Lesung aus dem Buch Jesaja.
Hört das Wort des HERRN,
ihr Wortführer von Sodom!
Horcht auf die Weisung unseres Gottes,
Volk von Gomorra!
Wascht euch, reinigt euch!
Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen!
Hört auf, Böses zu tun!
Lernt, Gutes zu tun!
Sucht das Recht!
Schreitet ein gegen den Unterdrücker!
Verschafft den Waisen Recht,
streitet für die Witwen!
Kommt doch, wir wollen miteinander rechten,
spricht der HERR.
Sind eure Sünden wie Scharlach,
weiß wie Schnee werden sie.
Sind sie rot wie Purpur,
wie Wolle werden sie.
Wenn ihr willig seid und hört,
werdet ihr das Beste des Landes essen.
Wenn ihr euch aber weigert und auflehnt,
werdet ihr vom Schwert gefressen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.
Kv: Wer rechtschaffen lebt, dem zeig‘ ich mein Heil. – Kv
Oder GL 53,1
Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich,*
deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, *
keine Böcke aus deinen Hürden.– (Kv)
Was zählst du meine Gebote auf *
und führst meinen Bund in deinem Mund?
Dabei war Zucht dir verhasst, *
meine Worte warfst du hinter dich. – (Kv)
Das hast du getan und ich soll schweigen? /
Meinst du, ich bin wie du? *
Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.
Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; *
wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen. – (Kv)
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
sprach Jesus zum Volk und zu seinen Jüngern
und sagte:
Auf dem Stuhl des Mose
sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer.
Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen,
aber richtet euch nicht nach ihren Taten;
denn sie reden nur,
tun es aber nicht.
Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen
und legen sie den Menschen auf die Schultern,
selber aber wollen sie keinen Finger rühren,
um die Lasten zu bewegen.
Alles, was sie tun,
tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden:
Sie machen ihre Gebetsriemen breit
und die Quasten an ihren Gewändern lang,
sie lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern
und die Ehrensitze in den Synagogen
und wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt
und die Leute sie Rabbi nennen. 8
Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen;
denn nur einer ist euer Meister,
ihr alle aber seid Brüder.
Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen;
denn nur einer ist euer Vater,
der im Himmel.
Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen;
denn nur einer ist euer Lehrer,
Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein.
Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
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Ein bedeutender Mann wird zu Grabe getragen.
Einer von denen, „die sich verdient gemacht haben.“
Die Kirche ist voll beim Begräbnisamt.
Voll wie der Mund des Predigers,
der den Nachruf zu sprechen hat,
der den Verstorbenen rühmt,
als ginge es um einen Heiligsprechungsprozess.
Nur seine Witwe denkt: „Wenn die wüssten…“
Noch weiß sie selber nicht.
Noch ahnt sie und fürchtet nur.
Zwei Telefonnummern in der Tasche des Toten
weisen eine Spur.
Ein Anruf, ein Treffen bringt die Gewissheit:
Der angesehene Mann mit langem Nachruf
hat ein Doppelleben geführt.
Alles war so harmonisch und gut
auch in der Familie.
Und nun geht ein Riss durch das Foto.
War alles nur Lüge: der treue Ehemann,
der sorgende Vater, das Engagement in der Kirche?
Hat er sich selber belogen, geliebt, gehasst?
Hat er selber gelitten unter der Schizophrenie?
Und vor allem: Was wird Gott dazu sagen?
Wohlauf, mein Herz und all mein Mut,
und such das Gut ob allem Gut!
Was das nicht ist, das schätz gar klein
Und sehn dich allzeit wieder heim.
Du hast doch hier kein Bleiben nicht,
ob’s morgen oder heut geschieht.
Da es denn anders nicht mag sein,
so flieh der Welte falschen Schein.
Bereu dein Sünd und beßre dich,
als wolltst du morgn gen Himmelreich.
Ade, Welt, Gott gesegne dich!
Ich fahr dahin gen Himmelreich.
Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?
Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,
Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht,
Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen,
Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt,
Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,
Ein faules Grab, so Alabaster deckt.
Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm, Seele, komm, und lerne weiter schauen,
Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!
Streich ab von dir derselben kurzen Pranken,
Halt ihre Lust für eine schwere Last:
So wirst du leicht in diesen Port gelangen,
Da Ewigkeit und Schönheit sich umfasst.
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, (1617-1679), in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, ausgewählt von A. Weimer, Düsseldorf 2006, S.103.

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Mit dem Stichwort "Rabbi" wird der zweite Teil verknüpft. In ihm geht es um ein Verhalten, das alles, was ein Mensch von sich sagen kann, auf den Vater im Himmel bezieht und auf Christus, den einen Lehrer - gipfelnd in der Zusage: Der Größte von euch soll euer Diener sein.
Wie können wir das Evangelium lesen? Eine antijüdische Auslegungsgeschichte hat den Zugang verstellt. Schriftgelehrte und Pharisäer wurden zu Gestalten, die heucheln, die den schönen Schein schon für die Wahrheit halten und sich in Äußerlichkeiten verlieren. Unheilvoll wurde jüdische Frömmigkeit insgesamt als oberflächlich und gesetzlich abgetan. Vorurteile sind bis zum heutigen Tag lebendig.
Richtig ist, dass Matthäus den frommen Menschen seiner Zeit und Umgebung einen Spiegel vorhält - richtig gelesen, müssten wir unsere eigenen Frömmigkeitsformen hier wahrnehmen. Die Frage, warum wir dieses oder jenes zeigen, wie wir gesehen werden wollen oder was bei uns schon den tieferen Sinn verloren hat, kann von der Schelte des Matthäus nicht zugedeckt werden. Die Frage drängt sich auf: Dürfen wir den ersten Teil einfach so vorlesen? Ohne Predigt sicherlich nicht!
Der zweite Teil fällt mit seinen Verneinungen auf: ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, nicht Vater, nicht Lehrer. Die Begründung: nur (!) einer ist euer Meister, nur einer euer Vater, nur einer euer Lehrer. Der Evangelist weiß um eine Schlussfolgerung: ihr alle aber seid Brüder (und Schwestern).
Die Konsequenzen, die sich hier zeigen, wurzeln in der alttestamentlichen Botschaft, sind also auf keinen Fall antijüdisch zu interpretieren. Es geht nicht nur darum, als Rabbi, Vater und Lehrer Grenzen nicht zu überschreiten oder dem eigenen Ansehen zuzuarbeiten, sondern ganz und ungeteilt in geschwisterlicher Gemeinschaft zu leben, dem einen Vater im Himmel zu vertrauen und von Christus Lehre anzunehmen. Was ein Christ von ihm lernen kann? Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.
Mehr als eine Erinnerung: Die Erklärung des II. Vatikanischen Konzils "Nostra Aetate" über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen vom 28.10.1964 - fast auf den Tag genau vor 40 Jahren - leitete eine neue Epoche insbesondere im Verhältnis zum Judentum ein.
Umkehrung der Werte
Aber gerade diese Umkehrung der menschlichen Werte sieht Mt als charakteristisch für das Reich Gottes an und in der Kirche soll dies schon zumindest ansatzweise verwirklicht werden. Denn nur in einer Gemeinschaft, die nicht auf sich selbst, sondern auf Gott als den alleinigen Meister, Vater und Lehrer ausgerichtet ist, ist es möglich, daß alle Menschen den gleichen Wert und die gleiche Würde besitzen. Nur dort ist es möglich, daß der Größte der anderen dient, daß der Letzte der Erste ist, daß Traurige, Hungernde und Dürstende, ja sogar Verfolgte, seliggepriesen werden. Die Anforderungen, die uns das Evangelium stellt, sind übermenschlich hoch und die Versuchungen heute die gleichen wie damals. Es liegt an uns, uns immer wieder am Maßstab des Evangeliums zu messen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz