,
du hast uns durch die österlichen Sakramente gestärkt.
Schenke uns den Geist deiner Liebe,
damit deine Gemeinde ein Herz und eine Seele wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Osternacht
Gott des Lebens, du hast uns in dieser heiligen Nacht gestärkt
mit deinem Wort und mit dem Brot des Lebens.
Wir danken dir für das Licht, für die Hoffnung, für die Gemeinschaft,
für Christus, den Auferstandenen.
Bleibe bei uns, wenn der Alltag zurückkehrt.
Lass das Licht dieser Nacht nicht verlöschen.
Lass in uns aufstehen, was dem Leben dient: Mut, Vertrauen, Freude, Versöhnung, Liebe.
Und mache uns zu Menschen der Auferstehung in einer Welt,
die dein Licht so dringend braucht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Der auferstandene Herr Jesus Christus nehme von euch,
was euch niederdrückt, und richte auf, was in euch am Boden liegt.
Er erfülle euch mit seinem Licht, mit seinem Frieden und mit der Freude des neuen Lebens.
So segne euch der lebendige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Geht hinaus in diese Nacht und in diese Welt als Menschen des Lichtes.
Halleluja, Halleluja.
Alle: Dank sei Gott, dem Herrn. Halleluja, Halleluja.
Ich gehe zum Friedhof
wandle durch die Gräberreihen
atme ein den Frieden.
Ruhe kehrt ein.
Keine geballte Faust hier.
Keine angespannten Nerven mehr.
Kein Kopfkarussell.
All das verblasst.
Wer hier ruht ist frei.
Wer hier durchgeht
Kann einatmen den Frieden
Ruhe
Frieden
Freiheit
Boden für Ostern
© Fredi Bernatz, Pfarrer im Ruhestand
Der Stein, weggerollt vom Grab.
Er bringt alles wieder ins Rollen,
was vorher schon im Rollen war.
Was angestoßen, kommt weiter in Fahrt.
Der rollende Stein.
Er überrollt
die Hartherzigkeit,
das Macht- und Ränkespiel,
die Kartenhäuser der Großen,
die festgezurrten Dogmen.
Der rollende Stein.
Er überrollt
Angst und Schrecken,
Dunkel und Finsternis,
Ohnmacht und Starre.
Der rollende Stein.
Er bringt auch in mir etwas ins Rollen.
Ich sehe wieder Licht.
Ich sehe wieder Bewegung.
Ich komme in Bewegung.
© Fredi Bernatz, Pfarrer im Ruhestand
Ausgezogen um aufzurichten.
Ausgezogen um zu heilen.
Ausgezogen um zu retten.
Ausgezogen um zu lehren.
Ausgezogen um zu lieben.
Das Grab,
es kann ihn nicht halten.
Es kann ihn nicht festhalten.
Er zieht weiter aus.
Das Grab kann ihn nicht halten.
Er zieht aus.
Und er zieht uns mit.
Aus den Gräbern des Lebens heraus.
Löst die engen Binden.
Löst alles was uns festbindet an die viele Tode,
und den einen.
© Fredi Bernatz, Pfarrer im Ruhestand
Nach dem bombastischen „Halleluja“
klingt sie sanft nach
die Arie
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“
so klingt es zart
und erreicht die Tiefe der Herzen
in denen Sorgen und Fragen noch klingen
wie bei den Jüngern von Emmaus
Die auch die leisen Töne
die sanft wie eine Feder
das Herz streichelt
erst brauchen
um zu verstehen:
Er lebt!
© Fredi Bernatz, Pfarrer im Ruhestand
„Der Heiland ist erstanden
befreit von Todesbanden.“
Ostern befreit
von den Fesseln der Angst
und lässt Hoffnung aufblühen.
Ostern befreit
von den Fesseln des Hasses
und setzt auf die Kraft der Liebe.
Ostern befreit
von den Fesseln des Todes
und führt zu neuem Leben.
Ostern befreit
zur Freiheit der Kinder Gottes.
„Der Tod hat keinen Stachel mehr
der Stein ist weg, das Grab ist leer.“
(c) Johann Pock, Ostern 2026
Frühling
Die Natur erwacht
Wir feiern Auferstehung
Jesu Auferstehung vom Tod
Überall da,
wo Menschen aufstehen
gegen Unrecht und Gewalt
wo sie für ihren Nächsten sorgen
wo sie sich für Gottes Schöpfung einsetzen
ist Jesus lebendig
Stehen wir auf
Feiern wir Auferstehung
Edith Furtmann 2023.
