Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung
aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
gingen Petrus und Johannes zur Gebetszeit
um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
Da wurde ein Mann herbeigetragen,
der von Geburt an gelähmt war.
Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels,
das man die Schöne Pforte nennt;
dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen,
um Almosen betteln.
Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah,
bat er sie um ein Almosen.
Petrus und Johannes blickten ihn an
und Petrus sagte: Sieh uns an!
Da wandte er sich ihnen zu
und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht.
Doch was ich habe, das gebe ich dir:
Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
Und er fasste ihn an der rechten Hand
und richtete ihn auf.
Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
er sprang auf,
konnte stehen und ging umher.
Dann ging er mit ihnen in den Tempel,
lief und sprang umher und lobte Gott.
Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
Sie erkannten ihn als den,
der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß
und bettelte.
Und sie waren voll Verwunderung und Staunen
über das, was mit ihm geschehen war.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Ihre Botschaft geht hinaus in die ganze Welt. - Kv
GL 35,1
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes *
und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.
Ein Tag sagt es dem andern, *
eine Nacht tut es der andern kund, - Kv
ohne Rede und ohne Worte, *
ungehört bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinden in Galátien.
Ich erkläre euch, Schwestern und Brüder:
Das Evangelium, das ich verkündet habe,
stammt nicht von Menschen;
ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen
oder gelernt,
sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi empfangen.
Ihr habt doch von meinem früheren Lebenswandel
im Judentum gehört
und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte
und zu vernichten suchte.
Im Judentum machte ich größere Fortschritte
als die meisten Altersgenossen in meinem Volk
und mit dem größten Eifer
setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.
Als es aber Gott gefiel,
der mich schon im Mutterleib auserwählt
und durch seine Gnade berufen hat,
in mir seinen Sohn zu offenbaren,
damit ich ihn unter den Völkern verkünde,
da zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate;
ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf
zu denen, die vor mir Apostel waren,
sondern zog nach Arábien
und kehrte dann wieder nach Damáskus zurück.
Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf,
um Kephas kennenzulernen,
und blieb fünfzehn Tage bei ihm.
Von den anderen Aposteln sah ich keinen,
nur Jakobus, den Bruder des Herrn.
Was ich euch hier schreibe –
siehe, bei Gott, ich lüge nicht.
Den Galatern einen Brief zu schreiben, wurde von Leuten veranlasst, die unter den Galatern die Autorität des Paulus und die Richtigkeit seiner Lehre in Frage stellten. Es geht dabei um den Grundkonflikt des Christentums in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens. Ist der neue Weg lediglich eine Reformbewegung innerhalb des Judentums, der die Religiosität der Menschen zu größerer Echtheit zurückführen will, oder ist er etwas Neues, der zu anderen Konsequenzen und von den traditionellen jüdischen Lebensweisen wegführt.
Paulus war ursprünglich selbst frommer und übereifrig gesetzestreuer Jude, welcher die abweichende neue Bewegung auf das Heftigste bekämpfte. Durch ein intensives Berufungs- und Umkehrerlebnis, in dem ihm Christus persönlich begegnet ist, hat er sich selbst dem neuen Weg angeschlossen. Nun beruft er sich darauf, dass ihm das Evangelium, das er den Galatern verkündigt hat, von Jesus Christus selbst empfangen habe. Er ist und war nie Schüler der Apostel, sondern sieht sich durch seine Begegnung mit Christus dazu berufen und ermächtigt, die Frohe Botschaft zu verkünden.
Paulus beansprucht für sich eine Autorität, die von Christus selbst kommt, und die er nicht erst von den Aposteln bestätigen lassen musste. Für ihn ist klar, dass das Christentum ein eigenständiger, vom traditionellen Judentum unabhängiger Weg ist. Erlöst wird der Mensch nicht durch eine bessere Beobachtung des Gesetzes als vielmehr durch den Glauben an Jesus Christus.
Halleluja. Halleluja.
Herr, du weißt alles;
du weißt, dass ich dich liebe.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal,
am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes,
liebst du mich mehr als diese?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Lämmer!
Zum zweiten Mal fragte er ihn:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Schafe!
Zum dritten Mal fragte er ihn:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Da wurde Petrus traurig,
weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich?
Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles;
du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
Weide meine Schafe!
Amen, amen, ich sage dir:
Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet
und gingst, wohin du wolltest.
Wenn du aber alt geworden bist,
wirst du deine Hände ausstrecken
und ein anderer wird dich gürten
und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus,
um anzudeuten,
durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde.
Nach diesen Worten sagte er zu ihm:
Folge mir nach!
Der sog. unechte Schluss des Johannes-Evangeliums ist echt-kanonisch, variiert die Ostergeschichte und verleiht ihr einen besonderen Nachdruck. Gegen alle Vergeistigung oder Spirtualisierung - alte Gefährdungen der Auslegung (vgl. Doketismus, Gnosis u.a.) - fällt auf, dass der Auferstandene zu seinen Jüngern kommt, um mit ihnen zu essen: Geister essen nicht!
Aufbau und Gliederung der Geschichte sind kunstvoll: Die Verse 1-14 erzählen - analog - dem "dritten Tag" - die dritte Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern. Besonders hervorgehoben ist, was Petrus sagt und tut. Erzählt wird die Begegnung des Auferstandenen in der Form der synoptisch überlieferten Berufungsgeschichte (vgl. die Motive Fischfang - erfolglose Nacht - Geheiß Jesu, die Netze auszuwerfen - großer Fischzug) mit der Pointe, zu "kommen" und zu "essen". Unverkennbar ist auch der eucharistische Sprachgebrauch: Nehmet und esset...
Die Langfassung des Evangeliums fügt in den Versen 15-19 die Begegnung des Auferstandenen mit Petrus an. Er, der dreimal verleugnete, Jesus zu kennen, wird dreifach von ihm beauftragt, seine Herde zu weiden. In einem Ausblick wird auch auf das Geschick des Petrus ("Simon, Sohn des Johannes") verwiesen.
Über diesen beiden Schlussszenen steht, dass Jesus sich "danach" (nach Ostern) - vgl. Vers 1 - seinen Jüngern offenbart. Vers 14 schließt den ersten Teil ab: Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte. Am Ende des zweiten Teils - vgl. Vers 19 - wird die Offenbarung auf die Verherrlichung bezogen.
In Vers 19 wird allerdings auch deutlich, dass - in den beiden Teilen - Petrus mit der Autorität des Auferstandenen rehabilitiert wird. Das Christus-Bekenntnis Simons und das Petrus-Wort Jesu (Mt. 16) werden von dem Auferstandenen mit neuem Leben versehen. Wir sehen hier die ekklesiologische Seite von Ostern.
Wer mehr bedenken möchte, wird fündig unter:
http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/03_Ost_C_Joh21_1-19_Weidemann.pdf
http://www.catena-aurea.de/ljcpas3.html
In aller Form hat der Evangelist das Evangelium mit Kapitel 20 abgeschlossen. Kapitel 21 dürfte später hinzugefügt worden sein und auf kirchliche Redaktion zurückgehen, wobei diese kirchliche Redaktion auch sonst im Johannesevangelium ständig durchkommt. Johannes berichtet nur von den Auferstehungsereignissen in Jerusalem. Hier in dieser Stelle halten sich die Jünger in Galiläa auf. Im Kapitel zuvor wird gesagt, der Auferstandene wird nicht mehr erscheinen. Hier erscheint er dennoch wieder. Ebenfalls wurden die Jünger bereits zuvor in ihr missionarisches Amt eingesetzt. Hier werden sie wiederum als Fischer vorgeführt. Der Jüngerkreis ist eigenartig zusammengestellt. Und noch eine Besonderheit: In diesem Kapitel erfahren wir, daß Natanaël aus Kana stamme.
Fischfang und Erscheinung des Auferstandenen werden erzählt, wie wenn es zuvor nichts gegeben hätte, also keine Geistbegabung. Der überwältigende Fischfang ist ein Wunder. Und der Lieblingsjünger begreift auch hier zuerst: Es ist der Herr. Das zweite Wunder erwartet die Jünger, mit dem reichen Fang eben wieder an Land, nämlich die bereitet Mahlzeit.
Viele Deutungen hat später das nicht zerreißende Netz bei dieser Fischmenge erfahren: Die große Menge der Gläubigen, oder die bleibende Einheit der Kirche ... Petrus zieht es alleine ans Land ... er ist der Leiter dieser Kirche ... Jedenfalls, die Beziehung zwischen den Jüngern und dem Auferstandenen ist distanzierter geworden. Der kirchlichen Redaktion gelingt es nicht, die Beziehung zwischen Jüngern und Herrn zu intensivieren. Die dreimalige Frage an Petrus durch Jesus: Liebst du mich, erinnert an die Verleugnung Jesu durch Petrus.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
ließ der König Herodes
einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln.
Jakobus, den Bruder des Johannes,
ließ er mit dem Schwert hinrichten.
Als er sah, dass es den Juden gefiel,
ließ er auch Petrus festnehmen.
Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote.
Er nahm ihn also fest
und warf ihn ins Gefängnis.
Die Bewachung übertrug er vier Abteilungen von je vier Soldaten.
Er beabsichtigte,
ihn nach dem Paschafest dem Volk vorführen zu lassen.
Petrus wurde also im Gefängnis bewacht.
Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott.
In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte,
schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten;
vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker.
Und siehe, ein Engel des Herrn trat hinzu
und ein Licht strahlte in dem Raum.
Er stieß Petrus in die Seite,
weckte ihn
und sagte: Schnell, steh auf!
Da fielen die Ketten von seinen Händen.
Der Engel aber sagte zu ihm:
Gürte dich und zieh deine Sandalen an!
Er tat es.
Und der Engel sagte zu ihm:
Wirf deinen Mantel um und folge mir!
Und Petrus ging hinaus
und folgte ihm,
ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit war,
was durch den Engel geschah;
es kam ihm vor,
als habe er eine Vision.
Sie gingen an der ersten und an der zweiten Wache vorbei
und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt führt;
es öffnete sich ihnen von selbst.
Sie traten hinaus
und gingen eine Gasse weit;
und sogleich verließ ihn der Engel.
Da kam Petrus zu sich
und sagte: Nun weiß ich wahrhaftig,
dass der Herr seinen Engel gesandt
und mich der Hand des Herodes entrissen hat
und alldem, was das Volk der Juden erwartet hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Lesung erzählt von der wunderbaren Befreiung des Apostels Petrus aus dem Gefängnis des Herodes Agrippa, der auf Betreiben jüdischer Kreise die junge Kirche auslöschen wollte. Jakobus, das Jerusalemer Haupt der Christen ließ er bereits hinrichten. Mit Petrus wollte er ebenso verfahren.
Die Erzählung gewährt ein wenig Einblick in das Leben der verfolgten Gemeinde in Jerusalem.
Kv - All meinen Ängsten hat mich der Herr entrissen. – Kv
Oder GL 651,3
Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen. – (Kv)
Preist mit mir die Größe des Herrn, *
lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!
Ich suchte den Herrn und er gab mir Antwort, *
er hat mich all meinen Ängsten entrissen. – (Kv)
Die auf ihn blickten, werden strahlen, *
nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten.
Da rief ein Armer und der Herr erhörte ihn *
und half ihm aus all seinen Nöten. – (Kv)
Der Engel des Herrn umschirmt, die ihn fürchten, *
und er befreit sie.
Kostet und seht, wie gut der Herr ist! *
Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet! – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Mein Sohn!
Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet,
die Treue bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der zweite Timotheusbrief gehört zu den sogenannten Pastoralbriefen. Wer dieses Schreiben liest, hört den Apostel Paulus sprechen, der sich in Erwartung seines nahen Todes aus Rom an seinen Mitarbeiter Timotheus wendet. Nach Auskunft der modernen Bibelwissenschaft stellt dieses Szenario eine Fiktion dar. Wie die beiden anderen Pastoralbriefe (Tit und 1 Tim) dürfte 2 Tim erst um 100 n. Chr., also lange nach dem Tod des Paulus, verfaßt worden sein.
Mit den ausgewählten Versen wird dem Apostel eine Art geistliches Testament in den Mund gelegt. Kurz vor seinem Martyrertod steht er als eifriger Verkündiger Jesu Christi und als treuer Verwalter der ihm anvertrauten Heilsgüter vor den Augen der Leser. Er wird als einer dargestellt, der sich seiner himmlischen Anerkennung gewiß ist. Der unbekannte Verfasser der Pastoralbriefe greift hier bereits nach dem Stilmittel der Hagiographie. Aus den echten Paulusbriefen ist durchaus auch das Bekenntnis über das eigene Ungenügen vor dem Herrn bekannt.
Da die Perikope, wie sie in der Liturgie Verwendung findet, aus zwei auseinanderliegenden Passagen des vierten Kapitels des zweiten Timotheusbriefes zusammengesetzt ist, hängt ihr Abschluss etwas in der Luft ("Der Herr stand mir zur Seite ..."). Er bezieht seine besondere Aussagekraft aus dem in der Lesung ausgelassenen Zwischenstück, wo davon die Rede ist, daß Paulus in einer "ersten Verteidigung" völlig alleine dagestanden sei. Gemeint ist vermutlich der Prozeß gegen den Apostel, in dessen Anfangsstadium niemand aus der römischen Christengemeinde zur Unterstützung bereit war. Demgegenüber wird dann eben zum Schluss des Lesungstextes der Beistand des Herrn gerühmt und am Ende sogar mit einer förmlichen Doxologie bedacht.
Die 2. Lesung des Apostelfestes ist dem 2. Timotheusbrief entnommen. Die beiden Timotheusbrief und der Titusbrief gehören dem Charakter nach zusammen, sie sind nach ihren Adressaten benannt, Timotheus und Titus. Beide sind Schüler des Paulus. Diese Briefe sind zwar in paulinischem Geist geschrieben, stammen aber mit Gewißheit nicht von Paulus selbst.
Der Verfasser legt Paulus eine Art Testament in den Mund, das er kurz vor seiner Hinrichtung seinen Schülern überträgt. Paulus wird von ihm bereits als Vollendeter betrachtet. Er spricht von ihm wie von einem Heiligen. Der Text ist ein Würdigung des Lebenswerkes des großen Apostels und Missionars.
Mit Timotheus kommt die zweite Generation der Nachfolger ins Spiel: Paulus sitzt in Rom im Gefängnis und erwartet den sicheren Untergang. Timotheus, der mit Paulus in der Heidenmission tätig gewesen ist, erhält Anweisungen, in welchem Geist er die Leitung der Gemeinden weiterführen soll. Zugleich wird ihm auch vor Augen geführt, wohin zutiefst echte Christusnachfolge führen kann.
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Mein Sohn!
Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet,
die Treue bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
Beeil dich, bald zu mir zu kommen!
Denn Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen
und ist nach Thessalonich gegangen,
Crescens ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien.
Lukas ist als Einziger bei mir.
Nimm Markus und bring ihn mit;
denn er ist für mich nützlich zum Dienst.
Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.
Wenn du kommst, bring den Mantel mit,
den ich in Troas bei Karpus gelassen habe,
auch die Bücher, vor allem die Pergamente!
Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan;
der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen.
Nimm auch du dich vor ihm in Acht,
denn er hat sich unseren Worten heftig widersetzt!
Bei meiner ersten Verteidigung
ist niemand für mich eingetreten;
alle haben mich im Stich gelassen.
Möge es ihnen nicht angerechnet werden.
Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja,
wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete und sprach:
Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope des nächsten Sonntags markiert einen Wendepunkt im Wirken Jesu, so wie es im Matthäus-Evangelium dargestellt wird: Jesus widmet sich, nachdem er zunehmend auf Unverständnis im Volk gestoßen ist, vornehmlich seinem Jüngerkreis.
Das Messiasbekenntnis des Petrus (Vers 16) ist nach dem Urteil der modernen Exegese als solches kein authentisches Wort des Apostels. Es macht aber deutlich, daß das Auftreten Jesu messianische Erwartungen (Messias, griechisch: Christus, heißt übersetzt "Gesalbter" und meint den endzeitlichen Heilsbringer) geweckt haben muß, wie sie schon in den Verheißungen des Alten Testaments vorkommen. Das hat es den Aposteln ermöglicht, Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung als den Messias zu verkünden.
Ebenso entspricht die Verheißung Jesu für Petrus (Verse 18-19) ganz den nachösterlichen Vorstellungen von der Verbindung Christi mit seiner Kirche.
Wirkungsgeschichte: Seit dem 4. Jahrhundert und ganz besonders im vorigen Jahrhundert wurde unser Text in Theologie und Kirche zur Begründung der besonderen Stellung des Bischofs von Rom, also des Papstes, verwendet.
Das Messiasbekenntnis des Petrus findet sich in ähnlicher Form auch bei Markus und Lukas. Gegenüber der Markusvorlage enthält die Matthäusfassung jedoch ihre eigenen Akzente. Diese dürften Matthäus auch bereits vorgelegen sein.
Allen drei Fassungen gemeinsam ist der Dialog Jesu mit den Jüngern, für wen die Leute ihn hielten, die Frage Jesu, für wen die Jünger ihn hielten, sowie die Antwort, in der Petrus stellvertretend für alle Jünger bekennt, daß sie in ihm den Messias sehen.
Bei Matthäus ist jedoch der Dialog zwischen Petrus und Jesus ausgeweitet. Das Bekenntnis "Du bist der Messias" wird durch die Aussage "der Sohn des lebendigen Gottes" erweitert. Dies ist einerseits ein alter Messiastitel, andererseits aber auch eine Wesensaussage, die die Göttlichkeit Jesu hervorhebt. In der jüdischen Überlieferung gab es ja sehr unterschiedliche Vorstellungen über den erwarteten Messias.
Am auffälligsten ist jedoch die weiterführende Antwort Jesu gegenüber Petrus, die sich bei den anderen Evangelisten nicht findet. Dabei dürfte es sich um eine sehr alte Reflexion der besonderen Stellung des Petrus handeln, die dem Evangelisten bereist vorgelegen ist. Umstritten ist, ob es sich um authentische Jesusworte handelt. Unumstritten ist jedoch die hervorragende Stellung und Bedeutung des Petrus in der Gemeinde der ersten Jünger.
Jesus betont, daß diese Erkenntnis von Gott gewirkt ist, ein Geschenk des Glaubens, der Gnade. Darüber hinaus gibt er Simon den neuen Namen Kefas bzw. Petros, d. h. übersetzt Fels. Als Name oder Beiname war diese Bezeichnung ungewöhnlich. Im Alten Testament wird jedoch das Felsenbild für Gott verwendet (vgl. Psalm 18:3). Simon ist der feste Grund, auf dem Jesus selbst seine "Ekklesia" erbauen will.
Mit "Ekklesia" wird im Alten Testament das zum Gottesdienst versammelte Gottesvolk bezeichnet. Hier wird auf dem Felsen Simon ein neues Gottesvolk aufgebaut. Dieses Gottesvolk hält den Todesmächten ("Pforten der Hölle") stand, da es an der Auferstehung Jesu Anteil hat und nicht mehr der Macht des Todes unterworfen ist.
Simon Petrus wird vom Messias, dem Sohn Gottes, mit der Vollmacht ausgestattet, zu bannen und freizusprechen, zu verbieten und zu erlauben. Er ist Repräsentant der Jüngergemeinde und entscheidet mit göttlicher Autorität über den Zutritt zum Himmelreich. Symbol dafür ist der Schlüssel.
Nach seiner Berufung zum Menschenfischer erlebt Petrus nun, wie Jesus ihm eine Binde- und Lösegewalt übergibt und zum Fels der Kirche Christi erklärt. Gnilka (62ff) weist darauf hin, dass hier nicht eine Kirche im Sinne unserer Gestalt von Kirche zu denken ist, sondern zunächst einmal ein “universales Gottesvolk”. Unter Ekklesia ist also eher eine Abgrenzung zur Synagogengemeinde zu verstehen. Strukturen - etwa eines Papstamtes - zu beschreiben, war nicht in der matthäischen Absicht.
Das "Du bist Petrus" gilt nicht nur dem Jünger Simon Barjona. Jede Jüngerin und jeder Jünger kann und soll es auch auf sich beziehen. Jesus baut auch auf uns seine Kirche. Am Fest des Petrus und Paulus danken wir für alle, auf die Jesus seine Kirche gebaut hat und immer noch baut.
„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen". Dieser Satz aus dem Munde Jesu zählt wohl zu den bekanntesten aus den Schriftstellen, die wir über Petrus kennen. Es ist auch einer mit einer für unsere Kirche sehr bedeutsamen Wirkungsgeschichte.
Widmen wir uns diesem Satz und dem Evangelium, in dem er eingebettet ist. Es gibt verschiedene Zugänge zur frohen Botschaft. Einer davon ist die geistliche Schriftbetrachtung nach Ignatius von Loyola. In ihr begibt sich der Mensch in seiner Vorstellung in die biblische Szene hinein. Er sucht und findet seinen Platz im dortigen Geschehen. Er ist Zuseher oder Zuhörer. Oder er versetzt sich selbst in eine der handelnden Personen. Zum Beispiel in Petrus. Und lässt dann die Worte Jesu, die er gesagt bekommt, auf sich wirken.
Probieren wir es einmal aus.
Wir alle befinden uns mit Jesus und den Jüngern im Gebiet von Cäsarea Philippi. Und Jesus möchte wissen, für wen die Menschen den Menschensohn halten. Sie geben Antwort. Und dann möchte Jesus von uns wissen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da ist Stille. Jesus erwartet eine Antwort. Auch von mir. Für wen halte ich Jesus? Heute und hier? Für mich klingt diese Frage wie: In welchem Verhältnis stehst du, ja du, zu mir?
Eine ist die erste, die den Mut zum Bekenntnis hat: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Es ist der himmlische Vater selbst, der durch sie wirkt. Und Jesus spricht weiter: Du bist Petra und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen! …
Wie kommt dieses «geistliche Gedankenspiel» bei Ihnen an? Was löst es bei Ihnen aus?
Manche werden sagen: Das geht gar nicht, dass Petra – eine Frau – von Jesus derart beauftragt wird.
Und Petra selbst? Wie kommen diese Worte Jesu bei ihr an? Wenn nun eine Petra unter uns sitzt, könnten wir sie befragen … Wir können ihren Namen durchaus auch durch unseren eigenen ersetzen: "Du bist N. (eigenen oder irgendeinen Namen einsetzen) und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen."
Bleiben wir weiter bei dem, was wir da von Jesus in unsere Kirche hinein, in unsere Zeit hinein, ja, auch in unser persönliches Leben hinein zugesagt bekommen. „Du bist es, auf die ich bauen will und werde. Ich traue dir zu, dass du mein Werk in dieser Welt weiterführst. Auf dir werde ich meine Kirche bauen.“
Diese Zusage Jesu, sein Zutrauen ist eigentlich großartig. Doch wie würden wir – ein jeder, eine jede von uns reagieren?
„Bin ich etwa gemeint? Das kann nicht sein, oder?“
Oder: „Nein, danke. Ohne mich. Schaue dir doch deine Kirche an.“
Oder: „Danke, Jesus, aber du weißt, dass ich in den Augen deiner Kirche dafür „nicht würdig bin“.“
Oder: „Danke, Jesus, aber mir reicht es. Ich habe getan, was mir möglich ist. Jetzt sind andere dran.“
Oder aber: „Jesus, wenn du es willst, dann bin ich dazu bereit.“
„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.", spricht der Herr.
Es ist nicht Petrus, der baut. Jesus selbst ist der Handelnde. Jesus selbst ist es, der baut. Immer noch. Jesus hat nicht aufgehört, an der Kirche zu bauen. Er baut auf alle, welche Nachfolger Petri sind. Und er baut auch auf mich, die ich mich – wie Petrus – zu ihm bekenne und versuchen möchte, seinen Auftrag an mich in der Welt und Kirche von heute zu verstehen und zu leben.
Nicht wir geben also der Kirche Form und Gestalt, sondern er, der baut. Der Bauherr. Jesus Christus selbst. Es ist seine Kirche. Wie er sie im Sinne hat. Als Zeichen und Werkzeug des Heils, das er selbst für alle Menschen wirken will. Damals baute er sie auf Petrus, auf die Jünger, auf Personen, wie Paulus und all die anderen, von denen das Evangelium, die Apostelgeschichte und die weiteren biblischen Schriften sprechen. Wir, die wir getauft und gefirmt sind, sind heute jene, auf die Jesus baut und mit der Jesus die Kirche baut. Wir tun gut daran immer wieder mit unserem Bauherrn Rücksprache zu halten: „Jesus, Bauherr deiner Kirche, wie möchtest du deine Kirche heute haben? Ist es gut so, wie wir gebaut haben? Möchtest du es anders haben? Was sollen wir tun? - Hilf uns, Bauherr Jesus Christus, deinen Bauplan richtig zu lesen, damit deine Kirche Zeichen und Werkzeug des Heils für alle Menschen sein kann.“
Die ganze Weltkirche feiert heute Petrus und Paulus. Wir sind dankbar für deren Wirken damals und für das Fundament, das sie durch ihre unermüdliche Verkündigung für unsere Kirche gelegt haben. Heute danken wir Gott auch für die vielen Menschen, für jede Paula, für jeden Paul, für jede Petra, für jeden Peter oder wie auch immer sie heißen mögen, auf die der Herr heute unsere Kirche baut. Für all' jene, deren Fotos nie in den Pfarrblättern abgedruckt werden, die ehrenamtlich treu einen Dienst in unserer Kirche verrichten oder auch ohne offiziellen Auftrag einer kirchlichen Instanz schlicht und einfach dort, wo sie leben, das tun, was Jesus ihnen ins Herz gelegt hat und sich so als Christin, als Christ bewähren.
Jesus hat nicht aufgehört, sein Zutrauen in uns zu setzen. Er selbst hat in uns in Taufe und Firmung das Fundament unseres Glaubens gelegt. Schenken auch wir ihm unser Vertrauen als Bauherr der Kirche und als Baumeister unseres Lebens. Selbst dann, wenn wir bei so mancher Baustelle anstehen. Vor allem dann.
Trotz ihrer Unterschiedlichkeit werden diese beiden Apostel gemeinsam gefeiert. Sie zeigen uns, dass im Geiste Jesu ausgetragene und ausgehaltene Spannungen sehr fruchtbar werden können.
