Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung
aus dem Buch Sachárja.
So spricht der Herr:
Über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems
werde ich einen Geist des Mitleids
und des flehentlichen Bittens ausgießen.
Und sie werden auf mich blicken, auf ihn,
den sie durchbohrt haben.
Sie werden um ihn klagen,
wie bei der Klage um den Einzigen;
sie werden bitter um ihn weinen,
wie man um den Erstgeborenen weint.
An jenem Tag wird die Klage in Jerusalem
so groß sein wie die Klage um Hádad-Rímmon
in der Ebene von Megíddo.
An jenem Tag wird für das Haus David
und für die Einwohner Jerusalems
eine Quelle entspringen gegen Sünde und Unreinheit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott. – Kv
GL 420
Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, *
es dürstet nach dir meine Seele.
Nach dir schmachtet mein Fleisch *
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. – (Kv)
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, *
zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Huld ist besser als das Leben. *
Meine Lippen werden dich rühmen. – (Kv)
So preise ich dich in meinem Leben, *
in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, *
mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen. – (Kv)
Ja, du wurdest meine Hilfe, *
ich juble im Schatten deiner Flügel.
Meine Seele hängt an dir, *
fest hält mich deine Rechte. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinden in Galátien.
Ihr alle seid durch den Glauben
Söhne Gottes in Christus Jesus.
Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid,
habt Christus angezogen.
Es gibt nicht mehr Juden und Griechen,
nicht Sklaven und Freie,
nicht männlich und weiblich;
denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
Wenn ihr aber Christus gehört,
dann seid ihr Abrahams Nachkommen,
Erben gemäß der Verheißung.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie und sie folgen mir.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm.
Da fragte er sie:
Für wen halten mich die Leute?
Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer,
andere für Elíja;
wieder andere sagen:
Einer der alten Propheten ist auferstanden.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
Petrus antwortete: Für den Christus Gottes.
Doch er befahl ihnen und wies sie an,
es niemandem zu sagen.
Und er sagte:
Der Menschensohn muss vieles erleiden
und von den Ältesten,
den Hohepriestern und den Schriftgelehrten
verworfen werden;
er muss getötet
und am dritten Tage auferweckt werden.
Zu allen sagte er:
Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst,
nehme täglich sein Kreuz auf sich
und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will,
wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
der wird es retten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Frage nach der Identität spielt in unserem Leben eine entscheidende Rolle. Der Umgang damit ist häufig eine Gratwanderung. Jeder und jede möchte gut vor anderen dastehen. Die Frage "Wer ist dieser Jesus?" ist eng mit der Frage verknüpft: Wer bin ich? Und: Wer bin ich als Christ?
Für wen halten mich die Leute? - Eine ganze Industrie der Selbstvermarktung macht heutzutage ein Riesengeschäft mit dem Versuch, Antworten auf diese Frage herzustellen. Firmen, Gruppen, Parteien , auch die Kirchen und einzelne Personen lassen sich professionell beraten, wenn sie in den traditionellen Massenmedien oder in Social Media ihr Profil darstellen und vermarkten wollen. Da geht es darum, Wünschen, Vorstellungen, Hypes oder Trends der Kundschaft oder der Wählerschaft zu entsprechen. Die Algorithmen des Internets verarbeiten Informationen, die sie von den Usern eingefüttert bekommen, weiter und optimieren die Bilder. Echtheit von Charakteren, Wahrheit von Aussagen? - zweitrangig bis völlig egal. In Bildungsinstitutionen wie Schulen und Universitäten plagen sich die Verantwortlichen mit dem Umstand, dass immer schwieriger abgeschätzt werden kann, ob wissenschaftlicher Output der Forschenden wirklich ein Ergebnis ihres Könnens ist und damit ein Bild ihrer wissenschaftlichen Qualität abliefert oder eben eher ein Resultat der Automatismen des Internets ist.
Und nach dieser Einleitung frage ich: Was glauben Sie nun, wer diese Predigt gemacht hat?
Sein war gestern - Schein zählt heute.
Für wen halten mich die Leute? - Auf der anderen Seite wissen wir aus unseren eigenen Erfahrungen, dass wir, wo immer wir stehen und gehen, in Rollen leben, denen wir gerecht werden müssen, wenn wir sozial existieren und überleben wollen. Wer als Familienmitglied, als Freundin oder Freund, als Arbeitskollegin oder Arbeitskollege, überhaupt als Mitmachender in den Situationen des täglichen Lebens aus der Rolle fällt, erlebt mal schnell sein blaues Wunder, sieht sich an den Rand gedrängt, ist in vielen Momenten des Lebens ein Outsider. Man muss schon sozial höchstkompetent sein und ein gut trainiertes Ego haben, wenn man die Reaktionen der Umwelt auf ganz alternative Lebenswege oder sehr ungewöhnliche Denk- oder Verhaltensweisen aushalten will. Geschmeidiges Anpassen kommt immer mehr vor Charakteren mit Ecken und Kanten. Selbst in der Kirche sind diese Fragen ein tägliches Geschäft. Das war auch schon ganz anders.
Für wen halten mich die Leute?, fragt Jesus seine Freunde. Der Evangelist Lukas präsentiert uns heute ein Lehrstück über das Wesen des Gottessohnes. Für wen halten mich die Leute? - Die Antworten, die ihm die Freunde präsentieren, sind Jesus eigentlich egal. Mit dem Thema "Reputation" hat es der Gottessohn nicht so. Interessanter für ihn ist da eher das Bekenntnis seines direkten Umfeldes, jener Menschen also, auf die er durch Worte und Taten eingewirkt hat. Petrus, Sprecher und Erster im Apostelkreis antwortet: "Für den Gesalbten Gottes". Der Evangelist präsentiert mit diesen Worten, die er Petrus in den Mund legt, eine Lehre und Überzeugung von seinem Gottesbild im klaren Wissen: Das kann keiner verstehen, noch wird es vermutlich jemand gut finden: Jesus "befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen". Seine Freunde aber zieht Jesus ins Vertrauen und legt ihnen dar, was es heißt, sein Jünger zu sein: "Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach."
Die Rede von der Kreuzesnachfolge lässt manchmal ein wenig erschrecken und manche meinen, Christsein bedeutet vor allem mal, den Freuden Lebens zu entsagen und das Schwere und Leidvolle zu suchen. Jesus selbst hat immer wieder gezeigt, wie wenig diese Idee mit dem Aufruf zur Christusnachfolge vereinbar ist. Die heutige Evangeliumsperikope gibt einen Hinweis darauf, was Kreuzesnachfolge tatsächlich meint. Kreuzesnachfolge ist das exakte Gegenteil von der Antwort auf die Frage: Für wen halten mich die Leute?
Es geht vielmehr um Antworten auf Fragen wie: Wer bin ich? Wozu hat Gott mich berufen? Was will er von mir? Wie gestalte ich meinen Lebensweg in seinem Licht? Mit Antworten auf diese Fragen punktet man vielleicht nicht im Licht der Öffentlichkeit, auch nicht im Licht der kirchlichen Öffentlichkeit, nicht auf Facebook oder Instagram, aber: vor Gottes Angesicht. Denn dann stehen wir treu zu dem, was Gott aus uns gemacht hat; dann gehen wir ehrlich und echt den Lebensweg, den wir für uns erkannt haben, weil Gott uns auf ihn gesetzt hat. - Und das ist sicher oft genug Hochfest und Freude, manchmal vielleicht aber auch schwieriger zu erkennen und zu ertragen, eben wie ein Kreuz. Aber all das meint vor allem: authentisch leben.
Als Erbinnen und Erben der Verheißung, wie Paulus in der Lesung seine Zuhörerschaft und Leserschaft anspricht, gehen wir nur dann wirklich in Jesu Fußspuren, wenn wir uns in unserem Leben, so gut es geht, unserer Existenz als Gottes Geschöpfe bewusst sind. Das meint: Leben, was wir sind, nicht was wir - gemäß der Meinung anderer - sein sollen.
Die eingangs aufgezeigten Überlegungen zeigen aber auch auf, wie delikat ein solcher Lebensstil manchmal ist. Ja, wir haben Rollenerwartungen zu erfüllen. Ja, wir leben in Umfeldern, die uns herausfordern. Da ist dann aber auch dieser aus der Taufliturgie bekannte Satz des Apostels: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid eins in Christus Jesus." Damit zeigt er den Fokus auf, die Richtschnur, an der wir unser Leben entlang gestalten sollen. Und niemand weiß es besser als der Völkerapostel, dass da Fehler und Scheitern inklusive sind. Dann heißt es: neu ausrichten. Christus ist das Ziel, nicht der Start.
"Wenn einer mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Wir dürfen uns darauf verlassen: Der, der diesen Weg vorangegangen ist, geht mit ihn auch stets mit uns an unserer Seite.
Im Blick auf den Weltflüchtlingstag (20. Juni) wird die Aufforderung Jesu, das Kreuz auf sich zu nehmen sehr konkret. Wer das Kreuz auf sich nimmt und Jesus nachfolgt, macht sich leicht schmutzig und nimmt in Kauf, "verbeult" zu werden…
Die Kirche ist keine NGO und soll sich auchnicht wie eine verhalten! Das hören Pfarrgemeinden und Menschen, die sichaus christlichen Motivenfür andere einsetzen, oft. Dabei istdoch der Einsatzfür Menschen am Randeder Gesellschaft untrennbar mit unserem Christ-Sein verbunden: Nachfolge ist nicht das, was am Sonntagvormittag passiert. Nachfolge durchdringt unser ganzes Leben.
So sagt es Jesus im heutigen Evangelium Lk 9,18–24:
"Jesus betete einmal in der Einsamkeit,
und die Jünger waren bei ihm.
Da fragte er sie:
Für wen halten mich die Leute?
Sie antworteten:
Einige für Johannes den Täufer,
andere für Elija;
wieder andere sagen:
Einer der alten Propheten ist auferstanden.
Da sagte er zu ihnen:
Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.
Doch er verbot ihnen streng,
es jemand weiterzusagen.
Und er fügte hinzu:
Der Menschensohn muss vieles erleiden
und von den Ältesten,
den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten
verworfen werden;
er wird getötet werden,
aber am dritten Tag wird er auferstehen.
Zu allen sagte er:
Wer mein Jünger sein will,
der verleugne sich selbst,
nehme täglich sein Kreuz auf sich
und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will,
wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
der wird es retten."
Für wen halten sie mich? Für wen haltetihr mich? Zentrale Fragen im gesellschaftlichen Zusammenleben. In dieser Bibelstelle erfahren wir, für wen die Menschen Jesus halten. Für sie steht er in der Tradition sehr großer Männer. Jesus wird gesehen als beseelt von Johannes dem Täufer, Elija oder einen der alten Propheten. Für die Jünger ist er sogar der Messias.
Das sind sehr große Erwartungen, die die Menschen an ihn haben, mehr noch sein engstes Umfeld. Da stellt man sich Triumph vor, Glorie, aber sicher nicht das, was kommen wird, nämlich Schande, Schmach und Tod.
Jesus sagt den Jüngern genau das Gegenteil: Verleugnet euch! Ihr müsst ein Kreuz auf euch nehmen. Als Jünger des Messias habt ihr keine Schonung zu erwarten, ihr habt den schwereren Weg gewählt. Ihr habt euch getäuscht, wenn ihr denkt, dass es ehrenvoll, erhebend, glanzvoll ist, der Messias oder ein Jünger, eine Jüngerin des Messias zu sein. Ihr stellt euch das Falsche unter dieser Rolle vor.
Was bedeutet das dann für uns, als Christ:innen, als Mitglieder eine Kirche? Einer Kirche, die sich lange in einerglanzvollen Rolle gefallen hat, und dieimmer noch vielGlanz verbreitet. Wir haben es beimBegräbnis von PapstFranziskus und der Amtseinführung von Papst LeoXIV gerade ersterlebt. Aber wir haben auch noch gut in Erinnerung, was Papst Franziskus gesagthat: „Mir ist eine »verbeulte« Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und in ihrer Bequemlichkeit sich an die eigenen Sicherheiten klammernd, krank ist.“
Ich denke, von diesem Kirchenbild können wir uns einiges abschauen. Welche Rolle spielt unsere Gemeinde in der Nachbarschaft? Gehen wir hinaus auf die Straße, sind wir ansprechbar für die Menschen? Sind wir ansprechbar für Menschen, die vielleicht nicht gut riechen, die vielleicht etwas seltsam sind, vor denen sich andere fürchten? Oder ist uns unsere Sicherheit wichtiger?