Ostern – Auferstehung zum Leben
In einer Welt,
in der Kriege herrschen und Gewalt?
Auferstehung ist da,
wo Menschen dagegen aufstehen
wo sie Frieden schaffen
wo sie sich der Gewalt entgegenstellen
Ostern – Auferstehung zum Leben
In einer Welt,
in der Menschen ausgegrenzt werden,
weil sie nicht den Normen entsprechen,
weil sie fremd sind,
weil sie nicht erfolgreich sind,
weil sie am Leben scheitern?
Auferstehung ist da,
wo Menschen sich kümmern
wo sie Menschen hineinholen ins Leben
wo sie helfen
ohne Ansehen der Person
Ostern – Auferstehung zum Leben
In einer Welt,
in der die Erde ausgebeutet wird
in der Wohlstand wichtiger ist
als die Zukunft der Schöpfung?
Auferstehung ist da
wo Menschen genau hinsehen
wo sie versuchen, die Welt zu schützen
wo sie sich einsetzen für die Zukunft
wo sie erkennen, dass Gottes Schöpfung
geschützt werden muss und
Leben sich ändern
Ostern – Auferstehung zum Leben
in dieser unserer Welt,
in der so vieles falsch läuft?
Auferstehung ist da
wo Menschen aufstehen
wo sie wissen,
dass es auf sie ankommt
diese Welt
zu einer besseren zu machen
Auferstehung ist da
wo Menschen Jesus nachfolgen.
Edith Furtmann 2023.
Judas:
Verrat für dreißig Silberlinge
Petrus:
Auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen.
der eine – Verräter
der andere – Weggefährte, Vertrauter, Freund
Petrus
Ich kenne diesen Mann nicht!
Weggefährte, Vertrauter, Freund?
Jesu Tod am Kreuz
Ende
Oder Anfang?
Für wen?
Judas?
Petrus?
?
Wir alle:
mal Verräter
mal Weggefährten
mal Freund
Anfang für uns
für Judas
für Petrus
Immerwährender Neuanfang
das Alte bewahren
mit dem Neuen anfangen dürfen
Immer wieder neu
egal
ob Weggefährte
Freund
Verräter
Wir müssen nur wollen
Jetzt
und immer wieder
Edith Furtmann 2023.
Am Ende bist du ohnmächtig Holz,
aus dessen Dornen die Krone,
aus dessen Stämmen drückende Balken wurden.
Am Ende bist du ohnmächtig Kreuz,
denn durch das Blut,
das an dir floss,
entstand neues Leben.
Leben, das alle Ohnmacht überwältigt,
das den Stein,
der alles verschließen sollte,
ins Rollen brachte.
Ja, am Ende wird aus deiner Ohnmacht
ein Leben der Hoffnung und Fülle.
Ja, aus deinem Ende wird der Anfang,
der alles neu werden –
alles auf-er-stehen –
lässt.
Darum,
ja, darum,
bist du für uns das Symbol unseres Glaubens.
Beatrix Senft 2023.
Mensch wo bist Du?
Gott sucht uns:
Wenn wir uns verstecken
wie Adam und Eva
Weil wir wissen:
Wir haben Mist gebaut
Gott sucht uns:
Wenn er in unserem Alltag nicht vorkommt
weil wir glauben,
dass das normale Leben
eben nun mal nicht christlich sein kann
Gott, wo bist Du?
Wir finden ihn nicht:
Wenn unser Leben nicht nach Plan läuft
Wenn wir Menschen verlieren
Freundschaften zerbrechen
Partnerschaften nicht mehr tragfähig sind
Gott wo bist Du?
Wir finden ihn nicht
Wenn wir das Elend dieser Welt anschauen
Wenn wir nicht wissen,
wie wir mit den Flüchtlingen umgehen sollen
Mein Gott warum hast Du mich verlassen?
Fragt Jesus, selbst Gott und doch ganz Mensch
am Kreuz in Todesnot
Wo ist der Leichnam?
Fragen die Frauen am Grab
Gott ist da:
Wo Menschen die Flucht nicht überleben
Wo Menschen grausam gequält werden
Von Menschen,
in der Welt – aber auch hier in unserer Kirche
Gott ist da:
Wo wir ihn in unseren Alltag lassen
Wo wir hingucken
Wo wir anfassen
Wo wir aufhören, ängstlich zu schweigen.
Und überall da
geschieht Auferstehung
Heute
Hier und überall
Jetzt.
Edith Furtmann 2023.
Ein Freudenjubelruf
der sich verbreiten will
sich in die Länge zieht
auskostend die Vokale
sich immer höher schraubt
von einem Vers zum anderen
hinauf zu himmlischen Höhen
um wie ein Glockenton
zu verkünden:
„Auferstanden ist der Herr!“
Ilse Pauls
Niedergeschmettert
ausgelaugt
vernichtet
am Ende
Alles aus und vorbei?
Hilflos, leblos, tot?
Karfreitag
Karsamstag
Unbemerkt wächst
im tiefsten Winter
der Keim, der im Frühling die Erde durchbricht.
Der Hoffnungskeim,
gesät in die Herzen,
lebt weiter.
Die Hoffnung kommt
nicht von den Mächtigen,
sondern vom Ohnmächtigen am Kreuz
und vom Gott, der zeigt:
Liebe ist stärker als der Tod.
Hinabgestiegen ins Totenreich
wird der Tod an der Wurzel gepackt,
und Hoffnung auf Leben
entsteigt
den zerbrochenen Pforten.
Johann Pock, inmitten von Russlands Krieg gegen die Ukraine und einer nicht enden wollenden Pandemie
Licht-Strahlen streifen
sanft und leise
die Augen
verkünden den Anbruch
eines neuen Tages
die sprengende Leucht-Kraft
der Morgensonne
weckt die müden Lider
durchflutet den Raum
mit buntem Farbenzauber
Strahlen brechen
mit eleganter Leichtigkeit
Schatten und Licht
ziehen eine Leucht-Spur
der Hoffnung
kraftvoll und stark
jeden Tag neu
ist dieser Licht-Einfall -
durchdringender
als jedes Dunkel der Nacht
spürbar durchdrungen
vom Licht des Ostermorgens
verklingt die Trauer
wiegt das Herz wieder leicht
wenngleich Narben zurückbleiben
im Aufgang der Sonne
erscheinen die Dinge
in einem anderen Licht
gibt es Hoffnung - österliche Zuversicht!
Michaela E. Lugmaier, Ostern 2017
Nicht erst,
wenn alle Mißverständnisse
weggeräumt sind,
sondern
wenn ich alles
vergeben habe.
Wenn der schwere Stein
meiner Traurigkeit
vom Herzen weggeweint ist
und ich wieder
Hoffnung habe.
Wenn ich nicht mehr
flüchten will,
sondern mich
auf den Weg mache
zu meinen Brüdern und Schwestern.
Dann erst
werde ich IHM begegnen
in den Gesichtern
der geringsten meiner Brüder,
in Seinem Wort,
in Seinem Brot.
Dann erst werden mir
die Augen aufgehen,
und mein totes Herz
lebt wieder
und brennt für Dich
Ilse Pauls
Zu Paul Celans Gedicht „Zürich, Zum Storchen“
Den goldenen Schimmer der Auferstehung
lass uns hinüberretten in den Alltag.
Seinen Glanz bewahren,
seine Gegenwart erspähen
in manchen Bildern,
Offenbarungen,
Gesprächen …
Es gibt Worte,
die Glanz innehaben,
Blicke, die strahlen,
Begegnungen,
die Ewigkeit ahnen lassen …
Lass uns das Hellwort finden,
das uns trägt,
das mit uns geht.
Ilse Pauls
Linzer Bischof verortet Leibfreundlichkeit des Christlichen in Werken der Barmherzigkeit, in Sakramenten, in leiblicher Auferstehung und auch in der leiblichen Liebe.
Linz, 24.3.2016 (KAP) Mit Ostern setzt Gott ein "Ausrufezeichen" mit der Botschaft "Ich mag den Leib". Entgegen allen Klischees von christlicher Leibfeindlichkeit sieht der Linzer Bischof Manfred Scheuer viele Elemente einer "Leibfreundlichkeit des Christlichen". Er verortete diese in einem Oster-Interview der Linzer "KirchenZeitung" in den leiblichen Werken der Barmherzigkeit, in den sinnlich erfahrbaren Sakramenten, und ebenso im Glauben an die Auferstehung auch des Fleisches, den die Christen bekennen. Als weitere Beispiele nannte Scheuer die leibliche Liebe, "in den Dimensionen von Agape, Caritas, aber auch von Freundschaft und Eros".
In der heutigen Gesellschaft gebe es zwar die "Betonung einer vordergründigen Leibfreundlichkeit", jedoch sind viele der alltäglichen Erfahrungen nach den Worten des Bischofs leibfeindlich. Bei der Arbeit werde der Leib oft losgelöst vom ganzen Menschen gesehen, in der Medizin werde der Leib manchmal "wie ein Motor" behandelt, "den man repariert" und der zu funktionieren habe. Es gehe aber vielmehr darum, "auf den Rhythmus des Leibes zu achten und auf seine Signale zu hören", erklärte der leidenschaftliche Bergwanderer.
Ostern ist für Scheuer "das Zusammen von Tod und Auferstehung" und somit mehr als nur ein Frühlingsfest, als welches von vielen der Palmsonntag empfunden werde. Auferstehung knüpfe an eine menschliche Ursehnsucht an, die über den Tod hinaus auf eine Versöhnung von Glück und Gerechtigkeit hofft.
Wenn Umfragen einen hohen Prozentsatz an Christen ergeben, die nicht an die Auferstehung glauben, stelle sich für ihn - so Scheuer - die Frage: "Finden sich die Leute einfach ab damit, dass Menschen kaputtgehen und das eigene Leben sinnlos ist? Das wäre schon ein Alarmzeichen." Denn das würde nach den Worten des Bischofs bedeuten, "dass todbringende Kräfte letztlich obenauf sind". Der Auferstehungsglaube sei auch ein Fingerzeig dafür, ob "wir das Leben lieben und annehmen können, oder finden wir uns eigentlich ab mit den offenen oder versteckten Formen des Todes?"
Für "kritische und solidarische Zeitgenossenschaft"
Zu Ostern ist laut Scheuer "die Gegenwart der leiblichen und auch durch das Leid hindurchgehenden Liebe Gottes" besonders erfahrbar. Gott fordere die Kirche zugleich auf, an den konkreten Menschen mit ihren Freuden und Hoffnungen, ihrer Trauer und Angst dranzubleiben. "Das gelingt uns manchmal besser, manchmal schlechter." Der Linzer Bischof plädierte für eine "Zeitgenossenschaft" der Kirche, die nicht einfach Angleichung bedeute. "Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, erlebt sich schnell als Witwer", zitierte Scheuer den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. "Mir geht es um eine kritische und solidarische Zeitgenossenschaft", betonte der Bischof.
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Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie Luise Kaschnitz in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte – Interpretationen – Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.
Deutscher Theologe Bruners in Zeitschrift "miteinander": Glaube an Auferstehung bedeutet Hoffnung auf Gerechtigkeit für die Opfer.
Wien, 15.04.14 (KAP) Wer die Möglichkeit einer Auferstehung der Toten ausschließe, der riskiere, "unter Niveau zu leben", da er die Möglichkeit einer Gerechtigkeit auch für die Opfer der Geschichte nicht sehe. Das unterstreicht der deutsche Theologe und Seelsorger Wilhelm Bruners in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "miteinander" des Canisiuswerks. Ostern könne daher als ein Fest des Widerstandes gegen den Tod und Christen entsprechend als "Widerstandskämpfer gegen den Tod" verstanden werden.
Angesichts der Millionen Menschen, die täglich "um ihr Leben auf Erden betrogen" werden - sei es durch Kriege, Missbrauch oder unmenschliche Systeme -, sei es "geradezu zynisch, ihnen zu sagen, mit dem Tod sei alles zu Ende", so Bruners. "Dann wären die Mörder und Täter gut heraus. Wer zieht sie zur Rechenschaft? Keiner?" Zugleich warnt Bruners vor einer überzogenen "Heldenverehrung der Toten", die häufig an die Stelle der "Lebensverehrung" trete: "Junge Menschen, die so früh gestorben sind, ermordet wurden, wollten leben. Wollten keine toten Helden sein."
