Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem Buch der Sprichwörter.
Eine tüchtige Frau, wer findet sie?
Sie übertrifft alle Perlen an Wert.
Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie
und es fehlt ihm nicht an Gewinn.
Sie tut ihm Gutes und nichts Böses
alle Tage ihres Lebens.
Sie sorgt für Wolle und Flachs
und arbeitet voll Lust mit ihren Händen.
Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand,
ihre Finger fassen die Spindel.
Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen
und reicht ihre Hände dem Armen.
Trügerisch ist Anmut,
vergänglich die Schönheit,
eine Frau, die den Herrn fürchtet,
sie allein soll man rühmen.
Gebt ihr vom Ertrag ihrer Hände,
denn im Stadttor rühmen sie ihre Werke!
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch der Sprichwörter.
Eine tüchtige Frau, wer findet sie?
Sie übertrifft alle Perlen an Wert.
Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie
und es fehlt ihm nicht an Gewinn.
Sie tut ihm Gutes und nichts Böses
alle Tage ihres Lebens.
Sie sorgt für Wolle und Flachs
und arbeitet voll Lust mit ihren Händen.
Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns:
Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung.
Noch bei Nacht steht sie auf,
um ihrem Haus Speise zu geben
und den Mägden, was ihnen zusteht.
Sie überlegt es und kauft einen Acker,
vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg.
Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft
und macht ihre Arme stark.
Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit,
auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht.
Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand,
ihre Finger fassen die Spindel.
Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen
und reicht ihre Hände dem Armen.
Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee;
denn ihr ganzes Haus ist in prächtigem Rot gekleidet.
Sie hat sich Decken gefertigt,
Leinen und Purpur sind ihr Gewand.
Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet,
wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes.
Sie webt Tücher und verkauft sie,
Gürtel liefert sie dem Händler.
Kraft und Würde sind ihr Gewand,
sie spottet der drohenden Zukunft.
Sie öffnet ihren Mund in Weisheit
und Unterweisung in Güte ist auf ihrer Zunge.
Sie achtet auf das, was in ihrem Haus vorgeht,
Brot der Faulheit isst sie nicht.
Ihre Kinder stehen auf und preisen sie glücklich,
auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie:
Viele Frauen erwiesen sich tüchtig,
doch du übertriffst sie alle.
Trügerisch ist Anmut,
vergänglich die Schönheit,
eine Frau, die den Herrn fürchtet,
sie allein soll man rühmen.
Gebt ihr vom Ertrag ihrer Hände,
denn im Stadttor rühmen sie ihre Werke!
Kv: Selig die Menschen,
die Gottes Wege gehn. – Kv
(GL 31,1)
Selig jeder, der den Herrn fürchtet, *
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; *
selig bist du – es wird dir gut ergehn. – (Kv)
Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock *
im Innern deines Hauses.
Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder *
rings um deinen Tisch herum. – (Kv)
Siehe, so wird der Mann gesegnet, *
der den Herrn fürchtet.
Es segne dich der Herr vom Zion her. *
Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. – Kv
Lesung aus dem 1. Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde Thessalonich.
Über Zeiten und Stunden, Schwestern und Brüder,
brauche ich euch nicht zu schreiben.
Ihr selbst wisst genau,
dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht.
Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!,
kommt plötzlich Verderben über sie
wie die Wehen über eine schwangere Frau
und es gibt kein Entrinnen.
Ihr aber, Brüder und Schwestern, lebt nicht im Finstern,
sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann.
Ihr alle seid Söhne des Lichts
und Söhne des Tages.
Wir gehören nicht der Nacht
und nicht der Finsternis.
Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen,
sondern wach und nüchtern sein.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Bleibt in mir und ich bleibe in euch.
Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht.
Halleluja.
Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.
Er rief seine Diener
und vertraute ihnen sein Vermögen an.
Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines,
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab.
Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte, hin,
wirtschaftete mit ihnen
und gewann noch fünf weitere dazu.
Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte,
noch zwei weitere dazu.
Der aber, der das eine Talent erhalten hatte,
ging und grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück
und hielt Abrechnung mit ihnen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
brachte fünf weitere
und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte,
und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben;
sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte,
und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist;
du erntest, wo du nicht gesät hast,
und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
weil ich Angst hatte,
habe ich dein Geld in der Erde versteckt.
Sieh her, hier hast du das Deine.
Sein Herr antwortete und sprach zu ihm:
Du bist ein schlechter und fauler Diener!
Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen,
dann hätte ich es bei meiner Rückkehr
mit Zinsen zurückerhalten.
Nehmt ihm also das Talent weg
und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
Denn wer hat,
dem wird gegeben werden
und er wird im Überfluss haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus
in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Gleichnis von den Talenten gehört zur Endzeitrede Jesu (Mt 24, 1 – 25, 46). Jesus spricht exklusiv zu seinen Jüngern. In diese Rede sind drei Gleichnisse eingebettet: Das Gleichnis vom treuen und vom bösen Knecht, das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen und das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Die große Bildrede vom Endgericht schließt die Rede ab.
Nach Ulrich Luz (EKK) handelt es sich bei diesem Gleichnis um matthäisches Sondergut. Bei der lukanischen Variante (Lk 19,12-27) handelt es sich um eine Fassung, die vermutlich selbständig überliefert worden ist. Von der Form her liegt bei diesem Gleichnis eine Parabel vor, d.h. in dieser Geschichte wird eine bestimmte Handlung geschildert, die den Zuhörer zur Stellungnahme herausfordert.
Was wollte Jesus mit dieser Parabel sagen? Die Vorschläge der Ausleger sind vielfältig. Einig sind sie sich darüber, dass sie sich auf das Verhältnis der Menschen zu Gott bezieht. Die konventionalisierten Metaphern "Herr" und "Sklave" lassen kaum eine andere Deutung zu. Fast alles andere wird dagegen unterschiedlich beurteilt. Die Grundfragen sind:
Handelt es sich bei der "Abrechnung" um eine feste Metapher für das letzte Gericht oder nur um einen erzählerischen Zug, der die Wichtigkeit des Anspruchs der Parabel einsichtig machen will? Im zweiten Fall neigen die Ausleger zu einer allgemein-menschlichen Deutung der Parabel, im ersten deuten sie sie als Gerichtsgleichnis.
Liegt das Gewicht allein auf dem dritten Sklaven, oder sind auch die beiden ersten Sklaven wichtig als positive Identifikationsmodelle? Je nach dem deutet man die Parabel eher polemisch oder paränetisch.
Liegt das Gewicht nur auf der Abrechnung am Schluss oder auch auf der Gabe des Geldes am Anfang? Je nach dem wird die Parabel als reines Gerichtsgleichnis oder als Parabel von der Wirksamkeit des Gottesreichs verstanden.
Und schließlich: Welches ist die Beziehung dieser Parabel zum Wirken Jesu?
Diese Parabel, die Matthäus in einer Überlieferung vorfand, wird von ihm nun in einen bestimmten Zusammenhang gestellt: Sie steht mit den beiden oben genannten Gleichnissen, bzw. Parabeln unmittelbar nach der Mahnung Mt 24, 44 "Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet."
Somit gibt Matthäus einen Interpretationszusammenhang vor, der auf Jesu Leben und Wirken verweist und die Gefahr eingrenzt, durch die isolierte Betrachtung der Parabel zu einem Gottesbild zu kommen, das missverständlich ist.
Es ist Jesus, auf den sich die Parabel bezieht. Im Lichte seiner Botschaft ist die Geschichte zu deuten. (christologische Dimension)
Außerdem wird durch den Zusammenhang die endzeitliche Bedeutung klargestellt. (eschatologische Dimension)
Schließlich geht es darum, die Gegenwart vor dem Hintergrund dieser endzeitlichen Perspektive zu gestalten. (paränetische Dimension)
Noch zwei interessante Einzelheiten:
In Mt 25, 26 übersetzen Luther und Einheitsübersetzung: "Du böser und fauler Knecht", bzw. "Du bist ein schlechter und fauler Diener". Das griechische Wort, das mit "faul" übersetzt wird, ist "oknhroV " (oknäros), das die Bedeutung von "zögernd, träge, bedenklich, ängstlich" hat. Die Übersetzung mit "faul" schließt an die westliche Auslegungstradition an, die von der Übersetzung des griechischen Wortes durch das lateinische "piger" (faul, verdrossen, langsam, träge) geprägt ist.
Das Vergraben von Geld wird in rabbinischen Quellen als sorgfältiger Umgang mit anvertrautem Geld bewertet (im Gegensatz zu der Aufbewahrung in einem Tuch).
Es gab bei anvertrautem Geld die Möglichkeit, die Summe als "geschlossenes" Depositum oder als "offenes" Depositum zu betrachten. Über ein "geschlossenes" Depositum kann der Verwahrer nicht verfügen. Wenn er es sachgerecht aufbewahrt, haftet er nicht für den Verlust. Über ein "offenes" Depositum kann der Verwahrer verfügen, er haftet aber auch bei Verlust.
Literatur:
Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, EKK I/3, Zürich und Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn 1997
Die letzte große Rede Jesu im Evangelium nach Matthäus besteht aus sieben Gleichnissen über die "Vollendung" der Welt und der Kirche durch die erneute Ankunft Christi (in der neutestamentlichen Bibelwissenschaft hat sich für die Kapitel Mt 24 und 25 die Bezeichnung "apokalyptische Rede" entwickelt).
Das historische Umfeld des heutigen Evangeliums kann wahrscheinlich im städtischen Milieu Israels angesiedelt werden. Sicherlich existierte ein "antiker Vorläufer" einer heutigen Bank und das wirtschaftliche Leben war derart ausgeprägt, dass es möglich war, mit seinem Geld zu "wirtschaften" – auch wenn wir alle Details heute nicht mehr rekonstruieren können. Reiche Gutsbesitzer handelten mit den damaligen Metropolen Rom oder Alexandria. Während der Auslandsreisen des Besitzers eines Unternehmens oder Gutes wurde ein treuer Mitarbeiter (gleichgültig ob Sklave oder Angestellter) mit der Fortführung und Betreuung des Eigentums des Besitzers betraut. Wollte man nicht mit dem anvertrauten Geld wirtschaften, so musste man es an einem geheimen Ort vergraben, denn die damaligen Lehmbauten boten gegen Einbrecher nur bedingten Schutz.
Ein Talent Silbergeld war damals viel Geld. Es entsprach etwa 5.000 Denaren. Ein Denar war in etwa der Tageslohn eines Arbeiters und reichte gerade für die Ernährung und die Bedürfnisse einer sechsköpfigen Familie an einem Tag.
Matthäus vergleicht in diesem Evangelium Jesus mit dem Mann, der auf Reisen ging. Beide vertrauen den ihren jeweils das gesamte Vermögen an. Für die Christen bedeutet dies, dass jeder von ihnen verschiedene Gaben und Aufgaben in der Kirche erhalten hat (vgl. hierzu auch die verschiedenen Charismen im Römerbrief des Paulus) und nun in individueller Verantwortung mit diesen "haushalten" oder "wirtschaften" muss. Jeder Erfolg der erzielt wird, geht letztlich auch wieder an Christus zurück. Sicherlich existiert auch die Gefahr, dass mancher stolz wird und auf seinen eigenen "Talenten" sitzen bleibt. Der dritte Knecht hat hingegen Angst, etwas falsch zu machen, und fängt daher erst gar nicht an, mit den ihm anvertrauten Gütern zu wirtschaften – er lebt offensichtlich nach dem Motto "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben".
Weiters fühlt sich dieser Knecht wahrscheinlich den anderen gegenüber benachteiligt und nicht ganz so ernst genommen. Weshalb hat ihm denn der Besitzer sonst nur so wenig anvertraut? Er übersieht jedoch die Tatsache, dass Gottes Liebe nicht mit der Anzahl von anvertrauten "Gegenständen" gleichgesetzt werden kann. Gott gibt jedem die seine und nicht jedem die gleiche Gabe. Gott wird – so Matthäus - den Menschen am Ende der Tage nicht danach fragen, wie er mit dem anvertrauten Gut des Anderen gehandelt hätte, sondern was er aus dem ihm anvertrauten Schatz gemacht hat.
Matthäus warnt in diesem Evangelium also vor der Gefahr, dass wir unser Eigenstes nicht schätzen, es vergraben, ungenützt lassen und uns so um die Chance eines mit den Gaben Gottes anvertrauten „wahrhaft gelebten Lebens“ bringen.
Das Gleichnis von den Talenten im Mathäusevangelium steht im Kontext der Rede Jesu über die Endzeit. Es geht um die Frage nach unserem Verhalten in diesem Leben und seinen Auswirkungen auf das Leben danach. Im Anschluß an unsere Stelle lesen wir bei Mathäus noch die Schilderung des Weltgerichtes. Diesen Zusammenhang müssen wir mitbedenken.
Zum Wert des anvertrauten Geldes ist zu sagen, daß ein Talent etwa 6000 Drachmen entsprach. Eine Drachme war der Tageslohn eines Arbeiters. Es handelte sich also um Summen, die bei Verlust nicht so ohne weiteres zu verdienen waren aber Jesus bezeichnet sie als "Kleinigkeit". Dies unterstreicht noch das Risiko des Auftrags und die Dringlichkeit, den Einsatz der Talente nicht auf die lange Bank zu schieben.
Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.
Er rief seine Diener
und vertraute ihnen sein Vermögen an.
Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines,
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab.
Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück
und hielt Abrechnung mit ihnen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
brachte fünf weitere
und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten will uns nicht Angst machen, sondern ermutigen mit den Gaben Gottes das Leben zur Entfaltung zu bringen.
Bereits der erste Satz im Gleichnis von den Talenten verweist auf das Himmelreich. Auch die Riesensumme, die übergeben wird, übersteigt unsere menschlichen Möglichkeiten. Um 5 Talente zu erwirtschaften, müsste jemand 30 000 Tage arbeiten. Das schafft keiner. Wir bekommen also grenzenlos mehr geschenkt als wir selber je leisten können.
Geradezu selbstverständlich ist es, dass diese einzigartige Gabe wie eine unüberbietbare Konjunkturspritze verstanden und genützt wird. Dieses Startkapital ist wie ein Samenkorn, das buchstäblich bis in den Himmel wachsen kann.
Der 3. Knecht mit dem 1 Talent bekommt die meiste Aufmerksamkeit. Es werden Rede und Gegenrede zwischen dem Herrn und ihm ausführlich geschildert. Allein schon daran erkennen wir: Um diesen Punkt geht es. Darauf soll unser Blick gelenkt werden.
Vermutlich empfinden wir das Urteil des Herrn als hart und hören Leute murren: „Der hat doch nichts Unrechtes getan. Er hat die geschenkte Summe nicht sinnlos verprasst. Er bringt sie wieder zurück. Warum kommt er mit seinem Verwahren so schlecht weg? Da laufen doch genügend Gauner herum, die es viel schlimmer treiben als er!“ Es fällt uns nicht schwer, diesen Mann, der doch niemandem etwas zu Leide getan hat, in Schutz zu nehmen. Warum kommt diese Unschuldshaltung, die gegen kein Gesetz verstößt, so schlecht weg?
Vielleicht kann folgende chinesische Parabel die Antwort näherbringen: Arme Brautleute hatten den Wunsch, dass viele Bekannte ihre Hochzeit mitfeiern. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein? – Aber wie sollte das gehen?- Da kam ihnen folgende Idee: Die Eingeladenen sollten je eine Flasche Wein mitbringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten. Und so sollte jeder die Gabe des Anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein.
Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch sie erschraken bis in die Knochen, als sie merkten, dass im Fass nichts als Wasser war. Versteinert saßen sie da, als ihnen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wird niemand merken. Nun aber wussten sie: Jeder von ihnen hatte so gedacht: Heute will ich mal auf Kosten der Anderen feiern.
Unruhe, Unsicherheit und Scham erfasste alle, nicht nur, weil es bloß Wasser zu trinken gab. Als das Flötenspiel verstummte, gingen alle schweigend nach Hause. Und jeder wusste: Das Fest hatte nicht stattgefunden.
Das Gleichnis von den Talenten will genau diese minimalistische Haltung, die Enthaltungs-Mentalität, aufbrechen. Nichts Böses tun, nichts tun, reicht nicht, um ins Himmelreich zu kommen und für ein erfülltes Leben, für ein Leben in Fülle fähig zu werden.
Wer sich den Himmel als ein Zuschauen vorstellt, ohne sich selbst einzubringen, der wird bald von Langeweile gequält, wie es die Parodie vom »Münchner im Himmel« schildert. Mit einem Konsumieren, ohne selbst etwas beizutragen, geht es nicht aufwärts, sondern abwärts, hin zu Leere und Verlust. Das Zuschauen kann es eben niemals mit der Spannung und der Freude aufnehmen, die man hat, wenn man selber mitten im Geschehen ist.
Mehr Lebensqualität, mehr Glück, mehr Himmel wachsen nicht, wenn wir nur das Böse meiden. Das Gleichnis von den Talenten lädt uns ein, dass wir die Fähigkeiten, die in uns grundgelegt sind, in Gang setzen und entfalten.
Im Berufsleben ist es selbstverständlich, dass das vorhandene Vermögen in Umlauf gebracht werden muss, sonst ist es totes Kapital. Der 3. Knecht ist gleichsam schon tot, weil er sein Talent vergraben, zu Grabe getragen hat.
Dieser 3. Knecht spricht von der Strenge des Herrn. Angst beherrscht sein Tun und lähmt seinen Unternehmungsgeist.
Wie steht es mit der Liebesbeziehung eines Christen, der fragt: Wieviel muss ich gerade noch tun, dass ich nicht in die Hölle komme? Stellen Sie sich vor, Verliebte würden einander fragen: Wieviel muss ich tun, dass es keine Scheidung gibt? Unter solchen Vorzeichen können sich keine guten Kräfte füreinander entwickeln.
Angst ist kein guter Begleiter, und schon gar nicht ein Energiespender; weder in mitmenschlichen Beziehungen noch in der Freundschaft mit Gott. Vor Gott stoppe ich meine Entwicklung, wenn ich nichts riskiere und vorsichtig Abstand halte oder gar mich ängstlich in ein Mauseloch verkrieche.
Jesus hat alles unternommen, um die Vorstellung von einem zürnenden und strafenden Gott aus der Welt zu schaffen. Er hat sich bewusst für die eingesetzt, die nichts zu lachen hatten. Solchen, die von anderen fertig gemacht wurden oder selber Mist gebaut hatten, hat er wieder auf die Beine geholfen. Vor dem Kreuz Jesu darf jede Angst dahinschmelzen.
Jesus will bei aller Dankbarkeit Gott gegenüber nicht, dass wir abhängige Bettler bleiben, die über das Händeaufhalten nicht hinauskommen. Er möchte, dass wir mit seiner Hilfe wachsen, von Jahr zu Jahr immer Heilsameres vollbringen und mitbauen am Reich Gottes.
Kinder, die staunend mitbekommen, was Eltern können, wollen sich von ihnen nicht immer das Gleiche vormachen lassen. Sie werden ungeduldig und möchten es auch selber können. Sie möchten dazulernen und erwachsen werden.
Das Himmelreich will Menschen, die sich voll einbringen, und sich gegenseitig zu Initiativen ermutigen. Himmel erleben wir jetzt schon, wo dieses wohlwollende und liebende Zueinander sich hochschaukelt.
Das Gleichnis von den Talenten geht noch einen Schritt weiter: Der 3. Knecht wird nicht nur getadelt. Es wird ihm sogar sein einziges Talent genommen und dem gegeben, der am meisten aus seinen Fähigkeiten gemacht hat. Die Begründung lautet: "Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben: wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat."
Mit anderen Worten: Unsere Beziehung zu Menschen und zu Gott ist etwas Lebendiges. Alles was nur wie im Tresor aufbewahrt wird, bringt keinen Gewinn, verliert an Wert, wird nutzlos. Das Vergraben ist wie ein Grab, ist Zeichen des Todes. Wer nur bei sich selber stehen bleibt, vereinsamt, bei dem geht es bereits rückwärts, der verliert. Was ich nicht pflege, verkümmert.
Gott sei Dank, ist unser Gott in Jesus Christus total anders. Er kapselt sich nicht in sich selber ein. Er will nichts für sich behalten, sondern alle seine Gaben in Umlauf bringen. Das setzt sich fort in jeder Eucharistiefeier. Christus verschenkt sich, damit auch wir mehr Mut haben, aus uns herauszugehen und uns zu verschenken.
Weise Menschen handeln klug und vorausschauend. Angst vor Fehlern kann Menschen lähmen und verhindern, dass sie ihre Fähigkeiten entfalten. Uns ist aufgegeben, unsere Talente für uns selbst und für andere fruchtbar zu machen.
Die erste Lesung ist kein Tugendkatalog oder Garantieschein für eine gute Ehe, auch kein Anforderungsprofil. Wer ist diese Frau, „die alle übertrifft“? Der Verfasser der Sprichwörter denkt weniger an eine konkrete Person, sondern an die Weisheit, die aus Gott hervorgeht und hier als „gottesfürchtige“ Person auftritt.