Wir feiern heute das Andenken an zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Dennoch haben sie viel gemeinsam: Beide brennen im wahrsten Sinne des Wortes für den Glauben, beide erleiden körperliche Misshandlungen, beide kommen ins Gefängnis, die Befreiung daraus ist Symbol der Befreiung für die weitere Glaubensverbreitung, aus der Enge in die Weite. Beide sind tragende Persönlichkeiten im Apostelkonzil (vgl. Apg 15,1-35), beide erleiden den Märtyrertod. So die große Umrahmung der hl. Apostel Petrus und Paulus.
Dennoch gibt es auch viele Unterschiede, die wir aus den bekannten Biographien der beiden ablesen können.
Petrus stammt aus Betsaida, kommt aus der Täuferbewegung des Johannes, ein Fischer aus Galiläa, verheiratet, sitzt im Gefängnis ein. „In der Nacht [am Paschafest], ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus mit zwei Ketten gefesselt zwischen zwei Soldaten; vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker. Und siehe. ein Engel des Herrn trat hinzu und ein Licht strahlte in dem Raum. Der Engel sagte: Schnell, steh´ auf! Da fielen die Ketten von seinen Händen.“ (Apg 12,6-7).
Petrus (=Fels) wurde von Jesus selbst in die Nachfolge berufen und erreichte eine Vorrangstellung im Jünger- und Gemeindekreis, ohne Papst zu sein, wie fälschlich immer wieder behauptet wird. Er ist der Hirte, der die Schafe zusammenhalten soll. Das wird ihm nochmals in Joh 21,17 zugesagt. Würde er sich nach heutigem Verständnis einem Hearing stellen müssen, würde er durchfallen, weil er aufbrausend, wankelmütig, unsicher in Entscheidungen ist. Bei der ersten Leidensankündigung Jesu spielt er noch lautstark den Verteidiger (Mk 8,31-33; Mt 16,21-23) wird aber dann zum Umfaller und Leugner, wenn es um ein Bekenntnis zu Jesus geht (Mt 26,59-75) und wird dann wieder zum Liebhaber (Joh 21,15-17). Er hat Angst beim Erkennen gefährlicher Situationen, beispielsweise beim Gang über das Wasser (Mt 14,29-32).
Kirchen in Rom erinnern an ihn, ebenso an Paulus.
Paulus stammt aus Tarsus in Kleinasien, kommt aus dem kleinsten jüdischen Stamm Benjamin, war Zeltmacher, bleibt ledig, war wahrscheinlich immer irgendwie kränklich, hat von Geburt an römisches Bürgerrecht. Damit war er vor dem Übergriff lokaler Behörden geschützt, hochgebildeter Pharisäer aus der Schule des Gamaliel, deshalb auch offener in seinem Denken als Petrus, weniger zögerlich, besonders in der Frage, welchen Zugang Juden haben sollen, die Christen werden wollen.
Wie sehen diese „Zulassungsbedingungen“ aus? Müssen alle Gesetze des Mose genau eingehalten werden, angefangen von der Beschneidung. Er war ein fortschrittlicher Denker im Vergleich zum zögerlichen, unsicheren Petrus, der ihm nach Gal 2,11 in Antiochia am Orontes, einem Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum, Schnittpunkt der verschiedenen Kulturen im Vorderen Orient in dieser Frage „ins Angesicht widerstanden hat“, also fest im Dialog. „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzuerlegen“, als Konzilsbeschluss in Jerusalem, den Paulus in Antiochien verkündete (Apg 15,28).
Auch Paulus erlebt durch seine Bekehrung vor Damaskus einen Wendepunkt in seinem Leben: „Saulus, warum verfolgst du mich?“ (Apg 9,4-10). Sein Fanatismus als Charaktereigenschaft ist gleichgeblieben, es ist lediglich ein grundlegender Seitenwechsel eingetreten. Zunächst begegnet man ihm in Jerusalem mit großem Misstrauen. Paulus entwickelt sich aber weiter zum „Kosmopoliten“. Er ist einer, der das Römische Reich auch wegen der Missionsreisen gut kennengelernt hat, von der Kleinasien (heutige Türkei) ausgehend über Griechenland, Kreta, Malta, weiter bis nach Rom, möglicherweise auch nach Spanien.
Wie gesagt, die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Sie brauchen einander. Keiner kann alles, keiner hat alles. Gott traut den Menschen viel zu. Er verlangt keinen Perfektionismus, sondern Glauben und Vertrauen in Jesu gute Nachricht und Frohe Botschaft.
Ein denkwürdiger Tag, auch für unser Glaubensleben und gute Chance darüber nachzudenken, was wir als Kirche heute von ihnen lernen könnten.
In der Kunst erkennt man Petrus am Schlüssel. Den Beinamen Petrus, Fels, verwenden zwar alle Evangelisten, wie es zum Beinamen kam, erzählt allein Matthäus, ebenso das Wort vom Schlüssel des Himmelreichs. Jesus bezeichnet sich als Menschensohn und betont damit seine Menschlichkeit. Auch Petrus ist kein Übermensch. Die Evangelisten unterstreichen dies, indem sie von seinen menschlichen Schwächen berichten.
In der katholischen Kirchenkunst erkennen wir die Heiligen an ihren Attributen. Barbara mit dem Turm, Laurenz mit dem Rost,Petrus mit dem Schlüsselbund. Währenddie ersten beiden Heiligengeschichten auf Legenden beruhen, steht die Petrus-Erzählung immerhin in der Bibel, im Evangelium nach Matthäus. Jesusselbst hat Petrusals den Felsenerwählt, auf dem er seine Kirche baut, und ihm die Schlüssel für das Himmelreich gegeben, so haben wir es gehört. Diese Schlüsselgewalt hat sich in der katholischen Tradition über Jahrhunderte hin reich entfaltet, bis hin zu einigen problematischen Auswüchsen.
Nur: Im Evangelium steht zwar das Messiasbekenntnis von Petrus, ursprünglich aber nicht diese AntwortJesu von Fels, Kircheund Schlüssel. Zumindestnicht in den ältesten Manuskripten. Es istein späterer Einschub, um die Autorität des Bischofs von Rom als Nachfolger von Petrus zu begründen und zu stärken.Das hat der katholische Theologe Joseph Schnitzer schon 1910 festgestellt. Er verlor daraufhin seine Lehrbefugnis an der theologischen Fakultät in München und wurde schließlich sogar exkommuniziert. Schnitzer nahm also symbolisch Petrus den Thron und den Schlüsselbund weg, und die katholische Autorität nahm real ihrem Theologieprofessor Schlüsselund Lehrstuhl weg.
Was bleibt also, biblisch begründbar, von der besonderen Erwählung von Petrus? Nicht nur sein Felsen bröckelt. Dass Jesusam Abend vor seinem Leidenein dreistufiges
Amt von Diakon, Priester und Bischof „eingesetzt“ habe, wird zwar da und dort noch verkündet und liturgisch gefeiert, hält aber auch keiner aktuellen historisch-kritischen Bibelwissenschaft mehr stand.
Selbst das Priesteramt steht also infrage, heutzutage auch ganz grundsätzlich. Braucht die katholische Kirche überhauptPriester? Der emeritierte Neutestamentler Martin Ebner,
selbst Priester der Diözese Würzburg, weist nach, dass bis zum frühen 3. Jhdt. n. Chr. Priester in christusgläubigen Gemeinden keine Funktion hatten. Das Mahl in Erinnerung an Jesus feierten die Getauften in ihren jeweiligen Gemeinschaften vor Ort, als eine Bewegung von Laien und Laiinnen. Das führte zwar auch zu Debatten über die Eucharistie, aber sie wurden noch nicht durch ein letztes hierarchisches Wort beendet.
Die Frage: „Wer ist Petrus?“ führt uns also weiter zur entscheidenden Frage: „Wer ist Jesus?“. Diese Frage wird in der Bibel in Cäsarea Philippi angesiedelt, wo König Herodes (und nach ihm sein Sohn Philippus) residierte. Er paktierte mit der römischen Besatzungsmacht, die das Land und seine Bewohner:innen derart ausbeutete, sodass viele nicht das Nötigste zum Leben hatten. So wird die drängende Hoffnung verständlich, dass ein anderer König kommen soll, ein messianischer König, der im Namen Gottes regiert und die Menschen befreit, durchaus auch politisch. Und die Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas, die diese Episode berichten, sind sich über die Person Jesu einig. Petrus spricht im Namen seiner engsten Vertrauten: „Du bist der Christus, der Messias“. Auch von Martha, der Schwester von Maria und Lazarus, ist ein solches Messiasbekenntnis überliefert (Joh 11,27). Es ist der Glaube und das nachösterliche Bekenntnis der Gemeinde, der Kirche, die sich in Jesu Namen und zu seinem Gedächtnis versammelt, bis heute.
Jesus selbst bezeichnet sich nur als den „Menschensohn“, im Jüdischen Bar-Enosch. Einer, der in einer Vision im Buch Daniel auf den Wolken des Himmels kommt. Oder, in einer Vulgärform von Bar-Enosch, „Barnasch“: ein Jedermann, ein Irgendwer, ein Mensch schlechthin. Ein Mensch, der als unser Bruder auf der Suche ist nach seiner Bestimmung. Der erlebt, dass eine heilende Kraft von ihm ausgeht, die viele Erwartungen weckt. Ein Mensch, der unterwegs ist, unbehaust, dem Leiden ausgesetzt. Ein Mensch, der tief in das Abenteuer des Glaubensan Gott eintaucht und die Frage nach seiner eigenenExistenz und ihrem Geheimnisstellt. Ein Mensch, der Gleichgesinnte um sich versammelt und doch seineneigenen Weg auch ganz allein gehen muss. Diese Menschlichkeit zeichnetihn aus und kann ihn unsnahebringen, selbst wenn wir ihn als den Christus verehren.
Wer ist er also, der Menschensohn? Wer ist er für die Leute, wer ist er für seine engsten Vertrauten? Und wer ist er für dich und mich heute?
© Maria Prieler-Woldan, Diözese Linz.
Petrus und Paulus werden als Apostelfürsten tituliert. Auch wenn die Zeit der Fürsten weitgehend zu ende ist: sie sind Führungsgestalten desChristentums. Was qualifiziert sie dazu?
Mit dem Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus feiert die Kirche Glanz und Gloria ihres Seins - so hört man immer wieder Gläubige und Kirchenvertreter reden. Tatsächlich ist es so: Fährt man durch die Stadt Rom oder besucht man alte Kirchen, die auf das Patrozinium der Heiligen geweiht sind, trifft man oft auf Heiligenstatuen, die sich stolz und mächtig erheben. Das kann man durchaus falsch verstehen, wenn man diese Darstellungen mit Macht und Herrschaft assoziiert. Denn mächtig und herrschaftlich waren die beiden, die die Tradition auch »Apostelfürsten« nennt, in ihrer Kirche zunächst nach weltlichen Maßstäben so gar nicht. Eher Treulose und Verlierer. Und genau das macht sie im geistlichen Sinn erst recht so herausragend und beispielhaft.
Die groben Züge der Erzählungen von den Beiden sind uns bekannt. Petrus - zum einen verleiht ihm Jesus die Schlüsselgewalt im Himmelreich, zum andern ist er der, der Jesus an dessen Ende stehen lässt und verrät, als dieser ihn am dringendsten braucht. Paulus - einerseits selbstbewusster Missionar und glühender Zeuge der Botschaft vom Heil in den nichtjüdischen Mittelmeergesellschaften der damaligen Zeit, andererseits Verfolger der frühen Christengruppe und antichristlicher Eiferer zu früheren Zeiten. Der frühchristliche Diakon Stephanus gehört wohl zu seinen Opfern. Mehr Ambivalenz geht kaum. Und genau diese Ambivalenz, diese Verbindung der Gegensätze in einer Person macht die zwei Apostel so faszinierend und vorbildlich. Denn findet sich denn nicht so viel von ihrer religiösen Biographie auch in den unsrigen? - Schauen wir näher hin.
Wenn Jesus den Petrus zu Macht und Verantwortung beruft: "Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen", dann zeichnet er seinen Getreuen nicht nur aus, sondern belastet ihn auch ganz gehörig, setzt ihn massiv unter Druck. Jesus weiß um die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Petrus, aber auch, dass er seine Grenzen hat und dass die religiöse Größe des Apostels erst im tiefen Fall so richtig zum Tragen kommen wird. Eine Bekehrung des Petrus hat es ja nie gegeben - wohl aber eine Berufung. Bis zu dem Moment, in dem es Ernst wurde, lief dieser Weg der Berufung zunächst mal glatt und gerade. Beim großen Scheitern im Hof des Gerichtsgebäudes zu Jerusalem aber, als ein Hahn mit voller Wucht Petrus darauf aufmerksam macht, was Nachfolge Jesu wirklich meint, erkennt der Erste der Apostel das Entscheidende seines Weges.
Ganz anders Paulus. Er war gerade als Christenverfolger so richtig in Fahrt, als der Geist des Herrn ihn zu Boden streckt. Aus dem Militärverantwortlichen mit Macht und Ansehen wird mit einem Blitz plötzlich jemand, der geführt werden muss, dem andere jetzt seinen Weg zeigen müssen. Und es dauert eine Weile, bis Paulus an der Geraden Straße zu Damaskus im Haus des Judas durch die Handauflegung des Hananias wieder einen klaren Blick bekommt für das, wie es weitergehen könnte. Am Anfang seiner Berufung zum herausragenden Völkerapostel steht erst einmal ein heftiger Sturz.
Wir sehen: Der gelungene Weg zu Macht und Verantwortung in der Gemeinschaft der Christusglaubenden führt anscheinend am besten durch den tiefen Fall und die Pleite. Es ist ein Weg, der die Demut lehrt. Das ist eine wirklich böse Nachricht unserer beiden Festheiligen. Und wer den Sturz nicht erfahren hat, vor dem liegt die schwierige Aufgabe, auf anderen Wegen jene Demut und Bescheidenheit für sich zu erkennen, auf die es ankommt. Damit am Ende unser Fazit sein kann, was Paulus in seinem Brief an seinen Mitbruder Timotheus so beschreibt: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt."
Die gute Nachricht von Peter und Paul aber ist: Wer diese Krisen-Erfahrungen gemacht und damit die Gabe der Demut und kritischen Selbstreflexion erlangt hat, hat das nötige Rüstzeug gewonnen, die christliche Glaubensgemeinschaft kompetent mitzugestalten. Und nur, weil die Bischöfe in der Tradition die Nachfolger der Apostel sind, gilt das nicht nur allein für sie. Jede und jeder, der in der Kirche gestaltend und leitend auftritt, kann sich an den beiden Apostelfürsten ein Beispiel nehmen. Macht und Verantwortung teilen sich ja bekanntlich nicht nur Berufskatholikinnen und Berufskatholiken, sondern auch jede Frau und jeder Mann, die sich in der Gemeinschaft der Kirche engagieren, sich erheben und ermunternd allen anderen zurufen: Kommt, lass uns mal was machen.
Und dann gilt auch: Wer so seine Lust zur Gestaltung unserer Glaubensgemeinschaft auslebt, tut nicht nur dieser Glaubensgemeinschaft etwas Gutes, sondern zweifellos auch sich selbst, seinem eigenen Ego: Mit anderen meine Ideen aushecken und umsetzen, das tut nicht nur den anderen gut, sondern auch ganz gehörig mir selbst. - Das gilt für den Bischof von Rom bis hin zu jeder Vorbeterin in einer Rosenkranzgruppe.
Die beiden Apostelfürsten lehren uns also einmal mehr: Macht zur Gestaltung und Verantwortung in unserer Kirche machen Freude - ganz gleich, in welchem noch so kleinen Rahmen. Aber sie wollen gelernt und reflektiert sein. Wer in unserer Kirche Macht hat und Verantwortung trägt, der darf nicht nur vorreiten, sondern muss sich auch selbst und das, was er tut, immer wieder reflektieren, muss sich selbst im Spiegel betrachten können. Sonst passiert es, dass man aus heiterem Himmel wie vom Blitz getroffen oder vom Hahnenschrei erinnert wird.
Petrus und Paulus erinnern uns an ihrem Festtag aber noch an etwas anderes: Wenn wir auch diese Kirche mit Freude und Lust gestalten - jede und jeder mit ihren und seinen Gaben -, dann geht es bei unserem Tun wohl sicher auch um uns selbst, aber doch zu allererst um jenes Ziel, für das Petrus so geglüht hat - wir hörten es: "den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes!" Oder mit den Worten des Paulus: "Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit."
Für die beiden bekanntesten Apostel feiern wir ihren Festtag gemeinsam. Zwei Apostel von ganz unterschiedlichem Charakter und Temperament, beide mit einem dunklen Schatten. Das Bekenntnis des Petrus und der Einsatz des Paulus sind Liebeserklärungen an Jesus, auf den sie ihr Leben setzen. Wir sehen beide einen Karren ziehen, den wir Kirche nennen.
Kennen Sie die beiden Männer, die heute zu uns kommen?
Der eine heißt Petrus. Von Beruf Fischer, ohne große Bildung, wird er von Jesus als Jünger berufen. Als es darauf ankommt, distanziert sich Petrus von ihm. Wir hören geradezu den Fluch: Nein, den kenne ich nicht. Den nicht! Dreimal. –
Stunden später wird Jesus gekreuzigt. Er hat Petrus aber nicht fallengelassen. Die Erfahrung, die Petrus mit sich gemacht hat, soll er einsetzen: Weide meine Schafe! Kümmere dich um meine Herde! Geh den Verlorenen nach!
Wie wir hören, wurde Petrus eingekerkert. Wie ein Schwerverbrecher. Die Zeitangabe lässt aufhorchen. Tage der ungesäuerten Brote! Lukas erzählt davon. Das weckt Erinnerungen. Erinnerungen an die Leidenszeit Jesu. Hier ist nichts zufällig. Petrus wird in die Nähe Jesu gerückt. Er bekommt Anteil an seinem Geschick, an seinem Weg. Doch dann wird er befreit. Diesmal… Er tritt heraus. Wie in einem Wunder durchschreitet er Korridore, Türe, Wachen.
„Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat.“ - Nun weiß ich wahrhaftig…
Und der andere heißt Saulus. Ein Gelehrter aus Tarsus, ein kluger Kopf. Die ersten Gruppen von Christen verfolgt er bis aufs Blut. Mit Billigung von ganz oben. Christen sind für ihn Abtrünnige. Bis er vom hohen Ross stürzt und Jesus begegnet. Er bekommt einen neuen Namen. Paulus. Von da an ist er nicht nur Christ – er zieht durch die Welt, um allen Menschen die Liebe Gottes zu verkünden. In Briefen entfaltet er das Geheimnis Christi. Er wird zum ersten christlichen Theologen. Wir begegnen ihm in unseren Gottesdiensten ständig.
An seinen Mitarbeiter Timotheus schreibt Paulus:
„Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.“
Das hört sich schon fast nach Testament an, deutet aber auch an, dass Paulus Gefangenschaft und Angst durchgestanden hat. „Ich habe den guten Kampf gekämpft“, schreibt er – wir lesen mit.
Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs. Der Ort wird auch genannt: Cäsarea Philippi. Hier lebten, um es einfach zu sagen, Heiden. Überwiegend. Menschen, die nicht zum Volk Gottes gehörten. Auch nicht gehören wollten. Vielleicht auch nicht sollten. Petrus war damals dabei. Paulus aber lehrte und studierte damals irgendwo in Tarsus/Kleinasien. Petrus wusste nichts von ihm, Paulus nichts von Petrus. Welten lagen zwischen ihnen.
Jesus fragt seine Jünger: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortet. Die Antwort wächst ihm förmlich zu: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Jetzt geht an diesem verlassenen Ort der Himmel auf!
Paulus wird dieses Bekenntnis kennenlernen, es wird sein Leben verändern. Grundlegend. Cäsarea Philippi ist ein Nest – Paulus wird die Welt erobern. Mit dem Evangelium. Mit diesem Bekenntnis. Das geht so weit, dass wir heute so viele Kirchen und Gemeinden um uns herum haben, dass uns das Besondere oft nicht einmal mehr auffällt. Dass wir dazu gehören! Dass wir geliebt sind! Dass Gott mitten unter uns ist! Wir sehen ein Gesicht. Wir hören eine Stimme. Wir sehen sein Gesicht. Wir hören seine Stimme.
Petrus erfährt von Jesus, was sein Name bedeutet: Fels. Der Fels. Schon in der Bergpredigt hatte Jesus davon gesprochen, dass Menschen feststehen und nicht weggespült werden, wenn sie dem Evangelium trauen. Eine große Verlässlichkeit, einen großen Schutz offeriert der Fels – wenn die Wellen hochgehen, wenn die Stürme das Leben aufpeitschen, wenn die Welt unterzugehen scheint. Von meinem Vater im Himmel kommt dein Bekenntnis, sagt Jesus. „Und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“!
Jetzt sind Jahrhunderte vergangen. Irgendwann wurde Petrus zum 1. Papst, der Papst zu Petrus. Brüche gehen durch die Christenheit. Immer noch. Die Einheit, die Petrus in Worte kleidete, ist zerrissen, das Amt, das Einheit symbolisiert, Ausdruck einer Trennung. Doch etwas eint Katholiken und Protestanten, Altkatholiken und Orthodoxe – alle Christen: Das ist das Bekenntnis des Petrus. „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Es ist eine Liebeserklärung. Wir könnten sie ganz einfach übersetzen: Du bist für uns alles. Mit einem solchen Bekenntnis im Herzen und auf den Lippen liefern wir uns nicht den Verhältnissen aus – wir verwandeln sie. Wir gehen nicht unter – wir trotzen der Unterwelt.
Viele Menschen haben die Unterwelt auch in der Kirche gesehen – und die Untiefen, die selbst im Heiligen aufbrechen. Da haben Menschen sich an anderen vergangen. Doppelrollen gespielt. Eine heile Welt inszeniert. Missbrauch hat viele Gesichter. Menschen werden gebraucht, Menschen werden verbraucht. Dass Jesus verleugnet wird, wenn Menschen verletzt und gedemütigt werden, ist untergegangen, wurde verdrängt, ins Schweigen verbannt. Da hilft kein Weihrauch. Er ist schuldig geworden: Petrus. Wir hätten so vieles wissen können!
Da ist sie wieder. Die Unterwelt. Die Hölle. Das Reich der Schatten. Der Totenduft. Aber es gibt einen Weg in die Freiheit. Eine Tür tut sich auf – wir treten hinaus. In der Apostelgeschichte haben wir das gelesen: da ist eine Gasse – und Petrus geht sie. „Sogleich verließ ihn der Engel“, heißt es – wir können alleine weitergehen. Wir wissen, was wir zu tun haben. Wir wissen auch, was uns geschenkt ist: Eine Liebeserklärung. Vom Vater gegeben. Er hat es uns vorgemacht: Petrus. Wir werden jetzt unsere Wege finden!
Heute feiern wir Peter und Paul.
Vielleicht hätte Petrus lieber einen eigenen Tag gehabt? Paulus einen anderen? Es ist eine lange Geschichte. Auch eine Geschichte von Streit, von Unterschieden, von Nichtverstehen. Harmonisch ging es zwischen den beiden nicht immer zu. Petrus dachte enger – Paulus weit. Petrus war ein Heißsporn – Paulus wägte ab. Petrus wollte bei der Überlieferung der Väter bleiben – Paulus öffnete das Evangelium für die Völker-, für die Heidenwelt. Vielleicht ist das auch der tiefste Grund, die beiden einen Karren ziehen zu sehen, den wir Kirche nennen. Spannungen eingeschlossen. Vielfalt eingeschlossen. Jedenfalls ist es gut, die beiden heute auch zu bewundern. Als Apostelfürsten, wie man sie später titulierte, haben sie sich nicht gesehen. Beide wurden hingerichtet.
Als Kind, in meinem Dorf, gab es eine Kirmes, die ihren Doppelnamen trug. Peter und Paul-Kirmes. Kirchweihfest. Es roch nach gebratenen Mandeln und die Karussells drehten sich im Kreis. Das war etwas Besonderes. Ein Kindertraum. Im Hintergrund wachte sie: Die Kirche St. Peter und Paul.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Der Volksmund kennt in seinen Sprüchen viele Einschätzungen: Kein Peter ohne Paul, kein Max ohne Moritz. Die Liturgie dieses Tages untermauert dieses Faktum noch. Kein Peter ohne Paul. Sie bringt dieses jüdische Doppelgespann in einem Hochfest zusammen, obwohl die beiden verschiedenartiger nicht sein könnten. Sie sind weit entfernt eines Sinnes zu sein sowohl in Nebensächlichkeiten wie in wichtigen Fragen. Darin liegt auch das Persönlichkeitsprofil der beiden.
Eher selten ergibt sich die Möglichkeit, im Sonntagsgottesdienst Peter und Paul einander gegenüberzustellen.
Petrus, ursprünglich Barjona, Sohn des Jona, herausragende Gestalt des Jüngerkreises, heißt eigentlich Symeon oder Simon (siehe Lk 5,3 und Apg 22,31). Seine Frau begleitete ihn später auf seinen Missionsreisen (1 Kor 9,5). Petrus war der Sprecher der Jünger und des Zwölferkreises. Das Bild seiner Persönlichkeit prägte sich in der Überlieferung ein: impulsiv bis cholerisch und tatkräftig (Mk 9,5; Lk 22,31f und Joh 13,37). Bei Cäsarea legt er sein Messiasbekenntnis ab, das wir im Evangelium gehört haben. (Mt 16,16).
Was hat diese Aussage zu bedeuten? Sie meint auf das gute Ende dieser irdischen Zeit zu vertrauen, auf Erlösung, auf ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu hoffen. Was sich Petrus darunter wirklich vorstellt, wissen wir nicht. Die Antwort Jesu ist aber eindeutig: "Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel." (Mt 16,17). Petrus zeigt damit seine tiefe Gottverbundenheit und seinen Glauben. Jesus sagt aber noch weiter: "Du bist Petrus", also Stein, Fels (Mt 16,18). Jesus sieht somit etwas in Petrus, das diesem offenbar noch gar nicht bewusst war.
Dieses feierliche Bekenntnis des Petrus ist auch Bekenntnis der Kirche. Es ist der Fels, der ihr festen Halt gibt, der Schlüssel zum Himmelreich. Trotz allem widersetzt sich Petrus dem Weg nach Jerusalem und provoziert Jesus zu einer scharfen Zurechtweisung: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen." (Mt 16,23). Tatsächlich lernen wir Petrus wenige Stunden vor dem beginnenden Leiden Jesu als schwache Persönlichkeit kennen: er schläft, wo er wachen soll, er zaudert und vertraut nicht, er leugnet, weil die Situation für ihn lebensbedrohlich sein könnte, daher auch die dreimalige Frage an Petrus im Johannesevangelium: "Simon Petrus, liebst du mich?" (Joh 21,15). Petrus glaubt, solange er damit nicht überfordert war. Petrus wusste um seine Schwäche, seine Hinfälligkeit, daher auch sein Tränenmeer, das ihn von aller Schuld reinigt. So war Petrus manchmal ganz nahe bei Jesus, manchmal mied er ihn.
Ganz anders ist Paulus zu sehen. Sein einziger Zugang zu Jesus war seine Berufungsvision (Apg 9). Das Damaskuserlebnis wird zum Präludium für das weitere Geschehen. Die Bekehrung geht vor der Engstirnigkeit des "Nur-sich-selbst-Kennens" hin zum Universalismus. Saul - so sein Ursprungsname - bedeutet "der Ersehnte", stammte aus Tarsus in Zilizien, geboren zwischen 8 und 12 n. Chr., hatte eine deutlich ältere Schwester, Sohn von Diasporajuden, erhielt eine rabbinische Ausbildung, studierte bei Gamaliel in Jerusalem, ist der pharisäischen Richtung zuzuordnen, Zeltmacher, fanatischer Christenverfolger bis zu seiner Bekehrung um 33 n. Chr.
Paulus sitzt zunächst zwischen zwei Sesseln: Die Juden brauchen ihn nicht, die Christen auch nicht und doch wird er zum auserwählten Werkzeug. So fanatisch er die Christen verfolgt hat, so fanatisch bzw. begeisterungsfähig wird er zum Verbreiter des Neuen. Er trägt ein neues Gottesbild weiter. Alle Menschen werden von Gott geliebt. Im Gegensatz zu Petrus ist er kaum kompromissbereit, hat wenig Geduld, nimmt Verfolgungen, Gefängnis, Spott auf sich, motiviert und tröstet, gründet viele Hausgemeinden in fremden Ländern.
Was sagen uns diese Persönlichkeiten heute? Gott wirkt durch die unterschiedlichsten Menschen, zu unterschiedlichsten Zeiten, auf unterschiedliche Weise. Gott traut den Menschen etwas zu. Trotz ihrer Schwächen, ihrer Fehler, ihrer Wankelmütigkeit überträgt er ihnen verantwortungsvolle Aufgaben, jedem entsprechend seiner Talente. Der Dienst des Leitens braucht ein felsenfestes Zeugnis. Seien auch wir einander Fels im Glauben durch Vertrauen, Liebe, Barmherzigkeit. Schlüsselgewalt nehmen wir gerne im Glauben ein - oft aber ohne Umkehr.
Dieses Fest Peter und Paul sagt: Habt Vertrauen in das Wirken Gottes, öffnet den Weg Gottes, verstellt ihn nicht durch Kleingläubigkeit, durch Ängstlichkeit. - Ein schöner Gedanke für die beginnende Ferienzeit: offen zu sein für Neues, empfänglich zu werden für das Wort Gottes als Hilfe für ein neues Arbeitsjahr. - Amen.
Lieder:
GL 164: Der in seinem Wort uns hält
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke
GL 380: Der Apostel heiliger Chor (4. Str.)
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (5. Str.)
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 487: Nun singe Lob du Christenheit
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
GL 542: Ihr Freunde Gottes allzu gleich (4. Str.)
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 546: Christus, du Licht vom wahren Licht
GL 548: Für alle Heiligen in der Herrlichkeit
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt
Psalmen und Kehrverse:
GL 60: Der Herr hat uns befreit; auf ewig besteht sein Bund - Mit Psalm 111 - VI
GL 454: Geht in alle Welt, Halleluja - Mit Psalm 111 (GL 60,2) - VI.
GL 486: Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam - Mit Psalm 8 (GL 33,2) oder mit Psalm 47 (GL 44,2) - VII
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL Ö929,2: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn - Mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
Am heutigen Sonntag blickt die Kirche auf zwei Glaubensgestalten des Anfangs, auf Petrus und Paulus. Sie werden in einem Atemzug miteinander genannt, treten oft als Duo in Form von Statuen in Kirchen auf. Sie haben sich unermüdlich für die Verbreitung des Evangeliums und die Ausbreitung unseres Christentums eingesetzt. Sie haben christliche Gemeinden gegründet und geleitet, haben das Fundament unserer Kirche gebaut. Kein Wunder also, dass ihnen viele Denkmäler und Kirchen gebaut wurden. Kein Wunder, dass in Rom über dem Grab des heiligen Petrus der Petersdom errichtet wurde.
Wir feiern heute zwei herausragende Persönlichkeiten des Christentums: Petrus und Paulus. Bei der Betrachtung ihres Lebens und ihres Wirkens erkennt man viele Unterschiede in ihrer Vita. Petrus stammte aus Galiläa, war Fischer und Familienvater. Paulus hingegen stammte aus Tarsus, lebte ehelos und war von Beruf Zeltweber. Und doch verbindet sie ihr Auftrag Gottes. Sie sind in die Welt gesandt, die Frohe Botschaft zu vernehmen und zu den Menschen zu tragen.
Prägend für beide ist auch, dass ihr Glaube nicht immer auf geraden Wegen verlaufen ist. Petrus, der den Tod fürchtet, verleugnet Jesus vor der Kreuzigung und Paulus wird erst durch seine Bekehrung zu einem Freund Christi, nachdem er im jungen Erwachsenenalter die Christen verfolgt hatte. Dennoch zeigen uns beide: Glaubenswege führen nicht immer geradeaus, sondern verlaufen kurvig und holprig unserem Ziel, Gott, entgegen. Ihn wollen wir in unserer Mitte begrüßen:
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Wir feiern das Hochfest St. Peter und Paul. Die Tradition nennt sie "Apostelfürsten" ‑ eine Begrifflichkeit, die Macht und Ehre vermuten lässt. Stellen wir uns an diesem Fest ihrem Wirken und fragen wir uns nach ihrer Bedeutung für jede und jeden von uns, der in unserer Glaubensgemeinschaft irgendwo irgendeine Verantwortung trägt.
An einem Dienstag einen Festtag zu haben, dann auch noch mit zwei Ehrengästen - die Überraschung ist perfekt. Petrus und Paulus sind heute bei uns. Beide sind Säulen der Kirche. Beide haben sich schuldig gemacht. Beide sind Hoffnungsträger und Zeugen – für uns alle.
Sie wurden von Jesus berufen, in der jüdischen Welt wie unter den Völkern Gottes Liebe zu verkündigen, verlorene Menschen zu suchen und eine Kirche aufzubauen, ohne Grenzen.
Dass wir dazu gehören, feiern wir heute auch.
In dem einen Bekenntnis, das Petrus formulierte, sind wir mit allen Christen weltweit verbunden: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“.
Durch diese Feier begleitet uns ein Kernsatz aus dem Evangelium: Jesus spricht: „Du bist Petrus und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“
Auch wir wurden einmal in unserer Lebensgeschichte direkt von Gott angesprochen. In der Taufe, als auch über uns sich der Himmel öffnete und die Stimme sprach: „Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn. An dir habe ich Gefallen gefunden.“
Wir Menschen brauchen diese Zusage, dass wir geliebt sind – bedingungslos.
Und manches Mal brauchen wir auch das Zutrauen anderer, den Zuspruch anderer: „Hab Mut! Du schaffst das!“ oder „Es wird wieder gut!“
Wir stehen in Gottes Gegenwart so wie wir sind. Mit allen unseren Fähigkeiten… mit allen unseren Bedürfnissen… mit unseren Freuden… mit unserer Trauer… mit dem, was wir tragen oder ertragen…
Herr Jesus Christus,
du kennst unser Leben.
Herr, erbarme dich.
Du bist unser Leben.
Christus, erbarme dich.
Du führst uns zum Leben.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast Petrus als Fels deiner Kirche eingesetzt.
Kyrie eleison.
Du hast Paulus berufen, bei den ersten Christen zu sein.
Christe eleison.
Du berufst auch heute Menschen zur Verkündigung deiner Frohen Botschaft.
Kyrie eleison.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Jesus Christus,
in der Kraft des Heiligen Geistes hast du Petrus und Paulus vertraut.
Herr erbarme dich.
Jesus Christus,
in der Kraft des Heiligen Geistes hast du Petrus und Paulus Großes zugemutet.
Christus erbarme dich.
Jesus Christus,
in der Kraft des Heiligen Geistes hast du Petrus und Paulus geschützt und gestützt.
Herr erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser,
er nehme von uns Schuld und Sünde,
er lasse uns an unseren Fehlern wachsen und reifen
und führe uns so in sein Reich des ewigen Friedens.
Herr,
Bekenntnisse sind uns oft peinlich.
Wir verstecken uns hinter Formeln und Floskeln.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du hast dich zu uns bekannt.
„Ja“ hast du zu uns gesagt.
Christus, erbarme dich.
Herr,
viele Meinungen und Erwartungen zerren an uns.
Wir brauchen einen Fels unter unseren Füßen.
Herr, erbarme dich.
Preist mit mir die Größe des Herrn, *
lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!
Ich suchte den Herrn und er gab mir Antwort, *
er hat mich all meinen Ängsten entrissen. (Ps 34,3-4)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Jesus Christus,
auf dem Fundament der Apostel ist die Kirche gegründet.
Wir wollen uns an ihrem Beispiel orientieren.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
das Beispiel der Apostel lehrt uns,
wie Nachfolge durch dick und dünn geht.
Wir wollen uns auf den Weg machen.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus,
in Worten und Taten haben die Apostel von dir Zeugnis gegeben.
Wir wollen kreativ unsere Zeiten gestalten.
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser,
er nehme von uns Schuld und Sünde
und führe uns zu einem ewigen Leben. – Amen.
Herr, unser Gott,
am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus
haben wir uns in Freude versammelt.
Hilf deiner Kirche,
in allem der Weisung deiner Boten zu folgen,
durch die sie den Glauben
und das Leben in Christus empfangen hat,
der in der Einheit des heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Hochfest des hl. Petrus und des hl. Paulus
Guter Gott,
wir blicken auf unser Leben, auf unsere Kirche, auf unsere Welt,
auf das, was uns die vergangene Woche bewegt und beschäftigt hat.
Die Zeit hier mit dieser Gottesdienstgemeinschaft und dir
gibt uns die Möglichkeit abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.
Lehre uns in der Stille deiner Gegenwart,
das Geheimnis zu verstehen, dass wir sind
und das wir sind vor dir und durch dich und für dich.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Großer Gott,
die Kirche deines Sohnes ist gegründet
auf den Glauben der Apostel.
Hilf uns,
Christus zu begegnen in der Gemeinschaft
der Kirche, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Allmächtiger und gütiger Gott,
du hast die Apostel Petrus und Paulus ausgestattet
mit Kraft, Mut, Autorität, Phantasie und Demut,
um deine Kirche in ihrer Zeit zu gestalten.
An ihrem Festtag wollen wir sie uns
als Vorbilder und Beispiele nehmen,
wenn wir hier und heute am Aufbau deines Reiches
inmitten dieser Welt mitwirken.
Schenke uns den klaren Blick, das offene Herz
und das bescheidene Wesen, um zu tun,
was hier und heute gut und notwendig ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
Gott,
du hast Abraham erwählt und Mose,
Petrus und Paulus,
uns hast du auch erwählt.
Du machst mit Menschen gemeinsame Sache.
Gegen Tod und Verderben,
gegen Angst und Hass,
gegen die vielen Unterwelten.
Wir danken dir,
dass Petrus das richtige Bekenntnis gefunden
und Paulus das Evangelium bis an die Grenzen der Erde gebracht hat.
In der Gemeinschaft mit ihnen bitten wir um die Kraft,
deine Kirche anzunehmen
und ihr auch bei Fehlern treu zu bleiben.
Du hast uns die Gabe der Kritik geschenkt,
du eröffnest uns einen weiten Raum
In Christus, deinem Sohn,
lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit. – Amen.
Oder:
Du Gott, hast dir aus vielen Zungen der Völker eine Kirch' gemacht,
darin dein Lob wird gesungen in einer wunderschönen Pracht,
die sämtlich unter Christus stehen als ihrem königlichen Haupt
und in Gemeinschaft dies begehen, was jeder Christ von Herzen glaubt.
Erhalt uns, Herr, im rechten Glauben noch fernerhin bis an das End,
ach lass uns nicht die Schätze rauben, dein heilig Wort und Sakrament.
Erfüll die Herzen deiner Christen mit Gnade, Segen, Fried und Freund,
durch Liebesfeu’r sie auszurüsten zur ungefärbten Einigkeit.
