Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Íjob:
Íjob sprach:
Würden meine Worte doch geschrieben,
würden sie doch in ein Buch eingeritzt,
mit eisernem Griffel und mit Blei,
für immer gehauen in den Fels.
Doch ich, ich weiß:
Mein Erlöser lebt,
als Letzter erhebt er sich über dem Staub.
Ohne meine Haut, die so zerfetzte,
und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen.
Ihn selber werde ich dann für mich schauen;
meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott. – Kv
GL 42,1
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, *
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, /
nach dem lebendigen Gott. *
Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? – (Kv)
Ich will in einer Schar einherziehn. *
Ich will in ihr zum Hause Gottes schreiten,
im Schall von Jubel und Dank *
in festlich wogender Menge. – (Kv)
Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; *
sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.
So will ich kommen zu Gottes Altar, /
zum Gott meiner Freude und meines Jubels. *
Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand
und keine Folter kann sie berühren.
In den Augen der Toren schienen sie gestorben,
ihr Heimgang galt als Unglück,
ihr Scheiden von uns als Vernichtung;
sie aber sind in Frieden.
In den Augen der Menschen wurden sie gestraft;
doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.
Ein wenig nur werden sie gezüchtigt;
doch sie empfangen große Wohltat.
Denn Gott hat sie geprüft
und fand sie seiner würdig.
Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt
und wie ein Ganzopfer sie angenommen.
Zur Zeit ihrer Heimsuchung werden sie aufleuchten
wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen.
Sie werden Völker richten
und über Nationen herrschen
und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit.
Alle, die auf ihn vertrauen,
werden die Wahrheit erkennen
und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe.
Denn Gnade und Erbarmen werden seinen Heiligen zuteil
und Rettung seinen Erwählten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr ist mein Licht und mein Heil. - Kv
(GL 38,1)
Oder:
Kv: Ich bin gewiss zu schauen die Güte des Herrn
im Land der Lebenden. - Kv
Der HERR ist mein Licht und mein Heil: *
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: *
Vor wem sollte mir bangen? - Kv
Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: *
im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens;
die Freundlichkeit des HERRN zu schauen *
und nachzusinnen in seinem Tempel. - Kv
Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; *
sei mir gnädig und gib mir Antwort!
Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! *
Dein Angesicht, HERR, will ich suchen. - Kv
Ich bin gewiss zu schauen *
die Güte des Herrn im Land der Lebenden.
Hoffe auf den herrn, /
sei stark und fest sei dein Herz! *
Und hoffe auf den Herrn! - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
An jenem Tag
wird der Herr der Heerscharen
auf diesem Berg – dem Zion –
für alle Völker ein Festmahl geben.
Er verschlingt auf diesem Berg
die Hülle, die alle Völker verhüllt,
und die Decke, die alle Nationen bedeckt.
Er hat den Tod für immer verschlungen
und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen
und die Schande seines Volkes
entfernt er von der ganzen Erde,
denn der Herr hat gesprochen.
An jenem Tag wird man sagen:
Siehe, das ist unser Gott,
auf ihn haben wir gehofft,
dass er uns rettet.
Das ist der Herr,
auf ihn haben wir gehofft.
Wir wollen jubeln
und uns freuen über seine rettende Tat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr ist mein Hirt,
nichts wird mir fehlen. – Kv
(GL 37,1)
Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. /
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.
Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. - Kv
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. - Kv
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
übervoll ist mein Becher. - Kv
Ja, Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN
für lange Zeiten. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Daniel.
In jenen Tagen hielt ich, Daniel, drei Wochen lang Trauer.
Dann sagte der HERR zu mir:
In jener Zeit tritt Michael auf,
der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt.
Dann kommt eine Zeit der Not,
wie noch keine da war, seit es Völker gibt,
bis zu jener Zeit.
Doch zu jener Zeit wird dein Volk gerettet,
jeder, der im Buch verzeichnet ist.
Von denen, die im Land des Staubes schlafen,
werden viele erwachen,
die einen zum ewigen Leben,
die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu.
Die Verständigen werden glänzen
wie der Glanz der Himmelsfeste
und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben,
wie die Sterne für immer und ewig.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Buch Daniel entstand im 2. Jahrhundert v. Chr. Judäa war besetzt von den griechischstämmigen Seleukiden unter dem Regime des Königs Antiochus IV., der das jüdische Volk brutal verfolgte.
Ein uns namentlich nicht bekannter Autor verfaßte um 160 v. Chr. das biblische Buch Daniel. Stilistisch ist es mit der apokalyptischen Literatur des Spätjudentums verwandt. Visionen, Träume, Entrückungen, das Hören himmlischer Stimmen etc. bestimmen den Inhalt.
Die Auferstehung der Toten wird in diesem Abschnitt des Danielbuches klar ausgesprochen. Es ist dies somit das älteste schriftliche Zeugnis von theologischen Überlegungen zur Auferweckung der Toten zum Leben oder zum Gericht (spätere Texte: bspw.: 2Makk 7,9ff; 12,43f; 14,16) im jüdischen Bereich.
Kv: Die Huld des Herrnwährt immer und ewig. – Kv
Der HERR ist barmherzig und gnädig, *
langmütig und reich an Huld.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden *
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld. - Kv
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, *
so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten.
Denn er weiß, was wir für Gebilde sind, *
er bedenkt, dass wir Staub sind. - Kv
Wie Gras sind die Tage des Menschen, *
er blüht wie die Blume des Feldes.
Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; *
der Ort, wo sie stand, weiß nichts mehr von ihr. - Kv
Doch die Huld des HERRN währt immer und ewig *
für alle, die ihn fürchten.
Seine Gerechtigkeit erfahren noch Kinder und Enkel, /
alle, die seinen Bund bewahren, *
die seiner Befehle gedenken und danach handeln. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem zweiten Buch der Makkabäer.
In jenen Tagen
veranstaltete Judas, der Makkabäer,
eine Sammlung,
an der sich alle beteiligten,
und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem,
damit man dort ein Sündopfer darbringe.
Damit handelte er sehr schön und edel;
denn er dachte an die Auferstehung.
Denn hätte er nicht erwartet,
dass die Gefallenen auferstehen werden,
wäre es überflüssig und sinnlos gewesen,
für die Toten zu beten.
Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen,
der für die hinterlegt ist,
die in Frömmigkeit entschlafen.
Ein heiliger und frommer Gedanke!
Darum ließ er die Toten entsühnen,
damit sie von der Sünde befreit werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Aus den Tiefen rufe ich, Herr, zu dir. – Kv
GL 511
Aus den Tiefen rufe ich, Herr, zu dir: *
Mein Herr, höre doch meine Stimme!
Lass deine Ohren achten *
auf mein Flehen um Gnade. – (Kv)
Würdest du, Herr, die Sünden beachten, *
mein Herr, wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung, *
damit man in Ehrfurcht dir dient. – (Kv)
Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, *
ich warte auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf meinen Herrn /
mehr als Wächter auf den Morgen, *
ja, mehr als Wächter auf den Morgen. – (Kv)
Israel, warte auf den Herrn, /
denn beim Herrn ist die Huld, *
bei ihm ist Erlösung in Fülle.
Ja, er wird Israel erlösen *
aus all seinen Sünden. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen,
sind Kinder Gottes.
Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen,
sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet,
sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen,
in dem wir rufen: Abba, Vater!
Der Geist selber bezeugt unserem Geist,
dass wir Kinder Gottes sind.
Sind wir aber Kinder, dann auch Erben;
Erben Gottes
und Miterben Christi,
wenn wir mit ihm leiden,
um mit ihm auch verherrlicht zu werden.
Ich bin nämlich überzeugt,
dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten
im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Denn die Schöpfung
wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen,
nicht aus eigenem Willen,
sondern durch den, der sie unterworfen hat,
auf Hoffnung hin:
Denn auch sie, die Schöpfung,
soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden
zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen,
dass die gesamte Schöpfung
bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
Aber nicht nur das, sondern auch wir,
obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben,
auch wir seufzen in unserem Herzen
und warten darauf,
dass wir mit der Erlösung unseres Leibes
als Söhne offenbar werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Keiner von uns lebt sich selber
und keiner stirbt sich selber:
Leben wir,
so leben wir dem Herrn,
sterben wir,
so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder ob wir sterben,
wir gehören dem Herrn.
Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden,
um Herr zu sein über Tote und Lebende.
[10a Du aber, was richtest du deinen Bruder?
10b Und du, was verachtest du deinen Bruder? ]
Wir werden alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen.
Denn es steht geschrieben:
So wahr ich lebe, spricht der Herr,
vor mir wird jedes Knie sich beugen
und jede Zunge wird Gott preisen.
Also wird jeder von uns
vor Gott Rechenschaft über sich selbst ablegen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Lesungsabschnitt ist jenem Teil des Römerbriefes entnommen, in welchem Paulus auf Streitfragen in der Christengemeinde von Rom eingeht. Die Frage, ob man Fleisch essen dürfe (was in der damaligen Alltagspraxis immer in einem Zusammenhang zu heidnischen Opferkulten stand) entzweite die Gemeinde. Paulus geht auf die Auseinandersetzung ausführlich ein. Ihm bereitet es theologisch keine Schwierigkeit, das Fleischessen zuzulassen. Ihm geht es vor allem um das Zusammenleben als Gemeinschaft, um gegenseitige Rücksicht der "Starken" und "Schwachen". Die "aufgeklärt" und aufgeschlossen mit dem Problem umgehen können, sollen die Ängstlichen nicht überfahren.
Paulus zitiert in diesem Zusammenhang die Verse, die für diesen Sonntag ausgewählt sind. Sie bilden eine in sich geschlossene Einheit und dürften Paulus schon "griffbereit" vorgelegen sein, vielleicht als Bekenntnisformel in irgendeinem Zusammenhang mit dem Taufritus. Der Text betont die enge Zusammengehörigkeit mit Christus. Er vergleicht die Beziehung des Christen mit Christus mit der eines Sklaven zu seinem Herren. Zum geistigen Horizont dieses Textes gehört auch der Vorrang des Gemeinwohles, wie er in der griechisch-römischen Tradition selbverständlich war. Der Staat verlangte eine weitgehende Unterordnung des einzelnen. Die wechselseitige Abhängigkeit der Menschen, die im Staat lebten, war Alltagsrealität. - Diese Denkweise paßt zur Tauftheologie des Paulus (vgl. Kapitel 6). Der Getaufte ist auf Leben und Tod mit Christus verbunden. Mit ihm stirbt er, mit ihm hat er Anteil am neuen Leben, mit ihm wird er auferstehen.
In der Christengemeinde von Rom gab es offensichtlich Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen. Paulus spricht in diesem Zusammenhang von den "Starken" und "Schwachen" (vgl. Röm 14,1). Heute würden wir vielleicht von Christen mit einem ängstlichen Gewissen und solchen, die die Dinge großzügiger sehen, sprechen.
Die Verse 7-9 sind ein dramatischer Aufruf zur Einheit in Christus, dem Herrn. Dies zeigt sich formal: Der Stil ist beinahe hymnisch und könnte in ähnlicher Form im Gottesdienst gebraucht worden sein. Durch die Verwendung der Wir-Form erhält er nahezu einen Bekenntnischarakter.
Inhaltlich wird dieser Appell durch die Parallelsetzung von Leben und Sterben des Herrn auf der einen Seite und dem Tod von uns Menschen auf der anderen besonders eindrucksvoll und stellt die Inhalte der Streitigkeiten als belanglos hin.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Christus ist von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.
Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist,
kommt durch einen Menschen
auch die Auferstehung der Toten.
Denn wie in Adam alle sterben,
so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge:
Erster ist Christus;
dann folgen, wenn Christus kommt,
alle, die zu ihm gehören.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Apostel Paulus stellt in diesem Abschnitt die Tatsache der Auferweckung Jesu Christi als des Erstlings der Entschlafenen in den Mittelpunkt. Zugleich betont er den Zusammenhang der zukünftigen Auferweckung der Toten mit der durch Gottes Eingreifen bereits erfolgten Auferweckung Jesu.
Die Folgen der Auferweckung Jesu Christi werden von Paulus zunächst für die Zukunft entfaltet. Der Apostel kämpft gegen die Vorwegnahme der Auferstehung in der Taufe.
Beim Wiederkommen Christi kommt es zur endgültigen Vernichtung aller gottfeindlichen Mächte, einschließlich des Todes, der trotz der Versöhnungstat Gottes seine Macht über die Menschen noch bis zur Weltvollendung ausübt.
Dem ersten, irdischen Adam, stellt Paulus Jesus Christus als den zweiten, eschatologischen Adam entgegen.
Zwischen der Auferweckung Jesu und der Auferstehung aller Toten liegt nach Paulus eine längere Zeitstrecke. Paulus erwartete aber die Parusie (Wiederkunft Christi) wohl noch zu seinen Lebzeiten.
Die in Korinth offenbar vorhandene Überzeugung, durch den Geistbesitz die Heilsvollendung erlangt zu haben, brachte es wohl mit sich, den christlichen Glauben an die Auferstehung der Toten für überflüssig zu erachten. Eine totalmenschliche Auferstehung im Tod widersprach auch der im Hellenismus vorhandenen Ansicht, der Körper sei nur das hassenswerte Gefängnis der Seele. Mit Berufung auf die urchristliche Grundverkündigung sucht Paulus zuerst die Tatsache der Auferstehung der Glaubenden, dann die Weise der Auferstehung zu besprechen und die konkrete Folgerung für die Gegenwart zu ziehen.
Paulus gibt seiner Gemeinde in Korinth ein deutliches Glaubensbekenntnis von der Auferstehung Jesu Christi. Offensichtlich hatten die Korinther Schwierigkeiten im Glauben an die Auferstehung des Herrn. Auf die Betonung des wahren Menschseins Christi legt Paulus hier besonderen Wert, so daß er die Parallele zwischen Adam (dem "Auslöser des Todes´") und Christus gebraucht. Gott hat durch die Auferweckung seines Sohnes, die Auferstehung für alle Menschen generell möglich gemacht, auch wenn Paulus eine bestimmte Reihenfolge gesetzt sieht, an deren Anfang Christus selbst steht.
Entscheidend für die Auferstehung ist die Zugehörigkeit zu Christus, die sozusagen als Privileg für das ewiges Leben gilt. Wer am Auferstehungsglauben rührt, gefährdet den universalen Heilswillen Gottes und die Durchsetzung seines Reiches.
Folgend beschreibt Paulus in Etappen das Endgeschehen dieser irdischen Welt. Schließlich gebraucht er die Motive von der Königsherrschaft Christi, die in der Übergabe der Herrschaft an Gott ihre Zielgebung findet.
Bernd Michael Pawellek
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird,
dann haben wir eine Wohnung von Gott,
ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.
[2 Im gegenwärtigen Zustand seufzen wir
und sehnen uns danach,
mit dem himmlischen Haus überkleidet zu werden.
So bekleidet, werden wir nicht nackt erscheinen.
Solange wir nämlich in diesem Zelt leben,
seufzen wir unter schwerem Druck,
weil wir nicht entkleidet,
sondern überkleidet werden möchten,
damit so das Sterbliche vom Leben verschlungen werde.
Gott aber,
der uns gerade dazu fähig gemacht hat,
er hat uns auch als ersten Anteil den Geist gegeben.]
Wir sind also immer zuversichtlich,
auch wenn wir wissen,
dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben,
solange wir in diesem Leib zu Hause sind;
denn als Glaubende gehen wir unseren Weg,
nicht als Schauende.
Weil wir aber zuversichtlich sind,
ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern
und daheim beim Herrn zu sein.
Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen,
ob wir daheim oder in der Fremde sind.
Denn wir alle
müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden,
damit jeder seinen Lohn empfängt
für das Gute oder Böse,
das er im irdischen Leben getan hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalónich.
Schwestern und Brüder,
wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen,
damit ihr nicht trauert wie die anderen,
die keine Hoffnung haben.
Denn wenn wir glauben,
dass Jesus gestorben und auferstanden ist,
so wird Gott die Entschlafenen
durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.
Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn:
Wir, die Lebenden,
die noch übrig sind bei der Ankunft des Herrn,
werden den Entschlafenen nichts voraushaben.
Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen,
wenn der Befehl ergeht,
der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt.
Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen;
dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind,
zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt
zur Begegnung mit dem Herrn.
Dann werden wir immer beim Herrn sein.
Tröstet also einander mit diesen Worten!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Abschnitt des Ersten Thessalonicherbriefs eröffnet in der Absetzung zu den vorherigen Versen über die Bruderliebe ein neues Thema: die Entschlafenen. Es wird abgelöst im 5. Kapitel vom Thema Zeiten.
Zunächst argumentiert Paulus mit seiner eigenen Glaubensüberzeugung und dem Lebensschicksal Jesu. Dann erfolgt eine zweite Begründung, der er wie auch im Eucharistiethema des 1. Korintherbriefs besonderes Gewicht verleiht, indem er ein Argument als Herrenwort kennzeichnet.
Schließlich werden apokalyptische Bilder der Zeit benutzt. Am Anfang und Ende des Abschnitts steht noch einmal die Zielbestimmung: Wir wollen euch besser stellen als die Hoffnungslosen. Und tröstet die Menschen.
Paulus richtet sich in diesem Brief an die heidenchristliche Gemeinde der Thessalonicher. Man kann davon ausgehen, dass dieser Abschnitt deshalb geschrieben wurde, weil den Thessalonichern das Heil der Verstorbenen ungewiss war. Angesichts der Erwartung des nahenden Gottesreiches ist es verständlich, dass sich die Thessalonicher nicht auf die allgemeine Erfahrung des Todes einstellten. Sie erwarteten, dem wiederkommenden Jesus als noch Lebende zu begegnen. Aber nun machen sie die Erfahrung, dass Gemeindemitglieder sterben.
Mit dem Hinweis auf das Sterben und die Auferstehung Jesu erschließt Paulus die Hoffnung, dass auch die bereits verstorbenen Gemeindemitglieder zur Herrlichkeit gelangen werden. Paulus will nicht über die bereits "Entschlafenen" reden, sondern er will einer Haltung entgegenwirken, die von Hoffnungslosigkeit beherrscht ist. Paulus macht klar, dass Rat- und Hoffnungslosigkeit angesichts des Todes nicht Sache der Christen ist, wie auch immer die Erwartung für die Zukunft der Toten sein mag.
Kv: Lob dir, Christus, König und Erlöser! – Kv
(So spricht der Herr:)
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
empfangt das Reich als Erbe,
das seit Erschaffung der Welt für Euch bestimmt ist.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu den Juden:
Amen, amen, ich sage euch:
Wer mein Wort hört
und dem glaubt, der mich gesandt hat,
hat das ewige Leben;
er kommt nicht ins Gericht,
sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.
Amen, amen, ich sage euch:
Die Stunde kommt und sie ist schon da,
in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden;
und alle, die sie hören,
werden leben.
Denn wie der Vater das Leben in sich hat,
so hat er auch dem Sohn gegeben,
das Leben in sich zu haben.
Und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten,
weil er der Menschensohn ist.
Wundert euch nicht darüber!
Die Stunde kommt,
in der alle, die in den Gräbern sind,
seine Stimme hören
und herauskommen werden:
Die das Gute getan haben,
werden zum Leben auferstehen,
die das Böse getan haben,
werden zum Gericht auferstehen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – Kv
(GL 560,1)
(So spricht der Herr:)
Das ist der Wille meines Vaters,
dass keiner verlorengeht von denen, die er mir gegeben hat,
sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag.
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen,
und wer zu mir kommt,
den werde ich nicht abweisen;
denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen,
um meinen Willen zu tun,
sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat,
dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat,
zugrunde gehen lasse,
sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag.
Denn es ist der Wille meines Vaters,
dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt,
das ewige Leben hat
und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tag.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Ehre sei dir, Christus, Sohn des lebendigen Gottes! – Kv
(So spricht der Herr:)
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
Wer dieses Brot isst, wird in Ewigkeit leben.
Ehre sei dir, Christus, Sohn des lebendigen Gottes!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist.
Wer von diesem Brot isst,
wird in Ewigkeit leben.
Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch
für das Leben der Welt.
Da stritten sich die Juden
und sagten:
Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen,
ich sage euch:
Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst
und sein Blut nicht trinkt,
habt ihr das Leben nicht in euch.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,
hat das ewige Leben
und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise
und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,
der bleibt in mir
und ich bleibe in ihm.
Wie mich der lebendige Vater gesandt hat
und wie ich durch den Vater lebe,
so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.
Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben,
sie sind gestorben.
Wer aber dieses Brot isst,
wird leben in Ewigkeit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Johannesvangelium ist das jüngste Evangelium und etwa um 100 n.Chr. entstanden. Schon beim ersten Lesen fällt der ganz andere Stil auf, in dem dieses Evangelium geschrieben ist: Noch weniger als bei den anderen Evangelien wird hier versucht, den Lebensweg Jesu nachzuerzählen. Das Johannesevangelium kreist vielmehr um die Frage: "Wer ist dieser Jesus für uns, die Johannesgemeinde?" In immer neuen Wendungen einer meditativen Sprache tastet sich der Verfasser an dieses Geheimnis heran. Die Leser vollziehen die Suche mit und erleben gleichzeitig, daß Christus immer größer als die Bilder bleibt, mit denen er erfaßt werden soll. Dieses Evangelium, das auf den ersten Blick so schwierig erscheint, hat den kleinsten Wortschatz im NT – etwas mehr als tausend Worte! Dafür sind viele "große Worte": Licht, Leben, Weg, Wort, Auferstehung, - oder, wie im heutigen Evangelium, "Brot", "Fleisch", "Welt". Diese Worte werden wiederholt, erklärt, in einem neuen Zusammenhang wieder aufgegriffen und mit neuer Bedeutung gefüllt.
Das Johannesevangelium erzählt im Gegensatz zu den anderen Evangelien nur sieben Wunder Jesu ("Zeichen" genannt), die nach Meinung des Verfassers besonders "bezeichnend" für das Geheimnis der Person Jesu sind. Anschließend werden diese Zeichen in langen Redeteilen gedeutet. Joh 6,51-58 ist der zweite Teil einer solchen Rede, die das Zeichen von der wunderbaren Brotvermehrung ausdeutet: Sie ist ein Bild für das, was die Eucharistie in Wahrheit ist und was sie bewirkt.
Jesus sagt von sich "Ich bin das Brot des Lebens". Wer nun dieses Brot ißt, wird "leben in Ewigkeit". Das ist nicht nur eine zeitliche Aussage ("unbegrenzt lange leben"), sondern eine qualitative, "leben in der Art, wie es der Ewige tut". Warum kann Jesus, das Brot, zu einem solchen Leben verhelfen? Jesus nennt das Brot provozierend "Fleisch". Die Johannesgemeinde versteht diesen Begriff eigentlich negativ (sündig, unrein, verweslich, gottfern). Um so aufregender ist es, daß schon in Joh 1:1 heißt: "das Wort ist Fleisch geworden": Nur der versteht Jesus richtig, der ihn ganz und gar in seinem Menschsein wahrnimmt. Nur wer glaubt, daß Gott auch die "letzten Winkel" des Menschseins angenommen hat, erlebt (schon jetzt ansatzhaft) das verheißene "ewige" Leben in Fülle.
Die Eucharistie, so Johannes, vergegenwärtigt aber nicht nur die Versöhnung, die in der Menschwerdung Jesus geschehen ist. Durch die mehrfache Wiederholung des Wortes "Blut" wird auf den Tod Jesu angespielt, der als Hingabe für "das Leben der Welt" bezeichnet wird.
Die Worte dieser Rede machen das Geheimnis der Eucharistie nicht begreiflicher, sondern verdeutlichen eher, daß sich seine Bedeutung unserem Zugriff entzieht und daß jede Erklärung die Tür zu einer neuen Frage auftut. Wer nach dem Lesen "nichts verstanden" hat und zu staunen beginnt, bei dem hat der Verfasser des Johannesevangeliums sein Ziel erreicht.
Das 6. Kapitel des Johannesevangeliums beginnt mit der Erzählung von der wunderbaren Speisung einer großen Volksmenge am See von Tiberias. Jesus gibt den Menschen, die ihm folgen, zu essen, daraufhin verfolgen sie ihn weiter. Aus dem Dialog mit den Leuten beginnt die sogenannte "Brotrede", in der sich Jesus als das Brot des Lebens offenbart. Vom Vater gesandt ist er Brot für das Leben des ganzen Kosmos. Die Reaktion der Zuhörer ist ablehnend: sie murren. Die Antwort des Evangelisten darauf ist der Verweis, daß der Zugang zu diesem Geheimnis nur im Glauben möglich ist: "Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben." (Joh 6,47)
In Joh 6,51 wird von der Brotrede zur Eucharistierede übergeleitet. Anstatt wie bisher vom "Brot des Lebens" ist jetzt vom "lebendigen Brot" die Rede, was den Blick von der Person Jesus weg stärker auf das Brotsymbol lenkt. Auch in der Akzentverschiebung vom Brot, das vom Vater gegeben wird, hin zu dem Brot, in dem Jesus selbst sein Fleisch gibt, wird deutlich, daß sich hier die Abendmahlstradition durchsetzt.
Schnittpunkt Eucharistie
In der Eucharistierede Joh 6,52-59 ist eine verfestigte eucharistische Redeweise erkennbar, die auch Abhängigkeit von einem tradierten Einsetzungsbericht erkennen läßt.
Anstelle von "Leib" verwendet Johannes "Fleisch", eine Klarstellung gegenüber Strömungen, die versuchten Leben und Tod Jesu und damit auch das Leben der Kirche in eine reine geistige Sphäre abzuschieben.
Wie in der paulinischen Abendmahlstradition ist hier auch festgehalten, daß die Selbsthingabe Jesu für jemanden geschieht, in dieser Aussage: für das Leben des ganzen Kosmos. Die Abendmahlstradition und das johanneische Verständnis des Heilsgeschehens sind hier ganz eng verknüpft.
Joh 6,52 berichtet von einem Streit, der durch ein Mißverständnis der eucharistischen Deuteworte "Das ist mein Leib - Das ist mein Blut" entstanden ist. Interessant ist, daß nicht versucht wird zu erklären, wie das gemeint ist, sondern daß das christliche Verständnis in unverminderter Schärfe wiederholt wird. Den Heilstod Jesu und seine Gegenwart in den Gaben von Brot und Wein kann nicht einmal ein Evangelist erklären, Johannes versucht es auch gar nicht. Der Schreiber des Johannesevangeliums geht davon aus, daß es sich dem, der sich auf den Glauben einläßt, ohnehin selbst erschließt. Derjenige, der dem christlichen Glauben ablehnend gegenübersteht, wird auch mit der größten Verstandesleistung keinen Zugang finden. Glaube ist im 4. Evangelium kein Wissen, das gelernt werden kann, sondern ein Prozeß, in den man einsteigen muß und der erst im Gelebtwerden seine Dynamik gewinnt.
Mit der Entscheidung, sich auf das Glauben einzulassen, tritt der Mensch in den Bereich des Lebens ( griechisch: Zoé) ein, der über das bloß biologische Leben (griechisch: Bíos) hinaus reicht in das ewige Leben bei Gott, die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Deutlichster Ausdruck dieses In-Gemeinschafttretens ist das Mahl. Im Essen der eucharistischen Gaben, des Leibes und Blutes Jesu, ist das nicht nur symbolisch angedeutet, sondern wird real vollzogen.
Schnackenburg beschreibt den Inhalt dieses 6. Kapitels des Joh als Höhepunkt von Jesu Wirken in Galiläa. Wichtigste Aussage dieser Perikope ist jene "Ich bin”-(das Brot des Lebens)-Formel (Vers 51), mit der auch das Evangelium des 19. Sonntags geschlossen hat.
Seit der Väterzeit werden diese Verse überwiegend eucharistisch ausgelegt. Damit lässt der Evangelist das Wirken und Reden Jesu stringent verlaufen bis in die Testamentseröffnung im Abendmahlssaal von Jerusalem. Soll heißen: Wer Jesu Gebot beim Letzten Abendmahl ("Tut dies zu meinem Gedächtnis") erfüllt und Eucharistie feiert, feiert nicht einfach nur sein Gedächtnis, sondern das gesamthafte, auch Leiden und Tod Jesu beinhaltende Heils- und Erlösungswirken Gottes, das unter den eucharistischen Gestalten von Brot (und Wein) präsent wird. Wer an diesem Mahl teilnimmt, hat dann auch Anteil an diesem Erlösungswirken: "Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit." Für Johannes war klar, dass das schwer zu fassen ist - stellvertretend für die vielen Zweifler lässt er die Juden sagen: "Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?"
Kv: Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – Kv
(So spricht der Herr:)
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Jeder, der an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben..
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – Kv
(So spricht der Herr:)
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Jeder, der an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
Als Jesus in Betánien ankam,
fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen.
Betánien war nahe bei Jerusalem,
etwa fünfzehn Stadien entfernt.
Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen,
um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
Als Marta hörte, dass Jesus komme,
ging sie ihm entgegen,
Maria aber blieb im Haus sitzen.
Marta sagte zu Jesus:
Herr, wärst du hier gewesen,
dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiß ich:
Alles, worum du Gott bittest,
wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm:
Ich weiß, dass er auferstehen wird
bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.
Jesus sagte zu ihr:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt,
wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst du das?
Marta sagte zu ihm:
Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist,
der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Lob sei dir, Herr, König der ewigen Herrlichkeit! – Kv
(So spricht der Herr:)
Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.
Ich werde wiederkommen und euch zu mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
Lob sei dir, Herr, König der ewigen Herrlichkeit!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott
und glaubt an mich!
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.
Wenn es nicht so wäre,
hätte ich euch dann gesagt:
Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
Wenn ich gegangen bin
und einen Platz für euch vorbereitet habe,
komme ich wieder
und werde euch zu mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
Und wohin ich gehe –
den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm:
Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst.
Wie können wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater
außer durch mich.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Ansprache für ein Totengedenken zu 2 Kor 5,1.6-10 und Joh 14,1-6. Lichtritus mit Teelichtern und Fürbitten.
Daheim sein, eine Adresse haben, ein eigenes Bett, einen eigenen Tisch und einen Kasten, um die eigenen Sachen zu verwahren – das ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen. Wir alle brauchen eine Wohnung, sichere vier Wände, Privatheit und Sicherheit. Wer so etwas (unfreiwillig) im Leben vermissen musste, für eine Zeit lang, weiß wie prekär, wie schwankend sich dann Leben anfühlt, dass auf einmal alles sehr kompliziert wird.
Das Bild einer Wohnung greifen auch die beiden Texte von Paulus und Johannes auf. Was wird sein, wenn wir aus dem Vertrauten dieses Erdenlebens ausziehen, wenn unser Leib nicht mehr lebt, wir hinausgeworfen werden in die Unsicherheit des Todes? Dann haben wir eine Wohnung bei Gott. Ein Haus im Himmel, nicht mehr nur ein Zelt wie jetzt, als Gäste auf dieser Erde. Eine Wohnung im Haus Gottes, als Brüder und Schwestern Jesu. Jesus Christus schreibt uns die Einladungskarte, er reserviert für uns und macht uns die Tür auf. Für alle, egal wie erfolgreich oder gescheitert sie waren im Leben, egal ob jung oder alt, reich oder arm, gesund oder krank.
Zugesagt ist uns etwas Dauerhaftes, Stabiles, eine wahre Heimat bei Gott, aus der uns niemand mehr vertreiben wird. Das ist ein starkes Bild für das neue Leben bei Gott. Und es spricht unsere Grundsehnsucht an nach einem Ort, wo ich einfach sein darf, wo mich niemand hinauswirft, wo ich mich unverstellt wohlfühlen kann. Der Platz ist schon vorbereitet – wir würden für unsere Gäste sagen: das Bett überzogen, Blumen stehen am Tisch, das Essen ist fertig. Komme einfach an und fühl dich zu Hause.
Wenn wir an so ein Heimkommen zu Gott glauben können – für uns und unsere Verstorbenen – oder zumindest darauf hoffen mögen, dann hat das etwas sehr Tröstliches.
Die tägliche Situation für uns Zurückgelassene ist aber anders: ein Bett ist unberührt, der Platz am Tisch leer, die Stimme am Telefon verstummt. Die Lücke macht sich schmerzhaft bemerkbar, schreit uns an, bei so vielen Gelegenheiten im Alltag oder an Festtagen. Niemand kann diese Leerstelle füllen, auch wenn sich gute Menschen bemühen, uns zu trösten, abzulenken oder uns einfach Gutes tun. Die Wunde der Trennung bleibt, irgendwann wird sie vernarben, und zu hoffen bleibt, dass uns diese Narbe nicht bitter macht.
Wie weiterleben? Paulus appelliert an unsere Zuversicht und den Glauben. Das ist nicht mit dem „Schauen“, der 100-prozentigen Gewissheit, gleichzusetzen. Auch Thomas kann es nicht verstehen, weil er den Weg und das Ziel Jesu nicht sieht. Schließlich meinen wir etwas anderes im Alltag, wenn wir „Weg“ und „Ziel“ sagen. Das ewige Leben bei Gott ist auf keiner Landkarte verzeichnet. Zuversicht, Hoffnung und Glaube sagen: Es möge doch so sein, dass Gott uns erwartet! Es möge doch so sein, dass unsere Verstorbenen bei Gott aufgehoben sind! Es möge doch so sein, dass wir wieder zusammenkommen nach unserem Leben hier! Der Weg dieses Glaubens verläuft nicht auf einer massiven Autobahnbrücke, wo man weiß, dass man ohne Erschütterungen am Ziel ankommt. Eher ist es eine Hängebrücke, schwankend, über ein weites Tal gespannt. Sie zu betreten, heißt in der Hoffnung zu leben, ohne Anspruch auf einen Beweis. Und diese Hoffnung aus dem Glauben ist auch nicht immer gleich stark, einmal kann ich sie gar nicht mehr finden, dann flammt sie neu auf, vielleicht weil ich nicht glauben kann, dass der Mensch, den ich liebe, so ganz und gar weg ist.
Gerade auch in der Trauer sind wir aufeinander angewiesen, immer ist es ein „wir“ oder „ihr“, bei Paulus wie bei Johannes. Wir können einander tragen in der Trauerzeit, füreinander da sein und beten, uns miteinander erinnern und kleine Lichter der Hoffnung anzünden.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels – St. Franziskus
Der Toten zu gedenken und sich ihr Leben in Erinnerung zu rufen, zeugt von Respekt, ist Gelegenheit zu danken, um Vergebung zu bitten, zu vergeben, und gibt uns wertvolle Impulse für unser eigenes Leben.
Solange Kinder klein sind, möchten sie groß und tüchtig sein wie der Papa oder die Mamma. Später kommen noch andere Vorbilder hinzu; meist Stars aus der Welt des Sports oder der Unterhaltungsszene. Einige Jahre später in der Pubertät folgt häufig eine Phase, in der sie auf keinen Fall sein wollen wie ihre Eltern. Als junge Erwachsene nehmen sie sich vor, die Fehler der Eltern und das, was sie als Jugendliche genervt hat, nicht auch zu machen. Früher oder später müssen die meisten zur Kenntnis nehmen, dass "der Apfel nicht weit vom Stamm fällt". Manche hadern viele Jahre ihres Erwachsenenlebens mit dem, was ihnen die Eltern nicht gegeben haben, bzw. nicht geben konnten. Ein Zeichen der Reife ist es dann, wenn jemand entdeckt, wie viel er oder sie den Eltern verdankt.
Zu Allerseelen schauen wir auf unsere Verstorbenen. Oft sind es bereits die Eltern, vielleicht auch der Lebenspartner oder Geschwister, gute Freunde, die uns in guten und schweren Zeiten begleitet haben.
Es tut gut, einen Moment innezuhalten und ihnen für alles, was sie uns gegeben haben, zu danken; zu danken auch, wenn sie uns nicht all das geben konnten, was wir von ihnen erhofft haben oder gebraucht hätten.
Das Totengedenken ist auch eine Gelegenheit, unsere Verstorbenen für alles um Vergebung zu bitten, was wir ihnen nicht gegeben haben, nicht geben konnten, was wir ihnen schuldig geblieben sind. Uns tut es aber auch gut, ihnen zu vergeben, was zu Lebzeiten an Enttäuschungen nicht mehr ausgeräumt werden konnte. Es tut auch gut, uns all das zu vergegenwärtigen, womit sie zu ringen und zu kämpfen hatten.
"De mortuis nihil nisi bene", galt bereits den Römern als Grundsatz. Über die Verstorbenen sagt man nichts außer Gutes. Diese Regel gilt nicht nur für Grabreden, sie ist auch darüber hinaus bedeutsam. Wer bin ich, dass ich über ein Menschenleben ein Urteil sprechen könnte?!
Das letzte Wort, das letzte Urteil über ihr Leben können wir getrost dem Schöpfer allen Lebens überlassen. Ihm übergeben wir das Lebengeschichten unserer Toten, bei ihm wissen wir sie geborgen, von ihm erhoffen sich gläubige Menschen ein neues Leben für sie, auch wenn dies unser Vorstellungsvermögen übersteigt.
Der Macht des Todes stehen wir ohnmächtig gegenüber. Wir können nicht viel mehr tun, als mit Blumen und Lichtern Zeichen der Verbundenheit mit ihnen zu setzen.
Dabei übersehen wir leicht, was Tote für uns noch tun können und tun, obwohl sie tot sind: Sie können für uns zu bleibenden Lehrern des Lebens werden, wenn wir uns ihre Lebensgeschichten vor Augen führen. Was sie gelebt haben, wie sie gelebt haben und wofür sie gelebt haben, kann ein ganz wichtiger Impuls für unsere eigene Lebensgestaltung sein. Das eine oder andere von ihrem Leben kann uns ein Vorbild sein. Den einen oder anderen Irrweg, des sie gegangen sind, helfen sie uns zu ersparen. Unsere Toten können aber auch gute Zuhörer, Gesprächspartner oder Ratgeber sein, wenn wir uns ihnen gegenüber öffnen.
Unsere Verstorbenen sind zwar nicht mehr unter uns, sie begleiten uns jedoch weiter, wenn wir sie nicht vergessen und ihr Leben in uns nachklingen lassen.
Als Christen vertrauen wir darüber hinaus, dass ihnen der auferstandene Herr bei ihm eine Wohnung bereitet hat und dass sie bei ihm all das zur Entfaltung bringen können, wofür das begrenzte Erdenleben nicht gereicht hat.
Am Allerseelentag erinnern wir uns an unsere Verstorbenen. Wir brauchen nicht mehr um sie zu trauern, denn wir wissen sie eingebunden in die unsere Gemeinschaft mit Christus und Gott dem Schöpfer.
„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ so sagt uns ein weithin bekannter Text, den der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944 vor seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten geschrieben hat.
„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Dieses Gebet zeigt, wie hoffnungsvoll ein Mensch doch sein kann, selbst wenn er der Tod ihm unmittelbar bevorsteht. Auch im Angesicht des Todes hat Bonhoeffer seine Hoffnung nie aufgegeben, die Hoffnung auf Befreiung, die Hoffnung auf Frieden und letztendlich die Hoffnung auf Erlösung bei Gott.
Die erste Lesung aus dem Buch Ijob bzw. das ganze Leben Ijobs kann man daher als eine Parallele zu Bonhoeffers Leben betrachten. Ijob, ein eigentlich reicher und gottesfürchtiger Mann wird auf die Probe gestellt, indem ihm vom Teufel alles genommen wird: Reichtum, Vieh und Kinder. Letztendlich wird ihm auch seine Gesundheit genommen und seine Frau fordert ihn auf, Gott zu verfluchen. Aber nein! Ijob bleibt standhaft, selbst als ihn seine Freunde und Bekannten anklagen, sagt er voller Hoffnung und Zuversicht: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub.“ (Ijob 19,25)
Diese Worte sind heilend und werden seit über 2000 Jahren all jenen Menschen zugesprochen, die in ihrem Leben schwere Schicksalsschläge durchmachen mussten. Wie Ijob, so hat auch Dietrich Bonhoeffer trotz seiner ausweglosen Situation die Hoffnung nicht aufgegeben, die Hoffnung auf eine Erlösung durch Gott, der bei uns Menschen ist, an jedem einzelnen Tag unseres Lebens. Beide richteten ihre Blicke durch alles Elend hindurch auf Gott hin aus, denn beide wussten: Ihr Erlöser lebt, er trägt sie hindurch durch alle Zeiten, vorbei an allen Hindernissen, bis an das Ziel, Gott selbst. Darauf können auch wir an diesem Tag des Innehaltens und des Gedenkens vertrauen.
Die Lesung aus dem zweiten Brief aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom bekräftigt dieses Ziel noch einmal. „Leben wir so leben wir dem Herrn, sterben wir so sterben wir dem Herrn.“ (Röm 14,8). Diese Aussage des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom macht deutlich, egal ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Paulus sagt damit: wir Menschen brauchen erstens einander und wir brauchen zweitens die Beziehung zu Gott, unserem Ursprung. Dies gilt laut Paulus auch über das Erdenleben hinaus, im Tod in der Gemeinschaft aller Verstorbenen. An diesem Fest Allerseelen dürfen wir uns zurecht freuen, dass wir eingebunden sind in ein Netz der Gemeinschaft, in ein Netz, wo wir nicht egoistisch vor uns hinleben, sondern, wo jeder Mensch in der Gemeinschaft aller Gläubigen seinen Platz findet.
Mit dieser Erkenntnis werden auch die Worte, die Dietrich Bonhoeffer einige Monate vor seinem Tod geschrieben hat, wahre Realität: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag.“ Einerseits ist das die Gemeinschaft, die jeden Menschen trägt und auffängt, andererseits ist es doch Gott selbst, der uns begleitet, uns hält und uns einmal zusammenführt in seiner Herrlichkeit. Dann ist unsere Hoffnung erfüllt, die wie Ijob sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Ijob 19,25a).
Friedhöfe atmen eine eigene Atmosphäre. Sie sind nicht nur Orte, an denen wir unsere Toten bestattet haben, sie sind auch Orte des Lebens. Sie laden ein zu dankbarer Erinnerung und zu einem umfassenderen Blick auf das Leben der Verstorbenen und auf die eigene Zukunft.
Der Wiener Zentralfriedhof ist bekannt für seine besondere Atmosphäre. Als Ort des Gedenkens beherbergt er 330 000 Grabstellen mit rund 3 Millionen Verstorbenen auf ca 2,5 Quadratkilometern. 1874 wurde er eröffnet. In ihm weht noch ein Hauch der alten Monarchie und vor allem der sog. Gründerzeit. Neben einem allgemeinen Teil gibt es auch Abteilungen für einzelne Religionsbekenntnisse. Auch die neueren Grabstätten repräsentieren die vielen unterschiedlichen Nationalitäten, die in Wien leben und hier ihre Heimat gefunden haben. Die Ehrengräber vieler Künstler und anderer prominenter Persönlichkeiten sind zu einem Anziehungspunkt für Touristen geworden.
Die Friedhofsverwaltung ist bemüht, den Friedhof als Ort voller Leben zu präsentieren. In dem weitläufigen Areal verkehrt nicht nur ein Linienbus auf einem Rundkurs, um Besucher an ihre Ziele zu bringen, da gibt es auch Laufstrecken für Jogger und Bereiche, auf denen Hobbygärtner Gemüse oder was auch immer anpflanzen können. Zudem kann man mit etwas Glück Eichhörnchen, Rehe, Hasen oder Feldhamster beobachten. Interessant ist auch, wie Menschen anderer Kulturen mit ihren Toten umgehen und am Grab ihrer Lieben für uns ungewohnte Rituale vollziehen.
Friedhöfe – und das gilt nicht nur für den Wiener Zentralfriedhof – sind nicht nur Begräbnisstätten sondern besondere Orte des Lebens. Hier wird Leben sichtbar, für das im normalen Alltag kein Platz ist. Der Schauder vor dem Tod, den ich manchmal bei Begräbnissen erlebe, tritt da in den Hintergrund.
"Meine" Friedhöfe suche ich jedoch normalerweise auf, um der Verstorbenen, die mir nahestanden, zu gedenken und mich an sie zu erinnern. Wenn ich auf den Grabsteinen oder Tafeln deren Namen lese, ziehen in komprimierter Form an meinem inneren Auge Lebensgeschichten vorbei. Gefühle von Dankbarkeit werden in mir lebendig aber auch die Herausforderung, ihre und meine Lebensgeschichte anzunehmen, wie ich sie erlebt habe, ohne dass ich jetzt daran noch etwas ändern kann. Mit manchen dieser Verstorbenen führe ich ab und an auch innere Zweigespräche.
Bei solchen Friedhofsbesuchen wird mir immer neu bewusst, dass mein Leben eingebettet ist in etwas Größeres, etwas Ganzes. Unwillkürlich drängt es mich dann, mit dem Urgrund des Lebens und meines Daseins in Beziehung zu treten.
Friedhofsbesuche holen mich aus den Gedanken, die meinen normalen Alltag ausfüllen, heraus. Sie verschaffen mir Abstand zu den Sorgen und Problemen, die mich sonst umtreiben. Und es tut mir gut, mein Leben in einem größeren Zusammenhang wahrzunehmen und zu betrachten. Obwohl ich auf Friedhöfen von vielen Toten umgeben bin, schöpfe ich an diesen Orten Hoffnung. Da erwacht in mir die Sehnsucht, im Plan meines Schöpfers aufgehoben und geborgen zu sein.
Von da her verstehe ich Menschen, die sich nicht damit abfinden wollen, dass ihr Leben mit dem Tod zu Ende sein soll. Auch wenn ich mir keine Illusionen mache und niemand über die Grenze des Todes hinausschauen kann, hoffe ich auf ein Leben danach, wie immer dieses ausschauen mag.
Meine Hoffnung auf Auferstehung und ein Leben, das über den Tod hinausreicht, gründet in meinem Glauben, dass mein Leben kein Zufall ist, sondern von einem liebenden Schöpfergott gewollt ist. Jesus von Nazareth hat uns diesen liebenden Schöpfergott unermüdlich gepredigt. Sogar in seinem grausamen Tod am Kreuz hat er diesem Gott noch vertraut.
Von diesem Jesus wird von vielen Zeugen glaubhaft überliefert, dass er vom Tode auferstanden ist und dass er allen, die an diesen liebenden Gott glauben, immerwährendes Leben verheißen hat. Ein liebender Schöpfergott, der diese Welt mit all ihren Wundern hervorgebracht hat, kann auch neues Leben schenken. Von ihm erhoffe ich, dass er meine Sehnsucht nach einem Leben über den Tod hinaus erfüllen wird. Von ihm erhoffe ich, dass alle Menschen, die mir lieb geworden sind und die mir lieb waren und derer ich am Allerseelentag gedenke, auch ewiges Leben geschenkt bekommen.
Wem nützt es, wenn wir der Verstorbenen gedenken, wenn wir ihre Gräber pflegen, hl. Messen für sie feiern, für sie beten? Tun wir dies, damit sie schneller "in den Himmel kommen", wie lange Zeit den Leuten verkündet wurde? Es gibt viele Formen, sich der Verstorbenen zu erinnern und mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Wir zeigen damit, wie sehr wir sie über den Tod hinaus schätzen.
Viele Städte haben ein altes Wahrzeichen. Der Baum oder das Gebäude zeigen an: Schon vor hunderten oder tausenden Jahren war hier Leben. Unsere Vorfahren haben sich darum hier angesiedelt. Wir haben Grund, den Menschen und der Natur von damals dankbar zu sein für das, was wir heute genießen. Aus diesem Gefühl heraus denken und schauen viele Menschen auf die folgenden Generationen. Wir wollen dankbar nutzen und den uns folgenden Menschen Wertvolles hinterlassen und anbieten.
Meinen Mitmenschen helfen fällt manchmal leicht. Ich kenne sie. Ich sehe ihre Reaktion auf mein Tun. Aber wie ist das mit den Menschen, die vor mir waren? Haben sie noch Hilfe nötig? - In vielen Religionen und Riten lautet die Antwort: Ja! Sie haben unsere Hilfe nötig, um Erlöste zu sein. Erlöst von ihren Sünden und Leiden.
In der Tradition des Christentums gibt es einen "Ort der Reinigung", den wir mit Fegfeuer oder Purgatorium bezeichnen. Gottes Liebe sowie unsere Gebete und Opfer sollen dazu beitragen, dass die Verstorbenen zu jener Vollendung kommen, die Gott ihnen zugedacht hat. Im Jahr 998 setzte der Abt des Klosters Cluny dieses Gebet für das Heil der Verstorbenen fest auf den 2. November. Wenn alle am selben Tag beten, muss es nicht erklärt werden. Alle kennen das Anliegen und tragen es mit.
Wir sehen es auf unseren Friedhöfen. An bestimmten Tagen, etwa am Sterbetag, Geburtstag oder Hochzeitstag, stellen Menschen Blumen und Kerzen auf die Gräber der Verstorbenen und beten für sie. Zu Allerheiligen und Allerseelen gibt es sichtlich mehr Gestecke und Kerzen als das übrige Jahr hindurch. Und es gibt mehr Menschen, denen wir auf dem Friedhof begegnen.
Wer an Allerseelen zum Gottesdienst kommt, sieht violette Tücher und Gewänder. Sie erinnern an die Trauer des Abschieds und sie mahnen zu Buße und Besinnung. Das war lange Zeit das entscheidende Anliegen der Menschen zum Allerseelentag. Teilen Sie dieses Anliegen heute noch?
Auf manchen Pfarrblättern sehen Sie als Messintention Namen von Verstorbenen oder allgemein „für die Armen Seelen“. Dahinter steht die Praxis, für Verstorbene eine Messe lesen zu lassen. So sollte ihre Vollendung, bzw. endgültige Erlösung beschleunigt werden. Menschen, die solche Messfeiern bestellen, ist es ein offenbar ein wichtiges Anliegen. Teilen Sie dieses?
In manchen Gemeinden gibt es Jahrtags- und Allerseelenstiftungen. Menschen, die nicht erwarten, dass ihre Angehörigen ihre Spiritualität leben, sorgen auf diese Weise vor, dass auch in Zukunft der Verstorbenen gedacht wird. Sie bestellen noch zu Lebzeiten für die nächsten Allerselentage und die nächsten Jahrzehnte für bestimmte Todestage Messen und geben dafür eine Spende. Ihnen ist das wichtig…
Was geschieht, wenn Sie das Familiengrab richten oder an das Grab der verstorbenen Eltern, Geschwister, Freunde gehen? Sie machen das Grab schön, sie erinnern sich an die Begegnungen mit dem Verstorbenen. Manche beten für sie und verbinden sich so mit ihren Verstorbenen…
Persönlich füge ich hinzu: Ich tue dies als Lebender an vielen Gräbern und ich hoffe, dass auch an meinem Grab einmal jemand an mich denken und für mich beten wird.
Die Konfrontation mit Tod und Sterben ist für unseren Glauben eine besondere Herausforderung. An den Worte Jesu, wie sie das Johannesevangelium überliefert, können wir unsere Hoffnung festmachen.
25 Jahre lang haben wir uns als Bibel-teilen-Gruppe mit dem Wort Gottes, den Evangelien der entsprechenden Sonntage, beschäftigt. Nach dem Lesen des Bibeltextes, haben wir in der Stille Gott zu uns sprechen lassen und uns dann darüber ausgetauscht, was dieser Bibeltext bei uns persönlich ausgelöst hat. "Was hat mich ganz persönlich angesprochen?"
Dabei waren wir immer wieder überrascht, welche unterschiedliche Reaktionen, der Bibeltext, das Evangelium, bei den unterschiedlichen TeilnehmerInnen ausgelöst hat. Ganz persönliche Lebens- und Glaubenserfahrungen haben zu teilweise unterschiedlichen Sichtweisen auf das Wort Gottes geführt und uns gezeigt, wie vielfältig und immer noch aktuell das Wort Gottes für uns Christen ist.
In diesem Sinne habe ich die Texte aus dem Johannes Evangelium anlässlich des Allerseelengedenktages auf mich wirken lassen, in Stille in mich hineingehört und niedergeschrieben, was ich dabei gespürt habe.
Das Johannes Evangelium ( Joh. 11, 17 – 27) gehört zu meinen Lieblingsevangelien. Unzählige Male habe ich die Worte Jesu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ als Trost an die Hinterbliebenen von Verstorbenen geschrieben. Manchmal bekam ich eine Antwort, manchmal keine. Nicht immer ist ein christlicher Trost, selbst wenn er von Jesus Christus kommt, erwünscht. Damit habe ich als ein überzeugter Verkünder des Wortes Gottes, zu leben gelernt.
Diese Worte, welche Jesu zu Marta spricht, habe ich für mich verinnerlicht. Sie sind das Credo meines Glaubens. Und deshalb richtet sich die Frage Jesu: „Glaubst du das?“ zunächst mal an mich selbst und dann an uns alle.
Meine Antwort, als 70-jähriger Mensch, den Gott als Laien zum ehrenamtlichen Dienst in seine Gemeinde gerufen hat, ist klar und eindeutig: Ja, Herr Jesus Christus, ich glaube und bekenne, dass Du Gottes Sohn bist. In Dir ist Gott der Allmächtige Mensch geworden. In Jesus Christus hat der unsichtbare Gott Menschengestalt angenommen; hat zu uns gesprochen und die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes sichtbar werden lassen. Und als Vollendung seiner Liebe zu uns Menschen, hat Gott in Jesus Christus sein Leben hingegeben, zur Vergebung unserer Sünden.
Aber Gott hat seinen Sohn nicht dem Tod überlassen, sondern IHN auferweckt am dritten Tage, so wie es Jesus vorhergesagt hat. Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, das brutale Sterben am Kreuz und die österliche Auferstehung, das sind für mich die christlichen Frohbotschaften.
Und gerade an Allerseelen, wo wir unserer Verstorbenen gedenken, ist dies eine ganz zentrale Botschaft, die wir als Christen durch unseren Glauben verkünden. Für uns Christen ist mit dem Tod, eben nicht alles zu Ende. Das wäre für mich furchtbar. Dann wäre alles umsonst gewesen. Nein, mein christlicher Glaube sagt mir: es gibt ein Leben nach dem Tod bei Gott, so wie es Jesus uns verheißen hat.
Im Johannesevangelium (Joh 14,1-6) bestätigt dies Jesus ausdrücklich: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“
Tröstlichere Worte kann es für uns Lebende und für die Seelen unserer Verstorbenen nicht geben. Deshalb ist das Evangelium für mich keine Drohbotschaft, sondern eine Frohe Botschaft.
Noch ein persönlicher Gedanke von mir zu Allerseelen:
Selig sind für mich all die Menschen, die ihr Leben auch in der Liebe zum Nächsten, zum Mitmenschen leben. Und all die Menschen, welche unter Kriegen, Verfolgung und Hass leiden.
In der Abschiedsrede (Joh 14,23) sagt Jesus: "Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“
Wenn wir als Christen glauben, dass Jesus in Gott bei uns ist, und die Seelen unserer Verstorbenen bei Gott sind, können dann die Seelen unserer Verstorbenen in Gott nicht auch bei uns sein? - Ich bin kein Theologe und kann diese Frage deshalb nicht beantworten. Aber als gläubiger Christ glaube ich an die Auferstehung und das ewige Leben bei Gott. Und dafür lege ich Zeugnis ab, solange ich lebe.
© Wilhelm Kraft, wilhelm-kraft@web.de
Das Gedenken der Kriegsopfer der beiden Weltkriege steht in diesem Jahr im Zeichen des Krieges in der Ukraine und rückt auch die anderen, weniger beachteten Kriege der Gegenwart in unsere Aufmerksamkeit. Die Klage über die Sinnlosigkeit und die Zerstörungswut der Kriege richten wir auch an Gott.
Wie jedes Jahr stehen wir beim Totengedenken am Kriegerdenkmal - in einigen Pfarren heißt es auch schon "Friedensmahnmal". Es ist ein Stein gewordenes Zeichen dafür, dass der Tod auf unnatürliche Weise viele Menschen zugleich aus der Gemeinschaft unseres Ortes gerissen hat, dass der Krieg mit seinen Folgen ein Trauma für die Gesellschaft ist.
Zu den Toten, die in die Gedenksteine eingemeißelt sind, haben nur noch wenige von uns eine persönliche Beziehung. Vielleicht sind es noch Väter, Onkel, Groß- oder Urgroßväter, Großonkel oder andere weitschichtige Verwandte. Die zwei Weltkriege mit ihren immensen Todeszahlen bei Kämpfern und Zivilist*innen erscheinen fast schon als Relikt aus einer weit vergangenen Zeit, die sich doch nicht mehr wiederholen würde.
Im Frühling dieses Jahres ist ein Kampf mit Waffen, Panzern, Flugzeugen, Bomben und Drohnen wieder ganz nah gerückt, in die Grenzen Europas gekommen, über die Bildschirme und Handys in unsere Häuser geflimmert. Auch mit geflüchteten Teilfamilien in unser Land gereist, in unsere Gemeinden, in Schulklassen und Wohnungen. Dass Menschen in einem anderen Land "für die Heimat" sterben, ist wieder aktuell, dass Invasoren nur durch Waffengewalt aufgehalten oder zurückgedrängt werden können, dass Wahrheit verschwimmt und Propaganda überhandnimmt.
Und mit dem Krieg ist uns nahegekommen, dass so viele Menschen grausam sterben: ausgehungert, durch Bomben getroffen, auf dem Rückzug oder auf der Flucht, mit der Waffe in der Hand, oder gefesselt als Zivilist*innen, gefoltert, im Schlaf überrascht. Menschen, die gern einfach friedlich weitergelebt hätten, die so lebten wie wir bis im vergangenen Jahr.
Wir haben eine kleine Ahnung bekommen vom Irrsinn des Krieges, der mit keinen einfachen Rezepten aufzulösen sein wird, der auch Auswirkungen auf uns hat mit den Energiepreisen, die nach oben geschnalzt sind. Dieser Krieg, der uns etwas angeht, weil Menschen angegriffen wurden und leiden, und wir nur zufällig wo anders leben.
Hier am Denkmal der Gefallenen aus unserem Ort denken wir an die Menschen, die in der Ukraine und so vielen anderen, weniger beachteten Krisenherden der Welt gewaltsam sterben. Die ebenso Väter, Mütter, Kinder, Geschwister zurücklassen. Wir lesen die laute Mahnung, mit all unserem Erfindungsreichtum danach zu streben, Konflikte gewaltfrei zu lösen und den Krieg als großes Übel der Menschheit zu verabscheuen. Gewaltfrei Druck auf Kriegstreibende auszuüben, kann auch heißen, selber wirtschaftliche Folgen zu spüren.
Die Klage über die Sinnlosigkeit und die Zerstörungswut der Kriege richten wir auch an Gott: Wir ahnen zwar, dass es Menschen sein müssen, die Friedensgespräche führen und Lösungen suchen und einhalten müssen. Aber die Wege sehen wir noch nicht, und die Aufgabe scheint unlösbar groß. Gott, schau hin, hör uns, leite uns mit deinem Geist, schenk Phantasie und Kraft! Gib den Kriegstreibern den Geist der Einsicht und ein mitfühlendes Herz! Und steh den Menschen bei, die so viel zu leiden haben! Sei bei den Menschen, die schon gestorben sind!
Gott wird die Menschen im Tod nicht zugrunde gehen lassen, sondern auferwecken, wie wir beim Evangelisten Johannes gehört haben. Ein möglicher Trost angesichts von Toden, die zu früh kamen und wirklich nicht sein hätten müssen. Tode, die Menschen zu verantworten hatten, die mit Waffengewalt Tatsachen zu ihren Gunsten schaffen wollten oder ließen, bis heute.
Das Gedenken an die Toten der Kriege macht nur Sinn, wenn es in unser Leben hineinspielt - als Mahnung zum Frieden, als Warnung vor der Unmenschlichkeit, als Anstiftung zur Nächstenliebe.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels - St. Franziskus.
Es braucht Orte, Zeiten und Anlässe, unserer Verstorbenen zu gedenken, denn "Liebe hört niemals auf". Das Totengedenken zu Allerseelen ist eine Gelegenheit, ihnen zu danken, zu vergeben und der Liebe Gottes zu empfehlen.
Im vergangenen Jahr (2020) konnten viele Totengedenkfeiern nicht in der gewohnten Weise stattfinden, da größere Menschenansammlungen nicht erlaubt waren. Viele Trauerfeiern konnten nur im kleinen Kreis stattfinden. Doch nicht erst die Pandemie hat den Umgang mit den Verstorbenen verändert. Seit einigen Jahren nimmt z.B. die Zahl der Feuerbestattungen zu. Auf vielen Friedhöfen fällt auf, dass immer mehr Grabstätten aufgelassen werden. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass Menschen nicht mehr in dem Ausmaß wie früher an ihren ursprünglichen Wohnort gebunden sind, und die Angehörigen manchmal über die ganze Welt verstreut leben. Damit ist es mit mehr so einfach wie früher, für die Pflege der Gräber zu sorgen.
Dennoch ist es wichtig, dass wir unserer Verstorbenen gedenken. Vermutlich werden sich diesbezüglich neue Formen des pietätvollen Umgangs und auch neue Riten des Abschiednehmens entwickeln. Wir können nicht einfach Menschen, die in unserem Leben wichtig waren, aus unserem Gedächtnis löschen. Unsere Eltern haben unser Leben nicht nur biologisch bestimmt. Von ihnen haben wir vieles übernommen. Sie haben uns in vieler Hinsicht geprägt. Auch andere Menschen, die uns nahe standen, haben Spuren in unserem Leben hinterlassen. Totengedenkfeiern, wie sie um Allerheiligen und Allerseelen Tradition sind, geben uns Gelegenheit, unseren Verstorbenen unseren Dank zu bezeugen.
Der Apostel Paulus schreibt in seinem berühmten Hohenlied der Liebe im Brief an die Christen in Korinth: "Die Liebe hört niemals auf." (1 Kor 13,8). Mit Menschen, die wir lieben, bleiben wir verbunden, auch wenn sie schon gestorben sind. Wo immer und wie immer wir Menschen bestatten, wir brauchen Orte und Zeiten, an denen wir ihrer gedenken und unseren Dank zum Ausdruck bringen können.
Der Tod von Menschen konfrontiert uns aber auch mit der Tatsache, dass menschliches Leben begrenzt ist und immer unvollendet bleibt. Wir alle sind endlich und haben ein Ende unseres Lebens vor uns. Kein Mensch kann in seinem Leben alles verwirklichen, was er oder sie gerne gelebt und getan hätten. Unser Leben bleibt "Stückwerk", wie es der Apostel Paulus ausdrückt. Totengedenken sind Gelegenheiten, uns mit der Endlichkeit unseres Lebens und mit den Unvollkommenheiten – den eigenen und den Unvollkommenheiten unserer Lieben – zu versöhnen.
In den religiösen Riten rund um die Bestattung von Toten spielt die Bitte um Vergebung eine wichtige Rolle. Dabei geht es nicht nur darum, dass Gott uns und unseren Verstorbenen vergibt, was sie und wir verfehlt haben. Es ist gut für unser seelisches Gleichgewicht, unseren Verstorbenen zu vergeben, was sie uns nicht geben konnten, und sie um Vergebung zu bitten für alles, was wir ihnen schuldig geblieben sind. Dies ist ein wichtiger Akt, durch den sie und auch wir selbst inneren Frieden und Zufriedenheit finden. Die Liebe hört niemals auf…
Im Johannesevangelium (Joh 6,39) sagt Jesus über Gott: "Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag." Wenn für uns Menschen gilt: "Die Liebe hört niemals auf", gilt das umso mehr auch für die Liebe Gottes.
Unsere Hoffnung auf ein Leben, das über dieses irdische Leben hinausgeht, gründet im Glauben, dass Gott aus Liebe die Welt ins Dasein gerufen und uns aus Liebe das Leben geschenkt hat. Wir können uns keine konkreten Vorstellungen über ein Leben, das über den Tod hinausgeht, machen. Das lässt uns oft zweifeln, ob es ein Weiterleben nach dem Tod geben kann. Als Christen vertrauen wir darauf, dass Jesus keinen von denen, die Gott ihm gegeben hat, zugrunde gehen lässt, sondern dass er sie auferweckt am Jüngsten Tag. Wir hoffen für unsere Toten und für uns selbst, dass die Liebe Gottes, der wir unser Leben verdanken, uns neues Leben schenken wird.
In diesem Vertrauen auf Gott danken wir unseren Verstorbenen für alles, was sie uns gegeben und Gutes getan haben, und empfehlen sie der Liebe des dreifaltigen Gottes.
Der Tod und das Trauern um Tote wird in unserer Gesellschaft oft verdrängt und hat wenig Raum. Der Trauer Raum geben kann heilsam sein. Biblische Texte wie die Lesung aus Jesaja oder die Erzählung vom Tod des Lazarus, um den Jesus weint, können uns Hoffnung geben und helfen uns, dass wir uns nicht in der Trauer vergraben.
Wie kann ich gut die Balance halten? Das ist eine kleine Herausforderung in der Gymnastik. Balance spielt aber auch in anderen Bereichen eine wichtige Rolle. Manche tun sich schwer mit der sogenannten Work-Life-Balance. Aktuell sind wir als Gesellschaft auch wieder neu gefordert, die Balance zwischen Vorsicht und Hysterie zu halten. Und dann gibt es noch die Balance zwischen Trauer und Hoffnung. Der Tod eines geliebten Menschen kann mich nur zu rasch aus dem Gleichgewicht bringen, ich komme aus dem Takt meines Lebens. Der Tod schafft eine Ausnahmesituation, in der ich vielleicht manches gar nicht wahrnehmen kann, was geschieht – um mich herum, aber auch in mir drin.
In Ausnahmesituationen reagiert jede/r von uns anders. So ist auch unser Umgang mit Sterben und Tod sehr individuell (geworden), was Vorteile und Nachteile mit sich bringt. Früher gab es automatisch bestimmte Rituale wie Totenwachen oder das sogenannte Trauerjahr. Trauer gehörte dadurch mehr zu unserem Alltag und z.B. an der schwarzen Kleidung war sie auch sichtbar. Heute gehen wir individueller damit um, was oft zur Folge hat, dass Trauer oft versteckt oder tabuisiert wird.
In unserer Tradition haben wir den großen Schatz biblischer Texte, die uns gemeinschaftlich oder individuell Hoffnung schenken können. Die Lesung aus dem Buch Jesaja zeichnet so ein wunderbares Hoffnungsbild für das Volk Israel, das Gott auch uns zusagt. Wir werden ein Festmahl feiern dürfen, Gott wischt alle Tränen ab und er wird den Tod vernichten (Jes 25,6-9). Diese Hoffnung kann mich tragen, wenn ich einen Verlust erleide.
Doch auch die Tränen sind ein wichtiger Teil im Trauerprozess. Wenn wir uns heute in der Welt umschauen, sehen wir Tränen von geflüchteten Menschen, Tränen von Einsamen, Tränen der Verzweiflung von Hungernden, manchmal Tränen der Wut über so viel Leid und Ungerechtigkeit.
Für mich ist es starker Trost, dass Gott ALLE diese Tränen abwischen wird. Er ist für uns Mensch geworden. Jesus hat uns vorgelebt, wie wir leben sollen. Er hat Machttaten und Wunder getan, um den Menschen Gottes Vollmacht und seine Liebe zu uns zu zeigen. Hier ist etwas so Großartiges geschehen, dass deutlich wird, wer Jesus ist. Wir bleiben nicht dem Tod überlassen, wenn wir uns zu Jesus bekennen: Er ist der HERR über Leben und Tod, dem nichts Menschliches fremd ist. Auch die Trauer und den Schmerz hat Jesus selbst erfahren. Als Lazarus starb, weinte Jesus ganz menschlich um seinen Freund.
Auch uns tut es gut, unseren Gefühlen Ausdruck zu geben. Besonders im heurigen Jahr ist das wichtig – manche von Ihnen haben vielleicht in der Zeit des Lockdowns jemanden verloren, konnten nicht gut oder nur im kleinsten Kreis Abschied nehmen. Aber auch, wenn der Verlust schon länger her ist: es bleibt eine Lücke. Eine Lücke, die jemand hinterlassen hat, die von mir mit Trauer gefüllt wird, die aber auch Platz für schöne Erinnerungen bietet und vielleicht auch für das Licht des Trostes und der Hoffnung.
Mich nicht in der Trauer vergraben, der Hoffnung Raum geben, dass die Liebe den Tod überlebt, und bei all dem ehrlich mit mir selbst zu bleiben. Das wünsche ich Ihnen an diesem Tag der Erinnerung, des Gedenkens, der Trauer und Hoffnung.
Der Weg zum Glauben an ewiges Leben führt für mich über die Liebe und über die Hoffnung. – Ansprache für einen Friedhofsgang.
Niemand weiß, wie es nach dem Tod weitergeht. Niemand kann beweisen, dass es nach dem Tod weitergeht. Trotzdem gehe ich von Zeit zu Zeit zu den Gräbern meiner Lieben. Ich möchte ihnen damit zeigen, dass meine Liebe zu ihnen nicht verloschen ist. Ich erinnere mich dankbar daran, was sie mir bedeutet haben, was ich ihnen verdanke. Ich erinnere mich an fröhliche und glückliche Stunden mit ihnen, auch an manches Schwere. "Stark wie der Tod ist die Liebe" (Hld 8,6), sagt ein Wort der heiligen Schrift. Sie wird vom Tod nicht ausgelöscht.
Weil ich diese Menschen liebe, hoffe ich, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Ich hoffe es vor allem für jene, die es im Leben schwer gehabt haben. Ich hoffe es für jene, die sich für andere eingesetzt haben und die dafür zu Lebzeiten keinen Lohn erhalten haben. Ich hoffe es für jene, die mit hohlen Versprechungen um ihr Leben betrogen worden sind.
Mir gehen an einem Tag wie heute jene nicht aus dem Kopf, die durch Kriege, Hungersnöte oder Naturkatastrophen umgekommen sind: Alte, Junge, Menschen im besten Alter, Kinder, Menschen, die auf dem Weg in ein besseres Leben im Meer ertrunken sind.
Ich kann mich nicht damit abfinden, dass es sich die einen richten, ohne sich vor einem Gericht verantworten zu müssen. Und ich will mich nicht damit abfinden, dass andere nichts von dem Glück erleben, das ich erleben durfte.
Deshalb glaube ich denen, die mir von einem liebenden Gott erzählt haben, dem ich mein Leben verdanke. Ich knüpfe meine Hoffnungen an den, von dem es heißt, er sei von den Toten auferstanden. Und ich glaube, dass er am Ende all jene, die im Leben wenig Glück erfahren haben, so überglücklich macht, dass sie das Erlittene vergessen können. Und ich glaube daran, dass er allen, die seiner Liebe nicht getraut haben, eine neue Chance geben wird.
Diesem liebenden Gott lege ich alle meine Lieben ans Herz, wenn ich deren Gräber besuche. Auf diesen liebenden Gott hoffe ich, wenn ich an jene denke, die das Leben, das der Schöpfer ihnen schenken wollte, nicht erleben konnten.
Wie das konkret aussehen wird, übersteigt meine Vorstellungskraft. Mit dem Apostel Paulus glaube ich an das, "was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." (1 Kor 2,9).
Ansprache zu einer ökumenischen Friedhofsandacht an Allerheiligen/Allerseelen.
Zu Allerheiligen/Allerseligen gedenken wir nicht nur der verstorbenen Angehörigen. Wir weiten unseren Blick auf alle Verstorbenen, auch auf die Opfer der Kriege und der Unrechtsregime. Erinnern weitet den Blick für die Gegenwart.
In vielen Orten Oberösterreichs wird zu Allerheiligen an den Kriegerdenkmälern in unterschiedlichster Weise der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht. In der Pfarre St. Georgen an der Gusen wurde vor einigen Jahren in einem Kunstprojekt das Kriegerdenkmal für mehrere Monate verhüllt. „Sichtbar machen durch verdecken“, so nannte die Künstlerin diese gewagte Intervention. Es gab große Aufregung in der Bevölkerung. An den Stammtischen wurde darüber intensiv diskutiert. Gleichzeitig wurde von der Künstlerin am Kirchenvorplatz ein Spiegelsteg errichtet, der auf die unterirdischen Waffenwerke während der NS-Zeit ganz nahe der Kirche und auf das Konzentrationslager Gusen hinweist.
„Sichtbar machen durch Verdecken.“ - So wurde der Blick auf die 40.000 Menschen gelenkt, die in dieser Pfarre zur Zeit des Nationalsozialismus grausam zu Tode kamen und viele Jahrzehnte fast gänzlich in Vergessenheit gerieten. Heute am Allerheiligen Fest gedenkt man dort sowohl der Gefallenen der Kriege am Kriegerdenkmal, als auch der Opfer der Konzentrationslager, der gegenwärtigen Kriege und des Terrors auf unserer Welt.
Warum gedenken wir zu Allerheiligen und Allerseelen nicht nur der uns lieb gewordenen Verwandten, der eigenen Freundinnen, Freunde und Bekannten? Warum gedenken wir als Christinnen und Christen auch der Opfer von Kriegen und Unrechtsregimen?
In Österreich begehen wir das Gedenkjahr 2018. Die Österreichischen Bischöfe haben dazu eine beeindruckende Erklärung abgegeben und darauf hingewiesen, dass das Erinnern und Gedenken insbesondere der Opfer unserer Geschichte zutiefst christlich sei und jede humane Kultur auszeichne. In der Erklärung der österreichischen Bischöfe heißt es wörtlich: Wir „gedenken vor allem der Opfer, die in Folge der nationalsozialistischen Machtübernahme gedemütigt, vertrieben, verfolgt, eingekerkert, verschleppt und ermordet wurden. Wir schauen aber auch auf die Orientierungslosen, die Mitläufer und die Täter ... Auch heute schmerzt noch, dass damals, im März 1938, und in den sieben düsteren Jahren danach, die ChristInnen - auch und gerade die Bischöfe - nicht stärker der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und der Diktatur entgegengetreten sind. ... Traurig und beschämt haben wir erkannt, dass mit der Zerstörung der Synagogen und der Shoah unschuldige und wehrlose Menschen getötet und der Name des Ewigen geschändet wurde.“
80 Jahre danach - klare Worte der österreichischen Bischöfe, versehen mit der reinigenden Kraft des Bekenntnisses der eigenen Mitschuld. Die österreichischen Bischöfe sprechen aber auch von Menschen, „die sich in der damaligen Zeit als 'Gerechte' erwiesen und die sich nicht vom Sog dieser unmenschlichen und verbrecherischen Ideologie mitreißen ließen“.
Unter Vielen seien in diesem Zusammenhang stellvertretend nur zwei Personen unserer Diözese genannt, die Ihnen wohl bekannt sind: der Wehrdienstverweigerer und Selige Franz Jägerstätter und der Priester und Pädagoge Dr. Johann Gruber, der von den KZ-Mithäftlingen in Gusen als „Engel in der Hölle“ verehrt wurde. Diese beiden Oberösterreicher lebten ihren Glauben, sie widersetzten sich der Macht des Hasses und der Unmenschlichkeit und sie wurden hingerichtet. „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ So hörten wir es im heutigen Evangelium.
Wie geht es uns als Christinnen und Christen heute angesichts der Kriege, des Elends in den Flüchtlingslagern dieser Welt, mit dem wir via Fernsehen konfrontiert werden? Berühren uns diese Bilder noch? Sind unsere Herzen eingefroren - in einem Land, in dem „Gutmensch“ zu einem Schimpfwort geworden ist? Wie geht es uns als Christinnen und Christen angesichts der Tatsache, dass etwa 800 Millionen Menschen gegenwärtig an chronischer Unterernährung leiden? Wir leben in einer Welt, in der innerhalb einer Woche mehr Geld für die Armeen ausgegeben wird, als es kosten würde, die Hungernden unserer Erde auf der ganzen Welt für ein ganzes Jahr zu sättigen. Ist uns diese Realität bewusst? „Wo bin ich, wenn vor meinen Augen großes Unrecht geschieht, wenn Ausgrenzung, Entsolidarisierung und Hass ihren Lauf nehmen?“ So fragen die Bischöfe in ihrer vorher erwähnten Erklärung.
Zunehmend ist in unserer Gesellschaft spürbar, dass Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Herkunft oder Hautfarbe ausgegrenzt werden. Denken Sie an die Ausländerfeindlichkeit, an die Unbarmherzigkeit, die manchen AsylwerberInnen zuteil wird. Denken Sie etwa an die jungen AsylwerberInnen, die in Österreich nun keine Chance mehr auf einen Lehrplatz haben und kaum Möglichkeiten haben, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Bischof Manfred Scheuer und der Caritasdirektor der Diözese Linz, Franz Kehrer betonen in ihrer Stellungnahme zu Asyl und Integration „Viele Menschen haben bei uns in den vergangenen Jahren Asyl gesucht und suchen es auch gegenwärtig. Wir sollten nie vergessen, dass sie hier ein Menschenrecht in Anspruch nehmen, und dass jede und jeder von uns ebenso in eine Lage geraten kann, in der sie/er aus der eigenen Heimat flüchten muss.“
Liebe Pfarrgemeinde, widerstehen wir als Christinnen und Christen - kraftvoll und entschieden - einer zunehmenden Stimmung in der Bevölkerung, in der Menschen in ihrer Gottesebenbildlichkeit, in ihrer Würde nicht wahrgenommen werden! Andre Heller sagte anlässlich des Gedenkjahres beim Staatsakt in der Hofburg in seiner vielbeachteten Rede: „Vergessen wir nicht, dass am Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft nicht Ausschwitz, sondern die Ausgrenzung von Menschen, die als störend, als schädlich betrachtet wurden, stand. Und weil es dafür viel Zustimmung gab, hatten die Nazis freie Bahn und die humanitäre Katastrophe wurde immer größer.“
Kommen wir zurück auf unsere Frage: Warum gedenken wir Christinnen und Christen zu Allerheiligen und Allerseelen der Opfer von Krieg und Terror, warum gedenken wir der Menschen, die sich der Macht des Hasses und der Unmenschlichkeit widersetzten und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten?
Für den bekannten Konzils-Theologen Johann Baptist Metz gehört die Erinnerung und das Gedächtnis an die Leiden und an die Opfer unserer Geschichte zu den Grundpfeilern des christlichen Glaubens. In seinem Buch „Memoria Passionis“, Gedächtnis des Leidens, schreibt Metz, dass man Gott nicht mit dem Rücken zur menschlichen Leidensgeschichte verehren könne. „Die Botschaft Jesu lässt es nicht zu, dass wir über seine Leidensgeschichte die Leidensgeschichte der Welt vergessen; sie lässt es nicht zu, dass wir über seinem Kreuz die vielen Kreuze in der Welt übersehen.“
Das Kreuz Jesu Christi öffnet den Blick für die Geschundenen, für die vielen Kreuze in der Welt, für vergangenes und gegenwärtiges Leid. Zu Allerheiligen erinnern wir uns an die Verheißung, dass es mit dem Tod nicht einfach aus ist, dass der Tod nicht alle und alles gleichschaltet, dass uns über den Tod hinaus die universale Gerechtigkeit Gottes verheißen wird: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein..." So heißt es imBuch der Offenbarung (Off. 21,4).
Erinnern weitet den Blick für die Gegenwart. Der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich bringt das Erinnern mit der Gegenwart in Berührung. In seiner Erklärung zum Gedenkjahr 2018 heißt es: „Wir als Kirchen wollen uns dafür einsetzen, dass Österreich - 80 Jahre nach der Katastrophe von 1938 - zu einem Haus mit offenen Fenstern und zu einer Heimatstätte für Verfolgte wird. Wir wollen in einem Land leben, in dem der soziale Friede gewahrt wird und in dem Menschen Geborgenheit und die Möglichkeit zu einem erfüllten Leben finden."
Auch heute haben wir Christinnen und Christen eine große Verantwortung, dort wo wir stehen, für Menschlichkeit und Menschenwürde zu sorgen. Die Seligpreisungen, die wir heute im Evangelium gehört haben, weisen uns die Richtung, sie sind so etwas wie das Leitbild der großen Vision Gottes mit uns Menschen:
„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein."
© Dr. Christoph Freudenthaler, Pädagogische Hochschule der Diözese Linz.
Erklärung österreichische Bischofskonferenz (2018). „1918-1938-2018. Erinnern und Gedenken". Verfügbar unter:
https://www.katholisch.at/aktuelles/2018/03/12/bischoefe-1918-1938-2018.-erinnern-und-gedenken - [27.8.2018]
Scheuer Manfred, Kehrer Franz (2018). Stellungnahme zu Asyl und Integration. Verfügbar unter:
https://www.dioezese-linz.at/news/2018/03/13/stellungnahme-zu-asyl-und-integration - [27.8.2018]
Heller Andre (2018). Rede anlässlich des Gedenkaktes zum 80. Jahrestag des 12. März. Verfügbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=rL7k2XzJxcA&feature=youtu.be - [27.8.2018]
Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zum Gedenkjahr 2018 (2018). Verfügbar unter:
http://www.oekumene.at/site/erklaerungen/article/1844.html - [27.8.2018]
Metz, Johann Baptist (2006). Memoria Passionis. Freiburg im Breisgau: Herder.
Am Allerseelentag gedenken wir unserer Toten. Wir wissen sie in Gottes Hand. Sich in die Hand Gottes fallen zu lassen, ist ein Akt des Vertrauens. Er fällt uns nicht leicht, weil wir darin die Kontrolle über uns selbst abgeben. Im Gebet, besonders im "Vater unser", üben wir uns in diesen Schritt ein.
Obwohl ich schon oft mit einem Flugzeug gereist bin, spüre ich jedes Mal einen gewissen Nervenkitzel, wenn ich in ein Flugzeug einsteige. Wenn das Flugzeug abhebt und den Bodenkontakt aufgibt, ist es wieder ein sonderbares Krippeln. Ich vermute, dies hat damit zu tun, dass ich ein Stück Kontrolle über mein Leben an andere abgebe: an den Piloten, an die Technik, die hinter dem ganzen Flugapparat steckt. Und ich bin jedes Mal erleichtert, wenn ich wieder heil gelandet bin und festen Boden unter meinen Füßen spüre.
Wenn ich in ein Fahrzeug einsteige, das eine andere Person lenkt, oder in einen Zug, gebe ich auch ein Stück Kontrolle ab, es berührt mich aber nicht so stark. Es fällt wohl den meisten Menschen nicht leicht, die Kontrolle abzugeben, es sei denn an eine Person, bei der man sich gut aufgehoben weiß. Bedenkenlos steige ich in das Fahrzeug eines Freundes oder eines Kollegen ein, von dem ich weiß, dass er es verlässlich lenkt. Wenn ich krank bin, überantworte ich mich auch ohne Zögern einem Arzt meines Vertrauens. Ich kann mich gut hineinfühlen in ältere Menschen, die sich Sorgen über ihre Zukunft machen für den Fall, dass sie einmal nicht mehr die volle Kontrolle über sich selbst wahrnehmen können.
Wenn wir dem Tod gegenübertreten – und irgendwann wird uns das abverlangt, ob wir wollen oder nicht – ist das ebenfalls ein bei vielen Menschen mit Angst besetzter Schritt. Wir müssen die Kontrolle über unser Leben endgültig abgeben und wir wissen nicht, was uns danach erwartet.
Gläubige Menschen sagen sich: "Ich kann nicht tiefer fallen als in die Hände Gottes". Wenn es darauf ankommt, ist dieses letzte Sich-fallen-lassen dennoch ein schwerer Schritt. Auch wenn mir die Gnade des Glaubens geschenkt ist, dass ich mich in der Hand Gottes geborgen wissen kann, muss ich mich immer neu in dieses Vertrauen einüben.
Am Allerseelentag denken wir an unsere Verstorbenen. Erinnerungen ziehen noch einmal an uns vorbei. Gläubige Menschen wissen ihre Angehörigen in Gottes Hand gut aufgehoben. Das macht es leichter, von ihnen Abschied zu nehmen und sie loszulassen. Dieses Vertrauen in Gott muss aber immer neu eingeübt werden; es ist nicht selbstverständlich.
Meines Erachtens ist es kein Zufall, dass im Zusammenhang des Sterbens und des Totengedenkens so oft das "Vater unser" und das "Gegrüßet seist du Maria" gebetet wird. Kommt doch in beiden Gebeten das Vertrauen in einen guten, väterlich-mütterlichen Gott und Schöpfer zum Ausdruck.
In den Lesungen und im Evangelium (z.B. Ijob 19, Röm 8,14-23 und Joh 14,1-6) wurden die Grundlagen dieses Vertrauens zur Sprache gebracht. Ijob hält trotz aller Schicksalsschläge am Glauben an einen erlösenden Gott fest. Er kann sich vorstellen, Gott zu schauen, wenn sich sein Fleisch und wohl auch seine leiblichen Augen aufgelöst haben werden. Jesus sieht himmlische Wohnungen für uns bereitstehen, obwohl er sich bewusst ist, dass ihm Leiden und ein bitterer Tod bevorstehen. Der Theologe Paulus sieht den Grund unserer Hoffnung darin, dass wir geliebte Kinder Gottes sind. Er kann sich nicht vorstellen, dass wir als Kinder Gottes einmal nicht an der Herrlichkeit Gottes teilhaben werden. Als Kinder Gottes werden wir unser Erbe antreten können.
Wer kann so etwas für sich und für seine Lieben erhoffen? Wer sich auf eine innige Beziehung zu diesem Gott einlässt, das Geschenk des Glaubens annimmt und in einer lebendigen Beziehung zu Gott zur Entfaltung bringt. "Vater unser" zu beten wird so zu einer täglichen Übung, durch die wir unser Vertrauen in Gott nähren und stärken. Wenn wir es heute am Allerseelentag sprechen, übergeben wir damit unsere Verstorbenen der väterlich-mütterlichen Fürsorge Gottes.
Wie können wir uns ein Leben nach dem Tod vorstellen? Wo und wie leben unsere Toten weiter? Unsere Zukunft liegt im auferstandenen Herrn.
„Passt mal auf, eines Tages werde ich als Schrank in Eurem Schlafzimmer stehen!“ Dieses Zitat wird dem im November 2013 verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt zugeschrieben. Es war seine Antwort auf die Frage eines Journalisten, welche Vorstellung er vom Leben nach dem Tod habe. Wie viele andere Menschen konnte er sich ein personales Weiterleben nach dem Tod nicht vorstellen. Ihn tröstete die naturwissenschaftliche Erkenntnis, dass in der Natur nichts verloren geht, sondern umgeformt wird. Unser Leib zerfällt im Prozess der Verwesung in seine biologischen und chemischen Bestandteile, aus denen die Natur dann Neues formt. Vielleicht einen Baum, aus dem dann einmal ein Schrank gebaut wird.
So sehr diese naturwissenschaftliche Beschreibung richtig ist, so wenig Hoffnung gibt sie mir. Denn ich trage eine Sehnsucht in mir, die weiter geht. Ich möchte in meiner ganzen Persönlichkeit bleiben. In dem, was ich bin und mich als Person ausgemacht hat.
Die antiken Philosophen Griechenland entdeckten in ihrem Nachdenken die Existenz der „Seele“. Von den Göttern dem Menschen gegeben und damit unsterblich, bewahrt sie die Persönlichkeit des Menschen auf. Im Tod trennen sich Leib und Seele, die dann weiter lebt. Diese Vorstellung hilft dabei, sich ein personales Weiterleben nach dem Tod vorstellen zu können. Nicht wenige Menschen finden dabei Trost in der fernöstlichen Vorstellung der Wiedergeburt der Seele in einem neuen Körper und erklären sich so das Weiterleben nach dem Tod. Sicherlich auf den ersten Blick eine faszinierende Vorstellung. Ich darf noch einmal von vorn beginnen und bekomme eine zweite Chance.
Aber ehrlich gesagt: Ich möchte nicht noch einmal alles mitmachen. Ich habe eine schöne Kindheit gehabt, denke gerne an die Schule und die Jugend zurück. Habe gerne studiert, usw. Aber ich bin auch froh, das hinter mir zu haben. Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, aber auch diese Fehler gehören zu mir und haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. So faszinierend diese Vorstellung auch ist, so richtig toll finde ich dies auch nicht.
Meine Sehnsucht findet erst richtig eine Antwort in der Auferstehung Christi. Der ungläubige Thomas kann erst so richtig an die Auferstehung Christi glauben, als er seine Hände in die Wundmale des Herrn legen kann. Denn erst die Narben seines Leidens zeigen ihm: Dies ist nicht ein wiedergeborener Christus, denn dann müsste er einen neuen, unversehrten Leib haben. Der Christus, der ihm hier begegnet ist der vom Leben verwundete und geheilte Herr, nicht wiedergeboren, sondern wirklich auferstanden.
Das ist meine Sehnsucht: In meinem Tod Versöhnung zu finden und mit den dann geheilten Wunden meines Lebens zum ewigen Leben aufzuerstehen. Eine Sehnsucht, die ich im auferstandenen Herrn erfüllt sehe.
In dieser Hoffnung gedenken wir heute aller unserer Verstorbenen. Ihre Zukunft liegt nicht im Kreislauf der Natur. Sie liegt auch nicht in der Wiedergeburt zu einem neuen irdischen Leben. Ihre Zukunft liegt im auferstandenen Herrn, der ihnen Versöhnung mit Gott, ihren Nächsten und sich selbst ermöglicht, die Wunden ihres Lebens heilt und so das Leben zurückgibt, für das wir geschaffen wurden: das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott.
Aber wir wissen auch: Versöhnung ist ein manchmal schmerzlicher Prozess. Die Heilung von Wunden kann weh tun. Da tut es gut zu wissen: Wir lassen unsere Toten auch nach ihrem Tod nicht allein. Wir bleiben über den Tod hinaus miteinander verbunden. Unser Gebet für die Toten hilft ihnen in diesem Versöhnungsprozess. Hilft ihnen in der Heilung ihrer Lebenswunden. Es tut ihnen gut auf ihrem Weg zum Paradies.
Besonders tröstlich finde ich den Gedanken, dass die Kirche - also Sie alle - auch mich einmal in meinem Tod nicht allein lassen werden. Auch ich mache in meinem Leben nicht alles richtig. Ich verletze Menschen und werde selbst verletzt. Ich bin auf diesen Versöhnungsweg in meinem Tod angewiesen. Auch darauf, dass Menschen dann auch für mich beten und mir helfen.
Allerseelen - ein hoffnungsvolles, aber auch ein tröstliches Fest.
„Passt mal auf, eines Tages werde ich als Schrank in Eurem Schlafzimmer stehen!“ Dieses Zitat wird dem im November 2013 verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt zugeschrieben. Es war seine Antwort auf die Frage eines Journalisten, welche Vorstellung er vom Leben nach dem Tod habe. Wie viele andere Menschen konnte er sich ein personales Weiterleben nach dem Tod nicht vorstellen. Ihn tröstete die naturwissenschaftliche Erkenntnis, dass in der Natur nichts verloren geht, sondern umgeformt wird. Unser Leib zerfällt im Prozess der Verwesung in seine biologischen und chemischen Bestandteile, aus denen die Natur dann Neues formt. Vielleicht einen Baum, aus dem dann einmal ein Schrank gebaut wird.
So sehr diese naturwissenschaftliche Beschreibung richtig ist, so wenig Hoffnung gibt sie mir. Denn ich trage eine Sehnsucht in mir, die weiter geht. Ich möchte in meiner ganzen Persönlichkeit bleiben. In dem, was ich bin und mich als Person ausgemacht hat.
Die antiken Philosophen Griechenland entdeckten in ihrem Nachdenken die Existenz der „Seele“. Von den Göttern dem Menschen gegeben und damit unsterblich, bewahrt sie die Persönlichkeit des Menschen auf. Im Tod trennen sich Leib und Seele, die dann weiter lebt. Diese Vorstellung hilft dabei, sich ein personales Weiterleben nach dem Tod vorstellen zu können. Nicht wenige Menschen finden dabei Trost in der fernöstlichen Vorstellung der Wiedergeburt der Seele in einem neuen Körper und erklären sich so das Weiterleben nach dem Tod. Sicherlich auf den ersten Blick eine faszinierende Vorstellung. Ich darf noch einmal von vorn beginnen und bekomme eine zweite Chance.
Aber ehrlich gesagt: Ich möchte nicht noch einmal alles mitmachen. Ich habe eine schöne Kindheit gehabt, denke gerne an die Schule und die Jugend zurück. Habe gerne studiert, usw. Aber ich bin auch froh, das hinter mir zu haben. Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, aber auch diese Fehler gehören zu mir und haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. So faszinierend diese Vorstellung auch ist, so richtig toll finde ich dies auch nicht.
Meine Sehnsucht findet erst richtig eine Antwort in der Auferstehung Christi. Der ungläubige Thomas kann erst so richtig an die Auferstehung Christi glauben, als er seine Hände in die Wundmale des Herrn legen kann. Denn erst die Narben seines Leidens zeigen ihm: Dies ist nicht ein wiedergeborener Christus, denn dann müsste er einen neuen, unversehrten Leib haben. Der Christus, der ihm hier begegnet ist der vom Leben verwundete und geheilte Herr, nicht wiedergeboren, sondern wirklich auferstanden.
Das ist meine Sehnsucht: In meinem Tod Versöhnung zu finden und mit den dann geheilten Wunden meines Lebens zum ewigen Leben aufzuerstehen. Eine Sehnsucht, die ich im auferstandenen Herrn erfüllt sehe.
In dieser Hoffnung gedenken wir heute aller unserer Verstorbenen. Ihre Zukunft liegt nicht im Kreislauf der Natur. Sie liegt auch nicht in der Wiedergeburt zu einem neuen irdischen Leben. Ihre Zukunft liegt im auferstandenen Herrn, der ihnen Versöhnung mit Gott, ihren Nächsten und sich selbst ermöglicht, die Wunden ihres Lebens heilt und so das Leben zurückgibt, für das wir geschaffen wurden: das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott.
Aber wir wissen auch: Versöhnung ist ein manchmal schmerzlicher Prozess. Die Heilung von Wunden kann weh tun. Da tut es gut zu wissen: Wir lassen unsere Toten auch nach ihrem Tod nicht allein. Wir bleiben über den Tod hinaus miteinander verbunden. Unser Gebet für die Toten hilft ihnen in diesem Versöhnungsprozess. Hilft ihnen in der Heilung ihrer Lebenswunden. Es tut ihnen gut auf ihrem Weg zum Paradies.
Besonders tröstlich finde ich den Gedanken, dass die Kirche - also Sie alle - auch mich einmal in meinem Tod nicht allein lassen werden. Auch ich mache in meinem Leben nicht alles richtig. Ich verletze Menschen und werde selbst verletzt. Ich bin auf diesen Versöhnungsweg in meinem Tod angewiesen. Auch darauf, dass Menschen dann auch für mich beten und mir helfen.
Allerseelen - ein hoffnungsvolles, aber auch ein tröstliches Fest.
Das Wegmotiv ist uralt und wird seit jeher mit dem Lebensweg, einem Prozessgeschehen, in Verbindung gebracht! Sich auf etwas hin zu beWEGen, sich selber in BeWEGung zu setzen, setzt eine Mobilisierung der eigenen Kräfte voraus. Kräfte von denen wir und andere oft gar nicht wissen, dass sie in uns sind. Ein Anstoß, in schwierigen Lebensphasen, wo man durch eine negative Erfahrung erstarrt ist, den Aufbruch zu Neuem zu wagen, soll die Bildrede „Ich bin der Weg“ sein. Sie lädt ein, sich auf die Suche nach Neuem zu machen mit der Gewissheit: ich bin auf diesem Weg nicht allein.
Das Erleben einer "Nacht der 1000 Lichter", einer Initiative kirchlicher Jugendorganisationen gegen den Halloweenrummel, führte zu einer berührenden Begegnung mit Menschen, die bereits verstorben sind. Es ist heilsam, sich solchen Begegnungen zu stellen. Das Vertrauen in einen liebenden Gott lässt hoffen, dass solche Erfahrungen nicht nur Einbildung sind.
In dunklen Stunden bedrängen uns Resignation und Niedergedrücktheit. Wir wünschten Wort wie "Steh auf!". Der Schmerz des Abschieds bleibt uns jedoch nicht erspart. In diesem Gottesdienst erinnern wir uns an das "Licht Christi" der Osternacht, wenn wir für unsere Verstorbenen Kerzen anzünden. Wenn wir dazu ihre Namen nennen, erinnern wir uns daran, dass Gott einen jeden von uns in der Taufe beim Namen gerufen hat und dass Gott mit uns ist, auch wenn wir uns in Stunden höchster Not verlassen fühlen.
Wenn in Ihrer Pfarre "Ich hatt‘ einen Kameraden" ein unverzichtbares Musikstück darstellt, sind folgende Worte möglich:Alternativvorschlag zu "Ich hatt‘ einen Kameraden": "Jesus höchster Name" - Arrangement für Blasorchester, erhältlich beim Musikverlag Donautal. Große Auswahl an festlichen Chorälen auch bei Verlag Tatzer.
Wir hören nun das Stück "Ich hatt‘ einen Kameraden", das mit seinem Text an die Kameradschaft im Militär erinnert. Die Kameradschaft gab vielen Soldaten in den Kriegen großen Halt, sie vermittelte unter unmenschlichsten Bedingungen noch Zusammenhalt und Menschlichkeit, auch wenn die Handlungen im Krieg furchtbar waren. Die Erfahrung und den Wert der Kameradschaft hielten die Kriegsheimkehrer hoch - als Lichtblick in der Erinnerung an schlimme Jahre ihres Lebens.
Die noch größere Kameradschaft und Solidarität aber ist es, Kriege zu verhindern. Dass wir hier am Denkmal der Gefallenen stehen, mahnt uns, mit all unserem Erfindungsreichtum danach zu streben, Konflikte gewaltfrei zu lösen und den Krieg als großes Übel der Menschheit zu verabscheuen.
Traurig sehen wir, wie viele Menschenleben die beiden Kriege in Europa gefordert haben. Wir wissen um die Ursachen und müssen uns heute davor hüten, mehr zu wollen als uns zusteht, Menschen in "bessere" und "schlechtere" einzuteilen und das Heil in Führergestalten zu suchen. Diese Kriege haben nicht nur das Leben von Soldaten gefordert, sondern auch das von unzähligen ZivilistInnen wie zum Beispiel von Jüdinnen und Juden, von Romni und Sinti, von Menschen im Widerstand. Diese Opfer von Krieg und Verfolgung sind (häufig) auf den Denkmälern nicht namentlich verzeichnet - wir wollen und müssen auch sie in unser Gedenken und Gebet einschließen. Der Tod dieser Menschen hätte nicht sein müssen. Ihr Tod ist uns Mahnung und erinnert an den Wert des Friedens.
Nicht alle Soldaten, die im Krieg gestorben sind, waren in gleicher Weise Opfer. Auf dem Denkmal finden wir keine Hinweise darauf, wie viel Verantwortung für die Grausamkeiten des Krieges der einzelne Mann trug. So wenig wie etwa Österreich bloß ein Opfer Nazideutschlands war, so wenig waren alle Angehörigen der Heere Opfer der großen Politik. Aber wir wissen, wie tödlich riskant es war und gewesen wäre, sich diesem Militärdienst zu entziehen. Wenige haben es gewagt und mit dem Leben bezahlt. Es steht uns nicht zu, besserwisserisch zu sagen, die Männer hätten damals so und so handeln sollen. Aber wer sich in ein System des Unrechts hineinbegibt, kann sich die weiße Weste nicht bewahren.
So geht es uns auch heute - vielleicht nicht in direktem Zusammenhang mit Kriegen, aber mit unserem Umwelt- und Konsumverhalten, in den weltweiten Wirtschaftszusammenhängen und Systemen der Ausbeutung. Auch wir haben Verzeihung und Versöhnung nötig, um auf Strukturen des Unrechts genau hinzuschauen und sie zu benennen, um handlungsfähig zu sein, um das Unrecht Stück für Stück zu verkleinern.
Auch wenn die wenigsten von uns die auf dem Denkmal Genannten noch gekannt haben, so hat sich doch das Wissen um die Schrecken des Krieges in unser Gedächtnis eingebrannt und auch, dass wir nie wieder Krieg wollen! Wir leben hier seit fast 70 Jahren im Frieden, im Wohlstand, in Sicherheit. Aber nur 2000 km von uns entfernt toben Kriege und zwingen Millionen Menschen in die Flucht. Einige Hundert oder Tausend von ihnen aufzunehmen, ist in Österreich möglich. Sie sind heute vom Krieg betroffen und auf unsere Hilfe angewiesen, wir können ihnen Zuflucht geben. Die flüchtenden Menschen haben das Recht auf eine würdige Diskussion und einen ebenso würdevollen Umgang.
Das Gedenken an die Toten der Kriege macht nur Sinn, wenn es in unser Leben hineinspielt - als Mahnung zum Frieden, als Warnung vor der Unmenschlichkeit, als Anstiftung zur Nächstenliebe.
© Mag.a Lucia Göbesberger und Mag.a Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer
Lieder:
GL 183: Wer leben will, wie Gott auf dieser Erde
GL 210: Das Weizenkorn muß sterben
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist (4.Str.)
GL 370: Christus, du Herrscher Himmels und der Erde
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 424: Wer nur den lieben Gott läßt walten
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 434: Noch ehe die Sonne am Himmel stand
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum
GL 440: Hilf, Herr, meines Lebens
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 466: Herr, dich loben die Geschöpfe (St. 4 und 5)
GL 484: Dank sei dir Vater für das ewge Leben
GL 500: Nun lässest du, o Herr
GL 503: Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen
GL 505: Wir sind nur Gast auf Erden
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut (2. bis 5. Str.)
GL 559+19,2: Höchster, allmächtiger, guter Herr (Sonnengesang)
GL 656: Tod und Vergehen waltet in allem
GL Ö907: Meine Zeit steht in deinen Händen
GL Ö910: Näher, mein Gott zu dir, Herr ich bin dein
GL Ö913: Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ
GL Ö943: Lasst uns den Herrn erheben
Psalmen und Kehrverse:
GL 36: Auf dich haben unsere Väter vertraut, und du hast sie gerettet - Mit Psalm 22 - II.
GL 37: Der Herr ist mein Hirt - Mit Ps 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 501: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt: Er führt mich ins Land der Lebenden - Mit Psalm 19 (GL 35,2) - VII.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit - Mit Psalm 19 (GL 35,2) VII. bzw. mit Psalm 130 (GL 639,3-4) - II.
An diesem Tag des Gedenkens und Innehaltens haben wir uns versammelt, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Wir schauen zurück auf unsere verstorbenen Familienangehörigen, Partner, Freunde und Weggefährten. Sie haben unseren Lebensweg begleitet durch Höhen und Tiefen, in Freude und Leid, in vielen Lebenslagen. Nun stehen wir als Gläubige, die der Tod immer wieder überrascht und betroffen macht, hier zusammen, um sie nicht zu vergessen, sondern in Gemeinschaft ihrer aller zu gedenken.
Vertrauend auf Gottes Liebe bitten wir:
Gestern haben wir die Heiligen gebeten: Helft uns als Fürsprecher im Himmel. Heute sind wir auf der anderen Seite. Wir sagen den Verstorbenen: Wir helfen euch, wir beten für euch. Nach unserem Tod beten vielleicht einige für uns. - Eine gute Verbindung zwischen den Generationen?
Auferstandener Herr,
du hast den Tod besiegt und uns das ewige Leben verheißen.
Herr erbarme dich.
Du bist das Licht, das unsere Dunkelheit erleuchtet und uns einen neuen Weg weist.
Christus erbarme dich.
Du führst uns einmal alle zur ewigen Vollendung in deinem Reich zusammen.
Herr erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast gesagt: Ich bin gekommen euch zu erlösen.
Kyrie, eleison!
Du hast gesagt:
Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen.
Christe, eleison.
Du hast Menschen um dich gesammelt.
Wir hoffen auch unsere Verstorbenen unter ihnen.
Kyrie, eleison.
Herr, Jesus Christus,
dein Kreuz ist unsere Hoffnung,
denn du bist von den Toten auferstanden.
Kyrie eleison
Du reinigst uns von den Sünden
und gibst den Toten ewiges Leben.
Christe eleison.
Du wirst wiederkommen in Herrlichkeit
und die Menschen im Reich des Vaters sammeln.
Kyie eleison.
Allmächtiger Gott,
wir glauben und bekennen,
dass du deinen Sohn
als Ersten von den Toten auferweckt hast.
Stärke unsere Hoffnung,
dass du auch unsere Brüder und Schwestern
auferwecken wirst zum ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Allerseelen 1
Tagesgebet:
Herr, unser Gott,
du bist das Licht der Glaubenden
und das Leben der Heiligen.
Du hast uns durch den Tod
und die Auferstehung deines Sohnes erlöst.
Sei deinen Dienern und Dienerinnen gnädig,
die das Geheimnis unserer Auferstehung
gläubig bekannt haben,
und lass sie auf ewig deine Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Allerseelen 2
Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du hast deinen Sohn
als Sieger über den Tod zu deiner Rechten erhöht.
Gib deinen verstorbenen Dienern und Dienerinnen
Anteil an seinem Sieg über die Vergänglichkeit,
damit sie dich, ihren Schöpfer und Erlöser,
schauen von Angesicht zu Angesicht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Allerseelen 3
Tröstender Gott,
wir glauben und bekennen, dass dein Sohn auferstanden ist und zu deiner Rechten sitzt.
Das gibt uns Hoffnung und Zuversicht.
Dennoch denken wir an alle Menschen, die nicht mehr unter uns leben zurück.
Wir verbinden viele Erinnerungen mit ihnen
und sind dankbar für alle Momente mit ihnen.
Schenke ihnen Vollendung in deiner Liebe, die du uns verkündest.
Darum bitten wir durch unseren Herrn und Gott, der in der Einheit mit dem Hl. Geist lebt und wirkt bis in alle Ewigkeit. – Amen.
Gott im Himmel,
du hast deinen Sohn auf die Erde gesandt,
um den Menschen deine Nähe zu zeigen.
Er hat mit ihnen gelebt, ihre Not geteilt
und sie in vielen Zeichen verändert.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen
und geben sie in deine bergenden Arme.
Darum bitten wir durch deinen Sohn, unseren Herrn. – Amen.
Gott,
durch deinen Sohn und seine Auferstehung
hast du auch uns Hoffnung über den Tod hinaus gegeben.
Lass uns darauf vertrauen;
auch in Tagen, wo uns Verluste, Abschiede und Trauer
den Blick darauf versperren können.
Allen Lieben, die uns vorausgegangen sind,
schenke Erfüllung ihrer Hoffnungen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
der unsere Hoffnung ist. – Amen.
In unserem Leben müssen wir uns immer wieder von einem lieben Menschen verabschieden. Ein Teil von uns stirbt mit ihm. Mit jedem Tag kommt auch unser Tod näher, und mit ihm das neue Leben in deiner Gegenwart.
Bitten wir für uns Zurückgelassene:
Traurig, sinnlos und zerstört scheint unser Leben, wenn wir einen wichtigen Menschen verloren haben. Die Nächte sind schwarz, kalt und lang.
Sende uns Menschen, die mit uns durch die Trauer gehen und öffne unsere Augen und Ohren, damit wir Hilfe wahrnehmen und das Leben wieder annehmen können.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bitten wir für die Verstorbenen:
Für die, deren Leben kaum erst begonnen hatte, für die Kinder, die still geboren wurden, für die Eltern, deren Lebenstraum gemeinsam mit ihren Kindern gestorben ist.
Für die, die viel zu früh von uns gegangen sind: sie fehlen uns so sehr, wir hätten sie noch so sehr in unserer Mitte gebraucht.
Für die, die der Tod aus langer Krankheit geholt hat, für die, die den Tod schon sehnsüchtig erwartet haben.
Für die, die lebenssatt gestorben sind.
Schenke ihnen die Vollendung ihres Lebens bei dir.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bitten wir für die vielen Opfer von Krieg und Verfolgung:
Menschen sterben und starben in Kriegen: als Soldat:innen und Zivilpersonen, als Unterstützer:innen, Mittäter:innen und als Menschen, die zum Kämpfen genötigt wurden, als Menschen, die andere vertrieben haben und als Flüchtlinge.
Krieg ist immer Unrecht.
Gib den Verstorbenen den Blick der Wahrheit auf das, was sie anderen angetan haben. Tröste sie für das, was sie erlitten haben. Lass uns – um der Würde der Leidenden willen – zu Streiter:innen gegen Krieg und Vertreibung werden.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bitten wir für die Verstorbenen, an die niemand mehr denkt:
Sie haben lange vor uns gelebt und Grundlagen für unser Leben gelegt. Andere sind zu jung gestorben oder haben keine angesehenen Ämter bekleidet, nichts Berühmtes gemalt, komponiert oder erfunden.
Bei dir ist jede und jeder aufgehoben, du nimmst alle Menschen unabhängig ihres Ansehens bei dir auf. Sei du denen nahe, die alleine leben und sterben.
Wir bitten dich, erhöre uns.
So bitten wir dich für die Menschen, die uns schon in den Tod vorausgegangen sind. Schenke uns ein Wiedersehen mit ihnen und mit dir.
Der du lebst in alle Zeit und Ewigkeit. – Amen:
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels – St. Franziskus
Seit jeher beten Menschen zu Gott und bitten ihn um Hilfe und Beistand in allen Lebenslagen.
Auch wir wenden uns an diesem Tag des Gedenkens an ihn und bitten:
Für alle Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind.
Erleuchte ihre Herzen und sei ihnen Orientierung in ihrer schweren Zeit.
Christus höre uns! - Christus erhöre uns!
Für alle Menschen, die einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören.
Stärke den Dialog zwischen den Religionen und lass allen deine Liebe zu Teil werden.
Für alle Menschen, die arm, krank oder einsam sind.
Stelle ihnen Menschen an die Seite, die die richtigen Worte finden, sie aufrichten und begleiten.
Für alle Menschen, die im vergangenen Jahr einen lieben Menschen verloren haben.
Tröste sie in ihrer Trauer und lass sie wissen, dass sie nicht alleine sind.
Für alle unsere Verstorbenen, die an dich geglaubt haben.
Erfülle ihre Hoffnung auf ein ewiges Leben bei dir.
Barmherziger Gott,
diese Bitten und alles, was uns bewegt, empfehlen wir dir an
und bitten, sei bei uns heute und alle Tage unseres Lebens. -Amen.
Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.
So bitten wir Gott für die Verstorbenen und rufen:
Lass sie in dir geborgen sein!
Aus unserer Gemeinde verstarben im letzten Jahr…
(Namen, Sterbetag, Alter …).
Wir denken auch an verstorbene Eltern und Geschwister.
Wir denken an Freunde, mit denen wir verbunden waren.
Andere Verstorbene kannten wir vom Gesicht oder vom Namen,
hatten aber nur wenig Kontakt zu ihnen.
Wir denken an die vielen Toten durch Katastrophen und Kriege.
Wir denken an die still Verstorbenen, die man erst später vermisst hat.
Lass uns eine Gemeinschaft sein, Gott:
Die Toten seit Anbeginn der Welt und wir, die wir jetzt leben. - Amen.
Herr unser Gott,
schau gütig auf unsere Gaben.
Nimm deine Diener und Dienerinnen auf
in die Herrlichkeit deines Sohnes,
mit dem auch wir
durch das große Sakrament der Liebe verbunden sind.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Allerseelen 1
Allmächtiger und barmherziger Gott,
du hast deine Diener und Dienerinnen
durch das Wasser der Taufe geheiligt.
Reinige sie im Blute Christi von ihren Sünden
und führe sie voll Erbarmen zur letzten Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerseelen 2
Herr, unser Gott,
nimm die Gabe an, die wir darbringen
für deine Diener und Dienerinnen
und für alle, die in Christus entschlafen sind.
Befreie durch dieses einzigartige Opfer
unsere Verstorbenen aus den Fesseln des Todes
und schenke ihnen das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerseelen 3
Liebender Gott,
wir legen unsere Gaben auf deinen Altar
und bekennen, dass du der Mittelpunkt und das Ziel unseres Lebens bist.
Wir bitten dich:
Segne diese Gaben und lass uns Anteil daran erhalten,
wenn du uns einst heimrufst in dein Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Herr und Gott,
du hast bei Lazarus Tod in Leben gewandelt
und bei seinen Schwestern Trauer in Freude.
Wandle heute Brot und Wein
in dein Leib und dein Blut.
Darum bitten wir dich, den Herrn des Lebens. Amen!
Kehrvers:
Der Herr ist mein Licht und mein Heil. (GL 38,1))
Vater, es ist recht, dass wir dir beim Gedenken an die Verstorbenen
auch unseren Dank und Lobpreis darbringen.
Kehrvers
Wir danken dir für das Leben, das du uns geschenkt hast,
für alles Glück und alle Freude, für das Wachsen und Reifen
und für alles, was uns im Leben gelungen ist.
Kehrvers
Wir danken dir für das Leben aller uns lieb gewordenen Menschen,
die bereits zu dir zurückgekehrt sind;
für alles Glück, das wir miteinander erleben durften,
und für alles, was wir einander geben und bedeuten konnten.
Kehrvers
Wir danken dir für das ewige Leben,
das bereits in unserer Taufe begonnen hat,
das uns hoffen lässt und die Kraft zum Lieben gibt.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du durch deinen Sohn Jesus Christus
die Hülle, die alle Nationen verhüllt,
und die Decke, die alle Völker bedeckt, zerrissen
und den ewigen Tod für immer beseitigt hast.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du für unsere Lieben und auch für uns
eine ewige Wohnung bereitet hast
und dass wir dich einmal schauen werden, wie du bist.
Kehrvers
Mit allen Heiligen stimmen wir ein in den Lobgesang der Kirche
und singen:
Danklied, z. B.: Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In ihm erstrahlt uns die Hoffnung,
dass wir zur Seligkeit auferstehn.
Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes,
so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit.
Denn deinen Gläubigen, o Herr,
wird das Leben gewandelt, nicht genommen.
Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt,
ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Verstorbene 1
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er ist der Eine,
der den Tod auf sich nahm für uns alle,
damit wir im Tode nicht untergehn.
Er ist der Eine, der für uns alle gestorben ist,
damit wir bei dir in Ewigkeit leben.
Durch ihn preisen dich deine Erlösten
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ..
MB Verstorbene 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er ist das Heil der Welt,
das Leben der Menschen,
die Auferstehung der Toten.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde, Engel und Menschen
und singen wie aus einem Munde das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Verstorbene 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater. allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn in deinen Händen ruht unser Leben:
nach deinem Willen werden wir geboren
und durch deine Führung geleitet.
Nach deiner Verfügung empfangen wir den Sold der Sünde
und kehren zurück zur Erde,
von der wir genommen sind.
Doch du hast uns erlöst durch das Kreuz deines Sohnes,
darum erweckt uns einst dein Befehl
zur Herrlichkeit der Auferstehung mit Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Verstorbene 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater. allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Durch die Sünde kam der Tod in die Welt,
und niemand kann ihm entrinnen.
Doch deine Liebe hat die Macht des Todes gebrochen
und uns gerettet durch den Sieg unseres Herrn Jesus Christus,
der uns aus der Vergänglichkeit hinüberführt in das ewige Leben.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde, Engel und Menschen
und singen wie aus einem Munde das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Verstorbene 5
Das Gebet, das uns Jesus zu beten gelehrt hat, wird bei der Beisetzung am Grab der Verstorbenen gesprochen. Auch wir sprechen es nun:
Vater Unser…
Wir wünschen uns gegenseitig den Frieden und erinnern uns daran, wie du Menschen die Erfahrung des Friedens geschenkt hast.
Wir bitten dich: Schaue nicht auf unsere Sünden…
Das ist unser Glaube
dass der Tod nicht das letzte Wort hat
und das Grab nicht das Ende ist
Vielmehr glauben wir
dass Gott im Tod
jedes Leben zur Vollendung bringt
Dass Gott alles vollendet
was im Menschenleben offen bleibt
Dass durch ihn alles Fragwürdige
eine endgültige Gestalt bekommt
Dass unser aller Leben bestehen kann
und geborgen ist
in Gottes guter Hand
für Zeit und Ewigkeit
Das ist unser Glaube
und das ist unsere Hoffnung
die uns geschenkt ist
in Jesus Christus
dem auferstandenen Herrn und Gott
Barmherziger Gott,
wir haben das Gedächtnis
des Todes und der Auferstehung Christi gefeiert
für unsere Brüder und Schwestern.
Führe sie vom Tod zum Leben,
aus dem Dunkel zum Licht,
aus der Bedrängnis in deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerseelen 1
Herr, unser Gott,
wir haben das Mahl deines Sohnes gefeiert,
der sich für uns geopfert hat
und in Herrlichkeit auferstanden ist.
Erhöre unser Gebet
für deine Diener und Dienerinnen.
Läutere sie durch das österliche Geheimnis Christi
und lass sie auferstehen zur ewigen Freude.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerseelen 2
Barmherziger Gott,
wir haben das Opfer dargebracht,
das du in Gnaden annimmst.
Erbarme dich unserer Verstorbenen.
Du hast sie in der Taufe als deine Kinder angenommen;
schenke ihnen in der Freude des Himmels
das verheißene Erbe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerseelen 3
Menschenfreundlicher Gott,
du bist uns nahe im Leben und im Tod.
Wir danken dir für alle Menschen, die du tagtäglich unser Leben kreuzen lässt.
Wir danken dir besonders für alle, die ihren Weg auf Erden bereits vollendet haben
und bitten dich:
Schenke ihnen den ewigen Frieden und die ewige Vollendung bei dir.
Heute und an jedem Tag bis in alle Ewigkeit.
Vater im Himmel,
du hast uns in dieser Feier
Nähe und Solidarität gezeigt.
Dafür danken wir dir.
Begleite uns in der Kraft der Eucharistie,
wenn wir für unsere Verstorbenen beten
und glauben, sie bei dir wieder zu sehen,
der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist
uns begleitest und liebst. - Amen!
Die Gnade seines Segens schenke euch der Gott allen Trostes,
der uns aus Liebe erschaffen und uns in Christus die Hoffnung auf die selige Auferstehung geschenkt hat. - Amen.
Den Lebenden gewähre er die Verzeihung der Sünden,
die Verstorbenen führe er in sein Licht und seinen Frieden. - Amen.
Der Lebenden und der Toten erbarme sich Christus,
der wahrhaft aus dem Grabe erstanden ist. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist. - Amen.
MB Allerseelen
Es segne euch der Vater,
der alles Leben erschaffen hat. - Amen!
Es segne euch der Sohn,
der für das Leben der Menschen gelitten hat. - Amen!
Es segne euch der Heilige Geist,
der unser Tröster ist. - Amen!
Und der Segen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes begleite und erfülle euch. – Amen.
Nun lade ich Sie alle zu einem Lichtritus ein. Lichter sind Zeichen der Hoffnung und Erinnerung, für die Verstorbenen und uns.
Ich hole das Licht von der Osterkerze. Sie ist das Symbol, das Zeichen für Jesus Christus, der durch das Leid, durch den Tod hindurchgegangen ist, in ein neues Leben mit Gott. Licht in der Finsternis.
Seinetwegen dürfen auch wir auf ein Leben nach dem Tod hoffen, dürfen wir hoffen darauf, dass Leid, Schmerz, Tod und Trauer auch jetzt schon nicht das letzte Wort haben, dass das Leben siegt.
Wir laden Sie ein, wie zu einem Kommuniongang nach vorn zu kommen. Sie bekommen von uns ein brennendes Teelicht gereicht – stellen Sie dieses auf dem Tisch in der Mitte ab, mit einer Erinnerung, einer Bitte oder einem Dank (in Stille oder gesprochen). Es möge heller werden bei uns, auch durch die Dankbarkeit für das, was die Verstorbenen uns hinterlassen haben.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels – St. Franziskus
Eingangslied:
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr GL 422
Liturgische Eröffnung und Begrüßung -:
Hinführung:
In dieser Feier gedenken wir der in unserer Pfarrgemeinde im vergangenen Jahr Verstorbenen.
Für jede und jeden entzünden wir eine Kerze.
Gesang:
Hilf, Herr meines Lebens GL 440
Gebet:
Andacht von Tod und Vollendung Gotteslob 680/8
Evangelium: Joh 6,37-40
Fürbitten:
(Jeweils von zwei bis drei Personen im Wechsel gelesen):
In unserem Leben müssen wir uns immer wieder von einem lieben Menschen verabschieden. Ein Teil von uns stirbt mit ihm. Tag für Tag unseres Lebens gehen wir dem Tod entgegen, und mit ihm dem neuen Leben in deiner Gegenwart.
Bitten wir für uns Zurückgelassene:
Traurig, sinnlos und zerstört scheint unser Leben, wenn wir einen wichtigen Menschen verloren haben. Die Nächte sind schwarz, kalt und lang.
Sende uns Menschen, die mit uns durch die Trauer gehen. Gott, zeige dich uns.
Öffne unsere Augen und Ohren, damit wir Hilfe wahrnehmen können und zurück ins Leben finden.
Wir bitten dich, erhöre uns (oder: GL 181 oder GL 586,5)
Bitten wir für die Verstorbenen:
Für die, deren Leben kaum erst begonnen hatte,
für die Kinder, die still geboren wurden,
für die Eltern, deren Lebenstraum gemeinsam mit ihren Kindern gestorben ist,
für die, die viel zu früh von uns gegangen sind: sie fehlen uns so sehr, wir hätten sie noch so sehr in unserer Mitte gebraucht,
Für die, die der Tod aus langer Krankheit geholt hat,
für die, die den Tod schon sehnsüchtig erwartet haben,
für die, die lebenssatt gestorben sind.
Schenke ihnen die Vollendung ihres Lebens bei dir.
Wir bitten dich, erhöre uns (oder: GL 181 oder GL 586,5)
Bitten wir für die Opfer von Krieg und Verfolgung:
Menschen sterben und starben in Kriegen, gerade jetzt ist das wieder sehr präsent: als Soldat*innen und Zivilpersonen, als Unterstützer*innen, als Menschen, die zum Kämpfen genötigt wurden, als Menschen, die andere vertrieben haben und als Geflüchtete.
Krieg ist immer Unrecht. Gib den Verstorbenen den Blick der Wahrheit auf das, was sie anderen angetan haben. Tröste sie für das, was sie erlitten haben.
Lass uns - um der Würde der Leidenden willen - zu Streiter*innen gegen Krieg und Vertreibung werden.
Wir bitten dich, erhöre uns (oder: GL 181 oder GL 586,5)
Bitten wir für die Verstorbenen, an die niemand mehr denkt:
Sie haben lange vor uns gelebt und Grundlagen für unser Leben gelegt. Andere sind zu jung gestorben oder haben keine angesehenen Ämter bekleidet.
Bei dir ist jede und jeder aufgehoben, du nimmst alle Menschen unabhängig ihres Ansehens bei dir auf. Sei du denen nahe, die alleine leben und sterben.
Wir bitten dich, erhöre uns (oder: GL 181 oder GL 586,5)
So bitten wir dich für die Menschen, die uns schon in den Tod vorausgegangen sind.
Schenke uns ein Wiedersehen mit ihnen und mit dir.
der du lebst in alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Vater unser und Gegrüßet seist du Maria:
(gesprochen)
Schlusslied:
Von guten Mächten GL 430
Segen:
Gott, der du alle unsere Wege begleitest,
gehe auch mit uns den Weg der Trauer.
Hilf uns, den kostbaren Schatz der Erinnerung zu bewahren,
sodass wir daraus Kraft für die Zukunft schöpfen können.
Richte uns auf,
damit wir den Weg sehen, der uns in die Zukunft führt.
Begleite uns in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens.
Das gewähre uns der treue Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Einleitung:
Wir stehen vor den Gräbern unserer Lieben. Dieser Ort ist ihre letzte Ruhestätte geworden - und für uns ein Ort, an dem wir ihrer gedenken. Der Friedhof ist ein Ort, wo auch wir ein Stück weit Frieden finden können.
Beten wir für die Verstorbenen. Ich lade Sie ein, in die Antworten miteinzustimmen.
Litanei für die Verstorbenen:
Gotteslob 569/6
Vater unser
Herr, gib den Verstorbenen die ewige Ruhe.
Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in Frieden. – Amen.
Überleitung zur Gräbersegnung:
Nun segnen wir die Gräber mit Weihwasser und Weihrauch und bitten:
Der barmherzige Gott vollende an den Verstorbenen,
was er an ihnen in der Taufe aus Wasser und Heiligem Geist begonnen hat.
Segnung der Gräber
Musik
Ansprache:
Wie jedes Jahr stehen wir beim Totengedenken am Kriegerdenkmal - in einigen Pfarren heißt es auch schon "Friedensmahnmal". Es ist ein Stein gewordenes Zeichen dafür, dass der Tod auf unnatürliche Weise viele Menschen zugleich aus der Gemeinschaft unseres Ortes gerissen hat, dass der Krieg mit seinen Folgen ein Trauma für die Gesellschaft ist.
Zu den Toten, die in die Gedenksteine eingemeißelt sind, haben nur noch wenige von uns eine persönliche Beziehung. Vielleicht sind es noch Väter, Onkel, Groß- oder Urgroßväter, Großonkel oder andere weitschichtige Verwandte. Die zwei Weltkriege mit ihren immensen Todeszahlen bei Kämpfern und Zivilist*innen erscheinen fast schon als Relikt aus einer weit vergangenen Zeit, die sich doch nicht mehr wiederholen würde.
Im Frühling dieses Jahres ist ein Kampf mit Waffen, Panzern, Flugzeugen, Bomben und Drohnen wieder ganz nah gerückt, in die Grenzen Europas gekommen, über die Bildschirme und Handys in unsere Häuser geflimmert. Auch mit geflüchteten Teilfamilien in unser Land gereist, in unsere Gemeinden, in Schulklassen und Wohnungen. Dass Menschen in einem anderen Land "für die Heimat" sterben, ist wieder aktuell, dass Invasoren nur durch Waffengewalt aufgehalten oder zurückgedrängt werden können, dass Wahrheit verschwimmt und Propaganda überhandnimmt.
Und mit dem Krieg ist uns nahegekommen, dass so viele Menschen grausam sterben: ausgehungert, durch Bomben getroffen, auf dem Rückzug oder auf der Flucht, mit der Waffe in der Hand, oder gefesselt als Zivilist*innen, gefoltert, im Schlaf überrascht. Menschen, die gern einfach friedlich weitergelebt hätten, die so lebten wie wir bis im vergangenen Jahr.
Wir haben eine kleine Ahnung bekommen vom Irrsinn des Krieges, der mit keinen einfachen Rezepten aufzulösen sein wird, der auch Auswirkungen auf uns hat mit den Energiepreisen, die nach oben geschnalzt sind. Dieser Krieg, der uns etwas angeht, weil Menschen angegriffen wurden und leiden, und wir nur zufällig wo anders leben.
Hier am Denkmal der Gefallenen aus unserem Ort denken wir an die Menschen, die in der Ukraine und so vielen anderen, weniger beachteten Krisenherden der Welt gewaltsam sterben. Die ebenso Väter, Mütter, Kinder, Geschwister zurücklassen. Wir lesen die laute Mahnung, mit all unserem Erfindungsreichtum danach zu streben, Konflikte gewaltfrei zu lösen und den Krieg als großes Übel der Menschheit zu verabscheuen. Gewaltfrei Druck auf Kriegstreibende auszuüben, kann auch heißen, selber wirtschaftliche Folgen zu spüren.
Die Klage über die Sinnlosigkeit und die Zerstörungswut der Kriege richten wir auch an Gott: Wir ahnen zwar, dass es Menschen sein müssen, die Friedensgespräche führen und Lösungen suchen und einhalten müssen. Aber die Wege sehen wir noch nicht, und die Aufgabe scheint unlösbar groß. Gott, schau hin, hör uns, leite uns mit deinem Geist, schenk Phantasie und Kraft! Gib den Kriegstreibern den Geist der Einsicht und ein mitfühlendes Herz! Und steh den Menschen bei, die so viel zu leiden haben! Sei bei den Menschen, die schon gestorben sind!
Gott wird die Menschen im Tod nicht zugrunde gehen lassen, sondern auferwecken, wie wir beim Evangelisten Johannes gehört haben. Ein möglicher Trost angesichts von Toden, die zu früh kamen und wirklich nicht sein hätten müssen. Tode, die Menschen zu verantworten hatten, die mit Waffengewalt Tatsachen zu ihren Gunsten schaffen wollten oder ließen, bis heute.
Das Gedenken an die Toten der Kriege macht nur Sinn, wenn es in unser Leben hineinspielt - als Mahnung zum Frieden, als Warnung vor der Unmenschlichkeit, als Anstiftung zur Nächstenliebe.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels - St. Franziskus.
Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft,
uns heimbringt aus der Dämmerung in sein beglückendes Licht,
das wird ein Fest sein!
Da wird unser Staunen von neuem beginnen.
Wir werden Lieder singen,
Lieder, die Welt und Geschichte umfassen.
Wir werden singen, tanzen und fröhlich sein:
denn Er führt uns heim:
aus dem Hasten in den Frieden,
aus der Armut in die Fülle.
Wenn Gott uns heimbringt aus den engen Räumen,
das wird ein Fest sein!
Und die Zweifler werden bekennen:
Wahrhaftig, ihr Gott tut Wunder!
Er macht die Nacht zum hellen Tag;
Er lässt die Wüste blühen!
Wenn Gott uns heimbringt aus den schlaflosen Nächten,
aus dem fruchtlosen Reden,
aus den verlorenen Stunden,
aus der Jagd nach dem Geld,
aus der Angst vor dem Tod,
aus Kampf und aus Gier,
wenn Gott uns heimbringt,
das wird ein Fest sein!
Dann wird er lösen die Finger der Faust,
die Fesseln, mit denen wir uns die Freiheit beraubten.
Den Raum unseres Lebens wird er weiten in alle Höhen und Tiefen,
in alle Längen und Breiten seines unermesslichen Hauses.
Keine Grenze zieht Er uns mehr.
Wer liebt, wird ewig lieben!
Wenn Gott uns heimbringt,
das wird ein Fest sein.
Wir werden einander umarmen und zärtlich sein.
Es werden lachen nach langen Jahren der Armut, die Hunger gelitten.
Es werden singen nach langen, unfreien Nächten die von Mächten Gequälten.
Es werden tanzen die Gerechten,
die auf Erden kämpften und litten für eine bessere Welt!
Wenn Gott uns heimführt,
das wird ein Fest sein!
Den Verirrten werden die Binden von den Augen genommen.
Sie werden sehen.
Die Suchenden finden endlich ein Du.
Niemand quält sich mehr mit der Frage "Warum".
Es werden verstummen, die Gott Vorwürfe machten.
Wir werden schauen, ohne je an ein Ende zu kommen.
Wenn Gott uns heimführt,
das wird ein Fest sein!
Der Mensch sät in Betrübnis, er leidet und reift!
Es bleibt sein Ende ein Anfang!
Wer sät in Betrübnis, wird ernten in Freude.
Denn Gott, unser Gott, ist ein Gott der ewigen Schöpfung.
Ein Gott, der mit uns die neue Erde, den neuen Himmel gestaltet.
Er lässt uns kommen und gehen,
lässt uns sterben und auferstehen.
Der Sand unserer irdischen Mühsal wird leuchten.
Die Steine, die wir zusammentrugen zum Bau unserer Welt,
sie werden wie Kristalle glänzen.
Wir werden uns freuen wie Schnitter beim Ernten.
Wenn Gott uns heimbringt aus den Tagen der Wanderschaft,
das wird ein Fest sei.
Ein Fest ohne Ende!
Text mit freundlicher Genehmigung von:
Karl Mittlinger, www.mittlinger.at, karl.mittlinger@gmx.at
Dieser Feiervorschlag wurde zusammengestellt von Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels - St. Franziskus.
Gott, dir gehört die Erde uns was sie erfüllt.
Von der Erde hast du deine Geschöpfe genommen,
mit den Früchten der Erde hast du sie genährt,
zur Erde kehren sie zurück.
So segne die Erde dieser Gräber,
in die wir unsere Verstorbenen zurückgegeben haben.
Lass uns Trost daran finden,
eingebunden zu sein in das große Netz des Lebens.
Und lass uns darauf vertrauen,
dass deine Treue zu allen Geschöpfen
auch über den Tod hinausreicht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
(für jeden Verstorbenen wird eine Kerze angezündet)
und zusätzlich:
- eine Kerze für alle anderen Verstorbenen, deren Name nicht genannt worden ist, die aber fest in unsere Herzen eingeschrieben sind.
- eine für alle Kinder, die vor, während oder nach der Geburt verstorben sind.
- eine für all jene, die in Vergessenheit geraten sind.
- eine Kerze für die Menschen, die in dieser Stunde gerade im Sterben liegen und
- eine für den Menschen aus unserer Pfarre, den Gott als nächstes zu sich heimholen wird.
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 675/4: Andacht von der Auferstehung
(Sollen von zwei bis drei Personen im Wechsel vorgetragen werden)
In unserem Leben müssen wir uns immer wieder von einem lieben Menschen verabschieden. Ein Teil von uns stirbt mit ihm. Tag für Tag verzehrt sich unser Leben, kommt der Tod näher, und mit ihm das neue Leben in deiner Gegenwart.
Bitten wir für uns Zurückgelassene:
Traurig, sinnlos und zerstört scheint unser Leben, wenn wir einen wichtigen Menschen verloren haben. Die Nächte sind schwarz, kalt und lang.
Sende uns Menschen, die mit uns durch die Trauer gehen.
Gott, zeige dich uns. Öffne unsere Augen und Ohren, damit wir Hilfe wahrnehmen und das Leben wieder annehmen können.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bitten wir für die Verstorbenen:
Für die, deren Leben kaum erst begonnen hatte. Für die Kinder, die still geboren wurden, für die Eltern, deren Lebenstraum gemeinsam mit ihren Kindern gestorben ist.
Für die, die viel zu früh von uns gegangen sind: sie fehlen uns so sehr, wir hätten sie noch so sehr in unserer Mitte gebraucht.
Für die, die der Tod aus langer Krankheit geholt hat, für die, die den Tod schon sehnsüchtig erwartet haben. Für die, die lebenssatt gestorben sind.
Schenke ihnen die Vollendung ihres Lebens bei dir.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bitten wir für die Opfer von Krieg und Verfolgung:
Menschen sterben und starben in Kriegen: als SoldatInnen und Zivilpersonen, als UnterstützerInnen, MittäterInnen und als Menschen, die zum Kämpfen genötigt wurden, als Menschen, die andere vertrieben haben und als Flüchtlinge.
Krieg ist immer Unrecht. Gib den Verstorbenen den Blick der Wahrheit auf das, was sie anderen angetan haben. Tröste sie für das, was sie erlitten haben. Lass uns - um
der Würde der Leidenden willen - zu Streiterinnen gegen Krieg und Vertreibung werden.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bitten wir für die Verstorbenen, an die niemand mehr denkt:
Sie haben lange vor uns gelebt und Grundlagen für unser Leben gelegt. Andere sind zu jung gestorben oder haben keine angesehenen Ämter bekleidet.
Bei dir ist jede und jeder aufgehoben, du nimmst alle Menschen unabhängig ihres Ansehens bei dir auf. Sei du denen nahe, die alleine leben und sterben.
Wir bitten dich, erhöre uns.
So bitten wir dich für die Menschen, die uns schon in den Tod vorausgegangen sind. Schenke uns ein Wiedersehen mit ihnen und mit dir.
Der du lebst in alle Zeit und Ewigkeit. – Amen.
(gesprochen)
GL 430: Von guten Mächten
Gott, der du alle unsere Wege begleitest,
gehe auch mit uns den Weg der Trauer.
Hilf uns, den kostbaren Schatz der Erinnerung zu bewahren,
dass wir daraus Kraft für die Zukunft schöpfen können.
Richte uns auf,
damit wir den Weg sehen, der uns in die Zukunft führt.
Begleite uns in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens.
Das gewähre uns der treue Gott,
der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Wir stehen vor den Gräbern unserer Lieben. Dieser Ort ist ihre letzte Ruhestätte geworden - und für uns ein Ort, an dem wir ihrer gedenken. Der Friedhof ist ein Ort, wo auch wir ein Stück weit Frieden finden können.
Beten wir für die Verstorbenen - und ich lade sie ein, in die Antworten miteinzustimmen.
GL 569/6: Litanei für die Verstorbenen
Herr, gib den Verstorbenen die ewige Ruhe.
Und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden.
Nun segnen wir die Gräber mit Weihwasser und Weihrauch und bitten: Der barmherzige Gott vollende an den Verstorbenen, was er an ihnen in der Taufe aus Wasser und Heiligem Geist begonnen hat.
Alternativvorschlag zu "Ich hatt‘ einen Kameraden": "Jesus höchster Name" - Arrangement für Blasorchester, erhältlich beim Musikverlag Donautal.
Große Auswahl an festlichen Chorälen auch bei Verlag Tatzer.
Wenn in Ihrer Pfarre "Ich hatt‘ einen Kameraden" ein unverzichtbares Musikstück darstellt, sind folgende Worte möglich:
(Vorschlag in den "Predigtgedanken")
Allmächtiger Gott,
du hast deinen Sohn
als Sieger über den Tod zu deiner Rechten erhöht.
Gib deinen verstorbenen Dienern und Dienerinnen
Anteil an seinem Sieg über die Vergänglichkeit,
damit sie dich, ihren Schöpfer und Erlöser,
schauen von Angesicht zu Angesicht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Kerzen anzünden
GL 719
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen,
und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen;
denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen,
um meinen Willen zu tun,
sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
Es ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat,
dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat,
zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Letzten Tag.
Denn es ist der Wille meines Vaters,
dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben,
das ewige Leben haben
und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag.
Alles, was uns in dieser Stunde bewegt,
tragen wir in den Fürbitten zu Jesus Christus.
Zu ihm rufen wir:
Wir bitten dich, erhöre uns.
Du hast gesagt: "Sammelt euch Schätze im Himmel":
Schau auf das Gute, das unsere Verstorbenen in ihrem Leben vollbracht haben.
Du hast gesagt: "lch bin gekommen, um die Sünder zu rufen":
Verzeihe alles, was sie aus Schwäche getan oder unterlassen haben.
Du hast Mitleid mit den Menschen gehabt und viele Kranke geheilt:
Heile alle Wunden, stille allen Schmerz und erhelle alle Dunkelheit mit deinem Licht.
Du hast gesagt: "Selig die Trauernden, sie werden getröstet":
Tröste uns in den Stunden der Trauer durch die Hoffnung auf ein Wiedersehen bei dir.
Du hast gesagt: "Selig die Barmherzigen, sie werden Erbarmen finden":
Verzeihe uns alles, was wir ihm schuldig geblieben sind.
Du hast gesagt: "Wer bittet, der empfängt und wer anklopft, dem wird geöffnet": Führe unsere Verstorbenen zum ewigen Leben bei dir.
Du hast gesagt: "Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen": Führe alleunsere Verstorbenen zum ewigen Leben bei dir.
Du hast gesagt: "Kommt alle zu mir. lch werde euch Ruhe verschaffen":
Schenke uns allen eine gute Sterbestunde und das ewige Leben.
GL 853,1-3
Die Gnade seines Segens schenke euch der Gott allen Trostes,
der uns aus Liebe erschaffen
und uns in Christus die Hoffnung auf die selige Auferstehung geschenkt hat.
Amen.
Den Lebenden gewähre er die Verzeihung der Sünden,
die Verstorbenen führe er in sein Licht und seinen Frieden.
Amen.
Der Lebenden und der Toten erbarme sich Christus,
der wahrhaft aus dem Grabe erstanden ist.
Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist.
Amen.
Gott,
du Ursprung des Lebens,
was wir sind und haben, kommt von dir.
Du hast uns geboten,
dich und einander von ganzem Herzen
und mit all unseren Kräften zu lieben.
Sieh auf unseren unsere Schwester Brüder,
die beim Einsatz für andere ihr Leben verloren haben.
Nimm sie auf in deine ewigen Liebe
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes sei mit euch…
Das Gedächtnis an die Verstorbenen hat uns zusammengeführt.
Nicht die Trauer hält uns zusammen,
sondern die Hoffnung auf die Auferstehung. -
Unsere Lieben sind uns schon vorangegangen auf dem Weg,
den Christus uns eröffnet hat.
So bitten wir:
Herr Jesus Christus,
du bist Mensch geworden und hast das menschliche Leben bis zum bittersten Tod mit uns geteilt:
Herr, erbarme dich unser.
Du hast durch deinen gehorsamen Tod das Sterben für uns zum Tor ins Leben verwandelt:
Christus, erbarme dich unser.
Du hast durch deine Auferstehung auch uns das Tor zum Leben aufgetan:
Herr, erbarme dich unser.
Lasset uns beten. -
Allmächtiger, ewiger Gott,
jeder, der zu dir ruft, darf auf dein Erbarmen hoffen.
Sei unseren Verstorbenen gnädig.
Sie haben im Leben und Sterben an dich geglaubt und dir vertraut;
nimm sie auf in die Schar deiner Heiligen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Wir gehen nun an die Gräber unserer Verstorbenen
und segnen sie mit geweihtem Wasser.
Möge Gott an unseren Schwestern und Brüdern vollenden,
was er in der Taufe aus Wasser und Heiligem Geist begonnen hat.
Rosenkranz: "Der von den Toten auferstanden ist"
Lasset uns beten für unsere Verstorbenen,
deren Leiber hier in diesem Friedhof ruhen,
aber auch für alle, die in den Friedhöfen der verlorenen Heimat
oder fern in Kriegsgräbern liegen.
Wir rufen: erlöse sie o Herr.
- Von aller Sünde
- Durch deine Menschwerdung
- Durch dein Kreuz und Leiden
- Durch deinen Tod und deine Auferstehung
- Durch deine Wiederkunft in Herrlichkeit.
Lasset uns beten.
Gütiger Gott und Vater,
in deine Hände befehlen wir unsere verstorbenen Angehörigen, Verwandten und Freunde.
Wir hoffen zuversichtlich,
dass sie mit allen, die in Christus entschlafen sind,
zum Leben auferstehen.
Wir danken dir für alles Gute,
das sie in ihrem irdischen Leben von dir empfangen haben,
und für alles Gute, das sie uns erwiesen haben.
Nimm unsere Toten auf in die ewige Gemeinschaft mit dir.
Stärke in uns die Hoffnung auf ein Wiedersehen
und lass uns einst in ewiger Freude bei dir leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Lobet den Herren (GL 258)
Der Herr segne euch und behüte euch.
Er lasse sein Angesicht über euch leuchten
und sei euch gnädig.
Er wende euch sein Angesicht zu
und schenke euch seinen Frieden.
Das gewähre euch der barmherzige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Herr, gib den Verstorbenen die ewige Ruhe.
Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Laß sie ruhen in Frieden. Amen.
Wenn ich die letzten Schritte gehe
den Fuß setzte durch die Tür des Todes
dann stehst DU, Gott, schon da
mit offenen Armen.
Liebend umfängst DU mich
Mein ganzes Leben umschließen deine Arme
Drückst mich, mein ganzes Leben, an dein Herz.
Die freudigen und ausgelassenen Stunden,
die mein Herz hüpfen ließen,
DU drückst alles an dein Herz
Die bitteren Momente und dunklen Täler,
die ich durchschreiten musste,
DU drückst alles an dein Herz.
Mein Suchen und Fragen,
mein Tasten und Versuchen,
die unsicheren Schritte,
das Wagen und Lassen,
DU drückst alles an dein Herz.
Die vielen Begegnungen,
die tragenden Beziehungen,
auch die gescheiterten,
aber auch die einsamen Stunden,
DU drückst alles an dein Herz.
Meine Erfolge, mein Scheitern,
das Mittelmaß meines Lebens,
das Unversuchte, das Ersehnte,
DU drückst alles an dein Herz.
In deinen Armen lösen sich die Knoten,
heilen Wunden,
richtet sich auf, was am Boden war.
In deinen Armen pocht mein Herz vor Freude
Und Friede stellt sich ein.
Ja – DU stehst da an dieser Tür
Durch die ich muss
im Tode zum Leben.
Pfarrer Fredi Bernatz
Lebendiger Gott
Gib Frieden
uns und allen Toten
Gib Ruhe
uns und allen Toten
Gib Leben
uns und allen Toten
Was du den Toten gibst
gib uns
Was du uns gibst
gib allen Toten
Damit wir eine Gemeinschaft sind
die Toten
seit Anfang der Welt
und wir
die jetzt leben
Aus: Anton Rotzetter; Gott, der mich atmen lässt. Gebete. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1986.
Friedhöfe im November. Frisch geschmückte Gräber.
Tote und Lebende für kurze Zeit zusammen am selben Ort.
Sie suchen einander, können einander aber nicht erreichen.
Das ist eine grausame Trennung und grenzenlose Ohnmacht.
Plötzlich denkst du beklommen an den eigenen Tod.
Angst vor dem Tod steht so dicht neben der Freude am Leben.
Phil Bosmans in: Für jeden Tag ein gutes Wort. Hrsg. von Ludger Hohn Morisch. Herder. Freiburg Basel Wien 2005.
Was seinen Wert behält beim Sterben, das hat auch seinen Wert im Leben.
Zum Beispiel die Freundschaft und die Liebe.
Wer geliebt wurde, wer wirklich Freundschaft erlebte, kann dankbar sterben, weil sein Leben schön war.
Wer glaubt, wer sich von Gott geliebt weiß, wer sich als ein Freund von Gott versteht, kann voll Hoffnung auf letzte Geborgenheit leben und sterben.
Phil Bosmans in: Für jeden Tag ein gutes Wort. Hrsg. von Ludger Hohn Morisch. Herder. Freiburg Basel Wien 2005.
Nach dem Tod eines Menschen richte ich einen Ort in der Wohnung ein, an dem ein Foto oder ein Symbol, das mich/uns an die Verstorbene, den Verstorbenen erinnert, seinen Platz hat. Regelmäßig zünde ich ein Teelicht an, das den Tag und/oder die Nacht hindurch brennt, um meinen Schmerz und meine Hoffnung Ausdruck zu verleihen. Es ist die Hoffnung, dass das bruchstückhafte Leben in Gott seine Vollendung findet.
Aus: Pierre Stutz; 50 Rituale für die Seele. Herder, Freiburg Basel Wien 2001.
Wir tragen dich zu Grabe
Schritt für Schritt
und vertrauen dich unserer Mutter Erde an
So vertiefen wir das Tragende unserer Beziehung zu dir
dein Lachen und dein Weinen
deine Konfliktfähigkeit und deine Versöhnungsbereitschaft
deine Gelassenheit und deine Leidenschaft
deinen Humor und deine Verletzlichkeit
deine Grenzen und deine Gaben
Schritt für Schritt versuchen wir hineinzuwachsen
in das Urvertrauen
dass du in Gott hineingestorben bist
um auch in uns weiterzuleben
So vertiefen wir das Verbindende unserer Beziehung
und sind aufgefordert
in unserer Lebensgestaltung dem Tod einen Platz einzuräumen
damit uns ein beziehungsreiches Leben
vor dem Tod geschenkt sei
und dein Leben segnend weiterwirkt
Aus: Pierre Stutz; 50 Rituale für die Seele. Herder, Freiburg Basel Wien 2001.
in einer unseligen Zeit
sprichst DU
Jesus
auch uns zu
dass wir selig sind
wenn wir uns
unserer Armut
unserer Trauer
und
unserem Durst
und Hunger
nach Gerechtigkeit
stellen
und
wenn wir
sanftmütig
und
barmherzig bleiben
die Reinheit des Herzens
bewahren
und
den Frieden suchen
in deiner Nachfolge
ja
dann sprichst DU uns zu
dass wir selig sind
und
uns freuen düfen
in DIR
Beatrix Senft 2023.
vielleicht wird nach meinem Tod Gottes Schiff kommen
das mich mitnimmt zu anderen Ufern
ein Schiff aus des Vaters Wort
das mich bergend aufnimmt in sicherer Fahrt
das mich heimbringt zu IHM
der mein sicherer Hafen sein will
und in diesem Hafen der Liebe Gottes warten schon die
die schon vor Zeiten diese Fahrt angetreten haben
und sie rufen mir Willkommen zu
nun bist auch du im Hafen – der keine Stürme mehr kennt
und wir werden uns nah sein – für immer
weil wir alle geborgen sind
in dieser einen Liebe Gottes
die uns für immer umschließt
Beatrix Senft 2023.
noch sind wir verwurzelt
hier auf Erden
doch wir gedenken
all euch Lieben
die ihr schon dem Himmel
entgegengewachsen seid
was immer wir uns waren
in unserer Liebe sind und
bleiben wir verbunden
bis kommt
unsere neue gemeinsame Zeit
in der sich alles zusammenfügt
in Gottes unermesslicher Liebe
in Unendlichkeit
dann werden wir uns
„einfach“
in IHM
und allem
nahe sein
Beatrix Senft 2023.
wenn dieser Körper tot ist
dann werde ich dennnoch sein
sein
wie ich es nicht erdenken kann
sein
wie ich gerufen werde
von IHM
der alles SEIN-WOLLEN
befreit
wenn dieser Körper tot ist
wird mein Sein erhellt
ja
durchleuchtet
und
wird sich lösen und
finden
in seiner
unermesslichen Liebe
das wird ein Fest sein -
so ganz erlöst
gelöst
bei IHM
zu sein
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Immer bleiben wir etwas unseren.
Mitmenschen schuldig.
So oft vergessen wir anzurufen,
immer haben wir zu wenig gefragt.
Sind zu wenig einfühlsam gewesen,
haben sie zu wenig besucht,
zu wenig Zeit für sie gehabt.
Und dann ist es zu spät,
der Tod war schneller als wir -
und das Gewissen macht uns Vorwurfe...
Wer gleicht unsere Unzulänglichkeit aus?
Gott wird alles ergänzen, ausgleichen ...
ER macht alles gut.
Aus: Ilse Pauls, Lebensbilder. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2020.
Hier sind sie gegangen,
meine Ahnen,
auf diesen Straßen,
auf diesen Wegen.
In einem dieser Häuser
haben sie gewohnt,
dieser alte Baum
stand damals schon da,
die Kirche war ebenso schön,
und meine Großmutter
ist über diese Stufen gegangen.
Schlafwandlerisch
gehe ich durch die Straßen,
seltsam berührt.
Das Blut der Vorfahren
rauscht in meinen Adern.
Aus: Ilse Pauls, Lebensbilder. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2020.
Dem Fuchs verzeihen,
dass er Hasen tötet,
Gott verzeihen,
dass er Fuchse zum Töten erschaffen hat.
Einer tötet den anderen,
noch liegt das Lamm nicht beim Wolf,
noch spielt das Kind nicht vor dem
Schlupfloch der Natter,
noch frisst der Löwe nicht Stroh,
noch freunden sich Kuh und Bärin nicht an.
Wann wird dieser Tag sein?
Aus: Ilse Pauls, Lebensbilder. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2020.
Ein jeder Mensch braucht einen Ort zum Lieben,
da seine Sehnsucht stark ist und die Hoffnung groß,
und sich Herz und Verstand gemeinsam üben
im Ursprung aller Dinge und der Welten Schoß.
Ein jeder Mensch braucht einen Ort zum Leben,
Da Wunden heilen und das Wunder sich begibt,
Dass Menschen bis zum Himmel sich erheben,
Weil eins den andern herzlich aufnimmt, trägt und liebt.
Ein jeder Mensch braucht einen Ort zum Sterben,
Da die Erinnerung reift und alles sich erfüllt
Und wird wie Wein, der sich aus dunklen herben
Rebzweigen keltert und wird erdig, schwer und mild.
Ein jeder Mensch braucht einen Ort zum Träumen,
Da ihm die Welt zu einem Gleichnis wird und Bild,
Wie alles Endliche sich aufhebt und in Räumen,
Voll ewigen Lichts sich wandelt und Gott nahe fühlt.
Und solch ein Ort, Gott nah zu sein, bist du,
Du mein Lieben, Leben, Reifen, Hoffen.
Du schenkst mir meinen Frieden, meine Ruh.
Du schließt mich in dein Herz, schließt mir den Himmel offen.
E. Drewermann in: Nicht vom Tod soll die Rede sein. Zum Abschied: Trauer. Texte ausgewählt von Bernd Hüsers. Hrsg. Diözese Linz, Pastoralamt - Behelfsdienst, Kapuzinerstraße 84, A-4020 Linz.
Gott, heilige Weisheit,
Du kennst unsern Schmerz.
Du siehst unsere Tränen,
auch die ungeweinten.
Du tröstest uns, wie eine Mutter tröstet,
versöhnst uns
mit Verletzungen und Schuld.
Gott, wir bitten Dich:
Nimm unsere Toten, um die wir trauern,
in Deinen mütterlichen Schoß.
Verwandle Trauer in Freude,
Tod in Leben,
Dunkelheit in Licht!
Amen.
Christa Mathies in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hintersberger OP, Andrea Kett, Hildegard Keul, Aurelia Spendel OP, Schwabenverlag /Klens Verlag, Ostfildern 2010.
Wir sterben Tode,
Tag für Tag,
verspüren Ängste,
Nacht für Nacht.
Wir wollen leben,
wollen frei sein:
Herr erbarme dich
Wir suchen Hoffnung,
Tag für Tag,
ersehnen Frieden,
Nacht für Nacht.
Wir wollen hoffen,
wollen atmen:
Christ, erbarme dich.
Wir brauchen Liebe,
Tag für Tag,
erbitten Hilfe,
Nacht für Nacht.
Wir wollen lieben,
wollen gehen:
Herr, erbarme dich.
Donath, Bernd; Beten durch die Schallmauer; Neuss, KJG Verlagsgesellschaft mbH., 1997.
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

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