Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren
und machst unser Herz hart,
sodass wir dich nicht fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen,
um der Stämme willen, die dein Erbbesitz sind!
Hättest du doch den Himmel zerrissen
und wärest herabgestiegen,
sodass die Berge vor dir erzitterten.
Seit Urzeiten hat man nicht vernommen,
hat man nicht gehört;
kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen,
der an dem handelt, der auf ihn harrt.
Du kamst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt,
denen, die auf deinen Wegen an dich denken.
Siehe, du warst zornig und wir sündigten;
bleiben wir künftig auf ihnen, werden wir gerettet werden.
Wie ein Unreiner sind wir alle geworden,
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt,
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.
Niemand ruft deinen Namen an,
keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld.
Doch nun, HERR, du bist unser Vater.
Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer,
wir alle sind das Werk deiner Hände.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren
und machst unser Herz hart,
sodass wir dich nicht fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen,
um der Stämme willen, die dein Erbbesitz sind!
Für eine kurze Zeit
haben unsere Feinde dein heiliges Volk in Besitz genommen;
dein Heiligtum haben sie zertreten.
Wir sind geworden wie die, über die du nie geherrscht hast,
über denen dein Name nie ausgerufen wurde.
Hättest du doch den Himmel zerrissen
und wärest herabgestiegen,
sodass die Berge vor dir erzitterten,
wie Feuer Reisig entzündet,
wie Feuer Wasser zum Sieden bringt,
um deinen Feinden deinen Namen bekannt zu machen,
sodass die Nationen vor dir erbeben.
Als du Furcht erregende Dinge tatest,
die wir nicht erwarteten,
stiegst du herab; vor dir erzitterten die Berge.
Seit Urzeiten hat man nicht vernommen,
hat man nicht gehört;
kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen,
der an dem handelt, der auf ihn harrt.
Du kamst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt,
denen, die auf deinen Wegen an dich denken.
Siehe, du warst zornig und wir sündigten;
bleiben wir künftig auf ihnen, werden wir gerettet werden.
Wie ein Unreiner sind wir alle geworden,
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt,
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.
Niemand ruft deinen Namen an,
keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld.
Doch nun, HERR, du bist unser Vater.
Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer,
wir alle sind das Werk deiner Hände.
Kv - Stelle uns wieder her, o Gott!
Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet. - Kv
Du Hirte Israels, höre!
Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
Wecke deine gewaltige Kraft
und komm zu unserer Rettung! - Kv
Gott der Heerscharen, kehre doch zurück,/
blicke vom Himmel herab und sieh,
sorge für diesen Weinstock!
Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat,
und den Sohn, den du dir stark gemacht! - Kv
Deine Hand sei über dem Mann zu deiner Rechten,
über dem Menschensohn, den du dir stark gemacht.
Wir werden nicht von dir weichen.
Belebe uns und wir rufen deinen Namen an.- Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!
Ich danke meinem Gott jederzeit euretwegen
für die Gnade Gottes,
die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
dass ihr an allem reich geworden seid in ihm,
an aller Rede und aller Erkenntnis.
Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
sodass euch keine Gnadengabe fehlt,
während ihr auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus wartet.
Er wird euch auch festigen bis ans Ende,
sodass ihr schuldlos dasteht
am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid
zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus,
unserem Herrn.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Lass uns schauen, o Herr, deine Huld,
und schenke uns dein Heil.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Gebt Acht und bleibt wach!
Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
Es ist wie mit einem Mann,
der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
jedem eine bestimmte Aufgabe;
dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
Seid also wachsam!
Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
ob am Abend oder um Mitternacht,
ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
Seid wachsam!
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
wird die Sonne verfinstert werden
und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen
und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen,
mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Und er wird die Engel aussenden
und die von ihm Auserwählten
aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
So erkennt auch ihr, wenn ihr das geschehen seht,
dass er nahe vor der Tür ist.
Amen, ich sage euch:
Diese Generation wird nicht vergehen,
bis das alles geschieht.
Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
auch nicht die Engel im Himmel,
nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
Gebt Acht und bleibt wach!
Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
Es ist wie mit einem Mann,
der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten,
jedem eine bestimmte Aufgabe;
dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
Seid also wachsam!
Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt,
ob am Abend oder um Mitternacht,
ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
Seid wachsam!
Im Advent ist der Terminkalender meistens besonders voll. Die Zusagen der liturgischen Lesungen entlasten uns vom adventlichen Termindruck. Gnade, nicht Leistung ist wichtig. Gott ist da, er entlastet. Er muss nur entdeckt werden.
Das gefällt mir nicht! Wenn, dann brauche ich einen Termin! Den trage ich in den Kalender ein. Mein Handy meldet sich dann. Rechtzeitig. Termin! Vielleicht sogar mit Ausrufezeichen! Die Markierung mache ich vorher! Was wichtig ist, was nicht – das trage ich ein. Gerade jetzt, wo die Adventszeit viel zu kurz ist – Ach, Gott, was muss ich jetzt alles noch machen!
Jesus spricht davon, dass er kommen wird, ohne uns sagen zu können (oder zu wollen), wann das sein wird. In einem Gleichnis erzählt er, dass ein „Mann“ – wir wissen nicht, wer er ist, wie er aussieht, was er sonst noch so treibt – dass ein „Mann“ auf eine größere Reise geht, die länger dauert als angekündigt und erwartet. Um es offen zu sagen: es sieht so aus, als ob er verschwunden ist. Keine SMS, kein Bild mit Whatsapp, kein Gruß zwischendurch. Eine Zeitlang läuft alles, wie abgesprochen – oder routiniert. Jede, jeder macht, was er auch sonst so macht. Treu und verlässlich.
Irgendwie auch individuell. Wir lieben das. Ob es überhaupt wichtig ist, dass der „Mann“ sich noch einmal blicken lässt. Irgendwann läuft es ohne ihn sogar besser. Sie wissen schon: Wenn der Chef weg ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Aber: nicht nur.
Warum aber: "Gebt acht und bleibt wach?"
Für wen? Für was – achtgeben und wachbleiben? - Nein, ich hätte schon gerne einen Termin!
Szenenwechsel. Der Apostel Paulus hat einen Brief an die Gemeinde in Korinth geschrieben. Freundlich. Dabei ist man ihm – wie er zwischen den Zeilen verrät - alles andere als wohlgesonnen. So was soll es auch in einer Kirchengemeinde geben! Dass Paulus nichts aus sich macht, nicht mit seinem Wissen glänzt, sein Geld sogar als Teppichwirker und Zeltmacher verdient, schlägt ihm als Vorwurf entgegen. Man liebt den starken, klugen Mann. Wortgewaltig. Ein Aushängeschild. Eine Mischung aus Platon und Papst… - Und Paulus? Er spielt diese Rolle nicht!
"Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!"
Dann dankt Paulus. Wofür? Paulus dankt dafür: dass ihr in eurem Korinth an allem reich geworden seid, an Rede und Erkenntnis, an Glauben und Hoffnung – und dann kommt’s: ihn ihm, unserem Herrn Jesus Christus. In Ihm. Gnade über Gnade… Dass die Korinther sich etwas verdient oder erworben hätten - kein Wort. Die Leistung, auf die viele setzen, trägt nicht. Sie schenkt keine Größe. Sie schenkt keine Gnade. „dass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus wartet“ schreibt Paulus. Liebevoll, aber mit klarem Blick.
Warten die Korinther auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus? Hatten sie ihn nicht längst vereinnahmt? Sich gefügig gemacht? Ihn in ihre frommen Spiele eingebunden?
Warten wir auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus? Worauf warten wir überhaupt?
Jesu Wort klingt nach: "Gebt acht und bleibt wach!"
Könnte ich etwas in den Terminkalender schreiben? Ich schreibe vieles in den Terminkalender. Er ist voll. Auch mit den vielen guten Terminen, die es in einer Kirchengemeinde braucht. Haupt- und ehrenamtlich. Der Geburtstag der alten Frau, die sich darauf freut, dass ich komme. Der Streitfall, der doch endlich geklärt werden könnte. Die Kirchenaustritte, die schon wieder in einer Sitzung thematisiert werden müssen. Und dann, um den Reigen voll zu machen, die Frage, wie viele Gottesdienste wir noch feiern können – wo uns doch das und das und das schon lange fehlt.
Viele Termine verwalten den Mangel. Dem Kalender bleibt nur, alles zu schlucken. Er wehrt sich nicht. Am Abend aber schaue ich zurück. Dankbar. Aber oft auch mit dem Gefühl einer großen Leere. Den einen Termin, der alles neu richtet, der alles gut macht, der alles vollendet - kann ich nicht finden.
Wenn solche Gedanken kommen, freue ich mich, Paulus zu hören: dass ihr an allem reich geworden seid, an Rede und Erkenntnis, an Glauben und Hoffnung. Es ist dann wie eine Entlastung, eine freie, weite Sicht: In ihm, Jesus Christus.
"Gebt acht und bleibt wach!"
Heute feiern wir den 1. Advent. Gott hat versprochen zu kommen. Die Finsternis, der Zweifel, die Angst – sie werden von Licht erfüllt. Eine Kerze reicht, um dem Dunklen das Bedrohliche zu nehmen. Ein Hingucker! Eine Kerze.
Der Prophet Jesaja – wir hörten ihn in der ersten Lesung – hat dem Achtgeben und dem Wachbleiben eine Predigt gewidmet, die er Menschen gehalten hat, die hin- und hergerissen waren von dem Traum, noch einmal neu anfangen zu können. Hören wir ihm noch einmal zu:
"Seit Urzeiten hat man nicht vernommen,
hat man nicht gehört;
kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen,
der an dem handelt, der auf ihn harrt.
Du kamst dem entgegen,
der freudig Gerechtigkeit übt,
denen, die auf deinen Wegen an dich denken.
Wie ein Unreiner sind wir alle geworden,
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt,
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.
Niemand ruft deinen Namen an,
keiner rafft sich dazu auf,
festzuhalten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns zergehen lassen
in der Gewalt unserer Schuld.
Doch nun, HERR, du bist unser Vater."
Es sind nicht nur selbstkritische Töne. Hier finden Menschen wieder zu dem zurück, der unser Vater ist. Er, der seit Urzeiten ist, die Zeiten ausmisst, der alles vollendet – kommt. Wie sich das anhört: „unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid“ – wie wahr das ist: „kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen“. Nein, ausgewogen ist hier nichts. Aber alles in der großen Hoffnung gefasst, wie ein Kleinod: Doch nun, HERR, du bist unser Vater.
Das gefällt mir! Ich brauche keinen Termin! Mein Handy muss sich nicht melden. Was wichtig ist, ist ein Geschenk, Gnade. Eigentlich immer da. Vor allen Dingen, vor allem anderen. Jetzt wachsen gute Worte, jetzt wächst uns die Erkenntnis zu, das Leben aufzuschließen, jetzt können wir über unsere falschen Erwartungen reden. Über unsere Verstrickungen. Über unsere Sehnsüchte. Jetzt kommt Gott.
„Du kommst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt,
denen, die auf deinen Wegen an dich denken.“
So Jesaja.
„Gebt acht und bleibt wach“
So Jesus.
Eine gesegnete Adventszeit. Sie braucht eigentlich keine Termine. Und wenn: Termine des Herzens.
Der Kalender darf da ruhig Lücken haben.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die biblischen Texte präsentieren eine breite Palette von Motiven, mit denen wir uns auf das Weihnachtsfest hin auseinandersetzen sollen, damit das kommende Fest stimmig wird.
Advent, eine stimmungsvolle Zeit, Christkindlmärkte öffnen, Punschgeruch, Weihnachtsfeiern noch vor dem Heiligen Abend, große Hast nach Geschenken, Schnäppchenjagd, sagen die Medien dazu. Worauf sollten wir uns in dieser vorweihnachtlichen Zeit noch vielmehr konzentrieren? Der Name sagt es schon. Etwas verkürzt: Advent, Ankunft des Herrn. Vorbereitungszeit darauf.
Bei vielen Menschen geht das gar nicht in diese Richtung, weil besonders in diesen Tagen die Schwerpunkte auf Geschenkeinkauf, womöglich noch in letzter Minute, Terminerledigungen noch vor den Feiertagen und vor dem Jahreswechsel abgeschlossen sein sollen.
Der sonntägliche Gottesdienst mit seinen reichen Gaben am Tisch des Wortes will unsere Aufmerksamkeit und unseren Blick weiten. Die 1. Lesung steht im Zusammenhang mit der Rückkehr des Volkes aus dem Exil, mit der Trauer über die Zerstörung Jerusalems und das eigene Versagen.
Eigene Schuld, Nachlässigkeit ist auch bei uns anzutreffen. Vielleicht kommt bei den Weihnachtsvorbereitungen mancher Vorsatz wieder auf, nachzuholen, was längst erledigt sein sollte. Dem Volk Israel wird auch bewusst, was es oft versäumt hat, wenn es betet: „Du, HERR, bist unser Vater, Unser Erlöser von jeher ist dein Name. Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart?“ (Jes.63,16).
Es geht um Herzenshärte, ein breit ausgeführtes Thema hier. Wie kommt sie zustande? Es gibt verschiedene Gründe: Nachlässigkeit, Faulheit, Überforderung durch zu viele andere Verpflichtungen, dadurch Nervosität, oft auch ungerechtfertigte Schuldzuweisungen, vielleicht auch durch schlechte Kommunikation ausgelöst. Das ist eben der Mensch, und Paulus erkennt sehr genau: „Ich tue nicht, was ich will, sondern das, was ich hasse…Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen.“ (Röm 7,15. 18). Anders gesagt: „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.“ (Mt 26,41). Der Mensch ist frei in seinen Entscheidungen. Er kann sich von Gott abwenden durch Herzenshärte, Gleichgültigkeit oder sich ihm zuwenden. „Du bist unser Vater, unser Erlöser… Reiß doch den Himmel auf und wärest du herabgestiegen.“ (Jes 63,16. 19).
Zuwenden zu Gott durch Gebet, Gespräch mit Gott, auf die diskrete Stimme Gottes hören, besonders jetzt im Advent. Dann werden wir reich an Erkenntnis, wie wir der 2. Lesung entnehmen können. Paulus ist voll Freude und Dankbarkeit über die Entwicklung des Gemeindelebens in dieser multikulturellen Stadt, eine Hafenstadt mit zweifelhaftem Ruf. Der gute Zuspruch: „Jesus Christus wird euch festigen bis ans Ende … denn treu ist Gott“ (1 Kor 1,8-9). Glaube ist auch Gnade, liebende Zuwendung Gottes. In Freiheit können wir diese Zuwendung annehmen oder zurückweisen.
Das Evangelium gibt uns in zwei Begriffen Anleitungen, wie wir zu einer guten Entscheidung kommen: durch Wachsamkeit und Achtsamkeit, vor allem dann, wenn die große Not kommt, von der wir im Evangelium hören und wie wir sie durch verschiedene Naturkatastrophen erleben: apokalyptisch, Endzeitvorstellungen. All unser Tun und Handeln, unser materieller Besitz ist vergänglich. Die Not kommt manchmal sehr überraschend als Unglück, der Dieb kommt überraschend, gesundheitliche, finanzielle Rückschläge kommen überraschend. Wachsam wird man oftmals erst dann, wenn etwas passiert.
Achtsamkeit und Wachsamkeit sind zwei Begriffe aus der Spiritualität, also Stillwerden gut hinhören auf die Stimme Gottes. Das Evangelium ist „Gute Nachricht“ für uns. Sie besteht darin, dass sich Gott nicht verabschiedet hat. Gott wird alles zum Guten führen, auch wenn es manchmal so aussieht, dass alles aus den Fugen gerät. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Neues steht vor uns: „Leben in Fülle“ (Joh 10,10).
Das bedarf unserer Mitarbeit. Bete und arbeite. Gott formt den Menschen, er haucht ihm seinen Geist ein, die Mitarbeit besteht auch darin, dass der Mensch sich formen lässt. Mit Jesus wird das anbrechende Reich Gottes sichtbar. „Es ist nicht nur Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Freude und Friede im Heiligen Geist. (Röm 14,17). Das Reich Gottes ist nicht nur Geschenk. Es ist uns Tag für Tag aufgetragen, es sichtbar werden zu lassen. Es heißt auch durch Stillräume vorweihnachtliche Hetzjagden einzubremsen. Das könnte zumindest ein guter Vorsatz werden für den in diesem Jahr kurzen Advent.
Die eindringlichen Bilder des Evangeliums möchten uns nicht erschrecken, sondern uns wachrütteln, damit wir wachsam sind.
Es gibt angenehmere Evangeliumstexte als das Evangelium von Markus, das für den ersten Sonntag im Advent vorgesehen ist. Jesus schildert in dramatischen Bildern das Ende dieser Welt, den »Jüngsten Tag«, wie wir es auch nennen. Die Sonne wird verfinstert werden, der Mond wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Das sind furchtbare Bilder.
In einer Fernsehsendung habe ich einmal mittels Computeranimation gesehen, was passieren würde, wenn ein Asteroid auf die Erde treffen würde. Die Folgen wären dramatisch: gewaltige Erdbeben und Tsunamis würden entstehen, Trümmer und Ascheteile würden vom Himmel fallen. Alles würde zerstört. Kaum ein Mensch könnte diese Ereignisse überleben. So könnte es am Jüngsten Tag geschehen.
Auf den ersten Blick überhaupt keine Frohe Botschaft. - Warum schildert uns Jesus diese furchteinflößenden Ereignisse, wo Jesus sagt, jenen Tag, jene Stunde kennt niemand, nur Gott der Vater. Jesus selbst gibt uns die Antwort: Gebt Acht und bleibt wach, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Und immer wieder die Warnung: Seid wachsam!
Wachsam sein ist das Gegenteil von Sorglosigkeit und gedankenlos in den Tag hineinleben. Denn unser eigenes Leben ist endlich, wie wir immer wieder erfahren müssen. Wenn man wie ich über 70 Jahre alt ist, wird einem das immer wieder bewusst. Viele meiner Klassenkameraden und Kameradinnen aus dem Jahrgang 1952 leben nicht mehr. Ebenso einige meiner Arbeitskollegen und Musikkameraden. Unser Leben ist ein Geschenk Gottes, für das wir dankbar sein sollen.
Wachsam sein bedeutet, mit offenen Augen durch das Leben gehen. Mit offenen Augen die Mitmenschen sehen, ihre Nöte wahrnehmen und versuchen zu helfen, wo wir es können. Und nicht egoistisch nur seine eigenen Vorteile zu suchen.
Wachsam sein, heißt für mich auch, die Worte Jesu ernst nehmen und zu versuchen, im Alltag danach zu leben. Dies wird uns nicht immer gelingen, aber wir müssen uns darum bemühen.
Die Kirche hat bewusst diese nachdenklichen Texte an den Beginn eines neuen Kirchenjahres gesetzt, das jeweils mit dem 1. Adventsonntag beginnt. Diese Texte sollen uns aus unserer Trägheit, unserer Selbstzufriedenheit und Überheblichkeit wachrütteln. Wer von uns kann sich sicher sein, dass wir zu den Auserwählten gehören, welche die Engel am Ende aus allen vier Windrichtungen zusammenführen? Als gläubige Christen hoffen wir darauf und glauben an die Auferstehung und das ewige Leben bei Gott. Aber ein Selbstläufer ist das nicht. Deshalb sollten wir die eindringliche Warnung Jesu ernstnehmen: Seid wachsam! Seid nicht gleichgültig!
Bleibt verbunden mit Gott und Jesus Christus durch das Gebet und die Sakramente, welche Jesus uns geschenkt hat. Helft mit, die Welt durch unser Christsein etwas menschlicher zu machen, in den Bereichen, wo wir es können.
Und auch das gehört zum Christsein: Jesus nachzufolgen und täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. Daran führt kein Weg vorbei. Auch wenn es eine unbequeme Wahrheit ist. Denn sein Kreuz täglich auf sich zu nehmen, ist alles andere als einfach.
Durch diese düsteren Szenarien scheint aber dennoch die Frohe Botschaft Jesu Christi hindurch: Wir werden auf unserem Weg von Gott nicht allein gelassen. Gerade durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, die wir Christen an Weihnachten feiern, ist uns der allmächtige unsichtbare Gott ganz nahe gekommen.
Durch die Dunkelheiten unseres Lebens und der ganzen Welt hindurch scheint noch verhüllt der Glanz von Weihnachten, der Menschwerdung Gottes, der Beginn unserer Erlösung. Und auch am Ende der Zeiten, steht die Wiederkunft von Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit. Dann wird er sein Reich vollenden, welches mit Jesus Christus begonnen hat.
Deshalb können wir voll Zuversicht und Vertrauen unseren Lebensweg gemeinsam mit Gott und Jesus Christus weitergehen. Diese Gemeinschaft erleben wir in diesem Gottesdienst und beim Empfang der heiligen Eucharistie.
Jesu mahnende Worte sind uns mit auf den Weg gegeben: „Seid wachsam!“
'© Wilhelm Kraft, Gemeinde St. Maria in Böblingen.
In einer so mühsamen Zeit ist Hoffnung gefragt. Woher kommt uns Hoffnung? Die Bibel erzählt uns von Krisen in der Geschichte des Gottesvolkes und wie die Hoffnung auf Gott neu erwacht ist. Die Adventszeit lädt uns ein, uns auf den Grund unserer Hoffnung zu besinnen und diese wach zu halten.
"Es wird alles gut!", sagte ein Mitbruder vergangene Tage, als er zum Frühstück kam. Er sprach über Corona, über den Impfstoff und über die Möglichkeit, wie dieser Impfstoff zu transportieren sei. Wir alle - dieses Mal kann ich das so sagen - wir alle hoffen auf ein baldiges Ende der Pandemie. So sehnsüchtig haben wir noch nie auf etwas gehofft. Sicher kennt jeder andere Situationen, in denen die Hoffnung groß war. Es war die Hoffnung auf die Zusage zu einem Arbeitsplatz, die Hoffnung, dass sich ein lang gehegter Kinderwunsch erfüllt.
Hoffnung ist das, was uns als glaubende Menschen ausmacht. Der Grund unser Hoffnung: Gott, seine Liebe. Gott, der uns in Jesus seinen Sohn gesandt hat. Jesus war in seinem Leben für viele Menschen, ganz besonders für die einfachen Menschen, ein Hoffnungsträger. Viele haben ihn gern gehört. Bekämpft und abgelehnt haben Jesus nur die starken, die Mächtigen, die Etablierten und: Man muss es so sagen, die religiösen Führer. Jesus hat mit seinen Worten und Taten vielen Menschen Hoffnung und Zuversicht geschenkt.
Wir hoffen, dass Gott am Leben dieser Welt Anteil nimmt, dass Gott in das Leben der Welt und der Menschen eingreift. Wir sehen es in der Lesung aus dem Buch Jesaja. Als Jesaja diese Worte schrieb, waren die Juden gerade aus dem Exil nach Jerusalem zurückgekehrt. Sie waren überzeugt: Das Exil war eine Strafe von Gott. Die Menschen fühlten sich Gott sehr fern. Sie glaubten, Gott habe sie verlassen. Wo war Gott im Leiden? Warum ließ Gott die Sehnsucht nach IHM erkalten, warum verhärtete Gott das Herz. So fragten sich die Israeliten. Es schien, als habe es Gott selbst bewirkt, dass die Menschen ihn nicht mehr suchten und sich nicht mehr nach ihm sehnten. Dennoch: Sie hofften, sie flehten, sie beteten, dass Gott wieder eingreifen möge in ihr Leben.
In der größten Ferne beten die Menschen. Sie haben die Erinnerung, dass Gott eingreift, wenn sie auf ihn hoffen wenn sie sich an ihn wenden, wenn sie nach seinen Geboten leben, wenn sie über seine Wege nachdenken. Die Israeliten spüren: Nur unser Gott ist den Menschen so nahe. Nur unser Gott ist der lebendige. Doch sie machen auch ein Schuldgeständnis. Dass Gott so fern ist, das liegt allein an ihrer Schuld. Sie hatten sich abgewandt von ihm. Doch es wird ihnen bewusst, dass Gott ihr Vater ist, dass sie immer Geschöpfe sind. Sie spüren, dass sie ihr Leben Gott verdanken. Die Israeliten hoffen, dass Gott ihnen neu Heil schenkt, dass er sich ihnen neu zuwendet.
Im Grunde sind das auch Fragen, die in unserer Zeit gesellt werden. Die Worte des Jesaja können auch in uns die Hoffnung auf Gott stärken. Auch unser Leben soll bestimmt sein von Hoffnung und Zuversicht gegen jede Schwarzseherei.
Schauen wir in das Leben des Jahres 2020. Neben Corona beschäftigen uns die Kriege, der Hunger, den es auf der Welt gibt. Wie oft habe ich gehört, dass diese Welt momentan aus den Fugen gerät! Was den Klimaschutz angeht, da glauben sehr viele, dass es 5 nach 12 ist. Papst Franziskus hat in einer eindringlichen Enzyklika den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung ans Herz gelegt. Wir müssen so leben, dass diese Welt lebenswert bleibt. Wir müssen uns dazu auf den Glauben an Gott zurückbesinnen. An uns sollen die Mitmenschen erkennen, worauf wir hoffen, woran wir uns halten. An Gott! An seine Liebe! Gott hat diese Welt geschaffen. Er hat uns die Gebote als Orientierung mitgegeben. Auf diese müssen wir uns neu besinnen. Wer an Gott glaubt, der wird immer Grund zur Hoffnung haben, trotz aller Bedrohungen, die wir gegenwärtig erleben. Denn Gott kommt und er wird diese Welt erlösen. Er wird uns ewiges Leben, das Heil, die ewige Freude schenken.
Dieses Heil, diese Erfahrung, wünscht Paulus auch den Korinthern. "Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater". Die Gnade, die liebende Zuwendung Gottes wird den Korinthern zugesprochen. Mit dem Wunsch nach "Friede" wünscht Paulus den Korinthern Wohlergehen durch Gott. »Friede« ist die Übersetzung von »schalom«. Im schalom leben, bedeutete völlig eins sein mit Gott. Diese Zuwendung von Gott ist die Lebensgrundlage für unser Handeln in dieser Welt. Diese Hoffnung kann für uns Kraftquelle sein. Doch muss diese Lebensgrundlage immer wieder neu erworben werden. Redlich müssen wir uns darum bemühen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gott treu ist. Die Gemeinschaft mit Jesus ist kein Besitz, den man in der Hand hält. Menschen können sich immer wieder von Gott entfernen. Sie können die Hoffnung vergessen, die uns im Glauben an Gott geschenkt ist.
Diese Hoffnung wollen wir darum wach halten in uns. Jesus hat im Evangelium alle Hände voll zu tun, uns anzuhalten wach zu bleiben. Einst wird Jesus wiederkommen, um diese Welt und auch uns zu erneuern. Darauf dürfen wir hoffen. Wir hoffen auf vieles in der Welt. Ich hatte am Anfang von so manchen Hoffnungen gesprochen. Doch die große Hoffnung ist Jesus. Er kommt wieder und schenkt uns sein Heil, er schenkt uns ewige Freude bei Gott. Diese Hoffnung ist es, die unser Leben bestimmen sollen. Wir müssen uns mit den Katastrophen in dieser Welt genauso auseinandersetzen wie unsere Mitmenschen, sei es der Klimawandel, sei es die Pandemie oder persönliche Schicksale. Doch der Glaube gibt uns Hoffnung. Wir leben auf Gott hin. Wo wir uns Gott neu zuwenden, wo seine Worte wichtig sind, wo wir unsere Sehnsucht nach Gott entdecken, dort erfahren wir bereits die Freude und die Fülle.
Advent - eine Zeit der Vorbereitung, eine Zeit, wach zu werden, wach zu bleiben. Vielleicht fallen coronabedingt verschiedene Angebote aus. Werden überhaupt Gottesdienste stattfinden? Wenn ja, wie? Dennoch können wir das Beste aus der Situation machen. Vielleicht nehmen wir uns in der Familie hier und da Zeit für ein Gebet, für einen schönen besinnlichen Text oder für ein ruhiges Sitzen im Kreis der Familie vor dem Adventskranz, für das Lesen eines Bibeltextes. Es gibt einige Möglichkeiten, unserer Hoffnung auf Jesus Nahrung zu geben. Halten wir unsere Hoffnung wach und leben wir daraus!
Weltuntergangsphantasien haben vor allem in Krisenzeiten Hochkonjunktur. Die biblischen Texte jedoch wollen nicht Angst schüren, sondern Hoffnung wecken. Sie können auch den Verschwörungstheorien den Wind aus den Segeln nehmen. Gott beendet das Alte und lässt Neues anbrechen.
Vielleicht habe Sie sich beim Hören dieses Evangeliums gefragt warum es die Kirche Not hat, uns in diesen schwierigen, herausfordernden Zeiten auch noch in der Messe mit Weltuntergangsstimmung zu konfrontieren. Ist die Corona Pandemie mit all ihren Unsicherheiten und Bedrohungen am Arbeitsmarkt, für die Gesundheit und für das soziale Zusammenleben nicht schon schwer genug zu bewältigen? Was sollen diese Sätze von der Erschütterung der Kräfte des Himmels und der Verfinsterung der Sonne, die uns an die verheerenden Waldbrände denken lässt? Dazu kommt noch, dass sich seit jeher Verschwörungstheoretikerinnen und WeltuntergangsprophetInnen auf solche Bibelstellen berufen.
Um diese Texte zu verstehen muss man wissen, dass sie immer in geschichtlichen Umbruchssituationen entstanden sind, welche die Menschen als das Ende des Gewohnten und Vertrauten empfunden haben. In unserem Fall war es die Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Nicht die Erde im physikalischen Sinn wird untergehen, (das wird erst in zwei Milliarden Jahren sein, wenn die Sonne explodiert sein wird), sondern es kommt das Ende dessen, was wir kennen und bisher gewohnt sind. Und die Ahnung, dass etwas zu Ende geht, sei es politisch, wirtschaftlich, durch Krieg, Naturkatastrophen oder Umsturz, die hat durchaus etwas Bedrohliches. Das wird in diesen düsteren Bildern zum Ausdruck gebracht. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die (Welt-)Untergänge in der Bibel immer als Wirken Gottes gedeutet wurden, der damit unerträglichen Zuständen ein Ende bereitet, um Neues, Besseres, entstehen zu lassen. Der Untergang des Alten ist in der Bibel immer mit dem Anfang des Guten, des Neuen verbunden. Auf das erwartete Ende folgen nicht Untergang und Vernichtung, sondern Zukunft und Wiederaufbau. Vernichtet wird das Böse, die Unterdrückung und Ausbeutung, zur Rechenschaft gezogen werden die Menschen, die gesündigt haben.
Deshalb wollen diese Weltuntergangstexte nicht Angst schüren und Menschen in Verzweiflung stürzen, sondern Mut machen und Hoffnung geben.
So, wie es jetzt ist kann es nicht bleiben, kann es nicht weitergehen, befindet Gott und führt das Endes des Bisherigen herbei: Ob mit der Sintflut, der Verschleppung des Volkes nach Babylon und seiner Rückkehr nach Jerusalem oder zurzeit Jesu mit der Beendigung des Dreikaiser-Bürgerkriegsjahres durch die Thronbesteigung Kaiser Vespasians.
Und dann kommt das Entscheidende: Jesus sagt ganz klar, dass niemand berechtigt ist die Deutungsmacht über bedrohliche Ereignisse und Phänomene an sich zu reißen, insbesondere nicht, um Menschen damit zu ängstigen und einzuschüchtern. Im Gegenteil: Wachsamkeit ist angesagt. Das ist die Sinnspitze auf die dieser Text hinaus läuft.
Wachsamkeit ist das Gegenteil von Leichtgläubigkeit oder Autoritätshörigkeit. Wachsamkeit ist die Fähigkeit verschiedenste Phänomene wahrzunehmen und sie zu hinterfragen. Wachsamkeit ist die Fähigkeit den entscheidenden Augenblick zu erkennen und dann das Richtige zu tun.
Wachsame Menschen nehmen den VerschwörungstheoretikerInnen und WeltuntergangsprophetInnen den Wind aus den Segeln und brechen die Macht ihrer oft so bestechenden Argumente und Ausführungen durch sachliches Hinterfragen. Wachsame Menschen spüren versteckte Versuche zu manipulieren, nicht offen kommunizierte Interessen und zurück gehaltene Informationen auf und legen sie offen. Wer wachsam ist nimmt nicht nur Bedrohliches und Ängstigendes wahr, sondern auch die Hoffnungszeichen und positiven Entwicklungen, selbst wenn sie noch klein und unscheinbar sind. Wachsamkeit richtet uns in die Zukunft aus, sie lässt uns etwas erwarten und gibt dem jetzt eine Perspektive. Das wird im Bild vom Türhüter, der auf die Rückkehr des Hausherrn wartet, sehr deutlich.
So gesehen macht es Sinn, wenn die kirchliche Leseordnung uns am Beginn des neuen Kirchenjahres einlädt wachsam zu sein.
Auf Weihnachten zugehen heißt ja nicht in erster Linie in romantische Stimmung zu kommen oder in der Hektik der Vorbereitungen unter zu gehen. Auf Weihnachten zugehen heißt - um mit dem Text zu sprechen - wahrzunehmen, dass Gott mit seinem Sohn in diese Welt gekommen ist und immer wieder aufs Neue kommt, um mit seiner Liebe, Vergebungsbereitschaft und Güte wieder einen neuen Anfang zu ermöglichen, damit das Belastende, Bedrohliche und Leidvolle in unserer Welt und in unserem Leben zu Ende gehen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz
In der Adventsymbolik spielt das Licht eine besondere Rolle. Es verweist auf »Christus das Licht«, das auch auf dem Höhepunkt des Kirchenjahres, in der Osternacht, im Mittelpunkt steht. Dieses Licht erhellt auch unser persönliches Leben.
Advent ist eine Zeit, in der wir den Kurs unseres Lebens überprüfen und nötigenfalls korrigieren. Wie finden wir Gott (wieder)? Wie findet er uns? Wenn wir den Weg der Gerechtigkeit gehen, kommt uns Gott entgegen. Es ist wie beim Sport: Regelmäßiges Training hilft uns, "am Ball zu bleiben".
Ihr kennt das sicherlich: Es gibt Leute, die haben wirklich Freude am Sport. Die laufen, fahren mit dem Fahrrad, steigen auf Berge, sie schwimmen und vieles mehr. Sie bewegen sich und schwitzen freiwillig und es geht ihnen gut dabei. So ganz kann ich das nicht nachvollziehen, aber ein schlechtes Gewissen habe ich schon: Denn Sport ist gesund, er würde mein Leben bereichern. Aber wie anfangen? Wie mache ich, dass es mir taugt?
Ähnlich ist es mit dem Glauben. Manche leben ganz begeistert dafür, stehen mitten drin und es erfüllt sie. Andere sehen von außen zu und fragen sich: Wie macht der das? Mit welcher Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit hat Religion einen Platz in seinem oder in ihrem Leben! Bundespräsident Van der Bellen war beeindruckt von seiner Begegnung mit Papst Franzskus und sagte: "Er vermittelt diese Spiritualität so stark, dass man merkt, wie man diese bei sich selber vermisst hat." Manche wünschen sich: Wenn ich so glauben könnte! Aber wie beim Sport, so wisst ihr: Gute Vorsätze halten oft nicht lange. Und es bleibt ein schlechtes Gewissen. Weil eigentlich sollte ich doch...
Der Prophet in der heutigen Lesung hält nichts vor einer Strafpredigt über seine Zuhörer, die ihnen ein schlechtes Gewissen machen soll. Sondern er dreht den Spieß um, er konfrontiert den Ewigen mit der trostlosen Situation: Du, HERR, bist doch unser Vater, Unser Erlöser von jeher ist dein Name. Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, sodass wir dich nicht fürchten? Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir. Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen. Jesaja meint: Lieber Gott, das ist doch deine Verantwortung, wenn wir dein Wort nicht hören.
Wie finden wir Gott wieder? Wie findet er uns? Das Eine, das Jesaja anführt ist, dass Gott doch herabkommen möge; der Ewige möge den Himmel zerreißen, dass die Berge erzitterten. Manche Gläubige in bestimmten Richtungen im Christentum erleben immer wieder eine solche direkte Begegnung mit Gott – sagen sie. Ist es so einfach? Denn wenn Gott wirklich kommt, dann schlägt er ein. Dann bleibt kein Stein auf dem Andern und ich kann mein bisheriges Leben nicht mehr weiter leben. Für biblische Propheten, für Jesus und für viele Heilige war es ein Ringen und eine Qual, die Konsequenzen aus dieser Begegnung zu ziehen.
Aber Jesaja zeigt noch einen anderen Weg, sozusagen die andere Richtung: er nähert sich uns, wenn wir den Weg der Gerechtigkeit gehen. So sagt Jesaja: Du kommst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt, denen, die auf deinen Wegen an dich denken.
Manche von euch sind als Arbeiterinnen, Arbeiter oder Angestellte Mitglied der Gewerkschaft: Ihr könnt mit den Begriffen Gerechtigkeit und Solidarität etwas anfangen. Aber auch für alle anderen sind dies keine leeren Worte.
Freudig Gerechtigkeit tun, das kann man in vielen kleinen Schritten lernen. Aus den kleinen Schritten können größere und große werden: Sie alle lassen uns an Gott denken, der uns diese Welt zur Verantwortung und Pflege geschenkt hat; an den Mitmenschen, jeden Menschen, der seine eigene Würde hat und Bruder und Schwester ist. Johann Wolfgang von Goethe sagt: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen. Das heißt: Wenn wir dieses zutiefst Menschliche tun, da kommen wir Gott nahe, da ergründen wir sein Geheimnis.
Das freudige Tun der Gerechtigkeit gibt Licht und stärkt. Und du wirst dankbar sein dafür. Das löst Lob und Freude aus in dir. Du wirst aber auch an deine Grenzen stoßen. Wie kann man sie überwinden, neu anfangen und die gute Richtung beibehalten?
Eine Beziehung, ein Gespräch mit Gott beginnt. Fragen stellen, dieses Gespräch führen, diese Auseinandersetzung mit Gottes Ruf kannst du überall führen. Natürlich auch in der Kirche, hier am Sonntag Vormittag. Das hat auch seine Vorteile: Denn wie beim Sport, so sind das gemeinsame Training und Regelmäßigkeit etwas, das uns hilft, am Ball zu bleiben.
Glauben eignet sich nicht für schlechtes Gewissen wegen vermeintlich schlechter Leistung. Zur gemeinsamen Trainingseinheit stehen die Tore unserer Kirche offen. Jeder und jede ist eingeladen, einfach zu probieren, was Stille, gemeinsames Gebet, Singen und Nachdenken in einem selbst auslösen. Neue Schritte zu wagen und auch den eingeschlagenen guten Weg selbstbewusst und zielsicher weiterzugehen, das wünsche ich uns für diese Adventzeit.
(c) Dr. Markus Himmelbauer, Pfarrassistent, A-4902 Wolfsegg am Hausruck
markus.himmelbauer[at]dioezese-linz.at
Lieder:
GL 158: Tau aus Himmelshöhn (Kyrie)
GL 218: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
GL 219: Mache dich auf und werde licht
GL 220: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
GL 223: wir sagen euch an den lieben Advent
GL 225: Wir ziehen vor die Tore der Stadt
GL 230: Gott, heilger Schöpfer aller Stern
GL 231: O Heiland, reiß die Himmel auf (1. und 4. Str.)
GL 233: O Herr, wenn du kommst (1. bis 4. Str.)
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern (7. Str.)
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit gehe auf zu unsrer Zeit
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren (3. Str.)
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt
GL 554: Wachet auf, ruft uns die Stimme
GL 622: Siehe der Herr kommt in Herrlichkeit
Psalmen und Kehrverse:
GL 46: Lass dein Angesicht über uns leuchten, o Herr. - Mit Psalm 67.
GL 47: In den Tagen des herrn sollen Gerechtigkeit blühen und Fülle des Friedens - Mit Psalm 72.
GL 48: Biete deine Macht auf, Herr, unser Gott, und komm uns zu retten! - Mit Psalm 80
GL 634,3: Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn es nahet eure Erlösung - Mit Psalm 67 (GL 46,2) oder mit Psalm 115 (GL 64,2)
GL 634,6: Komm, Herr Jesus, Maranatha. - Mit Psalm 93 (GL 52,2)
Erster Advent! Eine Kerze!
Wir feiern heute einen Gottesdienst am Anfang eines neuen Kirchenjahres. Das fühlt sich gut an, riecht nach Glühwein, schmeckt nach Spekulatius.
Erster Advent! Erst einmal eine Kerze!
Wir feiern heute eine große Erwartung. Die soll wachsen wie das Licht der Kerzen, liebevoll begleitet sein mit guten Worten und von einer neuen Zeit künden.
Erster Advent! Schon einmal eine Kerze!
Dass Gott sich uns als gütiger Vater erweist, dass wir reich geworden sind an aller Rede und aller Erkenntnis, dass wir achtgeben und wach bleiben.
Lasst uns unseren Herrn in unserer Mitte begrüßen:
Gott nimmt Anteil an unserem Leben, an unseren Freuden, an unseren Sorgen und Nöten. Darum ist er in Jesus in diese Welt gekommen. Wir warten auf IHN, auf sein Wiederkommen. Wir gehen immer mehr auf IHN zu, auf unser Heil. Das zeigt sich auch am Adventskranz. Je mehr Kerzen wir entzünden, umso heller wird es am Adventskranz, umso näher ist Weihnachten, das Fest seiner Geburt, umso näher kommt auch unser Heil.
Bitten wir um sein Erbarmen, dessen Kommen wir erwarten.
Am ersten Adventsonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Dieser Jahreswechsel wird wie beim profanen Jahreswechsel zum Anlass genommen inne zu halten und sich auf die Zukunft auszurichten. In dieser Zukunft, so erwartet es unser Glaube, wird Jesus kommen und Vergebung, Heilung und Erlösung bringen.
Wenden wir uns ihm zu, der in unserer Mitte ist:
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz.
„Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.“
Wir träumten von unseren Wegen,
aber unsere Herzen wurden hart.
Herr, erbarme dich.
„Du kamst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt,
denen, die auf deinen Wegen an dich denken.“
Wir lieben die großen Worte, die großen Gesten, aber unsere Gerechtigkeit ist zu einer Abrechnung verkommen.
Christus, erbarme dich.
„Du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld.“
Wir kommen zu dir mit leeren Händen: Komm du zu uns!
Herr, erbarme dich.
Paulus schreibt:
„Treu ist Gott,
durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.“
Ehre sei Gott in der Höhe!...
Herr Jesus Christus,
vieles strömt von allen Seiten auf uns ein.
Herr, erbarme dich.
Da ist es schwer, sich nicht einlullen zu lassen
von dem, was gefällig klingt.
Christus, erbarme dich.
Lass uns wachsam bleiben für unsere Mitmenschen
und so dein Kommen erwarten.
Herr erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
der du einst wiederkommen wirst in Herrlichkeit.
in unseren Zweifeln und Ängsten rufen wir:
Kyrie, eleison.
In unserem Unglauben rufen wir:
Christe, eleison.
In unserer Verstrickung in das, was uns fernhält von dir, rufen wir:
Kyrie, eleison.
Jesus, du hast uns berufen zu Gemeinschaft mit dir und untereinander.
Herr, erbarme dich unser.
Jesus du hast uns reich mit der Gnade Gottes beschenkt.
Christus erbarme dich unser.
Jesus du hast uns gezeigt, dass Gott treu ist und besonders in schweren Zeiten mit uns geht. Herr, erbarme dich unser.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz
Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,
wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Adventsonntag
Hilf uns, Gott,
daß wir voll Freude in diesen Tagen
die Ankunft deines Sohnes erwarten.
Nimm alle Trägheit von uns
und mache uns bereit, zu wachen und zu beten,
damit uns Christus nicht schlafend findet,
wenn er kommt und anklopft.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Montag im Advent
Barmherziger Gott,
du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt,
um die Menschen
aus der alten Knechtschaft zu erlösen.
Schenke allen, die auf deine Hilfe warten,
die Freiheit des neuen Lebens.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Samstag im Advent
Gott,
wir freuen uns auf die Adventszeit,
wir warten auf Weihnachten.
Die Nachrichten, die wir hören,
die Bilder, die wir sehen,
treiben uns um.
Alte Sicherheiten wurden über den Haufen geworfen.
Das Heilige Land wird zerrissen.
Menschen erzählen unterschiedliche Geschichten.
Menschen rechtfertigen Gewalt.
Komm du zu uns mit deinem Wort,
stifte Frieden unter uns,
öffne unsere Ohren,
wecke unsere Herzen,
zünde ein Licht an in unserem Verstand.
Hilf uns, acht zu geben und wachsam zu sein.
Für die Liebe, die von dir kommt
und alte Geschichten in neue verwandelt.
In Jesus, der dein Wort ist vor aller Zeit,
in der Weite deines Geistes
heute, für die Ewigkeit.
Herr Jesus Christus,
Advent - das ist eine Zeit, in der wir auf dich warten.
Advent - das ist eine Zeit, in der wir unsere Hoffnung stärken.
Wir wollen unser Warten gestalten,
jetzt in dieser Feier,
in der wir dein Wort hören,
das uns hoffen lässt in allem, was uns bedrängt.
Wir wollen unser Warten gestalten,
wenn wir in den kommenden Wochen an dich denken,
bewusst das Zusammensein mit dir suchen,
damit wir innerlich mit dem Herzen
auf dich vorbereitet sind. - Amen.
Beim Propheten Jesaja lesen wir:
„Hättest du, Herr, doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen, so dass die Berge vor dir erzitterten.“
Heute, am 1. Advent, bringen wir Menschen und Völker - und die vielen kleinen und großen Geschichten zu ihm.
Hättest du, Herr, doch den Himmel zerrissen,
als unschuldige Menschen umgebracht wurden,
in Geiselhaft genommen und als Schutzschilde missbraucht.
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Hättest du, Herr, doch den Himmel zerrissen,
als sich Panzer in Bewegung setzten,
Drohnen die Lüfte eroberten und der Krieg der Worte begann.
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Hättest du, Herr, doch den Himmel zerrissen,
als die Wahrheit in Lüge und die Lüge in Wahrheit verwandelt wurden,
Rechtfertigungen auf Rechtfertigungen folgten und
Hassgeschichten sich vermehrten
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Hättest du, Herr, doch den Himmel zerrissen,
als sich Menschen an unschuldigen Kindern und Jugendlichen vergingen,
als Bischöfe schwiegen und die heilige Kirche in Unrat erstarrte.
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Hättest du, Herr, doch den Himmel zerrissen,
als wir nichts mehr sehen wollten und konnten,
als wir uns von Ängsten anstecken ließen und in unsere kleinen Welten flüchteten.
Du, HERR, bist unser Vater,
Unser Erlöser von jeher ist dein Name.
Jesus übertrug die Vollmacht seinen Knechten, wie es im Evangelium heißt, jedem eine bestimmte Aufgabe.
Uns hat er Türen anvertraut. Türen, die in das Leben, in die Freiheit führen.
Wachsam sollen wir sein. Denn er wird kommen!
In Christus.
Auf ihn warten wir.
Guter Gott, der Advent hat begonnen. Zeit der Sehnsucht nach dem Mehr, das unser Leben ausmacht.
Wir bitten Dich:
Für alle Menschen, die sich auf dein Geburtsfest vorbereiten und dein Kommen in diese Welt erhoffen.
Für alle Menschen, die sich vorgenommen haben, in diesem Jahr die Adventszeit auch als das zu begreifen, was sie sein will: das Warten auf Deine Menschwerdung.
Für uns selbst, dass wir vor lauter Vorbereitung den nicht vergessen, der im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes steht: Dich, Jesus Christus, der du uns wachend antreffen möchtest.
Für alle Menschen, die in diesen Tagen trauern, die Angst haben vor einem Fest ohne die, die sie einst geliebt haben.
Für alle Menschen, die im Lichterglanz der Welt dein Licht nicht mehr erkennen können.
Für alle, die niemanden haben, der zu Weihnachten an sie denkt und mit ihnen feiert.
Für alle, die auf das Licht von Granaten und Raketen bauen, um damit Kriege zu gewinnen, und im Frieden keinen Sinn sehen.
Für die Menschen im Land deiner Geburt, wo das Wunder der Menschwerdung Gottes geschehen ist, die unter Krieg und Terror, unter Hass und Gewalt leiden.
Für uns selbst, dass wir diese Adventszeit als Chance erkennen, Wege zum Frieden zu gehen.
Guter Gott, am Adventskranz brennt die erste Kerze. Es werden mehr werden, als Zeichen dafür, dass dein Licht in dieser Welt wachsen wird, wenn wir es entzünden.
Darauf hoffen wir jetzt und in Ewigkeit. - Amen.
Als Christen erleben wir diese Wochen des Advents als Vorbereitung auf die Geburt Jesu, des Messias. Die gängigen Messiaserwartungen der Menschen von damals wollte Jesus nicht erfüllen. Auch in unserem Leben sind Gottes Wege oft ganz anders als unsere eigenen Pläne.
Im Vertrauen auf Gott bitten wir:
Um eine Gemeinschaft aller Gläubigen, die wachsam nach deiner Weisung sucht und nicht nur das bewahren will, was die Tradition aus deiner Botschaft gemacht hat.
Um politische Lösungen im Nahen Osten, die eine Basis für dauerhaften Frieden schaffen und kommenden Generationen helfen, die schweren Traumata der vergangenen Jahrhunderte heilen zu lassen.
Um offene Ohren bei allen Teilnehmern der Weltklimakonferenz für die Nöte der Länder, die durch die Klimaveränderungen am meisten betroffen sind.
Um einen wachen Blick für den Wert der uns geschenkten Zeit, wenn im Warten Ungeduld aufkommt, wir uns dem Lebensrhythmus anderer anpassen müssen oder unverhoffte Begegnungen unseren straffen Zeitplan verändern.
Um einen offenen Himmel für unsere Verstorbenen.
Komm Herr Jesus in unsere Welt von heute, in der wir im Dunkel dieser Zeit dein Licht ersehnen.
Dir sei Lob und Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du unsere Hoffnung gegen jede Hoffnungslosigkeit. Wir bitten dich:
Lass deine Kirche als Gemeinschaft aller, die an dich glauben und dir nachfolgen, der Welt durch ihr Beispiel Hoffnung zu schenken.
Wir beten für alle, die keinen Glauben und keinen festen Halt haben.
Lass sie durch gelebten Glauben und ein überzeugendes Beispiel zu dir finden.
Richte auf, die vom Leben enttäuscht sind, deren Lebenspläne sich nicht erfüllen und schenken ihnen Mut und Zuversicht.
Gib, dass besonders jene Menschen Ruhe bei dir finden, die in den kommenden Wochen beruflich und privat besonders gefordert sind.
Steh denen bei, die unter der Pandemie leiden, sei es, dass sie krank sind, sei es dass sie unter Überlastung leiden.
Stärke alle, die wegen ihres Glaubens an dich leiden müssen.
Auf dich hoffen wir, an dich glauben wir, auf dich warten wir,
jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Treuer Gott,
du bist uns nahe und stärkst uns besonders in schwierigen Zeiten.
Wir bitten dich:
Für alle, die vor der Zukunft Angst haben und sich bedroht fühlen.
Für alle, die mit einfachen Erklärungen und Lösungsansätzen Menschen auf ihre Seite ziehen wollen.
Für die Medien, die große Verantwortung für eine seriöse Berichterstattung haben.
Für die christlichen Kirchen, deren Auftrag ist, Hoffnung und Zuversicht unter den Menschen zu stärken.
Für alle, denen Dunkelheit, Einsamkeit, oder auch Stress und Hektik zu schaffen machen.
Für die Familien, die sich auf Weihnachten vorbereiten.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Wir bitten dich auch in unseren persönlichen Anliegen und Sorgen.
Gott,
wir trauen deinem Wort, deshalb vertrauen wir dir alle unsere Anliegen und Bitten an durch Jesus unserem Bruder und Herrn. - Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz.
Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben
zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Du, Herr, brauchst unsere großen Reden und Erkenntnisse nicht,
doch du schenkst sie uns füreinander.
Wie Brot und Wein.
Forme sie nach deiner Liebe,
gib ihnen eine Gestalt.
Wie Brot und Wein.
Für uns bist du Mensch geworden,
wir verkünden deinen Tod und deine Auferstehung.
Jetzt schenkst du uns
Deinen Leib, dein Blut.
Wir danken dir.
Herr Jesus Christus,
wir warten auf dich.
doch schon jetzt können wir spüren:
Du bist nahe.
Du bist nahe im Brot, das dein Leib für uns ist.
Du bist nahe im Wein, das dein Blut für uns ist.
Dein Mahl gibt uns Kraft und Ausdauer
für diese Zeit, in der wir auf dich warten und hoffen. - Amen.
Kehrvers:
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.
(GL 616,5))
Gott und Urheber des Alls,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen
und dich für die Liebe zu preisen,
die du von Anfang an in deine Schöpfung hineingelegt hast.
Kehrvers
Wir danken dir für die Gnade,
die uns in Christus Jesus geschenkt wurde
Durch ihn sind wir reich geworden an Erkenntnis deiner Größe,
durch ihn haben wir Anteil an den Gnadengaben des Geistes.
Kehrvers
Er hat uns sein Reich anvertraut, bis er wiederkommt.
Wir warten voll Sehnsucht,
dass er in Macht und Herrlichkeit kommt
um die Welt zu vollenden.
Kehrvers
Wir danken dir für die Hoffnung,
die durch ihn neu in uns lebendig wird.
Sie lässt uns in freudiger Erwartung
nüchtern und wach unserer Zukunft entgegen gehen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen stimmen wir ein
in den Lobgesang der ganzen Schöpfung und rufen:
Danklied, z. B. Singt dem Herrn ein neues Lied (GL 409)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn in seinem ersten Kommen
hat er sich entäußert
und ist Mensch geworden.
So hat er die alte Verheißung erfüllt
und den Weg des Heiles erschlossen.
Wenn er wiederkommt
im Glanz seiner Herrlichkeit,
werden wir sichtbar empfangen,
was wir jetzt mit wachem Herzen gläubig erwarten.
Darum preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 1
Wieder ist die Zeit da,
die Advent heißt.
Ein Kirchenjahr fängt neu an
und wir sollen uns erinnern lassen
an die Ankunft des Messias.
Wir sollen uns erinnern lassen
an die Liebe Gottes zu uns Menschen.
Werden wir die Zeit nützen?
Oder werden wir am Ende dieser vier Wochen
auch in diesem Jahr wieder
so unverändert, so unverbessert,
so träge im Guten sein,
wie viele Jahre davor?
Werden wir als Christinnen, als Christen erkennbarer sein,
weil wir mehr Hoffnung ausstrahlen,
weil wir friedvoller,
gerechter geworden sind,
liebevoller miteinander umgehen?
Gütiger Gott,
hilf uns die Zeit zu nutzen,
damit du uns vorbereitet findest,
Wenn du kommst.
Herr, unser Gott,
du hast uns an deinem Tisch
mit neuer Kraft gestärkt.
Zeige uns den rechten Weg
durch diese vergängliche Welt
und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche,
damit wir in allem dein Reich suchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Samstag der 4. Woche
Herr, unser Gott,
stärke uns durch die Kraft deines Sakramentes.
Laß uns durch deine Gnade reich werden an guten Werken
und bei der Wiederkunft deines Sohnes
den verheißenen Lohn empfangen: die ewige Freude.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Advent 22. Dezember
Herr, unser Gott,
du hast uns durch deine große Gabe gestärkt.
Gib, daß wir das Fest der Geburt deines Sohnes würdig begehen,
und mache unsere Freude vollkommen
am Tag seiner Wiederkunft.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 24. Dezember am Morgen
Heute feiern wir den ersten Advent.
Wir danken dir, Gott, dass du kommst!
Für die vielen Termine, die wir uns gemacht haben,
die uns gemacht wurden,
die wir brauchen und fürchten,
schenke uns einen kritischen Blick
und eine heilsame Distanz.
Hilf uns, zur Ruhe zu kommen,
viele Dinge zu entzaubern,
in allem aber die Liebe zu entdecken.
Die Wochen, die vor uns liegen,
die Menschen, die mit uns leben,
die Fragen, die uns umtreiben,
befehlen wir dir.
Segne unsere Adventszeit.
In Christus, der auf dem Weg ist
zu uns.
Herr Jesus Christus,
wir spüren in vielem,
dass wir unterwegs sind.
Doch wir sind unterwegs zu dir
mit der Hoffnung, mit dir zu leben,
mit dir vereint zu sein.
Diese Hoffnung erfülle unser Denken,
unser Reden und Handeln.
Diese Hoffnung sei Ansporn für unsere Mitmenschen.
Segne uns,
dass wir Zeugen dieser Hoffnung sind. - Amen.
kehr doch zurück
um deiner Kinder Willen
Gott
siehe doch
wir irren umher
wie Schafe ohne Hirten
reiß
doch unsere Mauern ein
und zerreiß
den Vorhang
unserer Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit
der uns hindert
deinen Himmel zu sehen
reiß
sie auf
die Wolken in unserem Kopf
die uns vernebeln den Blick
auf dich
damit wir wieder
Auge und Ohr werden
für deine Botschaft –
und
die Ankunft
deines Sohnes
ach
komm uns doch entgegen
sonst irren wir wieder ab
vom Weg
den du längst
uns schon gezeigt hast
in den Tagen
der Not
in denen alles verfinstert scheint
alle Kräfte erschüttert
schreien wir zu dir
kehr doch zurück
um deiner Kinder Willen
Gott
und hilf uns
wachsam zu bleiben
für das Kommen
deines Sohnes.
Beatrix Senft 2023.
Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die heute beginnende Adventzeit denken? Was glauben Sie, würde eine Umfrage auf der Straße ergeben mit der Frage nach der Bedeutung des Advents? Wer aufmerksam Zeitung liest, Radio hört, fernsieht oder auch im Internet unterwegs ist, der findet sie alle Jahre wieder, diese Umfragen. Wer weiß heute noch, was Advent bedeutet? Die Antwort ist vielfältig: Glühwein, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsstimmung, bitte mit kalter Witterung, sonst ist es nicht echt. Oder aber Lichterglanz, Einkaufsrummel und der dazugehörige Stress: Hab ich jetzt alles?
Manche denken auch an Spekulatius, Dominosteine, Printen, Marzipankartoffeln. Und Gebäck, das sich viele für die Adventzeit aufheben, damit es etwas Besonderes bleibt. Advents- und Weihnachtsfeiern lösen sich ab, der Adventskaffee in der Familie, gewürzt vielleicht mit der Frage, wer feiert Weihnachten wann wo und geht es wirklich Coronafrei oder muss man sich wieder testen? - Ist das Advent?
Ursprünglich war der Advent eine Fastenzeit, wie vor Ostern, nur kürzer. Fastend bereiteten die Christen sich spirituell auf die Ankunft des Herrn vor. So war es gedacht. Heute besteht die Vorbereitung meist im Besorgen von Geschenken, Feste planen… Besinnung kommt da eher zu kurz. Und in diese Situation hinein spricht Jesus „Seid wachsam!“.
Was genau meint das heute, für uns? Die Apostel glaubten, Jesus würde noch zu ihren Lebzeiten wiederkommen, hatte er doch gesagt „diese Generation wird nicht vergehen, bis all das eintrifft…“. Dann starben die ersten. Und wieder andere. Und immer noch ging man davon aus, dass es Menschen gäbe, die die Wiederkunft des Herrn erleben würden, vor ihrem Tod. Aber irgendwann wurde klar: so kommt es nicht. Und die Menschen richteten sich ein in ihrem Warten. Und so ist es bis heute. Wir warten. Seit 2000 Jahren warten Christen auf die Wiederkunft ihres Herrn. Da fällt es schwer, wachsam zu sein. Da fallen einem auch schon mal die Augen zu. Da lässt man sich einlullen von all den Ablenkungen, die das Leben bietet. Da kann ich ja erst noch Plätzchen backen und die Wohnung putzen und dekorieren. Und irgendwann ist dann Weihnachten ganz nah, es wird immer hektischer. Waches Warten ist nicht gefragt in diesen Tagen. - Alles nur noch Tradition, deren Sinn lägst vergessen ist?
Natürlich darf ich das Weihnachtsfest auch ganz profan vorbereiten. Aber meine innere Vorbereitung, die sollte nicht zu kurz kommen, ich sollte wachsam sein für das, was Christsein bedeutet.
Wachsam sein, das heißt achtsam sein gegenüber den Mitmenschen, ihren Sorgen und Nöten, das heißt dranbleiben an der Nächstenliebe, die nicht an der Landesgrenze endet. Wachsam sein bedeutet, mich einzulassen auf die Frage, was mein Christsein von mir verlangt, wo ich stehe im Glauben, welche Rolle das Evangelium in meinem Leben spielt. Wachsam sein heißt, aufmerksam sein für die Frage, was wirklich wichtig ist, und sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verzetteln und seien sie noch so vertraut und stimmungsvoll. Wachsam sein bedeutet: das Evangelium in mein Leben annehmen und aufnehmen.
Muss ich jetzt immer in Alarmbereitschaft sein? Darf ich mich nicht auch mal verlieren in liebgewonnene Traditionen? Das denke ich nicht. Aber ich sollte einfach immer und immer wieder den Blick auf Jesus Christus richten. Immer wieder auf seine Worte hören und auf sein Leben blicken. Immer wieder im Gebet und Wort seine Nähe suchen, Kraft schöpfen in dem, was er uns zu geben vermag.
Dazu ruft uns die Adventszeit auf: wach zu werden, unser Leben von allem überflüssigen zu befreien, uns auf das Nötige konzentrieren: so gehen wir wach und frei dem Weihnachtswunder entgegen und sind bereit für das Kommen unseres Herrn.
Edith Furtmann 2023.
Wenn Dunkelheit sich allmählich lichtet,
wenn jemand auf Vergeltung verzichtet,
wenn Vergessenes wieder aufleuchten will,
wenn Verborgenes erscheint, zärtlich und still:
Wenn Geschwätziges leise und sacht verstummt,
wenn das Herz ein Lied der Sehnsucht summt,
wenn Menschen sich als Geschwister erkennen,
wenn sie einander Bruder und Schwester nennen:
Wenn müde Augen zu leuchten beginnen,
wenn wir uns auf Jesu Kommen besinnen,
wenn Gottes Charme unsre Sinne berührt,
wenn ein Engel uns zur Weihnacht hinführt:
...dann ist Advent
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Text: Paul Weismantel, Melodie: Reinhard Burchhardt
Text und Musik von Reinhard Burchhardt. Warburg 2009.
burchhardt-r@t-online.de
Text und Musik von Reinhard Burchhardt. Warburg 2023.
burchhardt-r@t-online.de
Einmal kamen Schüler zu ihrem Meiser und fragten: "Wenn alles hoffnungslos ist, wie kann man da noch hoffen?" Der Meiser antwortete: Immer gilt: Halte der Einsamkeit stand und warte, denn alles Hoffnungslosigkeit kommt aus der Angst vor Einsamkeit und aus der Ungeduld." Die Schüler aber sich nicht zufrieden und erzählten von den Schicksalen anderer Menschen. Der erste: "Wenn ein Kind, das Licht seiner Eltern, unheilbar auf den Tod liegt - wo ist da die Hoffnung?" Der zweite: "Wenn einen die Geliebte verlassen hat, und war sie doch das Leben - wie töricht ist da die Hoffnung!" Der dritte: "Wenn einer fortgeführt wird in die Fremde und keine Brücke führt zurück - worauf da noch hoffen?" Und wieder antwortete da der Meister: "Der Einsamkeit standhalten und warten!" Und weil sie ihn um ein Zeichen nach diesen dunklen Worten baten, gab er ihnen ein Samenkorn: "Wenn das Neue kommen soll, muss das Alte sterben", sagte er und entließ sie.
Die Gegend aber war unwegsam und die Nacht dunkel. Weitab von des Meisters Haus kamen die drei den Weg ab, irrten umher und fielen in eine Höhle; die war sehr tief, doch sie blieben unverletzt. Wie sie dort auf dem weichen Moose lagen und sich ihrer Lage bewusst wurden, fiel ihr Blick nach oben, und sie sahen den Mond; der beschien ihr Elend. "Es ist hoffnungslos", begann der eine, "wir kommen aus eigener Kraft nicht heraus, man wird uns nicht finden, und unsere Schreie werden in der Einsamkeit verhallen. Wenn ihr hier vor mir sterben solltet, bleibe ich allein und einsam. Soll ich darauf warten? Und soll ich ein Samenkorn pflanzen, dessen Früchte ich nicht mehr essen kann - welchen Sinn macht das?" Dann beugte er sich nieder, weinte, wurde still und tat seinen letzten Atemzug. Sprach der zweite Schüler: "So geht es mir auch, doch untätig auf den Tod warten will ich nicht." Darauf begann er an den steilen Wänden der Höhle hinaufzuklettern, erreicht wohl die halbe Höhe und rutschte dann aber ab. Im Fallen schlug er gegen die Wand und blieb tot unten liegen. Der dritte Schüler blickte auf seine beiden Gefährten und dachte bei sich: "Angst, einmal allein zu bleiben, muss ich nicht mehr haben, denn ich bin allein. Schwach, wie ich bin, kann das Warten mich nur stärken." Dann blickte er um sich, sah Pflanzen und Sträucher auf dem Grund der Höhle und hörte hinter sich eine Quelle. Da fuhr er mit der Hand durch das Wasser, streichelte den Boden, der ihm Nahrung geben konnte. Wie er das tat, fiel sein Blick auf das Samenkorn, das ihm beim Sturz aus der Höhle aus der Tasche gefallen war. Er nahm es und setzte es auf die Erde.
Am nächsten Morgen fielen Sonnenstrahlen in die Höhle; die wärmten ihn. Kräuter, Beeren und Wasser waren seine Nahrung Tag für Tag. Das Samenkorn aber keimte, und über die Tage, die Wochen und die Jahre wuchs der Keimling zu einem Trieb und der Trieb zu einem Baum, und seine Krone strebte der Höhlenöffnung entgegen. Da dankte der Schüler Gott, kletterte den Stamm empor, verließ die Höhle und rannte in das Haus des Meisters.
"Es gibt Hoffnung, auch wenn keine Hoffnung mehr ist", rief er. "Du hast es gewusst, ich danke dir." Da lächelte der still und sprach: "Wohl habe ich es gesagt, aber ich wusste es nicht, denn ich war noch nie ganz ohne Hoffnung."
Herkunft unbekannt.
Der dort vom Himmel kommt
geschmückt mit Wolken, Sonne, Stern,
er sei schon heute nah.
Euch Menschen, die jetzt seiner harren,
die oft ihn auch vergessen,
der kommen will
am Tag der plötzlich uns erscheint,
doch lange angesagt für ´ s Ohr,
das sorgsam hört.
Er nehme euch die Angst vor dem Gericht
zu dem er lädt
und schenke Mut
der glauben lässt:
Er wird ´s schon richten
was euch nie gelungen.
Denn ist der Zeiten Ende,
der Ewigkeit Beginn,
mit ihm, der ´s anders nie gewollt:
Gott Vater, Sohn und Geist. Amen.
Aus: Herbert Jung, Mensch geworden für die Menschen, Herder Verlag, Freiburg 2001.
Biete auf, o Herr, deine Macht
und komm, du starker Heiland,
Führer des auserwählten Volkes,
Sehnsucht der Heiden,
Herr des neuen Bundes
und König der ewigen Herrlichkeit!
Erlöse uns aus der Knechtschaft der Sünde
und leuchte hinein in unsere dunkle Welt:
der du lebst und herrschst in Ewigkeit.
Jesus,
als du vor zweitausend Jahren auf die Erde kamst,
haben dich die Menschen nicht aufgenommen.
Im armen Stall wurdest du geboren.
Hilf, dass wir uns gut vorbereiten
und dich besser empfangen.
Komm in unsere Mitte und gib uns ein waches Herz.
Aus: Annegret und Peter Kokschal Gebete für das ganze Leben, Benno Verlag Leipzig 2004.
In einer Predigt legt Kardinal Newman Christus die Klage in den Mund: "Wenige werden bereit sein, mir sogleich zu öffnen, wenn ich an die Pforte klopfe. Sie werden immer noch etwas zu tun haben, bevor sie aufmachen; sie werden nicht schon bereit sein, sondern müssen sich erst vorbereiten. Sie müssen sich von der Überraschung und Verwirrung erholen, in die sie die Nachricht von meiner Ankunft versetzt hat; sie werden etwas Zeit brauchen, um wieder zu sich zu kommen und sich ihre besten Gedanken und reinsten Absichten ins Gedächtnis zurückzurufen. Sie fühlen sich wohl, so wie sie sind, und haben keine Einwände dagegen zu erheben. Sie sind zufrieden, auf der Erde zu sein; sie wünschen sich nicht, anderswohin zu gehen; sie möchten sich nicht verändern.
"Ihr sollt Menschen gleiche, die auf ihren Herrn warten": Das sollte unsere Sehnsuchtsrichtung sein. Nicht ein Warten auf ein letztes Kommen "auf den Wolken des Himmels", sondern ein Durchschauen durch die Vordergründigkeit des Alltags, durch Trauer und Fragen durch das Geplagt sein, durch die Ablenkungen, durch die Begegnungen, durch das Beschenkt werden: auf den Horizont der erwartungsvollen und entgegenkommenden Liebe Gottes in Jesus Christus; auf das Jesus-Gemäße hin in den Ereignissen unseres Lebens! Dass das Herz in aller Unruhe doch zutiefst und zuletzt gerichtet ist in einer liebenden Aufmerksamkeit auf Ihn hin, indem die Sehnsucht Gottes auf mich zu kommt.
Aus: Johannes Bours, Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt. Herder Verlag, Freiburg 1996 (1987).
Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, dass er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne.
Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. "Es ist möglich", sagt der Türhüter, "jetzt aber nicht." Da das Tor zum Gesetz offen steht wie immer und der Türhüter beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor in das Innere zu sehen. Als der Türhüter das merkt, lacht er und sagt: "Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehen. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehn aber Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal mehr ich ertragen." Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen tatarischen Bart, entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt.
Der Türhüter gibt ihm einen Schemel und lässt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche, eingelassen zu werden, und ermüdet den Türhüter durch seine Bitten. Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem andern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schluss sagt er ihm immer wieder, dass er ihn noch nicht einlassen könne.
Der Mann, der sich für seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so wertvoll, um den Türhüter zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles an, aber sagt dabei: "Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben."
Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Türhüter fast ununterbrochen. Er vergisst die andern Türhüter und dieser erste scheint ihm das einzige Hindernis für den Eintritt in das Gesetz. Er verflucht den unglücklichen Zufall, in den ersten Jahren rücksichtslos und laut, später, als er alt wird, brummt er nur noch vor sich hin. Er wird kindisch, und, da er in dem jahrelangen Studium des Türhüters auch die Flöhe in seinem Pelzkragen erkannt hat, bittet er auch die Flöhe, ihm zu helfen und den Türhüter umzustimmen.
Schließlich wird sein Augenlicht schwach, und er weiß nicht, ob es um ihn wirklich dunkler wird, oder ob ihn nur seine Augen täuschen. Wohl aber erkennt er jetzt im Dunkel einen Glanz, der unverlöschlich aus der Türe des Gesetzes bricht. Nun lebt er nicht mehr lange.
Vor seinem Tode sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Türhüter noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstarrenden Körper nicht mehr aufrichten kann. Der Türhüter muss sich tief zu ihm hinunterneigen, denn der Größenunterschied hat sich sehr zu ungunsten des Mannes verändert. "Was willst du denn jetzt noch wissen?" fragt der Türhüter, "du bist unersättlich." "Alle streben doch nach dem Gesetz," sagt der Mann, "wieso kommt es, dass in den vielen Jahren niemand außer mir Einlass verlangt hat?"
Der Türhüter erkennt, dass der Mann schon an seinem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: "Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn."
Franz Kafka ... eine Parabel zum Abschluss des Jom Kipur (vgl. Pesikta Rabbati 20).
Um den Ausspruch "Religion ist das Opium des Volkes" voll zu begreifen, müssen wir diese Worte in ihren Textzusammenhang stellen:
Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusion über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht1 den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. (Karl Marx: "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie", Einleitung = Marx/Engels: Werke, Bd. 1, Berlin 1956, S. 378ff.)
Hieraus wird klar, dass Marx nicht Religion schlechthin verurteilte, sondern nur deswegen, weil sie dem Menschen anstatt des wirklichen Glücks nur illusorische Hoffnungen verschafft. Aber sicher war Marx auch kein Befürworter der Religion. Wie können wir hier zu einem gerechten Verständnis kommen? Das erste ist, sich zu fragen: Was ist mit Religion gemeint?
Religion ist ein System von Ideen, Normen und Riten, die das in der menschlichen Existenz verwurzelte Bedürfnis nach Orientierung und einem Objekt der Hingabe befriedigt. Diese Definition gilt für alle Religionen, ob sie Idole oder einen unsichtbaren Gott anbeten oder ob sie, wie der Buddhismus, überhaupt keinen Begriff von Gott haben. Welche Vorstellung sich die Menschen von einem heiligen Wesen machen, hängt von der gesellschaftlichen Struktur und kulturellen Tradition ab. Die Juden in Ägypten erhoben es zu ihrem König; die Armen in Palästina machten aus ihm einen Leidenden: für die Buddhisten war es ein Lehrer, der dem Menschen den Weg zur Erlösung (Nirwana) durch die Lehre des heiligen achtteiligen Pfades aufzeigte.
Unter "Religion" verstehe ich eine Institution, mit der ihr eigenen Hierarchie und ihren Dogmen, verbunden mit einem gewissen Autoritarismus. Unter "religiös" verstehe ich eine Haltung, die als höchstes ethisches Ziel des Menschen seine eigene Verwirklichung ansieht. Diese Haltung kommt primär in der täglichen Lebenspraxis und nicht durch das Ablegen von bestimmten Glaubensbekenntnissen zum Ausdruck und kann am besten als Charakterzug definiert werden. Leider verfügt unsere Sprache über kein anderes Wort für diesen Charakterzug als das Wort "religiös", das im Zusammenhang mit Religion irreführend ist. Es gibt religiöse Atheisten und nichtreligiöse Gläubige. Nur die Handlungen und die Charakterstruktur einer Person geben Aufschluss darüber, in welche Kategorie sie gehört. Wie sehr sich jemand selbst "religiös" wähnt, ist am wenigsten ausschlaggebend.
"Religiös" kann allgemein als die tiefste Motivierung des Menschen definiert werden. Mit "tiefster Motivierung" sind natürlich nicht die Regungen gemeint, die der Mensch für sein Verhalten ausschlaggebend hält, sondern jene, die empirisch als Ursachen seines Verhaltens nachgewiesen werden können. Diese "tiefste Motivierung" ist keine philosophische noch theologische, sondern eine rein psychologische Kategorie.
Erich Fromm.
Dieser erste Adventssonntag war ein herrlicher Tag, und die Liturgie hat mir ständig die große Erwartung zu Bewußtsein gebracht. Ich habe einen wunderbaren lateinischen Versikel vor mich hingesungen, der immer wieder aus meinem Inneren hervorgesprudelt ist: "Rorate, coeli, desuper, et nubes pluant justum - Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten”; und die eindrucksvolle Antwort: "Aperiatur terra, et germinet Salvatorem. - Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor.” Seine inständig flehende Melodie geht mir unablässig durch den Kopf, und ich sehe im Geist, wie der himmlische Tau die Erde bedeckt. Gottes Gnade ist wirklich wie ein sanfter Morgentau und wie ein weicher Regen, der der ausgedorrten Erde neues Leben schenkt. Bilder der Güte. Tatsächlich besteht meine Berufung darin, immer empfänglicher für den Morgentau zu werden und meine Seele dem Regen zu öffnen, so daß mein innerstes Wesen den Heiland hervorbringen kann.
Aus: Henri J. M. Nouwen, Ich hörte auf die Stille. Sieben Monate im Trapistenkloster. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 1978.

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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die Lesung ist dem "Dritten Jesaja" entnommen – Tritojesaja. Das Volk Gottes hat einen langen Weg hinter sich, auch Tiefpunkte und zurechtgestutzte Hoffnungen. Die Heimkehr aus der Gefangenschaft in Babylon gestaltet sich mühsam und schwierig.
Es ist ein Gebet, das hier überliefert wird. Gott wird als Vater angesprochen, als "Erlöser von jeher". Ihm werden Fragen gestellt, ihm wird die Bitte zugetragen, sich doch wieder gnädig und barmherzig der Menschen anzunehmen, ihm wird aber auch bekannt, wie "unrein" die sind, die ihre Hoffnungen auf ihn setzen.
Im Gebet wird aufgezählt, was Menschen von sich sagen können: Gerechtigkeit wie ein schmutziges Kleid, verwelkt wie Laub, von Schuld verweht. Im Gebet können Menschen ihre Sorge aussprechen: Du hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen. Und Gott wird ins Gebet genommen, weil wir alle das Werk seiner Hände sind.
Das Adventslied "O Heiland reiß die Himmel auf" ist von diesem Gebet inspiriert. Gott soll "herab" kommen, die Distanz überwinden, die es zwischen ihm und seinem Volk gibt – Gott soll denen entgegenkommen, die tun, was recht ist.
Das Lied drückt aus, wie verloren Menschen sind, wenn sie in ihrem Vertrauen allein gelassen sind. Eine Gemeinde, die am Ersten Advent singt "O Heiland reiß die Himmel auf", übernimmt die alten Bilder und Bitten des Propheten und tritt in die Hoffnungen ein, die lange vor ihr formuliert wurden.
Der Beter macht dabei die Erfahrung der Abwesenheit Gottes: Gott hat sich von ihm und von seinem Volk entfernt. Die Schuld hat das Volk gelähmt. Es ist auf die Umkehr Gottes angewiesen. Mit den Worten des Beters hofft das Volk auf das große und einzigartige Ereignis des Entgegenkommens Gottes.