„Der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!, kommt plötzlich Verderben über sie." »Als Söhne und Töchter des Lichts« sollten wir ihn nicht verschlafen, so die zweite Lesung.
Sie kennen das Wort von Wilhelm Busch (1832-1908): „Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“, somit Überraschungsmomente erfreulicher Art, aber auch unguter Erlebnisse. Plötzlich ist alles anders, gravierende Umstellungen haben Sie sicher auch schon erlebt.
Im Evangelium finden wir wieder ein Gleichnis aus dem Alltag mit einem konkreten Geschehen. Es geht um Talente, die sehr hoch einzuschätzen sind. Die Bibelwissenschaft gibt an, dass ein Talent etwa € 500 000 entspricht, also einen materiellen Wert darstellt. Gemeint ist aber viel mehr das Talent als Begabung, das entdeckt und dann entfaltet werden will. Das benötigt aber Weisheit (vgl. 1. Lesung) und gute Vorbereitungszeit (vgl. 2. Lesung). Das Evangelium sagt: Wir haben Reichtum empfangen, sollen ihn verdoppeln. Angst vor Gott ist ein schlechter Ratgeber.
Wie soll Entdeckung und Entfaltung von Talenten geschehen? Talente im Sinne von Begabungen hat jeder von uns bekommen, einer mehr, ein anderer weniger, so lesen wir es auch aus dem Evangelium heraus. Wenn etwas gut gelingt, wenn sich Erfolge einstellen, sagen wir: „Du bist genial.“ Wir meinen damit, dass dieser Mensch einen weiten Geist besitzt, Talente hat. Dieser innere Geist zeigt, wie es weitergehen kann, wie Talente entdeckt und gefördert werden können und sollen, schon von klein auf.
Leider bleiben auch Talente verschüttet, etwa durch Hinweise, die gut gemeint, aber trotzdem demotivieren können: Das ist zu schwer für dich, das ist viel zu gefährlich oder etwas gröber formuliert: Du wirst das nie können. Vielleicht auch noch aufbrausend und zornig: dazu bist du zu blöd!
Die Weisheit lässt Fehler zu, dann stellen sich Erfolge ein. (siehe 1. Lesung). Die Weisheit bringt Früchte des Heiligen Geistes wie Selbstbeherrschung, Friede, Langmut, Güte, Geduld. Alles braucht seine Zeit. So werden auch Talente für andere fruchtbar, und für uns selber entsteht Freude für sich und andere, also göttliche Geschenke.
Talente werden auch aus Angst vor Versagen, vor Blamage, aus Minderwertigkeit vergraben. So können gute Talente nie sichtbar werden. Das traurige Resultat: Ich bin ja wirklich unfähig! Eine solche Haltung verursachen bewusst oder unbewusst Mitmenschen. Unsere größte Begabung, unser größtes Geschenk, das wir von Gott empfangen und weitergeben sollen, ist die Liebe. Damit haben wir direkt Anteil am Wesen Gottes. „Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!“ (Mt 25,24). Mit dieser Einladung wünsche ich Ihnen einen schönen Sonntag und eine erfreuliche Zeit, also Zeit voller Freude.
Was gibt Hoffnung in dunkler Zeit? Es sind die Fähigkeiten in uns. Wenn wir sie entfalten und damit Gewinn machen, kann man daran Freude haben. Jesus ermutigt uns, das uns Anvertraute zur Entfaltung zu bringen. Das bringt Licht ins Leben, auch in dunkler Zeit.
Das hört sich doch gut an! Wir sind Kinder des Lichts! Eine Überraschung? Paulus schreibt. „Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis.“ Es ist sein erster Brief überhaupt. Etwa eineinhalb Jahrzehnte nach Jesus. In Thessalonich ist eine kleine christliche Gemeinde entstanden. Von Paulus – und zwei weiteren Mitstreitern – gegründet. Die Hauptstadt der römischen Provinz Mazedonien war weit entfernt von Jerusalem, von Bethlehem und den vielen anderen Orten, in denen Jesus wirkte. Aber von ihm ging ein Licht aus, das immer weitere Kreise zog. Was Jesus gesagt hat, was er tat hat – jetzt ist es schon in Thessalonich angekommen. Und dann geht es weiter. Immer weiter. Bis es bei uns ankommt. Damit wir Kinder des Lichts sein können. Geliebt und angenommen. Von Anfang an gehört das zum Geheimnis und zur Schönheit der Taufe. Die Nacht kann uns nicht besitzen! Wir gehören zu Christus. Dem Licht der Welt.
Einfache, aber doch mutige Worte! Wenn ich an die Finsternis denke, die sich über uns legt, die uns einzufangen droht, könnte ich kleinlaut werden. Corona macht finster. Die Herzen wie die Aussichten. Tatsächlich werden viele Menschen müde. Die Spannkraft lässt nach. Wir merken das auch. - Und dann gibt es den Terror, der in unsere geordnete Welt einbricht. Mitten in dem Herzen einer Stadt. Wir verstehen die Menschen nicht, die Gewalt anwenden und sie sogar religiös verbrämen. Wenn das an vielen Orten aufbricht, merken wir nicht nur die Angst, sondern auch die eigene Aggressivität. Es fällt schwer, nüchtern abzuwägen, was geschieht. - Und dann sehen wir auch noch, wie in der großen politischen Welt Mächtige mit ihrer Macht umgehen und sich hinter Verschwörungstheorien verschanzen. Wir sehen Menschen drum herum, die an etwas Großes glauben wollen und dann doch nur dunkle menschliche Seiten ins helle Licht bringen. Nur drei Beispiele – beliebig ließen sie sich ergänzen oder verlängern.
Paulus hat den Kindern des Lichts zwei Worte, zwei Verheißungen, zwei Aufträge anvertraut, die ihnen wie Schlüssel dienen, die Welt aufzuschließen: „Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein.“ Hellwach und nüchtern. Eben: Wie Kinder des Lichts.
Dazu erzählt Jesus eine Geschichte. Sie ist aus dem Börsenmilieu genommen. Es geht um gute Geldanlagen. Mit Talenten haben wir es heute nicht mehr so. Müßig auch, die Gegenwerte zu suchen von 5 Talenten, 2 Talenten und 1 Talent. Sagen wir: 500.000 €, 200.000 €, 100.000 €. Wenn Sie wollen, können Sie auch Millionen daraus machen. Schließlich geht es gar nicht um Geld – es geht um eine Strategie. Geld steht für etwas. Es weist von sich weg.
Die beiden ersten legen das ihnen vertraute Geld gut an. Die Zinsabrechnung lässt sich sehen! Sie verdoppeln den Einsatz. Das waren noch Zeiten! Der dritte im Bunde vergräbt das ihm anvertraute Geld und legt es auf seine Weise sicher an. In der Erde geschützt. Neugierigen Augen verborgen. Wie ein Hund, der einen Knochen verbuddelt. Warum der Herr das so gemacht hat, erzählt Jesus nicht. Nur, dass er sich für längere Zeit verabschiedete. Hätte er nicht alles auf seinem Konto lassen können? Wollte er seine Diener, seine besten Mitarbeiter, vielleicht testen? Eine Personalentwicklungsmaßnahme der besonderen Art? Womöglich sogar außerhalb aller Normen? War das nicht auch ein Risiko, soviel Geld in fremde Hände zu geben und dann abzuhauen?
Die Offenheit, wohl beabsichtigt, hat schon ihren Sinn: Wir sollen mit unseren eigenen Augen sehen, was mit dem Geld passiert. Nein, nicht nur mit dem Geld: Mit dem Mut, mit der Hoffnung, mit dem Glauben. Schließlich legen die von dem Erzähler so genannten Diener ihre eigenen Gedanken offen: Die beiden ersten mehren, verdoppeln das ihnen anvertraute Geld. Ihr Vertrauen, das jetzt auch richtig gut zu machen, leuchtet geradezu auf. Der dritte glaubt nur, bloß nichts Falsches zu machen – sicher ist sicher. Übrigens: keiner von den dreien hatte einen Auftrag! Es wird nicht einmal erzählt, dass sie ein Schriftstück, einen Vertrag oder eine Quittung ausgefertigt hätten. Wie kann man nur so mit so viel Geld umgehen? Oder mit Vertrauen? Oder mit Hoffnung? Merkwürdig genug: Wenn etwas an der Börse zählt, dann ist es – Vertrauen. Kaum huscht die Nachricht durch die Medien, ein Impfstoff sei gefunden – und schon steigen die Börsenwerte.
Wie die Geschichte weitergeht? Die beiden ersten werden sehr belobigt! Auf die Vermögenswerte kommt es jetzt auch nicht mehr an. Der Herr, der zurückgekommen ist, spricht schon fast despektierlich von dem „Wenigen“, dass er ihnen überlassen hat. Aber:
Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Die Worte „tüchtig“ und „treu“ drücken aus, worauf es angekommen ist, worauf es ankommt. Dass Gottes Gaben, so wird man diese Geschichte lesen können, vermehrt, verdoppelt werden, dass der Wagemut, das Vertrauen, die Hoffnung sich lohnen, dass am Ende eine große Freudenfeier stattfindet – das ist das Silber, das in der Sonne glänzt. Ist es nicht schön, von Talenten zu reden? Nein, jetzt nicht von alten Münzen – jetzt reden wir von uns!
Über den dritten, eigentlich einfallslosen und langweiligen Diener, ist nicht viel zu sagen, außer, dass er durchgefallen ist. Für ihn ist der Herr ein Schacherer, ein Börsenhai, jemand, der erntet, wo er nicht gesät hat und sammelt, was er nicht hingelegt hat. Welches Bild die beiden anderen von ihrem Herrn hatten, erzählt die Geschichte nicht. Warum wohl? Sie entdecken ihre Freiheit! Ihre Spielräume! Und: Sie entdecken ihren Mut, ihr Vertrauen, ihre Hoffnung. Ich sehe sie verschmitzt verfolgen, wie es wächst und wächst und wächst. Sie werden reich belohnt!
Das Festmahl – so ganz nebenbei – steht für das Reich Gottes, für die vollendete Welt, für die Welt Gottes. Um Geld geht es jetzt schon lange nicht mehr. Was hier geschieht, lässt sich nicht bezahlen.
Ob Paulus diese Geschichte kannte? Er verrät nichts. Die Evangelien sind erst später zusammengestellt und weitergegeben worden. Aber die kleine Gemeinde in Thessalonich hat ganz viel davon mitbekommen:
Ihr aber, Brüder und Schwestern, lebt nicht im Finstern,
so dass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann.
Ihr alle seid Söhne des Lichts
und Töchter des Tages.
Wie gut doch die Stichworte zusammenpassen: wach und nüchtern - tüchtig und treu. Wir könnten daraus eine Kette knüpfen und staunen über viele Lichterfahrungen und Lichtbegegnungen.
Am Schluss denke ich an den armen Tropf, der sein „Vermögen“, sein „Können“, seine „Hoffnung“ vergräbt. Glaubt er wirklich, dass er, wenn er alles ausbuddelt, wieder so hat, dass er es übergeben kann? Dass er wenigstens selbst davon leben kann? Dass ein anderer glücklich wird? Für ihn war der Glaube ein Risiko, ein Risiko auch seine Leidenschaft – jetzt riecht sein ganzes Leben nach Erde und nach Nacht. Die Finsternis muss ihn dann am Ende auch noch aufnehmen. Da verschwindet dann alles. Nicht einmal Katzenaugen leuchten.
Nein, die Finsternis hat schon genug Anwälte, Interpreten und Verschwörungstheoretiker. Mir gefällt die Geschichte – mit den vielen Talenten. Mit dem Fest. Mit der neuen Welt. Ich sehe dann auch ein Licht aufgehen. Was Jesus gesagt hat, was er tat hat – jetzt ist es schon in Thessalonich angekommen. Und dann geht es weiter. Immer weiter. Bis es bei uns ankommt. Damit wir Kinder des Lichts sein können. Geliebt und angenommen. Von Anfang an gehört das zum Geheimnis und zur Schönheit der Taufe. Die Nacht kann uns nicht besitzen! Wir gehören zu Christus. Dem Licht der Welt.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Im Gleichnis vom anvertrauten Geld wird der Umgang mit weltlichem Vermögen zum Beispiel für den Umgang mit dem geistlichen Vermögen des Himmelreiches. Im Vertrauen auf den Vermögensgeber können wir alle Ängstlichkeit ablegen und unsere geistlichen Gaben nützen.
Mit dem »Welttag der Armen« macht Papst Franziskus auf ein besonderes Talent, das der Kirche anvertraut ist, aufmerksam: Der Dienst an den Armen. Sensibilität für die Not der Armen ist eines der großen Talente, die Gott uns geschenkt hat.
Hier werden einige Ansätze erläutert, wie man dieses Gleichnis auf den heutigen Sonntag ummünzen könnte -entweder man vertieft sich in einen der genannten Aspekte oder man unternimmt mehrere Anläufe, um den Reichtum des heutigen Evangeliums zu vermitteln.
"Bei uns muss ihr Geld arbeiten!", Werbeslogan aus der Bankenbranche. In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise löst dieser Spruch eher hämisches Grinsen oder Zorn in weltweiten Teilen der Bevölkerung aus. Für wen muss das Geld arbeiten? Für der Welt größtes Casino, der Wallstreet, mit ihren findigen Bankiers und Börsenmaklern, die die Kugel immer ins Gewinnfeld der Manager rollen lässt? - Talenteumschichtung der anderen Art.
Das heutige Evangelium arbeitet mit einem Gleichnis, das sogar unseren Sprachgebrauch beeinflusst hat. Wenn wir von begabten Menschen reden, meinen wir, dass sie über besondere Talente verfügen. Talente sind zur Zeit des Matthäus unerschwingliche Geldsummen, kaum vorstellbare Zahlen, wie wir sie jetzt fast täglich in den Nachrichten aus dem Banken- und Wirtschaftssektor hören.
Das heutige Gleichnis stellt Beziehung und Vertrauen in den Vordergrund und nicht die Angst. Der Herr, so können wir dieser Perikope entnehmen, lässt seine MitarbeiterInnen nicht allein. Sie sollen an ihren Plätzen ihrer Arbeit nachgehen, ihre Kraft ausschöpfen. Gott hat so ein großes Vertrauen zu den Menschen, dass er jedem von uns ein riesiges Vermögen übergibt - sein Leben. Der Herr gibt nicht jedem irgendwelche Gaben auf seine Lebensreise mit, sondern wir alle bekommen Talente, Begabungen nach unseren Fähigkeiten. Sehr oft sehen wir im Laufe unseres Lebens, dass wir im Grunde nicht überfordert wurden. So manche Frage, die möglicherweise aus Neid oder Eifersucht entsteht, könnte unterbleiben: Warum bin ich nicht schöner, gescheiter als. . .? Wieso wird mein Arbeitskollege immer bevorzugt? Es gilt ein Selbstwertgefühl - nicht mit Egoismus zu verwechseln - zu entwickeln, bei mir zu Hause zu sein.
Was bedeutet das konkret, ohne ein kochbuchartiges Lebensrezept vorzustellen? Wie gehe ich mit mir, mit meinen Lebenschancen um, was hat Gott mir anvertraut? Dabei geht es nicht um die Zahl der Talente. Vielleicht habe ich bedeutend mehr als nur ein Talent. Im Laufe meines Lebens besteht die Chance, diese zu entdecken, Herausforderungen, die Beruf und Beziehungen stellen, mutig zu begegnen, nichts ängstlich zu vergraben. Wenn Gott jedem etwas von seinem "Vermögen" weitergibt, dann gebührt demjenigen Achtung, der es gut verwertet. Manche Talente wirken nach unseren Maßstäben so klein und bedeutungslos, wie etwa das Talent des guten Zuhörenkönnens, des mitfühlenden oder anerkennenden Wortes, der scharfen Beobachtungsgabe und der Klugheit, zu sehen, wo Hilfe nötig ist. Freilich sind diese scheinbar so unbedeutenden Talente nicht pressewirksam. Was gelingt uns an Talenten in der jungen Generation zu entfalten und welche Begabungen können junge Leute bei älteren Semestern entdecken?
Noch ein anderes Problem rückt das Evangelium in den Mittelpunkt der Überlegungen: Wieso wird jener Mann so hart bestraft, der nichts Böses getan hat? Er war auf seine Weise sehr sorgsam. Damit ja nichts verkommt, vergräbt er sein Talent, er bringt es in Sicherheit. Sollte er vielleicht hoch pokern, Grenzen überschreiten, alles verlieren, in die Schuldenfalle tappen, wie wir das gegenwärtig rundherum erleben? Sicher nicht. Jesus wirft ihm Angst, mangelndes Vertrauen vor, keine Zivilcourage mit Augenmaß zu haben, keine oder kaum Lebensperspektiven zu entwickeln. "Herr, ich hatte Angst vor dir", sagt der Mann. Das aber bekämpft Jesus in diesem Gleichnis. Angst wird hier als Sünde angerechnet. Zu berücksichtigen ist aber, dass Angst verschiedene Nuancen hat. Es geht nicht um den Schutzmechanismus, den jeder gesunde Mensch in sich trägt. Dieses Gleichnis engt die Angst auf Schuld ein. Die Angst hat verschiedene Ursachen. Gemeint ist hier, wenn jemand unterlässt, was er tun soll, dann gibt es schuldhafte Angst. Leider gibt es auch die institutionelle Angst, wie wir sie heute in der Kirche erleben. Sie ist lähmend, lässt den Heiligen Geist nicht wirken. Auf diese Weise entsteht Schuld. Dafür werden wir zur Verantwortung gezogen.
Jesus weiß, dass wir manches verschleudern und verspielen. Er wird heil machen, was wir nicht oder nur schlecht zustande bringen. Das Evangelium ist ein großer Trost, dass wir mit dem auskommen, was wir mitbekommen haben. Niemand wird zu Unmöglichem angehalten.
In unserem Leben halten wir uns vor Augen: Ich muss nicht das Beste, sondern mein Bestes geben. Dieser Grundsatz erleichtert unser Leben, auch bei allen Niederlagen, die wir durchmachen müssen. "Komm, nimm teil an der Freude, am Festmahl deines Herrn!" Dieses Versprechen ist uns sicher, wenn wir uns bemühen, mit Gottes Hilfe Talente dazuzugewinnen.
Lieder:
GL 272: Zeige uns, Herr deine Allmacht (2. Str.)
GL 418: Befiehl du deine Wege (2. Str.)
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 456: Herr, du bist mein Leben
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen
GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (5. Str.)
GL 483: Halleluja; Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 489:Lasst uns loben, freudig loben
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren (3. Str.)
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut
Psalmen und Kehrverse:
GL 31: Selig der Mensch, der seine Freude hat, seine Freude hat an der Weisung des Herrn - Mit Psalm 1 - IV.
GL 71: Selig, wer Gott fürchtet und auf seinen Wegen geht - Mit Psalm 128 - VIII.
GL 544: Halleluja - Mit Seligpreisungen- V.
Jesus Christus, der war, der ist und der kommen wird, er sei mit euch…
Wir gehen auf das Ende des Kirchenjahres zu. Was uns im Wort Gottes begegnet, überschreitet alle Grenzen und bleibt wie Christus selber aktuell. Christus will uns nicht nur in seinem Wort näherkommen. Er möchte uns helfen, dass auch wir Grenzen überschreiten.
In dieser Erwartung rufen wir zu ihm:
Langsam geht das Kirchenjahr zu Ende. Heute ist schon der vorletzte Sonntag. Aber während es später hell und früher dunkel wird, werden wir als Kinder des Lichts angesprochen. Im Evangelium gar werden wir zu Menschen, die aus dem Vollen schöpfen. Es ist von Talenten die Rede, die sich vermehren. Von einem großen Vertrauen ist die Rede und von einer Hoffnung, die sich von keinem Risiko klein machen lässt.
Lasst uns den Herrn anrufen. Er ist in unserer Mitte
Erstmals wird heuer an diesem Sonntag auch der von Papst Franziskus ausgerufene Welttag der Armen begangen. Diese Idee hatte Papst Franziskus beim Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Zukünftig soll dieser Sonntag bewusst vor dem kommenden Christkönigsfest den Armen gewidmet sein. Was mit dem Jahr der Barmherzigkeit begonnen wurde, geht weiter.
Dieser Welttag knüpft in unseren Breiten ideal an die Feier des Caritas- oder
Elisabethsonntages an. Stehen doch die Gottesdienste an diesem Sonntag im Zeichen derer, die von Franziskus als „Arme“ bezeichnet werden. Erinnert dieser Tag doch daran, dass es auf unser Tun ankommt.
„Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,18). Mit diesem Wort aus dem ersten Johannesbrief beginnt Papst Franziskus seine Botschaft zum Welttag der Armen.
Die diözesane Caritas bittet an diesem Sonntag in den Gottesdiensten bei der
Elisabethsammlung um Spenden für die Unterstützung von Menschen in Not in OÖ. Mag auch bei uns die Armut weniger eindrücklich sein als die sichtbare Armut im Süden unserer Welt, so gibt es doch viele Menschen die ebenfalls auch bei uns von Armut, Mangel, Not betroffen sind. Die Caritas versucht die Spenden des heutigen Sonntags in ihrem Einsatz Tag für Tag zum Wachsen zu bringen, aus scheinbar Wenig wird Viel vor Ort, wenn zur rechten Zeit die Not gelindert wird, wenn die Hilfe ankommt, gemacht. So werden in 12 Sozialberatungsstellen der
Caritas bedürftige Menschen mit Beratung, mit Zuschüssen für Heizung und Miete und mit Gutscheinen für Lebensmittel und Kleidung unterstützt. 460 Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung werden im Help-Mobil kostenlos medizinisch versorgt. Im Haus für Mutter und Kind in Linz und im Hartlauerhof in Asten kommen die Spenden der heutigen Sammlung zum Einsatz.
Das heutige Evangelium von den Talenten soll in dieser Richtung befragt werden – geht es doch in dem von Jesus erzählten Gleichnis auch um das Viel oder Wenig, um das Wunder des Wachsens, wenn man nur den rechten Mut dazu aufbringt.
An das Wunder der geteilten Gabe glauben wir als Kirche, an das Wunder der Vermehrung von scheinbar Wenigen für viele. Daher sagen wir auch Danke für die heute gegebenen Spenden im Namen derer, die dieses Wachsen dann am eigenen Leib ebenfalls erfahren dürfen.
Herr, Jesus Christus,
mit unseren Fähigkeiten
und mit unseren Schwächen stehen wir vor dir.
Herr, erbarme dich.
Du hast uns unsere Talente anvertraut,
doch oft setzten wir sie nicht sinnvoll ein.
Christus, erbarme dich.
Was wir dem geringsten unserer Mitmenschen getan oder nicht getan haben,
das haben wir dir getan oder nicht getan.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du möchtest uns auch heute begegnen.
Kyrie eleison.
Dein Wort ist wie ein Navy auf den Straßen unseres Lebens.
Christe eleison.
Wer glaubt, hat Anteil an deinem göttlichen Leben.
Kyrie eleison.
Herr unser Gott,
Du vertraust uns deine Güter an.
Herr erbarme dich.
Du willst, dass wir mit dem, was du uns gibst, verantwortungsvoll umgehen.
Christus erbarme dich.
Wir sollen dein Reich auf dieser Erde verbreiten.
Herr, erbarme dich.
Herr,
wir sind im Bann von Zahlen, die jeden Tag neu analysiert und gefürchtet werden.
Quasi über Nacht möchten wir alles verändern. Wir sind müde.
Herr, erbarme dich.
Herr,
du schenkst uns eine Hoffnung, die die Finsternis durchbricht.
In unsere Dunkelheit trittst du ein. Du fürchtest sie nicht.
Christus, erbarme dich.
Herr,
schlechte Gedanken nisten sich in Köpfen ein, Sorgen in Herzen.
Über unseren Straßen und Häusern leuchten die Sterne.
Herr, erbarme dich.
Im 128. Psalm heißt es:
Selig jeder, der den Herrn fürchtet, *
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben,
wirst du genießen; *
selig bist du – es wird dir gut ergehn.
Ehre sei Gott in der Höhe…
Gott, du hast uns Zukunft und Hoffnung verheißen.
Herr, erbarme dich.
Gott, du hast uns in Jesus Christus deine unendliche Liebe gezeigt.
Christus, erbarme dich.
Gott, du stärkst unsern Glauben durch den Heiligen Geist.
Herr, erbarme dich.
Gott, du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.
Laß uns begreifen, daß wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und daß wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
mit allem Gelungenen und Misslungenen kommen wir zu dir.
Vor dir dürfen wir alles ablegen,
die Freude und die Schwere des Lebens.
Stärke uns in dieser gemeinsamen Feier für unseren Dienst in der Welt.
Das erbitten wir, durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Du, Gott, hast das Licht geschaffen
und der Nacht ihren Raum zugewiesen.
Wir danken dir, dass in deiner Nähe
die Welt jeden Tag neu ins Leben gerufen wird.
Wenn wir die vielen Schatten sehen,
schenke uns die Weite des Himmels -
wenn wir verstummen,
die Schönheit der Worte -
wenn es um uns eng wird,
leuchtende Augen in einem Gesicht.
Du sprichst uns an
und wir werden frei,
geliebt in Christus,
deinem Sohn, unserem Herrn.
Ohne Maß in Ewigkeit.
Gott,
du hast uns verschiedene Gaben
und Fähigkeiten gegeben.
Hilf uns,
die geschenkte Zeit zu nutzen
und laß uns die übertragene
Verantwortung wahrnehmen.
Durch Christus, unseren Herrn.
Herr Jesus Christus,
in deiner Liebe übertriffst du alles Handeln nach Vorschrift und Gesetz. Du schenkst dich uns und willst uns teilhaben lassen an deinem göttlichen Leben.
Voll Vertrauen wenden wir uns an dich:
Wir beten für alle ängstlichen Menschen, die sich nichts zutrauen aus Angst, sie könnten etwas falsch machen.
Herr Jesus Christus: Steh ihnen bei!
Wir beten für alle, die ihres Glaubens nicht froh werden, weil sie Gott mehr fürchten als lieben.
Wir beten für alle Menschen in Armut und Leid, denen es schwer fällt, sich Gott anzuvertrauen.
Wir beten für hochbegabte Personen, die egoistisch bleiben und viele Chancen zum Guten für sich und für Andere versäumen.
Wir beten für unsere Verstorbenen, dass sie in der grenzenlosen Liebe Gottes gottähnlich werden.
Herr,
erhöre die ausgesprochenen Bitten und alles andere, das uns noch am Herzen liegt.
Dir sei Ehre in alle Ewigkeit. - Amen.
In dem Ausmaß, in dem uns andere etwas zutrauen, wächst auch unser Selbstvertrauen. Gott traut uns, seinen Kindern, zu, in Freiheit und Freude zu leben.
Im Vertrauen auf ihn und seine Gaben lasst uns ihn bitten:
Für die Kirche :
Um einen offenen und zeitgemäßen Umgang mit denen, deren Talente für den Dienst in Liturgie und Pastoral bisher ungenützt geblieben sind.
Für die Verantwortlichen in der Wirtschaft:
Um verantwortungsbewusstes Handeln und Sensibilität für die Nöte derer, die davon existenziell betroffen sind.
Für die Begleiter und Erzieher unserer Kinder,
dass sie ihnen helfen, Talente zu entdecken und mit Freude zu entfalten.
Für uns selbst in den Herausforderungen unseres Alltags,
dass wir das uns Mögliche mit Energie und Tatkraft zum Wohl für uns und die anderen einsetzen.
Für unsere Verstorbenen, die in der mit ihnen gemeinsam erlebten Zeit Wesentliches zu unserer eigenen Entwicklung beigetragen haben.
Dir, unserem Gott und Vater,
gilt unser Lob und Dank für alle Gaben und Talente, mit denen du uns bedacht hast, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott,
deine Botschaft ist eine Frohbotschaft, keine Drohbotschaft.
Wir bitten dich:
Für alle, die sich nicht trauen, ihren Begabungen zu folgen.
Für alle Kinder und Jugendlichen, denen Begleiter fehlen, die ihnen helfen, ihre Begabungen zu erkennen und zu leben.
Für alle Menschen, die sich selbst nichts mehr zutrauen, die frustriert sind und sich ausgegrenzt fühlen.
Für alle Menschen, die Kindern und Jugendlichen zur Seite stehen, damit diese ihre Talente entfalten können.
Für alle Menschen, die anderen den Mut machen, auf sich selbst zu vertrauen und ihnen helfen selbstbewusster zu werden.
Für unsere Kranken und Sterbenden, die zurückblicken auf das, was sie in ihrem Leben an Gutem getan und an Bösem unterlassen haben, aber vielleicht auch auf das, was nicht so gut gewesen ist.
Für unsere Verstorbenen:
Nimm sie auf in Deine Herrlichkeit
Guter Gott,
du hast uns ausgestattet mit Talenten und Begabungen, die wir zum Wohle der Menschen und der Welt nutzen sollen. Nimm uns die Angst vor dem Versagen und stärke uns in dem, was wir tun. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Im Evangelium werden Talente verteilt und vermehrt.
Wir sehen Gaben, Fähigkeiten und Hoffnungen wachsen.
Wir sehen aber auch Risiken und Ängste.
Darum wollen wir heute beten.
Für Menschen, die an ihren Fähigkeiten zweifeln.
Die über sich nicht reden können.
Die sich einschüchtern lassen.
Wir rufen: Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Für Menschen, die mutig Machtmissbrauch anprangern.
Die bei Lügen Ross und Reiter nennen.
Die den Schwachen eine Stimme geben.
Wir rufen: Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Für Menschen, die den Terror bekämpfen.
Die dem Hass keinen Platz einräumen und jeder Gewalt absagen.
Die sich für Integration und Versöhnung einsetzen.
Wir rufen: Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Für Menschen, die Alte und Kranke pflegen.
Die unter Corona-Bedingungen bis an ihre Grenzen gehen.
Die jeden Tag Lebensmut machen.
Wir rufen: Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Für Menschen, die auf einer Intensivstation beatmet werden.
Die aus ihrem Leben gerissen werden.
Die nie mehr richtig gesund werden.
Wir rufen: Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Du hast uns reich beschenkt mit Klugheit und Neugier.
Hilf uns, dass unter unseren Händen Hoffnung wächst.
Du hast uns reich beschenkt mit Freude und Lachen.
Hilf uns, dass unter unseren Augen eine neue Welt sichtbar wird.
In Jesus Christus,
dem Freund aller Verlorenen,
dem Bruder aller Verletzten,
dem Herrn aller Herren.
Als Getaufte sind wir berufen, unser Leben im Licht Gottes zu leben.
Auf die Fürsprache unseres Landespatrons des hl. Leopold
lasst uns den Herrn im Vertrauen auf seine Nähe
in diesen für unser Land so schwierigen Tagen bitten:
Stärke unseren Glauben an dich,
der uns zutraut für seine Schöpfung Verantwortung zu übernehmen.
Stärke unseren Glauben an Jesus Christus,
der wie wir auf Unverständnis gestoßen ist,
wenn er versucht hat, Friede und Gerechtigkeit in diese Welt zu tragen.
Stärke unseren Glauben an dich,
wenn trügerische Sicherheiten wegbrechen
und hilf uns, in Wachsamkeit und Nüchternheit mit den Gegebenheiten unserer Zeit umzugehen.
Stärke unseren Glauben an dich
und öffne unseren Blick für alles, was für uns und andere ein Grund zu Freude und Optimismus ist.
Stärke unseren Glauben an dich,
in dem wir für alle Verstorbenen aber besonders für die Terroropfer und alle an Covid-19 Verstorbenen deine selige Nähe erbitten.
Denn wir leben jetzt schon im Licht deiner Gnade.
Dafür sei dir Dank, Lob und Preis jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
du hast uns reich beschenkt und mit vielerlei Begabungen ausgestattet.
Trotz aller Anstrengung und Mühe können wir vieles nicht bewirken, was notwendig wäre.
Wir bitten dich um deine Hilfe:
Für alle, die durch Katastrophen oder Krieg ihre Lebensgrundlagen verloren haben.
Lass sie einen Platz finden, wo sie neu anfangen können.
Für alle, die ihre Begabungen und Fähigkeiten nicht ins Arbeits- und Berufsleben einbringen können.
Lass sie Aufgaben finden, die sie ausfüllen und von denen sie leben können.
Für die Kinder und Jugendlichen, dass sie genügend Chancen bekommen,
ihre Begabungen und Fähigkeiten zu entfalten
und zum Wohl aller in die Gesellschaft einzubringen.
Für alle Frauen und Männer im Sozialbereich,
dass es ihnen gelingt, die Begabungen der
ihnen anvertrauen Menschen gut zu sehen und zu fördern.
Für die Kirche, dass es ihr besser gelingt,
die Vielfalt der vorhandenen Begabungen zu schätzen
und ihr im Leben der Gemeinden Raum zu geben.
Herr, wir danken dir für alles, womit du uns beschenkt hast.
Nimm an unseren Lobpreis und unser Bitten. - Amen.
Herr, unser Gott,
die Gabe, die wir darbringen,
schenke uns die Kraft, dir treu zu dienen,
und führe uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
die Gaben, die wir bereitet haben,
sind Zeichen unserer Hingabe an dich.
Darum bitten wir:
Wie Brot und Wein in der Kraft des Geistes geheiligt werden,
so heilige auch uns selbst immer mehr
nach dem Bilde unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.
MB Auswahl 6
Wenn wir das Brot teilen, Herr,
verteilst du dich, deinen Leib,
wenn wir aus dem einen Becher trinken, Herr,
haben wir Anteil an deinem Blut.
Was wir mit unseren Augen sehen,
was uns auf der Zunge zergeht,
sind Brot und Wein.
Aber du gibst allen Dingen einen neuen Namen.
In Brot und Wein empfangen wir dich,
wir schmecken deine Liebe,
Christus,
der sich für uns hingegeben hat.
Kehrvers:
Jubelt ihr Lande dem Herrn;
alle Enden der Erde schauen Gottes Heil.
(GL 55,1)
Gott und Herr, wir kommen vor dich,
um dir zu danken und dir unser Lob zu singen.
In deiner Liebe hast du den Menschen als dein Abbild geschaffen
und ihm die Erde anvertraut, dass er sie behüte und bebaue.
Kehrvers
Einen jeden hast du mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet,
dass wir sie zum Wohle aller
und zum Nutzen der ganzen Schöpfung einsetzen.
Israel hast du als dein besonderes Volk auserwählt,
damit es dir diene und zum Segen für alle werde.
Kehrvers
Durch Jesus von Nazareth hast du ein neues Volk zusammengerufen.
Er hat seine Jünger mit den Gaben des Heiligen Geistes ausgestattet,
sie als Verwalter eingesetzt
und ihnen die Sorge für das Himmelreich aufgetragen
Kehrvers
Wir danken dir, dass auch wir die Frohe Botschaft
von deiner Liebe und Barmherzigkeit vernommen haben
und zu deinem Volk gehören.
Wir warten auf das endgültige Offenbarwerden deiner Größe und Herrlichkeit
und singen mit allen Heiligen zu deinem Lob:
Danklied, z. B. Nun singt ein neues Lied dem Herren (GL 551)
Wir danken dir,
treuer Gott und barmherziger Vater,
für deinen Sohn Jesus Christus,
unseren Herrn und Erlöser.
Er hatte ein Herz für die Armen und die Kranken,
die Ausgestoßenen und die Sünder.
Den Bedrängten und den Verzweifelten war er ein Bruder.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
dass du für deine Kinder sorgst
wie ein guter Vater und eine liebende Mutter.
Darum rühmen wir deine Güte und Treue
und singen mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Besondere Anliegen 4
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
Was hast du mir geschenkt
für die Zeit, die ich hier bin?
Womit hast mich ausgestattet
für die Zeit meines Lebens?
Was willst du, das ich tun soll
hier auf Erden?
Was kann bestehen vor deinen Augen,
wenn du wiederkommst?
Lass mich staunend verstehen,
womit du mich betraut hast.
Lass mich staunend begreifen,
womit du mich beschenkt hast.
Steh mir zur Seite,
wenn ich zögernd
anfange zu wirtschaften
mit dem, was du mir überlassen hast.
Begabt mit deinen Gaben
kann ich alle Angst überwinden,
kann ich mit wachem Herzen
voll Freude dir entgegensehen.
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Vater im Himmel,
du hast uns mit so Vielem ausgestattet
und uns in diese Welt gesandt.
Wenn wir jetzt in die neue Woche gehen,
dann schenke uns die Kraft,
unser Bestmögliches zu tun,
diese Gaben zum Wohl aller – auch von uns selbst - einzusetzen.
Lass alles gelingen in deinem guten Geist.
Treuer, barmherziger Gott!
Jeder Gottesdienst ist eine Oase in der Wüste,
ein Lichtblick im Alltag,
ein Traum im Sonnenlicht.
Wir danken dir für das Evangelium,
für die Menschen, die mit uns auf dem Weg sind,
für Wissen und Verstand.
Schenke uns Gelassenheit,
fröhliche Wortspiele
und dass alles,
was wir unter Corona-Beschränkungen tun,
von Erfolg gekrönt wird.
Richte die Verzagten auf,
ermuntere die Müden,
behüte die Kleinen
und führe uns alle zu dir.
In Christus,
dem Licht der Welt.
ich durfte dich finden
du tüchtige Frau
die beim Hausbau geholfen hat
ich durfte dich finden
du tüchtiger Mann
der mein zerrissenes Lieblingskleid geflickt hat
ich durfte dich finden
du tüchtige Fußballspielerin
als keiner
mit meinem Jungen Fußball spielen wollte
ich durfte dich finden
du tüchtiger Junge
der die Puppe meiner Tochter reparierte
als sie weinend vor ihm stand
ich durfte sie finden
meine Talente
und
weiterentwickeln
und
sie den anderen hinhalten
und so
ist die Welt bunt
von den vielen
großen und kleinen Talenten
die weitergegeben
und oft sogar
verschenkt werden
Beatrix Senft 2023.
Mich hat das Evangelium von den Talenten immer geärgert. Meine Mutter benutzte das dazu, mich zu mehr Lernen aufzufordern. Ich würde mit meiner Faulheit meine Talente vergraben und daher mich gegen Gott versündigen. So und so ähnlich…
Doch Scherz beiseite: Ich dachte immer: er sorgt doch dafür, dass nichts verloren geht, was kann daran falsch sein? Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Also, natürlich lag meine Mutter mit ihrer Interpretation nicht ganz falsch. Nur, dass es im Evangelium gerade nicht um Leistungsdruck geht. Gemeint ist, so scheint mir, zu erkennen, dass ich Begabungen habe und gemäß meinen Begabungen zu handeln. Und zwar angstfrei, denn Evangelium heißt übersetzt Frohe Botschaft und nicht „Drohbotschaft“. Hinzu kommt, dass es zugleich ein Dienst am Reich Gottes ist, wenn ich meine Begabungen entfalte und einsetze.
Der dritte Diener war ja angstbesetzt. „Was passiert, wenn ich nachher weniger habe als vorher", wird ihm durch den Kopf gegangen sein. Er hatte Angst zu versagen. Wir brauchen aber keine Angst vor dem Versagen zu haben. Wenn wir unsere Begabungen für unsere Mitmenschen einsetzen, emphatisch und mit den Menschen verbunden, dann wird es immer ein „Mehr“ geben.
Wenn ich gut zuhören kann, dann sollte ich das einsetzen, indem ich denen zuhöre, denen sonst niemand zuhört…
Wenn ich gute Texte schreiben kann, die Menschen aufrütteln…
Wenn ich was zu sagen habe, wenn ich nicht duckmäuserisch den Mund halte, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung…
Wenn ich genug habe, mehr, als ich brauche, und das für andere einsetze… Wenn ich Zeit habe und mich in dieser Zeit den Menschen widme, die Hilfe brauchen, dann vergrabe ich meine Talente nicht, sondern nutze sie.
Und wenn meine Hilfe, mein Engagement mal fehl geht, dann brauche ich keine Angst zu haben. Solange ich handle, mich guten Gewissens einsetze, da tätig bin, wo ich stehe und wie ich es am besten kann, mache ich es richtig.
Matthias Claudius schrieb kurz vor seinem Tod an seinen Sohn: „Halte Dich zu gut, Böses zu tun (…) Tue das Gute vor Dich hin und bekümmere Dich nicht, was daraus werden wird“ (zitiert nach publik forum 21/2023 S. 42). Ich finde, das fasst es gut zusammen. Wir brauchen keine Angst haben, wenn wir nur tun, was unseren Begabungen entspricht. Pierre Stutz schreibt (zitiert nach publik forum 21/2023 S. 36): „Das Geheimnis Jesu besteht doch darin, dass er Menschen nicht von ihrem Mangel angeschaut hat, sondern von ihrem Potential.“ Das schließt nicht aus, mich mal „faul“ zu regenerieren. Ich darf auf mich achten, ich soll es sogar. Auch dazu brauche ich keine Angst zu haben.
Edith Furtmann 2023.
Eine chinesische Parabel erzählt von armen Brautleuten. Sie hatten den heißen Wunsch, dass viele Bekannte mitfeiern. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit vielen Gästen. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein? – fragten sie sich. Es herrscht unten Menschen ohnehin mehr Leid als Freude. Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten. Und so sollte jeder die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein.
Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch sie erschraken bis in die Knochen, als sie merkten, dass alles Wasser war. Versteinert saßen oder standen sie da, als ihnen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wird niemand merken. Nun aber wussten sie: Jeder von ihnen hatte so gedacht: Heute will ich mal auf Kosten der anderen feiern.
Unruhe, Unsicherheit und Scham erfasste alle, nicht nur, weil es lediglich Wasser zu trinken gab. Als das Flötenspiel verstummte, gingen alle schweigend nach Hause. Und jeder wusste: das Fest hatte nicht stattgefunden.
Chinesische Parabel
Vier Jungen spielten an einem See. Mitten in ihrem übermütigen Spiel fällt einer von ihnen ins Wasser. Er droht zu ertrinken. Aber der größte Junge von den Vieren kann seinen Freund schließlich aus dem Wasser ziehen und retten. Als sie später alle gefragt werden, was sie getan haben, sagt der erste: „Ich bin unglücklich ins Wasser gefallen!“ Der zweite antwortet. „ich habe ihn wieder herausgezogen!“ Der dritte Junge sagt: „Ich habe den großen Jungen festgehalten, damit er bei der Rettung nicht auch noch ins Wasser rutschte!“ Und der Kleinste schließlich sagt. „Ich habe laut geschrien!“
Aus: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag. Aussaat Verlag
Ein kleiner Junge war von seiner Mutter zu einem Konzert mitgenommen worden, wodurch sie ihn für sein eigenes Klavierspiel motivieren wollte. Als sie ihre Plätze eingenommen hatten, die sich ziemlich weit vorne befanden, wurde die Mutter abgelenkt und merkte nicht, wie ihr Kind auf Entdeckungsreise ging. Der Beginn des Konzerts war gekommen, der Saal wurde dunkel und das Raunen der Menge verstummte. Im Licht der Scheinwerfer sah das Publikum an dem majestätischen Steinway-Flügel einen kleinen Jungen, der dort mit unschuldiger Miene „Leise rieselt der Schnee" anstimmte. Bevor die entsetzte Mutter ihren Sohn vom Schauplatz entfernen konnte, betrat der angekündigte Pianist die Bühne und ging schnellen Schrittes zum Flügel. „Hör nicht auf, spiel weiter", flüsterte er dem Jungen ins Ohr. Dann beugte sich der Meister zu ihm hinunter und begann, eine Bassstimme dazu zu spielen. Anschließend nahm er seine zweite Hand dazu, umgab das Kind mit beiden Armen und entwickelte ein Obligato, eine selbständig geführte Einzelstimme. So schlugen der alte Meister und der junge Anfänger das Publikum gemeinsam in ihren Bann.
Quelle unbekannt
Aber einer macht nicht mehr mit.
Er beteiligt sich nicht mehr daran, ein System am Laufen zu halten, das die einen bereichert auf Kosten der anderen.
Er sagt seinem Besitzer die Wahrheit ins Gesicht:
Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist, der erntet, wo er nicht gesät hat, und einsammelt, was er nicht ausgeteilt hat.
Ich bin aus Furcht vor dir losgegangen und habe dein Talent in der Erde versteckt. Hier hast du dein Geld zurück. (Mt 25, 24 f.)
Wie viele Nächte wird dieser Sklave wach gelegen haben und sich mit seiner Entscheidung herumgeschlagen haben?
Das, wozu er ausgebildet ist – Geld vermehren – ist ihm immer fragwürdiger erschienen.
Er hat seinem Herrn nichts entzogen, keinen einzigen Denar.
Im Gegenteil.
Er hat das Eigentum seines Herrn treu bewahrt.
Er hat sich sogar an den rabbinischen Frömmigkeitsregeln orientiert, als er es in die Erde vergraben hat.
Sein Besitzer wertet sein Verhalten aber als einen Affront ohnegleichen.
Zumal ein Sklave es wagt, dem Herrn den Spiegel vorzuhalten, ihn als Dieb bezeichnet.
Der Besitzer streitet das Urteil mit keinem Wort ab.
Aber er bestraft ihn (für was eigentlich?) und wirft ihn ins Gefängnis.
Der Sklave landet dort, wo auch die anderen Opfer sitzen.
Im Gefängnis sitzen Arme, die in Schuldhaft geraten sind, die ihre Schulden nicht zurückzahlen können.
Im Gefängnis sitzt Johannes der Täufer.
Im Gefängnis sitzt am Ende auch Jesus selbst
Und später seine Freundinnen und Freunde.
Ich war gefangen und ihr habt mich besucht, sagt er.
Nur etwas später im Evangelium.
(…)
Der dritte Sklave kooperiert nicht mehr.
Er lässt sich nicht mehr einspannen.
Er spielt nicht mehr mit.
Er folgt seinem Gewissen.
Er sagt die Wahrheit.
Er hält sich an die Regeln der Tora und beherzigt die Mahnung Jesu:
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld, dem Mammon.“
Matthias Jung, Ein mutiger Sklave spielt nicht mehr mit. Predigt zu Matthäus 25,14-30, 21.08.2016.
https://blog.matthias-jung.de/2016/08/21/ein-mutiger-sklave-spielt-nicht-mehr-mit-predigt-zu-matthaeus-2514-30/
Damit beginnt der Glaube, liebe Gemeinde: damit, dass wir die Talente suchen, die Gott so reichlich in dieser Welt und die er auch in jedem von uns versteckt hat. Ja, man muss hier ungeniert von Talenten reden. Das Wort ist nämlich in der Bedeutung, in der wir es heute gebrauchen, aus diesem unserem Gleichnis hervorgegangen. Ursprünglich zwar ein Talent tatsächlich nur eine Maß- und Geldeinheit, ein Zentner, wie Luther übersetzt: so ähnlich wie das englische Pfund, nur sehr viel mehr. Wenn wir heute in einem übertragenen Sinn davon reden, dass ein Mensch Talent hat, dann ist das die Wirkungsgeschichte dieses Gleichnisses von den anvertrauten Zentnern oder eben - wie es um Urtext heißt - von den anvertrauten Talenten.
Doch im Unterschied zu unserem heutigen Sprachgebrauch erinnert das Gleichnis daran, dass kein Talent sich selbst hervorgebracht hat. Jedes Talent ist eine Gabe Gottes. Schon deshalb sollten wir niemals scheel auf einen anderen Menschen blicken, dessen großes Talent unübersehbar neben uns blüht: kein scheeler Blick auf die talentierte Kommilitonin nebenan; keine Missgunst gegenüber dem Kollegen, der so auffallend viel mehr Talent hat als ich. Jedes Talent verpflichtet zur Dankbarkeit: nicht nur den, der es hat, sondern genauso die Mitmenschen und die Gemeinschaft, in deren Mitte es gedeiht.
Und noch eines stellt unser Gleichnis, indem es uns von der Fixierung auf unsere Mängel und Defizite ablenkt, unmissverständlich klar: Jeder Mensch hat Talent - der eine mehr, der andere weniger, aber jeder genug. Genug, um damit etwas anfangen zu können. Gott gibt jedem das Seine - und sei es noch so wenig, es ist allemal genug.
Sage also niemand, er sei zu kurz gekommen! Im Blick auf das weltliche Vermögen und die natürliche Begabung - ja, da gibt es das. Da gibt es sogar viel zu viele, die tagtäglich zu kurz kommen. Und da ist denn auch jene Regel, der gemäß die Habenden immer noch reicher, die Habenichtse hingegen immer noch ärmer werden, eine empörende Regel, die mit allen nur möglichen Regelverstößen zu durchbrechen und außer Kraft zu setzen ist. Aber im Blick auf Gott und sein kommendes Reich gibt es keine zu kurz Gekommenen. Talent für das Himmelreich hat jeder. Es muss ja nicht gleich zentnerschwer, muss nicht unbedingt eine umwerfende Begabung sein. »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern« - wer so betet und so handelt, der wuchert bereits mit seinem Talent. Eine einzige Fürbitte für einen anderen Menschen, die stille Gegenwart bei einem von denen, die zu kurz gekommen sind - aber auch ein geteiltes Brot und ein gemeinsamer Trunk zusammen mit einem angefochtenen Menschen, dem der Appetit für immer zu vergehen droht: das alles sind ebenso weltliche wie geistliche Schätze, mit denen jeder von uns etwas anfangen kann. Von den zentnerschweren missionarischen Talenten, die gewiss auch unter uns sind, ganz zu schweigen.
Wer auch nur mit der unscheinbarsten Gabe etwas anfängt, liebe Gemeinde, dessen Leben hat eine Pointe gewonnen: er kann mit Gott und Gott kann mit ihm etwas anfangen. Und es beginnt ein Kapital zu arbeiten, dessen Mehrwert unser Gleichnis mit dem schönsten aller Signale signalisiert: Freude.
Eberhard Jüngel, Matthäus 25,14-30, in: Jüngel, Eberhard: Unterbrechungen. Predigten IV. München, 1989.
Im Jahr 2007 entstand in der Musicalwerkstatt der Kirchengemeinde Icker das Gemeindemusical TALENTE 5-2-1 als Mehr-Generationen-Musical, welches das bekannte Bibelgleichnis von den Talenten in eine moderne Geschichte umsetzt, an der sich Jung und Alt beteiligen können.
"Niemand kann alles und keiner kann nichts" - das ist der Refrain des "Talente-Songs", dem Finale des Musicals. Dieser Song, der inzwischen ein beliebtes neues geistliches Lied geworden ist, entstand 2006 in der Icker Bibelnacht - zunächst mit dem Titel "Leib Christi".
Das Musical nimmt die Idee von der Vielfalt der Begabungen und Fähigkeiten auf, die eine Gemeinde, aber auch eine Gemeinschaft und eine Gesellschaft an sich "stark macht", wenn jede(r) das einbringt, was sie/er am besten kann.
Es beginnt mit einer "Traumhochzeit". Das Ehepaar Beate und Martin heiraten und "alles stimmt" - Beruf, Haus, Urlaub...
Und dann kommt der Crash: Martin verliert seinen Job und wird depressiv. Seine Frau rettet sich durch aktives Mittun in der Kirchengemeinde, was Martin nicht behagt. Er sitzt in seiner "Schmoll-Ecke" und ist mit sich und der Welt unzufrieden. Er glaubt nicht mehr an sich, bis die jugendliche Marie sich mit einem Problem an ihn wendet - das er lösen kann.
Es geht um eine Handy-Schuldenfalle und Martin als Experte ist mit seinem Fachwissen gefragt - sein Talent ist gefordert, auch wenn dieses Helfen ihm zunächst nicht unmittelbar einen Job verschafft. Er kann wieder am Leben teilnehmen, weil er sich einbringen kann - und das zählt.
https://schmoll-musik.de/hp639/TALENTE-5-2-1-ein-Musical-fuer-Kirchengemeinden-und-Choere.htm
Uwe Lall Kinderkonzerte: Keiner kann alles
https://www.youtube.com/watch?v=spC-421BJPg
Wir wolln uns gerne wagen,
in unsern Tagen der Ruhe abzusagen,
dies Tun vergisst.
Wir wolln nach Arbeit fragen,
wo welche ist,
nicht an dem Amt verzagen,
uns fröhlich plagen
und unsre Steine tragen aufs Baugerüst.
Die Liebe wird uns leiten,
den Weg bereiten
und mit den Augen deuten
auf mancherlei,
ob etwa Zeit zu streiten,
ob Rasttag sei.
Sie wird in diesen Zeiten
uns zubereiten
für unsre Seligkeiten:
nur treu, nur treu!
Wir sind nicht einsam blieben,
wir wolln uns üben
mit größern Gnadentrieben
als eins allein.
Wir sind am Stamm geblieben
der Kreuzgemein.
drum gilt's gemeinsam lieben,
sich mit betrüben
und unsre Lasten schieben,
die Christi sein.
Wir sind in ihm zufrieden;
was uns hienieden
als Last von ihm beschieden,
hat sein Gewicht;
doch ist das Joch für jeden
drauf eingericht'.
Drum mag der Leib ermüden:
Wir gehen im Frieden,
von Jesus ungeschieden,
und sterben nicht.
Gerhard Tersteegen (1733/1736), in: EG 254
Melodie: https://www.youtube.com/watch?v=5OrhILrENcQ
Wer fragt: "Was hat man zu tun?" – für den gibt es keine Antwort. "Man" hat nichts zu
tun. "Man" kann sich nicht helfen, mit "Man" ist nichts mehr anzufangen. Mit "Man" geht
es zu Ende. Wer aber die Frage stellt: "Was habe ich zu tun?" – den nehmen die
Gefährten bei der Hand, die er nicht kannte und die ihm alsbald vertraut werden und
antworten. "Du sollst dich nicht vorenthalten."
Aus einem Gottesdienstbehelf der Caritas der Diözese Linz.
„Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle sieben Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben. Er vergaß nicht dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen.
Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat. Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich.
Aber das - ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Sie machen nicht einmal den Versuch. Sie kommen gar nicht auf den Gedanken. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, der Hof ist sicher, und ihr Leben bequem.“
Aus einem Gottesdienstbehelf der Caritas der Diözese Linz
Die Zahl der Priesterweihen ist in Österreich seit den 1960er- Jahren ständig zurückgegangen. Im Jahr 1962 wurden noch 172 Welt- und Ordenspriester geweiht, im Jahr 2003 waren es nur noch 37, 2005 gar nur 32. Die Not wird noch größer, weil der Altersdurchschnitt der Priester sehr hoch ist. Die zahlenmäßig starken älteren Jahrgänge sterben allmählich und können durch die Neugeweihten keineswegs ersetzt werden. Allein in der Erzdiözese Wien sind 250 Pfarren ohne Priester am Ort. Die Zahl wächst, sodass künftig ein Priester für immer mehr Pfarren zuständig sein wird.
Die Situation in anderen europäischen Ländern ist ähnlich. Weltweit ist der Priestermangel aber noch viel größer. Erwin Kräutler - er kommt aus Vorarlberg und ist Bischof von Xingu in Brasilien - erzählte mir von einem Ad-Limina-Besuch bei Johannes Paul II. Er berichtet über seine Diözese, die flächenmäßig dreimal so groß ist wie Österreich. Der Papst fragte ihn nach der Zahl der Priester. "Ich habe 26, Heiliger Vater", antwortet er. Darauf der Papst: "Wie machen Sie das dann?"
Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras, ein Salesianer, der übrigens vor der letzten Papstwahl ernsthaft unter den möglichen Kandidaten genannt wurde, berichtete in einem Vortrag an der argentinischen Botschaft beim Heiligen Stuhl im Jänner 2007, dass in seiner Diözese manchmal ein Pfarrer für 100.000 Gläubige zuständig ist. Die Aktivitäten der Sekten nehmen dort sprunghaft zu. In sehr herzlicher Weise nehmen sich diese vor allem der Kranken an. "Ein Pfarrer, der für 100.000 Gläubige zuständig ist, wäre kaum in der Lage, als Erster am Krankenbett zu stehen." Aber was noch schwerer wiegt, in manchen Gebieten Afrikas und Asiens haben Gläubige nur mehr zwei oder dreimal im Jahr die Gelegenheit, Eucharistie mitzufeiern.
Die römisch-katholische Kirche hat sich lange zu Recht gerühmt, eine Kirche der Sakramente zu sein im Gegensatz zur evangelischen Kirche, die eher eine des "Wortes" sei. Heute wird in unseren Pfarren immer häufiger auch am Sonntag aus Priestermangel nur ein Wortgottesdienst gefeiert, während manche lutherische Pfarren in Wien jeden Sonntag Abendmahl feiern, "Eucharistie", wie sie es jetzt auch nennen.
Dieser Notstand drängt nach Lösungen. Wo zeichnen sie sich ab?
Die "pragmatische" Lösung
Da sich die personelle Lage nicht bald ändern wird und gesamtkirchlich derzeit keine hilfreichen Änderungen zu erwarten sind, treffen die Diözesen eigenständig Notlösungen. Sie passen ihre Strukturen der geringeren Priesterzahl an. In Deutschland, Frankreich und auch in Österreich plant man große Seelsorgeräume, in denen mehrere Pfarren zusammengefasst werden. Ein oder mehrere Priester gemeinsam mit einem Team von Laienseelsorgern leiten die Pastoral von einer Zentralpfarre aus. Man argumentiert, dass das ohnehin auch der schwindenden Zahl von Katholiken entspreche. Überdies sind die Verkehrsmöglichkeiten heute gerade in Europa so gut, dass jeder, der will, auch zum Gottesdienst in größerer Entfernung fahren kann.
Pastoraltheologen wenden dagegen ein, dass hier kleineren Gemeinden ihre bisherige Selbstständigkeit genommen wird. Und das sei sowohl gegen das Lebensgefühl der Menschen als auch gegen eine oft lebendig gewordene Liturgie am Ort. Menschen suchen gerade heute mehr denn je "Behausung" in erlebbarer Gemeinschaft, da sie sonst ohnehin vielfach "unterwegs" und vereinzelt sind. Kirche ist in vielen Gemeinden die letzte Form der Sozialisation, bringt Menschen im Feiern und Trauern zusammen. Die nach dem Konzil erneuerte Liturgie verlangt nach einer "tätigen Teilnahme" der Mitfeiernden. Das setzt aber eine Gemeinde voraus, wo man sich kennt, und es braucht Räume, die überschaubar sind.
Aus: Helmut Krätzl, Eine Kirche, die Zukunft hat. 12 Essays zu scheinbar unlösbaren Kirchenproblemen. Styria Verlag, Graz Wien Klagenfurt 2007.
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Das Gedicht über die tüchtige Frau (31,10-31) und die Aussagen über Frau Weisheit (Kap 1-9) sind wechselseitig aufeinander zu beziehen. Sie bilden den Deuterahmen des gesamten Buches. Die tüchtige, weise und JHWH-fürchtige (Jahwe-fürchtige) Frau ist eine Form der Inkarnation der präexistenten Weisheit, durch die JHWH die Welt erschaffen hat und deren Freude es ist, bei den Menschen zu sein (8,22-31). Sie ist ein Paradigma gelungener menschlicher Existenz, welche die gute Schöpfungsordnung im Lebenshaus der Menschen verwirklicht.
Ludger Schwienhorst-Schönberger, Das Buch der Sprichwörter, in: Erich Zenger u.a., Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart 1995, S. 258
Das Bild, das von der Frau in den Versen 10-31 gezeichnet wird, unterstreicht die vielfältigen Aktivitäten der Frau. Sie spielt eine wesentliche Rolle in ihrem Umkreis. Dabei ist auffällig, dass ihr Wirkungskreis sich nicht auf den häuslichen Bereich beschränkt, sondern auch den wirtschaftlichen Bereich umfasst. Die Frau tritt als Geschäftspartnerin auf, sie produziert, verkauft, sorgt sich um die ihr Anvertrauten und sie hat ein Herz für die Armen.
Die für die Lesung vorgesehenen Verse bevorzugen eher die häuslichen Tätigkeiten der Frau. In der Anmerkung zur 1. Lesung im Schott (1983) ist folgerichtig zu lesen: "Eine solche Frau ist liebende Gattin, sorgende Hausfrau, ein wirklicher "Schatz", das Glück ihres Hauses." - Um einerseits der Vollständigkeit des Gedichts Rechnung zu tragen, andererseits aber auch die Vielfältigkeit des Frauenbildes in der Bibel deutlich zu machen, empfehle ich, die Verse 10-31 durchgehend zu lesen, eventuell mit einem Hinweis auf die Gedichtstruktur im Hebräischen. (Siehe "Ungekürzte Fassung").
Historisch dürfte der Text wohl am königlichen Hof entstanden sein. Formal handelt es sich (beim Urtext!) um ein alphabetisches Gedicht, bei dem jede neue Textzeile mit dem jeweils im Alphabet folgenden Buchstaben beginnt. Dieses Stilmittel sollte zum leichteren Merken des Textes (für Rezitationen etc.) beitragen.
Das (männliche!) Frauenbild war ausgerichtet auf eine Frau, welche den Alltag bewältigt. Dezidiert gewarnt wird im Text, nur auf das Äußere einer Frau zu schauen. Das kann täuschen und ist vergänglich. Dem Schreiber des Textes kommt es vielmehr auf die „vielbeschworenen“ inneren Werte an. Das Wort „gottesfürchtig“ steht als Synonym für Ehrfurcht, Gehorsam, Treue und Liebe Gott gegenüber.
Der hebräische Text läßt jeden Vers mit einem anderen Buchstaben des Alphabetes beginnen, sodaß die tüchtige Frau von A bis Z besungen wird. Auffallend ist das Frauenbild, das hier beschrieben wird. Diese Frau ist sehr tatkräftig, selbständig, sie hat Freude am Schaffen.
Der Abschluß des Sprichwörterbuches steht in Beziehung zu den Kapiteln 1 bis 9, also zum Beginn des Buches. In diesen geht es um positive und negativ gezeichnete Frauengestalten sowie die personifizierte Weisheit eine wichtige Rolle. Am Ende des Buches verkörpert die hier beschriebene Frauengestalt die Weisheit selbst.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive