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In der aussichtslosen Situation des Babylonischen Exils spricht der Prophet, der Deuterojesaja genannt wird, seinen entmutigten Mitglaubenden von Gott her Trost und neuen Mut zu.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und ruft ihr zu,
dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
dass gesühnt ist ihre Schuld,
dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
für all ihre Sünden!
Eine Stimme ruft:
In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
alles Fleisch wird sie sehen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.
Steig auf einen hohen Berg,
Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht,
Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
Siehe, da ist euer Gott.
Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag geht vor ihm her.
Wie ein Hirt weidet er seine Herde,
auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
an seiner Brust trägt er sie,
die Mutterschafe führt er behutsam.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und ruft ihr zu,
dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
dass gesühnt ist ihre Schuld,
dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
für all ihre Sünden!
Eine Stimme ruft:
In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
alles Fleisch wird sie sehen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.
Eine Stimme sagt: Rufe!
Und jemand sagt: Was soll ich rufen?
Alles Fleisch ist wie das Gras
und all seine Treue ist wie die Blume auf dem Feld.
Das Gras verdorrt,
die Blume verwelkt,
wenn der Atem des HERRN darüber weht.
Wahrhaftig, Gras ist das Volk.
Das Gras verdorrt,
die Blume verwelkt,
doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.
Steig auf einen hohen Berg,
Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht,
Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
Siehe, da ist euer Gott.
Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag geht vor ihm her.
Wie ein Hirt weidet er seine Herde,
auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
an seiner Brust trägt er sie,
die Mutterschafe führt er behutsam.
Kv: Lass uns schauen, o Herr, deine Huld
und schenke uns dein Heil! – Kv
(GL 633,5)
Ich will hören, was Gott redet: /
Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, *
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, *
seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. – (Kv)
Es begegnen einander Huld und Treue; *
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor; *
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. – (Kv)
Ja, der Herr gibt Gutes *
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her *
und bahnt den Weg seiner Schritte. – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Petrus.
Dies eine aber, Geliebte, soll euch nicht verborgen bleiben,
dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre
und tausend Jahre wie ein Tag sind.
Der Herr der Verheißung zögert nicht,
wie einige meinen, die von Verzögerung reden,
sondern er ist geduldig mit euch,
weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht,
sondern dass alle zur Umkehr gelangen.
Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb.
Dann werden die Himmel mit Geprassel vergehen,
die Elemente sich in Feuer auflösen
und die Erde und die Werke auf ihr
wird man nicht mehr finden.
Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst:
Wie heilig und fromm müsst ihr dann leben,
die Ankunft des Tages Gottes erwarten
und beschleunigen!
An jenem Tag werden die Himmel in Flammen aufgehen
und die Elemente im Feuer zerschmelzen.
Wir erwarten gemäß seiner Verheißung
einen neuen Himmel und eine neue Erde,
in denen die Gerechtigkeit wohnt.
Deswegen, Geliebte, die ihr dies erwartet,
bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler
in Frieden angetroffen zu werden!
Halleluja. Halleluja.
Bereitet den Weg des Herrn!
Macht gerade seine Straßen!
Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.
Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja -
Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
der deinen Weg bahnen wird.
Stimme eines Rufers in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn!
Macht gerade seine Straßen! - ,
so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
und verkündete eine Taufe der Umkehr
zur Vergebung der Sünden.
Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
sie bekannten ihre Sünden
und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
Er verkündete:
Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
ich bin es nicht wert,
mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Ich habe euch mit Wasser getauft,
er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Wenn sich die Welt zum Besseren entwickeln soll, müssen wir in vielen Bereichen unser konkretes Leben ändern. Radikale Aktivisten setzen spektakuläre Aktionen, um uns wachzurütteln. Doch wie geht nachhaltige Entwicklung? Ein Blick auf Johannes den Täufer, den großen Prediger des Advents und ein Vergleich mit Jesus zeigen, worauf es ankommt.
An den radikalen Klimaschutzaktivisten scheiden sich die Geister. Die einen hassen sie, wenn sie sich auf Straßen festkleben und ein Verkehrschaos verursachen, oder wenn sie in Museen Kunstwerke mit unschätzbarem Wert beschädigen, andere bewundern ihre Radikalität und verteidigen sie.
Radikale Aktivisten finden auch in anderen Bereichen ihre Bewunderer. Auch in der Geschichte der Kirche traten immer wieder Erneuerer auf, die durch ihre Radikalität die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Einige wurden als Ketzer verteufelt, andere zu Heiligen erklärt. Viele wurde einfach als fromme Spinner geduldet.
Im Evangelium wurde uns heute ein radikaler religiöser Erneuerer vorgestellt, Johannes der Täufer, ein Zeitgenosse Jesu, mit ihm zumindest geistesverwandt. Er führte ein radikal genügsames Leben, ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig und trug ein Gewand aus Kamelhaaren. Er predigte, die Leute sollten umkehren und zur Beachtung der alten Gesetze und Gebote zurückkehren. Er griff die Themen der alten Propheten auf und forderte wie sie soziale Gerechtigkeit ein. Er kreidete Missstände an. Die Kritik an der Ehe des Königs Herodes, der nach römischem Recht die Frau seines Bruders Philippus heiratete, kostete ihn das Leben. Scharen von Menschen strömten zu ihm an den Jordan. Als Zeichen ihrer Umkehrbereitschaft ließen sich viele von ihnen taufen. Im Wasser des Jordan wuschen sie symbolisch ihr altes Leben ab. Wie weit ihnen ein neues Leben gelang, wird nicht berichtet.
Unter den Menschen, die von ihm fasziniert waren, treffen wir auch Jesus und eine Reihe seiner späteren Jünger. Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen. Vor allem aber ließ er sich von ihm inspirieren. Er ging für vierzig Tage in die Wüste und fastete. Als Herodes und seine gekränkte Gattin Johannes endgültig zum Schweigen brachten, begann Jesus von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt zu ziehen und wie Johannes Umkehr zu predigen. Auch sein Lebensstil war radikal einfach, jedoch nicht so spektakulär wie der seines Vorbildes. Viele Männer und Frauen, darunter auch einige Anhänger des Johannes, schlossen sich nun ihm an und zogen mit ihm umher.
Die junge Kirche stand vor der Frage: In welchem Verhältnis standen die beiden zu einander? Ist nicht etwa sogar Johannes der eigentliche Begründer der Erneuerung? Worin unterschieden sie sich? Worin liegt der "Mehrwert" der Predigt und des Wirkens Jesu?
Alle vier Evangelisten betonen die Verbindung der beiden und beschreiben das Wirken des Johannes mit großer Wertschätzung. Alle vier sind davon überzeugt, dass Jesus über Johannes hinausging. Sie berichten, dass Johannes auf Jesus als den Größeren und Stärkeren hingewiesen hat. Markus fasste dies in einer Formel zusammen, die wir heute im Evangelium gehört haben: "Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Wasser und Heiligem Geist taufen."
Johannes forderte in seiner Predigt radikale Umkehr, eine Rückkehr zu den Wurzeln der jüdischen Religion. Jesus knüpft in seiner Predigt daran an, entwickelte seinen Erneuerungsansatz jedoch weiter. Der Geist, der ihn antrieb, war nach vorne gerichtet. Die Tradition war für ihn eine unverzichtbare Basis, er selbst wusste sich vom Geist Gottes geleitet. Die Taufszene stellt dies in eindrucksvoller Weise dar. In seiner Predigt kündigte er ein vom Geist Gottes geleitetes Reich Gottes an. Er animierte seine Jünger und Anhängerinnen, am Kommen des Reiches Gottes mitzuwirken und sich so wie er vom Geist Gottes leiten zu lassen.
Die Kirche schätzt und verehrt Johannes den Täufer als Wegebereiter und Vorläufer Jesu. Auch Jesus lebte radikal und stellte radikale Forderungen auf, z.B. in der Bergpredigt. Bei ihm finden wir aber eine Lebenspraxis, in der auch noch eine andere Seite Platz fand: Er scheut nicht den Kontakt zu den von der religiösen jüdischen Gesellschaft Ausgeschlossenen, vergibt z.B. der Ehebrecherin, beruft einen Zöllner zum Jünger. "Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen" (Lk 15,2), werfen ihm die Pharisäer und Schriftgelehrten vor. Ihnen antwortet er: "Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder" (Mt 9,13).
Der Advent konfrontiert uns mit dem biblischen Ruf zur Umkehr. Dieser hat sogar in der außerkirchlichen Kultur reichen Niederschlag gefunden. Zum Advent gehören eine Vielzahl von Charity-Aktionen. Wir sammeln für gute Zwecke, besuchen Alte und Kranke, Menschen mit besonderen Bedürfnissen bekommen sogar öffentliche Aufmerksamkeit u.v.a.m.
All das ist schön und gut. Es bleibt aber ein Beigeschmack: Genügt das? Ist diese Hinwendung zu den Schwachen und Kleinen, zu den Kindern und Alten auch nachhaltig? Ändert sich etwas in den Menschen im Umgang mit den Schwachen in der Gesellschaft? Wieviel Platz und Aufmerksamkeit haben diese nach dem großen Fest? Kinderrechte? Behindertenrechte? Pflegenotstand? Barrierefreiheit?
Die kirchlichen Umkehrrituale, die lange Zeit fester Bestandteil des Advents waren, wie z.B. die persönliche Beichte oder auch Bußgottesdienste, sind aus der Mode gekommen. Ich habe den Verdacht: nicht nur, weil sie zu mühsam sind, sondern weil wir an ihrer Nachhaltigkeit zweifeln. Folgt aus ihnen auch geistige Erneuerung, eine nachhaltige geistige und geistliche Erneuerung? Lassen wir uns vom göttlichen Licht des Weihnachtsfestes nur anstrahlen oder lassen wir unser Leben vom Heiligen Geist befruchten?
Wie geht nachhaltige Erneuerung? Es bringt nicht viel, wenn wir radikale Aktionen wie etwa die der Klimaaktivisten bewundern oder ablehnen, solange wir nicht selbst beginnen, unser Leben zu ändern. Wenn ein Umdenken in der Klimapolitik nicht eine breite Bewegung wird, und jeder Einzelne beginnt sein Leben zu ändern, bleibt alles beim Alten.
Es bringt auch nichts, den Reformstau der Kirche zu bejammern, solange wir nicht selbst versuchen, den Geist Jesu neu zu leben. Manche Katholiken möchten zum alten Glanz der Kirche zurückkehren und versuchen, alte Bräuche, Rituale und Strukturen neu zu beleben. Der Geist Gottes hat in den letzten Jahrzehnten viel Neues wachsen lassen, hat ein Umdenken bezüglich des Mitdenkens und Mitwirkens aller Getauften herbeigeführt.
Der Advent lädt uns ein, dass wir alle, Laien und Kleriker, Männer und Frauen, uns aufs Neue in die Evangelien und anderen biblischen Texte vertiefen, vom Geist Gottes ansprechen lassen, Weggefährten suchen und mit ihnen am Aufbau des Reiches Gottes arbeiten.
Der Evangelist Markus beschreibt das Leben und die Botschaft Jesu als Beginn einer neuen Zeit. Jesus knüpft jedoch an die alte Überlieferung, an das alte Gesetz an. Johannes der Täufer bereitet ihm in diesem Übergang den Weg.
Die ersten acht Verse des Evangeliums nach Markus werden uns heute als Frohe Botschaft präsentiert. Markus hatte sich entschlossen, alles, was er über das Leben des Predigers Jesus von Nazareth von Augen- und Ohrenzeugen in Erfahrung bringen konnte, aufzuschreiben. Er war sich der Einzigartigkeit und Wichtigkeit dessen, was passiert war, bewusst. Was sich während der Verkündigungszeit des Predigers Jesus von Nazareth und in den Jahren nach seinem Wirken in Judäa und Galiläa abgespielt hatte, war einmalig und besonders. Auch Markus gehörte zu den begeisterten Anhängern des neuen Weges. Er wollte dafür sorgen, dass die Erzählungen und Erfahrungen der Anhängerschaft dieses Jesus verbreitet werden und der Nachwelt erhalten bleiben.
Sein Bericht beginnt mit der Erzählung vom Auftreten Johannes des Täufers in der Wüste. Laut Markus hat sich damals die Verheißung des Jesaja erfüllt. Gemeint ist der Jesajatext, den wir heute in der 1. Lesung gehört haben: Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn, ebnet Gott eine Straße.
Es ist Markus sehr wichtig, das Wirken Johannes des Täufers als Vorbote Jesu schon als Vorankündigung im bekannten Prophetentext nachzuweisen. Johannes' Umkehrpredigt wird gleichgesetzt mit der Stimme des Rufers in der Wüste. Johannes der Täufer predigte in der Wüste von Umkehr und Vergebung der Sünden. Und das Volk kam in Scharen und ließ sich taufen.
Johannes gab diesem Volk, das über fast fünf Jahrhunderte zerstreut in einem riesigen Gebiet zwischen Euphrat und Tigris (heutiger Irak) bis zum Gebiet des heutigen Gazas leben musste, immer fremden Machthabern ausgeliefert, mal mehr mal weniger rigide, ohne religiöses Zentrum zur Durchführung der vorgeschriebenen Riten und ohne Glaubensbegleitung durch eine schriftgelehrte Priesterschaft, diesem Volk gab Johannes der Täufer Hoffnung durch eine neue/alte Verheißung, er gab ihm eine neue Struktur. Viele Israeliten hatten bereits entweder den Götzenglauben der umgebenden oder herrschenden Gesellschaften angenommen oder sich für ein Leben ohne Glauben und Religion entschieden.
Zusätzlich zu seiner Predigt, die alten Gesetze der Tora wieder neu wichtig zu nehmen, begann Johannes, Männer und Frauen, die ihm folgten, im Jordan zu taufen. Die Taufe als Zeichen ihrer Befreiung von ihrer Gottesferne, sie zentrierte ihr Leben wieder neu. Dieses neue Leben durch die Rückkehr zu den alten Anweisungen der Tora gab ihnen wieder Halt. Sie gab Orientierung.
Und sie gab auch Hoffnung. Denn der Täufer verwies auf das nahe Kommen desjenigen, dem er nicht würdig war die Schuhriemen zu lösen. Er verwies eindeutig auf das nahe Kommen des versprochenen Messias, des Erlösers. Das war eine neue/alte Verheißung, die jetzt neuen Mut machte, die schon Jesaja prophezeit hatte: "Bahnt den Weg für den Herrn. Dann offenbart sich seine Herrlichkeit."
Der Evangelist Markus weist gezielt darauf hin, dass das Wirken des Johannes und das Wirken Jesu die beiden Brückenpfeiler zwischen dem altisraelitischen Glauben und dem neuen Weg der Nachfolge Jesu darstellen. Nicht ohne zu betonen, dass der neue Weg ohne seine Basis im israelitischen Väterglauben nicht möglich gewesen wäre.
Schon die Umkehr zu einem Leben nach dem Gesetz der Tora bildete den ersten Akt dessen, was so blumig als Bereiten des Weges für den Kommenden und das Ebnen der Straße für den Herrn beschrieben ist. Die Taufe fungierte als Zeichen der Reinigung von alten Denkmustern, sie machte das Herz frei und rein und damit offen für den Empfang der neuen Spiritualität Jesu. Und die bedeutet im Klartext: Eine Abkehr von der Idee, dass der so dringend erwartete Erlöser ein neuer irdischer Herrscher sein wird, der dem Volk Israel die Stellung einer eigenständigen neuen politischen Größe geben wird.
Der Retter Israels weist auf ein anderes Reich hin. Das neue Reich, von dem Jesus erzählt, gründet auf eine immer größer werdende Anzahl von Menschen, in deren Herzen sich die Botschaft von dem Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe eingenistet hat. Das ist für ihn die Basis für ein friedliches Miteinander zwischen Menschen, und zwar zwischen allen Menschen. Das auserwählte Volk sollte gleich Johannes den Weg bereiten, es sollte ein Vorbote dieses neuen Reiches sein.
Auserwähltheit des Volkes Israel bedeutete nach Jesus nicht die Bevorzugung eines Volkes vor anderen Völkern durch Gott, sondern die Exklusivität, mit dem Gott der Väter schon eine lange gemeinsame Wegstrecke zurückgelegt zu haben. Es bedeutet damals und auch heute noch die Einforderung der Glaubenserfahrung seiner ältesten Bundesbrüder als Wegbereiter für das Reich Gottes. Diesem seinem auserwählten Volk hatte sich Jahwe als erster zu erkennen gegeben. Immer wieder erfuhren die Israeliten seine barmherzige Liebe, die er ihnen als Beispiel für ihr menschliches Zusammenleben empfohlen hat. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, da sie ihre Erfahrungen als Jahwes geliebte Kinder an die anderen Menschen weitergeben sollten. Gleich älteren Schülern, die ihren Lehrer bei der Betreuung der Neulinge im Unterricht unterstützen.
Das war revolutionär und für viele Israeliten eine Zumutung: Jesu Ausweitung des Väterglaubens auf alle Völker hatte die Ausbreitung der Gottes-Reich-Idee und den Frieden unter allen Menschen zum Ziel. Ein Blick in die heutige Wirklichkeit macht uns klar, dass trotz 2000 Jahre Christentum diese Wunschvorstellung Jesu nicht einmal im Ansatz erfüllt ist.
Leider können auch die in der Vätertradition verbliebenen Menschen keine positivere Bilanz vorweisen. Was uns aber trösten kann ist die Tatsache, dass in Gottes Sicht auf seine Schöpfung die Dimension Zeit eine andere Größe darstellt als in unserer menschlichen Welt. Für Gott gibt es nicht Vergangenheit und Zukunft. Für Gott gibt es nur ewige Gegenwart. Er schenkt uns Menschen seine Beziehung im Rahmen ewiger Gegenwart, so haben wir es auch im Petrusbrief, der heutigen 2. Lesung gehört. Wir können also mit seiner Geduld rechnen, weil er nicht will, dass auch nur einer von uns zugrunde geht.
Am Tag seines Wiederkommens jedoch ist auch diese Geduld zu Ende. Weil aber keiner diesen Zeitpunkt kennt, empfiehlt uns Petrus vorbereitet zu sein. Tröstlich ist auch, dass der Kern seiner Botschaft - das Reich Gottes gründet auf die Vermehrung der Menschen, die die frohe Botschaft Jesu in ihr Herz lassen - sich nicht geändert hat. Sie ist ein klarer Auftrag an jeden einzelnen von uns, heute und jederzeit.
Die Lesungen des zweiten Adventsonntags rufen zum Umkehr. Johannes der Täufer ist der Umkehrprediger, der uns im Advent begleitet.
Hoffnung, Freude und der Glaube daran werden heute in den Texten spürbar, also wirklich „Frohe Botschaft“, nicht nur „Gute Nachricht“. Das führt uns besonders die 1. Lesung vor Augen. Die Stadt Jerusalem war durch die Babylonier belagert. Da erfolgt der Aufruf an Jerusalem Botin der Freude zu sein. Das wird schwierig, aber die Zusage ist sicher, dass der Frondienst zu Ende ist, dass viel an Last jetzt wegfällt. Neuanfang, Neubeginn nach all der schweren Last. Das macht Freude. Sie ist auch eine göttliche Eigenschaft. Wo viel verschüttet ist in den Wüsten auch unseres Lebens, sollten wir Wege bahnen. Gute Voraussetzung dafür: „Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.“ (Ps 23,4). Da wird Vertrauen aufgebaut. Bei der Ankündigung der Geburt Jesu, bekommt er zuerst den Namen Immanuel, was „Gott mit uns“ bedeutet (Jes 7,14; Mt 1,23).