Wie mischen wir uns in die öffentliche Diskussion ein, gerade wenn die Rede auf Menschen am Rande kommt? Sind wir diejenigen, die laut für die Rechte von Menschen eintreten, bei denen gespart wird? Oder wenn Menschen, die neu in Österreich sind, zu Sündenböcken für soziale Problemegemacht werden?Wo stehen wir auf und sagen:Das ist nichtchristlich! Das ist nicht das, was Jesus gewollt hätte!
Papst Franziskushat recht, damitmacht man sichschmutzig. Oft im wörtlichen Sinn, wenn man Menschen in Not unterstützt. Das Wissen alle,die schon einmalMahlzeiten ausgegeben haben oder nach einem Hochwasser den Schlamm geschaufelt haben. Aber auch im übertragenen Sinn. Denn angenehm ist es sichernicht, wenn man für diejenigen am Rande die Stimme erhebt.
Man macht sich angreifbar, ist lästig. Schon allein innerhalb der Pfarrgemeinde ist es schwer. Sich schmutzig machen heißt, Diskussionen zu führen – denn wir wissen, wir sind hier sehr divers und oft unterschiedlicher Meinung. Wahrscheinlich finden wir keinen gemeinsamen Standpunkt. (Dann sind wir zumindest ins Gespräch gekommen.)
Manchmallehnt man sich auch zu weit aus dem Fensterund übertreibt mit den eigenenAnsichten, und bekommt verbale Prügel dafür. Das ist dann vielleicht das Verbeulte, von dem Franziskus gesprochen hat.
Aber in all diesen Fällen gilt: Wir sind nicht Kirche, weil wir in Glanz und Glorie oder in Bequemlichkeit leben möchten. Wir sind in der Nachfolge Jesu Christi. Wer ihm nachfolgt, tutdies nicht um irdischer Anerkennung willen. Nachfolge heißt, das eigeneLeben gering zu schätzen und sichganz in die Lebensweise Jesu zu begeben.
Leben wie Jesus heißt nicht, bestimmte Regeln zu befolgen. Die gibt es nämlich nicht, einmal abgesehen von den 10 Geboten.Für ein Leben in der Nachfolge gibt es keineCheckliste, die ich abhaken kann, und dann gibt es den Lohn. Nein, diese Nachfolge soll mein ganzes Leben erfüllen, Jesus fordert uns auf, als ganzer Mensch, mit unserem ganzen Leben nachzufolgen. Und damit unser Leben zu verlieren, um das Leben zu gewinnen.
Zum Glück gibt es Wegweiser entlang des Weges. Jesus hat uns viele geschenkt. Zum Beispiel, unserem Nächstenmit der Haltungder Barmherzigkeit und Liebe zu begegnen. Auch Franziskus hat unsmit seinem Satz von der verbeulten Kirche einen Wegweisergeschenkt.
Ich wünsche uns also, dass wir uns voll auf dieses Leben einlassen, dass wir keine Angst vor Schmutz und Beulen haben, im Vertrauen, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen müssen.
© Dr. Katharina Renner, KAÖ-Vizepräsidentin.
Glaubenszusammenhänge sind schwer vermittelbar. Sie sind paradox und bleiben letztlich ein Geheimnis, das wir nie restlos verstehen können. Jesus vermittelt seinen Jüngern und auch uns Heutigen, wer er in Wahrheit ist.
Die Frage Jesu „Für wen haltet ihr mich?“ bleibt beim Lesen des heutigen Evangeliums hängen. Unwillkürlich spüren wir, dass er diese Frage nicht nur den Jüngern stellt, sondern sie auch an uns richtet.
Für wen halte ich persönlich Jesus? Habe ich darüber schon einmal nachgedacht? Natürlich kenne ich viele Namen und Zuschreibungen für Jesus, aber decken sie sich mit meinen Vorstellungen, wer er damals war und heute ist? Antworten wir ähnlich wie die Jünger und das Volk damals? Oder sind unsere Antworten treffender?
Die Jünger damals nannten ihn Rabbi, das heißt Lehrer, und als solcher begegnet er uns im heutigen Evangelium. Dabei bringt er das Kunststück zuwege, seine Botschaft, sein Verkündigungsanliegen so aufzubereiten, dass sie sowohl den Jüngern und interessierten Menschen damals als auch uns Heutigen verständlich werden. Er zeigt sich als einfühlsamer Pädagoge, der ein sprachliches Stilmittel, nämlich das Paradoxon, geschickt in seine Kommunikation mit den Jüngern einbaut.
Laut Duden ist ein Paradoxon: „eine Aussage oder Situation, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, jedoch bei näherer Betrachtung eine tiefere Wahrheit offenbart. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „gegen die allgemeine Meinung“.
Auf diese Weise bringt er seine Zuhörer dazu, die empfangene Botschaft nicht nur oberflächlich sondern in all ihrer Tiefe und Komplexität zu erfahren. So gelingt es ihm die komplexe Wahrheit seiner Menschwerdung nicht nur seinen Jüngern und dem begleitenden Anhängertross zu erschließen, sondern auch uns heute. Das Paradoxon ist im Stande, unser Entweder/oder-Denken auszuhebeln. Das „Sowohl/als auch“ in den widersprüchlichen Aussagen eröffnet uns eine tiefere Dimension der Wahrnehmung und weitet unseren Blick. Auf seine Menschwerdung aus unterschiedlichen Perspektiven zu schauen, eröffnet spannende Einsichten.
Der erste Widerspruch im Text findet sich in der Aussage, dass Jesus sich zum Gebet mit dem Vater zurückgezogen hat, aber gleichzeitig eine Frage an die Jünger richtet.
Ich denke dieses Paradoxon gilt vor allem uns, den nachösterlichen Nachfolgern seines Weges. Sie zeigt uns die tiefe Vertrautheit mit seinem engen Kreis auf. Er lässt uns das intime Gespräch mit dem Vater und die provokante Frage an die Jünger offensichtlich gleichzeitig, gleichräumlich und damit gleichwertig miterleben. Die Szene zeigt auf, wie nah Gott in Jesus den Menschen, die ihn lieben, ist. Sie hat das Potential, in uns die Sehnsucht nach ebensolcher Vertrautheit mit Gott in unserem Leben zu erwecken. Ein Verlangen, das Menschen immer wieder entscheiden lässt, den Weg Jesu in ihren konkreten Lebensvollzügen nachzufolgen.
Wenn Ihnen beim Zuhören des Evangeliums vielleicht paradox erschienen ist, warum Jesus, der Sohn des Allwissenden, seine Jünger fragt, für wen die Leute und auch sie selbst ihn halten, dann haben Sie ein zweites Paradoxon entdeckt, das uns nachösterlich Glaubende eine neue Dimension seiner Verkündigung eröffnet. Die Rückfrage nach der Meinung der Menschen über ihn ist in der Zeit seiner Verkündigung zu verorten. Sie zeigt seine Sorge, in seiner Mission als von Gott gesandter Retter und Heilsbringer missverstanden zu werden.
Mit der Vermutung der Leute, er sei einer der großen Propheten, kann er sich gut abfinden. Denn wie ein Prophet predigt auch er den Leuten, Gott in ihrem Leben einen festen Platz zu geben und die Einhaltung seiner Gebote als Weg zu einem guten, erfüllten Leben zu verstehen.
Dem Petrusbekenntnis „du bist Christus, der von Gott versprochene Retter“ begegnet Jesus jedoch mit einem scharfen Verbot es weiterzusagen. Und wieder erfahren wir einen Widerspruch. Es ist nichts falsch am Bekenntnis des Petrus. Trotzdem sollen sie darüber schweigen. Diese Aussage soll so nicht verbreitet werden, weil es unter den Israeliten ganz konkrete Erwartungen an den von Gott geschickten Retter gibt. Unter Rettung wurde damals vor allem die Befreiung aus der Knechtschaft fremder Besatzung durch militärische oder politische Macht verstanden. Die Gefahr, als Anführer einer neuen politischen Ideologie wahrgenommen zu werden, war groß und sicher nicht die Absicht Jesu.
Sein wahrer Auftrag erschließt sich aus den Zeilen von Vers 22: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden…“ . Das ist eine vorweggenommene Information an die Jünger über das, was sich in naher Zukunft ereignen wird. Diese Worte beschreiben exakt die Paradoxie unseres christlichen Glaubens.
Jesus muss sein Leben verlieren, um es retten zu können; und nicht nur seines, sondern unser aller Leben. In seinem Leiden, seiner Verwerfung durch die Obrigkeiten und seinem brutalen Tod am Kreuz durchlebt er Höhen und Tiefen einer menschlichen Existenz, inklusive ihrer Endlichkeit. Seine Auferstehung am dritten Tag aber macht klar, dass Leben nicht nur aus der Zeit des begrenzten irdischen Daseins besteht, sondern weit über das irdische Ende hinausreicht.
Für jene, die diese Botschaft ernst nehmen verliert der Tod seinen Schrecken. Er wird für sie zu einem Tor in eine andere Dimension. Eine Heimkehr zu dem Ort an dem für jeden von uns eine Wohnung vorbereitet ist (Joh). Wenn der Tod zum Durchgangsgeschehen mutiert und seine Absolutheit verliert, ist es möglich die irdische Lebenszeit in einer anderen Qualität zu leben. Nämlich als Leben in Fülle. Dazu hat Jesus uns befreit. Vor einer Existenz, die den Tod als absolutes Ende begreift, hat er uns gerettet.
Jedes Menschenleben kennt Verwerfungen und Leid. Er schlägt uns vor dieses persönliche Kreuz auf uns zu nehmen und ihm zu folgen. Was zunächst auch als zynische Rede aufgefasst werden kann, wird zur frohen Botschaft, wenn wir uns erinnern, was wir über seinen Leidensweg wissen. In all den grausamen Bildern, die wir uns jedes Jahr in unseren Kreuzwegandachten wieder aufleben lassen, gibt es eine Konstante. Seine Kommunikation mit dem Vater hört nie auf. Sie gibt ihm die Kraft durchzuhalten und sich am Schluss sogar noch für andere beim Vater einzusetzen.
Der Rabbi des heutigen Evangeliums führt uns durch seine Erzählung liebevoll von der Versuchung weg, Jesus für einen Wundertäter zu halten, der in die Welt gekommen ist, um mit einem Spruch oder einer Handbewegung alles alltägliche Leid und alle kummervollen Verwerfungen wegzuzaubern. Er führt uns hin zur Annahme unseres persönlichen Kreuzes in dem Wissen, an jeder Station auf unserem Weg gibt es die Möglichkeit Kraft beim Vater zu tanken, im Hilfeschrei, im Gebet, in einer Geste.
Wer Jünger Jesu sein will, muss bereit sein, wie er sein persönliches Kreuz auf sich zu nehmen und in die Fußstapfen Jesu treten.
Was bewirken Meinungsumfragen? Spornen sie an, soll man sie ernstnehmen? Versuchen sie, der Wahrheit näherzukommen oder werden sie zur Last?
Schon im Alten Testament hört Gott auf das, was Menschen bewegt, was sie an Leid ertragen müssen. „Gott gießt den Geist des Mitleids über das Haus Davids und die Bewohner Jerusalems aus“ (Sach 12,10) und verspricht ihnen, dass „eine Quelle entspringt gegen Sünde und Unreinheit.“ (Sach 13,1).
Die Sünde besteht darin, nicht auf Gott zu hören, was immer wieder geschieht. Unglück bricht herein durch Kriege, die Menschen verlieren ihre Heimat, müssen ins Exil gehen. Nicht auf Gott zu hören, erweist sich immer wieder als schwerer Fehler, der bis heute immer wieder begangen wird. Gott spricht durch die Zeichen der Zeit, durch Propheten, durch persönliche Erlebnisse, die es zu reflektieren gilt, besonders im Gebet.
Das Evangelium präsentierte uns heute eine Meinungsumfrage, die zum Christusbekenntnis führt. Sie fordert uns heraus, sich zu Christus zu bekennen und sich ihm anzuvertrauen. Das Bekenntnis zu Christus verlangt auch, sich zum Kreuz zu bekennen mit allen Folgen, Leid, Tod und Auferstehung anzunehmen. Das klingt paradox. Das Kreuz ist anstößig, wird aber dann doch zum Baum des Lebens. Das Kreuz annehmen, nicht nur in passiver Form, weil man gegen verschiedene Widerwärtigkeiten des Lebens sowieso machtlos ist. Das klingt zwar resignativ, es ist aber der Weg, auf den uns Gott nicht allein lässt.
Jesus sagt: Wenn einer mein Jünger sein will, "verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lk 9,23). Das heißt: Geh hinter mir her, reihe dich in diese Glaubensgemeinschaft ein, und zwar „täglich“ bis zum Ende des irdischen Lebens. Jesus versteht sich als Weg. Sein Weg führt ihn ans Kreuz und über das Kreuz zur Auferstehung hin zum Vater. Schwer zu fassen!
Dieser Weg führt jedoch nicht in die Irre. Jesus ist wahr und gerecht, was er auch mit seinem Leben bezeugt. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6).
Die Last des eigenen Kreuzes zu tragen, spüren wir lebenslang, wenn wir das Kreuz des eigenen Charakters auf uns nehmen, in den Mühsalen des Berufs, in Konflikten in und außerhalb der Familie, in körperlichen und seelischen Beschwerden, wenn wir aus Prestigegründen uns selber unter Druck setzen, möglicherweise aus Angst vor anderen schlecht dazustehen. „Jeder Tag hat seine Plage.“ (Mt. 6,34). Gott sei Dank, trifft das nicht immer zu.
Viele Menschen beklagen ihr Kreuz, fühlen sich in ihrem Dasein ungerecht behandelt, beklagen, wie ungerecht die Kreuze - die Schicksale - verteilt sind. Das ist sogar literarisch festgehalten. In Adelbert Chamissos (1781-1838, Naturforscher und französischer Dichter) Ballade „Die Kreuzschau“ beklagt ein Pilger diese Ungerechtigkeit. „Doch sind der Menschen Last und Leid verschieden; sieh', ich verlange die Last nur angemessen meiner Kraft. Ich unterliege, Herr, zu hartem Zwange.“ So kam er mit der Hilfe Gottes in großräumige Hallen, in denen er eine Unmenge von Kreuzen erblickte. Gott sprach: „Hier aufgespeichert ist das Leid; du hast zu wählen unter diesen Kreuzen allen.“ So prüfte der Pilger lange die vielen Kreuze. Eines war ihm zu groß, das andere zu schwer. Er sah ein goldenes Kreuz, auch das war viel zu schwer, ein anderes wieder hatte scharfe Kanten. Keines schien zu passen. Ein letzter Versuch noch: Was er offenbar früher übersehen hatte, fiel ihm jetzt auf. „Ein schlichtes Marterholz, nicht leicht“, es schien ihm angemessen und durchaus erträglich. So rief er: „Herr, so du willst, dies Kreuz sei mein!“ Er überprüfte es nochmals und fand dabei heraus, dass er dieses Kreuz schon immer getragen hat.
Die Kreuzeslast ist uns allen angemessen. „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen... Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.“ (Ps 23,1.4).
Jesu Rede vom Kreuztragen kann leicht missverstanden werden. In der Frage der Nachfolge Jesu geht es um mehr als um Leidensmystik. Jesus geriet mit vielen "übers Kreuz", weil er um des Reiches Gottes willen sich für eine neue Wertordnung einsetzte.
Montagvormittag im Wartezimmer eines medizinischen Labors. Genügend Zeit, um das Kommen und Gehen der Leute zu beobachten: Alte mit und ohne Gehhilfen, Junge mit Ohrstöpsel, einige offenbar auf dem Sprung in die Freizeit, andere ungeduldig, weil sie in Gedanken schon beim nächsten Terminsind, Frauen mit Kopftuch, Männer und Frauen mit Kleinkindern. Mich amüsierte, wieviel von deren Lebensstil ich von der Kleidung, dem übrigen Outfit und vom Warteverhalten ablesen konnte.
Als ich vor fünfzig Jahren an einem Sprachkurs in England teilnahm, erzählte der Lehrer, dass er an der Kleidung der KursteilnehmerInnen treffsicher deren nationale Herkunft ablesen konnte. Heute ist das mit der nationalen Herkunft in Großstädten nicht mehr so sicher. Der Lebensstil, der in Kleidung und Outfit inszeniert wird, drückt sehr oft die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsgruppe und Werthaltungen der jeweiligen Person aus. Manche geben das durch Botschaften auf ihrem T-Shirt oder einem anderen Kleidungsstück bekannt. Auch Modelabels beinhalten oft ein Statement.
Jesus fordert im heutigen Evangelium die Jünger auf, wer hinter ihm hergehen wolle, müsse täglich sein Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen. Menschen, die demonstrativ ein Kreuz tragen, trifft man heute nur an manchen Wallfahrtsorten. Kreuze am Halsketterl können ein dezenter Hinweis auf die religiöse Einstellung sein. Bei allzu auffälligen "Kreuzträgern" zweifle ich, ob sie damit das Kreuz Jesu meinen – Bischöfe ausgenommen.
Die Rede Jesu vom Kreuz wirft auch ein anderes Licht auf seine Frage "Für wen halten mich die Leute?" Ihm geht es weniger um sein Image und um das Erkennen seiner Identität als mehr um Werthaltungen. – Sobald die von einem Menschen vertretenen Werte dem gesellschaftlichen Trend oder Mainstream zuwiderlaufen, kommt dieser mit den andern "übers Kreuz", gibt es Konfliktstoff.
Jesus propagiert keine heile, konfliktfreie Welt. Diese ist für ihn bestenfalls eine Vision der Vollendung des Reiches Gottes. Er scheut keine Konflikte in der Auseinandersetzung mit den reichen Ausbeutern, nicht mit religiösen Autoritäten, die sich in ihrer privilegierten Stellung bequem eingerichtet haben, seine Zuwendung zu den Armen und Kranken ist nicht nur Anteilnahme an individuellen Schicksalen, sondern will auch als gesellschaftliches Zeichen verstanden werden.
Die Leidensmystik, auf die Jesu Worte vom Kreuztragen oft reduziert werden, halte ich für problematisch und zu hinterfragen. Er setzte sich für eine Veränderung der Wertordnungen ein und stellte den status quo seiner Zeit zur Diskussion.
Gegenwärtig erleben wir spannende Wertediskussionen gleich auf mehreren Ebenen:
Eine Großmachtführt Krieg gegen einen Nachbarstaat und wirft diesem "dekadente westliche Werthaltungen" vor.
Einige Staaten deklarieren sich als "illiberal" und stellen damit Freiheiten in Frage, die sich andere mühsam erkämpft haben und auf die sie stolz sind.
In den Medien findet ein Kampf um "Fake News" und belastbare Fakten statt. Lügen und offensichtliche Unwahrheiten werden gerechtfertigt und propagiert, die öffentliche Meinung wird damit bewusst manipuliert.
Gesellschaftliche Gruppen verhindern im Namen der Freiheit eine sachliche und wissenschaftlich begründete Diskussion rund um die Pandemie.
Junge Menschen gehen auf die Straße und demonstrieren für ein radikales Umdenken in der Klimapolitik.
Eigentlich müssten wir uns freuen, dass nach einer langen Periode, in der es vor allem um die Steigerung des Wohlstandes ging, so viele Menschen aufgewacht sind und Wertediskussionen in der Gesellschaft begonnen haben. Gleichzeitig beobachten wir aber auch, dass viele kleinlaut werden, wenn sie ihren eigenen Lebensstil in Frage gestellt sehen. Auf liebgewordenes Bequemlichkeiten zu verzichten fällt den meisten Menschen schwer. Andere wieder meinen, die Lösung der anstehenden Probleme allein im Verzicht auf alles Angenehme gefunden zu haben. – Eine neue Form der "Leidensmystik"?
Wir finden in den Evangelien keine ausreichenden direkten Antworten auf viele Fragen, die uns in der Gegenwart beschäftigen. Wir finden aber das Vorbild Jesu wie er mit Wertekonflikten umgegangen ist. Wer seiner Spur folgen will, muss damit rechnen, dass er/sie deswegen mit anderen "übers Kreuz" kommt, wenn er/sie das Wort ergreift, wo dies notwendig ist, sich der Diskussion stellt und eventuelle Machtpositionen nicht missbraucht. Er oder sie sind auch bereit zu verzichten und zu leiden, wo sie dies für notwendig und sinnvoll erachten.
Jesus stellt aber nicht nur Forderungen an andere auf. Er geht diesen Weg voran, erspart sich selbst nicht Konflikte, verzichtet auf vieles und ist bereit, Leid auf sich zu nehmen. Wer sich auf ihn berufen will, kann sich auch heute nicht von all dem dispensieren und darf nicht den Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen. Glaubwürdige Gesprächspartner der gegenwärtigen Wertediskussion können wir Christen nur sein, wenn wir damit in den eigenen Kreisen beginnen. Dazu fallen mir gleich einige Stichworte ein: kirchliche Machtausübung, Klerikalismus, Frauenfrage, Genderproblematik, Minderheitenrechte…
"Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten."
„Die Geschichte ist eine gute Lehrmeisterin, aber sie findet keine Schüler.“ (Ingeborg Bachmann). Die Erfahrung leidvoller Schicksale setzt uns zu, dennoch wiederholen wir die Fehler, die in der Vergangenheit schon zu Leid führten. Wie können wir trotzdem unser Leben "retten"?
In einer Zeit, wo vor der Haustüre Europas Menschenleben vernichtet werden, Kulturgüter einer Barbarei zum Opfer fallen, mühsam erarbeitete Güter zerstört werden, die Natur blutet und die Klimakrise immer beängstigender wird, hören wir eine Textstelle aus dem Buch Sacharja, das so wie Ezechiel auch, viele Visionen anbietet.
Hier die Zeit des sehr aufwändigen Wiederaufbaus nach der Verschleppung, nach Krieg und Zusammenbruch. Viel hätte man sich an Leid und Tränen ersparen können. Hinter der 1. Lesung steckt ein Trostwort: „Über das Haus Davids und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids ausgießen.“ An anderer Stelle finden wir aber eine traurige Feststellung: „Ich habe dieses Volk durchschaut. Ein störrisches Volk ist es“ (Ex 32,10; siehe auch Hos 4,16).
Die Amtsträger dieses störrischen Volkes bringen Jesus ans Kreuz. Der Abfall von JHWH bringt Leid. Er bringt Leid durch Götter, die man sich selber schafft und indem man nur noch dem Vergänglichen nachtrauert. Das sind allerdings falsche Tränen. Der Abfall bringt Leid durch Größenwahn, Imponiergehabe, durch Unterdrückung. All das erleben wir heute, daher auch die dringende Empfehlung: „Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte…frag die Alten, sie werden es dir sagen.“ (Dtn 32,7).
Wie ist das heute? Die Pandemie ist noch nicht geschafft, Klimakrise, Krieg, Existenzsorgen, dazu noch Populismus, Wissenschaftsfeindlichkeit, selbst ernannte Experten, Verdrängung geschichtlicher Wahrheiten und auch Verfälschungen. So sendet der Herr den „Geist des Mitleids und des Gebets.“ Dann ist noch von Tränen und von einer „Quelle zur Reinigung von Sünde und Unreinheit“ die Rede. (Sach 13,1). Weinen und Tränen haben heilende Wirkung, nicht nur körperliches Wehe etwas zu lindern, sondern auch seelischen Schmerz abzubauen. Auf die Taufe übertragen heißt das: Das Bad hat reinigende Wirkung. Wasser und Tränen bringen vielleicht auch etwas an Wahrheit zu Tage. „Du wirst sehen, Tränen lügen nicht.“ (Michael Holm, Musikproduzent und Schlagersänger, geb. 29.07.1943).
Zusammenfassend könnte man sagen: Lerne aus der Geschichte, lerne auf diese Weise Lebenszusammenhänge und Verhalten von Menschen zu erkennen. Wiederhole nicht die Fehler, die schon einmal gemacht wurden. Ingeborg Bachmann stellt fest: „Die Geschichte ist eine gute Lehrmeisterin, aber sie findet keine Schüler.“ Dieses Zitat passt gut in eine Zeit, in der man durch political correctness und Euphemismus (Beschönigungen) Unangenehmes wegzuleugnen sucht.
Würden wir manche geschichtliche Erfahrungen in unser Leben einbringen, könnten wir manchen Visionen, wie wir sie im Galaterbrief finden, näherkommen. „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus.“ (Gal 3,28). „I have a dream“, sagt Martin Luther King und wird dafür erschossen. Es ist eine Vision, die die ethnische und soziale Diskriminierungen beseitigen will. „Einer in Christus“ lässt wohl Unterschiede bestehen, leitet aber an zu Einheit in Vielfalt, niemals aber zu Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung.
Dann noch die Stelle im Evangelium: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren“. Das ist schwer verständlich. „Retten“ im Sinn von (vor)sorgen für schlechte Zeiten. Sollte man jetzt darauf verzichten? Es wäre ganz schlecht, würde man diese Texte wörtlich nehmen und auch so verstehen. Gemeint wird wohl ein Übermaß an Vorsorge und Absicherung sein, denn all das ist vergänglich. (siehe Psalm 49,9-11: „Für immer muss man davon abstehen, dass man auf ewig weiterlebt und niemals das Grab schaut. Denn man sieht: Weise sterben; gemeinsam gehen Tor und Narr zugrunde und lassen anderen ihren Reichtum.“).
Wir Menschen planen sehr viel, dann kommt plötzlich alles anders. Nehmen wir diese Texte mit in den Alltag, versuchen wir in Stille, im Gebet (reflektieren heißt nach innen schauen) darüber nachzudenken, was uns unsere persönliche Lebenserfahrung bisher gesagt hat und was wir für unsere persönliche Lebenserfahrung noch tun könnten.
Die Frage Jesu "Für wen halten mich die Leute?" ist weniger ein Stimmungstest als vielmehr eine Evaluierung: Was ist von meiner Predigt bis jetzt angekommen? Die Wirkung war erwartungsgemäß unterschiedlich. Den Jüngern gegenüber verhält sich Jesus wie ein Lehrer. Er gibt sich noch nicht mit dem "Lernfortschritt" zu frieden. Sie müssen erst noch den ganz anderen Weg und die ganz andere Vorstellung des Messias kennenlernen.
„Für wen halten mich die Leute?“ (Lk 9,18b) Diese Frage Jesu klingt für mich zunächst wie aus einer Meinungsumfrage genommen: Wie ist es mit der Gunst des Volkes für die Partei, für den Politiker, für eine bestimmte Zeitung bestellt? Nach der Meinung der Leute zu fragen, ist heute gang und gäbe: In der Wirtschaft, in den Medien, in der Politik ist man sehr stark abhängig von der Meinung der Leute, von Zuschauerquoten und Stimmungsbarometern.
Wenn Jesus fragte: „Für wen halten mich die Leute?“, dann ging es ihm meiner Meinung nach nicht darum, ob möglichst viele Menschen eine gute Meinung von ihm hatten oder zu ihm hielten; er wollte wohl eher aus dem Mund der Jünger hören, was von seiner Botschaft bei den Leuten angekommen ist. Und die Jünger berichten nun Jesus von dem, was sie gehört haben: Die Menschen halten Jesus für Johannes den Täufer oder für einen Propheten.
Damit liegen sie ja nicht ganz falsch: Denn die Botschaft Jesu ist eine Mahnung zur Umkehr und eine Verheißung von Befreiung. Jesus hat Worte, die die Unterdrückten aufrichten und Blindheiten und Zwänge von den Menschen nehmen. Kein Wunder, dass viele nachzudenken beginnen und in der Schrift nachlesen, wann denn ähnliches geschehen ist.
Und da lesen sie vom Propheten Elija, der Wunder gewirkt hat und der schließlich nicht gestorben ist, sondern in den Himmel entrückt wurde (2Kön 2). Sie vergleichen die Worte und Taten Jesu mit denen der Propheten, die sich ebenfalls gegen erniedrigende Machtstrukturen gewandt haben. Und der Schluss legt sich daher für viele nahe: Dieser Jesus ist ein wiedergekommener Prophet. Er wirkt dieselben Wunder wie diese.
Die Meinung der Leute, ihre Antworten, sind Jesus aber zu wenig. Er fragt seine engsten Begleiter; er fragt jene Personen, die seine Botschaft weitertragen werden, um ihr ganz persönliche Meinung: „Für wen haltet ihr mich?“ Halten sie ihn auch nur für einen in der Reihe der Propheten? Haben wenigstens sie verstanden, wer er wirklich ist?
Petrus bekennt sich stellvertretend für alle dazu, dass Jesus die Erfüllung der prophetischen Verheißungen ist: Wir halten dich „für den Messias Gottes!“ (Lk 9,20) Damit hat er den Kern der Botschaft Jesu getroffen.
Man würde sich nun eine Bestätigung dieser Aussage des Petrus erwarten, ein Lob aus dem Mund des Meisters – doch Jesus korrigiert das Bild, das die Jünger sich von ihm machen: Wenn Petrus ihn für den Messias hält, dann meint er nämlich: Jesus wird das politische Reich Davids neu errichten (2Sam 7,12-16), er wird aktiv eingreifen in die Tagespolitik. Genau das, was sich heute so viele wünschen: Den starken Führer, den Mann, der durchgreift mit starker Hand …
Das Verständnis Jesu vom Messias, vom „Menschensohn“ unterscheidet sich aber wesentlich von dem der Menschen und der Jünger. Er spricht nicht von Herrschaft oder von Macht, sondern davon, dass er leiden wird und getötet werden muss; dass er aber am dritten Tag auferweckt werden wird.
Jesus spricht nun nicht mehr vom Messias, der herrschende politische Strukturen ändern wird; er möchte die Menschen selbst ändern, von innen her. Dabei ist er nicht einer, der Weisungen und gute Ratschläge erteilt; nicht ein Herrscher, der andere für sich in den Kampf schickt. Das Leid der Menschen lässt Jesus nicht unberührt. Er steigt selbst bis in die tiefsten Abgründe des menschlichen Lebens hinab: Er nimmt das Leid, das Kreuz und sogar den Tod auf sich – und gerade deshalb ist der Mensch auch in seinen tiefsten Abgründen nicht alleingelassen – denn er trifft dort Christus, der den Menschen aus dem Leid und dem Tod in die Auferstehung mitnimmt. Jesus geht es nicht um ein kurzfristiges, ein nur oberflächliches Heil, sondern um eine grundlegende Heilung des Menschen von der Wurzel her.
Jesus kannte aber auch die andere Möglichkeit: Die Menschen durch seine Macht an sich zu ziehen. Lukas erzählt von den Versuchungen Jesu: In der Wüste widersteht er der Verlockung, seine Kräfte auszunützen, um die Menschen auf billige Weise zu faszinieren (Lk 4,1-12); und auch am Kreuz hält er den Spott der Menschen aus: „Nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist“ (Lk 23,35). Jesus will nicht, dass die Menschen an seine Wunder glauben, sondern an seine Botschaft. Deshalb gebietet er den Jüngern immer wieder, den Menschen nicht zu sagen, wer er wirklich ist, solange sie seine Taten nicht auf dem Hintergrund des Kreuzes und der Auferstehung richtig sehen können.
Jesus hat den Menschen nicht einfach alles Leid abgenommen; vielmehr wandelt er das Leid, den Tod, in neues Leben. Nachfolge Jesu heißt daher: Nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, sondern den Weg in die Tiefe anzutreten. Nicht der Maßstab „Was denken die Leute von mir?“ führt zu Christus, sondern ein Leben, das die eigenen Schwachheiten und auch jene der anderen ernst nimmt als einen Teil des Lebens. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9,23) Jesus nimmt den Menschen ihre eigenen Kreuze nicht ab, aber er trägt sein Kreuz mit ihnen und lässt keinen allein, weder im Leid, noch im Tod.
Jesus ist in seinem Weg der Ohnmacht sehr konsequent: Keiner seiner ersten Nachfolger, der Jünger, stammt aus der Führungsschicht. Sie sind aus dem einfachen Volk genommen, Menschen mit Grenzen und Schwächen – ihnen vertraut er seinen Weg an. Von der Nachfolge Jesu ist daher auch niemand ausgeschlossen, denn er verlangt keine besondere Vorleistung, weder der Geburt, der Herkunft, des Standes, noch einer besonderen religiösen Einstellung. Was er will, das kann letztlich ein jeder und eine jede tun: Das eigene Leben anzunehmen, nach einem Fall wieder neu anzufangen, das eigene Kreuz zu tragen. Reich Gottes gibt es nicht ohne den Geschmack der Ohnmächtigkeit, ohne ein Bekenntnis zu den Armen, den Leidenden.
Die Nachfolge Jesu ist kein bequemer Weg, von dem Jesus alle Steine weggeräumt hat, aber es ist ein Weg, der einem jeden Menschen zu jeder Zeit offensteht. Und es ist kein Weg, der an den ersten Platz führt, sondern sich mit dem letzten Platz solidarisiert.
Für wen halte ich selbst diesen Jesus? Wer ist er für mich? Das ist letztlich die zentrale Frage für mich als Christ: Da ist es nicht mehr wichtig, was andere von ihm denken; auch nicht, was die Jünger gesagt haben – sondern was ich von ihm in meinem Leben entdecke. Die Botschaft Jesu will vor allem gelebt werden.
Die Frage, die Jesus den Jüngern stellt: "Für wen haltet ihr mich?" ist auch uns gestellt. Die Jünger mussten erst eine andere und neue Messiaserwartung zu entwickeln.
Die Israeliten, denen das Kommen eines Messias verheißen war, hatten sich ihre Gedanken über ihn gemacht. Dass er ein von Gott Erwählter und ausdrücklich zum Wohl und Heil des Volkes von ihm Gesendeter sein würde, das war klarer Glaubensinhalt. Was der Messias aber im Einzelnen und konkret tun würde, darüber gab es keine genauen Angaben.
Wir können gut nachempfinden, wie die Einzelnen – je nach ihrer Lebenssituation – vielfältige Erwartungen an den Messias aufbauten. Die Tatsache, dass Jahwe dem Volk schon oft Beistand gewährt hatte – beim Auszug aus Ägypten, beim Durchqueren der Wüste, bei der Sesshaftwerdung im Land Kanaan, bei der Befreiung aus Babylonischer Gefangenschaft – ließ bei vielen die Idee aufkommen: Der Messias werde Israel zu einem starken Großreich ausbauen. Niemand würde Israel künftig knechten oder unterjochen können.
Als Jesus auftrat und durch seine Wunder Heilung und Segen unter die Menschen brachte, flammte die Diskussion hinsichtlich des Messias neu auf. Aber Jesus sammelte keine Soldaten, organisierte kein Heer zur Befreiung Israels von der römischen Besatzung. Er unterließ alles, was den Aufbau Israels zu einer Großmacht hätte vermuten lassen. Die Frage, ob er der verheißene Messias sei, wurde daher allgemein eher verneint. Infolge seines auffällig wohlwollenden Verhaltens den Menschen gegenüber und seiner Wunder, die er vollbrachte, hielt man ihn in der Bevölkerung jedoch für einen begnadeten Gottes-Mann, wie es sie in der Vergangenheit mehrfach gegeben hatte: einen Täufer, Elija und all die Propheten der Vorzeit.
Von Petrus wird im Evangelium berichtet, dass er auf die Frage Jesu „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ die sachlich richtige Antwort gibt. Du bist der „Christus Gottes“ – also der Messias. Sachlich war die Antwort richtig. Aber wie fest und tief war Petrus davon überzeugt? War es nicht mehr Hoffnung und sehnlicher Wunsch in ihm, dass es so sein möge, die Petrus dieses Bekenntnis aussprechen ließ? Sein späteres Verhalten lässt berechtigter Weise die Frage nach seiner Überzeugungstiefe stellen.
Jesus spürt, dass wenigstens die Jünger nicht abgeneigt sind, in ihm den Messias zu sehen, auch wenn er, Jesus, die Erwartungen im Volk hinsichtlich des Messias nicht erfüllt. Um die Hoffnung seiner Jünger und ihre ersten Ansätze des Glaubens an ihn als Messias zu stärken, weiht Jesus sie in das ein, was noch auf ihn zukommt: Verwerfung durch die Führer des Volkes, Leiden, aber auch die Auferstehung vom Tode nach drei Tagen. Und es ist ja genau die Auferstehung, die den Jüngern zu endgültiger Überzeugung verhilft, fest an Christus als Messias zu glauben.
Wir dürfen davon ausgehen, dass die Apostel und Jünger nach Jesu Auferstehung diesen im Rückblick noch einmal ganz neu betrachteten. Er hatte Wunder gewirkt, Menschen zur Umkehr bewegt, Gott als den alle Menschen Liebenden verkündet. Nur das hatten nach den Berichten des Alten Testamentes Gottes-Männer bereits vor ihm getan. Das, was Jesus auszeichnete, war seine uneingeschränkte Liebe und enge Verbundenheit mit dem Vater im Himmel. Auf Gott, den Vater im Himmel, war Jesus ganz und gar ausgerichtet. Die Liebe zum Vater und die Verbundenheit mit ihm bestimmten sein Denken, Reden und Handeln. Die Apostel und Jünger begriffen: Dies nachzuahmen, dazu wollte Jesus als Messias sie und alle Menschen bewegen. Nicht Macht und Glanz strebte er an. Beides lehnte er strickt ab. So wie Jesus sich durch Leid, Anfechtung, Verurteilung nicht von seiner Verbundenheit mit dem Vater und dem Weg der Liebe abbringen ließ, so sollten auch die Menschen es handhaben.
