Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch der Sprichwörter:
So spricht die Weisheit Gottes:
Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges,
vor seinen Werken in der Urzeit;
in frühester Zeit wurde ich gebildet,
am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren,
als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
Ehe die Berge eingesenkt wurden,
vor den Hügeln wurde ich geboren.
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren
und alle Schollen des Festlands.
Als er den Himmel baute, war ich dabei,
als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
als er droben die Wolken befestigte
und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
als er dem Meer sein Gesetz gab
und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
als er die Fundamente der Erde abmaß,
da war ich als geliebtes Kind bei ihm.
Ich war seine Freude Tag für Tag
und spielte vor ihm allezeit.
Ich spielte auf seinem Erdenrund
und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.
Nun, ihr Kinder, hört auf mich!
Selig, die auf meine Wege achten.
Hört die Mahnung und werdet weise,
lehnt sie nicht ab!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Herr, unser Herr,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!. – Kv
Oder GL 33,1
Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? - Kv
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände,
alles hast du gelegt unter seine Füße: - Kv
Schafe und Rinder, sie alle
und auch die wilden Tiere,
die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,
was auf den Pfaden der Meere dahinzieht. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht also aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch im Glauben
den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen,
und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch,
wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse;
denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
Geduld aber Bewährung,
Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Ehre sei dem einen Gott,
der war und der ist und der kommen wird.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Noch vieles habe ich euch zu sagen,
aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit,
wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.
Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden,
sondern er wird reden, was er hört,
und euch verkünden, was kommen wird.
Er wird mich verherrlichen;
denn er wird von dem, was mein ist, nehmen
und es euch verkünden.
Alles, was der Vater hat, ist mein;
darum habe ich gesagt:
Er nimmt von dem, was mein ist,
und wird es euch verkünden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
An das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit kann man von unterschiedlichen Seiten herangehen: philosophisch, bibeltheologisch, dogmengeschichtlich oder auch von Seiten der Spiritualität her. Welche Impulse gibt dieses Fest für eine christliche Spiritualität?
Ein breit angelegte religionssoziologische Untersuchung belegt, was Bischöfe und Kirchenverantwortliche schon lange beklagen: Der Gottesglaube befindet sich zumindest in unseren Breiten scheinbar auf dem Rückzug. Immer weniger Leute geben in Umfragen an, dass sie an Gott glauben. Dieselben Studien zeigen jedoch gleichzeitig, dass die Suche nach Spiritualität zunimmt.
Ich will diese Fekten nicht in Frage stellen, ich hege jedoch Zweifel an gängigen Rückschlüssen wie etwa: der Glaube sei im Schwinden, der Glaube sei "verdunstet" oder es mangle am nötigen Glaubenswissen. Der Dichter-Theologe Lothar Zenetti gibt zu bedenken: Wenn der Glaube verdunstet ist, dann liegt Glaube in der Luft!
Noch zu keiner Zeit stand so viel qualifiziertes Glaubenswissen so vielen Menschen frei zugänglich zur Verfügung. Ich sehe da eher ein Problem in einer dem Bildungsstand der Bevölkerung angemessenen Glaubensvermittlung. Wenn sie nach ihrem Glauben an Gott gefragt werden, denken viele an das Bild des alten Herrn mit Rauschebart, das sie aus den Religionsbüchern ihrer Kindheit in Erinnerung haben. Die Geschichten, die sie damals dazu gehört haben, überzeugen sie heute nicht mehr. Sie sind darüber hinausgewachsen. Als sie sich später in den verschiedenen Wissenssparten wie z.B. Biologie, Physik, Philosophie oder Geschichte umfassend weiterbildeten, ist eine theologische Auseinandersetzung auf einem gleichwertigen Niveau weitgehend ausgeblieben.
Ich finde es überraschend positiv, dass sich immer mehr Menschen gleichsam auf eigenen Faust auf die Suche nach einer tragfähigen Spiritualität begeben haben. Die lateinische Bezeichnung für den Heiligen Geist ist "spiritus sanctus". Wer von ihm erfüllt ist, schöpft aus dem Reichtum christlicher Spiritualität. Es ist schade, dass nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis in der reichen Tradition der jüdisch-christlichen Überlieferung nach Spiritualität und nach einem zeitgemäßen Gottesverständnis sucht. Es mangelt da mehr an der Glaubwürdigkeit der von den christlichen Kirchen wahrgenommenen Verkündigung als am Glaubenswissen.
Wir feiern heute das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Wir glauben an einen Gott in drei Personen. Nach jahrhundertelangem Ringen hat man sich im Jahr 325 auf diese Glaubensformel geeinigt und sie als Grundlage des Christentums festgeschrieben. Dies wurde notwendig auf Grund unterschiedlicher Sichtweisen auf die überlieferten biblischen Erzählungen von Glaubenserfahrungen und Glaubensüberzeugungen vorangegangener Generationen.
Dass heutige Fest stiftet uns an, über die Vielfalt der Gotteserfahrungen und Gottesvorstellungen nachzusinnen und uns von den historischen Auseinandersetzungen damit inspirieren zu lassen. Darüber hinaus fordert dieses Fest dazu heraus, die eigenen Glaubenserfahrungen und die eigene Glaubensgeschichte mit den überlieferten Erzählungen und Glaubenssätzen in Beziehung zu setzen. Mir wird dabei immer mehr bewusst, was es heißt: du sollst dir von Gott kein Bild machen und dass es eine Sackgasse ist, Gott in einem Bild oder in einer Glaubensformel festhalten zu wollen. Gott ist und bleibt ein unfassbares Geheimnis. Über ihn und über sein Wirken kann ich nur staunen.
Die größte Herausforderung für meinen Gottesglauben ist die Möglichkeit, zu ihm eine persönliche Beziehung aufzubauen. Zu einem anderen Menschen eine persönliche und einzigartige Beziehung geschenkt zu bekommen und entfalten zu können, gehört für mich zu den beglückendsten Erfahrungen menschlichen Lebens. Und dass ich zum Urgrund meines Lebens und der ganzen Schöpfung eine Beziehung von mindestens gleichwertiger Qualität haben kann, ist für mich zu einem entscheidenden Kriterium für den christlichen Gottesglauben geworden. Dass ich wie Jesus von Nazareth zu Gott eine innige liebevolle Beziehung haben kann, ist für mich das größte Geschenk des Glaubens.
Am Sonntag nach Pfingsten schauen wir auf den gesamten Osterfestkreis zurück und fragen uns: Wie ist Jesus von Nazareth in die überlieferte Rede von Gott einzuordnen. In der Geschichte der Kirche wurde dafür die Glaubensformel von der Dreiheit und Einheit von Vater, Sohn, Heiliger Geist gefunden.
Die erste Lesung erinnert an Gott Vater in der Schöpfungserzählung. Gott schuf am Anfang, beim Ursprung der Erde, alles mit Weisheit. Die Weisheit Gottes sagt von sich: „Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.“ (Spr 8,31). Freude, eine göttliche Eigenschaft, „Freude lässt sich nicht gebieten, nicht befehlen, nicht machen, Freude will geboren werden, das Herz will sie freiwillig ergreifen.“ (Adolf Kolping 1813-1865). Freude, die uns schon am Anfang unseres Lebens mitgegeben wurde.
Die zweite Lesung spielt auf eine andere "Dreifaltigkeit" an, auf Glaube, Hoffnung, Liebe, als „semantische Steigerung“. Glaube setzt Einsicht und Erkenntnis voraus, die zur Heilszusage und dann zur persönlichen Heilsgewissheit, zum Glauben wird. „Hoffnung ist nicht Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie etwas ausgeht.“ (Vaclav Havel, 1936-2011). Glaube, Hoffnung und Liebe überdauern alles, überwinden sogar den Tod. (vgl. 1 Kor 12,31 - 13,13). Gottes- und Nächstenliebe sind der Halt für unsere Füße. Wer diese pflegt, hat Haltung. Liebe als Geisteshaltung, die die körperliche ganzheitliche Liebe ergänzen soll. „Einen Menschen lieben, heißt Gott ins Antlitz sehen.“ (Musical „Les Miserables“ 2012).
Das Evangelium stellt deutlich die Einheit der drei göttlichen Personen dar, um die durch Jahrhunderte gerungen wurde und auch heute noch Anlass zu Diskussionen gibt. Das hat mit dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 begonnen, dessen 1 700-jähriges Gedenken heuer ausgiebig zur Sprache kommt in Bildungsreisen, Vorträgen dazu und in der Literatur gewürdigt wird. Kaiser Konstantin berief dieses Konzil ein, wohl auch in Sorge um die Einheit des, denn Religion und Politik waren zu dieser Zeit eng verbunden. Fachleute sollten darüber diskutieren und auch festschreiben, wer dieser Christus sei. Jesus Christus ist ein Titel, der eine Deutung enthält. Die Gestalt Jesu wird gezeichnet als Mensch, der Gott nahesteht und ihn erkennt, der geboren wird. Daraus ergeben sich viele Fragen, etwa: Wie kann Jesus Erlösung bewirken? Die Auferstehung ist dabei entscheidend, auch wieder eine Glaubensfrage, denn niemand dabei war. Dieses Ringen um den Auferstehungsglauben finden wir bereits in den biblischenTexten und setzt sich in den christologischen Konzilien durch Jahrhunderte fort. So trägt bereits dieses erste Konzil wesentlich dazu bei, den Glauben in heftigen Diskussionen zu definieren und so der Kirche ein festes Fundament zu verleihen.
Das kommt auch in der Zwei- Naturen-Lehre zum Ausdruck: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Hilfreich auch das das sinngemäße Schriftwort: Wir sahen den Glanz Gottes aus dem Antlitz Jesu Antlitz entgegenleuchten (vgl. dazu 2 Kor 4). Gott wendet uns seine liebenden Augen zu. Deshalb nahm auch das Konzil die Position ein: Jesus Christus ist wesensgleich mit Gott Vater. "Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, 4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, / gemäß der Schrift…" (1 Kor.15,3-4), lautet das frühe biblische Glaubensbekenntnis.
Die entscheidende Glaubensfrage, die die Menschen damals bewegt hat und heute bewegt: Wer ist Jesus Christus für mich persönlich? Ein außergewöhnlicher Mensch, ein charismatischer Wanderprediger, Sozialreformer, Prophet, wahrer Gott und wahrer Mensch? Und in welcher Beziehung steht er zum Vater- und Schöpfergott?
Die Zahl der Menschen, die unseren Gottesglauben in Frage stellen, scheint in den letzten Jahrzehnten größer geworden zu sein. Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit ist für uns Anlass darüber nachzudenken, wie wir mit den unterschiedlichen Gottesvorstellungen umgehen und von Gott reden können.
Vor wenigen Tagen veröffentlichte die staatliche Statistikbehörde Statistik Austria Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Österreicher. Die sich daran anschließenden Diskussionen befasste sich wie gewohnt vor allem mit dem Rückgang der Mitgliedschaften der Katholischen und Evangelischen Kirchen. So bedauerlich diese Entwicklung für uns alle ist, im größeren Zusammenhang sieht es meiner Beobachtung nach anders aus, als meist angenommen. Mich überraschte, dass sich 77,6 % der Bevölkerung zu einer Religionsgemeinschaft bekennen und 22,4 % sich keiner Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlen. Auch davon bezeichnen sich nur etwa 4% als überzeugte Atheisten.
Zweifellos haben in den letzten Jahrzehnten massive Verschiebungen stattgefunden. Diese sind zum guten Teil auf demografische Entwicklungen zurückzuführen (Migration, sinkende Geburtenrate, umgekehrte Alterspyramide) und nicht allein darauf, dass die christlichen Kirchen an Attraktivität verloren haben. Die Landschaft der Religionen ist vor allem durch Zuzug aus orthodoxen oder nichtchristlichen Ländern bunter und vielfältiger geworden.
Vielfältiger geworden sind damit auch die Vorstellungen von Gott. Angehörige anderer Religionen pflegen andere Gottesbilder. Auch innerhalb der einzelnen Religionen – auch innerhalb der nichtchristlichen – haben sich die Gottesbilder weiter ausdifferenziert. In allen Religionsbekenntnissen finden wir naive bis hoch abstrakte Vorstellungen von Gott.
Zusammenfassend könnten wir ein wenig salopp sagen: "Gott ist einfach nicht zu fassen." Jede Vorstellung, die wir uns von Gott machen, ist fragwürdig. Das kommt nicht von der zunehmenden Bildung der Menschen, sondern hat uralte Wurzeln in der Gottesfrage selbst. In der biblischen Tradition gab es das Verbot, sich von Gott ein Bild zu machen. Im Laufe der Jahrhunderte ist man damit unterschiedlich umgegangen. Die Palette reicht vom absoluten Bilderverbot bis zu bunten Illustrationen der Schulbücher wie auch der Gotteshäuser.
Eine besondere Herausforderung für die Kirche der Anfangszeit war die Erfahrung und Überzeugung, dass in Jesus von Nazareth Gott selbst Mensch geworden ist und dass Gott sich den Menschen in neuer Weise geoffenbart hat. Hinzu kam die Erfahrung des Wirkens des Heiligen Geistes. Wie konnte das alles in das Reden über Gott eingebunden werden? Es gab damals heftige theologische Auseinandersetzungen, bis sich im Laufe der Zeit die theologische Formel vom dreifaltigen und zugleich dreieinigen Gott durchsetzte.
Was uns mit den anderen großen Religionen eint, ist die Überzeugung, dass wir Gott in vielen persönlichen Erfahrungen begegnen können, dass wir ihn jedoch nicht in Begriffen oder Bildern festhalten können. Mit diesen Erfahrungen und mit unserem Reden von Gott müssen wir behutsam umgehen. Die Ehrfurcht vor dem Mysterium Gottes verbietet uns, ihn zu instrumentalisieren, um unsere eigenen Interessen anderen gegenüber durchzusetzen. Die Ehrfurcht vor dem Mysterium Gottes verbietet uns auch, ihn zu verharmlosen oder zu verniedlichen und von ihm zu reden, als ob wir ihn besäßen. Schließlich müssen wir uns auch bewusst sein, dass es die religiösen Gefühle verletzt, wenn wir uns aber andere Gottesvorstellungen lustig machen.
Als Christen gibt uns die traditionelle Lehre vom dreifaltigen und dreieinen Gott eine gute Hilfe, von unseren Erfahrungen mit Gott zu reden. Denn auch diese sind vielfältig und vielschichtig. Das Erinnern und Weitererzählen der Gotteserfahrungen gläubiger Menschen, die vor uns gelebt haben, hilft uns, unsere eigenen Erfahrungen zu verstehen und einander mitzuteilen.
Gott begegnet uns in der Schöpfung, in den Wundern der Natur, in den Naturgewalten, in den Naturgesetzen bzw. in den faszinierenden Bauplänen, die wir entdecken, wenn wir die Naturphänomene erforschen. Gott ist für uns der Schöpfer und die Schöpferin, durch ihn/sie wurde alles ins Dasein gerufen.
Gott begegnet uns auch in außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die von einer tiefen Gottesbeziehung geprägt sind: Propheten, Heilige… Menschen, die in ihrem Leben Jesus von Nazareth begegnet sind, waren von diesem Ereignis so tief berührt, dass sie in ihm den »Sohn Gottes« erkannten und ihr Leben nach ihm ausrichteten. Er nannte Gott seinen Vater. Ihn bekennen wir als »Sohn Gottes«, unseren Bruder und zugleich »Menschensohn«.
Gott begegnet den Menschen auch in der Geschichte. Viele bringen ihre persönliche Lebensgeschichte mit Gott in Verbindung, viele Völker ihre gemeinsame Geschichte. Große Religionen haben ihre Geschichte mit Gott als Heilsgeschichte niedergeschrieben und bedenken diese in ihren Gottesdiensten. Die Christen erkennen in ihrer Heilsgeschichte die Führung des Geistes Gottes und bekennen ihn als »Heiligen Geist«.
Am Sonntag nach Pfingsten schauen wir auf den einen Gott, in dem wir drei Personen erkennen. Wir feiern den Reichtum seiner Offenbarung. Wir tun gut daran, die Eigenheiten des christlichen Gottesbildes nicht gegen die Gottesvorstellungen anderer Religionen auszuspielen oder auf andere Gottesbilder herabzuschauen. Wenn wir im Dialog mit ihnen immer tiefer das Mysterium Gottes erkennen, leisten wir damit der ganzen Menschheit einen wichtigen Dienst; auch jenen, die sich mit unseren Gottesvorstellungen schwertun.
Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit hat seinen Ursprung in einer sperrigen Definition unseres Glaubensbekenntnisses. Dieses kann und soll mit Herz und Verstand erfüllt werden.
Vor wenigen Tagen hatten wir im Seelsorgeteam ein interessantes Gespräch. Ein Kollege bemerkte mit Blick auf den heutigen Sonntag: Am Dreifaltigkeitssonntag gibt’s in der Präfation weniger einen Lobpreis, sondern mehr eine theologische Vorlesung. Die Präfation ist der Lobpreis zur Einleitung ins Hochgebet. - Ich möchte Sie nun an diesem Festtag mit hineinnehmen in unser Gespräch und stelle Ihnen einmal in Auszügen vor, was uns gleich zu Beginn der Eucharistiefeier erwartet:
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Mit deinem eingeborenen Sohn
und dem Heiligen Geist
bist du der eine Gott und der eine Herr,
nicht in der Einzigkeit einer Person,
sondern in den drei Personen
des einen göttlichen Wesens.
Was wir auf deine Offenbarung hin
von deiner Herrlichkeit glauben,
das bekennen wir ohne Unterschied von deinem Sohn,
das bekennen wir vom Heiligen Geiste.
So beten wir an im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes
die Sonderheit in den Personen,
die Einheit im Wesen
und die gleiche Fülle in der Herrlichkeit.
Hinter diesem festlichen Lobpreis steht die Lehre einer kirchlichen Versammlung, die im Jahr 381 in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, stattgefunden hat. Hier wurde das Glaubensbekenntnis des vorgängigen Konzils aus dem Jahr 325 bestätigt und weiterentwickelt. Das Ergebnis war das sogenannte Credo von Nizäa-Konstantinopel, das wir aufgrund seiner textlichen Sperrigkeit wohl selten im Gottesdienst miteinander beten, das aber die Grundlage aller anderen folgenden Glaubensbekenntnisse der Kirche darstellt. In diesem Bekenntnis heißt es über unseren trinitarischen Gott:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten.
Ein Glaubensbekenntnis können Sie vergleichen mit einem Vertrag. Wenn zwei einen Vertrag miteinander abschließen, dann soll der ja wasserdicht sein und jeglichen Eventualitäten trotzen können. Jenen Konzilien, die unseren Glauben definiert haben, ging es da nicht anders. Der Glaube sollte wasserdicht formuliert sein gegenüber jenen, die Fragen hatten oder andere Zugänge zum Glauben. Ja - und um Macht und Definitionshoheit ging es dabei natürlich auch.
Die politischen Rangeleien der Frühen Kirche des vierten und fünften Jahrhunderts, die durchaus auch mal kriegerische Gestalt annehmen konnten, sind vorbei. Das Credo mit seinem Bekenntnis zum dreieinigen Gott unseres Glaubens aber ist geblieben und gilt bis heute.
Vielleicht schweifen Ihre Gedanken jetzt so ganz allmählich ab und Sie denken gerade: Jetzt echt - das ist mein Glaube? Vermutlich wohl eher nicht in Ihren persönlichen Vorstellungen. Denn das ist eben der Glaube der Kirche, so wie er für unsere Glaubensgemeinschaft definiert ist. Davon unabhängig ist, wie wir unsere Glaubensüberzeugung für uns, vor unserem Herzen, vor unserem inneren Ohr formulieren. Das darf - ja, das muss - sich von den theologisch schwierigen und textlich so sperrigen Formulierungen eines Glaubensbekenntnisses abheben. Beispiele für so einen Ausdruck des Glaubens, wie er von Herzen kommt, bieten übrigens die verschiedenen Briefe des Paulus, der den Glauben immer wieder in kurze Formeln packt, die vielleicht theologisch nicht wasserdicht, dafür aber für ihn passend sind, damit er seiner Umgebung klarmachen konnte, was ihm am Herzen liegt.
Heute hörten wir zum Beispiel im Römerbrief: "Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist."
Ein anderes Beispiel findet sich im Evangelium. Wir hörten hier Jesus zu seiner Zuhörerschaft sprechen: "Denn der Heilige Geist wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein." - Vielleicht vom Text her nicht wesentlich einfacher als ein Glaubensbekenntnis kommt aber in diesen Worten Jesu ein wichtiger Wesenszug unseres Gottes zum Tragen: Die drei Personen Gottes - Vater, Sohn und Heiliger Geist - sind nicht Konstrukte eines Denkens und der Reflexion, sondern stehen in lebendiger Beziehung zueinander. Sie wirken aufeinander ein und lassen so Glauben vital sein.
Und das ist es, worum es geht: Wer glaubt, steht in Beziehung, ist vernetzt und lebt - gleich wie es die drei Personen des einen Gottes vormachen. Und wer einen lebendigen Glauben voller Dynamik in Beziehungen hat, der kann nicht in Definitionen und sperrigen Formulierungen erstarren, sondern weiß sich getragen von einem Gott, der was mit dem Leben zu tun hat. Wer nur in Formeln und Formulierungen stecken bleibt, steht seinem Glauben beziehungslos gegenüber wie einer mathematischen Formel: Sie mag vielleicht kognitiv herausfordernd und interessant sein, ist aber dann auch ein wenig blutleer. - Die eingefleischten Naturwissenschaftler sehen das vielleicht jetzt ein wenig anders und mögen mir verzeihen.
Der Glaube will unser ganzes Sein in Anspruch nehmen, er ruft nach einem Ausdruck mit Hirn und Herz. Da ist es nicht zuerst wichtig, dass das Bekenntnis des Glaubens theologisch wasserdicht ist, sondern es kommt drauf an, dass es mein Glaube ist, der lebt und zum Ausdruck kommt, und dass dieser Ausdruck Anderen zum Zeugnis wird. In der Kommunikation, in der Weitergabe des Glaubens, kann dieser Glaube schließlich in mir wachsen, gedeihen und Frucht tragen. Allein in Büchern und Regalen ist er zu musealer Leblosigkeit verdammt und verstaubt.
So möchte ich am Ende nun ein kleines Experiment wagen - in Stille. Schließen Sie für einen Moment die Augen, stellen Sie sich einen Menschen aus Ihren Beziehungsnetzen vor, dem Sie von Ihrem Glauben erzählen wollen. Wie würden Sie diesem Menschen gegenüber in kurzen, knappen aber aus Ihrem Herzen kommenden Worten Ihr Glaubensbekenntnis formulieren? Was wollen Sie ihm/ihr sagen?
Die Frage, wie wir uns Gott vorstellen und wie wir von ihm reden können, begleitet die Kirche von Anfang an. Lange hat sie darum gerungen, verschiedene wichtige Aspekte in eine einheitliche Formel zu bringen.
Nach Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, ringt bereits die Kirche der Frühzeit darum, Dreifaltigkeit den Menschen zu allen Zeiten etwas nahezubringen, vom Erklären, also ganz klarzumachen, wird man wohl Abstand nehmen müssen. Diese Diskussion, die sich mit Jesus und natürlich auch mit Gott beschäftigt, verlief so heftig, im wahrsten Sinn des Wortes auch mit „schlagkräftigen“ Argumenten (z.B. "Räubersynode" 449 nach Chr.). Folgende Problemkreise beschäftigten die Kirche seit dem 4. Jhdt.: Wer ist für uns damals und heute Jesus Christus? Ist er mit Gottvater gleichzusetzen, also wesenseins? Ist Jesus nur Gott ähnlich, also wesensähnlich? Ist Jesus wesensgleich?
Offenbar hat man die Heilige Schrift damals zu wenig in den Blick genommen. Der Philipperbrief, entstanden in den 50-er Jahren des 1. Jhdts., mit seinem Christushymnus gibt eine Hilfestellung zu diesen Fragen. Er richtet sich an die Gemeinde von Philippi in Mazedonien. Darin stellt Paulus bereits klar, dass Jesus Christus Gott war, der Menschengestalt angenommen hat. Die Gemeinde möge sich an Paulus ausrichten, nicht an Irrlehrer oder an irdischen Vorgaben, sondern an Christus, weil irdische Vorgaben vergänglich sind.
Bis heute laufen wir verschiedenen Göttern nach und bedenken nicht das Ende, also unsere Vergänglichkeit und auch die menschliche Vergänglichkeit, die Jesus uns vorgelebt hat. „Christus Jesus war Gott gleich, er entäußerte sich und wurde den Menschen gleich.“ (Phil 2,6-11). Das heißt: Jesus hat alle Höhen und Tiefen menschlichen Lebens mitgemacht: Hochzeiten, Mähler auch mit Randgruppen der Gesellschaft, gestritten, diskutiert, besonders mit Pharisäern und Schriftgelehrten, war Versuchungen ausgesetzt und hat ihnen widerstanden, weil er mit dem Vater eins war (siehe Joh 10,30) und hat auch den Tod erlitten, hat Gottverlassenheit erlebt. Er ist immer mehr hineingekommen in die Rolle des Gottessohnes, also wesensgleich mit dem Vater und wesenseins. Gott offenbart sich durch das Wort. Dieses Wort schafft Beziehung, die auch der Christushymnus ausdrückt.
Orientierungshilfe für unseren Glauben bietet auch die 1. Lesung aus dem Buch der Sprichwörter. Sie spricht von der Weisheit Gottes, erinnert sehr an Genesis, an die Schöpfungserzählung. Gott spricht und handelt, im Hebräischen ist es ein und derselbe Ausdruck. Der Mensch, jeder einzelne von uns ist ins Leben gerufen, bei all der Last der Entscheidungen und Herausforderungen. Am Anfang von allem steht Gott in seiner schöpferischen Liebe. Gott steht hinter jedem von uns mit der ganzen Originalität, mit der ganzen Identität. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir.“ (Jes 43,1). Gott haucht dem Menschen Leben ein, gibt ihm Atem, also seinen Geist. Im Evangelium hören wir auch vom „Geist der Wahrheit“, damit der Mensch sich entfalten kann. Diese Entfaltung beginnt beim DU der Eltern als Mann und Frau, wo ein ICH entsteht, also eine Person - „personare“, durchtönen. Gott durchtönt den Menschen mit seinem guten Geist und gibt ihm auch Entscheidungsfreiheit, diese seine Botschaft abzulehnen. Gott gibt den Menschen Begabungen, Talente zu ihrer Entfaltung, aber auch zum Dienst an der Gemeinschaft, um das Herz der Menschen zu erfreuen durch Kunst, Kultur, Musik, auch um die Schönheit der Natur wahrzunehmen und sie mitzugestalten.
Gottes Offenbarung geschieht prozesshaft in drei verschiedenen Bezügen der Einheit: Der Sohn Jesus lebt uns Menschen vor, wie wir in Einheit mit dem Vater leben sollen. Er ist uns zum Vorbild geworden. Weiters geht es um die Bezüge von Gleichheit und Verbindung, damit wir Gott ähnlich werden. Das nenn wir Verherrlichung. Es ist herrlich in der Liebe Gottes zu stehen. Der göttliche Geist ist die Verbindung, damit der Mensch zum Abbild der sichtbaren Liebe Gottes werde in den Werken der Nächstenliebe.
Gott lässt sich in jedem einzelnen von uns vertreten. Auf diese Weise kann jeder/jede von uns ein klein wenig die Dreifaltigkeit Gottes darstellen. Versuchen wir in unserem schwierigen Alltag mit all unseren Sorgen die Früchte des Heiligen Geistes durch inneren Frieden, Freude und Liebe sichtbar zu machen und beten wir auch darum.
Es ist nicht einfach, von Gott zu reden. Wie können wir von Gott reden und unsere Erfahrungen mit dem Göttlichen zum Ausdruck bringen, ohne ihn zu simplifizieren und zu verharmlosen?
Ein österreichischer Politiker setzte sich der Häme der Journalisten und seiner politischen Gegner aus, als er einmal erklärte, das sei alles sehr kompliziert. Dass etwas kompliziert sei, wollen die Leute nicht hören, schon gar nicht von einem Politiker. Ein Politiker, der Erfolg haben will, sagt besser: Das ist alles ganz einfach. Das ist das Erfolgsrezept der Populisten: Das Komplizierte auf eine einfache Formel bringen und einfache Lösungen anzubieten. Wie kompliziert viele Sachverhalte schließlich sind, zeigt sich, wenn sie nicht in der Lage sind, die anstehenden Probleme zu lösen.
Nicht alles lässt sich einfach erklären und auf eine einfache Formel bringen. Wenn wir von Gott reden, würden wir das Unsagbare der Gotteserfahrungen am liebsten in einige einfache allen verständliche Sätze fassen. Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Dieses Fest erinnert uns daran, dass es unter den Christen der ersten fünf Jahrhunderte heftige Auseinandersetzungen gab, wie wir angemessen von Gott reden können, wie wir die vielen Gotteserfahrungen, die uns in den heiligen Schriften überliefert sind, auf eine gemeinsame Formel bringen können. Man einigte sich darauf, von 1 Gott in 3 Personen zu sprechen, eins im Wesen, unterschiedlich in den Personen.
Diese Auseinandersetzungen wurden in der damals dominanten griechisch-lateinisch geprägten Denkweise geführt. Bei Verwendung dieser Glaubensformel ist zu beachten, dass sich Begriffe weiterentwickeln und dass jemand, der heute das Wort "Gott" oder "Person" gebraucht, damit nicht unbedingt die gleichen Vorstellungen benennt, die die Menschen damals hatten. Es ist eben alles sehr kompliziert…
Auch andere Religionen stehen vor dieser Schwierigkeit und lösen sie in je eigener Weise. Der Islam kennt z.B. 99 Namen Gottes, 99 Sicht- und Redeweisen von Gott.
Hat dieser Diskurs für uns heute noch Bedeutung? Was meinen wir Christen, wenn wir bekennen: Ich glaube an den einen Gott in drei Personen, Vater, Sohn und Heiligen Geist? Durch diese Formel versuchen wir zu vermeiden, unser Reden von Gott zu simplifizieren. Gott bleibt ein großes Geheimnis. Auf vielfältige Weise sind Menschen diesem Geheimnis begegnet und können davon viele Geschichten erzählen. Wo wir jedoch allzu simpel von Gott reden, setzen wir uns der Gefahr aus, dass andere unseren Glauben an Gott lächerlich finden. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch hüten, nicht mehr von Gott zu reden, denn damit setzen wir uns der Gefahr aus, dass Menschen meinen, es gibt ihn gar nicht.
Wie können wir dann heute glaubhaft von Gott reden? Ich halte es für notwendig, dass wir unseren je eigenen Zugang zum Glauben an Gott zur Sprache bringen. Dabei hilft mir die alte Bekenntnisformel von 1 Gott in 3 Personen.
Ich sehe Gott als Urkraft des ganzen Universums, als den Schöpfer allen Daseins und Lebens. Diese Überzeugung hat eine ganz persönliche Seite: Wie Jesus sehe ich ihn als Vater, dem ich mein Leben verdanke und der will, dass ich lebe und die Möglichkeiten des Lebens auskoste. In Jesus von Nazareth ist dieser Gott für mich sichtbar und greifbar geworden. Er hat in einer für mich einzigartig überzeugenden Weise Gott zur Sprache gebracht. In ihm sehe ich das Wirken des Geistes Gottes, der von Anfang allen Daseins an in dieser Welt gewirkt hat. Dieser Geist Gottes wirkt für mich auch heute noch in dieser Welt,. Das Wissen darum gibt mir trotz aller negativen Kräfte und Bedrohungen Hoffnung für die Zukunft dieser Welt und lässt mich mit Zuversicht einer persönlichen Zukunft entgegengehen.
Mir ist wichtig, dass ich für diesen Glauben Rede und Antwort stehe, dass ich ihn trotz aller Kompliziertheit und Vielschichtigkeit immer wieder zum Ausdruck bringe und dass ich nicht müde werde, diese meine Überzeugung anderen Menschen weiterzugeben, weil ich sie für eine unerschöpfliche Quelle der Kraft Lebensenergie halte.
Das Kreuzzeichen legen wir gleichsam als Zeichen des dreifaltigen Gottes auf uns. Gott ist nicht ein-fach, Gott ist drei-faltig, voller Leben, Dynamik und Kraft. Sein Geheimnis gilt es zu ent-falten. Gott ent-faltet sich und in ihm werde auch ich ent-faltet...
Die Christen pflegen die Vorstellung eines dreifaltigen Gottes. Gott ist dreimal anders Gott. Die Liebe ist Wesenseigenschaft dieses Gottes. Sie verbindet den Vater mit dem Sohn und mit den Menschen.
Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit will uns dazu hinführen, selbst wie der dreifaltige Gott zu leben, auf die anderen zuzugehen, sie in ihrer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und Beziehung zu suchen.
Das Buch der Sprichwörter stellt Lebensweisheiten zusammen, die zu einem geglückten Leben führen. Durch das Betrachten der Schöpfung und der Großtaten Gottes gewinnen wir Weisheit. Die Weisheit verbindet uns mit Gott. Die alttestamentliche Weisheitstheologie wird im Zweiten Testament durch die Rede Jesu vom Heiligen Geist fortgesetzt. Sich von der Weisheit Gottes und vom Heiligen Geist leiten lassen, führt in ein reicheres Leben.
Im Alten Testament hat sich eine umfangreiche Weisheitsliteratur entwickelt. Die Weisheit ist Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen. Weisheit, die von Gott herkommt, kann auch unser Leben heute erfüllen und reich machen.
Die vielen Versuche, religiöse Weltbilder durch wissenschaftliche zu ersetzen wollen nicht so recht gelingen. Eine Vielzahl von menschlichen Erfahrungen führt zur Ahnung einer hinter allem stehenden Göttlichkeit.
Die einen sind überwältigt von den immer neuen "Wundern der Natur" und sagen sich, es muss "etwas Höheres" geben. Auch Wissenschaftler kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn sie die Welt in ihre chemischen und physikalischen Bestandteile zerlegen. Sie haben entdeckt, dass auch Atome nicht "atomoi" (giechisch, auf Deutsch "unteilbar") sind, und sind dabei auf Zusammenhänge gestoßen, die die alten Grenzen zwischen Materie und Geist verschwimmen lassen. Ähnlich ergeht es jenen, die in den Kosmos hinausschauen und nach Erklärungen für sein sich immer weiter Ausdehnen suchen. Natürlich führen all diese Beobachtungen nicht schnurgerade zum Gottes- und Schöpfungsglauben, oder liefern gar "Gottesbeweise". Sie lassen uns aber staunen und fragen.
Zum faszinierten Staunen und oft zu persönlicher innerer Erschütterung kann man auch auf anderen Wegen kommen. Mütter erzählen, dass sie sich dem Göttlichen verbunden fühlten, als sie nach den Strapazen der Geburt ihr Kind in den Armen hielten. Andere sind zutiefst betroffen von der Erfahrung, in einer schwierigen Situation durch eine höhere Macht geführt worden zu sein und sie wollen sich nicht mit der Erklärung "Zufall" abfinden.
Viele Menschen begeben sich auf die Suche nach spiritueller Tiefe für ihr Leben. Sie üben Meditation, Yoga, Tantra oder suchen Kontemplation nach Anleitungen alter Meister der Mystik. Sie entdecken das Göttliche in sich und geben ihm unterschiedliche Namen und Beschreibungen.
Manche Christen geraten in Panik, wenn sie davon hören, verbieten sich und anderen solche Erfahrungen, weil sie ihre eigene Glaubenstradition dadurch gefährdet sehen. Ich sehe nur Anlass vor 1 Gefahr zu warnen: Die eigene persönliche Erfahrung nicht auch kritisch zu hinterfragen und eine eigene Religion, bzw. einen Religionsersatz daraus zu machen sowie in einem weiteren Schritt dafür zu kämpfen und zu missionieren.
Jede dieser Erfahrungen kann Menschen zu Gott hinführen, muss aber auch den Weg der Läuterung gehen. Am eindrücklichsten wird uns dies in der biblischen Erzählung von der Gotteserfahrung des Propheten Elija vor Augen geführt. Auf dem Höhepunkt seines Prophetenlebens, als er durch einen offensichtlichen Gottesbeweis über die Baalsanhänger triumphiert, muss er zur Kenntnis nehmen, dass Gott ganz anders ist. Auf dem Gottesberg Horeb gibt Gott ihm zu verstehen: Gott ist nicht im Sturm, nicht im Feuer, nicht im Erdbeben . . .
Bis die Christen zur Ausformulierung ihres Glaubensbekenntnisses gekommen sind, mussten auch sie einen Weg der Läuterung ihrer Gottesvorstellungen gehen. Erst nach langen heftigen Auseinandersetzungen haben sie ihre Gottesvorstellung als Glauben an 1 Gott in 3 Personen definiert.
Aus der jüdischen Tradition haben sie den Glauben an den 1 Gott, der alles erschaffen hat, übernommen. Hinzu kam die Gewissheit, dass dieser Gott sie aus der Unterdrückung der Ägypter befreit und sie zu seinem Volk gemacht hat. Auch das Volk Israel musste im Laufe seiner Geschichte viele engführende Gottesvorstellungen zurücklassen und lernen: "Gott ist ganz anders". Besonders einschneidend war für sie der Zusammenbruch des von Saul und David begründeten Königtums und des babylonischen Exils.
Es sind aber auch ganz neue Gotteserfahrungen hinzu gekommen. Im Auftreten Jesu machten seine Anhänger und einige Personen darüber hinaus die Erfahrung: "Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn!".Bezeichnenderweise lässt Markus dies den römischen, d.h. heidnischen Hauptmann, die die Hinrichtung Jesu beaufsichtigte, aussprechen. Im Rückblick auf das Leben Jesu entdeckten seine Jüngerinnen und Jünger immer deutlicher, dass in Jesu Art zu leben, zu reden und zu handeln, sich Göttliches manifestierte. Diese Überzeugung fand in der Rede vom "Sohn Gottes" seinen Ausdruck und seine Ausfaltung.
Doch damit nicht genug. Nach seinem Tod machten seine Anhänger die Erfahrung: Er lebt weiter in neuer Weise. Er wirkt weiter durch seinen Geist. Die Christen empfanden dies als ganz neue Epoche des Gottesglaubens. Da sich mittlerweile dieser Bewegung immer mehr Menschen aus dem multikulturellen Raum der römisch-griechischen Welt angeschlossen hatte, ergab sich die Notwendigkeit, ihre gesammelten Gotteserfahrungen in einer alle vereinenden Formel zum Ausdruck zu bringen, wie wir sie in den beiden großen Glaubensbekenntnissen überliefert bekommen haben.
Wir feiern heute das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ist es mehr als eine historische Reminiszenz? Hat diese überlieferte Glaubensformel auch heute noch Bedeutung? Für mich wird darin der Raum abgesteckt, innerhalb dessen sich das christliche Reden von Gott bewegen kann.
Zunächst fordert mich das Bekenntnis zum 1 Gott in 3 Personen auf, die vielen Erfahrungsmöglichkeiten des Göttliches, die wir auch heute machen, einerseits ernst zu nehmen und andererseits kritisch zu diskutieren. Ich finde die Vielfalt, mit der wir heute konfrontiert sind, ungemein inspirierend. Doch auch wir haben hinsichtlich unserer Gottesvorstellungen einen Weg der Läuterung nötig. Ich bin z. B. den Anhängern eines "wissenschaftlichen" Weltbildes dankbar, die darauf aufmerksam machen, dass ein einfältiger (!) Kreationismus (Schöpfungsglaube) zu kurz greift. Zugleich bin ich aber sicher, dass die Schöpfer der biblischen Schöpfungserzählungen alles andere als naive Kreationisten waren. Sie haben in einer literarisch unübertroffenen Weise ihren Glauben, dass diese Welt von einem unfassbaren und unbegreiflichen Gott ins Dasein gerufen worden ist, zum Ausdruck gebracht. Umgekehrt kreide ich ihnen an, dass manche ihre naturwissenschaftlichen Einsichten und Standpunkte zu einer Glaubenslehre hochstilisieren.
Ich bin überzeugt, dass jede Glaubens- und Gotteserfahrung einen kleinen Ausschnitt des großen und überwältigenden Geheimnisses Gottes zum Ausdruck bringt. Die jüdisch christliche Tradition lehrt mich aber: Gott ist immer noch viel größer und er ist jenseits jeder menschlichen Vorstellung.
Einen wichtigen Gegenpol zum alles übersteigenden Geheimnis Gottes finden wir im Glauben an die Göttlichkeit und Gottessohnschaft Jesu. Johannes lässt ihn sagen: "Wer mich sieht, sieht den Vater". In Jesus wird anschaubar, wie der Glaube an Gott im konkreten Leben Gestalt gewinnen kann. Wer seine persönliche Gotteserfahrung in eine persönliche Lebensgestaltung einfließen lassen und umsetzen will, kommt an der Person Jesu nicht vorbei. Er hat uns einen Maßstab vorgegeben, mit dem sich jeder religiös lebende Mensch früher oder später auseinandersetzen muss.
Gott ist aber nicht nur eine geschichtliche Größe, die das gesamt Dasein geschaffen und den Kosmos bis jetzt gelenkt hat. Der Geist Gottes lenkt auch in der Gegenwart und in der Zukunft das, was er geschaffen hat. Damit rechne ich, darauf vertraue ich.
Ein bedeutsamer Aspekt des christlichen Gottesbildes ist die Vorstellung, dass Gott Person ist, bzw. dass uns Gott in 3 Personen begegnet. Dass ich als Person einem anderen Menschen begegnen kann, dass ich lieben kann und mich geliebt erleben kann, gehört für mich zur dichtesten Erfahrung des Menschseins. Ein Gott, der dies nicht könnte, wäre für mich kleiner als der Mensch. Dass Gott dem Menschen nicht nur als unfassbares Mysterium gegenübertritt sondern auch als Person mit ihm spricht und ihn liebt, macht einen wesentlichen Teil meines christlichen Gottesbildes aus.
Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit lädt ein, sich über Gott Gedanken zu machen, das eigene Gottesbild zu überprüfen und es vielleicht auch zu erweitern. Es lädt aber auch ein, mit diesem Gott in Kontakt zu treten, mit ihm zu reden und ihm zu begegnen.
Alle Versuche, Dreifaltigkeit zu erklären, stoßen an unsere intellektuellen Grenzen, auch wenn es ganze Bibliotheken voll Literatur dazu gibt. Boshafter Spruch: Gott erfand die Theologen und schuf Handwerkszeug für sie, damit er endlich etwas über sich erfahren kann.
Lange Zeit sprachen wir von drei göttlichen Personen. Das brachte den Christen, vor allem seitens des Islam, den Vorwurf ein, selbst ein polytheistisches, also ein Gottesbild der Vielgötterei zu besitzen. Das Wort "Person" bedeutet heute etwas anderes als zur Zeit Jesu. Unter "Person" verstehen wir heute jemanden, der eigenständig und in Freiheit denkt und handelt, der über sich selbst bestimmen kann. Dadurch wird der Ausdruck von den "drei göttlichen Personen" missverstanden. Das war auch der Grund, weshalb das Konzil von Trient (1545-1563) die bildhafte Darstellung des Heiligen Geistes als Person verboten hat.
Wir feiern heute ein großes Fest der Beziehungen - DREIFALTIGKEITSSONNTAG. Die Texte am reich gedeckten Tisch des Wortes führen zu diesem Text der Beziehungen hin: "Meine Freude war es, bei den Menschen zu sein" (Spr 8,31) und Psalm 8,5-6: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt." Das Buch Genesis weist darauf hin, dass Gott dem Menschen, also Mann und Frau, göttlichen Atem eingehaucht hat. Luft brauchen wir zum Leben, auch zum Sprechen.
Das lateinische Wort personare bedeutet "durchtönen", "laut verkünden" In welchem Geist sprechen und handeln wir? Immer im Sinn des Evangeliums, der Frohen Botschaft?
Die erste Lesung verdeutlicht, dass Gott der Spender allen Lebens ist und er mit den Menschen in eine innige Beziehung eintreten will. Wie soll man sich das vorstellen?
Cogito ergo sum: Ich denke, also bin ich. Der Verstand allein reicht nicht aus, dieses große Geheimnis der Dreifaltigkeit zu begreifen.
Dubio ergo sum: Ich zweifle, daher bin ich. Auch Zweifel begleiten uns lebenslang, vor allem in dunklen Stunden nach Niederlagen und Schicksalsschlägen. Wird wirklich alles so sein, wie es uns zugesagt ist, eine in Frieden vollendete Welt? Sprechen nicht die täglichen Nachrichten dagegen?
Amo ergo sum: Ich liebe, ich lebe, daher bin ich. "Liebe" und "Leben" haben ähnliche Wortwurzeln. Amo ergo sum ist wohl die schönste Formel. In diesen drei Existenzweisen lebt der Mensch.
Der heutige Dreifaltigkeitssonntag zeigt, wozu wir berufen sind: Liebende Beziehung zu schaffen, zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen - ob es auch bei Unsympathischen gelingt, einen Versuch wäre es wert! Die liebende Beziehung entsteht durch einen guten Geist.
Am Beginn und am Ende eines jeden Gottesdienstes rufen wir die Dreifaltigkeit an. Damit wird zum Ausdruck gebracht, was Paulus in seiner Areopagrede (Apg 17,28) meint: "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir."
Gott umgibt uns als "Vater" (und "Mutter"), als "Sohn" und als "Heiliger Geist". Seine Dreifaltigkeit soll unseren Glauben nicht kompliziert machen, sondern zum Erlebnis eines Ereignisses werden. Reden und Erklärungsversuche kommen dadurch an Grenzen: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen." (Joh.16,12).
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt
GL 180,2: Wir glauben an den einen Gott (Credo)
GL 352: O heiligste Dreifaltigkeit
GL 353: Erhabene Dreifaltigkeit
GL 354: Gott ist dreifaltig einer
GL 355: Wir glauben Gott im höchsten Thron
GL 393: Nun lobet Gott im hohen Thron (3. Str.)
GL 405: Nun danket alle Gott (3. St.)
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte
GL 456: Herr, du bist mein leben, Herr, du bist mein Weg (4. Str.)
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 487: Nun singe Lob, du Christenheit (1. Str.)
GL 558: Danke dem Herrn, denn er ist gütig
GL Ö848 (Ö830): Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe
Psalmen und Kehrverse:
GL 33: Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name - Mit Ps 8. - VII.
GL 49: Jubelt Gott zu, der unsre Stärke ist, jauchzt dem Gott Jakobs! - Mit Psalm 81 - VI.
GL 60: Der Herr hat uns befreit; auf ewig besteht sein Bund - Mit Psalm 111 - VI.
GL 79: Der Name des Herrn ist erhaben: Seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel - Mit Psalm 148. - VII.
GL 401: Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue - Mit Psalm 95 (53,2) oder mit Psalm 116 (629,5) - VI.
Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Nach dem Osterfestkreis, in dem wir vor allem auf das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu geschaut haben und mit der Ausgießung des Heiligen Geistes und der Aussendung der Jünger abgeschlossen haben, stehen wir vor der Frage: Wer ist dieser Gott, der in Jesus von Nazareth Mensch geworden ist und sich uns gezeigt hat und der uns mit seinem Heiligen Geist erfüllt und in unserem Leben begleitet? Die Kirche hat sich auf die Formel geeinigt: Ein Gott in drei Personen. Doch was bedeutet das für uns, die Jesus in sein inniges Verhältnis zum Vater hineingenommen und uns mit dem Heiligen Geist Gottes ausgestattet hat?
Am Beginn dieser Feier treten wir vor Gott hin und bitten wir ihn, dass er sich in Liebe und Barmherzigkeit uns zuwende.
Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Mit dem Pfingstfest haben wir gleichsam die Vollzahl der großen Glaubensgeheimnisse erreicht.
Dieses Fest ist aber mehr als ein Nachklang des Pfingstfestes. Es fordert uns auf, die Größe Gottes allen Menschen bekannt zu machen. Niemand kann Gott voll begreifen und sein Geheimnis voll erfassen. Es ist aber wichtig, dass wir dennoch von Gott reden und unseren Glauben an ihn zum Ausdruck bringen, auch wenn die Worte, die uns dafür zur Verfügung stehen, nicht ausreichen.
Treten wir vor den dreifaltigen Gott hin und bitten wir ihn um sein Erbarmen.
Herr, Jesus Christus,
du bist aus der Liebe des Vaters hervorgegangen.
Herr, erbarme dich.
Der Geist der Liebe hat dich angetrieben,
das Reich des Vaters den Menschen zu erschließen.
Christus, erbarme dich.
Du wirkst in unserer Welt durch den Heiligen Geist.
Herr, erbarme dich.
Herr, himmlischer Vater,
du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt,
um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren.
Gib, daß wir im wahren Glauben
die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen
und die Einheit der drei Personen
in ihrem machtvollen Wirken verehren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Dreifaltigkeitssonntag
Heiliger Gott.
Du bist unsagbar größer,
als wir Menschen begreifen,
du wohnst im unzugänglichen Licht,
und doch bist du uns nahe.
Gib, daß wir heute mit Ehrfurcht vor dir stehen
und froh werden in deiner Nähe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 4
Vater im Himmel,
der du warst vor allem,
was wir uns vorstellen und erdenken können.
Dessen Wort alles schuf und ins Leben rief.
Du sandtest uns in Jesus Christus dein Wort in die Welt,
damit er uns ein Beispiel für ein Leben nach deinem Wort gab.
Er blieb deinem Wort treu in Leben und Tod.
Dein Wort rief ihn in die Auferstehung.
Und als er zu dir zurückkehrte,
schenkte er uns die Zusage deiner liebenden Kraft,
den Hl. Geist.
Lass uns in unserem täglichen Leben spüren,
dass dieses große Geheimnis deiner dreifältigen Vielfalt
auch in uns und unserer Zeit lebendiges Wort ist.
Das erbitten wir, durch Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Erhabener und doch naher Gott, staunend stehen wir vor der unfassbaren Größe und Liebe, die du uns in Jesus geoffenbart hast.
Wir legen unsere Bitten und Sorgen vor dich hin.
Wir bitten dich für die Opfer des Amoklaufes in Graz, für die Getöteten, die Verletzten und die Angehörigen.
Gib ihnen die Kraft, das Unfassbare zu tragen.
Wir bitten für die vielen Menschen, die erschüttert sind und daran Anteil nehmen.
Gib ihnen die Kraft, ihre Trauer und Wut zu bewältigen.
Wir bitten dich für die unzähligen Opfer der Kriege und des Terrors in Palästina, der Ukraine an vielen weiteren Orten.
Wecke in allen Beteiligten die Bereitschaft zu einem friedlichen Miteinander.
Wir bitten dich für die jungen Menschen.
Schenke ihnen Freude am Entdecken und Erforschen des Lebens und lehre sie das Staunen über die Größe deiner Schöpfung.
Wir bitten dich für die vielen Menschen, die nach Halt und Spiritualität suchen.
Lass sie erfahren, dass der Glaube an dich der Weg zu einem erfüllenden Leben ist.
Wir bitte dich für alle, die auf ihr Leben und ihre Erfahrungen zurückschauen.
Lass sie inneren Frieden finden und schenke ihnen die Hoffnung, dass du für sie noch Leben in Fülle bereit hast.
Wir danken dir, guter Gott, dass du uns in so vielfältiger Weise nahe bist, für uns sorgst und uns begleitest.
Dir vertrauen wir uns an. – Amen.
Unsere Bitten tragen wir vor dich, den in deiner Liebe dreieinen Gott:
Für alle, die selbst in den Schwierigkeiten ihres Lebens in dir Halt finden und diese Zuversicht aus ihrem Glauben auch mit anderen teilen.
Für die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft um einen Weitblick auf die globale Wirkung ihrer Entscheidungen.
Für alle, die sich allein gelassen fühlen, um helfende Hände und Worte, die ihnen wieder Mut zum Leben geben.
Für uns selbst, wenn es uns schwerfällt, andere Meinungen und Anschauungen gelten zu lassen und den Menschen, die dahinterstehen, mit Respekt zu begegnen.
Für unsere Verstorbenen bitten wir dich, dass du ihnen Anteil an deiner göttlichen Herrlichkeit schenkst.
Wir können dich nie ganz in deiner Größe und Weisheit erfassen. In Jesus hast du uns den Weg zu dir gezeigt. Der Heilige Geist begleitet uns auf unserer Suche nach dir. Dich ehren wir und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Vertrauen wir unsere Bitten Gott an, der in sich Gemeinschaft ist und Gemeinschaft mit uns sucht:
Wir bitten um eine Kirche, die sich nach dir ausrichtet und Vielfalt zulässt, gleiche Würde aller anerkennt und Gemeinschaft lebt.
Wir bitten um eine neue Weltordnung, die durch Krieg, Hungersnöte, Pandemien und nationalistische Machtansprüche brüchig geworden ist.
Wir beten für alle Männer, die sich als Väter in unserer rasch verändernden Gesellschaft immer neuen Herausforderungen gegenübersehen.
Wir bitten um einen weiten Blick auf alle, die nach dir suchen und offene Arme für alle, die mit uns Gemeinschaft haben wollen.
Wir beten für unsere Verstorbenen um Aufnahme in die Geborgenheit deiner göttlichen Dreieinigkeit.
Du begegnest uns in deiner Dreifaltigkeit als Schöpfer, als Mensch Jesus von Nazareth, der unter uns gelebt hat, und als Heiliger Geist, der in uns lebendig ist.
Dir gilt Lobpreis und Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Dreifaltiger und dreieiniger Gott,
wir glauben an dein Wirken in unserer Welt.
Darum bitten wir dich:
Auf vielfache Weise hast du den Menschen gezeigt,
dass du ein Gott bist, der Leben schenkt
und es in vielen Facetten und Nuancen zur Entfaltung bringt.
Hilf uns, deine Schöpfung zu erhalten
und allen Menschen Lebensraum zu geben.
Viele Kulturen und Religionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet.
Schenke allen Menschen gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.
Dein Geist vermag die Welt in eine gute Zukunft führen.
Lass alle Menschen erkennen, wie wertvoll Frieden ist,
der den Bedürfnissen aller gerecht wird.
Schenke allen Menschen die Gnade, deine Größe zu erkennen
und ihr Leben nach deinen Geboten auszurichten.
Befähige alle, die an dich glauben, ihren Glauben zu bezeugen
und den kommenden Generationen weiterzugeben.
Lass auch unsere Verstorbenen an der kommenden Welt teilhaben,
die du erschaffen wirst.
Dir dreifaltiger und dreieiniger Gott danken wir für alles,
was du uns gegeben hast.
Wir preisen dich mit der ganzen Schöpfung. – Amen.
Gott dürfen wir unseren Vater nennen.
Jesus Christus hat uns seine göttliche Liebe vermittelt.
Im Heiligen Geist ist diese seine Liebe fortwährend bei uns.
An ihn, den dreifaltigen Gott,
dürfen wir uns mit unseren Sorgen und Nöten wenden:
Wir bitten dich um das Geschenk der Einheit aller christlichen Kirchen.
Für uns allein ist sie nicht machbar.
Wir bitten dich um die Gabe der Weisheit für die Mächtigen dieser Welt.
Von ihren Entscheidungen hängt das Wohl vieler ab.
Wir bitten dich um Hoffnung für alle Menschen,
die in scheinbar hoffnungslosen Situationen verfangen sind.
In deiner Liebe geborgen findet sich Licht für den nächsten Schritt.
Wir bitten dich für uns selbst,
dass wir immer mehr zu Menschen der Liebe reifen.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen.
Ihnen hast du eine Wohnung beim Vater versprochen.
Vieles ist für uns Menschen nicht bis ins Letzte fassbar.
In Ehrfurcht stehen wir vor dem Geheimnis deiner göttlichen Liebe und können dich in unserer menschlichen Begrenztheit nur im Glauben rühmen und preisen, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gott, unser Vater,
wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein.
Heilige diese Gaben
und nimm mit ihnen auch uns an,
damit wir dir auf ewig gehören.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.
MB Dreifaltigkeitssonntag
Te Deum (altes GL 706)
Kehrvers: Dich, Gott, loben wir, dich Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle, dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Cherubim dir und die Serafim, mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.
Kehrvers
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Kehrvers
Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Kehrvers
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du eins wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.
Danklied, z. B. GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Mit deinem eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geist
bist du der eine Gott und der eine Herr,
nicht in der Einzigkeit einer Person,
sondern in den drei Personen
des einen göttlichen Wesens.
Was wir auf deine Offenbarung hin
von deiner Herrlichkeit glauben,
das bekennen wir ohne Unterschied von deinem Sohn,
das bekennen wir vom Heiligen Geiste.
So beten wir an
im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes
die Sonderheit in den Personen,
die Einheit im Wesen und
die gleiche Fülle in der Herrlichkeit.
Dich loben die Engel und Erzengel,
die Cherubim und Serafim.
Wie aus einem Mund preisen sie dich
Tag um Tag und singen auf ewig
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Dreifaltigkeitssonntag
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen.
Die Sünde hatte die Menschen von dir getrennt,
du aber hast sie zu dir zurückgeführt
durch das Blut deines Sohnes
und die Kraft deines Geistes.
Wie du eins bist mit dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
so ist deine Kirche geeint
nach dem Bild des dreieinigen Gottes.
Sie ist dein heiliges Volk,
der Leib Christi und
der Tempel des Heiligen Geistes
zum Lob deiner Weisheit und Liebe.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns
mit den Engeln und
Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 8
Alles durchdringst du
göttlicher Geist
die Höhen und die Tiefen
und jeglichen Abgrund
Du baust Brücken
wo keine Wege mehr sind
und du verbindest alles
was getrennt scheint
Durch dich regnen die Wolken
und lässt der Wind die Zweige tanzen
durch dich quillt aus der Erde
das köstliche Wasser
und nährt das frische Grün
Du führst auch die Menschen
die dir vertrauen
hinaus in die weite Freiheit
Du entzündest in ihnen
das Feuer deiner Liebe
und du schenkst ihnen
Weisheit und Segen in Fülle
Herr, unser Gott,
wir haben den Leib
und das Blut deines Sohnes empfangen.
Erhalte uns durch dieses Sakrament
im wahren Glauben und im Bekenntnis
des einen Gottes in drei Personen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dreifaltigkeitssonntag
Vater im Himmel,
in vielfältiger Weise willst du dich uns zu erkennen geben
und unser Leben begleiten,
es bunt, vielfältig und lebenswert machen.
Du willst Antrieb für unser Leben sein,
zu unserem Wohl und zum Wohl aller.
Dafür danken wir dir und bitten wir dich: bleibe bei uns,
wenn wir jetzt wieder in unseren Alltag gehen
und lenke du unsere Schritte.
Dir sei Lob in Ewigkeit. – Amen.
Es segne uns der Vater,
der uns und die ganze Schöpfung ins Leben rief.
Es segne uns der Sohn,
der mit uns dieses irdische Leben teilte
und dem alles Menschliche vertraut ist.
Es segne uns der Hl. Geist,
der Ansporn für unser Leben ist. – Amen.
Wie die neue Studie „Was glaubt Österreich?“ zeigt, verlieren religiöse Institutionen und nicht-religiöse Vereine Mitglieder, gleichzeitig hat aber Spiritualität und der Glaube für viele Menschen weiterhin eine große Bedeutung. Gerade junge Menschen verstehen sich häufig als religiös. Doch Glaube und Religiosität verändern sich. So verlieren nicht nur Institutionen, sondern auch der Glaube an einen personalen Gott für viele Menschen an Bedeutung. Demgegenüber steigt der Glaube an Schicksal, Universum und Allverbundenheit.
Wie die neue Studie zeigt, werden Religiosität und Glaubensvorstellungen dabei zunehmend pluraler. Während so einige Menschen eine Art neue Religiosität für sich finden, indem unterschiedliche Glaubensvorstellungen nach individuellen Bedürfnissen zusammengesetzt werden, halten andere strikter an Glaubens-, aber auch bestehenden Wertvorstellungen fest. Vor allem für das Zusammenleben ergeben sich hieraus zahlreiche Fragen. Besonders deutlich wird das auch durch die weit verbreitete Islamfeindlichkeit und den zunehmenden Antisemitismus, die die Studie deutlich zeigen.
Woran glauben die Menschen in Österreich? Was ist ihnen wichtig und wo finden sie Sinn? Als Religions- und Ethikabteilung des ORF wollen wir mit dem Projekt „Was glaubt Österreich?“ diesen Fragen auf den Grund gehen. Wir haben mit Menschen im ganzen Land darüber gesprochen, was ihnen in existenziellen Situationen Kraft und Halt gibt.
Seit 1972 liefert die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung – kurz KMU – alle zehn Jahre spannende Erkenntnisse rund um die Themen Kirchenmitgliedschaft und Religion. 2023 erschien die sechste Ausgabe der KMU – mit einigen neuen Schwerpunkten, zahlreichen schonungslosen Analysen und noch mehr wertvollen Erkenntnissen für die Zukunft.
Neu ist zum Beispiel, dass für die KMU 6 erstmals nicht nur evangelische Kirchenmitglieder und Konfessionslose, sondern auch Katholik*innen befragt wurden. Darüber hinaus sind Fragen des Klimaschutzes und der politischen Haltung, etwa zur Aufnahme Geflüchteter oder zur Demokratie, neu hinzugekommen.
Mehr: https://kmu.ekd.de/
Wenn Wasser verdunstet, ändert es seinen Zustand, nicht sein Wesen. Bei der Verdunstung des Glaubens verhält es sich ähnlich: Der Glaube geht von einer Phase in eine andere über, ohne seine Identität zu verlieren.
[...]
„Die wohl verschlossene Flasche könnte das Wasser bewahren. Anders die offene Schale.“ Der katholische Dichter-Theologe Lothar Zenetti erkennt in der Verdunstung des Glaubens keineswegs einen Verlust. Auch wenn die Schale mit der Zeit trocken wird und das Wasser aus ihr schwindet: Die Luft ist doch feucht geworden. „Spürt ihr’s noch nicht? Glaube liegt in der Luft.“
Zenetti geht in seinem Gedicht von einer zwar gewandelten, aber doch identischen Glaubensbasis aus. Davon kann heute nicht mehr die Rede sein. Die Botschaft vom Gott Jesu Christi wird nicht nur von immer mehr Menschen nicht geglaubt, sie ist vielen gar nicht bekannt. Die Verdunstung des Glaubens scheint viel weniger eine Chiffre für Kirchen- oder Gotteskrisen zu sein, sondern für eine fortschreitende Wissenskrise. Der „in der Luft“ liegende Glaube ist christlichen Glaubensinhalten und kirchlichen Glaubensgemeinschaften nicht immer eindeutig zuzuordnen, er scheint volatil, also veränderlich, flüchtig und diffus. Der gemeinsame Nenner besteht in der spirituellen Suchbewegung der Menschen - der Gottessehnsucht, wie sie etwa der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner diagnostiziert.
Wi e n , 2022-05-25 – 6,9 Millionen Menschen in Österreich – das sind 77,6 % der Bevölkerung – bekennen sich zu einer Religion, rund 2,0 Millionen (22,4 %) fühlen sich keiner Glaubensgemeinschaft zugehörig. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer freiwilligen Erhebung zur Religionszugehörigkeit, die Statistik Austria im Auftrag des Bundeskanzleramts 2021 durchgeführt hat. "Mehr als drei Viertel der Bevölkerung in Österreich bekennen sich zu einer Religionsgemeinschaft, etwas über ein Fünftel gehört keiner Glaubensgemeinschaft an. Damit hat sich der Anteil der Bevölkerung ohne religiöses Bekenntnis in den vergangenen 60 Jahren um 18,6 Prozentpunkte erhöht.
Der Anteil der Menschen römisch-katholischen und evangelischen Glaubens ist im selben Zeitraum um 36,2 Prozentpunkte von 95,2 auf 59 Prozent zurückgegangen. Treiber sind neben der kräftig zunehmenden Säkularisierung auch einen Trend zu mehr religiöser Diversität", erklärt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.
Ganzen Beitrag als PDF herunterladen
nur der eine Gott
aber nicht einsam – ein ICH
kein starrer Punkt –
sondern Dynamik
Ein Gott der Bewegung
ein Gott der Beziehung
ein Gott des Lebens
und vor allem -
ein Gott der Liebe
VATER
Ursprung allen Lebens
DU
vielfältig
uns und diese Welt schaffend
nach deinem Bild
größer – als wir ein Bild von dir denken können
schenkende Liebe
durch und durch
So große Liebe
dass du sie als SOHN
in diese Welt gesandt hast
als dein Wort
als Zeichen deiner Liebe
als unseren Bruder
sich diesem menschlichen Leben ganz aussetzend
gehorsam dir –
bis in den Tod
ER – der dein Wesen neu offenbarte
sich deinem Willen unterwarf
damit wir Erlösung finden
Und der uns nicht zurückließ
verwaist
vereinsam
ohne Hoffnung
Sondern uns als Geschenk und Beistand
RUACH –
die Geistin
der ewigen Schöpfung
der ewigen Liebe
zurückließ
damit wir das Leben
in Fülle
haben
Dreifaltig bist du
GOTT
und doch
ganz unfassbare
VIELFALT
Beatrix Senft, unveröffentlicht
Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk, das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, gerecht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihrem besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der Heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, und uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt.
Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen soll; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zu dem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder denken, besonders wenn das letzte Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel befördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt.
„Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Mit diesen Worten beginnen unsere christlichen Gottesdienste. So möchte auch ich meinen kleinen Beitrag beginnen. Ich will damit sagen: Ich schreibe jetzt nicht einfach im eigenen Namen, sondern im Namen einer Macht, die über alle unsere Vorstellungen hinausgeht und der wir unser Dasein verdanken. Ich darf sie begreifen als väterlich mir zugewandt, als geschwisterlich nahe und innerlich mir verbunden. Das wollen diese Begriffe „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ zum Ausdruck bringen. „Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ sind symbolische Begriffe. Natürlich hat Gott keinen Sohn, wie wir uns Nachkommenschaft vorstellen, und auch keinen Geist, der mit unserem Geist auf einer Linie läge. Gott „der Vater“ – das meint: Ich weiß, dass ich mein Leben nicht mir selbst verdanke. Gott „der Sohn“ – das meint: Ich weiß, dass ich nicht dafür garantieren kann, dass aus meinem Leben etwas wird. Aber im Blick auf das Leben und Sterben und die lebendige Gegenwart Jesu aus Nazareth kann ich zuversichtlich sein. Der „heilige Geist“: Ich weiß, dass mein Geist und meine Energie nicht ausreichen, sondern dass ich auf eine Kraft angewiesen bin, die mich inspiriert und voranbringt.
Wie ist der Glaube an den dreieinen Gott entstanden?
Warum braucht es dazu eine so komplizierte Vorstellung wie die der Dreieinigkeit? Letztlich ist sie gar nicht so kompliziert. Man versteht sie vielleicht besser, wenn man sich klar macht, wie sie entstanden ist. Die ersten Jünger und Jüngerinnen Jesu sind Jesus nachgefolgt, weil sie sich ihm nicht entziehen konnten und weil die Begegnung mit ihm ihrem Leben eine neue Perspektive gegeben hat. Damit hat sich ihnen natürlich die Frage nahegelegt: Woher kommt dieser Jesus, woher hat er diese Ausstrahlung und diese Anziehungskraft? Wie verhält sich das alles zu Gott, von dem doch schon im Alten Testament die Rede ist? Sie entdeckten die Beziehung zwischen Gott „dem Vater und „dem Sohn“. Und die Wirkung, die er auf sie ausgeübt hat, war so stark, dass sie sagen mussten: In ihm begegnet uns Gott selbst, in ihm manifestiert sich die göttliche Kraft. Gott selbst identifiziert sich mit ihm, mit seinem Lehren und Heilen, aber auch mit seinen äußeren Belastungen und seinen inneren Bedrängnissen, seinem Leiden und Sterben. In ihm wirkt „der heilige Geist“, der uns ansteckt. Was machen wir jetzt? Wir müssen uns ändern, wir lassen uns taufen, um diese Kraft des Heiligen Geistes auch zu empfangen, um in ihr mit einander zu leben und Gutes zu tun.
Worin besteht die innere Logik des Glaubens an den dreieinen Gott?
Mir leuchtet das trinitarische Bekenntnis auch in seiner inneren Logik unmittelbar ein. Ich kann mir das an den Fingern herzählen.
Zuerst: Ich brauche zum Leben eine Basis, wie sie mir gegeben ist in Gestalt meines Körpers, meiner Lebenskraft, meiner Sprach- und Denkfähigkeit, meiner Energie, meiner Begabung. Das sagt mir das Symbol von Gottes Schöpferkraft, die ja auch alles um mich her erfüllt.
Zweitens: Ich brauche aber darüber hinaus auch Orientierung. Woran soll ich mich halten? Wohin soll ich mit meiner Kraft, mit meinem Leben? Aber auch, wohin soll ich, wenn etwas nicht klappt, wenn mich meine Kräfte verlassen oder wenn ich meine Kräfte falsch eingesetzt habe? Die Gestalt Jesu, wie sie in den Evangelien begegnet, gibt mir klare und auch immer wieder überraschende Anhaltspunkte. Aber warum gerade Jesus? Wer sich auf ihn einlässt, merkt: Jesu Leben und Lehren hat seine eigene Evidenz; Liebe, wie er sie verkörpert, braucht keine eigene Begründung. Und doch kann ich mich nicht ohne Weiteres selbst aufraffen zu einem Leben und zu einem Vertrauen, das der Einladung Jesu entspricht.
Deswegen drittens: Wenn ich es dann doch kann, verdanke ich es nicht mir, sondern es passiert einfach. Christen nennen das die Wirkung des Heiligen Geistes. So wirken der Schöpfer, der Erlöser und der Vollender gleichsam zusammen, dass aus meinem Leben etwas wird. Dass das Leben Sinn bekommt, dass es mit meiner und mit der ganzen Weltgeschichte schließlich gut ausgehen wird.
Worin besteht die Bedeutung einer Theologie des „Drei = eins“?
Die Theologen der späteren Jahrhunderte haben dann mit allen Mitteln des damaligen Denkens und der damaligen Philosophie versucht nachzuzeichnen, wie sich das mit dem dreieinigen Gott im Einzelnen verhält. Sie haben sich dabei mitunter übernommen. Deswegen denken heute viele auch unter den Christen: 3=1 – das ist doch unverständlich. Aber genau das soll es sein! Den dreieinen Gott kann man nicht denken, man kann ihn sich nicht vorstellen. Und deswegen hat man sie dafür ein Kunstwort geschaffen, das es so vorher gar nicht gab, nämlich „trinitas“, wovon sich unser „Trinität“ ableitet. Man kann nicht einmal einen richtigen Begriff für ihn finden. Im Deutschen haben wir uns daran gewöhnt, ihn den „dreieinigen“ Gott zu nennen. Ich mag diesen Begriff nicht, weil er leicht die Vorstellung auslöst, da seien drei mit einander einig geworden. Deswegen sage ich lieber: der „dreieine“ Gott, da merkt man schon am Begriff, dass das unser Vorstellen und Denken überschreitet. Das kann man nicht in ein Bild fassen. Da reicht keine bildliche Darstellung hin. Man kann sich den dreieinen Gott nicht vorstellen, und man soll das auch nicht. Der trinitarische Glaube ist sozusagen die andere Seite des Gebots: „Du sollst dir kein Bildnis machen“, die andere Seite der „Medaille“. Diesen Gott kann man nicht denken. Er sprengt unsere Maßstäbe und Denkkategorien. Er ist zu groß. Allahu akbar, könnte ich an dieser Stelle sagen. Und dies wiederum verbindet uns auch mit asiatischen Religionen, die davon etwas wissen, dass man das Letzte und Höchste nicht denken kann, dass es nicht einmal in den Kategorien von Sein und Nichtsein aufgeht. (…)
Die Aussage "Der Logos und der Heilige Geist sind Gott selbst" ist nicht eine Abschwächung oder Verdunkelung des richtig verstandenen Monotheismus, sondern seine Radikalisierung. Monotheismus als religiöse und theologische Aussage ist ja nicht eine abstrakt metaphysische Theorie über ein fernes Absolutum, sondern die Aussage des einzigen Absolutums gerade von dem Gott, mit dem wir es konkret in der Heilsgeschichte zu tun haben. Wenn dieser Gott der konkreten Heilsgeschichte darin seine absolute und unbedingte Selbstmitteilung in Geschichte und Transzendenz verwirklicht, dann darf auf der einen Seite die Verschiedenheit dieser Gegebenheitsweisen nicht geleugnet werden, darf aber diese Gegebenheitsweise andererseits nicht so zwischen den einen Gott und die mit Gott begnadete Kreatur geschoben werden, daß sie als bloß kreatürliche eben doch mehr den Abstand als die Nähe Gottes zur Kreatur konstituieren würde. Wenn und insoweit (was natürlich nicht bestritten werden kann) kreatürliche Vermittlungen zwischen Gott und den Menschen gedacht werden können und gegeben sind, und wenn diese im Bereich des religiösen Verhältnisses des Menschen zu Gott auftreten und so eine numinose Qualität haben, ist eigentlich die Gefahr eines ausdrücklichen oder verschleierten Polytheismus immer gegeben: Der Mensch greift zu solcher Vermittlung, hält sie absolut fest, bejaht sie wenigstens unausdrücklich in solchem absolutem Festhalten als Gott selbst, und sie ist doch in Wahrheit endliche Kreatur, die gar nicht Gott in sich selbst geben kann.
Der religiöse Monotheist steht darum für den Christen unausweichlich vor folgenden Alternativen: Entweder entmythologisiert er in einem theoretischen Monotheismus alle (wenn auch bleibenden und unvermeidlichen) Vermittlungen seines Verhältnisses zu Gott (gleichgültig, ob solche als Wort, Schrift, Sakrament, Institution usw. gedacht werden) als bloß kreatürliche, die letztlich den absoluten Gott in eine unendliche Ferne entrücken, und wird so zu einem bloß theoretischen Monotheisten, für den Gott so entrückt ist, wie die oberste Gottheit in sehr alten und primitiven Religionsgestalten, weil man sich konkret eben doch an diese partikulären und endlichen Vermittlungen ausdrücklich oder verhohlen polytheistischer Art halten muß und so die Religion praktisch doch wieder Andacht und numinose Verklärung der Welt wird; oder der Mensch nimmt den radikalen Monotheismus ernst, weigert sich aber dabei, die Gegebenheitsweise des monotheistischen Gottes für ihn selbst als selbstgöttlich zu verstehen, dann muß er die Gegebenheitsweise Gottes als radikal kreatürlich und endlich und diesseits des Abgrundes zwischen Gott und der Kreatur liegend verstehen und endet dann eben doch nur auch wieder in einem theoretischen und abstrakten Monotheismus, der Gott nur unendlich ferne sein läßt, und hält sich zwangsläufig im faktischen religiösen Vollzug an diese kreatürlichen Vermittlungen als dem für ihn eigentlich doch nur konkret in Frage kommenden Religiösen, ob dieses dann Gebot, Schrift, Bund Gottes usw. genannt werden mag. In beiden Fällen also wird er unsicher schweben zwischen einem abstrakten Monotheismus, der das Eigentliche des religiösen Monotheismus gar nicht radikal ernst nehmen kann, und einem verhohlenen Polytheismus, der jene geschöpflichen Wirklichkeiten faktisch doch absolut setzt, die ihm Gott vermitteln sollen, obwohl sie endlich sind. (Es scheint mir, daß man dieses Schweben zwischen einem abstrakten Monotheismus und einem uneingestandenen Polytheismus bis in die heutige abendländische Geistesgeschichte hinein verfolgen könnte, bis etwa bei Hölderlin, Rilke, Kerenyi, Heidegger usw.) Immer wieder wird versucht, zwischen dem Göttlichen und den Göttern zu unterscheiden.
Oder der religiöse Monotheist hat, getragen von Gottes Gnade selbst, die absolute Zuversicht, daß der absolute Gott an sich selbst ihm unbedingt nahe gekommen ist. Dann aber muß er die vermittelnden Gegebenheitsweisen selbst für göttlich im strengen Sinn des Wortes erachten. Er muß beides sagen, auch wenn er zu dieser Doppelaussage keine sie überbietende, sie aus einem ursprünglicheren Punkt verständlich machende höhere Synthese für diese Doppelaussage anbieten kann: Der eine, einzige Gott ist in zwei Gegebenheitsweisen als er selber dem Menschen nahe, und diese beiden Gegebenheitsweisen sind selber Gott. Diese nicht mehr übergreifbare Doppelaussage ist darum die Radikalisierung desjenigen Monotheismus, um den es sich in einer religiösen Dimension handelt. Denn der richtig verstandene monotheistische Gott ist der nahe Gott konkreter Heilsgeschichte. Nur wenn diesem in einem letzten Sinne geschöpfliche Vermittlungsweisen abgesprochen werden, sosehr es natürlich auch solche gibt, ist er wirklich der einzige und dennoch zugleich der nahe Gott, der als er selber in der Heilsgeschichte da ist. Der Satz von der Identität der Gegebenheitsweisen Gottes mit Gott selbst ist nur die andere Seite des Satzes, daß jede bloß kreatürliche Vermittlung zwischen Gott und Mensch diesen Gott in eine absolute Ferne rückt, aus einem konkreten Monotheismus einen abstrakten macht und den Menschen dann in der Konkretheit seines religiösen Lebens doch verhohlen polytheistisch sein läßt. Gott muß durch sich selbst zu sich vermitteln, sonst bleibt er letztlich fern und nur in dieser Ferne gegeben durch die zerteilende Vielfalt kreatürlicher Wirklichkeiten, die in Gottes Ferne hineinweisen. Das sagt der Satz von der Göttlichkeit der zwei fundamentalen Gegebenheitsweisen Gottes in der Welt, und er ist somit das radikale Ernstnehmen des konkreten Monotheismus.
Aus: Karl Rahner Lesebuch. Herausgegeben von Karl Kardinal Lehmann und Albert Raffelt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien. 2004 (1982).
Zum Alltag gehört - hoffentlich ist es so - nicht nur der Ernst der alltäglichen Arbeit, sondern auch das Lachen. Das Lachen ist eine sehr ernste Sache. Denn es verrät den Menschen oft mehr als seine Worte. Wenn wir vom Lachen reden, meinen wir das gute Lachen. Zwar gibt es auch ein Lachen der Toren und der Sünder, wie uns der weise Sirach belehrt (Sirach 21,23; 27,14), ein Lachen, über das der Herr sein Wehe spricht (Lukas 6,25). Dieses Lachen ist hier nicht gemeint. Wir meinen das lösende Lachen, das aus einem freundlichen und heiteren Herzen kommt.