In der Person Jesu zeigt Gott uns den Weg, den wir bereiten sollen. Was heißt das konkret? Wie sehen diese Voraussetzungen aus? Der Weg muss wahr sein, im Sinn von (sich) nicht verstellen, zu den Fehlern stehen. Er soll einfach, aber nicht primitiv sein, Solidarität üben, ist besonders wichtig in der Trockenheit der Wüste. Wo es kein Wasser gibt, verlangen die Menschen am meisten danach. Es geht aber auch um das „Wasser des Lebens“; „Meine Seele dürstet nach dir“ (Ps 42,2). Diese Aussage deutet bereits an: Verzicht üben, was brauchen wir wirklich zum Leben? Wenn Vertrauen vorhanden ist, können wir den Weg auch mit Gelassenheit gehen und uns bewusst werden, dass nicht alles von uns abhängig ist. Letztlich auch entschieden zu leben, sich nicht immer alles offenhalten wollen. Da kommt Beliebigkeit ins Spiel, eine unangenehme Zeiterscheinung, sich in keiner Frage festzulegen. Das gilt auch für die verschiedensten Weltanschauungen. Es wird schon etwas Höheres geben. Das sind die „Etwasisten“ oder auch Apatheisten (Ausdrücke von Thomas Halik), die gar nicht mehr fähig sind, einen Weg zu bereiten.
Wege, Wegstrecken, die zu bewältigen sind, brauchen hier auf Erden Zeit und Geduld. „Beim Herrn sind ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre sind wie ein Tag.“ (2 Petr 3,8). Da wird unsere Geduld angesprochen, die aber nicht immer gleichzusetzen ist mit „Verzögerung.“ Manchmal kann auch etwas sehr rasch gehen. „Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb.“ (2 Petr 3,10). Das hörten wir bereits im letzten Sonntagsevangelium, wo es um Wachsamkeit und Achtsamkeit ging. Vieles in unserem Leben, Erfreuliches und Furchtbares, kommt plötzlich daher und bringt uns vom rechten Weg ab. Das Lebensziel ist das vollendete Reich Gottes, das Offb 21,1. 4 als „neuen Himmel“ und „neue Erde“ beschreibt, wo der Tod nicht mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Dann zeigt sich auch das Reich Gottes in Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Wahrheit, Liebe. Unsere irdische Lebenszeit mit dem Lebensweg ist Vorbereitungszeit, ist Vorbereitungszeit auf das Leben nach dem Tod, das ewige Jetzt, wo es keine räumliche und zeitliche Begrenzung gibt. Daher bekommen wir für unser Leben hier auf Erden schon jetzt Hinweise: „Unsere Tage zu zählen, lehre uns“. (Ps 90,12). „Carpe diem!“ (Genieße den Tag! Zitat des Dichters Horaz 65 - 8 v. Chr.), Tempora fugit, amor manet“ ("Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt", sagt Publius Vergilius 70 - 19 v. Chr.). „Eins, zwei, drei im Sauseschritt, läuft die Zeit, wir laufen mit“ (Wilhelm Busch 1832 - 1908).
Durch diesen Advent haben wir noch einen Wegbegleiter: Johannes der Täufer, oft auch als „Vorläufer“ bezeichnet. Er ist etwas älter als Jesus und Bote, der zur Umkehr mahnt, zur Taufe, zur Vergebung der Sünde. Dieses Auftreten des Johannes wird verknüpft mit der Botschaft des Propheten Jesaja, etwa 700 Jahre davor. Umkehr. Wie kann sie aussehen? Es gibt eine Umkehr des Verstandes, der bereit ist, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, ohne Entschuldigung. Es gibt eine moralische Umkehr des Verhaltens, eine religiöse oder christliche Umkehr als Umkehr des Herzens, ein langandauernder, lebenswendender Prozess mit neu gewonnener Einsicht, die zur Erkenntnis Gottes führt.
Das lesen wir alles im Markusevangelium, das gleich mit einem Christusbekenntnis beginnt: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ Das entwickelt er weiter bis zum Ende des Evangeliums. „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ (Mk 15,39). Diesen Gottes Sohn Jesus werden wir wieder zu Weihnachten feiern.
Den Advent bewusst begehen ist nicht überholt. Er ist eine Zeit, in der wir uns in Haltungen einüben, die uns helfen, dass wir Gott bei uns und in uns ausnehmen.
In letzter Zeit fällt mir auf, dass ich im Laufe eines Tages häufiger als nötig nachschaue, ob neue Mails angekommen sind oder im Internet aktuelle Informationen bereitliegen. Diese Neugier deute ich, dass mein bisheriges Leben trotz vieler Erfahrungen nach mehr, vor allem nach Befriedigendem und Nachhaltigem Ausschau hält. Eine innere Dynamik regt sich immer wieder.
Diese Lebenszeichen haben viel mit Advent zu tun, wo oft von Wachsein und Erwartung die Rede ist. Mein kleiner Erfahrungsbereich will sich weiten. Was Gott in uns grundgelegt hat, möchte sich weiter entfalten. Der Austausch und die Freundschaft mit ihm stecken noch viel zu sehr in den Anfängen. Advent, die Zeit der Erwartung will durchlässiger machen für die Impulse von höchster Stelle. Advent ist eine Chance, von innen her zu wachsen. So könnte Weihnachten aktuell werden nicht nur in dem Sinne, dass damals Bethlehem göttlichen Nachwuchs bekommen hat, sondern dass auch in uns neue Lebensschübe möglich werden aus der unendlichen Lebensfülle Gott.
Advent und Erwartung sind nicht überholt. Das Leben mit Christus hat noch sehr viel auf Lager. Auf unserem künftigen Weg liegen noch unzählige Edelsteine, die zu leuchten beginnen, wenn wir lernen, sie mit den Augen Jesu zu sehen.
Auch die Lesungen des heutigen 2. Adventsonntages wollen unsere Augen schärfen, dass wir den göttlichen Einfluss im täglichen Leben besser wahrnehmen.
Allein die Lesung aus dem 2. Petrusbrief, auf die ich mich heute beziehen will, liefert wertvolle Hinweise.
Zunächst geht Petrus auf die Verzögerung ein, dass Gott so lange auf sich warten lässt. Seine Mitchristen haben gemeint, die Wiederkunft Christi würde sich noch zu ihren Lebzeiten einstellen und alles in neues Licht tauchen. Das lange Warten kann müde machen und auch Zweifel bei uns aufkommen lassen. Warum greift heute Christus nicht ein, wenn Korruption sich ausbreitet und Unrecht weiter wuchert? Gott müsste doch den Bösewichtern auf die Finger schlagen und Bittgebete schneller erhören.
Doch Gott hat einen langen Atem und beschneidet nicht die große Freiheit aller Menschen. Im Gleichnis vom Weizen und Unkraut bremst der Gutsherr die ungeduldigen Landarbeiter, die das Unkraut sofort ausreißen wollen.
Wo Gott schweigt, gibt er Zeit. Und diese Zeit brauchen wir wahrlich, bis in uns eine bessere Einsicht wächst, bis wir Konsequenzen ziehen und zu verheißungsvollen Schritten ansetzen. Gott will nicht überrumpeln. Es braucht Zeit, bis wir aus persönlichen Erfahrungen lernen, Vorsätze verwirklichen und Trägheiten überwinden. Nur was aus eigenen Erfahrungen gewachsen ist, was wir selber als das Bessere schätzen, können wir vertreten und anderen überzeugend nahebringen.
Petrus schreibt die heutige Lesung aus Rom kurz vor seinem Tod (im Jahr 64 oder 67). Dort erlebt er sich wie in einer Löwengrube, das Martyrium vor Augen. Sein Advent ist mehr als Geschenke und feineres Essen. Seine Christusverbundenheit beglückt ihn so sehr, dass er seine Mitglaubenden aufmuntern kann, Christus treu zu bleiben, die göttliche Verheißung vor Augen zu haben und voll Hoffnung den neuen Himmel und die neue Erde zu erwarten. Wer an Christus festhält, braucht vor dem Kommenden keine Angst zu haben, wenn er sich bemüht, ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.
Diese Hoffnung drückt der Apostel Paulus einmal so aus: „Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht. 23 Bedrängt werde ich von beiden Seiten: Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein - um wie viel besser wäre das! 24 Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe. 25 Im Vertrauen darauf weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen verbleiben werde, um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen.“ (Phil 1,23-25)
Weder Paulus noch Petrus klagen, dass ihnen Christus, ihr Meister und Vorbild, fern ist. Ihr Beten ist wie ein tägliches Öffnen der Fenster, dass frische Luft, das heißt, dass der Geist des Auferstandenen einströmen und sie durchdringen kann. Das kommende Gericht ist für sie nicht mit Angst besetzt, sondern räumt letzte Schleier und Bremsklötze weg. Nichts mehr wird diesen gesteigerten Liebesaustausch mit ihrem Herrn und Meister aufhalten.
Zu solch hoffnungsvollem Weg laden uns die vielen Verheißungen Jesu und die Erfahrungen der Glaubenszeugen vor uns ein. Nützen wir die Zeit, die uns gegeben ist.
Rabbi Moshe Löb in den Chassidim sagt: „Ein Mensch, dem nicht an jedem Tag eine Stunde für seine Zukunft gehört, ist kein Mensch.“
Von einem Sterbenden stammen die Worte: „Wer den Heiland zum Begleiter hat, der braucht keine Angst zu haben.“
In eine ähnliche Richtung geht die Aussage: „Wer sich nicht jeden Tag unter die Augen Christi stellt, hat kein Recht zu klagen, Christus sei abwesend; der hat auch kein Recht sich zu beschweren, wenn ihn der Tod überrascht.“
Wenn wir Christus als Begleiter wählen, kann der Advent einen Zuwachs an Lebensschüben bringen; wenn wir z.B. vor der Arbeit, im Bus, vor der Haltestelle und vor einem Gespräch einen Gedanken an Gott verwenden; wenn wir vergangene Tage überdenken und einen roten Faden weiterziehen, mit dem Christus einverstanden ist.