Einem Glaubenden werden nicht, nur weil er an die Existenz Gottes glaubt, alle Kreuze abgenommen. Aber eine feste Verbundenheit mit Gott gibt Kraft, den Weg der Liebe in guten wie in schwierigen Tagen und Situationen beizubehalten. Christen, die sich in ihrer Verbundenheit mit Gott immer wieder der Liebe, Hilfsbereitschaft, Versöhnung hingegeben haben, auf Rache und dem Zufügen von Schaden verzichteten, bezeugen dies bis auf den heutigen Tag. Wie für Jesus so ist auch für die Menschen aller Zeiten Gott die Kraftquelle, um Gutes zu vollbringen und Heil zu bewirken. Dies aufzuzeigen und vorzuleben, darin sah Jesus seine Aufgabe als Messias.
Die Jünger ließen sich bewegen, von ihren ursprünglichen Bildern und Erwartungen an den Messias Abstand zu nehmen – sicher sehr beglückt darüber, Jesus ganz nah erlebt haben zu dürfen. Gleichzeitig erkannten sie: Das Wirken Jesu soll durch sie fortgesetzt werden. Jesus legte den Grundstein, schuf mit seinem Leben ein Vorbild zur Nachahmung. Vom Wesen und Leben Jesu begeistert gingen die Apostel und Jünger und viele Christen nach ihnen entschlossen ans Werk, den Lebensstil Jesu möglichst getreu für sich zu übernehmen.
Auch wir sind eingeladen, unsere Verbundenheit mit Gott zu festigen und eins mit ihm immer neu Werke der Liebe in Angriff zu nehmen, wie Jesus es tat. Das könnte unser öffentliches Bekenntnis zu Christus als den von Gott gesandten Messias sein. Wo wir hellhörig sind, spüren wir, dass er auch uns die Frage stellt: Wer bin ich für dich? Welchen Stellenwert räumst du mir in deinem Leben ein?
Das Evangelium kreist um zwei Beziehungen: Um die Beziehung zu Gott und um die Beziehung der Jünger zu Jesus. Beziehungsgeschichten sind nicht einfach. Sie fordern heraus, Stellung zu nehmen.
Das heutige Evangelium ist eine doppelte Beziehungsgeschichte. Die erste wird in Form eines Gebetes geschildert, die zweite als Dialog unter Männern und die zweite.
Wir wissen, dass hier die Bibel etwas aufgreift, schildert, was unter Menschen nicht immer so gelingt, wie eben gehört: in Beziehung treten mit anderen, mit Gott. Es ist eine Herausforderung und es gehört Mut, Gelassenheit, Empathie, lange Zeit und noch viel mehr dazu. Mit anderen sich austauschen, kommunizieren, Gemeinschaft, Freundschaft pflegen, ist wesentlich für ein erfülltes Leben. Dass Beziehungen scheitern können, wo Austausch, Dialog nicht mehr möglich ist, soll nicht unerwähnt bleiben. Manchmal muss da hart gerungen werden, um nicht das Vertrauen an ein geglücktes Leben zu verlieren. Welche Gedanken auch immer sie derzeit im Zusammenhang mit Beziehungen beschäftigen, ich möchte sie jetzt einladen, mit dem heuteigen Evangelium in Kontakt zu treten, sich auszutauschen, den Dialog zu wagen. Dies tue ich im Sinne der Verfasser der Evangelien, die mit solchen Dialogen auch uns herausfordern wollen, in einen Dialog mit Jesus und untereinander einzutreten.
So möchte ich sie nun fragen: „In welcher der beiden Beziehungsgeschichte finden sie sich wieder?“ Sagen sie nicht gleich abwehrend: „ich will da gar nicht dabei sein und Rede und Antwort geben oder mich mit Gott in einem Gebet austauschen? Solche – sagen wir intensive, ganz persönliche - Beziehungsgeschichten sind nichts für mich.“ Denn ich möchte zu dem gehörten Dialog Jesu mit Gott und dem Dialog Jesu mit seinen Freunden auch sie als Hörer, als Hörerin mit einbinden, mit einbeziehen! Beziehungsgeschichten haben das so an sich, dass man/frau mit einbezogen wird. Da sie schon da sind und der Beziehungsgeschichte Jesu mit Gott und mit seinen Jüngern zugehört haben, kann ich sie gleich fragen, was sie zur Antwort von Petrus sagen, die lautete: „Für den Christus Gottes“. (früher wurde Petrus „Für den Messias“ in den Mund gelegt).
Für den Christus Gottes! - Auch wenn es oft den Anschein hat, als wenn Christus der Zweitnamen von Jeus wäre, so entspricht das nicht der Realität, der Wirklichkeit. Da geht es um mehr, um eine Glaubensaussage: der Christus, der Gesalbte Gottes.
Dass dahinter eine enorme Erwartungshaltung steckt, dass dieser Christus Gottes eine Herausforderung war damals und es heute noch ist, muss uns klar sein! Beziehungen sind eben herausfordernd und es stecken gewisse Erwartungshaltungen in ihnen. Wie schon gesagt: da sie da sind und das Evangelium gehört haben, möchte ich sie mit folgender Frage wieder mit einbeziehen in den Dialog:
Welche Bilder, welche Erlebnisse, welche Erinnerungen verbinden sie mit „Für den Christus Gottes?“
(Kurze Stille!)
Wie auch immer ihre Antwort ausfällt, sie ist wichtig. Sie ist eine der vielen Antwortversuche, von denen keine das ganze Spektrum „von Jesus dem Christus Gottes“ abdeckt. So wie Jesus im Dialog mit seinen Freunden keine „Bestätigung“ gab, sondern nur die Anweisung, ihre Antwort für sich zu behalten, so sollte es auch uns fern liegen, unsre Antworten anderen zu unterjubeln, ihnen drüber zu stülpen. Jesus, der Christus, bleibt uns ein Leben lang der Frage würdig „Wer bist du für uns, heute, morgen?“ Unsere Antworten, so verschieden sie sind, mögen uns öffnen, herausfordern, unseren Glauben als ChristInnen immer wieder zu hinterfragen. Diese Beziehungsarbeit ermöglicht auch, dass wir im Dialog mit der Bibel und ihren Botschaften bleiben.
In der Lesung aus dem Galaterbrief beschreibt Paulus die Würde der Getauften. Sie haben Christus als Gewand angelegt. An jedem einzelnen liegt es, diese Taufwürde zu entfalten und in die Gemeinschaft der Christen einzubringen.
Dass der Messias einen Weg des Leidens zu gehen hat, ist damals wie heute menschlich unbegreiflich. Er teilt jedoch mit uns Menschen auch die Tiefpunkte des Lebens.
In der Lesung aus dem Galaterbrief fordert Paulus die Getauften auf, Christus als Gewand anzuziehen. Sichtbar gelebter Glaube soll das Gewand eines jeden Christen sein. Wie die Art sich zu kleiden den persönlichen Lebensstil erkennen lässt, soll der Christ an seinem Lebensstil als Christ erkennbar sein.
"Für wen halten die Leuten den Menschensohn", fragt Jesus seine Jünger. Wer ist Jesus für Dich, für mich? Eine Frage, die uns auch heute noch herausfordert.
Lieder:
GL 149: Liebster Jesus, wir sind hier
GL 211: Wir rühmen dich, König der Herrlichkeit
GL 213: O heilge Seelsenspeise (2. Str.)
GL 215: Gott sei gelobet und gebenedeiet (2. Str.)
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet (1. und 2. Str.)
GL 297: Wir danken dir, Herr Jesus Christ
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All (3. Str.)
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 359: O selger Urgrund allen Seins (1. und 2. Str.)
GL 366: Jesus Christus, guter Hirte
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren
GL 456: Herr, du bist mein Leben, Herr, du bist mein Weg
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 560,1: Christus Sieger, Christus König (Christusrufe)
Kehrverse und Psalmen:
GL 42: Nach Gott, dem Lebendigen dürstet meine Seele - Mit Psalm 42 und 43 - VI.
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm 100 - V.
GL 420: Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott - Mit Psalm 67 (GL 46,2) - II.
GL 616: Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. - Mit Psalm 63 - IV.
GL 629: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL 629,5-6: Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit - Mit Phil 2,6-11 - VI.
GL 651,5-6: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm 34 - V.
Leben als Schein oder Sein? Heute provoziert Jesus seine Jüngerschaft. Und auch uns: Immer wieder merken wir, wie uns die Rollen des Lebens fordern. Wie können wir bestehen, ohne uns in den Fragen des Leben etwas vorzumachen? Wie werden wir unserer Gottesgeschöpflichkeit gerecht?
In den letzten Monaten sind heftige Diskussionen um Werte in Gang gekommen. Die Inflation hat den Geldwert in Bewegung gebracht. Wie können Vermögenswerte gesichert werden? Wie der soziale Friede?
Nicht alle Werte können nach Geldwert bemessen werden. Wie hoch ist der Wert der Freiheit, des Frieden, einer gesunden Umwelt? Wie hoch ist der Wert der Gesundheit?
Jesus ist seinerzeit mit seinen Wertvorstellungen angeeckt, er hat Diskussionen und Widerstände ausgelöst. Die Christen der Anfangszeit sind wegen ihrer von der üb rigen Gesellschaft abweichenden Wertvorstellungen verfolgt worden.
Wie sehr lassen wir Christen uns heute in unseren Werthaltungen vom Strom der Zeit mitreißen und bestimmen? Die Bezeichnung "Christen" weist darauf hin, dass wir uns an Jesus Christus orientieren und zu Christus gehören wollen. Wir haben "Christus angezogen", formuliert es Paulus. An Christus wenden wir uns, wenn wir ihn als unseren »Kyrios«, als unseren »Herren« anrufen:
Im heutigen Evangelium erhalten wir einen kurzen Einblick in den Glaubensweg der Jünger. Es gelingt ihnen, sich in Bezug auf den Messias vom allgemeinen Wunschdenken und den Erwartungen im Volk zu befreien. Nach und nach erkennen sie, dass Jesus wahrhaft der verheißene Messias ist, auch wenn er den Vorstellungen und Erwartungen der Allgemeinheit nicht entspricht.
Wenden wir uns dem Messias zu.
Zum Weltflüchtlingstag:
Ein „Welttag der Migrant/innen und Flüchtlinge“ wurde erstmals 1914 von Papst Benedikt XV. unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs ausgerufen und seither jährlich gefeiert. Seit dem Jahr 2001 wird am 20. Juni der Weltflüchtlingstag gefeiert.
Laut einer Statistik des UNHCR, des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen, waren im Jahr 2011 insgesamt 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten davon kommen aus den Ländern Afghanistan, Irak, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo. Ein Großteil der Flüchtlinge flüchtet entweder innerhalb des eigenen Landes (Binnenvertriebene) oder in ein Nachbarland.
Angesichts dieser großen Zahl an Menschen, die weltweit von Flucht betroffen sind, ganz zu schweigen von all denjenigen, die aus anderen Gründen „Fremde“ sind, möchten wir am heutigen Sonntag diesen „Welttag der Migrant/innen und Flüchtlinge“ feiern.
„Auch Gott ist ein Fremder“: Der Titel, unter den der Weltflüchtlingstag in diesem Jahr gestellt wurde, soll uns über verschiedene Aspekte des Fremdseins, das uns in vielen Bereichen unseres Lebens begegnet, nachdenken und unser eigenes Verhalten gegenüber Flüchtlingen und Fremden reflektieren lassen.
Die Aufforderung im Alten Testament: „Der Fremde gelte unter euch wie ein Einheimischer“, könnte dabei ein Leitfaden für unser Verhalten gegenüber Fremden werden.
Im heutigen Evangelium hören wir bei Lukas, dass Jesus von seinen Jüngern als der Messias erkannt wurde:
Jesus Christus, du hast uns erlöst
und gezeigt, wie wir Christen miteinander umgehen sollen.
Wir begegnen dir in den Schwachen in unserer Gesellschaft,
besonders im Fremden und der Asylwerberin.
Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere leben illegal in Österreich.
Um die Abschiebung zu sichern, werden sie in Schubhaft genommen: ohne ausreichende Information, ohne entsprechende Begleitung, ohne Möglichkeit, sich selbst Recht zu verschaffen.
Herr, erbarme dich.
Asylwerber/innen in Österreich sind vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen.
Für viele Familien ist es sehr schwierig, ohne ausreichendes Einkommen und den fehlenden gesellschaftlichen Beteiligungs- und Integrationsmöglichkeiten ihren Alltag zu bewältigen.
Herr, erbarme dich.
Die österreichischen Regierungsparteien halten am derzeitigen Fremdengesetz fest.
Es ist lückenhaft und ermöglicht wenig Spielraum, um ungerechte, menschenunwürdige Wohn- und Lebenssituationen von Asylwerber/innen oder illegal lebenden Personen in Österreich zu verbessern.
Herr, erbarme dich.
Dankbar vertrauen wir auf das Erbarmen Gottes. '
Durch das Evangelium schenkst du, Gott, uns die Kraft, Missstände zu verändern um einen neuen Anfang zu setzen.
Um diese Kraft bitten wir durch deinen Sohn Jesus Christus, Amen.
Jesus Christus,
du rufst uns dir zu folgen.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich!
Jesus Christus,
du lädst uns ein zu Leben in Fülle.
Wir rufen zu dir: Christus, erbarme dich!
Jesus Christus,
du mahnst uns zu Echtheit und Ehrlichkeit.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich!
Herr Jesus Christus, du bist für uns der Messias und Sohn Gottes,
von dem wir unser Heil erwarten.
Kyrie, eleison.
Du hast dich für das Reich Gottes eingesetzt
und dafür Verfolgung, Leid und Tod auf dich genommen.
Christe, eleison.
Durch den Glauben an dich und durch die Taufe auf deinen Namen
sind auch wir Töchter und Söhne Gottes geworden und in deine Nachfolge getreten.
Kyrie, eleison.
Herr, Jesus Christus,
du kamst vom Vater, um uns zu verkünden, dass wir alle geliebte Kinder Gottes sind.
Herr, erbarme dich.
Du hast alle gleichermaßen geliebt und wertgeschätzt;
Frauen und Männer, Sklaven und Freie, alle Völker und Nationen.
Christus, erbarme dich.
Du hast Liebe und Barmherzigkeit verkündet
und uns darin zur Nachfolge aufgerufen.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
ganz eins mit dem Vater kamst du zu unserem Heil auf die Erde.
Herr, erbarme dich.
Dem Willen Gottes, des Vaters, wusstest du dich in deinem Denken und Handeln verpflichtet.
Christus, erbarme dich.
Du lädst uns ein, mit Sorgfalt und Hingabe dein Leben nachzuahmen.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist die Hoffnung der Verzweifelten;
du bist der Menschensohn, dem nichts Menschliches fremd ist.
Herr, erbarme dich.
Du gehst den Weg der Ohnmacht, nicht der Macht;
den Weg des Dienens, nicht des Herrschens.
Christus, erbarme dich.
Du veränderst die Welt von innen her;
dein Weg ist die Liebe zu Gott und zu den Nächsten..
Herr, erbarme dich.
Der Herr, der für uns sein Kreuz getragen hat,
nimmt uns nicht die Last von den Schultern,
aber er stärkt uns, dass wir unser Leben mit seinen Freuden und Leiden bestehen können.
Ihm sei Dank und Lobpreis in Ewigkeit. – Amen.
Heiliger Gott,
gib, dass wir deinen Namen allezeit
fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger, ewiger Gott,
in der Menschwerdung deines Sohnes
hat alles menschliche Streben nach dir seinen Ursprung
und kommt darin zur Vollendung.
Laß uns zu Christus gehören,
in dem das Heil aller Menschen begründet ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 7. Tag der Weihnachtsoktav
Gott, unser Vater.
Du gibst dich uns Menschen zu erkennen
im Schicksal Jesu von Nazaret
Als er von allen verlassen war,
hast du ihn durch Leiden und Tod
hindurchgeführt zum Leben.
Laß uns glauben und vertrauen,
daß auch wir in aller Bedrängnis und Not
unterwegs sind zu dir
mit unserem Herrn Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Auswahl 30
Gott.
In Jesus von Nazareth hast du der Welt
den neuen Menschen gegeben.
Wir danken dir,
dass wir ihn kennen dürfen;
dass sein Wort und Beispiel
in dieser Stunde unter uns lebendig werden.
Öffne uns für seine Gegenwart.
Rühre uns an mit seinem Geist.
Mach durch ihn auch uns zu neuen Menschen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 29
Gott,
in deinem Sohn Jesus Christus hast du uns
den verheißenen Messias geschenkt.
Durch Leiden und Tod ist er
zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangt.
Mache uns fähig,
dem Beispiel seiner Liebe zu folgen.
Darum bitten wir durch ihn,
Jesus Christus, deinen Sohn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt
jetzt und in Ewigkeit.
WB 12. Sonntag im Jahreskreis C
Gütiger Gott
du hast uns das Leben gegeben,
damit wir es im Licht des Göttlichen gestalten.
Steh uns bei, wenn das Mut und Kraft kostet
und hilf uns, wenn wir drohen,
aus der Rolle als deine Geschöpfe zu fallen.
So bitten wir dich durch Jesus Christus.
Vater im Himmel,
dein Sohn hat seine Jünger und Jüngerinnen gefragt:
„Ihr aber, für wen halte ihr mich.“
Oft vergessen wir im Alltagsgeschehen,
dass auch wir aufgefordert sind,
dich und Jesus in der Welt zu verkünden.
Öffne uns heute neu für dein Wort,
damit auch wir Antworten finden,
wenn wir gefragt werden,
was Jesus für unser Leben bedeutet.
Das erbitten wir von dir,
der du mit deinem Sohn
und dem Hl. Geist
mit uns bist, alle Tage - bis in Ewigkeit. – Amen.
Allmächtiger Gott,
du hast uns deinen Sohn Jesus Christus gesandt,
den Messias Israels,
den Erlöser der ganzen Welt.
Gib uns den Mut,
uns zu ihm zu bekennen,
und die Konsequenz,
unser Leben nach seiner Botschaft zu gestalten.
Darum bitten wir dich durch ihn,
Jesus Christus, unseren Herrn.
Guter Gott,
dein Sohn hat die Menschen in seine Nachfolge gerufen und wir wissen uns bei dir geborgen. Nicht immer läuft das Leben rund.
So rufen wir zu dir und bitten dich:
Wir beten für alle, die gerade nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht: wirtschaftlich, politisch, persönlich:
Lass sie zu Ruhe und Besinnung kommen und zeige ihnen auf, wo es langgehen könnte.
Wir beten für unsere Kirche, die aus dem Evangelium die Kraft schöpfen will, Mahnmal und Richtschnur für das Leben der Welt zu sein:
Hilf den Christinnen und Christen, sich dieser Aufgabe immer mehr bewusst zu werden.
Wir beten für alle, die erleben müssen, wie ihnen Naturgewalten übelst mitspielen, und die sich um Sicherheit und Zukunft sorgen:
Lass Menschen mit ihnen sein, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Wir beten für alle Opfer der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und an vielen anderen Orten in der Welt, deren Lebensgrundlagen gerade vor den Augen der Weltöffentlichkeit vernichtet werden:
Lass den Geist der Solidarität erstarken und zeige Wege zu Frieden und Gerechtigkeit auf.
Wir beten für unsere Verstorbenen und für alle, die um sie trauern:
Schenke den Toten einen Platz in deinem Reich und den Hinterbliebenen Trost und Zuversicht.
Guter Gott, du hilfst uns, die Kreuze zu tragen, die das Leben uns aufstellt. Wir vertrauen auf deinen Beistand - durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder. – Amen.
Wer sich in der Vielzahl von Meinungen nicht verlieren will, muss sich um eine persönliche Haltung bemühen. Das gilt besonders für unsere Haltung Jesus Christus gegenüber.
Lasst uns durch ihn den Vater bitten:
Für die christlichen Kirchen, dass sie wie in den vergangenen Jahrhunderten durch ihren Einsatz für die jeweiligen Nöte der Menschen die Zivilgesellschaft und Politik zum Handeln motivieren.
Für alle Betroffenen des Amoklaufs in Graz, dass die Hilfen und der Beistand der Gesellschaft in dieser für sie so schweren Zeit so lange fortdauert als jede und jeder von ihnen individuell es braucht.
Für alle Menschen, die in Respekt vor deren Würde denen beistehen, deren Hilfsbedürftig oft im Verborgenen bleibt.
Für uns alle, wenn wir versucht sind, unsere Mitmenschen nach Vorurteilen, Ansehen oder Nützlichkeit zu beurteilen.
Für alle Verstorbenen und ihre Angehörigen um einfühlsame Mitmenschen, die sie in ihrer schwierigen Lebenssituation begleiten.
In Christus sind wir alle gleich geliebte Töchter und Söhne des Vaters und Erben seiner Verheißung.
Ihm lasst uns danken und ihn loben jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus, Sohn Gottes,
du hast in uns den Geist Gottes geweckt
und durch ihn das Angesicht der Erde erneuert.
Wir bitten dich:
Stärke alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen
und lass die Kriegsführer einlenken.
Schenke den Reichen und Wohlhabenden die Bereitschaft,
mit den Schwachen und Bedürftigen zu teilen.
Mache die Menschen bereit,
zur Lösung der Klimakrise liebgewordene Gewohnheiten zu ändern
und persönliche Annehmlichkeiten hintanzustellen.
Lass alle Glieder Kirche und die in ihr Verantwortlichen
die Zeichen der Zeit erkennen und schenke ihnen die Bereitschaft,
notwendige Veränderungen zuzulassen.
Lass die Verstorbenen bei dir Frieden und Heimat finden.
Du, Herr, warst bereit, den Weg der Propheten zu gehen
und dein Leben für das Reich Gottes einzusetzen.
Dir vertrauen und folgen wir. – Amen.
In den letzten beiden Jahren ist uns bewusstgeworden, wie wichtig es ist, in ein Netz von Beziehungen eingebunden zu sein.
Für unseren christlichen Glauben ist es lebenswichtig, eine Beziehung zu Jesus zu haben. Er trägt uns auch durch dunkle Stunden.
Ihn lasst uns vertrauensvoll bitten:
Für alle, die auf deinen Namen getauft sind:
für die, die nach deiner Botschaft ihr Leben ausrichten und reformorientiert deine Kirche ins Heute unserer Zeit zu tragen versuchen,
und für die, die sich von ihr enttäuscht abgewendet haben und auf anderen Wegen um Halt suchen.
Für eine Menschheit, die von Auseinandersetzungen, Machtkämpfen, Kriegen, Katastrophen und dem ständigen Konstruieren von Gegensätzen zerrissen ist,
sich aber nach einem friedvollen Miteinander unter Anerkennung all ihrer Verschiedenheit sehnt.
Für alle, die von Angst und Misstrauen gequält, sich mit scheinbar einfachen Antworten auf die komplexen Probleme unserer Zeit zufrieden geben.
Für alle, die trotz Leid und Schmerz einen Weg zu einem erfüllten Leben suchen,
und für die, die mit ihnen fühlen, ein Stück des Weges mit ihnen gehen und die ihnen auferlegte Bürde mittragen.
Für die Verstorbenen, an die wir persönlich denken,
und für die, an die niemand mehr denkt.
Im Glauben an dich, Jesus Christus, erkennen wir einen Gott, der alle Menschen annimmt und mitnimmt.
Dir gilt unser Lobpreis und Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
von dir, dem Bruder und Herrn, erbitten wir Kraft und Segen in unseren Anliegen.
Die Zukunft unserer Kirche liegt in unseren Kindern und Jugendlichen:
Wir beten für die jungen Menschen, die in den letzten Monaten durch Erstkommunion und Firmung gestärkt wurden.
Jesus schickte seine Jünger in die Welt und in die Gesellschaft hinaus.
Schenke uns Mut, uns auch öffentlich zu unserem Glauben zu bekennen.
Auch heute noch ist es nicht überall möglich, seinen Glauben frei zu bekennen.
Lass alle, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden oder leiden müssen, deinen Beistand erfahren.
Du hast Frauen und Männer in deine Nachfolge gerufen.
Erbarme dich aller, die sich im Dienst am Nächsten verausgaben.
Du hast dein Kreuz auf dich genommen und den Tod besiegt.
Stehe den Sterbenden bei und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Gott, dein Sohn ist der Menschensohn, dem nichts Menschliches fremd ist.
Höre und erhöre unser Beten, durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Herr Jesus Christus,
du willst, dass auch wir uns zu einer konsequenten Nachahmung deines Denkens und Handelns ansprechen lassen.
Hilf uns, Gottes Willen sehr ernst zu nehmen und uns von ihm leiten zu lassen.
Christus, höre uns!
Verleihe uns Kraft, wenn die Nachahmung deines Lebens uns Mühe, Mut und Ausdauer abverlangt.
Öffne unsere Augen und Herzen für die Nöte der Menschen, damit wir ihnen rechtzeitig und in guter Weise zu Hilfe eilen.
Segne die Verkünder der Botschaft Jesu in unseren Gemeinden und Missionsgebieten und schenke ihnen Erfolg.
Bewahre alle vor Unglück, die sich zur Rettung und Bergung anderer einsetzen.
Stehe den Sterbenden bei und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Herr Jesus Christus,
wir wollen uns an der Weiterführung dessen beteiligen, das du begonnen hast.
Wir danken dir für deinen Beistand und das Vertrauen, das du in uns setzt.
Sei gepriesen, du unser Heilbringer und Messias. – Amen.
Wir kommen zum Gottesdienst zusammen, um unseren Glauben zu nähren und zu festigen.
Miteinander und füreinander lasst uns beten:
Unser gemeinsamer Glaube an Jesus Christus, seinem Lebensweg und seine Auferstehung verbindet uns in der Gemeinschaft der Kirche.
Stärke uns in unserem gemeinsamen Glauben.
Veruntreuung öffentlicher Gelder, ungerechte Begünstigungen einzelner Gruppen und politisch motivierte Tauschgeschäfte vergiften unser soziales Miteinander.
Stärke alle, die sich in kleinen wie in großen Bereichen gegen Korruption und Misswirtschaft einsetzen.
Der Schulabschluss und die Zeugnisverteilung stehen unmittelbar bevor.
Stärke Lehrer und Eltern in ihrem Bemühen, Kinder und Jugendliche auf ihrem individuellen Reifungsprozess zu begleiten.
Unsere konkrete Lebenssituation ist für uns nicht immer leicht zu ertragen.
Stärke uns im Vertrauen, dass alles leichter wird, wenn wir dich daran teilnehmen lassen.
Im Tod begegnest du uns mit der ganzen Macht deiner Wirklichkeit.
Stärke in uns den Glauben an deine Barmherzigkeit.
Guter Gott!
Wir danken dir für das Geschenk unseres Glaubens
und preisen und ehren dich in gemeinsamer Freude jetzt und allezeit. - Amen.
Gütiger Gott,
dein Sohn ist jetzt mitten unter uns.
Zusammen mit ihm bitten wir dich:
Wir beten für alle Menschen, die aus ihren Heimatländer flüchten müssen
und dabei um ihre Angehörigen fürchten müssen.
Sei Du ihnen Trost und Unterstützung!
Wir beten für die Asylsuchenden in unserem Land,
die oftmals unter den Vorurteilen der Bevölkerung
und unter ungerechten Asylverfahren leiden:
Lass ihnen Gerechtigkeit und Wohlwollen zuteil werden!
Wir beten für die Verantwortlichen in der EU für Flüchtlinge und Migrant/innen:
Öffne ihre Herzen für die Nöte dieser Menschen
und hilf ihnen im Bemühen, eine gute Gesetzgebung zu veranlassen!
Wir beten für uns selbst, die wir die Worte der Bibel die Fremden betreffend gehört haben:
Lass uns erkennen, wo wir konkrete Hilfe leisten können!
Wir beten für alle Flüchtlinge, die während der Flucht ums Leben kommen:
Lass sie bei dir ihre ewige Heimat finden!
Gott wir trauen dir,
wir glauben, dass du uns hörst
und nach deinem Willen erhörst. Amen.
Barmherziger Gott,
nimm das Opfer des Lobes
und der Versöhnung an.
Löse uns durch diese Feier aus aller Verstrickung,
damit wir in freier Hingabe ganz dir angehören.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Brot und Wein auf dem Altar,
guter Gott, sind bereitet,
um die Gegenwart deines Sohnes zu feiern.
Wandle auch uns immer wieder neu
und lass in uns und in deiner Kirche aufscheinen,
was wir sein sollen: Leib Christi.
So bitten wir durch ihn:
Christus, unseren Herrn und Bruder.
Kehrvers:
Jubelt ihr Lande dem Herrn;
alle Enden der Erde schauen Gottes Heil.
(GL 55,1)
Guter Gott, barmherziger Vater,
wir treten vor dich, um dir für deine nie endende Liebe zu danken.
Deine Propheten haben in deinem Volk immer wieder
den Geist des Mitleids geweckt und es zur Umkehr geführt.
Immer wieder hast du Unreinheit und Sünde von ihm abgewaschen.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hast du als Messias gesandt,
um alle zu retten, die auf ihn hören.
Obwohl er von den Hohenpriestern und Ältesten verworfen wurde,
hast du ihn zu deiner Rechten erhöht.
Zu ihm schauen auf,
die auf sein Beispiel hin ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen.
Kehrvers
Durch ihn sind alle, die seine Taufe auf sich nahmen,
deine Töchter und Söhne geworden.
In ihm sind sie eins
und es zählen nicht mehr Abstammung, Hautfarbe, Geschlecht oder Stand.
Wir danken dir für das neue Leben, das wir durch ihn gewonnen haben
und wir stimmen ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung.
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott... (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen.
Die Sünde hatte die Menschen von dir getrennt,
du aber hast sie zu dir zurückgeführt
durch das Blut deines Sohnes
und die Kraft deines Geistes.
Wie du eins bist mit dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
so ist deine Kirche geeint
nach dem Bild des dreieinigen Gottes.
Sie ist dein heiliges Volk,
der Leib Christi und
der Tempel des Heiligen Geistes
zum Lob deiner Weisheit und Liebe.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns
mit den Engeln und
Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 8
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
In der Taufe und Firmung hat Gott uns zu seinen Söhnen und Töchtern gemacht und zu Erben seines Reiches eingesetzt.
Voller Vertrauen beten wir:
Es gibt nicht mehr Juden und Griechen,
nicht Sklaven und Freie,
nicht Männer oder Frauen:
Ihr alle seid eins in Christus.
(vgl. Gal 3,28)
Oder:
Ihr seid alle durch den Glauben
Söhne und Töchter Gottes in Christus Jesus.
(Vgl. Gal 3,26)
Oder:
Da sagte er zu ihnen:
Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.
(Lk 9,20)
Oder:
Wer sein Leben retten will, wird es verlieren,
wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
der wird es retten.
(Lk 9,24)
Christus hat nur unsere Hände,
um Seine Arbeit heute zu tun.
Er hat nur unsere Füße,
um Menschen auf Seinen Wegen zu führen.
Christus hat nur unsere Lippen,
um den Menschen von Sich zu erzählen.
Er hat nur unsere Hilfe,
um Menschen an Seine Seite zu bringen.
Wir sind die einzige Bibel,
welche die Menschen heute noch lesen.
Wir sind Gottes letzte Botschaft,
in Taten und Worten geschrieben.
Und wenn nun diese Schrift gefälscht ist,
nicht gelesen werden kann?
Wenn unsere Hände mit anderen Dingen
beschäftigt sind als mit den Seinen?
Wenn unsere Füße dahin gehen,
wohin die Sünde zieht?
Wenn unsere Lippen sprechen,
was er verwerfen würde?
Erwarten wir, Ihm dienen zu können,
ohne Ihm nachzufolgen?
Jesus
du fragst uns
wer bin ich für euch?
Wir suchen
und manchmal finden wir
ein Stück einer Antwort
Du bist Mensch wie wir
und doch viel mehr
Du bist Gott
und doch ganz nahe
Du bist Freund und Bruder
und doch manchmal ganz fremd
Du bist hier bei uns
und doch sehen wir dich nicht
Wir möchten wie Petrus erkennen:
Du bist der Messias
du bist unser Erlöser
unser Heil und unsere Rettung
Hilf uns bei unserer Suche
und lass dich finden
hier bei uns
Eine Asylantin.
Hier ist sie nicht geboren.
Unsere Sprache versteht sie nicht.
Gearbeitet hat sie ohne Papiere.
Gewohnt hat sie wechselnd
bei einer Freundin
in einem Container.
Sie würde gern anfangen
zu arbeiten
hier bei uns.
Ihr Name ist Hoffnung,
hier kennt sie niemand.
D. Sölle, in: Träume mich, Gott. Geistliche Texte mit politischen Fragen, Wuppertal 1995.
Gütiger Gott,
du hast uns durch den Leib und das Blut Christi gestärkt.
Gib, dass wir niemals verlieren,
was wir in jeder Feier der Eucharistie empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
im heiligen Mahl
schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes.
Durch dieses Sakrament
mache uns auf Erden Christus ähnlich
und lass uns im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast im Leben deiner heiligen Märtyrer
das Geheimnis des Kreuzes aufleuchten lassen.
Stärke uns durch das Opfer, das wir gefeiert haben,
damit wir in der Nachfolge Christi ausharren
und in deiner Kirche zum Heil der Menschen wirken.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Märtyrer
Barmherziger Vater,
das Wort deiner Botschaft vom Heil
und die Heilskraft des eucharistischen Sakramentes
stärken und ermutigen uns,
nun hinauszugehen in die Welt.
Dein Segen möge uns dazu begleiten
und uns erfahren lassen,
dass du stets bei uns bist:
in Christus unserem Bruder und Herrn.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns aufgefordert, hinter dir herzugehen,
auch in Zeiten, die uns wie ein Kreuz drücken.
Wir bitten dich, wenn wir nun in die neue Woche gehen,
dann zeige dich auch in schweren Situationen an unserer Seite,
damit wir gestärkt gehen können. –
Und schenke uns das recht Wort und die rechte Tat,
wenn wir auf Menschen treffen,
die unserer Begleitung besonders bedürfen.
Für all unser Denken und Tun
schenke uns die Kraft deiner segnenden Liebe. – Amen.
Du bist ganz anders, Gott,
als wir dich denken,
das hast du uns gezeigt in Jesus Christus.
Er, der dein Sohn ist
und Licht von deinem Lichte,
er ist demütig seinen Weg gegangen -
so hast du uns gerettet.
Wir danken dir,
dass du gekommen bist in diesem Menschen
und dass du uns so nahe bist
heute und alle Tage. - Amen.
(nach Huub Oosterhuis)
Ich soll dir,
JESUS,
also Rede und Antwort geben.
Zunächst einmal
falle ich in Schweigen –
in ein Nach-denken
und Nach-spüren.
Du bist der,
zu dem ich in meiner Kindheit,
nach und nach,
zu beten lernte,
besonders,
wenn die Großen mich nicht
verstanden.
Du bist der,
zu dem ich Zuflucht suchte,
als ich,
mit großer Wucht,
das erste Mal
wirklich
mit dem Tod konfrontiert wurde.
Du bist der,
der bei mir blieb, als ich,
mitten bei den Menschen,
eine tiefe Einsamkeit spürte.
Du bist der,
der letzten Halt mir gab,
als mein Vertrauen
so schändlich missbraucht wurde,
ich nicht mehr weiter wusste
und dem Leben nicht mehr traute.
Du bist der,
der mich auffing,
wenn ich fiel,
der mich aufhob
und
aufrichtete.
Du bist der,
dem ich in freudigen Momenten
mein HALLELUJA
entgegen juble,
weil auch Freude
etwas Unfassbares haben kann.
Du bist der,
der mein Suchen,
meine Zweifel und
mein Schweigen aushält,
in dem Vertrauen,
dass wir uns nicht
verlieren können.
Du bist der,
dem ich mich selbst
und meine Lieben
„in die Hände lege“,
weil ich erspüre,
mein kleines Können
reicht an Schutz und
Begleitung nicht.
Du bist der,
der den Vater verkündete,
und mir die Augen öffnete
für die vielen Gaben,
mit denen er mich
ausgestattet hat.
Du hast mich bestärkt
und mir langen Atem gegeben,
sie weiterzuentwickeln;
zu meinem Wohl
und zum Wohl anderer.
Du bist der …..
Ja, du bist so viel für mich.
Nicht alles kann ich fassen.
Vor allem aber bist du der,
der mich durch sein Beispiel
in seine Nachfolge rief
und
immer wieder ruft.
Und,
so schwer es mir auch
manchmal fällt,
dir zu folgen,
ich kann dein Rufen
nicht ignorieren.
Denn selbst,
wo ich wie taub bin,
findest du Wege zu mir.
Du bist der,
dem ich mich anvertraue,
im Leben und im Sterben.
Durch DICH
kann ich
der Zusage des Vaters vertrauen:
ICH BIN DA –
immer und ewiglich.
Beatrix Senft (2022)
Fragt ein 30jähriger:
Für wen halten mich die Leute?
Wozu will er es wissen?
Was ändert es
an der eigenen Identität
an der Berufung
am Auftrag
am Wirken
am LEBENsGEFÜHL?
DU willst
als DER erkannt werden
der DU bist
DU
Jesus von Nazareth
Christus
Messias
HEIL der WELT
Wie bist du
erkennbar?
Wie würde sie aussehen
unsere Welt
gingen wir
DEINEN WEG
inspiriert
von deinem Geist
von deiner Haltung
von deiner Sendung?
Für wen halte ICH dich?
Ist Jesus
eine prägende Persönlichkeit
für mich?
Förderungen an sich raffen, Steuern vermeiden, Fernreisen trotz Klimakrise: Alles legitim, solang es nicht verboten ist? Oder trägt jeder die moralische Verantwortung, auch Verzicht zu leisten? Einige Antworten aus der Philosophie.
Ein starkes Stück: Der ÖVP-Seniorenbund in Oberösterreich kassierte zwei Millionen Euro an Coronahilfen. Sie standen Vereinen zu, aber nicht Parteien und ihrem Umfeld. „Skandalös, wie da Steuergeld missbraucht wird!“, entrüsten sich zu Recht die Bürger. Aber auch unter Wirten, Fabrikbesitzern und Selbstständigen haben viele weit mehr an Soforthilfen beantragt und erhalten, als sie gebraucht hätten. Ist der Staat selbst schuld, wenn er zu viel fördert? Oder trägt jeder Einzelne eine moralische Verantwortung, sich nur das zu holen, was ihm nach dem Sinn der Gesetze zusteht? Steuerberater zu sein ist gar nicht verfemt, dabei geht es in dieser Branche vor allem darum, dass die Klienten dem Fiskus so wenig herausrücken, wie juristisch gerade noch erlaubt ist. Ist das denn unmoralisch?
Und dann wäre da noch der Fernflug. Jeder davon pumpt mehr Treibhausgas in die Atmosphäre als zwei Jahre Autofahren. Müssen wir seinetwegen ein schlechtes Gewissen empfinden, obwohl diese Flüge weiterhin günstig angeboten werden? Versagen die Politiker in der Klimakrise, haben nur sie Empörung verdient? Oder doch jeder, der sich standhaft weigert, auf Palmenstrand und Steak zu verzichten?
Ganzer Artikel (leider nicht gratis):
https://www.diepresse.com/6148536/
von Karl Gaulhofer auf https://www.diepresse.com/6148536/ (6.6.2022) l leider nicht gratis...
Charles de Foucauld (1858 – 1916) stammt aus einer wohlhabenden französischen Adelsfamilie. Geboren in Straßburg, verliert er mit fünf Jahren seine Eltern und wächst mit seiner jüngeren Schwester Marie beim Großvater Oberst de Morlet auf.
Bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870 optiert die Familie für Frankreich und lässt sich in Nancy nieder. Katholisch erzogen, entfernt er sich als Jugendlicher vom Glauben, behält aber die Hochachtung vor der Kirche und ihren Vertretern. Der Familientradition folgend wird Charles Offizier in einem Husarenregiment. Aus Freundschaft zu seinen Kameraden veranstaltet er, um dem Kasernenalltag zu entfliehen, Partys und Feste. Es gibt Tage, in denen er eine große Leere empfindet.
1881 betritt er zum ersten Mal ein muslimisches Land, das seit 1830 von Frankreich kolonisierte Algerien. Von da an wird er bis zu seinem Lebensende 35 Jahre in muslimischer Umgebung leben. Dieser erste Aufenthalt ist kurz, da er in die militärische Nicht-Aktivität entlassen wird. Er hatte sich geweigert, seiner Freundin, die ihm vorausgereist war, vorzuschreiben, umzukehren. Es war eine Provokation, wie er später schreibt. Kaum zurück in Frankreich geraten französische Truppen in Kämpfe mit algerischen Widerständlern. Kurzerhand lässt er die Freundin und ihre Mutter zurück – nicht ohne sie materiell zu unterstützen – und stellt seinen Mann in den Kämpfen im Atlasgebirge.
Als wieder das langweilige Kasernenleben bevorsteht, quittiert er von sich aus den Dienst und begibt sich auf eine risikoreiche Forschungsreise ins Innere Marokkos. Der Orient hat ihn gepackt mit seiner Kultur, mit der Wüste und mit freundlichen Menschen, die ihm einmal das Leben retteten. Nicht zuletzt beeindruckt ihn das öffentlich bezeugte Gebetsleben mitten in der Mittagshitze der Wüste.
Auf der Suche nach seinem Lebensweg richtet er sich in Paris in der Nähe seiner Familie eine Wohnung ein und schreibt an seinem Forschungsbericht. Die Güte und unaufdringliche Nähe seiner Cousine Marie lässt ihn den Weg in die Kirchen finden und beten: „Mein Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen!“
So kommt es, dass er eines Morgens in der Kirche St. Augustin einen Priester anspricht, Abbé Huvelin, den er vom Sehen kennt, und ihn um eine Instruktion in Sachen Religion ersucht. Er ist 28 Jahre alt. Der Abbé geht nicht darauf ein und weist ihn an zu beichten und zu kommunizieren. „Ab diesem Moment konnte ich nicht anders als mein Leben Gott zu schenken“ sagt er später. Das entspricht seinem natürlichen Charakter, der immer radikal auf ein erkanntes Ziel zusteuert.
Doch wie diese Hingabe leben? Auf einer Pilgerreise ins Heilige Land macht er im Dorf Nazaret eine umwerfende Erfahrung: Ihm wird bewusst, dass Jesus, Gottes Sohn, sich dieses einfache Leben dort ausgesucht hat und dass er dreißig Jahre lang einer dieser kleinen Leute war, die im Schatten der Geschichte stehen. Dieses Mysterium von Nazaret hält ihn nun sein Leben lang in Bann. Es entwickelt in ihm eine eigene Dynamik, bis es ihm gelingt sein ureigenes Nazaret zu finden.
Er lebt zunächst sieben Jahre von 1890 – 1897 im Orden der Trappisten und muß feststellen, dass dieses Leben nicht seiner Vorstellung von „Nazaret“ entspricht. Die folgenden drei Jahre verbringt er als Laienbruder bei den Klarissen in Nazaret und verrichtet diverse Haus- und Botendienste für die Schwestern. Sie verstehen es, in ihm den Wunsch zu wecken, Priester zu werden. Bei der Vorbereitung zur Priesterweihe, die er 1901 empfängt, entschließt er sich, zu jenen Menschen zu gehen, die ihm als die Ärmsten und Verlassensten erscheinen, und das sind für ihn jene, denen er in Marokko begegnet ist.
Als Priester der Diözese Viviers kehrt er nun mit der Erlaubnis der Kolonialbehörden und im Dienst von Msgr. Guérin, dem Apostolischen Administrator, in die Sahara zurück, und zwar nicht als Einsiedler, als den man ihn oft bezeichnet. Er ging dorthin, um den Menschen nahe zu sein und mit dem Wunsch, eine Gemeinschaft von Mitbrüdern zu gründen. Die Erfüllung dieses Wunsches blieb ihm zeitlebens verwehrt.
Zunächst siedelt er sich in Beni Abbès nahe der Grenze zu Marokko an, das Europäern weiterhin verwehrt ist. Ab 1905 wendet er sich dem muslimischen Nomadenvolk der Tuareg zu, das in der Person ihres Stammesoberhauptes („Amenokal“) Moussa Agg Amastan mit den Franzosen Frieden schließt; in Wirklichkeit ist es aber eine Unterwerfung. In den elf Jahren, die er nun bei den Tuareg im Herzen der Sahara lebt, wird er für sie ihr Marabut – so bezeichnen sie ihre eigenen muslimischen Heiligen.
Seine Arbeit besteht nun in der Erforschung ihrer Sprache und ihrer Kultur. Auf diese Weise findet er sein „Nazareth“, das nun nicht mehr an einen Ort gebunden ist, sondern das für ihn zum Grundzug seines Glaubens wird. Dies versucht er, konsequent zu leben und gerät dabei in Situationen, in denen er von seinen Nachbarn beschenkt oder gar vor dem Tod durch Erschöpfung gerettet wird. Dass ihn die Tuareg tatsächlich schätzen, wird durch Briefchen bestätigt, die in Tifinagh, ihrer Schrift, verfasst sind und die erst vor etwa 20 Jahren an die Öffentlichkeit gelangt sind. Sie gingen nämlich ungelesen und unverstanden durch die Hände der Kolonialzensoren. Es ist eigentlich unglaublich, wenn der Amenokal in einem dieser Briefchen ihn, den Heiden, der keinen Platz im Paradies hat, ersucht: „Bete inständig für mich!“
In den Wirren des Ersten Weltkriegs stirbt Charles de Foucauld am 1. Dezember 1916 in Tamanrasset eines gewaltsamen Todes. Er stirbt nicht als Märtyrer im kanonischen Sinn. Sein Tod ist wie der Preis der Liebe zu Gott und zu jenen, die seine Freunde geworden waren und von denen ihn so manche noch bis heute in Ehren halten. Im Jahr 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.
Papst Franziskus zum 100. Todestag 2016: "Charles de Foucauld hat wie wenige andere den Umfang der Spiritualität realisiert, die von Nazareth ausgeht".
Herbert Hartl PFJ, Mitglied der Gemeinschaft der Kleinen Brüder Jesu.
https://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/spirituelles/grossechristen/article/53864.html
50 Tote in Orlando
Ausschreitungen beim
„Friedensprojekt“ EM
Einschreitung not-wendig
Menschen bekriegen einander
rund um die Welt
Wahlanfechtung
„Führungsanspruch“ unter allen Umständen
Jesus, der Christus – Messias – Retter
DU selbst fragst
„Für wen halten mich die Menschen“?
Welche Rolle spiele ich
für sie
für euch
für dich
Spiele ich eine Rolle
im Weltgeschehen?
Spiele ich eine Rolle
in deinem Leben?
Menschen glauben
ohne Gott
auskommen zu können
und
kommen nicht
damit zurecht
Da fragst DU zurecht:
Für wen halten mich die Leute …?
Ich weiß, woran ich glaube,
ich weiß, was fest besteht,
wenn alles hier im Staube
wie Sand und Staub verweht;
ich weiß, was ewig bleibet,
wo alles wankt und fällt,
wo Wahn die Weisen treibet
und Trug die Klugen prellt.
Ich weiß, was ewig dauert,
ich weiß, was nimmer läßt;
mit Diamanten mauert
mir's Gott im Herzen fest.
Die Steine sind die Worte,
die Worte hell und rein,
wodurch die schwächsten Orte
gar feste können sein.
Auch kenn ich wohl den Meister,
der mir die Feste baut,
er heißt der Herr der Geister,
auf den der Himmel schaut,
vor dem die Seraphinen
anbetend niederknien,
um den die Engel dienen:
ich weiß und kenne ihn.
Das ist das Licht der Höhe,
das ist der Jesus Christ,
der Fels, auf dem ich stehe,
der diamanten ist,
der nimmermehr kann wanken,
der Heiland und der Hort,
die Leuchte der Gedanken,
die leuchten hier und dort.
Ernst Moritz Arndt 1819, in: EG 357.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Abschnitt unserer Sonntagslesung beschreibt vorausblickend die Ereignisse am Ende der Zeiten, nach dem großen Völkersturm auf Jerusalem (Sach 12,2-8). Jahwe selbst wird den Angriff auf seine heilige Stadt Jerusalem abwehren, über das Geschlecht Davids und die Einwohner Jerusalems seinen Geist ausgießen und für sie eine Quelle der Reinigung fließen lassen. Die Ausgießung des Geistes bewirkt eine tiefgreifende Umkehr und befähigt zu Mitleid - heute könnte man dabei eher an Humanität und Solidarität mit den Leidenden denken - und zu Gebet, d. h. Gottverbundenheit.
Die Befähigung zum Mitleid wird konkretisiert im Blick auf denjenigen, "den sie durchbohrt haben". Wer mit dem Durchbohrten gemeint ist, läßt sich nicht exakt bestimmen. Es könnte ein zeitgenössischer Märtyrer des Judentums, eine historische Persönlichkeit oder der ebenso wenig bestimmbare Gottesknecht der Gottesknechtslieder des Jesaja (vgl. Jes 53) gemeint sein. In der weiteren Theologiegeschichte wurde der Durchbohrte meist auf Jesus Christus hin gedeutet. Die zweite Gabe Jahwes, die Reinigungsquelle, läßt an eine Reihe von biblischen Wassermotiven denken: Sie erinnert an den Paradiesesstrom (Gen 2,10), an die Tempelquelle (Ez 47) oder an die Reinigung der Herzen (Ez 36).