Wilhelm Bruners ist Theologe, Seelsorger und Erwachsenenbildner am Theologisch-Pastoralen Institut (TPI) in Mainz. Von ihm stammt u.a. das Buch "Und die Toten laufen frei herum. Ein Begleiter durch die österliche Zeit". (Weitere Infos: <link http://www.canisius.at/ _blank external-link-new-window "Opens external link in new window">www.canisius.at</link>)
Kathpresss 15.04.14 - Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten.
Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort
Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldnen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz Verdammter Seelen
Nur
Nur Liebe frei geworden
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend
Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen
Wie von Worten die hin und her
Wortfetzen
Komm du komm
Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg-und-Tal-Fahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner
So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein
Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort
Mehr also fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antworte
Weniger nicht.
Marie-Luise KASCHNITZ: Ein Leben nach dem Tode, in: Gesammelte Werke in sieben Bänden. Bd. 5: Die Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt/M. 1985.
Wagen wir es, die Auferstehung zu glauben? Oder ist sie uns nur ein Mythos, den man an einem solchen Ostertag - auf sich beruhen lässt oder umgekehrt? Warum glauben wir? Warum können wir intellektuell redlich glauben? Wir können es. Glaubend bejahend natürlich, nicht rationalistisch eine Zustimmung erzwingen. Wir können intellektuell redlich an Jesu Auferstehung glauben, auch ohne in alle Probleme der heutigen Exegese über diese Frage eingestiegen zu sein. Warum? Gegenfrage: Darf ich intellektuell redlich an meine eigene "Auferstehung" glauben? Das heißt: Darf ich mein Leben darauf aufbauen, dass das, was mein Leben ausmacht: Freiheit, Verantwortung, Liebe, endgültige Bedeutung hat und nicht verschwindet in den Abgrund des sinnlosen Nichts? Wenn ich aber darauf baue und dabei weiß, dass ich mich nicht zerfällen kann in zwei heterogene Wirklichkeiten, die sich in ihrem Schicksal gleichgültig trennen, Materie und Geist genannt, dann glaube ich an meine Auferstehung.
Karl Rahner, Das große Kirchenjahr. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
halleluja
das lachen beginnt
es füllt neu
das leben
das land
halleluja
die lasten des tages
sind freudig zu nehmen
den staub des alltags
von der seele gewaschen
halleluja
das herz ist neu offen
für gott
für die menschen
hinein kann das neue
der kommenden zeit
halleluja
die wege sind wagnis
doch tragen sie sicher
auch wenn nur die nächsten
schritte zu kennst
halleluja
sag
singe und rufe
so laut und behutsam
dass jeder begreift
halleluja
ostern ist jetzt
hier, heute und morgen
bei dir und bei mir
beim freund und beim feind
halleluja
das lachen beginnt
Almut Haneberg, woher-wohin-wozu, Gebete und Texte für junge Christen, Hrsg. Provinzialat der Redemptoristen, A-1010 Wien, 2007.
Abel steh auf
Es muß neu gespielt werden
Täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
Wie sollte ich nicht dein Hüter sein
Täglich steh auf
Damit wir es vor uns haben
Dies Ja ich bin hier
Ich
dein Bruder
Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
Ich ein Kind Abels
Und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte.
Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen
Die Feuer die brennen
Das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein
Und am Schwanz der Raketen
Sollen die Feuer von Abel sein.
Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, hrsg. Nikola Herweg und Melanie Reinhold, Frankfurt: S. Fischer 2009.
"Ist aber Jesus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt" (1 Kor 15,14). Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.
Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen - eine Art von religiöser Weltanschauung -, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz. Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.
Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder-Verlag, Freiburg, 2011.
Wagen wir es, die Auferstehung zu glauben? Oder ist sie uns nur ein Mythos, den man an einem solchen Ostertag auf sich beruhen lässt oder umgekehrt? Warum glauben wir? Warum können wir intellektuell redlich glauben? Wir können es. Glaubend bejahend natürlich, nicht rationalistisch eine Zustimmung erzwingen. Wir können intellektuell redlich an Jesu Auferstehung glauben, auch ohne in alle Probleme der heutigen Exegese über diese Frage eingestiegen zu sein. Warum? Gegenfrage: Darf ich intellektuell redlich an meine eigene "Auferstehung" glauben? Das heißt: Darf ich mein Leben darauf aufbauen, dass das, was mein Leben ausmacht: Freiheit, Verantwortung, Liebe, endgültige Bedeutung hat und nicht verschwindet in den Abgrund des sinnlosen Nichts? Wenn ich aber darauf baue und dabei weiß, dass ich mich nicht zerfällen kann in zwei heterogene Wirklichkeiten, die sich in ihrem Schicksal gleichgültig trennen, Materie und Geist genannt, dann glaube ich an meine Auferstehung.
Karl Rahner, Das große Kirchenjahr, Herder-Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
Ostern ist neben Pfingsten das älteste und es ist das höchste Fest der Christenheit. Seine Wurzeln liegen im jüdischen Passah (Pessach)-Fest. Das deutsche Wort Ostern leitet sich vom indogermanischen Wort für Morgenröte ab. Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten.
Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbereitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die drei heiligen Tage von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.
Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätestmöglich am 25. April stattfindet. Die orthodoxen Kirchen berechnen Ostern nach dem julianischen Kalender (► Kalenderwesen), der gegenüber unserem gregorianischen derzeit um 13 Tage zurückhinkt. Nach orthodoxer Tradition darf Ostern außerdem nicht vor oder zusammen mit dem jüdischen Passahfest gefeiert werden. Deshalb feiern orthodoxe und westliche Kirchen das Osterfest meist an unterschiedlichen Sonntagen.
Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in protestantischen, die Osternacht gefeiert. Die Liturgie der Osternachtfeier besteht traditionell aus vier Teilen:
Die Lichtfeier hat neben dem Halleluja-Ruf das Licht als wichtigsten Bestandteil. Meist erhalten die Gottesdienstteilnehmer bereits am Eingang der Kirche eine Kerze, die dann an der Osterkerze entzündet wird. Gelegentlich wird sogar ein richtiges Osterfeuer entfacht. Solche Feuer wurden bereits in heidnischer Zeit praktiziert: man versuchte, mit diesem Frühlingsfeuer die Sonne magisch auf die Erde herab zu ziehen. Die ersten christlichen Osterfeuer gab es um 750 in Frankreich, seit dem 11. Jahrhundert sind sie im deutschsprachigen Raum verbreitet. Auch Flammenräder ließ man von Hügeln hinabrollen. Heute steht die Osterkerze im Mittelpunkt der Osternachtfeier. Erstmals erwähnt wurde eine Osterkerze 384 in Piacenca in einem Brief von Hieronymus. Spätestens 417 gebrauchte sie Papst Zosimus in Rom. Im 10. Jahrhundert etablierte sich die Osterkerze; sie brennt während der ganzen Osterfestzeit bis Pfingsten. Danach wird die Kerze neben den Taufstein gestellt und brennt bei Taufen.
Wortgottesdienst
Taufe bzw. Tauferneuerung: Im 4. Jahrhundert wurde die Osternacht zur großen Taufnacht der Kirche, dadurch entstand die Verbindung von Ostern und Taufe. In der katholischen Kirche weiht der Priester in der Osternacht das Taufwasser für das ganze Jahr. Die Gläubigen nehmen das geweihte Wasser mit nach Hause, es soll sie zuhause ebenso so wie ihre Häuser vor Unheil schützen.
Ein Teilablass wird demjenigen Gläubigen gewährt, der sein Taufversprechen nach einer dafür vorgesehenen Formel erneuert; geschieht dies während der Feier der Osternacht oder am Jahrestag der Taufe, so kann ein vollkommener Ablass gewonnen werden.
- Die <link http://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Ostern.html>Eucharistie</link>- (Abendmahls-)feier als Vergewisserung der Gegenwart des Auferstandenen Christus.
Das Lamm - oder eine junge Ziege - ist Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere, den Scherer und den Schlächter, es ist das klassische Opfertier im Alten Testament. Auch Jesus Christus wird als Lamm bezeichnet: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt (Johannesevangelium 1, 29). Im christlichen Altertum legte man Lammfleisch unter den Altar. Es wurde geweiht und am Auferstehungstag als erste Speise verzehrt.
Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich Eier geweiht. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Sie wurden zum Symbol der Auferstehung Christi, weil seine Auferstehung aus dem Grab dem Schlüpfen der Küken aus der Schale verglichen wurde. Neben Eiern wurden bald auch Schinken, Milchprodukte und Brot zur Weihe gebracht. Man wollte die lange Fastenzeit mit dem Verzehr der geweihten Speisen würdig beenden.
Im 13. Jahrhundert werden erstmals bemalte Ostereier erwähnt. Nach den Fastenvorschriften war der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten Karwochen-Eier zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen Eiern unterscheiden. Eine Färbung der Eier ist 1615 durch einen Straßburger Handwerksmeister belegt, die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.
Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten, erstmals erwähnt um 1680 im Elsass von dem Mediziner Georg Franck von Frankenau. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten. Der Osterhase ist Symbol für Ostern und neues Leben wegen seiner Fruchtbarkeit - besonders im Frühling - und weil er mit offenen Augen schläft. Auch der Hahn brachte in manchen Gegenden die Eier, in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. Im fränkischen Ansbach wurde 1757 angeblich ein eierlegender Hase gefangen und darüber ein Protokoll verfasst. Erst im 19. Jahrhundert konnte sich der Osterhase überall durchsetzen.
Aus Polen stammt der Brauch der Speisensegnung. Am Karsamstag oder zu Ende der Osternacht-Feier werden in katholischen und einigen orthodoxen Kirchen Speisen gesegnet, die die Gläubigen in Körben mitgebracht haben und die dann zum Frühstück am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt werden .
http://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Ostern.html
Was das Geheimnis der Osternacht - die Auferstehung des Herrn - bedeutet, versucht die Kirche in dieser heiligen Nacht in ihrer Sprache zu sagen: in der Sprache der Symbole. Drei große Symbole sind es, die die Liturgie der Auferstehungsnacht beherrschen: das Licht, das Wasser und »das neue Lied« , das Alleluja.
Das Licht zunächst. Es ist eines der Ursymbole der Menschheit. Das irdische Licht ist der unmittelbarste Abglanz der göttlichen Wirklichkeit, der am meisten uns ahnen läßt von demjenigen, der im unzugänglichen Lichte wohnt (1 Ti 6,16). In den beiden großen heiligen Nächten des Kirchenjahres, Weihnachten und Ostern, verschmilzt die Symbolik des Lichts mit derjenigen der Nacht. Beide Male stellt die Kirche im Widerspiel von Nacht und Licht symbolisch dar, was der jeweilige Inhalt des Festes ist: der sieghafte Einbruch Gottes in die Welt, die ihm keinen Platz geben will und ihm dennoch am Ende den Platz nicht verwehren kann. Dies Christusdrama von Licht und Finsternis erreicht nun, an Ostern, seinen Mittel- und Höhepunkt. Die Finsternis hat zu ihrer letzten Waffe gegriffen, zum Tod. Sie hat in ordentlichem Gerichtsverfahren die Wahrheit und die Liebe zu den Hauptschuldigen der Weltgeschichte erklärt und den Träger des Lichts verurteilt. Aber die Auferstehung bringt die große Wende. Das Licht hat gesiegt und lebt nun unbesiegbar, und das Wichtigste: Es hat ein Stück Welt an sich gezogen und verwandelt in sich. Damit ist das Drama freilich noch nicht zu Ende. Sein Ende steht noch aus. Es trägt sich zu in der Parusie des Herrn. Noch ist es Nacht, wenn auch eine Nacht, in der ein Licht entzündet ist. Wenn er wiederkommt, wird Tag sein für immer.
Das zweite österliche Element ist das Wasser. Wie das Licht so ist auch das Wasser ein Ursymbol der Menschheit. Das Wasser verkörpert die Köstlichkeit der Erde. Wer einmal Durst gelitten hat, der weiß das. Wer einmal die sengende Gewalt der Sonne ertragen hat viele Stunden hindurch und dann plötzlich einen frischen, glitzernden Wasserquell entdeckte, weiß, daß es in der Tat nichts Köstlicheres gibt als dies helle klare Wasser. So ruft das Wasser die Erinnerung wach an Paradies und Fruchtbarkeit. Dies ganze Geheimnis des Wassers ist anwesend in der Osterfeier, eingefangen in sie und zugleich auf höhere Ebene erhoben. Denn davon will uns die Osternacht sagen, daß ein weit köstlicherer Quell noch als es je auf Erden ihn gab, aus der geöffneten Seite des Herrn entsprungen ist (Joh. 4,10; 7,37; 19,34). So ist am Kreuz der wahrhaft köstliche Quell der reinen Hingabe, der sich selbst verschwendenden Liebe Gottes entsprungen. Alle Kostbarkeit des Wasser ist darin gesammelt: die Kraft der Reinigung, der Fruchtbarkeit, das Erquickende und Tröstende und Belebende.
Das dritte österliche Element ist "das neue Lied" : das Alleluja. Freilich - das neue Lied im Vollsinn werden wir erst singen in der "neuen Welt", wenn Gott uns beim "neuen Namen" ruft (Apok. 2,17), wenn alles neu geworden ist. Aber etwas davon dürfen wir vorwegnehmen in der großen Freude der Osternacht. Denn das Singen und zumal dasjenige des neuen Liedes ist im Grunde gar nichts anderes als die Gestaltwerdung der Freude. Das Alleluja ist einfach das wortlose Sich-Aussingen einer Freude, die keine Worte mehr braucht, weil sie über allen Worten steht. Wenn aber das Alleluja-Singen das dritte Element des Symboldramas der österlichen Liturgie ist, dann ist dies dritte Element im Grunde der Mensch selbst, in dem diese Urmöglichkeit des Singens und Jubilierens steckt. Es ist wie ein erstes Aufdecken dessen, was mit uns einmal sein kann und sein soll: daß unser ganzes Wesen einmal eine einzige große Freude sein wird. Welch ein Ausblick!
Aus: Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung. München : Erich Wewel Verlag 1973.
Wir können nur dann von einer endgültigen Lebenshoffnung redlich sprechen, wenn wir, wenigstens anfänglich, schon eine Erfahrung von Auferstehung gemacht haben, schon in diesem Leben, hier und heute.
Wie der Mensch schon viele Tode mitten im Leben stirbt, so geschieht auch Auferstehung jetzt, zum Beispiel dieser Art:
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Eingesperrt sein, mit drückenden Lasten beladen sein - all das erweckt die Sehnsucht nach Befreiung, nach Erlösung aus solcher Entfremdung. Man kann die Worte "Befreiung" und "Erlösung" auch ohne Bezug auf einen religiösen Inhalt aus-sprechen. In der Sicht des christlichen Glaubens aber ist die tiefste Wurzel aller Unfreiheit, aller Entfremdung des Menschen die Gebrochenheit seiner Beziehung zu Gott. Erlösung bedeutet im Vollsinn dieses Wortes dann die Wiederherstellung der Freundschaft zu Gott. Aus dieser Gottesfreundschaft erwächst auch die Kraft, andere Menschen und sich selbst anzunehmen.
Christus, der Sohn Gottes, ist den Menschen nachgegangen bis in die äußerste Entfernung von Gott. Bis dorthin, wo der Mensch dem Menschen zum Wolf wird; wo Kain seinen Bruder Abel tötet; wo das Kreuz steht, an dem der Herr einsam zwischen Himmel und Erde leidet und stirbt.
Christus hat in äußerster Liebe den Raum der Distanz der Menschen von Gott leidend und sterbend durchschritten. Und er hat diesen Raum in seiner Auferstehung aufgebrochen und eine Bresche geschlagen in den verschlossenen Horizont, der die Menschen von der siegreichen Liebe Gottes trennt. Die Kirche besingt diesen er-lösenden Durchgang Christi durch das "Rote Meer" der Sünde und des Todes in das "Gelobte Land” des Himmels, in die vollendete Beziehung zum Vater Gott auch mit den hymnischen lateinischen Worten "Captivam duxit captivitatem": "Er hat die Gefangenschaft gefangen gesetzt."
Das Osterereignis, das den Karfreitag mit dem Ostermorgen Christi verbindet, hat grundsätzlich allen Menschen die Tür aufgetan zu einem neuen Himmel und zu einer neuen Erde, zum ewigen Ostern. Der Weg dorthin ist zeitlebens freilich nur Pilgerschaft, und quer über diesen Weg sind Schwellen gelegt, an denen wir uns für oder gegen die Liebe Gottes entscheiden.
Aus: Egon Kapellari, Ein Fest gegen die Schwerkraft. Osterbetrachtungen. Styria Verlag Wien Graz Klagenfurt 1993.

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Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist.
Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt:
1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind.
2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen.
3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes.
4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes.
5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar.
Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz