Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
Der Mann, der mich begleitete,
führte mich zum Eingang des Tempels
und siehe,
Wasser strömte unter der Tempelschwelle hervor
nach Osten hin;
denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten.
Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab,
südlich vom Altar.
Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus
und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen.
Und siehe, das Wasser rieselte an der Südseite hervor.
Er sagte zu mir:
Diese Wasser fließen hinaus in den östlichen Bezirk,
sie strömen in die Áraba hinab und münden in das Meer.
Sobald sie aber in das Meer gelangt sind,
werden die Wasser gesund.
Wohin der Fluss gelangt,
da werden alle Lebewesen,
alles, was sich regt, leben können
und sehr viele Fische wird es geben.
Weil dieses Wasser dort hinkommt,
werden sie gesund;
wohin der Fluss kommt,
dort bleibt alles am Leben.
An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen.
Ihr Laub wird nicht welken
und sie werden nie ohne Frucht sein.
Jeden Monat tragen sie frische Früchte;
denn ihre Wasser kommen aus dem Heiligtum.
Die Früchte werden als Speise
und die Blätter als Heilmittel dienen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Des Stromes Wasser erfreuen die Gottesstadt,
des Höchsten heilige Wohnung. - Kv
(GL 550)
Gott ist uns Zuflucht und Stärke, *
als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten.
Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, *
wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres; - Kv
Eines Stromes Arme erfreuen die Gottesstadt, *
des Höchsten heilige Wohnung.
Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken. *
Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht. - Kv
Mit uns ist der HERR der Heerscharen, *
der Gott Jakobs ist unsre Burg.
Kommt und schaut die Taten des HERRN, *
der Schauder erregt auf der Erde. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Ihr seid Gottes Bau.
Der Gnade Gottes entsprechend,
die mir geschenkt wurde,
habe ich wie ein weiser Baumeister den Grund gelegt;
ein anderer baut darauf weiter.
Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut.
Denn einen anderen Grund kann niemand legen
als den, der gelegt ist:
Jesus Christus.
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid
und der Geist Gottes in euch wohnt?
Wer den Tempel Gottes zerstört,
den wird Gott zerstören.
Denn Gottes Tempel ist heilig
und der seid ihr.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht Gott, der Herr:)
Ich habe dieses Haus erwählt und geheiligt,
damit mein Name hier sei auf ewig.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Das Paschafest der Juden war nahe
und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
Im Tempel
fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
und die Geldwechsler, die dort saßen.
Er machte eine Geißel aus Stricken
und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus
samt den Schafen und Rindern;
das Geld der Wechsler schüttete er aus,
ihre Tische stieß er um
und zu den Taubenhändlern sagte er:
Schafft das hier weg,
macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.
Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm:
Welches Zeichen lässt du uns sehen,
dass du dies tun darfst?
Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder
und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Da sagten die Juden:
Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
Als er von den Toten auferweckt war,
erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte,
und sie glaubten der Schrift
und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Evangelium finden wir die Vertreibung der Händler aus dem Tempel und die Voraussagung der Zerstörung des Tempels. Während die Synoptiker die Voraussagung der Zerstörung des Tempels zu Beginn der Parusierede, die vor der Leidensgeschichte steht, stellen, ist sie bei Johannes an den Beginn des Evangeliums zwischen der Hochzeit zu Kana und dem Gespräch mit dem Nikodemus zu finden.
Johannes weist in seiner eigentümlichen Art schon auf die Leidensgeschichte und auf die Auferstehung Jesu hin. Er nennt den Grund der Gefangennahme Jesu (vgl. Mt 26,61) und kündet bereits die Auferstehung an. Vorder- und Hintergründiges sind hier miteinander verwoben: Der Hörer des Evangeliums weiß um die größeren Zusammenhänge und um das Eigentliche der Geschehnisse. Den Juden und den anderen Menschen ist diese Einsicht noch verwehrt: Sie bleiben beim Vordergründigen stecken.
Die Tempelreinigung wird zum Hinweis darauf, wessen Haus der Tempel eigentlich ist. Er ist nicht das Haus der Händler und der Wechsler, sondern das Haus Gottes, dessen Sohn Jesus Christus ist.
Vor den Worten der Zerstörung des Tempels wird Jesus, wie des öfteren im Johannesevangelium (vgl. Joh 4,48; 6,30; 9,16; 11,47; 7,31), die Frage nach seiner Vollmacht gestellt: Was ist das für ein Mensch, daß er solches tun darf? Der Schlüssel zum Verständnis seiner Zeichen liegt in der Auferstehung. Doch noch ist es nicht an der Zeit, dies zu begreifen und zu verstehen - auch nicht für die Jünger.
Als Menschen leben wir in Raum und Zeit und brauchen wir Orte und Räume, in denen wir Gott begegnen können. Zugleich können wir selbst Wohnung Gottes sein und zu Gottes-Begegnungspunkten werden.
«Können Sie mir bitte sagen, wie ich zur Kirche komme?», fragt die eine Person. Und sie erhält – zu ihrem Erstaunen - eine Antwort, mit der sie nicht gerechnet hat: «Das ist ganz einfach: Sie sind schon da! Seien Sie einfach offen für die Gegenwart Gottes an dem Ort, wo Sie gerade sind!»
Dieses Kurzgespräch hat sich nicht wirklich so ereignet. Es ist fiktiv. Aber es lässt aufhorchen und hinhören und auch nachfragen, was wir Menschen denn eigentlich unter «Kirche» verstehen. Die eine wohl ortsunkundige Person fragt schlicht und einfach nach dem Weg zur Pfarrkirche und meint damit das Kirchengebäude. Die antwortgebende Person bezieht sich auf eine andere Dimension von Kirche: Kirche ist dort, wo Menschen Gottes Gegenwart erfahren. Und das kann an ganz vielen Orten sein! Beide haben von Kirche gesprochen, aber unterschiedliches gemeint.
Etwas Ähnliches ereignet sich im Gespräch, das uns im heutigen Evangelium überliefert ist. Die Juden meinen den Tempel als Gebäude, als Ort, wo sie ihre Opfer darbringen. Jesus aber bezieht den Tempel auf sich selbst: In ihm – Gottes Sohn - ist Gott gegenwärtig. Er wird niedergemacht werden, aber von Gott selbst wieder aufgerichtet. Damit kündigt Jesu sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung an.
Das Bild vom Tempel übernimmt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde von Korinth: In jedem Christen, in jeder Christin ist der Heilige Geist Gottes präsent und wirkt er. Darum ist jede getaufte Person für Paulus auch Tempel Gottes, denn in ihr hat Gott Wohnung genommen. In der Beerdigungsliturgie erinnern wir uns daran, wenn der Sarg des Verstorbenen mit Weihrauch beräuchert und dazu gesprochen wird: «Dein Leib war Gottes Tempel. Der Herr schenke dir ewige Freude». Das Leben dieses Menschen, von dem Abschied genommen wird, war also der Raum, in dem Gottes Geist seine einmaligen und unverwechselbaren Gaben entfaltet hat.
Allzu oft haben sich Kirchenleute ihren Mitmenschen gegenüber alles andere als so verhalten. Es trifft uns tief, wenn wir vernehmen, wie in der Kirche Missbrauch und Diskriminierung stattfindet und wie Menschen in ihrer Würde, Tempel Gottes zu sein, entehrt wurden und werden. Auch hier würde ich am liebsten ähnlich wie Jesus im Evangelium ausrufen: Schafft das endlich weg! Das hat in unserer Kirche keinen Platz!
Denn Kirche ist der Raum, in dem Gottes Nähe und Liebe spürbar bleiben soll. Für alle. Wir merken es vielleicht: Dieses Kirchenverständnis sprengt die Mauern dieser Kirche, in der wir gerade Gottesdienst feiern. Bei allen Anstrengungen rund um Erhalt und Renovierung von Kirchengebäuden müsste unser Augenmerk auch oder vielmehr vor allem darauf liegen, Herzensräume zu öffnen und auch offen zu halten, in denen Gott wirkt.
Wir Menschen leben in Raum und Zeit. Wir brauchen Orte. An bestimmten Orten stillen wir unterschiedliche Bedürfnisse. Es gibt auch sogenannte Sehnsuchtsorte, Orte, an die es den Menschen immer wieder zieht, weil er weiß: Hier zu sein, tut mir gut. Auch unsere Seele kennt solche Orte. Manches Mal ist eine bestimmte Kirche so ein Ort. Wo die Seele zur Ruhe kommt. Wo mir Gottes Gegenwart besonders bewusst wird und zu Herzen geht. Wo ist ein solcher Ort ganz konkret für Sie?
Der Mensch braucht Orte. Und auch Gott braucht Orte, um den Menschen nahe zu sein. Wir sind gesegnet, dass wir so viele verschiedene Gotteshäuser, Kirchen und Kapellen haben. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Unsere Kirchen sind für mich so etwas wie «gesicherte Orte Gottes». Sie wurden entworfen, geplant, gebaut, gestaltet und erhalten, um Gott, seine Gegenwart und sein Wirken eine sichtbare Präsenz in unserer Welt, in der wir leben, in unseren Dörfern und Städten, zu geben. In ihnen geht unseren Sinnen etwas von Gottes Herrlichkeit auf, wenn sie reich geschmückt sind. In ihnen werden wir zentriert auf Wesentliches, wenn in ihrer Gestaltung auf vielerlei bewusst verzichtet wurde und der Blick der Augen auf das Kreuz oder ein Bild fällt. Oder auch nur der Kirchenraum zu einem spricht. Unsere Kirchen sind nicht zuletzt auch deswegen «gesicherte Orte Gottes», weil sie geheiligt sind auch durch die vielen Gebete, die dort vor Gott hingetragen wurden.
Sie erinnern uns daran, dass Gott auch in unserem Herzen und in unserem Leben einen Platz sucht. Madeleine Delbrêl, die französische Poetin, Sozialarbeiterin und Mystikerin des letzten Jahrhunderts, spricht davon, «Gott einen Ort zu sichern.» Das kann meinen: Gott einen festen Platz in den Zeilen des Kalenders/der Agenda einzuräumen, mir bewusst Zeit für die Beziehung mit ihm zu nehmen; auch: Seine Gegenwart zu entdecken im alltäglichen Zeitgeschehen, in besonderen Ereignissen, zuhause oder wenn ich unterwegs bin, in den Menschen, mit denen ich unterwegs bin, denen ich mich zuwende oder die an mir vorbei gehen.
Gott einen Ort sichern, das machen viele in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland in den nächsten Wochen und Monaten bis Pfingsten. In den grossen Exerzitien werden sie sich jeden Tag für etwa eine halbe Stunde zu Besinnung und Gebet zurückziehen. An dem Ort, den sie für sich dafür ausgewählt haben. Zu jener Stunde, die sie dafür freihalten. So geben sie Gott einen festen Platz in ihrem Alltag, sichern ihm einen Ort in ihrem Leben. (www.grosse-exerzitien-im-alltag.ch)
Wir alle sind es heute auch, die Gott einen Ort sichern. Hier in diesem Kirchenraum. In dieser Feier. Seine Gegenwart mögen wir erfahren dürfen. Gottes Wirken möge uns zu Herzen gehen und uns erfüllen.
Tempel und Kirchen sind Orte, an denen Menschen mit Gott in Berührung kommen wollen. Als Orte der Gottespräsenz sind sie gefährdet, da oft andere Interessen überhandnehmen. Gott ist jedoch auch in Menschen präsent. Damit dies erfahren werden kann, sind auch hier Reinigungsprozesse notwendig.
Heute werden wir an den Weihetag der Lateranbasilika um das Jahr 324 durch Papst Silvester I. erinnert. Sie ist auch heute noch Bischofskirche des Papstes. Der Gedanke der Kirche und des Tempels wird in den Lesungen dieses Sonntags weitergeführt.
Die erste Lesung ist eine Vision des Propheten Ezechiel vom neuen Israel mit seinem Tempel. Vom Tempel hervor strömt Wasser, dass alles fruchtbar macht, wohin es gelangt. Den Christen ist es ein Bild für Jesus Christus geworden, der selbst der Tempel als Ort Gottes in der Welt ist. Das Wasser symbolisiert die Lebenskraft Gottes, die von ihm ausgeht.
Die zweite Lesung führt den Gedanken vom Tempelbau weiter. Paulus weist darauf hin, dass wir Gottes Mitarbeiter sind, Paulus versteht sich als Begründer der Gemeinde als Baumeister, der Jesus Christus als Fundament der Gemeinde gelegt hat. Der 1. Petrusbrief macht deutlich: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen und zu einer heiligen Priesterschaft.“ (1 Petr 2,5). Kirchen und Tempel sind sichtbare steinerne, bzw. lebendige Zeugen des Glaubens. Paulus erinnert auch daran, dass die Menschen diesen Glauben, die Frohe Botschaft, begeistert, enthusiastisch, weitergeben sollen. Im ersten Korintherbrief bringt er zweimal in Erinnerung: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16 und 6,9). Der Geist will uns zu christlichen Persönlichkeiten heranreifen lassen.
Tempel und Kirche sind feste Bauwerke. Tempel und Kirchen entwickelten sich im Lauf der Zeit nicht nur zu Orten der Verehrung Gottes, sondern auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktoren, welche die Gottesverehrung immer wieder in den Hintergrund gedrängt haben. Darum ging Jesus so energisch vor und trieb die Verkäufer und Geldwechsle aus dem Tempel hinaus (Joh 2,15). Das ist auch für heute eine Gefahr und hat auch für alle berühmten Kultstätten, auch für die Lateranbasilika, Gültigkeit; weltweit für alle, die sich für die jeweilige Umgebung zu ergiebigen Einnahmequellen entwickelt haben.
In der Lateranbasilika fanden fünf Konzilien statt. Zwei davon haben bis heute starke Nachwirkungen: Das 2. Laterankonzil 1139 schrieb die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester für die lateinische Kirche vor. Das 4. Laterankonzil im Jahre 1215 legte die Lehre über die Eucharistie fest, die besagt, dass die Gaben von Brot und Wein sich äußerlich nicht verändern, aber durch die Herabkunft des Heiligen Geistes in Leib und Blut Christi gewandelt werden: „Sende deinen Geist herab auf diese Gaben von Brot und Wein und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus“, betet der Priester im Hochgebet der heiligen Messe.
Leider hat dieses Konzil auch den Antijudaismus sehr angeheizt, indem es die Juden verpflichte, den Judenstern zu tragen und an christlichen Festen sich nicht in der Öffentlichkeit blicken zu lassen. Somit müsste heute der Antijudaismus ausgepeitscht bzw. ausgetrieben werden, den es trotz des Vatikanums II. noch immer gibt; sowie auch die Geldgier, den schnelllebigen Konsum, den Klerikalismus, der in verschiedensten Formen arrogante Macht ausübt und Angst aufbaut und Menschen ausschließt. Aktuell der noch immer weitgehende Ausschluss vieler vom gemeinsamen Tisch des Herrn und der Umgang mit den Fragen von Frauendiakonat und -priestertum.
Heute sollten wir vielmehr fragen: Wo wohnt Jesus, wo ist er präsent? Dort, wo Menschen in ihrer Lebensumgebung im Sinne Jesu über Gott reden und ihre Worte in Taten umsetzen; wo Menschen nach Antworten suchen, nach dem Sinn ihres Lebens fragen und dabei von der Kirche zu wenig Hilfe finden. Wo Christen wenig über ihren Glauben aussagen können, schlägt die Stimmung in Gleichgültigkeit um. Auch diese gehört beseitigt, denn sonst sind die Folgen fatal, wie Saint-Exupéry vor mehr als achtzig Jahren prophezeit hat. „Wenn Menschen gottlos werden, dann sind Regierungen ratlos, Lügen grenzenlos, Schulden zahllos, Besprechungen ergebnislos, Aufklärung hirnlos, Politiker charakterlos, Christen gebetslos und Kirchen kraftlos.“
Vielleicht stößt uns dieser Sonntag mit den biblischen Schriftstellen an, darüber nachzudenken, was bei uns alles im Sinne von geist-los „lose“ geworden ist und darum zu beten, dass wir immer mehr zu Tempeln des Heiligen Geistes werden.
In der Erzählung von der Tempelreinigung begegnet uns ein überraschend anderer Jesus. Was bringt ihn so in Rage? Seine Vorstellung von der Beziehung Gottes zu den Menschen hat sich konträr zur gängigen religiösen Praxis vieler Juden entwickelt.
Die Geschichte von der „Tempelreinigung“ ist uns sehr vertraut. Sie wird in allen 4 Evangelien beschrieben und kann deshalb als historisch authentisch angenommen werden.
Mich hat immer schon die hohe Aggressivität verwundert mit der Jesus, laut Bericht, auf die Händler und Geldwechsler reagiert hat. Sie bringt mein Bild vom charismatischen, in sich ruhenden und abgeklärten Prediger ins Wanken. Deshalb habe ich mich gefragt, was kann jemand so wütend machen, dass er Tische umhaut und mit einem Strick alle verjagt, die ihm im Wege stehen. Was oder wer bringt Jesus so in Rage, dass er sich wie ein Verrückter gebärdet? So außer sich gerät meiner Meinung nach nur jemand, der zutiefst enttäuscht ist. Wer aber ist imstande so zu verletzen? Das schafft nur jemand der mir am Herzen liegt, der mir nahe ist, jemand, dem ich mich tief verbunden fühle.
Jesus war seit frühester Kindheit eng mit dem pharisäischen Judentum verbunden. Er war beeindruckt von ihrem festen Glauben, ihrem Schriftverständnis, ihrem Engagement für die Tradierung der Vätererzählungen und der dazugehörenden Riten, sowie ihrer Bereitschaft, sich mit Jahwes Hilfe auf veränderte Lebenssituationen immer wieder neu einzustellen.
Schon länger allerdings bemerkte er eine neue Schwerpunktsetzung in der Auslegung des Gesetzes. Die Pharisäer und Schriftgelehrten werden immer mehr zum Inbegriff ethisch-moralischer Sittenwächter und der Einhaltung sinnentleerter Vorschriften.
Diese Entwicklung stand Jesu Auftrag diametral entgegen. Er war gekommen, die Engführung des Jahwe-Glaubens zu weiten. Sein Ziel war es, die Beziehung zwischen den Menschen und ihrem Schöpfergott in ein für alle Seiten bereicherndes Verhältnis zu bringen. Die Gesetze sollten mehr unter dem Aspekt verstanden werden, dass sie gegeben wurden, um den Menschen Halt zu geben, aber nicht um ihren Lebens- und Leidensdruck zu erhöhen. Die so geartete Beziehung Gottes zu den Menschen sollte Basis einer neuen Welt, eines neuen Reiches werden.
„Das Gesetz ist für den Menschen da, nicht der Mensch für das Gesetz“ ist eine wesentliche Aussage des Predigers Jesu. Er hat sich nicht gegen das Gesetz gestellt, er hat aber seine buchstabengenaue Einhaltung, wenn Heil und Erlösung eines Menschen in Gefahr waren, aufgehoben. Er hat bei ihrer Einhaltung der grundsätzlich lebensfördernden mosaischen Gesetze eingepflanzt, immer mitzudenken, dass sie von einem barmherzigen Gott aus Liebe zu den Menschen gestiftet wurden.
Als er das Treiben auf dem Tempelhof anlässlich des Paschafestes sieht, begreift er, dass seine Botschaft besonders von jenen, die ihre eigentlichen Adressaten waren, nicht angenommen werden wird. Seine Glaubensbrüder hatten sich entschieden, ihren Jahwe-Glauben besonders in der Pflege eines hierarchisch-religiösen jüdisch-rituellen Rasters Ausdruck zu verleihen.
Mag sein, dass die schon lange anhaltende Existenz als Volk in der Diaspora und unter beständiger Fremdherrschaft in diesem strengen Rahmen eine Form von Sicherheit und Identitätsstiftung gefunden hat. Der Chance einer grundsätzlichen Erneuerung im Vertrauen auf Gottes Menschenliebe haben viele von ihnen eine Absage erteilt.
So wurden die Pharisäer zwangsläufig zu erbitterten Gegnern Jesu und seiner Anhänger. Sein Versuch die Wertschätzung jedes Menschen als Kind Gottes in den Väterglauben zu integrieren wurde von den „Wächtern über das Gesetz“ als Bedrohung wahrgenommen. Angst ist aber immer ein schlechter Ratgeber. Im Falle Jesu führte sie zu seiner Verfolgung, seiner Verurteilung als Aufwiegler und seinem Tod am Kreuz.
Seine Auferstehung nach drei Tagen Todesruhe, die im heutigen Evangelium als Niederreißen des Tempels und seinem Wiederaufbau in drei Tagen symbolisch vorweggenommen wird, wird zur Initialzündung einer neuen befreiten Art zu leben. Der Geist Jesu des auferstandenen Gottessohnes braucht keinen Tempel, er findet Wohnung in jedem einzelnen Menschen guten Willens. Durch ihn sind wir miteinander und mit unserem Schöpfer verbunden, im irdischen Leben wie in der ewigen Heimat.
Darauf ist unser Christsein grundsätzlich aufgebaut, aber wenn wir auf die letzten 2000 Jahre zurückblicken müssen wir gestehen, dass dieser Geist ein sehr flüchtiger ist. Auch das Christentum ist über weite Strecken unter die Räder von säkularer Machtgier, Materialismus, klerikalen Hierarchiekämpfen und Selbstgefälligkeit gekommen. Das nimmt uns jedes Recht, die vorab berichtete pharisäische Entscheidung zu verurteilen. Geblieben ist aber die Forderung: Alle die von Jesus wissen, sind aufgerufen, ihm einen Platz in ihrem persönlichen Leben einzuräumen, damit sich die von Christus gegebene Verheißung erfüllen kann. Es gibt niemanden, der hier kontrollierend eingreift oder uns garantiert, dass das Versprochene auch tatsächlich eintritt. Aber es gibt Jesus, der uns den Weg vorgegeben hat und uns die freie Entscheidung überlässt, ihm zu folgen. Auf ihm als Fundament sollte es uns möglich sein, einen Tempel zu bauen, in dem Gott leben möchte.
Nichts ist mehr wie es früher war: Die Babylonier unter ihrem König Nebukadnezar haben im Jahr 597 vor Christus Jerusalem erobert. In der Folge wurden die Angehörigen der jüdischen Oberschicht ins Exil nach Babylonien (im heutigen Irak) geführt. Unter ihnen der Priester Ezechiel. Im Exil, fern der Heimat also wurde Ezechiel von Gott zum Propheten berufen. Seine außergewöhnlichen Visionen zeugen von seinem Heimatverlust, seiner Zerrissenheit. Er fühlt sich noch mit Jerusalem verbunden, er sieht sich ganz auf der Seite Gottes, aber natürlich auch auf der Seite des Volks. Nur: wurde dieses Volk nicht von seinen Hirten im Stich gelassen? Und: Liebäugelt dieses Volk nicht mit den babylonischen Götzen?
Eine andere Frage, die ihn beschäftigt: Wie kann das jüdische Volk, getrennt von Gott, fern der Heimat überleben? Wie können die Menschen ihre Kultur, ihre Religion bewahren? Ist Gott auch im Exil bei seinem Volk? - Wenn dem so wäre, dann dürfte er aber nicht (nur) mehr im Jerusalemer Tempel "wohnen", sondern müsste auch in irgendeiner Weise nach Babylonien kommen. Ezechiels Vision von der Tempelquelle scheint eine Antwort auf diese Frage zu sein.
Manche bemerken sie schon, viele wünschen sie sich: Neue Strömungen in der Kirche. Ezechiel hingegen sieht eine Strömung aus der Kirche hinaus. Gottes Gegenwart macht sich auf den Weg zu den Menschen. Nichts ist mehr wie es früher war: Gottes Gegenwart ist nicht mehr auf einen Ort - das Allerheiligste im Jerusalemer Tempel - begrenzt, sondern strömt ins Land hinaus, um Segen zu verbreiten. Gott wird zur Kraft, die überall Leben schenkt.
Mehr noch: Dieses Wasser, das aus dem Tempel strömt, macht das salzige Wasser gesund. Wer bereits am Toten Meer gewesen ist, weiß: Es ist ein unwirtlicher, lebensfeindlicher Ort. Der Jordan (zumindest das, was die Israelis nach umfangreicher Wasserentnahme davon überlassen) fließt zwar ins Meer hinein, aber er vermag die salzige Brühe nicht zu verdünnen.
Ezechiel hingegen sieht einen Wasserstrom aus dem Tempel, der immer tiefer und kräftiger wird, der das ganze Land durchzieht und sich auch in das Tote Meer ergießt und dort das salzige Wasser gesund macht. Das Wasser aus dem Tempel verdunstet nicht, sondern - ganz im Gegenteil - "entsalzt" sogar das lebensfeindliche, tote Meer. Stärker lässt sich die Kraft dieses lebendigen Wassers wohl nicht beschreiben.
Gott kommt auch nach Babylon! Er dezentralisiert sich. Das Leben der Gemeinden im Exil ist gesichert. Sein lebenserhaltender Strom stärkt das Volk. Tatsächlich endete mit dem Fehlen des heimatlichen Jerusalemer Tempels die Fixierung der Juden auf den Tempel als alleinigen Ort des Gebets, und es entstanden die ersten Synagogen.
Im Christentum gab es immer schon Kirchen vor Ort, aber nichts ist mehr wie es früher war: Der Kirchenbesuch lässt nach, die Zahl der Priester nimmt ab. Die Antwort der Bischöfe lautet vielerorts: Pfarrzusammenlegungen, Pfarrverbände, Seelsorgeräume.
Pastorale Seelsorge gemäß Ezechiel würde jedoch bedeuten, darauf zu vertrauen, dass Gottes Kraft (wir sagen auch Heiliger Geist dazu) zu jeder Gemeinde (und sei sie noch so klein) strömt. Gott will, dass dort, wohin sein Fluss strömt, alles am Leben bleibt. Die Pfarre ist wichtig: Sie ist "Kraftplatz", ein "Kleinkraftwerk", das die Gläubigen vor Ort mit göttlicher Energie auflädt.
In der Pfarre Marcel Callo in Linz-Auwiesen wird das ganz konkret sichtbar. Das Gotteshaus für die junge Pfarre wurde 1997 im einstigen Produktionsgebäude der Linzer Tuchfabrik errichtet. Die Taufkapelle befindet sich im ehemaligen Turbinenhaus. Mit der dort gewonnenen Energie wurden im 19. Jahrhundert mittels Transmission die Maschinen im Hauptgebäude angetrieben und später Strom für die Textilproduktion und für das Beheizen der umliegenden Wohnbauten erzeugt. Durch die Grotte fließt der Weidingerbach. Während einer Taufe hört man das Wasser des Baches plätschern, sieht manchmal Fische schwimmen, auch Flusskrebse wurden schon gesichtet.
Aus der Kirche in Linz-Auwiesen strömt Wasser des Lebens. Dort wird bei jeder Taufe sichtbar, dass wir als Getaufte befähigt und beauftragt sind, das lebendige Wasser allen zu bringen, die Durst nach Leben haben.
[Hier können Beispiele aus der Gemeinde vor Ort angeführt werden.]
Überall ist die gottesdienstliche Versammlung eine Kraftquelle, die den Gläubigen ermöglicht, "ins Land auszuströmen", Segen zu verbreiten. So können und sollen auch wir wie in der Vision Ezechiels lebensfeindliche Orte (Krisensituationen, Orte, an denen das Leben mühsam ist) mit Leben erfüllen.
Wir feiern heute den Weihetag der Lateranbasilika. Nachdem die Christenverfolgung in Rom und im römischen Reich ein Ende gefunden hatte, wurde die Lateranbasilika als erste große Basilika erbaut und 324 "zu Ehren des allerheiligsten Erlösers" eingeweiht. Sie war die erste Papst-Kirche, bis sie durch den Petersdom ersetzt wurde. Geweiht auf den Namen des Erlösers sollte sie daran erinnern, dass wir, die Getauften, um Christus geschart die lebendige Kirche bilden sollen. Christus als Eckstein, Herzmitte und lebendige Quelle sendet seine Gnade wie einen Strom in alle Länder der Erde und wendet sich an uns, seine Botschaft in alle Welt zu tragen.
Kirchen sind Erinnerungszeichen. Ihre Türme weisen unsere Blicke himmelwärts. Wie sehr eine Gemeinde innerlich lebendige Kirche ist, lässt sich allerdings nicht an der Pracht ihres Kirchengebäudes ablesen. Zur Not können wir auf Kirchen verzichten, wenn sie auch als Orte der Versammlung, der stillen Anbetung und des gemeinschaftlichen Betens und der Feier der Eucharistie von großem Wert sind.
Wie sehr es auf die innere Einstellung zum Glauben ankommt, daran soll uns die Lesung aus dem Propheten Ezechiel erinnern. Ezechiel lebte in der Zeit, da die Babylonier versuchten, Israel zu erobern. Das Nordreich fiel ihnen sehr schnell in die Hände, ebenso das Gefilde um Jerusalem. Jerusalem selbst aber konnte sich trotz wiederholter Angriffe und Belagerung Jahrzehnte lang behaupten. Das bestärkte alle Israeliten in der festen Überzeugung: Jerusalem ist uneinnehmbar. Dafür sorgt Jahwe, unser Gott.
Aus den eroberten Gebieten nahmen die Babylonier vor allem die Oberschicht als Gefangene mit ins Zweistromland. Zu ihnen gehörte auch Ezechiel. Er war ein Tempelpriester. Diese wohnten nicht alle in Jerusalem. Zur Zeit ihres Dienstes zogen sie hinauf in die Heilige Stadt, kehrten nach ihrem Dienst aber nach Hause zurück. Im Gleichnis vom "barmherzigen Samariter" begegnen wir einem Leviten und Priester, die wie Ezechiel außerhalb Jerusalems wohnten und nun auf ihrem Weg zum Tempeldienst waren.
Verschleppt nach Babylon nimmt Ezechiel seine Arbeit als Priester auf. Die Babylonier erlaubten den Israeliten, fern der Heimat in Siedlungen zusammenzuwohnen. So gab es im Exil viele jüdische Gemeinden. Ezechiel versucht seinen Landsleuten deutlich zu machen: Der Unglaube im Volk und die Abwendung von Jahwe sind der Hintergrund und die Ursache der Deportation. Und er prophezeit: Es werde noch schlimmer kommen. Denn der Glaube, Jerusalem sei uneinnehmbar, sei ein Trugschluss. Aber seine Worte fanden kein Gehör, fielen auf taube Ohren. Eine umfassende innere Umkehr wurde nicht angestrebt. Als Jerusalem dann doch eingenommen wurde und die Babylonischen Truppen den Tempel bis auf die Grundmauern zerstörten, verfielen alle in Trauer und Verzagtheit. Jahwe hat uns endgültig verlassen war ihre von großer Resignation getragene Grundstimmung.
In dieser Situation erkennt Ezechiel: Nicht das Vorhalten von Versagen und Schuld aus der Vergangenheit hilft weiter, sondern ein Neuanfang und die Belebung des Glaubens müssen in Gang kommen. So fordert er die Israeliten auf: Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Um diesen Schritt zu unterstützen, versammelt Ezechiel die Israeliten. In ihrer Gefangenschaft haben sie nicht den Tempel, um dort zu beten und Opfer darzubringen. Aber sie können zusammenkommen, die Worte der Heiligen Schrift hören und sich neu an ihr ausrichten. Sie können gemeinsam beten, Jahwe loben und preisen auch ohne Schlacht- und Brandopfer. Ein neues Bewusstsein der Gottesverehrung, das auf Tempel und Brandopfer verzichten kann, entwickelt sich. Die Einhaltung des Sabbats als "Tag des Herrn" erfährt neue Beachtung und Bedeutung. Ein offenes, mutiges Bekenntnis zu Jahwe im heidnischen Umfeld kommt mehr und mehr zum Tragen. Die Gläubigen schließen sich eng zusammen, trösten und stärken sich gegenseitig.
Die Not der Deportierten und die Weitsicht des Ezechiel brachten letztlich einen enormen Glaubensaufschwung hervor, der in der satten Beheimatung um den Tempel wohl niemals so deutlich stattgefunden hätte. In diesem Aufbruch überkommt Ezechiel die Vision, die wir in der Lesung gehört haben. Aus dem Tempel strömt Wasser, ein Symbol für Gottes Gnade, in alle Himmelsrichtungen. Neues Leben und Aufblühen im Glauben bricht an. Beides nehmen die Israeliten bei ihrer Rückkehr mit in die Heimat, um dort darauf aufzubauen.
Vielleicht stehen wir bei der Entwicklung des christlichen Glaubens in unserer Zeit in einer vergleichbaren Situation wie die nach Babylon verschleppten Juden, auch wenn wir die Heimat nicht verlassen müssen. Gemeinsam mit den Juden von damals ist uns: Das Umfeld, in dem wir leben, wird längst nicht mehr von einem christlichen Milieu oder dem Glauben an Gott und der Beachtung seiner Weisungen geprägt. Darüber trauern und jammern hilft uns nicht weiter. Sich neu besinnen, den eigenen Glauben vertiefen und in ihm miteinander verbunden bleiben, das allein ist die Lösung. Auch Ezechiel ist es sicher nicht gelungen, alle Verbannten zur Erneuerung im Glauben zu bewegen. Aber Träger der Zukunft waren die zur inneren Erneuerung bereiten Gläubigen.
Warum sollen wir den Glauben daran aufgeben, aus unserer gegenwärtigen Krise gestärkt hervorzugehen? Auch wenn nicht alle mitmachen, Träger unserer Zukunft werden - wie damals - die sein, die sich der Botschaft Jesu stellen, sich um ein Wachsen in ihrem Glauben und in der Liebe mühen und sich offen als Christ bekennen. Mit diesem Bekenntnis sagen wir ja nicht, dass wir hochgradig und vorbildhaft besser sind als andere, sondern dass wir mit der Botschaft Jesu gute, ja wahrhaft heilbringende Ziele haben, um deren Verwirklichung wir uns im Vertrauen auf Gottes Hilfe bemühen wollen. Wir bekennen, dass unser Versagen zumeist in der zu geringen Hinwendung zu Gott und der ungenügenden Verbundenheit mit ihm begründet liegt. Weil wir uns damit nicht abfinden wollen, haben wir uns hier versammelt. Gottes Wort soll uns neu berühren, seine Gnade uns neu zum Guten stärken.
Ermutigen wir uns gegenseitig, uns zu unserem Glauben zu bekennen, und helfen wir einander, ihn entschlossen zu leben.
Die vielen Kirchengebäude, ebenso wie Gebetsstätten anderer Religionen (Moscheen, Tempel, Synagogen) prägen das Erscheinungsbild unserer Städte und Ortschaften. Sie stellen Zeichen, Hinweise dar, die nicht selten allein wegen ihrer Schönheit und der Harmonie der Formen und Farben die Blicke der Menschen auf sich richten. Wer ein solches Gebäude aus welchen Gründen auch immer betritt, der ist oftmals beeindruckt vom Raum, von der Stille, von der Welt, die sich da auftut. Auch Menschen, die gar nicht (mehr) an Gott denken, fühlen vielleicht, dass der Raum, den sie betreten haben, in ihnen eine Art von Geborgenheit erwachen lässt. Auch wenn der Besucher gar nicht betet, weil er nicht beten kann oder nicht beten will, kann es doch sein, dass der sakrale Raum als bergende Hülle erfahren wird, und es mag eine Form von wohltuender Besinnung stattfinden. Der Raum lädt ein zum Verweilen, zum Nachdenken, zum In-Sich-Gehen. Vielleicht wächst in manchem Besucher das Bewusstsein, dass er in seinem bisherigen Leben auf einer Flucht war und noch ist. Flucht nicht nur vor irgendetwas oder irgendjemandem, sondern eine Flucht vor sich selbst. Der hl. Augustinus, selbst lange Zeit ein Suchender, hat dieses Geschehen folgendermaßen beschrieben: "Ich war mir selbst entlaufen und fand mich selber nicht" (Confessiones V, 2,2).
Wenn wir von Kirche, Gotteshaus sprechen, so meinen wir nicht nur das Gebäude, selbst wenn darin Jesus im Heiligen Altarssakrament gegenwärtig ist. Kirche ist immer und in erster Linie ein geistiges Haus, das von Menschen gebildet wird, die durch Taufe und Firmung in eine Gemeinschaft mit Gott gerufen wurden. Das griechische bzw. hebräische Wort für Kirche bedeutet ja die Gerufenen, die Eingeladenen, die gemeinsam zum Tisch des Wortes und des Brotes geladen sind. Wir sind geladen, als lebendige Steine eine Kirche als geistiges Haus aufzubauen: "Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen" (1 Petr 2, 5).
"Viele Male und auf vielerlei Weise" (Hebr 1,1) hat Gott zu den Menschen gesprochen. Eine der vielen Formen der Rede Gottes ist das lebendige Zeugnis der Gemeinschaft der Glaubenden. Sie sollen durch ihr Leben und Tun zum Ausdruck bringen, dass das Antlitz Gottes dem Menschen zugewandt ist. Viele vermögen freilich in den Bedrängnissen ihres Lebens dieses Antlitz eines liebenden Gottes nicht zu erkennen; es bleibt ihnen verborgen, und Gott ist für sie der große Unbekannte. Die Prophezeiung des Propheten Jesaia, wonach das im Dunkeln wandernde Volk ein helles Licht sieht (vgl. Jes. 9, 1), hat sich im Leben vieler (noch) nicht zugetragen; was bleibt, ist vielleicht Hoffnung. Die Kleinen, Verletzten, Hilfesuchenden, in mehrfacher Hinsicht Obdachlosen sind weiter den vielen Dunkelheiten, den ungelösten Spannungen ihres Lebens ausgeliefert.
"Mich erbarmt des Volkes" - keiner, der Christus begegnet, soll hungrig weggeschickt werden (vgl. Mk 8, 2). Diejenigen, die selbst Kirche sind, auch wenn sie den Rätseln des eigenen Lebens noch ausgeliefert sind, sollen den Anderen, den Ärmeren, die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes (Tit 3,4) vorzeigen und vorleben.
Es gab und gibt immer wieder Menschen, die das Negative auf Seiten der Institution Kirche aufzeigen und mit einer gewissen Häme hervorkehren. "Bashing" wird dieser Vorgang genannt, bei dem vermeintliche und auch wirkliche Skandale, die von kirchlichen Amtsträgern begangen wurden, genüsslich ausgebreitet werden. Wenngleich in solchen Fällen lückenlose Aufklärung und Schuldeingeständnisse erforderlich sind, so muss doch auch auf die vielen positiven Zeichen der Kirche hingewiesen werden, wo vielen Bedürftigen materiell und geistig geholfen wird, wo Zeichen der Hoffnung gesetzt werden. Gott bedient sich unserer Hände und unserer Füße, wie Mutter Teresa einmal gesagt hat, um das uns zugewandte Antlitz Gottes zum Leuchten zu bringen. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Kirche als Organisation wie auch viele einzelne Gläubige sich schon seit Jahrhunderten der Armen und Verlassenen annehmen, dass die Kirche bereits zu einer Zeit Spitäler, Armen- und Waisenhäuser gegründet und unterhalten hat, als staatliche Institutionen noch nicht im entferntesten daran dachten, sich dieser Aufgabe zu widmen. So sei z.B. an die Heilig-Geist-Spitäler des Mittelalters erinnert.
Auch heute erbringt die Kirche erstaunliche Leistungen im Bereich der Caritas und anderer Hilfsorganisationen; sie weiß um vielfältige geistige und materielle Not und versucht, so gut sie kann, abzuhelfen. Und immer wieder sind es Einzelne, die von der Liebe des Guten Hirten nicht nur reden, sondern sich mit ihrer ganzen Kraft denen zuwenden, die wie Schafe ohne Hirten sind und sich vielfach verlaufen haben.
Von der Kirche reden muss auch heißen, von ihren Großtaten reden, ohne die die Welt ärmer wäre als sie es tatsächlich ist. "Freude und Hoffnung, Bedrängnis und Trauer der Menschen von heute, besonders der Armen und Notleidenden aller Art, sind zugleich auch Freude und Hoffnung, Trauer und Bedrängnis der Jünger Christi" (Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, 1). Kirche ist freilich eine Gemeinschaft von Heiligen und Sündern - auch die Heiligen sind ja zugleich Sünder - aber sie ist auch ein "Haus voll Glorie".
Kirchweihe ist, wie bereits gesagt, Erinnerung an das historische Ereignis des Baues und der Segnung eines Gebäudes. Es ist aber zugleich ein Mahnmal, ein Zeichen, dass es in dieser Kirche ein Grundgesetz gibt, den Armen eine frohe. befreiende Botschaft zu verkünden (Lk 4, 18) und dass jeder von diesem Gesetz in die Pflicht genommen wird.
Es gibt Worte, die einen ansprechen und eine zeitlang begleiten. Ein solches Wort, das mich gegenwärtig begleitet, ist der Anruf: Betend das Leben in das Kraftfeld Gottes stellen. Gott wird verglichen mit einem Kraftfeld. Ich soll im Gebet mein eigenes Leben und auch das Leben anderer in das Kraftfeld Gottes stellen. So kann Gottes Kraft im Leben wirksam werden; das Leben mit Energie erfüllen, es läutern und neu ordnen, wo dies nötig ist.
Dieses Wort passt auch gut zu einem Kirchweihfest. Ich kann die Kirche - auch das Gebäude der Kirche - als einen Ort der besonderen Gegenwart Gottes verstehen. In der Kirche kann ich betend mein Leben in das Kraftfeld Gottes stellen.
Dieses Bild von "Kirche" wird erweitert und erläutert durch die biblischen Texte der heutigen Liturgie.
In der ersten Lesung wird uns in einer Vision der Tempel geschildert. Der Tempel ist ein Kraftfeld Gottes. Unter den Tempelschwellen fließt in allen vier Himmelsrichtungen lebendiges Wasser hervor. Wohin dieses Wasser gelangt ,wird das salzige Wasser gesund und können die lebendigen Wesen gedeihen. Der Mensch, der sich betend in den Tempel begibt, begibt sich in das Kraftfeld Gottes. Er kann gesunden und sein Leben entfalten.
In der zweiten Lesung sagt uns der Apostel Paulus, dass nicht nur geweihte Orte als Tempel Gottes bezeichnet werden können, sondern dass auch wir ein Tempel Gottes sind, in dem Gottes Geist wohnt. Was hier Paulus vom einzelnen Christen sagt, gilt auch für christliche Gemeinschaften. So kann auch der einzelne Mensch und eine glaubende Gemeinschaft ein Ort sein, wo Gottes Kraft anzutreffen ist. In der Begegnung mit ihnen können wir in das Kraftfeld Gottes gelangen.
In den liturgischen Texten des Kirchweihfestes finden wir die verschiedenen Bilder von Kirche: Kirche als Gebäude, als Gemeinschaft der Glaubenden. . . So gibt es auch verschiedene Weisen, um das Leben betend in das Kraftfeld Gottes zu stellen.
Aber der Mensch kann diese Kraftfelder Gottes auch missachten, ja er kann sie auch missbrauchen. Er kann aus dem Tempel eine Markthalle machen, er kann in und durch den Tempel seine egoistischen Geschäfte machen Wie das geschehen kann, wird drastisch im heutigen Evangelium geschildert.
Gegen diesen Missbrauch protestiert Jesus in einer ungewöhnlich scharfen Weise .Er mache eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus. . . Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle."
Der Tempel soll Haus des Vaters bleiben. Das ist nicht die einzige Aussage des heutigen Evangeliums, aber doch ein wichtiger Aspekt. Auch die Kirche in all ihren Formen soll ein Ort der Gegenwart Gottes bleiben. Man darf sie nicht zu einer Markthalle, zu einem Ort des Geschäftemachens missbrauchen.
Wir Menschen brauchen Orte der Nähe Gottes. Entdecken wir neu diese Orte. Am Kirchweihfest sind wir besonders eingeladen, uns in das Kraftfeld Gottes zu begeben und unser Leben betend in sein Kraftfeld zu stellen.
Das Jesusbild, das heute uns verkündet wird, befremdet. Jesus greift mit Händen und Worten ein. Er fordert, dass der Tempel Begegnungsstätte zwischen Gott und den Menschen sein muss. Einen Kompromiss, der Zugeständnisse macht, lässt er nicht zu.
Auf die Frage, mit welcher Vollmacht Jesus das tue, verweist er vom Gebäude des Tempels auf sich selbst, auf seine Person, er stellt sich als der eigentliche lebendige Tempel dar. Dann sagt er, dass dieser Tempel niedergerissen wird und in drei Tagen wieder aufgebaut sein wird. Das konnte keiner seiner Hörer verstehen, doch wir wissen, was gemeint sein kann: dieser lebendige Tempel ist Jesus in seiner Lebenshingabe, in seiner Verschwendung für uns Menschen - und in dieser Haltung besteht der wahre Gottesdienst. Am Ende des Evangeliums heute heißt es: Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sie sich und verstanden und glaubten.
Wenn wir uns bei unserem Gottesdienst vom Hl. Geist nicht in diese Haltung, uns an Gott und die Menschen zu verschenken, hineinführen lassen, können wir schief liegen. Wir rutschen in die Ableistung von Ritualen. Dann kann uns der Ritus wichtiger werden als die Jesusbegegnung.
Dass dies nicht geschieht, dafür will auch das Kirchweihfest der Laterankirche stehen, der ersten Papstkirche. Auch da geht es nicht äußerlich um ehrwürdige Mauern, sondern um den Bau Gottes, wie es Paulus formuliert, konstruiert auf dem Grundstein Jesus Christus. Das heutige Fest sucht also die lebendige geisterfüllte Kirche. Der Petrusdienst muss alles dransetzen, dass wir alle eine solche lebendige Kirche sind.- Aber wie?
Wir erinnern uns noch an den Deutschlangbesuch des Papstes 2006. "Ja, wer glaubt, ist nie allein!": war das Motto dieser Tage. Papst Benedikt XVI. konnte unserm Glauben lebendige Impulse geben. (auf dem Islinger Feld am 12. September 2006) Immer wieder klang in seinen Reden das Wort durch: "Die Sache mit dem Menschen geht nicht auf ohne Gott, und die Sache mit der Welt, dem ganzen Universum, geht nicht auf ohne ihn." Ähnlich geschah es in Österreich mit der Hauptbegegnung in Mariazell und in Frankreich, anlässlich der 150 Jahre Lourdes. Unser Papst hat die Gnade, seine Theologie und Spiritualität aus der Schrift und den Kirchenvätern zu nehmen und sie uns in ermutigender Form darzulegen. Am Weltjugendtag in Sydney spürten die Jugendlichen ein neues Pfingsten, als der Papst ihnen das Lukaswort deutete: "Ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen, der auf Euch herabkommen wird!" Unvergesslich ist mir der Weltjugendtag von Köln, an dem ich auch teilnehmen konnte. In der nächsten Zeit will der Papst Kamerun und Angola besuchen und eine Bischofssynode für Afrika halten.
Der Papstdienst ist Dienst an der Einheit aller Gläubigen im einen Bekenntnis des auferstandenen Christus. Durch den Papstdienst kommt unsere Ortskirche auf Großplakatform der Weltkirche.
Sicher, auch die Frage nach Strukturen und Kirchenrecht haben ihre Bedeutung. Da spüren wir schon die Spannung zwischen Ortskirche und Weltleitung. Doch ich bin überzeugt, wenn wir alles daran setzen, der lebendige Leib Christi zu sein, der vom Geist gehaltene Bau Gottes, das priesterliche Volk Gottes, dass sich dann nach und nach auch die erforderlichen Reformen und Strukturen ergeben werden, ganz besonders auch im Blick auf die getrennten Schwestern und Brüder.
Wir Redemptoristen haben heute unseren Gründungstag. Heute vor 276 Jahren, also anno 1732, trieb der Hl. Geist den Hl. Alfons von Liguori, in Scala bei Neapel die Gemeinschaft der Redemptoristen, der Erlösermissionare, ins Leben zu rufen. Bald vom Papst bestätigt sollen wir die Befreiung durch Jesus allen verkünden und selbst befreiend leben. Unser Dienst soll mithelfen, dass das Grundanliegen des heutigen Tages, die Erneuerung der Orts- und Weltkirche - geeint durch den Petrusdienst - den Menschen von heute zu Sinndeutung und neuer Lebensfreude führt.
Liedvorschläge:
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All
GL 386: Laudate omnes gentes
GL 387: Gott ist gegenwärtig
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 438: Wir, an Babels fremden Ufern
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 478: Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land
GL 479: Eine große Stadt ersteht
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit
GL 482: Die Kirche steht gegründet allein auf Jesus Christ
GL 483: Halleluja. Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn
GL 484: Dank sei dir Vater für das ewige Leben
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 487: Nun singe Lob du Christenheit
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 618,2: Confitemini Domino
GL Ö891: All meine Quellen entspringen in dir
GL Ö923: Strahlen brechen viele aus einem Licht
GL Ö926: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind
GL Ö927: Wer glaubt, ist nie allein!
KG 98 Wir glauben, Gott, dass du es bist, durch den wir sind und leben
KG 182 Sei unser Gott, der alle Welt in seiner Liebe leitet
KG 233: Nimm du mich, heiliger Atem
Kehrverse und Psalmen:
GL 80: Singt, singt, singt dem Herrn ein neues Lied, sein Lob in der Gemeinde, sein Lob in der Gemeinde. - Mit Psalm 149
GL 285: Ubi caritas et amor, ubi caritas, Deus ibi est
GL 442: Wo die Güte und die Liebe wohnt
GL 445: Ubi caritas et amor, ubi caritas, Deus ibi est
GL 550: Ströme lebendigen Wassers erquicken die Gottesstadt... - Mit Psalm 103 (GL 657,4)
GL 618,2-3: confitemini Domino - mit Psalm 63
GL 630: Halleluja, Halleluja, Halleluja (mit Offb 19,1-2.5-7)
GL 653,2-3: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Psalm 84
GL 654,1: Ihr seid der Tempel Gottes, in euch wohnt Gottes Geist (Antwortgesang)
Es ist Heiliges Jahr. Eine Unmenge an Gläubigen verstärkt die Touristenströme nach Rom und in Rom. Seit Jahrhunderten von Jahren gehört es für Pilgerinnen und Pilger dazu, die sogenannten Hauptkirchen Roms zu besuchen. Die erste und wichtigste ist dabei nicht der Petersdom, sondern jene Kirche, deren Kirchweihfest heute weltweit begangen wird: Die Lateranbasilika. Über dem Giebel ihrer Ostfassade steht geschrieben: «Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput». Diese Kirche ist also Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises. In dieser Verbundenheit feiern wir miteinander dieses Fest.
Sie haben sich entschieden, den Gottesdienst heute in dieser Kirche/Kapelle mit zu feiern. Auch sie ist ein Ort, der Gott geweiht ist. Sie wird für uns zum Ort, an dem wir ihm, Gott, begegnen werden, in seinem Wort und im Sakrament.
In der Stille und im Gebet bereiten wir uns auf diese Begegnung vor:
Geöffnet mögen meine Ohren sein,
damit ich Gottes Botschaft höre.
Geöffnet möge mein Geist sein,
damit ich Gottes Botschaft glaube.
Geöffnet möge mein Herz sein,
damit ich Gottes Liebe spüre.
Geöffnet mögen meine Lippen sein,
damit ich das Lob Gottes verkünde.
Herr Jesus Christus,
du Sohn des lebendigen Gottes.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du Abbild des ewigen Vaters.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du Heiland der Menschen.
Herr, erbarme dich.
Erhabener Gott,
du erbaust dir aus lebendigen
und erlesenen Steinen ein ewiges Haus.
Mache die Kirche reich an Früchten des Geistes,
den du ihr geschenkt hast,
und laß alle Gläubigen in der Gnade wachsen,
bis das Volk, das dir gehört,
im himmlischen Jerusalem vollendet wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Kirchweihe B
Gott,
du hast uns in die Heilsgemeinschaft
deiner Kirche gerufen.
Gib uns Mut zur Mitarbeit
und Freude über unsere Berufung.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gütiger Gott,
immer wieder hast du dich den Menschen zu erkennen geben.
Die Plätze, an denen sie dich besonders erfahren haben, sind ihnen heilig.
Erhelle diesen Ort und unsere Herzen mit deiner Nähe und Liebe.
Lass uns zusammen dein heilsames Wirken erfahren und feiern.
Das erbitten wir durch Jesus Christus im Heiligen Geist. - Amen.
Alles Lebendige lebt vom Wasser.
Gott, du bist für mich wie Wasser.
Tränke mich, durchdringe mich und nimm mir die Angst
vor den Menschen, vor dem Leben und vor dem Tod..
Darum bitten wir dich durch deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder, Jesus Christus.
(Nach Elmar Gruber - gekürzt)
Herr, unser Gott,
du versammelst dir dein Volk und führst es durch alle Zeiten hindurch.
Auch wir vertrauen dir und kommen zu dir mit unseren Bitten:
Wir bitten für alle, die auf der Suche nach dem richtigen Ort in ihrem Leben und Glauben sind.
Wir beten für alle, die sich in der Kirche nicht mehr beheimatet fühlen.
Wir bitten für alle, die Gott in ihrem Leben einen festen Platz geben, und für jene, für die Gott keine Bedeutung hat.
Wir beten für alle Notleidenden dieser Welt, besonders für die Kinder und Jugendlichen, die in Gewalt und Armut aufwachsen.
Wir bitten für alle Trauernden und für jene, die von Sorge und Zukunftsängsten belastet sind.
Wir beten für alle, die haupt- oder ehrenamtlich Sorge zu unserer Kirche tragen und sich in ihr engagieren.
Wir bitten für Papst Leo und alle Mitarbeitenden im Vatikan,
für unsere Bischöfe und für alle, die in der Kirche etwas zu sagen haben und Entscheidungen treffen.
Herr, unser Gott, in uns wohnt dein Heiliger Geist.
Lass uns deine Werkzeuge sein in unserer Kirche und in der Welt, die wir gestalten.
Erhöre, worum wir dich bitten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr und Gott,
nimm unsere Gaben an,
schenke uns durch deine Sakramente
Kraft und Zuversicht
und erhöre alle, die an heiliger Stätte zu dir beten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Kirchweihe B
Heiliger Gott,
wir gedenken des Tages,
an dem du dieses Haus zu eigen genommen
und mit deiner Gegenwart erfüllt hast.
Nimm die Gaben an,
die wir an dieser Stätte darbringen,
und mache auch uns selbst zu einer Gabe,
die dir wohlgefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Kirchweihe A
Gütiger Gott,
du gibst uns, was wir zum Leben brauchen.
Diese Gaben von Brot und Wein sind nichts im Vergleich zu dem, womit du uns Tag für Tag beschenkst. Und doch sollen sie ein Zeichen für alles sein, wofür wir dir dankbar sind, und auch für jenes in unserem Leben, was der Wandlung bedarf.
Dich loben wir und dir danken wir.
Durch Jesus Christus. Im Heiligen Geist. Ä- Amen.
Gott, aus allen Nationen hast du dir dein Volk als Kirche gesammelt. Durch unsere Taufe sind wir Teil deines Volkes geworden. Mit der Firmung hast du uns mit den Gaben des Heiligen Geistes beschenkt.
Wir loben dich. - Wir preisen dich.
Gott, wir danken dir für Jesus Christus, deinen Sohn. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Seine Auferstehung ermutigte die Männer und Frauen, seine Botschaft zu leben und von ihm zu erzählen. Aus seiner kleinen Bewegung damals in Galiläa ist unsere weltweite Kirche geworden.
Als Kirche Jesu gehören wir zusammen. Wo wir in Jesu Namen versammelt sind, ist dein Sohn mitten unter uns.
Menschen leiden in und an unserer Kirche, doch wir vertrauen darauf, dass dein Geist sie auch heute lenkt und führt.
Deine Kirche lebt in der Zeit und geht mit der Zeit. Zu allen Zeiten aber hält sie die Hoffnung wach, dass unser Leben nach dem irdischen Tod nicht zu Ende ist, sondern wir weiter in Gemeinschaft mit dir leben werden dürfen.
Zusammen mit allen, die uns im Leben und im Glauben in deine Herrlichkeit vorausgegangen sind, und mit allen Heiligen, auf deren Fürsprache wir vertrauen, loben und preisen wir dich und dein Wirken und stimmen miteinander in den Lobgesang ein:
Grosser Gott, wir loben dich …
Kehrvers:
Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
Unfassbarer Gott, wir danken dir,
weil du nicht müde wirst, uns nahe zu sein.
Einst hast du dein Volk als Feuersäule und als Wolke begleitet.
und in einem Zelt mitten unter den Menschen Wohnung genommen.
Kehrvers
Als man dir in Jerusalem einen Tempel erbaute,
hast du ihn mit deiner Gegenwart erfüllt.
Dort hast du auf die Gebete deines Volkes gehört
und auf seine Opfer geachtet.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt.
In ihm hast du gezeigt, wie du bist.
Voll Liebe und Barmherzigkeit bist du uns Menschen begegnet.
Kehrvers
Im Heiligen Geist, der von dir und deinem Sohne ausgeht,
hast du dir aus lebendigen Steinen einen neuen Tempel erbaut
und Menschen aus allen Nationen und Völkern
zu einem neuen Volk zusammengerufen.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir diesem Volk angehören dürfen
und durch die Taufe Wohnrecht in deinem Haus erhalten haben.
Mit allen Heiligen loben und preisen wir dich
und singen wir zu deiner Ehre:
Danklied, z. B. "Ein Haus voll Glorie schauet. . ." (GL 478)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken und deine Größe zu rühmen.
In jedem Haus des Gebetes wohnst du als Spender der Gnade,
als Geber alles Guten:
Denn du erbaust uns zum Tempel des Heiligen Geistes,
dessen Glanz im Leben der Gläubigen aufstrahlt.
Im sichtbaren Bau erkennen wir das Bild deiner Kirche,
die du zur Braut deines Sohnes erwählt hast.
Du heiligst sie Tag für Tag,
bis du sie, unsere Mutter, in die Herrlichkeit aufnimmst
mit der unzählbaren Schar ihrer Kinder.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns mit allen Engeln
und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Kirchweihe 2
Mein Leib ist Tempel des Heiligen Geistes.
Mein Körper, wunderbar geschaffen, schön, so wie er ist, und einzigartig.
Darum gebe ich auf ihn acht.
In mir hat Gott Wohnung genommen.
Wenn ich auf meinen Atem achte oder mein Herz schlagen spüre,
denke ich daran:
So wirkt der Atem Gottes. So schlägt Gottes Herz für mich.
«Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.» (Gal 2,20)
Durch mich ist Gott erfahrbar.
Und auch ich erfahre Gott im anderen, der wie ich Tempel des Heiligen Geistes ist.
Wir alle sind Werkzeug Gottes.
Mit unseren Herzen und Händen
baut Gott weiter seine Kirche.
Allmächtiger Gott,
du hast uns in der Kirche auf Erden
ein Abbild des himmlischen Jerusalem geschenkt.
Mache uns durch diese heilige Kommunion
zum Tempel deiner Gnade
und laß uns dorthin gelangen,
wo deine Herrlichkeit thront.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Kirchweihe B
Herr, unser Gott,
am Weihetag dieser Kirche
haben wir das Opfer des Lobes dargebracht.
Mache diese Feier
für uns zur Quelle der Gnade und der Freude,
damit deine Gemeinde im Heiligen Geist
zum Tempel deiner Herrlichkeit wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Kirchweihe A
Gütiger Gott,
diese Feier wurde zum Begegnungsraum mit dir. Unsere Seelen konnten zur Ruhe kommen und aufatmen bei dir. Dein Sohn hat sich uns geschenkt im Wort des Evangeliums und im Empfang der Heiligen Kommunion. Wir brechen auf von diesem Ort, gestärkt und bereit für die Aufgaben, die in der neuen Woche uns erwarten.
Bleibe bei uns mit deinem Heiligen Geist.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Gütiger Gott,
segne uns mit Orten, an denen wir innehalten und nachspüren können, was gerade wichtig ist.
Lass unsere Kirchenräume und Herzensräume geöffnet und weit sein für die Menschen, die darin Einlass und Barmherzigkeit suchen.
Begleite uns mit deinem Segen, wohin unsere Schritte uns in der neuen Woche auch führen mögen.
So segne und behüte uns und alle Menschen, mit denen wir in Liebe und Freundschaft verbunden sind, und auch die anderen
der allmächtige und gütige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Du hast uns heute Nacht in dieses Café «Le Clair de Lune » geführt. Du wolltest dort du selbst sein, für ein paar Stunden der Nacht. Durch unsere armselige Erscheinung, durch unsere kurzsichtigen Augen, durch unsere liebeleeren Herzen wolltest du all diesen Leuten begegnen, die gekommen sind, die Zeit totzuschlagen.
Und weil deine Augen in den unsren erwachen, weil dein Herz sich öffnet in unserm Herzen, fühlen wir, wie unsere schwächliche Liebe aufblüht, sich weitet wie eine Rose, zärtlich und ohne Grenzen für all diese Menschen, die hier um uns sind.
Das Café ist nun kein profaner Ort mehr, dieses Stückchen Erde, das dir den Rücken zu kehren schien. Wir wissen, dass wir durch dich ein Scharnier aus Fleisch geworden sind, ein Scharnier der Gnade, die diesen Fleck Erde dazu bringt, sich mitten in der Nacht, fast wider Willen, dem Vater allen Lebens zuzuwenden.
In uns vollzieht sich das Sakrament deiner Liebe. Wir binden uns an dich, wir binden uns an sie mit der Kraft eines Herzens, das für dich schlägt. Wir binden uns an dich, wir binden uns an sie, damit ein einziges mit uns allen geschehe.
Durch uns zieh alles zu dir …
Zieh ihn zu dir, den alten Pianisten, der vergisst, wo er ist, und der nur spielt aus Freude am guten Spiel, die Geigerin, die uns verachtet und jeden Strich um Geld verkauft, den Gitarristen und den Akkordeonspieler, die Musik machen für Leute, die ihnen gleichgültig sind. Zieh ihn zu dir, jenen traurigen Mann, der uns seine sogenannten fröhlichen Geschichten erzählt, ebenso jenen Trinker, der gerade die Treppe hinuntertaumelt, auch jene müde dasitzenden Leute zieh zu dir hin, die verlassen hinter ihrem Tisch kauern und nur hier sind, um nicht anderswo zu sein.
Durch uns zieh sie zu dir hin, damit sie dir in uns begegnen, denn du allein hast das Recht, dich ihrer zu erbarmen. Weite unser Herz, damit es alle zu fassen vermag: Präge sie ein, damit sie für immer in unser Herz geschrieben seien.
Du wirst uns nachher zum Jahrmarkt führen, zu einem Platz voller Baracken. Es wird Mitternacht oder später sein. Nur jene werden auf dem Pflaster bleiben, deren Heim und Werkstatt die Strasse ist. Möge der Schlag deines Herzens sich in die unseren graben tiefer als die Pflastersteine in den Boden, damit ihre traurigen Schritte auf unserer Liebe dahinschreiten und diese daran hindere, noch tiefer im Morast des Bösen zu versinken.
Wir werden auf dem Platz auch Händler treffen, die Illusionen verkaufen: unechte Angst, scheinbaren Sport, trügerische Kunstwerke, gefälschte Ungeheuer. Sie vertreiben ihre falsche Ware, damit man die echte Langeweile totschlage, die alle trübseligen Gesichter einander so ähnlich machet. Lass uns Freude finden an deiner Wahrheit, damit wir uns ihnen zuwenden mit dem wahren Lächeln der Liebe.
Madeleine Delbrel: Auszug aus «Liturgie der Aussenseiter»
Gott, unser Vater,
wir Menschen wollen nicht nur da sein, wir wollen einen Ort haben in dieser Welt, an dem wir uns zuhause fühlen können und uns geborgen wissen.
So erfülle unser Haus (unsere Wohnung) mit deinem Segen, vertreibe Misstrauen, Neid, Feindseligkeit aus diesen Räumen und aus unseren Seelen, damit Friede einkehre in unsere Herzen, damit wir so miteinander umgehen, dass wir unser Haus (unsere Wohnung) als einen Ort des Vertrauens und Wertschätzung erleben, wo wir uns geachtet und geschützt erfahren und Leib und Seele ausruhen und wieder aufatmen können.
Lass unser Haus (unsere Wohnung) einen Ort sein, wo gute Gespräche möglich sind, wo die Vielfalt unserer Gefühle einen Platz hat und unsere Visionen und Träume von einem sinnvollen Leben sich entfalten können.
Lass es ein Ort des Rückzugs und des Neuaufbruchs sein, ein Ort, von dem aus wir die Welt wieder mit neuen Augen sehen können, ein Ort, an dem dein Segen in unserer Mitte spürbar wird. So bitten wir in Erinnerung an die Menschwerdung Gottes, der unter uns Wohnung genommen hat. - Amen.
Hinweis: Versuch einmal, bei diesem Gebet anstelle von Haus/Wohnung das Wort «Kirche» einzusetzen.
Netzfund: www.hanglberger-manfred.de/seghaus.htm
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
In den Kapiteln 33-48 des Ezechielbuches werden dagegen die Verzweifelten im Exil getröstet, und es wird neues Heil für Israel angesagt. Höhepunkt ist die Vision von einem neuen Jerusalem und einem neuen Tempel - Ursprung eines Stromes von lebendigem Wasser, der selbst das Tote Meer zu neuem Leben erweckt. Davon berichtet diese Perikope. Jahwe erweist sich erneut als der "Herr des Lebens", darin ist ein Grundzug des Gottesbild von Ezechiel zu sehen (vgl. 18:4).
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz