Lesung aus dem Buch Genesis.
Israel liebte Josef mehr als alle seine Söhne,
weil er ihm in hohem Alter geboren worden war.
Er ließ ihm einen bunten Rock machen.
Als seine Brüder sahen,
dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder,
hassten sie ihn
und konnten mit ihm kein friedliches Wort mehr reden.
Als seine Brüder fortgezogen waren,
um die Schafe und Ziegen ihres Vaters bei Sichem zu weiden,
sagte Israel zu Josef:
Weiden nicht deine Brüder bei Sichem?
Geh, ich will dich zu ihnen schicken.
Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan.
Sie sahen ihn von Weitem.
Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen war,
assten sie den Plan, ihn umzubringen.
Sie sagten zueinander:
Siehe, da kommt ja dieser Träumer.
Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn
und werfen wir ihn in eine der Zisternen.
Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen.
Dann werden wir ja sehen,
was aus seinen Träumen wird.
Ruben hörte das und wollte ihn aus ihrer Hand retten.
Er sagte: Begehen wir doch keinen Mord.
Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut!
Werft ihn in die Zisterne da in der Steppe,
aber legt nicht Hand an ihn!
Das sagte er, um ihn aus ihrer Hand zu retten
und zu seinem Vater zurückzubringen.
Als Josef bei seinen Brüdern angekommen war,
zogen sie ihm seinen bunten Rock aus,
den Ärmelrock, den er anhatte,
packten ihn und warfen ihn in die Zisterne.
Die Zisterne war leer; es war kein Wasser darin.
Sie saßen beim Essen und erhoben ihre Augen
und sahen,
siehe, eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam.
Ihre Kamele waren mit Tragakant,
Mastix und Ladanum beladen.
Sie waren unterwegs nach Ägypten.
Da sagte Juda seinen Brüdern:
Was haben wir davon,
wenn wir unseren Bruder erschlagen
und sein Blut zudecken?
Kommt, verkaufen wir ihn den Ismaelitern.
Wir wollen aber nicht Hand an ihn legen,
denn er ist doch unser Bruder und unser Fleisch.
Seine Brüder hörten auf ihn.
Midianitische Kaufleute kamen vorbei.
Da zogen sie Josef aus der Zisterne herauf
und verkauften ihn für zwanzig Silberstücke
an die Ismaeliter.
Sie brachten Josef nach Ägypten.
Kv: Gedenkt der Wunder, die der Herr getan! - Kv
Oder GL 69,1
Er rief den Hunger ins Land, *
entzog ihnen allen Vorrat an Brot.
Doch hatte er ihnen einen Mann vorausgesandt: *
Josef wurde als Sklave verkauft. - Kv
Man spannte seine Füße in Fesseln *
und zwängte seinen Hals ins Eisen
bis zu der Zeit, als sein Wort sich erfüllte *
und der Spruch des HERRN ihm Recht gab. - Kv
Er sandte einen König, der ließ ihn frei, *
einen Herrscher der Völker, der ließ ihn heraus.
Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, *
zum Herrscher über seinen ganzen Besitz, - Kv
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes:
Hört noch ein anderes Gleichnis:
Es war ein Gutsbesitzer,
der legte einen Weinberg an,
zog ringsherum einen Zaun,
hob eine Kelter aus
und baute einen Turm.
Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer
und reiste in ein anderes Land.
Als nun die Erntezeit kam,
schickte er seine Knechte zu den Winzern,
um seine Früchte holen zu lassen.
Die Winzer aber packten seine Knechte;
den einen prügelten sie,
den andern brachten sie um,
wieder einen anderen steinigten sie.
Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal;
mit ihnen machten sie es genauso.
Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen;
denn er dachte:
Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
Als die Winzer den Sohn sahen,
sagten sie zueinander: Das ist der Erbe.
Auf, wir wollen ihn umbringen,
damit wir sein Erbe in Besitz nehmen.
Und sie packten ihn,
warfen ihn aus dem Weinberg hinaus
und brachten ihn um.
Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt:
Was wird er mit jenen Winzern tun?
Sie sagten zu ihm:
Er wird diese bösen Menschen vernichten
und den Weinberg an andere Winzer verpachten,
die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
Und Jesus sagte zu ihnen:
Habt ihr nie in der Schrift gelesen:
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
er ist zum Eckstein geworden;
vom Herrn ist das geschehen
und es ist wunderbar in unseren Augen?
Und wer auf diesen Stein fällt,
wird zerschellen;
auf wen der Stein aber fällt,
den wird er zermalmen.
Darum sage ich euch:
Das Reich Gottes wird euch weggenommen
und einem Volk gegeben werden,
das die Früchte des Reiches Gottes bringt.
Als die Hohepriester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten,
merkten sie, dass er von ihnen sprach.
Sie suchten ihn zu ergreifen;
aber sie fürchteten die Menge,
weil sie ihn für einen Propheten hielt.
Keine Inhalte für diese Messfeier vorhanden
O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unser Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.
So lasst uns nun ihm dankbar sein,
dass er für uns litt solche Pein,
nach seinem Willen leben.
Auch lasst uns sein der Sünde Feind,
weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach tun streben,
die Lieb erzeigen jedermann,
die Christus hat an uns getan
mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht das recht,
wie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
tu dich davor bewahren!
Die bis heute gesungenen beiden Strophen sind ursprünglich der Rahmen einer 23-strophigen Passionsbetrachtung in Liedform. Sebald Heyden erzählt darin die Leidensgeschichte Jesu in der Art einer Evangelienharmonie nach den vier Evangelisten. Die erste Strophe formuliert als Vorwort die erlösende Bedeutung des Wirkens und Sterbens Jesu und lädt, gemäß alter Auslegungstradition, zur „heilsamen Trauer“ über die eigenen Sünden und das ihretwegen geschehene Leiden Christi ein; zugleich beginnt mit der Erwähnung seiner Menschwerdung und Wundertaten bereits die Erzählung. Die letzte Strophe fasst den sensus moralis, die lebenspraktische Konsequenz der Passion Christi für die Gläubigen, zusammen: Dankbarkeit, Liebe, Gottesfurcht.
Jede Strophe besteht aus nicht weniger als zwölf – acht vier- und vier dreihebigen-jambischen Zeilen mit dem zweimaligen Reimschema [aabccb], wobei a und c männliche Reime sind und b weiblich ist. Diese ausladende Form bietet Raum für die erzählende Textmasse. Kein Geringerer als Paul Gerhardt sah sich veranlasst, eine Kontrafaktur zu Heydens stellenweise ungelenken Versen zu schaffen, sein 29-strophiges Lied im gleichen Versmaß O Mensch, beweine deine Sünd.

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Als Evangelium des 27. Sonntags wird das Weinberggleichnis in der Version des Evangelisten Matthäus vorgetragen. Dieses schließt eng an das vorhergehende Gleichnis von den ungleichen Söhnen an und ist an die gleichen Adressaten gerichtet, an die "Hohenpriester und Ältesten des Volkes". Schon darin unterscheidet sich das Gleichnis von seiner alttestamentlichen Vorlage (Jes 5, 1 ff).
Das Weinbergmotiv ist eine beliebte Metapher für die Beziehung Geliebter-Geliebte (siehe oben, 1. Lesung) wie auch für das Verhältnis Jahwes zu seinem Volk. Bei Matthäus geht es jedoch nicht um die Beziehung des Gottesvolkes zu seinem Herrn, sondern um die Beziehung der religiösen Führer des Volkes zu Jahwe.
Zur Zeit Jesu gehörte ein Teil des Landes Großgrundbesitzern, die im Ausland lebten, ihre Grundstücke von Pächtern bearbeiten ließen und von diesen die Erträge eintrieben. Das Gleichnis hat diese sozialen Umstände als Hintergrund, zielt aber auf die "Hohenpriester und Ältesten", die sich im übertragenen Sinne fremdes Eigentum (das Volk Gottes) unrechtmäßig angeeignet haben.
Eindeutiger als in anderen Gleichnissen ist die Rollenverteilung: Gutsbesitzer ist Gott, die Pächter sind die "Hohenpriester und Ältesten", die Knechte des Gutsbesitzers sind die Propheten, der Sohn des Gutsbesitzers ist Jesus Christus.