Heute ist Nikolaustag. Noch nach 1700 Jahren ist lebendig, was in seinem Leben aufgestrahlt ist. In dieser warmen Güte und Liebe zu wachsen, bleibt für immer kostbar und bringt den Himmel näher.
Am Höhepunkt der hl. Messe rufen wir: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.
Möge uns von Mal zu Mal mehr aufgehen, dass Gott mit seinem Himmel bei uns ankommen will, dass das erste Weihnachten damals in Bethlehem sich ganz nah bei uns fortsetzt.
Was trägt uns in dunklen Stunden, wie wir sie derzeit erleben? Hoffnungsbotschaften, Getragen-sein, auf das Licht zugehen, das uns im Weihnachtsfest aufleuchtet.
Unsere Gegenwart fordert uns gewaltig: Die Pandemie hat die Welt im Griff, auch unser Land und die Nachbarländer. Was wir im Frühling kennengelernt haben, als große Ausnahme vom Alltäglichen, hat uns seit Oktober wieder eingeholt - das Vermeiden von physischen Kontakten, die Einschränkungen in dem was wir tun können oder dürfen, Absagen von Veranstaltungen, Abstand-Halten, erneute Unsicherheit, was den Arbeitsplatz angeht. Und wir wissen nicht, wie lange diese eigenartige Art zu leben noch anhalten muss - wann es wieder so was wie „Normalität“ im Arbeiten, im Zusammenkommen und Feiern geben wird, oder was in den nächsten Jahren noch immer anders sein wird bzw. muss. Das ist sehr schwer auszuhalten, man wird mürbe davon, auch ich.
Menschen sind entweder ignorant, laut und ärgerlich geworden, oder kleinlaut und verstummt. Was im März noch nach großem gesellschaftlichem Zusammenhalt ausgesehen hat, bekommt größere Sprünge - Rücksichtnahme und massive Einschränkungen in Kauf nehmen, um schwächere Bevölkerungsgruppen zu schützen? Oder lieber die Gefährdeten absondern, der Krankheit unter fitten, jungen Menschen und der Wirtschaft freien Lauf lassen?
Wie sehr alte und junge, gesunde und kranke bzw. anfällige Menschen verbunden sind, hat sich auch im letzten Frühling deutlich gezeigt. Nur weil Menschen zurückgezogener und leiser leben als andere, heißt es nicht, dass sie für niemanden mehr wichtig sind, im Gegenteil. Für sie und für eine - ihre - qualitätsvolle Lebenszeit lohnt es sich auch die Stimme zu erheben. Menschen wollen ihre Enkelkinder erleben, für sie etwas einkaufen, an Kultur und Natur teilhaben, nicht weggesperrt sein. Sie wollen noch leben in den vielleicht letzten Jahren ihres Daseins, und nicht mit Vorwürfen, Schuldgefühlen oder Angst überschüttet sein.
Die Bibeltexte des heutigen Sonntags sind miteinander verknüpft und betonen verschiedenes:
Die frohe Botschaft der Befreiung des Volkes Israels soll mit Kraft verkündet werden: Laut, nicht leise, von einem gut hörbaren Ort her. Die Menschen sollen es erfahren!
Gott möchte eine „Autobahn" in der Wüste - rasch, ohne Umwege, ohne mühsame Prozedur will er seinen Platz im Leben der Menschen.
Wir brauchen sie auch rasch, diese frohen Botschaften - am liebsten die, dass alles vorbei ist. Das wird es nicht spielen, zumindest jetzt nicht. Aber es kann uns gelingen, frohe Botschaften in unserer momentanen Situation zu entdecken: Du bist mir nicht egal, ich schau auf dich. Wie schön ist es, einen Brief oder einen Anruf zu bekommen. Wir halten zusammen in der Familie, auch wenn wir uns in den Feiertagen nicht wie gewohnt treffen. Ich weiß mich getragen von Menschen, die an mich denken oder für mich beten. Einzelne Begegnungen bekommen mehr Gewicht und werden bedeutsamer. Ich habe Zeit für das, was mich nährt - Musik zu hören oder zu singen, einen Spaziergang, zu kochen oder gute Sachen zu lesen - wieso nicht auch Hoffnungstexte aus der Bibel?
Entscheidend dafür, wie ich diese Zeit überstehe, wird sein, wie ich es erlebe oder zu deuten vermag: Fühle ich mich getragen - wie das Lamm beim Propheten Jesaja - von Gott, von Menschen, von Ritualen? Kann ich das „fürchte dich nicht" aus vollem Herzen glauben, sodass ich aus der Zuversicht und Gelassenheit heraus leben kann, auch wenn wirtschaftlich ein schlechtes Jahr für mich ist? Wie sicher kann ich mich darauf verlassen, Hilfe zu bekommen, bei Institutionen oder meinem privaten sozialen Netz? Weiß ich mich über den Tod hinaus in Sicherheit, sodass der Tod (meiner oder der anderer Menschen) nicht das Schlimmste ist, was ich fürchten muss?
In einer Stunde ist es leichter, so zu leben, in einer anderen schwerer. Nicht immer ist alles gleich.
Der Advent als Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten wird gefeiert in einer Zeit, in der es sehr finster ist und immer dunkler wird. Dennoch gehen wir auf das Licht zu - wir wissen es aus Erfahrung, es wird ja jedes Jahr Weihnachten. Wir warten darauf, dass in unsere Dunkelheit ein Licht, dass Gott hereinbricht und uns das zusagt, was wir brauchen: den Retter in Gestalt eines Kindes, Hoffnung, Licht, Frieden. Laute Stimmen, voller Zuversicht und Frohbotschaft. Ein „fürchte dich nicht" der Engel. Sie sind dann auch wieder weg und nicht mehr sichtbar, die Boten und Engel, aber ich wünsche uns allen, dass ihre Worte Raum und Widerhall gefunden haben in uns. Amen.
© Mag.a Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Pastoralassistentin, Diözeses Linz
Advent heißt Ankunft, kann aber auch als Anfang verstanden werden. Die biblischen Texte erzählen uns von Neuanfängen: bei Jesaja nach dem Exil, bei Markus der Neubeginn mit Johannes dem Täufer als Vorläufer Jesu.
Den Vorläufer Jesu, Johannes den Täufer treffen wir in der Wüste an. Die Wüste war für die Juden der historische Ort der Gottesbegegnung. Auch wir sind im Advent eingeladen, Orte und Möglichkeiten der Besinnung aufzusuchen, um unsere Beziehung zu Gott zu erneuern.
Lieder:
GL 218: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
GL 219: Mache dich auf und werde licht (Kanon)
GL 221: Kündet allen in der Not
GL 222: Herr, send herab uns deinen Sohn
GL 223: Wir sagen euch an den lieben Advent
GL 228: Tochter Zion, freue dich
GL 231: O Heiland, reiß die Himmel auf
GL 236: Es kommt ein Schiff geladen
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 360: Macht weit die Pforten in der Welt
GL 446: Lass uns in deinem namen, Herr
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 554: Wachet auf, ruft uns die Stimme
GL Ö790/Ö791: Tauet, Himmel, den Gerechten
GL Ö792 Herr, sende den du senden willst
GL Ö798: O komm, o komm, Emmanuel
Kehrverse und Psalmen:
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk (mit Psalm 100)
GL 226: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben seine Pfade - Mit Psalm 42/43 (GL 42,2) oder mit Psalm 121 (GL 67,2)
GL 263: Seht unser König kommt; er bringt seinem Volk den Frieden - Mit Psalm 24 (GL 633,4)
GL 622: Habt Mut, ihr Verzagten, und fürchtet euch nicht! Gott selbst wird kommen und euch erretten - Mit Jes 35
GL 633,3-4: Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ichr Tore! Unser König kommt - Mit Psalm 24
GL Ö797: Hebt euch, ihr Tore, unser König kommt - Mit Jes 35 (GL 622,2)
Advent ist eine Zeit der Besinnung auf die Grundlagen unseres Glaubens. Wir bemühen uns, neu in Gott Halt zu finden und unsere Beziehung zu ihm zu vertiefen. Wir versuchen, Ordnung in unser Leben zu bringen; was krumm ist, gerade werden zu lassen, Unebenheiten und Hindernisse für unsere Gottesbeziehung zu beseitigen. Die Verheißungen der alten Propheten stärken unsere Zuversicht.
Am Beginn unserer Feier erheben wir unseren Blick zu Gott und bitten wir unseren Herrn um Barmherzigkeit.
Jesus Christus, der war, der ist, und der kommen wird, er sei mit euch!
Uns allen ist verheißen, dass Gottes Sohn all jenen nahe kommen wird, die sich zu ihm auf den Weg machen. Dieses Kommen verdichtet sich im Mittelpunkt der heiligen Messe, wo wir beten: Deinen Tod, o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. Jede heilige Messe will uns auf dieses endgültige Kommen vorbereiten. Wir öffnen uns für Christi verheißungsvolles Wort, damit er uns einen Schritt näherkommen kann.
"Was hat diese Predigt mit dir gemacht?" So die Frage eines - leider schon verstorbenen - Freundes. Gottes Wort geht an uns nicht spurlos vorüber. Es kann uns froh machen, nachdenklich, traurig, mutig, optimistisch, getröstet oder dankbar. Auch die Predigt des Johannes des Täufers hat mit vielen, die ihn hörten, was gemacht. Viele haben sich taufen lassen.
Öffnen wir uns in dieser Feier dem Wort Gottes. Gottes Wort, das uns in den Lesungen und im Evangelium begegnet, Gottes Wort, welches zu uns in der Stille spricht, will auch mit uns was machen, in jedem Gottesdienst und jetzt in dieser Stunde.
Grüßen wir Jesus den Auferstanden, besinnen wir uns, damit wir ihm in rechter Weise begegnen können.
Herr Jesus Christus,
wir bereiten uns auf das Fest deiner Geburt vor.
Herr, erbarme dich.
Oft aber geht die Vorbereitung in der Hektik dieser Tage unter.
Christus erbarme dich.
Wir brauchen Zeit und Muße, uns auf deine Botschaft zu besinnen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
wir sehnen deine Ankunft in unserer Zeit herbei.
Herr, erbarme dich.
Du rufst uns zur Umkehr,
denn du willst nicht, dass jemand zugrunde geht.
Christus, erbarme dich.
Du wirst einen neuen Himmel und eine neue Erde herbeiführen,
in denen Gerechtigkeit wohnt.
Herr, erbarme dich.
Zu Jesus Christus, der in uns zu mehr Leben kommen will, rufen wir:
GL 163,2
Allmächtiger und barmherziger Gott,
deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg.
Lass nicht zu,
dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern,
deinem Sohn entgegenzugehen.
Führe uns durch dein Wort und deine Gnade
zur Gemeinschaft mit ihm,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 2. Adventsonntag
Gott,
du hast den heiligen Johannes den Täufer berufen,
das Volk des Alten Bundes
Christus, seinem Erlöser, entgegenzuführen.
Schenke deiner Kirche die Freude im Heiligen Geist
und führe alle, die an dich glauben,
auf dem Weg des Heiles und des Friedens.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
MB 24. Juni
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch Johannes den Täufer gemahnt,
Christus, dem Herrn, den Weg zu bereiten.
Stärke uns mit deiner Kraft,
damit wir nicht müde werden, diesem Ruf zu folgen,
sondern die tröstende Ankunft dessen erwarten,
der uns Heilung bringt.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 2. Mittwoch im Advent
Du, Gott und Vater, herrschst mit starkem Arm und weidest deine Herde wie ein Hirt.
Dich bitten wir:
Für alle Menschen, die unter Krieg, Terror und Gewalt leiden.
Schaffe ihnen Frieden und Gerechtigkeit.
Für alle Menschen, die hilflos der Willkür der Mächtigen ausgeliefert sind.
Gib ihnen ihre Menschenwürde wieder und stärke sie in ihrem Widerstand.
Für alle Menschen, die unter den Folgen des Klimawandels leiden.
Wecke in allen Menschen die Bereitschaft, ihr Leben zu ändern und auf einander Rücksicht zu nehmen.
Für die christlichen Kirchen, die sich nach einer tiefgehenden Erneuerung der Kirche sehnen.
Lass sie die Kraft der Frohen Botschaft neu entdecken und der Führung des Heiligen Geistes vertrauen.
Für unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde, aber auch für alle Opfer der Kriege und des Terrors.
Schenke ihnen ewiges Leben und lass sie bei dir geborgen sein.
Dein Geist, guter Gott, lenkt und erneuert die Kirche und das Angesicht der Erde. Ihm vertrauen wir uns und die ganze Menschheit an. – Amen.
In einer ausweglosen Situation einander trösten, heißt dem anderen in seiner Not beistehen und seine Last ein Stück weit mittragen.
Zu Gott, der seinem Volk Trost verheißt, lasst uns rufen:
Mit den Worten der Bibel schenkst du uns eine Botschaft der Freude und Zuversicht.
Beten wir für alle, die darin immer wieder neue Kraft zum Leben finden.
Gewalt, Aggression, maßlose Selbstüberschätzung und Eigennutz verändern ganze Landstriche zu Wüstengebieten, in denen kaum mehr Leben möglich ist.
Beten wir für alle, die sich dagegenstellen und immer wieder nach Wegen der Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit suchen.
In Grenzsituationen des Lebens anderen beizustehen, bringt auch die Helfer oft an ihre eigenen Grenzen.
Beten wir für alle, die schlechte Botschaften überbringen müssen, in Katastrophenfällen Erste Hilfe leisten und an den diversen Notrufnummern Trost und Hilfe anbieten.
Die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest bringen viele Menschen in Bewegung.
Beten wir für die, die sich dabei zu einem Neuanfang in ihrer Beziehung zu dir bewegen lassen.
Im Fest der Geburt Jesu feiern wir den Neubeginn, den du mit uns Menschen gemacht hast in seinem Tod und seiner Auferstehung, den Neubeginn, den du für unsere Verstorbenen bereithältst.
Beten wir für unsere Verstorbenen.
Du bist der Gott-mit-uns, der in jedem Menschen ankommen will und ihn damit menschlich macht.
Dir danken wir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
du weidest deine Herde wie ein Hirt die Schafe. du weißt um jeden von uns, du hast den Überblick. Wir dagegen haben den Überblick längst verloren.
Wir bitten Dich:
In der Adventszeit bestimmen die Fragen, wer schenkt wem was, was gibt es zu essen, wem sind wir wie verpflichtet, die Vorbereitungszeit und löst Hektik und Stress aus.
Lass uns innehalten und erkennen, dass das Wesentliche deiner Botschaft nicht der Weihnachtskommerz, sondern die Zuwendung zu unseren Mitmenschen ist.
In einer Welt der Katastrophen kann man den Überblick verlieren und vor allem Mut und Hoffnung.
Lass uns erkennen, wo wir gefragt sind, Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten.
Immer mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Auf der Flucht vor Perspektivlosigkeit, Hunger, Krankheit und Terror und Krieg wagen sie die oft totbringende Flucht durch Wüsten, über Meere und bleiben an unseren Grenzen hängen.
Lass uns erkennen, dass auch sie ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben und uns dadurch nichts weggenommen wird.
Immer mehr Menschen haben Angst vor den Fremden, die zu uns strömen, sehen nur die entsprechenden Schreckensnachrichten und weiten ihre Angst gegenüber denen aus, die unsere Gesellschaft bereichern und nichts anderes wollen, als in Frieden leben zu können.
Lenke ihren Blick auf das Gute in den schutzsuchenden Menschen, damit auch sie erkennen, wie wertvoll diese für uns sind.
Oft sind wir unzufrieden mit unserem Leben und haben Angst vor der Zukunft und erkennen gar nicht, wie gut es uns geht.
Lass uns erkennen, was uns Gutes widerfährt, und dankbar sein für das, was wir haben.
Für unsere Verstorbenen.
Nimm sie auf in Dein Reich.
Guter Gott,
dein Sohn ist Mensch geworden um uns zu retten. Nicht erst in der himmlischen Herrlichkeit, sondern bereits hier auf der Erde soll sich unser Leben erfüllen in der Begegnung mit dir und unseren Mitmenschen. Stärke uns dazu mit dem Heiligen Geist.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Wie Nebel umhüllen uns Geschäftigkeit und Sorgen.
Zu selten gelingen uns Abstand und ein Blick über unser Hier und Jetzt hinaus.
Wir spüren unser Ungenügen und bitten dich, Herr Jesus, um deine Hilfe:
Halte die Sehnsucht lebendig, die nicht bei sich selber stehen bleibt, sondern nach mehr Beziehung sucht.
Komm, Herr Jesus!
Lass durch deinen Lebensstil immer mehr Menschen begreifen, was zufriedener macht als Geld und Konsum.
Sei nahe den Corona-Erkrankten und stärke alle, die sie pflegen.
Begleite die Politiker bei ihren Entscheidungen und hilf, dass alle, Groß und Klein, zur Überwindung der Pandemie beitragen.
Lass uns die Zeit der eingeschränkten Kontakte nützen zu mehr Kontakten mit dir.
Mach unser Denken und Planen wach für deine Schritte in unser Leben.
Lass das Leben unserer Verstorbenen sich vollenden in der totalen Begegnung mit dir.
Herr Jesus Christus,
dein Kommen in unsere Welt besagt, dass der Himmel nicht in der Ferne bleibt, sondern sich ganz mit unserem Leben verbinden will.
Lass diese Wahrheit in uns immer wirksamer werden. - Amen.
Barmherziger Gott,
wir bekennen, dass wir immer wieder versagen
und uns nicht auf unsere Verdienste berufen können.
Komm uns zu Hilfe, ersetze, was uns fehlt,
und nimm unsere Gebete und Gaben gnädig an.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Adventssonntag
Vater im Himmel,
lege deinen Geist in unser Herz,
damit er uns belebe und heilige
und zu einer wahren Opfergabe mache für dich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 9
Kehrvers:
"Wir loben dich, wir danken dir, wir beten dich an"
(aus dem Gloria GL 131)
Lasst uns Gott unseren Dank und unseren Lobpreis darbringen:
Heiliger Gott und Vater, wir preisen dich und danken dir,
dass du uns in deiner Barmherzigkeit die Möglichkeit zur Umkehr lässt.
Kehrvers
Wir danken dir,
dass du uns durch prophetische Menschen immer neu zur Umkehr rufst.
Du forderst uns auf,
die Straßen auf denen der Messias zu uns kommt,
zu ebnen und ihm den Weg zu bereiten.
Kehrvers
Wir danken dir für die Taufe,
durch die wir deine Töchter und Söhne geworden sind.
Durch sie hast du uns mit deinem Heiligen Geist ausgestattet,
Er befähigt uns, Früchte hervor zu bringen, die dir gefallen.
Kehrvers
Wir danken dir,
dass wir deinen Sohn Jesus Christus erwarten dürfen
der unserer Welt endgültige Gerechtigkeit und endgültigen Frieden bringen wird.
Wir stimmen ein in den Lobgesang aller Heiligen und singen:
Danklied, z. B.: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Von ihm redet die Botschaft aller Propheten,
die jungfräuliche Mutter trug ihn voll Liebe in ihrem Schoß,
seine Ankunft verkündete Johannes der Täufer
und zeigte auf ihn,
der unerkannt mitten unter den Menschen war.
Er schenkt uns in diesen Tagen die Freude,
uns für das Fest seiner Geburt zu bereiten,
damit wir ihn wachend und betend erwarten
und bei seinem Kommen
mit Liedern des Lobes empfangen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 2
Johannes sagt: "Jesus kommt, und er ist stärker als ich."
Jesus sagt: "Der Weg geht über meinen Vater!"
Darum lasst uns beten:
Vater unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr Jesus, eine deiner Stärken war der Friede,
den du immer wieder gelebt hast
und auch heute leben kannst.
Darum bitten wir dich:
Schaue nicht...
In der Wüste einen Weg bereiten
In der Wüste unseres Wohlstandes
In der Wüste unserer Gleichgültigkeit
In der Wüste unserer Geschäftigkeit
Dem Herrn einen Weg bereiten '
In der Zeit der Ichsucht
In der Zeit des Lärms
In der Zeit der Kälte
In der Zeit der Dunkelheit
Dem Herrn eine Straße ebnen
In der Welt der Orientierungslosigkeit
In der Welt des Zweifels
In der Welt der Lieblosigkeit
In der Welt ohne Hoffnung
In der Not der Menschen
Ein Licht anzünden
Herr, unser Gott,
im heiligen Mahl
hast du uns mit deinem Geist erfüllt.
Lehre uns durch die Teilnahme an diesem Geheimnis,
die Welt im Licht deiner Weisheit zu sehen
und das Unvergängliche mehr zu lieben
als das Vergängliche.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Adventsonntag
Herr, unser Gott,
du hast deine Kirche
mit himmlischen Gaben beschenkt.
Erhalte ihr deine Gnade,
damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist,
in ihr weiterwirkt
und die geistliche Speise sie nährt
bis zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingsten am Tag
Wien (KAP) Kirchenreformen brauchen "mutige Vorreiter". Das lehre ein Blick zurück in die Kir-chengeschichte ebenso wie ein Blick auf laufende Reformprojekte wie den deutschen Synodalen Weg. Das hat der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner in einem Blogbeitrag betont, mit dem er auf die jüngste Antwort von Papst Franziskus auf einen Brief von vier deutschen Theologinnen reagierte. In dem Brief hatten die Theologinnen sich besorgt gezeigt, dass der Synodale Weg die Einheit der Kirche gefährde. Papst Franziskus hatte geschrieben, er teile diese Sorge. Zulehner verteidigte das deutsche Reformprojekt gegen die Kritik: "Die deutsche Kirche leistet Pionierarbeit".
[...]
Mutige Vorreiter von Reformen seien etwa der Ordensmann Pius Parsch (1884-1954) gewesen, der die "grandiose liturgische Reform" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) mit seinen eigenen Ansätzen einer Volksliturgie letzt-lich vorbereitet hat, der Innsbrucker Jesuit Karl Rahner (1904-1984) sowie der Wiener Erzbischof, Kardinal Franz König (1905-2004), der sich schon lange vor "Amoris laetitia" von Papst Franziskus für eine Einzelfalllösung bei der Frage des Zu-gangs wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten ausgesprochen hatte. Diesbezüg-lich erinnerte Zulehner an eine entsprechende Erklärung der Österreichischen Bischöfe zum Ab-schluss der Bischofssynode 1980.
Paul Zulehner in Kathpress am 22.11.2023.
Wer Nachrichten hört, Zeitung liest oder sich auf sonstige Weise durch Medien informiert, kann den Eindruck bekommen, dass die Endzeit, von der wir am letzten Sonntag gehört haben, eingetroffen ist. Ein Krieg im Heiligen Land, der an Grausamkeit noch mal zugelegt hat. Immer noch kein Frieden in der Ukraine, in Syrien, in Afghanistan, im Sudan. Hinzu kommen die Dürrekatastrophen, Land, das durch die Klimaerwärmung unfruchtbar und unbewohnbar wird, Terror, Bürgerkriege, Revolutionen. Hass auf unseren Straßen, antisemitische und antimuslimische Anschläge und, und, und…
Viele klagen darüber, dass die Gesellschaft kälter wird, das jeder nur noch an sich denkt, dass kein Zusammenhalt mehr da ist, und Egoismus vorherrscht.
Dabei gibt es auch gute Nachrichten:
Da fällt eine ältere Frau abends auf dem Parkplatz am Supermarkt hin und sofort kommen von allen Seiten Menschen hinzu, um zu helfen, und fragen nach, ob wirklich alles in Ordnung ist oder man nicht vielleicht doch den Notarzt rufen sollte.
Da ist der ältere Herr in der Straßenbahn, der Mühe hat, mit dem Rollator auszusteigen, und sofort helfen ihm Jugendliche dabei.
Da steht einer ratlos auf dem Gleis am Bahnhof und findet Mitmenschen, die ihm weiterhelfen.
Da stellt eine Initiative einen Weihnachtsbaum mit Wünschen von Kindern aus finanziell schwachen Verhältnissen auf und die Wunschzettel sind sofort vergeben.
Dem jungen Mann fällt auf, dass die Nachbarin die Mülltonne nicht hinausgestellt hat. Er klingelt und fragt nach, ob er helfen kann.
Jemand äußerst sich rassistisch und andere stehen auf und fallen ihm ins Wort.
Aber auch der Blick in die Welt lässt hoffen:
Der junge Muslim, der die Israelin aus dem Kibbuz vor der Hammas beschützt und an einen sicheren Ort bringt.
Russische Soldaten, die sich nicht grausam vergehen an den Menschen in den eroberten Gebieten, sondern sie respektieren und ihnen helfen, so gut es geht.
Ärzte ohne Grenzen, die in die Krisengebiete fahren, um den Menschen vor Ort zu helfen.
Unzählige Menschen in Hilfsorganisationen, die nicht für ihren eigenen Profit arbeiten, sondern die das Leid der Menschen antreibt.
Und dann sind da wir:
Wir können das Leid der Welt beklagen, die Endzeit prophezeien und die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Oder aber genau hinschauen, die Lichtblicke sehen, das Gute erkennen. Und uns daran erinnern: wir sind die, die berufen sind, das Reich Gottes und seinen Frieden in die Welt zu bringen. Damit können wir jederzeit anfangen, indem wir unsere Mitmenschen so annehmen, wie sie sind, indem wir unseren Möglichkeiten entsprechend helfen, wo wir helfen können – mit Freundlichkeit, tatkräftig, mit Geld, mit Wohlwollen.
Und wir sollten erzählen:
Davon, wo es Lichtblicke gibt, wo Gutes geschieht, wo sich die Hoffnung manifestiert.
Denn überall da, wo wir Hoffnung verbreiten, da wird er erkennbar, der Heilige Geist, der uns erfüllt, der uns geschenkt ist durch die Taufe.
Edith Furtmann 2023.
Advent heißt
bis zum Schluss
suchen nach einer Herberge –
auch nach einer inneren –
einem Ort
wohin ich mich retten kann
wo ich mich bergen mag
Advent heißt auch
dass ich hoffe –
hoffe den Ort zu finden
an dem ich
all meine Mühsal ablegen kann
all die Last meines bisherigen Weges
und hoffen darf
dass das Leben sich neu gebiert.
Beatrix Senft 2023.
Wenn Dunkelheit sich allmählich lichtet,
wenn jemand auf Vergeltung verzichtet,
wenn Vergessenes wieder aufleuchten will,
wenn Verborgenes erscheint, zärtlich und still:
Wenn Geschwätziges leise und sacht verstummt,
wenn das Herz ein Lied der Sehnsucht summt,
wenn Menschen sich als Geschwister erkennen,
wenn sie einander Bruder und Schwester nennen:
Wenn müde Augen zu leuchten beginnen,
wenn wir uns auf Jesu Kommen besinnen,
wenn Gottes Charme unsre Sinne berührt,
wenn ein Engel uns zur Weihnacht hinführt:
...dann ist Advent
Lied als PDF herunterladen...
Text: Paul Weismantel, Melodie: Reinhard Burchhardt
Text und Musik von Reinhard Burchhardt. Warburg 2009.
burchhardt-r@t-online.de
Text und Musik von Reinhard Burchhardt. Warburg 2023.
burchhardt-r@t-online.de
Im Norden Finnlands erzählt man sich eine recht hintergründige Geschichte:
Zur Einweihung eines Nobelhotels sollte ein Minister persönlich erscheinen. Dazu waren die Honoratioren der Stadt geladen. Ober im vornehmen Schwarz reichten still die Drinks. Die Gäste betrachteten die Bilder einer Ausstellung in der Hotelhalle.
Plötzlich war mitten in der vornehmen Gesellschaft ein unscheinbarer kleiner Mann in Wanderkleidung und festen Wanderschuhen. Der Portier schoss auf ihn zu und machte ihm höflich klar, dass er in dieser Aufmachung nicht erwünscht sei. Etwas traurig ließ er weiter seine Blicke über die Bilder gleiten. Als der Augenblick der Einweihung und damit die Ankunft des Ministers unmittelbar bevorstand, forderte der Hoteldirektor selbst, zwar höflich, aber unmissverständlich den ungebetenen Gast auf, den Raum zu verlassen. "Sie sind hier der Chef?" fragte der Mann still lächelnd, "mein Name ist Jussila". "Wie auch immer", erwiderte der Direktor und übersah die dargebotene Hand, "aber Sie könnten mir vielleicht sagen, wo ich in meiner Kleidung ein Mittagessen bekomme." Er wurde auf ein kleines Gasthaus verwiesen. Der erwartete Ehrengast aber blieb aus. Schließlich wurde die Einweihung des Hotels ohne den Minister vorgenommen, sehr zur Enttäuschung der geladenen Gäste.
Am übernächsten Tag kam ein Brief an die Hoteldirektion. Darin wurde gedankt für den guten Ratschlag. Das Essen in dem kleinen Gasthaus sei wirklich vorzüglich gewesen. Und weiter: "Machen Sie mir keine Vorwürfe. Ich war gestern rechtzeitig bei Ihnen, aber Sie wollten mich durchaus nicht dabehalten."
Unterschrieben war der Brief vom Minister Jussila, auf den man gestern vergeblich gewartet hatte, den man in seiner Wanderkleidung nicht erkannt hatte, den man vor die Tür gewiesen hatte.
Herkunft unbekannt.
Da war ein sehr guter Mann. Er hatte ein schönes großes Haus und ringsherum gehörte ihm weit und breit alles. Und dieser Mann hatte einen Sohn. Vater und Sohn verstanden sich prima. Was der Vater wollte, wollte auch der Sohn; und wenn der Sohn etwas sagte, dann war es, als hätte der Vater es gesagt. Und wenn der Sohn etwas tat, dann war der Vater damit einverstanden. - Der Sohn ließ nichts auf seinen Vater kommen und der Vater war stolz auf seinen Sohn.
Aber da tat der Sohn etwas, das uns sonderbar vorkommt: er ging von zuhause weg. Er ging in das Land ringsherum, das seinem Vater gehörte. Er ging in ihre Häuser und Wirtshäuser, in ihre Schulen und Kirchen. Er besuchte die Menschen, wo sie auch waren und wie sie auch aussahen. Ja, er kümmerte sich sogar ganz besonders um die, die gar nicht gut aussahen und die nicht beliebt waren. Auch Menschen, die in ihrem Leben viel falsch gemacht hatten. Er aß und trank mit ihnen - und er erzählte ihnen von seinem Vater, wie freundlich er ist und wie gut.
Es wurde eine weite Reise! Und je länger der Sohn unterwegs war auf den staubigen Straßen und Wegen, desto ähnlicher wurde er solchen Menschen. Er sah gar nicht mehr aus wie ein Sohn aus gutem Hause; staubig und abgetragen war seine Kleidung. Angestrengt und müde sah er aus, - wie ein armer Bettler.
Darum lachten auch viele, wenn er von seinem Vater erzählte:
"Der und ein reicher Vater", sagten sie, "guckt mal, wie er aussieht: so eine armselige Gestalt!" oder: "Guckt mal, mit wem der zusammen ist, das würde ein guter Sohn aus reichem Hause nie tun!"
Oder sie lachten: "So einen Vater gibt es gar nicht, so mächtig, freundlich und gut! Wenn es deinen so großartigen Vater wirklich gäbe”, sagten sie, "dann hätte er uns längst eingeladen, weil wir sehr wichtige Leute sind. Er lügt ganz einfach.“
Als der Sohn außerdem sagte: "Nur durch mich könnt ihr meinen Vater kennenlernen", wurden sie ganz böse: „Durch den bestimmt nicht. Wenn es seinen Vater überhaupt gibt, dann hat er ihn bestimmt davongejagt - und das Beste ist, wir jagen ihn auch davon, oder - wir schlagen ihn tot."
Aber es gab auch viele -besonders die Verlorenen, die armen, schuldigen Menschen, die hörten ihm gerne zu. „Bleib bei uns" sagten sie, „und nimm uns mit. So einen Vater möchten wir auch haben." - -
Da, lud der Sohn sie alle ein, alle, die wollten und ihm glaubten: "Kommt alle mit, kommt zu meinem Vater. Ich will, dass mein Vater auch euer Vater ist. - Ich will nicht mehr ohne euch sein.” Und dann nahm er sie mit und trat vor seinen Vater. Rechts und links hatte er sie an die Hand genommen - eine lange Reihe zu beiden Seiten.
Schon brachte der Sohn die Bitte vor: "Vater, ich will, dass alle diese Menschen meine Brüder und Schwestern werden, dass du sie annimmst und ihr Vater bist. Vater, du weißt, dass ich dich lieb habe, aber alle diese verlorenen Menschen habe ich auch lieb. Ich will nicht mehr ohne sie sein.“-
Und es ist dabei geblieben. Der Vater hat ihm recht gegeben: Alle, die mit ihm gingen, die seine ausgestreckte Hand annahmen, alle, die anfassten in der langen Reihe, nahm der Vater an als seine Kinder, als seine Töchter und Söhne - eine ganz große Familie.
Herkunft unbekannt.
Ich kam mit ziemlich allen Menschen meiner Umgebung gut aus mit Ausnahme einer Person. Ich vermute, dass es eine Erblast war, denn meine Großeltern und Eltern hatten schon Probleme mit Leuten aus dieser Familie.
Meine Gedanken kreisten täglich wuterfüllt um diese Person. Dann konnte ich meine Arbeit nicht korrekt erledigen.
Ich suchte in allen möglichen Büchern und bei den Menschen nach Hilfe und ich fand sie im Gebet.
Zuerst teilte ich die Menschen in 3 Gruppen auf.
1. Gruppe, die Menschen, die ich mag,
2. Gruppe, die Menschen, die mir egal sind,
3. Gruppe, die Menschen, die ich nicht mag.
Nach viel Bemühen brachte ich diese Person zu dieser Gruppe, die mir egal war. Dabei half mir der Satz: Beachtung bringt Verstärkung. Also beachtete ich nur noch Dinge, die mir dienlich waren. Daraufhin ging es mir besser, aber noch nicht gut.
Der nächste Schritt war dann der beste. Ich versprach meinem lieben Gott und Vater: Immer wenn ich mich ertappe, dass ich wieder an diese Person denke, ganz konzentriert ein Vater unser und ein Ave Maria zu beten.
Da gab es einen Tag, an dem ich fast nur am Beten war. Seit diesem Tag ist der ganze Spuk vorbei. Ich kann diese Person nun akzeptieren so wie sie ist. Ja ich würde sie sogar sehr vermissen. Ihr verdanke ich, dass ich vielen Menschen durch diese Erfahrung mit meinen Ratschlägen helfen kann.
Das Problem lag in mir. Es ist ein schönes Gefühl in diesem Fall unverletzlich zu sein. Gerne sage ich: Danke mein Freund, Du hast mich angegriffen und dabei die Kraft zur Verzeihung in mir geweckt. Du wolltest mir wehtun und hast mich dabei gelehrt, den Schmerz zu ertragen mit Würde und Tapferkeit. Du wolltest mich erniedrigen und hast dabei bewirkt, dass ich mich aufraffte zu meiner vollen Größe. Ich danke Dir, mein Freund. Du wolltest mich zerstören und hast mir dabei gezeigt das Unzerstörbare in mir.
Aus: Buch des Lebens, Hrsg. Gebhard Fürst, Schwabenverlag 2005.
Wir werden den Abfall von Gott nicht aufheben. Wir werden den Frieden und die Gerechtigkeit auf dieser Erde nicht schaffen. Dazu ist eine andere Welt erforderlich als die von der Schuld der Menschheit gezeichnete. Vielleicht können wir das Leben der Völker erträglicher gestalten. Unstillbar aber bleibt immer - gäbe es auch eine glückliche Welt - die »Sehnsucht nach dem ganz Anderen«.
Als Horkheimer am Ende seines Weges das als sein denkerisches Vermächtnis aussprach, brachten seine atheistischen und revolutionären Studenten und Anhänger den Mund nicht mehr zu. Er hatte zeitlebens für ein irdisches Paradies gekämpft und geworben. Er musste erkennen, dass selbst die beste Welt uns nicht sättigen kann.
Aus: Michael Grünwald, Brennt im Geist! Verlag Friedrich Pustet 1984.
Du bist verirrt?
Schau nur voraus!
Da ist schon einer,
der dich führen will!
Du bist erschöpft?
Schau hinter dich!
Da kommt schon einer,
der dich stützen will!
Du bist verzagt?
Schau neben dich!
Da steht schon einer,
der dich trösten will.
Du bist verletzt?
Schau über dich hinaus!
Da wartet einer,
der dich heilen will!
Aus: Elisabeth Alferink, Auf den Spuren des Jakobus. Mein spiritueller Wegbegleiter. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2003.
Auch wir
eingeladen Wegbereiter Jesu Christi
und Rufer in der Wüste zu sein -
Rufer in den Wüsten
von Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit,
Sprachlosigkeit und Oberflächlichkeit,
Ungerechtigkeit und Ausgrenzung,
Hass und Neid, Streit und Gewalt …
Auch wir
eingeladen Wegbereiter der Erlösung
und Hoffnungsbote des Lichts zu sein -
Gottes Stimme zu Wort kommen lassen
als Botschafter Seiner Liebe
und Botschafter Seiner neuen Welt,
um den Gebeugten neuen Lebensmut
und neue Hoffnung zu schenken.
www.spurensuche.info
Zukunft
Wer bist du?
So weit weg und doch so nah.
Und wenn ich endlich da bin,
dann bist du schon wieder weg.
Und wenn ich versuche, mir dich vorzustellen,
dann geht das nicht, denn du veränderst dich ständig.
Wer bist du?
Ich habe Angst vor dir.
Ja, Angst. Denn du bist Unergründlich,
geheimnisvoll und unvorhersehbar.
Und doch präge ich dich und
bin für dich verantwortlich
Aus: Rat für nachhaltige Entwicklung (Hrsg), Jugend schreibt Zukunft. Gedanken und Bilder zur Nachhaltigkeit. Ökonom-Verlag München 2002.
Ein Mensch von gründlicher Natur
Macht bei sich selber Inventur.
Wie manches von den Idealen,
Die er einst teuer mußte zahlen,
Gibt er, wenn auch nur widerwillig,
Weit unter Einkaufspreis, spottbillig.
Auf einen Wust von holden Träumen
Schreibt er entschlossen jetzt: »Wir räumen!«
Und viele höchste Lebensgüter
Sind nur mehr alte Ladenhüter.
Doch ganz vergessen unterm Staube
Ist noch ein Restchen alter Glaube,
Verschollen im Geschäftsbetriebe
Hielt sich auch noch ein Quentchen Liebe,
Und unter wüstem Kram verschloffen
Entdeckt er noch ein Stückchen Hoffen.
Der Mensch, verschmerzend seine Pleite,
Bringt die drei Dinge still beiseite
Und lebt ganz glücklich bis zur Frist,
Wenn er noch nicht gestorben ist.
Aus: Eugen Roth, Ein Mensch. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1995.
Die Kirche ist nicht von sich aus heilig. Tatsächlich besteht sie - das wissen und sehen wir - aus Sündern. Vielmehr wird sie immer wieder neu geheiligt durch die reinigende Liebe Christi. Gott hat nicht nur Worte gemacht, sondern uns auf realistische Weise geliebt, sogar bis zum Tod seines eigenen Sohnes. Und gerade dadurch zeigt er uns die ganze Großartigkeit der Offenbarung jener Wunde, die im Herzen Gottes selbst eingeschrieben ist. Jetzt kann jeder von uns persönlich mit dem heiligen Paulus sagen: "Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat (Gal. 2, 20)."
So sehr die richtige Ordnung in der Kirche wichtig ist, sie ergibt sich umso mehr, je mehr wir das tun, wofür die Kirche da ist. Und sie ist ja da, damit Gott in dieser Welt sichtbar werden kann. Die Kirchenkonstitution des II. Vatikanums bezeichnet sie eben als den Spiegel oder auch als das Fenster, durch das Gott in die Welt hineinblickt. Deswegen sollte die Kirche vor allen Dingen versuchen, die Herausforderungen der modernen Welt anzunehmen und zu ihr verständlich und glaubwürdig von Gott zu sprechen.
Das setzt voraus, dass Menschen, die in der Kirche dienen, selber gläubig sind. Und da gibt es dann oft sozusagen einen leisen Selbstwiderspruch: Ja, sind wir schon gläubig, aber so ganz sicher sind wir doch nicht. Wenn man spürt, dass man mit sich selbst zerfallen ist, dann kann auch die Antwort nicht sehr überzeugend sein. Also selber die innere Berührung mit Christus suchen, um aus ihr heraus Zeugnis zu geben. Und ein solches Zeugnis, das zunächst Gott überhaupt einmal sichtbar macht, muss natürlich immer auch ein Zeugnis des Lebens sein, in dem sichtbar wird: Wer sich an Gott ausrichtet, der lebt auch richtig, im Bezug auf die Nächsten, auf die Gesellschaft, auf die großen Probleme unserer Zeit.
Benedikt XVI, Gedanken, Impulse, Visionen, Leipzig, 95f.
Johannes sprach: Tut Buße; das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Mt 3,2
Jesus sprach: Die Zeit ist erfüllet, das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubet an das Evangelium. Mk 1, 15
Johannes kommt als die Stimme des Rufenden und predigt allen eine Taufe der Buße und stellt es durch solche Predigt unaufhörlich fest als d i e Wahrheit, dass alle Menschen Sünden haben. Die einen glauben Johannes als der Stimme des Evangeliums; sie halten solche erschütternde Predigt für wahr und stehen also geniedrigt und zitternd im Gehorsam; sie anerkennen, dass sie Sünder sind; sie mögen sich selbst etwas bewusst sein oder nicht, so glauben sie doch Johannes mehr als sich selbst. Und die sind fähig, die Gnade zu fassen; sie hungern nach der Gerechtigkeit; um Trost ist ihnen bange; sie sind geistlich arm, gelassen und willig, sich führen zu lassen. Darum kommt Christus, das Reich der Himmel in sie, er, der da kommt, die Sünder selig zu machen. Die anderen aber, die um ihre eigene Gerechtigkeit wissen, glauben nicht, dass es wahr ist noch sie selbst etwas angeht, wenn da gefordert wird: Tut Buße! Sie werfen vielmehr ein: wir sind gerecht; wir wissen von keiner Sünde. Sie wollen nicht hören den fremden Klang des Evangeliums, dass sie Sünde tun und Toren sind; vielmehr glauben sie, dass Evangelium sei falsch und eine Lüge. . . Die Sünden werden nur denen vergeben, die sich in ihnen nicht wohlfühlen; das nämlich heißt Buße tun. Da unser Meister und Herr Jesus Christus spricht: "Tut Buße" usw., will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete oder unaufhörliche Buße sein soll.
Dr. Martin Luther, Christlicher Wegweiser für jeden Tag, Neu zusammengestellt und herausgegeben von Helmut Korinth, Hamburg 1980, Seite 383 f.
Advent.
Jesus ist gekommen.
Damals vor zweitausend Jahren.
Und er ist gegangen.
Drei Jahrzehnte später.
Jesus wird wieder kommen
am Ende der Zeiten.
Wann, wissen wir nicht.
Aber heute, an diesem Tag,
kommt er auf mich zu.
Ich will ihn erwarten,
ihn suchen,
wo man ihn nicht vermutet.
Ich will mich darauf einstellen,
dass in einem unscheinbaren Mädchen,
in einer armen Krippe,
unter den Abgewiesenen,
bei den Kleinen,
in einem Neugeborenen,
in einem Verfolgten,
in der Nacht,
der auf mich zukommt,
der mich nicht enttäuscht,
der Emmanuel,
der Gott, der heute kommt,
der Gott, der bei mir bleibt,
der sich freut, bei uns zu wohnen,
nicht weil wir das verdient haben,
sondern weil er ist, wie er ist.
Wolfgang Bader, Türen zum Advent, München 2002, 24f
Obwohl das Neue Testament durchgängig in Griechisch geschrieben ist, haben einige geheimnisvolle Einsprengsel in der Muttersprache Jesu erhalten, dem Aramäischen, so auch das Wort maranatá (bitte auf der letzten Silbe betonen!), was so viel heißt wie: Komm, Herr Jesu! Die Erklärung ist ganz einfach: der Ruf maranatá! Ist seit frühesten Zeiten ein Bestandteil der christlichen Zusammenkünfte gewesen. Die ersten Christen glaubten, dass ihr Herr praktisch jeden Moment in Macht und Herrlichkeit wiederkommen könnte. Deshalb ihr sehnsüchtiger Seufzer: Komm!
Dieser Seufzer beendet nicht nur das Sendschreiben "Die Offenbarung des Johannes"; er beendet auch die Bibel, dieses mächtige Buch, das mit den Worten beginnt: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (Gen 1,1). Der vorletzte Vers der Bibel besteht aus zwei Teilen. Den zweiten kennen wir: "Ja komm, Herr Jesus!" Er ist die Antwort auf einen Satz, den Jesus sagt: "Ja, ich komme bald." "Und wie wird das sein, wenn er kommt?" Er wird jede Träne wegwischen von ihren Augen; der Tod wird nicht mehr sein, und nicht Trauer und Klage und Mühsal; denn das Frühere ist vergangen" (Offb 21, 4).
Christ sein ist auch dies: Wenn wir alles getan haben: die Hungernden gespeist, die Kranken besucht, die Traurigen getröstet, wenn wir uns aufgerieben haben und müde sind und es wieder nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war - dann wird am Ende ein anderer kommen und das Werk vollenden, dass über unsere Kraft ging. Darum dürfen wir nicht nur am Ende unseres Lebens, sondern praktisch jeden Abend sagen: Komm, Herr Jesus!
Werner Tiki Küstenmacher, Die 3 - Minuten Bibel, München 2004, Seite 233 ff.
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Schneller am Ziel
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Der Abschnitt Jes 40,1-11 bildet den Prolog zu den Kapiteln 40 bis 55, dem sog. Deuterojesaja ("Der Zweit-Jesaja"). Der zweite Jesaja (6. Jhdt. v. Chr.) hat in Fortsetzung des ersten (8. Jhdt. v. Chr. - vor dem Exil) seine prophetische Botschaft der judäischen Gemeinde im babylonischen Exil verkündet. Er knüpft auch theologisch an sein Vorbild an. Dieser drohte seinem Volk den Untergang an wegen seiner Sünden (Jes 6).
Zuerst spricht Gott durch den Propheten dem Volk Trost zu. Es kann aufatmen, da seine Schuld beglichen ist und sein Frondienst zu Ende geht.
Dann kündet der Prophet einen Gewaltakt an, der einer Neuschöpfung gleichkommt: Eine Straße durch Wüste und Steppe wird gebaut, Berge und Hügel werden abgetragen, Täler ausgefüllt... Der Weg durch die Wüste erinnert an den Auszug aus Ägypten. Nun offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn.
Am Schluss wird Jerusalem aufgefordert, das Siegeslied anzustimmen. Diese Aufforderung erinnert an das Siegeslied am Schilfmeer (Ex 15), an das Deboralied (Ri 5). Siegeslieder zu singen war Sache der Frauen. Sie begleiteten den Einzug des siegreichen Retters.
Der letzte Vers bringt noch das Bild des guten Hirten ein, der die Seinen sammelt und auf dem Arm trägt im Gegensatz zu den heidnischen Göttern, die sich in den Festprozessionen von den Menschen tragen lassen.
Mit Jes 40 beginnt das Werk des Deuterojesajas ("der zweite Jesaja"). Seine Person ist uns unbekannt, wir kennen nicht einmal seinen Namen. Sein Auftreten fällt in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems (587 vor Chr.) und der Deportation von ca. 15 000 Juden in die babylonische Gefangenschaft, bevor der Siegeszug des Perserkönigs Kyros begann, der zum Sturz des babylonischen Reiches führte (539 vor Chr.), und unter dem die Juden wieder nach Jerusalem zurückkehren dürfen.
Der Prophet, dessen Person völlig in den Hintergrund tritt, wird aufgefordert, das Volk, das sich in der Gefangenschaft von Babel befindet, zu trösten. Durch die Leiden der Gefangenschaft hat das Volk Israel seine Schuld (Abfall von Gott) gebüßt. Jahwe ist bereit, mit seinem Volk in die Heimat zurückzukehren, so wie er sein Volk einst aus der ägyptischen Knechtschaft herausgeführt hat. Der Prophet hört gleichsam einen Herold, der dem König vorausgeht und eine Königsstraße – Gottesstraße – von Babel nach Jerusalem errrichtet.
In Vers 9f sieht der Prophet Jahwe bereits mit seinem Volk auf der Rückkehr und zeigt in dem Hirtengleichnis (Vers 11) wie zart und rücksichtsvoll Gott mit seinem Volk umgeht.