Es kann nur in dem sein, der durch die Liebe zu allem und jedem die freie und gelöste Sympathie hat, die alles nehmen und sehen kann, wie es ist: das Große groß, das Kleine klein, das Ernste ernst und das Lächerliche lachend. Weil es dies alles gibt und es so, wie es ist, von Gott gewollt ist, darum soll es auch genommen werden, wie es ist, soll nicht alles gleich genommen werden und das Komische und Lächerliche belacht werden. Das kann aber nur der, der nicht alles an sich misst, der von sich frei ist, jene geheime Sympathie mit allem und jedem besitzt, vor der jedes zu seinem eigenen Wort kommen kann. Sie aber hat nur der Liebende.
Und so ist das gute Lachen ein Zeichen der Liebe, eine Offenbarung und Vorschule der Liebe zu allem in Gott.
Aber dieses harmlose, unschuldige Lachen der Kinder Gottes ist noch mehr. Auch es ist ein Gleichnis. Das Wort Gottes selbst hat diese Analogie ausgesprochen, die wir meinen. Die Schrift macht das Lachen, diese kleine Kreatur, von der man meinen müsste, sie müsse sich verstummend ins Nichts auflösen, wenn sie die Hallen der Unendlichkeit Gottes betritt, zum Bild und Gleichnis der Gesinnung Gottes selbst. Das Wort der Schrift könnte uns erschrecken, aber sie sagt, dass Gott im Himmel lacht, lacht das Lachen des Sorglosen, des Sicheren, des Unbedrohten, das Lachen der göttlichen Überlegenheit über all die grausame Wirrnis einer blutig qualvollen und irrsinnig gemeinen Weltgeschichte, lacht gelassen, fast möchte man sagen, mitleidig und wissend über das tränenvolle Schauspiel dieser Erde. (Oh, er kann es, weil sein ewiges Wort auch selbst mit uns geweint und alle Gottverlassenheit dieser Welt ausgelitten hat.) Gott lacht, sagt die Schrift und bezeugt so, dass noch im letzten Lachen, das irgendwo silberhell und rein aus einem guten Herzen über irgendeine Dummheit dieser Welt aufspringt, ein Bild und Abglanz Gottes aufstrahlt, ein Abbild des siegreichen, des herrlichen Gottes der Geschichte und der Ewigkeit, dessen eigenes Lachen bezeugt, dass im Grunde eben doch alles gut ist.
Karl Rahner in: Schenk deiner Seele ein Lächeln. Worte, die gut tun. Sonderband 2009. Herausgegeben von Sylvia Müller und Ulrich Sander. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2009
Kenne ich Gott? Immer wieder erstaunt und befremdet es mich, mit welcher Sicherheit manche vorgeben, Gott zu kennen. Und wie viel Streit, ja Kriege gab es im Lauf der Geschichte - wegen Gott, richtiger: wegen der Vorstellungen, die sich Menschen von Gott machen. All die vielen Gottesbilder sagen aber mehr über unsere Vorstellungen von ihm und recht wenig über Gott selbst. Wie wenig wissen wir doch von Gott! Sehr sympathisch ist mir die Einsicht des Nikolaus von Kues, eines der größten Denker des Mittelalters (1401-1464). Er sagte von Gott: "Er ist nur sich selbst bekannt."
Ein Hinweis aus der Bibel hilft mir, nicht bescheidwissend über Gott zu reden, dafür diskret und eher schweigend mich ihm anzuvertrauen: Es ist das Allerheiligste im einstigen Tempel in Jerusalem. Er wurde im Jahr 70 nach Christus zerstört.
Viel früher und in anderen Religionen war es üblich, den besonders heiligen Ort mit einem Götter-Bild zu versehen. Ganz anders das Allerheiligste im Tempel von Jerusalem. Als der römische Kaiser Titus 70 nach Christus den Tempel erstürmte und plünderte, vermutete er wohl kostbare Beute. Doch im Allerheiligsten traf er nur Leere, nur ein Nichts an. Nichts hinter den Vorhängen. Nichts als ein leerer Raum.
Überhaupt einen Tempel zu bauen war für die Israeliten schlichtweg ein Rückschritt, zumindest ein Kompromiss, jedenfalls ein Zugeständnis an die Natur des Menschen, der sich schwer tut, einen unsichtbaren Gott zu akzeptieren; der unfähig zu sein scheint, Gott mit Herz und Geist zu dienen; der ständig versucht ist, Gott ein greifbares Äußeres zu geben, das aber immer nur ein Zerrbild sein kann. Der Tempel ist daher weniger Gott als vielmehr den Menschen zugedacht.
So ist der Tempel von Jerusalem ein Ort, der stets daran erinnert: Gott ist nicht darstellbar, Gott ist ortlos - ein ferner, heiliger, unnahbarer Gott, dem man sich nicht unangemessen nähern darf. Und doch - das ist ebenso jüdischer Glaube - möchte Gott bei seinem Volk sein. Es freut ihn geradezu, mitten unter den Menschen zu wohnen (Exodus 29,45-46). Er möchte ihnen ein barmherziger, gütiger, mitfühlender Gott sein (Exodus 34,6 und öfter).
So ist das Allerheiligste im Tempel von Jerusalem Zeugnis für Gottes Abwesenheit und Symbol für seine Gegenwart unter den Menschen: ein leerer, bildloser, nackter Raum, ganz einfach. Das ist einmalig in der Welt der Religionen!
Der Theologe Anselm von Canterbury - er lebte im 11. Jahrhundert - nannte Gott "dasjenige, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann." Wenn ich über Gottes Anwesenheit im Zeichen des Allerheiligsten nachdenke, verleitet das zu der Überlegung: Ist Gott vielleicht auch dasjenige, über das hinaus nichts Einfacheres gedacht werden kann?! Gottes Einfachheit - das überrascht und beschämt! Und doch können diesen Gott nach den Worten der Bibel "selbst der Himmel und die Himmel der Himmel nicht fassen" (1 Könige 8,27).
Diesen fernen, heiligen, unnahbaren Gott jedoch in einen ebenso fernen Himmel zu verbannen, das birgt eine ganz andere folgenschwere Gefahr in sich. "Wo wohnt der liebe Gott"? - das ist nicht nur eine berühmte Kinderfrage. Das beschäftigt die Menschen seit jeher. Und seit Menschengedenken ist die gängige Antwort: "Da oben - im Himmel."
Dieses "Emporblicken" hatte in der Religionsgeschichte, besonders auch im Christentum, weit reichende Folgen. Ein Gott, der oben, im Himmel angesiedelt wurde, rückte in unerreichbare Fernen. Fern, nicht nur räumlich gesehen, sondern - und das ist noch schwerwiegender - fern im geistig-geistlichen Sinn.
Um diesem Gott begegnen zu können, war die Frömmigkeit "aufwärtsgerichtet", ein mitunter mühsamer Aufstieg zu Gott. Da konnte es gar nicht ausbleiben, dass man sich gleichzeitig wegbewegte vom Leiblichen, vom Sinnlichen, vom Materiellen, von allem Irdischen, das die Seele in ihrem Höhenflug zu Gott behindern oder aufhalten könnte.
Da verwundert es auch nicht, dass das Ziel einer solchen nach oben gerichteten Frömmigkeit darin bestand, möglichst vollkommen zu sein. Viel seelisches Leid beruht auf diesem Anspruch, möglichst vollkommen zu sein, um vor Gott bestehen zu können.
Ein solches Gottesbild aber war nie biblisch, sondern stets eine Erfindung von Menschen. Man hatte vergessen, dass der Gott der Bibel gar nicht im Himmel sein wollte. Die Menschen sollten vielmehr erkennen, dass er "in ihrer Mitte wohnen" möchte (Exodus 29,45-46). Also gerade nicht oben drüber, sondern mittendrin. Immer wieder betonen es die Propheten Israels, dass sich Gott geradezu freut, inmitten seines Volkes bei den Menschen zu sein. So kann und will er ihnen ein Vater der Barmherzigkeit, ein Gott des Trostes sein und ihnen in allen Lebenssituationen sein Mitgefühl zeigen. Diese Absicht Gottes fasst der jüdische Glaube in das Bekenntnis: ,,Jahwe ist ein barmherziger und mitfühlender Gott, langmütig, reich an Huld und Treue" (Exodus 34,6).
Weil es Gott damit bis in die letzte Konsequenz hinein ernst ist, deshalb ist er in Jesus von Nazaret selbst Mensch geworden, um in allem "mitfühlen" zu können. Nachzulesen im Hebräerbrief des Neuen Testaments (Hebräer 4,15).
Nicht alle hatten dieses Gottesbild vergessen. Für Meister Eckhart (1260-1327) etwa, eine bedeutende geistliche Persönlichkeit des Mittelalters, war die überzeugendste Eigenschaft Gottes und der dauerhafteste Name für Gott: Mitgefühl. Gerade das macht den Gott Israels, den Gott Jesu so menschlich - seine mitfühlende Nähe.
Aus: Michael Broch, Von Auferstehung bis Zweifel. Den Glauben neu sagen. Schwabenverlag Ostfildern 2001.

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Der Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter führt zurück auf die Geschichte der Schöpfung. Die priesterschriftliche Überlieferung in Gen 1,1-2,4 setzt ein mit: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser." Im Hebräischen ist dafür der weibliche Begriff "ruach" verwendet, das ist der Atem, der Lebenshauch Gottes.
Im Buch der Sprichwörter ist es die Weisheit, welche die "ruach" beerbt und sich in einem Gedicht als erstes Geschöpf Gottes vorstellt. Liebevoll und variantenreich dargestellt, begegnet uns hier die Schöpfungsgeschichte neu geordnet: "Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern ... als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm." Davor und dazwischen: Urmeere und Quellen, Berge und Hügel, Erde, Fluren und Schollen.
Höhepunkt der weisheitlichen Rede ist, dass das "geliebte Kind" allezeit vor IHM spielt, auf "seinem Erdenrund", und von sich sagt: "und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein." Eine schöpferische Leichtigkeit liegt in dem Wort "spielen". Frau Weisheit geht überhaupt spielerisch mit der Schöpfung um, weil das "geliebte Kind" aus den befestigten Wolken und abgemessenen Fundamenten noch etwas anderes bewirkt: "So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod." (Spr 8:32-36) - Die Schöpfungsgeschichte wird zu einer Wegweisung verdichtet, in der Menschen Halt finden.
Im Buch der Sprichwörter tritt die Weisheit auf die Bühne. Der Evangelist Johannes wird dann den Logos vorstellen: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen." (Joh 1,1-5)
In unserem Abschnitt werden folgende Aussagen zur Weisheit gemacht: Sie stammt von Gott und ist das erste seiner Geschöpfe - noch bevor alles andere war. Damit hat sie eine herausragende Stellung: Sie ist Gottes Begleiterin in seinem Schaffen und gleich seinem geliebten Kind. Im letzten Vers unserer Lesung teilt uns die Weisheit ihrerseits ihre Vorliebe mit: Ihre Freude war es, bei den Menschen zu sein. Gottes liebstes Kind, die Weisheit, ist bei den Menschen zu finden! Aus diesem Grund gilt es für den Menschen, sich um die Weisheit zu sorgen, sie zu pflegen und auf ihre Mahnungen zu achten.