(Friedrich Konrad Hiller, 1711)
Herr, unser Gott,
du hast die Apostel Petrus und Paulus berufen, uns zu zeigen, was der Glaube an dich bedeutet.
Lass sie uns zu Vorbildern werden, damit auch wir nicht aufgeben, wenn eine Situation ausweglos erscheint und wir deine Hilfe herbeisehnen.
Dafür erfülle uns und alle Gläubigen mit Gnade und Segen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Die Kirche ist die Gemeinschaft aller, die an Christus glauben. Sie bedeutet, füreinander da zu sein, miteinander zu trauern und sich gegenseitig zu unterstützen. Unsere Kirche versteht sich auch als sorgende Gemeinschaft über alle ihre Mitglieder hinaus. Sie sorgt sich um alle Menschen.
Dies kommt auch in den Fürbitten zum Ausdruck, in denen wir Gott unsere Sorgen anvertrauen:
Gütiger Gott, wir bitten für jene Menschen, die unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden, denen kaum oder nichts zugetraut wird, die Menschen um sich brauchen, die ihnen zeigen, wie wertvoll und geliebt sie sind.
Gütiger Gott, wir beten für alle jene, die in unserer Kirche Kränkungen, Verletzungen und Gewalt erfahren haben.
Gütiger Gott, wir beten für alle, die in der Kirche Altes bewahren und Neues wagen, für alle, die mit Jesus als Bauherr an seiner Kirche weiterbauen.
Gütiger Gott, wir bitten für alle, die bedroht sind von Arbeitslosigkeit, Ungewissheit, von Armut, Hunger und Krankheit.
Gütiger Gott, wir beten für alle Opfer von Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit.
Gütiger Gott, erhöre unser Gebet. Auch dort, wo es nur noch leere Worthülsen oder ein Verstummen ist. Schenke allen Menschen Hoffnung und Zuversicht.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Wir beten für Papst Leo und alle, die in der Nachfolge der Apostel deine Kirche leiten, deine Botschaft verkünden und versuchen, dein Reich im Heute unserer Zeit zu verwirklichen.
Wir beten für alle Männer, die in diesen Tagen ihre Priesterweihe empfangen und im Dienst an deiner Kirche ihre Lebensberufung sehen, dass sie ihr treu bleiben können.
Wir beten für alle jungen Leute, die sich offen und voll Vertrauen für Lebenswege entscheiden, die sie zu dir, der Mitte und Tiefe ihres Lebens führen.
Wir beten für alle, die in Strukturen von Misstrauen, Spaltung, Macht oder anderen Bedrohungen gefangen sind, und bitten dich, befreie sie durch deinen Geist und lass die Wege zu einem globalen Frieden finden.
Wir beten für alle, für die der Tod das Ende ist. Lass sie Hoffnung und Heil in dir finden.
Im festen Vertrauen auf dich inmitten deiner Kirche erhöre diese unsere Bitten und erfülle sie nach deinem weisen Ratschluss. - Amen.
Menschenfreundlicher Gott,
wie Jesus Petrus und Paulus zu seinen Jüngern berufen hat, so berufst du auch uns, deine Botschaft zu verkünden.
Deshalb bitten wir:
Für alle Menschen, die auf vielfältige Weise ihren Glauben in der Welt von heute verkünden, obwohl sie mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben.
Gib ihnen Mut und Kraft für ihre Aufgabe.
Für die Menschen in Entwicklungsländern, die von Hunger und Krankheit geplagt sind.
Stelle ihnen Menschen an die Seite, die sich ihrer Bedürfnisse annehmen.
Für alle Menschen, die sich für den Frieden und die Einheit zwischen Völkern und Konfessionen einsetzen.
Schenke ihnen die Kraft zum Dialog und zur Vermittlung.
Für alle Menschen, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind oder sich selbst nicht mehr annehmen können.
Hilf ihnen damit sie neue Kraft schöpfen, um neu zu beginnen.
Für alle Verstorbenen, die zu Lebzeiten mit Liebe und Wertschätzung zu einer funktionierenden Gesellschaft beigetragen haben.
Vergilt ihnen alles Gute.
Guter Gott,
so wie die Jünger auf bewegten Glaubenswegen unterwegs waren, so sind auch wir immer wieder auf der Suche nach dir.
Segne uns und bleibe bei uns heute und alle Tage bis ans Ende der Zeiten. – Amen.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe, hört Jesus den Petrus sagen. Wer liebt, der vertraut - und wer vertraut, weiß sich geborgen.
Aus unserem Vertrauen heraus dürfen wir zu unserem Gott rufen und ihn bitten:
Für die Mächtigen in der Kirche;
für jene, die Leitungsmacht haben;
für jene, die sich durchsetzen können;
für jene, die für andere Verantwortung tragen.
Lass sie gut hinschauen und gut hinhören und dann weise Entscheidungen treffen.
Für jene, die ohnmächtig sind in unserer Kirche;
für jene, deren Anliegen niemand wahrnimmt;
für all jene, von denen wohl das Evangelium spricht, aber niemand in unserer Glaubensgemeinschaft.
Lass sie den Mut finden, aufzustehen und die Mächtigen und Verantwortungstragenden zu erinnern.
Für jene, die den Auftrag haben, das Evangelium zu verkünden, aber stattdessen lieber anderen dienen;
für all jene, die sich in Netzwerken widersprüchlicher Interessen verstrickt haben;
für alle, die das Evangelium missbrauchen.
Sende ihnen einen Hahnenschrei.
Für all jene, die sich im Einsatz für die Frohbotschaft aufgerieben haben;
für alle Blutzeuginnen und Blutzeugen;
für alle, die auch dann nicht geschwiegen haben, wenn es brenzlig wurde.
Vergilt ihnen all das Gute und bereite ihnen einen Platz an deiner Seite.
Die auf ihn blickten, werden strahlen, singt der Psalmist.
Wir vertrauen dir an, guter Gott, was uns bewegt, und bitten dich um deine Nähe.
Durch Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Heute freuen wir uns, Petrus und Paulus zu feiern.
Sie haben uns das Bekenntnis gegeben
und in die weltweite Gemeinschaft deiner Kirche berufen.
Wir beten für die Kirche, für die Welt, für alle Menschen:
In der Öffentlichkeit muss die Kirche um Vertrauen kämpfen.
Der Skandal um Missbräuche hat tiefe Wunden zurückgelassen.
Hilf uns, Schuld einzugestehen, ehrlich Fehler aufzuarbeiten und allen Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Schenke uns Schlüssel des Himmelreiches
Es gibt eine große Sehnsucht nach Einheit in der Christenheit.
Viele Konfessionen sind entstanden, Brüche aber nicht verheilt.
Hilf uns, aus alten Denkstrukturen aufzubrechen,
Grenzen zu überwinden,
und dem Papst, seine vielen Brüder und Schwestern zu stärken.
Das Bekenntnis zu Christus hat jüdische Wurzeln,
der Christustitel übernimmt die Hoffnungen Israels.
Jüdische Menschen wurden ausgegrenzt und umgebracht.
Sie wurden als Gottesmörder diffamiert.
Hilf uns, die alten Verwerfungen zu überwinden,
in Juden unsere älteren Geschwister zu sehen
und jeder Form von Antisemitismus unsere Stirn zu bieten.
Viele Meinungen und Interessen stehen zwischen Ländern und Völkern.
Internationale Gremien ringen um gemeinsame Wege und Werte.
Hilf uns, einander zuzuhören, Krisen zu lösen und Kriege zu verhindern.
Weltweit sind Millionen von Menschen auf der Flucht.
Sie fliehen vor Krieg und ethnischen Konflikten, vor Naturkatastrophen und Hunger.
Hilf uns, Fluchtursachen zu bekämpfen, für Menschenrechte einzutreten
und mit den Kriegsherren keine Geschäfte zu machen.
Die Corona-Pandemie hat tiefe Risse auch bei uns offengelegt.
Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer.
Hilf uns, aus unseren Erfahrungen zu lernen,
Freiheitsrechte nicht gegeneinander zu kehren
und die Schwachen in unserer Gesellschaft zu stärken.
Du, Herr, bist das Gesicht,
du bist das Wort des Vaters.
Zu dir bekennen wir uns.
In der Gemeinschaft deiner Kirche zeigen wir unsere Gesichter
und trauen deinem Wort
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Guter Gott,
du rufst die Menschen, dir zu folgen.
Im täglichen Leben wird dein Handeln an uns sichtbar.
Wir wollen dich bitten:
Wir beten für den Nachfolger Petri, für alle Bischöfe,
wir beten für alle Verantwortlichen in den christlichen Gemeinschaften:
dass sie treu zu deinem Wort stehen
und deine Botschaft vom Heil weitersagen.
Wir beten für alle, die mit Kraft und Feuer das Evangelium leben,
indem sie benachteiligten Menschen Hilfe zuteil werden lassen:
Lass ihr Tun reiche Frucht tragen.
Wir beten für alle, die Christen verfolgen,
aber auch für all jene Getaufte,
die mit Andersgläubigen nicht in religiösem Frieden leben wollen:
Hilf ihnen, den Anderen so leben zu lassen,
wie sie selbst gern leben wollen.
Wir beten für die vielen Menschen, die in den Vereinen, Gruppierungen und Gremien unserer Pfarreien Nachfolge lebendig werden lassen:
Schenke ihnen gute Erfahrungen und lass sie Durststrecken überstehen.
Wir beten für unsere Verstorbenen,
die ihr Leben, aber auch ihr Sterben an dir ausgerichtet haben:
Lass sie ewigen Frieden finden in deinem Reich.
Um all dies, o Gott, bitten wir dich durch Christus unsern Herrn.
Herr und Gott,
in Gemeinschaft mit den Aposteln
Petrus und Paulus bitten wir dich:
Heilige unsere Gaben
und laß uns mit Bereitschaft und Hingabe
das Opfer deines Sohnes feiern,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB hl. Petrus und des hl. Paulus
Leben ist nicht Stillstand. Leben ist Veränderung. Leben ist Wandlung.
Selbst in unserer Kirche.
Herr, unser Gott, schau hin!
Wir haben Brot und Wein gebracht.
Schau auf unser Leben und auf unsere Kirche!
Schenke du Wandlung, wo es der Veränderung bedarf!
Damit deine Kirche und wir Zeichen und Werkzeug deines Heils sein können.
Das erbitten wir durch Jesus Christus im Heiligen Geist. - Amen.
Gütiger Vater,
der Tisch ist gedeckt mit den Gaben,
die du selbst uns schenkst.
Dein Heiliger Geist verwandle sie
in die Gegenwart deines Sohnes,
dem die Heiligen Petrus und Paulus alles gegeben haben.
Stärke unsere Gemeinschaft der Glaubenden an diesen Altar,
dass wir als Kirche Vorbild und Beispiel für die Menschen von heute sind.
Der du lebst und liebst
mit deinem Sohn Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Du hast zu deinem Abendmahl als Gäste uns geladen.
Nun stehn wir, Herr, in deinem Saal mühselig und beladen.
Wir tragen unsrer Wege Leid,
viel Sorgen, Schuld und Schmerzen.
Ob reich, ob arm, dich irrt kein Kleid,
du weißt die Not der Herzen.
Nun segne, Herr, uns Brot und Wein,
deins Tisches edle Gaben!
Du selbst willst gegenwärtig sein
und wunderbar uns laben.
Gib über Bitten und Verstehn,
wie du versprachst zu geben!
In dem, was unsre Augen sehn,
gib dich uns selbst zum Leben. – Amen.
Kehrvers:
Lobet und preiset ihr Völker den Herrn! (GL 408)
Guter Gott,
am Fest der Apostel Petrus und Paulus sind wir zusammengekommen,
um dir unseren Dank darzubringen.
Wir haben allen Grund, dir zu danken,
denn in Jesus von Nazareth hast du uns den Messias gesandt.
Er hat uns aus der Not unseres begrenzten Lebens erlöst.
Er hat selbst Menschengestalt angenommen,
in ihm ist deine göttliche Weisheit Fleisch geworden.
In menschlicher Begegnung hat er deine Menschenliebe erfahren lassen.
Seinen Jüngern hat er aufgetragen,
die Frohe Botschaft von deiner väterlichen Liebe und Fürsorge
allen Menschen zu verkünden.
Im Wirken des Petrus hast du fortgesetzt, was Jesus begonnen hat.
Paulus hast du erwählt,
die Frohe Botschaft über die Grenzen des jüdischen Volkes hinauszutragen.
Unermüdlich predigte er den Heiden
und machte sie mit deiner Liebe und Barmherzigkeit bekannt.
Wir danken dir auch für die vielen Menschen,
die den Glauben an dich durch Jahrhunderte hindurch lebendig gehalten
und ihn von Generation zu Generation weiter getragen haben.
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B.: "Großer Gott, wir loben dich…" (GL 380)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dich allmächtiger Vater,
in deinen Heiligen zu preisen
und am Fest der Apostel Petrus und Paulus
das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Petrus hat als erster den Glauben
an Christus bekannt
und aus Israels heiligem Rest
die erste Kirche gesammelt.
Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht
und die Berufung zum Lehrer der Heiden.