Das Logische Ende legt der Erzähler in Vers 41 den Zuhörern selbst in den Mund: Der Gutsbesitzer "wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten..."
Der Evangelist modifiziert diese Schlussfolgerung (Verse 42 bis 44): Nicht die Zerstörung Jerusalems und die Tötung der religiösen Führerschaft der Juden sind Absicht Gottes. Das Reich Gottes wird dem neuen Volk Gottes gegeben, das die erwarteten Früchte bringen wird. Mit anderen Worten: der Weinberg ist "in Ordnung". Im Gegensatz zur Jesaja-Vorlage richtet sich die Kritik nicht an das Volk sondern an die, die den Weinberg verwalten.
Eine zusätzliche Erweiterung erhält der Text durch das Wort vom verworfenen Baustein. Die junge Kirche deutet das Gleichnis auf Christus hin. Sie sieht ihn als den Sohn und Erben des Weinbergbesitzers. Den von den Hohenpriestern und Ältesten Verworfenen sehen sie in einer neuen Schlüsselrolle: Er ist der Eck- und Schlussstein, der alles zusammenhält und der Heilsgeschichte eine neue Perspektive gibt.
Wie an den letzten beiden Sonntagen, so kommt auch in den heutigen Texten wieder der Weinberg vor. Vor zwei Wochen war es das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, und am letzten Sonntag das Gleichnis von den ungleichen Söhnen.
Das heutige Gleichnis ist an Hohepriester und Älteste adressiert. Die aus dem älteren Testament bereits bekannte Metapher des Weinberges (Beziehung "Geliebte – Geliebter" vgl. dazu auch die erste Lesung) wird hier als Bild der Beziehung zwischen Jesus und den religiösen Führern des Volkes gesehen.
Zur Zeit Jesu war der Grundbesitz in den Händen von einigen wenigen Machthabern, Königen oder Großgrundbesitzern. Die Bauern hatten oftmals keinen eigenen Boden, den sie bewirtschafteten, sondern waren häufig Pächter. Vielfach lebten die Grundbesitzer im Ausland und ließen den Pachtzins (bis zur Hälfte des Ertrags!) durch ihre Verwalter eintreiben. Die Galiläer waren vielfach Zeloten und kämpften gegen die ausländischen Grundbesitzer. Die Pacht musste daher immer wieder mit Zwangsmitteln eingetrieben werden.
Beim Tod von Proselyten oder Heiden ohne Erben konnten sich Juden deren Weingärten oder Äcker aneignen. Wer als erster den Grund umzäunte, dem fiel er als Besitz zu.
Aus dieser leidenschaftlich bewegten Welt und Mentalität gestaltet Jesus die Botschaft seines Gleichnisses. Matthäus spricht auch das Glaubensverständnis der jungen Gemeinden an. Da Israel JHWH verworfen hat, sind nun sie die Erben dieser Verheißung und des Reiches Gottes. Gott bleibt auch nach der Verwerfung seines Sohnes seiner Zusage an den Menschen treu und wendet sich denen zu, die für die Gnade seines Reiches offen sind.
Die Parabel vom Weinbergmord - der Titel ist wohl griffig, greift aber zu kurz - trägt deutliche Referenzen an das Weinberglied des Jesajabuches (heutige erste Lesung). Der Evangelist legt Jesus eine Standpauke an die Verantwortlichen der Synagogengemeinden seiner Zeit in den Mund. Dazu benutzt er das Bild des Weinberglieds, erweitert es aber entscheidend. So sind die Männer Israels nicht mehr passive Pflanzungen, sondern aktive Winzer. Dann kommen die Knechte des Weinbergsbesitzers vor - sie sind die Propheten im Volk Israel, die oftmals unter harter Verfolgung litten. Und dann ist da noch der Erbe, den die Winzer töten: Hier deutet Matthäus das Weinberglied, das Christen im Zusammenhang der Immanuelsverheißung von Jesaja wohl implizit auf Christus hin lesen, nun explizit christologisch um. Durch die tragischen Motive der Parabel wird die Passionsgeschichte Jesu vorweg angedeutet.