Lesung aus dem Buch Micha.
Herr, weide dein Volk mit deinem Stab,
die Herde, die dein Erbbesitz ist,
die einsam im Wald wohnt mitten im fruchtbaren Land!
Sie sollen wieder im Baschan und in Gilead weiden
wie in den Tagen der Vorzeit.
Wie in den Tagen,
als du aus dem Land Ägypten auszogst,
lass uns deine Wunder schauen!
Wer ist Gott wie du,
der Schuld verzeiht
und an der Verfehlung vorübergeht
für den Rest seines Erbteils!
Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn,
denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein.
Er wird sich unser wieder erbarmen,
er wird niedertreten unsere Schuld.
Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen
alle ihre Sünden.
Du wirst Jakob Treue und Abraham Liebe erweisen,
wie du unseren Vätern geschworen hast
in den Tagen der Vorzeit.
Kv: Gnädig und barmherzig ist der Herr,
voll Langmut und reich an Huld. – Kv
(GL 517)
Preise den Herrn, meine Seele, *
und alles in mir seinen heiligen Namen!
Preise den Herrn, meine Seele, *
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! – (Kv)
Der dir all deine Schuld vergibt *
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet *
und dich mit Huld und Erbarmen krönt. – (Kv)
Er wird nicht immer rechten *
und nicht ewig trägt er nach.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden *
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld. – (Kv)
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, *
so mächtig ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, *
so weit entfernt er von uns unsere Frevel. – Kv
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm,
um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich
und sagte:
Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss,
ich aber komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner!
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen,
fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße!
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte
und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete ihm:
Dein Bruder ist gekommen
und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus
und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte seinem Vater:
Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir
und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt,
damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot
und lebt wieder;
er war verloren
und ist wiedergefunden worden.
Keine Inhalte für diese Messfeier vorhanden
Am Leben vorbeigelebt
wird es heißen
beim Letzten Gericht.
Immer gezögert,
verschoben,
gewartet,
getrauert,
doch niemals
begonnen,
niemals Fehler
gemacht,
geirrt
oder verloren.
Immer Angst gehabt
vor Krankheit,
vor dem Versagen,
vor dem Tod. –
So wie
der ältere Sohn:
immer daheim geblieben,
aber vielleicht
auch nie richtig
zu Hause gewesen?
Aus: Ilse Pauls, Der innere See. Internationaler Literatur und Lyrik Verlag 1997.
Ich will zu meinem Vater gehn heut am Tag.
Er wird ein jedes Wort verstehn, das ich wag,
das ich wag.
Weil es noch ein Zuhause gibt, lauf ich hin.
Ich weiß, dass mich mein Vater liebt, wie ich bin,
wie ich bin.
Er ist's, der dich von fern erblickt, tief im Staub.
Sein Herz hat er vorausgeschickt. Sieh und glaub!
Sieh und glaub!
Er ist's, der dir entgegenläuft weit, wie weit;
der dich mit Liebe überhäuft und verzeiht,
und verzeiht.
Den Lumpenrock schafft man beiseit – brennt wie Spreu.
Nun trägst du Schuh und Ring und Kleid funkelnd neu,
funkelnd neu.
Hoch hebt das Fest der Heimkehr an, nie erschaut.
Die Freude, die nur danken kann, jubelt laut,
jubelt laut.
Lasst uns zu unserm Vater gehn, ich und du.
Er ruft, bis alle ihn verstehn: Kommt herzu!
Kommt herzu!

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Obwohl auch vom verlorenen Sohn geredet wird, erlaubt die dritte Variation des einen Gleichnisses keine einfachen Gedankengänge. Wer ist hier verloren? Der jüngere Sohn, der geht - oder der ältere, der geblieben ist? Der die Freiheit suchte (und verspielte) - oder der, der über die heimatliche Scholle nie hinausgesehen hat und gar nicht weiß, was Leben heißt? Im Duktus des Gleichnisses wird manches offen gehalten. Diese "Leerstellen" machen das Gleichnis zu einem Lebens- und Leseabenteuer.
Im Mittelpunkt steht der barmherzige Vater, der den jüngeren, gut ausgestattet, ziehen lässt, ohne ihn über die Risiken aufzuklären - ihm entgegenläuft und die gescheiterte Existenz in die Arme schließt - und den Bruder zur Mitfreude einlädt, nicht ohne ihn auf seine Privilegien aufmerksam zu machen. Dabei bekommt die Geschichte die Züge einer Auferstehungsgeschichte: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer draußen bleibt - es bleibt offen, wie sich der Ältere dann letztlich entscheidet -, stirbt und geht verloren. So prägnant führt das Gleichnis am Ende zu den Anfängen zurück: Die Frommen, die sich von den Sündern abheben und separieren, sind Verfallene der Sünde, stehen in ihrem Bann und gehen mit ihr unter.
Lukas hat dieses Sondergut in die Mitte seines Evangeliums gesetzt. Lukas erzählt die Geschichte Jesu als Geschichte des barmherzigen Vaters. Wenn er mit Sündern isst, wird einerseits das Abendmahl sichtbar, das Jesus mit seinen Jüngern – allesamt Versagern – in der „Nacht“ feiert, in der er verraten wird, aber auch die nachösterliche Gemeinschaft, die Jesus seinen Jüngern schenkte. Jesus hat von dem Mahl im Reiche Gottes gesprochen. Die Einladung des Vaters im Gleichnis bekommt in diesem Kontext eine besondere (B)deutung: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer mit „er“ gemeint ist? Man wird das Gleichnis verlassen müssen, um ihm auf die Spur zu kommen.
Wer dem Gleichnis weiter nachdenken möchte, findet eine Hilfe unter
http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/4Fast_C_Lk15_1-3_11-32_Diefenbach.pdf
Die altkirchliche Auslegung ist zu finden unter
http://www.catena-aurea.de/ljcpann24.htmlIn Lukas 15 treffen wir auf ein Gleichnis in drei Variationen: von verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme – und vom verlorenen Sohn. Ausgangspunkt ist die Klage der Frommen, Jesus gebe sich mit Sündern ab und pflege sogar Gemeinschaft mit ihnen. Da erzählt Jesus ihnen ein Gleichnis. Dabei handelt es sich bei Lukas um sog. Sondergut, das auch wie anderes Sondergut bei ihm durch Anschaulichkeit, Lebensnähe und Menschlichkeit geprägt ist. Zu den Beispielen des Sondergutes gehören das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und vom armen Lazarus – sprichwörtlich bis zum heutigen Tag.
Obwohl auch vom verlorenen Sohn geredet wird, erlaubt die dritte Variation des einen Gleichnisses keine einfachen Gedankengänge. Wer ist hier verloren? Der jüngere Sohn, der geht – oder der ältere, der geblieben ist? Der die Freiheit suchte (und verspielte) – oder der, der über die heimatliche Scholle nie hinausgesehen hat und gar nicht weiß, was Leben heißt? Im Duktus des Gleichnisses wird manches offen gehalten. Diese „Leerstellen“ machen das Gleichnis zu einem Lebens- und Leseabenteuer.
Im Mittelpunkt steht der barmherzige Vater, der den jüngeren, gut ausgestattet, ziehen lässt, ohne ihn über die Risiken aufzuklären – ihm entgegenläuft und die gescheiterte Existenz in die Arme schließt – und den Bruder zur Mitfreude einlädt, nicht ohne ihn auf seine Privilegien aufmerksam zu machen. Dabei bekommt die Geschichte die Züge einer Auferstehungsgeschichte: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer draußen bleibt – es bleibt offen, wie sich der Ältere dann letztlich entscheidet -, stirbt und geht verloren. So prägnant führt das Gleichnis am Ende zu den Anfängen zurück: Die Frommen, die sich von den Sündern abheben und separieren, sind Verfallene der Sünde, stehen in ihrem Bann und gehen mit ihr unter.
Lukas hat dieses Sondergut in die Mitte seines Evangeliums gesetzt. Lukas erzählt die Geschichte Jesu als Geschichte des barmherzigen Vaters. Wenn er mit Sündern isst, wird einerseits das Abendmahl sichtbar, das Jesus mit seinen Jüngern – allesamt Versagern – in der „Nacht“ feiert, in der er verraten wird, aber auch die nachösterliche Gemeinschaft, die Jesus seinen Jüngern schenkte. Jesus hat von dem Mahl im Reiche Gottes gesprochen. Die Einladung des Vaters im Gleichnis bekommt in diesem Kontext eine besondere (B)deutung: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer mit „er“ gemeint ist? Man wird das Gleichnis verlassen müssen, um ihm auf die Spur zu kommen.
Wer dem Gleichnis weiter nachdenken möchte, findet eine Hilfe unter
http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/4Fast_C_Lk15_1-3_11-32_Diefenbach.pdf
Die altkirchliche Auslegung ist zu finden unter
http://www.catena-aurea.de/ljcpann24.html
Die beiden Gleichnisse Verse 4-10 zeigen Gottes Sorge um das Verlorene und seine Freude am Wiederfinden. Dies gipfelt in der Dramaturgie des Lukas im Gleichnis Verse 11-32.
Diese vielleicht bekannteste Stelle des Lukas steht im Zentrum seines Evangeliums.
Der Beginn des Gleichnisses ist auch für damalige Verhältnisse nichts Besonderes: Auszahlung des Erbteils für den Jüngeren (weil der Ältere der Nachfolger des Vaters war - vgl. Dtn 21,17; Sir 33,20-24); Leben im Ausland; die Rückkehr nach Hause, wenn keine Lebensgrundlage im Ausland mehr gegeben war.
Der Rahmen des Üblichen wird durch das Verhalten des Hausherrn, des Vaters gesprengt: Er eilt (entgegen den Normen) dem Jüngeren entgegen - und behandelt ihn als Gleichgestellten.
Worin liegt die Schuld des Jüngeren? - Nicht im Rechtlichen, sondern im Moralischen. Und nach der selbstverschuldeten Mittellosigkeit verdingt er sich als Schweinehirt - und fällt damit auch noch vom Gesetz ab.
Vers 17 benennt den Wendepunkt: die Selbstbesinnung. Sie ist der erste Schritt zur Umkehr. Mit Vers 20 beginnt eigentlich erst die Geschichte; Verse 11-19 waren Vorbereitung.
Im Mittelpunkt steht der Vater, sein verzeihendes Erbarmen sein Mitleid. Seine Vergebung geht dem Schuldbekenntnis des Sohnes voraus - Gottes Liebe kommt dem Menschen immer schon zuvor. Das folgende Mahl ist auch öffentlich Erweis der Rehabilitierung des Sohnes. (Vgl. den Zusammenhang von Buße, Verzeihung und eucharistischer Gemeinschaft in der Kirche!)
Mit Vers 24 könnte das Gleichnis enden - doch nun tritt noch der ältere Sohn auf. Der Zorn dieses "Gerechten" (Vers 28) ist das Gegenteil des Erbarmens des Vaters; ihn empört die Außerkraftsetzung der gerechten Ordnung. Vers 31 zeigt, dass die Barmherzigkeit des Vaters auch den beleidigten Sohn und seine Haltung einschließt. - Aber der Schluss, die Reaktion des erstgeborenen Sohnes bleibt offen.
Dieses Gleichnis wird auch "Evangelium im Evangelium" genannt und hatte/hat eine große Wirkungsgeschichte sowohl in der Kunst als auch in der Literatur.