Auf verschiedene Weise
dienten beide Apostel der einen Kirche,
gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens.
Darum ehren wir beide in gemeinsamer Feier
und vereinen uns mit allen Engeln und Heiligen
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Petrus und Paulus
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn du bist der ewige Hirt,
der seine Herde nicht verläßt,
du hütest sie allezeit durch deine heiligen Apostel.
Du hast sie der Kirche als Hirten gegeben,
damit sie ihr vorstehn als Stellvertreter deines Sohnes.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn hast du die Kirche
auf das Fundament der Apostel gegründet,
damit sie bis ans Ende der Tage fortbestehe
als Zeichen deiner Heiligkeit
und allen Menschen die Botschaft des Heiles verkünde.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 2
Jesus spricht:
Folge mir nach!
(Joh 21,19)
Oder:
Mit Petrus bekennen wir:
Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
(Mt 16,16)
Oder:
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist;
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!
(Ps 34,9)
Wie Petrus und Paulus
Felsenfest
auf etwas bauen
Felsenfest wissen
wem man folgt
Felsenfest
treu und beständig
Felsenfest
vertrauen
Felsenfest
glauben
Felsenfest
in Gott verwurzelt
Selbst zum Fels werden
auf dem Kirche
wachsen kann
Herr, unser Gott,
du hast uns durch das heilige Sakrament gestärkt.
Gib, daß wir im Brotbrechen
und in der Lehre der Apostel verharren
und in deiner Liebe ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Hochfest des hl. Petrus und des hl. Paulus
Gütiger Gott,
wir danken dir für dieses Zusammensein mit dir und untereinander.
Wir danken deinem Sohn für sein Zutrauen, das er in seine Kirche und in uns hat.
Wir danken dem Heiligen Geist dafür, dass er uns herausfordert und bestärkt, als Christinnen und Christen die Welt, in der wir leben, zu bereichern.
Was wir in dieser Feier aus deiner Liebe an Gutem empfangen durften, ruhe in uns und wachse in uns.
Das erbitten wir durch Jesus Christus im Heiligen Geist. - Amen.
Barmherziger Gott,
die Heiligen Petrus und Paulus haben geglüht für deine Botschaft.
Das Sakrament, das wir empfangen haben,
und das Wort vom Heil, das wir gehört haben,
nähre auch das Feuer in unseren Herzen
und lasse unser Beispiel leuchten inmitten dieser Welt.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Du bewahrst uns deine Treue, Gott,
damit wir uns verändern können,
du schenkst uns das Bekenntnis zu dir,
damit wir aufbrechen können.
Wir danken dir für die beiden Menschen,
die du uns an die Seite gegeben hast,
Petrus und Paulus.
Stecke uns mit ihrem Glaubensmut an,
schenke uns Worte, uns zu dir zu bekennen,
bewahre uns das Glück, zu dir zu gehören.
Dann können sich auch die Menschen freuen,
mit denen wir jeden Tag zu tun haben.
In der Liebe sind wir miteinander verbunden,
voller Hoffnung, Zerrissenes zu heilen,
Verlorenes zu finden
und Verdrängtes auszuhalten.
Du bist der Sohn des lebendigen Gottes,
Christus, unser Herr.
Mit dem Heiligen Geist eins in der Liebe.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott im Himmel und im Antlitz meines Nächsten.
Die Menschen gehen durch Tage mit Verschiebungen und Veränderungen.
Doch du bist der Gott, der bleibt und der treu ist.
Hilf mir, deine Treue und deine Gegenwart zu erkennen, ihr zu vertrauen, aus ihr zu leben, sie mit meinem Nächsten zu teilen.
Die Menschen gehen durch Tage mit Fragen und Ängsten, doch du bist die Hoffnung, die uns hält und birgt.
Hilf mir, deine Hoffnung für mich, für den Nächsten und für die Welt zu sehen, sie zu hören, zu spüren, zu greifen, aus ihr zu leben, sie mit meinem Nächsten zu teilen.
Die Menschen gehen durch eine Zeit mit ungewisser Zukunft. Doch du, du bist Anfang und Ende. Du bist meine Nacht und mein Morgen.
Hilf mir, deiner Zeit immer neu zu vertrauen, mit dir und meinem Nächsten durch das Heute zu gehen, zu hören und zu sehen, zu vertrauen und zu hoffen, zu trösten und zu begleiten, zu lieben und zu geben, da zu sein. - Amen.
Guter Gott,
gehe du mit uns und allen, für die wir gebetet haben,
mit allen, mit denen wir in Liebe und Freundschaft verbunden sind,
und auch mit jenen, mit denen wir Mühe haben, durch die neue Woche.
Bleibe bei uns mit deiner Liebe und deinem Segen,
du, unser Gott,
du Vater, du Sohn, du Heiliger Geist. - Amen.
Ein Haus im Bau verkündet
weit über alle Land:
Der Herr, der stets dran bauet,
vertraut auf Lehm und Sand.
Er baute nicht Paläste
der Mann aus Nazareth.
Bereit für seine Gäste
vielmehr ein Lazarett.
Gar alle sind willkommen,
ob arm, ob fremd, ob Kind;
die Sünder und die Frommen,
die auf der Suche sind.
Er braucht an seiner Seite
nicht Mitra noch Birett.
Er ruft stets schwache Leute
zu sich ins Lazarett.
Denn dieses ist erbauet
auf Jesus Christ allein.
Wenn es nur auf ihn schauet,
wird es im Frieden sein.
Sein wandernd Volk will leiten
der Herr in dieser Zeit.
Er hält am Ziel der Zeiten
dort ihm ein Zelt bereit.
Refrain:
Gott, wir loben dich,
Gott wir preisen dich.
Lass fest auf diesem Grund
uns stehn' zu aller Stund.
P. Christoph Müller, in: Werlen Martin, Baustellen der Hoffnung. Eine Ermutigung, das Leben anzupacken, Herder 2024.
Später erfuhr ich und ich erfahre es bis zur Stunde, dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen – sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine sogenannte priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder einen Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden – und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben, - dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, … und so wird man ein Mensch, ein Christ.
Aus: Dietrich Bonhoeffer, Verantwortung und Hingabe. Texte und Gebete von Dietrich Bonhoeffer, hg. v. Christian Zippert, Verlag Gütersloh, Wuppertal 1995(2).
zwei wie
Wasser und Feuer
Petrus
der Jesus „ins Netzt“ ging
Mann aus kleinen Verhältnissen
Fischer eben
der, der Jesus folgte
der, mit dem mangelnden Vertrauen
der, der zweifelte
der, der zu sinken drohte
der, der zum Schwert griff
der, der verleugnete
der, der erneut zweifelt
der, den Jesus bestimmte
Fels zu sein
Paulus
der Jesus mit Feuereifer verfolgte
Mann aus dem griechischen Mittelstandes
gebildeter Jude
der, der aus seiner Verblendung geholt wurde
der Bekehrte
der Verkünder
der Briefeschreiber
der „Reisende“ in Sachen Jesu
der Gemeindegründer
der Kämpfer, auch für Nicht-Juden
unterschiedlich
in fast allem
doch konsequent -
bis in den Tod -
für die Sache Jesu -
werden sie
zum Fundament -
zum Fels -
eines Glaubens
der bis heute trägt
trägt er wirklich bis heute?
trägt er auch mich?
sind auch wir –
als einzelne –
und als Kirche –
bereit –
einen Raum
in diesem Fundament zu bieten –
sind wir bereit
zu erstreiten
dass hier jeder aufgehoben ist -
anzuerkennen
dass Gott jeden in seiner Liebe ruft
dem Beispiel und der Konsequenz
der beiden -
die die erlösende und frohmachen
Botschaft Jesu
weitergetragen haben -
zu folgen???
Sind wir bereit??
Beatrix Senft, unveröffentlicht
Lob Gott getrost mit Singen,
frohlock, du christlich Schar!
Dir soll es nicht mißlingen,
Gott hilft dir immerdar.
Ob du gleich hier mußt tragen
viel Widerwärtigkeit,
sollst du doch nicht verzagen;
er hilft aus allem Leid.
2. Dich hat er sich erkoren,
durch sein Wort auferbaut,
bei seinem Eid geschworen,
dieweil du ihm vertraut,
daß er deiner will pflegen
in aller Angst und Not,
dein Feinde niederlegen,
die schmähen dich mit Spott.
3. Kann und mag auch verlassen
ein Mutter je ihr Kind
und also gar verstoßen,
daß es kein Gnad mehr find't?
Und ob sich's möcht begeben,
daß sie so gar abfiel:
Gott schwört bei seinem Leben,
er dich nicht lassen will.
4. Darum laß dich nicht schrecken,
o du christgläub'ge Schar!
Gott wird dir Hilf erwecken
und dein selbst nehmen wahr.
Er wird seim Volk verkünden
sehr freudenreichen Trost,
wie sie von ihren Sünden
sollen werden erlöst.
5. Es tut ihn nicht gereuen,
was er vorlängst gedeut',
sein Kirche zu erneuen
in dieser fährlichn Zeit.
Er wird herzlich anschauen
dein' Jammer und Elend,
dich herrlich auferbauen
durch Wort und Sakrament.
6. Gott solln wir fröhlich loben,
der sich aus großer Gnad
durch seine milden Gaben
uns kundgegeben hat.
Er wird uns auch erhalten
in Lieb und Einigkeit
und unser freundlich walten
hier und in Ewigkeit.
Böhmische Brüder (1544), EG 243.
Fragen können helfen, ein Problem genauer zu erkennen. Das gelte auch in der Kirchenkrise, sagt Regina Laudage-Kleeberg und hat dafür ein eigenes Onlineportal eröffnet. Im Interview erzählt sie, was sie sich von einer Kirche erhofft, die sich selbst hinterfragt.
Frage: Sie knüpfen an ein Augustinus-Zitat an "Unter dem Blick deiner Augen bin ich mir selbst zur Frage geworden" und wünschen sich eine Kirche, die alles hinterfragt, auch sich selbst. Welche Aspekte müssen Ihrer Meinung nach denn am dringendsten auf den Prüfungstand?
Laudage-Kleeberg: Ich kann jetzt natürlich alle schmerzlichen Klassiker aufzählen, die wir sowieso kennen – die Rolle der Frauen, die Akzeptanz von Diversität jeglicher Art und so weiter. Ich würde es aber lieber etwas abstrakter sagen: Ich glaube unser zentrales Problem ist, dass wir die Botschaft nicht mehr richtig durchdenken. Die biblische Erfahrung sagt uns, ihr seid mit allem, was euer Leben ausmacht, auch mit dem, was euch nicht gelingt, geliebt und angenommen.
Und auf der anderen Seite haben wir eine institutionelle Kirche, die dieses Leben reglementiert und sanktioniert. Diese Bereitschaft, unterschiedliche Lebensentwürfe und auch Brüche im Leben anzuerkennen, wird weder rechtlich noch dogmatisch ausreichend gut gezeigt.
In der Pastoral gibt es ganz viele, die das wunderbar sichtbar machen: Wir Menschen sind auch mit unseren Brüchen bei Gott angenommen und geliebt. Aber wie kann es sein, dass es uns nicht gelingt, diese zentrale Botschaft auch offiziell umzusetzen? Die Leute merken das und wollen da nicht mehr mitmachen, und das betrifft inzwischen längst auch den inner circle.
Frage: Was ist dementsprechend Ihre zentrale Frage an die Kirche?
Laudage-Kleeberg: Was hält dich davon ab, den Menschen so zugewandt zu sein, wie deine Botschaft es eigentlich vorsieht?
Er ist evangelischer Pfarrer und Mitglied bei den Grünen: Peter Dennebaum hinterfragt die katholische Kirche als Machtinstitution. Er meint, dass es zu einem "grandiosen Neuaufbruch" kommen könnte, würde sie auf ihre Privilegien verzichten.
Frage: Ich höre da raus, das ist ja auf der einen Seite der religiöse Bereich, den Sie als Christen unter den Grünen abdecken – vielleicht auch interreligiös. Und auf der anderen Seite die Gesellschaft und Politik: Sollte sich Kirche nicht aus der Politik heraushalten, wie so oft gefordert?
Dennebaum: Entschuldigen Sie, dass ich lache. Ich bin genau anders großgeworden. Ich bin im Mainzer Bischöflichen Willigis-Gymnasium großgeworden. Da weiß ich noch: Das erste Buch, was mir der damalige Dompfarrer zu Mainz, der auch mein Religionslehrer war, zu lesen gegeben hat, worüber ich dann referiert habe, war "Konflikt um die Theologie der Befreiung". Ich habe damals als 16-/17-Jähriger gelernt, dass Jesus eben keiner war, der nur ein Privatlehrer war, sondern dass Jesus einer war, der schon vor 2000 Jahren für Menschenrechte eingetreten ist und damit natürlich das Römische Reich herausgefordert hat und dass die Französische Revolution erst sehr viel später kam. Also da war einer sehr viel früher. Und dass viele Menschen Jesus zu einem moralischen Privatlehrer gemacht haben, finde ich, ist ein absoluter Verrat an Christi Sache. Und wenn die Kirchen heute nicht mehr voll sind, liegt es vielleicht daran, dass die Kirchen aber nicht mehr das wirklich für das Menschsein Relevante in den Mittelpunkt stellen, sondern in einer Liturgie verhaftet geblieben sind, die viele Menschen nicht mehr anspricht – mich übrigens inklusive.
"Ein Menschenleben gerettet" bedeutet im Judentum: "die ganze gesamte Welt gerettet". Ich glaube, da müssen wir mal sehr viel radikaler werden. Jesus war auf jeden Fall meines Erachtens einer, der in diesem einen Jahr Verkündigung, das er gehabt hat, als er durch Galiläa gereist ist – der Mann hat ja nicht viel Zeit gehabt, unstudiert, wie er war, Sohn eines Handwerkers, selbst Handwerker, vielleicht mit Realschule, würde man heute sagen –, trotzdem das Römische Reich so herausgefordert hat, dass die nichts machen konnten, als ihn so schnell wie möglich ans Kreuz zu nageln.
Denn einer, der sagt, "alle Menschen sind gleich", der hatte damals nicht viel zu sagen und ich glaube, heute auch nicht! Wenn wir sagen, wir müssen eine Welt schaffen, in der alle Menschen den gleichen Zugang zu Bildung und Ressourcen haben, ist das die gleiche revolutionäre Botschaft wie vor 2000 Jahren, nur geändert hat sich da relativ wenig. Und unsere Christenheit hat da so ein bisschen eingeschlafene Füße bekommen. Das habe ich alles im Katholizismus gelernt, alles in Mainz.
Wien, 21.06.13 (KAP) Viel Beifall gab es am Donnerstagabend bei der bei Uraufführung von Felix Mitterers "Jägerstätter" im Wiener Theater in der Josefstadt. Das von Hauptdarsteller Gregor Bloéb angestoßene und von Stephanie Mohr inszenierte Drama um den 2007 seliggesprochenen Wehrdienstverweigerer und Märtyrer berührte Kardinal Christoph Schönborn, Manfred Scheuer (Innsbruck), Ludwig Schwarz (Linz) und dessen Vorgänger Maximilian Aichern. Auch Maria Dammer, eine der Töchter des tiefgläubigen Innviertler Bauern und Mesners, erlebte die Uraufführung live und tief bewegt.
Der Inhalt: Das Stück beginnt mit der wenig bekannten "Sturm und Drang"-Phase Jägerstätters, als er der erste Motorradfahrer in seinem Dorf St. Radegund war, ein uneheliches Kind zeugte, in eine Wirtshausschlägerei verwickelt war und einige Zeit in Eisenerz im Erzabbau arbeitete. Die Begegnung und Heirat mit seinem "Lebensmenschen" Franziska vertiefte seinen schon familiär grundgelegten Glauben, die Geburt dreier Töchter machte ihn zu einem sorgenden, liebevollen Familienvater. Gregor Bloéb, der seinem Freund Felix Mitterer den Stoff für eine Dramatisierung ans Herz gelegt hatte, interpretiert seine Rolle für all jene überraschend, die einen sturen "Betbruder" erwartet hatten: Sein Jägerstätter ist lebenslustig, temperamentvoll, leidenschaftlich in Freude und Schmerz, aber auch reflektiert und zweifelnd, ob seine immer entschiedenere Verweigerung gegenüber dem NS-Terrorregime verantwortbar ist.
Franziska Jägerstätter wird als einziger Halt ihres ob seiner Gewissensentscheidung ringsum angefeindeten Ehemannes gezeichnet, auch die Mutter, beteiligte Priester einschließlich des damaligen Linzer Bischofs Josef Fließer sowie die oft als Chor dargestellte Dorfgemeinschaft versuchen den letztlich zum Tod Verurteilten von seinem Weg abzubringen. Das Stück endet mit dem bitteren Hinweis darauf, dass es sowohl staatlicherseits (den Hinterbliebenen wurden
1948 eine Witwen- bzw. Waisenrente verweigert) als auch kirchlicherseits (die Linzer Kirchenzeitung durfte nach dem Krieg auf bischöfliche Anweisung zunächst nicht über den unliebsamen Fall berichten) noch lange dauerte, bis Jägerstätter volle Rehabilitierung und Anerkennung als Seliger erfuhr.
Nach dem Fallen des Vorhangs wurden die Hauptdarsteller Gregor Bloéb und Gerti Drassl (Franziska), aber auch Nebendarsteller wie Michael Schönborn (der Bruder des Wiener Kardinals gibt einen Nazi-Außenseiter innerhalb der NS-skeptischen Dorfgemeinschaft von St. Radegund) mit viel Beifall bedacht, auch der Autor wurde unter lautem Jubel auf die Bühne geholt.
Kardinal Schönborn zeigte sich am Freitagvormittag bei der Pressekonferenz zum Abschluss der in Mariazell tagenden Bischofskonferenz noch tief beeindruckt vom Theatererlebnis am Abend zuvor; sowohl das Stück als auch die Inszenierung und die schauspielerischen Leistungen verdienten großes Lob. Mitterer sei es gelungen, ein "authentisches Bild dieses großen Mannes, aber auch seiner großer Frau" zu zeichnen, würdigte der Wiener Erzbischof, der sich laut eigenen Angaben seit 1967 mit Jägerstätter befasst hatte und auch dessen im März verstorbener Witwe Franziska mehrmals begegnet war.
Opfer war keineswegs "vollkommen sinnlos"
Felix Mitterer führte vor der Verfassung seines Textes penible Recherchen u.a. bei der Jägerstätter-Biografin Erna Putz und beim Postulator des Seligsprechungsverfahrens, Bischof Scheuer, durch. Seine anfängliche Skepsis, ob der Fall nicht zu tragisch, zu aussichtslos sei, habe sich durch die intensive Befassung mit dem Fall aber verflüchtigt, schreibt Mitterer im Programmheft. Bald habe ihn die lebendige Persönlichkeit Jägerstätters und die anrührende Liebesgeschichte zu seiner Frau gefesselt.
Wichtig sei für ihn auch die Erkenntnis gewesen, dass die Behauptung, dass Jägerstätters Opfer "letztlich vollkommen sinnlos war", nicht stimmt: Der amerikanische Soziologe Gordon C. Zahn habe mit seinem 1964 erschienenen Buch über den Fall dafür gesorgt, dass der oberösterreichische Bauer zum Vorbild vieler Kriegsdienstverweigerer in aller Welt wurde. Und Jägerstätters Verhalten habe auch die katholische Kirche beeinflusst, beim II. Vatikanischen Konzil das Recht auf Kriegsdienstverweigerung anzuerkennen.
Mitterers neues Stück wird nach der Premiere in Wien nun das Glanzstück des Theatersommers Haag (Niederösterreich), wo es von 3. Juli bis 9. August auf dem Spielplan steht. Danach kehrt es ab Herbst in das Theater in der Josefstadt zurück.
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menschen
die gerade sind
krumme
gibt es schon
menschen
die sich erbarmen
die wegschauen
gibt es schon
menschen
die mauern opfern
maueropfer
gibt es schon
menschen
die ums tägliche brot bitten
die es sich täglich nehmen
gibt es schon
menschen
die ihr leben ins spiel bringen
die mit dem leben andrer spielen
gibt es schon
menschen
die aufstehen gegen gewalt
die auf gewalt stehen
gibt es schon
menschen
die einander aufrichten
die einander richten
gibt es schon
menschen
die den mut haben zu dienen
herren
gibt es schon
menschen
die für den frieden leben
die für kriege sterben
gibt es schon
menschen
die neu anfangen
die fertig sind
gibt es schon
gibt
es
schon
genug
Peter Fuchs-Ott in: Marcus Leitschuh / Cornelia Pfeiffer (Hg.), Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen. Bonifatius / Verlag Otto Lembeck, Paderborn / Frankfurt am Main 2003.
"Der Herr sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt” (Apg 18,9f).
Wie viel Bewegendes, Herzerfrischendes, Ermutigendes haben wir in unserer Zeit in der Ökumene erleben dürfen! Wie oft sind wir aber auch enttäuscht worden. Wie oft haben wir bedrückende Erfahrungen machen müssen! Wir haben Rückschläge und Krisen erlebt, Angriffe von innen und von außen. Da tut es gut, sich die dunklen Stunden des Völkerapostels zu vergegenwärtigen. Das kann uns helfen, auch in dunklen Stunden das Ziel der vollen Einheit nicht aus dem Auge zu verlieren und unverdrossen auf es zuzugehen.
Paulus belasten die Fragen: Was kann ich angesichts der korinthischen Wirklichkeit schon erreichen? Ist nicht alles Mühen vergebens? Was sind die wenigen Gläubigen im Verhältnis zu den vielen anders denkenden Juden und Heiden? Sind wir nicht überdies durch Gefahren von außen und von innen bedroht?
Solche und ähnliche Fragen können einem auch heutzutage zu schaffen machen. Gibt es nicht ein entsetzliches Missverhältnis zwischen der Christusbotschaft und unserer Kirche, zwischen dem, was wir anstreben und was wir erreichen, zwischen unseren Worten und unseren Taten? Zerstören viele Faktoren in unserer Umgebung nicht allzu schnell, was wir mit viel Mühe aufbauen? Was können wir mit allem ökumenischen Einsatz erreichen? Wie weit sind wir immer noch vom Ziel der vollen Gemeinschaft aller Christen entfernt? Wie gering sind die Aus-sichten, dass dies wesentlich besser wird?
Zentnerschwer können sich solche Fragen auf uns legen. Sie bedrücken uns nicht nur, sie können uns erdrücken;
sie können dahin führen, dass wir die Hoffnung aufgeben und resignieren.
Was ist zu tun? Zunächst sollen wir uns bewusst machen: Solche Nöte sind selbst einem Paulus nicht erspart geblieben. Gewiss ist das ein schwacher Trost. Gleichwohl kann es uns Mut machen, wenn wir wissen: Ich bin in einer Lage, die auch andere mitgemacht und überstanden haben. Das kann unser Leben und auch unser ökumenisches Streben maßgeblich bestimmen. "Weiter noch kann es uns führen, wenn wir auf-nehmen, was Paulus in jener dunklen Nacht vernommen hat. Es gilt für jeden von uns. Während tausend finstere Nächte uns einreden wollen: "Fürchte dich!”, sagt Gott uns durch seine Boten unentwegt: "Fürchte dich nicht!”
Angesichts dieser wahrhaft fundamentalen Gegebenheit sollten wir nicht übersehen, dass der Herr dem Apostel noch einen weiteren hilfreichen Satz zuspricht. Er soll nicht nur durch Letztes gehalten werden, auch Vorletztes soll ihm dienlich sein. So versichert der Herr seinem treuen Diener: "Viel Volk gehört mir in dieser Stadt.” Dem Augenschein nach sah das offenbar nicht so aus. Das macht dem Apostel schwer zu schaffen. Um so wichtiger ist für ihn das Wissen: Auch wenn es nicht in die Augen fällt, auch wenn es sich nicht statistisch erfassen lässt, auch wenn es sich nicht handgreiflich beweisen lässt: Gott ist am Werk. Seine Solidarität mit den Menschen trägt auch heute ihre Früchte. Gott ist mit uns, und alle sind es, die zu ihm gehören.
Trotz aller Spaltungen durch menschliches Versagen sind wir eins im Herrn durch seine Liebe. Sie kennt keine Grenzen und kein Ende.
Paul-Werner Scheele in: Marcus Leitschuh / Cornelia Pfeiffer (Hg.), Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen. Bonifatius / Verlag Otto Lembeck, Paderborn / Frankfurt am Main 2003.
Es gibt einen
fischenden Petrus
Es gibt einen
nochfolgenden Petrus
Es gibt einen
zweifelnden Petrus
Es gibt einen
sinkenden Petrus
Es gibt einen
leugnenden Petrus
Es gibt einen
zuschlagenden Petrus
und dieser Petrus
ist Fels für die Kirche
H. Gub in: elemente, Würzburg 1991.

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Die 1. Lesung dieses Sonntags bringt einen Teil einer Petruspredigt, die er unmittelbar nach der Heilung eines Gelähmten im Tempelbezirk an das Volk gerichtet vorträgt. Der für die Liturgie vorgesehene Text schneidet dabei die Heilungserzählung heraus und beschränkt sich auf den Text der Rede (vgl. ungekürzte Fassung).
Die Predigten der Apostelgeschichte enthalten vor allem theologische Reflexionen des Verfassers und sind nicht als historische Reden der Apostel zu verstehen.
Inhaltlich setzt sich dieser Teil der Predigt mit einem den Christen der ersten Generation vertrauten Thema auseinander: Wie konnte es geschehen, daß sich die meisten Juden weder von der Predigt des Jesus von Nazareth noch von der Botschaft der Auferstehung des Jesus Christus überzeugen ließen. Ihnen geht es um den Beweis, daß Tod und Auferstehung Jesu in der Linie der jüdischen Traditon liegt. Der Prediger knüpft an den Hoffnungen der Stammväter Israels an und stellt die Geschehnisse an Jesus als von den Propheten im voraus verkündigt heraus. Die Schuldfrage am Tod Jesu wird akzentuiert den Juden angelastet. In der Annahme der Predigt der Apostel eröffnet sich den Juden aber die Möglichkeit umzukehren und an Jesus als Messias zu glauben.